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  1. Verlagsvertrag

    Rechtliche Grundlagen für Verlagsverträge Ein Verlagsvertrag ist ein spezieller, formfreier Vertrag, der in der Regel beim Publizieren eines Aufsatzes in einer Fachzeitschrift oder in einem Sammelband oder beim Publizieren einer Monografie zwischen Urheber*in und Verlag geschlossen wird. Er regelt, in welchem Umfang die Verwertungsrechte für die Publikation an den Verlag abgetreten werden. Deutschland Für Verlagsverträge in Deutschland gilt neben §§ 31–44 UrhG das Verlagsgesetz (VerlG) . Durch den Verlagsvertrag wird gem. § 8 VerlG im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt, das als Verlags­recht bezeichnet wird. Unabhängig von den im Verlagsvertrag einge­räumten Rechten dürfen Urheber*innen nach § 38 UrhG die Manuskript­fassung wissenschaftlicher Beiträge, die im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschung entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinendem Sammlung veröffentlicht wurden, nach einer Frist von 12 Monaten zweit­veröffentlichen . Eine Bereitstellung in einem Repositorium ist also in diesen Fällen laut Zweitveröffentlichungsrecht auch dann möglich, wenn dem Verlag ausschließliche Nutzungsrechte eingeräumt wurden ( Brehm & Rücknagel, 2021 ). Österreich In Österreich zählt der Verlagsvertrag als eigener Vertragstyp, der in den §§ 1172 ff. ABGB geregelt ist. Wobei die wichtigsten auf Verlagsverträge anwendbaren Vorschriften im UrhG statuiert sind. Insoweit sind vor allem die §§ 23 und 24 sowie 26–37 UrhG besonders relevant. Gem. § 1172 ABGB verpflichtet sich der Urheber bzw. sein Rechtsnachfolger, das Werk dem Verleger zur Vervielfältigung und Verbreitung für dessen eigene Rechnung zu überlassen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Verleger, das Werk zu vervielfältigen und zu verbreiten. Dabei ist in der Regel mangels anderweitiger Vereinbarungen von einem Werknutzungs­recht gem. § 26 UrhG, mithin von einer ausschließlichen Rechtsübertra­gung auf den Verleger auszugehen. (Siehe dazu: Walter, 2008, S. 820ff. ). Schweiz In der Schweiz ist der Abschluss eines Verlagsvertrags nicht an die Einhaltung einer bestimmten Form gebunden ( Art. 380 ff. OR ). Ein E-Mail-Austausch oder die Zusendung des Manuskripts vom Urheber an den Verlag mit der Bitte um Veröffentlichung gelten rechtlich als Verlags­vertrag, wenn der Verlag die Publikation vornimmt oder sie zumindest verspricht. Urhebergesetzliche Schrankenregelungen gelten in der Schweiz auch, wenn die entsprechenden Rechte übertragen wurden. Ein Beispiel ist die Schrankenregelung zugunsten des betriebsinternen Gebrauchs ( Art. 19 Abs. 1 lit. c URG ); dieser ist aber an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Ein Verbot der Rechtseinräumung bezüglich unbekannter Nutzungsarten kennt das schweizerische Recht nicht. Wurden vor 1995 "sämtliche Urheberrechte" eingeräumt, so sind davon auch die heute gebräuchlichen Online-Rechte betroffen. Weitere Informationen zu Verlagsverträgen und rechtlichen Fragen in Bezug auf die Schweiz gibt es bei der Hauptbibliothek der Universität Zürich . Verträge mit internationalen Verlagen Bei Verträgen mit internationalen Verlagen gilt grundsätzlich dasselbe wie bei deutschen Verlagen. Sollten die Verträge nur auf Englisch vorliegen, muss hier insbesondere darauf geachtet werden, dass dem Verlag keine exclusive rights eingeräumt werden. Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 ( CC BY 3.0 DE ) Praxistipp Hier finden Sie eine Handreichung des Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz zum Thema Zweitveröffentlichen sowie eine Informationsseite des BMBF zum Thema Zweitveröffentlichungsrecht. Praxistipp Weitere rechtliche Hinweise in Bezug auf Österreich gibt das Open Science Network Austria (OANA) . Je nach Verlag und Zeitschrift sind die verbleibenden Rechte umfassender oder limitierter, wobei inzwischen viele Verlage dazu übergegangen sind, ihren Autor*innen die Selbstarchivierung in einem Dokumentenserver ausdrücklich zu erlauben. Open Policy Finder bietet ein Tool an, mit dem Archivierungsregeln von einzelnen Zeitschriften oder Verlagen recherchiert werden können. Ein Honorar kann zwar im Verlagsvertrag vereinbart werden und gilt stillschwei­gend als vereinbart, wenn üblicherweise nur mit der Ablieferung eines Manus­kripts gegen Honorarzahlung gerechnet werden darf. Das Honorar gehört aber nicht zu den Hauptleistungspflichten, den sogenannten Kardinalspflichten im Verlagsvertrag. Obwohl das Verlagsgesetz keine Bestimmungen über andere Rechte als Vervielfältigung und Verbreitung enthält, wird dem Verlag regelmäßig auch das ausschließliche Nutzungsrecht über andere Verwertungshand­lungen erteilt (zum Beispiel das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, das für Veröffentlichungen im Internet gilt). Die Formulierung im Verlagsvertrag ist entscheidend – und dabei herrscht Vertragsfreiheit. Die verschiedenen Nutzungs- bzw. Verwertungsrechte können dabei einzeln vergeben werden. Vertragliche Regelungen gehen den dispo­sitiven gesetzlichen Bestimmungen vor. Zu unterscheiden sind folgende Fälle: Übertragung von Urheberrechten In Deutschland ( §29 UrhG ) und Österreich ( § 23 UrhG ) ist das Urheberrecht nicht übertragbar. In der Schweiz ist das Urheberrecht übertragbar ( Art. 16 URG ). Autor*innen können ihre Rechte dem Verlag abgeben. Beispiel: In einer Vertragsformulierung wird "das Urheberrecht räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkt eingeräumt". Lizenzierung/Nutzungsrechte Autor*innen behalten ihre Urheberrechte, räumen aber Verwertungs- bzw. Nutzungsrechte ein. Einräumung einer ausschließlichen Lizenz /ausschließlicher Nutzungsrechte: Autor*innen verpflichten sich, keine anderweitigen Lizenzen am entsprechenden Werk zu erteilen. Beispiel: "Der Autor überträgt dem Verlag räumlich und inhaltlich unbeschränkt für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts das ausschließliche Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung (Verlagsrecht) des Werkes." Einräumung einer einfachen Lizenz/einfacher Nutzungsrechte : Autor*innen dürfen anderen Personen oder Organisation weitere (einfache) Lizenzen/einfache Nutzungsrechte einräumen. Beispiel: "Für eine Online-Veröffentlichung des Werkes wird dem Verlag ein einfaches Nutzungsrecht ohne Benutzungspflicht eingeräumt." Selbstarchivierung vertraglich durchsetzen Während sich bei in der Vergangenheit geschlossenen Verträgen die Frage stellt, welche Regelungen der Vertrag hinsichtlich einer elektronischen Sekundärver­breitung des Werks enthält, gibt es beim Abschluss neuer Verlagsverträge verschiedene Möglichkeiten, eine Open-Access-Parallelbereitstellung vertraglich durchzusetzen. Einige Autor*innen, die ihre Artikel in kostenpflichtigen Zeit­schriften veröffentlichen, sich aber trotzdem das Recht der parallelen Open-Access-Bereitstellung vorbehalten wollen, streichen bestimmte Formulierungen in den Verträgen, bevor sie diese unterzeichnen. Eine andere Möglichkeit ist die Ergänzung der zu unterschreibenden Verträge durch Vertragszusätze oder Textpassagen, um so die eigenen Rechte für eine Verfügbarmachung im Open Access zu sichern. Dies wird bereits von vielen Wissenschaftseinrichtungen auch ausdrücklich erwartet. Beispielsweise fordert die Universität Zürich ihre Forschenden auf, beim Verlag "[...] eine rechtliche Absicherung einzuholen, die vollständige Arbeit – allenfalls nach Ablauf einer Sperrfrist – in ZORA [das institutionelle Repositorium] zugänglich zu machen." Streichungen im Verlagsvertrag Autor*innen können Verlagsverträge verändern, die ihre Rechte für eine Zweit­veröffentlichung in einem Repositorium einschränken, indem sie Ausdrücke wie exklusive Abgabe aller Rechte ebenso wie weitere einschränkende Formulie­rungen wie z. B. ausschließliche Nutzungs- oder Verwertungsrechte deutlich durchstreichen. Besonders darauf zu achten ist, dass der Begriff ausschließliche Rechte dem Verlag eine Rechtsposition einräumt, die Autor*innen selbst regelmäßig von der Verwertung ausschließt. Ein Begleitbrief sollte auf die Änderungen aufmerksam machen. Sollte ein Vertrag nur in elektronischer Form vorliegen, können Streichungen im Ausdruck vorgenommen werden. Wenn nur die elektronische Zustimmung vorgesehen ist, können Autor*innen den Verlag um die Bereitstellung in gedruckter Form bitten. Vertragszusätze Alternativ zu Streichungen können Autor*innen dem Verlagsvertrag einen Zusatz beifügen, um sich so das einfache Nutzungsrecht für die Onlinenutzung auf einem Dokumentenserver vorzubehalten. Dieser Zusatz muss vom Verlag gegengezeichnet werden, um Rechtsgültigkeit zu erlangen. Der bekannteste Vertragszusatz ist das SPARC Author's Addendum . Es wurde durch die Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) entwickelt, einem Zusammenschluss von Bibliotheken in den USA und Kanada mit dem Ziel, die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Kommunikationsmo­delle anzuregen, welche die Verbreitung von wissenschaftlicher Literatur stei­gern und den finanziellen Druck auf Bibliotheken reduzieren. Das Addendum besteht aus zwei Teilen: dem eigentlichen Vertragsanhang und einer Benutzungsanweisung. Mittels der Scholar's Copyright Addendum Engine von Science Commons und SPARC können Autor*innen je nach Wunsch ein Addendum in den Varianten Access – Reuse , Delayed Access und Immediate Access automatisch erstellen. Access – Reuse bedeutet, die Autor*innen behalten ausreichende Rechte, um den Artikel neben der Veröffentlichung in einem Verlag unter eine nichtkommerzielle Creative Commons (CC BY-NC) oder eine vergleichbare Lizenz zu stellen. Bei dem Delayed-Access-Modell können Autor*innen die Autorenversion sofort online bereitstellen, die Verlagsversion jedoch erst nach Ablauf von sechs Monaten. Immediate Access erlaubt dagegen, sofort bei Erscheinen sowohl die Verlagsversion als auch die Autorenversion online bereit zu stellen. Indes müssen Autor*innen sich über die Konsequenzen bewusst sein, wenn sie sich lediglich die einfachen Nutzungsrechte vorbehalten. Dies verhindert, dass sie den Beitrag einer Open-Access-Lizenz unterstellen können. Die Entscheidung über die Lizenzierung verbleibt in diesem Fall beim Verlag. Es ist daher vorzuziehen, den Verlagen überhaupt nicht erst ausschließliche Rechte einzuräumen . Will der Verlag die Streichungen oder Ergänzungen nicht akzeptieren, bleibt nur, dem Verlag deutlich zu machen, unter diesen Umständen keinen Vertrag mit ihm abzuschließen. Autor*innen müssen sich bewusst sein, dass die Veröffent­lichung von Büchern und Artikeln für die Verlage eine wirtschaftliche Tätigkeit ist. Die Verlage verdienen Geld mit der Veröffentlichung. Die Ankündigung, bei einem anderen Verlag zu veröffentlichen oder die Veröffentlichung ausschließ­lich in digitaler Form in einem Repositorium vorzunehmen, kann daher oftmals die Verlage zum Einlenken bewegen. Beispiele für ergänzende Textpassagen "Der Verlag stimmt zu, dass der Autor das nichtexklusive Recht behält, eine digitale Kopie des Dokumentes vor/während/nach der Publikation durch den Verlag zeitlich unbeschränkt auf einen öffentlich zugänglichen akademischen Non-Profit-Server zu legen. Der Autor verpflichtet sich, das Originaldokument auf dem akademischen Non-Profit-Server zu zitieren." oder (in Ländern mit übertragbarem Copyright) "Für eine Online-Veröffentlichung des Werkes wird dem Verlag ein einfa­ches Nutzungsrecht ohne Benutzungspflicht eingeräumt. Dem Autor steht es frei, das Werk mit dem Zeitpunkt des Erscheinens als Buchver­sion parallel kostenlos als PDF-Datei im Internet über seine Homepage, einen institutionellen Server oder ein geeignetes fachliches Repositorium öffentlich zugänglich zu machen." Auf Englisch "I hereby declare that I do not wish to transfer full copyright to (name of the publisher) but reserve the right to self-archive the article in full in an open access repository." Ein weiteres Beispiel für Vertragszusätze bieten die MIT-Libraries: Managing your Copyright . Der Nationale Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE hat zudem ein Muster für einen Verlagsvertrag über ein wissenschaftliches Werk aufgesetzt. Literatur Brehm, E., & Rücknagel, J. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen . https://doi.org/10.5446/51789 Walter, M. M. (2008). Österreichisches Urheberrecht: Handbuch. 1. Teil: Materielles Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und Urhebervertragsrecht . Verlag Medien & Recht. Weiterführende Literatur Brettschneider, P. (2020). Rechtsfragen beim Veröffentlichen - Rechtlichen Aspekten des Publizierens von Texten und Daten . https://doi.org/10.5281/zenodo.4018749 Brettschneider, P., & Universität Konstanz. (2020). Rechtsfragen beim Veröffentlichen . https://www.youtube.com/watch?v=CrvnMLxGppI&t=1s Hirtle, P. (2006). Author Addenda. An Examination of Five Alternatives. D-Lib Magazine , 12 (11). https://doi.org/10.1045/november2006-hirtle Mantz, R. (2006). Open Access-Lizenzen und Rechtsübertragung bei Open Access-Werken. In G. Spindler (Ed.), Rechtliche Rahmenbedingungen von Open Access-Publikationen (pp. 55–104). Universitätsverlag Göttingen. https://www.retosphere.de/files/Mantz,Open_Access-Lizenzen_und_Rechtsuebertragung_bei_Open_Access-Werken.pdf SPARC. (2006). Author Rights. Using the SPARC Author Addendum to secure your rights as the author of a journal article. https://sparcopen.org/wp-content/uploads/2016/01/SPARC-Author-Rights-Brochure-2006.pdf Spielkamp, M. & iRights.Lab (2015). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler. Geltende Rechtslage und Handlungsempfehlungen. Online verfügbar unter https://irights.info/wp-content/uploads/2017/09/zweitveroeffentlichungsrecht-20150425.pdf Steinhauer, E. W. (2007). Rechtsfragen und praktische Umsetzung von Open Access . https://kobra.uni-kassel.de/bitstream/handle/123456789/2007032317433/Kassel%20II.pdf?sequence=1 Thema Creative Commons + Lizenzen . (n.d.). IRights Info. https://irights.info/kategorie/themen/creative-commons-lizenzen Bitte beachten Sie, dass die hier dargestellten Inhalte nur der Information dienen und keine rechtsverbindlichen Auskünfte sind....

  2. Was bedeutet Open Access?

    Intro Open Access in 60 Sekunden Quelle: Brinken, H., Hauss, J. & Rücknagel, J. (2021). Open Access in 60 Sekunden, open-access.network. https://doi.org/10.5446/50831 ( CC BY 3.0 DE ) Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Open Access ist eine alternative (und bessere) Art des wissenschaftlichen Publizierens. 2 Für Open Access gibt es verschiedene Finanzierungs- und Lizenzierungsmodelle. 3 Open Access ist ein zentraler Aspekt von Open Science. Definition Verkürzt kann man sagen: Open Access meint den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet. Die gängigste Definition zu Open Access stammt aus der sogenannten Budapester Erklärung von 2002. Das Ziel von Open Access ist es also, wissenschaftliche Literatur für alle Men­schen frei zugänglich und nachnutzbar zu machen, kostenlos und möglichst ohne technische und rechtliche Barrieren. So fordert die Berliner Erklärung von 2003, dass Open Access nicht nur die entgeltfreie Nutzung von Inhalten um­fasst, sondern auch die Erlaubnis, diese "zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird." ( Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003) . " Open Access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte , sodass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internetzugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird." Erklärung der Budapest Open Access Initiative, 2002 ; Hervorhebungen durch die Redaktion Warum Open Access? Open Access bietet zahlreiche Vorteile: Quelle: verändert nach Brinken, H. (2021). 10 Gründe für Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4643859 ( CC BY 4.0 International ) Wichtig zu wissen ist: Wissenschaftliche Forschung ist zu einem großen Teil öffentlich finanziert. Die Ergebnisse dieser staatlich finanzierten Forschung sollten daher auch öffentlich zugänglich sein. Open-Access-Publikationen sind sofort und ohne Beschaffungsaufwand kostenfrei zugänglich und nachnutzbar. Dieser freie und schnelle Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen beschleu­nigt den wissenschaftlichen Kommunikationsprozess und erhöht damit zudem die Effizienz in Forschung und Innovation. Dies fördert auch die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung von Forschenden. Open Access erhöht signifikant die Zitierhäufigkeit und damit auch die Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen ( Swan, 2010; Li et al., 2018 ). Ein wichtiger Punkt ist, dass bei Open-Access-Publikationen die Verwertungsrechte bei den Autor*in­nen verbleiben, statt dass diese ausschließlich an einen Verlag abgetreten werden. So kann eine Open-Access-Publikation von anderen einfach weiterverbreitet und nachgenutzt werden. Open-Access-Publizieren Hier finden Sie eine Einführung. Open-Access-Literatur finden Zahlreiche Suchmaschinen sind auf Open Access spezialisiert. Hier gibt es eine Übersicht, wie man freie Literatur finden kann. Wege zu Open Access Bei der Umsetzung von Open Access werden grundsätzlich zwei Strategien unterschieden: der grüne und der goldene Weg . Als goldenen Weg bezeichnet man die Erstveröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit in einer Open-Access-Zeitschrift , als Open-Access-Monografie oder als Beitrag in einem Konferenz- oder Sammelband, der Open Access erscheint. Der grüne Weg bezeichnet die Zweitveröffentlichung von in einem Verlag oder einer Zeitschrift erschienenen Beiträgen auf Repositorien . Diese Zweitveröffent­lichung kann in Form eines Preprints oder eines Postprints erfolgen. Quelle: Hauss, J. (2026). Wege des Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.21821081 ( CC BY 4.0 International ) Finanzierung Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 ( CC BY 3.0 DE ) Während sich Open-Access-Veröffentlichungen in vielerlei Hinsicht wie z.B. Peer Review nicht von herkömmlichen Veröffentlichungen unterscheiden, liegt der große Unterschied in der Finanzierung . Im herkömmlichen Publikationssystem fließen gleich dreimal öffentliche Gelder in eine Veröffentlichung: Forschende werden, wie bereits oben erwähnt, meist aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse durchlaufen die Publikationen Qualitätssicherungsverfahren, wie z. B. ein Peer-Review-Verfahren. Die Begutachtung übernehmen andere Wissenschaftler*innen – in der Regel ohne dafür von den Verlagen oder Zeitschriften entlohnt zu werden. Schließlich müssen Bibliotheken und Institute die Zeitschriften und Bücher von den Verlagen abonnieren bzw. erwerben, um sie den Angehörigen ihrer Einrichtungen zur Verfügung stellen zu können. Im Gegensatz dazu kommt Open Access der Forderung nach, öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse für alle frei zugänglich zu machen. Hiervon profitieren auch Wissenschaftler*innen, die an finanzschwächeren Institutionen tätig sind, oder Interessierte, die über keine institutionelle Anbindung verfügen. Da die Leser*innen Open-Access-Publikationen also entgeltfrei nutzen können, muss die Finanzierung an anderer Stelle erfolgen. Weit verbreitet ist das sogenannte Author-Pays-Modell, bei dem die Autor*in­nen für die Veröffentlichung ihrer Beiträge Article Processing Charges (APCs) bzw. Book Processing Charges (BPCs) zahlen. Viele Institutionen bieten ihren Angehörigen inzwischen an, diese Kosten für sie zu übernehmen, z.B. über Publikationsfonds oder die Beteiligung an Konsortien. Ein Großteil der Open-Access-Zeitschriften (über 70% der im Directory of Open Access Journals indexierten Zeitschriften) ist jedoch sowohl für Leser*innen als auch für Autor*in­nen kostenfrei. Finanziert bzw. unterhalten werden sie z.B. über Fachgesellschaften, wissenschaftliche Einrichtungen oder ehrenamtliche Arbeit ( Morrison, 2018 ). Insbesondere vor dem Hintergrund teils horrender Preise, die Verlage im herkömmlichen Publikationssystem für Zeitschriftenabonnements verlangen, kann Open Access einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entlastung angespannter Bibliotheksetats bei gleichzeitig erheblich verbesserter Literaturversorgung leisten. Lizenzierung Neben dem kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen ist deren möglichst umfassende Nachnutzung die zweite zentrale Komponente von Open Access. Dabei ist es den Autor*innen selbst überlassen, wie frei sie die Nutzung ihrer Werke zulassen wollen. Indem sie Nutzungslizenzen vergeben, regeln sie, welche Rechte Dritte bei der Nutzung der Forschungsergebnisse haben. Hierfür bieten sich die inzwischen weit verbreiteten Creative-Commons-Lizenzen an. Besonders empfehlenswert ist die Verwendung der Lizenz CC-BY, die ein freies, weltweites Zugangsrecht zu einer Publikation gestattet und deren Nachnutzung, z.B. durch Kopieren, Verbreiten, Übertragen, öffentliches Wiedergeben oder Bearbeiten, für alle ermöglicht. Für die Nachnutzung verpflichtend sind dabei korrekte Angaben zur Urheberschaft. Die Vergabe freier Lizenzen durch Autor*innen ist jedoch nicht möglich, wenn sie entsprechenden Rechte vorab bereits exklusiv an einen Verlag übertragen haben. Wie genau funktionieren Creative-Commons-Lizenzen? Quelle: Brinken, H., Hauss, J. & Rücknagel, J. (2021). Wie genau funktionieren Creative-Commons-Lizenzen? open-access.network. https://doi.org/10.5446/52952 ( CC BY 3.0 DE ) Positionen der Politik Hier finden Sie eine Einführung. Open Access Policies Hier finden Sie eine Einführung. Praxistipp Wissenschaftler*innen können durch ihr eigenes Publikationsverhalten den Wandel zu einer offenen Wissenschaftskommunikation aktiv mitgestalten. Wie, steht in diesem Praxistipp "Open Access unterstützen" . Wer unterstützt Open Access? Open Access wird sowohl von politischen Akteur*innen auf europäischer und nationaler Ebene (Top Down) als auch auf Initiative von engagierten Wissen­schaftler*innen, Fachgesellschaften, Infrastruktureinrichtungen und Verlagen (Bottom Up) gefördert und gefordert. So haben Hochschulen und Forschungs­einrichtungen entsprechende Policies verabschiedet, in denen sie ihre Mitglie­der dazu auffordern, Open Access zu publizieren. Auch in den Förderbedingun­gen von Drittmittelgebern ist Open Access häufig als Pflicht oder zumindest als Aufforderung verankert. In einer vielfältigen Landschaft von Open-Access-Zeitschriften, -Verlagen und -Repositorien bieten inzwischen auch die meisten traditionellen Wissenschaftsverlage Open-Access-Modelle an oder verfolgen Transformationsbestrebungen . Open Science Open Access ist ein Element von vielen, die sich unter dem Oberbegriff Open Science zusammenfassen lassen ( Watson, 2015 ). Open Science "bündelt Stra­tegien und Verfahren, die darauf abzielen, […] alle Bestandteile des wissen­schaftlichen Prozesses […] offen zugänglich, nachvollziehbar und nachnutzbar zu machen." ( Neuschäfer, 2015 ). Das bedeutet, dass nicht nur wissenschaftliche Publikationen nach dem Open-Access-Modell frei zugänglich sein sollten, sondern unter anderem auch Forschungsdaten (durch offenen Zugang und Forschungsdatenmanagement ), Forschungssoftware sowie Lehrmaterialien (durch Open Educational Resources). Eine genaue Beschreibung der Elemente von Open Science ist auf der Seite openscienceASAP zu finden. Die offene Wissenschaft beruht auf den Prinzipien Transparenz, Reproduzierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und offene Kommunikation ( Open Science AG, n.d. ). Open Science ist damit ein wichtiger Bestandteil der Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. open-access.network ( CC BY 4.0 International ) Literatur Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen. (2003). https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf Budapest Open Access Initiative. (2002). https://www.budapestopenaccessinitiative.org/translations/german-translation Li, Y., Wu, C., Yan, E., & Li, K. (2018). Will open access increase journal CiteScores? An empirical investigation over multiple disciplines. PloS One , 13(8). https://doi.org/10.1371/journal.pone.0201885 Morrison, H. (2018, January 31). DOAJ APC information as of Jan 31, 2018. Sustaining the Knowledge Commons / Soutenir Les Savoirs Communs. Open Access Scholarship / Littérature Savante En Libre Accès. https://sustainingknowledgecommons.org/2018/02/06/doaj-apc-information-as-of-jan-31-2018/ Neuschäfer, M. (2015, November 18). Mission Statement der deutschsprachigen Open Science AG. Ag-OpenScience.De. https://ag-openscience.de/ag-mission-statement/ Oberländer, A. (2020). Open Access – Es ist nicht alles Gold, was glänzt. In: Open Science. Von Daten zu Publikationen. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4018594 Open Science AG . (n.d.). Open Science. https://ag-openscience.de/open-science/ Swan, A. (2010). The Open Access citation advantage: Studies and results to date. https://eprints.soton.ac.uk/268516/ Watson, M. (2015). When will ‘open science’ become simply ‘science’? Genome Biology, 16 (1). https://doi.org/10.1186/s13059-015-0669-2 Weiterführende Literatur Suber, P. (2012). Open Access . The MIT Press. https://mitpress.mit.edu/books/open-access , Open Access unter https://archive.org/details/9780262517638OpenAccess...

  3. Wissenschaftsgeleitetes Publizieren

    Intro Das erfahren Sie in diesem Artikel 1 Das wissenschaftsgeleitete Publizieren stellt eine vielversprechende Alternative zum Veröffentlichen in einem Verlag dar und leistet einen wertvollen Beitrag zur Bibliodiversität. 2 Wissenschaftsgeleitete Zeitschriften zeichnet ein besonderes Potenzial zum Experimentieren und zur kritischen Hinterfragung des wissenschaftlichen Publizierens aus. 3 Wissenschaftsgeleitete Zeitschriften stehen vor besonderen Herausforderungen bei der Förderung, der Positionierung innerhalb der jeweiligen wissenschaftlichen Community und der Aktivierung wichtiger Interessensgruppen. Definition Die Herausforderungen beim wissenschaftlichen Publizieren sind vielfältig: Es existieren unterschiedliche Formate und Zugangsmöglichkeiten, komplexe Prozesse der Qualitätssicherung, verschiedene Modelle der Verwaltung und Governance. Dem Monopol der kommerziellen Großverlage in der Wissensdissemination stehen zunehmend Wissenschaftler*innen gegenüber, die diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen und ihre Forschungsergebnisse selbst veröffentlichen und verteilen. Dabei ist die Idee des qualitätsgesicherten Publizierens durch die Wissenschaft nicht neu, sondern geht auf Fach- und Gelehrtengesellschaften zurück, die seit jeher das wissenschaftliche Publizieren fördern und anleiten. Im gegenwärtigen Open-Access-Ökosystem lassen sich als Alternative zum kommerziellen Verlagsmodell zwei Ausprägungen dieses wissenschaftsgeleiteten Publizierens ausmachen: “community-driven” und “scholar-led”. Diese Unterscheidung ist rein deskriptiv und lässt keine Rückschlüsse auf die Qualität oder Relevanz von Publikationsprojekten zu. Sie unterliegen schlicht anderen "Gegebenheiten und Dynamiken” und damit ggf. einem anderen “Handlungs- und Wertesystem” (vgl. Steiner, 2022 ). Die Trennlinien zwischen beiden Modellen sind zudem je nach Kontext verschieden (vgl. zu der divergenten Verwendung der Begriffe in verschiedenen Publikationskulturen Steiner, 2023 ). Beide Modelle haben zugleich wissenschaftspolitisch große Relevanz und leisten einen Beitrag zur wichtigen Bibliodiversität im System des wissenschaftlichen Publizierens. Zum Weiterlesen: Statements der Wissenschaftspolitik Papier des Wissenschaftsrats Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access (Januar 2022). EUA Open Science Agenda 2025 (Februar 2022). The Budapest Open Access Initiative (BOAI): 20th Anniversary Recommendations (Februar 2022). Action Plan for Diamond Open Access (März 2022). Thesen zur Zukunft des wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Publizierens (September 2023). Community-driven Publishing Unter “community-driven” werden jene Publikationsprojekte und Publikationsinitiativen gefasst, die nicht-kommerziell und jenseits von Großverlagen agieren. Das bei kommerziellen Verlagen gängige Erheben von Publikationsgebühren für Autor*innen (APCs, BPCs) wird üblicherweise vermieden und stattdessen werden gemeinschaftliche Finanzierungsmodelle (Konsortien) bevorzugt. Die hauptsächliche Verantwortung, die (Marken-)Rechte und auch die organisatorische Hoheit verbleiben bei der wissenschaftlichen Community, d. h. den wissenschaftlichen Herausgeber*innen, den wissenschaftlichen Institutionen (Universitäten, Zentren, Fachgesellschaften, Fachverbänden) oder Forschungsinfrastrukturen. Die technische Verantwortung (d. h. das Hosting der Webangebote, technische Produktion und Distribution) übernehmen nicht-kommerzielle Infrastrukturen und Anbieter, aber zunehmend auch Universitätsverlage sowie kleine und mittelständische Verlage (vgl. Schlosser, 2019 ). Scholar-led Publishing Neben diesem Verständnis von “community-driven” als wissenschaftsgeleitetes Publizieren (vgl. Wrzesinski, 2023 ), haben sich unterschiedliche Publikationsprojekte und -initiativen als “scholar-led” etabliert. Auch diese Projekte verstehen sich grundsätzlich als nicht-kommerziell und unabhängig; sie haben zudem oft einen DIY-Charakter und organisieren den gesamten Publikationsprozess selbst: “scholars”, d. h. Wissenschaftler*innen (auch außerhalb der Universität), übernehmen hier nicht nur die inhaltliche Arbeit, sondern bringen ebenso die technische, praktische und administrative Expertise mit, die es für die Publikation qualitätsgesicherter Beiträge braucht (vgl. Moore, 2019 ). Entsprechend wird eine Beteiligung durch einen übergeordneten Verlag, eine Forschungsinstitution oder institutionelle Gesellschaften oder Verbände durch diese selbstverwalteten Projekte nach Möglichkeit vermieden. Praktiken und Prinzipien: Anregungen und Tipps für Herausgeber*innen Wissenschaftsgeleitete Zeitschriften unterliegen nur bedingt jenen Zwängen, die für Zeitschriften in den Händen kommerzieller Verlage gelten. Da sie keinen Profit erwirtschaften müssen, können sie flexibel und unkonventionell sein, etwa wenn es um das Ausprobieren neuer Formen der Publikation und Verbreitung von Fachinhalten geht. Auch können sie durch ihre eigene Art der Governance bestimmte Grundannahmen des wissenschaftlichen Publizierens hinterfragen. Im Folgenden haben wir einige Anregungen und Tipps für Herausgeber*innen und Redaktionen wissenschaftsgeleiteter Zeitschriften zusammengestellt. Publikationspraktiken Es gibt unterschiedliche Bereiche, in denen wissenschaftsgeleitete Zeitschriften neue Modelle erproben. So wird etwa nach neuen Publikationsformaten gesucht, die alternativ oder ergänzend zum klassischen Forschungsartikel für die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse eingesetzt werden können, z. B. die Veröffentlichung von Vorabfassungen ( Preprints ), von Forschungsmaterialien (z. B. Feldtagebüchern, Notizen, Skizzen) oder sonstigen Supplementen. Mit diesen eher experimentellen Formaten lässt sich mehr Transparenz für die eigentliche Forschung schaffen, Reproduzierbarkeit erleichtern, die Partizipation Dritter anleiten und damit insgesamt der wissenschaftliche Diskurs befördern. Andere wissenschaftsgeleitete Zeitschriften erproben neue und inklusive Prozesse der Qualitätssicherung . Unter den Schlagworten “Open Review” und “Collaborative Review” wird versucht, die klassisch anonyme Fachbegutachtung ( Peer Review ) namentlich und personell zu öffnen. Lässt sich auch für Ihre Zeitschrift ein solcher Prozess der Qualitätssicherung erproben? Ihre Zeitschrift würde damit zu einem Wandel der Kultur der Begutachtung beitragen, die den kollegialen Austausch und produktive Kritik in den Mittelpunkt stellt. Die Diversität von Formaten und Qualitätsprozessen spiegelt sich auch in redaktionellen Workflows wider: Sehen Sie Möglichkeiten, Ihre Arbeitsabläufe an ein vielfältiges Redaktionsteam an verschiedenen Orten anzupassen? Dies wird immer einfacher möglich durch den Einsatz digitaler Werkzeuge, die schon vielfach von wissenschaftsgeleiteten Zeitschriften genutzt werden. Hierzu gehören Redaktionsmanagementsysteme (z. B. Open Journal Systems ), kollaborative Schreib- und Editingtools (z. B. CryptPad, Etherpad) und Cloudservices (z. B. lokale, institutionelle Lösungen). Nicht zuletzt setzen sich viele Publikationsprojekte aus der Wissenschaft aktiv für die digitale Souveränität ein, d. h. für einen selbstbestimmten und unabhängigen Umgang mit den eigenen Daten (vgl. Pohle & Thiel, 2020 ). Sie können innerhalb Ihrer Zeitschrift dieses Unabhängigkeitsbestreben unterstützen und fördern, indem Sie beispielsweise Open-Source-Dienste und Tools bevorzugen, die eine Kontrolle der (Meta-)Daten von Personen und Publikationen ermöglichen. Darüber hinaus können Sie die verbreiteten Systeme der Messung und Bewertung von Relevanz (z. B. Impact Factor ) kritisch hinterfragen, alternative Modelle (z. B. “ altmetrics ”) nutzen oder an neuen Formen der Messung mitwirken. Auch eine größtmögliche Offenheit und Transparenz der Nachnutzung trägt hierzu bei: Sind die Inhalte Ihrer Zeitschrift so frei wie möglich lizenziert (z. B. die für wissenschaftliche Literatur sinnvollen Free Culture Lizenzen )? Sind die Möglichkeiten der Nachnutzung klar kommuniziert (z. B. einfach auf Ihrer Website einsehbar)? Praxistipp In der Reihe "Wissenschaftsgeleitete Zeitschriften: Workflows, Finanzierung und Governance" aus dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft finden sich Webinare zu den Themen "Nachhaltige Finanzierung und Organisation von Zeitschriften" sowie "Workflows von Zeitschriften - von der Einreichung bis zur Kommunikation" . Prinzipien der Zeitschriftenverwaltung Wissenschaftliche Zeitschriften brauchen ein belastbares Konzept der Organisation und Übernahme von Verantwortlichkeit. Bei rein wissenschaftsgeleiteten Zeitschriften orientieren sich diese Prinzipien stärker am wissenschaftlichen Ethos der Kooperation und Zusammenarbeit als etwa an einem Wettbewerb um Autor*innen, Zitationshäufigkeiten oder konsequentem Wachstum. Diese Formen des Publizierens sind also stärker von Werten wie Verlässlichkeit und Gemeinwohl geleitet. Dieses Ausmachen einer Gemeinsamkeit bzw. eines Ziels erleichtert es praktisch, Ihre wissenschaftliche Community einzubinden (vgl. Moore & Adema, 2020 ). Überlegen Sie beispielsweise für Ihre Zeitschrift, ob Sie sich (stärker) in Zeitschriftennetzwerken engagieren. Das scholar-led.network in Deutschland oder das internationale Free Journal Network bieten ihren Mitgliedern Raum für Austausch und Vernetzung. Darüber hinaus können Allianzen mit anderen Interessengruppen im weiteren Umfeld Ihrer Zeitschrift sinnvoll sein: Haben Sie eine Verbindung zu Ihrer Fachgesellschaft? Zu regionalen oder überregionalen Fachbibliotheken? Zu Stiftungen, die Ihren publizistischen Werten und Zielen nahe stehen? Diverse wissenschaftsgeleitete Zeitschriften machen bereits vor, wie gegenwärtig gut und nachhaltig ‚gewirtschaftet‘ werden kann: Prüfen Sie in Ihrem jeweiligen Kontext, inwiefern unterschiedliche Finanzierungsquellen Ihre Zeitschrift unabhängiger machen können (vgl. Waidlein et al., 2021 ): Können Sie konsortiale Modelle (vgl. KOALA ), Micro-Funding (vgl. Quartz OA ; vgl. SciPost ), Vereinsstrukturen oder Publikationspartnerschaften in Ihr Geschäftsmodell einbinden? Dies gelingt umso besser, wenn durch das kollaborative Arbeiten Synergien erzeugt und genutzt werden, z. B. durch den Aufbau gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen (vgl. Bosman et al., 2021a ). In Deutschland und europaweit gibt es hierzu Versuche, gemeinsame Publikationsinfrastrukturen aufzubauen und zu stärken (vgl. CRAFT-OA ). Besondere Herausforderungen Als wissenschaftsgeleitete Zeitschrift werden Sie besonderen Herausforderungen begegnen, insbesondere im Vergleich zu Verlagszeitschriften und kommerziellen Akteur*innen (vgl. Fokusgruppe scholar-led.network, 2021 ). Dies beginnt (1) mit der Förderung: finanziell, infrastrukturell und ideell bestehen Lücken in der Förderlandschaft, die nur zögerlich und oft auf intensives Bestreben der Zeitschriften selbst gefüllt werden (siehe oben). Auch werden Sie sich aktiv bemühen müssen, (2) Ihren Platz innerhalb der Forschungscommunity und den übrigen Publikationsprojekten strategisch zu besetzen . Dies bezieht sich auf die Inhalte, aber auch auf die verwalterische und technische Aufstellung Ihrer Zeitschrift. Dabei werden Ihnen schließlich (3) Verantwortungsdefizite in Disziplinen und Institutionen begegnen. Gerade als neue und interdisziplinäre Zeitschriften müssen Sie mehr Zeit investieren, damit sich kritische Interessengruppen Ihnen gegenüber verpflichtet fühlen. Es ist insgesamt Aufgabe der Forschungseinrichtungen, der Forschungsinfrastrukturen, der Forschungsförderung und der Fachgesellschaften, Kapazitäten für wissenschaftsgeleitetes Publizieren aufzubauen (vgl. Bosman et al., 2021b ) und deren Effektivität und Wirtschaftlichkeit zu stärken. Links https://graphite.page/scholar-led-manifest/ https://open-access.network/vernetzen/open-access-projekte https://diamasproject.eu/ Das scholar-led.network-Manifest Die Fokusgruppe scholar-led.network hat ein Manifest erarbeitet, dass zentrale Kritik am gegenwärtigen wissenschaftlichen Publikationssystem im deutschsprachigen Raum auf den Punkt bringt und Handlungsfelder für faires, planvolles und vielfältiges Publizieren benennt. Praxistipp Praxisnahe Tipps zu wissenschaftsgeleitetem Publizieren finden sich hier: Wrzesinski, M. (2023). Wissenschaftsgeleitetes Publizieren. Sechs Handreichungen mit Praxistipps und Perspektiven . Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. https://doi.org/10.5281/zenodo.8169418 Literatur Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., & Proudman, V. (2021a). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704 Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., & Proudman, V. (2021b). OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo: https://zenodo.org/record/4562790 Fokusgruppe scholar-led.network. (2021). Das scholar-led.network-Manifest. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.5521553 Moore, S. (2019). Open *By* Whom? On the Meaning of ‘Scholar-Led.’ ScholarLed Blog, 24 . Oktober. https://blog.scholarled.org/on-the-meaning-of-scholar-led/ Moore, S., & Adema, J. (2020). Community Governance Explored . Community-Led Open Publication Infrastructures for Monographs (COPIM). https://doi.org/10.21428/785a6451.20a5c646 Pohle, J. & Thiel, T. (2020). Digital sovereignty. Internet Policy Review , 9 (4). https://doi.org/10.14763/2020.4.1532 Schlosser, M. (2019). Academy-owned? Academic-led? Community-led? What’s at stake in the words we use to describe new publishing paradigms. Library Publishing Coalition Blog . https://librarypublishing.org/alpd19-academy-owned-academic-led-community-led/ Steiner, T. (2022). Pluralities: Scholar-led publishing und Open Access. Open-Media-Studies-Blog. https://zfmedienwissenschaft.de/online/open-media-studies-blog/pluralities-scholar-led-publishing-und-open-access Steiner, T. (2023). Lost in translation? Revisiting notions of community- and scholar-led publishing in international contexts. ScholarLed Blog , 4. Juli. https://blog.scholarled.org/lost-in-translation-revisiting-notions-of-community-and-scholar-led-publishing-in-international-contexts/ Waidlein, N., Wrzesinski, M., Dubois, F., & Katzenbach, C. (2021). Working with budget and funding options to make open access journals sustainable . Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558790 Wrzesinski, M. (2023). Wissenschaftsgeleitetes Publizieren. Sechs Handreichungen mit Praxistipps und Perspektiven . Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. https://doi.org/10.5281/zenodo.8169418 Weiterführende Literatur Adema, J., & Moore, S. A. (2018). Collectivity and collaboration: imagining new forms of communality to create resilience in scholar-led publishing. Insights 31 (0), 3. https://doi.org/10.1629/uksg.399 Adema J., & Moore S. A. (2021). Scaling Small; Or How to Envision New Relationalities for Knowledge Production, Westminster Papers in Communication and Culture 16 (1), 27-45. doi: https://doi.org/10.16997/wpcc.918 Hopf, D., Dellmann, S., Hauschke, C,. & Tullney., M. (2022). Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010–2021 . Technische Informationsbibliothek (TIB). https://doi.org/10.34657/7666 Ottina, D. (2013). From Sustainable Publishing To Resilient Communications. TripleC, 11 (2), 604-613. https://doi.org/10.31269/triplec.v11i2.528 Shearer, K., Chan, L., Kuchma, I., & Mounier, P. (2020). Fostering Bibliodiversity in Scholarly Communications: A Call for Action. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.3752923 ,...