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Open Access in den Afrikastudien

Die Afrikastudien (im Deutschen auch Afrikawissenschaften genannt) umfassen die interdisziplinär ausgerichteten geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Regionalstudien zu Afrika. Je nach Disziplin (Ethnologie, Politikwissenschaften, Sprachwissenschaften) entsprechen die Entwicklungen zu Open Access denen der jeweiligen Fachkulturen: Während Open Access in vielen geisteswissenschaftlichen Fächern oft keine bedeutende Rolle spielt, sind die Entwicklungen in der Linguistik durchaus dynamischer.

Lange waren gedruckte Monographien und Sammelbände die primären Publikationsformen  der Afrikastudien, in den letzten Jahren jedoch hat die Bedeutung von (Online-)Zeitschriften stark zugenommen. Für Afrikawissenschaftler*innen ist das Prestige einer Zeitschrift nach wie vor häufig das ausschlaggebende Auswahlkriterium, dies gilt sowohl für disziplinäre als auch für interdisziplinäre Zeitschriften. Auch der Impact Factor gewinnt an Bedeutung, obwohl er für die Evaluation afrikabezogener Publikationen nachweislich ungeeignet ist (Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland, 2019).

Die Verbreitung von Open-Access-Publikationsformen ist für die Afrikastudien von besonderer Wichtigkeit, da gedruckte Veröffentlichungen afrikanischer Verlage unter anderem infolge unzureichender Distributionsmöglichkeiten häufig nur schwer zugänglich sind. Zudem sind Veröffentlichungen aus dem Globalen Norden auf dem afrikanischen Kontinent aufgrund der hohen Preise und der Distributionswege der Verlage oft nur schwer zugänglich. Neben der Nutzung des grünen Open Access sind in diesem Kontext der Ausbau von Diamond-Open-Access-Angeboten besonders bedeutsam, insbesondere aufgrund der Hürden, die Open-Access-Publikationsgebühren für Autor*innen aus dem Globalen Süden darstellen.

Trotz dieser Umstände ist Open Access in den Afrikastudien im Vergleich zu anderen Disziplinen bislang eher unterrepräsentiert, auch wenn es mittlerweile mehrere wichtige Initiativen zur Förderung von Open Access in den Afrikastudien gibt. Dazu gehören die African Principles for Open Access in Scholarly Communication in and about Africa. Auch das Repositorium AfricArXiv ist eine wichtige Initiative (siehe Abschnitt Disziplinäre Repositorien auf dieser Seite). Best-Practice-Beispiele des Open Access wurden 2017 im Rahmen eines vom FID Afrikastudien organisierten Workshops vorgestellt (VAD e. V., 2017). Außerdem präsentiert der FID Afrikastudien in der African Studies Toolbox regelmäßig relevante Informationen zum Thema Open Access, z. B. eine Reihe zum Zweitveröffentlichungsrecht sowie Open-Access-Initiativen von Verlagen mit Reihen zu afrikabezogener Forschung. Letztere Initiativen werden im Abschnitt Open-Access-Bücher auf dieser Seite näher ausgeführt. 

Open-Access-Zeitschriften 

Da die Afrikastudien interdisziplinär arbeiten, gibt es kein spezifisches Stichwort zur Suche im Directory of Open Access Journals (DOAJ). Zeitschriften aus Südafrika sind mit 115 Titeln besonders gut repräsentiert, unter dem Stichwort African Studies finden sich 20 Zeitschriften (Stand: Februar 2022).

Wichtige Open-Access-Zeitschriften sind:

Die Open-Access-Zeitschriften des Council for the Development of Social Science Research in Africa (CODESRIA) mit Sitz in Dakar wie zum Beispiel Africa Development, African Sociological Review, African Journal of International Affairs, Afrika Zamani gehören zu den Open-Access-Vorreitern der Afrikastudien. Sie sind, inklusive aller zurückliegenden Ausgaben, auf den Webseiten der CODESRIA verfügbar.

Die Zeitschrift Africa Spectrum wird seit 1966 beim GIGA Institute for African Affairs (IAA) herausgegeben. Durch Förderung des Auswärtigen Amts, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Hansestadt Hamburg ist sie beim Verlag Sage Open Access verfügbar. Seit 2003 arbeitet die Zeitschrift eng mit der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD e.V.) zusammen. Mitglieder der VAD stützen diese Zusammenarbeit als Redakteur*innen, als Mitglieder des Editorial Board, als Autor*innen sowie im Rahmen des Peer-Review-Verfahrens. Ein Abonnement der Druckausgabe ist außerdem in der VAD-Mitgliedschaft enthalten (Dual Publishing).

Open-Access-Bücher

Unter dem Stichwort Africa listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 12 Ergebnisse, unter dem Stichwort African History sind es 54 (Stand: Februar 2022). Hinzu kommen Bücher aus der Afrikanistik, also den afrikabezogenen Sprachwissenschaften, zum Beispiel die der Language Science Press.

OAPEN verzeichnet unter der Rubrik Africa die gleichen 12 Titel, unter African History sind es 51. Bei Open Book Publishers findet man unter dem Stichwort Africa Treffer aus unterschiedlichen Disziplinen.

Außerdem gibt es eine Reihe von Open-Access-Büchern in der African Studies Collection des Verlags Routledge, die in Zusammenarbeit mit Knowledge Unlatched entstanden ist. 

Die Africa-Europe Group for Interdisciplinary Studies (AEGIS) veröffentlicht eine Buchreihe beim Verlag Brill, allerdings mit einer Embargofrist von zwei Jahren. Ergänzend zu den bei Brill verlegten Titeln listet die CODESRIA eine große Anzahl von Open-Access-Buchtiteln auf ihrer Website.

Disziplinäre Repositorien 

Das wichtigste Repositorium der Afrikastudien ist AfricArXiv, ein kostenlos zugängliches digitales Archiv für afrikanische und afrikabezogene Forschung, das vom Open Science Framework (OSF) gehostet wird. Es bietet eine Plattform für Arbeitspapiere, Preprints und akzeptierte Manuskripte (Postprints). Es gibt auch Optionen zum Verknüpfen von Forschungsdaten und Code sowie zur Artikelversionierung.

Das International African Institute (IAI) in London hat in Zusammenarbeit mit AfricArXiv ein interaktives Mapping von digitalen Repositorien in Afrika erstellt. Dieses interaktive Mapping identifiziert und listet institutionelle Repositorien in Afrika auf, wobei der Schwerpunkt ursprünglich auf der Identifizierung von Repositorien an afrikanischen Universitätsbibliotheken lag. Mittlerweile umfasst es auch andere Einrichtungen und deren Dokumentenserver wie zum Beispiel staatliche und internationale Repositorien. Das Mapping stellt überdies die Beziehungen zwischen den Forschungsrepositorien dar.

Eine Übersicht zu Repositorien des afrikanischen Kontinents bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) in seiner Länderübersicht.

Sonstige Angebote

Der Fachinformationsdienst (FID) Afrikastudien an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main bietet der Forschungscommunity in den Afrikawissenschaften einen OJS-Hosting-Service an, der bei der Etablierung einer Open-Access-Zeitschrift unterstützt. Dieser Service umfasst sowohl die technische Bereitstellung, Wartung und regelmäßige Aktualisierung von OJS auf einem dauerhaft verfügbaren Server als auch die Beratung und praktische Unterstützung bei der konzeptionellen Gestaltung und Einrichtung der Zeitschrift(en).

Literatur

Weiterführende Literatur

  • Bezuidenhout, L., Havemann, J., Kitchen, S., De Mutiis, A., & Owango, J. (2020). African Digital Research Repositories: Mapping the Landscape [Data set]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3732172
  • Bezuidenhout, L., Havemann, J., Kitchen, S., De Mutiis, A., & Owango, J. (2020). African Digital Research Repositories: Mapping the Landscape [preprint]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3732274

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Anne Schumann-Douosson, FID Afrikastudien (Stand: Februar 2022)

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