
Gemeinsam in eine diamantene Zukunft. Workshopbericht
Wie ergänzen sich die Angebote von open-access.network und SeDOA? Wo überschneiden sie sich möglicherweise? Welche Unterstützung finden unterschiedliche Nutzer*innen und Beratungssuchende bereits bei den beiden Anlaufstellen – und wo bestehen vielleicht noch Lücken?
Diesen Fragen sind die beiden Projekte in einem gemeinsamen Workshop auf den Open-Access-Tagen in Linz am 30. September 2026 nachgegangen. Dabei haben die Teilnehmenden nicht nur die bestehenden Angebote beider Projekte betrachtet, sondern vor allem die Perspektive derjenigen eingenommen, die im Open-Access-Publikationsprozess Unterstützung und Orientierung suchen.
Zwei Projekte, ein gemeinsames Ziel
Mit den Projekten open-access.network und SeDOA (Servicestelle Diamond Open Access) gibt es im deutschsprachigen Raum zwei Plattformen, die Informationen und Unterstützungsangebote rund um Open Access bereitstellen und weiterentwickeln. Beide fördern Vernetzung und bieten Informations-, Beratungs- und Fortbildungsformate an.
Dabei setzen die beiden Projekte unterschiedliche Schwerpunkte: open-access.network nimmt Open Access in seiner gesamten Breite in den Blick und bietet als etablierte Informations- und Vernetzungsplattform ein vielfältiges Angebot zu unterschiedlichen Themen des Open-Access-Publizierens. SeDOA konzentriert sich auf Diamond Open Access und setzt dabei einen besonderen Fokus auf die Professionalisierung und Weiterentwicklung des Feldes.
Kennenlernen
Zu Beginn des Workshops wurde für den gemeinsamen Einstieg in die Diskussion und ein gegenseitiges Kennenlernen “Diamond Bingo” gespielt. Jede*r Teilnehmer*in erhielt ein ausgedrucktes Bingo (s. u.). Nun galt es, in den vorgegebenen Feldern möglichst viele Unterschriften zu sammeln, und zwar von den Teilnehmer*innen, die die jeweils aufgeführte Frage mit “ja” beantworten konnten. Eine gefüllte Zeile, Spalte oder Diagonale ergab einmal (Diamond)Bingo! Hierbei ergab sich bereits die erste Gelegenheit, sich über eigene Erfahrungen mit Diamond Open Access auszutauschen.
Gemeinsam den Blick auf die Angebotslandschaft richten
Den Auftakt des inhaltlichen Teils des Workshops bildete eine kurze Vorstellung von open-access.network und SeDOA. Anschließend wurde den Teilnehmenden ein im Vorfeld erarbeitetes visuelles Mapping der Angebote und Services beider Projekte vorgestellt. Es gibt einen Überblick darüber, welche Informations-, Beratungs- und Fortbildungsangebote sowie Tools und Services bereits bestehen und an welchen Stellen sich die Angebote ergänzen oder überschneiden. Das Mapping wurde um externe Stakeholder bzw. deren Angebote ergänzt.
Mit Personas auf die Bedarfe schauen
Das Mapping bildete den Ausgangspunkt für den interaktiven Teil des Workshops: Nun waren die Teilnehmenden eingeladen, die Angebotslandschaft aus der Perspektive unterschiedlicher Nutzer*innen zu betrachten und auf mögliche Lücken und Unterstützungsbedarfe hin zu überprüfen.
Dafür arbeiteten die Teilnehmenden mit verschiedenen Personas, die unterschiedliche Perspektiven und Unterstützungsbedarfe im Bereich Diamond Open Access abbildeten. Die Teilnehmenden teilten sich dafür auf drei Tische auf. Jede Gruppe erhielt eine Persona und beschäftigte sich anhand zuvor entwickelter Fragen mit deren Perspektive:
- Wo findet die Person Unterstützung in der Landschaft, die hier gemappt wurde?
- Über welchen Kanal erfährt die Person von dem Angebot?
- Wo sind Anknüpfungspunkte?
- Wo findet die Person Unterstützung?
- Was fällt dir vor dem Hintergrund deiner eigenen Erfahrung auf?
- Wohin kann ich mich als Berater*in der Person wenden?
- Wo sind Lücken?
Der Perspektivwechsel sollte dabei helfen, die bestehende Angebotslandschaft einmal aus Sicht konkreter Nutzer*innen zu überprüfen – und damit auch blinde Flecken und Überschneidungen sichtbar zu machen.
Was brauchen unterschiedliche Nutzer*innen? Konkrete Wünsche aus dem Workshop
In den drei Arbeitsgruppen wurde diskutiert, welche Unterstützung die jeweiligen Personas für ihren Publikationsprozess benötigen und wo die bestehenden Angebote noch Lücken aufweisen. Dabei wurden auch konkrete Wünsche für zukünftige Angebote formuliert.
Eine offensichtliche Lücke zeigt sich in der Zielgruppe der beiden Projekte: Während open-access.network als Informations- und Vernetzungsplattform für den gesamten DACH-Raum auftritt, beschränkt sich die Zielsetzung von SeDOA auf Deutschland. Für die Schweiz erfüllt Diamond Open Access CH (DOACH) die Rolle des National Capacity Centre (NCC) im European Diamond Capacity Hub (EDCH) und leistet Informations- und Vernetzungsarbeit zu Diamond Open Access. In Österreich gibt es noch keine vergleichbare Anlaufstelle.
Zu den genannten Wünschen gehörten unter anderem eine intensivere, stärker am konkreten Publikationsprozess orientierte Begleitung. Insbesondere der Wunsch nach Prozessbegleitung und direktem Coaching wurde als mögliche Ergänzung zu bestehenden Informations- und Beratungsangeboten genannt. Letztere können zwar punktuell und auf einer prinzipiellen Ebene Hilfestellung leisten, ersetzen allerdings nicht eine anwendungsorientierte Unterstützung bei konkreten und regelmäßig neu auftretenden Problemstellungen.
Außerdem wünschten sich die Workshopteilnehmenden stärker strukturierte Weiterbildungsangebote. Vor allem im Vergleich zu anderen Open-Science-Teilgebieten wie dem Forschungsdatenmanagement fällt auf, dass es im Open-Access-Bereich nur wenige Zertifikatslehrgänge gibt, die beispielsweise mit der Qualifikation zum/zur Data Steward vergleichbar sind. Ein Beispiel ist der Zertifikatskurs Wissenschaftliches Publizieren und Open Science der Universität des Saarlandes. Derartige Angebote fördern nicht nur den Kompetenzaufbau, sondern könnten auch in einer handfesten Grundlage für die Anerkennung von (Diamond-)Open-Access-Expertise resultieren, z. B. für One-Person-Publikationsservices oder OJS-Expert*innen aus dem bibliothekarischen wie wissenschaftlichen Bereich.
Gemeinsam weiterdenken
Für open-access.network und SeDOA war der Workshop eine wichtige Gelegenheit, die eigenen Angebote gemeinsam mit der Community zu betrachten, voneinander zu lernen und weitere Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit zu identifizieren. Die Diskussion in Linz hat deutlich gemacht: Eine starke Open-Access-Infrastruktur lebt nicht nur von einzelnen Angeboten, sondern auch von ihrer Vernetzung.
Gemeinsam wollen die beiden Projekte deshalb weiter daran arbeiten, die Angebote für Open Access und insbesondere für Diamond Open Access sichtbar, zugänglich und passgenau auf die Bedürfnisse derjenigen auszurichten, die sie nutzen und so die Zielgruppen aus den Bereichen Forschung und Infrastruktur noch besser zu erreichen.
Das Mapping sowie die Persona-Beschreibungen und das Diamond-Bingo sind auf Zenodo unter einer CC BY 4.0-Lizenz veröffentlicht: https://doi.org/10.5281/zenodo.23665884
Zitiervorschlag
Benz, M., Flaig, S., Kindling, M., Strauss, H., Westphal, S. (2026). Gemeinsam in eine diamantene Zukunft. Workshopbericht. open-access.network. DOI:
Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).
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