Open Access in der Kunst­geschichte

In der Kunstgeschichte wird zunehmend in digitalen Formaten publiziert, wobei Open Access eine besondere Rolle einnimmt. So haben die Universitätsbiblio­thek Heidelberg mit ihrem Fachinformationsdienst Kunst, Design, Fotografie arthistoricum.net gemeinsam mit der Fachcommunity sowie Vertreter*innen der kunstwissenschaftlichen Fach- und Berufsverbände Strategien zum digitalen Publizieren in den Kunst­wissenschaften entwickelt. Weitergeführt wurden diese Gedanken von Maria Effinger 2023 in dem Artikel Kunstgeschichte kommunizieren? Aufgaben, Herausforderungen und Weiterentwicklungspotenziale beim elektronischen Publizieren im Open Access. Ein wei­teres Grundlagenwerk mit dem Titel Digitales Publizieren in den Geisteswissenschaf­ten: Begriffe, Standards, Empfehlungen (2021) wurde von der DHd AG Digitales Publizieren herausgegeben. Antworten auf Fragen zu Bild­rechten bietet der Leitfaden von Veronika Fischer und Grischka Petri Bildrechte in der kunsthistorischen Praxis (2022)

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter dem Suchbegriff History of the arts 87 und unter Fine arts 686 Open-Access-Zeitschriften (Stand: September 2025). Neben neu gegründeten stehen auch retrodigitalisierte Zeitschriftenbände Open Access zur Verfügung. Neue Ausgaben dieser Zeitschriften erscheinen entweder simultan gedruckt und digital oder mit einer Moving Wall.

Wichtige, im deutschsprachigen Raum erschienene Open-Access-Zeitschriften sind:

Im Rahmen des von ihr mitverantworteten Fachinformationsdienstes Kunst, Fotografie und Design, arthistoricum.net stellt die Universitätsbibliothek Heidelberg eine technische Infrastruktur zum Publizieren von Open-Access-Zeitschriften bereit. Das Angebot richtet sich an Kunstwissenschaftler*innen weltweit. Zum Einsatz kommt die Open-Source-Software Open Journal Systems (OJS) des Public Knowledge Project (PKP). Aktuell (Stand: September 2025) werden 52 Open-Access-Zeitschriften über arthistoricum.net bereitgestellt.

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln

Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536 (CC BY 3.0 DE)

Open-Access-Bücher

Aus dem Bereich der Kunstgeschichte listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 581 Titel unter dem Stichwort History of art und 36 Titel unter dem Stichwort History of art / art & design styles. OAPEN verzeichnet unter der Rubrik History of art / art & design styles 27 Titel (Stand: September 2025). Viele internationale Museen und Forschungseinrichtungen bieten inzwischen kostenlosen Zugriff auf eine Auswahl ihrer Bücher wie z.B. die Getty Publications Virtual Library des Getty Research Institutes, MetPublications des Metropolitan Museum of Art oder das Canadian Online Art Book Project.           

Die von der Universitätsbibliothek Heidelberg bereitgestellte Open-Access-Pub­likationsplattform arthistoricum.net -ART-Books veröffentlicht wissen­schaftliche E-Books aus den Fachbereichen Kunstgeschichte, Fotografie und Design. Publiziert werden sowohl Erst- (goldener Weg) als auch Zweitveröffent­lichungen (grüner Weg). Das kostenfreie Angebot richtet sich an Kunstwissen­schaftler*innen weltweit. Zum Einsatz kommt die Open-Source-Software Open Monograph Press (OMP) des Public Knowledge Project (PKP).

Disziplinäre Repositorien

ART-Dok ist die Publikationsplattform von arthistoricum.net. Wissenschaftler*­innen weltweit haben hier die Möglichkeit, kunstwissenschaftliche Online-Publi­kationen (Monographien, Artikel, Vorträge etc.) aus dem Fachbereich Kunstge­schichte kostenfrei und ohne Zugangsbeschränkungen zu veröffentlichen. Auch die Bereitstellung elektronischer Zweitveröffentlichungen bereits gedruckt er­schienener Schriften ist möglich und erwünscht. ART-Dok enthält nahezu 9.500 Open-Access-Publikationen (Stand: September 2025).

Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) sowie re3data unter den Stichwörtern Art History und Data Access (Stand: September 2025).

Video über das Zeitveröffentlichungsrecht

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

Fachportale und Plattformen

  • Das Informations- und Serviceportal für die Kunstgeschichte arthistoricum.net wird von der SLUB Dresden und der Universitätsbibliothek Heidelberg betrieben.
  • Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte fördert die Vernetzung von Menschen, die im Fach Kunstgeschichte digitale Werkzeuge und Methoden entwickeln, anwenden und theoretisch reflektieren. Der Arbeitskreis ist eine Plattform für die Digitale Kunstgeschichte.
  • Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte e.V. vertritt die Interessen der in Deutschland und in deutschen Institutionen im Ausland tätigen Kunsthistoriker*innen.
  • Die Online-Archive JSTOR und Project MUSE stellen inzwischen frei zugängliche, für die Kunstgeschichte relevante Open-Access-Inhalte bereit.

Datenbanken u.ä.

  • Der Art Discovery Group Catalogue ist eine internationale Datenbank mit Beständen von Kunst- und Museumsbibliotheken in den USA und Europa.
  • Die Katalogsuche von arthistoricum.net ermöglicht die Recherche nach kunsthistorisch relevanter Literatur sowie Volltext durchsuchbare Textkollektionen, Bildquellen und Fachrepositorien.
  • Das Getty Research Portal ist ein Fachportal des Getty Research Institute. Das Portal bietet weltweiten Zugang zu digitalisierter Literatur der Kunstgeschichte im Open Access.
  • Das Datenbank-Infosystem (DBIS) bietet eine Übersicht zu weiteren Datenbanken im Bereich Kunstgeschichte und Architektur.

 Bilddatenbanken

Open Science in der Kunst­geschichte

Auch wenn Open Access in jüngster Zeit starken Zuspruch erfährt, stellen recht­liche, technische und organisatorische Fragen bezüglich der Publikation und Ar­chivierung von kunsthistorischen Forschungsdaten nach wie vor viele Wissen­schaftler*innen vor Hürden beim Open-Access-Publizieren. Um Abhilfe zu schaffen, hat das im Oktober 2020 gegründete Konsortium NFDI4Culture sich das Ziel gesetzt, eine Infrastruktur für Forschungsdaten materieller und immateriel­ler Kulturgüter zu schaffen und dabei auf die Bedarfe der Communities einzuge­hen. Der NFDI4Culture Helpdesk berät Kunstwissenschaftler*innen zu verschiedenen Aspekten im Umgang mit Forschungsdaten. Hier können Fragen zu rechtlichen Aspekten, zur Publikation und Archivierung von Daten, zur Digitali­sierung generell, zu Open-Access-Standards und auch zur Unterstützung bei der Antragsplanung gestellt werden. Mit der FAIR-Clearing-Stelle wurde zudem ein Beratungsangebot geschaffen, das die Anwendung von Qualitätsstandards wie der FAIR-Kriterien für Forschungsdaten fördert.

Neben der Möglichkeit, Forschungsdaten in den jeweiligen institutionellen For­schungsdatenrepositorien zu archivieren, können über arthistoricum.net­@heiDATA Forschungsdaten online publiziert und archiviert werden, die in Verbindung zu Open-Access-Publikationen auf arthistoricum.net stehen.

DARIAH-EU ist ein europäisches Netzwerk, das nicht nur digitale Forschung und Lehre in den Kunst- und Geisteswissenschaften unterstützt und verbessert, son­dern auch den Übergang zu Open Science in den Kunst- und Geisteswissen­schaften fördert. Das Münchner Memorandum "Forschungsdaten in der Kunstgeschichte: 10 Thesen" formuliert aus Sicht des Faches in Deutschland aktuelle Anforderungen, Positionen und Impulse zur weiteren Entwicklung digitaler kunsthistorischer Forschungsdaten und ihrer Infrastruktur.

Praxistipp

Wie und unter welchen Bedingungen audiovisuelle Materialien als Open Educational Resources in Forschung und Lehre genutzt werden dürfen, erläutert das Rechtsgutachten von Klimpel & Rack (2023).

Literatur

  • AG Digitales Publizieren (2021). Digitales Publizieren in den Geisteswissenschaften: Begriffe, Standards, Empfehlungen. https://doi.org/10.17175/wp_2021_001_v2
  • Effinger, M., & Kohle, H. (Hrsg.) (2021). Die Zukunft des kunsthistorischen Publizierens. arthistoricum.net. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.663
  • Effinger, M. (2023). Kunstgeschichte kommunizieren? Aufgaben, Herausforderungen und Weiterentwicklungspotenziale beim elektronischen Publizieren im Open Access. kritische berichte 51(1). https://doi.org/10.11588/kb.2023.1.92820
  • Fischer, V., & Petri, G. (2022). Bildrechte in der kunsthistorischen Praxis. Ein Leitfaden. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. http://doi.org/10.11588/artdok.00007769
  • Deutscher Verband für Kunstgeschichte e. V., Universitätsbibliothek Heidelberg, Zentralinstitut für Kunstgeschichte (2024). Forschungsdaten in der Kunstgeschichte: 10 Thesen - Münchner Memorandum 2024. https://doi.org/10.11588/artdok.00009194

Bearbeitung der Inhalte der Seite: Alexandra Büttner. Überarbeitet durch Maria Effinger, UB Heidelberg (Stand: Oktober 2025).