Suche

  1. Geschichte des Open Access

    1991–2003: Anfänge der Open-Access-Bewegung 1991 Paul Ginsparg richtet den arXiv-Server für Physik-Preprints am Los Alamos National Laboratory (LAN-L) ein, um Preprints in der Physik frei zugänglich zu machen. 1995 In der sog. Zeitschriftenkrise führen in den 1990er Jahren steigende Anschaffungskosten für wissenschaftliche Literatur zu einer Belastung der Erwerbungsetats wissenschaftlicher Bibliotheken und damit vielfach zu einer Verschlechterung der Literaturversorgung. Neben den steigenden Zeitschriftenpreisen wird diese Krise auch dadurch verursacht, dass immer mehr Hochschulen und wissenschaftliche Gesellschaften ihre Publikationen an kommerzielle Verlage abgeben. Davon betroffen ist vor allem die Zeitschriftenliteratur, weshalb diese Entwicklung auch als Zeitschriftenkrise bezeichnet wird. Später setzt diese Krise auch bei Monografien ein. 1999 Biomed Central (BMC), der erste Open-Access-Verlag, wird durch Vitek Tracz gegründet. 2008 wird BMC an Springer verkauft. Die Open Archives Initiative (OAI), die sich für die Entwicklung von technischen Standards für die Interoperabilität von Metadaten einsetzt, wird gegründet. 2001 Die erste Verson des Open Archive Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) , einer Schnittstelle für das Harvesting von Daten aus Repositorien , wird veröffentlicht. Das CERN und die Universität Genf veranstalten den ersten OAI-Workshop . Hieraus hat sich eine wichtige Konferenz im Bereich Open Science entwickelt, die seitdem alle zwei Jahre in Genf ausgerichtet wird. 2002 Ausgehend von einer Tagung des Open Society Institutes (OSI) in Budapest schließen sich in der Budapest Open Access Initiative international und disziplinenübergreifend Wissenschaftler*innen zusammen. Diese fordert im Jahr 2002: "Frei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen." Die Organisation Creative Commons wird in den USA von Lawrence Lessig und anderen gegründet und gibt mehrere Copyright-Lizenzen, bekannt als Creative-Commons-Lizenzen , kostenlos für die Öffentlichkeit frei. Die Open-Source-Software Open Journal Systems für Redaktionsmanagement und Herausgabe wissenschaftlicher Zeitschriften wird vom kanadischen Public Knowledge Project veröffentlicht. Mit SPARC Europe gründet sich eine Allianz von europäischen Wissenschafts- und Forschungsbibliotheken, Nationalbibliotheken, Bibliotheksverbänden und Forschungseinrichtungen, die die Open-Access-Bewegung weiter voranbringen will. Das amerikanische Vorbild SPARC (the Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition) wurde bereits im Jahr 1998 gegründet. Sherpa Romeo (heute Open Policy Finder ), die Datenbank für Open-Access-Richtlinien von Zeitschriften und Verlagen, in der die Bedingungen der Verlage für die Archivierung von Artikeln mit entsprechenden Statistiken zusammengefasst sind, geht online. 2003 Das Bethesda Statement on Open Access Publishing wird während eines Treffens zum Open-Access-Publizieren im Howard Hughes Medical Institute in Chevy Chase, MD, von Vertreter*innen von Forschungsförderungsinstitutionen, Bibliotheken und Verlagen sowie von Wissenschaftler*innen verfasst. Mit Fokus auf die Biomedizin wird die Notwendigkeit betont, wissenschaftliche Forschungsergebnisse schnell, effizient und offen zu verbreiten. Das Statement hebt die Möglichkeit (und die Pflicht) hervor, wissenschaftliche Ergebnisse, Ideen und Entdeckungen entgeltfrei mit der Scientific Community und der Öffentlichkeit zu teilen. Die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities) wird im Rahmen einer von der Max-Planck-Gesellschaft und dem Projekt European Cultural Heritage Online (ECHO) organisierten Tagung zur Entwicklung neuer web-basierter Forschungsumgebungen (erste „Berlin-Konferenz“) erarbeitet. Durch ihre Unterzeichnung verpflichten sich namhafte europäische und amerikanische Forschungsorganisationen und Universitäten die Weiterentwicklung des Open-Access-Gedankens zu unterstützen, indem sie z. B. Forscher*innen darin bestärken, ihre Ergebnisse Open Access zu veröffentlichen. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) wird als zentrales Verzeichnis für Open-Access-Zeitschriften an der Universität Lund in Schweden ins Leben gerufen. Es wird gemeinschaftlich kuratiert und indexiert qualitativ hochwertige Open-Access-Zeitschriften mit Peer-Review -Verfahren. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) veröffentlicht das erste DINI-Zertifikat für Repositorien . Dort werden Web-Standards für Publikationsdienste definiert um sicherzustellen, dass Open-Access-Literatur in Repositorien auffindbar, archiviert und zugänglich ist. 2004–2009: Die Open-Access-Infrastruktur wächst 2004 Die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) für wissenschaftliche Web-Dokumente wird von der Universität Bielefeld veröffentlicht. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) führt seine Open Access Policy ein, in der eine starke Empfehlung für das Open-Access-Publizieren ausgesprochen wird. 2006 Das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) , das von der Universität Nottingham in Zusammenarbeit mit der Universität Lund entwickelt wurde, geht online. Das Verzeichnis listet akademische Open-Access-Repositorien auf und ist u. a. nach Regionen und Inhalt durchsuchbar. Sherpa Juliet ( heute Open Policy Finder ), eine Datenbank für Open-Access-Mandate von Förderorganisationen wird ins Leben gerufen. 2007 Die DFG-geförderte Informationsplattform open-access.net startet und bietet zentral und gebündelt Informationen rund um Open Access an. Zum ersten Mal finden in Konstanz die Open-Access-Tage statt. Die Konferenz wird seither jährlich als zentrale Konferenz zum Thema Open Access im deutschsprachigen Raum an wechselnden Orten ausgerichtet. Die EU-Kommission verfasst ein Grundsatzpapier zu Open Access . Sie unterstützt das Thema umfassend und gibt das Ziel aus, Open Access sowohl auf europäischer Ebene als auch auf der Ebene der Mitgliedstaaten voranzutreiben. Genauso nimmt der European Research Council (ERC) Stellung pro Open Access . 2008 Die Europäische Kommission führt den Open Access Pilot für geförderte Projekte ein und unterstützt diese bei der Finanzierung von Open-Access- Publikationsgebühren . Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen gründet die Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ (heute: Schwerpunkt “Digitalität in der Wissenschaft” ) um ihre Aktivitäten im Bereich Open Access zu koordinieren. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) verpflichtet die Empfänger*innen von Förderbeiträgen zur Publikation der Forschungsergebnisse in Open Access. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) verpflichtet alle von ihm geförderten Forschungsprojekte dazu, die Forschungsergebnisse aus diesen Projekten im Open Access zu publizieren. FWF geförderte Wissenschaftler*innen können seither im Rahmen des Programms "Referierte Publikationen" (inzwischen " Open-Access-Pauschale ") zusätzliche finanzielle Unterstützung bei der Finanzierung von Open-Access-Artikeln erhalten. 2009 OpenAIRE (Open Access Infrastructure for Research in Europe), das EU-Projekt zum Aufbau einer elektronischen Infrastruktur zur Archivierung von Forschungspublikationen aller 27 europäischen Mitgliedsstaaten, für den Umgang mit begutachteten Artikeln, Preprints und Konferenzpublikationen sowie für die Verwaltung von Forschungsdatensätzen startet. Es geht aus dem Vorgängerprojekt DRIVER hervor, das ein europaweites Netzwerk von digitalen Repositorien aufgebaut hat. Die Confederation of Open Access Repositories (COAR) startet, ein Zusammenschluss von internationalen Repositorien-Initiativen. Ihre Aufgabe ist es, die Sichtbarkeit und Verwertung von Forschungsergebnissen durch ein globales Netzwerk von Open-Access-Repositorien zu verbessern. Wie OpenAIRE geht auch COAR aus dem europäischen Projekt DRIVER hervor. Zum ersten Mal findet die Internationale Open Access Week statt, in der zahlreiche Institutionen weltweit Veranstaltungen zum Thema Open Access anbieten, um darauf aufmerksam zu machen, darüber zu informieren und einen Austausch zu bieten. Mit einer Unterschriftenaktion, dem sog. Heidelberger Appell , mobilisierte der Literaturwissenschaftler Roland Reuß Widerstand gegen die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke durch Google Books und gegen Open Access. Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) startet mit dem Programm Selbstständige Publikationen eines der weltweit ersten Förderprogramme zur Finanzierung von Open-Access-Büchern. 2010–2015: Open-Access-Förderung im Aufschwung 2010 Im Rahmen des EU-geförderten Projekts OAPEN (Open Access in European Networks) startet die gleichnamige Plattform, um die Open-Access-Transition bei akademischen Büchern zu fördern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beginnt mit dem Programm "Open Access Publizieren" den Aufbau von Open-Access-Publikationsfonds an deutschen Hochschulen zu fördern und beeinflusst damit maßgeblich die Entwicklungen in diesem Bereich. Fournier/Weihberg schreiben hierzu: “Da in der Übergangsphase vom Subskriptions- auf ein Open-Access-Modell wesentliche Teile des Erwerbungsetats der Bibliotheken auch weiterhin für die Finanzierung von Lizenzen benötigt werden, kann die für die Transformation erforderliche Umschichtung (zumindest von Teilen) dieses Budgets nur in Gang kommen, wenn für eine begrenzte Zeit zusätzliche Mittel für die Finanzierung von Open-Access-Publikationskosten bereitgestellt werden.” ( Fournier & Weihberg, 2013, S. 23 7) 2012 Das Bekenntnis der Budapester Erklärung zum offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen wird aktualisiert. Dabei werden auch Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access formuliert, vor allem bezüglich Leitlinien, Lizenzierungen, Open-Access-Infrastrukturen und -Angeboten sowie deren Nachhaltigkeit. OAPEN startet das Directory of Open Access Books (DOAB) für begutachtete Open-Access-Bücher als Gegenstück zum DOAJ . Neben Metadaten bietet es Links zu den Volltexten der Publikationen auf den Websiten oder Repositorien der Verlage. Der Finch-Report mit Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access für Forschungsförderungsinstitutionen aus Großbritannien wird formuliert. Der Bericht spricht sich stark für eine Förderung und Bevorzugung des Goldenen Wegs gegenüber dem Grünen Weg aus. Dafür stand er in der Kritik ( Abadal, 2014 ), weil steigende Publikationskosten sowie ein Zwang zur Nutzung einer speziellen Lizenz (CC-BY-Lizenz) befürchtet wurden. Das Open Access Network Austria (OANA) wird zur nationalen Vernetzung unter dem organisatorischen Dach des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und der Österreichischen Universitätenkonferenz (UNIKO) gegründet. Das Netzwerk wurde 2018 bei gleichbleibendem Akronym in Open Science Network Austria umbenannt und 2022 von der Plattform Open Science Austria abgelöst. 2013 Zenodo , das von der EU-geförderte und vom CERN betriebene universelle Repositorium, startet. 2014 Die Landesregierung Schleswig-Holstein befürwortet und fördert mit ihrer Strategie für Open Access den offenen Zugang zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und zu den Quellen des kulturellen Erbes. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg erstellt mit einem Grundsatzpapier zum Thema E-Science ein Fachkonzept zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Infrastruktur in Baden-Württemberg, das unter anderem das Handlungsfeld Open Access beinhaltet. Die Urheberrechtsklausel für Zweitveröffentlichung wird in das deutsche Urheberrechtsgesetz eingefügt ( § 38 Abs. 4 UrhG ). Sie räumt Autor*innen das unabdingbare Recht ein, ihre Zeitschriftenpublikationen in der akzeptierten Manuskriptversion nach Ablauf eines Jahres z. B. über ein Open-Access-Repositorium frei zugänglich zu machen. Dies gilt, wenn die Ergebnisse aus überwiegend öffentlich geförderten Forschungsaktivitäten stammen und das Werk in einem wenigstens zweimal jährlich erscheinenden Periodikum erschienen ist. Im Forschungsförderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union werden die geförderten Projekte verpflichtet, die aus ihnen entstandenen Publikationen im Open Access zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommt die Verpflichtung auch die zugrunde liegenden Forschungsdaten offen zu publizieren, für die es allerdings ein Opt-Out gibt („as open as possible, as closed as necessary“; Landi et al., 2019 ). In Österreich wird eines der weltweit ersten nationalen Open-Access-Abkommen geschlossen. Die Kooperation E-Medien Österreich und der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) haben dies mit dem Verlag IOP Publishing ausgehandelt. Dieser Vereinbarung folgen weitere österreichische Open-Access-Transformationsabkommen . Mit dem Projekt e-infrastructures Austria soll der koordinierte Aufbau sowie die Weiterentwicklung von Repositorieninfrastrukturen in Österreich gefördert werden. Förderer ist das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. 2015 Mit dem Arbeitskreis Open Access (AKOA) wird eine offizielle Arbeitsgruppe der Schweizerischen Konferenz der Universitätsbibliotheken (KUB/BU, heute SLiNER ) gegründet. Der Berliner Senat veröffentlicht eine Open-Access-Strategie für das Land Berlin . Dieses Strategiepapier trägt dazu bei, den offenen Zugang zu digitalen Wissensressourcen zu etablieren. Die Fraunhofer-Gesellschaft verankert mit der Fraunhofer Open Access-Strategie 2020 uneingeschränkt das Prinzip des Open Access bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Seit 2016: Open-Access-Transformation nimmt Fahrt auf 2016 Die Initiative Open Access 2020 (OA2020) , ein globaler Zusammenschluss von Wissenschafts- und Forschungsorganisationen, wird gegründet. Dieser setzt sich dafür ein, den Übergang vom Abonnementsystem für wissenschaftliche Publikationen zu neuen Open-Access-Modellen zu beschleunigen. OA2020 zielt darauf ab, dass Forschungsartikel ohne Embargofristen Open Access veröffentlicht werden und dass die mit ihrer Verbreitung verbundenen Kosten transparent, gerecht und wirtschaftlich tragbar sind. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht eine umfassende Open-Access-Strategie . Die neuen Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Open Access sich als Standardmodell des wissenschaftlichen Publizierens in Deutschland etabliert. Die Helmholtz-Gemeinschaft veröffentlicht eine Open-Access-Richtlinie , nach der Mitarbeiter*innen ihre Publikationen offen zugänglich und nachnutzbar machen sollen. Die Leibniz-Gemeinschaft erstellt eine Open-Access-Policy , in der sie Open Access als wichtigen Baustein zur Gestaltung einer transparenten Wissenschaftskultur verankert. Die Empfehlungen für die Umsetzung von Open Access in Österreich werden von der Arbeitsgruppe „Nationale Strategie” des Open Science Network Austria (OANA) veröffentlicht. Erklärtes Ziel sind 100% Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen im Jahr 2025. 2017 Die Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS) wird gegründet, ein Netzwerk von Organisationen, die Open Science unterstützen und sich dafür einsetzen, die Infrastruktur und Services im Bereich Open Science zukunftsgerichtet und langfristig zu sichern. Die Freie und Hansestadt Hamburg bündelt zusammen mit ihren staatlichen wissenschaftlichen Institutionen ihre Aktivitäten in den Bereichen Open Access und Open Science und entwickelt die hochschulübergreifende Strategie Hamburg Open Science (HOS) . Das Projekt Austrian Transition to Open Access (AT2OA) startet. Es wird vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert und hat zum Ziel, die Transformation von Closed zu Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen mitzutragen und mit Maßnahmen zu unterstützen. In der Schweiz wird eine nationale Open-Access-Strategie verabschiedet. Sie sieht vor, dass 2024 alle wissenschaftlichen Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung Open Access zugänglich sein sollen. 2018 In der cOAlition S schließt sich ein Konsortium aus Science Europe sowie elf nationalen Forschungsförderorganisationen zusammen. Unterstützt von der Europäischen Kommission veröffentlichen sie den Plan S . Dieser sieht vor, dass Empfänger*innen von Fördermitteln von Mitgliedsorganisationen der cOAlition S die daraus resultierenden Publikationen sofort (ohne Embargofristen) und unter offenen Lizenzen zur Verfügung stellen. Dies kann entweder auf Publikationsplattformen, in Open-Access-Zeitschriften oder durch sofortige Bereitstellung in offenen Repositorien geschehen, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Der Freistaat Thüringen entwirft eine landesweite Strategie für die Digitale Gesellschaft . Unter anderem soll dadurch Open Access an den Thüringer Hochschulen etabliert werden. 2019 Das Projekt DEAL schließt Publish-and-Read-Verträge mit großen Wissenschaftsverlagen ab, die erstmals eine Open-Access-Komponente enthalten. Initiiert wurde das Projekt bereits 2014 von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) im Auftrag der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen. Ziel von DEAL ist es, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften großer Wissenschaftsverlage abzuschließen. Anfang 2019 wird mit dem Wiley-Verlag und ein Jahr später, 2020, auch mit dem Verlag Springer Nature ein umfangreicher Konsortialvertrag unterzeichnet. Die Verträge sichern den teilnehmenden Einrichtungen den lesenden Zugriff auf rund 1.900 Zeitschriften der Verlage und ermöglichen es den Autor*innen dieser Einrichtungen, ohne zusätzliche Kosten dort eine Open-Access-Option wahrzunehmen. Das Land Brandenburg entwickelt eine Open-Access-Strategie . Vom Wirtschaftsministerium gefördert beschreibt die Strategie, wie Open Access erheblich ausgebaut werden kann. 2020 Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Publikationskosten und gezielte Unterstützung für wissenschaftsfreundliche Publikationsinfrastrukturen . Covid-19 beschleunigt die weltweite Nutzung von Open-Access-Preprint-Servern. In der Erforschung des Coronavirus ermöglichen Preprints eine Beschleunigung der Wissenschaftskommunikation. Die Zahl der auf dem 2019 gestarteten Preprint-Server MedRxiv veröffentlichten Preprints steigt im Rahmen der COVID-19-Forschung sprunghaft an (vgl. Fraser et al., 2021 ). Seit 2021: Open Access zwischen DEAL und Diamond 2021 Bundesweit fällt zum 1. Februar 2021 der Startschuss für 20 Open-Access-Projekte , die im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Beschleunigung der Transformation zu Open Access des BMBF Open Access als Standard für wissenschaftliches Publizieren nachhaltig vorantreiben sollen. Auf politischer Ebene nehmen im November die Parteien SPD, Grüne und FDP die Stärkung von Open Access und Open Science in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung auf. In Brandenburg nimmt die Vernetzungs- und Kompetenzstelle zu Open Access in Brandenburg ihre Arbeit auf und unterstützt die Hochschulen des Landes auf dem Weg zu mehr Offenheit in der Wissenschaft. Immer mehr Open-Access-Initiativen werden von Großverlagen aufgekauft - die Tendenz geht zur Kommerzialisierung des Open-Access-Modells durch wissenschaftliche Verlagskonzerne. So übernimmt zum Beispiel der US-amerikanische Wissenschaftsverlag Wiley die Pledging-Plattform Knowledge Unlatched . Diese Entwicklung innerhalb des wissenschaftlichen Publikationswesens bleibt nicht ohne Kritik, vor allem seitens verschiedener scholar-led Initiativen (vgl. Steiner, 2023 ). Das scholar-led.network-Manifest formuliert die zentrale Kritik des dahinterstehenden Netzwerks an der “neuen Zeitschriftenkrise” im derzeitigen wissenschaftlichen Publikationssystem und benennt mögliche Handlungsfelder für faires Publizieren. Auch aus der Physik, die mit dem Einrichten des Preprint -Servers arXiv 1991 initiale Schritte in Richtung Open Access gemacht hat, sammeln sich kritische Stimmen zu den Entwicklungen von Open Access. So veröffentlicht die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) ein entsprechendes Positionspapier zur Zukunft des wissenschaftlichen Publikationswesens . Auf europäischer Ebene findet eine Stärkung der Rolle und der Rechte von Autor*innen statt: Die Mitglieder des International Science Council verpflichten sich dazu, auf eine Reform des Verlagssystems hinzuarbeiten und verabschieden acht Grundprinzipien , die sie dabei leiten sollen. Die cOAlition S entwickelt eine Rights Retention Strategy , mit der Forschenden die Möglichkeit eingeräumt werden soll, alle “author accepted manuscripts” bzw. “versions of record” mit einer CC BY-Lizenz zu versehen. Im selben Jahr wird die von der cOAlition S in Auftrag gegebene, großangelegte “OA Diamond Journals Study” ( Bosman et al., 2021 ) veröffentlicht, die einen Überblick über die aktuelle Landschaft von Diamond-Open-Access-Zeitschriften gibt. 2022 Begleitend zum DEAL-Projekt wird der Arbeitskreis Forum 13+ gegründet: ein unabhängiger Arbeitskreis aus Expert*innen deutscher Bibliothekskonsortien, der die Aushandlung von Transformationsverträgen zwischen wissenschaftlichen Institutionen und kleinen und mittleren Verlagen bzw. Fachgesellschaften koordiniert. In Deutschland behandeln Publikationen verschiedener Instanzen das Thema der Open-Access-Transformation: Das BMBF verfasst eine Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis und definiert darin als Förderziel eine Kultur, in der „Open Access immanenter Bestandteil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses selbst sein und zugleich zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe beitragen“ soll. Auch der Wissenschaftsrat veröffentlicht umfassende „ Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access “ und setzt darin Gold Open Access als Zielvorgabe der Transformation an. Um Publikationskosten zu monitoren und die Finanzierung des wissenschaftlichen Publizierens langfristig strategisch zu planen, sollen wissenschaftliche Einrichtungen sogenannte Informationsbudgets etablieren. Die DFG nimmt im Positionspapier „ Wissenschaftliches Publizieren als Grundlage und Gestaltungsfeld der Wissenschaftsbewertung. Herausforderungen und Handlungsfelder “ Stellung zur Aufgabe des Wissenschaftssystems angesichts aktueller Herausforderungen des Publikationswesens und formuliert Aufgaben für Wissenschaft und Geldgeber. U. a. fordert sie neue Formen der Qualitätsprüfung, alternative Systeme der Reputationszuschreibung und einen Ausbau des Spektrums akzeptierter Publikationsformate. Diamond Open Access wird international weiter gestärkt und Aktivitäten über Landesgrenzen hinweg koordiniert: Science Europe, cOAlition S und die französische Förderorganisation Agence nationale de la recherche (ANR) starten den “Action Plan for Diamond Open Access” ( Ancion et al., 2022 ). Damit setzen sie sich für eine gerechte, wissenschaftsgeleitete und nachhaltige Publikationsinfrastruktur ein. Damit folgt er den Empfehlungen der „OA Diamond Journals Study“ ( Bosman et al., 2021 ). Die DFG unterzeichnet den Action Plan. Österreich beschließt eine nationale Open Science Policy . 2023 Die Berliner Erklärung wird 20 Jahre. Das DEAL-Projekt handelt für die Jahre 2024-2028 weitere Konsortialverträge mit den Verlagen Springer Nature und Wiley aus. Die Publish-and-Read-Abkommen werden über die Umwidmung vormaliger Subskriptionsgebühren finanziert. Mit dem neu abgeschlossenen Abkommen mit Elsevier für September 2023-2028 besteht nun auch ein Transformationsvertrag mit einem dritten wissenschaftlichen Großverlag. Das BMBF und die Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichen das Papier Open Access in Deutschland – Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern . Darin unterstreichen sie die Vorgabe, dass Open Access als Standard für mit öffentlichen Geldern geförderte Forschung werden soll und sichern ihre langfristige Unterstützung in Hinblick auf rechtliche Absicherung und finanzielle Unterstützung zu. 2023 stellt auch das Startjahr für eine zweite Welle an BMBF-geförderten Open-Access-Projekten dar: 24 Projekte an Hochschulen, außeruniversitären Forschungsinstitutionen, Verlagen und klein- und mittelständischen Unternehmen nehmen deutschlandweit im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis ihre Arbeit auf. Gefördert wird eine Vielzahl an Vorhaben, „die wissenschaftsgetragene Finanzierungsmodelle etablieren, zur Erhöhung der Anerkennung von Open Access in der Wissenschaft beitragen und auf die vielfältigen Bedarfe einer Open Access-Kultur eingehen.“ Niedersachsen fördert einen landesweiten Open-Access-Publikationsfonds „NiedersachsenOPEN“ mit 3,5 Mio. €. Auf europäischer Ebene nimmt der Rat der Europäischen Union Schlussfolgerungen zum „High-quality, transparent, open, trustworthy and equitable scholarly publishing“ an. Die DFG begrüßt diese Ratsschlussfolgerung und unterstreicht die darin geforderten Standards für wissenschaftliche Publikationsorgane. Der weltweit erste „ Diamond Open Access Global Summit “ findet vom 23.-27. Oktober in Toluca, Mexiko statt. Ko-organisiert von einer Vielzahl internationaler Initiativen und Organisationen (u. a. Science Europe , Redalyc , UAMéx , AmeliCA , UNESCO , CLACSO , UÓR , ANR , cOAlition S und OPERAS ) versammelt der Summit zum ersten Mal DOA-Interessierte aller Kontinente. 2024 Die Schweiz aktualisiert ihre Nationale Open-Access-Strategie und setzt sich mit dem Jahr 2032 eine neue Zielvorgabe für eine vollständig vollzogene Transformation. Der Niederländische Wissenschaftsrat NWO unterstützt das Förderprogramm „Diamond Open Access Fonds“ mit 500.000 €. Finanziert wird hiermit das Flipping von Zeitschriften vom Subskriptionsmodell hin zu einem Open-Access-Modell ohne Publikationskosten für Autor*innen. Die Geschäftspraktiken von Großverlagen stehen seit Langem in der Kritik; gegen eine Reihe solcher Geschäftspraktiken wird in den USA eine Kartellklage erhoben durch die Klägerin Dr Lucina Uddin im Auftrag "aller natürlichen Personen mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten, die Peer-Review-Leistungen für die beklagten Verleger erbracht oder ihnen ein Manuskript zur Veröffentlichung vorgelegt haben". Den wissenschaftlichen Großverlagen Elsevier, Springer Nature, Taylor & Francis, Sage, Wiley und Wolters Kluwer wird darin vorgeworfen, unbezahlte Peer-Review-Arbeit zu erwarten, den Wettbewerb einzuschränken und die Verbreitung von wissenschaftlichen Ergebnissen zu begrenzen. Die Kläger*innen fordern Schadensersatz und ein Ende wettbewerbswidriger Absprachen. 2025 Die DFG fördert zunächst für drei Jahre eine nationale Servicestelle für Diamond Open Access: Das Projekt SeDOA hat das Ziel, durch bessere Koordination und Optimierung von dezentralen Dienstleistungen und Bereitstellung zentraler Informationsversorgung sowie Innovationen die Effizienz von Diamond Open Access zu steigern. Getragen wird das Vorhaben durch ein Konsortium aus 15 Einrichtungen. Als deutsches Diamond Capacity Centre ist die Servicestelle Teil eines europäischen Netzwerks. Zentraler europäischer Akteur in diesem Netzwerk und Dach für nationale und disziplinäre Diamond Capacity Centres ist der ebenfalls 2025 neu gegründete European Diamond Capacity Hub (EDCH). Die europäische Servicestelle soll wesentliche Dienstleistungen für die Anbieter von Publikationsdiensten bündeln und bereitstellen. Der EDCH koordiniert Initiativen zur Vernetzung, Qualitätssicherung und Sichtbarkeit von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, Weiterbildungsangebote und technischer Infrastruktur. Literatur Abadal, E. (2014). Gold or Green: The debate on open access policies. Contributions to Science, 10 , 89–93. https://doi.org/10.2436/20.7010.01.192 Ancion, Z., Borrell-Damián, L., Mounier, P., Rooryck, J., & Saenen, B. (2022). Action Plan for Diamond Open Access . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403 Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., & Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704 Fournier, J., & Weihberg, R. (2013). Das Förderprogramm» Open Access Publizieren «der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zum Aufbau von Publikationsfonds an wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie , 60 (5), 236-243. http://dx.doi.org/10.3196/186429501360528 Fraser, N., Brierley, L., Dey, G., Polka, J. K., Pálfy, M., Nanni, F., et al. (2021). The evolving role of preprints in the dissemination of COVID-19 research and their impact on the science communication landscape. PLoS Biology 19 (4): e3000959. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000959 Landi, A., Thompson, M., Giannuzzi, V., Bonifazi, F., Labastida, I., Bonino da Silva Santos, L. O., & Roos, M. (2019). The „A“ of FAIR – as open as possible, as closed as necessary. Data Intelligence, 2 (1–2), 47–55. https://doi.org/10.1162/dint_a_00027 Steiner, T. (2023). Alte Traditionen: zur Rolle von scholar-led publishing und Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften. LIBREAS. Library Ideas, 44 . https://doi.org/10.18452/28264 Weiterführende Literatur Baldwin, P. (2023). Athena unbound: Why and how scholarly knowledge should be free for all . MIT Press. https://doi.org/10.7551/mitpress/14887.001.0001 Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report. Open Research Office Berlin . https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02 Deppe, A., & Beucke, D. (2017). Ursprünge und Entwicklung von Open Access. In K. Söllner & B. Mittermaier (Hrsg.), Praxishandbuch Open Access (pp. 12–20). De Gruyter Saur. http://doi.org/10.5281/zenodo.802639 Hirschmann, B., & Verdicchio, D. (2017). Open Access in der Schweiz. In: K. Söllner & B. Mittermaier (Hrsg.) , Praxishandbuch Open Access (pp. 215-222). De Gruyter Saur. http://doi.org/10.1515/9783110494068-025 Hobert, A., Jahn, N., Mayr, P., Schmidt, B., & Taubert, N. (2020). Open Access Uptake in Germany 2010-18: Adoption in a diverse research landscape . Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.3892951 Suber, Peter (o. J.). History of open access . MediaWiki. https://cyber.harvard.edu/~psuber/wiki/History_of_open_access Timeline of the open-access movement (o. J.). Wikipedia. https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_the_open-access_movement...

  2. Open Access Positionen der Politik

    Intro Open Research Europe Quelle: Open Research Europe (2021). faster-h2020.eu Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Die wichtigsten Akteure im Politikfeld Open Access sind in Europa die Europäische Kommission und in Deutschland das BMFTR (bis 2025 BMBF) sowie die Landesregierungen. 2 Sie fördern und fordern mit verschiedenen politischen Maßnahmen den freien Zugang zu Wissen. 3 Auf Ebene der deutschen Bundesländer zeichnen sich in den Bereichen Open Access und Open Science unterschiedliche Entwicklungen ab. Praxistipp Der Praxistipp Open Access unterstützen - Landesregierungen benennt Maßnahmen, mit denen Landesregierungen Open Access praktizieren und unterstützen können. Politische Steuerung & Diskussion Das Themenfeld Open Access , die Formulierung von Open Access Policies und ihre Implementierung sind Gegenstand politischer Diskussionen und Aushand­lungsprozesse. Wer sind treibende Kräfte und was sind ihre Positionen? Open Access Policies werden sowohl durch Vorgaben von oben (“top down”) – insbesondere von der europäischen Ebene auf die Ebene der Nationalstaaten und Länder – als auch von unten (“bottom up”) durch engagierte Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Einrichtungen und Open-Access-Initiativen vorangetrieben. Wichtige Meilensteine der Diskussion um den offenen Zugang zu wissenschaft­lichen Informationen sind (siehe auch Geschichte des Open Access ): die Budapester Open Access Initiative (2002) die Berliner Erklärung über den offenen Umgang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) sowie weiterführend das Bethesda Statement on Open Access Publishing (2003) der Amsterdam Call for Action on Open Science (2016) , The Vienna Principles: A Vision for Scholarly Communication in the 21st Century (2016) , der Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity (2017) Plan S (2018) der Action Plan for Diamond Open Access (2022) Viele staatliche und überstaatliche Institutionen, wie die Europäische Union (EU), das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ( BMFTR , bis Mai 2025 Bundesministerium für Bildung und Forschung) , Ländermini­sterien, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und teilweise auch Hoch­schulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen , nehmen dabei eine Doppelrolle ein. Als politische Akteure beteiligen sie sich mit unterschiedlichen Interventionen und Maßnahmen an Aushand­lungsprozessen um Open Access; gleichzeitig sind sie auch Fördermittelge­bende und setzen in dieser Funktion unmittelbar Maßstäbe und Rahmen­bedingungen. Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten staatlichen Akteure im Politikfeld Open Access gegeben und jeweils kurz erläutert, wie der freie Zugang zu wissenschaftlichem Wissen im jeweiligen Kontext ermöglicht bzw. durch politische Regulierungen gefördert wird. Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Supranationale Ebene Auf supranationaler Ebene setzen die Europäische Kommission (EC ) und der European Research Council (ERC) wichtige Impulse für die Implementierung von Open Access und Open Science. Auch von der UNESCO wurde 2021 eine Recommendation on Open Science verabschiedet. Politische Steuerung von Open Access in Europa Bereits 2012 forderte die Europäische Kommission in einer Empfehlung die Mitgliedstaaten auf, klare und verbindliche Open Access Policies zu implementieren. Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung sollten demnach verpflichtend im Open Access veröffentlicht werden, entweder unmittelbar oder spätestens 6 (Naturwissenschaften) bzw. 12 Monate (Geistes- und Sozialwissenschaften) nach Erscheinen. Obgleich Empfehlungen der Europäischen Kommission nicht bindend sind, haben inzwischen die Mehrheit der 27 EU-Staaten und einige nicht EU-Mitgliedsstaaten ( Norwegen , Serbien und die Schweiz ) Open-Access- und Open-Science-Strategien verabschiedet (u.a. Belgien , Griechenland , Italien , Kroatien , Lettland , Malta , Polen , Portugal , Slowakei , Slowenien , Spanien , Tschechische Republik , Ungarn ). Auch im Bereich der Forschungsförderung verpflichtet die Europäische Kommission dazu, wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access zu publizieren (siehe auch Horizon Europe ). Open Access in Deutschland In Deutschland existiert, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, keine einheitliche nationale Open Access Policy. Die vorherige Bundesregierung hatte sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel gesetzt, Open Access und Open Science zu stärken sowie Open Access als gemeinsamen wissenschaftlichen Standard zu etablieren. Dem wurde im Jahr 2023 auch mit der Verabschiedung gemeinsamer Leitlinien von Bund und Ländern zur Umsetzung von “Open Access in Deutschland” Rechnung getragen ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2023 ). Im Koalitionsvertrag von 2025 wird Open Access nicht explizit aufgeführt; der Zugang zu wissenschaftlicher Forschung soll durch ein Forschungsdatengesetz erleichtert werden. Bundesministerium für Bildung und Forschung Auf Bundesebene in Deutschland schuf die Novellierung des Urheberrechts im Jahr 2013 die rechtlichen Rahmenbedingungen für grünes Open Access , indem sie ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht implementierte ( Pflüger, 2016 , S. 14). Eine Strategie für Open Access in Deutschland veröffentlichte das vormalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, seit Mai 2025: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, BMFTR) 2016 (2018 aktualisiert): Ziel ist, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens weiter zu etablieren und die „Lücke zwischen dem Wunsch der Wissenschaft nach mehr offen zugänglichen Publikationen und der aktuellen Veröffentlichungspraxis“ ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2018 , S.7) zu schließen. Dabei sollen grundsätzlich vielfältige Wege für Open Access ermöglicht werden und die Wissenschaftsfreiheit unangetastet bleiben. Publikationen aus öffentlicher Förderung sollen der Allgemeinheit frei zugänglich sein und etablierte Verfahren der Qualitätssicherung gewährleistet bleiben. Während die Umsetzung in konkreten Policies in Deutschland Ländersache ist, setzte das BMBF in seiner Funktion als Fördereinrichtung Richtlinien: Wissenschaftliche Projekte, die durch das BMBF bzw. das BMFTR gefördert werden, sollen ihre Ergebnisse und ihre Forschungsdaten Open Access veröffentlichen . Förderempfänger sind neben wissenschaftlichen Einrichtungen und Bibliotheken auch privatwirtschaftliche Akteure, wie Verlage und andere Dienstleister, die sich im Umfeld von Open Access etablieren. Open Access auf Länderebene Aufgrund der Länderhoheit im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik erfolgt die Verabschiedung und Umsetzung von Open Access bzw. Open Science Policies in Deutschland überwiegend auf Länderebene ( Kindling et al., 2022 ). Diese Länderstrategien sind insofern zentrale Bestandteile der bundesdeutschen Open-Access-Transformation ( Kindling et al., 2021 ). Einige Länder wie z. B. Baden-Württemberg , Berlin , Brandenburg , Hamburg oder Schleswig-Holstein verfügen über Landesstrategien und benennen zum Teil konkrete Zielstellungen. Diese sind beispielsweise eine Open-Access-Quote für Zeitschriftenartikel, Open-Access-Beauftragte und Open-Access-Policies für alle Einrichtungen ( Berlin ), ein Monitoring der Open-Access-Publikationszahlen ( Thüringen ), eine klare Positionierung der Hochschulleitungen zu Open Access ( Brandenburg ) oder eine einheitliche technische Infrastruktur ( Hamburg ). Einige Landesregierungen fördern Open Access durch andere Instrumente der Hochschulsteuerung. Die Unterstützung für Open Access wird beispielsweise im Wissenschaftsplan ( Bremen ), im Hochschulentwicklungsplan ( Sachsen ) oder in den Digitalstrategien der Länder erwähnt ( Rheinland-Pfalz , Sachsen-Anhalt , Hessen ). Weitere Bundesländer unterstützen die wissenschaftlichen Einrichtungen ihres Landes durch gezielte Maßnahmen, wie beispielsweise openaccess.nrw in Nordrhein-Westfalen, über einen Open-Access-Publikationsfonds ( Thüringen , Niedersachsen ), über Open-Access-Vernetzungsstellen ( Berlin , Brandenburg ) oder über die Finanzierung von „Openness“ als Querschnittsthema ( Bremen ). In anderen Bundesländern gibt es zwar noch keine expliziten wissenschaftspolitischen Positionierungen, dafür aber viele Einrichtungen mit einem etablierten Open-Access-Serviceangebot (bspw. Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz) (Kindling et al., 2021). Einen Überblick über aktuelle und zurückliegende Open-Access- und Open-Science-Aktivitäten der deutschen Bundesländer bieten auch der Bundesländer-Atlas ( Kindling et al., 2021 ), die Länderdossiers des oa.atlas (2024) sowie der Open4DE Landscape-Report ( Bärwolf et al. 2023 ). Open Access in Österreich und der Schweiz Open Access in Österreich In Österreich traten bereits früh verschiedene Open-Access-Initiativen auf nationaler Ebene auf den Plan (vgl. Geschichte des Open Access (link)). So verhandelte 2014 die KEMÖ (Kooperation E-Medien Österreich) als eines der ersten nationalen Bibliothekskonsortien weltweit ein Open-Access-Verlagsabkommen in Kooperation mit dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (vgl. Mayer 2022, 47). Der FWF hatte schon 2004 eine eigene Open Access Policy mit einer starken Empfehlung zum Open-Access-Publizieren eingeführt. 2012 wurde das OANA (Open Access Network Austria, seit 2022: OSA – Open Science Austria ) als gemeinsame Initiative des FWF und der österreichischen Universitätskonferenz uniko zur nationalen Vernetzung gegründet. Die OANA verfasste in der Folge diverse Empfehlungen, u. a. zu einer nationalen Open-Access-Strategie (2016) und zu einer nationalen Open-Science-Strategie (2020). Anschließend an das Empfehlungspapier von 2016 veröffentlichten viele Forschungseinrichtungen Open Access Policies, die Empfehlung von 2020 diente als Grundlage für die 2022 verabschiedete nationale Open Science Policy Austria . Ein Zweitverwertungsrecht wurde 2015 verabschiedet (siehe auch Rechtsfragen in Österreich ). Die nationale Förderinitiative „Digitale und soziale Transformation in der Hochschulbildung“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2019 ermöglichte den Start mehrerer Digitalisierungsprojekten mit Fokus auf Open Access, wie z. B. AT2OA2 . Die österreichische Bundesregierung bekannte sich in ihrem Regierungsprogramm 2020-2024 klar zu Open Access und unterstützte darin auch „aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access“. Das aktuelle Regierungsprogramm 2025-2029 legt keinen expliziten Fokus auf Open Access oder Open Science. Open Access in der Schweiz Laut der strategischen Planung der Gesamtschweizerischen Hochschulpolitischen Koordination 2025–2028 wird das Ziel verfolgt, 100 % der wissenschaftlichen Publikationen aus den Schweizer Hochschulen im Open Access verfügbar zu machen. Insbesondere swissuniversities , die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen, fungiert in der Schweiz als übergeordneter Akteur zur Förderung von Open Access. Als Förderinstitution unterstützt swissuniversities diverse Open-Access-Projekte . Die 2017 veröffentlichte Nationale Open-Access-Strategie der Schweiz wurde 2024 revidiert : swissuniversities und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) legen darin Rahmenbedingungen für die Open-Access-Transformation des Landes fest. Die Delegation Open Science koordiniert die Zusammenarbeit der Stakeholder. Neben dieser nationalen Strategie gab das Netzwerk der Hochschulbibliotheken ( SLiNER ) 2019 Policy Guidelines heraus, die als Empfehlungen für institutionelle Open-Access-Richtlinien der Schweizer Hochschulen dienen. Der Anteil der Schweizer Hochschulen mit Open-Access-Policies lag im Jahr 2023 bei 86 % (vgl. swissuniversities, 2023). Aktuell arbeiten elf Partnerinstitutionen zusammen, um ein nationales Diamond-Open-Access-Konsortium zur langfristigen und nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen ( CoDOA ). Derzeit werden Vorarbeiten zu einer gesetzlichen Verankerung eines Zweitveröffentlichungsrechts geleistet. Literatur Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02 Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2023). Open Access in Deutschland. Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern . https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/DE/1/772960_Open_Access_in_Deutschland.pdf Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2018). Open Access in Deutschland. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung . https://www.bildung-forschung.digital/files/2018-08-Open_Access_neu_barrierefrei.pdf Kindling, M., Neufend, M., & Wenninger, A. (2021). Bundesländer-Atlas Open Access . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.5761153 Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Kindling, M., Martin, L., & Neufend, M. (2024). oa.atlas: Konzept . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.54fbd167 Mayer, K. (2022). Open Access im Wandel. Infrastrukturen, Monitoring und Governance als zentrale Elemente einer erfolgreichen Transformation. Baseline Report zur Open Access Transformation in der Wissenschaft . Zentrum für Soziale Innovation, Wien. https://doi.org/10.22163/fteval.2022.533 Pflüger, T. (2016). Open Access-Regulierung im internationalen Vergleich. In T. Dreier, V. Fischer, A. van Raay, & I. Spiecker gen Döhmann (Eds.), Informationen der öffentlichen Hand : Zugang und Nutzung (1. edition, Vol. 3, S. 537-562). Nomos. https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/37572/Pflueger_0-395438.pdf?sequence=1&isAllowed=y swissuniversities (2023). Open Access Strategy Review. Background Report . https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA_Strategie/OA_Strategy_Review_Background_Report.pdf UNESCO. (2021). UNESCO Recommendation on Open Science. UNESCO . https://doi.org/10.5281/zenodo.5741832 Weiterführende Literatur Fuhrer, C., Schurte, R. (2018). Nationale Open Access-Strategie in der Schweiz: Herausforderungen für die Hochschulen und ihre Bibliotheken. In: Bibliotheken der Schweiz: Innovation durch Kooperation: Festschrift für Susanna Bliggenstorfer anlässlich ihres Rücktrittes als Direktorin der Zentralbibliothek Zürich , edited by Zentralbibliothek Zürich, Alice Keller and Susanne Uhl, Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 2018, pp. 97-118. https://doi.org/10.1515/9783110553796-004 Taşkın, Z., Melinščak Zlodi, I., Laakso, M., Torny, D., Arasteh, S., Bargheer, M., Klaus, T., Schima, J., Agnoloni, T., Peruginelli, G., Davidson, A., Franczak, M., María Ángeles, C. B., de Pablo Llorente, V., Dobson, H., & Heyman, J. (2024). D5.2 National overviews on sustaining institutional publishing in Europe . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13683953 Verdicchio, D., Kissling-Näf, I. (2020). Digitale Transformation und Open Access von Forschungsresultaten in der Schweiz. In: Schellinger, J., Tokarski, K., Kissling-Näf, I. (Hrsg.) Digitale Transformation und Unternehmensführung (pp. 11-27). https://doi.org/10.1007/978-3-658-26960-9_2 Wissenschaftsrat (2022). Empfehlungen zur Transformation des Wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access; Köln. https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61 ....

  3. Open Access bei Forschungsdaten

    Intro Der Forschungsdatenmanagement-Zyklus open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Forschungsdaten und deren eigenständige Publikation werden zunehmend unverzichtbar. 2 Die FAIR-Prinzipien sind ein Quasi-Standard für Forschungsdaten. 3 Organisatorische, rechtliche und infrastrukturelle Hürden vor der Publikation sind überwindbar. Forschungsdaten Wissenschaftliche Erkenntnisse in Textform basieren in der Regel auf Forschungsdaten. Diese können dabei die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen, sie umfassen sämtliche im wissenschaftlichen Prozess entstehenden (digitalen) Daten, z. B. durch Messungen, Simulationen, Befragungen, Quellenarbeit oder Code und Software. Das Management dieser Forschungsdaten ist inzwischen elementarer Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis und in vielen Einrichtungen in Policies institutionell verankert. Wurden in der Vergangenheit Forschungsdaten als Beiwerk zu Publikationen oft stiefmütterlich behandelt, der Form halber zur Verfügung gestellt oder nur auf Anfrage herausgegeben, ist ein starker Trend zur eigenständigen und prominenten Publikation von Forschungsdaten in offener Form zu erkennen. In manchen Disziplinen ist die Publikation der Daten auf dem Weg, das Hauptergebnis wissenschaftlicher Arbeit zu werden. Warum Forschungsdaten veröffentlichen? Forschungsdaten ermöglichen die Replikation und die Nachvollziehbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. Sie sind die Grundlage für transparente Wissenschaft. Die Nachnutzbarkeit fördert die Re-Analyse von Daten, das Zusammenfügen von verschiedenen Datenquellen und damit die Chance, mit bestehenden Daten weitergehende Forschung zu betreiben und neue Erkenntnisse zu erzielen. Nachnutzbarkeit umfasst dabei im Idealfall das Recht, die Daten herunterzuladen, zu kopieren, zu verbreiten, maschinell zu verarbeiten und sie ohne finanzielle, technische oder rechtliche Einschränkungen nutzen zu können. Die Publikation von Forschungsdaten ermöglicht deren Zitierbarkeit und trägt damit zur wissenschaftlichen Reputation der Urheber*innen bei. Durch von Initiativen wie der Coalition for Open Research Assessment (CoARA) getriebene Reformen der Forschungsbewertung werden Forschungsdaten zunehmend als eigenständige wissenschaftliche Leistung anerkannt. Quelle: Übersetzt nach: Hole, B. (2015). Open Science: A New publisher Perspective . Ubiquity press. ( CC BY 4.0 International ) Positionen und Treiber Europäische Union Die Europäische Union (EU) hat im Jahr 2016 im Förderprogramm Horizon 2020 den Open Research Data Pilot integriert. Dieser sah die Veröffentlichung von Forschungsdaten unter der Prämisse "as open as possible, as closed as necessary" vor. Eine Teilnahme war freiwillig. Im bis 2027 gültigen Nachfolgeprogramm Horizon Europe wird Open Science zum modus operandi ernannt und Open Access bei Text- und Datenpublikationen sowie eine Bereitstellung der Daten nach den FAIR-Prinzipien vorgeschrieben. Deutschland Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nennt die Bereitstellung von Daten nach den FAIR-Prinzipien sowohl in den Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis wie auch in den separat herausgegebenen Leitlinien zum Umgang mit Forschungsda­ten . Statements zum Forschungsdatenmanagement und Datenmanagementpläne sind bei Anträgen verpflichtend und fließen in die Bewertung ein. Angaben zur Weiterverwendung und Verwertung der Daten verlangen beispielsweise auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) oder forschungsfördernde Stiftungen. Als weiterer Treiber hat sich die von Bund und Länder gemeinsame finanzierte Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) erwiesen. Durch die Arbeit in 26 Konsortien werden laut Selbstbeschreibung der NFDI „wertvolle Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nachhaltig sowie qualitativ nutzbar gemacht.“ „wertvolle Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nachhaltig sowie qualitativ nutzbar gemacht.“ Österreich Der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat 2019 eine Open Access Policy für Forschungsdaten eingeführt. Darin verpflichtet seine Förderempfänger seit 2019 zur Erstellung eines Datenmanagementplans (DMP) und zum offenen Zugang zu Forschungsdaten, „die den wissenschaftlichen Publikationen des Projekts zugrunde liegen“. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) verpflichtet in seiner Open Science Policy zwar nicht zum offenen Zugang zu Forschungsdaten, empfiehlt jedoch nachdrücklich die Bereitstellung gemeinsam nutzbarer Forschungsdaten. Die 2022 in Kraft getretene nationale Open Science Policy setzt sich u. a. die Veröffentlichung von Forschungsdaten anhand der FAIR-Prinzipien zum Ziel. Außerdem haben einige Universitäten eine FDM-Policy oder -Richtlinie verabschiedet. Weitere Informationen finden sich auf den Österreich-Seiten von forschungsdaten.info . Schweiz Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) erachtet den offenen Zugriff auf Forschungsdaten ebenfalls als einen wesentlichen Beitrag. Weitere Informationen finden sich in Englischer Sprache auf den Schweiz-Seiten von forschungsdaten.info . Auch bei Forschungsdaten ist ein Argument für den offenen Zugang, dass ihre Herstellung mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde. Die Berliner Erklärung hat bereits früh Daten als Objekte genannt, deren offene Verfügbarkeit angestrebt wird. Neben der intrinsischen Motivation, durch ein gutes Datenmanagement in zunehmend datengetriebener Forschung effizienter arbeiten zu können und selbst von offenen Daten zu profitieren, sind die Forschungsförderer der wichtigste Treiber für die Publikation von Daten. FAIR-Prinzipien Verschiedene nationale und internationale Forschungsförderer wie die EU und die DFG zielen in ihren Richtlinien auf die FAIR-Prinzipien ab, die NFDI hat sich zum Ziel gesetzt, Daten „ FAIRfügbar “ zu machen. Das Akronym FAIR steht für F indable (Auffindbar), A ccessible (Zugänglich), I nteroperable (Interoperabel) und R eusable (Wiederverwendbar). Geprägt wurde der Begriff FAIR von der FORCE11-Community und am 15. März 2016 in Scientific Data publiziert ( Wilkinson et al., 2016 ), eine Befürwortung findet sich unter anderem in der Abschlusserklärung vom G20-Gipfel in Hangzhou 2016 . Die FAIR-Prinzipien sind auf bestem Wege ein international anerkannter Standard im Umgang mit Forschungsdaten zu werden. FAIRe Daten bedeuten dabei nicht zwangsläufig, dass alle Daten offen zur Verfügung stehen. Quelle: verändert nach Halina Sieminska, P. (2019). A FAIRy tale graphics. Zenodo https://doi.org/10.5281/zenodo.3267168 . Bearbeitung: Ilona Lang ( CC BY-SA 4.0 ) Die vier einzelnen Elemente von FAIR bedeuten: Auffindbar : Damit Daten nachgenutzt werden können, müssen diese leicht auffindbar sein. Dazu sind Daten mit umfassenden menschen- und maschinenlesbaren Metadaten beschrieben. Zugänglich : Der Zugriff auf die gefundenen Daten muss nach klaren Regeln möglich sein, Authentifizierung und Autorisierung müssen definiert sein. Interoperabel : Zur Nutzung und zur Integration mit anderen Daten ist eine Verwendung einer zugänglichen und allgemein verwendbaren Sprache für die Wissensrepräsentation notwendig, Metadaten folgen standardisierten Vokabularien. Wiederverwendbar : Die Beschreibung der Daten und der Metadaten ermöglicht die Nutzung in unterschiedlichen Kontexten, geeignete Datennutzungslizenzen werden verwendet und die Daten entsprechen domänenrelevanten Community-Standards. Ergänzt werden die FAIR-Prinzipien durch die CARE-Prinzipien. Das Akronym steht für Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics. Auf Grundlage der CARE-Prinzipien werden Forschende dafür sensibilisiert, im Rahmen der Bemühungen um Open Data und Open Science die Rechte und Interessen indigener Gemeinschaften zu wahren – unabhängig davon, ob sich deren Forschung dezidiert mit den Gemeinschaften selbst befasst oder diese anderweitig berührt. Für Forschungssoftware wurden die FAIR-Prinzipien in Form der FAIR4RS-Prinzipien ergänzt. Im Zusammenhang mit der KI-Transformation kann das FAIR-Akronym auch für Fully AI Ready Data stehen. Es sagt aus, dass nach den FAIR-Prinzipien verarbeitete Daten meistens automatisch auch maschinenlesbar und damit durch KI verarbeitbar sind. Publikation Bei der Publikation von Forschungsdaten ist ein geeignetes Repositorium auszuwählen, das möglichst einen Open-Access-Zugriff auf die Daten anbietet. Dabei ist die Wahl eines fachspezifischen und in der Community etablierten Repositoriums immer zu bevorzugen, da sich die eigenen Daten damit in einem guten fachlichen Kontext befinden und die Auffindbarkeit erleichtert wird. Zur Auswahl eines Datenrepositoriums kann der Verzeichnisdienst re3data genutzt werden. Falls kein passendes Repositorium gefunden werden kann, so ist ein Rückgriff auf allgemeine oder institutionelle Repositorien möglich. Bekannte Vertreter für generische Repositorien sind Zenodo oder Dataverse . Um die Bereitstellung und Auffindbarkeit langfristig zu garantieren, ist die Vergabe einer dauerhaften Adresse notwendig. Dieser persistente Identifikator sichert auch die Zitierbarkeit der Datensätze. Bevorzugte Identifikatoren sind die vom Verbund DataCite vergebenen DOIs . Vor der Veröffentlichung von Daten ist eine Kuration der Daten nach den FAIR-Prinzipien dringend angeraten, denn die Nachnutzbarkeit von Daten wird stark eingeschränkt, wenn diese nicht über ausreichende Beschreibungen und Meta­daten verfügen. Metadaten sollten dabei frühestmöglich im Forschungsprozess vergeben werden und umfassen sowohl technische (Beispiel: Wann und von wem wurde der Datensatz erhoben?) wie auch inhaltliche Metadaten (Beispiel: Was steht in den einzelnen Variablen?). Für zahlreiche Disziplinen gibt es dabei spezifische Standards, die insbesondere von den NFDI-Konsortien vorangetrieben, gepflegt und veröffentlicht werden (siehe den Metadata Standards Catalog ). Bei der Kuration werden die Daten vor allem technisch überprüft. Dies umfasst das Datenformat, den grundsätzlichen Zugriff und die formale Korrektheit. Beim Datenformat ist z. B. auf langfristig zugreifbare und offene Datenformate zu setzen. Die inhaltliche Überprüfung muss durch die Wissenschaftler*innen weitestgehend selbst geleistet werden. Am Ende der Kuration steht die Wahl einer geeigneten Lizenz . Hier haben sich die Creative-Commons-Lizenzen bewährt (nähere Informationen hierzu bietet das Portal forschungsdaten.info ). CC-Lizenzen sind jedoch nicht für die Lizensierung von Code oder Software geeignet. Hierfür gibt es spezielle Softwarelizenzen . Quelle: verändert nach Koch, M. (2015). Publizieren über das Repositorium der Leibniz Universität Hannover. TIB Blog Praxistipp Tipps und Tricks, wie Forschungsdaten der Community offen bereit gestellt werden können, gibt es hier in den Folien zum Open Access Talk Forschungsdaten & Open Access - so publizieren Sie Ihre Daten . Herausforderungen Drei wichtige Herausforderungen sollten im Forschungsdatenmanagement (FDM) und im Publikationsprozess als überwindbare Hürden genannt werden: Organisatorisch Das Management und die Kuration der Daten erfordert zusätzliche Kompetenzen. Neue Berufsbilder wie Data Curator, Data Steward oder Data Scientist sind entstanden und Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen müssen entsprechende Ressourcen bereitstellen und Mitarbeiter*innen weiter- und ausbilden. Forschungsförderer finanzieren inzwischen Data Stewards z. B. in Sonderforschungsbereichen oder Exzellenzclustern. Den gestiegenen Anforderungen müssen Institutionen in Form von Policies und angepassten Abläufen begegnen. Rechtlich Forschungsdaten können personenbezogen und sehr sensitiv sein. Diese Daten müssen vor der Veröffentlichung anonymisiert oder im Zugriff so eingeschränkt werden, dass keine Datenschutzrechte verletzt werden. Auch die Berücksichtigung urheberrechtlicher Aspekte im Zusammenhang mit Forschungsdaten ist nicht zu vernachlässigen. Dies betrifft sowohl die Publikation eigener wie auch die Nachnutzung existierender Daten. Eine rechtliche Beratung zu einem frühen Zeitpunkt im Forschungsprozess ist dringend anzuraten. Infrastruktur Die entstehenden Datenmengen können – besonders in den Naturwissenschaften – sehr schnell sehr groß werden und aus den Erfahrungen der Vergangenheit wird die Datenmenge stetig wachsen. Der Umgang mit Daten im Petabyte-Bereich stellt Anforderungen an die Speicherung, Sicherung, Archivierung und die Übertragung dieser Daten. Vorbehalte Eine oft geäußerte Kritik aus der Wissenschaft liegt in der Sorge begründet, dass andere zu stark vom eigenen Datenschatz profitieren und man selbst nicht die nötige Reputation für die wissenschaftliche Karriere erzielen kann. Dazu ist klarzustellen, dass eine Veröffentlichung so früh und so umfangreich wie möglich anzustreben ist. Dies lässt aber weiterhin zu, dass Daten erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach der Auswertung oder mit einem Embargo versehen , veröffentlicht werden. Durch angestrebte Reformen in der Forschungsbewertung wird diesem Vorbehalt ebenso begegnet. Die Hoheit über die Daten kann beim Erzeugenden verbleiben. Ebenfalls oft genannt wird der zusätzliche Aufwand für den geforderten Umgang mit den Daten. Hierzu ist es bereits jetzt möglich, im Rahmen der Beantragung von Forschungsförderung auch Mittel für diesen Aufwand zu erhalten. Datenmanagement muss als zentraler Bestandteil von wissenschaftlicher Forschung angesehen und personell und finanziell ausreichend ausgestattet werden. Ausblick Der Prozess der letzten Jahre wird sich weiter verstärken. Die Veröffentlichung, Nachnutzung und Verknüpfung von Forschungsdaten haben sich zum wissenschaftlichen Standard entwickelt. Viele Journals fordern inzwischen die Einhaltung von Data Availability Statements bei Einreichungen. Außerdem etablieren sich spezielle Data- und Software-Journals als zusätzlicher Publikationsort für Forschungsdaten zusätzlich zu Repositorien. Es ist insgesamt zu erwarten, dass die Grenzen zwischen Open Access, Textpublikationen und Forschungsdaten zunehmend verschwimmen, sich die Themen und Aufgaben überlappen und unter dem Sammelbegriff Open Science ein Mentalitätswandel in der Wissenschaft herbeigeführt wird. Zur Akzeptanz in der Wissenschaft müssen Daten und der Umgang mit diesen als wissenschaftliche Leistung anerkannt werden. Literatur Wilkinson, M. D., Dumontier, M., Aalbersberg, Ij. J., Appleton, G., Axton, M., Baak, A., Blomberg, N., Boiten, J.-W., Bonino da Silva Santos, L., Bourne, P. E., Bouwman, J., Brookes, A. J., Clark, T., Crosas, M., Dillo, I., Dumon, O., Edmunds, S., Evelo, C. T., Finkers, R., … Mons, B. (2016). The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Scientific Data , 3 . https://doi.org/10.1038/sdata.2016.18 Weiterführende Literatur Österreichischer Wissenschaftsfonds (FWF) (o. J.): Open-Access-Policy für Forschungsdaten . https://www.fwf.ac.at/ueber-uns/aufgaben-und-aktivitaeten/open-science/open-access-policy/open-access-policy-fuer-forschungsdaten Putnings, M., Neuroth, H., & Neumann, J. (2021). Praxishandbuch Forschungsdatenmanagement . de Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110657807 Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) (o. J.): Open Science Policy . https://wiki.wwtf.at/books/open-science-policy/page/open-science-policy-gultig-ab-112026 Weiterführende Links forschungsdaten.info – Deutschsprachige Informationsplattform zu Forschungsdaten go-fair.org/ – Go Fair Initiative re3data.org – Verzeichnis von Datenrepositorien Bearbeitung der Inhalte der Seite: Matthias Landwehr, Universität Konstanz (Stand: Mai 2026). Besonderen Dank an Anna-Karina Renziehausen, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften ....

  4. Open Access in der Mathematik

    Was ist Open Access? Hier finden Sie eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Open Access in der Mathematik Im Gegensatz zu vielen naturwissenschaftlichen oder technischen Disziplinen wird in der Mathematik nach wie vor ältere Literatur für aktuelle Forschungsfragen herangezogen. Daher beschränkt sich freier Zugang in der Mathematik nicht auf aktuelle Forschungsergebnisse, sondern schließt auch ältere Literatur mit ein. Die Retrodigitalisierung und der freie Zugriff auf diese digitalen Inhalte spielen in diesem Fach eine große Rolle. Ein weiterer Unterschied zu den meisten naturwissenschaftlichen Disziplinen ist die Akzeptanz von Literatur ohne wissenschaftliche Qualitätsprüfung. So erhielt beispielsweise Grigori Jakowlewitsch Perelman 2006 die Fields-Medaille für eine Reihe von drei Artikeln über den Beweis zur Poincaré-Vermutung, welche er ausschließlich auf dem Preprintserver arXiv veröffentlicht hatte. Auch ohne klassisches Peer-Review-Verfahren konnte Perelmans Beweis so aufgrund der Open-Access -Veröffentlichung von verschiedenen Gruppen überprüft werden. In der Mathematik ist die Kritik an den steigenden Zeitschriftenpreisen sehr verbreitet. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade hier Forschende oftmals zum Boykott von Wissenschaftsverlagen (z. B. The Cost of Knowledge ) aufrufen und sich auch selbst daran beteiligen. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals listet unter dem Stichwort Mathematics 815 Einträge (Stand: November 2025). Publikationsgebühren werden oftmals kritisch gesehen. Vor diesem Hintergrund werden mathematische Zeitschriften häufig in Geschäftsmodellen ohne Publikationsgebühren veröffentlicht. Viele dieser Zeitschriften werden direkt von wissenschaftlichen Institutionen oder Fachgesellschaften herausgegeben. Beispiele hierfür sind: Journal de l'École Polytechnique – Mathématiques Documenta Mathematica Da, wie eingangs erwähnt, in der Mathematik ältere Literatur von großer Bedeutung ist, werden häufig ältere Zeitschriftenbände online frei zugänglich zur Verfügung gestellt, auch wenn die aktuellen Bände Closed Access , also kostenpflichtig sind. In diesen Fällen wird oftmals das Geschäftsmodell der Moving Wall mit Embargofrist angewandt: Für einen gewissen Zeitraum (z.B. die ersten fünf Jahre nach Erscheinen) ist der Zugang kostenpflichtig, anschließend wird er kostenfrei. Bei Veröffentlichen in Open-Access-Zeitschriften ist auch in der Mathematik Vorsicht vor Predatory Publishing geboten. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Was sind Open-Access-Bücher? Hier finden Sie eine Einführung. open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Bücher Unter dem Subject Mathematics listet das Directory of Open Access Books (DOAB) 95 Titel, unter Mathematics & science werden 207 Titel aufgeführt. OAPEN verzeichnet unter der Rubrik Mathematics rund 70 Titel (Stand: November 2025). Im Fach Mathematik werden die meisten Bücher in Verlagen mit traditionellen Geschäftsmodellen veröffentlicht. Open-Access-Bücher sind bislang eine Randerscheinung. Disziplinäre Repositorien Das wichtigste Repositorium in der Mathematik ist das e-Print Archiv arXiv für Physik, Mathematik und verwandte Fächer (siehe Fachseite Physik ). Die lange Zeit gängige Praxis, Preprints auf den eigenen Institutionsseiten zu veröffentlichen, wurde mit der steigenden Bedeutung von arXiv eingestellt. Viele Repositorien in der Mathematik veröffentlichen keine neuen Preprints mehr. Forschungsdaten aus der Mathematik können gut auf Zenodo abgelegt werden oder in fachspezifischen Repositorien, die zum Beispiel mit re3data gefunden werden können. Zusätzlich existieren für das Fach Open-Access-Repositorien mit retrodigitalisierter Literatur. Die bedeutendsten sind: Göttinger Digitalisierungszentrum (GDZ) : enthält u.a. die Kollektion Mathematica , in welcher der gesamte historische Bestand der SUB Göttingen an mathematischer Literatur bis einschließlich 1900 zugänglich gemacht wird. NUMDAM : ist an der Université Grenoble Alpes angesiedelt und beinhaltet viele französische und italienische Zeitschriften. Der Zugang ist frei, allerdings gibt es von Zeitschrift zu Zeitschrift variierende Embargofristen. The University of Michigan Historical Mathematics Collection : enthält Monografien des 19. und frühen 20. Jahrhundert Historical Math Monographs (Cornell University Library) Project Euclid (Cornell University): bietet elektronisch publizierte Zeitschriften an, viele davon im Open Access Eine Übersicht zu diesen und weiteren Repositorien bietet das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Was sind Repositorien? Hier gibt es eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie eine Einführung. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. Sonstige hilfreiche Angebote Seit dem Jahr 2021 ist die Informationsplattform zbMATH OPEN (ehemals Zentralblatt für Mathematik) frei zugänglich. Durch offene und nachnutzbare Schnittstellen wird die Vernetzung und der Austausch von wissenschaftlichen Informationen gewährleistet. Die Plattform soll sich als zentraler Punkt in einer offenen globalen Bibliothek für Mathematik etablieren. Ein weiteres freies Recherchetool ist The European Digital Mathematics Library ( EuDML ) . Darüber hinaus gibt es im Rahmen des Committee on Electronic Information and Communication (CEIC) of the International Mathematical Union (IMU) Bestrebungen, eine World Digital Mathematics Library (WDML) zu entwickeln. Darin soll die gesamte mathematische Literatur erschlossen, miteinander verknüpft, dauerhaft frei zugänglich und nachnutzbar werden. Ein erster Schritt ist hierbei durch zbMATH OPEN erfolgt. Zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung von Open-Access-Artikeln stellt das Projekt épisciences.org eine freie Plattform zur Verfügung, auf der Beiträge ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen können. So können auch Artikel auf Preprint-Servern wie arXiv einer wissenschaftlichen Qualitätsprüfung unterzogen werden. Open Science in der Mathematik Mathematische Methoden werden immer häufiger auch in der interdisziplinären Forschung erfolgreich angewendet und sind dementsprechend weit verbreitet. So finden Modelle, Parameter, Daten und numerische Algorithmen aus der Mathematik beispielsweise im Bereich maschinelles Lernen Verwendung. In ihrer freien Veröffentlichung liegt folglich ein großer Vorteil für die interdisziplinäre Forschung. Gerade im Bereich der Datenwissenschaften sind hierfür jedoch teils immense Rechnerleistungen nötig (vgl. Mathematical Research Data Initiative ). Traditionell stellt das Beweisen mathematischer Sätze das zentrale Element der mathematischen Publikationskultur dar. Diese Beweise müssen für die Lesenden innerhalb des Beitrags vollständig nachvollziehbar sein. Da im Rahmen von Open-Access-Publikationen sämtliche Inhalte bereits frei verfügbar sind, bestand lange kein Bedarf, zusätzliche Forschungsdaten bereitzustellen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung entstehen jedoch zunehmend rechnergestützte Beweisverfahren, Visualisierungen und weitere Arten mathematischer Forschungsdaten, deren offene Zugänglichkeit immer wichtiger wird. Mathematische Forschungsdaten sind sehr komplex und vielfältig. Der in der Entstehung begriffene MaRDI Knowledge Graph verknüpft viele offene Quellen mathematischer Forschungsdaten. Auf dem MaRDI Portal lassen sich neben dem Graphen weitere, auf die mathematische Community zugeschnittene Forschungsdaten-Services entdecken. Wird in der Mathematik Software entwickelt, dann wird diese oft über Github versioniert und zur Verfügung gestellt . (GitHub gehört seit 2018 zu Microsoft, auf öffentliche Repositorien kann ohne Anmeldung zugegriffen werden. Für das Hochladen eigener Daten ist eine Anmeldung notwendig, die grundlegenden Funktionen des Dienstes stehen kostenlos zur Verfügung.) Viele Universitäten und Forschungsinstitute bieten eigene Git-Instanzen (zum Beispiel auf der Open-Source-Plattform Gitlab basierend) an. In Zeitschriften, die die rechenintensiven Bereiche der Mathematik, zum Beispiel Numerik, abdecken, gibt es teilweise schon eine Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Code- und Software-Komponenten eines Papers. Ein Beispiel dafür ist Computational Science and Engineering , ein Journal mit eigenem Code Review Board, das im goldenen Open Access veröffentlicht wird. Es gibt Bestrebungen, dies auf weitere Teile der Mathematik auszudehnen . Der " Jean-Pierre Demailly Prize " zeichnet seit 2024 Projekte aus, die einen Beitrag zur Förderung von Open Science in der Mathematik leisten. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Weiterführende Literatur Boege, T., Fritze, R., Görgen, C., Hanselman, J., Iglezakis, D., Kastner, L., Koprucki, T., Krause, T., Lehrenfeld, C., Polla, S., Reidelbach, M., Riedel, C., Saak, J., Schembera, B., Tabelow, K., & Weber, M. (2022). Research-data management planning in the German mathematical community [Preprint]. arXiv. https://arxiv.org/pdf/2211.12071 Das, P. K. (2017). Anatomy of open access mathematics journals. Journal of Information and Knowledge, 53(6), 447–454. https://doi.org/10.17821/srels/2016/v53i6/98585 Hanselman, J. (2025). Guidelines for writing and reviewing mathematical software. Notices of the AMS. https://www.ams.org/journals/notices/202507/noti3210/noti3210.html Taubert, N. (2021). Green open access in astronomy and mathematics: The complementarity of routines among authors and readers. Minerva, 59, 173–194. https://doi.org/10.1007/s11024-020-09424-3 Teschke, O. (Dezember 2018). Green, gold, platinum, nickel: On the status of open access in mathematics. EMS Newsletter. https://ems.press/content/serial-article-files/10613?nt=1 Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Gernot Deinzer, UB Regensburg . Letzte inhaltliche Überarbeitung: Tabea Bacher, Max Planck Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI MiS) , mit freundlicher Unterstützung von Britta Schneemann, MPI MiS (Stand November 2025)....