Künstlerische Fächer

Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Open Access in künstlerischen Fächern

Die künstlerischen Fächer beschäftigen sich erst seit kurzem mit dem Thema Open Access, und es haben sich im deutschsprachigen Raum erste Initiativen gebildet, wie das Netzwerk Open Access in den Künsten. Die künstlerischen Fächer zeichnen sich durch ihre Vielfalt sowohl hinsichtlich der Disziplinen - genannt seien beispielsweise zeitgenössische Puppenspielkunst, Film, Medienkunst oder Modedesign - als auch der Veröffentlichungsformate aus. Ihr Spektrum umfasst u.a. klassische Publikationsformate wie Essays und Zeitschriftenartikel aber auch Kunstbücher, Ausstellungskataloge, analoge und digitale Fotos, Plakate, analoge und digitale Musik- und Performance-Aufzeichnungen, Dateien/Software der Digitalen Medienkunst bis hin zu dreidimensionalen Objekten.

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, wo die Grenze zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Publikationen verläuft, gestaltet sich schwierig und erscheint auch im Sinne der künstlerischen Freiheit nicht sinnvoll. Open Access in den künstlerischen Fächern kann also kein starres Konstrukt sein, bei dem klare Linien gezogen werden können. Sowohl textbasierte- also auch nicht-textbasierte Publikationen sind häufig multimedial. Sie haben komplexe Anforderungen an die Dokumentation, sowohl technisch als auch rechtlich, die mit traditionellen bibliothekarischen Instrumenten nur schwer zu erfassen sind. Die derzeitig vorhandenen Infrastrukturen für Open-Access-Veröffentlichungen sind meist auf textbasierte Publikationen ausgelegt und reichen für die Bedürfnisse in den Künsten nicht aus. Die im Bereich der Forschungsdaten zum Teil schon vorhandenen oder im Aufbau befindlichen Infrastrukturen sind wichtige Anknüpfungspunkte und können wegweisend für Open-Access-Infrastrukturen in den Künsten sein.

Mit der engen Verbindung zur Kreativwirtschaft betreffen die Entwicklungen in den künstlerischen Fächern zudem einen für die Open-Access-Community neuen Bereich: die wirtschaftliche Existenz von Künstler*innen. Kunstschaffende sind sowohl bei Kultur- und Bildungseinrichtungen als auch in der Kulturindustrie tätig. Sie sind auf die Vermarktung ihrer Inhalte angewiesen, die Finanzierung der Publikationen läuft nur teilweise über Publikationstantiemen. Zudem sind sie häufig Mitglieder von Verwertungsgesellschaften und können ihre Werke daher nur eingeschränkt frei lizenzieren. Eine Open-Access-Strategie in künstlerischen Fächern muss daher die Einkommenssicherung der Kunstschaffenden miteinbeziehen.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter den Stichworten “fine arts” 483 und “music and books on Music” 61 Einträge (Stand: Juli 2021). Die gelisteten Open-Access-Zeitschriften bedienen häufig die auf die Künste bezogenen Wissenschaften und kaum die Künste bzw. die künstlerische Praxis. Zeitschriften sind zudem nicht die dominierende Publikationsform in den künstlerischen Fächern.

Open-Access-Bücher

Unter dem Stichwort “fine arts” listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 82 Titel. Die OAPEN Library verzeichnet unter dem Schlagwort “art” rund 52 Titel (Stand: Juli 2021). Allerdings werden als Suchergebnis überwiegend Publikationen aus den Bereichen Kunst-/Geschichte oder auch Ethnologie aufgelistet, weniger aus den Bereichen bildende oder angewandte Künste.

Die primäre Veröffentlichungsform in den Künsten sind Monografien und Sammelbände. Sie werden in einer vielfältigen Verlagslandschaft publiziert, in der sich immer mehr auch Open Access-Modelle etablieren. Eine große Herausforderung sind die bisher noch sehr im Aufbau befindlichen Finanzierungsmöglichkeiten und die oft enormen Kosten für die Nutzungsrechte von visuellem Material in Open-Access-Publikationen.

Disziplinäre Repositorien

Zu den wichtigsten disziplinären Repositorien in den Künsten gehören:

  • ART-Dok, Fachinformationsdienst Kunst - Fotografie - Design
  • musiconn, Portal des Fachinformationsdienstes Musikwissenschaft
  • media/rep/, Open Access-Repositorium für medienwissenschaftliche Publikationen

Die genannten Repositorien sind auf textbasierte Publikationen ausgerichtet.

Die zunehmende Bedeutung von Open Access in den Künsten verändert auch die disziplinären Repositorien. Bedarfe werden aufgezeigt und neue Projekte entstehen, die sich mit dem Aufbau von Repositorien für nicht textbasierte und multimediale Medien beschäftigen.

Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) unter der Rubrik “Fine and Performing Arts”.

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. Brinken, Helene. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

Das Netzwerk Open Access in den Künsten bietet allen künstlerischen Einrichtungen und Hochschulen ein Forum für Austausch und Diskussion. Dabei sollen Materialien und Informationen geteilt und der Open-Access-Gedanke in den Künsten verankert werden. Der Fokus des Netzwerks liegt auf Bibliotheken, die als Serviceeinrichtung die Etablierung von Open-Access-Strukturen auf verschiedenen Ebenen fördern und mitgestalten.

Auch in Kunst- und Museumsbibliotheken gewinnt Open Access an Bedeutung (Hahn, 2018). Neben der Bereitstellung von textorientierten elektronischen Ressourcen verwalten diese Bibliotheken schon lange analoge Sondersammlungen wie Bildarchive, grafische Sammlungen oder Künstlerbücher. Hier kann Open Access ein Schritt der digitalen Transformation, der Erweiterung des Sammlungsprofils und des Informationsangebots sein. Dies kann über Synergieeffekte auch Open Access in den Künsten voranbringen. Die AKMB - Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken bietet schon seit mehreren Jahren Fortbildungen im Bereich Open Access an.

Open Science in den künstlerischen Fächern

Open Science ist auch in den Künsten ein zentrales Thema. Der Prozess des Kunstschaffens und auch das Werk selbst bewegen sich häufig zwischen mehreren Open-Science-Komponenten. Angesichts der Diversität der Inhalte und Formate ist es in den Künsten daher sehr sinnvoll, sich nicht nur auf Open Access zu fokussieren, sondern Open Science in seiner Gänze zu betrachten, z. B. auch offene Forschungsdaten.

Neben den Open-Access-Infrastrukturen geben auch Angebote von Kultureinrichtungen und Forschungsdateninfrastrukturen Anknüpfungspunkte. Die bei NFDI4Culture und anderen Vertretern aus dem GLAM-Bereich („Galleries, Libraries, Archives, Museums“) vorhandene Expertise bietet eine für die Künste wertvolle Unterstützung für die Etablierung von Publikationsinfrastrukturen.

Das Konsortium NFDI4Culture ist Teil des Projektes Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und vertritt dort die Kunst-, Musik- Theater-, Tanz-, Architektur-, Film- und Medienwissenschaftt. Ziel des Konsortiums ist der Aufbau verschiedener Services wie Beratungs- und Trainingsangebote, Handreichungen sowie Foren zum fachspezifischen Austausch. NFDI4Culture setzt sich außerdem mit der komplexen Rechtslage im Umgang mit Kulturgut auseinander, etwa mit Fragen zu Provenienz oder Urheberrechten.

Literatur

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Anika Wilde (Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) und Friederike Kramer (Universitätsbibliothek der UdK Berlin). (Stand: Juli 2021).