Geowissenschaften

Open Access in 60 Sekunden

Video zu Open Access. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H., Hauss, J. &  Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831

Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln. (CC BY 3.0 DE)
Quelle: Brinken, H. (2020). Finanzierung von Open-Access-Artikeln, open-access.network. https://doi.org/10.5446/49536

Open Access in den Geo­wissenschaften

Die Geowissenschaften erforschen auf interdisziplinäre Weise die naturwissen­schaftlichen Aspekte des Systems Erde. Die Hauptdisziplinen Geologie, Paläon­tologie, Geophysik, Geodäsie, Mineralogie, Petrologie und Geochemie besitzen dabei enge Bezüge z. B. zur Bodenkunde und zur Atmosphären-, Meeres- und Klimaforschung. Weitere Forschungsrichtungen ergänzen das interdisziplinäre Spektrum der Geowissenschaften, unter anderem Geomikrobiologie und Geoin­formatik.

Geowissenschaften gehören zu den Fächern, in denen Open Access vergleichs­weise weit verbreitet ist (Severin et al., 2020). In den Geowissenschaften herr­schen die typischen Publikationskulturen der Naturwissenschaften vor. Am häufigsten werden Artikel in internationalen Zeitschriften publiziert, die über eine Qualitätssicherung durch das Peer-Review-Verfahren verfügen. Reputa­tionszuschreibungen orientieren sich zurzeit noch überwiegend am Impact Factor der Zeitschrift. 

Bücher spielen insgesamt eine untergeordnete Rolle und werden vor allem als Überblickswerke und Aufsatzsammlungen genutzt. Allerdings gibt es Abwei­chungen in Teildisziplinen, z. B. in der Paläontologie, wo Bücher durchaus größere Bedeutung haben.

Früher sehr verbreitete, regionale nicht-englischsprachige Publikationsorte wer­den weniger, haben aber für regionale Themen nach wie vor Bedeutung (Bertel­mann, 2017). Genauere Untersuchungen zum Open-Access-Publikationsverhal­ten in Teildisziplinen liegen für die Geochemie vor (Pourret et al., 2020a; Pourret et al., 2020b). 

Viele geowissenschaftliche Fachgesellschaften in Deutschland geben Zeitschrif­ten heraus oder sind an der Herausgabe beteiligt. Der Großteil dieser Zeitschrif­ten erscheint in Zusammenarbeit mit Verlagen und wird nach dem Subskrip­tionsmodell finanziert. Die führenden und mitgliederstärksten internationalen Fachgesellschaften sind die American Geophysical Union (AGU) und die Euro­pean Geosciences Union (EGU). Die AGU gibt neben Subskriptionszeitschriften auch einige Open-Access-Zeitschriften heraus, die EGU setzt vollständig auf Open Access aller ihrer Zeitschriften. Der Fachinformationsdienst Geowissen­schaften (FID GEO) unterstützt die deutschen geowissenschaftlichen Fachgesell­schaften bei der Umsetzung von Open Access.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter den Subjects Geology, Geodesy, Geophysics. Cosmic physics und Geomagnetism 196 Einträge (Stand: Dezember 2021). 41 Zeitschriften besitzen das DOAJ-Seal. 

Wichtige Open-Access-Zeitschriften sind:

Open-Access-Bücher

Unter dem Stichwort Earth and Environmental Sciences listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 609 Titel (Stand: Dezember 2021). OAPEN kann über die Subject-Suche durchsucht werden. Als Suchbegriffe für geowissen­schaftliche Titel bieten sich entweder geo oder earth an. 

Disziplinäre Repositorien

Zu den wichtigsten Repositorien in den Geowissenschaften gehören:

  • Agris: ein Angebot der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), vorwiegend für Agricultural Sciences
  • Aquatic Commons: ein Angebot der International Association of Aquatic and Marine Science Libraries and Information Centers zum Fachgebiet der Meeresforschung (wurde 2021 mit OceanDocs zusammengelegt zu einem neuen Repositorium AquaDocs)
  • GEO-LEOe-docs: das Fachrepositorium des Fachinformationsdienstes für die Geowissenschaften (FID GEO)
  • NASA STI Repository: Sammlung von Forschungsergebnissen der Luft- und Raumfahrt der NASA
  • OceanDocs: Dokumentenserver der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) zum Fachgebiet der Meeresforschung (wurde 2021 mit Aquatic Commons zusammengelegt zum neuen Repositorium AquaDocs)

Folgende Repositorien von einschlägigen Forschungsinstitutionen bieten sich besonders für eine direkte Suche an:

  • Earth-prints, Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia
  • EPIC, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeres­forschung.
  • GFZpublic, Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungs­Zentrum GFZ
  • Oceanrep, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Preprint-Server:

Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR).

Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. Brinken, Helene. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)

Sonstige Angebote

Mit BASE (Bielefeld Academic Search Engine), findet man z. B. über den Menüpunkt Browsing und die Einschränkung nach der Dewey-Dezimal-Klassifikation (DDC) Naturwissenschaften und Mathematik und nachfolgend Geowissenschaften/Geologie zur Zeit ca. 1.000.000 Titel.

Das Discovery System ALBERT erschließt für die Suche auf Artikelebene u. a. auch die einschlägigen Open-Access-Zeitschriften und eine Reihe relevanter Repositorien. Dies schließt auch publizierte Forschungsdaten ein.

GEO-LEO ist eine Metasuchmaschine für die Recherche nach Informations­quellen zum System Erde und Weltall.

Der FID GEO bietet die kostenlose Digitalisierung geowissenschaftlicher Werke an. Alle durch den FID GEO erstellten Digitalisate werden auf GEO-LEOe-docs, dem Fachrepositorium des FID GEO, frei zugänglich gemacht. 

Online frei verfügbare Blätter der Geologischen Karte 1:25.000 (GK25) für Deutschland und angrenzende Gebiete werden vom FID GEO dokumentiert. Außerdem können gemeinfreie Blätter der GK25 von Forschenden zur unentgeltlichen Digitalisierung durch den FID GEO vorgeschlagen werden.   

Die in Open-Access-Zeitschriften erschienenen Artikel sind auch über die gäng­igen fachspezifischen bibliografischen Datenbanken und in naturwissenschafts­übergreifenden Angeboten recherchierbar (GeoRef, Science Citation Index, Scopus u. a.).

Open Science in den Geo­wissenschaften

Der Umgang mit Forschungsdaten ist schon seit dem Internationalen Geophy­sikalischen Jahr (1957/58) ein bestimmendes Thema in den Geowissenschaften. Es ist kein Zufall, dass die ersten Zeitschriftengründungen, in denen ausschließ­lich Aufsätze zu Forschungsdaten erscheinen (Earth System Science Data (ESSD) oder das Geoscience Data Journal), im geowissenschaftlichen Feld erfolgt sind.

Die deutsche geowissenschaftliche Community organisiert sich in Bezug auf For­schungsdaten in der NFDI4Earth, um gemeinsame und international an­schlussfähige Prinzipien, Regeln und Standards für das Forschungsdaten­management in der Erdsystemwissenschaft zu etablieren, experimentelle Prototyp-Plattformen zu schaffen und Werkzeuge und Mechanismen für die Datenintegration und -analyse bereitzustellen. Dabei setzt die NFDI4Earth auf die Prinzipien von FAIR and open data.

Informationen zum Thema Forschungsdaten in den Geowissenschaften (z. B. zu Repositorien, Journals, Initiativen und Literatur) sind auf forschungsdaten.info zusammengestellt. 

Auf internationaler Ebene verbindet die Coalition for Publishing Data in the Earth and Space Sciences (COPDESS) geo- und weltraumwissenschaftliche Verlage, Datenzentren und weitere Akteure, um die Bestrebungen nach offenen, verfügbaren und nutzbaren Daten in die Praxis umzusetzen.

Weitere Beiträge zu einer offenen Wissenschaft sind die International Geo Sample Number (IGSN) für referenzierbare Proben (z. B. Gesteinsproben) oder offene Peer-Review-Verfahren, wie sie z. B. in den Zeitschriften des Verlags Copernicus Publications seit über 10 Jahren durchgeführt werden. Geowissen­schaften sind software-intensive Wissenschaften, dabei rückt der Umgang mit Software, also die Publikation und Referenzierbarkeit derselben, immer stärker in den Fokus (siehe z. B. Stall et al., 2020).

Literatur

  • Bertelmann, R. (2017). 5c. Geowissenschaften. In K. Söllner & B. Mittermaier (Eds.), Praxishandbuch Open Access (pp. 261–266). De Gruyter Saur. https://doi.org/10.1515/9783110494068
  • Pourret, O., Hursthouse, A., Irawan, D. E., Johannesson, K., Liu, H., Poujol, M., Tartèse, R., Hullebusch, E. D. van, & Wiche, O. (2020). Open Access publishing practice in geochemistry: Overview of current state and look to the future. Heliyon, 6(3), e03551. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2020.e03551
  • Pourret, O., Irawan, D. E., Tennant, J. P., Hursthouse, A., & Hullebusch, E. D. van (2020). The growth of open access publishing in geochemistry. Results in Geochemistry, 1, 100001. https://doi.org/10.1016/j.ringeo.2020.100001
  • Severin, A., Egger, M., Eve, M. P., & Hürlimann, D. (2020). Discipline-specific open access publishing practices and barriers to change: An evidence-based review. F1000Research, 7, 1925. https://doi.org/10.12688/f1000research.17328.2
  • Stall, S., Townsend, R., & Robinson, E. (2020, April). The paper and the data:  authors, reviewers, and editors webinar on updated journal practices for data (and software). Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.3744660 

Bearbeitung dieser Seite: Fachinformationsdienst Geowissenschaften (FID GEO) (Stand: Dezember 2021)