Künstlerische Fächer

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln

Open Access in künst­lerischen Fächern

Die künstlerischen Fächer beschäftigen sich erst seit kurzem mit dem Thema Open Access, und es haben sich im deutschsprachigen Raum erste Initiativen gebildet, wie das Netzwerk Open Access in den Künsten. Die künstlerischen Fächer zeichnen sich durch ihre Vielfalt sowohl hinsichtlich der Disziplinen - genannt seien beispielsweise zeitgenössische Puppenspielkunst, Film, Medien­kunst oder Modedesign - als auch der Veröffentlichungsformate aus. Ihr Spek­trum umfasst u. a. klassische Publikationsformate wie Essays und Zeitschriften­artikel aber auch Kunstbücher, Ausstellungskataloge, analoge und digitale Fotos, Plakate, analoge und digitale Musik- und Performance-Aufzeichnungen, Dateien/Software der Digitalen Medienkunst bis hin zu dreidimensionalen Objekten.

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Publikationen verläuft, gestaltet sich schwierig und er­scheint auch im Sinne der künstlerischen Freiheit nicht sinnvoll. Open Access in den künstlerischen Fächern kann also kein starres Konstrukt sein, bei dem klare Linien gezogen werden können. Sowohl textbasierte- also auch nicht-textbasier­te Publikationen sind häufig multimedial. Sie haben komplexe Anforderungen an die Dokumentation, sowohl technisch als auch rechtlich, die mit traditionel­len bibliothekarischen Instrumenten nur schwer zu erfassen sind. Die derzeitig vorhandenen Infrastrukturen für Open-Access-Veröffentlichungen sind meist auf textbasierte Publikationen ausgelegt und reichen für die Bedürfnisse in den Künsten nicht aus. Die im Bereich der Forschungsdaten zum Teil schon vorhan­denen oder im Aufbau befindlichen Infrastrukturen sind wichtige Anknüpfungs­punkte und können wegweisend für Open-Access-Infrastrukturen in den Künsten sein.

Mit der engen Verbindung zur Kreativwirtschaft betreffen die Entwicklungen in den künstlerischen Fächern zudem einen für die Open-Access-Community neu­en Bereich: die wirtschaftliche Existenz von Künstler*innen. Kunstschaffende sind sowohl bei Kultur- und Bildungseinrichtungen als auch in der Kulturindus­trie tätig. Sie sind auf die Vermarktung ihrer Inhalte angewiesen, die Finanzie­rung der Publikationen läuft nur teilweise über Publikationstantiemen. Zudem sind sie häufig Mitglieder von Verwertungsgesellschaften und können ihre Werke daher nur eingeschränkt frei lizenzieren. Eine Open-Access-Strategie in künstlerischen Fächern muss daher die Einkommenssicherung der Kunst­schaffenden miteinbeziehen.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter den Stichworten fine arts 512 und music and books on Music 64 Einträge (Stand: Dezember 2021). Die gelisteten Open-Access-Zeitschriften bedienen häufig die auf die Künste bezogenen Wissenschaften und kaum die Künste bzw. die künstlerische Praxis. Zeitschriften sind zudem nicht die dominierende Publikationsform in den künstlerischen Fächern.

Open-Access-Bücher

Unter dem Stichwort fine arts listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 89 Titel. Die OAPEN Library verzeichnet unter dem Schlagwort art 122 Titel (Stand: Dezember 2021). Allerdings werden als Suchergebnis überwiegend Publikationen aus den Bereichen Kunst-/Geschichte oder auch Ethnologie aufgelistet, weniger aus den Bereichen bildende oder angewandte Künste.

Die primäre Veröffentlichungsform in den Künsten sind Monografien und Sammelbände. Sie werden in einer vielfältigen Verlagslandschaft publiziert, in der sich immer mehr auch Open Access-Modelle etablieren. Eine große Heraus­forderung sind die bisher noch sehr im Aufbau befindlichen Finanzierungsmög­lichkeiten und die oft enormen Kosten für die Nutzungsrechte von visuellem Material in Open-Access-Publikationen.

Disziplinäre Repositorien

Zu den wichtigsten disziplinären Repositorien in den Künsten gehören:

Die genannten Repositorien sind auf textbasierte Publikationen ausgerichtet.

Die zunehmende Bedeutung von Open Access in den Künsten verändert auch die disziplinären Repositorien. Bedarfe werden aufgezeigt und neue Projekte entstehen, die sich mit dem Aufbau von Repositorien für nicht textbasierte und multimediale Medien beschäftigen.

Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR).

Video über das Zeitveröffentlichungsrecht

Sonstige Angebote

Das Netzwerk Open Access in den Künsten bietet allen künstlerischen Einrich­tungen und Hochschulen ein Forum für Austausch und Diskussion. Dabei sollen Materialien und Informationen geteilt und der Open-Access-Gedanke in den Künsten verankert werden. Der Fokus des Netzwerks liegt auf Bibliotheken, die als Serviceeinrichtung die Etablierung von Open-Access-Strukturen auf verschie­denen Ebenen fördern und mitgestalten.

Auch in Kunst- und Museumsbibliotheken gewinnt Open Access an Bedeutung (Hahn, 2018). Neben der Bereitstellung von textorientierten elektronischen Res­sourcen verwalten diese Bibliotheken schon lange analoge Sondersammlungen wie Bildarchive, grafische Sammlungen oder Künstlerbücher. Hier kann Open Access ein Schritt der digitalen Transformation, der Erweiterung des Samm­lungsprofils und des Informationsangebots sein. Dies kann über Synergieeffekte auch Open Access in den Künsten voranbringen. Die AKMB - Arbeitsgemein­schaft der Kunst- und Museumsbibliotheken bietet schon seit mehreren Jahren Fortbildungen im Bereich Open Access an.

Open Science in den künst­le­rischen Fächern

Open Science ist auch in den Künsten ein zentrales Thema. Der Prozess des Kunstschaffens und auch das Werk selbst bewegen sich häufig zwischen mehre­ren Open-Science-Komponenten. Angesichts der Diversität der Inhalte und For­mate ist es in den Künsten daher sehr sinnvoll, sich nicht nur auf Open Access zu fokussieren, sondern Open Science in seiner Gänze zu betrachten, z. B. auch offene Forschungsdaten.

Neben den Open-Access-Infrastrukturen geben auch Angebote von Kulturein­richtungen und Forschungsdateninfrastrukturen Anknüpfungspunkte. Die bei NFDI4Culture und anderen Vertretern aus dem GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives, Museums) vorhandene Expertise bietet eine für die Künste wertvolle Unterstützung für die Etablierung von Publikationsinfrastrukturen.

Das Konsortium NFDI4Culture ist Teil des Projektes Nationale Forschungs­dateninfrastruktur (NFDI) und vertritt dort die Kunst-, Musik- Theater-, Tanz-, Architektur-, Film- und Medienwissenschaft. Ziel des Konsortiums ist der Aufbau verschiedener Services wie Beratungs- und Trainingsangebote, Handrei­chungen sowie Foren zum fachspezifischen Austausch. NFDI4Culture setzt sich außer­dem mit der komplexen Rechtslage im Umgang mit Kulturgut auseinander, etwa mit Fragen zu Provenienz oder Urheberrechten.

Literatur

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Anika Wilde (Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) und Friederike Kramer (Universitätsbibliothek der UdK Berlin). (Stand: Dezember 2021).

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