Open Access in der Philosophie

Die Entwicklung von Open Access in der Philosophie im deutschsprachigen Raum ist von einer bemerkenswerten Vielfalt geprägt – sowohl inhaltlich als auch institutionell. Unterschiedliche philosophische Strömungen bringen jeweils eigene Publikationskulturen, Kommunikationsformen und Reputationsökonomien mit sich. Ein konstitutiver Bestandteil der Auseinandersetzung mit Open Access in der Philosophie ist die philosophische Reflexion selbst. Hierbei spielen sowohl epistemische als auch ethische Dimensionen eine Rolle: Fragen nach der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Wissen, nach wissenschaftlicher Gerechtigkeit sowie nach der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit werden verhandelt. Nicht zuletzt diskutiert die Philosophie auch die gesellschaftlichen und erkenntnistheoretischen Implikationen von Digitalisierungsprozessen. Entwicklungen wie Datentracking oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Forschung werfen grundlegende Fragen auf, die auf einer inhaltlichen Ebene in der Disziplin reflektiert werden. Weitere Diskussionspunkte sind die Bewertungssysteme und Metriken im wissenschaftlichen Publikationswesen. In der Philosophie gibt es kritische Stimmen zum Journal Impact Factor – seine Relevanz für die Fachkultur wird grundsätzlich infrage gestellt.

Trotz dieser Debatten gibt es bislang nur wenig systematische, empirische Evidenz zur konkreten Umsetzung und Verbreitung von Open Access in der deutschsprachigen Philosophie. Ein erstes Schlaglicht auf die Lage lässt sich durch die Analyse der Positionen relevanter Interessenvertreter*innen werfen. Die philosophischen Berufsverbände, etwa die DGPhil, GAP, DGPF oder DGÄ , haben sich bisher nicht ausdrücklich zur ​UNESCO Recommendation on Open Science (UNESCO, 2021), zu den ​Positionspapieren der Europäischen Union oder zu Reformpapieren zur Forschungsbewertung positioniert (s. Positionen der Politik). Die GAP hat das​​ Positionspapier von Nicola Mößner und Klaus Erlach (Mößner & Erlach, 2024) verlinkt und sieht in dem Papier einen “Startpunkt zur weiteren Diskussion” (Mitteilung vom 28.02.2024). In Bezug auf das Farbspektrum von Open-Access-Modellen – insbesondere die Entwicklung hin zu ​Diamond Open Access – bleibt offen, welche Positionen die deutschsprachige Philosophie langfristig einnehmen wird. 

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet in der Rubrik Philosophy, Psychology, Religion in den zur Philosophie gehörenden Untergruppen 413 Einträge (Stand: Mai 2026).

Zeitschriften spielen in der wissenschaftlichen Kommunikation der Philosophie im deutschsprachigen Raum eine wichtige, wenn auch bislang weniger dominante Rolle als im anglophonen Sprachraum. Die Bedeutung von Zeitschriften ist zudem stark abhängig von der jeweiligen philosophischen Disziplin. In Deutschland nutzen bislang noch viele traditionsreiche Fachzeitschriften das Subskriptionsmodell. Beispiele hierfür sind etwa die Deutsche Zeitschrift für Philosophie oder ​das ​Philosophisches Jahrbuch, ​die ​Zeitschrift für philosophische Forschung oder ​die ​Allgemeine Zeitschrift für Philosophie. Viele dieser Zeitschriften sind eng an große Wissenschaftsverlage angebunden, was eine vollständige Transformation zu Open Access bislang erschwert. Auch die Kooperationen der philosophischen Fachgesellschaften mit Verlagen tragen zu dieser Struktur bei. Die 2022 eingestellte Zeitschrift Information Philosophie ist mittlerweile im PhilPortal kostenfrei zugänglich.

Dennoch gibt es in den letzten Jahren eine wachsende Zahl an Neugründungen philosophischer Zeitschriften, die von Beginn an im Open Access publizieren. Zwei Beispiele sind die Zeitschrift Philosophy & Digitality, Philosophy of AI  sowie die interdisziplinär ausgerichtete Zeitschrift HannahArendt.net. Der Fachinformationsdienst (FID) Philosophie unterstützt solche Initiativen mit einem eigenen Hosting-Service für neu zu gründende oder bestehende Open-Access-Zeitschriften. Neben der technischen Infrastruktur können hier auch Beratung und Unterstützung bei der langfristigen Sichtbarkeit und Indexierung in einschlägigen Verzeichnissen in Anspruch genommen werden. Weitere Unterstützungsangebote – wie etwa redaktionelle Schulungen oder Hilfe bei der Entwicklung von Open-Access-Strategien – sind im Ausbau.

Einen guten Überblick über bestehende Open-Access-Zeitschriften in der Philosophie bietet die Deutsche Gesellschaft für Philosophie (DGPhil). Die dort verlinkten Übersichten basieren auf automatisierten Datenabfragen der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) und des Directory of Open Access Journals (DOAJ). Zu ​​beachten​​​​ ​​ist dabei allerdings, dass Neugründungen frühestens nach einem Jahr im DOAJ aufgenommen werden und bisher nicht alle Open-Access-Zeitschriften im DOAJ bzw. bei der EZB geführt werden.

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln

Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536 (CC BY 3.0 DE)

Open-Access-Bücher

Die Monographie bleibt – insbesondere im deutschsprachigen Raum – ein zentrales Medium wissenschaftlicher Kommunikation in der Philosophie.​​ Ergebnisse aus dem PALOMERA-Projekt unterstreichen die besondere Bedeutung des Buchmarkts für die geisteswissenschaftliche Open-Access-Transformation. Auch wenn der Umsetzungsstand insgesamt noch ausbaufähig ist, existieren doch engagierte Initiativen, die eine nachhaltige Open-Access-Transformation in der Philosophie anstoßen möchten (vgl. Mößner & Erlach, 2024).

Die meisten Verlage in der Philosophie sind bislang noch nicht in die Transformation eingestiegen. Der Verlag Transcript bietet eine Reihe von Open-Access-Titeln an, die teils durch die Autor*innen, teils durch Konsortien in den Open Access transformiert wurden. Die Verlage Karl Alber, Transcript und Logos haben gemeinsam mit dem FID Philosophie eine Reihe an Titeln transformiert. Weitere Sucheinstiege für Open-Access-Bücher finden sich in der Directory of Open Access Books (DOAB) sowie der Open Research Library.

Disziplinäre Repositorien

Bislang gibt es kein disziplinäres Repositorium in der deutschsprachigen Philosophie. Genutzt werden vor allem PhilArchive sowie die jeweiligen Bibliotheksrepositorien. Mit BASE (Bielefeld Academic Search Engine) lassen sich die Repositorien durchsuchen; das PhilArchive ist auch in die Suche des PhilPortal integriert. Außerdem genutzt werden, vor allem an der Schwelle zu den Digital Humanities, Zenodo und GitHub.

Video über das Zeitveröffentlichungsrecht

Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536 (CC BY 3.0 DE)

Open Science in der Philosophie

Die Frage nach dem Umgang mit Forschungsdaten ist in der Philosophie mittlerweile angekommen und wird lebhaft diskutiert. Innerhalb des NFDI-Kosmos sind die Konsortien Text+, NFDI4memory und NFDI4culture besonders relevant. Text+ erstellt beispielsweise gerade eine Registry für (digitale) Editionen, die bereits im PhilFinder integriert ist. Auch lexikalische Ressourcen und Sammlungen finden sich bei Text+. Eine wichtige Anlaufstelle ist zudem die AG Philosophie der Digitalität der DGPhil, in der vielfältige Projekte zu dem Thema besprochen werden. Aus dieser AG heraus entstand beispielsweise auch das PhiWiki

Sonstige Angebote

Mit B!son (Bibliometrisches und Semantisches Open Access Recommender Netzwerk) stellen die TIB und die SLUB Dresden ein Tool bereit, um auf Basis eingegebener Textdaten passende Open-Access-Zeitschriften zur Veröffentlichung eigener Artikel vorzuschlagen. ​​Des Weiteren​​​​ ​​spielen gerade für die Philosophie auch Retrodigitalisate eine große Rolle, für die es allerdings noch kein einheitliches Verzeichnis gibt. Digitale Editionen im Open Access finden sich in der Registry Editions des NFDI-Konsortiums Text+. Die Editionen sind auch bei den entsprechenden Autor*innen im PhilFinder des FID Philosophie verlinkt.

Literatur

​​​​Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Malte Dreyer, Georg-August-Universität Göttingen, und Eric Eggert, Universität zu Köln / Fachinformationsdienst Philosophie (Stand: August 2025).