Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Open Access in der Physik

Open Access ist im Fach Physik seit längerer Zeit fester Bestandteil der Publikations- und Informationsstruktur. Eine große Rolle spielt hierbei die Veröffentlichung von Preprints. Der Hauptgrund für diese Publikationskultur liegt im großen Interesse der Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Artikel unmittelbar und ohne zeitliche Verzögerungen, die durch Publikationsprozesse entstehen, bereitzustellen. So entstand bereits im Jahr 1991 das Repsitorium arXiv.

Der Transformationsprozess von allen wissenschaftlichen Zeitschriften bzw. Artikeln im Fachgebiet der Hochenergiephysik wurde im Rahmen des Projektes SCOAP³ (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) bereits durchgeführt (siehe Open-Access-Zeitschriften). 

Weltweit richtungsweisend für Open Access in der Physik ist das CERN. Es hat in allen wichtigen Open-Access-Initiativen eine führende Rolle eingenommen, z. B. bei der Finanzierung von SCOAP³, dem Betrieb des interdisziplinären Repositories Zenodo gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Entwicklung der Repositoriensoftware Invenio

In Deutschland engagieren sich vor allem die Max-Planck-Gesellschaft, das Zentrum für Forschung an Teilchenbeschleunigern DESY der Helmholtz-Gemeinschaft und die Technische Informationsbibliothek (TIB) Hannover im Bereich der dauerhaften Finanzierung von Open-Access-Geschäftsmodellen in der Physik. Diese Institutionen fungieren auch als nationale Kontaktstellen bei SCOAP³ und beteiligen sich an der Finanzierung des disziplinären Repositoriums arXiv. Die TIB organisiert dabei die Teilnahme der deutschen Hochschulen an SCOAP³ über das nationale Projekt SCOAP³-DH und die Finanzierung des Beitrags der deutschen Hochschulen zu arXiv im Netzwerk arXiv-DH.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals listet unter dem Stichwort “physics” 492 Einträge (Stand: September 2021). 

Bereits im Jahre 1999 startete das Institute of Physics zusammen mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft das „New Journal of Physics“ als eine der ersten reinen Open-Access-Zeitschrift. 

Insgesamt haben die Open-Access-Zeitschriften im Fach Physik verglichen mit den subskriptionsbasierten Zeitschriften ein geringes Publikationsaufkommen, da hier der Weg der Parallelpublikation, meist als Preprint vor der Verlagsveröffentlichung, dominierend ist. 

Vor diesem Hintergrund entstand im Bereich der Hochenergiephysik das internationale Projekt SCOAP³, um begutachtete Zeitschriftenartikel unter einer Creative-Commons-Lizenz zu veröffentlichen. SCOAP³ ist ein globales Konsortium aus Bibliotheken, Bibliothekskonsortien, Forschungsförderorganisationen und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam wird der Transformationsprozess von wissenschaftlichen Zeitschriften im Bereich der Hochenergiephysik umgesetzt. Dabei werden alle Artikel (Gold oder Hybrid) durch das Konsortium finanziert, wobei die durchschnittlichen APCs deutlich unter denen vergleichbarer Transformationsprozesse liegen und den Autor*innen keine Kosten entstehen. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, Subskriptionsgebühren dauerhaft durch Publikationsgebühren mit fairen und marktgerechten Preisen zu ersetzen. Einen Überblick über teilnehmende Zeitschriften mit dem jeweiligen Prozentsatz geförderter Artikel und absoluter tagesaktuellen Artikelanzahl gibt die Seite SCOAP³ Journals.

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Open-Access-Bücher

Unter dem Subject “physics” listen das Directory of Open Access Books sowie die OAPEN Library rund 40 Titel (Stand: September 2021).

Im Fach Physik werden die meisten Bücher bei Verlagen mit traditionellen Geschäftsmodellen veröffentlicht, Open-Access-Bücher sind bislang eine Randerscheinung.

Disziplinäre Repositorien

Wie eingangs erwähnt, haben Preprints im Fach Physik eine sehr lange Tradition. Seit den 1960er Jahren hat sich v.a. in der Hochenergiephysik (HEP) eine Kultur zur Bereitstellung von Preprints entwickelt und etabliert. Vor diesem Hintergrund gründete Paul Ginsparg am 14. August 1991 das elektronische Repositorium arXiv am Los Alamos National Laboratory, was einen wesentlichen Meilenstein der Open-Access-Geschichte darstellt. Noch heute ist das seit 2020 von der Cornell Tech betriebene arXiv ein Musterbeispiel für fachliche Repositorien. Um einen dauerhaften und nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten, wird arXiv größtenteils von der Cornell University, der Simons Foundation und institutionellen Mitgliedern finanziert. 

Neben Preprints werden auf arXiv vorläufige Ergebnisse oder Diskussionspapiere veröffentlicht, die zunächst nicht anderweitig publiziert werden. Das erstmalige Einreichen von Preprints ist für neue Autor*innen zumeist nur durch ein sogenanntes endorsement möglich. Dabei müssen etablierte Autor*innen des relevanten Bereichs die Einreichung befürworten. Autor*innen, die einer anerkannten wissenschaftlichen Institution angehören, können davon befreit werden. 

ArXiv besticht als fachliches Repositorium mit einfachen Funktionalitäten und - im Vergleich zum Peer Review - reduzierten Mechanismen der Qualitätssicherung. In der Physik ermöglichen viele Verlage das direkte Einreichen von auf arXiv abgelegten Manuskripten bei ihren Zeitschriften. Beispielsweise werden in dem Publikationsportal SciPost direkt arXiv-Einträge als Einreichungen akzeptiert und es muss kein Manuskript hochgeladen werden.

Eine Übersicht zu Repositorien zum Themenfeld "Physics and Astronomy" bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR)

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. Brinken, Helene. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

INSPIRE-HEP ist eine freie digitale Fachdatenbank für Publikationen und Preprints im Bereich der Hochenergiephysik und ein Gemeinschaftsprojekt von CERN, DESY, Fermilab und weiteren Partnern. Neben den Standardinformationen zur Veröffentlichung wie z.B. Quellenangaben und Links zu Volltexten enthalten die Nachweise auch Referenzen und Zitationen. INSPIRE-HEP ermöglicht so die Erstellung von Autor*innen-Seiten mit Zitationsanalysen. Darüber hinaus bietet INSPIRE-HEP Informationen zu HEP-Einrichtungen, -Experimenten und -Konferenzen. Auch wichtige Informationsquellen wie z.B. arXiv.org oder das NASA Astrophysical Data System sind dort eingebunden.

Open Science in der Physik

Im Fach Physik gibt es viele unterschiedliche  Bestrebungen zu Open Science. Dabei ist an erster Stelle das Open-Data-Portal von CERN zu nennen. Hier sind derzeit über zwei TeraByte an Daten zu den Experimenten am CERN frei und nachnutzbar verfügbar. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Repositorien mit physikalischen Daten, welche alle in re3data.org gelistet sind. 

Zudem wird oftmals Programmiercode Open Source auf speziellen Projektseiten der beteiligten Arbeitsgruppenveröffentlicht. Infrastruktureinrichtungen sind hier selten beteiligt. Beispiele für Open-Source-Programme in der theoretischen Festkörperphysik sind die Programme ABINIT und QUANTUM ESPRESSO

 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Gernot Deinzer, UB Regensburg (Stand: September 2021)