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Obwohl Open Access viele Vorteile bietet, hegen einige Wissenschaftler*innen noch immer Vorbehalte gegen die freie Verfügbarkeit und Nachnutzbarkeit wissenschaftlicher Publikationen. Zu den Hoffnungen und Befürchtungen zu Open Access wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche empirische Untersuchungen veröffentlicht.

In ihrer heute erschienenen Studie „Wirkungen von Open Access. Literaturstudie über empirische Arbeiten 2010–2021“ legt die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften nun erstmals eine umfassende Übersicht zu empirischen Studienergebnissen zu den Wirkungen von Open Access vor. „Die Ergebnisse helfen dabei, Vor- und Nachteile von Open Access zu bestimmen. Sie dienen als Wissensbasis für die Open-Access-Strategien von Wissenschaftler*innen, Verlagen, Institutionen und politischen Entscheidungsträger:innen“, erklärt Prof. Dr. Sören Auer, Direktor der TIB. Die Durchführung der systematischen Übersichtsarbeit erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Umfassende Analyse zahlreicher Studien

Aus einem breiten Korpus von insgesamt 318 empirischen Studien zu den Wirkungen von Open Access wählte die TIB 61 besonders relevante für einen systematischen Vergleich aus. Die untersuchten Wirkungen beziehen sich auf sieben Dimensionen von Open Access:

  1. Aufmerksamkeit in der Wissenschaft
  2. Qualität wissenschaftlicher Publikationen
  3. Wissenstransfer
  4. Produktivität des Publikationssystems
  5. Nutzung von Publikationen
  6. Ungleichheit im Wissenschaftssystem
  7. Ökonomische Auswirkungen auf das Publikationssystem

Viele positive Wirkungen – und eine negative

Dr. David Hopf, Hauptautor der Studie, fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Die untersuchte Literatur bestätigt mehrere Vorteile von Open Access: Der freie Zugang führt zu einer stärkeren Nutzung und einem fachlich und geografisch diverseren Publikum. Zugleich tragen Open-Access-Publikationen stärker zum Wissenstransfer bei als traditionell veröffentlichte Forschungsergebnisse und der Publikationsprozess – die Zeit zwischen Einreichung und Annahme bzw. Veröffentlichung von Artikeln – ist kürzer. Zudem können einige vermutete negative Befürchtungen in Bezug auf Open-Access-Wirkungen wie eine geringere Qualität von Open-Access-Publikationen und Nachteile beim Verkauf von Druckausgaben entkräftet werden.“

In einem Punkt ist das Ergebnis allerdings weniger klar als erwartet: Dass Open-Access-Publikationen häufiger zitiert werden als Veröffentlichungen, die nicht frei verfügbar sind, lässt sich empirisch nicht eindeutig belegen. Zwar kommen die meisten Studien zu dem Ergebnis, dass Open Access einen Zitationsvorteil bietet, ein nicht zu vernachlässigender Teil der empirischen Literatur weicht jedoch von diesem Ergebnis ab. Angesichts einer hohen Plausibilität und methodischer Schwierigkeiten in diesem Bereich kann jedoch von einer positiven Wirkung ausgegangen werden.

Eine klar negative Wirkung von Open Access zeigen die untersuchten Studien auch auf: Article Processing Charges (APCs) können Autor*innen mit geringeren Ressourcen, etwa wegen geringer Einkommensverhältnisse in manchen Weltregionen oder unzureichender institutioneller Förderung, von einer Publikation abhalten. Dabei handelt es sich aber um die Wirkung eines bestimmten Geschäftsmodells zur Finanzierung von Open Access, das in der Open-Access-Community bereits seit geraumer Zeit in der Kritik steht.

Auf dem richtigen Weg, aber noch viel zu tun

Die TIB-Studie legt auch Forschungslücken offen: Wie verhält sich die negative Auswirkung von APCs auf Ungleichheiten im Wissenschaftssystem zu der positiven Wirkung von Open Access auf die Diversität der Nutzung wissenschaftlicher Publikationen? Wie genau wirkt Open Access auf die Karrierewege von Wissenschaftler*innen? Wer profitiert wie stark von Open Access – verteilen sich die Vorteile gleichmäßig oder machen Geschlecht und Zugang zu finanziellen Ressourcen einen Unterschied?

All dies sind Fragen, die es in Zukunft zu beantworten gilt. „Die Ergebnisse zu Open-Access-Wirkungen zeigen, dass das Ziel einer weitgehenden Transformation zu Open Access, dem sich die deutschen Wissenschaftsorganisationen verschrieben haben, der richtige Weg ist. Aus den Ergebnissen der von uns durchgeführten Studie lassen sich vier konkrete Empfehlungen ableiten: Open Access weiter ausbauen, die genannten Forschungslücken schließen, weitere Forschung zu bestimmten Wirkungen fördern und den negativen Auswirkungen von APCs auf Ungleichheiten mit entsprechenden Gegenmaßnahmen begegnen“, so das Fazit von Marco Tullney, der die Studie als Leiter Publikationsdienste an der TIB verantwortet.

Die Studie können Sie hier herunterladen: https://doi.org/10.34657/7666
Eine Zusammenfassung bietet dieser Blogpost: https://tib.eu/studie-open-access-wirkungen
Zur Pressemitteilung der TIB gelangen Sie hier: https://tib.eu/tib-studie-open-access


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