Open Access in der Theologie
Die Theologie reflektiert religiöse Überzeugungen und Praktiken in Abgrenzung zur Religionswissenschaft überwiegend aus einer konfessionell gebundenen Binnenperspektive und verbindet diese mit wissenschaftlichen Methoden und Standards. Ihre Forschung findet sowohl an akademischen Einrichtungen als auch in Glaubensgemeinschaften statt und umfasst methodisch vielfältige, historisch diversifizierte Subdisziplinen wie Bibelwissenschaften, Kirchengeschichte, systematische und praktische Theologie.
Innerhalb der sehr heterogenen Fachcommunity – Forschungs- und Publikationsschnittmengen bestehen etwa zu den Geschichts-, Literatur-, Altertums- oder Sprachwissenschaften sowie zur Soziologie, Philosophie und zu den Regionalwissenschaften – gewinnt das Publizieren in Open Access mit seinen verschiedenen Wegen zunehmend an Bedeutung. Vorbehalte oder Befürchtungen gegenüber Open Access existieren v. a. hinsichtlich Reputationseinbußen, zusätzlicher Kosten und editorischer Mehraufwände. Diesen wird traditionell mit einer engen Bindung an Fachverlage und etablierte Publikationsmodelle begegnet, wobei aber besonders die Junge Theologie auch alternative und/oder wissenschaftsgeleitete Publikationskulturen zu etablieren versucht, deren Reputation inzwischen als gesichert gelten darf.
Die Etablierung von Open-Access-Publikationen kann im Gros theologischer Forschung als anerkanntes, aber ausbaufähiges Publikationsmodell charakterisiert werden. Besonders drittmittelfinanzierte Projekte haben hier einen Kostenvorteil, da in Fördermitteln meist ein Open-Access-Zuschuss gewährt wird. Die überwiegend grund- und haushaltsfinanzierte theologische Forschung ist hier aufgrund hoher Open-Access-APCs im Vergleich zu oft kostenlosen Closed-Access-Publikationen in Journals manchmal benachteiligt.
Fachwissenschaftliche Beschäftigungen mit der Relevanz von Open Science und Open Access in der Theologie existieren (Chang-Wae Kim & Faßnacht, 2026; van Oorschot & Krüger, 2024). In der Fachcommunity werden Vor- und Nachteile von OA durchaus auch vor dem Hintergrund kleiner werdender Studierenden- und Adressatenkreise (Baumgartner, 2026; Dahlke, 2026) oder einem theologisch-ethischen Imperativ zum OA-Publizieren diskutiert (Sultanik, 2023). Eine Herausforderung ist dabei die historisch und konfessionell sehr fragmentierte Publikationslandschaft der Theologie, die auch geographisch unterschiedliche Verbreitung und inhaltliche Schwerpunkte kennt. Im deutschsprachigen Umfeld ist angesichts der fortschreitenden Säkularisierung eher ein publizistisches Überangebot an Publikationsorganen und Verlagen zu beobachten, die zunehmend unter Relevanz- und Kostendruck geraten. Der Mehrwert von Open Access ergibt sich v. a. in der weiteren Verbreitung theologischer Forschungsergebnisse, der erhöhten internationalen und gesellschaftlichen Sichtbarkeit und dem leichteren konfessionellen und disziplinären Austausch. Kostenersparnisse könnte v. a. das Diamond-Open-Access-Modell bringen.
Angesichts sehr vielfältiger und etablierter theologischer Open-Access-Publikationskanäle, v. a. im Bereich der Zeitschriften, ist die zurückhaltende Akzeptanz eher in der theologischen Publikationskultur als in infrastrukturellen Hürden zu suchen (Baumgartner, 2026). Im Bereich des monographischen Publizierens ist der Kostenfaktor und die vermutete Reputation traditioneller Formate jedoch eher valent. Das gedruckte Buch hat in der Theologie vor Beiträgen in Sammelwerken und Zeitschriftenartikeln eine herausragende Bedeutung.
Open-Access-Zeitschriften
Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) listet im Fachgebiet “Theologie und Religionswissenschaften 417 registrierte OA- und 121 Diamond Open Access Zeitschriften (Stand: Juli 2026).
Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) führt 104 Titel-Einträge, davon 91 ohne Publikationsgebühren (Stand: Juli 2026).
Ein beachtlicher Teil von Open-Access-Zeitschriften ist dabei offensichtlich nicht im DOAJ indexiert. Eine Zusammenstellung des Boston College zu Open-Access-Angeboten in der Theologie zeigt eine geographisch diverse Open-Access-Landschaft.
In disziplinärer und konfessioneller Hinsicht werden große Unterschiede deutlich. Je größer die konfessionelle Gemeinschaft, desto mehr Publikationsorgane kann sie bespielen. Auch geographisch (gemessen am Publikations-/Verlagssitz) sowie sprachlich dominieren europäische und angloamerkanische Perspektiven.
In den periodischen Formaten sind alle Arten des Open Access vertreten (bspw. gold: Open Theology, International Journal of Systematic Theology; grün: Münchener Theologische Zeitschrift als Closed Access mit einer Embargofrist von 24 Monaten), wobei der Diamond-Anteil ebenfalls an Bedeutung gewonnen hat (bspw. theologie.geschichte, Religionspädagogische Beiträge). Der Diamond Discovery Hub listet etwa 56 Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit Theologiebezug. Auch die Open-Access-Transformation subskriptionsbasierter Zeitschriften ist beobachtbar (etwa Theologie und Glaube).
Von etwa 125.000 in OpenAlex geführten Artikeln des Schlagworts „Theology“ sind etwa 29% Open Access (Stand: Juli 2026).
Wichtige theologische Open-Access-Zeitschriften sind:
Video zur Finanzierung von Open-Access-Artikeln
Quelle: Becklas Dorow, C., Hauss, J. (2026). Open-Access-Artikel finanzieren – welche Wege gibt es?. Technische Informationsbibliothek (TIB), open-access.network. https://doi.org/10.5446/73319 (CC BY 3.0 DE)
Open-Access-Bücher
Die Open-Access-Quote unter theologischen Monographien ist verglichen mit dem Gesamtvolumen des Publikationsaufkommens je nach Publikationstyp noch gering.
Unter dem Subject-Stichwort “Theology” listet die OAPEN Library 179 Einträge und das Directory of Open Access Books (DOAB) 182. OpenAlex liefert bei der Schlagwort-Anfrage Theology etwa 38.000 Treffer in den Kategorien Buch und Buchkapitel mit einer Open-Access-Quote von 6,37%. Von den etwa 8.400 in OpenAlex geführten Dissertationen sind hingegen über 52% als Open Access-Monographie ausgewiesen (alle Angaben Stand Juli 2026).
Nahezu alle in der theologischen Wissenschaft etablierten Verlage bieten die Möglichkeit zum Publizieren in Open Access (Theologischer Verlag Zürich, Herder, Evangelische Verlagsanstalt, Karl Alber, Cambridge University Press, Oxford University Press, Routledge, Brill, De Gruyter), wobei manchmal ganze Reihen, aber oft nur Einzeltitel im Open Access erscheinen. Hohe Zuschüsse sind dabei, außerhalb institutioneller Publikationsdienste wie Universitätsverlage, die Regel.
Disziplinäre Repositorien
Es existiert mit dem Self-Archiving Service des Index Theologicus (IxTheo) ein großes, allen theologisch Forschenden offenes Fachrepositorium mit Anknüpfung an die gleichnamige theologische Bibliographie. Für Angehörige kirchlicher Hochschulen im DACH-Raum steht mit dem Kirchlichen Dokumenten-Server (KiDokS) ein kleineres Repositorium bereit.
An größeren Forschungseinrichtungen stehen meist für eigene Angehörige auch einrichtungsbezogene Repositorien bereit, die auch für theologische Publikationen genutzt werden können. Außerdem erleichtern fachspezifische Open-Access-Datenbanken wie die Open Access Digital Theological Library die weltweite Suche nach Open-Access-Publikationen.
Schließlich verzeichnet das Registry of Open Access Repositories (ROAR) weitere mögliche fachnahe Repositorien.
Video über das Zeitveröffentlichungsrecht
Quelle: Brehm, E. (2021). Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler*innen, open-access.network. https://doi.org/10.5446/51789 (CC BY 3.0 DE)
Praxistipp
Sonstige Angebote
Mit der vom Fachinformationsdienst Theologie und Religionswissenschaft an der Universitätsbibliothek Tübingen betriebenen, internationalen theologischen Bibliographie Index Theologicus (IxTheo) und seinen zugehörigen Fachbibliographien für die Bibelwissenschaft und das Kirchenrecht, existiert ein international etabliertes und stetig weiterentwickeltes Nachweis- und Serviceangebot des Open-Access-Publizierens. Neben Erschließungs- und Nachweisdiensten bietet IxTheo Möglichkeiten, bestehende Zeitschriften im Open Access, unter Verwendung von Open Journal Systems zu publizieren (IxTheo Open Journals), einen Zweitveröffentlichungsservice (IxTheo Open Text), die Retrodigitalisierung von urheberrechtsfreien Inhalten in Zusammenarbeit mit dem FID Geschichte und eine Beratung zum Forschungsdatenmanagement. Mit dem theoradar wird eine Sammlung und Auswertung deutschsprachiger christliche Blogs und Podcasts bereitgestellt.
Open Science in der Theologie
Im Sinn des Open-Science-Gedankens als einer breiten Wirkung in die Gesellschaft und eines freien und fairen Zugangs aller zu theologischer Forschung, entstehen immer wieder auch wissenschaftsgeleitete Open-Science-Projekte. Beispielhaft zu nennen wären etwa das Open-Access-Lexikon für Systematische Theologie SysLex, ein Open-Access-Lexikon für Bibelwissenschaften WiBiLex oder das Lexikon für Religionspädagogik WiReLex. Reflexionen zur wissenschaftsethischen Verantwortung und Positionierung der Theologie im Kontext digitaler Methoden werden immer wieder angestoßen (etwa van Oorschot & Krüger, 2024). Auch die Vorteile von Open Educational Resources (OER) für Verkündigung und Glaubensweitergabe werden herausgestellt (etwa Mößle & Angelina, 2025). Daneben gibt es punktuell auch gezielte Projekte zur Förderung und Etablierung von Open Science in der Theologie, etwa durch die Templeton Foundation. (dazu Davis et al., 2026). Eine Übersicht über exemplarische OER-Plattformen für religionspädagogische Materialien wurde hier zusammengestellt.
Als vornehmlich literaturgestützt arbeitende Wissenschaft stellen literarische Quellen in der Hauptsache die theologischen Forschungsdaten dar. Ausnahmen bilden korpusbasierte Forschungen etwa in der Bibelwissenschaft oder der Kirchengeschichte. Teilweise empirisch forschende Disziplinen aus dem Bereich der praktischen Theologie können ebenfalls Adressaten der Open-Science-Prinzipien sein. Einen exemplarischen Datenmanagementplan hat die Zentral- und Hochschulbibliothek für die Theologie Luzern skizziert.
Literatur
- Baumgartner, D. (2026). Rat- und Tatlosigkeit vor alternativen Publikationsmodellen in der theologischen Forschungskultur. Eine Erwiderung auf Benjamin Dahlke. Münchener Theologische Zeitschrift, 77(2), 248–250. https://doi.org/10.5282/mthz/5576.
- Chang-Whae, K. T., & Faßnacht, M. (2026). Offene Infrastruktur für Theologie und Religionswissenschaft im Kontext von Open Science und KI. In F. van Oorschot & C. A. Nunn (Eds.), Kompendium Computational Theology, Vol. 2: Potentiale Digitaler Forschung in der Theologie (pp. 433–467). heiBOOKS. https://doi.org/10.11588/heibooks.1715.c25602
- Dahlke, B. (2026). Der Theologie gehen die Leser aus - was tun? Auf der Suche nach einer neuen Lern- und Forschungskultur. https://katholisch.de/artikel/67454-der-theologie-gehen-die-leser-aus-was-tun
- Davis, E. B., LaBouff, J. P., van Elk, M., & Ladd, K. L. (2026). The Open Science of Religion Initiative in the psychology of religion and spirituality. Psychology of Religion and Spirituality, 18(2), 161–165. https://doi.org/10.1037/rel0000608
- Mößle, L., & Angelina, P. (2025). Fürchtet euch nicht – OER und Third Mission. https://oer.community/third-mission/
- Sultanik, A. (2023). Considerations on how faith affects Christian librarians in providing open access resources. Theological Librarianship, 16(2), 36–38. https://doi.org/10.31046/tl.v16i2.3321.
- van Oorschot, F., & Krüger, F. (2024). Theologie als Open Science? Technische und informatische Perspektiven auf die Schnittstellen von Theologie und digitaler Forschung. Theologische Literaturzeitung, 149(6), 462–480.
Weiterführende Literatur
- Avery, J M. (2018). The open access availability of articles from highly ranked religious studies journals: A study of ten journals. Theological Librarianship. 11(1), 12–17. https://doi.org/10.31046/tl.v11i1.465.
- Dörr, M. (2018). Open access information service for researchers in theology. LIBER Quarterly, 28, 1–9. https://doi.org/10.18352/lq.10245
- Dyer, R. & Wolfe, B. (2023). Open-access theology: Introducing the St Andrews Encyclopaedia of Theology’s digital publishing model. The Journal of Electronic Publishing, 26(1). https://doi.org/10.3998/jep.4254
Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dominik Baumgartner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Stand: Juli 2026).