Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026

Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026

Vom 28.09. bis 30.09.2026 finden die diesjährigen Open-Access-Tage an der Johannes Kepler Universität Linz statt. Der Call for Proposals für Vorträge und Workshops läuft noch bis zum 26.04. und steht unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“. Die Ortskomitee-Mitglieder Susanne Luger und Christopher Fabbro geben einige Einblicke sowohl zum Motto als auch zum Veranstaltungsort.

Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen

Durch Digitalisierung, Open Access, Open Science und in den letzten Jahren den Einzug von Künstlicher Intelligenz befindet sich das wissenschaftliche Publikationswesen in einer Zeit immer schnelleren Wandels und des Umbruchs. Ausgetretene Pfade werden verlassen und neue Wege beschritten. Etablierte Standards und langjährig praktizierte Arbeitsweisen haben zum Teil ausgedient, geraten ins Wanken, werden hinterfragt und neu definiert. Dies ist überall zu spüren. Dabei müssen allerdings nicht nur die Vorteile und Chancen erkannt, sondern auch die möglichen Risiken und Konsequenzen in den Blick genommen werden. 

Verfolgt man die Mottos der Open-Access-Tage der letzten Jahre, ist es nun an der Zeit, den Schritt von den Visionen hin zu einer verantwortungsvollen Umsetzung zu gehen. Als bedeutender Treiberinnen der Open-Access-Bewegung nehmen insbesondere Bibliotheken und andere forschungsunterstützende Einrichtungen im Zusammenspiel mit allen Stakeholdern des Publikationssystems eine zentrale Rolle ein. Damit geht auch die Verantwortung einher, diesen Wandel mit Bedacht und praxisnah zu gestalten, damit Schlüsselbegriffe wie „Qualität“, „Integrität“, „gute wissenschaftliche Praxis“, „Teilhabe“ und „Nachhaltigkeit“ keine leeren Worte sind.

Herausforderungen im Zuge des Wandels

Aus dieser Problemlage heraus ist der Call for Proposals unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ entstanden. Hierbei nehmen wir insbesondere die folgenden Herausforderungen und Problemfelder in den Blick:

  • Mit den fortschreitenden technischen Möglichkeiten und Anforderungen aus der Wissenschaft entstehen zunehmend neuartige Publikationsformate wie Micro-Publikationen, Datenpublikationen oder digitale Editionen, die in der Open-Access-Bewegung bisher weniger Beachtung gefunden haben. Der umfassendere Open-Science-Gedanke beschränkt sich aber nicht nur auf den freien Zugang zu einem klassischen Artikel in einer Zeitschrift. Welche neuen Denkweisen, Standards und Infrastrukturen sind daher erforderlich, um die diversen Publikationskulturen und -formate bestmöglich in die Open-Access-Transformation zu integrieren und am wissenschaftlichen Diskurs teilhaben zu lassen?
  • In einer zunehmend offenen Publikationslandschaft müssen auch Qualitätssicherung, Transparenz und wissenschaftliche Standards geachtet, gelebt und gegebenenfalls neu gedacht werden. Vor dem Hintergrund, dass Open-Access-Publikationen im Rahmen der Verarbeitung durch KI-Systeme tausendfach als Basis für großangelegte, maschinelle Auswertungen und automatisierte Texterstellung herangezogen werden, stellt sich auch hier die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen. Was bedeutet es in diesem Kontext, „Autor*in“ zu sein und welche Verantwortung kommt den Betreibern, Rechteinhabern, Autor*innen und Nutzer*innen zu? Welche rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen können und wollen wir als Open-Science-Community hierfür stecken?
  • Einige etablierte Systeme geraten durch unsichere Finanzierung, Wissenschaftsskepsis und politische Umbrüche immer mehr unter Druck, z. B. (Publikations-) Infrastrukturen wie die in den USA betriebene Datenbank PubMed. Ein stärker werdendes Konkurrenzdenken zwischen einigen Ländern schafft zudem eine Tendenz, den Grundgedanken eines offenen Zugangs zu Forschungsergebnissen zu hinterfragen.  Daher ist es wichtig, Verantwortung für nachhaltige Open-Access-Modelle und resiliente Infrastrukturen zu übernehmen und diese zu gestalten. Gibt es Systeme, die uns als Open-Access-Community unabhängiger von einzelnen Akteuren oder Ereignissen machen, und trotzdem einen weltweiten und freien Zugang zu gewährleisten? Welche Verantwortung kommt dabei auch Entscheidungsträger*innen und Hochschulleitungen zu, die die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen?

Wandel in Stadt und Universität

Die Open-Access-Tage 2026 laden dazu ein, diese Fragen und Herausforderungen zu diskutieren und den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems gemeinsam zu reflektieren, kritisch zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Dabei sind die diesjährigen Open-Access-Tage nicht nur in Hinblick auf ihre jubiläumsträchtigen Zahlen – 20. Auflage der Konferenz (davon zum dritten Mal in Österreich) an einer Universität, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert – besonders, sondern auch, weil sie in der Stadt Linz stattfinden, die selbst ein Ort des Wandels ist.

Linz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer grauen Industriestadt zu einem bunten, international beachteten Ort für Kunst, Kultur Technologie und Gesellschaft entwickelt, in dem digitale Innovation auf gesellschaftliche Reflexion trifft. Auch wenn die Stahlwerke der Voestalpine weiterhin größter Arbeitgeber der Stadt sind, so bietet Linz mit zahlreichen Museen, dem Mural Harbor, dem Ars Electronica Festival oder der Klangwolke eine bunte Kunst- und Kulturszene sowie grüne Oasen entlang der Donau. 2009 war Linz europäische Kulturhauptstadt und ist mittlerweile von der UNESCO als „City of Media Arts“ ausgezeichnet worden.

Auch die Johannes Kepler Universität hat sich in ihren 60 Jahren sehr gewandelt. Als Hochschule für Wirtschaftswissenschaften gegründet, ist sie heute die drittgrößte Arbeitgeberin in Linz und die größte Bildungseinrichtung Oberösterreichs. Sie bietet an ihrem Campus am Rande der Stadt einen Ort für Forschung und Lehre in einem breiten Spektrum an Fächern, von Rechtswissenschaften bis Humanmedizin, von Soziologie bis Artificial Intelligence. An einer der ersten Campusuniversitäten in Österreich, die sich bewusst als zusammenhängender Forschungsraum positioniert, begegnen sich die Wissenschaften nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Diese Interdisziplinarität spiegelt sich auch im Selbstverständnis der Universität wider, die auf gesellschaftliche Relevanz und Transfer setzt – Aspekte, die auch für Open Access relevant sind.

Das Orts- und Programmkomitee freuen sich darauf, die Teilnehmenden der Open-Access-Tage 2026 unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ in Linz an der Johannes Kepler Universität begrüßen zu dürfen – in einer Stadt und an einer Universität, die selbst Teil dieser Transformation sind.


Zitiervorschlag

Luger, S., & Fabbro, C. (2026). Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026. open-access.network. doi.org/10.64395/aab8c-19631


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).


Write comment

* These fields are required
Comments will only be published after prior review by the editorial team. open-access.network reserves the right to delete comments or close the comment function if the netiquette is violated or the comment function is misused.

Comments

No Comments

Last updated on

More information on the topics of this page: