Mit wem wie und wozu worüber reden? Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation

Mit wem wie und wozu worüber reden? Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation

Die Praxis des Open-Access-Publizierens umfasst einen ganzen Kosmos von hochspezialisiertem Wissen. Auf der einen Seite steht der wichtige jahrelange Aufbau von Expertise, auf der anderen Seite der Anwendungsbezug und die Kommunikation mit Forschenden oder auch mit Verwaltungskräften. Damit kein abgekoppelter Spezialdiskurs entsteht, ist die Rückkopplung zwischen Spezialist*innen und Zielgruppen wichtig, um die stets neuen Entwicklungen rund um Open Access etwa im Bereich Finanzierungsmodelle oder Formate produktiv und im Sinne der Wissenschaft einzusetzen.

Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation beschäftigt sich seit Juni 2022 in ca. zweimonatig stattfindenden Treffen damit, wie dies gelingen kann. Ins Leben gerufen von Katharina Schulz und Matthias Laugwitz, dann koordiniert von Christoph Hornung und Katja Wermbter, lag das Augenmerk der Gründungsidee auf der Öffentlichkeits- und Community-Arbeit zum Thema Open Access. Durch die Gruppenkonstitution wurde dabei schnell deutlich, dass sich unter dem Begriff Kommunikation vielfältige fachliche und institutionelle Hintergründe sowie Erfahrungen und Interessen zusammenfinden. Entsprechend bildete sich ein Vorgehen heraus, das versucht, dieser großen Bandbreite der Erfahrungen und Kontexte gerecht zu werden: Die einzelnen Treffen gehen von Impulsvorträgen aus, die eine Diskussion und weiteren Erfahrungsaustausch initiieren.

Während andere Fokusgruppen von open-access.network ein konkretes Ziel verfolgen, wie etwa die Erarbeitung von Stellungnahmen oder Empfehlungen in den Bereichen scholar-led publishing oder Informationsbudget, liegt der Schwerpunkt der Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation auf dem Einholen von Impulsen von externen Gästen mit den Zielsetzungen der Vernetzung und des Perspektivenabgleichs.

Bisherige Impulse waren:

Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte.

Große Einigkeit besteht in der Gruppe dahingehend, dass es bei unterschiedlichen Menschen aus "unterschiedlichen Welten" häufig unterschiedliche Begrifflichkeiten und Auffassungen gibt, die bei der Open-Access-Kommunikation relevant sind. Daraus lässt sich eine Frage ableiten, die viele Verzweigungen andeutet und als wiederkehrende Motivation für die Diskussionen in der Fokusgruppe gesehen werden kann: Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte. Dies ist allerdings weder Anspruch noch Motivation der Fokusgruppe. Vielmehr ist das Ziel des Kommunizierens über Open-Access-Kommunikation eben die Reflexion ihrer Komplexität, Vielfalt und Ausgestaltung. Nicht zuletzt soll die Fokusgruppe den Teilnehmenden immer auch die Möglichkeit bieten, sich der eigenen Position(en), Rollen und Zielsetzungen beim Kommunizieren über Open Access bewusst zu werden.

Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen. Die Ausgestaltung der Kommunikation wiederum hängt unter anderem von Zielgruppen, möglichen Kommunikationswegen, Zielsetzungen und Motivationen ab.

Besonders wurde in den Diskussionen der Fokusgruppe deutlich, dass sich die konkreten Bedingungen und Strukturen einer Institution prägend darauf auswirken, wie agiert und kommuniziert werden kann. Dabei wurde eine ganze Reihe von relevanten Fragen freigelegt:

(1)   Was genau will man durch die Kommunikation erreichen? Geht es um das Bewerben von konkreten Angeboten oder eher um das Vermitteln von Grundverständnis und Kompetenzen?

(2)   Was spielt für die Publikationsentscheidungen von Forschenden neben dem Faktor „Open Access“ außerdem eine Rolle (Reputation, inhaltliche und finanzielle Faktoren etc.)?

(3)   Wer sind die Kommunikationspartner*innen? Geht es um die Kommunikation zwischen Open-Access-Spezialist*innen, mit der Verwaltung der Institution, mit der Bibliothek, mit der Kommunikationsabteilung, mit Forschenden, Fachgesellschaften, Geldgebern, Unternehmen oder Verlagen?

(4)   Um was für eine Institution handelt es sich? Geht es um ein kleines Forschungsinstitut mit einem klaren fachlichen Profil? Oder geht es um eine Volluniversität inklusive Klinikum, die sich selbst verwaltet und eine große Fächervielfalt aufweist?

(5)   Wie stark sind Open Access und Open Science an der Institution verankert? Gibt es Leitlinien der Dachgesellschaft oder eine Policy der Institution?

(6)   Auf welche Haltung gegenüber Open Access und welche Vorurteile trifft man? Welche Rolle spielen Karrierestufen und Reputationsmechanismen?

(7)   Welcher fachliche Hintergrund ist vorhanden und wie ist die Publikationskultur? Ist Open Access hier bereits Standard oder noch mit Vorurteilen behaftet? Handelt es sich um buch- und verlagsorientierte Fächer, wie die (meisten) Geisteswissenschaften, oder um Disziplinen wie die Meteorologie, wo Open-Access-Artikel Standard sind? Sind Impact-Faktoren entscheidende Gründe für die Publikation in einer Zeitschrift oder zählen die Namen der Herausgebenden oder der ‚gute Name‘ eines Verlags mehr?

(8)   Welche Rolle hat der oder die Kommunizierende an der Institution? Spricht er oder sie für eine Kommunikationsabteilung mit Fokus auf die gesamte Institution oder beispielsweise für einen Fachinformationsdienst, der standortübergreifend für eine bestimmte Fachcommunity steht?

(9)   Welcher institutionelle Rahmen herrscht für die Kommunikation? Wie ist die allgemeine Stellung und Verankerung von Open Access und Open Science, etwa in Form von institutionalisierten Stellen, existierender Services und anderer Strukturen sowie von Policies?

(10) Und, ganz lebensnah: Wie viel Personal ist verfügbar?

Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen

Dies alles prägt die Entscheidung, wie, wann und wie oft und unter Einsatz welcher Medien und Formate worüber am besten gesprochen wird. Die zusammengetragenen Erfahrungen ergeben so einen bunten Strauß an möglichen Ansätzen. Von der konkreten Situation und den konkreten Zielen hängt es also ab, ob dies nun einzelne Workshops oder regelmäßige Veranstaltungen an Graduiertenschulen sind, ob man besser Vorträge hält, Lehr- und Einführungsveranstaltungen besucht oder Gamification-Formate anbietet.

Entsprechend der Vielfalt des Themenkomplexes nimmt auch die Fokusgruppe immer weitere Ansätze und Beispiele in den Blick. So ist das Kommunizieren über predatory practices als ein Thema eingeplant, bei dem in der Kommunikation mit Publizierenden unter Umständen nicht von denselben Prämissen ausgegangen werden kann wie innerhalb der Open-Access-Community.

Neue Mitglieder sind in der Gruppe stets willkommen – entweder zunächst zum Zuhören oder um selbst konkrete Vorschläge zu machen, Einblicke zu geben oder Fragen zu stellen.

Die Termine für künftige Treffen, der Link zur Mailingliste der Gruppe sowie alle weiteren relevanten Teilnahmeinfos sind hier zu finden: https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-kommunikation

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