11. Train-the-Trainer-Workshop: Open Access für Fachreferent*innen und Open-Access-Beauftrage – Multiplikator*innen für eine offene Wissenschaft
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Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Open Access publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open Access in der Physik Open Access ist im Fach Physik seit längerer Zeit fester Bestandteil der Publika­tions- und Informationsstruktur. Eine große Rolle spielt hierbei die Veröffentli­chung von Preprints . Der Hauptgrund für diese Publikationskultur liegt im gro­ßen Interesse der Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Artikel unmittelbar und ohne zeitliche Verzögerungen, die durch Publikationsprozesse entstehen, bereitzustellen. So entstand bereits im Jahr 1991 das Repositorium arXiv . Der Transformationsprozess von allen wissenschaftlichen Zeitschriften bzw. Artikeln im Fachgebiet der Hochenergiephysik wurde im Rahmen des Projektes SCOAP³ (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) bereits durchgeführt (siehe Open-Access-Zeitschriften ). Weltweit richtungsweisend für Open Access in der Physik ist das CERN. Es hat in allen wichtigen Open-Access-Initiativen eine führende Rolle eingenommen, z. B. bei der Finanzierung von SCOAP³ , dem Betrieb des interdisziplinären Reposito­riums Zenodo gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Entwick­lung der Repositoriensoftware Invenio . In Deutschland engagieren sich vor allem die Max-Planck-Gesellschaft , das Zentrum für Forschung an Teilchenbeschleunigern DESY der Helmholtz-Gemeinschaft und die Technische Informationsbibliothek (TIB) Hannover im Bereich der dauerhaften Finanzierung von Open-Access-Geschäftsmodellen in der Physik. Diese Institutionen fungieren auch als nationale Kontaktstellen bei SCOAP³ und beteiligen sich an der Finanzierung des disziplinären Repositoriums arXiv . Die TIB organisiert dabei die Teilnahme der deutschen Hochschulen an SCOAP³ über das nationale Projekt SCOAP³-DH und die Finanzierung des Beitrags der deutschen Hochschulen zu arXiv im Netzwerk arXiv-DH . Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter dem Stichwort physics 647 Einträge (Stand: April 2024). Bereits im Jahre 1999 startete das Institute of Physics zusammen mit der Deut­schen Physikalischen Gesellschaft das New Journal of Physics als eine der ersten reinen Open-Access-Zeitschrift. SciPost ist eine unabhängige, gemeinnützige Plattform für wissenschaftliche Diamond Open-Access-Publikationen, insbesondere in den Naturwissenschaften wie Physik und Chemie. Die Plattform wird von der SciPost Foundation mit Sitz in Amsterdam betrieben. SciPost veröffentlicht wissenschaftliche Artikel vollständig im Open Access – ohne Kosten für Autor*innen oder Leser*innen. Die Finanzierung erfolgt über ein kooperatives Unterstützungsmodell, bei dem Universitäten, Bibliotheken und Forschungsorganisationen freiwillig Beiträge leisten. Das Begutachtungsverfahren ist offen und transparent. Alle Reviews, Autor*innenantworten und Diskussionen sind öffentlich einsehbar. Die wissenschaftliche Community übernimmt aktiv die Rolle von Reviewer*innen, Kommentator*innen und Redakteur*innen. SciPost ist nicht profitorientiert und erhebt keine Publikationsgebühren (APCs). SciPost wird durch institutionelle Zuwendungen ("Sponsorships") finanziert, zum Beispiel von Universitäten, Bibliotheken und Bibliothekskonsortien, Forschungsinstituten, Förderorganisationen, Stiftungen und staatlichen Stellen. Dadurch soll ein nachhaltiges, gerechtes und zugängliches System für wissenschaftliches Publizieren geschaffen werden – frei von kommerziellen Interessen. Fazit: SciPost steht für Transparenz, wissenschaftliche Eigenverantwortung und Fairness im Publikationswesen. Es gilt als zukunftsweisendes Modell im Bereich Open Science. Insgesamt haben die Open-Access-Zeitschriften im Fach Physik verglichen mit den subskriptionsbasierten Zeitschriften ein geringes Publikationsaufkommen, da hier der Weg der Parallelpublikation, meist als Preprint vor der Verlagsver­öffentlichung, dominierend ist. Vor diesem Hintergrund entstand im Bereich der Hochenergiephysik das inter­nationale Projekt SCOAP³ , um begutachtete Zeitschriftenartikel unter einer Creative-Commons-Lizenz zu veröffentlichen. SCOAP³ ist ein globales Konsor­tium aus Bibliotheken, Bibliothekskonsortien, Forschungsförderorganisationen und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam wird der Transformationsprozess von wissenschaftlichen Zeitschriften im Bereich der Hochenergiephysik umge­setzt. Dabei werden alle Artikel ( Gold oder Hybrid ) durch das Konsortium finan­ziert, wobei die durchschnittlichen APCs deutlich unter denen vergleichbarer Transformationsprozesse liegen und den Autor*innen keine Kosten entstehen. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, Subskriptionsgebühren dauerhaft durch Publikationsgebühren mit fairen und marktgerechten Preisen zu ersetzen. Einen Überblick über teilnehmende Zeitschriften mit dem jeweiligen Prozentsatz geförderter Artikel und absoluter tagesaktuellen Artikelanzahl gibt die Seite SCOAP³ Journals . Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Unter dem Subject physics listen das Directory of Open Access Books (DOAB) 739 und die OAPEN Library 86 Titel (Stand: April 2024). Im Fach Physik werden die meisten Bücher bei Verlagen mit traditionellen Geschäftsmodellen veröffentlicht, Open-Access-Bücher sind bislang eine Randerscheinung. Disziplinäre Repositorien Wie eingangs erwähnt, haben Preprints im Fach Physik eine sehr lange Tradi­tion. Seit den 1960er Jahren hat sich v. a. in der Hochenergiephysik (HEP) eine Kultur zur Bereitstellung von Preprints entwickelt und etabliert. Vor diesem Hintergrund gründete Paul Ginsparg am 14. August 1991 das elektronische Repositorium arXiv am Los Alamos National Laboratory, was einen wesentli­chen Meilenstein der Open-Access-Geschichte darstellt. Noch heute ist das seit 2020 von der Cornell Tech betriebene arXiv ein Musterbeispiel für fachliche Re­positorien. Um einen dauerhaften und nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten, wird arXiv größtenteils von der Cornell University , der Simons Foundation und institutionellen Mitgliedern finanziert. Neben Preprints werden auf arXiv vorläufige Ergebnisse oder Diskussionspa­piere veröffentlicht, die zunächst nicht anderweitig publiziert werden. Das erst­malige Einreichen von Preprints ist für neue Autor*innen zumeist nur durch ein sogenanntes endorsement möglich. Dabei müssen etablierte Autor*innen des relevanten Bereichs die Einreichung befürworten. Autor*innen, die einer aner­kannten wissenschaftlichen Institution angehören, können davon befreit werden. ArXiv besticht als fachliches Repositorium mit einfachen Funktionalitäten und - im Vergleich zum Peer Review - reduzierten Mechanismen der Qualitätssiche­rung. In der Physik ermöglichen viele Verlage das direkte Einreichen von auf arXiv abgelegten Manuskripten bei ihren Zeitschriften. Beispielsweise werden in dem Publikationsportal SciPost direkt arXiv-Einträge als Einreichungen akzep­tiert und es muss kein Manuskript hochgeladen werden. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Was sind Repositorien? Hier finden Sie eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige Angebote INSPIRE-HEP ist eine freie digitale Fachdatenbank für Publikationen und Pre­prints im Bereich der Hochenergiephysik und ein Gemeinschaftsprojekt von CERN, DESY, Fermilab und weiteren Partnern. Neben den Standardinforma­tionen zur Veröffentlichung wie z. B. Quellenangaben und Links zu Volltexten enthalten die Nachweise auch Referenzen und Zitationen. INSPIRE-HEP ermöglicht so die Erstellung von Autor*innen-Seiten mit Zitationsanalysen. Darüber hinaus bietet INSPIRE-HEP Informationen zu HEP-Einrichtungen, -Experimenten und -Konferenzen. Auch wichtige Informationsquellen wie z. B. arXiv.org oder das NASA Astrophysical Data System sind dort eingebunden. Open Science in der Physik Im Fach Physik gibt es viele unterschiedliche Bestrebungen zu Open Science. Dabei ist an erster Stelle das Open-Data-Portal von CERN zu nennen. Hier sind derzeit über zwei TeraByte an Daten zu den Experimenten am CERN frei und nachnutzbar verfügbar. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Repositorien mit physikalischen Daten, welche alle in re3data.org gelistet sind. Zudem wird oftmals Programmiercode Open Source auf speziellen Projekt­seiten der beteiligten Arbeitsgruppenveröffentlicht. Infrastruktureinrichtungen sind hier selten beteiligt. Beispiele für Open-Source-Programme in der theore­tischen Festkörperphysik sind die Programme ABINIT und QUANTUM ESPRESSO . open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Weiterführende Literatur Deutsche Physikalische Gesellschaft (2021). DPG-Positionspapier zur Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens . http://bit.ly/31UElmw Ginsparg, P. (2021). Lessons from arXiv’s 30 years of information sharing. Nat Rev Phys 3 , 602–603. https://doi.org/10.1038/s42254-021-00360-z Tautz, D., Holzer, A., Schmidt, K. M., Buchner, J., Grötschel, M., & Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38 . Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Gernot Deinzer , UB Regensburg, und Prof. Dr. Dieter Weiss, Universität Regensburg (Stand: Juli 2025)....