Intro
Open Research Europe
Das erfahren Sie in diesem Artikel
Die wichtigsten Akteure im Politikfeld Open Access sind in Europa die Europäische Kommission und in Deutschland das BMFTR (bis 2025 BMBF) sowie die Landesregierungen.
Sie fördern und fordern mit verschiedenen politischen Maßnahmen den freien Zugang zu Wissen.
Auf Ebene der deutschen Bundesländer zeichnen sich in den Bereichen Open Access und Open Science unterschiedliche Entwicklungen ab.
Praxistipp
Der Praxistipp Open Access unterstützen - Landesregierungen benennt Maßnahmen, mit denen Landesregierungen Open Access praktizieren und unterstützen können.
Politische Steuerung & Diskussion
Das Themenfeld Open Access, die Formulierung von Open Access Policies und ihre Implementierung sind Gegenstand politischer Diskussionen und Aushand­lungsprozesse. Wer sind treibende Kräfte und was sind ihre Positionen?
Open Access Policies werden sowohl durch Vorgaben von oben (“top down”) – insbesondere von der europäischen Ebene auf die Ebene der Nationalstaaten und Länder – als auch von unten (“bottom up”) durch engagierte Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Einrichtungen und Open-Access-Initiativen vorangetrieben.
Wichtige Meilensteine der Diskussion um den offenen Zugang zu wissenschaft­lichen Informationen sind (siehe auch Geschichte des Open Access):
- die Budapester Open Access Initiative (2002)
- die Berliner Erklärung über den offenen Umgang zu wissenschaftlichem Wissen (2003)
sowie weiterführend
- das Bethesda Statement on Open Access Publishing (2003)
- der Amsterdam Call for Action on Open Science (2016),
- The Vienna Principles: A Vision for Scholarly Communication in the 21st Century (2016),
- der Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity (2017)
- Plan S (2018)
- der Action Plan for Diamond Open Access (2022)
Viele staatliche und überstaatliche Institutionen, wie die Europäische Union (EU), das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, bis Mai 2025 Bundesministerium für Bildung und Forschung), Ländermini­sterien, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und teilweise auch Hoch­schulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, nehmen dabei eine Doppelrolle ein. Als politische Akteure beteiligen sie sich mit unterschiedlichen Interventionen und Maßnahmen an Aushand­lungsprozessen um Open Access; gleichzeitig sind sie auch Fördermittelge­bende und setzen in dieser Funktion unmittelbar Maßstäbe und Rahmen­bedingungen.
Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten staatlichen Akteure im Politikfeld Open Access gegeben und jeweils kurz erläutert, wie der freie Zugang zu wissenschaftlichem Wissen im jeweiligen Kontext ermöglicht bzw. durch politische Regulierungen gefördert wird.
Supranationale Ebene
Auf supranationaler Ebene setzen die Europäische Kommission (EC) und der European Research Council (ERC) wichtige Impulse für die Implementierung von Open Access und Open Science. Auch von der UNESCO wurde 2021 eine Recommendation on Open Science verabschiedet.
Bereits 2012 forderte die Europäische Kommission in einer Empfehlung die Mitgliedstaaten auf, klare und verbindliche Open Access Policies zu implementieren. Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung sollten demnach verpflichtend im Open Access veröffentlicht werden, entweder unmittelbar oder spätestens 6 (Naturwissenschaften) bzw. 12 Monate (Geistes- und Sozialwissenschaften) nach Erscheinen. Obgleich Empfehlungen der Europäischen Kommission nicht bindend sind, haben inzwischen die Mehrheit der 27 EU-Staaten und einige nicht EU-Mitgliedsstaaten (Norwegen, Serbien und die Schweiz) Open-Access- und Open-Science-Strategien verabschiedet (u.a. Belgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Malta, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn). Auch im Bereich der Forschungsförderung verpflichtet die Europäische Kommission dazu, wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access zu publizieren (siehe auch Horizon Europe).
Open Access in Deutschland
In Deutschland existiert, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, keine einheitliche nationale Open Access Policy. Die vorherige Bundesregierung hatte sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel gesetzt, Open Access und Open Science zu stärken sowie Open Access als gemeinsamen wissenschaftlichen Standard zu etablieren. Dem wurde im Jahr 2023 auch mit der Verabschiedung gemeinsamer Leitlinien von Bund und Ländern zur Umsetzung von “Open Access in Deutschland” Rechnung getragen (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2023). Im Koalitionsvertrag von 2025 wird Open Access nicht explizit aufgeführt; der Zugang zu wissenschaftlicher Forschung soll durch ein Forschungsdatengesetz erleichtert werden.
Auf Bundesebene in Deutschland schuf die Novellierung des Urheberrechts im Jahr 2013 die rechtlichen Rahmenbedingungen für grünes Open Access, indem sie ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht implementierte (Pflüger, 2016, S. 14). Eine Strategie für Open Access in Deutschland veröffentlichte das vormalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, seit Mai 2025: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, BMFTR) 2016 (2018 aktualisiert): Ziel ist, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens weiter zu etablieren und die „Lücke zwischen dem Wunsch der Wissenschaft nach mehr offen zugänglichen Publikationen und der aktuellen Veröffentlichungspraxis“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2018, S.7) zu schließen. Dabei sollen grundsätzlich vielfältige Wege für Open Access ermöglicht werden und die Wissenschaftsfreiheit unangetastet bleiben. Publikationen aus öffentlicher Förderung sollen der Allgemeinheit frei zugänglich sein und etablierte Verfahren der Qualitätssicherung gewährleistet bleiben.
Während die Umsetzung in konkreten Policies in Deutschland Ländersache ist, setzte das BMBF in seiner Funktion als Fördereinrichtung Richtlinien: Wissenschaftliche Projekte, die durch das BMBF bzw. das BMFTR gefördert werden, sollen ihre Ergebnisse und ihre Forschungsdaten Open Access veröffentlichen. Förderempfänger sind neben wissenschaftlichen Einrichtungen und Bibliotheken auch privatwirtschaftliche Akteure, wie Verlage und andere Dienstleister, die sich im Umfeld von Open Access etablieren.
Aufgrund der Länderhoheit im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik erfolgt die Verabschiedung und Umsetzung von Open Access bzw. Open Science Policies in Deutschland überwiegend auf Länderebene (Kindling et al., 2022). Diese Länderstrategien sind insofern zentrale Bestandteile der bundesdeutschen Open-Access-Transformation (Kindling et al., 2021).
Einige Länder wie z. B. Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg oder Schleswig-Holstein verfügen über Landesstrategien und benennen zum Teil konkrete Zielstellungen. Diese sind beispielsweise eine Open-Access-Quote für Zeitschriftenartikel, Open-Access-Beauftragte und Open-Access-Policies für alle Einrichtungen (Berlin), ein Monitoring der Open-Access-Publikationszahlen (Thüringen), eine klare Positionierung der Hochschulleitungen zu Open Access (Brandenburg) oder eine einheitliche technische Infrastruktur (Hamburg).
Einige Landesregierungen fördern Open Access durch andere Instrumente der Hochschulsteuerung. Die Unterstützung für Open Access wird beispielsweise im Wissenschaftsplan (Bremen), im Hochschulentwicklungsplan (Sachsen) oder in den Digitalstrategien der Länder erwähnt (Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Hessen).
Weitere Bundesländer unterstützen die wissenschaftlichen Einrichtungen ihres Landes durch gezielte Maßnahmen, wie beispielsweise openaccess.nrw in Nordrhein-Westfalen, über einen Open-Access-Publikationsfonds (Thüringen, Niedersachsen), über Open-Access-Vernetzungsstellen (Berlin, Brandenburg) oder über die Finanzierung von „Openness“ als Querschnittsthema (Bremen).
In anderen Bundesländern gibt es zwar noch keine expliziten wissenschaftspolitischen Positionierungen, dafür aber viele Einrichtungen mit einem etablierten Open-Access-Serviceangebot (bspw. Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz) (Kindling et al., 2021). Einen Überblick über aktuelle und zurückliegende Open-Access- und Open-Science-Aktivitäten der deutschen Bundesländer bieten auch der Bundesländer-Atlas (Kindling et al., 2021), die Länderdossiers des oa.atlas (2024) sowie der Open4DE Landscape-Report (Bärwolf et al. 2023).
Open Access in Österreich und der Schweiz
In Österreich traten bereits früh verschiedene Open-Access-Initiativen auf nationaler Ebene auf den Plan (vgl. Geschichte des Open Access (link)). So verhandelte 2014 die KEMÖ (Kooperation E-Medien Österreich) als eines der ersten nationalen Bibliothekskonsortien weltweit ein Open-Access-Verlagsabkommen in Kooperation mit dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (vgl. Mayer 2022, 47). Der FWF hatte schon 2004 eine eigene Open Access Policy mit einer starken Empfehlung zum Open-Access-Publizieren eingeführt.
2012 wurde das OANA (Open Access Network Austria, seit 2022: OSA – Open Science Austria) als gemeinsame Initiative des FWF und der österreichischen Universitätskonferenz uniko zur nationalen Vernetzung gegründet. Die OANA verfasste in der Folge diverse Empfehlungen, u. a. zu einer nationalen Open-Access-Strategie (2016) und zu einer nationalen Open-Science-Strategie (2020). Anschließend an das Empfehlungspapier von 2016 veröffentlichten viele Forschungseinrichtungen Open Access Policies, die Empfehlung von 2020 diente als Grundlage für die 2022 verabschiedete nationale Open Science Policy Austria.
Ein Zweitverwertungsrecht wurde 2015 verabschiedet (siehe auch Rechtsfragen in Österreich).
Die nationale Förderinitiative „Digitale und soziale Transformation in der Hochschulbildung“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2019 ermöglichte den Start mehrerer Digitalisierungsprojekten mit Fokus auf Open Access, wie z. B. AT2OA2.
Die österreichische Bundesregierung bekannte sich in ihrem Regierungsprogramm 2020-2024 klar zu Open Access und unterstützte darin auch „aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access“. Das aktuelle Regierungsprogramm 2025-2029 legt keinen expliziten Fokus auf Open Access oder Open Science.
Laut der strategischen Planung der Gesamtschweizerischen Hochschulpolitischen Koordination 2025–2028 wird das Ziel verfolgt, 100 % der wissenschaftlichen Publikationen aus den Schweizer Hochschulen im Open Access verfügbar zu machen. Insbesondere swissuniversities, die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen, fungiert in der Schweiz als übergeordneter Akteur zur Förderung von Open Access. Als Förderinstitution unterstützt swissuniversities diverse Open-Access-Projekte.
Die 2017 veröffentlichte Nationale Open-Access-Strategie der Schweiz wurde 2024 revidiert: swissuniversities und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) legen darin Rahmenbedingungen für die Open-Access-Transformation des Landes fest. Die Delegation Open Science koordiniert die Zusammenarbeit der Stakeholder.
Neben dieser nationalen Strategie gab das Netzwerk der Hochschulbibliotheken (SLiNER) 2019 Policy Guidelines heraus, die als Empfehlungen für institutionelle Open-Access-Richtlinien der Schweizer Hochschulen dienen. Der Anteil der Schweizer Hochschulen mit Open-Access-Policies lag im Jahr 2023 bei 86 % (vgl. swissuniversities, 2023).
Aktuell arbeiten elf Partnerinstitutionen zusammen, um ein nationales Diamond-Open-Access-Konsortium zur langfristigen und nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen (CoDOA). Derzeit werden Vorarbeiten zu einer gesetzlichen Verankerung eines Zweitveröffentlichungsrechts geleistet.
Literatur
- Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report. Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02
- Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2023). Open Access in Deutschland. Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern. https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/DE/1/772960_Open_Access_in_Deutschland.pdf
- Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2018). Open Access in Deutschland. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. https://www.bildung-forschung.digital/files/2018-08-Open_Access_neu_barrierefrei.pdf
- Kindling, M., Neufend, M., & Wenninger, A. (2021). Bundesländer-Atlas Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.5761153
- Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672
- Kindling, M., Martin, L., & Neufend, M. (2024). oa.atlas: Konzept. Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.54fbd167
- Mayer, K. (2022). Open Access im Wandel. Infrastrukturen, Monitoring und Governance als zentrale Elemente einer erfolgreichen Transformation. Baseline Report zur Open Access Transformation in der Wissenschaft. Zentrum für Soziale Innovation, Wien. https://doi.org/10.22163/fteval.2022.533
- Pflüger, T. (2016). Open Access-Regulierung im internationalen Vergleich. In T. Dreier, V. Fischer, A. van Raay, & I. Spiecker gen Döhmann (Eds.), Informationen der öffentlichen Hand : Zugang und Nutzung (1. edition, Vol. 3, S. 537-562). Nomos. https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/37572/Pflueger_0-395438.pdf?sequence=1&isAllowed=y
- swissuniversities (2023). Open Access Strategy Review. Background Report. https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA_Strategie/OA_Strategy_Review_Background_Report.pdf
- UNESCO. (2021). UNESCO Recommendation on Open Science. UNESCO. https://doi.org/10.5281/zenodo.5741832
Weiterführende Literatur
- Fuhrer, C., Schurte, R. (2018). Nationale Open Access-Strategie in der Schweiz: Herausforderungen für die Hochschulen und ihre Bibliotheken. In: Bibliotheken der Schweiz: Innovation durch Kooperation: Festschrift für Susanna Bliggenstorfer anlässlich ihres Rücktrittes als Direktorin der Zentralbibliothek Zürich, edited by Zentralbibliothek Zürich, Alice Keller and Susanne Uhl, Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 2018, pp. 97-118. https://doi.org/10.1515/9783110553796-004
- Taşkın, Z., Melinščak Zlodi, I., Laakso, M., Torny, D., Arasteh, S., Bargheer, M., Klaus, T., Schima, J., Agnoloni, T., Peruginelli, G., Davidson, A., Franczak, M., María Ángeles, C. B., de Pablo Llorente, V., Dobson, H., & Heyman, J. (2024). D5.2 National overviews on sustaining institutional publishing in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13683953
- Verdicchio, D., Kissling-Näf, I. (2020). Digitale Transformation und Open Access von Forschungsresultaten in der Schweiz. In: Schellinger, J., Tokarski, K., Kissling-Näf, I. (Hrsg.) Digitale Transformation und Unternehmensführung (pp. 11-27). https://doi.org/10.1007/978-3-658-26960-9_2
- Wissenschaftsrat (2022). Empfehlungen zur Transformation des Wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access; Köln. https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61.