Gründe und Vorbehalte

Die Vorteile von Open Access

Video zu den Vorteilen von Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51995

Das erfahren Sie in diesem Artikel

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Zahlreiche Gründe sprechen für Open Access.

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Es gibt aber auch Zweifel und Vorbehalte.

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Viele Vorbehalte lassen sich durch gute Gegenargumente entkräften.

Gründe für Open Access

Open Access veröffentlichte Informationen sind für alle Wissenschaftler*innen, für Studierende, Berufstätige und für die interessierte Öffentlichkeit auf der ganzen Welt sofort online erreichbar und leicht auffindbar. Open-Access-Publikationen erscheinen oft schneller als im konventionellen Publikationssystem. Da die Nutzung von Open-Access-Materialien kostenlos möglich ist, stehen sie, anders als Closed-Access-Werke, allen Personen unabhängig von finanziellen Mitteln und  Forschungsstandorten zur Verfügung. Insofern kann Open Access einen Beitrag zur Verringerung der digitalen Kluft in der Wissenschaft leisten.

Viele Forschungsförderer haben Open-Access-Bedingungen in ihre Richtlinien zur Vergabe von Fördermitteln aufgenommen (siehe Forschungsförderer und Open Access). In den Zuwendungsverträgen wird festgelegt, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus geförderten Projekten entstehen, im Open Access öffentlich frei verfügbar gemacht und nachnutzbar sein sollen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Ergebnisse aus Forschungsprojekten, die von der Öffentlichkeit mit Steuermitteln gefördert werden, anschließend auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können.

Durch Open Access sind die Ergebnisse öffentlich subventionierter Forschung online frei zugänglich und nachnutzbar und müssen nicht durch die Wissenschaftseinrichtungen von den Verlagen (zurück-)gekauft werden.

Open-Access-Beiträge werden deutlich besser wahrgenommen als solche, die nicht frei im Internet verfügbar sind. Die globale kostenlose Verfügbarkeit führt zu einer verstärkten Nutzung, die wiederum eine höhere Zitationshäufigkeit zur Folge hat. Eine Reihe empirischer Studien belegen für Open-Access-Publikationen zum Teil deutliche Zitationsvorteile verglichen mit Closed-Access-Publikationen (Piwowar et al., 2018; Langham-Putrow et al., 2021). Weitere ältere Studien zu Zitationsvorteilen finden sich in einer Übersicht von SPARC Europe.

Die wesentlichen Vorteile von Open-Access-Inhalten werden häufig mit den Begriffen Sichtbarkeit und Impact umschrieben. Die Sichtbarkeit bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Dokument wahrgenommen und verbreitet wird, Impact auf die nachhaltige Rezeption und das Einfließen der Ergebnisse in die weitere Forschungsarbeit und die wissenschaftliche Diskussion. Sichtbarkeit und Impact tragen zusammen zum Renommée von Autor*innen bzw. ihrer Institution bei.

Open-Access-Publikationen fördern die weltweite Vernetzung wissenschaftlicher Arbeit. Des Weiteren ermöglicht die globale freie Verfügbarkeit und Nachnutzbarkeit von Open-Access-Inhalten Personen in ärmeren Ländern, auf relevante wissenschaftliche Informationen zuzugreifen und diese zu nutzen. Open-Access-Verlage, die sich durch Publikationsgebühren finanzieren, erlassen häufig Wissenschaftler*innen aus ärmeren Ländern diese Gebühren.


Durch die zeitnahe internationale Veröffentlichung werden die Kooperation der Wissenschaftler*innen gefördert und der Forschungsprozess beschleunigt. Autor*innen bekommen bei Open-Access-Publikationen umgehende Reaktionen von ihren Kolleg*innen weltweit.

Open-Access-Publikationen sind urheberrechtlich genauso geschützt wie jede andere Publikation. In Verlagsverträgen räumen die Autor*innen dem Verlag nur ein einfaches (nicht ausschließliches) Nutzungsrecht ein. Sie haben damit weiterhin das Recht, ihre Arbeit selbst zu verwerten.

Durch frei Lizenzen wie Creative-Commons-Lizenzen haben Autor*innen zudem die Möglichkeit, weitere Nutzungsrechte selbst exakt zu definieren, ihre Inhalte unter weltweit standardisierten Bedingungen zu teilen und sich weitere Veröffentlichungsoptionen offen zu halten. Gegenüber der in herkömmlichen Verlagsverträgen üblichen Übertragung sämtlicher Verwertungsrechte an den Verlag hat Open Access damit deutliche Vorteile für Autor*innen.

In Repositorien wird die langfristige Archivierung von Dokumenten sichergestellt, die durch die Bereitstellung auf persönlichen Homepages nicht gewährleistet ist. Der permanente Zugriff auf den Text wird technisch durch die Vergabe von sogenannten persistenten Identifikatoren (DOI, URN etc.) gewährleistet, die unabhängig vom konkreten Ablageort eines Dokuments sind. Bisher archivieren viele wissenschaftliche Autor*innen ihre Arbeiten nicht dauerhaft und verlässlich. Die erstellten Ergebnisse gehen ihrer Forschungsinstitution dadurch verloren und die Langzeiterhaltung obliegt allein den Verlagen. Eine parallele Speicherung auf Open-Access-Repositorien hilft jedoch, den dauerhaften Zugriff zu gewährleisten. Echte Open-Access-Publikationen können aufgrund ihrer Nutzungslizenzen auch von Dritten und ohne gesonderte Erlaubnis archiviert werden, womit die Ausfallsicherheit steigt.

Repositorien wie arXiv stellen Forschungsergebnisse schon vor deren Peer Review und der formellen Publikation als Preprint zur Verfügung. So gelangen die Forschungsergebnisse schneller in Umlauf und können diskutiert und überprüft werden. Swan (2010) führt die hohen Zitationszahlen bei Open-Access-Publikationen unter anderem auf eine raschere Verfügbarkeit zurück und bezeichnet dieses Phänomen als “early advantage”.

Open Access unterstützt die Informationsversorgung einerseits technisch, indem durch die Möglichkeit des direkten Online-Zugriffs Beschaffungsaufwand und Zeitverluste vermieden werden. Andererseits wird es bei einem wachsenden Anteil frei zugänglicher Publikationen zunehmend einfacher, sich schnell und umfassend über den aktuellen Forschungsstand zu informieren.


Seit Mitte der 1990er-Jahre belasten steigende Preise für die Anschaffung von Closed-Access-Zeitschriften die Bibliotheksetats. Dies führte zu einer Unterversorgung mit wissenschaftlichen Zeitschriften, der sogenannten Zeitschriftenkrise. Als Folge hiervon sind heute viele Zeitschriften über Bibliotheken nicht mehr verfügbar. Da Open Access die globale entgeltfreie Verfügbarkeit und Nachnutzbarkeit wissenschaftlicher Informationen zum Ziel hat, kommen derartige Versorgungslücken im Open Access nicht vor.

Closed-Access-Publikationen sind aufgrund ihrer beschränkten Zugriffs- und Nachnutzungsmöglichkeiten für die Anforderungen digitaler Wissenschaft, die auf vernetztes Arbeiten, die Anreicherung von Informationen, automatisierte Analysen sowie Text- und Datamining setzt, von geringem Nutzen. Open Access hingegen ermöglicht den barrierefreien Zugriff auf Informationen innerhalb vernetzter Forschungsumgebungen und Workflows und ist daher eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung für digitale Wissenschaft.

Mit der Veröffentlichung geben Autor*innen ein wissenschaftliches Ergebnis bekannt, identifizieren sich damit und übernehmen die Gewähr für den Inhalt und die wissenschaftliche Qualität der Publikation. Dabei hat das Datum der Veröffentlichung eine wesentliche Bedeutung im Sinne der Dokumentierung der wissenschaftlichen Priorität, etwa in Zusammenhang mit einer Entdeckung oder Erfindung (Werner, 2010).

Insbesondere Preprints bieten hinsichtlich der Prioritätssicherung verschiedene Vorteile: Autor*innen können bei der Veröffentlichung Zeit sparen, indem sie eine Vorabversion als Preprint auf einem Open-Access-Repositorium verfügbar machen. Sie vermeiden Prioritätsprobleme im Falle der Ablehnung einer Zeitschriftenpublikation und den damit zusätzlich einhergehenden Zeitverzug.

Da Open-Access-Publikationen ohne Zugriffsbeschränkung im Internet abgerufen werden können, sind sie auch als Volltexte in Suchmaschinen wie z. B. Google oder Google Scholar auffindbar. In der Regel werden Open-Access-Publikationen durch Metadaten, Abstracts und Schlagwörter erschlossen, weshalb sie direkt nach ihrer Veröffentlichung über internationale Suchmaschinen und Bibliothekskataloge auffindbar sind. Dadurch kann eine optimale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Wirksamkeit erfolgen. Ihre Relevanz für wissenschaftliche Fragestellungen kann unmittelbar überprüft werden – womit auch ein Beitrag zur Transparenz in der Wissenschaft geleistet wird.    

Vorbehalte gegen Open Access entkräften

Qualitätsvorbehalte

Vorbehalt: Mangelndes Renomée

Manche Autor*innen befürchten, dass Open-Access-Beiträge nicht angemessen anerkannt werden, was sich negativ auf die Leistungsbewertung und die Beantragung von Fördermitteln auswirken und somit von Nachteil für die wissenschaftliche Laufbahn sein könnte (Olejniczak & Wilson, 2020). Als ein möglicher Grund werden die geringe Etablierung und das mangelnde Renommée von Open-Access-Zeitschriften genannt.

 

Gegenargumente

Diese vor allem zu Beginn des Open-Access-Publizierens artikulierte Befürchtung verliert zusehends an Bedeutung, da die Reputation wissenschaftlicher Zeitschriften in aller Regel mit der Dauer ihres Bestehens zunimmt. Die vormals neuen Open-Access-Zeitschriften haben heute mehrere Jahrgänge publiziert und sind etabliert: Im Jahr 2012 erhielt mit PLOS ONE erstmals eine Open-Access-Zeitschrift den höchsten Anteil aller Zitate (1,3 Prozent, basierend auf den Daten des Web of Science) und löste die Closed-Access-Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) ab (Geschuhn et al., 2013). Zudem zielt der Qualitätsvorbehalt nur auf eine der beiden Open-Access-Strategien, den goldenen Weg. Beim Verfolgen des grünen Wegs erfolgt die primäre Publikation in der Regel in einer Closed-Access-Zeitschrift und erst die Zweitveröffentlichung auf einem kostenlos nutzbaren Repositorium, sodass der Vorbehalt, durch Open-Access-Publikationen an Renommée zu verlieren, hier nicht greift. Da dieser Vorbehalt sich nicht auf die Open-Access-Erscheinungsweise bezieht, sondern auf den Status als vergleichsweise neue Zeitschriften, greift der Vorbehalt ebenfalls überall dort nicht, wo bereits etablierte Zeitschriften von Closed Access auf Open Access umgestellt wurden.


Vorbehalt: Mangelnde Qualitätssicherung

Zwar kennt nur ca. ein Viertel der Open-Access-Zeitschriften eine (Teil-)Finanzierung durch Publikationsgebühren, dennoch wird diesen mitunter unterstellt, die Gebühren korrumpierten die Qualitätssicherung: Da Zeitschriften, die solche Gebühren nutzen, an jedem publizierten Artikel verdienen, sei die Qualitätssicherung durch ein rigoroses Peer Review weniger wichtig als die Einnahmen durch Gebühren (Conticello, 2021).

Dabei wird ignoriert, dass auch Closed-Access-Zeitschriften Publikationsgebühren nutzen und daher denselben Mechanismen unterliegen. Zudem berichten Studien regelmäßig auch bei hoch renommierten Closed-Access-Zeitschriften über fragwürdige Qualitätssicherung.

Generell besteht kein Zusammenhang zwischen Renommée einer Zeitschrift und zugrunde liegendem Geschäftsmodell. So gibt es hohe und niedrige Qualität gleichermaßen bei kommerziellen wie nicht-kommerziellen Verlagen und Zeitschriften und auch bei kostenpflichtigen wie kostenlosen Angeboten. Die Herausgeber*innen von Open-Access-Zeitschriften sind zudem wie die aller anderen Zeitschriften an qualitativ hochwertigen Beiträgen interessiert, da hohe Qualität naturgemäß ein breiteres Spektrum von Autor*innen anzieht und mindere Qualität einen Wettbewerbsnachteil darstellt. Folglich existieren zahlreiche Open-Access-Zeitschriften, die innerhalb kurzer Zeit vergleichbar hohe Impact-Faktoren erzielt haben wie Closed-Access-Zeitschriften (Björk & Solomon, 2012).

Die Open-Access-Bewegung hat sogar dazu beigetragen, dass neuartige Verfahren zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Publikationen erprobt und etabliert werden, darunter Open Peer Review oder Altmetrics.


Vorbehalt: Kein Qualitätsmaßstab in Repositorien

Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Qualität der in disziplinären und institutionellen Repositorien eingestellten Dokumente.

Die Bereitstellung von Artikeln in institutionellen und disziplinären Repositorien wird oftmals auf Postprints beschränkt, das heißt hier handelt es sich um einen zusätzlichen Zugang zu einer konventionellen Publikation (grüner Weg oder Zweitveröffentlichung), bei der die Originalversion in der Regel bereits durch den Peer-Review-Prozess einer Zeitschrift oder eines Verlages angenommen wurde und somit die Qualität als gesichert gilt. Mitunter kann bei Dokumenten, die auf Repositorien bereitgestellt werden, auch Unsicherheit bezüglich ihrer Authentizität aufkommen, z. B. ob ein Dokument auch wirklich formal in einem Verlag erschienen ist oder wie es zitiert werden soll. Letzteres lässt sich einfach beantworten: Beim Zitieren werden die bibliographischen Angaben der Verlagsversion genutzt, ergänzt um einen Link zur Open-Access-Version.

Die Qualität von Preprints und “working papers” unterliegt der fachlichen Diskussion und dem Selbstregulativ der Wissenschaftsgemeinschaft, und Qualifikations- bzw. Abschlussarbeiten wie beispielsweise Habilitationsschriften oder Dissertationen entsprechen für gewöhnlich einem hohen Qualitätsmaßstab.

Fragen der Auffindbarkeit

Vorbehalt: Schlechte Auffindbarkeit von Open-Access-Publikationen

Autor*innen von Open-Access-Inhalten möchten sicher sein, dass ihre Arbeiten langfristig auffindbar, lesbar und inhaltlich unverändert sind.

Gegenargumente

Diesen Anforderungen tragen die Betreiber*innen von Repositorien und die Herausgeber*innen von Open-Access-Zeitschriften Rechnung. Um die Auffindbarkeit zu sichern, werden die Dokumente selbst nicht nur sicher und dauerhaft gespeichert, sondern zugleich mit durchsuchbaren Beschreibungsdaten (Metadaten) verknüpft. In Repositorien wird die Abfrage und Übertragung von Metadaten über eine OAI-PMH-Schnittstelle sichergestellt. Sowohl Open-Access-Zeitschriften als auch Open-Access-Repositorien stellen in der Regel standardisierte Metadaten zur Verfügung, sodass die Auffindbarkeit von Open-Access-Publikationen mindestens in gleichem Maß gesichert ist wie bei Closed-Access-Publikationen.

Überdies können Open-Access-Publikationen problemlos an verschiedenen Stellen zweitveröffentlicht werden. Das bedeutet, dass Open-Access-Publikationen z. B. über Suchmaschinen wie Google oder Google Scholar gefunden werden. Speziell für wissenschaftliche Open-Access-Publikationen existiert zudem die Suchmaschine Bielefeld Academic Search Engine (BASE), die u. a. auf Texte aus Repositorien zugreift.

Langzeitarchivierung von Dokumenten

Vorbehalt: Open-Access-Publikationen sind nicht langfristig verfügbar

Immer wieder kommt es vor, dass im Internet gefundene Dokumente nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren nicht mehr auffindbar sind. Aus dieser alltäglichen Erfahrung erwächst die Sorge um die langfristige Verfügbarkeit digitaler Inhalte.

Gegenargumente

Von dieser Problematik der digitalen Flüchtigkeit sind Closed-Access- und Open-Access-Dokumente in gleichem Maß betroffen. Zielführend für eine dauerhafte Verfügbarkeit der Dokumente ist eine Kooperation der Verlage, Zeitschriften bzw. Repositorien mit Nationalbibliotheken oder anderen Anbietern von Langzeitarchivierungsdiensten. Für den grünen Weg des Open Access gilt im Hinblick auf die Langzeitarchivierung dabei im Besonderen, dass die Zweitveröffentlichung von formal im Verlag erschienen Publikationen auf einem Repositorium dem Ablegen auf einer Website vorzuziehen ist.

Das Bereitstellen auf Websites ist, verglichen mit der Repositorien-Nutzung, nicht dauerhaft sicher: Organisationswechsel oder Änderungen der Websites führen in aller Regel zum kurz- oder mittelfristigen Verlust der Information. Im Gegensatz dazu sorgen Repositorien für eine Langzeitarchivierung ihrer Dokumente, u. a. durch die dauerhafte Anbindung des Repositoriums an eine Wissenschaftsinstitution, die Vergabe persistenter Identifikatoren wie DOIs oder die Konvertierung von Dokumenten in ein Langzeitarchivierungsformat. Das DINI-Zertifikat für Repositorien enthält auch Anforderungen an die Langzeitverfügbarkeit von Dokumenten.

Rechtliche Vorbehalte

Vorbehalt: Verwertungsrechte sind schwer handhabbar

Einige Autor*innen sehen bei der Bereitstellung ihrer Arbeiten in Repositorien Schwierigkeiten bei der Handhabung ihrer urheberrechtlichen Verwertungsrechte. Dabei geht es um potenziell konkurrierende Verwertungsrechte in den Fällen, in denen ein Beitrag bereits in einer Zeitschrift erschienen oder eine spätere Publikation beabsichtigt ist. Zudem wollen Autor*innen die Kontrolle über die spätere Nachnutzung und ggf. Verwertung ihrer Arbeit durch andere behalten.

Gegenargumente

Diese und ähnliche Vorbehalte lassen sich meist auflösen: Informationen und Empfehlungen hierzu finden Sie unter Rechtsfragen.

Finanzierbarkeit des Author-Pays-Modells

Vorbehalt: Open Access ist teurer

Eine immer wieder diskutierte Kritik an Open Access Gold ist die Kostenfrage. Ist das Author-Pays-Modell für Wissenschaftler*innen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wirklich finanzierbar (Chiodelli, 2021)? Dies geht einher mit der Frage, welche Kosten Open-Access-Angebote tatsächlich verursachen und wie diese Kosten im Vergleich zu den Kosten einzelner Publikationen im traditionellen Verlagswesen stehen.

Gegenargumente

Eine eindeutige Antwort kann hier nicht gegeben werden. Für die Organisation des Peer Review dürften in beiden Fällen vergleichbare Kosten anfallen (Grossmann & Brembs, 2021). Die konkreten Kostenstrukturen sind aber bei Open-Access-Verlagen im Vergleich zum traditionellen Publikationssystem sehr unterschiedlich und schwer vergleichbar. Unter Beachtung sämtlicher wirtschaftlicher Faktoren kommt Houghton (2009) zum Schluss, dass Publizieren mit Open Access am stärksten mit ökonomischen Vorteilen verbunden und daher insgesamt am kostengünstigsten ist - gleich ob als goldener oder grüner Open Access.

Verschiedene Studien weisen zudem darauf hin, dass Open Access gesamtwirtschaftlich betrachtet auf indirekte Weise mit Einsparungen bei den Zugangskosten, Arbeitskosten und Transaktionskosten verbunden sein kann (Fell, 2019). Viele Open-Access-Zeitschriften erheben übrigens keine Publikationsgebühren (APCs) (Open Access Platin). Oftmals werden sie aus institutionellen Mitteln oder durch Förderer finanziert oder sie sind Teil von Bestrebungen, die Kontrolle über den Publikationsprozess an die Wissenschaftsgemeinschaft zurückzugeben (Fair Open Access).

Eindeutig liegt eine Veränderung der Kostenbelastung bei einzelnen Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor. Forschungsintensive und publikationsstarke Einrichtungen werden bei der Umkehrung der Finanzlast von Nutzer*innen hin zu Autor*innen relativ mehr zahlen müssen als Hochschulen und Forschungseinrichtungen, an denen weniger publiziert wird (Swan & Houghton, 2012).


Vorbehalt: Publikationsgebühren sind zu hoch

Publikationsgebühren sind nicht für alle Wissenschaftler*innen einfach aus ihren Forschungsmitteln oder anderen Quellen aufzubringen. Berührt sind hier soziale, forschungs- und hochschulpolitische Fragen (Olejniczak & Wilson, 2020):

  • Autor*innen ohne feste Anbindung an eine wissenschaftliche Einrichtung stehen ebenso wie unabhängige Autor*innen solchen gegenüber, die einer Institution angehören, die Publikationsgebühren subventioniert.
  • Geistes- und sozialwissenschaftiche Disziplinen sind finanziell meist schwächer ausgestattet als die STM-Fächer und können nicht auf eine Quersubventionierung setzen.
  • Autor*innen aus Entwicklungsländern können in der Regel die Publikationsgebühren nicht aufbringen.

Teils finden sich für diese Problemlagen Lösungen, etwa, wenn Hochschulen, z. B. durch Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und deren Programm “Open-Access-Publikationskosten”, Publikationsfonds einrichten, aus denen gegebenenfalls anfallende Open-Access-Publikationsgebühren beglichen werden können. Eine Möglichkeit zur Reduzierung von Publikationsgebühren besteht in Konsortialverträgen, die Verbünde aus mehreren Einrichtungen mit Open-Access-Verlagen aushandeln können, um Rabatte für ihre Autor*innen zu erreichen. Etabliert haben sich auch “Crowdfunding”-Modelle, bei dem Institutionen oder deren Bibliotheken sich zusammenschließen, um gemeinsam Publikationen zu finanzieren (siehe Geschäftsmodelle für Zeitschriften). Einen Überblick über alternative Open-Access-Modelle bieten Oberländer & Dreher (2019).

Autor*innen aus Entwicklungsländern werden inzwischen von den meisten Open-Access-Verlagen und -Zeitschriften spezielle Konditionen und Gebührenerlasse gewährt (Lawson, 2015).

Zeitaufwand für Wissenschaftler*innen

Vorbehalt: Open Access ist zeitaufwändig

Wissenschaftler*innen möchten möglichst wenig Zeit für die Bereitstellung ihrer Arbeiten aufbringen. Es gibt in diesem Zusammenhang Vorbehalte hinsichtlich des Zeitaufwands des Selbstarchivierens.

Gegenargumente

Wer sich neben der praktischen Umsetzung mit der Technik eines guten Archivierens von Dokumenten beschäftigt, wird in der Regel zunächst mehr Zeit investieren. Disziplinäre und institutionelle Repositorien, die professionell gepflegt werden, bieten hier Auswege. Dem berechtigten Vorbehalt des Zeitaufwands begegnen Bibliotheken zunehmend mit professionellen Angeboten an die Hochschulangehörigen, ihre Selbstarchivierung den Repositorien der Hochschulen zu übertragen.

Literatur

Weiterführende Literatur