Nur ein Forschungsthema? Open Access in der Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft

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Von Anna Lingnau und Linda Martin

Für die Studiengänge der Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften ist das Thema Open Access keine Unbekannte. Innerhalb der Curricula finden sich Inhalte, die Open Science und das Forschungsdatenmanagement vermitteln möchten. Doch wie steht es um das Thema Openness innerhalb der Disziplinen? Welche Entwicklungen prägen die Forschenden dieser Fächer mit und ist Open Access ein gängiger Weg zu publizieren? Diese und andere Fragen adressierten der Fachinformationsdienst Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften und open-access.network gemeinsam in einem Online-Workshop am 11. Oktober 2022.

Drei Wissenschaften - Eigenheiten und Gemeinsamkeiten

Dr. Nikolaus Weichselbaumer, Buchwissenschaftler an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), schärfte das Verständnis der Teilnehmenden für die diametrale Rolle von Quellen und Publikationsformen, die entweder „born digital“ sind oder nachträglich digitalisiert wurden. Weichselbaumer hob die zentrale Bedeutung von Vereinen und kleinen Verlagshäusern hervor, die für die Buchwissenschaft wichtige Journale und Reihen publizieren und für die finanzielle Realisierbarkeit und das „Publizieren in guter Nachbarschaft“ (gemeint ist das Publizieren in Reihen oder Sammelbänden gemeinsam mit anderen Kolleg*innen des Faches) zentral seien.
Esther Asef, Informationswissenschaftlerin und tätig im Forschungsdatenmanagement an der Freien Universität Berlin (FU), ergänzte diese Sichtweise mit einem Einblick in das Publikationsverhalten von Bibliotheks- und Informationswissenschaftler*innen, welches sie 2017 untersuchte. „Es wäre spannend, wenn das Thema nun, nach ein paar Jahren, wieder aufgegriffen würde und auch Diamond Open Access einfließen könnte“, sagte Asef. 

Community-Arbeit: Alte Muster aufbrechen

Einen Einblick in die Praxis gab Laura Rothritz, die über ihre Erfahrungen zur Herausgabe eines Proceedings-Bandes in einem genuinen Open Access Journal berichtete, dessen richtige Formatierung sich als Herausforderung erwies. „Eine Unterstützung von Textformaten, die sich automatisiert bearbeiten ließen (z.B. LaTex), würde eine Erleichterung des Workflows darstellen.“ In diesem Punkt waren sich die Referentin und die Zuhörenden einig: Die Organisation der Open-Access-Transformation von Community Journals erfordere Kenntnisse und das Vorhandensein von Tools zur (teil-)automatisierten Aufbereitung der Texte und der Metadaten.
Ein Bindeglied zwischen diesem und dem nachfolgenden Beitrag stellten die Herausgeber*innenverträge dar. Prof. Dr. Christoph Bläsi, Buchwissenschaftler an der JGU, beleuchtete verschiedene Stakeholder des wissenschaftlichen Publizierens in den Geistes- und Sozialwissenschaften und Ergebnisse aus dem Projekt „Autor:innen und Rechtssicherheit für Open Access“ (AuROA). Die in dem Projekt erstellten modularen Musterverträge sollen die Wahl einer Open-Access-Publikation erleichtern und die Autor*innen ermutigen, ihren „Verhandlungsspielraum gegenüber Verlagen zu nutzen“, so Bläsi. Gleichermaßen könnten Verlage, die ebenfalls befragt wurden, die Bausteine zur Erstellung von eigenen Verträgen benutzen. 

Zauberstablisten: Raum für Wünsche an die Open-Access-Transformation

Zum Abschluss des Workshops wurden zwei "Zauberstablisten" erstellt, auf denen die Teilnehmenden offene Bedarfe und bestehende Herausforderungen bei der Publikation im Open Access notierten. Die Sorge um Finanzierungsmöglichkeiten und die Wahl von Herausgebenden auf bekannte, tradierte Verlagshäuser zu setzen, wurde um wertvolle Ideen zur Stärkung von Open Access ergänzt. So sollten Kompetenzen rund um das wissenschaftliche Publizieren bereits in den Curricula der Studiengänge implementiert werden. Darüber hinaus wäre es gut, wenn „Regelungen für Grünes Open Access unkomplizierter und rechtssicher wären“. Etablierte Forschende müssten gleich einer „Dampflok“ dazu beitragen, das Renommé von Open Access-Repositorien, -Zeitschriften und -Reihen zu steigern.  Es herrschte Uneinigkeit unter den Teilnehmenden, ob ein Repositorium speziell für Forschende der Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften bestehen sollte: Einige hoben den Vorteil einer Ablage für Daten und Texte aus der Community hervor, andere verwiesen darauf, dass die Zahl von allgemeinen und Fachrepositorien aus Forschendenperspektive schon jetzt schwer überschaubar sei. 

Die Dokumentation zum Workshop finden Sie auf der Webseite zum Workshop. Die Reihe der Thematischen Workshops wird im November um Angebote für Wissenschaftler*innen und Autor*innen der Afrikastudien und der Künste fortgesetzt. Bei Fragen oder Anregungen wenden Sie sich gerne an linda.martin(at)open-access-berlin.de.

 

 

 


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