Open-Access-Zeitschriften

Open-Access-Zeitschriften

Das erfahren Sie in diesem Artikel

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Open-Access-Zeitschriften enthalten ausschließlich Artikel, die direkt bei Erscheinen weltweit kostenlos und ohne Einschränkungen zugänglich und nachnutzbar sind.

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Die meisten Open-Access-Zeitschriften sind auch für die Autor*innen kostenfrei, in anderen Fällen ist das sogenannte Author-Pays-Modell verbreitet.

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Die Inhalte sind in den gängigen Datenbanken und Suchmaschinen recherchierbar – spezialisiert auf Open-Access-Inhalte ist die Suchmaschine BASE.

Open-Access-Zeitschriften sind Zeitschriften, die ausschließlich Artikel beinhalten, die unmittelbar mit Erscheinen der Zeitschrift kostenlos und ohne Einschränkungen weltweit zugänglich und nachnutzbar sind. Beiträge in Zeitschriften, die dieser Definition entsprechen, erscheinen in der Regel unter einer Creative-Commons-Lizenz, die durch die Autor*innen vergeben wird. An die Verlage dieser Zeitschriften wird von den Autor*innen lediglich ein einfaches Verwertungsrecht übertragen. Open-Access-Zeitschriften sind primäres Medium des so genannten "Goldenen Wegs" des Open Access.

Dadurch erreichen die Artikel eine möglichst weite Verbreitung und sind für Wissenschaftler*innen und alle anderen Interessierten so schnell wie möglich zugänglich und nachnutzbar. Forschungsergebnisse werden so besser sichtbar und oft auch häufiger zitiert (Piwowar et al., 2018).

Vergleich zu Closed-Access-Zeitschriften

Qualität

Praxistipp

Einen Überblick über Anforderungen an Open-Access-Zeitschriften und konkrete Kriterien, nach denen sich Autor*innen bei der Wahl eines geeigneten Publikationsortes richten können, gibt es hier im Praxistipp "Qualität von OA-Zeitschriften – wo publizieren und wo lieber nicht?"

Open-Access-Zeitschriften stehen Closed-Access-Zeitschriften (Subskriptionszeitschriften) qualitativ in nichts nach. Wie bei wissenschaftlichen Zeitschriften üblich, durchlaufen die Beiträge vor der Veröffentlichung ein Qualitätssicherungsverfahren, zumeist ein Peer Review. Einige Open-Access-Zeitschriften gehen im Kontext von Open Science und der Idee eines transparenteren Wissenschaftsprozesses sogar noch einen Schritt weiter und bieten ein offenes Peer Review an. Durch das Öffentlichmachen aller Beteiligten wird die Qualitätssicherung zu einem gemeinschaftlichen Prozess, um konstruktive Kritik zu gewährleisten. Die freie Zugänglichkeit der Volltexte bietet zudem den Vorteil, Plagiate und Fehler leichter zu entdecken. Manche Open-Access-Zeitschriften praktizieren, sofern dies in ihren Disziplinen üblich ist, gelegentlich auch eine Form der Begutachtung durch die Herausgeber*innen.


Finanzierung

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, Helene (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49535

Der Hauptunterschied zu Closed-Access-Zeitschriften liegt in der freien Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit sowie in der Finanzierung. Bei traditionellen Closed-Access-Zeitschriften (Subskriptionszeitschriften) zahlen die Leser*innen bzw. ihre Institutionen und deren wissenschaftliche Bibliotheken hohe Gebühren für den Zugang zu den Artikeln. Open-Access-Publikationen können entgeltfrei genutzt werden, die Finanzierung muss also an anderer Stelle erfolgen. Hier ist das sogenannte Author-Pays-Modell sehr verbreitet, bei dem die Autor*innen für die Veröffentlichung ihrer Beiträge Publikationsgebühren (Article Processing Charges, kurz APCs) zahlen. Ein Großteil der Open-Access-Zeitschriften ist allerdings kostenfrei sowohl für Leser*innen als auch für Autor*innen (Morrison, 2018). Diese Zeitschriften werden z. B. über Fachgesellschaften, wissenschaftliche Einrichtungen, Bibliothekskonsortien oder ehrenamtliche Arbeit finanziert.

Außerdem bieten inzwischen viele Closed-Access-Zeitschriften den Autor*innen an, einzelne Beiträge gegen eine hohe Gebühr frei zugänglich zu machen (so genannte "hybride Zeitschriften"). Auf diese Weise werden durch den Verlag Einnahmen zusätzlich zu den Abonnementeinnahmen generiert, ohne dass sich an anderer Stelle die Kosten für Autor*innen oder Abonnent*innen verringern würden. Auf Grund dieses so genannten „Double Dipping“ der Verlage ist hybrides Open Access recht umstritten. Über Transformationsverträge, wie z. B. die DEAL-Verträge, werden diese hybriden Gebühren zunehmend von Bibliothekskonsortien in einer vertraglich festgelegten Höhe übernommen, mit dem Ziel, die hybriden Zeitschriften dauerhaft in Open-Access-Zeitschriften umzuwandeln.


Zweitveröffentlichung

Auch Publikationen in Closed-Access-Zeitschriften können als Zweitveröffentlichung über den „Grünen Weg“ des Open Access in Repositorien kostenlos zugänglich gemacht werden. Nach dem deutschen Zweitveröffentlichungsrecht dürfen Beiträge, die in einer konventionellen Zeitschrift publiziert wurden, unter bestimmten Bedingungen in einem Repositorium zweitveröffentlicht werden. 

Impact

Der in den Journal Citation Reports veröffentlichte Journal Impact Factor zur Messung der Zitierhäufigkeit von Zeitschriftenartikeln umfasst auch Open-Access-Zeitschriften. Die missbräuchliche Nutzung des Impact Factors für die Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen wird jedoch stark kritisiert (siehe DORA). Als Alternative zu den traditionellen bibliometrischen Kennzahlen haben sich sogenannte Altmetrics herausgebildet. Diese zeigen die vielfältigen Reaktionen im Web auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung auf.

Inhalte von Open-Access-Zeitschriften finden

Die in Open-Access-Zeitschriften erschienenen Inhalte sind an vielen Stellen nachgewiesen und in den gewohnten Datenbanken und Suchmaschinen recherchierbar. Auf Open-Access-Inhalte spezialisiert ist die Suchmaschine BASE. In Zeitschriften- und Artikeldatenbanken bieten Filteroptionen die Möglichkeit, die Suche auf Open-Access-Inhalte einzugrenzen, so z. B. in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (Option "frei zugänglich") oder in Web of Science. Zusätzlich sind Open-Access-Inhalte auch gut über die gängigen Suchmaschinen wie z. B. Google Scholar zu finden. Ein empfehlenswertes Open-Source-Tool zum Finden von Open-Access-Versionen wissenschaftlicher Publikationen ist Unpaywall, das als Browser-Extension für Firefox und Chrome zur Verfügung steht (Piwowar et al., 2018).

Praxistipp: Open-Access-Zeitschriften gründen

Sie sehen in Ihrem Fachgebiet Bedarf für eine neue Zeitschrift und möchten diese als Open-Access-Zeitschrift veröffentlichen? Viele Open-Access-Zeitschriften werden von Wissenschaftler*innen gegründet und herausgegeben. Als ersten Schritt möchten wir Ihnen empfehlen, sich mit den Open-Access-Expert*innen in Ihrer Einrichtung zu beraten, denn es gibt inzwischen eine Vielzahl von Optionen sowohl in fachspezifischer, technischer als auch finanzieller Hinsicht. So bieten viele Einrichtungen z. B. über die Software Open Journal Systems (OJS), ihren Wissenschaftler*innen die Möglichkeit, Gründung und Betrieb von unabhängigen Open-Access-Zeitschriften zu unterstützen. Ein Beispiel ist die Technische Informationsbibliothek (TIB), die mit TIB Open Publishing eine Publikationsplattform betreibt, auf der Open-Access-Zeitschriften vor allem aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich mit OJS gehostet werden können.

Zudem gibt es eine Reihe von Open-Access-Verlagen, aber auch konventionelle Verlage, die immer mehr auf Open-Access-Publikationen umsteigen, unter deren Dach Sie ihre Zeitschrift gründen könnten. Wir empfehlen Ihnen einen Blick in unsere fachspezifischen Seiten, um zu sehen, welche Verlage in Ihrem Fach bereits mit Open-Access-Angeboten aktiv sind.

Die Umwandlung wissenschaftlicher Subskriptionszeitschriften in Open-Access-Zeitschriften, im Sinne von wissenschaftsgeleitetem Publizieren, wird u. a. von der Fair Open Access Alliance unterstützt.

Literatur