Impulse von der Open Access Staff Week

Impulse von der Open Access Staff Week

Ein Interview mit Karin Stork und Jasper Beyermann

Die diesjährige Open Access Staff Week fand vom 05. bis 07. Dezember an der Universitätsbibliothek Braunschweig statt. Für Jasper Beyermann (Hochschule Bielefeld) und Karin Stork (Universität Konstanz) war es die erste Vernetzungsveranstaltung von open-access.network. Wir haben die Gelegenheit genutzt, sie nach ihren Eindrücken zu fragen.

Danny Flemming [DF]: Was hat euch bewogen, an der Open Access Staff Week in Braunschweig teilzunehmen?

Karin Stork [KS]: Ich wollte an der Staff Week teilnehmen, um die Menschen kennenzulernen, die in der Bibliothekspraxis arbeiten, die Expert*innen in dem Bereich Open Access sind. Ich habe mir erhofft, dass ich als Quereinsteigerin im Open-Access-Kontext viel von den anderen lernen und neue Ideen für meine Arbeit mitnehmen kann. Außerdem wollte ich mir eine Netzwerkveranstaltung und deren Methoden anschauen, da das Community Building Teil meiner  Arbeit im Projekt  KOALA-AV ist.

Jasper Beyermann [JB]: Ich bin noch recht neu im Bereich Open Access und hatte zuvor eher mit dem Thema Studium und Lehre zu tun. Zur Teilnahme bewogen haben mich vor allem zwei Aspekte: Erstens fand ich das Konzept der Staff Week spannend. Auch bei anderen Vernetzungsaktivitäten bekommt man ja immer wieder Eindrücke von anderen Hochschulen, doch es ist eher selten, dass man so intensiv in die Strukturen einer anderen Hochschule eintauchen kann. Das kannte ich aus dem Bereich Studium und Lehre so nicht. Zweitens hat mich die kleine Gruppengröße der Veranstaltung überzeugt. Das hat einen Austausch ermöglicht, der über ein oberflächliches Kennenlernen hinausgeht und eine sehr offene Diskussionskultur geschaffen.

Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert.

– Karin Stork

DF: Wurden eure Erwartungen erfüllt?

KS: Ja, sogar übertroffen. Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert. Mir war nicht bewusst, dass das Wappen der Löwenstadt Braunschweig auch Leoparden zeigt, und dass der „Leo“ im LeoPARD ja auch ein Löwe ist. Diese kleinen Zusatzinfos scheinen vielleicht nebensächlich, sorgen aber dafür, dass ich sicher nie mehr vergessen werde, wie das Repositorium der TU Braunschweig heißt. Neben dem sehr gewinnbringenden Austausch mit den anderen Teilnehmenden sind es für mich diese Details, die die Staff Week besonders gemacht haben.

JB: Ja, definitiv. Die  Braunschweiger Kolleg*innen haben sich richtig ins Zeug gelegt, uns ihre Strukturen, Entwicklungen und Herausforderungen aufzubereiten. Inhaltlich hat sich das für mich auf jeden Fall sehr gelohnt und ich konnte interessante Menschen von verschiedenen Hochschulen kennenlernen. Sowohl die Inputs als auch die Austauschrunden und Arbeitsphasen waren sehr anregend. Es gab auch immer genug Zeit, tiefer in die Diskussion einzusteigen und man musste nicht immer sofort schon zum nächsten Programmpunkt. 

Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht.

– Jasper Beyermann

DF: Welche Inhalte fandet ihr am spannendsten?

KS:  Für mich als recht unerfahrene Open-Access-Einsteigerin war die „Bring your own problem“-Session besonders interessant. Angefangen bei der Methode der Session: Jede*r konnte drei Problemstellungen aus dem eigenen Arbeitsalltag auf je eine Pappkarte schreiben. Die gesammelten Probleme haben wir nach Themen geclustert und dann mit Klebepunkten abgestimmt, welche Probleme wir im Plenum besprechen möchten. „Gewonnen“ hat das Problem der fehlenden Aufmerksamkeit für Open Access außerhalb der Open-Access-Bubble, sprich im Bereich vieler Forschender oder auch in einigen Leitungsebenen von Hochschulen - also genau dort, wo das Thema eigentlich viel präsenter sein sollte.

JB: Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht. Das gilt sowohl für der Ebene der technischen Infrastruktur als auch auf der Ebene der Organisation und vielleicht auch auf der Ebene der Finanzierung. Grade für kleine Hochschulen wird es immer wichtiger werden, von Verbundstrukturen zu profitieren. Deswegen war es äußerst spannend, von den Entwicklungen im TU9-Verbund zu hören und davon, dass die TU Braunschweig an Open-Source-Lösungen für die verschiedenen Herausforderungen im Kostenmonitoring arbeitet, die aktuelle viele Hochschulbibliotheken beschäftigen. Nur in solchen Kooperationen können wir das Publikationssystem langfristig bewusster gestalten.

DF: Gab es Schnittstellen zu euren aktuellen Projekten?

KS: Ich arbeite im Projekt KOALA-AV, in dem es um den Ausbau von konsortial finanzierten Diamond-Open-Access-Modellen und um die Vernetzung der beteiligten Akteure untereinander geht. Es gibt also mindestens zwei Schnittstellen zu meinem Projekt auf unterschiedlichen Ebenen: Erstens gab es die größten inhaltlichen Überschneidungen zu meinem Thema in der letzten Sitzung „Stand, Perspektive und Wahrnehmung von Diamond-OA-Büchern“. Und zweitens konnte ich mir viele tolle Methoden für Netzwerkveranstaltungen abschauen. Die Kombination aus Input durch die Vorträge  und den anschließenden Gruppenarbeits-Sessions, in denen wir über den Status Quo in unseren eigenen Einrichtungen sprechen und Ideen austauschen konnten, war optimal.

JB: Ja, eindeutig. Ich arbeite im Projekt P2P.OA.HAW. Wir erproben den Ansatz der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung für das Handlungsfeld Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Für mich war deshalb vor allem wertvoll, dass auch einige Vertreter*innen von HAW teilgenommen haben und ich von ihren Erfahrungen und Diskussionsbeiträgen profitieren konnte. Dabei sind mir die eigenen Herausforderungen von kleinen Hochschulen noch mal anders ins Bewusstsein getreten. Ich bin zwar an der Hochschule Bielefeld auch an einer HAW, aber wir haben über 10.000 Studierende und entsprechend andere Kapazitäten.

DF: Konntet ihr Anregungen mitnehmen für euren Arbeitsalltag?

KS: Vor allem die Gruppenarbeit zur letzten Sitzung, in der wir über Diamond-OA-Bücher gesprochen haben, hat mir gezeigt, dass es großen Bedarf an Diamond-OA-Modellen gibt. Aber auch, dass es teilweise Definitionsprobleme gibt und oft nicht klar ist, ab wann man von „echtem“ Diamond-OA sprechen kann. Transparenz in der Beschreibung der Funktionsweise von Diamond-OA-Finanzierung kann hier aber helfen. Da  konnte ich einige Anregungen für die Informationsveranstaltungen mitnehmen, die wir für KOALA-AV  konzipieren.

JB: Einige Punkte die ich hier nennen könnte, habe ich in den Antworten zuvor schon erwähnt. Was ich vielleicht noch unabhängig dazu herausstellen möchte, waren die Einblick in die Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken und der Hochschulleitung. Welche Gremien und Austauschformate gibt es hier und was hilft in der Kommunikation zwischen der eher strategischen und der eher operativen Ebene? Zu diesem Thema gab es immer wieder interessante Eindrücke aus den anderen Hochschulen.Diese Informationen könnten für meine zukünftige Arbeit wertvoll sein. Ein weiterer Punkt waren die Anregungen im Bezug darauf, wie man die Forschenden an der eigenen Einrichtung besser erreicht.

DF: Was würdet ihr euch für zukünftige Staff Weeks wünschen?

KS: Ich wünsche mir, dass der Programmrahmen wieder so eine gute Mischung aus Informieren und Austausch enthält. Zusätzlich wünsche ich mir als Kennenlern-Warm-Up den Klassiker „Ich packe meinen Koffer…“, aber mit dem jeweiligen Namen der Teilnehmenden, der Einrichtung, an der sie arbeiten und ihr Hauptanliegen, mit dem sie zur Staff Week gekommen sind. Also in etwa so: „Ich bin Karin, ich komme von der Uni Konstanz und bin bei der Staff Week, um möglichst viel über den Status Quo von Open Access an wissenschaftlichen Bibliotheken zu erfahren“.

JB: Ich würde den Programmrahmen auch ähnlich belassen und mir natürlich wünschen, dass die Mitarbeitenden der nächsten ausrichtenden Hochschule genauso motiviert in der Vorbereitung sind wie die Kolleg*innen der Universitätsbibliothek Braunschweig.

DF: Vielen Dank für das Gespräch!

Für 2024 und 2025 sind weitere Open Access Staff Weeks geplant. Informationen dazu finden Sie unter https://open-access.network/vernetzen/staff-week. Sobald die konkreten Termine und Ausrichtungsorte feststehen, werden die Informationen dort sowie in unserem Veranstaltungskalender bereit gestellt. Berichte über vergangene Staff Weeks finden Sie hier.


Zitiervorschlag

Beyermann, J., Flemming, D., & Stork. K. (2023). Impulse von der Open Access Staff Week. open-access.network. doi.org/10.64395/3ymds-t5270.


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).


Schreibe einen Kommentar

* Diese Felder sind erforderlich
Kommentare werden erst nach vorheriger Prüfung von der Redaktion veröffentlicht. open-access.network behält sich vor, Kommentare zu löschen oder die Kommentarfunktion zu schließen, wenn die Netiquette verletzt oder die Kommentarfunktion missbraucht wird.

Kommentare

Keine Kommentare


Zuletzt bearbeitet am

Mehr zu den Themen dieser Seite: