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  1. Geschichte des Open Access

    1991–2003: Anfänge der Open-Access-Bewegung 1991 Paul Ginsparg richtet den arXiv-Server für Physik-Preprints am Los Alamos National Laboratory (LAN-L) ein, um Preprints in der Physik frei zugänglich zu machen. 1995 In der sog. Zeitschriftenkrise führen in den 1990er Jahren steigende Anschaffungskosten für wissenschaftliche Literatur zu einer Belastung der Erwerbungsetats wissenschaftlicher Bibliotheken und damit vielfach zu einer Verschlechterung der Literaturversorgung. Neben den steigenden Zeitschriftenpreisen wird diese Krise auch dadurch verursacht, dass immer mehr Hochschulen und wissenschaftliche Gesellschaften ihre Publikationen an kommerzielle Verlage abgeben. Davon betroffen ist vor allem die Zeitschriftenliteratur, weshalb diese Entwicklung auch als Zeitschriftenkrise bezeichnet wird. Später setzt diese Krise auch bei Monografien ein. 1999 Biomed Central (BMC), der erste Open-Access-Verlag, wird durch Vitek Tracz gegründet. 2008 wird BMC an Springer verkauft. Die Open Archives Initiative (OAI), die sich für die Entwicklung von technischen Standards für die Interoperabilität von Metadaten einsetzt, wird gegründet. 2001 Die erste Verson des Open Archive Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) , einer Schnittstelle für das Harvesting von Daten aus Repositorien , wird veröffentlicht. Das CERN und die Universität Genf veranstalten den ersten OAI-Workshop . Hieraus hat sich eine wichtige Konferenz im Bereich Open Science entwickelt, die seitdem alle zwei Jahre in Genf ausgerichtet wird. 2002 Ausgehend von einer Tagung des Open Society Institutes (OSI) in Budapest schließen sich in der Budapest Open Access Initiative international und disziplinenübergreifend Wissenschaftler*innen zusammen. Diese fordert im Jahr 2002: "Frei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen." Die Organisation Creative Commons wird in den USA von Lawrence Lessig und anderen gegründet und gibt mehrere Copyright-Lizenzen, bekannt als Creative-Commons-Lizenzen , kostenlos für die Öffentlichkeit frei. Die Open-Source-Software Open Journal Systems für Redaktionsmanagement und Herausgabe wissenschaftlicher Zeitschriften wird vom kanadischen Public Knowledge Project veröffentlicht. Mit SPARC Europe gründet sich eine Allianz von europäischen Wissenschafts- und Forschungsbibliotheken, Nationalbibliotheken, Bibliotheksverbänden und Forschungseinrichtungen, die die Open-Access-Bewegung weiter voranbringen will. Das amerikanische Vorbild SPARC (the Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition) wurde bereits im Jahr 1998 gegründet. Sherpa Romeo (heute Open Policy Finder ), die Datenbank für Open-Access-Richtlinien von Zeitschriften und Verlagen, in der die Bedingungen der Verlage für die Archivierung von Artikeln mit entsprechenden Statistiken zusammengefasst sind, geht online. 2003 Das Bethesda Statement on Open Access Publishing wird während eines Treffens zum Open-Access-Publizieren im Howard Hughes Medical Institute in Chevy Chase, MD, von Vertreter*innen von Forschungsförderungsinstitutionen, Bibliotheken und Verlagen sowie von Wissenschaftler*innen verfasst. Mit Fokus auf die Biomedizin wird die Notwendigkeit betont, wissenschaftliche Forschungsergebnisse schnell, effizient und offen zu verbreiten. Das Statement hebt die Möglichkeit (und die Pflicht) hervor, wissenschaftliche Ergebnisse, Ideen und Entdeckungen entgeltfrei mit der Scientific Community und der Öffentlichkeit zu teilen. Die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities) wird im Rahmen einer von der Max-Planck-Gesellschaft und dem Projekt European Cultural Heritage Online (ECHO) organisierten Tagung zur Entwicklung neuer web-basierter Forschungsumgebungen (erste „Berlin-Konferenz“) erarbeitet. Durch ihre Unterzeichnung verpflichten sich namhafte europäische und amerikanische Forschungsorganisationen und Universitäten die Weiterentwicklung des Open-Access-Gedankens zu unterstützen, indem sie z. B. Forscher*innen darin bestärken, ihre Ergebnisse Open Access zu veröffentlichen. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) wird als zentrales Verzeichnis für Open-Access-Zeitschriften an der Universität Lund in Schweden ins Leben gerufen. Es wird gemeinschaftlich kuratiert und indexiert qualitativ hochwertige Open-Access-Zeitschriften mit Peer-Review -Verfahren. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veröffentlicht das erste DINI-Zertifikat für Repositorien . Dort werden Web-Standards für Publikationsdienste definiert um sicherzustellen, dass Open-Access-Literatur in Repositorien auffindbar, archiviert und zugänglich ist. 2004–2009: Die Open-Access-Infrastruktur wächst 2004 Die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) für wissenschaftliche Web-Dokumente wird von der Universität Bielefeld veröffentlicht. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) führt seine Open Access Policy ein, in der eine starke Empfehlung für das Open-Access-Publizieren ausgesprochen wird. 2006 Das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) , das von der Universität Nottingham in Zusammenarbeit mit der Universität Lund entwickelt wurde, geht online. Das Verzeichnis listet akademische Open-Access-Repositorien auf und ist u. a. nach Regionen und Inhalt durchsuchbar. Sherpa Juliet ( heute Open Policy Finder ), eine Datenbank für Open-Access-Mandate von Förderorganisationen wird ins Leben gerufen. 2007 Die DFG-geförderte Informationsplattform open-access.net startet und bietet zentral und gebündelt Informationen rund um Open Access an. Zum ersten Mal finden in Konstanz die Open-Access-Tage statt. Die Konferenz wird seither jährlich als zentrale Konferenz zum Thema Open Access im deutschsprachigen Raum an wechselnden Orten ausgerichtet. Die EU-Kommission verfasst ein Grundsatzpapier zu Open Access . Sie unterstützt das Thema umfassend und gibt das Ziel aus, Open Access sowohl auf europäischer Ebene als auch auf der Ebene der Mitgliedstaaten voranzutreiben. Genauso nimmt der European Research Council (ERC) Stellung pro Open Access . 2008 Die Europäische Kommission führt den Open Access Pilot für geförderte Projekte ein und unterstützt diese bei der Finanzierung von Open-Access- Publikationsgebühren . Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen gründet die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ (heute: Schwerpunkt “Digitalität in der Wissenschaft” ) um ihre Aktivitäten im Bereich Open Access zu koordinieren. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) verpflichtet die Empfänger*innen von Förderbeiträgen zur Publikation der Forschungsergebnisse in Open Access. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) verpflichtet alle von ihm geförderten Forschungsprojekte dazu, die Forschungsergebnisse aus diesen Projekten im Open Access zu publizieren. FWF geförderte Wissenschaftler*innen können seither im Rahmen des Programms "Referierte Publikationen" (inzwischen " Open-Access-Pauschale ") zusätzliche finanzielle Unterstützung bei der Finanzierung von Open-Access-Artikeln erhalten. 2009 OpenAIRE (Open Access Infrastructure for Research in Europe), das EU-Projekt zum Aufbau einer elektronischen Infrastruktur zur Archivierung von Forschungspublikationen aller 27 europäischen Mitgliedsstaaten, für den Umgang mit begutachteten Artikeln, Preprints und Konferenzpublikationen sowie für die Verwaltung von Forschungsdatensätzen startet. Es geht aus dem Vorgängerprojekt DRIVER hervor, das ein europaweites Netzwerk von digitalen Repositorien aufgebaut hat. Die Confederation of Open Access Repositories (COAR) startet, ein Zusammenschluss von internationalen Repositorien-Initiativen. Ihre Aufgabe ist es, die Sichtbarkeit und Verwertung von Forschungsergebnissen durch ein globales Netzwerk von Open-Access-Repositorien zu verbessern. Wie OpenAIRE geht auch COAR aus dem europäischen Projekt DRIVER hervor. Zum ersten Mal findet die Internationale Open Access Week statt, in der zahlreiche Institutionen weltweit Veranstaltungen zum Thema Open Access anbieten, um darauf aufmerksam zu machen, darüber zu informieren und einen Austausch zu bieten. Mit einer Unterschriftenaktion, dem sog. Heidelberger Appell , mobilisierte der Literaturwissenschaftler Roland Reuß Widerstand gegen die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke durch Google Books und gegen Open Access. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) startet mit dem Programm Selbstständige Publikationen eines der weltweit ersten Förderprogramme zur Finanzierung von Open-Access-Büchern. 2010–2015: Open-Access-Förderung im Aufschwung 2010 Im Rahmen des EU-geförderten Projekts OAPEN (Open Access in European Networks) startet die gleichnamige Plattform, um die Open-Access-Transition bei akademischen Büchern zu fördern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beginnt mit dem Programm "Open Access Publizieren" den Aufbau von Open-Access-Publikationsfonds an deutschen Hochschulen zu fördern und beeinflusst damit maßgeblich die Entwicklungen in diesem Bereich. Fournier/Weihberg schreiben hierzu: “Da in der Übergangsphase vom Subskriptions- auf ein Open-Access-Modell wesentliche Teile des Erwerbungsetats der Bibliotheken auch weiterhin für die Finanzierung von Lizenzen benötigt werden, kann die für die Transformation erforderliche Umschichtung (zumindest von Teilen) dieses Budgets nur in Gang kommen, wenn für eine begrenzte Zeit zusätzliche Mittel für die Finanzierung von Open-Access-Publikationskosten bereitgestellt werden.” ( Fournier & Weihberg, 2013, S. 23 7) 2012 Das Bekenntnis der Budapester Erklärung zum offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen wird aktualisiert. Dabei werden auch Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access formuliert, vor allem bezüglich Leitlinien, Lizenzierungen, Open-Access-Infrastrukturen und -Angeboten sowie deren Nachhaltigkeit. OAPEN startet das Directory of Open Access Books (DOAB) für begutachtete Open-Access-Bücher als Gegenstück zum DOAJ . Neben Metadaten bietet es Links zu den Volltexten der Publikationen auf den Websiten oder Repositorien der Verlage. Der Finch-Report mit Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access für Forschungsförderungsinstitutionen aus Großbritannien wird formuliert. Der Bericht spricht sich stark für eine Förderung und Bevorzugung des Goldenen Wegs gegenüber dem Grünen Weg aus. Dafür stand er in der Kritik ( Abadal, 2014 ), weil steigende Publikationskosten sowie ein Zwang zur Nutzung einer speziellen Lizenz (CC-BY-Lizenz) befürchtet wurden. Das Open Access Network Austria (OANA) wird zur nationalen Vernetzung unter dem organisatorischen Dach des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und der Österreichischen Universitätenkonferenz (UNIKO) gegründet. Das Netzwerk wurde 2018 bei gleichbleibendem Akronym in Open Science Network Austria umbenannt und 2022 von der Plattform Open Science Austria abgelöst. 2013 Zenodo , das von der EU-geförderte und vom CERN betriebene universelle Repositorium, startet. 2014 Die Landesregierung Schleswig-Holstein befürwortet und fördert mit ihrer Strategie für Open Access den offenen Zugang zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und zu den Quellen des kulturellen Erbes. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg erstellt mit einem Grundsatzpapier zum Thema E-Science ein Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur in Baden-Württemberg, das unter anderem das Handlungsfeld Open Access beinhaltet. Die Urheberrechtsklausel für Zweitveröffentlichung wird in das deutsche Urheberrechtsgesetz eingefügt ( § 38 Abs. 4 UrhG ). Sie räumt Autor*innen das unabdingbare Recht ein, ihre Zeitschriftenpublikationen in der akzeptierten Manuskriptversion nach Ablauf eines Jahres z. B. über ein Open-Access-Repositorium frei zugänglich zu machen. Dies gilt, wenn die Ergebnisse aus überwiegend öffentlich geförderten Forschungsaktivitäten stammen und das Werk in einem wenigstens zweimal jährlich erscheinenden Periodikum erschienen ist. Im Forschungsförderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union werden die geförderten Projekte verpflichtet, die aus ihnen entstandenen Publikationen im Open Access zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommt die Verpflichtung auch die zugrunde liegenden Forschungsdaten offen zu publizieren, für die es allerdings ein Opt-Out gibt („as open as possible, as closed as necessary“; Landi et al., 2019 ). In Österreich wird eines der weltweit ersten nationalen Open-Access-Abkommen geschlossen. Die Kooperation E-Medien Österreich und der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) haben dies mit dem Verlag IOP Publishing ausgehandelt. Dieser Vereinbarung folgen weitere österreichische Open-Access-Transformationsabkommen . Mit dem Projekt e-infrastructures Austria soll der koordinierte Aufbau sowie die Weiterentwicklung von Repositorieninfrastrukturen in Österreich gefördert werden. Förderer ist das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. 2015 Mit dem Arbeitskreis Open Access (AKOA) wird eine offizielle Arbeitsgruppe der Schweizerischen Konferenz der Universitätsbibliotheken (KUB/BU, heute SLiNER ) gegründet. Der Berliner Senat veröffentlicht eine Open-Access-Strategie für das Land Berlin . Dieses Strategiepapier trägt dazu bei, den offenen Zugang zu digitalen Wissensressourcen zu etablieren. Die Fraunhofer-Gesellschaft verankert mit der Fraunhofer Open Access-Strategie 2020 uneingeschränkt das Prinzip des Open Access bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Seit 2016: Open-Access-Transformation nimmt Fahrt auf 2016 Die Initiative Open Access 2020 (OA2020) , ein globaler Zusammenschluss von Wissenschafts- und Forschungsorganisationen, wird gegründet. Dieser setzt sich dafür ein, den Übergang vom Abonnementsystem für wissenschaftliche Publikationen zu neuen Open-Access-Modellen zu beschleunigen. OA2020 zielt darauf ab, dass Forschungsartikel ohne Embargofristen Open Access veröffentlicht werden und dass die mit ihrer Verbreitung verbundenen Kosten transparent, gerecht und wirtschaftlich tragbar sind. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht eine umfassende Open-Access-Strategie . Die neuen Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Open Access sich als Standardmodell des wissenschaftlichen Publizierens in Deutschland etabliert. Die Helmholtz-Gemeinschaft veröffentlicht eine Open-Access-Richtlinie , nach der Mitarbeiter*innen ihre Publikationen offen zugänglich und nachnutzbar machen sollen. Die Leibniz-Gemeinschaft erstellt eine Open-Access-Policy , in der sie Open Access als wichtigen Baustein zur Gestaltung einer transparenten Wissenschaftskultur verankert. Die Empfehlungen für die Umsetzung von Open Access in Österreich werden von der Arbeitsgruppe „Nationale Strategie” des Open Science Network Austria (OANA) veröffentlicht. Erklärtes Ziel sind 100% Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen im Jahr 2025. 2017 Die Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) wird gegründet, ein Netzwerk von Organisationen, die Open Science unterstützen und sich dafür einsetzen, die Infrastruktur und Services im Bereich Open Science zukunftsgerichtet und langfristig zu sichern. Die Freie und Hansestadt Hamburg bündelt zusammen mit ihren staatlichen wissenschaftlichen Institutionen ihre Aktivitäten in den Bereichen Open Access und Open Science und entwickelt die hochschulübergreifende Strategie Hamburg Open Science (HOS) . Das Projekt Austrian Transition to Open Access (AT2OA) startet. Es wird vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert und hat zum Ziel, die Transformation von Closed zu Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen mitzutragen und mit Maßnahmen zu unterstützen. In der Schweiz wird eine nationale Open-Access-Strategie verabschiedet. Sie sieht vor, dass 2024 alle wissenschaftlichen Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung Open Access zugänglich sein sollen. 2018 In der cOAlition S schließt sich ein Konsortium aus Science Europe sowie elf nationalen Forschungsförderorganisationen zusammen. Unterstützt von der Europäischen Kommission veröffentlichen sie den Plan S . Dieser sieht vor, dass Empfänger*innen von Fördermitteln von Mitgliedsorganisationen der cOAlition S die daraus resultierenden Publikationen sofort (ohne Embargofristen) und unter offenen Lizenzen zur Verfügung stellen. Dies kann entweder auf Publikationsplattformen, in Open-Access-Zeitschriften oder durch sofortige Bereitstellung in offenen Repositorien geschehen, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Der Freistaat Thüringen entwirft eine landesweite Strategie für die Digitale Gesellschaft . Unter anderem soll dadurch Open Access an den Thüringer Hochschulen etabliert werden. 2019 Das Projekt DEAL schließt Publish-and-Read-Verträge mit großen Wissenschaftsverlagen ab, die erstmals eine Open-Access-Komponente enthalten. Initiiert wurde das Projekt bereits 2014 von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im Auftrag der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen. Ziel von DEAL ist es, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften großer Wissenschaftsverlage abzuschließen. Anfang 2019 wird mit dem Wiley-Verlag und ein Jahr später, 2020, auch mit dem Verlag Springer Nature ein umfangreicher Konsortialvertrag unterzeichnet. Die Verträge sichern den teilnehmenden Einrichtungen den lesenden Zugriff auf rund 1.900 Zeitschriften der Verlage und ermöglichen es den Autor*innen dieser Einrichtungen, ohne zusätzliche Kosten dort eine Open-Access-Option wahrzunehmen. Das Land Brandenburg entwickelt eine Open-Access-Strategie . Vom Wirtschaftsministerium gefördert beschreibt die Strategie, wie Open Access erheblich ausgebaut werden kann. 2020 Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Publikationskosten und gezielte Unterstützung für wissenschaftsfreundliche Publikationsinfrastrukturen . Covid-19 beschleunigt die weltweite Nutzung von Open-Access-Preprint-Servern. In der Erforschung des Coronavirus ermöglichen Preprints eine Beschleunigung der Wissenschaftskommunikation. Die Zahl der auf dem 2019 gestarteten Preprint-Server MedRxiv veröffentlichten Preprints steigt im Rahmen der COVID-19-Forschung sprunghaft an (vgl. Fraser et al., 2021 ). Seit 2021: Open Access zwischen DEAL und Diamond 2021 Bundesweit fällt zum 1. Februar 2021 der Startschuss für 20 Open-Access-Projekte , die im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Beschleunigung der Transformation zu Open Access des BMBF Open Access als Standard für wissenschaftliches Publizieren nachhaltig vorantreiben sollen. Auf politischer Ebene nehmen im November die Parteien SPD, Grüne und FDP die Stärkung von Open Access und Open Science in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung auf. In Brandenburg nimmt die Vernetzungs- und Kompetenzstelle zu Open Access in Brandenburg ihre Arbeit auf und unterstützt die Hochschulen des Landes auf dem Weg zu mehr Offenheit in der Wissenschaft. Immer mehr Open-Access-Initiativen werden von Großverlagen aufgekauft - die Tendenz geht zur Kommerzialisierung des Open-Access-Modells durch wissenschaftliche Verlagskonzerne. So übernimmt zum Beispiel der US-amerikanische Wissenschaftsverlag Wiley die Pledging-Plattform Knowledge Unlatched . Diese Entwicklung innerhalb des wissenschaftlichen Publikationswesens bleibt nicht ohne Kritik, vor allem seitens verschiedener scholar-led Initiativen (vgl. Steiner, 2023 ). Das scholar-led.network-Manifest formuliert die zentrale Kritik des dahinterstehenden Netzwerks an der “neuen Zeitschriftenkrise” im derzeitigen wissenschaftlichen Publikationssystem und benennt mögliche Handlungsfelder für faires Publizieren. Auch aus der Physik, die mit dem Einrichten des Preprint -Servers arXiv 1991 initiale Schritte in Richtung Open Access gemacht hat, sammeln sich kritische Stimmen zu den Entwicklungen von Open Access. So veröffentlicht die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) ein entsprechendes Positionspapier zur Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens . Auf europäischer Ebene findet eine Stärkung der Rolle und der Rechte von Autor*innen statt: Die Mitglieder des International Science Council verpflichten sich dazu, auf eine Reform des Verlagssystems hinzuarbeiten und verabschieden acht Grundprinzipien , die sie dabei leiten sollen. Die cOAlition S entwickelt eine Rights Retention Strategy , mit der Forschenden die Möglichkeit eingeräumt werden soll, alle “author accepted manuscripts” bzw. “versions of record” mit einer CC BY-Lizenz zu versehen. Im selben Jahr wird die von der cOAlition S in Auftrag gegebene, großangelegte “OA Diamond Journals Study” ( Bosman et al., 2021 ) veröffentlicht, die einen Überblick über die aktuelle Landschaft von Diamond-Open-Access-Zeitschriften gibt. 2022 Begleitend zum DEAL-Projekt wird der Arbeitskreis Forum 13+ gegründet: ein unabhängiger Arbeitskreis aus Expert*innen deutscher Bibliothekskonsortien, der die Aushandlung von Transformationsverträgen zwischen wissenschaftlichen Institutionen und kleinen und mittleren Verlagen bzw. Fachgesellschaften koordiniert. In Deutschland behandeln Publikationen verschiedener Instanzen das Thema der Open-Access-Transformation: Das BMBF verfasst eine Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis und definiert darin als Förderziel eine Kultur, in der „Open Access immanenter Bestandteil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses selbst sein und zugleich zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe beitragen“ soll. Auch der Wissenschaftsrat veröffentlicht umfassende „ Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access “ und setzt darin Gold Open Access als Zielvorgabe der Transformation an. Um Publikationskosten zu monitoren und die Finanzierung des wissenschaftlichen Publizierens langfristig strategisch zu planen, sollen wissenschaftliche Einrichtungen sogenannte Informationsbudgets etablieren. Die DFG nimmt im Positionspapier „ Wissenschaftliches Publizieren als Grundlage und Gestaltungsfeld der Wissenschaftsbewertung. Herausforderungen und Handlungsfelder “ Stellung zur Aufgabe des Wissenschaftssystems angesichts aktueller Herausforderungen des Publikationswesens und formuliert Aufgaben für Wissenschaft und Geldgeber. U. a. fordert sie neue Formen der Qualitätsprüfung, alternative Systeme der Reputationszuschreibung und einen Ausbau des Spektrums akzeptierter Publikationsformate. Diamond Open Access wird international weiter gestärkt und Aktivitäten über Landesgrenzen hinweg koordiniert: Science Europe, cOAlition S und die französische Förderorganisation Agence nationale de la recherche (ANR) starten den “Action Plan for Diamond Open Access” ( Ancion et al., 2022 ). Damit setzen sie sich für eine gerechte, wissenschaftsgeleitete und nachhaltige Publikationsinfrastruktur ein. Damit folgt er den Empfehlungen der „OA Diamond Journals Study“ ( Bosman et al., 2021 ). Die DFG unterzeichnet den Action Plan. Österreich beschließt eine nationale Open Science Policy . 2023 Die Berliner Erklärung wird 20 Jahre. Das DEAL-Projekt handelt für die Jahre 2024-2028 weitere Konsortialverträge mit den Verlagen Springer Nature und Wiley aus. Die Publish-and-Read-Abkommen werden über die Umwidmung vormaliger Subskriptionsgebühren finanziert. Mit dem neu abgeschlossenen Abkommen mit Elsevier für September 2023-2028 besteht nun auch ein Transformationsvertrag mit einem dritten wissenschaftlichen Großverlag. Das BMBF und die Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichen das Papier Open Access in Deutschland – Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern . Darin unterstreichen sie die Vorgabe, dass Open Access als Standard für mit öffentlichen Geldern geförderte Forschung werden soll und sichern ihre langfristige Unterstützung in Hinblick auf rechtliche Absicherung und finanzielle Unterstützung zu. 2023 stellt auch das Startjahr für eine zweite Welle an BMBF-geförderten Open-Access-Projekten dar: 24 Projekte an Hochschulen, außeruniversitären Forschungsinstitutionen, Verlagen und klein- und mittelständischen Unternehmen nehmen deutschlandweit im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis ihre Arbeit auf. Gefördert wird eine Vielzahl an Vorhaben, „die wissenschaftsgetragene Finanzierungsmodelle etablieren, zur Erhöhung der Anerkennung von Open Access in der Wissenschaft beitragen und auf die vielfältigen Bedarfe einer Open Access-Kultur eingehen.“ Niedersachsen fördert einen landesweiten Open-Access-Publikationsfonds „NiedersachsenOPEN“ mit 3,5 Mio. €. Auf europäischer Ebene nimmt der Rat der Europäischen Union Schlussfolgerungen zum „High-quality, transparent, open, trustworthy and equitable scholarly publishing“ an. Die DFG begrüßt diese Ratsschlussfolgerung und unterstreicht die darin geforderten Standards für wissenschaftliche Publikationsorgane. Der weltweit erste „ Diamond Open Access Global Summit “ findet vom 23.-27. Oktober in Toluca, Mexiko statt. Ko-organisiert von einer Vielzahl internationaler Initiativen und Organisationen (u. a. Science Europe , Redalyc , UAMéx , AmeliCA , UNESCO , CLACSO , UÓR , ANR , cOAlition S und OPERAS ) versammelt der Summit zum ersten Mal DOA-Interessierte aller Kontinente. 2024 Die Schweiz aktualisiert ihre Nationale Open-Access-Strategie und setzt sich mit dem Jahr 2032 eine neue Zielvorgabe für eine vollständig vollzogene Transformation. Der Niederländische Wissenschaftsrat NWO unterstützt das Förderprogramm „Diamond Open Access Fonds“ mit 500.000 €. Finanziert wird hiermit das Flipping von Zeitschriften vom Subskriptionsmodell hin zu einem Open-Access-Modell ohne Publikationskosten für Autor*innen. Die Geschäftspraktiken von Großverlagen stehen seit Langem in der Kritik; gegen eine Reihe solcher Geschäftspraktiken wird in den USA eine Kartellklage erhoben durch die Klägerin Dr Lucina Uddin im Auftrag "aller natürlichen Personen mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten, die Peer-Review-Leistungen für die beklagten Verleger erbracht oder ihnen ein Manuskript zur Veröffentlichung vorgelegt haben". Den wissenschaftlichen Großverlagen Elsevier, Springer Nature, Taylor & Francis, Sage, Wiley und Wolters Kluwer wird darin vorgeworfen, unbezahlte Peer-Review-Arbeit zu erwarten, den Wettbewerb einzuschränken und die Verbreitung von wissenschaftlichen Ergebnissen zu begrenzen. Die Kläger*innen fordern Schadensersatz und ein Ende wettbewerbswidriger Absprachen. 2025 Die DFG fördert zunächst für drei Jahre eine nationale Servicestelle für Diamond Open Access: Das Projekt SeDOA hat das Ziel, durch bessere Koordination und Optimierung von dezentralen Dienstleistungen und Bereitstellung zentraler Informationsversorgung sowie Innovationen die Effizienz von Diamond Open Access zu steigern. Getragen wird das Vorhaben durch ein Konsortium aus 15 Einrichtungen. Als deutsches Diamond Capacity Centre ist die Servicestelle Teil eines europäischen Netzwerks. Zentraler europäischer Akteur in diesem Netzwerk und Dach für nationale und disziplinäre Diamond Capacity Centres ist der ebenfalls 2025 neu gegründete European Diamond Capacity Hub (EDCH). Die europäische Servicestelle soll wesentliche Dienstleistungen für die Anbieter von Publikationsdiensten bündeln und bereitstellen. Der EDCH koordiniert Initiativen zur Vernetzung, Qualitätssicherung und Sichtbarkeit von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, Weiterbildungsangebote und technischer Infrastruktur. Literatur Abadal, E. (2014). Gold or Green: The debate on open access policies. Contributions to Science, 10 , 89–93. https://doi.org/10.2436/20.7010.01.192 Ancion, Z., Borrell-Damián, L., Mounier, P., Rooryck, J., & Saenen, B. (2022). Action Plan for Diamond Open Access . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403 Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., & Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704 Fournier, J., & Weihberg, R. (2013). Das Förderprogramm» Open Access Publizieren «der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zum Aufbau von Publikationsfonds an wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie , 60 (5), 236-243. http://dx.doi.org/10.3196/186429501360528 Fraser, N., Brierley, L., Dey, G., Polka, J. K., Pálfy, M., Nanni, F., et al. (2021). The evolving role of preprints in the dissemination of COVID-19 research and their impact on the science communication landscape. PLoS Biology 19 (4): e3000959. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000959 Landi, A., Thompson, M., Giannuzzi, V., Bonifazi, F., Labastida, I., Bonino da Silva Santos, L. O., & Roos, M. (2019). The „A“ of FAIR – as open as possible, as closed as necessary. Data Intelligence, 2 (1–2), 47–55. https://doi.org/10.1162/dint_a_00027 Steiner, T. (2023). Alte Traditionen: zur Rolle von scholar-led publishing und Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften. LIBREAS. Library Ideas, 44 . https://doi.org/10.18452/28264 Weiterführende Literatur Baldwin, P. (2023). Athena unbound: Why and how scholarly knowledge should be free for all . MIT Press. https://doi.org/10.7551/mitpress/14887.001.0001 Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report. Open Research Office Berlin . https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02 Deppe, A., & Beucke, D. (2017). Ursprünge und Entwicklung von Open Access. In K. Söllner & B. Mittermaier (Hrsg.), Praxishandbuch Open Access (pp. 12–20). De Gruyter Saur. http://doi.org/10.5281/zenodo.802639 Hirschmann, B., & Verdicchio, D. (2017). Open Access in der Schweiz. In: K. Söllner & B. Mittermaier (Hrsg.) , Praxishandbuch Open Access (pp. 215-222). De Gruyter Saur. http://doi.org/10.1515/9783110494068-025 Hobert, A., Jahn, N., Mayr, P., Schmidt, B., & Taubert, N. (2020). Open Access Uptake in Germany 2010-18: Adoption in a diverse research landscape . Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.3892951 Suber, Peter (o. J.). History of open access . MediaWiki. https://cyber.harvard.edu/~psuber/wiki/History_of_open_access Timeline of the open-access movement (o. J.). Wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_the_open-access_movement...

  2. Open Access Positionen der Politik

    Intro Open Research Europe Quelle: Open Research Europe (2021). faster-h2020.eu Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Die wichtigsten Akteure im Politikfeld Open Access sind in Europa die Europäische Kommission und in Deutschland das BMFTR (bis 2025 BMBF) sowie die Landesregierungen. 2 Sie fördern und fordern mit verschiedenen politischen Maßnahmen den freien Zugang zu Wissen. 3 Auf Ebene der deutschen Bundesländer zeichnen sich in den Bereichen Open Access und Open Science unterschiedliche Entwicklungen ab. Praxistipp Der Praxistipp Open Access unterstützen - Landesregierungen benennt Maßnahmen, mit denen Landesregierungen Open Access praktizieren und unterstützen können. Politische Steuerung & Diskussion Das Themenfeld Open Access , die Formulierung von Open Access Policies und ihre Implementierung sind Gegenstand politischer Diskussionen und Aushand­lungsprozesse. Wer sind treibende Kräfte und was sind ihre Positionen? Open Access Policies werden sowohl durch Vorgaben von oben (“top down”) – insbesondere von der europäischen Ebene auf die Ebene der Nationalstaaten und Länder – als auch von unten (“bottom up”) durch engagierte Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Einrichtungen und Open-Access-Initiativen vorangetrieben. Wichtige Meilensteine der Diskussion um den offenen Zugang zu wissenschaft­lichen Informationen sind (siehe auch Geschichte des Open Access ): die Budapester Open Access Initiative (2002) die Berliner Erklärung über den offenen Umgang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) sowie weiterführend das Bethesda Statement on Open Access Publishing (2003) der Amsterdam Call for Action on Open Science (2016) , The Vienna Principles: A Vision for Scholarly Communication in the 21st Century (2016) , der Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity (2017) Plan S (2018) der Action Plan for Diamond Open Access (2022) Viele staatliche und überstaatliche Institutionen, wie die Europäische Union (EU), das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ( BMFTR , bis Mai 2025 Bundesministerium für Bildung und Forschung) , Ländermini­sterien, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und teilweise auch Hoch­schulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen , nehmen dabei eine Doppelrolle ein. Als politische Akteure beteiligen sie sich mit unterschiedlichen Interventionen und Maßnahmen an Aushand­lungsprozessen um Open Access; gleichzeitig sind sie auch Fördermittelge­bende und setzen in dieser Funktion unmittelbar Maßstäbe und Rahmen­bedingungen. Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten staatlichen Akteure im Politikfeld Open Access gegeben und jeweils kurz erläutert, wie der freie Zugang zu wissenschaftlichem Wissen im jeweiligen Kontext ermöglicht bzw. durch politische Regulierungen gefördert wird. Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Supranationale Ebene Auf supranationaler Ebene setzen die Europäische Kommission (EC ) und der European Research Council (ERC) wichtige Impulse für die Implementierung von Open Access und Open Science. Auch von der UNESCO wurde 2021 eine Recommendation on Open Science verabschiedet. Politische Steuerung von Open Access in Europa Bereits 2012 forderte die Europäische Kommission in einer Empfehlung die Mitgliedstaaten auf, klare und verbindliche Open Access Policies zu implementieren. Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung sollten demnach verpflichtend im Open Access veröffentlicht werden, entweder unmittelbar oder spätestens 6 (Naturwissenschaften) bzw. 12 Monate (Geistes- und Sozialwissenschaften) nach Erscheinen. Obgleich Empfehlungen der Europäischen Kommission nicht bindend sind, haben inzwischen die Mehrheit der 27 EU-Staaten und einige nicht EU-Mitgliedsstaaten ( Norwegen , Serbien und die Schweiz ) Open-Access- und Open-Science-Strategien verabschiedet (u.a. Belgien , Griechenland , Italien , Kroatien , Lettland , Malta , Polen , Portugal , Slowakei , Slowenien , Spanien , Tschechische Republik , Ungarn ). Auch im Bereich der Forschungsförderung verpflichtet die Europäische Kommission dazu, wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access zu publizieren (siehe auch Horizon Europe ). Open Access in Deutschland In Deutschland existiert, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, keine einheitliche nationale Open Access Policy. Die vorherige Bundesregierung hatte sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel gesetzt, Open Access und Open Science zu stärken sowie Open Access als gemeinsamen wissenschaftlichen Standard zu etablieren. Dem wurde im Jahr 2023 auch mit der Verabschiedung gemeinsamer Leitlinien von Bund und Ländern zur Umsetzung von “Open Access in Deutschland” Rechnung getragen ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2023 ). Im Koalitionsvertrag von 2025 wird Open Access nicht explizit aufgeführt; der Zugang zu wissenschaftlicher Forschung soll durch ein Forschungsdatengesetz erleichtert werden. Bundesministerium für Bildung und Forschung Auf Bundesebene in Deutschland schuf die Novellierung des Urheberrechts im Jahr 2013 die rechtlichen Rahmenbedingungen für grünes Open Access , indem sie ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht implementierte ( Pflüger, 2016 , S. 14). Eine Strategie für Open Access in Deutschland veröffentlichte das vormalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, seit Mai 2025: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, BMFTR) 2016 (2018 aktualisiert): Ziel ist, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens weiter zu etablieren und die „Lücke zwischen dem Wunsch der Wissenschaft nach mehr offen zugänglichen Publikationen und der aktuellen Veröffentlichungspraxis“ ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2018 , S.7) zu schließen. Dabei sollen grundsätzlich vielfältige Wege für Open Access ermöglicht werden und die Wissenschaftsfreiheit unangetastet bleiben. Publikationen aus öffentlicher Förderung sollen der Allgemeinheit frei zugänglich sein und etablierte Verfahren der Qualitätssicherung gewährleistet bleiben. Während die Umsetzung in konkreten Policies in Deutschland Ländersache ist, setzte das BMBF in seiner Funktion als Fördereinrichtung Richtlinien: Wissenschaftliche Projekte, die durch das BMBF bzw. das BMFTR gefördert werden, sollen ihre Ergebnisse und ihre Forschungsdaten Open Access veröffentlichen . Förderempfänger sind neben wissenschaftlichen Einrichtungen und Bibliotheken auch privatwirtschaftliche Akteure, wie Verlage und andere Dienstleister, die sich im Umfeld von Open Access etablieren. Open Access auf Länderebene Aufgrund der Länderhoheit im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik erfolgt die Verabschiedung und Umsetzung von Open Access bzw. Open Science Policies in Deutschland überwiegend auf Länderebene ( Kindling et al., 2022 ). Diese Länderstrategien sind insofern zentrale Bestandteile der bundesdeutschen Open-Access-Transformation ( Kindling et al., 2021 ). Einige Länder wie z. B. Baden-Württemberg , Berlin , Brandenburg , Hamburg oder Schleswig-Holstein verfügen über Landesstrategien und benennen zum Teil konkrete Zielstellungen. Diese sind beispielsweise eine Open-Access-Quote für Zeitschriftenartikel, Open-Access-Beauftragte und Open-Access-Policies für alle Einrichtungen ( Berlin ), ein Monitoring der Open-Access-Publikationszahlen ( Thüringen ), eine klare Positionierung der Hochschulleitungen zu Open Access ( Brandenburg ) oder eine einheitliche technische Infrastruktur ( Hamburg ). Einige Landesregierungen fördern Open Access durch andere Instrumente der Hochschulsteuerung. Die Unterstützung für Open Access wird beispielsweise im Wissenschaftsplan ( Bremen ), im Hochschulentwicklungsplan ( Sachsen ) oder in den Digitalstrategien der Länder erwähnt ( Rheinland-Pfalz , Sachsen-Anhalt , Hessen ). Weitere Bundesländer unterstützen die wissenschaftlichen Einrichtungen ihres Landes durch gezielte Maßnahmen, wie beispielsweise openaccess.nrw in Nordrhein-Westfalen, über einen Open-Access-Publikationsfonds ( Thüringen , Niedersachsen ), über Open-Access-Vernetzungsstellen ( Berlin , Brandenburg ) oder über die Finanzierung von „Openness“ als Querschnittsthema ( Bremen ). In anderen Bundesländern gibt es zwar noch keine expliziten wissenschaftspolitischen Positionierungen, dafür aber viele Einrichtungen mit einem etablierten Open-Access-Serviceangebot (bspw. Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz) (Kindling et al., 2021). Einen Überblick über aktuelle und zurückliegende Open-Access- und Open-Science-Aktivitäten der deutschen Bundesländer bieten auch der Bundesländer-Atlas ( Kindling et al., 2021 ), die Länderdossiers des oa.atlas (2024) sowie der Open4DE Landscape-Report ( Bärwolf et al. 2023 ). Open Access in Österreich und der Schweiz Open Access in Österreich In Österreich traten bereits früh verschiedene Open-Access-Initiativen auf nationaler Ebene auf den Plan (vgl. Geschichte des Open Access (link)). So verhandelte 2014 die KEMÖ (Kooperation E-Medien Österreich) als eines der ersten nationalen Bibliothekskonsortien weltweit ein Open-Access-Verlagsabkommen in Kooperation mit dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (vgl. Mayer 2022, 47). Der FWF hatte schon 2004 eine eigene Open Access Policy mit einer starken Empfehlung zum Open-Access-Publizieren eingeführt. 2012 wurde das OANA (Open Access Network Austria, seit 2022: OSA – Open Science Austria ) als gemeinsame Initiative des FWF und der österreichischen Universitätskonferenz uniko zur nationalen Vernetzung gegründet. Die OANA verfasste in der Folge diverse Empfehlungen, u. a. zu einer nationalen Open-Access-Strategie (2016) und zu einer nationalen Open-Science-Strategie (2020). Anschließend an das Empfehlungspapier von 2016 veröffentlichten viele Forschungseinrichtungen Open Access Policies, die Empfehlung von 2020 diente als Grundlage für die 2022 verabschiedete nationale Open Science Policy Austria . Ein Zweitverwertungsrecht wurde 2015 verabschiedet (siehe auch Rechtsfragen in Österreich ). Die nationale Förderinitiative „Digitale und soziale Transformation in der Hochschulbildung“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2019 ermöglichte den Start mehrerer Digitalisierungsprojekten mit Fokus auf Open Access, wie z. B. AT2OA2 . Die österreichische Bundesregierung bekannte sich in ihrem Regierungsprogramm 2020-2024 klar zu Open Access und unterstützte darin auch „aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access“. Das aktuelle Regierungsprogramm 2025-2029 legt keinen expliziten Fokus auf Open Access oder Open Science. Open Access in der Schweiz Laut der strategischen Planung der Gesamtschweizerischen Hochschulpolitischen Koordination 2025–2028 wird das Ziel verfolgt, 100 % der wissenschaftlichen Publikationen aus den Schweizer Hochschulen im Open Access verfügbar zu machen. Insbesondere swissuniversities , die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen, fungiert in der Schweiz als übergeordneter Akteur zur Förderung von Open Access. Als Förderinstitution unterstützt swissuniversities diverse Open-Access-Projekte . Die 2017 veröffentlichte Nationale Open-Access-Strategie der Schweiz wurde 2024 revidiert : swissuniversities und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) legen darin Rahmenbedingungen für die Open-Access-Transformation des Landes fest. Die Delegation Open Science koordiniert die Zusammenarbeit der Stakeholder. Neben dieser nationalen Strategie gab das Netzwerk der Hochschulbibliotheken ( SLiNER ) 2019 Policy Guidelines heraus, die als Empfehlungen für institutionelle Open-Access-Richtlinien der Schweizer Hochschulen dienen. Der Anteil der Schweizer Hochschulen mit Open-Access-Policies lag im Jahr 2023 bei 86 % (vgl. swissuniversities, 2023). Aktuell arbeiten elf Partnerinstitutionen zusammen, um ein nationales Diamond-Open-Access-Konsortium zur langfristigen und nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen ( CoDOA ). Derzeit werden Vorarbeiten zu einer gesetzlichen Verankerung eines Zweitveröffentlichungsrechts geleistet. Literatur Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02 Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2023). Open Access in Deutschland. Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern . https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/DE/1/772960_Open_Access_in_Deutschland.pdf Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2018). Open Access in Deutschland. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung . https://www.bildung-forschung.digital/files/2018-08-Open_Access_neu_barrierefrei.pdf Kindling, M., Neufend, M., & Wenninger, A. (2021). Bundesländer-Atlas Open Access . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.5761153 Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Kindling, M., Martin, L., & Neufend, M. (2024). oa.atlas: Konzept . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.54fbd167 Mayer, K. (2022). Open Access im Wandel. Infrastrukturen, Monitoring und Governance als zentrale Elemente einer erfolgreichen Transformation. Baseline Report zur Open Access Transformation in der Wissenschaft . Zentrum für Soziale Innovation, Wien. https://doi.org/10.22163/fteval.2022.533 Pflüger, T. (2016). Open Access-Regulierung im internationalen Vergleich. In T. Dreier, V. Fischer, A. van Raay, & I. Spiecker gen Döhmann (Eds.), Informationen der öffentlichen Hand : Zugang und Nutzung (1. edition, Vol. 3, S. 537-562). Nomos. https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/37572/Pflueger_0-395438.pdf?sequence=1&isAllowed=y swissuniversities (2023). Open Access Strategy Review. Background Report . https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA_Strategie/OA_Strategy_Review_Background_Report.pdf UNESCO. (2021). UNESCO Recommendation on Open Science. UNESCO . https://doi.org/10.5281/zenodo.5741832 Weiterführende Literatur Fuhrer, C., Schurte, R. (2018). Nationale Open Access-Strategie in der Schweiz: Herausforderungen für die Hochschulen und ihre Bibliotheken. In: Bibliotheken der Schweiz: Innovation durch Kooperation: Festschrift für Susanna Bliggenstorfer anlässlich ihres Rücktrittes als Direktorin der Zentralbibliothek Zürich , edited by Zentralbibliothek Zürich, Alice Keller and Susanne Uhl, Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 2018, pp. 97-118. https://doi.org/10.1515/9783110553796-004 Taşkın, Z., Melinščak Zlodi, I., Laakso, M., Torny, D., Arasteh, S., Bargheer, M., Klaus, T., Schima, J., Agnoloni, T., Peruginelli, G., Davidson, A., Franczak, M., María Ángeles, C. B., de Pablo Llorente, V., Dobson, H., & Heyman, J. (2024). D5.2 National overviews on sustaining institutional publishing in Europe . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13683953 Verdicchio, D., Kissling-Näf, I. (2020). Digitale Transformation und Open Access von Forschungsresultaten in der Schweiz. In: Schellinger, J., Tokarski, K., Kissling-Näf, I. (Hrsg.) Digitale Transformation und Unternehmensführung (pp. 11-27). https://doi.org/10.1007/978-3-658-26960-9_2 Wissenschaftsrat (2022). Empfehlungen zur Transformation des Wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access; Köln. https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61 ....

  3. Open Access bei Forschungsdaten

    Intro Der Forschungsdatenmanagement-Zyklus open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Forschungsdaten und deren eigenständige Publikation werden zunehmend unverzichtbar. 2 Die FAIR-Prinzipien sind ein Quasi-Standard für Forschungsdaten. 3 Organisatorische, rechtliche und infrastrukturelle Hürden vor der Publikation sind überwindbar. Forschungsdaten Wissenschaftliche Erkenntnisse in Textform basieren in der Regel auf Forschungsdaten. Diese können dabei die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen, sie umfassen sämtliche im wissenschaftlichen Prozess entstehenden (digitalen) Daten, z. B. durch Messungen, Simulationen, Befragungen, Quellenarbeit oder Code und Software. Das Management dieser Forschungsdaten ist inzwischen elementarer Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis und in vielen Einrichtungen in Policies institutionell verankert. Wurden in der Vergangenheit Forschungsdaten als Beiwerk zu Publikationen oft stiefmütterlich behandelt, der Form halber zur Verfügung gestellt oder nur auf Anfrage herausgegeben, ist ein starker Trend zur eigenständigen und prominenten Publikation von Forschungsdaten in offener Form zu erkennen. In manchen Disziplinen ist die Publikation der Daten auf dem Weg, das Hauptergebnis wissenschaftlicher Arbeit zu werden. Warum Forschungsdaten veröffentlichen? Forschungsdaten ermöglichen die Replikation und die Nachvollziehbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. Sie sind die Grundlage für transparente Wissenschaft. Die Nachnutzbarkeit fördert die Re-Analyse von Daten, das Zusammenfügen von verschiedenen Datenquellen und damit die Chance, mit bestehenden Daten weitergehende Forschung zu betreiben und neue Erkenntnisse zu erzielen. Nachnutzbarkeit umfasst dabei im Idealfall das Recht, die Daten herunterzuladen, zu kopieren, zu verbreiten, maschinell zu verarbeiten und sie ohne finanzielle, technische oder rechtliche Einschränkungen nutzen zu können. Die Publikation von Forschungsdaten ermöglicht deren Zitierbarkeit und trägt damit zur wissenschaftlichen Reputation der Urheber*innen bei. Durch von Initiativen wie der Coalition for Open Research Assessment (CoARA) getriebene Reformen der Forschungsbewertung werden Forschungsdaten zunehmend als eigenständige wissenschaftliche Leistung anerkannt. Quelle: Übersetzt nach: Hole, B. (2015). Open Science: A New publisher Perspective . Ubiquity press. ( CC BY 4.0 International ) Positionen und Treiber Europäische Union Die Europäische Union (EU) hat im Jahr 2016 im Förderprogramm Horizon 2020 den Open Research Data Pilot integriert. Dieser sah die Veröffentlichung von Forschungsdaten unter der Prämisse "as open as possible, as closed as necessary" vor. Eine Teilnahme war freiwillig. Im bis 2027 gültigen Nachfolgeprogramm Horizon Europe wird Open Science zum modus operandi ernannt und Open Access bei Text- und Datenpublikationen sowie eine Bereitstellung der Daten nach den FAIR-Prinzipien vorgeschrieben. Deutschland Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nennt die Bereitstellung von Daten nach den FAIR-Prinzipien sowohl in den Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis wie auch in den separat herausgegebenen Leitlinien zum Umgang mit Forschungsda­ten . Statements zum Forschungsdatenmanagement und Datenmanagementpläne sind bei Anträgen verpflichtend und fließen in die Bewertung ein. Angaben zur Weiterverwendung und Verwertung der Daten verlangen beispielsweise auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) oder forschungsfördernde Stiftungen. Als weiterer Treiber hat sich die von Bund und Länder gemeinsame finanzierte Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) erwiesen. Durch die Arbeit in 26 Konsortien werden laut Selbstbeschreibung der NFDI „wertvolle Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nachhaltig sowie qualitativ nutzbar gemacht.“ „wertvolle Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nachhaltig sowie qualitativ nutzbar gemacht.“ Österreich Der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat 2019 eine Open Access Policy für Forschungsdaten eingeführt. Darin verpflichtet seine Förderempfänger seit 2019 zur Erstellung eines Datenmanagementplans (DMP) und zum offenen Zugang zu Forschungsdaten, „die den wissenschaftlichen Publikationen des Projekts zugrunde liegen“. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) verpflichtet in seiner Open Science Policy zwar nicht zum offenen Zugang zu Forschungsdaten, empfiehlt jedoch nachdrücklich die Bereitstellung gemeinsam nutzbarer Forschungsdaten. Die 2022 in Kraft getretene nationale Open Science Policy setzt sich u. a. die Veröffentlichung von Forschungsdaten anhand der FAIR-Prinzipien zum Ziel. Außerdem haben einige Universitäten eine FDM-Policy oder -Richtlinie verabschiedet. Weitere Informationen finden sich auf den Österreich-Seiten von forschungsdaten.info . Schweiz Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) erachtet den offenen Zugriff auf Forschungsdaten ebenfalls als einen wesentlichen Beitrag. Weitere Informationen finden sich in Englischer Sprache auf den Schweiz-Seiten von forschungsdaten.info . Auch bei Forschungsdaten ist ein Argument für den offenen Zugang, dass ihre Herstellung mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde. Die Berliner Erklärung hat bereits früh Daten als Objekte genannt, deren offene Verfügbarkeit angestrebt wird. Neben der intrinsischen Motivation, durch ein gutes Datenmanagement in zunehmend datengetriebener Forschung effizienter arbeiten zu können und selbst von offenen Daten zu profitieren, sind die Forschungsförderer der wichtigste Treiber für die Publikation von Daten. FAIR-Prinzipien Verschiedene nationale und internationale Forschungsförderer wie die EU und die DFG zielen in ihren Richtlinien auf die FAIR-Prinzipien ab, die NFDI hat sich zum Ziel gesetzt, Daten „ FAIRfügbar “ zu machen. Das Akronym FAIR steht für F indable (Auffindbar), A ccessible (Zugänglich), I nteroperable (Interoperabel) und R eusable (Wiederverwendbar). Geprägt wurde der Begriff FAIR von der FORCE11-Community und am 15. März 2016 in Scientific Data publiziert ( Wilkinson et al., 2016 ), eine Befürwortung findet sich unter anderem in der Abschlusserklärung vom G20-Gipfel in Hangzhou 2016 . Die FAIR-Prinzipien sind auf bestem Wege ein international anerkannter Standard im Umgang mit Forschungsdaten zu werden. FAIRe Daten bedeuten dabei nicht zwangsläufig, dass alle Daten offen zur Verfügung stehen. Quelle: verändert nach Halina Sieminska, P. (2019). A FAIRy tale graphics. Zenodo https://doi.org/10.5281/zenodo.3267168 . Bearbeitung: Ilona Lang ( CC BY-SA 4.0 ) Die vier einzelnen Elemente von FAIR bedeuten: Auffindbar : Damit Daten nachgenutzt werden können, müssen diese leicht auffindbar sein. Dazu sind Daten mit umfassenden menschen- und maschinenlesbaren Metadaten beschrieben. Zugänglich : Der Zugriff auf die gefundenen Daten muss nach klaren Regeln möglich sein, Authentifizierung und Autorisierung müssen definiert sein. Interoperabel : Zur Nutzung und zur Integration mit anderen Daten ist eine Verwendung einer zugänglichen und allgemein verwendbaren Sprache für die Wissensrepräsentation notwendig, Metadaten folgen standardisierten Vokabularien. Wiederverwendbar : Die Beschreibung der Daten und der Metadaten ermöglicht die Nutzung in unterschiedlichen Kontexten, geeignete Datennutzungslizenzen werden verwendet und die Daten entsprechen domänenrelevanten Community-Standards. Ergänzt werden die FAIR-Prinzipien durch die CARE-Prinzipien. Das Akronym steht für Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics. Auf Grundlage der CARE-Prinzipien werden Forschende dafür sensibilisiert, im Rahmen der Bemühungen um Open Data und Open Science die Rechte und Interessen indigener Gemeinschaften zu wahren – unabhängig davon, ob sich deren Forschung dezidiert mit den Gemeinschaften selbst befasst oder diese anderweitig berührt. Für Forschungssoftware wurden die FAIR-Prinzipien in Form der FAIR4RS-Prinzipien ergänzt. Im Zusammenhang mit der KI-Transformation kann das FAIR-Akronym auch für Fully AI Ready Data stehen. Es sagt aus, dass nach den FAIR-Prinzipien verarbeitete Daten meistens automatisch auch maschinenlesbar und damit durch KI verarbeitbar sind. Publikation Bei der Publikation von Forschungsdaten ist ein geeignetes Repositorium auszuwählen, das möglichst einen Open-Access-Zugriff auf die Daten anbietet. Dabei ist die Wahl eines fachspezifischen und in der Community etablierten Repositoriums immer zu bevorzugen, da sich die eigenen Daten damit in einem guten fachlichen Kontext befinden und die Auffindbarkeit erleichtert wird. Zur Auswahl eines Datenrepositoriums kann der Verzeichnisdienst re3data genutzt werden. Falls kein passendes Repositorium gefunden werden kann, so ist ein Rückgriff auf allgemeine oder institutionelle Repositorien möglich. Bekannte Vertreter für generische Repositorien sind Zenodo oder Dataverse . Um die Bereitstellung und Auffindbarkeit langfristig zu garantieren, ist die Vergabe einer dauerhaften Adresse notwendig. Dieser persistente Identifikator sichert auch die Zitierbarkeit der Datensätze. Bevorzugte Identifikatoren sind die vom Verbund DataCite vergebenen DOIs . Vor der Veröffentlichung von Daten ist eine Kuration der Daten nach den FAIR-Prinzipien dringend angeraten, denn die Nachnutzbarkeit von Daten wird stark eingeschränkt, wenn diese nicht über ausreichende Beschreibungen und Meta­daten verfügen. Metadaten sollten dabei frühestmöglich im Forschungsprozess vergeben werden und umfassen sowohl technische (Beispiel: Wann und von wem wurde der Datensatz erhoben?) wie auch inhaltliche Metadaten (Beispiel: Was steht in den einzelnen Variablen?). Für zahlreiche Disziplinen gibt es dabei spezifische Standards, die insbesondere von den NFDI-Konsortien vorangetrieben, gepflegt und veröffentlicht werden (siehe den Metadata Standards Catalog ). Bei der Kuration werden die Daten vor allem technisch überprüft. Dies umfasst das Datenformat, den grundsätzlichen Zugriff und die formale Korrektheit. Beim Datenformat ist z. B. auf langfristig zugreifbare und offene Datenformate zu setzen. Die inhaltliche Überprüfung muss durch die Wissenschaftler*innen weitestgehend selbst geleistet werden. Am Ende der Kuration steht die Wahl einer geeigneten Lizenz . Hier haben sich die Creative-Commons-Lizenzen bewährt (nähere Informationen hierzu bietet das Portal forschungsdaten.info ). CC-Lizenzen sind jedoch nicht für die Lizensierung von Code oder Software geeignet. Hierfür gibt es spezielle Softwarelizenzen . Quelle: verändert nach Koch, M. (2015). Publizieren über das Repositorium der Leibniz Universität Hannover. TIB Blog Praxistipp Tipps und Tricks, wie Forschungsdaten der Community offen bereit gestellt werden können, gibt es hier in den Folien zum Open Access Talk Forschungsdaten & Open Access - so publizieren Sie Ihre Daten . Herausforderungen Drei wichtige Herausforderungen sollten im Forschungsdatenmanagement (FDM) und im Publikationsprozess als überwindbare Hürden genannt werden: Organisatorisch Das Management und die Kuration der Daten erfordert zusätzliche Kompetenzen. Neue Berufsbilder wie Data Curator, Data Steward oder Data Scientist sind entstanden und Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen müssen entsprechende Ressourcen bereitstellen und Mitarbeiter*innen weiter- und ausbilden. Forschungsförderer finanzieren inzwischen Data Stewards z. B. in Sonderforschungsbereichen oder Exzellenzclustern. Den gestiegenen Anforderungen müssen Institutionen in Form von Policies und angepassten Abläufen begegnen. Rechtlich Forschungsdaten können personenbezogen und sehr sensitiv sein. Diese Daten müssen vor der Veröffentlichung anonymisiert oder im Zugriff so eingeschränkt werden, dass keine Datenschutzrechte verletzt werden. Auch die Berücksichtigung urheberrechtlicher Aspekte im Zusammenhang mit Forschungsdaten ist nicht zu vernachlässigen. Dies betrifft sowohl die Publikation eigener wie auch die Nachnutzung existierender Daten. Eine rechtliche Beratung zu einem frühen Zeitpunkt im Forschungsprozess ist dringend anzuraten. Infrastruktur Die entstehenden Datenmengen können – besonders in den Naturwissenschaften – sehr schnell sehr groß werden und aus den Erfahrungen der Vergangenheit wird die Datenmenge stetig wachsen. Der Umgang mit Daten im Petabyte-Bereich stellt Anforderungen an die Speicherung, Sicherung, Archivierung und die Übertragung dieser Daten. Vorbehalte Eine oft geäußerte Kritik aus der Wissenschaft liegt in der Sorge begründet, dass andere zu stark vom eigenen Datenschatz profitieren und man selbst nicht die nötige Reputation für die wissenschaftliche Karriere erzielen kann. Dazu ist klarzustellen, dass eine Veröffentlichung so früh und so umfangreich wie möglich anzustreben ist. Dies lässt aber weiterhin zu, dass Daten erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach der Auswertung oder mit einem Embargo versehen , veröffentlicht werden. Durch angestrebte Reformen in der Forschungsbewertung wird diesem Vorbehalt ebenso begegnet. Die Hoheit über die Daten kann beim Erzeugenden verbleiben. Ebenfalls oft genannt wird der zusätzliche Aufwand für den geforderten Umgang mit den Daten. Hierzu ist es bereits jetzt möglich, im Rahmen der Beantragung von Forschungsförderung auch Mittel für diesen Aufwand zu erhalten. Datenmanagement muss als zentraler Bestandteil von wissenschaftlicher Forschung angesehen und personell und finanziell ausreichend ausgestattet werden. Ausblick Der Prozess der letzten Jahre wird sich weiter verstärken. Die Veröffentlichung, Nachnutzung und Verknüpfung von Forschungsdaten haben sich zum wissenschaftlichen Standard entwickelt. Viele Journals fordern inzwischen die Einhaltung von Data Availability Statements bei Einreichungen. Außerdem etablieren sich spezielle Data- und Software-Journals als zusätzlicher Publikationsort für Forschungsdaten zusätzlich zu Repositorien. Es ist insgesamt zu erwarten, dass die Grenzen zwischen Open Access, Textpublikationen und Forschungsdaten zunehmend verschwimmen, sich die Themen und Aufgaben überlappen und unter dem Sammelbegriff Open Science ein Mentalitätswandel in der Wissenschaft herbeigeführt wird. Zur Akzeptanz in der Wissenschaft müssen Daten und der Umgang mit diesen als wissenschaftliche Leistung anerkannt werden. Literatur Wilkinson, M. D., Dumontier, M., Aalbersberg, Ij. J., Appleton, G., Axton, M., Baak, A., Blomberg, N., Boiten, J.-W., Bonino da Silva Santos, L., Bourne, P. E., Bouwman, J., Brookes, A. J., Clark, T., Crosas, M., Dillo, I., Dumon, O., Edmunds, S., Evelo, C. T., Finkers, R., … Mons, B. (2016). The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Scientific Data , 3 . https://doi.org/10.1038/sdata.2016.18 Weiterführende Literatur Österreichischer Wissenschaftsfonds (FWF) (o. J.): Open-Access-Policy für Forschungsdaten . https://www.fwf.ac.at/ueber-uns/aufgaben-und-aktivitaeten/open-science/open-access-policy/open-access-policy-fuer-forschungsdaten Putnings, M., Neuroth, H., & Neumann, J. (2021). Praxishandbuch Forschungsdatenmanagement . de Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110657807 Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) (o. J.): Open Science Policy . https://wiki.wwtf.at/books/open-science-policy/page/open-science-policy-gultig-ab-112026 Weiterführende Links forschungsdaten.info – Deutschsprachige Informationsplattform zu Forschungsdaten go-fair.org/ – Go Fair Initiative re3data.org – Verzeichnis von Datenrepositorien Bearbeitung der Inhalte der Seite: Matthias Landwehr, Universität Konstanz (Stand: Mai 2026). Besonderen Dank an Anna-Karina Renziehausen, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften ....

  4. Open Access in Fachdisziplinen

    Fach­spezifische Inhalte Hier finden Sie spezifische Informationen zu Open Access in verschiedenen Fächern. Expert*innen aus dem jeweiligen Fach haben hier Informationen z. B. über fachspe­zifische Repositorien , relevante Open-Access-Zeitschriften sowie allgemeine Informationen zur Verbreitung und Akzeptanz von Open Access im jeweiligen Fach für Sie zusammengestellt. Afrikastudien Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft Altertumswissenschaften Anglistik/Amerikanistik Berufsbildungsforschung Biologie Chemie Erziehungswissenschaften Ethnologische Fächer Geowissenschaften Germanistik Geschichtswissenschaften Geschlechterforschung Informatik Informationswissenschaft Ingenieurwissenschaften Kunstgeschichte Künstlerische Fächer Linguistik Materialwissenschaften Mathematik Medienwissenschaft Medizin/Lebenswissenschaften Musikwissenschaften Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien Philosophie Physik Politikwissenschaft Psychologie Rechtswissenschaft Religionswissenschaft Romanistik Soziologie Wirtschaftswissenschaften...

  5. Open Access in den Erziehungswissenschaften

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in den Erziehungswissenschaften In den Erziehungswissenschaften bzw. in den Educational Sciences ist Open Access als Publikationsform zwar etabliert, nimmt jedoch nach wie vor gegenüber proprietären Verlagsveröffentlichung eine nachrangige Rolle ein. So wird in der EU laut Open Science Monitor nur knapp ein Viertel der Publikationen in den Educational Sciences als Open Access ( grün , gold , bronze usw.) veröffentlicht ( Europäische Kommission, n.d. ). Die bevorzugte Publikationsform in den Erziehungswissenschaften sind Zeitschriftenartikel ( Schmidt-Hertha & Müller, 2020, S. 160 ). Danach folgen Publikationen in Form von Monografien, Sammelbänden und Buchbeiträgen, die zusammen etwa ein Drittel des Publikations-Outputs ausmachen ( Abs et al., 2020 ). Gemäß der Kennzeichnung in der FIS Bildung Literaturdatenbank sind im Jahrgang 2024 42% des Publikationsaufkommens, 32% der insgesamt gelisteten Zeitschriftenaufsätze, ca. 58% der aufgeführten Monografien und Sammelwerke und ca. 61% der gelisteten Sammelwerksbeiträge in deutscher Sprache als Volltext frei verfügbar (Stand: August 2025). Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissen­schaft (DGfE) als wesentliche disziplinäre Institution des deutschsprachigen Raums hat bislang keine klare Position zu Open Access bezogen. Einen weiteren Überblick über fachliche Open-Access-Entwicklungen der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft geben die Dissertation von Bambey (2016) sowie die Beiträge von Rummler (2021) sowie Schindler und Rummler (2018) . Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter dem Subject Education 1.980 Zeitschriften (Stand: Oktober 2025). Wichtige deutschsprachige Open-Access-Zeitschriften , die im DOAJ geführt werden, sind: bwp@ DOAJ Die Deutsche Schule doaj Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) DOAJ IJRVET International Journal for Research in Vocational Education and Training DOAJ Magazin Erwachsenenbildung.at DOAJ MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung DOAJ Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE) DOAJ Zeitschrift für Weiterbildungsforschung DOAJ Wichtige Open-Access-Zeitschriften ohne DOAJ-Eintragung sind: bildungsforschung PhyDid widerstreit-sachunterricht Die Österreichische Volkshochschule (ÖVH) on_education. Journal for Research and Debate Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung . Beträge bis 2013 sowie Beiträge ab 2014 finden sich auf peDOCS. Journal for Educational Research Online (JERO) journal für lehrerInnenbildung Disziplinäre Fachzeitschriften werden häufig von engagierten Einzelpersonen mit Hilfe ihrer Einrichtungen und durch ehrenamtliches Engagement im Open Access herausgegeben, so veröffentlicht beispielsweise das Deutsche Jugend­institut e.V. das Magazin IMPULSE . Auch wenn die DGfE, wie eingangs erwähnt, keine klare Position zu Open Access bezogen hat, gibt sie die Zeitschrift Erzieh­ungswissenschaft im Diamond Open Access heraus. Zudem publiziert ihre Sektion 12 - Medienpädagogik verlegt die oben erwähnte Zeitschrift MedienPädagogik, Sektion Medienpädagogik (DGfE) . In Öster­reich gibt das Forum Neue Medien in der Lehre Austria die Zeitschrift für Hochschulentwicklung im Open Access heraus, während die Schweizerische Gesellschaft für Bildungsforschung (SGBF) die viersprachige Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften herausgibt, ebenfalls im Diamond Open Access. In manchen Fällen werden Fördermittel eingeworben oder es findet Sponsoring statt. So wird beispielsweise das Magazin erwachsenenbildung.at vom Bundes­ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) finanziert, während das Online-Fachjournal bwp@ u.a. durch eine Kooperation mit wbv Media und mit Unterstützung von Sponsoren betrieben wird. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Das Directory of Open Access Books (DOAB) sowie die OAPEN Library listen unter dem Stichwort Education mehr als 1.600 Titel (Stand: März 2024). Darüber hinaus bietet peDOCS einen guten Überblick über erziehungswissen­schaftliche Reihen. Die FIS Bildung Literaturdatenbank weist frei zugängliche Bücher und ihre Beiträge nach. Universitätsverlage und institutionelle Repositorien veröffentlichen mittlerweile einen Großteil der erziehungswissenschaftlichen Open-Access-Bücher ( vgl. Schindler & Rummler, 2018 ). Hierunter fallen neben Forschungsberichten und Sammelbänden vor allem monografische Dissertations- und Habilitations­schriften. Obwohl die DGfE noch keine klare Position zu Open Access bezogen hat, geben ihre Sektionen und Kommissionen als sog. Society Publishers diverse Bücher und Buchreihen im Open Access heraus: Sektion 1 - Historische Bildungsforschung. Reihe: Jahrbuch Historische Bildungsforschung (Verlag Julius Klinkhardt) Sektion 7 - Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Reihe: Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung (Verlag Barbara Budrich) Sektion 9 - Erwachsenenbildung. Reihe: Schriftenreihe der Sektion Erwachsenenbildung (Verlag Barbara Budrich) Die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) publizierte bis 2022 im Waxmann Verlag Tagungsbände der Reihe Medien in der Wissenschaft im open access . Darüber hinaus unterstützen diverse Verlage erziehungswissenschaftliche Open-Access-Publikationen, darunter Verlag Julius Klinkhardt , Barbara Budrich , Nomos , Beltz Juventa , wbv Media , transcript , Waxmann oder der Werner-Hülsbusch-Verlag . Disziplinäre Repositorien Zu den wichtigsten Repositorien in den Erziehungswissenschaften gehören: peDOCS : fachliches Repositorium des DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation für die Bereiche Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktiken. DIPFdocs : institutionelles Repositorium des DIPF. texte.online : Veröffentlichungen des Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) zur Erwachsenenbildung. Scripta Paedagogica Online : digitales Textarchiv zur Bildungsgeschichte des deutschsprachigen Raumes (u.a. Zeitschriften, Lehrer*innenverzeichnisse, Schulprogramme). VET Repository : zentrale Publikationsserver des BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung für Literatur im Bereich Berufsbildungsforschung. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories ( OpenDOAR ). Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Das Fachportal Pädagogik stellt bei Literaturrecherchen als virtuelle Fachbiblio­thek Pädagogik den zentralen Einstieg in die (deutschsprachigen) Erziehungs­wissenschaften dar. Es wird vom Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main betrieben, der Aufbau wurde von der Deutschen Forschungsgemein­schaft (DFG) gefördert. Das kostenfrei nutzbare Angebot unter­teilt sich in die Bereiche Literatur, Forschungsdaten und Forschungsinforma­tion: Im Bereich Literatur kann man recherchieren, fehlende Literaturnachweise melden, Publikationen via peDOCS veröffentlichen oder die Dienstleis­tungen des Fachinformationsdienstes Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung in Anspruch nehmen. Im Bereich Forschungsdaten finden sich umfassende und dauerhaft doku­mentierte Studien der empirischen Bildungsforschung. Darüber hinaus besteht ein zentraler Zugang zu beschreibenden Studieninformationen (wie eingesetzte Erhebungsinstrumente, erhobene Forschungsdaten und Informationsmaterialien zum Forschungsdatenmanagement). Im Bereich Forschungsinformation gibt es eine themenfokussierte Zusammenstellung relevanter Internetquellen für und über Wissenschaft und Forschung im Bereich Bildung. Das Fachportal Pädagogik ist seit August 2005 online und wurde im September 2017 nach einer kompletten Überarbeitung neu veröffentlicht. Open Science in den Erziehungs­wissenschaften In den Erziehungswissenschaften gibt es auch über Open Access hinaus Bewegungen im Bereich Open Science. So wurden im Heft 61 (2-2020): “ Neue Formen der Archivierung, Bereitstellung und Nachnutzung von Forschungsdaten ” der Zeitschrift Erziehungswissenschaft Argumente zum Thema Open Science und Open Data zusammengetragen, was innerhalb der Disziplin für Diskussionen über neue Formen der Forschung und der Datenerhebung sorgte. Auch entstand ein Austausch darüber, welche Anforderungen diese Modelle mit sich bringen. Das Heft thematisiert überdies, welche Limitierungen und Bedenken vor allem in Bezug auf Datenschutz und die Verwendung offener Forschungsdaten und -prozesse erkennbar sind. Gleichwohl werden sich auch die Erziehungswissenschaften mit Open-Science-Praktiken und Formen des Publizierens verändern, da der Umgang mit offenen Forschungsdaten grundsätzlich unterstützt wird. Hierzu haben die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), die Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF) sowie die Gesellschaft für Fachdidaktik (GFD) eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Der Verzeichnisdienst für Forschungsdatenrepositorien re3data verzeichnet auf internationaler Ebene unter dem Suchbegriff „Educational Sciences“ über 100 Datenportale und Repositorien offener erziehungswissenschaftlicher Forschungsdaten (Stand: November 2025). Im deutschsprachigen Raum weist Forschungsdaten Bildung durch einen föderierten Verbund Forschungsdaten übergreifend nach und informiert über das Teilen und Managen von Forschungsdaten in der Bildungsforschung. Zunehmend ist auch eine fachliche Auseinandersetzung mit Open Science zu beobachten, sowie deren Anpassung an die disziplinären Rahmenbedingungen und Möglichkeiten (van Dijk et al., 2021; Krammer & Svecnik, 2020; van der Zee & Reich, 2018). Darüber hinaus beeinflusst die Bewegung der Open-Educational-Resources (OER) die Erziehungswissenschaften. Dieses Themenfeld setzt in Form einer expliziten Forderung nach offenen Zugängen zu Bildung, Bildungsmöglichkeiten und Bildungsmaterialien an historische pädagogische Vorläufer (Deimann, 2020; Hug, 2014) an. Seit einigen Jahren untersuchen vermehrt Studien die Innovationen im Bereich pädagogischer und informationeller Praxis. Darin wird der neue Umgang mit Materialien sowie mit Infrastruktur betont, untersucht und kritisch diskutiert (Schön & Ebner, 2021; Heck et al., 2020; Deimann, 2020; Heinen et al., 2015). Regelmäßige deutschsprachige Neuigkeiten und Informationen zu OER sowie Verzeichnisse und Plattformen (wie u.a. zum OER-Repositorium Baden-Württemberg , twillo ) zu OER gibt es auf der Website OERinfo . Diese Verzeichnisse und Plattformen decken sowohl den Bereich Schule und Erwachsenenbildung als auch den Hochschulbereich ab. In Österreich wurde ein OER-Zertifikat für Lehrende an Hochschulen und für Hochschulen eingeführt ( OER-Zertifikat.at, Schön et al., 2 023). open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Abs, H. J., Kuper, H., Cathleen, G., Ludwig, K., Hüfner, K., Radhoff, M., Ruberg, C., Kerst, C., Wolter, A., Gerecht, M., Krüger, H.-H., Sauerwein, M., Schultheiß, J., Schmidt-Hertha, B., Müller, M., Martini, R., & Stelter, A. (2020). Datenreport Erziehungswissenschaft 2020. Erstellt im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE). Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.25656/01:18987 Bambey, D. (2016). Fachliche Publikationskulturen und Open Access. Fächerübergreifende Entwicklungstendenzen und Spezifika der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung . https://doi.org/10.25656/01:12331 Deimann, M. (2020). Lernen mit Open Educational Resources. In H. M. Niegemann & A. Weinberger (Eds.), Handbuch Bildungstechnologie. Konzeption und Einsatz digitaler Lernumgebungen (pp. 699–708). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54368-9_58 Heck, T., Kullmann, S., Hiebl, J., Schröder, N., Otto, D., & Sander, P. (2020). Designing Open Informational Ecosystems on the Concept of Open Educational Resources. Open Education Studies , 2 (1), 252–264. https://doi.org/10.1515/edu-2020-0130 Heinen, R., Kerres, M., & Schindler, C. (2015). Provisioning strong and weak OER: Requirements of open informational ecosystems. Proceedings of Open Education Global 2015 . https://doi.org/10.25656/01:18242 Hug, T. (2014). Bildung für alle – eine Neuauflage? Offenheit und Teilen in der Open Educational Resources (OER) Bewegung. In P. Missomelius (Ed.), Freie Bildungsmedien und digitale Archive. Medien - Wissen - Bildung (pp. 227–256). Innsbruck University Press. https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/vollanzeige.html?FId=1055764 Krammer, G., & Svecnik, E. (2020). Open Science als Beitrag zur Qualität in der Bildungsforschung. Zeitschrift für Bildungsforschung , 10 , 263–278. https://doi.org/10.1007/s35834-020-00286-z Rummler, K. (2021). Open Access Zeitschriften in den Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Ausgewählte Aspekte zum Betrieb wissenschaftlicher Fachzeitschriften. Schweizerische Zeitschrift Für Bildungswissenschaften , 43 (1), 116–128. https://doi.org/10.24452/sjer.43.1.9 Schindler, C., & Rummler, K. (2018). Open Access in der Publikationslandschaft der Erziehungswissenschaft. Eine Sondierung mit Blick auf Monographien und Sammelwerke. Erziehungswissenschaft , 57 (29), 9–18. https://doi.org/10.3224/ezw.v29i2.02 Schmidt-Hertha, B., & Müller, M. (2020). Forschung und Publikationskulturen. In J. Abs, H. Kuper, & R. Martini (Eds.), Datenreport Erziehungswissenschaft 2020 . Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.3224/84742419 Schön, S., & Ebner, M. (2021). Digital gestütztes Lernen in der Erwachsenenbildung - wo liegt die Innovation? In Egger, R. & Härtel, P. (Eds.), Bildung für alle? Für ein offenes und chancengerechtes, effizientes und kooperatives System des lebenslangen Lernens in Österreich (pp. 231–252). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-31054-7_12 Schön, S., Ebner, M., Berger, E., Brandhofer, G., Edelsbrunner, S., Gröblinger, O., Hackl, C., Jadin, T., Kopp, M., Neuböck, K., Proinger, J., Schmölz, A. & Steinbacher, H.P. (2023). Development of an Austrian OER certification for higher education institutions and their employees. In D. Otto, G. Scharnberg, M. Kerres, & O. Zawacki-Richter (Eds.), Distributet learning ecosystems. Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-38703-7_9 van der Zee, T., & Reich, J. (2018). Open Education Science. AERA Open , 4 (3). https://doi.org/10.1177/2332858418787466 van Dijk, W., Schratschneider, C., & Hart, S. A. (2021). Open Science in Education Sciences. Journal of Learning Disabilities , 54 (2), 139–152. https://doi.org/10.1177/0022219420945267 Weiterführende Literatur Mruck, K., Mey, G., Schön, S., Idensen, H., & Purgathofer, P. (2013). Offene Lehr- und Forschungsressourcen. Open Access und Open Educational Resources. In M. Ebner & S. Schön (Eds.), L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (2. Auflage). https://doi.org/10.25656/01:8356 Schaffert, S. (2004). Kostenlose Online-Literatur der Bildungsforschung. P@psych E-Zine , 9 . https://www.stangl-taller.at/paedpsych/ezine/2004/schaffert04/ Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Klaus Rummler, PH Zürich , Dr. Christoph Schindler, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation , und Dr. Sandra Schön, TU Graz (Stand: November 2025)....

  6. Open Access in den Ethnologischen Fächern

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in den Fachgesellschaften Seit etwa 2019 haben auch bei den Fachgesellschaften der ethnologischen Fächer sichtbare Entwicklungen zu Open Access an Fahrt aufgenommen. Jedoch hat trotz zunehmender Auseinandersetzung mit Open Access und zahlreichen Umstellungen der von ihnen herausgegebenen Zeitschriften auf Open Access bisher keine der Fachgesellschaften die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen unterzeichnet. Die International Society for Ethnology and Folklore hat 2019 ihre Zeitschrift Ethnologia Europaea auf Open Access umgestellt. Die Schweizerische Ethnologische Gesellschaft und die Fachgesellschaft Empirische Kulturwissenschaft Schweiz (damals als Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde) haben 2020 bzw. 2021 ihre Zeitschriften Tsantsa (mittlerweile umbenannt in Schweizerische Zeitschrift für Sozial- und Kulturanthropologie ) bzw. Schweizerisches Archiv für Volkskunde ( Verlagszugang ) von vormals zeitlich verzögertem freiem Zugang auf sofortiges Open Access ab Erscheinen umgestellt. Die im Auftrag des österreichischen Vereins für Volkskunde herausgegebene Österreichische Zeitschrift für Volkskunde machte neue Ausgaben bereits seit 2016 nach einer sechsmonatigen Embargofrist frei zugänglich und ist seit 2024 vollständig auf Open Access umgestellt. Die Publikationen der Österreichischen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft und Volkskunde sind teilweise frei zugänglich, der Fachverband gibt jedoch keine Zeitschrift heraus. Die European Association of Social Anthropologists hat 2022 die Umstellung ihrer Zeitschrift Social Anthropology auf Open Access vollzogen. Die Deutsche Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft hat ihre Zeitschrift für Empirische Kulturwissenschaft 2022 auf Open Access umgestellt; die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie hat ihre Zeitschrift für Ethnologie 2024 auf Open Access umgestellt. Die Anthropologische Gesellschaft in Wien publiziert ihre Zeitschrift nicht digital und nicht frei zugänglich. Die Fachgesellschaften im englischsprachigen Raum, das Royal Anthropological Institute und die American Anthropological Association , haben ihre primären Zeitschriften Journal of the Royal Anthropological Institute und American Anthropologist bisher nicht auf Open Access umgestellt. Die Association of Social Anthropologists of the UK publiziert keine primäre Zeitschrift, die auf ihren Jahreskonferenzen basierende Buchreihe ASA Monographs erscheint jedoch nicht frei zugänglich. Viele der Fachgesellschaften geben neben ihren primären Zeitschriften auch andere Publikationen wie Mitteilungen, Buchreihen, Konferenzbände, Vortragspublikationen, Diskussionspapiere sowie weitere thematisch zugeschnittene Zeitschriften heraus. Auch hier ist eine Zunahme von Open Access festzustellen, und teilweise werden solche Publikationen auch zum Ausprobieren von Open Access und neuen Publikationsformen genutzt. Open Access in den ethnologischen Fächern Die ethnologischen Fächer werden hier insbesondere verstanden als die Ethnologie bzw. Sozial- und Kulturanthropologie bzw. Völkerkunde sowie die Europäische Ethnologie bzw. Volkskunde bzw. Empirische/Vergleichende Kulturwissenschaft, zudem die Social Anthropology und Cultural Anthropology und die Folkloristik bzw. Folklore Studies. Die Informationen beziehen sich vorwiegend auf den deutsch- und englischsprachigen Raum. In den ethnologischen Fächern hat die Verbreitung von Open Access in den letzten Jahren zugenommen. Open Access kann jedoch noch nicht als Standard des wissenschaftlichen Publizierens betrachtet werden, denn ein bedeutender Teil der Publikationen erscheint weiterhin nicht frei zugänglich. Die zunehmende Umstellung ganzer Zeitschriften auf Open Access, der steigende Anteil frei zugänglich veröffentlichter Bücher und eine fortwährende Auseinandersetzung mit Open Access sind jedoch ein positiver Trend und machen deutlich, dass Akzeptanz für Open Access in den ethnologischen Fächern grundsätzlich vorhanden ist. Der Anteil frei zugänglicher Zeitschriftenartikel in den ethnologischen Fächern ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies ist zum einen mit strukturellen Entwicklungen wie der zunehmenden Forderung und Förderung von Open Access durch wissenschaftliche Einrichtungen und Forschungsförderinstitutionen sowie Open-Access-Transformationsverträge zu erklären. Zum anderen kommt es langsam auch zu einem grundsätzlichen Wandel in der fachlichen Publikationskultur. Allerdings ist beispielsweise das Veröffentlichen von Preprints sowie Postprints über Repositorien in den ethnologischen Fächern weiterhin unüblich. Gerade hier liegt jedoch ein großes Potenzial für mehr Open Access, welches von den individuellen Wissenschaftler*innen selbst genutzt werden kann. Buchveröffentlichungen haben in den ethnologischen Fächern einen besonderen Stellenwert, denn neben Sammelbänden gilt die Verschriftlichung langjähriger Forschung als monografische Ethnografie als Publikationsgoldstandard und besonders prestigeträchtig. Jedoch werden noch verhältnismäßig wenige Bücher aus den ethnologischen Fächern frei zugänglich veröffentlicht, wobei auch hier der Anteil in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Begünstigt wird dies durch vermehrt vorhandene institutionelle und andere Fördermöglichkeiten für Open-Access-Bücher sowie nicht-profitorientierte und wissenschaftseigene Verlage. Die mitunter hohen Publikationsgebühren für Open Access bei Büchern stellen weiterhin eine bedeutsame Hürde dar. Open Access wurde innerhalb der ethnologischen Fächer seit Mitte der 2000er Jahre zunächst vor allem in Nordamerika diskutiert und umgesetzt. Einige Entwicklungen führten zu mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Dazu zählen unter anderem die Gründung mehrerer Open-Access-Zeitschriften im Jahr 2011 und erste Umstellungen von angesehenen Zeitschriften auf Open Access, darunter Cultural Anthropology im Jahr 2014. Auch die Gründung von Libraria im Jahr 2015, ein aus den ethnologischen Fächern heraus etabliertes Netzwerk mit dem Ziel der Veränderung des Publikationswesens in den Sozialwissenschaften, trug dazu bei. Zudem stand Open Access im Jahr 2018 in unrühmlicher Weise im Rampenlicht, als die 2011 gegründete Open-Access-Zeitschrift HAU: Journal of Ethnographic Theory mit ihrem Open-Access-Modell scheiterte und interne Kontroversen an die Öffentlichkeit kamen. Im deutschsprachigen Raum war es bis dahin um Open Access vergleichsweise ruhig. Hier konzentrierte sich die Diskussion ab etwa 2016 vor allem auf die Veröffentlichung von Forschungsdaten . Ab 2019 erfolgten Umstellungen zahlreicher ethnologischer Zeitschriften auf Open Access, darunter zentrale Zeitschriften von Fachgesellschaften sowie feldbezogene und transdisziplinäre Zeitschriften (siehe unten). Zudem führten gebündelte Umstellungen mehrerer Zeitschriften durch konsortiale Finanzierungsmodelle (siehe unten) zu einem Sprung beim Anteil der Open-Access-Zeitschriften in den ethnologischen Fächern. Mit der zunehmenden Thematisierung sowohl im englisch- als auch im deutschsprachigen Raum sowie der zunehmenden Zahl von auf Open Access umgestellten Zeitschriften ist Open Access spätestens mit dem Jahr 2019 als relevantes Thema in der Breite der ethnologischen Fächer angekommen. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet im Fachgebiet “ Ethnology. Social and cultural anthropology ” mehr als 150 Einträge (Stand: Dezember 2025). In den ethnologischen Fächern wird sowohl in fachbezogenen Zeitschriften als auch in feldbezogenen Zeitschriften (bspw. zu Wissenschaftsforschung, Migrationsforschung, Gender Studies, Museumsforschung, Stadtforschung) sowie in regionsbezogenen Zeitschriften publiziert. Nachfolgend werden hauptsächlich fachbezogene Zeitschriften berücksichtigt. Bekannte deutschsprachige Open-Access-Zeitschriften sind u. a.: Baessler-Archiv Berliner Blätter * Bricolage * Ethnoscripts * Hamburger Journal für Kulturanthropologie * Kulturanthropologie Notizen * Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Paideuma Schweizerisches Archiv für Volkskunde ( Verlagszugang ) Schweizerische Zeitschrift für Sozial- und Kulturanthropologie Zeitschrift für Empirische Kulturwissenschaft Zeitschrift für Ethnologie (Journal of Social and Cultural Anthropology) (* Die mit einem Sternchen markierten Zeitschriften veröffentlichen überwiegend oder ausschließlich thematische Sonderhefte.) Bekannte englischsprachige Open-Access-Zeitschriften sind u. a.: Anthropological Journal of European Cultures doaj Cultural Anthropology doaj Ethnologia Europaea doaj Journal of Ethnology and Folkloristics Social Analysis doaj Social Anthropology doaj Teaching Anthropology The Cambridge Journal of Anthropology doaj Aufgrund der Publikationsbreite in den ethnologischen Fächern sowie der Zurechnung sowohl zu den Sozialwissenschaften als auch den Geisteswissenschaften und ebenso den Kulturwissenschaften lassen sich auch entsprechende feldbezogene und transdisziplinäre Open-Access-Zeitschriften hinzurechnen, wie zum Beispiel: Curare – Zeitschrift für Medizinethnologie * Forum Qualitative Sozialforschung doaj Journal of Comparative Research in Anthropology and Sociology doaj Journal of Legal Anthropology doaj kommunikation@gesellschaft Movements – Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung * Mobile Culture Studies * doaj Open Gender Journal doaj sub\urban – Zeitschrift für kritische Stadtforschung * Urbanities – Journal of Urban Ethnography (* Die mit einem Sternchen markierten Zeitschriften veröffentlichen überwiegend oder ausschließlich thematische Sonderhefte.) Nennenswert ist zudem das unter anderem anthropologisch ausgerichtete Journal of Political Ecology , das seit Beginn im Jahr 1994 frei zugänglich erscheint und damit eine der ersten und am längsten existierenden Open-Access-Zeitschriften in den Sozialwissenschaften ist. Mitunter werden mehrere Zeitschriften gebündelt auf Open Access umgestellt. Dies erfolgt in der Regel durch konsortiale Finanzierungsmodelle , bei denen die notwendige Finanzierung durch viele Einrichtungen gemeinschaftlich erfolgt. Zahlreiche im Verlag Berghahn publizierte Zeitschriften wurden mittels der Variante Subscribe-to-Open im Jahr 2020 auf Open Access umgestellt . Mittlerweile umfasst das Paket 16 Zeitschriften (neben einigen bereits genannten u.a. Anthropology of the Middle East, Focaal, Museum Worlds, Religion and Society ). Mit Unterstützung des Fachinformationsdiensts Sozial- und Kulturanthropologie und der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden wurde 2024 eine zunächst dreijährige gebündelte konsortiale Finanzierung des Open Access von sechs deutschsprachigen, wissenschaftsgeleiteten Zeitschriften ermöglicht . Umstellungen von Zeitschriften von Open Access auf Closed Access oder eine Einschränkung des Open-Access-Publikationsmodells sind selten, kommen aber aus verschiedenen Gründen – meistens Problemen der Finanzierung – vor, so auch bei Zeitschriften aus den ethnologischen Fächern. Die bereits oben erwähnte Zeitschrift HAU: Journal of Ethnographic Theory wurde sechs Jahre nach ihrem Start als reine Open-Access-Zeitschrift auf ein Publikationsmodell umgestellt, das Closed Access (mit Möglichkeit der Subskription) und einen eingeschränkten freien Zugang (temporär für neue Ausgaben sowie dauerhaft für ausgewählte Artikel und Zielgruppen) kombiniert ( da Col 2017 ). Die Zeitschriften Journal of Religion and Popular Culture sowie Human Affairs , die früher für einen gewissen Zeitraum frei zugänglich waren, wurden wieder auf Closed Access (Subskription mit hybridem Publikationsmodell) umgestellt. Außerdem ist die Einstellung von Zeitschriften im Publikationswesen üblich und trifft auch Open-Access-Zeitschriften, so zum Beispiel im Fall von Open Anthropology , einem von 2013 bis 2022 bestehenden Open-Access-Pilotexperiment der American Anthropological Association, und im Fall von Museum Anthropology Review , die 2007 mit der Publikation begann und 2023 eingestellt wurde ( Jackson 2023 ). Nicht unerwähnt bleiben soll, dass frühere Ausgaben zahlreicher Zeitschriften frei zugänglich sind. Über ein Digitalisierungsprojekt des Fachinformationsdiensts Sozial- und Kulturanthropologie sind die Jahrgänge vieler deutschsprachiger ethnologischer Zeitschriften mit unterschiedlichem zeitlichen Verzug zur aktuellsten Ausgabe frei zugänglich, darunter Anthropos , Baessler-Archiv , Sociologus , die Zeitschrift für Volkskunde (Vorgängerin der Zeitschrift für Empirische Kulturwissenschaft ) und die Zeitschrift für Ethnologie . Die Archive der Zeitschriften Tsantsa (Vorgängerin der Schweizerischen Zeitschrift für Sozial- und Kulturanthropologie), Schweizerisches Archiv für Volkskunde und Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde sind vollständig frei zugänglich. Das Archiv der Ethnologia Europaea ist vollständig frei zugänglich. Für die Zeitschrift American Anthropologist , die primäre Zeitschrift der American Anthropological Association, bestand bis 2022 ein freier Zugang zu allen mehr als 35 Jahre zurückliegenden Ausgaben, der jedoch seitdem nicht mehr verfügbar ist. Eine bemerkenswert hohe Verbreitung hat Open Access in den ethnologischen Fächern bei Zeitschriften aus dem iberoamerikanischen Raum, in dem Open Access generell etablierter ist. Spanischsprachige Zeitschriften aus den ethnologischen Fächern sind daher nahezu ausnahmslos frei zugänglich. Einige bekannte Zeitschriften sind AIBR – Revista de Antropología Iberoamericana , Chungara , Etnográfica , Horizontes Antropológicos , Intersecciones en Antropología und Mana – Estudos de Antropologia Social . Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Das Directory of Open Access Books (DOAB) sowie die OAPEN Library verzeichnen mehrere Hundert Titel aus dem Feld der ethnologischen Fächer (in Fachgebieten, die die Begriffe „anthropology“ oder „ethnography“ enthalten; Stand: Dezember 2025). Verlage, die ausschließlich oder maßgeblich fachspezifische Bücher frei zugänglich publizieren, sind HAU Books und Open Anthropology Cooperative Press . Weitere Verlage, in denen häufiger englisch- oder deutschsprachige Open-Access-Bücher aus den ethnologischen Fächern erscheinen, sind unter anderen ANU Press , Duke University Press , Mattering Press , Open Humanities Press , Transcript , UCL Press , University of California Press . Disziplinäre Repositorien Wichtige Repositorien in den ethnologischen Fächern sind: Open Anthropology Research Repository Social Science Open Access Repository SocArXiv Social Sciences Research Network Der Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie bietet mit den EthnOA-Repositorien für Texte und für audiovisuelle Medien ein institutionsübergreifendes Angebot für die Open-Access-Publikation von Erst- und Zweitveröffentlichungen. Das Angebot richtet sich auch an Forscher*innen ohne institutionelle Anbindung oder Zugang zu einem institutionellen Repositorium. Aufgrund der bereits genannten multidisziplinären Ausrichtung kommen ebenfalls forschungsrichtungsspezifische Repositorien infrage, wie beispielsweise CrossAsia-Repository für Asienwissenschaften, GenderOpen für Geschlechterforschung, MENAdoc für Nahost- und Islamstudien oder OstDok für Forschung zu Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa. Eine Übersicht zu möglichen weiteren relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige hilfreiche Angebote Ein zentrales Fachportal für die ethnologischen Fächer im deutschsprachigen Raum ist EVIFA , das vom Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie betreut wird. Über das Fachportal kann unter anderem frei zugängliche Literatur gesucht und darauf zugegriffen werden. Es enthält zum Beispiel digitalisierte Ausgaben deutschsprachiger Zeitschriften und Monografien aus mehr als zwei Jahrhunderten Forschung. Zudem bietet der Fachinformationsdienst kostenfreien Zugang zu ausgewählten, lizenzpflichtigen Online-Ressourcen . Die Open Encyclopedia of Anthropology (vormals Cambridge Encyclopedia of Anthropology) ist eine frei zugängliche Enzyklopädie, in der begutachtete Artikel zur Einführung in fachliche Themen und Konzepte veröffentlicht werden. Das Portal Open Folklore listete bis 2024 frei verfügbare Ressourcen aus den Folklore Studies, befindet sich aber mit Stand Ende 2024 in einem Prozess der Neuaufstellung. ​​Das Anthropology Book Forum , ein Projekt der American Anthropological Association , veröffentlicht frei zugängliche englischsprachige Buchrezensionen. Über das geschichtswissenschaftliche Fachportal H-Soz-Kult werden frei zugänglich Forschungsberichte, Rezensionen und Neuigkeiten auch in der Kategorie “ Ethnologie und Historische Anthropologie ” veröffentlicht. Im Datenbankinformationssystem DBIS sind in der Kategorie “ Ethnologie ” zahlreiche weitere frei zugängliche fachspezifische Datenbanken und Angebote zu finden. Open Science in den ethnologischen Fächern Der Anspruch von Open Science, den wissenschaftlichen Prozess von der ersten Idee bis zur finalen Publikation zu öffnen und so alle Formen wissenschaftlichen Wissens frei zugänglich, nachvollziehbar und nachnutzbar zu machen, hat für die ethnologischen Fächer sowie die ethnografische Forschung insgesamt weitgehende Konsequenzen und bringt bedeutende Herausforderungen mit sich – und wird entsprechend kontrovers diskutiert. Besonders deutlich wird dies bei Open Research Data, der freien Zugänglichmachung von Forschungsdaten . In den ethnologischen Fächern wird – angesichts zunehmender Anforderungen und Maßgaben von Forschungsförderinstitutionen – seit etwa 2016 verstärkt über Forschungsdatenmanagement sowie die Archivierung und Nachnutzung vor allem ethnografischer Materialien diskutiert. Problematisch ist für die ethnologischen Fächer – wie auch für andere Sozialwissenschaften –, dass hierbei die Besonderheiten qualitativer Daten und insbesondere Materialien aus ethnografischer Forschung unzureichend berücksichtigt sind. Vielmehr liegt dabei ein Verständnis von Daten im Sinne von Rohdaten oder Primärdaten, wie sie vor allem in naturwissenschaftlichen Disziplinen und quantitativ arbeitenden Fachbereichen vorzufinden sind, zugrunde. Bereits der Begriff “Daten“ wird hier spezifisch verwendet: Daten werden als im sozialen Prozess der Feldforschung erzeugt und in Feldbeziehungen eingebettet verstanden. Eine offene Bereitstellung von ethnografischen Forschungsdaten – die meist sensible Informationen über Personen oder Gruppen enthalten – ist nicht oder nur eingeschränkt möglich. Offenheit muss hier vielmehr in Abhängigkeit des jeweils konkreten Forschungsfeldes sowie unter forschungsethischen und rechtlichen Aspekten betrachtet und abgewogen werden. Relevante Aspekte und wichtige Fragen sind hierbei unter anderem, a) ob ausreichende Einverständniserklärungen von Personen aus dem Forschungsfeld vorliegen oder diese überhaupt eingeholt werden können, b) ob Forschungsdaten allein den Forschenden gehören (beispielsweise im Falle von Interviews oder Aufzeichnungen von Gesprächssituationen) und c) welche Konsequenzen sich daraus womöglich ergeben oder wie sich Schutzmaßnahmen wie Pseudonymisierung oder Anonymisierung auf die Nachnutzbarkeit ethnografischen Materials auswirken. Verpflichtungen zur Offenheit von Forschungsdaten werden vor allem aus rechtlichen und ethischen Gründen breit abgelehnt, verbunden mit der Befürchtung, dass Forschungen insbesondere in vertraulichen und sensiblen Kontexten erschwert oder gar unmöglich gemacht werden könnten. (Zu diesen und weiteren Aspekten sowie der grundsätzlichen Thematik siehe Imeri 2018 und 2019 ). Mehrere Fachgesellschaften haben in Positionspapieren zu diesen Fragen und den fachspezifischen Anforderungen beim Umgang mit Forschungsdaten Stellung bezogen sowie ihre Debatten in Fachpublikationen transparent gemacht. Das Fachportal EVIFA des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie bietet umfassende Informationen zu Forschungsdaten in den ethnologischen Fächern . Im Rahmen des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie sind zudem beim Forschungsdatenzentrum Qualiservice an der Universität Bremen Workflows und Verfahren erarbeitet worden, die die Archivierung und Nachnutzung nahezu der gesamten Bandbreite ethnografischer Daten ermöglichen ( Rizzolli et al. 2024 ). Qualiservice bietet Beratung für einzelne Forschende, aber auch Projekte, Projektverbünde und Institutionen an. Mit DATA AFFAIRS ist im Sonderforschungsbereich 1171 “Affective Societies” an der Freien Universität Berlin eine Plattform erarbeitet worden, die Forschende, Lehrende und Studierende zum interaktiven Lernen zum Thema Datenmanagement in der ethnografischen Forschung einlädt. Sie enthält neben Texten zu einzelnen Aspekten des Datenmanagements auch anschauliche Beispiele, Erlebnisberichte, Übungen, ein Glossar und anderes mehr. Open Methodology, das Offenlegen der im Forschungsprozess verwendeten oder entwickelten Methoden, ist für die ethnologischen Fächer im Grunde nicht neu. Methoden werden in der Regel in Publikationen, insbesondere bei monografischen Ethnografien, offengelegt und erläutert – und dabei auch die Konsequenzen der gewählten Vorgehensweise für den Forschungsprozess reflektiert. In dieser Hinsicht ist hier die Verbindung mit und die Relevanz von Open Access zu betonen. Anders stellt sich die Sachlage dar, wenn das Offenlegen der Methoden bereits vor der eigentlichen Forschung oder im Forschungsprozess erfolgen soll und insofern unter Open Methodology im weiteren Sinne auch die transparente und offene Dokumentation der Schritte des Forschungsprozesses verstanden wird. Hierbei ergeben sich aufgrund der engen Verbindung zum Forschungsfeld und den Forschungsdaten ähnliche Herausforderungen und damit auch Abwägungsfragen wie bei Open Data. Open Source, das öffentliche Bereitstellen von Quellcode, spielt in den ethnologischen Fächern bisher kaum eine Rolle, da die Entwicklung von Programmen und Software in der Forschung kaum vorkommt. Es sprechen jedoch keine grundsätzlichen Gründe gegen Open Source. Bei in der ethnologischen Forschung verwendeter Software, insbesondere der für die qualitative Datenanalyse, besteht allerdings Potenzial für einen stärkeren Einsatz für die Entwicklung und Nutzung quelloffener Software. Dies ist nicht zuletzt relevant, weil die Funktionsweise zumeist verwendeter proprietärer Software eine Blackbox darstellt und eine Offenlegung dieses Teils der Methode entsprechend nicht gänzlich möglich ist. Bei offenen Evaluationsverfahren (Open Evaluation) besteht kein nennenswerter Unterschied zu anderen Disziplinen. So wäre ein offener Peer-Review-Prozess ( Open Peer Review ) in den ethnologischen Fächern ebenso möglich wie in anderen Fächern. Fachzeitschriften oder andere fachspezifische Publikationsmodelle , die ein offenes Peer-Review-Verfahren anwenden, gibt es bisher jedoch nicht. Mit SOCIOS besteht seit 2024 ein Angebot für ein offenes Peer-Review von Preprints in den Sozialwissenschaften, und damit auch für die ethnologischen Fächer. Das Bereitstellen offener und freier Lehrmaterialien (Open Educational Resources) ist eng mit der Veröffentlichung von Büchern und Zeitschriften im Open-Access-Modell verbunden. Beispielsweise erschien mit Perspectives: An Open Invitation to Cultural Anthropology (2017; zweite, überarbeitete Auflage 2020) ein Lehrbuch zur Einführung in die Kulturanthropologie Open Access. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur da Col, G. (2017). Free gifts that must be invented. HAU: Journal of Ethnographic Theory, 7(2), i–vii. https://doi.org/10.14318/hau7.3.001 Jackson, J. B. (2023). On Museum Anthropology Review (2007–2023). Museum Anthropology Review, 17(1–2), 1–10. https://doi.org/10.14434/mar.v17i1-2.35839 Imeri, S. (2018). Order, archive, share. Research data in the ethnological disciplines. Journal for European Ethnology and Cultural Analysis, 3(2), 215–240. doi.org/10.18452/20810 Imeri, S. (2019). ‚Open Data‘ in den ethnologischen Fächern. Möglichkeiten und Grenzen eines Konzepts. In J. Klinger & M. Lühr (Eds.), Forschungsdesign 4.0 - 1 (Vol. 1, pp. 45–59). Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. https://doi.org/10.25366/2019.07 Rizzolli, M., Imeri, S., & Huber, E. (2024): Ethnografische Forschungsmaterialien zur Archivierung und Nachnutzung vorbereiten und dokumentieren – ein Überblick für Forschende. Qualiservice Working Papers 6-2024. https://doi.org/10.26092/elib/2723 Weiterführende Literatur Jackson, J. B., & Anderson, R. (2014). Anthropology and Open Access. Cultural Anthropology, 29(2), 236–263. https://doi.org/10.14506/ca29.2.04 Kelty, C. M., Fischer, M. M. J., Golub, A., Jackson, J. B., Christen, K., Brown, M. F., & Boellstorff, T. (2008). Anthropology of/in Circulation. The Future of Open Access and Scholarly Societies. Cultural Anthropology, 23(3), 559–588. https://doi.org/10.1111/j.1548-1360.2008.00018.x Miller, D. (2012). Open access, scholarship, and digital anthropology. HAU: Journal of Ethnographic Theory, 2(1), 385–411. https://doi.org/10.14318/hau2.1.016 Zeitlyn, D., Corsín Jimenez, A., Willinsky, J., Waterston, A., Tritton, R., Kelty, C. M., Ardevol, E., Jemielnak, D., Sanchez-Criado, T., Abadal, E., Gatti, R., García, B., Rasero, V., Nugent, S., Gideon, J., Aibar, E., Malo de Molina, T., & Rodríguez Lópes, J. (2014). Preguntas frecuentes sobre acceso abierto - La economía política en torno a las publicaciones en antropología y otras ciencias sociales. FAQs About Open Access – The Political Economy of Publishing in Anthropology and Beyond (A. Montoya, M. Pérez, G. Dallemagne, & V. del Arco, Eds.). http://openaccessmadrid2014.wordpress.com Zeitschrift für Empirische Kulturwissenschaft, Band 118, Ausgabe 1/2, 2022 (mit einem Forum zum Thema Open Access) Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Kathleen Heft , Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin / Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie, und Marc Lange , Helmholtz Open Science Office (Stand: Dezember 2025). Die Autor:innen danken Sabine Imeri für die Kommentare zum Abschnitt zu Open Research Data....

  7. Open Access in den Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in den Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien Die Nahost-, Mittelost-, Nordafrika- und Islamstudien, auch Wissenschaften mit Bezug zur MENA-Region (Middle East and North Africa) oder früher Orientalistik genannt, umfassen eine Reihe von philologisch, religions-, kultur- sowie regionalwissenschaftlich ausgerichteten Disziplinen (u. a. Arabistik, Islamwissenschaft, Iranistik, Turkologie). Diese Disziplinen gehören zusammen mit anderen “kleinen Fächern” der Fachgruppe “Außereuropäische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften” an. Darüber hinaus gibt es an einzelnen Standorten auch Fachbereiche, die sich auf Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft der MENA-Region fokussieren. Die Ausrichtung der jeweiligen Fachdisziplinen stellt sich je nach Standort und Ausstattung unterschiedlich dar, wobei das inter- und transdisziplinäre Arbeiten ein Hauptmerkmal vieler Fachkulturen ist. Diese Vielfalt spiegelt sich in einer heterogenen Publikationslandschaft wider. Für geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen üblich, wird vorherrschend in Zeitschriften und Büchern publiziert, die entweder thematisch, regional oder chronologisch ausgerichtet sind. Daneben existieren die eher generalistisch angelegten Periodika nationaler und internationaler Fachgesellschaften (bspw. die Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft ZDMG , die aus einem retro-digitalisierten Bestand besteht und seit 2016 hybrid Open Access über den Verlag Harrassowitz publiziert). Zentrale Fachgesellschaften sind die Deutsche Morgenländische Gesellschaft (DMG), die Deutsche Orient-Gesellschaft, die European Association for Modern Arabic Literature (EURAMAL), die Association for Iranian Studies (AIS), die Societas Iranologica Europaea (SIE), die Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient (DAVO), Deutsche Orient-Stiftung, Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft e.V. (DVWR) sowie die Royal Asiatic Society. In den Wissenschaften mit Bezug zur MENA-Region ist die Publikationskultur weiterhin von der gedruckten Publikation und der Verlagspublikation geprägt. Bei elektronischen Publikationen wird häufig auf das Dateiformat PDF gesetzt, um die gedruckte Veröffentlichung nachzuempfinden (inkl. Seitenzahl und Layout). Zudem wird die wissenschaftliche Reputation ähnlich wie in anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen über Publikationsorte und Herausgeber*innenschaften produziert. Es wird häufig auch dann bei renommierten, traditionsreichen Verlagen publiziert, wenn deren Angebote keine Open-Access-Option beinhalten bzw. diese nicht finanzierbar ist. Open-Access-Zeitschriften Es gibt bisher nur wenige etablierte Zeitschriften, die vollständig im Open Access erscheinen, beispielsweise die Acta Orientalia , das Journal of Arabic and Islamic Studies oder Aethiopica . Diese Zeitschriften werden häufig von Wissenschaftler*innen an Forschungseinrichtungen herausgegeben. Hervorzuheben ist jedoch, dass es im Mittleren Osten und Asien ein breiteres Angebot an meist universitären Open-Access-Zeitschriften gibt, die auch im DOAJ gelistet sind . Zudem zeigen Open-Access-Zeitschriften, welche die Open-Source-Software Open Journal Systems (OJS) nutzen, eine weitaus höhere Sprachdiversität als bspw. die in der kostenpflichtigen Datenbank Scopus gelisteten Artikel (vgl. Khanna et al. 2022, Fig. 6). Die Hegemonie der englischen Sprache wird heute auch unter Aspekten der Bibliodiversität in Frage gestellt. Diese Herausforderung stellt für Wissenschaften mit Bezug zur MENA-Region einen wichtigen Aspekt der Dekolonisierung von Wissen und Wissenschaft dar (vgl. Berger 2021). Aber auch die Dekolonisierung von Open Access spielt dabei eine Rolle, da offene Wissenschaft und einige der angewandten Geschäftsmodelle zu neuen globalen Hierarchien und Ungleichheiten führen (vgl. Piron 2018). Wissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum veröffentlichen aber weiterhin überwiegend in Zeitschriften, bei denen nur vereinzelte Beiträge oder Bände im Open Access zugänglich sind. Außer in den einschlägigen Fachzeitschriften werden auch viele Artikel mit Bezug zur MENA-Region in Zeitschriften veröffentlicht, deren thematischer Fokus anders gesetzt ist (z. B. Mittelalter, Philosophie, Medizin, Recht, Soziologie, Politik, u. a.). Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Bei Monografien und Sammelbänden ist der Anteil der Open-Access-Publikationen höher als bei Zeitschriftenartikeln. Das Directory of Open Access Books (DOAB) listet unter dem Stichwort “Middle East” 556 Publikationen (Stand: April 2024). Der größte Teil dieser Publikationen wird durch Taylor & Francis (insg. 47) und MDPI - Multidisciplinary Digital Publishing Institute (insg. 22) veröffentlicht. Open-Access-Bücher werden bevorzugt bei etablierten Verlagen veröffentlicht, doch haben die Verlage erfolgreich Modelle für die Open-Access-Publikation von Reihen und Einzelbänden etabliert. Ein Grund für eine größere Verbreitung von Open Access bei Monografien und Konferenzbänden mag darin begründet liegen, dass Forscher*innen zunehmend dazu verpflichtet werden, die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung und Tagungen im Open Access zugänglich zu machen. Das Team hinter dem Blog Access to Mideast and Islamic Resources (AMIR) stellt Informationen über frei zugängliches Material über die MENA-Region zur Verfügung, u. a. auch neue Open Access veröffentlichte Bücher. Manuskripte und Kulturdaten Ein wichtiger Teil der Forschung ist textbasiert, weshalb besonders Methoden der Digital Humanities von Bedeutung für Wissenschaften mit Bezug zur MENA-Region sind. Die Digitalisate von textbasierten Quellen können als Objekte mit technischen oder kontextuellen Metadaten ergänzt und unter Open-Access-Lizenzen veröffentlicht werden. Die Öffnung von Forschung geschieht hier u. a. durch die Digitalisierung von Manuskripten und Periodika, siehe bspw. Jara'id: A Chronology of Arabic Periodicals (1800-1929) . Regional weit voneinander entfernt gelagerte Materialien können so auf unterschiedliche Weise zusammengeführt und unter offenen Lizenzen nachnutzbar publiziert werden. Wichtige Netzwerke sind das Islamicate Digital Humanities Network (IDHN) und die Open Islamicate Texts Initiative (OpenITI) . Disziplinäre Repositorien Der Fachinformationsdienst Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien bietet mit MENAdoc dem gesamten Fächerspektrum ein Open-Access-Repositorium an. MENAdoc bietet Open Access Grün zu Sammelbänden, Monographien und Einzelartikeln. Dabei werden in Kooperation mit Institutionen und Verlagen teilweise ganze Reihen im Open Access zugänglich gemacht (z. B. mit den Orient-Instituten Istanbul und Beirut). Teilweise erscheinen monographische Reihen auf MENAdoc im Diamond Open Access , z. B. MECAM-Papers oder die “Diskussionspapiere — Wirtschaft, Gesellschaft und Geographie im Vorderen Orient” . Je nach Schwerpunkt der Publikationen werden Forschungsergebnisse auf verschiedenen Fachrepositorien veröffentlicht, u. a. Medienwissenschaft, Soziologie etc. Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Arabic Collections Online (ACO) ist eine öffentlich zugängliche digitale Bibliothek mit gemeinfreien Inhalten in arabischer Sprache. Arabic and Middle Eastern Electronic Library (AMEEL) ist ein webbasiertes Portal und eine digitale Sammlung von Informationen zum Studium des Nahen Ostens, einschließlich seiner Geschichte, Kultur, Entwicklung und Gegenwart. Das Digital Assets Repository (DAR) ist ein an der Bibliotheca Alexandrina entwickeltes System zur Erstellung und Pflege der digitalen Sammlungen der Bibliothek, dazu gehören gemeinfreie digitalisierte Bücher. Die Hindawi Foundation ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in England, die Arabisch sprachige Bücher und Übersetzungen frei zugänglich publiziert, ohne Open Access Lizenz. Die Qatar Digital Library ist ein wachsendes Archiv und deckt die moderne Geschichte und Kultur des Golfs und der weiteren Region ab. Sie enthält Archive, Karten, Manuskripte, Tonaufnahmen, Fotos und vieles mehr, komplett mit kontextbezogenen Erläuterungen und Links, sowohl auf Englisch als auch auf Arabisch. Die Objekte können kostenlos genutzt und weiterverwendet werden. Es gibt Bemühungen, Masterarbeiten und Dissertationen elektronisch zu archivieren und zugänglich zu machen, u. a. durch das Egyptian Universities Libraries Consortium . Qalamos bietet einen direkten Zugang zu Metadaten und Digitalisaten orientalischer Handschriftensammlungen in Deutschland. Angestrebt ist der möglichst vollständige Nachweis der in deutschen Gedächtnisinstitutionen bewahrten orientalischen Bestände und ihrer Digitalisate. Zudem gibt es die Online-Datenbank des Museums für Islamische Kunst Berlin, in der Informationen zu Objekten und Werken verfügbar sind. Diese ist Teil des Online Portals “Islamic·Art” mit weiteren Open Access lizenzierten Materialien. Middle Eastern and North African Newspapers ist eine Open-Access-Sammlung, die vom Center for Research Libraries gefördert wird. Literatur Berger, M. (2021). Bibliodiversity at the Centre: Decolonizing Open Access. Development and Change 52(2), 383–404. https://doi.org/10.1111/dech.12634 . Khanna, S., Ball, J., Alperin, J. P., & Willinsky, J. (2022). Recalibrating the scope of scholarly publishing: A modest step in a vast decolonization process. Quantitative Science Studies 3(4), 912–30. https://doi.org/10.1162/qss_a_00228 . Piron, F. (2018). Postcolonial Open Access. In U. Herb & J. Schöpfel (Eds.), Open divide: critical studies on open access . Library Juice Press. https://corpus.ulaval.ca/entities/publication/2f42da75-af39-46b1-8ce1-f48ff76c059e Weiterführende Literatur Augustin, L. M. (2016, 01st September). Open Access publishing in and about the Middle East and North Africa: prospects and challenges. TRANSREGIONAL ACADEMIES . https://academies.hypotheses.org/1954 . Cross, C., Romanov, M., & Miller, M. T. (2023, 11th July). About Islamicate Digital Humanities . http://islamicate-dh.github.io/about/ . Hanafi, S., & Rigas, A. (2015). Knowledge Production in the Arab World: The Impossible Promise . Taylor & Francis Ltd. Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Josef Peter Jeschke, Fachinformationsdienst Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien (FID Nahost) , und Maike Neufend, Open Reserach Office Berlin (OROB) (Stand: September 2023)....

  8. Open Access in den Wirtschaftswissenschaften

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in den Wirtschafts­wissenschaften Open Access ist immer auch Teil des Publikationsmarktes und des Publikationsverhaltens insgesamt. Dabei ist für die Wirtschaftswissenschaften insbesondere relevant, dass es hier eine ausgeprägte Preprint kultur gibt. Diese Veröffentlichungen vor einem Peer Review durch Fachzeitschriften erfolgen in der Regel als sogenannte "Working Papers" oder "Discussion Papers". Sie werden zumeist von wirtschaftswissenschaftlichen Instituten oder Fakultäten herausgegeben und sind in der Regel frei zugänglich. Die meisten Zeitschriftenartikel sind also vorab bereits als Working Paper erschienen ( Baumann & Wohlrabe, 2020 ) und über fachliche Repositorien oder Nachweisdatenbanken wie SSRN , RePEc oder EconStor frei zugänglich. Zudem ist darüber gut ablesbar, wie sich das Publikationsaufkommen in der Wirtschaftsforschung entwickelt. Trotz der Preprintkultur sind Zeitschriftenartikel nach wie vor das wichtigste Publikationsformat in den Wirtschaftswissenschaften. Bei den Zeitschriften gibt es eine starke Fixierung auf Rankings (z. B. vom Forschungsmonitoring der ETH Zürich für das Handelsblatt oder die WirtschaftsWoche). Die wichtigsten Fachverlage für wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften sind vor allem Elsevier , Springer und Wiley . Die Fachzeitschriften werden von den Verlagen zum überwiegenden Teil als Subskriptions - bzw. Hybrid -Zeitschriften angeboten. Daher hat der in den letzten Jahren zunehmende Trend zu überregionalen und nationalen Transformationsverträgen in Deutschland (wie etwa DEAL , siehe marketwatch ) aber auch international zu einer Zunahme von Open-Access-Artikeln in Hybrid -Zeitschriften aus der Wirtschaftsforschung geführt. Dieser Effekt ist deutlich stärker als die Zunahme an Open-Access-Artikeln aus Gold-Open-Access -Zeitschriften. Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften lässt sich noch nach den Sub-Disziplinen Volkswirtschaftslehre (VWL) und Betriebswirtschaftslehre (BWL) differenzieren. Dabei ist die Preprintkultur in der VWL stärker ausgeprägt, zudem ist der Anteil der – in beiden Fächern dominierenden – englischsprachigen Veröffentlichungen noch höher als in der BWL. Open-Access-Zeitschriften Open-Access-Zeitschriften spielen in den Wirtschaftswissenschaften immer noch eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil ist zwar in den letzten Jahren proportional gestiegen, liegt aber immer noch im einstelligen Prozentbereich, verglichen zu allen anderen Journals ( Laakso & Björk, 2021 ). Dies hat verschiedene Gründe, u. a. die starke Bedeutung von Rankings, die vor allem etablierte (Subskriptions-)Zeitschriften bevorzugen und gleichzeitig eine geringe Bereitschaft von Autor*innen, in Open-Access-Zeitschriften mit APCs zu veröffentlichen ( Severin et al., 2018 ). Folgende Open-Access-Zeitschriften spielen für die Wirtschaftsforschung, insbesondere in Deutschland, eine relevante Rolle (in Klammern die herausgebende Einrichtung bzw. der Verlag) Quantitative Economics DOAJ (Econometric Society) Theoretical Economics DOAJ (Econometric Society) Health Economics Review DOAJ (Springer) Journal for Labour Market Research DOAJ (IAB, Springer) Energy Strategy Reviews DOAJ (Elsevier) Environmental Research Letters DOAJ (IOP) Economics E-Journal DOAJ (DeGruyter) Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik (De Gruyter Brill) German Economic Review (Verein für Socialpolitik, De Gruyter Brill) Schmalenbach Journal of Business Research (VHB / Schmalenbach-Gesellschaft, Springer) German Journal of Agricultural Economics DOAJ (Gewisola, TIP Open Publishing) Wirtschaftsdienst DOAJ (ZBW, Springer) Intereconomics DOAJ (ZBW, Springer) Interessant dabei ist die Tatsache, dass über die Hälfte der genannten Zeitschriften keine APCs erhebt, also dem Modell des Diamond Open Access folgt. Stattdessen werden die Publikationskosten hier eher über die herausgebenden Institute oder Fachgesellschaften getragen. Dies mag damit zusammenhängen, dass es in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, anders als in den Natur- und Lebenswissenschaften, keine ausgeprägte APC-Kultur gibt bzw. die Zahlung von APCs weniger verbreitet ist ( Borrego 2023 ). Im Rahmen des Diamond-Open-Access-Ansatzes werden seit einigen Jahren zunehmend wirtschaftswissenschaftliche Fachzeitschriften in ein Open-Access-Modell überführt. Dies geschieht auf zwei unterschiedlichen Wegen: Einerseits über kommerzielle Transformationsmodelle wie Subscribe to Open, über das z. B. der Verlag De Gruyter Brill mehrere wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften geöffnet hat. Zum anderen findet die Umstellung zunehmend auch in nicht-kommerziellen Kontexten statt, in denen die Titelrechte an einer Zeitschrift nicht bei einem kommerziellen Verlag, sondern bei einer Wissenschaftseinrichtung oder Fachgesellschaft liegen. Hier ist etwa die Open Library Economics der ZBW zu nennen, über die ebenfalls wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften in den Open Access überführt werden. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Die Bedeutung von Verlagsmonographien für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren immer weiter abgenommen und spielt aktuell nur eine kleine Rolle, z. B. in Form von Sammelbänden oder als populärwissenschaftliche Veröffentlichungen bekannter Professor*innen. Davon ausgenommen sind Lehrbücher, die nach wie vor von einer großen Zahl an Studierenden genutzt werden. Gerade Lehrbücher und populärwissenschaftliche Titel sind jedoch aufgrund ihrer hohen Umsätze im traditionellen Verkaufsmodell (auch außerhalb von Bibliotheksetats) nur schwer in ein Open-Access-Geschäftsmodell zu transformieren. Einen guten Überblick über das Open-Access-Büchersegment an wirtschaftswissenschaftlicher Literatur aus den Bereichen Economics, Business, Management oder Finance bietet das Directory of Open Access Books (DOAB) – dort werden mehrere hundert Open-Access-Bücher aus diesem Themenfeld gelistet. Die weitere Finanzierung von Open-Access-Büchern wird zunehmend durch institutionelle Open-Access-Monographienfonds unterstützt, die in Deutschland an immer mehr Wissenschaftseinrichtungen entstehen (vgl. dazu auch die Fokusgruppe Open-Access-Monographienfonds ). Disziplinäre Repositorien In den Wirtschaftswissenschaften gibt es nicht nur "das eine" Fachrepositorium , vielmehr sind hier über die Jahre mehrere relevante Publikationsorte entstanden, die nicht nur, aber doch vor allem für die im Fach bestehende Publikationskultur der Preprints (bzw. Working Papers) relevant sind. Zu den wichtigsten Repositorien in den Wirtschaftswissenschaften gehören: SSRN : Das zum Elsevier-Konzern gehörende Social Science Research Network (SSRN) deckt zwar ein größeres Fächerspektrum ab als nur die Wirtschaftswissenschaften, gilt aber vor allem in der Wirtschaftsforschung als größtes Fachrepositorium der Disziplin. Insgesamt hat man hier Zugriff auf etwa 1,6 Millionen Volltexte im Open Access, wobei etwa 900.000 auf den Bereich Wirtschaftswissenschaften entfallen. EconStor : Der Publikationssserver der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft enthält etwa 300.000 Volltexte im Open Access. Dies sind vor allem Working Papers, aber auch Konferenzbeiträge und Zeitschriftenaufsätze. Die EconStor-Publikationen sind auch Teil des RePEc -Angebots und werden darüber hinaus in Google Scholar und EconBiz nachgewiesen. AgEcon Search : Das fachliche Repositorium wird von der University of Minnesota betrieben und hauptsächlich durch die Fachgesellschaft " Agricultural and Applied Economics Association " finanziert. Es enthält etwa 200.000 frei zugängliche Volltexte, v. a. aus den Bereichen der Agrarökonomie und der angewandten Ökonomik. Alle Publikationen auf AgEcon Search sind auch in RePEc nachgewiesen. MPRA : Das Munich Personal RePEc Archive (MPRA) wird an der Universitätsbibliothek München gehostet und enthält über 60.000 wirtschaftswissenschaftliche Publikationen aus aller Welt. Diese stammen in der Regel nicht von Institutionen oder Verlagen, sondern werden von Einzelforscher*innen per Self-Upload eingereicht und dann von einem Redaktionsteam freigeschaltet und in RePEc nachgewiesen. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Bei vielen Wirtschaftsforschenden (vor allem in der VWL) ist die Plattform RePEc (Research Papers in Economics) bekannt. Sie stellt eine Mischung aus Verbundkatalog, Institutionen-Registry und Rankingsystem dar, wobei die ca. 5 Millionen Nachweise für den Verbundkatalog dezentral von den Wissenschaftseinrichtungen und Fachverlagen eingespielt werden. Mit Hilfe einer automatischen Zitationsanalyse und Downloadstatistiken sowie Angaben von über 70.000 Forschenden weltweit mit eigenen Accounts produziert RePEc u. a. Rankings von Forschenden, Wissenschaftseinrichtungen und Fachzeitschriften. Der gesamte Service ist nicht-kommerziell und kostenfrei und wird auf ehrenamtlicher Basis von verschieden Ökonomen auf verteilt liegenden Servern betrieben. Das vom ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft betriebene Suchportal EconBiz umfasst über 10 Millionen Publikationsnachweise und kann in der Suche auch auf Open-Access-Volltexte eingeschränkt werden. Zudem gibt es hier einen weltweiten kalendarischen Überblick zu z. B. Fachtagungen, Kongressen und Sommerkursen in den Wirtschaftswissenschaften. Open Science in den Wirtschafts­wissenschaften Unter den weiteren Open-Science-Aspekten mit Relevanz für die Wirtschaftswissenschaften ist insbesondere der Bereich der Forschungsdaten zu nennen, diese werden mehr und mehr offen und nach den FAIR-Prinzipien zugänglich gemacht. Hier kümmert sich in Deutschland unter anderem der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) um die Weiterentwicklung und hat dabei etwa Kriterien für den Zugang zu fachlichen Forschungsdatenzentren entwickelt. Zudem gibt es im Rahmen der Initiative NFDI (Nationale Forschungsdateninfrastruktur) auch fachliche Konsortien aus den Wirtschaftswissenschaften, z. B. KonsortSWD oder BERD . Darüber hinaus kümmert sich vor allem die ZBW um die Weiterentwicklung von Open Science in den Wirtschaftswissenschaften, beispielsweise mit ihren Forschungsaktivitäten , der jährlich stattfindenden Open Science Conference sowie umfangreichen Marketingaktivitäten . Außerdem gibt es hier mit dem Open Economics Guide auch ein eigenes Informationsangebot für die Zielgruppe Wirtschaftsforschung. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Baumann, A., & Wohlrabe, K. (2020). Where Have All the Working Papers Gone? Evidence from Four Major Economics Working Paper Series. https://hdl.handle.net/10419/219146 Borrego, Á. (2023). Article processing charges for open access journal publishing: A review. Learned Publishing, 36: 359-378. https://doi.org/10.1002/leap.1558 Laakso, M., & Björk, B.-C. (2021). Open access journal publishing in the business disciplines: A closer look at the low uptake and discipline-specific considerations. https://doi.org/10.1177/09610006211006769 Severin, A., Egger, M., Eve, M. P., & Hürlimann, D. (2020). Discipline-specific open access publishing practices and barriers to change: an evidence-based review. F1000Research, 7, 1925. https://doi.org/10.12688/f1000research.17328.2 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Olaf Siegert, Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) (Stand: August 2025)....

  9. Open Access in den künstlerischen Fächern

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) Open Access in den künst­lerischen Fächern In den letzten Jahren haben sich auch die künstlerischen Fächer immer mehr zum Thema Open Access positioniert. Sie nehmen hierbei aufgrund ihrer Stellung zwischen Künsten und Wissenschaften stets eine besondere Rolle ein. Die künstlerischen Fächer zeichnen sich nicht nur durch eine Vielzahl an Disziplinen aus, die sowohl künstlerisch wie wissenschaftlich als auch künstlerisch-wissenschaftlich arbeiten, sondern auch durch eine überaus diverse Publikationslandschaft mit Akteur*innen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Bildung und (Kreativ-)Wirtschaft. Die Vielfalt der künstlerischen Fächer zeigt sich auch im breiten Spektrum der Veröffentlichungen, die text- wie nicht-textbasiert sein können. Ob Künstler*innenbücher, Ausstellungskataloge, Fotos, Musik-/Performance-Inszenierungen oder 3D-Objekte – die Publikationen unterliegen meist zahlreichen rechtlichen Fragen und sind für die Veröffentlichungsplattformen häufig eine Herausforderung. Die derzeitig vorhandenen Infrastrukturen für Open-Access-Veröffentlichungen sind meist auf textbasierte Publikationen ausgelegt und reichen für die Bedürfnisse in den Künsten nicht aus. Die im Bereich der Forschungsdaten zum Teil schon vorhan­denen oder im Aufbau befindlichen Infrastrukturen sind wichtige Anknüpfungs­punkte und wegweisend für Open-Access-Infrastrukturen (nicht nur) in den Künsten. Mit der engen Verbindung zur Kreativwirtschaft betreffen die Entwicklungen in den künstlerischen Fächern zudem einen für die Open-Access-Community neu­en Bereich: die wirtschaftliche Existenz von Künstler*innen. Kunstschaffende sind sowohl bei Kultur- und Bildungseinrichtungen als auch in der Kulturindus­trie tätig. Sie sind auf die Vermarktung ihrer Inhalte angewiesen, die Finanzie­rung der Publikationen erfolgt nur teilweise über Publikationstantiemen. Zudem sind sie häufig Mitglieder von Verwertungsgesellschaften und können ihre Werke daher nur eingeschränkt frei lizenzieren. Eine Open-Access-Strategie in den künstlerischen Fächern muss daher die Einkommenssicherung der Kunst­schaffenden miteinbeziehen. Die künstlerischen Fächer zeigen schon heute deutlich, dass Open Access immer im Kontext aller Open-Science-Bausteine und aller Akteur*innen gesehen werden muss. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter den Stichworten fine arts 627 und music and books on Music 89 Einträge (Stand: März 2024). Die gelisteten Open-Access-Zeitschriften bedienen häufig die auf die Künste bezogenen Wissenschaften und kaum die Künste bzw. die künstlerische Praxis. Zeitschriften sind zudem nicht die dominierende Publikationsform in den künstlerischen Fächern. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Unter dem Stichwort fine arts listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 169 Titel. Die OAPEN Library verzeichnet unter dem Schlagwort art 450 Titel (Stand: März 2024). Allerdings werden als Suchergebnis überwiegend Publikationen aus den Bereichen Kunst- / Geschichte oder auch Ethnologie aufgelistet, weniger aus den Bereichen bildende oder angewandte Künste. Seit 2021 etablieren sich erste Open-Library-Konsortien, wie z. B. die Open Library Medienwissenschaft oder seit 2023 auch KOALA Medienwissenschaften . Disziplinäre Repositorien Zu den wichtigsten disziplinären Repositorien in den Künsten gehören: ART-Dok , Fachinformationsdienst Kunst - Fotografie - Design musiconn , Portal des Fachinformationsdienstes Musikwissenschaft media/rep/ , Open Access-Repositorium für medienwissenschaftliche Publikationen Die genannten Repositorien sind auf textbasierte Publikationen ausgerichtet. Die zunehmende Bedeutung von Open Access in den Künsten verändert auch die disziplinären Repositorien. Bedarfe werden aufgezeigt und neue Projekte entstehen, die sich mit dem Aufbau von Repositorien für nicht textbasierte und multimediale Medien beschäftigen. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Fokusgruppe "OA-Künste" Die digitale Fokusgruppe OA-Künste ist ein Netzwerk mit Mailingliste, das für alle künstlerischen Einrichtungen und Hochschulen offensteht. Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Das Netzwerk Open Access in den Künsten bietet allen künstlerischen Einrich­tungen und Hochschulen ein Forum für Austausch und Diskussion. Dabei sollen Materialien und Informationen geteilt und der Open-Access-Gedanke in den Künsten verankert werden. Der Fokus des Netzwerks liegt auf Bibliotheken, die als Serviceeinrichtung die Etablierung von Open-Access-Strukturen auf verschie­denen Ebenen fördern und mitgestalten. Auch in Kunst- und Museumsbibliotheken gewinnt Open Access an Bedeutung ( Hahn, 2018 ). Neben der Bereitstellung von textorientierten elektronischen Res­sourcen verwalten diese Bibliotheken schon lange analoge Sondersammlungen wie Bildarchive, grafische Sammlungen oder Künstlerbücher. Hier kann Open Access ein Schritt der digitalen Transformation, der Erweiterung des Samm­lungsprofils und des Informationsangebots sein. Dies kann über Synergieeffekte auch Open Access in den Künsten voranbringen. Die AKMB - Arbeitsgemein­schaft der Kunst- und Museumsbibliotheken bietet schon seit mehreren Jahren Fortbildungen im Bereich Open Access an. Open Science in den künst­le­rischen Fächern Open Science ist auch in den Künsten ein zentrales Thema. Der Prozess des Kunstschaffens und auch das Werk selbst bewegen sich häufig zwischen mehre­ren Open-Science-Komponenten. Angesichts der Diversität der Inhalte und For­mate ist es in den Künsten daher sehr sinnvoll, sich nicht nur auf Open Access zu fokussieren, sondern Open Science in seiner Gänze zu betrachten, z. B. auch offene Forschungsdaten. Neben den Open-Access-Infrastrukturen geben auch Angebote von Kulturein­richtungen und Forschungsdateninfrastrukturen Anknüpfungspunkte. Die bei NFDI4Culture und anderen Vertretern aus dem GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives, Museums) vorhandene Expertise bietet eine für die Künste wertvolle Unterstützung für die Etablierung von Publikationsinfrastrukturen. Das Konsortium NFDI4Culture ist Teil des Projektes Nationale Forschungs­dateninfrastruktur (NFDI) und vertritt dort die Kunst-, Musik- Theater-, Tanz-, Architektur-, Film- und Medienwissenschaft. Ziel des Konsortiums ist der Aufbau verschiedener Services wie Beratungs- und Trainingsangebote, Handrei­chungen sowie Foren zum fachspezifischen Austausch. NFDI4Culture setzt sich außer­dem mit der komplexen Rechtslage im Umgang mit Kulturgut auseinander, etwa mit Fragen zu Provenienz oder Urheberrechten. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Hahn, C. (2018). Open Access im Museum . Herbstfortbildung AKMB Dresden. https://www.initiativefortbildung.de/pdf/schlaglichter_AKMB2018/Hahn_OA_Museum.pdf Weiterführende Literatur Somajni, Chiara; Tóth-Czifra, Erzsébet; Barbieri, Chiara; Marazza, Suzanna and Pensa, Iolanda (2024). Open Science for Arts, Design andMusic: Guidelines for Researchers, Librarians and Practitioners in the Humanities . SUPSI, CC0 1.0 except where otherwise stated. DOI: 10.5281/zenodo.13896781 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Anika Wilde, Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch , und Friederike Kramer, Universitätsbibliothek der UdK Berlin (Stand: Juli 2024)....

  10. Open Access in der Anglistik / Amerikanistik

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in der Linguistik Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in der Anglistik/ Amerikanistik Mit Anglistik / Amerikanistik wird hier ein Fächerspektrum benannt, das an deutschen Universitäten mit unterschiedlichen, oft programmatischen Namen (z. B. Anglophone Literaturen und Kulturen oder British and American Studies ) be­zeichnet wird und auch verschiedene regional ausgerichtete und interdisziplinär arbeitende Kulturwissenschaften umfassen kann. Die folgenden Informationen beziehen sich deshalb zum Teil auch auf die Großbritannien-, Irland-, Amerika-, Kanada-, Australien- und Neuseelandstudien sowie übergreifende Forschungs­felder wie die postkolonialen Studien. Neben der Existenz genuin philologischer Themen und Fragestellungen werden nach dem aktuellen Selbstverständnis der Fächer aus dem Anglistik-Kontinuum u. a. auch die Geschichte, Gesellschaft, Po­litik, Kulturgeographie, Massenmedien und Populärkultur der jeweiligen Länder mit unterschiedlichen methodologischen Ansätzen untersucht. Mit dieser fortlaufenden thematischen und disziplinären Öffnung der Anglistik / Amerikanistik konnte die Verbreitung und Akzeptanz von Open-Access-Publika­tionsformen bisher nicht ganz mithalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, lassen sich aber vor allem in der geisteswissenschaftlichen Publikationskultur finden, die sich zum Teil stark von den Vertriebswegen und Arbeitsmethoden der Naturwissenschaften unterscheidet. Als Ausnahme ist hier die Linguistik zu nennen, die nicht nur in ihren Methoden, sondern auch in der Ausprägung der Wissenschaftskommunikation den Naturwissenschaften näher steht; hier ist z. B. das Konzept der Preprints bzw. der Versionierung von Artikeln weitläufig be­kannt. In den Literatur- und Kulturwissenschaften ist die gedruckte Verlagspub­likation meist noch immer Standard, vor allem bei Qualifikationsarbeiten bzw. Monografien. Die Kosten für Open-Access-Publikationen in der Anglistik / Amerikanistik werden bisher üblicherweise nicht über Article Processing Charges (APCs) finanziert, sondern über Book Processing Charges (BPCs) zur Veröffenltichung von Monografien. Die Veröffentlichung von Open-Access-Monografien wird verschiedentlich unterstützt z.B. über den Monografien-Fonds auf Institutions- oder Landesebene, verlagsseitige Pledging-Initiativen wie Knowledge Unlatched , Drittmittelförderung oder Mitgliedsbeiträge von Fachgesellschaften. Zu einer wichtigen Infrastruktur für geisteswissenschaftliche Open-Access-Zeitschriften hat sich die von verschiedenen Institutionen finanziell unterstützte Open Library of Humanities entwickelt, auf deren Plattform eine ganze Reihe von Zeitschriften aus dem Bereich Anglistik / Amerikanistik zu finden ist. Darüber hinaus wird auch die französische Plattform Hypotheses (als Teil von OpenEdition ) für wissenschaftliche Blogs von zahlreichen deutschen Instituten und Wissen­schaftler*innen zur Publikation ihrer Forschungsarbeiten genutzt. Insgesamt ist die Open-Access-Entwicklung in der Anglistik / Amerikanistik als positiv zu bewerten. Viele Autor*innen, Verlage und Fördereinrichtungen for­dern und unterstützen die Weiterentwicklung der Bereitstellung wissenschaft­licher Ergebnisse im Open Access. Der erstarkende Trend auch in den Geisteswissenschaften, Forschungsergebnisse in Form von Artikeln und Special Issues zu publizieren, trägt auch zu einer vitaleren Open-Access-Fachkultur bei. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter den Schlagwör­tern Language and Literature: English language 92 Einträge, Language and Literature: English Literature 61 Einträge, Language and Literature: American Literature 20 Einträge, History of Great Britain 4 Einträge, History America: America 9 Einträge, History America: United States 2 Einträge und History America: United States local history 3 Einträge (Stand: Mai 2025). Die Fachzuordnung im DOAJ ist nicht immer präzise. Einige der für die Anglistik / Amerikanistik relevanten Zeitschriften sind zum Teil unter den allgemeineren Kategorien wie Language and Literature zu finden. Bei spezifischen Forschungsinteressen lohnt es sich deshalb, auch nach freien Stichwörtern zu suchen. Es existieren außerdem eine Reihe qualitativ hochwertiger Zeitschriften, die bisher nicht im DOAJ gelistet sind. Die oben angegeben Zahlen stellen also nur Orientierungswerte dar. Wichtige Open-Access-Zeitschriften sind: Anglistik Journal for the Study of British Cultures Amerikastudien / American Studies New American Studies Journal: A Forum European Journal for American Studies Zeitschrift für Australienstudien/Australian Studies Journal Canada and Beyond European Journal of American Studies Review of Irish Studies in Europe Journal of Transnational American Studies On Culture Postcolonial Text Transformative Works and Cultures Viele lange nur gedruckt erhältliche Fachzeitschriften halten mit ihren meist zu­sätzlich vertriebenen elektronischen Fassungen am klassischen Subskriptions­modell ohne Open-Access-Komponente fest. Andere Fachzeitschriften sind nach wie vor nur gedruckt erhältlich, dies gilt vor allem für thematisch stark spe­zialisierte Zeitschriften. Eine begrüßenswerte Tendenz beim Umstieg von der gedruckten auf eine digitale Version lässt sich bei den Zeitschriften der zentra­len Fachgesellschaften (z. B. Deutscher Anglistenverband , Deutsche Gesell­schaft für Amerikastudien, Gesellschaft für Australienstudien ) beobachten, die mittlerweile fast alle (zusätzlich) Open Access zur Verfügung stehen. Manche dieser Zeitschriften werden weiterhin bei wissenschaftlichen Verlagen, andere über die Webseiten der Gesellschaften herausgegeben. Im Gegensatz dazu wird etwa die Zeitschrift der European Association of American Studies (Vereinigung der nationalen Fach­gesellschaften zu den Amerikastudien) schon seit ihrer Gründung Open Access veröffentlicht. Auf der anderen Seite gab es schon früh einzelne Internet-Publikationen, die von engagierten Wissenschaftler*innen ohne Verlagsunterstützung erfolgreich als scholar-led -Publikation im Diamond Open Access umgesetzt wurden. Neben dem freien weltweiten Zugang wurde v.a. das Potenzial des webbasierten Publizierens erkannt (Hyper­links, Integration von Bildern und audiovisuellen Quellen). Dazu zählen z. B. in Deutschland die Erfurt Electronic Studies in English (1995-2011), das American Studies Journal (seit 1996) sowie Early Modern Literary Studies (Großbritannien, seit 1995) oder Romanticism on the Net (RoN) (Kanada, seit 1996). Auch im Be­reich der Publikationen von early career scholars ist Open Access mittlerweile ein etabliertes Modell: Die Artikel der Current Objectives of Postgraduate Ame­rican Studies (COPAS) (seit 2000) sowie aspeers: emerging voices in american studies (seit 2008 im Dual-Publishing-Modell ) wurden von Beginn an unter CC-Lizenzen veröffentlicht. Manchen dieser frühen oder schon lange laufenden Online-Veröffentlichungen fehlen Merkmale, die sich mittlerweile als Standards für Open-Access-Zeitschrif­ten durchgesetzt haben, wie z. B. DOIs für einzelne Aufsätze oder auch Konzep­te für die Langzeitarchivierung. Der Fachinformationsdienst Anglo-American Culture (FID AAC) bietet hier bereits erste Dienstleistungen an, z. B. für die Zeitschrift für Australienstudien , für die DOIs vergeben und deren Jahrgänge auf dem Fachrepositorium The Stacks archiviert werden. Der FID Anglo-American Culture kuratiert eine Liste von fachrelevanten Open Access-Zeitschriften . Die Liste wird regelmäßig überprüft und erweitert. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Das Directory of Open Access Books (DOAB) findet zu den Suchbegriffen English literature , English language und American literature insgesamt 451 Treffer (Stand: Mai 2025). Unter den allgemeineren Suchbegriffen American Studies (470 Treffer) und English Studies (43 Treffer) sind ebenfalls zahlreiche Monografien zu finden. Hinzu kommen Veröffentlichungen aus den Bereichen postcolonial studies , literary studies , cultural studies etc. Da die Plattform keine einheit­liche inhaltliche Erschließung anbietet, lohnt sich eine Stichwortsuche nach dem gesuchten Forschungsthema. Zusätzlich bietet die Plattform OAPEN Direktzu­griff auf viele hundert Titel zu den oben genannten Suchbegriffen. Die steigende Verfügbarkeit einer solchen Bandbreite von Open-Access-Büchern und Dokumenten ist eine positive Entwicklung der letzten Jahre. Als wichtige kommerzielle Verlage im deutschsprachigen Kontext, die ein nennens­wertes Open-Access-Angebot für die Fachcommunities rund um die Anglistik / Amerikanistik aufweisen, sind transcript , DeGruyter/Brill und Peter Lang zu nennen. Darüber hinaus bieten mehrere deutsche Universitätsverlage Möglichkeiten, Monografien im Open Access zu publizieren: Exemplarisch seien hier die Schriftenreihe Göttinger Schriften zur Englischen Philologie des Universitätsverlags Göttingen erwähnt oder Berlin University Publishing. Mittlerweile sind die meisten dieser Monografien und Sammelbände über zentrale Plattformen wie OAPEN nachge­wiesen und finden so auch ihren Weg in bibliothekarische Nachweissysteme. Es ist abzusehen, dass die Zahl der Open-Access-Bücher und die Zahl der Open Access fordernden Wissenschaftler*innen in den nächsten Jahren weiter steigt. Nicht nur wird mittlerweile die Open-Access-Publikation von Forschungsergebnissen von Drittmittelgebern wie der DFG oder dem BMFTR zur Förderbedingung erklärt, sondern Initiativen wie Enable! auf nationaler Ebene oder Knowledge Unlatched auf internationaler Ebene haben sich als zusätzliche Katalysatoren etabliert. Viele internationale Verlage, wie z. B. MIT Press haben ihre Geschäftsmodelle zu Gunsten von Open Access umgestellt oder erweitert und bieten eine Vielzahl ihrer Titel unter freien Lizenzen an. Disziplinäre Repositorien Zu den wichtigsten Repositorien für die Anglistik / Amerikanistik gehören: The Stacks ist das interdisziplinäre Fachrepositorium für die folgenden Disziplinen: Amerikastudien, Anglistik, Anglophone Postkoloniale Studien, Australien- und Neuseelandstudien, Großbritannien- und Irlandstudien so­wie Kanadastudien einschließlich aller Unterdisziplinen. Es handelt sich um ein Angebot des FID Anglo-American Culture und wird von der Niedersäch­sischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen betrieben. Neben Zweitveröffentlichungen von Verlagspublikationen (Artikel und Monogra­fien) können Wissenschaftler*innen hier bislang unveröffentlichte Doku­mente wie z. B. Vortragsmanuskripte, Lehrmaterialien oder Tagungspro­gramme publizieren. Das Repositorium archiviert außerdem ganze Zeit­schriftenbände, Schriftenreihen und Sammelbände. Alle Dokumente werden entweder sofort oder nach einem frei wählbaren Embargo Open Access zugänglich gemacht. Das Repositorium wurde 2021 mit dem DINI-Zertifikat ausgezeichnet. Humanities Commons (CORE): CORE ist ein interdisziplinäres Open-Access-Repositorium für die Geisteswissenschaften, das u.a. von der MLA (Modern Language Association) betrieben wird. Das Repositorium enthält auch graue Literatur (Lehrmaterialien, Vortragsmanuskripte). GenderOpen ist das Fachrepositorium für die Geschlechterforschung und wird vom Margherita-von-Brentano-Zentrum an der Freien Universität Ber­lin, dem Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Hum­boldt-Universität zu Berlin und dem Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin betrieben. media/rep/ ist das Fachrepositorium der kulturwissenschaftlichen Medien­wissenschaft sowie thematisch angrenzender Fächer und wird vom Institut für Medienwissenschaft in Kooperation mit der Universitätsbibliothek der Philipps-Universität Marburg betrieben. CompaRe ist das Fachrepositorium für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und wird vom FID Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft betreut. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Der Bereich English Language and Litera­ture Commons des Digital Commons Network listet als thematisches Verzeichnis Nachweise aus institutionellen Repositorien weltweit (mit einem Schwerpunkt auf US-amerikanischen Institutionen). Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Auch die Online-Archive JSTOR und Project MUSE stellen frei zugängliche, für die Anglistik / Amerikanistik relevante Open-Access-Inhalte bereit. Open Science in der Anglistik/ Amerikanistik Größere Open-Science-Initiativen wie Geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsinfrastrukturen e.V. sind meist nicht fachspezifisch, sondern richten sich an die Geisteswissenschaften insgesamt. Open Science meint hier vor allem den Zugang zu digitalen Materialien (historische Quellen, literarische Texte, Sprach­korpora) sowie die Aufbereitung von (meist textbasierten) Forschungsdaten durch digitale Werkzeuge und deren nachhaltige Bereitstellung (z. B. im DARIAH-DE Repository ). Gerade in Forschungsbereichen, in denen nicht nur Texte, sondern auch audio­visuelle Quellen zum Forschungsgegenstand gehören, gab es schon früh Pio­nierprojekte im Internet, um von den Möglichkeiten der vielfältigen Verknüpf­ung zu profitieren (Hypermedia) sowie die freie Zugänglichkeit und - v. a. auch interdisziplinäre - Nachnutzbarkeit zu ermöglichen. So liegen beispielsweise die Ursprünge von The Rossetti Archive und The Victorian Web in den 1990er Jahren. Größere Editionsprojekte neueren Datums sind z. B. The Walt Whitman Archive und das James Joyce Digital Archive . In Deutschland schlagen vor allem Wissenschaftler*innen im Bereich der Digital Humanities sowie Projekte an wissenschaftlichen Bibliotheken neue Wege ein. Eine Verankerung von Open Science in den zentralen Fachgesellschaften gibt es bisher nur teilweise, z. B. durch die Digital American Studies Initiative (DASI) , die als Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien u. a. thematische Diskussionsforen auf den Jahrestagungen organisiert. Potenzial für eine zentrale Strategie im Umgang mit sprach- und textbasierten Forschungsdaten liegt aktuell auch in den geisteswissenschaftlichen Konsortien (z. B. Text+ ) innerhalb der Nationalen Forschungsdaten­infrastruktur (NFDI) . open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Weiterführende Literatur Blumesberger, S. (2023). FAIRe Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften: Umfrage über Aufbereitung und Archivierung von Daten. o-bib – das offene Bibliotheksjournal. 10 (4). https://doi.org/10.5282/o-bib/5883 Dreher, L., Lang, I., & Oberländer, A. (2020). Bereitschaft zu Open Access in den Geisteswissenschaften. o-bib – das offene Bibliotheksjournal, 7 (2), 1–20. https://doi.org/10.5282/o-bib/5512 Elstermann, A. (2017). The power of digital publishing: Rethinking knowledge distribution in English philology. In A.-J. Zwierlein, J. Petzold, K. Boehm, & M. Decker (Eds.), Anglistentag 2017 Regensburg. Proceedings: Vol. XXXIX (pp. 39–50). Wissenschaftlicher Verlag Trier. https://www.wvttrier.de/top/Proceedings_2017_WVT.pdf Eve, M. P. (2014). Open Access and the humanities. Contexts, controversies and the future . Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9781316161012 Fitzpatrick, K. (2011). Planned obsolescence: Publishing, technology, and the tuture of the academy. New York University Press. http://mcpress.media-commons.org/plannedobsolescence/ (Link leads to manuscript version with open peer review .) Projekt AuROA (2022). Publizieren und Open Access in den Geisteswissenschaften. Erkenntnisse aus dem Projekt AuROA zu den Stakeholdern im Publikationsprozess . Link: https://projekt-auroa.de/stakeholder/#perspektiven . Severin, A., Egger, M., Eve, M. P., & Hürlimann, D. (2020). Discipline-specific open access publishing practices and barriers to change: an evidence-based review. F1000Research, 7 , 1925. https://doi.org/10.12688/f1000research.17328.2 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Wiebke Kartheus, UB Greifswald (Stand: Mai 2025)....