Open Access in den Geschichtswissenschaften
Bei Historiker*innen besteht generell eine Offenheit gegenüber allen Formen von Open Access.
Die Anzahl frei verfügbarer Zeitschriften und digitaler Bestände nimmt in den Geschichtswissenschaften stetig zu. Bei Monografien und Sammelbänden hingegen schreitet Open Access langsamer voran. Als weitere Veröffentlichungsform werden Blogs zur Verbreitung wissenschaftlicher Informationen genutzt.
Neben Publikationen sind frei verfügbare historische Quellen von großer Bedeutung, besonders in Form von Digitalisaten und maschinenlesbaren digitalen Editionen. In den für die Geschichtswissenschaften relevanten Bereichen der Digital Humanities spielen zudem frei verfügbare Tools (z. B. bezüglich Text Mining) eine Rolle.
Open-Access-Zeitschriften
Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet aktuell unter dem Suchbegriff History 1.582 Open-Access-Zeitschriften. (Stand: Dezember 2025).
Einige wichtige Open-Access-Zeitschriften sind:
- Historische Zeitschrift (https://doaj.org/toc/2196-680X)
- Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (https://doaj.org/toc/2196-6842)
- Zeithistorische Forschungen (https://doaj.org/toc/1612-6041)
- Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (https://doaj.org/toc/2510-1358)
- Zeitschrift für Historische Forschung. Beihefte
- Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung (https://doaj.org/toc/2701-0449)
Rezensionen spielen in den Geschichtswissenschaften ebenfalls eine wichtige Rolle. Viele Zeitschriften, die nicht im Open Access publizieren, stellen trotzdem den Rezensionsteil frei zugänglich zur Verfügung. Darüber hinaus existiert eine Reihe von Open-Access-Rezensionsplattformen:
- Francia-Recensio (Rezensionsjournal des Deutschen Historischen Instituts Paris)
- recensio.net (Rezensionsplattform für europäische Geschichtswissenschaften)
- recensio.regio (Rezensionsplattform für Regionalgeschichte)
- RIDE (Rezensionsportal für digitale Editionen und Ressourcen)
- sehepunkte (Rezensionsjournal)
Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536 (CC BY 3.0 DE)
Open-Access-Bücher
Das Directory of Open Access Books (DOAB) verzeichnet 2.773 Monografien und Sammelbände unter dem Stichwort History (Stand: Dezember 2025). Auch die OAPEN Online Library bietet im Open Access veröffentlichte Volltexte zu historischen Themen. Die Publikationsplattform OpenEdition bietet unter dem Stichwort Geschichte 5.023 verfügbare Bücher. (Stand: Dezember 2025).
Insgesamt existiert eine große Vielfalt an Publikationsmodellen, mit stark variierenden Konditionen, Kosten und technischer Umsetzung.
Die in der AG Universitätsverlage zusammengeschlossenen deutschsprachigen Universitätsverlage unterstützen nachdrücklich die Open-Access-Bewegung. Ein Großteil von ihnen veröffentlicht geisteswissenschaftliche Monografien und Sammelbände.
Wissenschaftsverlage wie z. B. die Verlage Barbara Budrich, de Gruyter, transcript, Wachholtz oder Wallstein bieten im Rahmen der Open-Access-Transformation zunehmend entsprechende Publikationsmöglichkeiten auch für Autor*innen aus den Geschichtswissenschaften.
Inzwischen gibt es auch eine Reihe geisteswissenschaftlicher Open-Access-Verlage wie Language Science Press und Edition Topoi, die ausschließlich in diesem Format publizieren und auch keine Publikationsgebühren verlangen.
Die vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) gehostete Edition Open Sources macht akademische Editionen von Primärquellen frei verfügbar zugänglich.
Vom österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) geförderte selbstständige Publikationen werden Open Access in der FWF-E-Book-Library zur Verfügung gestellt, darunter auch Veröffentlichungen zu historischen Themen.
In der Reihe Historisches Forum werden Themenhefte mit Beiträgen und Berichten aus den Geschichtswissenschaften veröffentlicht. Die Hefte erscheinen in Zusammenarbeit mit den Partnern von Clio-Online und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Disziplinäre Repositorien
Das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR)listet unter dem Suchbegriff History 26 Repositorien. Im Registry of Research Data Repositories re3data.org werden 141 Forschungsdatenrepositorien mit historischen Inhalten verzeichnet (Stand: Dezember 2025). Für die Geschichtswissenschaften relevante Inhalte und Veröffentlichungsmöglichkeiten finden sich zudem insbesondere in Repositorien, Datenbanken und weiteren Nachweissystemen angrenzender Disziplinen.
Eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Inhalten nimmt der Fachinformationsdienst (FID) Geschichtswissenschaft historicum.net ein. Dieser bündelt Angebote zum Publizieren, Archivieren und zur Recherche.
Weitere Fachinformationsdienste bieten ebenfalls für Historiker*innen bedeutsame Mehrwerte. Aufgrund der Multiperspektivität des Fachs finden sich vielfältige geschichtswissenschaftliche Inhalte in zahlreichen Teildisziplinen. In den jeweiligen Repositorien können sie durch entsprechende Suchfilter (wie z. B. Geschichte) gefunden werden. Viele Fachinformationsdienste bieten darüber hinaus Dienstleistungen und Beratung zum Thema Open-Access-Publizieren.
Video über das Zeitveröffentlichungsrecht
Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)
Praxistipp
Sonstige Angebote
Blogs
Neben zahlreichen alleinstehenden historischen Blogs von Forschungseinrichtungen, Vereinen und Verbänden sowie einzelnen Forscher*innen, bietet das geistes- und sozialwissenschaftliche Blog-Portal Hypotheses, das vom Open-Access-Dienstleister Open Edition realisiert wird, eine zentrale Plattform für mehrere tausend Blogs auch zu geschichts-, archiv- und hilfswissenschaftlichen Themen. Unter History & Archaeology werden knapp 315 Blogs aus den D-A-CH-Ländern gelistet (Stand: Dezember 2025). Das Redaktionsblog des deutschsprachigen Portals dient der Entwicklung und Verbreitung wissenschaftlicher Information sowie der Schaffung eines Netzwerks.
Fachportale und Plattformen
Fachportale bieten zentrale Einstiegspunkte für die Recherche nach frei verfügbaren Publikationen, Quellen und weiterem Material.
- Clio online ist ein Fachportal für die Geschichtswissenschaften. Es ist an zahlreichen Projekten wie Zeitgeschichte online, dem Fachportal für Zeithistoriker*innen, und H-Soz-Kult beteiligt. Es stellt mit den Clio Guides Handbücher für verschiedenste Spezialisierungen der Geschichtswissenschaften (bezogen auf Arbeitstechniken, Epochen, Regionen, Sammlungen und Themen) bereit. Diese geben detaillierte Hinweise zu einschlägigen digitalen Informationsressourcen, Medien und Recherchemöglichkeiten.
- Europäische Geschichte Online des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte Europas zwischen 1450 und 1950. Die Beiträge in deutscher und englischer Sprache sind dabei mit unterschiedlichen Materialien verknüpft.
- historicum.net des Fachinformationsdienstes Geschichtswissenschaft bietet viele geschichtswissenschaftliche Informationen an und betreibt insbesondere die Deutsche Historische Bibliografie.
- H-Net - Humanities and Social Sciences online ist ein Netzwerk zur Fachkommunikation in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
- H-Soz-Kult ist eine moderierte Informations- und Kommunikationsplattform für Historiker*innen. Sie veröffentlicht fachwissenschaftliche Nachrichten und verweist auf Neuerscheinungen.
Datenbanken
Für die historische Forschung ist der Zugang zu digitalisierten Ressourcen (Archivalien, Bibliotheks- und Museumsbestände) von großer Bedeutung. Wichtige Datenbanken für das Fach werden oft von einzelnen, für das Fach zentralen Institutionen betrieben oder in institutionsübergreifenden Datenbanken zusammengeführt.
- Arachne ist die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie am Archäologischen Institut der Universität zu Köln.
- Das Archivportal Europa bietet u. a. 285 Millionen Akteneinheiten aus mehr als 7.000 Kultureinrichtungen, teils mit Links zu Digitalisaten.
- Die Deutsche Biographie stellt Informationen zu mehr als 1 Million Personen des deutschen Sprachraums vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart zur Verfügung.
- Die Deutsche Digitale Bibliothek verzeichnet und verlinkt mehr als 26 Millionen Objekte aus deutschen Kultureinrichtungen (Archive, Bibliotheken, Museen).
- e-codices - Virtual Manuscript Library of Switzerland hat zum Ziel, alle mittelalterlichen und eine Auswahl neuzeitlicher Handschriften der Schweiz durch eine virtuelle Bibliothek frei zugänglich zu machen.
- Auf e-rara.ch werden digitalisierte Drucke des 15. bis 20. Jahrhunderts aus Schweizer Bibliotheken öffentlich und kostenlos angeboten.
- In der Europeana werden mehr als 60 Millionen Objekte (Bilder, Textmaterialien, Ton- und Videoaufnahmen sowie 3D-Objekte) aus mehr als 2.000 europäischen Kulturorganisationen aggregiert.
- Das Handschriftenportal dient als zentraler Nachweis der Handschriften in deutschen Sammlungen und verknüpft diese mit Erschließungsdaten und Digitalisaten.
- perspectivia.net, die Online-Publikationsplattform der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland, stellt Zeitschriften, Rezensionen, Monografien und Tagungsdokumentationen (elektronische Publikationen wie auch Retrodigitalisate) ihrer Institute sowie ihrer Kooperationspartner im Volltext zur Verfügung.
- Die Regesta Imperii verzeichnen sämtliche urkundlich und historiographisch belegten Aktivitäten der römisch-deutschen Könige und Kaiser von den Karolingern bis zu Maximilian I. (ca. 751–1519) sowie der Päpste des frühen und hohen Mittelalters in Form deutschsprachiger Regesten. Sie bieten eine frei zugängliche, alle Fachdisziplinen berücksichtigende Literaturdatenbank für die mediävistische Forschung des gesamten europäischen Sprachraums, eine Regestendatenbank und Publikationen.
- Das Wörterbuch-Netz, ein Projekt des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier bietet u. a. Wörterbücher älterer deutscher Sprachstufen.
Open Science in den Geschichtswissenschaften
Im breiten Spektrum der Geschichtswissenschaften sind mit digitalen Quellen, maschinenlesbaren Editionen, dem Einsatz frei verfügbarer Tools für innovative digitale Forschung und der freien Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zentrale Aspekte offener Wissenschaft gegeben. Die Arbeitsgemeinschaft Digitale Geschichtswissenschaft im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V. (VHD) beschäftigt sich mit den Potenzialen der Digital Humanities bzw. E-Humanities für die Geschichtswissenschaften und bietet ein Forum für den Austausch mit historisch arbeitenden Nachbardisziplinen.
Seit 2023 wird vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und zusammen mit zehn weiteren Antragstellern (u. a. VHD) ein NFDI-Konsortium für die historisch arbeitenden Geisteswissenschaften namens NFDI4Memory betrieben. Das Konsortium setzt sich für eine qualitätsgesicherte, standardisierte und kompetente Nutzung von Forschungsdaten in den historischen Disziplinen ein.
Das EU-Projekt Social Sciences & Humanities Open Cloud (SSHOC) ist ein Online-Marktplatz, der digitale Werkzeuge, Dienste, Trainingsdaten und Datensets im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem Ziel zur Verfügung stellt, die interdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit in diesen Disziplinen zu fördern.
Die europäische Forschungsinfrastruktur OPERAS fördert offene wissenschaftliche Kommunikation in den Geistes- und Sozialwissenschaften im europäischen Forschungsraum. OPERAS unterstützt offene Wissenschaft unter anderem durch Projekte wie TRIPLE. Dieses Projekt widmet sich der Entwicklung eines mehrsprachigen und multikulturellen Suchdienstes für die Geistes- und Sozialwissenschaften.
Praxistipp
Wie und unter welchen Bedingungen audiovisuelle Materialien als Open Educational Resources in Forschung und Lehre genutzt werden dürfen, erläutert das Rechtsgutachten von Klimpel & Rack (2023).
Weiterführende Literatur
- Daniel, S., Enderle, W., Hohls, R., Meyer, T., Prellwitz, J., Prinz, C., Schuhmann, A., & Schwandt, S. (Eds.). (2023–2025). Clio Guide. Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften (3. erw. und aktualisierte Aufl.). Clio-online. https://guides.clio-online.de/