Repositorien

Publizieren in Repositorien

Das erfahren Sie in diesem Artikel

1

Repositorien sind Dokumentenserver, auf denen Materialien archiviert und entgeltfrei zugänglich gemacht werden können.

2

Man unterscheidet zwischen institutionellen und disziplinären Repositorien.

2

Über OAI-Schnittstellen werden die Inhalte und Metadaten der Repositorien zur Verfügung gestellt, das DINI-Zertifikat sichert die Qualitätsstandards von Dokumentenservern.

Was sind Repositorien?

Repositorien sind an Universitäten oder Forschungseinrichtungen betriebene Dokumentenserver, auf denen wissenschaftliche Materialien archiviert und weltweit entgeltfrei zugänglich gemacht werden.

Kategorien von Repositorien

Unterschieden werden institutionelle und disziplinäre Repositorien. Als institutionelle Repositorien werden Dokumentenserver bezeichnet, die von Institutionen (meist Universitätsbibliotheken, anderen Infrastruktureinrichtungen oder Forschungsorganisationen) betrieben werden. Sie ermöglichen ihren Mitgliedern die digitale Publikation wissenschaftlicher Dokumente. Disziplinäre Repositorien hingegen sind institutionsübergreifend. Diese stehen Wissenschaftler*innen zur Publikation und Archivierung ihrer Arbeiten zu bestimmten Themen zur Verfügung, z. B. für eine Fachdisziplin. Beispiele hierfür sind: media/rep/ als Open-Access-Repositorium für medienwissenschaftliche Publikationen, Social Science Open Access Repository (SSOAR) für die Sozialwissenschaften, PubMed Central für die Biowissenschaften oder arXiv für wissenschaftliche Publikationen vor allem aus Physik, Mathematik und Informatik.

Sowohl die Bereitstellung der wissenschaftlichen Publikation für Autor*innen auf institutionellen oder disziplinären Repositorien als auch der Zugriff für Nutzer*innen sind in der Regel entgeltfrei.

Mit Stand August 2020 verzeichnete das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) 5.395 Repositorien, mittels derer Universitäten und Forschungseinrichtungen Wissenschaftler*innen die Zugänglichmachung wissenschaftlicher Dokumente ermöglichen.

Rechte

Dokumente, die auf Repositorien bereitgestellt werden, erscheinen häufig auch formal, z. B. in einer Zeitschrift, einem Sammelband oder als Monografie in einem Verlag. Die Nutzung von Repositorien zur Zweitveröffentlichung von Werken, die auch in einem Verlag erschienen sind, entspricht dem grünen Weg des Open Access. Anders als z. B. bei Open-Access-Zeitschriften sind in diesem Fall Content-Lizenzen von untergeordneter Bedeutung. Wissenschaftler*innen, die ein Werk zusätzlich zur formalen Veröffentlichung auch auf einem Dokumentenserver zugänglich machen, haben oft bereits ihre sämtlichen Nutzungsrechte an den Verlag abgetreten und können die parallele Publikation auf dem Dokumentenserver daher nicht mehr unter eine Content-Lizenz stellen. Vielmehr setzt die Möglichkeit zur Zweitveröffentlichung bereits im Verlag oder Journal erschienener Dokumente voraus, dass man sich entweder als Autor*in die Rechte zur Publikation des Werkes auf einem Repositorium vorbehalten hat oder dass das Werk unter die einschlägigen Regelungen des Urheberrechts (in Deutschland z. B. das Zweitveröffentlichungsrecht) fällt. Eine Open-Access-Policy des Verlages könnte auch die Option vorsehen, dass das Werk unter die Open-Access-Regelungen der Allianz-Lizenzen fällt. Eine kurze Information zum Bereitstellen formal erschienener Werke auf Dokumentenservern ist in der Infografik am Ende dieser Seite dargestellt.

Einfacher gestaltet sich die Rechtesituation, wenn Repositorien zur Primärpublikation wissenschaftlicher Werke im Sinne des goldenen Wegs des Open Access genutzt werden, etwa zur Veröffentlichung von Tagungsbänden, Schriftenreihen oder anderer Texte, die nicht parallel in einem Verlag erscheinen. In diesen Fällen haben die Autor*innen meist die ausschließlichen Rechte an den Inhalten und sind in der Wahl der Bedingungen, unter denen sie verfügbar gemacht werden, vollkommen frei: So können diese unter eine der erwähnten Content-Lizenzen gestellt oder einfach zu den Bedingungen des Urheberrechts bereitgestellt werden. Primärpublikationen auf Repositorien, die oft als Preprints bezeichnet werden, finden sich unter anderem auf den Dokumentenservern arXiv oder Zenodo. Da sich auf Repositorien oft Inhalte unterschiedlicher Herkunft oder fachlicher Zuordnung finden, bietet sich zur Dokumentrecherche die Nutzung einer speziellen Suchmaschine wie der Bielefeld Academic Search Engine (BASE) an, die auf Volltexte von Repositorien zugreift.

Video on Scholars' and Scientists' Self-Archiving Rights [German]. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Inhalt und Mehrwert von Repositorien

Die Gestaltungsformen und Funktionalitäten von Repositorien sind unterschiedlich und reichhaltig. Neben der klassischen Unterscheidung zwischen institutionellen und disziplinären Repositorien variieren die Angebote der verschiedenen Repositorien auch durch den dargebotenen Inhalt, zusätzliche Dienstleistungen und ihre technische Ausgestaltung. Viele Dokumentenserver sehen vor, jegliche Art elektronischer (Text-)Dokumente – z. B. Preprints und Postprints von Artikeln in Zeitschriften, Arbeitspapiere, Bücher und Buchbeiträge, Abschlussarbeiten sowie Lehr- und Lernmaterialien – zu archivieren, andere schließen einige Dokumentarten aus.

Vernetzte Repositorien bieten über ihre Schnittstellen und Nachweisdienste zahlreiche Mehrwertdienste an:

  • die virtuelle Zusammenführung thematisch verwandter Dokumente aus unterschiedlichen Dokumentenservern; dies verhindert umständliches Recherchieren auf zahlreichen verschiedenen Servern und gewährt möglichst einfachen Zugang zu wissenschaftlichen Texten
  • Personalisierungsfunktionen, z. B. die Erstellung von Profilen, mit denen Leser*innen über neue Dokumente zu einem Thema informiert werden können.
  • die automatische Erstellung von Publikationslisten bzw. Bibliografien von Autor*innen oder Arbeitsgruppen; diese können dynamisch in eigene Webseiten oder andere Online-Profile, z. B. in Forschungsinformationssysteme eingebunden werden
  • Dienste wie Unpaywall, INSPIRE oder Google Scholar erlauben es, verschiedene Versionen des gleichen Dokuments zu identifizieren. Damit können Nutzer*innen, die keinen Zugriff auf eine formale Closed-Access-Publikation haben, unter Umständen eine Open-Access-Version auf einem Dokumentenserver finden.
  • Repositorien erlauben oft den Download bibliografischer Daten, die wiederum in Literaturverwaltungsprogramme importiert werden können. Damit wird eine bequeme Nutzung der Informationen in weiteren Publikationen ermöglicht.
  • Services wie INSPIRE und Google Scholar ermöglichen es, Zitationszahlen für Werke auf Dokumentenservern zu ermitteln und so den Zitationsimpact der Dokumente zu bestimmen.
  • Statistische Informationen zeigen die Verbreitung und Wirkung von Dokumenten auf Repositorien. Diese können in Form von Downloadstatistiken (z. B. unter Nutzung der Daten des DFG-Projekts Open-Access-Statistik (OAS), unter Nutzung einer eigenen Statistik-Lösung) ermittelt werden. Altmetrics-Informationen erfassen die Zirkulation wissenschaftlicher Informationen in wissenschaftlichen und öffentlichen Netzwerken und Medien.
  • Durch wechselseitige Verlinkungen zwischen zusammengehörigen Objekten, wie Texten und Forschungsdaten oder -software, können Wissenschaftler*innen den ganzen Output eines Forschungsvorhabens  integriert zugänglich machen.
  • Dokumentenserver erlauben es wissenschaftlichen Autor*innen, in einfacher Art und Weise den Förderleitlinien von Forschungsförderern nachzukommen, nach denen projektbezogene Publikationen im Open Access verfügbar zu machen sind. Viele Repositorien ermöglichen es sogar, eine Publikation einem speziellen Forschungsprojekt zuzuordnen. Wer z. B. ein Dokument in Zenodo oder ein anderes OpenAIRE-kompatibles Repositorium einspielt, kann durch Metadaten die “EU Grant ID” beifügen.

Die genannten Mehrwerte und Funktionen haben zum Ziel, die Sichtbarkeit und Verbreitung der Publikationen auf den Dokumentservern zu steigern. Dabei setzen Repositorien vor allem auf Vernetzung und Kooperationen mit anderen Informationsangeboten oder Suchmaschinen. Ebenso wichtig ist die Verbindung mit persönlichen oder Institutswebsites, Jahresbibliographien oder Forschungsinformationssystemen.

Auffindbarkeit der Dokumente - das OAI-Protokoll

Die Nutzung des Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) bei den meisten Repositorien erleichtert die Suche nach wissenschaftlichen Dokumenten immens. Außerdem sichert es die bereits beschriebene Verbreitung der Open-Access-Informationen. Das OAI-PMH erlaubt die Zusammenführung der Metadaten von Dokumenten auf verteilten Repositorien in einer Datenbank. Technisch betrachtet ist das OAI-PMH ein XML-basiertes Protokoll, welches der Abfrage und Übertragung von Metadaten dient. Ein OAI-Service-Provider (z. B. OAIster oder BASE) unterstützt die Suche, indem er auf das OAI-PMH zurückgreift. Der Service-Provider sammelt Metadaten der einzelnen Repositorien (den Data-Providern) ein, bereitet diese auf und stellt sie für Suchanfragen bereit. Dies garantiert die Auffindbarkeit sowie die maximale Verbreitung und damit Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Texte.

Qualitätsstandards von Repositorien - das DINI-Zertifikat

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI) will die Verbesserung der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie die dafür notwendigen Entwicklungen fördern und unterstützen. Die Entwicklung des DINI-Zertifikats für Open-Access-Publikationsdienste ermöglicht die standardisierte Beurteilung des begutachteten Dokumentenservers und der erbrachten Dienstleistung und versteht sich als Qualitätskontrolle für Dokumenten- und Publikationsservices. Die der Zertifizierung zugrunde liegenden Kriterien umfassen unter anderem die Sichtbarkeit des Gesamtangebotes, die Betreuung der Autor*innen, die Sicherheit, Authentizität und Integrität des technischen Systems sowie die Langzeitverfügbarkeit und Auffindbarkeit der dort archivierten Dokumente. Derzeit (Stand: September 2020) sind 64 Repositorien DINI-zertifiziert. Im Oktober 2019 wurde das DINI-Zertifikat in der sechsten Auflage veröffentlicht.