Geschichtswissenschaften

Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Open Access in den Geschichts­wissenschaften

Bei Historiker*innen besteht generell eine Offenheit gegenüber allen Formen von Open Access.

Die Anzahl frei verfügbarer Zeitschriften und digitaler Bestände nimmt in den Geschichtswissenschaften stetig zu. Bei Monografien und Sammelbänden hingegen ist Open Access noch ausbaufähig. Als weitere Veröffentlichungsform werden Blogs zur Verbreitung wissenschaftlicher Informationen genutzt.

Neben Publikationen sind frei verfügbare historische Quellen von großer Bedeutung, besonders in Form von Digitalisaten und maschinenlesbaren digitalen Editionen. In den für die Geschichtswissenschaften relevanten Bereichen der Digital Humanities spielen zudem frei verfügbare Tools (z. B. bezüglich Text Mining) eine Rolle.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet aktuell unter dem Suchbegriff "History" über 1.100 Open-Access-Zeitschriften. (Stand: September 2021).

Wichtige Open-Access-Zeitschriften sind:

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Open-Access-Bücher

Das Directory of Open Access Books (DOAB) verzeichnet knapp 1900 Monografien und Sammelbände unter dem Stichwort "History" und weiteren Stichworten aus den Geschichts- und Hilfswissenschaften (Stand: September 2021). Auch die OAPEN Online Library bietet Open Access veröffentlichte Volltexte zu historischen Themen. Die Publikationsplattform OpenEdition bietet unter dem Stichwort "Geschichte" knapp 3000 und unter "History" 16.867 verfügbare Bücher in mehreren europäischen Sprachen (Stand: September 2021).

Die in der AG Universitätsverlage zusammengeschlossenen deutschsprachigen Universitätsverlage unterstützen nachdrücklich die Open-Access-Bewegung. Ein Großteil von ihnen veröffentlicht geisteswissenschaftliche Monografien und Sammelbände.

Wissenschaftsverlage wie z. B. die Verlage Barbara Budrich, de Gruyter, transcript, Wachholtz oder Wallstein bieten im Rahmen der Open-Access-Transformation zunehmend entsprechende Publikationsmöglichkeiten auch für Autor*innen aus den Geschichtswissenschaften.

Die vom Max Planck Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) gehostete Edition Open Sources macht akademische Editionen von Primärquellen frei verfügbar zugänglich.

Vom österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) geförderte selbstständige Publikationen werden Open Access in der FWF-E-Book-Library zur Verfügung gestellt, darunter auch Veröffentlichungen zu historischen Themen.

Gutenberg-e ist ein Programm der American Historical Association und der Columbia University Press. Die elektronischen Monografien der Columbia University Press sind frei zugänglich.

In der Reihe Historisches Forum werden Themenhefte mit Beiträgen und Berichten aus den Geschichtswissenschaften veröffentlicht. Die Hefte erscheinen in Zusammenarbeit mit den Partnern von Clio-Online und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Disziplinäre Repositorien

Das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) listet unter dem Suchbegriff “History and Archaeology” knapp 290 Repositorien. Für die Geschichtswissenschaften relevante Inhalte und Veröffentlichungsmöglichkeiten finden sich zudem insbesondere in Repositorien, Datenbanken und weiteren Nachweissystemen angrenzender Disziplinen. Ein Dokumentenserver speziell für die Geschichtswissenschaft entsteht zurzeit an der Bayerischen Staatsbibliothek.

Eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Inhalten nimmt der Fachinformationsdienst (FID) Geschichte historicum.net ein. Dieser bündelt Angebote zum Publizieren, Archivieren und zur Recherche.

Weitere relevante Repositorien sind:

Weitere Fachinformationsdienste bieten ebenfalls für Historiker*innen bedeutsame Mehrwerte. Aufgrund der Multiperspektivität des Fachs finden sich vielfältige geschichtswissenschaftliche Inhalte in zahlreichen Teildisziplinen. In den jeweiligen Repositorien können sie durch entsprechende Suchfilter (wie z. B. “Geschichte”) gefunden werden:

  • Zahlreiche Volltexte zu historischen Themen mit Bezug zu "Afrika südlich der Sahara" finden sich unter ilissAfrica. bei der Suche mit entsprechenden Schlagworten.
  • Der Fachinformationsdienst für Niederlandistik, Niederlande-, Belgien- und Luxemburgforschung (FID Benelux) bietet auf dem fachlichen Dokumentenserver Benelux-Doc unter “Geschichte” Zugang zu über 27.200 Volltexten und Digitalisaten. Der Dienst bietet auch Open-Access-Veröffentlichungsmöglichkeiten an (Benelux OA Publications.journals, Benelux OA Publications.book).
  • Der Volltextserver der Virtuellen Fachbibliothek CrossAsia ermöglicht die Suche nach geschichtswissenscagftlichen Inhalten mit Schwerpunkt Ostasien.
  • GINDok, das Repositorium des FID Germanistik im Netz, bietet Volltexte zur Literaturgeschichte.
  • OstDok, die zentrale Open Access- und Publikationsplattform für die interdisziplinäre Forschung zu Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa, bietet ebenfalls zahlreiche Inhalte zu geschichtlichen Themen.
  • Das Social Science Open Access Repository bietet über 4000 Dokumente für das Fachgebiet “Geschichte” als frei verfügbare Volltexte.

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. Brinken, Helene. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

Blogs

Das geistes- und sozialwissenschaftliche Blog-Portal Hypotheses wird vom Open-Access-Dienstleister Open Edition realisiert und bietet eine zentrale Plattform für zahlreiche Blogs auch zu geschichts-, archiv- und hilfswissenschaftlichen Themen. Unter "History & Archaeology" werden knapp 250 Blogs aus den D-A-CH-Ländern gelistet (Stand: September 2021). Das Redaktionsblog des deutschsprachigen Portals dient der Entwicklung und Verbreitung wissenschaftlicher Information sowie der Schaffung eines Netzwerks.

Fachportale und Plattformen

Fachportale bieten zentrale Einstiegspunkte für die Recherche nach frei verfügbaren Publikationen, Quellen und weiterem Material.

  • Clio online ist ein Fachportal für die Geschichtswissenschaften. Es ist an zahlreichen Projekten beteiligt, wie an Themenportalen und Zeitgeschichte online, dem Fachportal für Zeithistoriker*innen. Es ist auch an H-Soz-Kult beteiligt.
  • H-Soz-Kult ist eine moderierte Informations- und Kommunikationsplattform für Historiker*innen. Sie veröffentlicht fachwissenschaftliche Nachrichten und Publikationen im Internet.
  • historicum.net bietet viele geschichtswissenschaftliche Informationen an.
  • H-Net - Humanities and Social Sciences online ist ein Netzwerk zur Fachkommunikation in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
  • perspectivia.net, die Online-Publikationsplattform der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland, stellt Zeitschriften, Rezensionen, Monografien und Tagungsdokumentationen (elektronische Publikationen wie auch Retrodigitalisate) ihrer Institute sowie ihrer Kooperationspartner im Volltext zur Verfügung.
  • Europäische Geschichte Online veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte Europas zwischen 1450 und 1950. Die Beiträge in deutscher und englischer Sprache sind dabei mit unterschiedlichen Materialien verknüpft.
  • Der Verlag Edition Topoi wurde im Rahmen des DFG-geförderten Exzellenzclusters Topoi (The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations, 2007-2019) gegründet. Edition Topoi veröffentlicht Monografien, Sammelbände sowie Zeitschriften und besitzt ein Repositorium.

Datenbanken

Die Registry of Research Data Repositories re3data.org bietet einen Überblick über Datenbanken auch zum Schlagwort "History".

Auch die Online-Archive JSTOR und Project MUSE stellen inzwischen für die Geschichtswissenschaften relevante Open-Access-Inhalte bereit.

Open Science in den Geschichts­wissenschaften

Im breiten Spektrum der Geschichtswissenschaften sind mit digitalen Quellen, maschinenlesbaren Editionen, dem Einsatz frei verfügbarer Tools für innovative digitale Forschung und der freien Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zentrale Aspekte offener Wissenschaft gegeben. Konkrete Positionierungen bezüglich Open Science finden sich bisher jedoch selten. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) bekennt sich zu Open Science, bietet  aber z. B. Publikationen nicht im reinen Open Access an. Die Arbeitsgemeinschaft für "Digitale Geschichtswissenschaft" im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. beschäftigt sich mit den Potenzialen der Digital Humanities bzw. E-Humanities für die Geschichtswissenschaft und bietet ein Forum für den Austausch mit historisch arbeitenden Nachbardisziplinen. Die AG betreibt mit Digitale Geisteswissenschaft darüber hinaus ein eigenes Blog.

Das EU-Projekt Social Sciences & Humanities Open Cloud (SSHOC) entwickelt den Bereich für Geistes- und Sozialwissenschaften in der European Open Science Cloud (EOSC) mit dem Ziel, die interdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit in den Sozial- und Geisteswissenschaften zu fördern.

Die europäische Forschungsinfrastruktur OPERAS fördert offene wissenschaftliche Kommunikation in den Sozial- und Geisteswissenschaften im europäischen Forschungsraum. OPERAS unterstützt offene Wissenschaft unter anderem durch Projekte wie TRIPLE.  Dieses Projekt widmet sich der Entwicklung eines mehrsprachigen und multikulturellen Suchdienstes für die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Isabella Meinecke, Open-Access-Beauftragte der SUB Hamburg (Stand: September 2021)