Intro
Was bedeutet Open Access?
„Open Access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internetzugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird."
Budapest Open Access Initiative, 2002; Hervorhebungen der Redaktion
Das erfahren Sie in diesem Artikel
Open Access beinhaltet zwei Komponenten: kostenfreier Zugang und freie Nachnutzung.
Die Nachnutzung wissenschaftlicher Informationen macht den Forschungszyklus effizienter.
Die Rechte Dritter bei der Nutzung von Open-Access-Publikationen werden durch Nutzungslizenzen festgelegt.
„Die Urheber und die Rechteinhaber [von Open-Access-]Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird.”
Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003; Hervorhebungen der Redaktion
Libre oder nur gratis?
Schon in den Definitionen der Budapest Open Access Initiative (BOAI) und der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen beinhaltet Open Access nicht nur die Komponente, dass wissenschaftliche Informationen frei zugänglich sind, sondern auch – genauso wichtig –, dass diese frei nachgenutzt werden können.
Open-Access-Publikationen können in Gratis Open Access und Libre Open Access kategorisiert werden. Diese Begriffe sind zwar nicht sehr geläufig, sie bezeichnen aber einen wichtigen Unterschied bei den Nachnutzungsmöglichkeiten einer frei zugänglichen Publikation:
- Gratis Open Access bedeutet, dass eine Publikation kostenlos angesehen und gedruckt werden kann (Suber, 2008).
- Libre Open Access bezeichnet eine breitere Nutzung durch die Verwendung von offenen Lizenzen wie Creative-Commons-Lizenzen (Suber, 2008).
Nach den Definitionen der Budapest Open Access Initiative und der Berliner Erklärung ist nur Libre Open Access eine vollwertige Version des Open Access, d.h. die Nachnutzbarkeit ist ein notwendiger Bestandteil von Open-Access-Publikationen. Open Access umfasst also mehr als die kostenlose Bereitstellung einer Datei im Internet.
Quelle: Basierend auf Suber, P. (2008, August). Gratis and libre open access. SPARC Open Access Newsletter. https://sparcopen.org/our-work/gratis-and-libre-open-access (CC BY-SA 4.0).
Vorteile von Nachnutzbarkeit
Die weltweite digitale Vernetzung der Wissenschaft bietet das Potenzial eines besseren Zugangs zu und einer besseren Nachnutzbarkeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dies ermöglicht neue Herangehensweisen an wissenschaftliche Fragestellungen und fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Überdies können so Informationen schneller geteilt, Forschungszyklen verkürzt und damit der wissenschaftliche Fortschritt beschleunigt werden. Davon profitiert nicht nur die wissenschaftliche Community und die Öffentlichkeit als Ganze, sondern auch historisch, geographisch und soziologisch benachteiligte Gruppen, indem Schranken zur Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs abgebaut werden.
Im Bereich der Forschungsdaten beschreiben die FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) die verschiedenen Aspekte der Nachnutzbarkeit von Datenpublikationen. Hierbei wird nicht nur die technische und rechtliche Ermöglichung der Nachnutzung in den Blick genommen, sondern auch eine Aufbereitung und Anreicherung der (Meta-) Daten vonseiten der Datenerhebenden, um die Nachnutzung im Forschungsprozess zu erleichtern. Da Texte einfacher verarbeitet werden können als Daten, ist für Textpublikationen wie Zeitschriftenartikel und Bücher eine derartige Aufbereitung nicht nötig. Eine entsprechende begleitende Bereitstellung der Forschungsdaten, die der Textpublikation zugrundeliegen, kann die Nachnutzbarkeit der Ergebnisse allerdings erhöhen.
Beispiele für Nachnutzung
- Über das in der Physik und Mathematik viel genutzte Repositorium arXiv und andere Repositorien stellen Wissenschaftler*innen Forschungsergebnisse schon vor deren Peer Review und Publikation als Preprint öffentlich zur Verfügung. So kann es zu einer raschen Verbreitung und Weiterverwendung der Erkenntnisse kommen. Auch für „klassische“ Publikationen in Open-Access-Zeitschriften mit Peer-Review-Verfahren kann eine erhöhte Geschwindigkeit zwischen Einreichung und Publikation festgestellt werden (Hopf et al., 2022).
- Darüber hinaus arbeitet das Directory of Open Access Journals (DOAJ) nach dem Prinzip, dass die Rechte der Nutzer*innen und das Copyright durch Lizenzierung klar bestimmt sein müssen, damit Open Access effektiv funktioniert. Aus diesem Grund nimmt das DOAJ nur Zeitschriften auf, die die Nachnutzung der Beiträge mittels Lizenzen regeln.
Klarheit durch Lizenzen
Um deutlich zu machen, wie Forschungsergebnisse nachgenutzt werden dürfen, werden Nutzungslizenzen vergeben. Dabei ist es den Autor*innen selbst überlassen, wie frei sie die Nutzung ihrer Werke zulassen. Das Zitatrecht erlaubt es zwar, Zitate aus fremden Werken oder Werkteile zustimmungsfrei in eigene Werke einzubinden, jedoch muss das eigene Werk vom zitierten Werk unabhängig sein. Zitiert werden darf nur das Original, es darf sich nicht um Bearbeitungen oder sonstige Umgestaltungen fremder Werke oder Werkteile handeln (Dreier, 2018, Rn. 7). Durch die Vergabe einer Lizenz kennzeichnen Autor*innen eindeutig, dass das lizenzierte Werk unter bestimmten Bedingungen über das Lese- und Zitatrecht hinaus nachgenutzt werden darf. Die dadurch erteilten Nutzungsrechte können vom wortgetreuen Wiederabdruck bis hin zur Veröffentlichung einer veränderten Version des Werks reichen.
Eine Übersicht über verschiedene Lizenzmodelle bietet die Seite Lizenzen. Die Einräumung bestimmter Nutzungsrechte anhand solcher Lizenzen gibt den Nutzer*innen explizite Hinweise darauf, wie das Dokument weiter verwendet werden darf und vereinfacht die Rechtsdurchsetzung bei Missbrauch. Gleichzeitig behält sich der*die Autor*in die Möglichkeit vor, in gesonderten Verträgen weitere Nutzungen zu erlauben. In diesem Kontext ist es wichtig, in Verlagsverträgen keine ausschließlichen Nutzungsrechte an den Verlag zu übertragen, da diese Rechtübertragung mit einer Lizenzierung durch den*die Autor*in unvereinbar ist. Der Leitfaden der Bertelsmann Stiftung zur Anwendung freier Lizenzen erklärt dies Schritt für Schritt (Bertelsmann Stiftung, 2016).
Im Bereich von Wissenschaft und Forschung sind die offenen Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen) am weitesten verbreitet. Mit Blick auf die Berliner Erklärung, wonach insbesondere die Bearbeitung und eine Verwendung zu jedem verantwortbaren (und damit grundsätzlich auch kommerziellen) Zweck zuzulassen sind, unterstützen nur die Lizenzen CC-BY und CC-BY-SA umfassend den zentralen Aspekt der Nachnutzungsmöglichkeit. Vor allem der NC-Baustein (= NonCommercial) ist häufig umstritten, da oftmals nicht eindeutig zu erkennen ist, in welchen Fällen eine kommerzielle Nutzung vorliegt. So dürfen mit dem Zusatz „NC" versehene Publikationen auf kommerziellen Plattformen wie etwa den meisten Social-Media-Diensten nicht genutzt werden. Auch private oder gemeinnützige Bildungsanbieter und Vereine, die Geldbeträge zur Kostendeckung für bestimmte Leistungen erheben, dürfen Publikationen nicht nutzen, die in ihrer Lizenz den Baustein „NC" verwenden. Von der Verwendung des NC-Bausteins wird deshalb an vielen Stellen abgeraten. Die häufigsten Fragen zu den Creative-Commons-Lizenzen beantwortet die FAQ-Liste auf der Seite CC Germany.
Der freie weltweite Zugang zu einer Publikation in Kombination mit der Vergabe einer freien Lizenz – ggf. in Absprache mit dem Verlag oder Repositorium – schafft die besten Bedingungen zur Nachnutzung einer wissenschaftlichen Arbeit.
Creative-Commons-Lizenzen
Wie genau funktionieren Creative-Commons-Lizenzen?
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. & Rücknagel, J. (2021). Wie genau funktionieren Creative-Commons-Lizenzen? open-access.network. https://doi.org/10.5446/52952 (CC BY 3.0 DE)
Die korrekte Angabe einer Lizenz: Was muss ich bei der Nachnutzung beachten?
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. & Rücknagel, J. (2021). Die korrekte Angabe einer Lizenz: Was muss ich bei der Nachnutzung beachten? open-access.network. https://doi.org/10.5446/53415 (CC BY 3.0 DE)
Literatur
- Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen. (2003). https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf
- Bertelsmann Stiftung. (2016). Freie Lizenzen – einfach erklärt. Ein Leitfaden für die Anwendung freier Lizenzen in der Bertelsmann Stiftung. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/freie-lizenzen-einfach-erklaert
- Budapest Open Access Initiative (2002). https://www.budapestopenaccessinitiative.org/read/german-translation/
- Dreier, T., Randnote 7 (2018). § 51 Zitate. In T. Dreier & G. Schulze, UrhG. Urheberrechtsgesetz (6. Auflage). C. H. Beck.
- Hopf, D., Dellmann, S., Hauschke, C., & Tullney, M. (2022). Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010-2021. Technische Informationsbibliothek (TIB). https://doi.org/10.34657/7666
- Suber, P. (2008, August). Gratis and libre open access. SPARC Open Access Newsletter. https://sparcopen.org/our-work/gratis-and-libre-open-access/
Weiterführende Literatur
- Charbonnier, J., Sohmen, L., Rothman, J., Rohden, B., & Wartena, C. (2018). NOA: A Search Engine for Reusable Scientific Images Beyond the Life Sciences. ECIR 2018: Advances in Information Retrieval, 797–800. https://doi.org/10.25968/opus-1208
- Coates, Owen, Victoria and Reilly, Susan (2022). Navigating Copyright for Libraries: Purpose and Scope, Berlin, Boston: De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110732009
- Singson, L. (18. September 2025). Die eigene Publikation (nach-)nutzen – das gilt. iRights.info. https://doi.org/10.59350/pxhzc-a6508