Open Access in der Politikwissenschaft
Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in der Politikwissenschaft Die Politikwissenschaft ist durch interdisziplinäre Schnittmengen u. a. mit der Soziologie , den Geschichtswissenschaften , der Rechts- und Verwaltungswissenschaft , den Wirtschaftswissenschaften und der Philosophie gekennzeichnet. Je nach Teildisziplin wird sie durch die Entwicklungen der angrenzenden Fachkulturen beeinflusst und übernimmt dabei deren Methoden. Während die geisteswissenschaftlich geprägten Richtungen wie die Politische Theorie weiterhin sehr buchaffin sind und Open Access sich hier folglich noch nicht besonders stark etabliert hat, ist bei den sozialwissenschaftlich und international ausgerichteten Teildisziplinen, wo Zeitschriftenartikel die dominierende Form der Distribution von Forschungsergebnissen darstellen, eine dynamischere Entwicklung hin zu Open Access zu beobachten. Die international bedeutsamste politikwissenschaftliche Vereinigung, die American Political Science Association (APSA) , betreibt seit 2019 mit APSA Preprints eine Open-Access-Publikationsplattform für politikwissenschaftliche Preprints. Die größte politikwissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland, die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) hat 2024 eine Stellungnahme zu Open Access und Open Science veröffentlicht. Die DVPW unterstreicht darin die Bedeutung von Diamond Open Access in Zusammenarbeit mit unabhängigen Verlagen oder mit nicht-profitorientierten Forschungsinfrastruktureinrichtungen als wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Von den großen deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Fachzeitschriften sind beispielsweise die Zeitschrift für Politikwissenschaft und die Politische Vierteljahresschrift als Teil des DEAL-Vertrags mit Springer-Nature größtenteils Open Access verfügbar (bislang nur als hybride Zeitschriften ). Andere zentrale Fachzeitschriften wie die Zeitschrift für Internationale Beziehungen und die Zeitschrift für Parlamentsfragen erscheinen ebenfalls bislang nur hybrid, d. h. sie bieten das Freikaufen von Open-Access-Artikeln über Article Processing Charges (APC) an. Eine besondere Rolle spielen die im Bereich der anwendungsbezogenen Politikwissenschaft einzuordnenden Think Tanks. Think Tanks sind öffentliche oder private Einrichtungen zur Analyse außenpolitischer Prozesse, die meist an konkreten Handlungsoptionen für politische Entscheidungsträger orientiert sind und auch die breitere politische Öffentlichkeit beeinflussen wollen. Viele aktuelle Publikationen der bedeutendsten Think Tanks, wie etwa von Clingendael in den Niederlanden,der Stiftung Wissenschaft und Politik und des Centrums für angewandte Politikforschung in Deutschland oder des Stockholm International Peace Research Institute in Schweden liegen zu einem großen Teil frei zugänglich, wenn auch nicht vollumfänglich Open Access vor, werden gut beworben und können bequem von den jeweiligen Webseiten heruntergeladen werden. Problematisch bei dieser Art „Grauer Literatur“ ist demgegenüber die Auffindbarkeit in gängigen Suchräumen und die digitale Langzeitverfügbarkeit der Inhalte. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals listet unter dem Stichwort “ political science” 644 Einträge (Stand April 2024) . Für die Politikwissenschaft gibt es einige relevante reine Open-Access-Zeitschriften. Ein wichtiger Unterschied für Autor:innen besteht darin, ob Gebühren für das Publizieren anfallen oder ein gebührenfreies Publizieren (z. B. im Diamond Open Access möglich ist). Die folgenden Zeitschriften erheben keine Publikationsgebühren: Africa Spectrum doaj Central European Journal of International & Security Studies doaj Health and Human Rights doaj (Gebühren werden nur in Rechnung gestellt, wenn diese durch die Einrichtung der Autorin oder des Autors übernommen werden können) Journal of Deliberative Democracy doaj Journal of Political Ecology doaj Leviathan. Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft Neue Politische Literatur. Berichte aus Geschichts- und Politikwissenschaft Open Gender Journal doaj Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft doaj Perspectives on Terrorism doaj Political Philosophy Redescritptions: Political Thought, Conceptual History and Feminist Theory Revue Internationale de Politique de Développement doaj Totalitarianism and Democrary. An International Journal for the Study of Dictatorship and Liberty (Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung) Zeitschrift diskurs ZRex – Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung doaj Bei diesen OA-Zeitschriften sind von den Autor:innen Gebühren zu entrichten: Global Studies Quarterly doaj Policy and Society doaj Political Research Exchange doaj Research & Politics doaj Bei den großen internationalen Wissenschaftsverlagen erscheinen neue Zeitschriften in den meisten Fällen Open Access. Im Vergleich zu den etablierten Kernzeitschriften des Faches konnten diese jungen Zeitschriften durch ihre kurze Laufzeit bisher nur geringe oder mittelmäßige bibliometrische Kennwerte aufbauen. Unter den zehn politikwissenschaftlichen Zeitschriften, die laut Journal Citation Report (JCR) im Jahr 2022 den höchsten Journal Impact Factor (JIF) aufwiesen, findet sich keine reine Open-Access-Zeitschrift. Relevant ist in diesem Kontext die Entwicklung von alternativen Metriken ( Altmetrics ), die auch in der Politikwissenschaft kritisch diskutiert werden (Meibauer et al., 2024). Neue Open-Access-Zeitschriften besetzen häufig regionale Nischen oder neue Teildisziplinen und haben daher eine per se geringere Reichweite. Davon unabhängig ist die Situation für deutschsprachige Fachzeitschriften zu betrachten. Der enge Binnenmarkt für deutschsprachige Zeitschriften erhöht das wirtschaftliche Risiko von Open-Access-Transformationen oder Neugründungen für die dort agierenden Verlage, wenn es keine institutionelle Förderung oder Finanzierung gibt (wie z. B. bei Africa Spectrum oder bei Totalitarismus und Demokratie , bei dem die Open-Access-Transformation vom Fachinformationsdienst (FID) Politikwissenschaft – Pollux unterstützt wird). Einige dieser Zeitschriften konnten sich zwischen den renommierten Titeln der internationalen Wissenschaftsverlage etablieren (z. B. Perspectives on Terrorism ). Im Zeitschriftenbereich wird fachübergreifend zudem durch die Publish & Read-Lizenzen (z. B. DEAL) optionales Open Access auf Artikelebene in sog. Hybrid-Zeitschriften zunehmend genutzt, dies betrifft auch international wichtige Verlage für die Politikwissenschaft wie Sage und Taylor & Francis. Der Anteil von Gold Open Access an den veröffentlichten Artikeln des Faches lag im Web of Science zwischen 2020 und 2023 bei knapp einem Drittel mit steigender Tendenz. Der steigende Open-Access-Anteil bei Zeitschriftenaufsätzen zeigt sich auch in der Studie von Breuning und Aykol (2024), die zugleich aufzeigen, dass das Verfügen über Forschungsfördermittel entscheidend für die Frage ist, ob Open Access publiziert werden kann oder nicht. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Unter dem Stichwort „ political science ” listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 3033 Titel (Stand August 2024). Die OAPEN Library verzeichnet mit dem Suchwort „political science“ 8602 Titel (Stand August 2024). Bei Monografien und Sammelwerken ist für die Politikwissenschaft eine zunehmende Verbreitung von Open Access zu beobachten. Bei Taylor & Francis/Routledge bspw. lag der Anteil an OA-Büchern (für den Fachausschnitt “Politics & International Relations”) zuletzt bei knapp über 8 %. Eine Stichprobe bei Springer Nature/Palgrave ergibt für aktuellste Erscheinungsjahre einen OA-Anteil von 9,4 % (Fachausschnitt „Political Science and International Studies”). Bei der für den deutschen Sprachraum einschlägigen Nomos-Verlagsgruppe lag der OA-Anteil bei politikwissenschaftlichen Neuerscheinungen zwischen 2020 und Mai 2024 bei 12,6 %. Mittlerweile bieten alle größeren (einschließlich der deutschen) Verlage Open Access als Option an, sodass bei einschlägigen Verlagen mehr und mehr Bücher im Open Access verfügbar sind. Die Finanzierung der Publikationskosten erfolgt dabei (ggf. anteilig) aus beantragten Projektmitteln und über institutionelle Quellen wie Publikationsfonds oder Crowdfunding, wie z. B. bei der transcript Open Library Politikwissenschaft , die vom Fachinformationsdienst (FID) Politikwissenschaft – Pollux unterstützt wird (Hanneken et al., 2020). Disziplinäre Repositorien Wichtige Repositorien in der Politikwissenschaft sind: SSOAR - Social Science Open Access Repository : größter Volltextserver für die Sozialwissenschaften, wird von GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften betrieben. SSRN -Social Science Research Network : Preprintserver mit Forschungspublikationen der Sozial-, Human-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Das in SSRN enthaltene PSN (Political Science Network) enthält über 240.000 Paper von ca. 190.000 Autoren. SocArXiv : sozialwissenschaftlicher Dokumentenserver, enthält Working Paper, Preprints und Zweitveröffentlichungen APSA Preprints : politikwissenschaftlicher Preprintserver der American Political Science Association (APSA) . Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) unter der Rubrik „Social Sciences“. Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote Auch die Online-Archive JSTOR und Project MUSE stellen inzwischen für die Politikwissenschaft relevante Open-Access-Inhalte bereit. Open Science in der Politikwissenschaft Die Sichtbarkeit und der Zugriff auf politikwissenschaftliche Forschungsdaten werden zukünftig an Bedeutung gewinnen, z.B. zur Sekundäranalyse von Forschungsergebnissen oder zur Durchführung von Meta-Studien. An dieser Stelle seien zwei sozialwissenschaftliche Forschungsdatenrepositorien genannt, die zum einen quantitative und zum anderen qualitative Methoden abdecken: Archivierung BASIS : sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Forschungsdatenrepositorium für quantitative Primär- und Sekundärdaten Qualidata Network : Suchportal für sozialwissenschaftliche qualitative Forschungsdaten open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Breuning, M., Akyol, S. (2024). Who publishes open access? PS: Political Science & Politics . https://doi.org/10.1017/S1049096524000106 Hanneken, S., Jobmann, A. & Schönfelder, N. (2020). Die transcript OPEN Library Politikwissenschaften – Ein Modell für Open-Access-eBooks in den Geistes- & Sozialwissenschaften. Informationspraxis , 6 (2). https://doi.org/10.11588/ip.2020.1.66637 Meibauer, G., Phull, K., Alejandro, A., & Ciflikli, G. (2024). Alternative metrics, traditional problems? Assessing gender dynamics in the altmetrics of political science. European Political Science , 23 (2), 179–198. https://doi.org/10.1057/s41304-023-00431-y Weiterführende Literatur Czolkoß-Hettwer, M. (2025). Zwischen Hoffnung und Ernüchterung: Open Access in der Politikwissenschaft. DVPW Blog (Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft). https://www.dvpw.de/blog/zwischen-hoffnung-und-ernuechterung-open-access-in-der-politikwissenschaft-ein-beitrag-von-michael-czolkoss-hettwer Czolkoß-Hettwer, M., Lein, P. & Mayr, P. (2024). Probleme und Potenziale der Forschungsinfrastrukturförderung in Deutschland am Beispiel des Fachinformationsdienstes Politikwissenschaft. Zeitschrift für Politikwissenschaft , 34 (1), 101–122. https://doi.org/10.1007/s41358-024-00371-z König, T. (2020). Converting to Open Access. The Austrian Journal of Political Science (OZP) as a case study. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft , 49 (3), 1–6. https://doi.org/10.15203/ozp.3184.vol49iss3 Papillon, M., O’Neill, B., Bourque, M., Marland, A. & White, G. (2019). Open access and academic journals in Canada: A political science perspective. Canadian Journal of Political Science/Revue Canadienne de Science Politique , 52 (4), 903–922. https://doi.org/10.1017/S0008423919000799 Taubert, N., Sterzik, L. & Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access journal landscape. Minerva , 62 (2), 193–227. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7 Vauteck, B. (2008). Open Access als alternative Publikationsform für die deutsche Politikwissenschaft. Argumente und Strategien (Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft; 232 ). https://doi.org/10.18452/18209 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Michael Czolkoß-Hettwer und Regina Pfeifenberger, Fachinformationsdienst Politikwissenschaft (FID Pollux) (Stand: Oktober 2025)....
