Medizin/Lebenswissenschaften

Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Open Access in der Medizin und anderen Lebenswissen­schaften

Open Access wird in der Medizin und den lebenswissenschaftlichen Disziplinen insbesondere durch Mandate von Forschungsförderern, wie den National Institutes of Health (NIH), dem Wellcome Trust oder der Bill & Melinda Gates Foundation besonders unterstützt. Die Forderungen nach freier Zugänglichkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse der Medizin und Lebenswissenschaften verweisen auf den direkten Zusammenhang zwischen Open Access und der Bevölkerungsgesundheit insbesondere im Globalen Süden. Daher setzt sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Open Access zu medizinischen Forschungsergebnissen ein und betreibt das Repositorium IRIS zum Teilen von Gesundheitsinformationen. Auch einige Forschungsförderer stellen eigene Publikationsplattformen zur Verfügung, auf denen die Ergebnisse der von ihnen geförderten Forschung veröffentlicht werden können. Beispiele sind hier Wellcome Open Research oder Gates Open Research. Von den NIH geförderte publizierte Forschungsergebnisse müssen über PubMedCentral, das disziplinäre Repositorium für biomedizinische und lebenswissenschaftliche Zeitschriftenliteratur, zugänglich gemacht werden um den Förderbedingungen zu entsprechen.

Viele der in den 2010er Jahren neu gegründeten Open-Access-Zeitschriften im Bereich der Lebenswissenschaften sind mittlerweile etabliert. Zeitschriften wie PeerJ, BMJ Open, Cell Reports oder eLife fokussieren sich ausschließlich auf diesen Bereich.

Seit etwa 2016 spielen zudem auch Preprint-Server in der Medizin und den Lebenswissenschaften bei der frühen Verfügbarmachung von Forschungsergebnissen im Open Access zunehmend eine Rolle. Zu nennen sind hier unter anderem bioRxiv und medRxiv, die einen lebenswissenschaftlichen Fokus haben (weitere Preprint-Server finden sich im directory of preprint server policies, welches von ASAPbio betrieben wird). Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie gewannen medizinische Preprints an weiterer Bedeutung für die schnelle Verbreitung von Forschungsergebnissen. Es wurde aber auch Kritik an der Publikation von Preprints geäußert, weil Ergebnisse bereits vor der Qualitätskontrolle durch ein Peer Review verfügbar waren und die Medien diese ungeprüften Ergebnisse aufgriffen und als wissenschaftliche Tatsachen behandelten.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals listet unter der Fächerkategorie “Medicine” alleine 3.600 Zeitschriften auf, mehr als 560 davon tragen das DOAJ Siegel (Stand März 2021).

Recherchemöglichkeiten bietet auch die Zeitschriftenliste der Plattform PubMed Central, auf der Artikelversionen von bestimmten Zeitschriften entweder sofort oder nach einer Embargofrist frei verfügbar oder Open Access mit einer Creative-Commons-Lizenz nachnutzbar sind.

Open-Access-Bücher

Unter dem Suchstring ““Life Science” OR Medicine””  listet das Directory of Open Access Books mehr als 2.400 Titel. OAPEN verzeichnet unter dem Stichwort “medical” rund 200 Titel (beide Stand März 2021).

Da der Großteil der wissenschaftlichen Kommunikation in der Medizin und anderen Lebenswissenschaften über Zeitschriftenpublikationen stattfindet, stehen Open-Access-Bücher hier nicht im Vordergrund der Diskussion. Größere Verlage mit medizinischem und lebenswissenschaftlichem Schwerpunkt und einem Open-Access-Zeitschriftenportfolio bieten meist auch ein Open-Access-Buchprogramm an, in dem gegen Zahlung von sogenannten Book Processing Charges (BPC) auch Open Access-Bücher veröffentlicht werden können.

Während die meisten Programme noch stark an das gedruckte Buch angelegt sind, gibt es auch vereinzelt Initiativen, welche die rein elektronische Umsetzung forcieren, um insbesondere die Vorteile einer digitalen Umgebung auszunutzen und Texte mit multimedialen Inhalten wie Videos oder Audio-Dateien im Sinne einer “enhanced publication“ (Breure et al., 2011; Bardi & Manghi, 2014) anzureichern bzw. weitere Materialien zu verlinken. Zu nennen ist hier unter anderem das Programm “Living Handbooks” von ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften, welches sich insbesondere auf Handbücher fokussiert.

Disziplinäre Repositorien

Zu den wichtigsten Repositorien in der Medizin und in den Lebenswissenschaften gehören:

Das mit Abstand wichtigste Repositorium in der Medizin und in den Lebenswissenschaften ist PubMed Central, welches einen hohen Stellenwert bei der Recherche nach Literatur hat und somit für die Sichtbarkeit von Zeitschriften, Institutionen und Autor*innen in den entsprechenden Fächern eine wichtige Rolle spielt.

Als ein Angebot aus Deutschland bietet das PUBLISSO Fachrepositorium Lebenswissenschaften von ZB MED die Möglichkeit zur Erst- und Zweitveröffentlichung von Dokumenten, Artikeln sowie Forschungsdaten an. Institutionen aus den Fachgebieten Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften, die über kein eigenes Repositorium verfügen, haben die Möglichkeit, ihre Publikationen auf einer eigenen Institutsseite zusammenhängend darzustellen.

Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR). Hier sind unter der Fächerauswahl “Health and Medicine” derzeit mehr als 500 Repositorien gelistet (Stand März 2021).

Open Science in der Medizin und anderen Lebenswissen­schaften

Aufgrund der immensen Bedeutung von medizinischen und lebenswissenschaftlichen Informationen für die Gesellschaft gibt es zahlreiche Bestrebungen, den Forschungskreislauf dort weiter zu öffnen und insbesondere den Zugang zu Forschungsdaten und deren Nachnutzung zu erleichtern. Informationen zu Forschungsdaten in der Medizin und Lebenswissenschaften finden sich unter der entsprechenden Rubrik auf Forschungsdaten.info.

Literatur

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Jasmin Schmitz, ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften (Stand: März 2021)