KI trifft Open Access in den Künsten – ein Werkstattgespräch über die Licht- und Schattenseiten einer rasanten Entwicklung

KI trifft Open Access in den Künsten – ein Werkstattgespräch über die Licht- und Schattenseiten einer rasanten Entwicklung

Hand aufs Herz – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird heiß diskutiert.

Werkstattgespräch mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen

Die Fokusgruppe OA-Künste startete am 25.4.2024 mit einem öffentlichen Werkstattgespräch den so wichtigen Austausch zu KI, den Künsten und Open Access. Zusammen mit den eingeladenen Expert*innen aus verschiedenen Bereichen gab es 90 Minuten voller Input und spannender Diskussionen.

Den ersten Einstieg ins Thema machte Oliver Vettermann, Jurist für Datenschutz, IT-Sicherheitsrecht und Medienrecht sowie Vertreter des legal helpdesks von NFDI4Culture. Er gab Einblicke in den brandneuen European AI Act und benannte anschaulich anhand eines mittels Suno AI generierten Musikstücks die großen Herausforderungen: Woraus speisen sich die Trainingsdaten? Welche Forderungen können Künstler*innen geltend machen? Können technische Verfahren wie Data Poisoning (d.h. KI gezielt mit falschen Informationen füttern) eine Möglichkeit sein, die eigenen Daten vor einer KI-Nachnutzung zu schützen?

Georg Fischer vom Open-Access-Büro Berlin und Autor bei irights.info wählte für seinen Input einen Blick auf die Entwicklungen vom Stumm- hin zum Tonfilm und die damit verbundenen Auswirkungen sowie Reaktionen. Seine Einstellung: Mediale Veränderungen brachten schon immer Aufregung und Veränderung mit sich – und werden es auch zukünftig tun. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen aber auch immer davon ab, wie die Gesellschaft die Änderungen mitgestaltet. Eine Analogie, die sich seiner Meinung nach in gewisser Weise auch auf die KI-Entwicklungen übertragen lässt. Ebenso wie Oliver Vettermann weist auch Georg Fischer auf die vielen Unbekannten, gerade in Bezug auf Herkunft der Daten, Offenlegung der Quellcodes etc. hin und benennt die zentralen Fragen zu Original vs. Kopie, Rolle der Autor*innen / Urheber*innen und den Auswirkungen auf die Kreativwirtschaft.

Der Künstler Robert Seidel zeigte in einem dritten Beitrag am Beispiel seiner Arbeit, wie er KI für sein künstlerisches Schaffen nutzt und welche Konsequenzen die KI-Entwicklungen auf seine wirtschaftliche Existenz haben. Er betonte hierbei auch, dass der seit 2021 aufkommende Einsatz von KI ein absolutes Novum für die Kunst gewesen sei und sich die Kunstschaffenden seitdem in einem Findungs- und Aushandlungsprozess befinden. Auf der einen Seite stellt die KI ein großes Potential für die Kunst dar, auf der anderen Seite birgt sie Gefahren für die Künstler*innen, deren Werke zu Trainingsdaten werden können und denen Auftragsarbeiten wegbrechen, die mehr und mehr von der KI übernommen werden.

Mit Impulse in die Diskussion eines Komplexen und vielschichtigen Themas

Mit diesen spannenden Inputs ging es in die Diskussion, zu der auch Sonja Thiel, Kuratorin und museologisch Forschende (digitale offene Bildung, KI und digitale Sammlungen), hinzukam.

Schnell zeichneten sich die Komplexität des Themas und die Vielschichtigkeit der Fragen ab:

  • Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf den Wert von Kunst?
  • Welche Vergütungsmodelle brauchen wir, um die wirtschaftliche Existenz der Kreativschaffenden zu sichern?
  • Ist die mit Open Access verfolgte Openness dann automatisch ein Weg in die KI? Wo finden sich Verbindungen?
  • Welche Rechtsfragen gibt es und wo wird es Lösungen für sie geben?
  • Welche maschinenlesbaren Opt-out-/Opt-in-Modelle können bei der Umsetzung von rechtlichen Regularien helfen?1
  • Wie gehen wir mit der Diskrepanz der KI-Modelle um? Faire Modelle gehen derzeit mit qualitativ nicht ausreichenden Daten einher, während kritisch zu betrachtende Modelle sehr gute Ergebnisse liefern.2
  • Welche Rolle spielen die Künstler*innen bei der Entwicklung der KI-Modelle?
  • Welche Ressourcen fordert die immer intensivere Nutzung von KI eigentlich? Stichworte: Nachhaltigkeit und Klimakatastrophe.

Die Runde konnte viele Herausforderungen ansprechen. Es wurde aber auch deutlich, dass jede Frage für sich noch viel Gesprächsbedarf mit sich bringt und im Austausch auch noch geschärft werden muss. Nur so können zusammenhängende Aspekte herausgearbeitet und (Tei-)llösungen erarbeitet werden. Die rasant voranschreitenden Entwicklungen erfordern zudem ein überaus flexibles Agieren an den aufkommenden Beispielen. Zeit für Entwicklung theoretischer Konstrukte mit anschließender Umsetzung bleibt hier nicht.

Eine Teilnehmendenfrage zum Stand der Umsetzung von KI an künstlerischen Hochschulen brachte einen ganz zentralen, praktischen und hochaktuellen Aspekt in die Runde: Auch an den künstlerischen Hochschulen stellt sich die Frage, wie und ob KI bei Prüfungsarbeiten, Lehre oder Forschung integriert wird. Daneben haben andere Aspekte, wie Forderungen aus der Politik, die Frage nach einer hochschulinternen KI-Instanz und der personellen Begleitung der Entwicklungen an den Hochschulen einen großen Einfluss auf persönliche und/oder institutionelle Strategien.

Alle Fragen geklärt?

Es bleiben viele offene Fragen und viel Interesse an weiterem Austausch. Das Werkstattgespräch konnte erste wichtige Punkte aufzeigen und neben vielen Bedenken auch Mut machen. Die Entwicklungen überholen sich, die Änderungen sind gewaltig. Aber es liegt auch an uns, sie mitzugestalten und einen für die Künste passenden Weg der Openness im Zeitalter der KI zu finden.


1Vorbild sind hierbei CC-lizenzen, die maschinenlesbare Nutzungsbindungen beinhalten. Es fehlt ein Äquivalent für die Freigabe von Daten für Trainingsdaten oder eben die Sperre hierfür.
2Faire Modelle wählen die Trainingsdaten aus und „grasen“ nicht einfach das Netz ab. Sie haben dementsprechend eine geringere Datenmenge. Kurz: je mehr Daten, desto bessere Ergebnisse.


Zitiervorschlag

Kramer, F., & Wilde, A. (2024). KI trifft Open Access in den Künsten – ein Werkstattgespräch über die Licht- und Schattenseiten einer rasanten Entwicklung. open-access.network. doi.org/10.64395/9v29g-hnr93.


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).

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