Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access

Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access

Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.

Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor.

Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung

Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.

Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 

Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 

Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Inforamtionsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 

Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 

Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 

Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA

Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective), Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.

Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.

Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).

Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.

Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur

  • Ball, C., Shaw, T., & Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612
  • Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., & Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
  • Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505
  • Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261

Zitiervorschlag

Benz, M., Shangguan, W., Stork, K. (2026). Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access. open-access.network. DOI: 10.64395/8eh5e-fr054


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).


Schreibe einen Kommentar

* Diese Felder sind erforderlich
Kommentare werden erst nach vorheriger Prüfung von der Redaktion veröffentlicht. open-access.network behält sich vor, Kommentare zu löschen oder die Kommentarfunktion zu schließen, wenn die Netiquette verletzt oder die Kommentarfunktion missbraucht wird.

Kommentare

Keine Kommentare

Zuletzt bearbeitet am

Mehr zu den Themen dieser Seite: