COAR Annual Meeting 2022: The Role of Repositories in the Radical Transformation of Scholary Communications
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Intro Open Research Europe Quelle: Open Research Europe (2021). faster-h2020.eu Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Die wichtigsten Akteure im Politikfeld Open Access sind in Europa die Europäische Kommission und in Deutschland das BMFTR (bis 2025 BMBF) sowie die Landesregierungen. 2 Sie fördern und fordern mit verschiedenen politischen Maßnahmen den freien Zugang zu Wissen. 3 Auf Ebene der deutschen Bundesländer zeichnen sich in den Bereichen Open Access und Open Science unterschiedliche Entwicklungen ab. Praxistipp Der Praxistipp Open Access unterstützen - Landesregierungen benennt Maßnahmen, mit denen Landesregierungen Open Access praktizieren und unterstützen können. Politische Steuerung & Diskussion Das Themenfeld Open Access , die Formulierung von Open Access Policies und ihre Implementierung sind Gegenstand politischer Diskussionen und Aushand­lungsprozesse. Wer sind treibende Kräfte und was sind ihre Positionen? Open Access Policies werden sowohl durch Vorgaben von oben (“top down”) – insbesondere von der europäischen Ebene auf die Ebene der Nationalstaaten und Länder – als auch von unten (“bottom up”) durch engagierte Wissenschaftler*innen, wissenschaftliche Einrichtungen und Open-Access-Initiativen vorangetrieben. Wichtige Meilensteine der Diskussion um den offenen Zugang zu wissenschaft­lichen Informationen sind (siehe auch Geschichte des Open Access ): die Budapester Open Access Initiative (2002) die Berliner Erklärung über den offenen Umgang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) sowie weiterführend das Bethesda Statement on Open Access Publishing (2003) der Amsterdam Call for Action on Open Science (2016) , The Vienna Principles: A Vision for Scholarly Communication in the 21st Century (2016) , der Jussieu Call for Open Science and Bibliodiversity (2017) Plan S (2018) der Action Plan for Diamond Open Access (2022) Viele staatliche und überstaatliche Institutionen, wie die Europäische Union (EU), das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ( BMFTR , bis Mai 2025 Bundesministerium für Bildung und Forschung) , Ländermini­sterien, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und teilweise auch Hoch­schulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen , nehmen dabei eine Doppelrolle ein. Als politische Akteure beteiligen sie sich mit unterschiedlichen Interventionen und Maßnahmen an Aushand­lungsprozessen um Open Access; gleichzeitig sind sie auch Fördermittelge­bende und setzen in dieser Funktion unmittelbar Maßstäbe und Rahmen­bedingungen. Im Folgenden wird ein Überblick über die wichtigsten staatlichen Akteure im Politikfeld Open Access gegeben und jeweils kurz erläutert, wie der freie Zugang zu wissenschaftlichem Wissen im jeweiligen Kontext ermöglicht bzw. durch politische Regulierungen gefördert wird. Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Supranationale Ebene Auf supranationaler Ebene setzen die Europäische Kommission (EC ) und der European Research Council (ERC) wichtige Impulse für die Implementierung von Open Access und Open Science. Auch von der UNESCO wurde 2021 eine Recommendation on Open Science verabschiedet. Politische Steuerung von Open Access in Europa Bereits 2012 forderte die Europäische Kommission in einer Empfehlung die Mitgliedstaaten auf, klare und verbindliche Open Access Policies zu implementieren. Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung sollten demnach verpflichtend im Open Access veröffentlicht werden, entweder unmittelbar oder spätestens 6 (Naturwissenschaften) bzw. 12 Monate (Geistes- und Sozialwissenschaften) nach Erscheinen. Obgleich Empfehlungen der Europäischen Kommission nicht bindend sind, haben inzwischen die Mehrheit der 27 EU-Staaten und einige nicht EU-Mitgliedsstaaten ( Norwegen , Serbien und die Schweiz ) Open-Access- und Open-Science-Strategien verabschiedet (u.a. Belgien , Griechenland , Italien , Kroatien , Lettland , Malta , Polen , Portugal , Slowakei , Slowenien , Spanien , Tschechische Republik , Ungarn ). Auch im Bereich der Forschungsförderung verpflichtet die Europäische Kommission dazu, wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access zu publizieren (siehe auch Horizon Europe ). Open Access in Deutschland In Deutschland existiert, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, keine einheitliche nationale Open Access Policy. Die vorherige Bundesregierung hatte sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Legislaturperiode 2021-2025 das Ziel gesetzt, Open Access und Open Science zu stärken sowie Open Access als gemeinsamen wissenschaftlichen Standard zu etablieren. Dem wurde im Jahr 2023 auch mit der Verabschiedung gemeinsamer Leitlinien von Bund und Ländern zur Umsetzung von “Open Access in Deutschland” Rechnung getragen ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2023 ). Im Koalitionsvertrag von 2025 wird Open Access nicht explizit aufgeführt; der Zugang zu wissenschaftlicher Forschung soll durch ein Forschungsdatengesetz erleichtert werden. Bundesministerium für Bildung und Forschung Auf Bundesebene in Deutschland schuf die Novellierung des Urheberrechts im Jahr 2013 die rechtlichen Rahmenbedingungen für grünes Open Access , indem sie ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht implementierte ( Pflüger, 2016 , S. 14). Eine Strategie für Open Access in Deutschland veröffentlichte das vormalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, seit Mai 2025: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, BMFTR) 2016 (2018 aktualisiert): Ziel ist, Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens weiter zu etablieren und die „Lücke zwischen dem Wunsch der Wissenschaft nach mehr offen zugänglichen Publikationen und der aktuellen Veröffentlichungspraxis“ ( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2018 , S.7) zu schließen. Dabei sollen grundsätzlich vielfältige Wege für Open Access ermöglicht werden und die Wissenschaftsfreiheit unangetastet bleiben. Publikationen aus öffentlicher Förderung sollen der Allgemeinheit frei zugänglich sein und etablierte Verfahren der Qualitätssicherung gewährleistet bleiben. Während die Umsetzung in konkreten Policies in Deutschland Ländersache ist, setzte das BMBF in seiner Funktion als Fördereinrichtung Richtlinien: Wissenschaftliche Projekte, die durch das BMBF bzw. das BMFTR gefördert werden, sollen ihre Ergebnisse und ihre Forschungsdaten Open Access veröffentlichen . Förderempfänger sind neben wissenschaftlichen Einrichtungen und Bibliotheken auch privatwirtschaftliche Akteure, wie Verlage und andere Dienstleister, die sich im Umfeld von Open Access etablieren. Open Access auf Länderebene Aufgrund der Länderhoheit im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik erfolgt die Verabschiedung und Umsetzung von Open Access bzw. Open Science Policies in Deutschland überwiegend auf Länderebene ( Kindling et al., 2022 ). Diese Länderstrategien sind insofern zentrale Bestandteile der bundesdeutschen Open-Access-Transformation ( Kindling et al., 2021 ). Einige Länder wie z. B. Baden-Württemberg , Berlin , Brandenburg , Hamburg oder Schleswig-Holstein verfügen über Landesstrategien und benennen zum Teil konkrete Zielstellungen. Diese sind beispielsweise eine Open-Access-Quote für Zeitschriftenartikel, Open-Access-Beauftragte und Open-Access-Policies für alle Einrichtungen ( Berlin ), ein Monitoring der Open-Access-Publikationszahlen ( Thüringen ), eine klare Positionierung der Hochschulleitungen zu Open Access ( Brandenburg ) oder eine einheitliche technische Infrastruktur ( Hamburg ). Einige Landesregierungen fördern Open Access durch andere Instrumente der Hochschulsteuerung. Die Unterstützung für Open Access wird beispielsweise im Wissenschaftsplan ( Bremen ), im Hochschulentwicklungsplan ( Sachsen ) oder in den Digitalstrategien der Länder erwähnt ( Rheinland-Pfalz , Sachsen-Anhalt , Hessen ). Weitere Bundesländer unterstützen die wissenschaftlichen Einrichtungen ihres Landes durch gezielte Maßnahmen, wie beispielsweise openaccess.nrw in Nordrhein-Westfalen, über einen Open-Access-Publikationsfonds ( Thüringen , Niedersachsen ), über Open-Access-Vernetzungsstellen ( Berlin , Brandenburg ) oder über die Finanzierung von „Openness“ als Querschnittsthema ( Bremen ). In anderen Bundesländern gibt es zwar noch keine expliziten wissenschaftspolitischen Positionierungen, dafür aber viele Einrichtungen mit einem etablierten Open-Access-Serviceangebot (bspw. Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz) (Kindling et al., 2021). Einen Überblick über aktuelle und zurückliegende Open-Access- und Open-Science-Aktivitäten der deutschen Bundesländer bieten auch der Bundesländer-Atlas ( Kindling et al., 2021 ), die Länderdossiers des oa.atlas (2024) sowie der Open4DE Landscape-Report ( Bärwolf et al. 2023 ). Open Access in Österreich und der Schweiz Open Access in Österreich In Österreich traten bereits früh verschiedene Open-Access-Initiativen auf nationaler Ebene auf den Plan (vgl. Geschichte des Open Access (link)). So verhandelte 2014 die KEMÖ (Kooperation E-Medien Österreich) als eines der ersten nationalen Bibliothekskonsortien weltweit ein Open-Access-Verlagsabkommen in Kooperation mit dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (vgl. Mayer 2022, 47). Der FWF hatte schon 2004 eine eigene Open Access Policy mit einer starken Empfehlung zum Open-Access-Publizieren eingeführt. 2012 wurde das OANA (Open Access Network Austria, seit 2022: OSA – Open Science Austria ) als gemeinsame Initiative des FWF und der österreichischen Universitätskonferenz uniko zur nationalen Vernetzung gegründet. Die OANA verfasste in der Folge diverse Empfehlungen, u. a. zu einer nationalen Open-Access-Strategie (2016) und zu einer nationalen Open-Science-Strategie (2020). Anschließend an das Empfehlungspapier von 2016 veröffentlichten viele Forschungseinrichtungen Open Access Policies, die Empfehlung von 2020 diente als Grundlage für die 2022 verabschiedete nationale Open Science Policy Austria . Ein Zweitverwertungsrecht wurde 2015 verabschiedet (siehe auch Rechtsfragen in Österreich ). Die nationale Förderinitiative „Digitale und soziale Transformation in der Hochschulbildung“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2019 ermöglichte den Start mehrerer Digitalisierungsprojekten mit Fokus auf Open Access, wie z. B. AT2OA2 . Die österreichische Bundesregierung bekannte sich in ihrem Regierungsprogramm 2020-2024 klar zu Open Access und unterstützte darin auch „aktiv den Plan S zur Implementierung von Open Access“. Das aktuelle Regierungsprogramm 2025-2029 legt keinen expliziten Fokus auf Open Access oder Open Science. Open Access in der Schweiz Laut der strategischen Planung der Gesamtschweizerischen Hochschulpolitischen Koordination 2025–2028 wird das Ziel verfolgt, 100 % der wissenschaftlichen Publikationen aus den Schweizer Hochschulen im Open Access verfügbar zu machen. Insbesondere swissuniversities , die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen, fungiert in der Schweiz als übergeordneter Akteur zur Förderung von Open Access. Als Förderinstitution unterstützt swissuniversities diverse Open-Access-Projekte . Die 2017 veröffentlichte Nationale Open-Access-Strategie der Schweiz wurde 2024 revidiert : swissuniversities und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) legen darin Rahmenbedingungen für die Open-Access-Transformation des Landes fest. Die Delegation Open Science koordiniert die Zusammenarbeit der Stakeholder. Neben dieser nationalen Strategie gab das Netzwerk der Hochschulbibliotheken ( SLiNER ) 2019 Policy Guidelines heraus, die als Empfehlungen für institutionelle Open-Access-Richtlinien der Schweizer Hochschulen dienen. Der Anteil der Schweizer Hochschulen mit Open-Access-Policies lag im Jahr 2023 bei 86 % (vgl. swissuniversities, 2023). Aktuell arbeiten elf Partnerinstitutionen zusammen, um ein nationales Diamond-Open-Access-Konsortium zur langfristigen und nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen ( CoDOA ). Derzeit werden Vorarbeiten zu einer gesetzlichen Verankerung eines Zweitveröffentlichungsrechts geleistet. Literatur Bärwolff, T., Benz, M., Dreyer, M., Neufend, M., Kindling, M., Kirchner, A., & Schmidt, B. (2023). Open4DE Landscape Report . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.bab38f02 Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2023). Open Access in Deutschland. Gemeinsame Leitlinien von Bund und Ländern . https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/DE/1/772960_Open_Access_in_Deutschland.pdf Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2018). Open Access in Deutschland. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung . https://www.bildung-forschung.digital/files/2018-08-Open_Access_neu_barrierefrei.pdf Kindling, M., Neufend, M., & Wenninger, A. (2021). Bundesländer-Atlas Open Access . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.5761153 Kindling, M., Martin, L., Neufend, M., & Wenninger, A. (2022). Open Access Atlas Deutschland: Status Quo in Bund und Ländern (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6472672 Kindling, M., Martin, L., & Neufend, M. (2024). oa.atlas: Konzept . Open-Access-Büro Berlin. https://doi.org/10.21428/986c5d43.54fbd167 Mayer, K. (2022). Open Access im Wandel. Infrastrukturen, Monitoring und Governance als zentrale Elemente einer erfolgreichen Transformation. Baseline Report zur Open Access Transformation in der Wissenschaft . Zentrum für Soziale Innovation, Wien. https://doi.org/10.22163/fteval.2022.533 Pflüger, T. (2016). Open Access-Regulierung im internationalen Vergleich. In T. Dreier, V. Fischer, A. van Raay, & I. Spiecker gen Döhmann (Eds.), Informationen der öffentlichen Hand : Zugang und Nutzung (1. edition, Vol. 3, S. 537-562). Nomos. https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/handle/123456789/37572/Pflueger_0-395438.pdf?sequence=1&isAllowed=y swissuniversities (2023). Open Access Strategy Review. Background Report . https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA_Strategie/OA_Strategy_Review_Background_Report.pdf UNESCO. (2021). UNESCO Recommendation on Open Science. UNESCO . https://doi.org/10.5281/zenodo.5741832 Weiterführende Literatur Fuhrer, C., Schurte, R. (2018). Nationale Open Access-Strategie in der Schweiz: Herausforderungen für die Hochschulen und ihre Bibliotheken. In: Bibliotheken der Schweiz: Innovation durch Kooperation: Festschrift für Susanna Bliggenstorfer anlässlich ihres Rücktrittes als Direktorin der Zentralbibliothek Zürich , edited by Zentralbibliothek Zürich, Alice Keller and Susanne Uhl, Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 2018, pp. 97-118. https://doi.org/10.1515/9783110553796-004 Taşkın, Z., Melinščak Zlodi, I., Laakso, M., Torny, D., Arasteh, S., Bargheer, M., Klaus, T., Schima, J., Agnoloni, T., Peruginelli, G., Davidson, A., Franczak, M., María Ángeles, C. B., de Pablo Llorente, V., Dobson, H., & Heyman, J. (2024). D5.2 National overviews on sustaining institutional publishing in Europe . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13683953 Verdicchio, D., Kissling-Näf, I. (2020). Digitale Transformation und Open Access von Forschungsresultaten in der Schweiz. In: Schellinger, J., Tokarski, K., Kissling-Näf, I. (Hrsg.) Digitale Transformation und Unternehmensführung (pp. 11-27). https://doi.org/10.1007/978-3-658-26960-9_2 Wissenschaftsrat (2022). Empfehlungen zur Transformation des Wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access; Köln. https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61 ....
Was ist Open Access? Hier gibt es eine Einführung. Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Was spricht für, was gegen Open Access? Hier gibt es Gründe und Vorbehalte. Open Access publizieren Erfahren Sie hier, wie Sie Ihre Publikation Open Access veröffentlichen können. Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) Open Access in der Geschlechterforschung Die Geschlechterforschung ist ein Wissensfeld, das stark von inter/transdisziplinären Arbeitsweisen geprägt ist und in dem sich zugleich auch vielfältige disziplinäre Zugänge wiederfinden. Die Veröffentlichungspraktiken und -orte von Geschlechterforschenden richten sich in vielen Fällen nach den involvierten Fachdisziplinen und sind entsprechend heterogen. Es gibt aber auch eine Reihe von dezidiert inter/transdisziplinär ausgerichteten Publikationen. Die Geschlechterforschung nutzt überwiegend Zeitschriften, Sammelbände und Monographien für ihre Publikationsanliegen. Daneben sind Handbücher, Wissenschaftsblogs und verschiedene andere Transferformate verbreitet. Preprints spielen dagegen kaum eine Rolle. Chancen für die Geschlechterforschung Open-Access-Publizieren bietet gerade für die Geschlechterforschung enorme Chancen: Aufgrund von politischen Vorbehalten gegenüber der Geschlechter­forschung und der uneindeutigen Verortung zwischen den Disziplinen sind ihre Ergebnisse Rezeptionssperren ausgesetzt. Open-Access-Publikationen können durch die mögliche größere Sichtbarkeit und den direkten Zugriff auf Volltexte diese Sperren überwinden und so ihre Qualität belegen. Die Chancen des elektronischen Publizierens und insbesondere von Open Access sind in der Geschlechterforschung heute breit akzeptiert. Es gibt in der deutschsprachigen Geschlechterforschung mittlerweile eine Reihe von Open-Access-Publikationen, insbesondere bei Zeitschriften und Wissenschaftsblogs. Eine langsame Zunahme von Open-Access-Veröffentlichungen ist auch im Bereich der Bücher zu verzeichnen. International lassen sich zwei Entwicklungen unterschieden: Auf der einen Seite erscheinen einschlägige, überwiegend englischsprachige Publikationen zur Geschlechterforschung in großen kommerziellen Verlagen, die bis dato leider lediglich hybride Open-Access-Optionen gegen die Zahlung von Zusatzgebühren anbieten. Auf der anderen Seite ist eine wachsende Zahl von Open-Access-Publikationen in der nicht-englischsprachigen Welt zu verzeichnen, die gebührenfreie und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Modelle verfolgen und so einen wichtigen Beitrag zur Bibliodiversität leisten. Aktivitäten der Fachgesellschaft Geschlechterstudien Die Fachgesellschaft Geschlechterstudien positioniert sich aktiv für freies Publizieren. Als eine von vier Herausgeberinnen des Open Gender Journal und Trägerin der Open Gender Plattform hat die Fachgesellschaft Open Access als wichtiges Handlungsfeld in ihrem Aufgabenspektrum verankert. Innerhalb der Fachgesellschaft vernetzt die Arbeitsgruppe Open Digital Gender Studies zudem bestehende Initiativen und setzt sich mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Open Access und Open Science auseinander. Open-Access-Zeitschriften Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet unter dem Stichwort Gender 151 Einträge (Stand: August 2024). Lediglich 34 der im DOAJ verzeichneten Zeitschriften erheben APCs . In Deutschland erscheinen folgende Open-Access-Zeitschriften im Bereich Gender Studies: Open Gender Journal DOAJ querelles-net (seit 2020 Rubrik des Open Gender Journal ) GENDER DOAJ Gender Forum IZGOnZeit gender[ed]thoughts FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur Die Rezensionszeitschrift querelles-net , die zu den Pionierinnen der Open-Access-Bewegung in der deutschsprachigen Geschlechterforschung gehört, wird seit 2020 als Rubrik des Open Gender Journals weitergeführt. Die genannten Zeitschriften sind nicht nur kostenfrei zugänglich, sondern erfüllen auch durch die Nutzung von freien Lizenzen die Anforderungen an Open-Access-Publikationen. Was sind Open-Access-Zeitschriften? Hier gibt es eine Einführung. Praxistipp Qualität von Zeitschriften – Wo publizieren und wo lieber nicht? open-access.network (2026) ( CC BY 4.0 International ) Open-Access-Handbücher Mit dem Handbuch „Politik und Geschlecht“ (herausgegeben von Christine M. Klapeer, Johanna Leinius, Franziska Martinsen, Heike Mauer und Inga Nüthen) existiert seit 2017 ein Open-Access-Einführungswerk in die politikwissenschaftliche Geschlechterforschung, das kontinuierlich ergänzt und aktualisiert wird. Diese „Living Enzyklopädie“ entstand im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes OAPEnz als Zusammenarbeit zwischen der ZB MED und dem Verlag Barbara Budrich . Wissenschaftliche Open-Access-Blogs Neben klassischen Fachzeitschriften erscheinen mittlerweile auch Wissenschaftsblogs in der Geschlechterforschung als frei lizensierte Open-Access-Publikation. Die Beiträge im blog interdisziplinäre geschlechterforschung , der von der Koordinations- und Forschungsstelle Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW herausgegeben wird, werden im Repositorium der UB Duisburg-Essen langzeitarchiviert. Das Genderblog des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der HU Berlin legt den Schwerpunkt auf die Publikation von Ergebnissen, Projekten und Debatten aus Forschung und Lehre der Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. Open Educational Resources Im Bereich der Open Educational Resources bietet die OER Was ist Gender? einen Einstieg in das Thema. Das Portal Gendering MINT digital stellt nachnutzbare Lehreinheiten aus dem Forschungs- und Lehrbereich Gender & MINT zur Verfügung. Die Toolbox Gender und Diversity in der Lehre bietet Materialien für die Gestaltung von diskriminierungskritischer Hochschullehre. Alle Angebote sind frei lizensiert. Was sind Repositorien? Hier gibt es eine Einführung. Rechtliches Hier finden Sie rechtliche Informationen rund um Open Access. Video über das Zeitveröffentlichungsrecht Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Disziplinäre Repositorien Mit GenderOpen verfügt die Geschlechterforschung seit 2018 über ein diszipli­näres Open-Access-Repositorium , das die langfristige Verfügbarkeit von Veröff­entlichungen unter Open-Access-Bedingungen sichert. Das Repositorium infor­miert Autor*innen auch über ihre Rechte im Bereich der Zweitveröffentlichung und schafft so Bewusstsein für die Möglichkeiten, die ihnen im Rahmen des deutschen Urheber*innenrechts gegeben sind. Gezielte Kooperationen mit ein­schlägigen Fachverlagen ermöglichen in vielen Fällen die Zweitveröffentlichung von originalen Verlagsversionen sowie der zugehörigen Metadaten nach Ablauf einer Embargofrist . Der Schlagwortindex GenderOpen ist ein im Rahmen von GenderOpen ent­wickeltes kontrolliertes Vokabular zur inhaltlichen Beschreibung von Publikatio­nen aus der Geschlechterforschung. Er wird auch von einigen Zeitschriften, dem Digitalen Deutschen Frauenarchiv und der Gutachter*innen-Datenbank ge­nutzt. GenderOpen erhielt 2019 das DINI-Zertifikat für Open-Access-Publika­tionsdienste. Eine Übersicht zu relevanten Repositorien bietet auch das Open Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) . Sonstige Angebote Open Access wurde in der deutschsprachigen Geschlechterforschung entschei­dend durch einzelne Projekte vorangebracht. Das von der DFG geförderte Pro­jekt Geschlechterforschung und Open Access. Ein Publikationsmodell für ein inter-/transdisziplinäres Forschungsfeld an der Freien Universität Berlin (2011 – 2012) war dafür richtungsweisend. Darin wurden die Chancen und Anforde­rungen an Open-Access-Publikationen in der Geschlechterforschung analysiert. Es wurde gezeigt, dass alle für die Umsetzung eines qualitätsgesicherten Open-Access-Publikationsangebots notwendigen technischen und rechtlichen Mög­lichkeiten vorhanden sind. Open-Access-Veröffentlichungen und elektronische Publikationsabläufe bringen jedoch zusätzliche Anforderungen mit sich, z. B. klare Rollenteilungen, Rechteklärungen sowie Anpassungen an disziplin- und länder­übergreifende Standards. Als weiteres Open-Access-Angebot ist das Projekt Open Gender Platform zu nennen. Darin wurden nachhaltige Ansätze für redaktionelle Workflows, Geschäftsmodelle und Qualitätssicherungsverfahren entwickelt und für die gesamte Geschlechterforschung nachnutzbar zur Verfügung gestellt. Hierzu zählt u. a. eine Gutachter*innen-Datenbank . Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis von Expert*innen, die ihre Bereitschaft erklärt haben, für Open-Access-Zeitschriften und -Bücher in Deutschland als Gutachter*innen zu fungieren. Praxistipp Open-Access-Literatur finden Open Access Helpdesk Gerne berät unser Helpdesk bei Fragen zu Open Access. oa.finder Der oa.finder zeigt Ihnen aus zehntausenden Zeitschriften, welche Gold Open Access sind, ob sie APCs erheben und wie hoch diese sind. Außerdem können Finanzierungsmodalitäten der eigenen Einrichtung angezeigt werden. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Open Science in der Geschlechterforschung Das Thema offene Forschungsdaten wird in der Geschlechterforschung nur zögerlich aufgegriffen. Nach einer Bedarfsanalyse zu Forschungsdateninfra­strukturen in den Gender Studies haben bisher nur wenige Forschende Erfah­rung mit der Nachnutzung von Forschungsdaten gemacht. Die Schwierigkeiten bei der disziplinären Einordnung der Geschlechterforschung wiederholen sich auch in Bezug auf offene Forschungsdaten: Explizit für die Geschlechterfor­schung ausgewiesene Forschungsdatenrepositorien gibt es bislang nicht. Selbst bei guter Metadatenerfassung erfordert eine Recherche stets das Verfolgen un­terschiedlicher Suchstrategien mit verschiedenen Speicherorten, Schlagworten und Disziplinen. Ob jedoch ein eigenständiger Speicherort für offene Forschungsdaten in einem inter- und transdisziplinären Feld wie der Geschlech­terforschung angezeigt ist, in der mit vielfältigen Datenarten gearbeitet wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Kathrin Ganz , Fachinformationsdienst Geschlechterforschung/Gender Studies (FID Gender) (Stand: August 2024)....