Open Access in der Biologie
Eine große und stetig wachsende Zahl an Open-Access-Zeitschriften prägt mittlerweile die Publikationslandschaft der Biologie. Initiativen wie Plan S in Europa und Plan U in den USA (Sever et al., 2019) sowie die bundesweiten Lizenzverträge des DEAL-Projektes in Deutschland sorgen auch in der Biologie für einen strukturellen Wandel hin zu Open Access als Standard-Publikationsmodell. Der nächste momentan zu vollziehende Schritt ist die Transition zu Diamond-Open-Access-Modellen. Preprintserver wie bioRxiv sind mittlerweile weitreichend genutzt, da sie die schnelle Kommunikation von Ergebnissen noch vor Abschluss der Peer-Review-Prozesse ermöglichen. Neben Fachartikeln und den damit verknüpften Forschungsdaten sind Softwareentwicklungen sowie KI-Modellen wichtige Ergebnisse des Wissenschaftsprozesses, wobei der freie Zugang zu diesen Ergebnissen durch eine Vielzahl an internationalen Repositorien und Datenbanken gewährleistet wird.
Open-Access-Zeitschriften
Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet 897 Open-Access-Zeitschriften unter dem Stichwort Biology und Microbiology (Stand: Dezember 2025). Zu den Wichtigsten gehören u.a.:
Eines der Zugpferde der Open-Access-Bewegung in der Biologie ist der Verlag Public Library of Science (PLOS). 2003 setzte er mit Gründung der Zeitschrift PLOS Biology einen Grundstein für die Verbreitung des Open-Access-Gedankens in den Lebenswissenschaften. Neben PLOS Biology betreibt der Verlag mittlerweile weitere Zeitschriften, darunter PLOS ONE. Diese Zeitschrift gilt als Prototyp des sogenannten Megajournals – dieses Modell wurde mittlerweile von vielen anderen Verlagen übernommen (z. B. Scientific Reports von Springer Nature). Ein wichtiges Merkmal dieser Megajournals ist, dass eingereichte Manuskripte ausschließlich auf Basis ihrer wissenschaftlichen Validität bewertet werden. Ablehnungen aufgrund mangelnder Relevanz wie bei vielen anderen Zeitschriften gibt es nicht. Vor diesem Hintergrund zählt PLOS ONE nach Anzahl der jährlich publizierten Artikel zu den weltweit größten wissenschaftlichen Zeitschriften. Ein weiterer Verlag mit Vorreiterrolle im Bereich Open Access ist BioMed Central, der mittlerweile zu Springer Nature gehört. Dieser betreibt eine Vielzahl von Zeitschriften und ist Mitbegründer der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA). Frontiers gehört ebenfalls zu den prägenden Open-Access-Verlagen. Er veröffentlicht zahlreiche Zeitschriften in den Lebenswissenschaften, ist Mitglied der OASPA und hat sich durch ein Community-Review-Modell in der wissenschaftlichen Begutachtung hervorgetan. Von der Royal Society wurde 2011 die Open-Access-Zeitschrift Open Biology gegründet. Darüber hinaus wurde 2012 die Zeitschrift eLife vom Howard Hughes Medical Institute, der Max-Planck-Gesellschaft und dem Wellcome Trust ins Leben gerufen. Diese, so die Herausgeber*innen, soll eine qualitativ hochwertige Alternative zu Nature, Science und Cell darstellen. Mit Open Research Europe gibt es eine Diamond-Open-Access-Publikationsplattform, die von der Europäischen Kommission initiiert wurde und Forscher*innen aus EU-geförderten Projekten eine sofortige Veröffentlichung von Artikeln, Daten und Methoden ermöglicht. Die Plattform verbindet Preprint-Veröffentlichung mit nachgelagerter, transparenter Begutachtung. Besonders in den Lebenswissenschaften wird sie genutzt, um Ergebnisse aus Horizon-Europe-Projekten rasch zugänglich zu machen, FAIR-konforme Datenpraktiken umzusetzen und eine hohe Sichtbarkeit der Forschung sicherzustellen. Damit bietet sie eine wichtige Alternative zu traditionellen Verlagsmodellen und fördert eine offene Wissenschaftskultur in Europa.
Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536 (CC BY 3.0 DE)
Open-Access-Bücher
In der Kategorie Biology, life sciences listet das Directory of Open Access Books 1.550 Titel. OAPEN verzeichnet unter der Rubrik Biology, life science mehr als 125 Titel (Stand: Dezember 2025).
Open-Access-Bücher nehmen in der Biologie bislang keine prominente Rolle ein. Dennoch gibt es zahlreiche Open Access veröffentlichte (Lehr)-Bücher, die durch hohe Qualität glänzen. Hier sei als Beispiel das von OpenStax und American Society for Microbiology Press gemeinsam herausgegebene Buch Microbiology erwähnt.
Disziplinäre Repositorien
Zu den wichtigsten Repositorien in der Biologie gehören:
- bioRxiv: Seit 2013 bietet das Cold Spring Harbor Laboratory diesen speziell auf die Biowissenschaften ausgerichteten Preprint-Server an. Die Nutzung wurde besonders durch die COVID-19-Pandemie beflügelt und in vielen Fächern ist es mittlerweile üblich dort Preprint von Manuscripten abzulegen
- arXiv: Der von der Cornell University Library betriebene Preprint- und Postprint-Server besitzt seit einigen Jahren den Abschnitt Quantitative Biology mit 11 Kategorien.
- Preprints: Diese multidisziplinäre Plattform bietet u.a. die Sektion Biology an.
- PaleorXiv: Dieser subdisziplinspezifische Preprint-Server bietet Preprints aus z. B. der Paläontologie an.
- PUBLISSO-Fachrepositorium Lebenswissenschaften (FRL): Dieses von ZB MED gehostete Repositorium bietet die Zweitveröffentlichung von Artikeln und Forschungsdaten an.
- PubMed Central und Europe PubMed Central: Dies sind die größten Anlaufstellen für Postprint-Versionen von Publikationen weltweit. Die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) fordern, dass Postprints von Publikationen zu NIH-geförderten Projekten sofort nach Veröffentlichung in einer Zeitschrift via PubMed Central zugänglich sind. Diese müssen nicht zwangsläufig unter einer offenen Lizenz stehen, noch müssen sie im Open-Access-Subset sein, das separat bezogen und durchsucht werden kann.
Preprints sind inzwischen ein fester Bestandteil der biologischen Publikationspraxis geworden. Initiativen wie Plan U (Sever et al., 2019) und ASAPbio (Accelerating Science and Publication in biology) propagieren, alle wissenschaftlichen Artikel als Preprint frei zugänglich zu machen.
Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR).
Video über das Zeitveröffentlichungsrecht
Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)
Open Science in der Biologie
In den Biowissenschaften gibt es, auch in Verbindung mit weiteren Fächern, viele Projekte, die sich als Graswurzelbewegungen entwickeln und verschiedene Aspekte des Wissenschaftsprozesses im Sinne des Open-Science-Gedankens angehen. So sollen zum Beispiel mehr Forschungsdaten (Open Data), Quellcodes von Programmen (Open Source), Laborjournale (Open Notebook Science) wie auch die Begutachtung von Manuskripten (Open Peer Review), Lehrmaterialien (Open Education Resources), die Quantifizierung des Einflusses von Publikationen (Open Metrics) und Fördergeldanträge mit ihren Gutachten (Mietchen, 2014) öffentlich online zugänglich gemacht werden. Open Science beinhaltet aber auch die Öffnung der wissenschaftlichen Tätigkeit für Laien (Citizen Science; das Projekt Finde den Wiesenknopf des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ). Auch einige Zeitschriften sehen den Bedarf, die Transparenz der Forschung zu erhöhen. So fordert zum Beispiel PLOS ONE seit 2014, dass alle zu einer Studie gehörenden Daten mit der Publikation zugänglich gemacht werden. PLOS Biology und PLOS Genetics unterstützen die Research Resource Identification Initiative, mit deren Hilfe Forschungsmaterialien und Methoden eindeutige Kennungen erhalten. Auch in der Biologie haben zahlreiche Communities die FAIR-Prinzipien aufgegriffen, um für effizientere und nachhaltigere Nutzung von Daten und Software zu sorgen.
Für einige Daten der Biologie gibt es schon seit vielen Jahren entsprechende Repositorien und Datenbanken. So bieten besonders das National Center for Biotechnology Information (NCBI) wie auch das European Bioinformatics Institute (EBI) über Webseiten und Programmierschnittstellen (API) strukturiert Zugriff auf verschiedene Datenkollektionen, wie zum Beispiel Sequenzen und Strukturen von Biomolekülen wie DNA, RNA und Proteinen. re3data listet für den Bereich Biologie gut 1100 begutachtete Datenrepositorien (Stand: Dezember 2025.
Trotz all dieser Initiativen und Angebote ist deutlich zu erkennen, dass bei Weitem nicht alle Forschungscommunities der Biologie erreicht und alle technischen Potentiale ausreichend genutzt werden, um einen effektiven Wissensaustausch zu gewährleisten. Diese Diskrepanz zwischen theoretischen Möglichkeiten und tatsächlicher Umsetzung lässt sich u. a. durch die unveränderte Bewertung von Wissenschaftler*innen und ihren Arbeiten bei Stellen- und Mittelvergaben begründen. Hierfür wird im Allgemeinen nur auf die formalen Publikationen in Fachzeitschriften und den Journal Impact Factor zurückgegriffen. Diese Praxis wirkt sich auf die Motivation der Wissenschaftler*innen aus, Ergebnisse, Daten und Methoden frühzeitig zu veröffentlichen und verhindert somit deren breite und schnelle Nachnutzung. Hier wäre ein Umdenken in der Evaluation wünschenswert. Die Initiator*innen und Unterzeichner*innen der Declaration on Research Assessment (DORA) streben genau diesen Wandel der wissenschaftlichen Bewertung an. Sie fordern konkret, dass neben der Bereitstellung der nötigen Infrastruktur Anreize geschaffen werden, die Resultate wissenschaftlichen Arbeitens möglichst früh und frei von technischen, finanziellen und rechtlichen Barrieren öffentlich zugänglich zu machen.
Ein weiteres wichtiges Projekt im Bereich Open Science der Biologie stellt der Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) dar. In diesem Rahmen soll Forschungsdatenmanagement technisch und strukturell in ganz Deutschland auf ein neues Fundament gestellt werden. Im Rahmen der ersten beiden Auswahlrunden des Aufbaus der NFDI wurden mehrere Konsortien aus den Lebenswissenschaften und der biomedizinischen Forschung (DataPlant, GHGA, NFDI4BioDiversity, NFDI4Health, NFDI4Immuno NFDI4Microbiota, NFDI4Bioimage) gefördert. Ziel dieser Konsortien ist es, durch Bereitstellung von Infrastruktur, Know-How und Training, aber auch durch die Entwicklung und Etablierung von (Metadaten)-Standards offene und effiziente Wissenschaft zu fördern sowie die Umsetzung der FAIR-Prinzipien und einem kultureller Wandel dahin zu unterstützen.
Praxistipp
Sonstige Angebote
Auf der linken Seite finden Sie hilfreiche Services und Tools, um sich über konkrete Fragen zu Open Access zu informieren.
Literatur
- Mietchen, D. (2014). The Transformative Nature of Transparency in Research Funding. PLOS Biology, 12(12). https://doi.org/10.1371/journal.pbio.1002027
- Sever, R., Eisen, M., & Inglis, J. (2019). Plan U: Universal access to scientific and medical research via funder preprint mandates. PLOS Biology, 17(6). https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000273
Weiterführende Literatur
- Rapp Learn, J. (2019). What bioRxiv’s first 30,000 preprints reveal about biologists. Nature. https://doi.org/10.1038/d41586-019-00199-6
- Rat für Informationsinfrastrukturen (RFII). (2016). Leistung aus Vielfalt. Empfehlungen zu Strukturen, Prozessen und Finanzierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland. https://rfii.de/download/rfii-empfehlungen-2016/
Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Prof. Dr. Konrad Förstner, ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften (Stand: Dezember 2025)