
Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025
Im Juli und August 2025 fand eine Online-Befragung des SeDOA-Projektes zu den Bedarfen von Herausgebenden und weiteren Akteuren der Diamond-OA-Community statt. Die Auswertung zeigte, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht.
Bedarfe verstehen, zielgerichtet unterstützen
In den vergangenen Jahren ist Diamond Open Access (DOA) zunehmend in den Fokus von Forschungsförderern auf europäischer und nationaler Ebene gerückt. Auch in Deutschland existieren vielfältige, häufig aus wissenschaftlichen Communities heraus betriebene Publikationsangebote, die für Autor*innen sowie für Lesende kostenfrei sind. Seit Mai 2025 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Ziel des Projekts ist es, die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit bestehender dezentraler Infrastrukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen und Innovationen zu fördern. Um Unterstützungsangebote bedarfsgerecht entwickeln zu können, wurde im Sommer 2025 eine umfassende Online-Befragung durchgeführt. Die Erhebung knüpfte an frühere Studien an und hatte das Ziel, Bedarfe, Herausforderungen und Erwartungen der deutschen Diamond-OA-Community systematisch zu erfassen.
Rahmen und Beteiligung
Die Befragung wurde im Rahmen des Arbeitspakets „Community Support Services“ von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft umgesetzt. Zwischen Juli und August 2025 war der Fragebogen online zugänglich. Insgesamt nahmen 239 Personen teil. Den größten Anteil bildeten Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken mit 34 Prozent, gefolgt von Forschenden mit 20 Prozent sowie Herausgebende von Periodika mit 18 Prozent. Weitere Teilnehmende kamen aus Universitätsverlagen, Fachinformationsdiensten, Fachgesellschaften oder ordneten sich der Kategorie „Sonstige“ zu. Damit spiegelt die Erhebung ein breites Spektrum der Akteur*innen wider, die im Bereich Diamond Open Access tätig sind.
Zentrale Ergebnisse der Bedarfserhebung im Überblick
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht. Besonders hervorgehoben wurden Fragen der Finanzierung und tragfähiger Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards beim Publizieren sowie die Indexierung in relevanten Datenbanken. Diese drei Themen stuften jeweils über 70 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch Aspekte wie der Wechsel des Publikationsanbieters, Unterstützung im Produktionsprozess, technische Fragen zu Softwarelösungen, Managementthemen, Austauschformate oder grundlegende Informationen zu Diamond Open Access wurden von rund der Hälfte der Teilnehmenden als relevant bewertet.
Die offenen Antworten verdeutlichen die Komplexität der Bedarfe. Im Bereich Software und technische Infrastruktur wurde mehrfach der Wunsch nach tragfähigen organisatorischen und technischen Strukturen geäußert. Im Themenfeld Finanzierung wurde neben allgemeinen Geschäftsmodellen vor allem deren langfristige Nachhaltigkeit betont. Mehrere Befragte wünschten sich gezielte Förderprogramme für Diamond-OA-Initiativen sowie klare Lösungen zur Finanzierung redaktioneller Arbeit. In den ausführlichen Freitextantworten wurden die praktischen Herausforderungen deutlich, etwa die wiederkehrende Klärung von Finanzierungsfragen oder die aufwändige Ausschreibung von Dienstleistungen im öffentlichen Dienst. Zwischen den verschiedenen befragten Gruppen zeigen sich leichte Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen. Über alle Gruppen hinweg bleibt jedoch das Thema Finanzierung das zentrale Anliegen.
Ebenfalls ausgeprägt ist der Bedarf an rechtlicher Unterstützung. Insgesamt wird deutlich, dass ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf im Bereich des Urheber- und Vertragsrechts besteht. Die Community wünscht sich hier insbesondere praxisnahe und rechtssichere Orientierung.
In der Befragung wurden auch Wünsche hinsichtlich der Formate der Unterstützung erfragt. Hier liefern die Ergebnisse ein klares Bild. Bevorzugt werden kurze, kompakte Informationsangebote wie Info-Sheets oder kurze virtuelle Workshops von bis zu zwei Stunden. Längere Workshops oder umfangreiche Selbstlernkurse finden deutlich weniger Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten hält die Teilnahme an ein bis zwei Veranstaltungen pro Jahr für realistisch. Zeitliche und finanzielle Ressourcen werden häufig als begrenzend beschrieben, weshalb flexible, digitale und praxisnahe Formate besonders gefragt sind. Zudem besteht ein Wunsch nach nachnutzbaren Materialien, individueller Beratung und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.
Die Ergebnisse als Richtschnur für weitere Angebote
Insgesamt zeigt die hohe Beteiligung an der Befragung das große Interesse am Thema Diamond Open Access in Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es in nahezu allen Bereichen Unterstützungsbedarfe gibt, wobei Finanzierung, Qualitätsstandards und Indexierung besonders hervortreten. Gleichzeitig unterstreichen die Rückmeldungen die Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen, rechtssicherer Rahmenbedingungen und strategischer Einbettung in institutionelle Kontexte. Für das Projekt SeDOA bilden diese Erkenntnisse eine wichtige Grundlage, um künftige Angebote gezielt zu entwickeln und an den Bedürfnissen der Community auszurichten.
Die ausführlichen Ergebnisse sind auf Zenodo zu finden.
Zitiervorschlag
Finger, J., Strauß, H., Steinecke, B. (2026). Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025. open-access.network. https://doi.org/10.64395/vt7fx-npg11
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