Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Open Access in der Philosophie

In der Philosophie wird überwiegend der grüne Weg des Open Access praktiziert. Während die traditionellen Fachzeitschriften der Philosophie bisher keinen freien Zugang gewähren, ist es zunehmend üblich, dass Autor*innen ihre Aufsätze in Repositorien (insbesondere PhilPapers) zugänglich machen. Der grüne Weg des Open Access hat damit die Zugänglichkeit wissenschaftlicher Literatur in der Philosophie stark verbessert. Open-Access-Veröffentlichungen mit Publikationsgebühren („Article Processing Charges“, APC) haben hingegen weniger Zuspruch gefunden. So hat sich zum Beispiel die British Philosophical Association 2018 für grünes und gegen goldenes Open Access mit Autorengebühren ausgesprochen. Eine Reihe anerkannter Open-Access-Fachzeitschriften, die keine Gebühren erheben, ist weiter unten angeführt. Die Veröffentlichung von Preprints ist in der Disziplin bisher kaum verbreitet.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet in der Rubrik “Philosophy, Psychology, Religion” in den zur Philosophie gehörenden Untergruppen 304 Einträge (Stand: Juli 2021). Einige Open-Access-Zeitschriften verlangen von Autor*innen eine Publikationsgebühr.

Unter dem Einfluss der Open-Access-Idee und der Entwicklung kostenfreier digitaler Publikationssoftware sind in jüngerer Zeit über drei Dutzend frei zugänglicher akademischer Journale im Bereich der Philosophie eingerichtet worden. Der Fokus dieser Zeitschriften ist teils eng, doch sie ergänzen die Vorherrschaft breit angelegter Veröffentlichungen aus vertrauten Subdisziplinen. Einen Eindruck der Bandbreite dieser neuen Journale gibt der folgende Überblick.

Wichtige Open-Access-Zeitschriften in der Philosophie sind:

Diese Aufstellung enthält neben Zeitschriften nicht-kommerzieller Träger auch Open-Access-Publikationen konventioneller Verlage. Die meisten Open-Access-Zeitschriften sind jung, etablierte Zeitschriften werden kaum auf Open Access umgestellt. Eine Ausnahme bildet Faith and Philosophy, die führende Zeitschrift für analytische Religionsphilosophie.

Eine Liste mit einer erweiterten Auswahl jüngerer Open-Access-Zeitschriften gibt es hier zum Downloaden.

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Open-Access-Bücher

Unter dem Stichwort “Philosophy” listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 208 Titel. Weitere 10 Unterdisziplinen der Philosophie werden mit eigenen, in der Hauptkategorie nicht enthaltenen Einträgen erfasst. Die OAPEN Library verzeichnet unter der Rubrik “Philosophy” über 200 Titel (Stand Juli: 2021).

Die zum Open Access Directory gehörende Liste Publishers of Open Access books erfasst Verlage mit Teilangeboten aus der Philosophie. Universitätsverlage bieten meist die Möglichkeit, Bücher Open Access zu veröffentlichen. Während konventionelle Verlage die Autor*innen i.d.R. dazu auffordern, ihnen ausschließliche Nutzungsrechte zu übertragen, begnügen sich Universitätsverlage und andere Open-Access-Verlage mit einfachen Nutzungsrechten.

Auch eine beträchtliche Anzahl konventioneller Verlage bietet Open-Access-Optionen an. Die finanziellen Rahmenbedingungen solcher Angebote variieren stark.

Unter den Verlagen und Buchreihen sind hervorzuheben:

Disziplinäre Repositorien

Zu den wichtigsten Repositorien in der Philosophie gehören:

  • PhilPapers: umfassendes Textarchiv und bibliographisches Rechercheinstrument.
  • PhilSci: Repositorium für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie.
  • HAL-SHS: Archiv für Wissenschaften vom Menschen.
  • Cogprints: ein Repositorium für "Kognitionswissenschaften".
  • Sammelpunkt: Elektronisch archivierte Theorie.

Eine Übersicht relevanter Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR).

In der Praxis werden gerne para-akademische Publikationsplattformen verwendet, die eine Registrierung der Leser*innen erfordern und die Rechte der auf der Plattform publizierenden Autor*innen einschränken. Die dauerhafte Verfügbarkeit der Materialien ist weder durch solche Einrichtungen, noch durch Veröffentlichung auf privaten Webseiten gewährleistet.

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. Brinken, Helene. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

Die Plattform Euporia verfolgt das Ziel, Open-Science-Angebote in der Philosophie sichtbarer zu machen. Dort findet sich Open-Access-Primär- und Sekundärliteratur aus dem Bereich der Philosophie sowie thematische Sammlungen und Blog-Diskussionen.

Auf der Plattform Humanities Commons gibt es Publikationen, Themenfelder und Arbeitsgruppen rund um die Philosophie.

Das Radical Open Access Collective wurde 2015 gegründet und ist eine Gemeinschaft von wissenschaftlich geführten (Scholar-led) Verlagen, Zeitschriften und anderen Open-Access-Projekten. All diese Institutionen bzw. Projekte sind nicht gewinnorientiert. Darüber hinaus bietet das Kollektiv ein Informationsportal mit allgemeinen technischen und bibliographischen Ressourcen, sowie Literatur.

Auch die Online-Archive JSTOR und Project MUSE stellen inzwischen für die Philosophie relevante Open-Access-Inhalte bereit.

Weiterführende Literatur

Bearbeitung der Seite: Prof. Dr. Herbert Hrachovec (Institut für Philosophie, Universität Wien) und Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter (Internationale Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein) (Stand: Juli 2021).