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<item><title>Wissenschaftskommunikation outsourcen: kommerzielle Anbieter, Fallstricke und bessere Alternativen</title><link>https://open-access.network/blog/wissenschaftskommunikation-outsourcen-kommerzielle-anbieter-fallstricke-und-bessere-alternativen</link><comments>https://open-access.network/blog/wissenschaftskommunikation-outsourcen-kommerzielle-anbieter-fallstricke-und-bessere-alternativen#comments</comments><pubDate>Tue, 21 Jul 2026 09:55:00 +0200</pubDate><category>Beratung</category><dc:creator>Deborah Sielert</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wissenschaftskommunikation-outsourcen-kommerzielle-anbieter-fallstricke-und-bessere-alternativen</guid><description>Wissenschaftskommunikation outsourcen: kommerzielle Anbieter, Fallstricke und bessere Alternativen

Autorinnen: Wenxin Shangguan, Deborah Sielert
Kategorie: Werkstattbericht
Tags: Beratung

Teaser:
Die Open-Access-Transformation konzentriert sich seit ihrem Beginn größtenteils auf Zeitschriftenartikel. Während Bücher in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten haben, werden andere Publikationsformate allerdings weiterhin oft vergessen. In diesem Blogartikel beleuchte Wenxin Shangguan und Deborah Sielert Herausforderungen und Möglichkeiten für alternative Formen der Wissenschaftskommunikation.
Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 01.06.2026 im TIB-Blog erschienen.
„Dear Dr Musterfrau, I came across your paper and thought your work could make a real impact if shared beyond academia.“
Wer heutzutage wissenschaftlich publiziert, kennt sicherlich solche E-Mails, die zuhauf in Postfächern von Forschenden landen. Anders als beim Predatory Publishing, wo Autor*innen mit schnellen aber qualitativ fragwürdigen Angeboten für die Publikation von Artikeln angesprochen werden (mehr dazu in diesem Blog-Beitrag), beziehen sich obige E-Mails auf Angebote im Bereich der Wissenschaftskommunikation, die sich an ein breiteres Publikum richten.
Anbieter wie „SciPod“, „SciTube“, „Research Outreach“ und ähnliche bieten an, Forschungsergebnisse in populäre Formate wie Podcasts, Videos oder Infografiken zu übertragen.
Doch sind diese Dienste seriös? Und wer soll sie bezahlen?
Dieser Beitrag ordnet die kommerziellen Dienstleister*innen ein, diskutiert Alternativen und erklärt, warum Publikationsfonds hier meist nicht die Finanzierung übernehmen.
Warum Wissenschaftskommunikation oft delegiert wird
Die Erwartung, dass Forschung in die Gesellschaft wirkt, wächst stetig. In politischen Debatten wird betont, das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zu stärken. Daher gelten wissenschaftskommunikative Tätigkeiten als wichtiger Aspekt des Wissenschaftstransfers, um die Lücke zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft zu schließen.
Fördergeber*innen legen zunehmend Wert auf Transfer-Aktivitäten und die Dissemination von Forschungsergebnissen zu relevanten Zielgruppen. Personen- und institutionenbezogene Evaluationskriterien berücksichtigen immer häufiger auch öffentliche Sichtbarkeit und Transfer.
Um Wissenschaft für Nicht-Expert*innen zugänglich zu machen, braucht es vielfältige Publikationsformen (Elliott, 2022). Dem stehen jedoch die Rahmenbedingungen der meisten Forschenden gegenüber: Ihnen fehlen oft Kompetenzen, Zeit oder Ressourcen. Hinzu kommt der sogenannte „Sagan-Effekt“ (Martinez-Conde, 2016), der von einer aktiven Beteiligung abhalten kann.
SciPod &amp; Co.: nicht „predatory“, aber mit Vorsicht zu behandeln
Der Bedarf an Wissenstransfer hat einen Markt für Dienstleister*innen geschaffen, die Forschungsergebnisse aufbereiten und vermarkten. Typische Angebote sind Kurzvideos, Podcasts, Animationen oder Artikel, die für das Publikum meist frei lizenziert und kostenfrei zugänglich sind. Für die Auftraggebenden liegen die Preise für ein Produkt zwischen 1.000 und 4.000 Pfund; oft werden zusätzliche Reichweitenversprechen für Social Media oder Newsletter gemacht bzw. können sie über entsprechende Pakete dazu gebucht werden.
Ihre Kund*innen erreichen die Unternehmen unter anderem über ausgiebige Kaltakquise mit den anfangs dargestellten E-Mails. Vor dem Hintergrund der Sensibilisierung vieler Forschender zum Thema „Predatory Journals“ ruft dies verständlicherweise erst einmal Skepsis hervor. Unserer Einschätzung nach ist zwar keiner der uns bekannten Dienstleister eindeutig als „predatory“ einzustufen, manche Geschäftspraktiken können dennoch unseriös scheinen. Die Diskussionen diesbezüglich unter Forschenden sind kontrovers. Wer trotzdem entsprechende Angebote nutzen will, sollte dies wohlüberlegt tun.
Was Studien und Communities sagen
Auf Plattformen wie ResearchGate oder Reddit wird das Thema diskutiert. Ein Diskussionsteilnehmer berichtet beispielsweise davon, dass die Kommunikation mit dem Editor so langwierig gewesen sei, dass er es am Ende lieber selber gemacht hätte. Andere werden stutzig, weil Informationen über die Höhe der Kosten erst spät im Kommunikationsprozess mit den Anbieter*innen transparent gemacht wurden oder Angaben über Lizenzen inkonsistent sind. Neben aggressivem Marketing werden den Anbieter*innen zum Teil undurchsichtige Gebührenregelungen, übertriebene Reichweitenversprechen oder Qualitätsprobleme attestiert. Demgegenüber stehen aber auch zahlreiche Stimmen, die von positiven Erfahrungen und äußerst zufriedenstellenden Ergebnissen berichten.
Eine Studie von Hamid R. Jamali (2025) befragte 104 Forschende, die Dienste wie researchoutreach.org oder researchfutures.com nutzten. Zwar war die (allgemeine) Zufriedenheit mit der Darstellung der Ergebnisse hoch, doch gaben 67 Prozent an, dass die Publikation keine nennenswerten Auswirkungen hatte. Jamali empfiehlt daher, vorab klare Ziele und Zielgruppen für die Veröffentlichung zu definieren.
Soll ich das Angebot annehmen? Wenn ja, wie?
Wie bei allen Publikationsangeboten empfehlen wir eine sorgfältige Prüfung solcher Angebote hinsichtlich Finanzierung, Lizenzierung, Reichweitenversprechen und Kosten-Nutzen-Abwägung.
•	Finanzierung: Open-Access-Fonds an Universitäten übernehmen diese Kosten in der Regel nicht, da es sich nicht um peer-reviewte Erstveröffentlichungen handelt. Forschende sollten die Finanzierung daher frühzeitig auf andere Weise klären, um nicht aus eigener Tasche zahlen zu müssen.
•	Lizenzierung: Für eine rechtssichere Verbreitung und Nachnutzung ist eine offene Lizenz (ideal: CC BY) essenziell. Bei Fragen zur Auswahl beraten wir gerne (publikationsberatung@tib.eu).
•	Reichweite &amp; Zielgruppe: Die Wahl des Mediums sollte zielgruppenorientiert erfolgen. Die Chancen auf echten Impact steigen, wenn auf bereits etablierte Formate in der eigenen Zielgruppe zurückgegriffen wird, die oft dankbar für Input sind und selten Kosten berechnen. Es lohnt sich eine Recherche: Welche populärwissenschaftlichen Podcasts, Blogs oder Magazine passen zum Thema?
Nutzung interner und externer Alternativen
Als erste Anlaufstelle sollten Forschende die Presse- oder Öffentlichkeitsarbeit ihrer Einrichtung kontaktieren. Oft bieten Hochschulen, Bibliotheken oder Fachgesellschaften eigene Formate an. Ein Beispiel ist die Podcast-Liste des Fachportals für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung: FID intRecht. Das Borg-Netzwerk versucht mit dem WissKom Wiki aktuell eine Wikibase-basierte Online-Bibliothek für wissenschaftliche Podcasts und Videos aufzubauen. Die TIB bietet mit dem AV-Portal und dem ConRec Service Möglichkeiten Forschungsergebnisse visuell aufzubereiten bzw. online zur Verfügung zu stellen.
Wo solche Angebote fehlen, lohnt es sich, deren Entwicklung aktiv anzuregen. Die Finanzierungslücke versuchen derzeit nur wenige Initiativen zu füllen, wie etwa der HRA-Förderfonds der Hamburg Research Academy.
Fazit: Vorzug nicht-kommerzielle Alternativen
Kommerzielle Anbieter sind zwar divers, verfolgen aber primär Gewinnziele, die nicht immer mit den Werten der Wissenschaftsgemeinschaft (Transparenz, Offenheit) übereinstimmen. Insgesamt raten wir dazu, den Fokus auf nicht-kommerzielle Alternativen der Wissenschaftskommunikation zu legen, dies kann die Arbeit in und mit Wikipedia, öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder community-getragenen Podcasts und Blogs bedeuten. In allen Fällen sind nicht nur die Publikationen selbst frei zugänglich, sondern auch kostenfrei für Autor*innen, mit zum Teil besseren Reichweiten als bei kommerziellen Anbietern.

Literatur
•	Elliott, K. C. (2022). Open Science for Non-Specialists: Making Open Science Meaningful Beyond the Scientific Community. Philosophy of Science 89(5), 1013–1023. https://doi.org/10.1017/psa.2022.36
•	Jamali, H. (2025): Worth the Cost? Researchers’ Use and Experience With Commercial Services for Research Outreach. Journal of Librarianship and Scholarly Communication 13(1). https://doi.org/10.31274/jlsc.18409
•	Martinez-Conde, S. (2016): Has Contemporary Academia Outgrown the Carl Sagan Effect? Journal of Neuroscience 36(7), 2077-2082. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.0086-16.2016

Die Erstveröffentlichung im TIB-Blog wurde für die Zweitveröffentlichung im oa.blog in folgendem Umfang redaktionell angepasst:
•	Es wurden kleine formale Anpassungen in Hinblick auf Blog-spezifischen redaktionelle Standards vorgenommen.
•	Es wurde ein Teaser vorangestellt.
•	Es wurden Links zum Glossar und zu den Informationsseiten von open-access.network hinzugefügt.

Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0)
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<item><title>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</guid><description>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access
Ein Bericht über zwei Veranstaltungen von open-access.network am 10. und 11. Juni 2026
Karin Stork, Martina Benz, Wenxin Shangguan
Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.
Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor. 
Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung
Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.
Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 
Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 
Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 
Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 
Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 
Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA
Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective, Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.
Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.
Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.
Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt  Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur
Ball, C., Shaw, T., &amp; Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612 
Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., &amp; Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505. 
Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261.
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<item><title>Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?</title><link>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</link><comments>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jun 2026 10:12:56 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Lorenz Weinberg</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</guid><description>Am 5. Mai 2026 bot das BMFTR-geförderte Projekt open-access.network im Rahmen des Promovierendenforums der Heinrich-Böll-Stiftung einen Grundlagenworkshop zu Open Access an, der auf großes Interesse stieß. 

Mit dem Workshop kooperierte das Projekt open-access.network zum ersten Mal mit einem Begabtenförderwerk einer politischen Stiftung, um Nachwuchswissenschaftler*innen für die Themen Open Access und Offene Wissenschaft zu sensibilisieren. Auf dem jährlich stattfindenden Promovierendenforum stellen die Promotionsstipendiat*innen der Stiftung ihre Forschungsprojekte vor und tauschen sich zu wissenschaftspolitischen Themen aus. Die dreitägige Veranstaltung in den Berliner Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung stand in diesem Jahr unter dem Motto &quot;Wissenschaftler*innen zwischen Neutralität und Aktivismus - Darf oder muss Wissenschaft politisch sein?&quot;. Der Workshop mit dem Titel „Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?“ widmete sich den strukturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten von Open Access, wissenschaftlichem Publizieren sowie Forschungsbewertungspraktiken und spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem sich viele Promovierende bewegen.

Bereits im Vorfeld zeigte sich, dass der Ansatz, die gesellschaftspolitische Dimension von Open Access in den Mittelpunkt zu stellen, auf fruchtbaren Boden fiel: Deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmenden des Forums entschied sich für das Angebot von open-access.network gegenüber anderen parallel stattfindenden Sessions. Als Workshopleiter habe ich mich sehr über das große Interesse gefreut. Wissenschaftler*innen gehören generell zu jenen Zielgruppen, die von der OA-Community oft schwerer zu erreichen sind. Das große Interesse und die aktive Teilnahme der Promovierenden könnten als Anregung gewertet werden, öfter auch die politische Wirkkraft von Open Access und Debatten rund um Reputation und dem wissenschaftlichen Publikationswesen stärker in die Einführungsworkshops zu Open Access miteinzubeziehen.

Eine interdisziplinäre Gruppe mit politischem Bewusstsein

Abbildung 1 Wortwolke zur Frage &quot;Was verbindest du mit den Begriffen &#039;Open Access&#039; und/oder &#039;Offene Wissenschaft&#039;? Erstellt mit edkimo.
Die 27 Teilnehmenden des Workshops kamen aus verschiedenen Fachdisziplinen und waren aus unterschiedlichen Städten des deutschsprachigen Raums angereist. 

Der Wissenstand zu Open Access innerhalb der Gruppe war recht heterogen. Ein kurzes Stimmungsbild per Handzeichen verdeutlichte, dass ein Großteil der Gruppe bereits Berührungspunkte mit Open Access hatte. Doch es gab auch einige, für die das Thema neu war. Allerdings zeigte bereits die erste interaktive Übung, dass die Teilnehmenden hochmotiviert und politisch sensibilisiert waren und ihre engagierten Perspektiven auch auf die Thematik Open Access übertrugen. Mittels einer Umfrage zu der Frage „Was verbindest du mit den Begriffen ‚Open Access/Offene Wissenschaft‘?“ wurden Themen wie „Bildungsgerechtigkeit“, „Wissensgerechtigkeit“, „Fairness“, „Zugänglichkeit“ oder „ausbeuterische Wissenschaftsverlage“ genannt, noch bevor sie im Workshop vertieft wurden.


Teil 1: Grundlagen zu Open Access und die gesellschaftspolitische Dimension
Da nicht alle Teilnehmenden mit Open Access vertraut waren, begann der Workshop mit einem kompakten Input zu den Grundlagen. Im Anschluss folgte die erste Kleingruppenphase, in der die Teilnehmenden fiktive Szenarien zur Relevanz von Open Access entlang verschiedener Personas diskutierten. Hier kam das Material &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; zum Einsatz. In den Diskussionen entwickelten die Teilnehmenden Anwendungsbeispiele und sprachen über eigene Erfahrungen. 

Die 15-minütige Kleingruppendiskussion hätte problemlos doppelt so lange dauern können, so intensiv waren die Gespräche. In der anschließenden Plenumsrunde brachten die Teilnehmenden die Kapitalinteressen der Großverlage als zentrales Hindernis für Open Access zur Sprache. Einer der ersten Wortbeiträge kam von einer Person, die sich bisher noch nicht mit Open Access beschäftigt hatte und fragte, warum sich Open Access noch nicht als Regelfall durchgesetzt habe, wenn die Vorteile doch so offensichtlich seien. Direkt darauf verwiesen andere auf die Macht der Großverlage. Die gesellschaftliche Relevanz von Open Access wurde in der Gruppe als offensichtlich angesehen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass Open Access noch breiter gedacht werden müsse. So wäre es wünschenswert, Forschungsergebnisse und Fachtexte so zu verfassen, dass sie für mehr Menschen verständlich und damit zugänglich sind. Als Beispiel wurde die Praxis aus der Psychologie genannt, bei der den Studien eine Lay Summary vorangestellt wird, in der Ergebnisse in einem kurzen Text ohne Fachjargon präsentiert werden. 

Ein weiteres zentrales Thema war die Monopolstellung der großen Verlage, die als Problem identifiziert und als weiterer Grund für die Notwendigkeit insbesondere von Diamond Open Access angeführt wurde. Zudem wurde über Möglichkeiten gesprochen, an Literatur zu kommen, ohne an einer Universität eingeschrieben zu sein. Hier wurde deutlich, wie sehr sich Menschen ohne institutionelle Zugänge abgeschnitten und benachteiligt fühlen. In diesem Zusammenhang sprach eine Teilnehmerin über die Zeit des Jura-Referendariats, in der sie nach dem Studium ohne Uni-Mitgliedschaft kaum noch Zugang zu Fachliteratur hatte. Auch die globale Ungleichheit durch unterschiedlichen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen wurde von den Teilnehmenden angesprochen. Als Vorteil von Open Access wurde zudem die Mehrsprachigkeit genannt, da Open Access den Zugang zu wissenschaftlichen Fachpublikationen in verschiedenen Sprachen ermöglicht. Die weltweit freie und vor allem digitale Zugänglichkeit macht diese Texte leichter erreichbar.

Insgesamt zeigte sich, dass die gesellschaftspolitische Relevanz von Open Access im Speziellen und offener Wissenschaft im Allgemeinen in der Gruppe sehr klar erkannt wurde. Neben den in den Personas skizzierten Szenarien brachten die Teilnehmenden viele weitere Felder ein und arbeiteten die gesellschaftspolitische Bedeutung von freiem Zugang zu wissenschaftlicher Literatur heraus. Da sich die Gruppe in dieser Einschätzung einig war, konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der sich in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.

konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.


Teil 2: Karrieredruck, Publikationsentscheidungen und Forschungsbewertung – aus dem Alltag als Promovierende*r
Im zweiten Teil ging es nun explizit um eigene Publikationsentscheidungen und damit verbundene politische Implikationen und karrieretechnische Auswirkungen. Als Workshop-Leiter stellte ich folgende These in den Raum, die die Teilnehmenden in Kleingruppen erneut engagiert diskutierten: 

„Aufgrund von Karrieredruck, dem Druck, möglichst viel publizieren zu müssen oder in möglichst renommierten Zeitschriften zu publizieren, habe ich keine Zeit, mir über übergeordnete Fragestellungen zu Wissenschaftspolitik und Publikationskultur Gedanken zu machen.“

In der anschließenden Diskussion in der großen Runde wurde deutlich, dass insbesondere kumulativ promovierende Nachwuchswissenschaftler*innen einem deutlichen Karrieredruck unterliegen. Ein Teilnehmer führte in Bezug auf die Eingangsthese aus, dass er eigentlich genug Zeit habe, um sich über das Publizieren Gedanken zu machen und gerne alles im Open Access veröffentlichen würde. Gleichzeitig sei er nur ein „kleines Rädchen“, das allein sowieso nichts verändern könne. In diesem Zusammenhang wurden auch der Impact-Faktor und die Rankings von Journals generell angesprochen. Einige Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sie in ganz bestimmten Zeitschriften mit hohem Renommee veröffentlichen müssten, um promoviert zu werden oder um später einen guten Job zu bekommen. Die starren Strukturen des Wissenschaftsbetriebs wurden als einengend beschrieben und der angesprochene Karrieredruck von mehreren Personen bestätigt. Die Teilnehmenden beschrieben die Promotionszeit als sehr herausfordernd und anspruchsvoll. 

„Man ist eh schon hart überfordert mit allem beim Promovieren und es braucht viel Kraft und Zeit, um sich Wissen, einen kritischen Blick auf Strukturen und eine Haltung zum Publizieren anzueignen.“
- Einschätzung einer Teilnehmerin -

Es entwickelte sich eine Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Individualkritik und Systemkritik. Nicht alle Teilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass man als Einzelperson nichts machen könne. Dennoch kristallisierte sich bald die Position heraus, dass politische Lobbyarbeit für Open Access wichtig ist. Hier wurde auf die Unterstützung von unabhängigen, kleinen, möglicherweise genossenschaftlich organisierten OA-Verlagen verwiesen und schlussendlich über Universitäten als die besten Anker für solche Verlage gesprochen. 


Fazit: Ein Workshop mit Nachhall
Der Workshop zeigte, dass Open Access die Kernfragen wissenschaftlicher Praxis berührt und eine klare politische Dimension und gesellschaftliche Relevanz mit sich bringt. Dass diese Debatte gerade mit politisch engagierten Nachwuchswissenschaftler*innen geführt wurde, ist ein wichtiger Schritt, um Open Access-Themen aus der „Bubble“ der Bibliotheks- und Infrastruktur-Community herauszuholen. Die Heinrich-Böll-Stiftung bekundete bereits ihr Interesse, die Zusammenarbeit ausbauen zu wollen.

Als Learnings aus dem Workshop lassen sich drei zentrale Erkenntnisse formulieren:

Politisches Bewusstsein ist bei den Nachwuchswissenschaftler*innen vorhanden: Die Teilnehmenden brachten eigene Perspektiven ein und zeigten, dass Open Access für sie kein abstraktes Konzept, sondern eine konkrete Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe und Zugänglichkeit von Wissen ist.
Karrieredruck vs. Idealismus: Die Spannung zwischen individuellen Zwängen und kollektivem Wandel wurde deutlich. Die Gruppe sah hier Handlungsspielräume durch gemeinsame Forderungen oder die Unterstützung alternativer Publikationsmodelle.
Raus aus der OA-Bubble: open-access.network hat mit diesem Workshop erstmals ein Angebot zum Thema Open Access für Promotionsstipendiat*innen einer politischen Stiftung geschaffen. Dass es so gut angenommen wurde, unterstreicht die Notwendigkeit, OA-Debatten in politische Kontexte zu tragen.

Literatur und weiterführende Links:
Materialien der TIB Hannover zu OA-Workshops: Schicketanz, K. (2026, February 16). &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; - Material für einen Präsenz-Workshop zum Thema Open Access. Technische Informationsbibliothek Hannover. https://doi.org/10.5281/zenodo.18655342 

Heinrich-Böll-Stiftung – Begabtenförderungswerk, Promotionsförderung: https://www.boell.de/de/promotionsfoerderung </description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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<item><title>Open Access für Nachwuchsforschende – Folge im Podcast „NachwuchsFragen“</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen#comments</comments><pubDate>Fri, 15 May 2026 09:43:00 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Deborah Sielert</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen</guid><description>Worauf müssen Wissenschaftler*innen am Beginn ihrer akademischen Karriere beim Open-Access-Publizieren achten? Und welche Informationsangebote und Tools können dieser Zielgruppe beim Einstieg in die Open-Access-Thematik helfen? Über diese und viele weitere Fragen hat Deborah Sielert im Podcast „NachwuchsFragen“ der Graduiertenakademie an der Leibniz-Universität Hannover gesprochen.

Open-Access-Publizieren aus Nachwuchsperspektive
In der 43-minütigen Folge „Publizieren mit Open Access“ gibt Deborah Sielert eine Einführung in das Thema Open Access, die speziell für junge Wissenschaftler*innen mit noch wenig Erfahrung im wissenschaftlichen Publikationssystem zugeschnitten ist. Neben einem kurzen geschichtlichen Abriss der Entwicklungen des wissenschaftlichen Publizierens, die zur Open-Access-Transformation geführt haben, erklärt sie zentrale Begriffe und Abkürzungen, von APC über DEAL bis hin zu CC-BY-NC und den Zugangswegen zu Open Access mit ihren verschiedenen Farbbezeichnungen. 
Besonders spannend ist Deborah Sielerts doppelte Perspektive: Einerseits hat sie während ihrer Promotion eigene Erfahrungen als junge Forscherin gemacht, andererseits sieht sie nun als Open-Access-Beraterin an der TIB auch die weitläufigen Hintergründe des wissenschaftlichen Publizierens. In dieser Doppelrolle berichtet sie von den Herausforderungen, mit denen Early Career Researchers beim Open-Access-Publizieren konfrontiert sind, und benennt gleichzeitig Lösungen und Hilfsangebote. Bei der mitunter mühevollen Suche nach einem passenden Publikationsort für eine Open-Access-Publikation können neben den einrichtungsspezifischen Beratungsangeboten an der Bibliothek beispielsweise das B!SON-Tool oder auch der Erfahrungsaustausch mit der Fachcommunity unterstützen. Außerdem spüren insbesondere Wissenschaftler*innen am Anfang ihrer Karriere den Publikationsdruck der weit verbreiteten „Publish or Perish“-Kultur, was unseriöse Predatory Journals versuchen für ihre Zwecke zu nutzen. Auch hier können technische Angebote wie Positiv- bzw. Negativlisten von „Think Check Submit“ oder das Verzeichnis DOAJ, aber auch die persönliche Open-Access-Beratung an der eigenen Einrichtung Unsicherheiten reduzieren und für derartige Stolpersteine im Publikationswesen sensibilisieren.

„Ich hätte gerne mehr Wissen über den Publikationsmarkt und Themen wie Lizenzen gehabt, denn da besteht für mich ein Zusammenhang zu Selbstwirksamkeit und zum selbstbewussten Navigieren durch die Promotions- und Postdoc-Phase.“
– Deborah Sielert –

Rückblickend auf ihre eigenen Erfahrungen während der Promotion macht Deborah Sielert deutlich, wie wichtig der Informationsfluss an junge Wissenschaftler*innen ist. Wer seine Rechte als Urheber*in kennt, kann selbstbewusster mit Verlagen verhandeln und informierte Entscheidungen treffen. Nachwuchsforschende sind nicht den Zwängen eines starren Systems ausgeliefert, sondern können aktiv Einfluss nehmen – etwa durch die bewusste Wahl eines Journals oder einer Lizenz. „Im Rückblick, wenn ich jetzt nochmal publizieren wollen würde, würde ich eher schauen, welches Journal ich zum Beispiel vom Geschäftsmodell her unterstützenswert finde“, resümiert sie diesen Gedanken.

Link zur Folge
Die Podcastfolge kann auf der Webseite des „NachwuchsFragen“-Podcast oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen gehört werden.
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026</title><link>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</link><comments>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026#comments</comments><pubDate>Thu, 16 Apr 2026 15:06:46 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><dc:creator>Susanne Luger</dc:creator><dc:creator>Christopher Fabbro</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</guid><description>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026


Vom 28.09. bis 30.09.2026 finden die diesjährigen Open-Access-Tage an der Johannes Kepler Universität Linz statt. Der Call for Proposals für Vorträge und Workshops läuft noch bis zum 26.04. und steht unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“. Die Ortskomitee-Mitglieder Susanne Luger und Christopher Fabbro geben einige Einblicke sowohl zum Motto als auch zum Veranstaltungsort.

Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen
Durch Digitalisierung, Open Access, Open Science und in den letzten Jahren den Einzug von Künstlicher Intelligenz befindet sich das wissenschaftliche Publikationswesen in einer Zeit immer schnelleren Wandels und des Umbruchs. Ausgetretene Pfade werden verlassen und neue Wege beschritten. Etablierte Standards und langjährig praktizierte Arbeitsweisen haben zum Teil ausgedient, geraten ins Wanken, werden hinterfragt und neu definiert. Dies ist überall zu spüren. Dabei müssen allerdings nicht nur die Vorteile und Chancen erkannt, sondern auch die möglichen Risiken und Konsequenzen in den Blick genommen werden. 

Verfolgt man die Mottos der Open-Access-Tage der letzten Jahre, ist es nun an der Zeit, den Schritt von den Visionen hin zu einer verantwortungsvollen Umsetzung zu gehen. Als bedeutender Treiberinnen der Open-Access-Bewegung nehmen insbesondere Bibliotheken und andere forschungsunterstützende Einrichtungen im Zusammenspiel mit allen Stakeholdern des Publikationssystems eine zentrale Rolle ein. Damit geht auch die Verantwortung einher, diesen Wandel mit Bedacht und praxisnah zu gestalten, damit Schlüsselbegriffe wie „Qualität“, „Integrität“, „gute wissenschaftliche Praxis“, „Teilhabe“ und „Nachhaltigkeit“ keine leeren Worte sind.


Herausforderungen im Zuge des Wandels
Aus dieser Problemlage heraus ist der Call for Proposals unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ entstanden. Hierbei nehmen wir insbesondere die folgenden Herausforderungen und Problemfelder in den Blick:

Mit den fortschreitenden technischen Möglichkeiten und Anforderungen aus der Wissenschaft entstehen zunehmend neuartige Publikationsformate wie Micro-Publikationen, Datenpublikationen oder digitale Editionen, die in der Open-Access-Bewegung bisher weniger Beachtung gefunden haben. Der umfassendere Open-Science-Gedanke beschränkt sich aber nicht nur auf den freien Zugang zu einem klassischen Artikel in einer Zeitschrift. Welche neuen Denkweisen, Standards und Infrastrukturen sind daher erforderlich, um die diversen Publikationskulturen und -formate bestmöglich in die Open-Access-Transformation zu integrieren und am wissenschaftlichen Diskurs teilhaben zu lassen?
In einer zunehmend offenen Publikationslandschaft müssen auch Qualitätssicherung, Transparenz und wissenschaftliche Standards geachtet, gelebt und gegebenenfalls neu gedacht werden. Vor dem Hintergrund, dass Open-Access-Publikationen im Rahmen der Verarbeitung durch KI-Systeme tausendfach als Basis für großangelegte, maschinelle Auswertungen und automatisierte Texterstellung herangezogen werden, stellt sich auch hier die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen. Was bedeutet es in diesem Kontext, „Autor*in“ zu sein und welche Verantwortung kommt den Betreibern, Rechteinhabern, Autor*innen und Nutzer*innen zu? Welche rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen können und wollen wir als Open-Science-Community hierfür stecken?
Einige etablierte Systeme geraten durch unsichere Finanzierung, Wissenschaftsskepsis und politische Umbrüche immer mehr unter Druck, z. B. (Publikations-) Infrastrukturen wie die in den USA betriebene Datenbank PubMed. Ein stärker werdendes Konkurrenzdenken zwischen einigen Ländern schafft zudem eine Tendenz, den Grundgedanken eines offenen Zugangs zu Forschungsergebnissen zu hinterfragen.  Daher ist es wichtig, Verantwortung für nachhaltige Open-Access-Modelle und resiliente Infrastrukturen zu übernehmen und diese zu gestalten. Gibt es Systeme, die uns als Open-Access-Community unabhängiger von einzelnen Akteuren oder Ereignissen machen, und trotzdem einen weltweiten und freien Zugang zu gewährleisten? Welche Verantwortung kommt dabei auch Entscheidungsträger*innen und Hochschulleitungen zu, die die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen?

Wandel in Stadt und Universität
Die Open-Access-Tage 2026 laden dazu ein, diese Fragen und Herausforderungen zu diskutieren und den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems gemeinsam zu reflektieren, kritisch zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Dabei sind die diesjährigen Open-Access-Tage nicht nur in Hinblick auf ihre jubiläumsträchtigen Zahlen – 20. Auflage der Konferenz (davon zum dritten Mal in Österreich) an einer Universität, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert – besonders, sondern auch, weil sie in der Stadt Linz stattfinden, die selbst ein Ort des Wandels ist.

Linz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer grauen Industriestadt zu einem bunten, international beachteten Ort für Kunst, Kultur Technologie und Gesellschaft entwickelt, in dem digitale Innovation auf gesellschaftliche Reflexion trifft. Auch wenn die Stahlwerke der Voestalpine weiterhin größter Arbeitgeber der Stadt sind, so bietet Linz mit zahlreichen Museen, dem Mural Harbor, dem Ars Electronica Festival oder der Klangwolke eine bunte Kunst- und Kulturszene sowie grüne Oasen entlang der Donau. 2009 war Linz europäische Kulturhauptstadt und ist mittlerweile von der UNESCO als „City of Media Arts“ ausgezeichnet worden.

Auch die Johannes Kepler Universität hat sich in ihren 60 Jahren sehr gewandelt. Als Hochschule für Wirtschaftswissenschaften gegründet, ist sie heute die drittgrößte Arbeitgeberin in Linz und die größte Bildungseinrichtung Oberösterreichs. Sie bietet an ihrem Campus am Rande der Stadt einen Ort für Forschung und Lehre in einem breiten Spektrum an Fächern, von Rechtswissenschaften bis Humanmedizin, von Soziologie bis Artificial Intelligence. An einer der ersten Campusuniversitäten in Österreich, die sich bewusst als zusammenhängender Forschungsraum positioniert, begegnen sich die Wissenschaften nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Diese Interdisziplinarität spiegelt sich auch im Selbstverständnis der Universität wider, die auf gesellschaftliche Relevanz und Transfer setzt – Aspekte, die auch für Open Access relevant sind.

Das Orts- und Programmkomitee freuen sich darauf, die Teilnehmenden der Open-Access-Tage 2026 unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ in Linz an der Johannes Kepler Universität begrüßen zu dürfen – in einer Stadt und an einer Universität, die selbst Teil dieser Transformation sind.</description><enclosure
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<item><title>Das Konzept Deutschlandfonds Diamond Open Access – einige Anmerkungen der Task Force Finanzierung im Projekt SeDOA</title><link>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 08:05:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</guid><description>In diesem Blogbeitrag kommentieren wir aus Sicht der Task Force „Finanzierung“ der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) das Konzept Deutschland-Fonds für Diamond Open Access (DeFDOA), in dem SeDOA explizit genannt und für bestimmte Aufgaben vorgesehen wird. Wir gehen dabei an dieser Stelle nicht auf alle Details ein, sondern stellvertretend auf einige Punkte, die wir für besonders wichtig halten. Der Beitrag stellt keine offizielle Stellungnahme des Projekts zu DeFDOA dar. Das Konzept DeFDOA wurde ursprünglich von Bernhard Mittermaier entwickelt und wird in verschiedenen Kontexten diskutiert, unter anderem in der Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ im Schwerpunkt „Digitalität in der Wissenschaft“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. SeDOA ist in diese Gespräche eingebunden und bringt seine Stellungnahmen dort ein.

Die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) startete im Mai 2025 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Projektkonsortium umfasst 15 Einrichtungen und plant, in einem dezentralen Ansatz die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit von vorhandenen, dezentralen Publikationsinfrastukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen sowie Innovationen zu fördern.
Ziel ist es, Diamond-Open-Access-Publizieren in der wissenschaftlichen Fachkommunikation fest zu etablieren. Durch die geplante Governance-, Angebots- und Kommunikationsstruktur sollen alle Stakeholder in Deutschland miteinbezogen werden.
SeDOA bildet zudem das deutsche National Capacity Centre (NCC) und stärkt damit als Teil des europäischen Netzwerks European Diamond Capacity Hub (EDCH) die internationale Zusammenarbeit.

Der Schwerpunkt von SeDOA liegt somit in der Förderphase bis Ende April 2028 darauf, bereits vorhandene Diamond-Open-Access-Strukturen in Deutschland zu unterstützen, zu vernetzen und sichtbar zu machen. SeDOA hat keine Mittel zur direkten Förderung von Zeitschriften, Büchern oder Publikationsdienstleistern. Ein gewisses Kontingent an Titeln kann jedoch im Rahmen des Projekts bei den SeDOA-Einrichtungen FU Berlin, ULB Darmstadt, TU Berlin und ZB Med publiziert werden.
Auch wenn die Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationsdienstleistungen nicht Teil der aktuellen Projektplanung SeDOAs ist, erkennen wir die Relevanz des Themas und haben eine Task Force gegründet, die sich mit dem Thema beschäftigt und u. a. das Konzept zu DeFDOA diskutiert. Aufgabe der SeDOA-Task-Force Finanzierung ist es, sich intensiver mit Fragen und Konzepten zur Finanzierung von Diamond Open Access auseinanderzusetzen und Impulse dazu ins Gesamtprojekt zu spielen, die auch Grundlage für Stellungnahmen und Positionen des Projekts sein können.

DeFDOA ist ein Konzept zur kollektiven Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationen, das Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek im Forschungszentrum Jülich, entwickelt hat. Das klar formulierte Ziel lautet: “Für die bislang ungeklärte Frage der nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Diensten soll der Deutschland-Fonds Diamond Open Access (DeFDOA) einen substantiellen Beitrag leisten” (Mittermaier, 2025, S. 3). Mittermaier sieht die finanzielle Förderung, die DeFDOA leisten soll, als “komplementär zur Arbeit von SeDOA, wo Governance, Standards und Qualität im Vordergrund stehen” (ebd., S. 4).
In aller Kürze sieht das Konzept vor, dass wissenschaftliche Einrichtungen in einen zentralen Fonds einzahlen, der von der MPDL Services gGmbH (mittlerweile DEAL Open Access Services gGmbH) verwaltet wird. Diamond-Open-Access-Publikationsdienste für Zeitschriften und Bücher können Anträge stellen, um aus diesem Fonds Gelder zu erhalten, die jedoch keine Vollförderung darstellen sollen. Der Arbeitskreis Forum 13+ entscheidet nach festgelegten Kriterien über die Förderanträge, während SeDOA “die antragstellenden Einrichtungen berät und unterstützt” (Mittermaier, 2025, S. 4).

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Überlegungen angestellt werden, wie Diamond Open Access auf nachhaltigere Weise und kollektiv finanziert werden kann. Das Konzept ist jedoch nach wie vor in der Entwicklungsphase und weder sind alle Details noch die endgültigen Beteiligten ausformuliert. Wir möchten uns daher gerne an dieser Stelle an der notwendigen offenen Diskussion beteiligen.

Es müsste klar definiert werden, welche Definition von Diamond Open Access dem Konzept zugrunde liegt und als Kriterium für eine Förderung herangezogen wird. Im Konzept werden die Operational Criteria von Craft-OA und die Mindeststandards von KOALA referenziert und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit kommerziellen Verlagen eingeräumt. Gerade der letzte Punkt ist in der Community umstritten, und auch SeDOA selbst diskutiert hier noch, welche Haltung das Projekt einnehmen wird. SeDOA hat eine Minimaldefinition formuliert, die kommerzielle Zwecke für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Bücher ausschließt. Eine Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Dienstleister zur Publikation ist unter bestimmten Voraussetzungen (insb. Eigentum der Titelrechte in wissenschaftlicher Hand) trotzdem denkbar. 

Wir sind skeptisch, ob sich der Fonds ausreichend füllt, wenn die Zahlungen auf Freiwilligkeit beruhen. Die Beschreibung der Quote von “ca. 2 %” (Mittermaier, 2025, S. 2) ist zudem ungenau und lässt Interpretationsspielraum offen.

Es wirkt ein wenig paradox, ausgerechnet die DEAL-Strukturen für die Organisation einer Diamond-Finanzierung zugrunde zu legen. Mit den DEAL-Verträgen werden Open-Access-Publikationen und Lesezugriff über artikelbezogene Gebühren finanziert, womit sie dazu beigetragen haben, „Gold OA“ zum Synonym für Publikationsgebühren zu machen. Die DEAL-Verträge sind zudem Verträge mit drei kommerziellen Großverlagen. Diamond Open Access steht für das Gegenteil: keine Publikationsgebühren und nicht-kommerzielle Zwecke

Es ist zweifelhaft, ob die genannten Akteure die Aufgaben übernehmen können, die ihnen zugedacht sind. SeDOA hat als Projekt die Aufgabe, alle Stakeholder gleichermaßen zu beraten und zu vernetzen. Die Daueraufgabe Antragsberatung, wie sie bei DeFDOA vorgesehen ist, würde zusätzliche Mittel und eine Verstetigung des Projekts erfordern. SeDOA sieht es als leistbar, an der Ausformulierung des Konzepts DeFDOA mitzuwirken, z. B. bei der Entwicklung von Qualitäts- oder ähnlichen Kriterien. 

Es ist unklar formuliert, wer genau antragsberechtigt ist – Einrichtungen, Bibliotheken oder Herausgebende bzw. Zeitschriften? Grundsätzlich würden wir es vorziehen, dass Infrastrukturen und nicht einzelne Zeitschriften gefördert werden, was auch die Förderung der Publikation von Diamond-Open-Access-Büchern erleichtern würde. Das können Universitätsverlage sein, aber auch andere nicht-kommerzielle Publikationsdienstleister kommen infrage.

Die Orientierung der Förderhöhe am Publikationsvolumen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Grundsätzlich entsteht mehr Aufwand durch mehr veröffentlichte Artikel; das tatsächliche Verhältnis ist jedoch schwer zu ermitteln und hängt auch von den Publikationsformaten und -dienstleistungen ab. Zwar wurde die ursprüngliche Ausrichtung der Berechnung am Publikationsvolumen durch eine komplexere Berechnung ersetzt, die vermeiden soll, dass finanzielle Anreize zu höheren Artikelzahlen entstehen. Die neue Berechnung in Form von Sockelbeiträgen plus Stufen in Kombination mit einer Obergrenze ist jedoch sehr komplex und intransparent. Zugleich ist die vorgesehene maximale Förderpauschale in Höhe von 1.400 € je Artikel relativ großzügig bemessen und könnte durchaus geringer ausfallen.

Wir sehen das Konzept als große Chance, über eine deutschlandweit organisierte kollektive Förderung nachzudenken und beteiligen uns gerne an weiteren Überlegungen. Wichtig finden wir jedoch auch, dass eine mögliche Umsetzung von DeFDOA nicht als Schlusspunkt für Überlegungen zur Finanzierung von Diamond Open Access gesehen wird, sondern ergänzende Konzepte weiterhin diskutiert und entwickelt werden.</description><enclosure
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<item><title>Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025</title><link>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Mar 2026 08:00:00 +0100</pubDate><category>Metadaten</category><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Bente Steinecke</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</guid><description>Im Juli und August 2025 fand eine Online-Befragung des SeDOA-Projektes zu den Bedarfen von Herausgebenden und weiteren Akteuren der Diamond-OA-Community statt. Die Auswertung zeigte, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht.

Bedarfe verstehen, zielgerichtet unterstützen
In den vergangenen Jahren ist Diamond Open Access (OA) zunehmend in den Fokus von Forschungsförderern auf europäischer und nationaler Ebene gerückt. Auch in Deutschland existieren vielfältige, häufig aus wissenschaftlichen Communities heraus betriebene Publikationsangebote, die für Autor*innen sowie für Lesende kostenfrei sind. Seit Mai 2025 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Ziel des Projekts ist es, die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit bestehender dezentraler Infrastrukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen und Innovationen zu fördern. Um Unterstützungsangebote bedarfsgerecht entwickeln zu können, wurde im Sommer 2025 eine umfassende Online-Befragung durchgeführt. Die Erhebung knüpfte an frühere Studien an und hatte das Ziel, Bedarfe, Herausforderungen und Erwartungen der deutschen Diamond-OA-Community systematisch zu erfassen.

Rahmen und Beteiligung
Die Befragung wurde im Rahmen des Arbeitspakets „Community Support Services“ von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft umgesetzt. Zwischen Juli und August 2025 war der Fragebogen online zugänglich. Insgesamt nahmen 239 Personen teil. Den größten Anteil bildeten Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken mit 34 Prozent, gefolgt von Forschenden mit 20 Prozent sowie Herausgebende von Periodika mit 18 Prozent. Weitere Teilnehmende kamen aus Universitätsverlagen, Fachinformationsdiensten, Fachgesellschaften oder ordneten sich der Kategorie „Sonstige“ zu. Damit spiegelt die Erhebung ein breites Spektrum der Akteur*innen wider, die im Bereich Diamond Open Access tätig sind.

Zentrale Ergebnisse der Bedarfserhebung im Überblick
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht. Besonders hervorgehoben wurden Fragen der Finanzierung und tragfähiger Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards beim Publizieren sowie die Indexierung in relevanten Datenbanken. Diese drei Themen stuften jeweils über 70 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch Aspekte wie der Wechsel des Publikationsanbieters, Unterstützung im Produktionsprozess, technische Fragen zu Softwarelösungen, Managementthemen, Austauschformate oder grundlegende Informationen zu Diamond Open Access wurden von rund der Hälfte der Teilnehmenden als relevant bewertet. 

Die offenen Antworten verdeutlichen die Komplexität der Bedarfe. Im Bereich Software und technische Infrastruktur wurde mehrfach der Wunsch nach tragfähigen organisatorischen und technischen Strukturen geäußert. Im Themenfeld Finanzierung wurde neben allgemeinen Geschäftsmodellen vor allem deren langfristige Nachhaltigkeit betont. Mehrere Befragte wünschten sich gezielte Förderprogramme für Diamond-OA-Initiativen sowie klare Lösungen zur Finanzierung redaktioneller Arbeit. In den ausführlichen Freitextantworten wurden die praktischen Herausforderungen deutlich, etwa die wiederkehrende Klärung von Finanzierungsfragen oder die aufwändige Ausschreibung von Dienstleistungen im öffentlichen Dienst. Zwischen den verschiedenen befragten Gruppen zeigen sich leichte Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen. Über alle Gruppen hinweg bleibt jedoch das Thema Finanzierung das zentrale Anliegen.

Ebenfalls ausgeprägt ist der Bedarf an rechtlicher Unterstützung. Insgesamt wird deutlich, dass ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf im Bereich des Urheber- und Vertragsrechts besteht. Die Community wünscht sich hier insbesondere praxisnahe und rechtssichere Orientierung.

In der Befragung wurden auch Wünsche hinsichtlich der Formate der Unterstützung erfragt. Hier liefern die Ergebnisse ein klares Bild. Bevorzugt werden kurze, kompakte Informationsangebote wie Info-Sheets oder kurze virtuelle Workshops von bis zu zwei Stunden. Längere Workshops oder umfangreiche Selbstlernkurse finden deutlich weniger Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten hält die Teilnahme an ein bis zwei Veranstaltungen pro Jahr für realistisch. Zeitliche und finanzielle Ressourcen werden häufig als begrenzend beschrieben, weshalb flexible, digitale und praxisnahe Formate besonders gefragt sind. Zudem besteht ein Wunsch nach nachnutzbaren Materialien, individueller Beratung und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.

Die Ergebnisse als Richtschnur für weitere Angebote
Insgesamt zeigt die hohe Beteiligung an der Befragung das große Interesse am Thema Diamond Open Access in Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es in nahezu allen Bereichen Unterstützungsbedarfe gibt, wobei Finanzierung, Qualitätsstandards und Indexierung besonders hervortreten. Gleichzeitig unterstreichen die Rückmeldungen die Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen, rechtssicherer Rahmenbedingungen und strategischer Einbettung in institutionelle Kontexte. Für das Projekt SeDOA bilden diese Erkenntnisse eine wichtige Grundlage, um künftige Angebote gezielt zu entwickeln und an den Bedürfnissen der Community auszurichten.

Die ausführlichen Ergebnisse sind auf Zenodo zu finden.
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<item><title>Offene Publikationswege durch Transparenz und Zusammenarbeit ermöglichen: Einblicke in die Infrastruktur hinter dem oa.finder/journal</title><link>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</link><comments>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal#comments</comments><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 20:45:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</guid><description>Welche redaktionellen Abläufe, Datenquellen und Kooperationen stecken hinter dem Recherchetool oa.finder/journal? Die Autorinnen berichten zusammenfassend über den Online-Workshop Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal vom 10. September 2025.
Themen des kollegialen Austauschs mit Expertinnen aus Bibliotheken und Konsortialstellen waren die redaktionellen Abläufe im oa.finder/journal, die Nutzung von Datenquellen, sein Einsatz in der Beratungs- und Anwendungspraxis sowie die Weiterentwicklung der Datenstrukturen. In verschiedenen Impulsreferaten wurden folgende Fragen diskutiert:
-	Wie kommen die Daten über Transformationsverträge und Publikationsfonds der Wissenschaftseinrichtungen in den oa.finder? 
-	Welche Möglichkeiten haben Bibliotheken, Angaben zu prüfen, zu ändern und zu ergänzen? 
-	Welche Rolle spielen Konsortialstellen als Paketverwalter von Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträgen?
-	Wie werden Unikliniken und Universitäten mit Literaturversorgung durch rechtlich selbstständige Bibliotheken (SUBs, zentrale Fachbibliotheken etc.) repräsentiert? 
-	Wie ist der Planungsstand zur Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträge?

Es wurde deutlich, dass der oa.finder im Austausch mit verschiedenen Beteiligten Transparenz im Veröffentlichungsprozess schafft, Informationswege bündelt und Open-Access-Akteur*innen verbindet. Als Wissensbasis zur Recherche nach Publikationsmöglichkeiten enthält er neben publikationsrelevanten Informationen zu knapp 57.000 wissenschaftlichen Zeitschriften auch Informationen über Open-Access-Aktivitäten, Transformationsverträge und Publikationsfonds an über 700 Wissenschaftsinstitutionen im deutschsprachigen Raum. 
Datenpflege als Gemeinschaftsarbeit 
Der oa.finder unterstützt Wissenschaftler*innen bei der Auswahl geeigneter Publikationsorte für ihre Forschungsarbeit im Open Access sowie Mitarbeitende an Bibliotheken und anderen zentralen Serviceeinrichtungen bei der Publikationsberatung. Er bündelt Informationen über Zeitschriften, Verlage, Geschäftsmodelle und Open-Access-Vereinbarungen und macht diese strukturiert zugänglich. Die Teilnehmenden erfuhren, dass der oa.finder/journal auf eine Vielzahl von Quellen und Schnittstellen zurückgreift, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), das Directory of Open Access Journals (DOAJ), APC-Preislisten von Verlagen, die Transformative Agreements Public Data des Journal Checker Tools sowie einrichtungsspezifische Informationen aus dem oa.atlas. Diese Zusammenführung erfordert technische Schnittstellen, redaktionelle Sorgfalt und institutionsübergreifende Kooperationen.
In ihrer Einführung sprach Nina Schönfelder (UB Bielefeld) über die Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Sie beschrieb die notwendigen komplexen Arbeitsschritte, um aus verstreuten Quellen ein konsistentes und aktuelles Informationssystem zu formen. Von der automatisierten Datenübernahme bis zur manuellen Prüfung durch das Redaktionsteam wird die Datenqualität an verschiedenen Stellen des Prozesses sichergestellt. „Der Anspruch ist, zuverlässige und nachvollziehbare Informationen zu bieten, weil der oa.finder/journal eine Grundlage für Beratungen und Publikationsentscheidungen bieten will“, betonte Schönfelder. Die Herausforderung der Datenpflege läge nicht nur in der technischen Integration, sondern auch im Umgang mit der Dynamik des Open-Access-Marktes: Zeitschriftenmodelle ändern sich, neue Transformationsverträge kommen hinzu, Verlage wechseln ihre Richtlinien.

Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg
Im ersten Impulsreferat präsentierten Evamaria Krause und Sonja Härkönen von der Universitätsbibliothek Augsburg, wie die Literaturversorgung und Organisation der Transformationsverträge in ihrem Haus für die Medizinische Fakultät, das Uniklinikum sowie verschiedene klinische Kooperationspartner umgesetzt werden. Klinik-Mitarbeitende, die wissenschaftliche Dienstleistungen erbringen, sind laut Grundordnung der Universität Augsburg den Universitätsmitgliedern rechtlich gleichgestellt, was auch für den Versorgungsauftrag durch die Universitätsbibliothek gilt. Aus dieser Konstellation entstehen komplexe Einzelanforderungen, die im Alltagsgeschäft kommunikative Herausforderungen darstellen: Beispielsweise, wenn bei mehrjährig laufenden Transformationsverträgen während der Vertragslaufzeit neue Personen als publikationsberechtigt aufgenommen werden sollen. Oder die entstehenden Zusatzkosten, wenn Mitarbeitende der Kooperationskliniken im Rahmen von Verträgen publizieren wollen, an denen die Medizinische Fakultät nicht beteiligt ist. 
Die Dienste der UB Augsburg zum Open-Access-Publizieren sind vielfältig: Information und Beratung zu Open Access, finanzielle Förderung von Open-Access-Artikeln und Beteiligung an Transformationsverträgen. In der Publikationspraxis geht es oft um Fragen wie: Welche Zeitschrift erlaubt mir, meinen Artikel im Open Access zu veröffentlichen? Welche Kosten entstehen, und wer übernimmt sie? Hier bietet der oa.finder/journal eine erste Orientierung, indem er Informationen zu APCs, Lizenzen und Fördermöglichkeiten bündelt. Evamaria Krause und Sonja Härkönen betonten, dass vor allem die Kombination der zentral gepflegten Daten mit lokaler Beratung zielführend sei. 
In der Universitätsmedizin treffen unterschiedliche Förderlogiken aufeinander – nicht nur bei den erwähnten Transformationsverträgen, sondern auch bei der universitätsinternen Förderung von Open-Access-Artikeln. Für diese Fälle wünschen sich die Referentinnen eine differenzierte Darstellung der Transformationsverträge und Fördermöglichkeiten im oa.finder/journal sowie schnelle Änderungen in den eigenen Daten.

Beratung mit dem oa.finder an der Universität Greifswald
An der Universität Greifswald ist die Situation anders: Die Uniklinik ist Teil der Universität und fungiert als medizinischen Fakultät. Entsprechend sind alle Angehörigen der Unikli-nik auch Hochschulangehörige. Ariane Retzar berichtete aus der Beratungspraxis des Open-Access-Teams der Universitätsbibliothek Greifswald, das den oa.finder aktiv nutzt, um Forschenden passgenaue Informationen zu bieten. In der täglichen Arbeit diene er als Nachschlagewerk, mit dem Publikationsoptionen schnell auffindbar sind. Da die UB den oa.finder zentral auf ihrer Website eingebunden hat, wird er auch von Wissenschaft-ler*innen genutzt, was durch Erwähnungen in E-Mails und bei telefonischen Anfragen belegt ist. Für die Weiterentwicklung wünscht sich das Greifswalder Open-Access-Team eine verlässliche und durchgängige Kennzeichnung förderfähiger Zeitschriften und eine Übereinstimmung der einrichtungsspezifischen Förderbedingungen mit den Hinweisen zur Kostenübernahme.
Retzar hob hervor, dass der Nutzen des Tools vor allem darin besteht, dass es Entscheidungen erleichtert. Zugleich betonte sie, dass es keine Beratung ersetzt, sondern stützt und professionalisiert. Mit der passenden Suchanfrage erhalte man im oa.finder objektive und vergleichbare Informationen, die die lokale Publikationsberatung ergänzen, was grade für kleinere Einrichtungen eine erhebliche Entlastung bringt.

Open-Access-Informationen an der SUB Hamburg
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) informiert Forschende der Universität Hamburg sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) über vielfältige Kanäle zu Open-Access-Publikationsmöglichkeiten – von Webseiten über Schulungen bis hin zu persönlichen Beratungen. Die Literaturversorgung (inkl. OA-Vereinbarungen) des UKE erfolgt kooperativ-arbeitsteilig mit der Ärztlichen Zentralbibliothek (ÄZB). Sarah Ehmke von der SUB Hamburg stellte die Frage, wo und wie sich der oa.finder in dieses Informationsangebot einbinden ließe und schlussfolgerte, dass der Mehrwert in der zentralen Sichtbarkeit, Aktualität und Verlässlichkeit der Daten läge: „Wenn wir in der Beratung auf eine verlässliche Datenquelle verweisen können, schafft das Vertrauen – und spart Zeit auf beiden Seiten.“ Deshalb plädierte sie dafür, im oa.finder mehr lokale Informationen einzubinden, etwa institutionsspezifische Kategorie-Labels, das Platzieren institutionsspezifischer Hinweise und das Hinterlegen von Rabatt-, Rahmen- und Deposit-Verträgen. Erst dann könne er zu einem festen Bestandteil der Publikationsberatung in Bibliotheken mit echtem Mehrwert für die Wissenschaftler*innen vor Ort werden. Darauf eingehend gab Nicola Bieg von der Konsortialstelle der TIB Hannover den Hinweis, dass Bibliotheken bei der Anbahnung von Transformationsverträgen die zugehörigen Universitätskliniken explizit als publikationsberechtigte Einrichtungen angeben sollten. Das schaffe Transparenz in der Frage wer berechtigt ist zu publizieren und fließe außerdem in die Erstellung des Gebührenmodells ein, da so Publikationszahlen und Lizenzen eingerechnet werden könnten. Auch im Publikationsprozess seien diese Informationen bedeutsam, damit Verlage eingereichte Artikel dem passenden Transformationsvertrag zuordnen können.
In den Beiträgen aus den verschiedenen Bibliotheken wurde deutlich, dass die Informationen über die verschiedenen und komplexen Publikationsverträge sich nur schwer passgenau aufbereiten lassen und immer erklärungsbedürftig bleiben. Bei der Frage wo und mit welcher finanziellen Unterstützung Forschende publizieren können, ist der oa.finder ein hilfreiches Tool zur ersten Orientierung für Wissenschaftler*innen und für Personen in der Publikationsberatung. Eine verbindliche Klärung ist nur mit individueller Beratung der Bibliotheken möglich.

Konsortiale Perspektive: Datenweitergabe und Synergien
Nicola Bieg von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) erweiterte den Austausch um die Perspektive einer Konsortialstelle, die Vertragsverhandlungen mit Verlagen vorbereitet, durchführt und Abschlüsse erzielt. Als Vorbereitung für die Vertragsverhandlungen sowie ihr Monitoring seien konsistente und interoperable Daten essenziell. Bei Titellisten für die Read-Komponente von Transformationsverträgen gäbe es einen etablierten und guten Standard zum Austausch mit den Verlagen; dies sei bei Titellisten für die Publish-Komponente noch nicht der Fall. Nach Vertragsschluss verteilt die TIB einige der vertragsbezogenen Daten (Titellisten, Einrichtungslisten) an mehrere Dienste routinemäßig mit teils unterschiedlichem Zuschnitt – darunter auch an den oa.finder. Ein Zeitverzug sei unvermeidbar, da die Verträge oft erst im Laufe des Januars rückwirkend zu Jahresbeginn unterzeichnet werden, was sich auch im oa.finder niederschlägt. In jeder neuen Vertragsphase kommen PIDs (Persistente Identifier wie DOI, ORCID, ISSN und ROR-ID zum Tragen. Für das Monitoring der Verträge hinsichtlich der zu erwartenden Publikationszahlen, greift die TIB auf das Schema des OA-Switchboards zurück. Für das Management von Lizenzen wurde an vielen deutschen Konsortialstellen in der Vergangenheit standardmäßig die WIB-ID zur eindeutigen Identifizierung von Einrichtungen verwendet, die Konsortialstellen mittlerweile aus LAS:eR ziehen können. LAS:eR ermöglicht die zentrale Verwaltung von elektronischen Ressourcen in einem System inklusive Konsortial- und Nationallizenzen. Bibliotheken können neben ihrer WIB-ID auch die ROR IDs der Einrichtungen hinterlegen, für deren Literaturversorgung sie zuständig sind. Dies ist für Transformationsverträge essenziell, damit die Publish-Komponente alle berechtigten, aber rechtlich selbstständigen Einrichtungen umfasst (Unikliniken, Universitäten mit Versorgungsauftrag durch eine Landes-/Staats- oder zentrale Fachbibliothek usw.). Bieg betonte, dass diese Informationen bereits zu Verhandlungsbeginn vorliegen sollten; ein Nachmelden sei selten möglich. 

Verknüpfte Datenstrukturen – Ein Blick in die Zukunft
Abschließend präsentierte Silke Weisheit von der Universitätsbibliothek Regensburg die geplante Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Open-Access-Vereinbarungen, die im Rahmen des DFG-Projekts openCost entstehen soll. Damit wird eine neue Ebene der Datenintegration geschaffen: Informationen über Open-Access-Vereinbarungen werden strukturiert, maschinenlesbar und nachnutzbar erfasst, was ein entscheidender Schritt für mehr Transparenz in der Kosten- und Vertragslandschaft ist.
Diese Erweiterung steht exemplarisch für die Richtung, in die sich die Open-Access-Infrastruktur bewegt: mehr vernetzte, offene und interoperable Datenräume. Der oa.finder profitiert von diesen Entwicklungen durch mögliche Schnittstellen und die Nachnutzung von Daten. Außerdem trägt er selbst dazu bei, dass Open-Access-Informationen nicht in einzelnen Projekten verbleiben, sondern als gemeinsames Wissen zugänglich sind.

Fazit: Transparenz braucht Zusammenarbeit
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass die Qualität des oa.finders als Informationstool, das verschiedene Quellen verbindet, vor allem auf Kooperation beruht – zwischen Projekten, Bibliotheken, Konsortien und Beratenden. Datenpflege ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für eine verlässliche, nachhaltige Informationsinfrastruktur. Offene Publikationswege brauchen offene Informationsflüsse – und diese entstehen nur, wenn viele Akteur*innen ihr Wissen teilen. Der oa.finder steht beispielhaft für ein Gemeinschaftswerk, das den Open-Access-Gedanken nicht nur abbildet, sondern praktisch umsetzbar macht.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden auf Zenodo im Open Access veröffentlicht: 
Bieg, Nicola (2025). Übermittlung von OA-Publikationskonditionen in TIB Konsortien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199072
Ehmke, Sarah (2025). Publizieren im Open Access Informationswege der Staats und Universitätsbibliothek Hamburg und wie der oa.finder uns dabei unterstützen könnte. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199331
Härkönen, Sonja &amp; Krause, Evamaria (2025). Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199443
Retzar, Ariane (2025). Der oa.finder in der Beratungspraxis an der Universität Greifswald. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199504
Schönfelder, Nina (2025). Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199644
Weisheit, Silke (2025). Erweiterung der EZB um eine Registry für OA-Vereinbarungen im Rahmen des DFG-Projekts openCost. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121862
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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch#comments</comments><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 10:37:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</guid><description>Wie steht es um Diamond Open Access in den Bundesländern?
In der ersten SeDOA-Online-Veranstaltung berichteten vier Landesinitiativen über ihre Aktivitäten, Herausforderungen und ihre Wünsche an SeDOA. Die Veranstaltung eröffnete Möglichkeiten für länderübergreifende Vernetzung, Austausch und Synergien.

Am 25. November 2025 lud die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) zu ihrer ersten Online-Veranstaltung „Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch“ ein. Als deutsches Diamond Capacity Centre möchte SeDOA den Status quo zum Thema Diamond Open Access sichtbar machen und zentral Informationen bereitstellen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Aktivitäten, Herausforderungen und Wünsche der Landesinitiativen. Ziel war es, gemeinsame Anknüpfungspunkte zu identifizieren und Synergien für eine länderübergreifende Transformation hin zu Diamond Open Access zu schaffen. Die Veranstaltung bildete damit einen wichtigen Auftakt für eine stärkere Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten.
Ablauf der Veranstaltung

Die Veranstaltung begann mit einer Kurzvorstellung der geplanten Angebote der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) und ihrer veröffentlichten Minimaldefinition von Diamond Open Access, die veröffentlicht wurde, um einen Konsens zur Begrifflichkeit herzustellen und Anfragen konsistent beantworten zu können. Daraufhin hielten die vier eingeladenen Referent*innen Vorträge über die jeweiligen Ansätze, Maßnahmen und Herausforderungen der vier Landesinitiativen im Bereich (Diamond) Open Access. Dabei wurden u. a. der aktuelle Status Quo, bestehende Rahmenbedingungen, bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen sowie die Rolle der Landesstrategien beleuchtet:

●	Dorothee Graf (Universitätsbibliothek Duisburg-Essen) stellte die Landesinitiative openaccess.nrw vor. Mit dem Ziel, eine abgestimmte Serviceinfrastruktur für die digitale Transformation zu etablieren, setzt oa.nrw als Multiplikator und wichtige Informationsdrehscheibe unter anderem mit der Veröffentlichung der Open-Access-Strategie 2023 zukunftsweisende Impulse für Open Access in NRW.

●	Der Vortrag von Maike Neufend (Open-Research-Office Berlin) zur Landeskoordinierungsstelle für offene Wissenschaft Berlin klärte über die Aktivitäten und Entwicklungen in der Hauptstadt auf: Die Berliner Einrichtungen werden seit 2016 bei der Umsetzung der Berliner Open-Access-Strategie (2015) unterstützt. Letztere wird aktuell zu einer Open-Research-Strategie weiterentwickelt und die Gründung von BerlinUP stellt einen Meilenstein in der Entwicklung von Publikationsinfrastrukturen dar.

●	Ben Kaden (FH Potsdam) berichtete über die Vernetzungs- und Kompetenzstelle (VuK) Open Access Brandenburg, die seit 2021 als Anlaufpunkt und Sprachrohr für die Hochschulen und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur fungiert. Die VuK übernimmt dabei transformationsbegleitende und publikationsunterstützende Aufgaben. Die Open Access Strategie des Landes Brandenburg wurde 2019 verabschiedet.
●	Anastasiia Afanaseva (Universität des Saarlandes) präsentierte die neu gegründete Servicestelle Open-Access-Saar, die Vernetzung, Kompetenzaufbau und -entwicklung sowie Informationen und Beratungen im Bereich Open Access anbieten will. Auch Analysen und die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Implementierung eines Landesfonds und zur Einwerbung von Drittmitteln sind in der Planung.

Die Foliensätze aller Vorträge sind auf Zenodo hinterlegt. Die Länderdossiers von open-access.network beschreiben die Strategien und Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ausführlich.

Gemeinsame Wünsche der Landesinitiativen
Nach den Vorträgen formulierten die Landesinitiativen mehrere gemeinsame Anliegen an die Servicestelle Diamond Open Access:
1.	Rechtliche Interessenvertretung wissenschaftlichen Einrichtungen auf nationaler Ebene, um wettbewerbliche Logiken zu adressieren.
2.	Ein Rechtsgutachten zur Einordnung von Diamond-OA-Infrastrukturen als verlagstechnische Konstrukte.
3.	Erarbeitung von Szenarien und deren Machbarkeit für Diamond-OA-Publikationsinfrastrukturen auf nationaler und Landesebene- sowie in Kooperationen.
4.	Verstärkte Lobbyarbeit sowie die Entwicklung von Best Practices.
5.	Interessenvertretung in der Debatte um Forschungsbewertung. 

Diskussion und Erkenntnisse
Im Anschluss wurde der Raum für Fragen und Diskussionen eröffnet.  Es Hier zeigte sichgabvor allem reges Interesse an der Definition von Diamond Open Access und viele Teilnehmende äußerten ihre Fragen und Kommentare dazu. Da die Diskussion der Begrifflichkeiten insbesondere für die Bibliotheks-Community interessant und relevant ist, soll plant SeDOA dafür bei weiteren Gelegenheiten Raum gezu schaffen werden.
Ein weiteres zentrales Thema in der Diskussion war die Frage, warum Diamond Open Access trotz seiner aktuell hohen wissenschaftspolitischen Relevanz in den Ländern bislang wenig umgesetzt wird. Woran das liegt, ist natürlich nicht einfach festzustellen, doch teilten mehrere Personen den Eindruck, dass derzeit Themen wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Vordergrund stehen, wobei Open Access teilweise in den Hintergrund gerät.
Gemeinsam für Diamond Open Access

Die abschließende Nachricht an alle Teilnehmenden lautete: Vernetzt euch! Zusammen ist es einfacher, Diamond Open Access ins Bewusstsein zu rücken und Projekte umzusetzen. Die Referent*innen betonten ihre Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen, und verwiesen auf die Möglichkeiten zum weiteren Austausch per E-Mail sowie im Rahmen künftiger Vernetzungstreffen gemeinsame Mailingliste der Landesinitiativen hin. Weitere Informationen zu den Landesinitiativen und die deren Kontaktdaten sind auf open-access.network zu finden.
Diese Auftaktveranstaltung war ein wichtiger Schritt in Richtung einer stärkeren Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten. Folgeworkshops zur Vertiefung der Diskussion und zur Erarbeitung praxisrelevanter Inhalte sind bereits in Planung. Wir hoffen, dass durch diese und folgende Veranstaltungen ein breiteres Bewusstsein und eine effektivere Umsetzung von Diamond Open Access geschaffen wird. Unsere nächsten Veranstaltungen werden auf der SeDOA-Webseite angekündigt. 
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<item><title>Informationsbudget als Leitungsaufgabe</title><link>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</link><comments>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe#comments</comments><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 08:40:00 +0100</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</guid><description>Informationsbudget als Leitungsaufgabe

Ein Workshop von Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network zur strategischen Steuerung der Open-Access-Transformation

Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Informationsbudgets an Wissenschaftseinrichtungen zu etablieren, luden Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network Leitungspersonen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein. Der Workshop zeigte, dass Informationsbudgets im Prozess der Open-Access-Transformation ein wesentliches Instrument der Kostenkontrolle sind und ihre Einführung eine strategische Leitungsaufgabe darstellt.

Unter dem Titel „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ fand am 22. September 2025 ein Online-Workshop für Leitungspersonen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen statt. Die geschlossene Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem BMFTR-geförderten Verbundprojekt open-access.network organisiert. Dies war der Abschluss der Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, die von den Projektpartnern Universitätsbibliothek Bielefeld und Helmholtz Open Science Office von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie ist der Stand der Entwicklung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Und wie können Hochschulleitungen Informationsbudgets als strategisches Instrument in der Open-Access-Transformation einsetzen?
Informationsbudgets – Steuerung, Transparenz, Verantwortung

Das Konzept des Informationsbudgets wurde 2022 vom Wissenschaftsrat als zukunftsweisendes Steuerungsinstrument ausgearbeitet und empfohlen. Es soll sämtliche Ausgaben für wissenschaftliche Publikationskosten wie Beschaffung, Förderung, Subskriptionen, Open-Access-Gebühren oder Lizenzkosten in einem transparenten Gesamtbudget zusammenführen. Am Ende soll eine institutionenweite Übersicht entstehen, in der Aufwände für die Publikations- und Informationsversorgung transparent aufgestellt werden, um eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen zu erhalten. Informationsbudgets ermöglichen mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung. Zugleich verändert sich der Blick auf wissenschaftliche Publikationen: Sie werden nicht länger als isolierter Kostenfaktor betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Hochschulentwicklung und Wissenschaftspolitik.
Leitungsaufgabe mit strategischer Dimension

Der Workshop machte deutlich, dass die Etablierung eines Informationsbudgets nicht nur eine Frage technischer und organisatorischer Umsetzbarkeit ist, sondern vor allem auf Leitungsebene entschieden werden muss, damit die gesamte Institution in die Prozesse eingebunden wird. Informationsbudgets sind eng mit strategischen Entscheidungen verknüpft, wie beispielsweise die Open-Access-Finanzierung, das Publikationskostenmanagement und die langfristige Ausrichtung digitaler Infrastruktur. Das erfordert ein gemeinsames Verständnis zwischen Präsidium, Verwaltung, Bibliothek und Wissenschaft über zentrale Fragen:

    Welche Ziele verfolgt die Einrichtung mit ihrer Publikationsstrategie?
    Wie sollen Ressourcen verteilt werden?
    Welche Governance-Strukturen sind notwendig, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen?

Gerade weil durch die Einführung von Informationsbudgets diese Aspekte sichtbar werden, sind sie mehr als ein Controlling-Instrument: Sie fördern den Dialog über wissenschaftliche Werte und Prioritäten.
Impuls aus der Forschung: Informationsbudgets als kulturprägendes Instrument

Den fachlichen Impuls zu Beginn des Workshops gab Prof. Dr. Gerard J. M. Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe „Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrats. Er ordnete das Konzept des Informationsbudgets in den größeren Kontext der Open-Access-Transformation und der wissenschaftlichen Informationsversorgung ein. Für Meijer sind Informationsbudgets nicht nur ein Werkzeug zur Kostensteuerung, sondern ein Instrument institutioneller Kulturentwicklung: „Ein Informationsbudget zwingt uns, uns mit der Frage zu befassen, wofür wir Geld in der Wissenschaft ausgeben – und welche Werte dahinterstehen“, so Meijer.

Er betonte, dass die Einführung solcher Budgets nur gelingen kann, wenn sie von der Leitung aktiv getragen und abteilungsübergreifend umgesetzt wird. Bibliothek, Forschungsmanagement und Finanzverwaltung müssen dazu enger zusammenarbeiten als bisher. Nur dann könne das Informationsbudget sein Potenzial entfalten: Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu klären und die Open-Access-Transformation strategisch zu steuern.
Praxisbericht aus Leipzig: Strukturen, Prozesse, Lernkurven

Anschließend berichtete Dr. Henriette Rösch, stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, von den Erfahrungen an ihrer Hochschule. Hier hat man in den vergangenen Jahren begonnen, ein Informationsbudget als internes Steuerungsinstrument aufzubauen, um sämtliche Kosten der Informationsversorgung zu erfassen und systematisch auszuwerten. Sie berichtete von folgenden Herausforderungen:

    Heterogene Finanzierungsstrukturen: Fakultätsmittel, Drittmittel und zentrale Mittel mussten zusammengeführt werden.
    Datentransparenz: Die Erfassung und Auswertung der Kosten erforderte neue Formen der Datenerhebung und -integration.
    Kommunikation und Verantwortung: Die Einführung eines Informationsbudgets bedeutete auch, Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen in einen kontinuierlichen Austausch zu bringen.

Henriette Rösch betonte, ein Informationsbudget sei nicht nur ein Controlling-Werkzeug, sondern auch ein Kommunikationsanlass – es schaffe Bewusstsein und eröffne Gespräche über Prioritäten und Verantwortung. Der Aufbau solcher Strukturen brauche zwar Zeit, sei aber ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, datenbasierten Steuerung von Publikationskosten und Open-Access-Ausgaben.
Praxisbericht aus Bielefeld: Datenbasiert steuern – digital und integriert

Im zweiten Praxisbeitrag sprachen Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur der Universität Bielefeld, und Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin, über die Bielefelder Ansätze und Erfahrungen. Hier wurde früh damit begonnen, Kosten für Subskriptionen, Publikationsgebühren und Open-Access-Fonds zusammenzuführen und digitale Systeme zur Erfassung und Analyse von Informationskosten zu entwickeln. Die beiden Projekte OpenAPC und openCost haben hilfreiche Vorarbeiten und nachnutzbare Ergebnisse gebracht. An der Universität Bielefeld ist das Informationsbudget in die Gesamtstrategie der Digitalisierung eingebettet und diene nicht nur der Kostentransparenz, sondern auch der Integration von Datenflüssen zwischen Bibliothek, Finanzverwaltung und Forschungsdatenmanagement. Ulrich Rückert stellte fest: „Ein Informationsbudget ist ein Teil der digitalen Infrastruktur einer Hochschule und verbindet Datenmanagement, Finanzen und wissenschaftliche Verantwortung.“ So wird es zu einem Instrument der Governance, das hilft, Entscheidungen faktenbasiert und wertorientiert zu treffen.
Moderation und Austausch auf Leitungsebene

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, moderierte den Workshop und führte durch die Diskussion. Unter seiner Moderation entstand ein intensiver Austausch zwischen den teilnehmenden Führungskräften über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren. Wichtig war, das Informationsbudget als strategisches Instrument zu nutzen, ohne operative Strukturen zu überfrachten. Dabei gehe es weniger um Detailsteuerung, sondern um Rahmensetzung, Prioritätensetzung und Kulturentwicklung.

Die Diskussion zeigte:

    Ein Informationsbudget stärkt das strategische Handeln von Hochschulleitungen, indem es Transparenz und Grundlagen für Entscheidungsprozesse schafft.
    Es unterstützt den Kulturwandel von der Kostenverteilung zur aktiven Ressourcensteuerung.
    Es erfordert institutionelle Zusammenarbeit und politisches Commitment in den Institutionen.

Die Etablierung eines Informationsbudgets ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung der wissenschaftlichen Informationsversorgung und ihr Erfolg ist eng mit der institutionellen Führungsverantwortung verbunden.
Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – eine Zwischenbilanz

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2022 haben zahlreiche Hochschulen begonnen, Informationsbudgets einzuführen oder erste Pilotprojekte umzusetzen.

Die Erfahrungen zeigen:

    Technische und organisatorische Hürden sind lösbar, wenn Leitung, Hochschulgremien, Bibliothek und Verwaltung gemeinsam vorgehen.
    Klar definierte Ziele und eine verbindliche Steuerungslogik, um diese zu erreichen, sind entscheidend.
    Informationsbudgets sind erfolgreich, wenn sie in die Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet sind.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg zu einem institutionell verankerten Informationsbudget ein schrittweiser Lernprozess ist – aber einer, der die wissenschaftliche Informationsversorgung auf eine neue, zukunftsfähige Grundlage stellen kann.
Abschluss der Workshopreihe – Auftakt für neue Diskurse

Mit der Veranstaltung „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ endete die Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, in der verschiedene Aspekte des Informationsbudgets beleuchtet wurden. Das Ende der Workshopreihe markiert zugleich den Beginn eines Austauschs auf Leitungsebene über institutionelle Zusammenarbeit, Wissenstransfer und strategisches Vorgehen. open-access.network und HRK planen, diese Diskussion fortzuführen und die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops zu dokumentieren und zu teilen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um das Konzept Informationsbudget weiter zu schärfen und bundesweit praktikable Modelle zu fördern.
Fazit

Informationsbudgets sind kein Selbstzweck – sie sind ein Schlüssel, um das Ziel der offenen Wissenschaft finanziell, organisatorisch und politisch zu verankern.
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<item><title>Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Fokus beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025</title><link>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Nov 2025 10:00:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Ronja Kuhlwilm</dc:creator><dc:creator>Sebastian Schaarschmidt</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Simon Schmiederer</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</guid><description>Gemeinsam offen finanzieren - unter diesem Leitgedanken trafen sich Vertreter*innen aus Bibliotheken, Konsortialstellen und Open-Access-Projekten beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025 in Bremen. Im Mittelpunkt standen praktische Erfahrungen, Bedarfe und Ideen für die Zukunft konsortialer Open-Access-Modelle.
Einleitung

Auf dem 9. Bibliothekskongress 2025, der 113. Bibliocon in Bremen, veranstalteten vier Open-Access-Konsortialstellen ein Hands-on-Lab mit dem Titel „Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Dialog mit der bibliothekarischen Erwerbung zukunftsfähig gestalten“. Ziel des Workshops war es, die Bedarfe und Herausforderungen von Bibliotheken bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen zu analysieren und vertiefend zu diskutieren. Aus den Thementischen gingen folgende Kernbefunde hervor: Es besteht ein dringender Bedarf an transparenter Kosteninformation und Nachvollziehbarkeit der Pledging-Summen; strukturelle und dauerhafte Finanzierungswege (statt rein fallweiser Einzelförderung) werden als notwendig erachtet; konsortiale Modelle werden als zentrales Instrument zur Förderung bibliodiverser, solidarisch finanzierter Diamond-Open-Access-Publikationen geschätzt, sind jedoch angesichts der heterogenen Publikationslandschaft herausfordernd umzusetzen; darüber hinaus wurden Entscheidungshilfen, gezielte Ansprache budgetverantwortlicher Stellen und mehr Awareness- und Informationsarbeit als Voraussetzung für eine breitere Beteiligung identifiziert.

Diamond Open Access

Open Access bezeichnet die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse ohne Zugangsbeschränkungen im Internet frei verfügbar und nachnutzbar zu machen. Dafür existieren verschiedene Modelle. Eines davon ist Diamond Open Access – ein Begriff, der seit Jahren intensiv diskutiert und unterschiedlich interpretiert wird. Manche verstehen Diamond Open Access lediglich als Unterform des Gold Open Access, andere sehen darin eine eigenständige Publikationskategorie mit klaren Abgrenzungskriterien (vgl. Dellmann et al., 2022).

Die Uneinigkeit entsteht vor allem dadurch, dass die zugrunde liegenden Kriterien variieren. Ein gemeinsamer Nenner aller Definitionen ist jedoch: Für Autor*innen und auch für Einrichtungen, an denen diese affiliiert sind, fallen keine Publikationsgebühren an - weder in Form von Article Processing Charges (APCs) für Zeitschriftenartikel noch in Form von Book Processing Charges (BPCs) für Bücher. Ebenso können Leser*innen ohne Kosten oder Abonnements auf die Inhalte zugreifen.

Darüber hinaus beinhalten manche Definitionen weitere Aspekte. Häufig wird gefordert, dass die Publikationsorgane wissenschaftsgeleitet (scholar-led) sind, also von Wissenschaftler*innen oder wissenschaftlichen Fachgesellschaften verantwortet werden und die Titelrechte dort verbleiben. Teilweise wird auch der Ausschluss kommerzieller Interessen als zentrales Kriterium angesehen. Die Finanzierung von Diamond Open Access erfolgt dabei über unterschiedliche Modelle, etwa durch Institutionen, Förderprogramme oder kooperative Gemeinschaftsstrukturen. In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf die konsortiale Finanzierung.
Konsortiale Finanzierung statt Transformationsverträge

Um die Kosten für die Publikation einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Buches zu tragen, kann ein Konsortium organisiert werden. Das bedeutet, dass sich mehrere Einrichtungen zusammenschließen und die Produktionskosten der herausgebenden Redaktion gemeinsam tragen.

Ein Vorreiter für dieses Finanzierungsmodell ist seit vielen Jahren die Open Library of Humanities (OLH). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland mehrere Initiativen und Projekte entstanden, die konsortiale Open-Access-Finanzierung für verschiedene Fächer organisieren. Dabei fungiert meistens eine Einrichtung als Konsortialstelle und kümmert sich sowohl um die Gewinnung von Konsorten als auch um die Gewinnung von Zeitschriften oder Büchern für die Diamond-Open-Access-Finanzierung.

Transformationsverträge ermöglichen weder kurz- noch langfristig eine Umwandlung der Publikationslandschaft hin zu vollem Diamond Open Access (Mittermaier, 2025). In einzelnen Fachdisziplinen, wie der Bildungsforschung, ist dies bereits empirisch bestätigt (Rettelbach, 2025).

Alternative Wege wie z. B. Diamond-Open-Access-Finanzierungskonsortien werden also dringend gebraucht. Die Teilnahme an einem Konsortium ist für die teilnehmende Einrichtung mit geringem administrativen Aufwand verbunden. Zudem wird die Bibliodiversität gefördert und ein fairer Zugang zu Forschungsliteratur und -daten ermöglicht. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sind in der Regel niedriger als eine einzelne APC/BPC und bei den meisten konsortialen Angeboten werden mehrere Zeitschriften und/oder Bücher gefördert.
Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der Bibliotheken

Im Mittelpunkt des Workshops stand der offene Austausch mit der Open-Access-Community, insbesondere der bibliothekarischen Erwerbung. Um die vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen sichtbar zu machen, wurde das Format des Worldcafés gewählt - eine partizipative Diskussionsmethode, bei der Teilnehmende in wechselnden Kleingruppen an verschiedenen Thementischen miteinander ins Gespräch kommen. So konnten zentrale Fragen und Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Alle Thementische bezogen sich auf die konsortiale Open-Access-Finanzierung. Im Fokus standen dabei vier Schwerpunkte: „Preis(-transparenz)“, „Finanzierungsmöglichkeiten“, „Mehrwerte und Entscheidungshilfen“ sowie „bestehende Angebote“. An jedem Tisch wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen benannt und konkrete Ansätze für zukünftige Entwicklungen formuliert.
Preis(-transparenz)

Bei der Preistransparenz wurde die Rolle der Konsortialstellen als Instanz hervorgehoben, die die Kostenstrukturen der Zeitschriften und Buchprojekte prüft, wenngleich offen bleibt, ob dies den Konsortien vollumfänglich möglich ist. Den Konsortien wird großes Vertrauen entgegengebracht, was die Preisgestaltung von Open-Access-Konsortialangeboten anbelangt. Es wurde einerseits die Meinung geäußert, dass Diamond Open Access grundsätzlich ein Non-Profit-Angebot sei und daher die Preistransparenz an dieser Stelle nicht so wichtig. Demgegenüber wurde andererseits formuliert, dass es wünschenswert sei, wenn es eine größere Transparenz hinsichtlich des Zustandekommens von Pledgingsummen gäbe, um besser nachvollziehen zu können, was Bibliotheks- und Informationseinrichtungen genau finanzieren. Auf einer grundsätzlichen Ebene wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoller sei, von der Diamond-Open-Access-Einzelförderung von Zeitschriften weg zu kommen zugunsten einer infrastrukturellen Förderung von Diamond Open Access. Dieser Punkt wurde im Zuge der Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten von Diamond Open Access vertieft diskutiert.
Finanzierungsmöglichkeiten

In den Diskussionsrunden wurde festgestellt, dass umfassende Kenntnisse von Finanzierungsmöglichkeiten von (Diamond) Open Access ein zentrales Desiderat darstellen und es übergreifender struktureller Lösungen bedarf. In den Einrichtungen der Workshopteilnehmenden wird gegenwärtig zum Großteil das Budget zur Erwerbung verwendet, wobei nur vereinzelt auch Open-Access-Budgets vorhanden oder gar ausdifferenzierte Informationsbudgets etabliert sind. Ergänzt werden diese Haushaltsmittel zum Teil durch zentrale Förderpauschalen von DFG und BMFTR). Der Finanzierungsspielraum wird jedoch durch Transformations- und DEAL-Verträge grundlegend beschränkt und zunehmend Mittelflüsse aus dem Forschungsbereichen notwendig. Dabei wurde jedoch angemerkt, dass bei den Fachhochschulen nahezu keine Aktivitäten stattfinden und keine Finanzierungsspielräume vorliegen, wie dies beispielhaft für die Schweiz dargelegt wurde.

Darüber hinaus wurde diskutiert, Diamond Open Access als grundlegende Infrastrukturförderung zu betrachten und nachhaltige Lösungen gefordert. Beispielhaft wurde dabei der Vorschlag aus dem Leopoldina-Papier grundsätzlich als eine dauerhafte Lösung begrüßt, deren konkrete Umsetzung jedoch von den Teilnehmenden eher kritisch diskutiert wurde.

Als wichtige und zentrale Lösungen wurden Finanzierungskonsortie diskutiert. Als Herausforderung wurde dabei die heterogene Situation in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft dargelegt. Die vertretenen fachlichen Konsortien wurden als beispielhaft beschrieben und der weitere Ausbau hin zu Best-Practices mit der Etablierung weiterer fachlicher Konsortien gewünscht.
Mehrwerte und Entscheidungshilfen

Kriterien für eine finanzielle Beteiligung an Diamond-Open-Access-Angeboten

Als grundlegende Aspekte für eine finanzielle Beteiligung seitens Bibliotheken an konsortialen Modellen wurden insbesondere die fachliche Passung eines Angebots und die Affiliationen der Autor*innen mit der eigenen Institution genannt. Dabei handelt es sich um Faktoren, die bereits aus einer Umfrage des Projekts KOALA-AV bekannt sind und somit im Austausch mit der Zielgruppe diskursiv vertieft wurden (vgl. Schenke et al., 2025). Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access auch unter einem solidarischen Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: Die gemeinsame Finanzierung gilt als Beitrag zur notwendigen Transformation des Publikationssystems, um ein Gegengewicht in der aktuellen APC/BPC-Krise zu schaffen.

Ideen für konkrete Mehrwerte

Als mögliche Beteiligungsanreize wurden u. a. Rabatte für Tagungen oder Mitgliedschaften bei Fachgesellschaften ins Spiel gebracht, wenn deren Zeitschriften durch Diamond Open Access finanziert werden. Auch der exklusive Zugang zu Backlist-Titeln wurde als denkbarer Zusatznutzen genannt. Backlist-Titel sind lieferbare Bücher eines Verlags, die bereits vor einiger Zeit erschienen sind und nicht zu den Neuerscheinungen (Frontlist) gehören. Als Mehrwert werden konsortiale Finanzierungsangebote darüber hinaus dann wahrgenommen, wenn sie ein Flipping von Publikationsmedien bewirken, die zuvor direkte Gebühren für den Lesezugriff (Subskription) oder das Publizieren erhoben haben.

Entscheidungshilfen für Einrichtungen

Um an konsortialer Finanzierung interessierte Einrichtungen bei der Entscheidung für eine Teilnahme zu unterstützen, sei es wichtig, dass Diamond-Open-Access-Anbieter Entscheidungsträger*innen gezielter ansprechen und Teilnahmeumfragen zweckgerichteter versenden, d.h. direkt an die Abteilung einer Einrichtung, von der aus das Budget für eine Konsortialteilnahme verwendet werden kann. Um effizienter herauszufinden, aus welchen Mitteln einer Institution eine Finanzierung potenziell erfolgen könnte und wer die entsprechende Ansprechperson ist, sei eine engere Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erforderlich.

Darüber hinaus brauche es mehr Bewusstsein und Aufklärung über die Funktionsweise und den Nutzen von Diamond Open Access in den einzelnen Abteilungen und Fachbereichen von Einrichtungen. Eine Workshop-Teilnehmerin stellte die sogenannten „Sektionstouren“ ihrer Einrichtung vor, bei denen Fachbereiche direkt durch die Open-Access-Mitarbeitenden informiert werden – teilweise kombiniert mit kurzen Erklärvideos („Library Shorts“). Diese Maßnahmen seien zwar aufwendig, hätten sich aber als sehr wirksam erwiesen. Diskutiert wurde, ob Konsortialstellen hier ansetzen und beispielsweise einen Werkzeugkoffer mit Infos zu Diamond Open Access und ihren Konsortialmodellen für Sektionstouren entwickeln könnten.

Framing und Wahrnehmung

Die Diskussion zeigte auch, dass es eine Frage der Rahmung (“Framing”) ist, wie Dringlichkeit erzeugt wird. Während Subscribe-to-Open-Modelle durch ihre Benennung eine unmittelbare Notwendigkeit der Unterstützung signalisieren („ohne Subskription kein Open Access“), wirkt Diamond Open Access auf den ersten Blick als ohnehin frei verfügbares Angebot. Dieser Eindruck ist jedoch trügerisch, da auch Diamond Open Access nur bei ausreichender Mitfinanzierung langfristig bestehen kann.

Übergeordnete Perspektiven

Eine Arbeitsgruppe wählte einen eher grundsätzlichen Blickwinkel. Sie stellte infrage, ob fiktive Mehrwerte überhaupt sinnvoll seien, und plädierte dafür, die Erwerbungslogik von Bibliotheken stärker an Prinzipien der Openness statt an kapitalistischen oder reputationsbasierten Kriterien auszurichten. Falls Mehrwerte formuliert würden, müsse außerdem zwischen Vorteilen für Einrichtungen und Vorteilen für Autor*innen unterschieden werden. Besonders wurde betont, dass DEAL-Verträge nicht unter dem Label Diamond Open Access subsumiert werden dürften. Zudem wurde vorgeschlagen, dass eine stärkere Professionalisierung und Zentralisierung (z. B. durch SeDOA) zur Sichtbarkeit und besseren Vermittlung der spezifischen Mehrwerte von DOA beitragen könnte.
Bestehende Angebote

Die bestehenden (Diamond) Open-Access-Konsortialangebote richten sich stets an eine spezifische Fachdisziplin und somit an eine bestimmte Community. Im Workshop wurde deutlich, dass (Diamond) Open-Access-Angebote nur fachspezifisch gefördert werden können. Wichtige Punkte für Einrichtungen sind zudem Kostenstabilität, Relevanz für die eigene Einrichtung/den Fachbereich und Nutzungszahlen. Außerdem wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass es wichtig sei, auch bestehende Open-Access-Zeitschriften und nicht nur geflippte Zeitschriften zu fördern.

Als ein Problem für Neugründungen wird die fehlende Reputation gesehen. Zudem wurde betont, dass gerade bei Neugründungen Förderzusagen für einen festen Zeitraum (z. B. 3 Jahre oder mehr) den Zeitschriften eine bessere Planungssicherheit gibt.

Für einige Bibliotheken sei eine Opt-Out-Regel wichtig, sobald es um mehrjährige Förderung von Diamond Open Access geht. Dies steht dem Wunsch nach Planungssicherheit auf Seiten der Finanzierten gegenüber. Meist werden konsortiale Open-Access-Finanzierungen noch lediglich als eine zusätzliche Etatbelastung wahrgenommen und eine Integration in reguläre Bibliotheksetats steht noch aus. Viel Geld ist aktuell bereits in Transformationsverträgen gebunden. Diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal in Zeiten knapper Finanzlagen. Ein eigenes Budget zur Förderung von konsortialer Open-Access-Finanzierung an den Einrichtungen könne hier ein Lösungsweg sein.
Die Konsortialstellen, die das Worldcafé angeboten haben:

OLE-Konsort
OLE-Konsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für wirtschaftswissenschaftliche DOA-Zeitschriften auf. Das Zeitschriftenpaket wächst jährlich an, wobei die Zeitschriften eine Förderzusage von drei Jahren erhalten. Die Teilnahme ist auf ein Jahr ausgelegt vom 01.01. bis zum 31.12. Die Pledgingrunden finden jedes Jahr von Juli bis November statt, währenddessen Einrichtungen ihre Unterstützung für das folgende Jahr zusagen können. OLEKonsort wird von 2023-2026 durch Projektförderung des BMFTR unterstützt. Konsortialführende Einrichtung ist die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

KOALA - Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen
KOALA ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung für Diamond-Open-Access-Publikationen. Dafür schnürt KOALA thematisch fokussierte Zeitschriften zu Bündeln, die wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Finanzierung angeboten werden. Sobald das Finanzierungsziel für ein Zeitschriftenbündel erreicht ist, werden die enthaltenen Titel für drei Jahre gesichert finanziert und vollständig frei zugänglich gemacht. Die TIB fungiert als zentraler Dienstleister und Koordinator für das KOALA-Modell und betreibt das Angebot im Regelbetrieb für Zeitschriften in ihrem Fächerspektrum. 

Laufende Pledging-Runde: Noch bis zum 31.10.2025. kann für die KOALA-Bündel KOALA Mathematik 2026 – 2028 (4 internationale Fachzeitschriften, 140 Artikel jährlich) und KOALA TIB Sensor Systems 2026 – 2028 (Journal of Sensor and Sensor Systems, JSSS) am Pledging teilgenommen werden. 

KOALA-SLUB
Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) betreibt seit 2024 ein Pilotprojekt zur Organisation konsortialer Open-Access-Finanzierungslösungen unter dem Titel KOALA-SLUB. In einer ersten Finanzierungsrunde konnten hier bereits 11 Zeitschriften in drei fachlichen Bündeln im Rahmen des KOALA-Modells finanziert werden. Die SLUB Dresden wird sich in Zukunft weiter in dieser Richtung engagieren.

OPEN-ACCESS-KONSORTIUM BILDUNG (EDU_CONSORT_OA)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft. Das Verbundprojekt zielt sowohl auf ein Crowdfunding für DOA-Fachzeitschriften als auch auf ein Crowdfunding für E-Books, da diese Publikationsformen weiterhin als zentral in den Fachcommunitys angesehen werden. Dabei konnten bereits in vier erfolgreichen Runden knapp 80 Monografien und Sammelwerke unter Beteiligungen von jeweils über 50 Einrichtungen finanziert werden. Die Erfahrungen mit den beiden Verfahren werden als Best-Practices für einen Transfer in andere Fachcommunitys und Fachinformationsdienste aufbereitet

eilnahme an Konsortialangeboten und weitere Infos

Im Diamond Funding Navigator finden Sie weitere Informationen zu den Angeboten dieser Konsortialstellen.
Literaturverzeichnis

    Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 9(3), 1-12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849)
    Mittermaier, B. (2025). Transformationsverträge sind eine Sackgasse: In Erinnerung an Irene Barbers (1966–2025). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(1), 1-22. https://doi.org/10.5282/o-bib/6117)
    Rettelbach, S., &amp; Schindler, C. (2025). Zum Status quo der Open-Access-Transformation in der Bildungsforschung: Eine Analyse einschlägiger Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-23. https://doi.org/10.5282/o-bib/6119)
    Schenke, J., Stork, K. S., &amp; Tullney, M. (2025). Das Diamond-Open-Access-Modell KOALA aus erwerbungsbibliothekarischer Sicht: Ein Auswertungsbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-16. https://doi.org/10.5282/o-bib/6162</description><enclosure
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<item><title>Workshop: Personalressourcen und Infrastrukturkosten im Fokus des Informationsbudgets</title><link>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</link><comments>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets#comments</comments><pubDate>Mon, 13 Oct 2025 09:47:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</guid><description>Ein Blick hinter die Kulissen

Mehr als 130 Teilnehmer*innen kamen am 25.02.2025 zum Online-Workshop „Personalressourcen und Infrastrukturkosten als Teil des Informationsbudgets“. Der fünfte Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ wurde wieder als gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMFTR-Projekts open-access.network organisiert.

Schwerpunkt des Workshops war ein Thema, das bislang oft im Schatten stand: die Personal- und Infrastrukturkosten im Informationsbudget. Ziel war es, diese bislang wenig beachteten Aspekte für den Betrieb von Repositorien, Open-Access-Instanzen und Publikationsdienstleistungen sichtbar zu machen.
Einführung: Das Schalenmodell des Informationsbudgets
Mittermaier, B. (2025). Personalkosten im Schalenmodell des Informationsbudgets. https://doi.org/10.5281/zenodo.14938885 (CC BY)

Der Workshop begann mit einem Vortrag von Bernhard Mittermaier von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Er stellte zunächst sein „Schalenmodell“ vor, das die verschiedenen Kostenarten im Informationsbudget strukturiert. 

Im Fokus stand die Frage: Wie viele Personenstunden sollten in das Informationsbudget eingerechnet werden? Mittermaier erläuterte, dass Personalkosten eigentlich jedem Baustein zugeordnet werden müssten, was in der Praxis jedoch schwierig sei. Im Jülich werden sie stattdessen nur den wichtigsten Teilbereichen – etwa Sprachendienst, Forschungsdatenmanagement oder Green Open Access – direkt zugeordnet. Für andere Bereiche erfolge eine pauschale Verteilung, etwa durch prozentuale Aufschläge auf Sachkosten. Für das Forschungszentrum Jülich wurden 2024 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass etwa ein Drittel des Budgets aus Personalkosten besteht.
Der Blick aus der Verlagswelt

Im zweiten Vortrag gab Barbara Budrich vom gleichnamigen Verlag Einblicke in die unsichtbare Arbeit hinter Open-Access-Publikationen. Sie betonte, dass Personalkosten den größten Anteil an den Gesamtkosten eines Verlags ausmachen. Die Herstellung eines Buches umfasse vielfältige Tätigkeiten: Lektorat, Layout, Rechtliches, Vertrieb, Marketing und Sichtbarkeit. All diese Schritte erforderten engagiertes Personal, das im Hintergrund arbeite.  Die Kosten für eine einzelne Publikation lägen im Schnitt bei etwa 5.000 Euro (zzgl. MWSt.), wobei jeder Titel die Gemeinkosten anteilig mitfinanzieren müsse. Besonders deutlich wurde, dass die Verlagsarbeit sehr kleinteilig und kommunikationsintensiv ist.
Kostet Diamond Open Access wirklich nichts?

Tina Osteneck vom Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) berichtete in ihrem Vortrag, dass auch bei sogenanntem Diamond Open Access, also Publikationen, die für Leser*innen und Autor*innen kostenfrei sind, erhebliche Kosten entstünden. Diese umfassten Personal für Redaktion, technische Infrastruktur, Marketing und Sichtbarkeit. Die Zeitschrift des VHB, das Schmalenbach Journal of Business Research, werde seit der Umstellung auf Open Access 2008 durch eine Mischung aus öffentlicher Förderung sowie gemeinschaftlichen Modellen und Sponsoring finanziert. Osteneck machte deutlich, dass Diamond Open Access Ressourcen braucht und dadurch Personal- und Infrastrukturkosten verursacht.
Betrieb und Kosten von Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen

Gernot Deinzer von der Universitätsbibliothek Regensburg präsentierte seine Einschätzungen und Überlegungen zum Personalaufwand sowie zentralen und dezentralen Kosten beim Betrieb von Diamond-Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen. Insbesondere der Aufwand für Redaktion, Technik und Administration sei erheblich. Um eine hauseigene Diamond-Open-Access-Zeitschrift mit einer Verlagszeitschrift vergleichen zu können, betonte er die Notwendigkeit, den Arbeitsaufwand der Wissenschaftler*innen als Teil des Informationsbudgets klar zu beziffern. Vor allem Diamond-Open-Access-Zeitschriften entstünden mit viel unentgeltlichem Engagement. Neben der ökonomischen Betrachtung sei die Anerkennung ein wichtiger Aspekt, denn viele Wissenschaftler*innen erhielten für die Herausgabe einer Zeitschrift in einem Verlag oft mehr Ansehen innerhalb der eigenen Einrichtung und in der Community als für die Herausgabe einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift, die gern als „Herzensangelegenheit“ abgetan werde. Es sei also nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage von Renommee und Forschungsevaluierung.

Als Fazit aus dem Workshop lässt sich die Erkenntnis ziehen: Es ist kompliziert, Personalkosten im Informationsbudget zu erfassen. Der Aufwand ist jedoch gerechtfertigt, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.</description><enclosure
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<item><title>Disziplinäre Realitäten</title><link>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</link><comments>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten#comments</comments><pubDate>Mon, 06 Oct 2025 10:24:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Lasse Ramson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</guid><description>Disziplinäre Realitäten. Ein Kommentar zur Diskussion um den Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog seine unfreiwillige Auslistung aus dem DOAJ bekannt. Dieser Blogbeitrag kommentiert vor allem die disziplinspezifische Komponente der Ausschlussentscheidung und macht Vorschläge für die bessere Berücksichtigung rechtswissenschaftlicher Besonderheiten im Rahmen der Aufnahmekriterien und -entscheidungen des DOAJ.



Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog – der vermutlich größte Blog in der deutschen Rechtswissenschaft – bekannt, dass das Directory of Open Access Journals (DOAJ) sich entschlossen hatte, ihn zukünftig nicht mehr zu listen (Dalkilic, 2025). Im Rahmen der daraufhin beginnenden Debatte haben das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) explizit um Beiträge aus der Open-Access-Community gebeten. Dieser Beitrag kommentiert vor allem die spezifisch disziplinäre Dimension der Ausschlussentscheidung in der Hoffnung, damit auf Besonderheiten der (deutschen) Rechtswissenschaft aufmerksam machen zu können, die in den Entscheidungskriterien des DOAJ bisher nicht ausreichend reflektiert sind.
Der Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Doch zunächst zum Hintergrund: Im September 2021 war der Verfassungsblog in das DOAJ aufgenommen worden (Hodgkinson, 2025). Ende 2024 wurden die Aufnahmekriterien für den Blog im Rahmen einer Überprüfung aller gelisteten Journals mit einer Durchschnittsveröffentlichungszeit (von Einsendung bis Veröffentlichung) von unter drei Wochen erneut evaluiert (Hodgkinson, 2025). Im Ergebnis entschied sich das DOAJ, den Verfassungsblog auszulisten, und teilte diese Entscheidung im Januar mit (Dalkilic, 2025). Dagegen legte der Blog Widerspruch ein, der im Mai dieses Jahres zurückgewiesen wurde; das Widerspruchsschreiben und die Reaktion des DOAJ veröffentlichte der Verfassungsblog im Juni auf seiner Website (Dalkilic, 2025). Im Anschluss veröffentlichten das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) weitere Statements.
Die Aufnahme in das DOAJ als Qualitätskriterium

Nun wäre es denkbar, den Schluss zu ziehen, dass die Nichtaufnahme in das DOAJ für eine Publikation eben Ausdruck der dort angelegten Kriterien ist und der Verfassungsblog – und viele andere wissenschaftliche Publikationen – diese nicht erfüllen. Das muss an sich kein Problem sein. Der Verfassungsblog selbst weist allerdings auf zwei Dimensionen des Ausschlusses bzw. der Nichtaufnahme hin, die für Publikationen zu einem manifesten Problem werden können: Die erste Dimension, die Anerkennungswirkung, die von der Aufnahme in das DOAJ für potentielle Autor*innen ausgeht (vgl. Di Rosa, 2025), dürfte dabei in der deutschen Rechtswissenschaft (noch) untergeordnete Relevanz haben. Nur wenige Autor*innen verstehen sich als Teil der Open-Access-Community und/oder machen davon die Entscheidung abhängig, an welchem Ort sie veröffentlichen (vgl. Hamann &amp; Eisentraut, 2023). Insofern ist die Anerkennung durch den Gatekeeper DOAJ aus dem Open-Access-Feld für das disziplinäre Feld Rechtswissenschaft von untergeordneter Relevanz.

Eine große Herausforderung ergibt sich allerdings daraus, dass die Aufnahme in das DOAJ von Mittelgebern als Qualitätskriterium angelegt wird. Der Verfassungsblog weist selbst darauf hin, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Teil die DOAJ-Listung als Kriterium anlegt (Di Rosa, 2025) und diese Tendenz dürfte sich durch die strategische Kooperation von DFG und DOAJ für viele Förderlinien in Zukunft noch verstärken (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2025). Wenn also ein Medium wie der Verfassungsblog, dessen wissenschaftliche Akzeptanz unumstritten sein dürfte, durch die Auslistung aus dem DOAJ zukünftig von Förderlinien schon aus formellen Gründen ausgeschlossen sein könnte, offenbart sich ein Problem. Das DOAJ weist darauf hin, dass eine solche Verknüpfung gerade nicht vorgenommen werden sollte (Hodgkinson, 2025). Solange dies aber der Fall ist – und das DOAJ durch die Eingehung einer solchen strategischen Kooperation mit der DFG diese Entwicklung auch befördert – reicht ein solcher Hinweis nicht aus, sondern sollte einen Teil des Reflektionsprozesses des DOAJ bilden.
Das Peer-Review-Erfordernis für die Aufnahme in das DOAJ

Der Ausschluss des Verfassungsblogs wurde letztlich auf vier verschiedene Kriterien gestützt: Eine mangelnde Menge an „research articles“ würde veröffentlicht, es gäbe ein „lack of scholarly referencing“, es mangele an Informationen über Publikationskosten, und es würde kein Peer Review durchgeführt (Dalkilic, 2025). Jeder dieser Punkte wäre für sich genommen im Fall des Verfassungsblogs diskutabel, zumal sich die ersten beiden Punkte auf ansonsten nicht weiter transparent gemachte quantitative Kriterien zu beziehen scheinen (vgl. Dalkilic, 2025). Der letzte Punkt, die Nicht-Durchführung von Peer Review, weist aber im Besonderen auf ein Problem des Kriterienkatalogs selbst hin, das über den Einzelfall hinausweist und deshalb hier von besonderem Interesse ist. Der Fall ist bezüglich dieses Punktes einigermaßen klar. Der Verfassungsblog betont zwar, dass gelegentlich ein Peer Review durchgeführt wird, ein Editorial Review bleibt aber die Regel (Dalkilic, 2025). Dabei handelt es sich um eine bewusste Entscheidung, die absehbar auch nicht geändert wird (Dalkilic, 2025; Di Rosa, 2025).
Rechtswissenschaftliche Praktiken und die disziplinäre Sensibilität des DOAJ

Der Umgang mit dem Peer-Review-Kriterium bezeugt meines Erachtens ein grundlegendes Problem. Der Verfassungsblog weist darauf hin, wenn er schreibt, dass „if two external peer reviews is the standard requested by the DOAJ, German law journals are in effect almost entirely excluded“ (Dalkilic, 2025). Das Peer-Review-Kriterium im DOAJ gilt ohnehin schon nicht absolut, denn für „Arts and humanities journals“ gilt: „For these disciplines […], DOAJ can accept journals that undertake editorial review, rather than peer review“ (Directory of Open Access Journals, 2025).

Es ist daher gut, dass das DOAJ fragt: „is that exception still reasonable? If so, should it be widened and to what fields (such as law), settings, or types of journal or article?” (Hodgkinson, 2025).

Diese Debatte halte ich im gegebenen Zusammenhang für besonders drängend. Die vorhandene Ausnahme für „Arts and Humanities“ wird nicht weiter begründet. Es ist davon auszugehen, dass die Ausnahme von dem Wunsch getragen ist, etablierte Qualitätssicherungspraktiken in bestimmten Disziplinen als solche zu akzeptieren und nicht präskriptiv eine bestimmte Art und Weise der Qualitätssicherung vorzugeben.

Die Rechtswissenschaft befindet sich insofern in einer ähnlichen Ausgangslage wie die „Arts and Humanities“, ohne dass die DOAJ-Kriterien darauf angemessen Rücksicht nehmen würden. Das mag daran liegen, dass eine spezifische Eigenart der Rechtswissenschaft, die Kompartmentalisierung in nationale Felder und Diskurse, nicht ausreichend Eingang in die DOAJ-Kritierien gefunden hat. Anders als andere gesellschaftliche Systeme und ihre zugehörigen Diskurse haben sich das Recht und seine Wissenschaft noch nicht vollkommen globalisiert, sondern finden weitgehend in nationalen, staatszentrierten Diskursen statt (vgl. Luhmann, 1987). Und in der deutschsprachigen Rechtswissenschaft ist der Befund einigermaßen klar: Peer Review ist die Ausnahme (Purnhagen &amp; Petersen, 2018; Hamann &amp; Hürlimann, 2019; Rux, 2020) und bleibt es angesichts erheblichen disziplinären Widerstands auch auf absehbare Zeit (Kostorz, 2016).

Insofern muss das DOAJ, wenn es die disziplinspezifischen Besonderheiten angemessen berücksichtigen will, sowohl der nationalen Differenzierung der Rechtswissenschaft Raum geben als auch den jeweils national spezifischen Qualitätssicherungspraktiken. Das hat es bisher nicht getan. Seine Offenheit und Bereitschaft, in Zukunft die Kriterien zu überdenken und über die „Arts und Humanities“ hinaus Ausnahmen vom Peer-Review-Erfordernis zuzulassen, ist insofern begrüßenswert.
Fazit

Der Fall „Verfassungsblog“ weist über sich hinaus auf übergreifende Probleme mit den Aufnahmekriterien des DOAJ hin. Dieser Beitrag hofft, dass das DOAJ einerseits in Zukunft seine Fernwirkung stärker reflektiert – wenn etwa seine Aufnahmeentscheidungen konkrete materielle Auswirkungen auf Publikationen haben können – und andererseits disziplinspezifische Aufnahmekriterien kritisch weiterentwickelt und gegebenenfalls ausbaut.
Literatur

    Dalkilic, E. (2025-06-13). Access Denied. Verfassungsblog, DOAJ, and the Meaning of “Scholarly”. Verfassungsblog. DOI:10.59704/089986e7cd09bbc5.
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Titelbild: Andreas Axel Kirch / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 DE</description><enclosure
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<item><title>KOALA &amp; KOALA-AV: Advancing Consortial Open Access Models</title><link>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</link><comments>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</guid><description>KOALA (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen&quot;) was initially the name of a BMBF-funded project (2021–2023) that developed a consortial funding model for Diamond Open Access publishing. During this phase, the foundational KOALA model was conceptualized, and two pilot consortia were launched. Since 2023, the TIB Hannover has continued the initiative as a regular service under the KOALA name. More broadly, &quot;KOALA&quot; now refers to the underlying funding approach and serves as the umbrella term for various DOA consortia coordinated by institutions such as SLUB Dresden and the Specialized Information Service (FID) Media.

KOALA-AV (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen, ausbauen und verankern&quot;) is the current follow-up project (2023–2025), which aims to expand and solidify the KOALA model. It focuses on improving participation conditions for journals, libraries, and other potential consortium leads, strengthening the KOALA community, and supporting the internationalization of the model.
Highlights from the KOALA Journal Meet-Ups

In May 2025, two journal meet-ups brought together editorial teams from Open Access journals supported by KOALA. These events provided a valuable opportunity for participants to network, share experiences, and collaboratively reflect on their partnerships with KOALA. With KOALA-AV entering its final project phase, the meet-ups served as timely forums for evaluating current workflows, addressing ongoing challenges, and charting paths toward sustainable, cooperative publishing models.
Purpose and Structure of the Meet-Ups

The meet-ups’ primary aim was to encourage exchange among journals funded through KOALA and to strengthen the network of editorial teams working under a shared funding framework. Participants had the chance to voice their perspectives on collaborating with KOALA. Along these lines, they had the opportunity to discuss operational concerns, and to identify opportunities for improvement. At the same time, KOALA provided strategic feedback on how journals could optimize their approaches to institutional pledging and to improving communication processes.
Topics and Discussions

A wide range of topics emerged over the course of the two sessions, covering both everyday management and larger strategic considerations: A central point of discussion was how journals can better support the pledging process through engagement with authors. Specifically, they explored how authors can serve as important multipliers within their academic environments regarding funding requests. This could include raising awareness of the KOALA initiative at their home institutions, initiating conversations with relevant departments or decision-makers, and advocating for institutional support. Their disciplinary credibility and personal affiliations can thus significantly strengthen outreach efforts and contribute to building a sustainable funding base.

This tied in with the topic of affiliation lists: Journals were encouraged to record in a detailed fashion which authors had published with them and which institutions these authors had been affiliated with. These lists serve as a valuable tool to identify potential funding institutions, allowing for more a targeted outreach by KOALA and by the journals themselves. Moreover KOALA elaborated on what kind of documentation the journals are expected to provide to show that they have made appropriate use of KOALA funding. Along these lines, questions about financial reporting and acceptable forms of evidence were addressed, emphasising clarity and consistency in documenting how the journals have used the funding.

Another major theme was the importance of clear internal structures within journal teams. Participants highlighted the need to establish clear responsibilities with regards to invoicing, communication, and reporting, and to ensure that KOALA always has current contact information. This tied in with many journals observing that in the past delays and miscommunication had often been traced back to unclear responsibilities, making this a recurring issue. Moreover, invoicing and financial management were identified as areas of both progress and challenge. Some journals reported having had difficulties with issuing invoices or dealing with VAT (Value Added Tax) due to limited financial expertise, while others appreciated KOALA’s flexibility and support in these matters. Some participants noted that having a functioning workflow for invoicing and reporting has been beneficial for both sides but also pointed to the need for more guidance in complex or unclear financial scenarios. Beyond that, timely decision-making and communication processes were emphasized as crucial for the funding process to run smoothly. Both KOALA and the journals acknowledged that delays in information-sharing could hinder institutional pledging cycles, which follow annual timelines in most libraries. Furthermore, there was a discussion about how to handle unspent funds. One journal expressed interest in being allowed to transfer unused funds into subsequent years. Here, KOALA clarified that while minor transfers are acceptable, funds should ideally be spent within the designated year to support consistent planning and accountability.

The sustainability of the KOALA model featured prominently in the meet-ups’ strategic discussions. Many participants reflected positively on KOALA’s role in supporting their journals, describing it as a “wonderful surprise,” “a godsend,” and even as the reason their journal could continue operating in the first place. The simplicity of the funding process, the efficiency of communication with KOALA-AV, and the clarity of cooperation agreements were frequently praised. Apart from that, KOALA’s minimum standards were seen as helpful to increase transparency and to improve editorial quality. At the same time, journals voiced concerns about the long-term availability of funding, particularly in light of limited institutional budgets and the growing number of initiatives seeking support under the KOALA umbrella. As pain points, the complexity of internal communication processes within editorial teams, frequent staff changes at KOALA, and a lack of timely updates on contact persons or new project phases were all mentioned. Furthermore, some considered the process for extending funding into a new financing period unclear, stating that this had created uncertainty for future-related planning steps. At the same time, the opportunity to connect with peers, exchanging best practices and learning from each other’s challenges, was highly valued.
KOALA-AV’s Feedback and Recommendations

KOALA-AV offered a series of recommendations aimed at improving collaboration and ensuring a more efficient workflow for all involved. The importance of aligning communication and planning with library acquisition cycles was emphasized: Since libraries often follow a set sequence—information acquisition, consultation, pledging, and accounting—journals need to respond in a timely and structured manner to ensure success. Along these lines, KOALA urged journals to play a more proactive role in supporting pledging by motivating their authors to contact their institutional libraries and by sharing up-to-date affiliation lists. These efforts can significantly improve the likelihood of acquiring funding successfully. Another key topic was transparency: Journals were advised to publish simple, publicly accessible statements on their use of KOALA funds—ideally on their websites—including the total amount of funding they had received, and a basic breakdown of how the funds are spent. This not only builds trust but also demonstrates accountability to institutions, authors and the wider Open Access community. Finally, KOALA emphasized the importance of managing annual funding effectively: While some transfer-related flexibility is allowed, KOALA’s general expectation is that funds are used within the allocated year, maintaining budgetary discipline and supporting clearer financial cycles.
Outlook: What Comes Next?

Although KOALA-AV did formally conclude by the end of August 2025, the underlying KOALA service and model will continue to operate. KOALA now encompasses both the initial project phase (2021–2023) and the ongoing consortium approach to Open Access support. Looking ahead, the KOALA service hosted at TIB will remain active, particularly in the STEM disciplines, and is exploring ways to extend current funding bundles beyond the standard three-year cycle. At the same time, SLUB Dresden will continue its pilot efforts and provide support for participating journals. For subject areas not yet covered, solutions are being developed, including the transfer of funding responsibilities to two Specialized Information Services (Fachinformationsdienste). Currently, new pledging phases are in preparation to ensure a smooth transition into the next funding round. Besides that, KOALA plans to expand its coordination infrastructure to support more journals. It also pursues international partnerships to broaden its reach and impact.
Conclusion

The KOALA journal meet-ups highlighted the importance of dialogue, transparency, and mutual support in sustaining a community-driven Open Access infrastructure. While some challenges remain, the participants’ overall feedback was one of appreciation, collaboration, and determination. Through shared learning and collective problem-solving, KOALA and its partner journals continue to pave the way for a more equitable and sustainable publishing landscape.

Perspectives of the journals that participated in the meet-up:

SMAI-Journal of Computational Mathematics was founded in 2014 by the French Society of Applied and Industrial Mathematics (SMAI). It publishes high quality research articles on the design and analysis of algorithms for computing the numerical solution of mathematical problems arising in applications. It is published via the Centre Mersenne, which is a diamond open access scientific publishing infrastructure developed by Mathdoc, a support and research unit of the CNRS and the Université Grenoble Alpes in France. As Deputy Secretaries in charge of the SMAI publications, our role is to oversee the scientific development of the journal and ensure that we can guarantee open access publication under the best conditions for the articles submitted now and in the future. This combination of efforts from the SMAI and the Centre Mersenne offers a society-based venue for excellent work from a very active international field. (Amandine Véber &amp; Nicolas Forcadel)

The Journal de l&#039;École polytechnique — Mathématiques (JEP), started in 2014, publishes, in English or French, original research articles in all domains of applied and fundamental mathematics. It continues, in the domain of mathematics, the Journal de l&#039;École polytechnique, one of the oldest French scientific journals (1795–1939), which published articles in mathematics as well as in mechanics and in physics. As journal manager, I oversee relations between the editorial assistant, the three chief editors, and the forty or so section editors on the OJS editorial platform. I also supervise production by the Centre Mersenne. Finally, in collaboration with the three chief editors, I take care of the regular renewal (every five years) of the editorial board. The journal has gained a solid reputation within the mathematical community, as it now receives around 120 submissions annually with an acceptance rate of around 25%. (Claude Sabbah)

Logical Method in Computer Science is a fully refereed, diamond open-access, electronic journal. It welcomes papers on theoretical and practical areas in computer science involving logical methods, taken in a broad sense. Since its foundation in 2004 the journal has developed into a leading venue for papers in the field, as witnessed e.g. by many published special issues of competitive conferences. Currently, the journal publishes around 110 articles per year. The journal is run as an overlay of arXiv.org, a well-known open document archive which currently hosts more than 2 million scholarly articles in the natural sciences, mathematics, computer science, and engineering. The peer review process of the journal relies on the French Episciences platform. I have been involved in the journal in various roles since the beginning, and I have been its Editor-in-Chief since 2020. (Stefan Milius)

TheoretiCS attempts to be one of the three leading journals in the field of Theoretical Computer Science and the only one to follow the diamond open-access model. The journal is strongly based in its research community: all major conferences in in the field of Theoretical Computer Science have representatives on the advisory board of TheoretiCS and in the TheoretiCS Foundation, the publisher of the journal. These strong roots in the research community have enabled us to convince many leading researchers to join the editorial board of TheoretiCS. It also helped to find additional volunteers to help with the editorial and publishing process. We are grateful for the support provided by the KOALA project, which enables us to reimburse part of the efforts for some of these volunteers. (Thomas Schwentick)

The Journal of Universal Computer Science (J.UCS) is a veteran in the field of high-quality open access publications in computer science. Founded in 1993, the J.UCS team has guided the journal through decades of challenges associated with a free-of-charge policy for authors and readers. Our thoroughly peer-reviewed monthly regular issues, as well as several special issues on current topics, serve as one of the major knowledge databases for the international research community, documenting the history of computer science over decades and continuing with today&#039;s latest trends - thanks to KOALA. Our team is dedicated to communicating with our reviewers from around 50 different countries to help our authors get the most out of their research and ensure the high quality and relevance of our publications. The expected 200,000+ views this year show that the effort is worth it, every day. (Johanna Zeisberg and Christian Gütl)</description><enclosure
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<item><title>Stellungnahme des scholar-led.network zum Leopoldina-Papier zur Diamond-Open-Access-Finanzierung</title><link>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung#comments</comments><pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Michael Czolkoß-Hettwer</dc:creator><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</guid><description>Das scholar-led.network versteht sich als Interessenvertretung von Akteur*innen des wissenschaftsgeleiteten Publizierens im deutschsprachigen Raum. Es besteht aus Akteur*innen, die unterschiedliche Positionen im Publikationssystem einnehmen und die teilweise institutionell angebunden, teilweise frei affiliiert sind. Die Netzwerkmitglieder vertreten diverse disziplinäre und fachliche Zusammenhänge, wobei die Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften gegenwärtig unterrepräsentiert sind.

Diese Stellungnahme zum Diskussionspapier “Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (im Folgenden: Leopoldina) von 2025 möchte entsprechend die Perspektive eines Netzwerks des wissenschaftsgeleiteten Publizierens stark machen und ist in dieser Hinsicht parteiisch. Das Netzwerk versteht dabei wissenschaftsgeleitetes Publizieren vor allem als wertegeleitetes Publizieren: Kooperation, Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit, Bibliodiversität und grundsätzlich nicht-kommerzielle Modelle sind für das Netzwerk leitend (scholar-led.network 2022). 

In dieser Konsequenz geht diese Replik nur auf jene Punkte des Diskussionspapiers ein, die unmittelbar Interessen des Netzwerks berühren: Dazu gehören die finanziellen Rahmenbedingungen und angenommenen Kostenstrukturen, die vorgeschlagenen Auswahlmechanismen und Reputationsindikatoren sowie die konkrete Umsetzung des Förderanspruchs in den Verfahren der Antragstellung.
Nachhaltige Finanzierung von Diamond Open Access: Ein unterstützenswertes Ziel

Verschiedene wissenschaftspolitische Stimmen, etwa der Rat der Europäischen Union, cOAlition S und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, haben Diamond Open Access als wegweisenden Lösungsansatz für die Reorganisation des wissenschaftlichen Publizierens hervorgehoben. Auch im Bereich der wissenschaftsgeleiteten Publikationsinfrastrukturen hat sich mit Projekten wie DIAMAS, CRAFT-OA und jüngst mit der Einrichtung der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) viel getan. Nachhaltige Finanzierungskonzepte blieben jedoch eine Leerstelle, die vor allem jene Diamond-Open-Acess-Publikationen vor große Herausforderungen stellt, die nicht über eine direkte institutionelle Förderung verfügen (vgl. Taubert et al. 2024). Aktuelle Modelle für die Konsortialfinanzierung von Diamond Open Access setzen wichtige Impulse (z. B. KOALA, OLEcon), ermöglichen jedoch noch keine verlässliche und nachhaltige Finanzierung, die den mittelfristigen Planungshorizont von Ausgaben und redaktioneller Arbeit abdeckt (Ganz et al. 2024).

Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind aus unserer Sicht dringend erforderlich, auch um perspektivisch eine weitere Professionalisierung des wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu befördern. Dass die Leopoldina nun einen Verfahrensvorschlag für die direkte Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften vorgelegt hat, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Die Vorschläge sollten jedoch daraufhin hinterfragt werden, vor welchem fachlichen Hintergrund sie entwickelt wurden. Die Natur- und Lebenswissenschaften prägen unserer Lesart nach die von der Leopoldina vorgelegten Vorschläge und werden durch die Adressierung des Gesamtsystems im Vorschlag zugleich verallgemeinert. Und auch wenn die Wissenschaften umfassend und im Plural angesprochen sind, besteht unseres Erachtens die Gefahr einer Marginalisierung. Fach- und Publikationskulturen, die sich etwa hinsichtlich der Rolle von Fachgesellschaften, der wirtschaftlichen Bedeutung von Publikationen für diese Gesellschaften, der Quantität und Verteilung des Publikationsoutputs, epistemischer Differenzierungen innerhalb der Disziplinen und nicht zuletzt Ökonomien der Reputation anders organisieren, werden in diesen Vorschlag aus unserer Sicht nicht ausreichend einbezogen.

Angesichts steigender Publikationszahlen und Publikationskosten im globalen Publikationsmarkt, seiner zunehmenden Oligopolisierung sowie der Marginalisierung von Forschenden durch Geschäftsmodelle, die auf Publikationsgebühren basieren, halten wir das Leopoldina-Papier daher für unbedingt diskussionswürdig.
Was darf Open Access kosten?

Das Leopoldina-Papier positioniert eine dauerhafte öffentliche Finanzierung von Diamond Open Access als Alternative zu subskriptions- und APC-basierten Modellen. Um eine Transformation der bisherigen Finanzierungswege zu erreichen, werden im Papier einige interessante Eckpunkte vorgelegt. Grundprinzip ist die Förderung von wissenschaftlichen Publikationen (Texte und Daten) im Diamond Open Access durch öffentliche Mittel. Die Vergabe dieser Mittel soll, ähnlich wie bei der Forschungsförderung, in einem Antrags- und Begutachtungsverfahren erfolgen. Was sich auf den ersten Blick als sinnvolle Alternative zum jetzigen System darstellt, wirft im Detail Fragen auf.

Die Feststellung, dass die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen eine Daueraufgabe darstellt, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. Fragwürdig ist jedoch, ob eine Begutachtung, die in der Praxis durch einzelne Wissenschaftler*innen durchgeführt wird, dazu geeignet ist, diese Dauerhaftigkeit zu garantieren. Notwendig wären dafür zumindest klare Kriterien für wissenschaftliche Qualität und angemessene Kosten einer Zeitschrift. Zu beachten ist auch, dass durch ein solches Verfahren Erfordernisse an die Antragstellung, an den regelmäßigen Vergleich von Dienstleistungsangeboten und an das Reporting implementiert werden, die zusätzliche Ressourcen binden. Dieser Ansatz unterläuft die Idee der garantierten Dauerhaftigkeit und setzt Zeitschriften unter einen auf die Evaluation hin ausgerichteten Performanzdruck. Kosten und Ertrag eines solchen Antrags-Evaluationsmodells sind auch hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Implementierungskosten kritisch zu sehen. 

Aus unserer Sicht ist der wichtigste Aspekt des Leopoldina-Papiers zunächst, dass er eine strategische Diskussion darüber eröffnet, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Publizierens bedeutet und zwar differenziert nach notwendigen Kosten und weiteren Kostenpunkten, die gegebenenfalls auch eingespart werden könnten. Das Papier kritisiert zurecht, dass sich die Kosten im aktuellen APC-Modell in einem breiten Rahmen bewegen, der “nicht notwendigerweise die tatsächlichen Kosten widerspiegelt, sondern auch Ausdruck der Marktposition von besonders renommierten Zeitschriften ist” (S. 26). Die Leopoldina schlägt vor, die Kosten entlang von einzelnen Kostenbestandteilen transparent zu gestalten und so an den jeweiligen disziplinären Anforderungen zu orientieren (S. 33). Eine Kostenersparnis ergibt sich dadurch in erster Linie durch das Flipping besonders renommierter, von Fachgesellschaften herausgegebenen Zeitschriften, die bislang hohe APC verlangen.

Grundsätzlich schlägt das Leopoldina-Papier also ein Modell vor, das im Umfeld weniger großer Unternehmen wettbewerbsfähig sein will. Die Skalierung des Diamond-Open-Access-Modells wird aber Auswirkungen auf die Organisationsformen derjenigen Zeitschriften haben, die bereits heute durch das Engagement Gemeinwohl- oder zumindest Community-orientierter Wissenschaftler*innen herausgegeben werden und die in der Regel aktuell unterfinanziert sind. Die Idee, dass zunächst nur ausgewählte Zeitschriften an diesem neuen System teilhaben können, und mögliche Budget-Anpassungen anhand bestimmter Erfolgsfaktoren erfolgen (S. 22), führen eine im Vergleich zur aktuellen Situation des kommerziellen Publizierens nicht minder problematische, Community-interne Konkurrenzkonstellation ein. 

Letztlich ist fraglich, ob die im Papier postulierte Kostensenkung mit dem Fokus auf das Renommee der Zeitschriften tatsächlich erreicht werden kann. Auf dieser Annahme ein umfassendes Finanzierungsprogramm zu begründen, scheint risikoreich. Eine Diamond-Open-Access-Infrastruktur, in der sich Publizierende weniger im Wettbewerb befinden, sondern sich gemeinwohlorientiert wechselseitig unterstützen, kann in der Summe kosteneffektiver sein, als ein im Kern auf Anträge und Evaluation ausgelegtes Modell. Alternative Modelle der Finanzierung sollten deshalb unbedingt weiter ausdifferenziert und diskutiert werden.
Wann ist eine Zeitschrift relevant genug für die Finanzierung?

Das Leopoldina-Papier verweist zurecht auf die Reputationsökonomie und die ihr zugrunde liegenden Verzerrungen als ausschlaggebenden Faktor im Wissenschaftssystem. Die artikulierte Erwartung, dass zu Beginn vor allem “Betreiber von bereits etablierten Zeitschriften” die Förderung in Anspruch nehmen (S. 20), mit einer unmittelbar hierauf ausgerichteten, kompetitiven Begutachtung sowie verschiedene Verweise auf den Journal Impact Factor als “Maß für die Reputation” (S. 27, S. 33) werfen eine Reihe von Fragen auf. 

Grundsätzlich führt die Idee, dass sich ein Zeitschriftentitel hinsichtlich der Leistung als auch Relevanz qualifizieren muss, einen Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten in das wissenschaftliche Publizieren ein, der den Eigengesetzlichkeiten der Wissenschaft entgegensteht. Akzeptanz und Relevanzbeurteilung der Zeitschriften sollte nicht in zyklischen Evaluationen, sondern als Ergebnis wissenschaftskommunikativer Aushandlungsprozesse in den Communities selbst erfolgen. Wird der wissenschaftskommunikative Aushandlungsprozess übergangen, stellt sich die Frage, wie die Diversität von Publikationen und Wissenschaftscommunities über das gesamte wissenschaftliche Fächerspektrum hinweg gewahrt und gefördert werden kann. 

Aus den vorgegebenen Verfahren und Kriterien würde eine Konzentration von Mitteln auf einen spezifischen Ausschnitt wissenschaftlicher Zeitschriften resultieren, die in bestimmten Fächern besonders vertreten sind. 

In der jeweiligen Fachcommunity existieren bereits ausgehandelte Standards wissenschaftlicher Qualität, auf die zurückgegriffen werden kann. Gerade weil der Journal Impact Factor in vielen Communities nicht relevant ist und die Messung von Qualität sowohl von Zeitschriften als auch von Individuen durch den Journal Impact Faktor sehr kritisch beurteilt wird, sollte die geforderte Reform des Reputationssystems etwa durch DORA und CoARA stärker berücksichtigt werden (vgl. Allianz der Wissenschaftsorganisationen 2025).

Die Gefahr besteht, dass Diamond-Open-Access-Entwicklungen in anderen Disziplinen, die weniger einer Reputationsökonomie folgen oder dem hier adressierten, klassischen Zeitschriftentypus entsprechen, verlangsamt werden. Auch eine systematische Überführung des gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenkorpus in das Diamond-Open-Access-Modell ist auf diesem Weg nicht zu erwarten, sondern vielmehr eine Verfestigung bestehender Mechanismen. Dies hätte unter anderem zur Folge, dass in bestimmten Fächern und für bestimmte, schon erfolgreiche Publikationen mehr Mittel gebunden werden als in anderen. Der Hinweis im Papier, dass Reputationsaufbau Zeit benötige (S. 35), verdeutlicht diesen Widerspruch.

Es ist ein nachvollziehbares Argument, dass die Umstellung etablierter Publikationen in ein Diamond-Open-Access-Modell eine Signalwirkung haben kann. Eine tatsächliche Sogwirkung im Sinne eines “Durchsickerns” der Effekte auf das Gesamtsystem, einschließlich auf Publikationen, die weniger gut institutionell eingebunden oder beispielsweise in “Kleinen Fächern” bedeutsam sind, ist jedoch aus den oben genannten Gründen fraglich.
Die Rolle der Fachgesellschaften

In dem von der Leopoldina vorgeschlagenen Modell spielen die Fachgesellschaften eine zentrale Rolle. Sie sollen Finanzierungsanträge ebenso einreichen können wie öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieser Ansatz birgt enormes Potential, um das Publikationswesen stärker wissenschaftsgeleitet zu organisieren; auch aus unserer Sicht ist die aktive Einbindung der Fachcommunities eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Insbesondere größere Fachgesellschaften, die bereits eigene Periodika herausgeben und hauptamtliches Personal beschäftigen, könnten für derartige Anträge in Frage kommen. Offen bleibt, in welchem Ausmaß in diesen Organisationen die Bereitschaft vorhanden ist, diese Rolle einzunehmen; auch haben sie in vielen Fällen vermutlich nicht ausreichend Kapazitäten und Expertise, um Förderanträge ohne Hilfestellung auszuarbeiten. Diese Hilfestellung könnte von Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken oder Fachinformationsdiensten geleistet werden, was wiederum voraussetzt, dass an diesen Stellen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

Zugleich ist die Landschaft der Fachgesellschaften je nach Disziplin sehr heterogen. Viele (Teil-)Forschungsgebiete sind – wenn überhaupt – nur in sehr kleinen Fachgesellschaften vertreten, die rein ehrenamtlich aufgestellt sind. Oder diese Forschungsgebiete sind aufgrund ihrer dynamischen und interdisziplinären Natur überhaupt nicht in den Strukturen von Fachgesellschaften organisierbar. Vor diesem Hintergrund muss die Frage adressiert werden, wie kleine, wenig organisierte oder auch sich neu bildende Forschungsgebiete bzw. Fachcommunities mit nur wenig Ressourcen bei dem Betrieb von Zeitschriften unterstützt werden könnten, um das System inklusiv auszugestalten, auch im Sinne der Bibliodiversität. 

Zum eigentlichen Begutachtungsprozess für die Publikationsorgane muss die Frage adressiert werden, welche Instanz gemäß welcher Autorität die Auswahl der Begutachtenden vornehmen soll. Ferner birgt ein derart zentralisiertes Fördermodell das Risiko politisch motivierter Einflussnahme. Angesichts der dargestellten Hürden möchten wir die Frage aufwerfen, ob ein solch umfassendes Modell ausreichend skalieren kann, um, wie intendiert, in der Breite des Wissenschaftssystems wirken zu können.
Fazit

Eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, die an den tatsächlichen Bedarfen des Zeitschriftenmachens orientiert ist, sollte das gemeinsame Ziel des Wissenschaftssystems sein. Das Leopoldina-Papier liefert dazu gute Anstöße und Überlegungen. Unsere Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass das vorgeschlagene System durch den Fokus auf das Flipping von Zeitschriften mit hohem Journal Impact Factor eine Situation schaffen könnte, die insbesondere bestimmte Fachkulturen sowie Zeitschriften benachteiligt, die Ansätze von scholar-led-Publishing und Diamond Open Access verbinden. 

Wir begrüßen den Anstoß des Leopoldina-Papiers, das wissenschaftliche Publizieren als Daueraufgabe verstetigen zu wollen und unterstützen die Diskussion darüber, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Modells kosten darf. Aus Sicht des scholar-led.network wäre zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, dass ein breiterer Ansatz verfolgt wird, von dem nicht nur wenige Zeitschriften profitieren. Fraglich ist zudem, ob die Erwartungen, die hier insbesondere an Fachgesellschaften gerichtet werden, umsetzbar sind. Dass wir mittlerweile über konkrete Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access diskutieren, ist eine positive Entwicklung. Neben vielen anderen Akteur*innen sind auch die Mitglieder des scholar-led.network gern bereit, an dieser Diskussion teilzunehmen.


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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Michael Geuenich</dc:creator><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Bernhard Mittermeier</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Beate Rusch</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Silke Weisheit</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</guid><description>Bericht über ein Hands-on Lab auf der 113. BiblioCon

Die Entwicklung und der Erfolg von Open Access beruhen maßgeblich auf digitalen Informationsinfrastrukturen, die weltweit von Forschenden, Bibliotheken und anderen Einrichtungen genutzt werden. Diese Infrastrukturen stehen zunehmend unter Druck, da ihre Finanzierung oftmals projektbasiert erfolgt und der Übergang zu einer nachhaltigen, institutionellen oder konsortialen Finanzierung bisher nur in Teilen gelingt. Vor diesem Hintergrund widmete sich das Hands-on Lab dem Thema „Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren“ auf der 113. BiblioCon am 26. Juni 2025 (Pampel et al., 2025) speziell diesem Thema und versuchte, hier Lösungen aufzuzeigen. Ziel war es, gemeinsam mit Expert*innen und Teilnehmenden Herausforderungen, bestehende Modelle und zukünftige Perspektiven für tragfähige Finanzierungslösungen zu reflektieren und konkrete Entwicklungslinien für die deutsche Informationslandschaft zu skizzieren.
Einführung

Die Veranstaltung wurde von Heinz Pampel (Humboldt-Universität zu Berlin) moderiert. In seiner Einführung verwies Pampel auf den einflussreichen Aufsatz “The Ethnography of Infrastructure“ von Susan Leigh Star (1999). Darin definiert Star Infrastrukturen als sozio-technische Systeme, die sich durch ihre Einbettung in alltägliche Nutzungen auszeichnen, eine Einbettung, die sie für Nutzer*innen oftmals unsichtbar macht. Eine Infrastruktur “[b]ecomes visible upon breakdown“, so Star. Ihre Relevanz wird oft erst sichtbar, wenn sie ausfallen. Dieses Charakteristikum von Infrastrukturen erschwert nicht nur das öffentliche Verständnis für ihre systemerhaltende Rolle, sondern stellt auch eine politische Herausforderung dar. Denn gerade ihre Unsichtbarkeit im Alltagsbetrieb macht es schwierig, ihre Finanzierung langfristig zu sichern oder ihre Relevanz auf der politischen Agenda zu verankern. Im Kontext der offenen Wissenschaft bedeutet das: Die nachhaltige Finanzierung etablierter Open-Access-Infrastrukturen ist besonders anspruchsvoll – nicht, weil ihre Funktionalität infrage stünde, sondern weil ihre Stabilität gerade Ausdruck einer erfolgreichen, unsichtbaren Integration in den Forschungsalltag ist.

Im Anschluss an die Begrüßung folgten fünfminütige Statements aus der Praxis:

Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland
Michael Geuenich (Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG) präsentierte die Ergebnisse einer umfassenden Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland (Biela et al., 2023). Zentrale Erkenntnis: Nicht-kommerziell getragene Open-Access-Infrastrukturen sind ein dezentral entwickeltes Rückgrat der wissenschaftlichen Publikationskultur und sehen sich oftmals einer unsicheren langfristigen Finanzierung gegenüber. Während Innovation häufig durch Drittmittel gefördert wird, fehlt es an Mitteln für den Betrieb (Maintenance). Er hob hervor, dass Investitionen in diese Infrastrukturen strategische Bedeutung für die digitale Souveränität haben.

Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS)
Olaf Siegert (ZBW) stellte die internationale Initiative SCOSS (Global Sustainability Coalition for Open Science Services)) vor. SCOSS vermittelt konsortiale Finanzierungsmodelle für Open-Science-Dienste auf Basis eines Auswahlverfahrens im Rahmen definierter Qualitätsverfahren. Seit 2018 werden ausgewählte und qualitätsgeprüfte internationale Open-Science-Infrastrukturen unterstützt (u.a. DOAJ, DOAB, arXiv). Insgesamt konnten auf diesem Wege für 19 Infrastrukturen rund 7,3 Millionen Euro eingeworben werden. SCOSS selbst agiert dabei v. a. als Qualitätsprüfungs-Entität und als Vermittler, nicht aber als Förderer. Zudem organisiert die Initiative einen aktiven Austausch unter den Infrastrukturen mit den Zielen, Good Governance und Best Practices zu fördern.

Open Access Monitor Deutschland
Bernhard Mittermaier (FZ Jülich) berichtete über den Open Access Monitor Deutschland, der zunächst projektfinanziert war und seit 2023 durch Eigenmittel der Bibliothek betrieben wird. Besonders hervorgehoben wurde das Zusammenspiel von institutioneller Unterstützung und pragmatischer Mittelverwendung.

DeepGreen
Beate Rusch (ZIB, KOBV-Verbundzentrale) gab Einblick in das Projekt DeepGreen, einen Lieferdienst für Open-Access-Artikel. Nach einer DFG-Förderung tragen derzeit die drei betreibenden Einrichtungen die Finanzierung. Ab 2026 ist eine zusätzliche Umlagefinanzierung geplant, gestaffelt nach Einrichtungstyp und -größe.

Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)
Silke Weisheit (UB Regensburg) stellte die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) vor, die Informationen zu Open-Access-Zeitschriften sowie zum wissenschaftlichen Publizieren bereitstellt. Die Finanzierung erfolgt über ein gestaffeltes Umlagemodell sowie ergänzend über Drittmittelprojekte (z. B. OpenCost). Die organisatorische Ausgestaltung wird durch einen Beirat begleitet.

Anhand von drei Themenbereichen wurden anschließend drei zentrale Themen zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierung mit den Teilnehmenden diskutiert.
Finanzierung

Im Themenbereich Finanzierung wurden unterschiedliche Modelle zur nachhaltigen Unterstützung von Open-Access-Infrastrukturen diskutiert. Zu den häufig genannten Ansätzen gehörten pauschale Finanzierungsmodelle (Flat-Rates), nutzungsbasierte Modelle sowie gestaffelte Beiträge, etwa in Abhängigkeit von der Größe der Einrichtung oder der Zahl ihrer wissenschaftlichen Mitarbeitenden (FTE). 

Dabei wurde deutlich, dass jede Variante spezifische Herausforderungen mit sich bringt: So bieten pauschale Modelle zwar eine administrative Vereinfachung, erfassen aber möglicherweise nicht die tatsächliche Nutzung oder die institutionelle Leistungsfähigkeit. Nutzungsbasierte Modelle hingegen setzen eine präzise Erhebung und Auswertung von Zugriffszahlen voraus, was zusätzlichen Aufwand bedeutet und zu komplexen Abrechnungen führen kann. Staffelungen nach Größe erscheinen fair, könnten aber kleinere Einrichtungen überproportional belasten.

Ein zentrales Diskussionsthema war der „Mehrwert“ für Einrichtungen, also die Frage, warum diese überhaupt bereit sein sollten, dauerhaft in eine Infrastruktur zu investieren. Neben klassischen Nutzenargumenten wie Stabilität, Qualität und Zugang wurde besonders der Aspekt der Mitgestaltungsmöglichkeit hervorgehoben: Einrichtungen, die sich finanziell beteiligen, sollten auch strukturell eingebunden sein – etwa über Gremien oder Abstimmungsprozesse. Deutlich wurde auch, dass die Sichtbarmachung des möglichen Verlusts einer Infrastruktur ein starkes Argument für die Zahlung sein kann: Der potenzielle Ausfall oder Abbau etablierter Dienste, die bislang selbstverständlich genutzt wurden, kann die Bereitschaft zur Finanzierung erhöhen.

Zur Vermeidung einer kleinteiligen, administrativ aufwändigen Finanzierung wurde mehrfach die Idee konsortialer Lösungen eingebracht. Durch den Zusammenschluss von Bibliotheken, Landesinitiativen oder Hochschulverbünden ließen sich Beiträge bündeln und administrative Lasten verteilen. Auch wurde diskutiert, ob Bibliotheksverbünde verstärkt als koordinierende oder abrechnende Instanzen eingebunden werden könnten.
Governance

Der Themenkomplex Governance drehte sich um die Frage, wie Organisations- und Entscheidungsstrukturen für Open-Access-Infrastrukturen gestaltet werden sollten, um legitim, transparent und gleichzeitig handhabbar zu sein. Diskutiert wurden verschiedene Mitgliedschaftsmodelle, etwa in Form von aktiver oder passiver Beteiligung mit unterschiedlichem Stimmrecht. Betont wurde, dass finanzierende Einrichtungen, unabhängig vom Beitrag, eingebunden werden müssen.

Empfohlen wurde der Aufbau klarer Entscheidungsstrukturen, beispielsweise über einen Vorstand als operatives Entscheidungsgremium sowie einen Beirat, der die Interessen der beteiligten Institutionen und der Community repräsentiert. Steuerungsgremien sollten in ihren Rollen transparent, regelmäßig gewählt und gegenüber der Nutzer*innenschaft rechenschaftspflichtig sein. Gleichzeitig wurde betont, dass Governance-Strukturen schlank und effizient bleiben sollten,  insbesondere um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Auch müsse Governance sichtbar nach außen wirken, um Vertrauen zu schaffen und Legitimität zu sichern.

Ein wiederkehrendes Thema war der rechtliche Rahmen: Gemeinnützigkeit wurde als zentral erachtet, auch um die Unabhängigkeit der Dienste zu sichern. Es bestand Einigkeit darüber, dass ein späterer Verkauf oder eine Kommerzialisierung ausgeschlossen sein sollte, auch vertraglich. Schließlich wurden zwei Spannungsfelder benannt, die Governance-Fragestellungen durchziehen: Zum einen der Gegensatz von Idealismus und Pragmatismus, etwa beim Abwägen zwischen partizipativer Breite und Entscheidungseffizienz bei der Zusammensetzung eingesetzten Gremien. Zum anderen der Zielkonflikt zwischen Innovation und Erhalt: Während viele Projektfinanzierungen auf Neues abzielen, fehlt es gleichzeitig häufig an Strukturen zur dauerhaften Sicherung bestehender Dienste. Daher erscheint ein Mitgliedschaftsmodell trotz der damit einhergehenden Frage der Einbindung von finanzierenden Einrichtungen als sinnvoll.
Kommunikation

Die Diskussion zum Thema Kommunikation zeigte, dass viele nachhaltige Finanzierungsstrategien an klarer und strategisch geplanter Kommunikation scheitern können. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer zielgruppenspezifischen Ansprache: Je nach Typ der Einrichtung (z. B. Universitätsbibliothek, Fachhochschule, Forschungseinrichtung) müssen Argumente unterschiedlich gewichtet und formuliert werden. Das Beispiel DeepGreen zeigte, dass eine zweigleisige Kommunikation, also die parallele Ansprache von Repositorienbetreiber*innen und politischen Entscheider*innen, erfolgreich sein kann.

Auch der Zeitpunkt der Kommunikation wurde als entscheidend angesehen. Statt erst kurz vor Finanzierungsende um Unterstützung zu werben, sollten Infrastrukturen kontinuierlich über Nutzung, Wirkung und Bedarf berichten. Transparenz war ein zentrales Stichwort: Nicht nur Kosten, sondern auch Nutzungsdaten, Downloadzahlen und konkrete Anwendungsbeispiele sollten offen kommuniziert werden. Solche Indikatoren helfen dabei, die Relevanz von Diensten nachvollziehbar zu machen – besonders für Entscheider*innen, die den Dienst selbst nicht regelmäßig nutzen.

Einige Teilnehmende empfahlen, sich in der Außendarstellung an professionellem Wissenschaftsmarketing zu orientieren, etwa durch Testimonials zufriedener Nutzer*innen oder durch die namentliche Nennung prominenter Partnerinstitutionen. Auch eine visuell ansprechende Darstellung auf Webseiten und in Reports könne Vertrauen schaffen. Schließlich wurde angeregt, Kommunikationsstrategien regelmäßig zu evaluieren und gemeinsam mit Unterstützer*innen weiterzuentwickeln.
Fazit

Das Hands-on Lab zeigte eindrücklich, dass eine nachhaltige Finanzierung von Open-Access-Infrastrukturen sowohl institutionelle als auch kulturelle Herausforderungen umfasst. Unterschiedliche Finanzierungs-, Governance- und Kommunikationsmodelle sind erprobt und teils erfolgreich etabliert, stehen aber vor der Aufgabe, sich im verteilten System der Informationsversorgung dauerhaft zu behaupten.

Die Diskussionen bestätigten: Damit Infrastrukturen langfristig bestehen können, braucht es nicht nur tragfähige Finanzierungsmodelle, sondern auch eine Anerkennung ihres Werts. Nachhaltige Finanzierung ist mehr als eine administrative Frage, sie ist Ausdruck strategischer Entscheidungen für eine gemeinwohlorientierte digitale Wissenschaftslandschaft.
Literatur

    Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2023). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland: Studie der Technopolis Group im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Allianz der Wissenschaftsorganisationen. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
    Pampel, H., Siegert, O., Mittermaier, B., Geuenich, M., Rusch, B. &amp; Weisheit, S.(2025, June 26). Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren. 113. BiblioCon in Bremen 2025; 9. Bibliothekskongress, Bremen. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-194917
    Star, S. L. (1999). The Ethnography of Infrastructure. American Behavioral Scientist, 43(3), 377–391. doi.org/10.1177/00027649921955326

Weitere Informationen über die Forschungsgruppe Information Management an der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie auf unserer offiziellen Website).</description><enclosure
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<item><title>Wie erfassen wissenschaftliche Einrichtungen Daten zu Publikationskosten?</title><link>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Tue, 12 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Technik und Workflows</category><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Dorothea Strecker</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten</guid><description>In diesem Beitrag werden Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage zur Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland aus dem Projekt OA Datenpraxis vorgestellt.

Im Zuge der Open-Access-Transformation wenden wissenschaftliche Einrichtungen ihre Mittel neben der Bereitstellung von Literaturzugang auch für das Publizieren auf, beispielsweise für Article Processing Charges (APCs). Diese Kosten können innerhalb einer Einrichtung sehr verteilt anfallen und abgerechnet werden, was die zuverlässige Erfassung aller informationsbezogenen Ausgaben innerhalb einer Einrichtung erschwert und einen transparenten Umgang mit Kosten hemmt. Dass die Erfassung von Publikationskosten ein relevantes Thema für wissenschaftliche Einrichtungen ist, zeigt sich beispielsweise am Diskurs um das Konzept Informationsbudget (Mittermaier, 2022; Pampel, 2019): In dieser ganzheitlichen Sicht auf informationsbezogene Finanzströme einer Einrichtung sollen neben Ausgaben für Subskriptionen auch Ausgaben für Publikationen in die Budgetplanung integriert werden. Darüber hinaus wird auch die Bedeutung der Betrachtung der Einnahmeseite, z. B. durch Mittel von Fördereinrichtungen für das Publizieren, betont. Der Wissenschaftsrat empfahl wissenschaftlichen Einrichtungen 2022 die Etablierung eines Informationsbudgets bis 2025 (Wissenschaftsrat, 2022). Die Erfassung von Publikationskosten kann für Einrichtungen auch verpflichtend sein, beispielsweise für Mittel, die im Rahmen des Förderprogramms Open-Access-Publikationskosten der DFG abgerufen werden.

Das DFG-geförderte Projekt OA Datenpraxis untersucht verschiedene Aspekte des Umgangs mit Daten im Kontext der Open-Access-Transformation, neben der Erfassung von Publikationskosten auf institutioneller Ebene werden unter anderem Regelungen zu offenen Metadaten in Transformationsverträgen, Open Access in institutionellen Rankings oder Open-Access-Dashboards analysiert.

Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse der Umfrage vor und zeigt auf, welche Fragen sich daraus für die Open-Access-Community ergeben können.
Vorgehen

Wie etabliert ist die Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland? Dieser Frage gingen Vertreter*innen des Forschungprojekts OA Datenpraxis am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin 2024 mit einer quantitativen Befragung nach.

Diese Umfrage untersucht die Erfassung von Publikationskosten auf der institutionellen Ebene und ist die erste umfassende quantitative Erhebung zu diesem Thema in Deutschland.
Fragebogenerstellung

Die Erstellung des Fragebogens orientierte sich an früheren Erhebungen, Praxisberichten und anderen Vorarbeiten. Nach Gesprächen mit Mitarbeiterinnen der Erwerbungsabteilung einer großen Universitätsbibliothek und mit Vertreter*innen der DEAL-Gruppe, mit der eine Kooperationsvereinbarung geschlossen wurde, wurde der Fragebogen überarbeitet. Der Fragebogen wurde anschließend mit 11 Personen aus 10 Einrichtungen getestet. Die finale Version enthielt 26 Fragen.
Verteilererstellung

Die Erhebung wurde als personalisierte Online-Umfrage umgesetzt. In den Verteiler aufgenommen wurden Vertreter*innen von wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, darunter Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen des Bundes. Von 583 eingeladenen Personen füllten 258 (44,3 %) den Fragebogen aus. Abbildung 1 zeigt die geografische Verteilung der eingeladenen Einrichtungen nach Einrichtungstyp.

Abbildung 1: Standorte der Einrichtungen im Verteiler nach Einrichtungstyp
Ergebnisse
Monitoringaktivitäten

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass an rund der Hälfte (51,8 %) der teilnehmenden Einrichtungen ein systematischer Überblick über das Publikationsaufkommen bereits erreicht ist (s. Abbildung 2, A). Weitere 32,9 % gaben an, dass dies angestrebt werde.

Das Monitoring von Publikationskosten war im Vergleich weniger verbreitet, etwa ein Viertel (26,7 %) der Befragten gab an, dass Publikationskosten an ihrer Einrichtung systematisch erfasst werden (s. Abbildung 2, B). Weitere 43,8 % streben dies aktuell an.

 

Abbildung 2: Systematischer Überblick über das Publikationsaufkommen (A) bzw.über die Publikationskosten (B)
Unterstützung durch die Leitungsebene

Teilnehmende, die nicht selbst zur Leitungsebene ihrer Einrichtung gehörten, wurden um eine Einschätzung der Unterstützung durch die Leitungsebene gebeten (s. Abbildung 3). 41,5 % der Befragten gaben an, dass sie auf Leitungsebene ein ausgeprägtes Problembewusstsein für das Thema wahrnehmen. Dieser Wert entspricht einer Kombination der Antwortoptionen &quot;trifft zu&quot; und &quot;trifft eher zu&quot;. Ähnlich viele der Befragten gaben an, dass sie sich von der Leitungsebene unterstützt fühlen.

Abbildung 3: Bewertung des (A) Problembewusstseins auf und (B) Unterstützung durch die Leitungsebene
Abläufe

42,7 % der Befragten gaben an, dass Abläufe für die Erfassung von Publikationskosten an ihrer Einrichtung verbindlich vereinbart sind. Etwas weniger häufig wurde geantwortet, dass Abläufe zwar etabliert sind, jedoch keine verbindliche Regelung besteht (s. Abbildung 4).

Abbildung 4: Erfassung der Publikationskosten

Etwas mehr als die Hälfte (56,7 %) der Befragten berichteten, dass Publikationskosten zentral an einer Abteilung der Einrichtung erfasst werden. Zusätzlich gaben 9,6 % an, dass eine Erfassung zentral an einer übergeordneten Institution erfolgt. Etwa ein Drittel (33,1 %) der Befragten antwortete, dass Publikationskosten dezentral an mehreren Abteilungen und in mehreren Systemen registriert werden.

Die subjektive Einschätzung der Zuverlässigkeit der Erfassung variiert für verschiedene Mitteltypen, wobei insbesondere die Erfassung von Drittmitteln als am herausforderndsten angegeben wird. 89,3 % der Befragten schätzten die Erfassung von zentral verwalteten Mitteln, die für Publikationskosten aufgewendet werden, als sehr zuverlässig oder eher zuverlässig ein. Diese Einschätzung teilten 38,8 % der Befragten für Haushaltsmittel aus Forschung und Lehre, und nur 26,4 % für Drittmittel, die von Forschung und Lehre eingeworben werden (s. Abbildung 5).

 

Abbildung 5: Bewertung der Zuverlässigkeit der Erfassung von (A) Mitteln, die von einer zentralen Serviceeinrichtung verwaltet wurden, (B) Drittmitteln, die von Forschung und Lehre eingeworben wurden und (C) Haushaltsmitteln, die für Forschung und Lehre bereitgestellt wurden
Stellenwert

59 % der Befragten gaben an, dass erfasste Publikationskosten Grundlage für strategische Entscheidungen an der Einrichtung sind; etwa ein Viertel antwortete, dass dies nicht der Fall sei.

80 % der Befragten bewerteten den Beitrag der Erfassung von Publikationskosten für die Gestaltung der Open-Access-Transformation als &quot;sehr wichtig&quot; oder &quot;eher wichtig&quot; (s. Abbildung 6).

 

Abbildung 6: Bewertung des Beitrags der Erfassung von Publikationskosten für die Gestaltung der Open-Access-Transformation
Fazit

Die Umfrage zeigt, dass Monitoringaktivitäten noch nicht flächendeckend etabliert sind. Selbst wenn einige Einrichtungen ihr Publikationsaufkommen und anfallende Kosten bereits systematisch erfassen, bleibt die Datengrundlage insgesamt unvollständig.

Viele Einrichtungen, die Publikationskosten erfassen, haben bereits verbindliche Abläufe etabliert, andere sind noch dabei, Workflows zu etablieren oder zu fixieren. Auch die Art der Erfassung variiert - einige Einrichtungen haben die Kostenerfassung bereits an zentraler Stelle gebündelt, während an anderen Einrichtungen anfallende Kosten dezentral erfasst und nachträglich zusammengeführt werden.

Die Qualität der Erfassung wird für verschiedene Mitteltypen unterschiedlich bewertet. Ausgaben, die durch zentral verwaltete Mittel wie Publikationsfonds gedeckt werden, werden mit Abstand am zuverlässigsten erfasst. Die zentrale Mittelverwaltung trägt demnach wesentlich zur Kostentransparenz bei. Einrichtungen, die eine zuverlässige Mittelerfassung anstreben, etwa in Form eines Informationsbudgets, können dies durch eine zentrale Verwaltung von Publikationsmitteln unterstützen. Publikationsfonds aus Mitteln der Bibliothek (Haushalts- und Drittmittel) haben sich bereits bewährt. 

Obwohl 80 % der Befragten die Erfassung von Publikationskosten im Kontext der Open-Access-Transformation wichtig finden, werden diese Daten nur an 59 % der Einrichtungen in Entscheidungsprozesse einbezogen. Diese Beobachtung zeigt, dass die Erfassung von Publikationskosten sich bisher noch nicht in der Breite auf Entscheidungsprozesse auswirkt. Damit wird der Bedarf nach Ansätzen zur Integration von Kostendaten in Entscheidungsprozesse unterstrichen. Aus der Studie ergeben sich weitere Fragen für die informations- und bibliothekswissenschaftliche Forschung, z. B. solche nach strategischen Handlungsoptionen für wissenschaftliche Einrichtungen infolge der Schaffung von Kostentransparenz oder den Hemmnissen bei der Umsetzung von Informationsbudgets.

Die Umfrageergebnisse wurden vollständig veröffentlicht. Anonymisierte Umfragedaten wurden über Zenodo publiziert (Strecker, Pampel &amp; Höfting, 2025a). Ein Artikel in der Open-Access-Zeitschrift Bibliothek - Forschung und Praxis beschreibt die Ergebnisse ausführlich (Strecker, Pampel &amp; Höfting, 2025b).

 
Literatur

    Mittermaier, B. (2022). Das Informationsbudget — Konzept und Werkstattbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal / Herausgeber VDB, 9(4), 1–17. https://doi.org/10.5282/O-BIB/5864
    Pampel, H. (2019): Auf dem Weg zum Informationsbudget. Zur Notwendigkeit von Monitoringverfahren für wissenschaftliche Publikationen und deren Kosten.  Arbeitspapier. https://doi.org/10.2312/os.helmholtz.006 
    Strecker, D., Pampel, H., &amp; Höfting, J. (2025a). Dataset for: Recording of publication costs at research performing institutions in Germany (Version 1.0) [Dataset]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14732554
    Strecker, D., Pampel, H., &amp; Höfting, J. (2025b). Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland. Bibliothek - Forschung und Praxis, 49(2). https://doi.org/10.1515/bfp-2025-0008
    Wissenschaftsrat. (2022). Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Perspektiven der DFG auf KI und Open Access, Teil III</title><link>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-iii</link><comments>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-iii#comments</comments><pubDate>Mon, 28 Jul 2025 08:51:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Michaela Bilic-Merdes</dc:creator><dc:creator>Sebastian Brandt</dc:creator><dc:creator>Michael Lentze</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-iii</guid><description>Dieser Post ist der letzte von drei in einer Blogpostreihe der DFG, die sich mit der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für die gute wissenschaftliche Praxis und Open Science auseinandersetzt:
Teil I: Die Rolle Künstlicher Intelligenz in der wissenschaftlichen Praxis
Teil II: Beziehungen zwischen Open Science und Künstlicher Intelligenz
Teil III: Datentracking und Künstliche Intelligenz
Teil III: Datentracking und Künstliche Intelligenz
Wie kann die Wissenschaftslandschaft auf die Analyse von möglicherweise unerlaubt getrackten und gesammelten Daten reagieren?
Hier kommen zwei verschiedene Aspekte zusammen: Der eine betrifft das Thema Datentracking, d.h. die Erfassung, Sammlung und Analyse von Daten über das Nutzungsverhalten bei der Verwendung von digitalen Dienstleistungen. In der Wissenschaftslandschaft findet man dies bspw. bei der Literaturrecherche auf Verlagsplattformen – welche Suchbegriffe werden verwendet, welche Webseiten angeklickt, wer nutzt wann wo welche Publikation? Dieses Tracken reicht von legalen, zur Legitimation und Optimierung von Services notwendigen Formen des Datentracking über kontrovers diskutierte Grauzonen im Bereich der Bewertung wissenschaftlicher Qualität oder der predictive science bis hin zu datenschutzwidrigen und wissenschaftsethisch bedenklichen Analyse- und Weitergabepraktiken. Die Grenzen sind dabei häufig nicht trennscharf voneinander zu unterscheiden. Kritisch wird es, wenn die gesammelten Nutzungsdaten mit weiteren, außerhalb des Systems im „Real Life“ gesammelt personenbezogenen Daten verknüpft werden – etwa durch eingebundene Dienstleister oder kommerzielle Analyse-Dienste. So können individuelle Nutzungsprofile entstehen, die Rückschlüsse auf Personen und ihre Vorlieben zulassen. Ohne dass Forschende es überhaupt merken, geht ihre digitale Anonymität verloren. Noch gravierender: Solche Daten können Missbrauchspotentiale eröffnen, die bspw. in persönlicher Diskriminierung oder anderen sozialen Implikationen enden können.  
Was die Problematik zusätzlich verschärft: Vielen Nutzenden ist oft gar nicht klar, dass sie getrackt werden, was genau getrackt wird und warum. Und nicht immer liegen die expliziten Einwilligungen der Nutzenden vor, die datenschutzrechtlich notwendig sind. Durch die Digitalisierung der Wissenschaften hat sich nicht nur eine Machtverschiebung zugunsten der Informationsplattformen und Verlage vollzogen, sondern auch eine Verschiebung der Datenkontrolle und der Verantwortung für den digitalen Datenschutz der Wissenschaftler*innen – weg von vormals datenschutz-freundlichen Bibliotheksumgebungen mit hohem, den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechenden Datenschutzstandards, hin zu heutigem oftmals über die kommerziellen Plattformen stattfindenden digitalen Umgang mit persönlichen Nutzungsdaten, der kommerziellen „Privacy Standards“ folgt, die es ethisch zu hinterfragen gilt. 
Diese Entwicklung berührt die Wissenschaftsfreiheit und die akademischen Informationsanbietenden – kommerzielle wie nicht-kommerzielle – müssen dringend aktiv und ihrer ethischen Verantwortung gerecht werden: für Transparenz sorgen, zwingend rechtliche Datenschutzanforderungen einhalten, und datensparsam nur für den Service der Informationsinfrastruktur notwendige Daten erheben, idealerweise unter Einsatz von Privacy-by-Design. Transparenz schafft Vertrauen, und die Wissenschaft braucht Vertrauen in verlässliche und ethisch integre akademische Informationsplattformen. 
KI und Datentracking
Der zweite Aspekt betrifft die Analyse dieser Trackingdaten durch KI-Systeme. Positiv eingesetzt können diese Analysen z.B. Serviceangebote verbessern, die Erstellung gewünschter persönlicher Suchprofile ermöglichen oder auch als Science Analytics verwendet werden; im negativen Sinne können sie zu Machtmissbrauch und Diskriminierung, predictive science und versteckten Steuerungsmechanismen im Wissenschaftssystem führen. Sind die für die KI-Systeme verwendeten personenbezogenen Daten unerlaubt ohne Einwilligung der Nutzenden getrackt worden, ist dies ein klarer Verstoß gegen geltendes Datenschutzrecht und bringt rechtliche Konsequenzen mit sich. Zudem  stehen sämtliche Ergebnisse der KI-Verarbeitung auf rechtlich wackeligem Boden. Auch hier spielt das Thema Transparenz eine große Rolle: Forschung muss wissen und kritisch hinterfragen, welche Datenbasis für KI-Analysen verwendet wird, woher die Daten kommen und wie die Analyse durchgeführt wird. Gerade bei der KI-Nutzung von personenbezogenen Daten bedarf es klarer ethischer Leitlinien. Wenn diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden können, verlieren wir die Vertrauensbasis in die KI-Systeme und Analyseergebnisse.
Die Position der DFG zum Datentracking im Publikationswesen
Die zunehmende Praxis der Wissenschaftsverlage und Plattformbetreiber, das Nutzungsverhalten der Forschenden durch Tracking zu erfassen, zu analysieren und an Dritte weiterzugeben, gefährdet die Anonymität der Forschenden und steht im Widerspruch zur Wissenschaftsfreiheit. Die DFG hat sich deshalb in den letzten Jahren intensiv mit der Herausforderung des Datentracking in der Wissenschaft auseinandergesetzt und klare Positionen wie Handlungsempfehlungen formuliert (DFG, 2021). 
Im Zentrum steht die Forderung nach einer ethischen Reflektion des Themas, die über die technischen wie auch rechtlichen Fragestellungen, die mit der Tracking-Praxis verbunden sind, hinausgeht. In erster Linie gilt es, Transparenz über die Art und den Umfang des Trackings zu schaffen, Nutzende klar über die Verwendung ihrer Daten zu informieren und auf Anbieterseite bestehende Datenschutzbestimmungen konsequent einzuhalten. Letzteres ist – obwohl gesetzlich eindeutig formuliert – bislang oft die Ausnahme. Darüber hinaus fordert die DFG einen ethischen Umgang mit Daten: Es sollen nur unbedingt notwendige Daten erhoben werden (Datensparsamkeit) und Datenschutz sollte nach Privacy-by-Design-Prinzipien in die Systemarchitektur integriert werden. Auch wissenschaftliche und bibliothekarische Einrichtungen stehen in der Verantwortung: Sie sind aufgerufen, ihre Verträge mit Verlagen und Plattformen kritisch zu prüfen und sicherzustellen, dass Datenschutz und ethische Standards gewahrt werden. 
Die DFG gestaltet den Prozess aktiv mit, etwa durch die Einsetzung einer Expert*innengruppe, die erstmals Datenschutz-Aspekte in die nationalen DEAL-Verhandlungen eingebracht hat. (Altschaffel, et al. 2024) Damit wurde Pionierarbeit geleistet, indem rechtliche Rahmenbedingungen systematisch beleuchtet und erstmalig umfassendere Datenschutzanforderungen gegenüber den großen Wissenschaftsverlagen eingebracht und vertraglich festgehalten wurden. Auch wenn aus Wissenschaftssicht nicht weitreichend genug, stellen die vertraglichen Datenschutzregelungen doch eine gute Diskussionsbasis dar. Darüber hinaus gilt es im gesetzlichen Sinne nachzubessern, um wissenschaftsfreundlichere Datenschutzlösungen legitim und langfristig abzusichern. 
Kritisch denken
Sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich lohnt es sich, sein eigenes Lese- und Suchverhalten im digitalen Raum zu hinterfragen und einen kritischen Blick auf die Privacy Policies von Onlineanbietern zu werfen. Nur so kann man wissen, wer was trackt und an wen die eigenen Daten weitergereicht werden. Und nur so versetzt man sich in die Lage, souverän und selbstbestimmt zu handeln, technologische Tools wie bspw. Blocker als zusätzlichen Tracking-Schutz anzuwenden oder gar bewusst datenschutzfreundlichere Alternativen den kommerziellen und/oder trackenden Plattformen vorzuziehen. Dies gilt im gleichen Maße für das wissenschaftliche Publizieren: Forschende können ihren Publikationsort frei wählen und sollten idealerweise dabei nicht allein etablierten Reputationsmechanismen folgen. Fragen, die man sich stellen kann, sind z.B. nicht nur die nach der Form der Lizenz (eine offene Open Access Lizenz wie CC BY), sondern auch, ob man bei rein kommerziellen Anbietern oder eben solchen mit intransparentem Tracking publizieren möchte, oder sich stattdessen für ein Diamond-Open-Access-Publikationsorgan entscheiden will.
Bibliotheken und Informationseinrichtungen können in dem Themengebiet wertvolle Aufklärungsarbeit leisten, indem sie Forschende und Studierende zu persönlichen Datenschutzaspekten und ethisch korrekter Nutzung von KI schulen, technische Tipps zum Tracking-Schutz geben und umfassende Informationsangebote, auch im Bereich des verantwortungsvollen Publizierens, anbieten. Es gilt, die Wissenschaft weiterhin für diese Thematik zu sensibilisieren und Awareness zu schaffen.
Literaturliste
Altschaffel, R., Beurskens, M., Dittmann, J., Horstmann, W., Kiltz, S., Lauer, G., Ludwig, J., Mittermaier, B., &amp; Stump, K. (2024). Datentracking und DEAL – Zu den Verhandlungen 2022/2023 und den Folgen für die wissenschaftlichen Bibliotheken. RuZ – Recht und Zugang, 5(1), 23–40. https://doi.org/10.5771/2699-1284-2024-1-23
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, German Research Foundation). (2021). Data tracking in research: Aggregation and use or sale of usage data by academic publishers. https://www.dfg.de/resource/blob/174924/d99b797724796bc1a1 37fe3d6858f3 26/datentracking-papier-en-data.pdf






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<item><title>Perspektiven der DFG auf KI und Open Access, Teil II</title><link>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-ii</link><comments>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-ii#comments</comments><pubDate>Mon, 14 Jul 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Michaela Bilic-Merdes</dc:creator><dc:creator>Sebastian Brandt</dc:creator><dc:creator>Michael Lentze</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-ii</guid><description>Teil II: Beziehungen zwischen Open Science und Künstlicher Intelligenz

Open Science und der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wissenschaft sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Hier seien zwei Aspekte genannt.

Offene Daten bilden einerseits eine wichtige Grundlage für Künstliche Intelligenz. Die jüngsten KI-Erfolge und die erheblichen Fortschritte auf diesem Feld verdanken sich zu einem nicht geringen Teil dem enormen Wachstum digitaler Datenproduktion – zweifellos nicht nur, aber auch im Forschungsumfeld. Von Open-Science-Praktiken kann die Entwicklung von KI-Modellen und -Anwendungen insofern profitieren, als aus diesen Praktiken – so lange gängige Standards gewahrt werden – qualitativ hochwertige, offen zugängliche, leicht und rechtssicher nachnutzbare Daten hervorgehen.

Ein zweiter Aspekt betrifft die Offenheit der KI-Systeme, -Modelle und -Instrumente selbst. Diese lassen sich nicht zuletzt daran unterscheiden, in welchem Maße die ihnen zugrundeliegenden Trainingsdaten, Methoden, Algorithmen usw. transparent gemacht werden. Die aktuellen Diskussionen um „vertrauenswürdige“ oder „verantwortliche“ KI stellen ganz maßgeblich auf diese Transparenz-Frage ab. Da Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Forschungsprozesses gleichzeitig zentrale Prinzipien wissenschaftlicher Integrität darstellen, setzt der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wissenschaft voraus, dass auch die Funktionsweise der verwendeten Modelle und Instrumente zumindest so weit nachvollzogen werden kann, dass gravierende Verzerrungen vermieden werden (vgl. DFG 2023). Offenheit spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Auswirkungen von KI auf das wissenschaftliche Publikationswesen

Die Nutzung von generativer KI kann sicherlich die Erstellung von wissenschaftlichen Publikationen erleichtern, sofern sie in regelhafter und verantwortungsvoller Weise vonstattengeht. Was wir allerdings auch beobachten, ist die Zunahme von fake publications, die von KI generiert werden und dann das Publikationssystem belasten. Viele Verlage bauen ihre Abteilungen zur Prüfung von Publikationen aus und setzen hierfür auch KI-Tools ein. 

Die DFG unterstützt den offenen Zugang zu den aus Forschungsvorhaben resultierenden Erkenntnissen, etwa durch Maßgaben zum Umgang mit Forschungsdaten oder Aktivitäten zur offenen Lizenzierung wissenschaftlicher Publikationen. Bei Publikationen ist wichtig, dass eine Nachnutzbarkeit sichergestellt wird, die Verwertungsrechte aber bei den Autor*innen verbleiben. Als problematisch in diesem Kontext könnten sich die Bestrebungen mancher Wissenschaftsverlage erweisen, sich KI-Nutzungsrechte an Publikationen – selbst Open-Access-Publikationen – zu sichern und hier restriktive, teils unter den gesetzlichen Erlaubnissen bleibende Einschränkungen bzw. KI-Nutzungsverbote vertraglich zu vereinbaren. Für die Wissenschaft würde dies bedeuten, dass sie entlang dieser Regelungen kein KI-Training etc. mit den von ihr selbst erstellten Publikationen durchführen darf. Dies trägt zu der bereits bestehenden asymmetrischen Machtverteilung im Publikationswesen bei und wird sich – insbesondere und gerade bedingt durch die innovativen und zukunftsformenden KI-Anwendungen und -Entwicklungen – noch stärker manifestieren. 

Eine jüngst veröffentlichte Ausschreibung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) zielt ganz direkt auf den Aufbau von Datenkorpora zum Trainieren Künstlicher Intelligenz. Während die Förderung erkenntnisgeleiteter Spitzenforschung ihre primäre Aufgabe bleibt, stärkt die DFG somit mittelbar wie unmittelbar auch die Grundlagen für künftige KI-Entwicklungen. Nur wenn auch umfassende wissenschaftliche Daten und Publikationen in KI-Ergebnisse eingehen, sind diese belastbar.
Literatur

    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2023). Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG. https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf.</description><enclosure
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<item><title>Perspektiven der DFG auf KI und Open Access, Teil I</title><link>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-i</link><comments>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-i#comments</comments><pubDate>Tue, 01 Jul 2025 12:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Michaela Bilic-Merdes</dc:creator><dc:creator>Sebastian Brandt</dc:creator><dc:creator>Michael Lentze</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/perspektiven-der-dfg-auf-ki-und-open-access-teil-i</guid><description>Welche Bedeutung haben die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz für Open Access und Open Research? Mit einer Reihe von Blogposts möchte das Projekt open-access.network jüngst aufkommenden Fragestellungen und Diskussionen rund um die Beziehung zwischen den Themenfeldern nachkommen. 

In den kommenden Wochen werden wir in dieser Reihe drei Blogposts der DFG veröffentlichen, die sich mit der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für die gute wissenschaftliche Praxis und Open Science auseinandersetzen:

    Teil I: Die Rolle Künstlicher Intelligenz in der wissenschaftlichen Praxis
    Teil II: Beziehungen zwischen Open Science und Künstlicher Intelligenz
    Teil III: Datentracking und Künstliche Intelligenz

Teil I: Die Rolle Künstlicher Intelligenz in der wissenschaftlichen Praxis

Die rasante Entwicklung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) verändert zunehmend die wissenschaftliche Praxis. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich in Stellungnahmen mit dem Einfluss dieser Technologien auf die Forschung beschäftigt. Strategisch wird die Nutzung von KI-Methoden in einer KI-Initiative gefördert: Seit 2019 gibt es eine strategische Förderinitiative, die das Forschungsfeld KI mit Ausschreibungen und anderen gezielten Maßnahmen vorantreibt. Im Zentrum steht dabei eine differenzierte Betrachtung: Die DFG erkennt große Potenziale, warnt aber zugleich vor Risiken, die gesehen werden müssen.

Die DFG sieht generative KI als hilfreiches Werkzeug, das vielfältige Prozesse im wissenschaftlichen Alltag unterstützen kann. Dazu zählen etwa Effizienzgewinne: KI kann repetitive Aufgaben wie das Zusammenfassen von Fachliteratur oder das Erstellen von Visualisierungen übernehmen und so wertvolle Zeit sparen. Auch gibt es die sprachliche Unterstützung: Gerade für Wissenschaftler*innen, die nicht auf Deutsch oder Englisch publizieren, kann KI bei der sprachlichen Ausarbeitung unterstützen. Letztlich werden neue methodische Ansätze möglich: In der Datenanalyse, Modellierung und Simulation eröffnen KI-gestützte Verfahren neue Forschungszugänge.

Neben den Chancen benennt die DFG klare Risiken und fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit generativer KI. Zum Thema Transparenz: Wer KI einsetzt, muss offenlegen, in welchem Umfang und zu welchem Zweck dies geschah. Das ist zentral für die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Ein weiteres Stichwort ist Verantwortung: Die Verantwortung für wissenschaftliche Inhalte bleibt bei den Forschenden – auch wenn Teile durch KI erstellt wurden. Autor*innenschaft ist und bleibt menschlich. Auch besteht Plagiatsgefahr: KI-Systeme könnten geschützte Inhalte unbemerkt reproduzieren. Daher ist eine kritische Prüfung auf Urheberrechtsverletzungen unerlässlich. Wir sehen Risiken beim Thema Vertraulichkeit: Besonders sensibel ist der Umgang mit vertraulichen Antragsunterlagen. In Begutachtungsverfahren der DFG ist der Einsatz generativer KI aktuell aus diesem Grund noch nicht zulässig.
Auch das Thema Qualitätssicherung ist zentral: KI-generierte Inhalte müssen fachlich überprüft, korrigiert und gegebenenfalls überarbeitet werden – ein &quot;blindes Vertrauen&quot; ist fehl am Platz.

Die DFG bewertet die Nutzung von KI derzeit neutral – entscheidend ist der Kontext und der verantwortungsvolle Umgang. KI kann eine wertvolle Hilfe sein, ersetzt aber nicht das kritische Denken, die Erfahrung und die ethische Verantwortung der Wissenschaftler*innen. Transparenz, Integrität und Qualität bleiben die Leitprinzipien wissenschaftlichen Arbeitens – auch im KI-Zeitalter.
KI-Forschung

Die DFG fördert Forschung in sämtlichen Disziplinen und in all ihren Formen. Die Förderung erfolgt wissenschaftsgeleitet, die Wahl der Forschungsgegenstände obliegt also den Wissenschaftler*innen. Angesichts der KI-Konjunktur der letzten Jahre ist es naheliegend, dass die DFG zahlreiche Vorhaben mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz finanziert. 

Spitzenforschung zu Künstlicher Intelligenz wird das KI-Wissen der Gesellschaft erweitern und uns im Umgang mit KI handlungsfähiger machen. Dies gilt nicht zuletzt in Bezug auf kritische Aspekte Künstlicher Intelligenz, sowie ihre ethischen, politischen oder gesellschaftlichen Implikationen. Kernauftrag der DFG ist die Forschungsförderung. Dennoch versucht die DFG auch im Rahmen „externer“ Wissenschaftskommunikation in größere Teile der Gesellschaft hineinzuwirken und dort das KI-Wissen zu vermehren.1 Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung können zudem auf dem Wege des Transfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft konkret zur Entwicklung KI-basierter Produkte in unterschiedlichen Sektoren beitragen.
KI und gute wissenschaftliche Praxis

Die Frage, inwieweit KI-Technologien die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis „wahren“ helfen bzw. mit ihnen übereinstimmen, ist zu eng gefasst. Vielmehr sollten wir von wechselseitigen Einflüssen ausgehen.

Auf der einen Seite entbindet der Einsatz von KI-Anwendungen Forscher*innen selbstredend nicht von der Verpflichtung auf zentrale Grundprinzipien wissenschaftlicher Integrität, wie sie etwa in den DFG-Leitlinien zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ kodifiziert sind (vgl. DFG 2025). So stellt sich in Verbindung mit der Nutzung generativer KI („Chatbots“ o. ä.) beim Abfassen wissenschaftlicher Texte etwa die Frage der Autor*innenschaft. Nach Ansicht der DFG können nur die „verantwortlich handelnden natürlichen Personen als Autorinnen und Autoren in Erscheinung treten“ (DFG 2023, S. 2).

Auf der anderen Seite ist es keineswegs undenkbar, dass die Entwicklung von KI-Technologien und deren praktischer Einsatz in der Wissenschaft ihrerseits zu einem Wandel der Standards des wissenschaftlichen Arbeitens beitragen – so wie die im Zuge des digitalen Wandels sich verändernden Arbeitsweisen in der Forschung maßgeblich zur Entstehung des aktuellen DFG-Kodexes geführt hatten (vgl. DFG 2025). Wissenschaftliche Praxis auf der einen, sowie normative Diskussionen und Regelsetzung auf der anderen Seite sind wechselseitig aufeinander bezogen.

1 Beispielsweise die Veranstaltung „Mensch und Maschine – Wie Künstliche Intelligenz uns verändert“ (26.11.2024) im Rahmen der Talkreihe „Enter Science“. DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft - Mensch und Maschine – Wie Künstliche Intelligenz uns verändert.
Literatur

    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2023). Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG. https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf.
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2025). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex (Version v3). https://doi.org/10.5281/zenodo.14281892.</description><enclosure
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<item><title>Diamond Funding Navigator: Ein neues TIB-Angebot stärkt Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Tue, 24 Jun 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 16.6.25 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen.

Ein neuer Dienst der TIB erleichtert die Finanzierung von Diamond Open Access: Der Diamond Funding Navigator, der als Betaversion bereitsteht, bündelt Informationen zu Konsortialangeboten für Diamond-Open-Access-Publikationen weltweit. Dies verhilft den Konsortialangeboten zu besserer Sichtbarkeit, und wissenschaftliche Einrichtungen gelangen leichter zu einer Entscheidung, welche Angebote sie unterstützen möchten.
Diamond Open Access gemeinsam finanzieren

Für die Finanzierung von Publikationen, die im Diamond Open Access erscheinen, erweist sich der Rückgriff auf das im Bibliotheksbereich langjährig erprobte Konsortialmodell als erfolgreich. Bei diesem Modell schließen sich wissenschaftliche Einrichtungen zusammen, um mit vergleichsweise kleinen, individuellen Beiträgen gemeinsam die Betriebskosten einer Publikation, beispielsweise einer Zeitschrift, über einen bestimmten Zeitraum zu finanzieren. Die Beiträge der Zeitschrift können somit erscheinen, ohne dass finanzielle Hürden wie Artikelbearbeitungsgebühren (APC) oder Subskriptionsgebühren entstehen. Über KOALA-Konsortien der TIB wurden beispielsweise nach diesem Modell seit 2021 bereits 13 Zeitschriften und zwei Buchreihen über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert.
Der Diamond Funding Navigator – eine kurze Vorstellung

Zur Unterstützung dieser Initiativen hat die TIB den Diamond Funding Navigator entwickelt, der ab sofort in der Betaversion der Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Diamond Funding Navigator ist ein Webdienst, der zu jedem Konsortialangebot eine Reihe von Informationen bereitstellt: Basisinformationen (wie Name, Kontaktinformationen), enthaltene Publikationen (Name, ISSN, Website), Angaben zur Finanzierungsteilnahme, dem sogenannten Pledging (Fristen, Vertragslaufzeit, teilnahmeberechtigte Institutionen) und erläuternde Informationen (zum Beispiel zur fachlichen Ausrichtung des Angebots). Daraus entsteht ein umfassendes Verzeichnis von laufenden und zurückliegenden Angeboten, das durchsucht, gefiltert und sortiert werden kann. Die Oberfläche steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Institutionenbezogene Anpassung: Publikationsoutput via OpenAlex

Institutionen, die sich über Angebote informieren möchten, können den Diamond Funding Navigator individualisieren: Nach Eingabe einer ROR ID werden institutionenspezifische Publikationsmetriken ausgegeben. So wird auf einen Blick ersichtlich, wie viele Publikationen aus einer bestimmten Institution in den letzten fünf Jahren in den Zeitschriften eines Bündels erschienen sind. Diese Zahlen werden grafisch so dargestellt, dass das Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Zeitschriften in diesem Zeitraum erschienen Beiträge erkennbar ist. Die Publikationsmetriken werden von OpenAlex abgerufen. Sie sind für alle Zeitschriften verfügbar, für die in OpenAlex aktuelle Publikationsdaten verfügbar sind.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Woher kommen die Daten zu den Konsortialangeboten?

Die im Diamond Funding Navigator enthaltenen Daten zu Konsortialangeboten müssen erfasst und im Falle von Änderungen aktuell gehalten werden. Dies können die Verantwortlichen der Angebote selbst übernehmen. Dazu erhalten sie von der TIB einen Zugang zum Backend des Diamond Funding Navigator und können dann über eine einfache Eingabemaske alle Informationen zu ihrem Angebot eintragen und speichern. Nach einer formalen Prüfung der übermittelten Daten durch die TIB wird der Eintrag freigeschaltet. Änderungen können, falls nötig, ebenfalls nach Login im Backend vorgenommen werden, beispielsweise, wenn die Pledgingphase verlängert wird.
Vielfältige Angebote, eine Anlaufstelle

Die Finanzierungsfrage ist eine der größten Hürden, vor der Diamond-Open-Access-Publikationen stehen (vgl. OA Diamond Journals Study, Part 1). Von einem breitenwirksamen Finanzierungsmechanismus für Diamond-Open-Access-Publikationen sind wir im Moment noch weit entfernt. Es ist aber davon auszugehen, dass konsortiale Modelle sich weiter etablieren. Bereits jetzt gibt es Einrichtungen, die das KOALA-Modell aufgreifen (KOALA-SLUB). Auch Drittmittelprojekte wie edu_consort_oa und OLEconsort beschreiten diesen Weg. Ein internationales Beispiel ist das OACIP-Programm des nordamerikanischen Konsortiums LYRASIS. Allerdings sind diese Angebote dezentral und verstreut; eine einfache Übersicht fehlte bisher – eine Lücke, die der Diamond Funding Navigator nun schließt.

Wir laden Sie ein, den Diamond Funding Navigator zu nutzen: Informieren Sie sich über Konsortialangebote für Diamond-Open-Access-Publikationen. Übermitteln Sie uns Informationen zu von Ihnen koordinierten Konsortialangeboten. Geben Sie uns Feedback oder melden sich mit Fragen unter: diafund@tib.eu.</description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2025: Von Best-Practices und Visionen bis zur Triage im Publikationsfonds</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds#comments</comments><pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 5.6.25 auf dem ZBW Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 DE erschienen.

Manche hätten sogar gerne noch einen Tag drangehängt: Das oa.barcamp 2025 lies Open-Access-Professionals aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einmal mehr konzentriert zusammenarbeiten. Diamond Open Access sowie die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern gehörten zu den großen Themen des Barcamps.

Das Open Access Barcamp 2025 wurde am 26. und 27. März an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts open-access.network in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative openaccess.nrw organisiert und bot eine Plattform für intensiven Austausch zu aktuellen Open-Access-Themen.

Wie im Barcamp-Format üblich, waren die Teilnehmenden aufgerufen, das Programm aktiv mitzugestalten. In mehreren parallelen Sessions wurden konkrete Problemstellungen diskutiert, Best Practices ausgetauscht und Visionen für eine offene Wissenschaft entwickelt. Die Themen reichten von Infrastrukturen für Diamond Open Access über Publikationsfondsmanagement bis hin zur Herausforderung, projektbasierte Services, Informationsportale und aufgebaute Expertise im Open-Access-Kontext nachhaltig zu verstetigen.
Diamond Open Access: Potenziale und Herausforderungen

Eine zentrale Session widmete sich dem Modell des Diamond Open Access, bei dem weder von den Autor*innen noch von den Leser*innen Gebühren erhoben werden. Es wurde intensiv diskutiert, wie Forschende für dieses Modell gewonnen werden können. Besonders betont wurde, dass politische Argumente oder technische Infrastrukturen nicht ausreichen, wenn überkommene Reputationslogiken (zum Beispiel der Impact Factor) Wissenschaftler:innen davon abhalten, möglichst offen zu publizieren. Als mögliche Lösungsansätze für dieses Problem wurde Peer-to-Peer-Beratung durch erfolgreich publizierende Forschende sowie der Aufbau von Unterstützungsstrukturen (zum Beispiel Publikationsfonds, personelle Ressourcen) genannt. Auch wurde der Aufbau einer evidenzbasierten Argumentation anhand von Zitationsvorteilen und den Vorteilen der Nutzung freier Lizenzen vorgeschlagen.
Triage in Publication Funds?

Challenges in administering open access publication funds were discussed in several sessions. Participants spoke of rising costs, tight budgets, and high administrative burden at their institutions. Strategies such as the staggered allocation of funds, the integration of third-party funds, and the introduction of transparent funding criteria (e.g. for monographs or edited volumes) were presented. The question of triage in cases where publication funds are overburdened was controversially discussed. If there are not enough funds to support all eligible publications, it will inevitably be necessary to prioritise. One suggestion was that this selection be based on science policy criteria such as the FAIR data principles.
oa.finder und Open-Access-Bücher

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern. Da zentrale Datenquellen wie die Deutsche Nationalbibliothek keine vollständige Übersicht bieten, schilderte Katja Dammann (UB Bielefeld) den aufwändigen Aufbau der oa.finder-Datenbank. Im Zusammenhang mit Open-Access-Büchern wurde die Schwierigkeit diskutiert, die Publikationspraxis im Buchbereich systematisch zu erfassen. Als Gründe hierfür wurden Transparenzprobleme bei Verlagsmodellen und das Fehlen verlässlicher, standardisierter Schnittstellen genannt.
Open Access an kleineren Einrichtungen

In einer besonders praxisnahen Session aus dem Projekt P2P.OA.HAW erarbeitete Emilia Mikautsch (Universität Konstanz) gemeinsam mit den Session-Teilnehmenden anhand von Personas die besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit Open Access, vor denen sich kleinere Einrichtungen wie Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestellt sehen. Hier wurde deutlich, dass neben begrenzten Ressourcen vor allem unklare Zuständigkeiten und mangelndes institutionelles Commitment die Open-Access-Implementierung erschweren. Peer-to-Peer-Beratung, gezielte Fördermaßnahmen und eine stärkere Vernetzung unter den Einrichtungen wurden als zentrale Lösungswege genannt.
Institutionelle Repositorien und Publikationsdienstleistungen

Ein wiederkehrendes Thema waren auch der Aufbau und die Verstetigung von Services zur Zweitveröffentlichung. Herausforderungen liegen unter anderem in der Rechtsunsicherheit vor Ort, fehlenden Workflows, dem Mehraufwand für Bibliothekspersonal und einer geringen Sensibilisierung der Forschenden für dieses Thema. Es wurde deutlich, dass hier frühzeitige Beratung, technische Unterstützung und institutionelle Rückendeckung unerlässlich sind. Als praktisches Handwerkszeug zum Ausbau institutioneller Publikationsservices stellte Doreen Rocholl (Universität Duisburg-Essen, Landesinitiative openaccess.nrw ) einen Musterentwurf für eine Autor:innen- und Herausgeber:innenvereinbarung zum Publizieren im OJS https://openjournalsystems.com/ vor und lies die Teilnehmenden der Session bei der kritischen Betrachtung jeweils die Perspektive von Autor:innen einerseits und (institutionellen) Herausgeber:innen andererseits einnehmen.
Verstetigung von open-access.network

Zum Ende des Barcamps wurde auch das nahende Ende der zweiten Förderphase des Projekts open-access.network thematisiert. Martina Benz (Universität Konstanz, open-access.network) gab einen Ausblick auf Pläne zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung unter dem Dach des in Gründung befindlichen Vereins open-access.network e. V. Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen sollen Mitglied werden können und das Informations- und Beratungsangebot gemeinschaftlich in die Zukunft tragen. Während der Session wurde die Bedeutung des Informations- und Vernetzungsportals open-access.network als zentraler Orientierungspunkt für die wachsende Community von Open-Access-Professionals hervorgehoben – insbesondere für neue Open-Access-Beauftragte und kleinere Einrichtungen, die noch dabei sind, vollumfänglich in das Thema einzusteigen.
Fazit

Das Open Access Barcamp 2025 hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen im Bereich der offenen Wissenschaft sind – und wie wichtig kollegialer Austausch, Vernetzung und strategischer Aufbau institutioneller Strukturen und Expertise sind, wenn man diesen Herausforderungen adäquat begegnen will. Besonders die Sessions zu Diamond Open Access und zu den strukturellen Bedingungen an kleineren Einrichtungen machten deutlich: Open Access braucht mehr als nur Appelle und Überzeugung – es braucht politische Unterstützung, Ressourcen und praxisnahe Werkzeuge.</description><enclosure
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<item><title>Diamond Open Access: Perspektiven aus verschiedenen Forschungsbereichen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen#comments</comments><pubDate>Mon, 02 Jun 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Monica B. Berdugo</dc:creator><dc:creator>Dominik Endres</dc:creator><dc:creator>Konrad Hierasimowicz</dc:creator><dc:creator>Andreas Jansen</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Lydia Riedl</dc:creator><dc:creator>Kathrin Siebold</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</guid><description>Diamond Open Access (DOA) verspricht echte Zugänglichkeit, wo Gold Open Access oft neue Hürden schafft. In diesem Beitrag teilen Forschende aus verschiedenen Disziplinen ihre Perspektiven auf Open Access mit den Schwerpunkten Kommerzialisierung, Wissenschaftsbewertung und Publikationsdiversität.

In der Biologie und Neurowissenschaft sehen wir die Idee von DOA durchaus positiv, wenn es in unseren Wissenschaften auch selten als Publikationsmodell begriffen oder noch seltener “diamond” genannt wird. Der Grundgedanke vieler Forschender aber deckt sich mit DOA: Wir brauchen freien Zugang zu Forschungsergebnissen und Daten, um Forschung schneller voranzutreiben und, was wichtig ist, transparente Wissenschaft in die Diskussionen und Maßnahmen einzubringen, um globale Herausforderungen rechtzeitig zu bewältigen. Besonders Open Data und Open Methods auf der Basis von Open Source Software sind essentiell, um Ergebnisse reproduzierbar zu machen, um zum Handeln beizutragen und drängende Herausforderungen, wie den globalen Wandel anzugehen. Reproduzierbarkeit ist eine der Hauptherausforderungen in unseren Wissenschaften, wie die sogenannte “Reproducibility Crisis” (Baker, 20161) deutlich gemacht hat. Dafür brauchen wir offene Plattformen, auf denen Daten, Materialien und zunehmend auch Methoden, Software und Code frei und offen geteilt werden können. Allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierung: Viele dieser Plattformen sind auf Drittmittel angewiesen. Was passiert, wenn diese auslaufen? Außerdem entwickeln sich die ohnehin oft bereits komplexen Methoden schnell weiter, sodass das Capacity Building unter den Forschenden eine Herausforderung ist. Um die Komplexität adäquat zu adressieren, müssen wir zunehmend interdisziplinär kooperieren (z.B. in Core Units), auch und insbesondere mit Kolleg*innen aus der Infrastruktur und in Brückenbereichen (z.B. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers), um unsere Forschung nachhaltig und zukunftsfähig entwickeln zu können. An diesen Schnittstellen mangelt es aktuell jedoch (an den meisten Einrichtungen in Deutschland und in ganzen Regionen in Entwicklungsländern).

In den Geisteswissenschaften, insbesondere in kleinen Fächern wie der Medienwissenschaft oder Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) ist die Lage komplexer. Während DOA teilweise essentiell ist, um durch erweiterte Partizipationsmöglichkeiten insbesondere kleinere Fächer weiterzuentwickeln, gibt es gleichzeitig Sorgen, dass die naturgemäß kleineren Fachjournals finanziell nicht überleben können. Ohne institutionelle Unterstützung ist DOA schwer tragfähig. Neben der Finanzierung gibt es weitere Herausforderungen, gerade für kleinere Journals: Wer übernimmt das Lektorat, die redaktionelle Betreuung und die Textherstellung, wenn keine (großen) Verlage mehr dahinterstehen? Diese Herausforderung betrifft insbesondere Journals, die scholar-led betrieben werden und für die es oftmals noch keine verlässlichen und nachhaltigen Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten gibt. Dies gilt auch für geisteswissenschaftliche Fächer, in denen DOA schon aktiv praktiziert wird, wie der Medienwissenschaft. Darüber hinaus sind digitale Publikationsformen, die über den klassischen Artikel hinausgehen, aber in den Geisteswissenschaften eine große Bedeutung haben (sowohl Monografie, aber auch Video-, Audioformate oder Bilder), in DOA-Modellen oft noch nicht ausreichend etabliert. Wir brauchen daher mehr Flexibilität für digitale Editionen und multimodale Forschungsoutputs.

In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind Ansätze wie DOA-Publikationsmodelle und Transparenz durch offene Daten und Methoden unverzichtbar. So fordert die Declaration of Helsinki beispielsweise bei der Durchführung klinischer Studien eine Präregistrierung, also eine Offenlegung der geplanten Projektdurchführung und Datenanalyse. Dies trägt auch dazu bei, eine insbesondere in klinischen Studien ethisch unverzichtbare Reproduzierbarkeit zu ermöglichen. In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind die Möglichkeiten von DOA von besonderer gesellschaftlicher Relevanz - da diese Forschung alle Mitglieder der Gesellschaft betrifft, sollten auch alle unabhängig von finanziellen Möglichkeiten an dieser Forschung partizipieren können. Doch aktuell ist auch DOA teilweise exklusiv angelegt: Wenn die Nutzung von DOA-Plattformen beispielsweise an eine bestimmte institutionelle Zugehörigkeit geknüpft ist, stehen institutionsübergreifende Teams oder Forschende ohne die „richtige“ Affiliation vor neuen Hürden.

In der Ökologie erschweren die zunehmende Komplexität und das Volumen der vielfältigen Daten, die diese Wissenschaft integrieren will, den Übergang zu Open Science. Rohdaten bilden die Grundlage der Naturwissenschaften, jedoch sind die meisten Forschenden nicht besonders daran interessiert, Anträge oder Daten offenzulegen. Obwohl der Widerstand gegen Vorabdrucke geringer wird, besteht das letztendliche Ziel darin, Arbeiten in ihrer traditionellen Form zu veröffentlichen. Diese Tatsachen verzögern einen umfassenden Übergang zu Open-Science-Praktiken zusätzlich. Da DOA weder bei Nutzenden noch bei Herausgebenden gut etabliert ist, werden viele DOA-Publikationen selbst von jungen Forschenden noch immer übersehen.

Eine zentrale Herausforderung in allen unseren Fächern bleibt die Anerkennung von DOA-Publikationen. Noch immer dominiert die bibliometrische Messung wissenschaftlicher Leistung anhand von Impact Factors und Zitationsraten. Im Zusammenwirken mit dem Zwang zu “publish or perish” stellen traditionelle Textpublikationen (über meist kommerzielle, finanzstarke Verlagshäuser) immer noch die “Währung” in der Wissenschaft dar. DOA könnte dazu beitragen, alternative (qualitative) Bewertungsmaßstäbe zu etablieren, die wir -auch vor dem Hintergrund von Textproduktion durch generative KI- dringend benötigen: Wir sollten Forschungsleistung nicht nur an Publikationszahlen messen, sondern auch an der Qualität und Nachnutzbarkeit der Daten und Methoden, wie es CoARA fordert. Wir brauchen neue Metriken, die digitale Editionen und Forschungssoftware berücksichtigen und Incentives für die wissenschaftliche Karriere, die die Qualität des gesamten Forschungskreislaufs berücksichtigen anstatt einseitig die Quantität und (Pseudo-)Qualität der reinen Ergebnisdarstellungen zu bevorzugen.
Call to Action

Eine gelebte Openness muss unserer Überzeugung nach beim Publizieren ansetzen und gleichzeitig dessen Situiertheit im Gesamtsystem Open Science anerkennen.

DOA ist ein zentraler  Baustein im größeren Prozess der Transformation hin zu Open Science. Wir regen an, DOA als einen neuen Maßstab in der Wissenschaft zu etablieren. Dazu brauchen wir:

    die flächendeckende Einführung von Schnittstellen zwischen Forschung und Infrastruktur (wie bspw. Core Units) sowie die Einbeziehung neuer Expert*innen (bspw. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers) in die Forschungsprojekte
    eine Verstetigung und Öffnung der vorhandenen Infrastrukturen (ein wissenschaftliches „think global, act local“)
    ein konsequentes Umsetzen nachhaltiger Incentives in Rekrutierungs- und Vergabeverfahren von Fördermitteln, die die Qualität des gesamten Forschungszyklus anerkennen
    aktive Budgetierung von Ressourcen (Zeit, Personal, Infrastruktur), um den Übergang zu Open Science als fester Bestandteil der Wissenschaft zu erreichen - dabei kommt den Förderinstitutionen eine entscheidende Rolle zu
    eine fachspezifisch ausgerichtete und nachhaltige Förderung von Periodika, die Faktoren wie scholar-led Publishing verstärkt berücksichtigt
     

DOA kann seine Rolle als gerechte Alternative im wissenschaftlichen Publikationswesen nur dann voll entfalten, wenn diese Veränderungen konsequent vorangetrieben werden. Zahlreiche Forschende wie wir engagieren sich bereits aktiv in diesem Transformationsprozess: Sowohl in institutionellen Strukturen, die beispielsweise an der Philipps-Universität Marburg durch neue Schnittstellen zwischen dem Team „Forschungsnahe E-Dienstleistungen“ und dem neurowissenschaftlichen Forschungscluster TAM2 DataHub, verschiedenen NFDI-Konsortien oder dem FID Media3 weiterentwickelt werden, als auch in freiwilligen Initiativen wie FORRT, GRN, deRSE oder lokalen Grassroots-Bewegungen. Wir sind bereit, gemeinsam eine offene und nachhaltige Wissenschaftskultur zu gestalten, deren Basis nach wie vor das Publizieren ist.

1 Baker, M. (2016). 1,500 scientists lift the lid on reproducibility. Nature, 533(7604), 452–454. https://doi.org/10.1038/533452a
2 TAM = “The Adaptive Mind”: neurowissenschaftliches Forschungscluster.
3 FID Media = “Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaften”.</description><enclosure
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<item><title>Ein kritischer Blick auf die Open-Access-Transformation. Die Veranstaltungsreihe Open Divide</title><link>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide#comments</comments><pubDate>Tue, 20 May 2025 11:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Ulrich Herb</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</guid><description>Open Divide, Critical Studies on Open Access1 lautete der Titel eines Sammelbandes, den Ulrich Herb (Universität Saarland) gemeinsam mit seinem Kollegen Joachim Schöpfel (Universität Lille) 2018 herausbrachte. Sieben Jahre später unternehmen die ehemaligen Herausgeber nun zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg) wieder eine kritische Bestandsaufnahme.

In der Veranstaltungsreihe Open Divide 2025/2026 werfen internationale Expert*innen einen kritischen Blick auf den Stand der Open-Access-Transformation und aktuelle Debatten um Open Science. Der oa.blog hat dem Veranstalter Ulrich Herb (UH) einige Fragen gestellt.

oa.blog: Herr Herb, wer sind die Organisierenden der Veranstaltungsreihe und was hat den Ausschlag gegeben, diese Veranstaltungsreihe zu organisieren?

UH: Joachim Schöpfel (Universität Lille) und ich (Universität Saarland) als Herausgeber des Sammelbandes 2018 zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg). Profan kam der Impuls auf, als Niels und ich uns bei einem Austausch in Saar-Lux-Lorraine trafen und darüber sprachen, dass ein Update sinnvoll wäre, da sich ja doch viel getan hat.
2018 glaubten viele - wir nicht - an Transformationsverträge, heute ist Diamond Open Access der Champion, während die Vormacht kommerzieller Akteure zementierter ist. Schattenbibliotheken haben angesichts dessen eine Bedeutung, die Bibliotheken herausfordern.

oa.blog: An wen richtet sich die Veranstaltungsreihe?

UH: Knapp gesagt, an alle, die sich dafür interessieren: Wissenschaftler*innen, die zu Scholarly Communication und Open Access forschen, aber auch Kolleg*innen, die Open Access Services betreiben, alle, die an einer kritischen Reflexion der Entwicklung von Open Access interessiert sind und nicht damit zufrieden sind, nur Policy Paper zu rezitieren.
Wie auch 2018 wollen wir kein geschlossenes Weltbild transportieren, sondern der Widersprüchlichkeit von Open Access versuchen gerecht zu werden. So wollen wir sowohl erkenntnistheoretische als auch wettbewerbswirtschaftliche Analysen erlauben, die sich sehr gern fundamental widersprechen dürfen.

oa.blog: Welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

UH: Ebenso wie 2018 beschäftigen uns die Rollen der Bibliotheken, die Frage, wie offen und transparent Open Access ist und welche Rolle der globale Süden in der Umsetzung von Open Access und Open Science spielt. Neu behandelt wird das Thema Nachhaltigkeit von Open Access, die finanzielle Verwertung wissenschaftlicher Publikationen, kommerzieller Wettbewerb versus Steuerung durch Infrastruktureinrichtungen, Skalierung von (Diamond) Open Access, die Rolle von Schattenbibliotheken und die Frage der Ausbeutung akademischen Arbeitens in der Wissenschaftskommunikation.

oa.blog: Gibt es wichtige Unterschiede zur Anthologie von 2018 und wenn ja, welche sind das?

UH: Aufgrund der Entwicklung und des Standes der Diskussion sind die Themen Diamond Open Access und die Rolle der kommerziellen Akteure im Open Access wichtiger geworden. Außerdem konnten wir zahlreiche neue Beitragende gewinnen: Nur drei Autor*innen von zwei Artikeln, die bereits 2018 dabei waren, sind diesmal erneut unter den Vortragenden.
Gleich ist, dass auch dieses Mal wieder ein Sammelband geplant ist, der 2026 im Diamond Open Access an der Universität Luxemburg erscheinen soll. Alle Vorträge werden aufgezeichnet und über das TIB-AV Portal publiziert.

oa.blog: Vielen Dank!

Die Veranstaltungsreihe Open Divide läuft bereits seit Ende April 2025 und wird bis März 2026 fortgesetzt. Das umfangreiche Programm und die Links zur Anmeldung finden Sie unter: opendivide.hypotheses.org/open-divide-2025-2026-speakers-and-topics.

Die nächste Veranstaltung findet am 28.05.2025 um 17 Uhr statt.
Vortragende sind Thomas Parisot (Directeur Général Adjoint Cairn.info, France) und Yann Mahé (Managing Director at MyScience Work, France).
Thema:Open Science and the Information Industry. French Debates and Insights (Registrierung)

Info: Das Interview führte für den oa.blog Martina Benz.

1 Die Beiträge des Bandes sind beinahe vollständig Open Access verfügbar.</description><enclosure
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<item><title>ORKG Ask – KI auf der Suche nach Antworten in Open Access Artikeln</title><link>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln</link><comments>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln#comments</comments><pubDate>Tue, 06 May 2025 09:50:55 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Anna-Lena Lorenz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/orkg-ask-ki-auf-der-suche-nach-antworten-in-open-access-artikeln</guid><description>Die Suche nach Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. KI-basierte Systeme können hier Abhilfe schaffen. Das Wissen, auf das sie dabei zurückgreifen, sollte frei verfügbar sein.

Jedes Jahr erscheinen mehrere Millionen neue Forschungsbeiträge. In dieser Flut an Publikationen fällt es Forschenden zunehmend schwer, den Überblick zu behalten. Gesucht werden Antworten auf Forschungsfragen, doch traditionelle Suchsysteme liefern nur eine Auflistung möglicherweise relevanter Dokumente. Immer mehr Forschende und Studierende setzten daher bei der Beantwortung von Forschungsfragen auf KI-Systeme, spezifisch solche, die auf großen Sprachmodellen basieren.

Doch eine naive Anwendung von beispielsweise ChatGPT führt oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Quellen fehlen häufig, werden falsch verwendet oder sind sogar vollständig erfunden. Auch das von Meta spezifisch für die Wissenschaft entwickelte Modell „Galactica“ überstand gerade mal drei Tage, ehe es aufgrund von Falschaussagen deaktiviert wurde.1 Das liegt daran, dass Sprachmodelle kein echtes Verständnis für das Wissen, das zur Beantwortung einer Forschungsfrage benötigt wird, entwickeln, sondern lediglich auf Basis von wahrscheinlichen Wortabfolgen antworten. Dieser Ansatz funktioniert gut für Fragen des Allgemeinwissens, da diese inklusive der zugehörigen Antworten vielfach in den Trainingsdaten dieser Sprachmodelle vorkommen. Wissenschaftliche Themen, die hingegen deutlich seltener diskutiert werden und zudem höheren Anforderungen an Präzision und Detailgrad gerecht werden müssen, können jedoch nicht vollumfassend abgedeckt werden, wenn man sich lediglich auf die Antwort eines Modells ohne weitere Informationsquellen verlässt.

Der nächste Schritt ist also, zur Generierung der Antworten zusätzliche Informationsquellen anzuzapfen. Für die Wissenschaft sind dies Publikationen. Dieses Verfahren heißt Retrieval-Augmented-Generation. Dabei wird zunächst gezielt Wissen aus konkreten Quellen abgerufen (retrieval), bevor ein Sprachmodell aus diesen Informationen eine Antwort formuliert (generation). Das unterscheidet sich fundamental von der reinen Textgenerierung großer Sprachmodelle, bei denen nicht klar ist, woher die Informationen stammen.

Der von der TIB entwickelte KI-Assistent ORKG Ask ermittelt seine Antwort auf Basis veröffentlichter Artikel. Nachdem Forschende ihre Frage eingegeben haben, werden zunächst über eine semantische Suche die relevantesten fünf der knapp 80 Millionen enthaltenen Publikationen bestimmt. So ist sichergestellt, dass nur tatsächlich existierende Quellen herangezogen werden. Erst dann wird ein Sprachmodell herangezogen, um Antworten aus diesen fünf Artikeln dieser Auswahl zu extrahieren. Daraus werden eine Kurzantwort in etwa 3-5 Sätzen sowie eine detaillierte tabellarische Übersicht über die Inhalte und Antworten der einzelnen Veröffentlichungen erstellt. Bei Bedarf können mehr Publikationen geladen sowie weitere Details zur Tabelle hinzugefügt werden.

Während die Bewertung der Relevanz zunächst nur nach inhaltlicher Übereinstimmung erfolgt, können Nutzende anschließend nach weiteren Eigenschaften wie beispielsweise der Anzahl der Zitierungen, bestimmten Autor*innen oder dem Erscheinungsjahr filtern.
Screenshot der Antwortseite von ORKG ask
Die Antwortseite von ORKG Ask

Als Datengrundlage für ORKG Ask dient das CORE-Dataset, die weltweit größte Sammlung an Open-Access-Artikeln. Der Datensatz enthält die Abstracts von knapp 80 Millionen Artikeln, bei knapp 20 Millionen davon liegen ebenfalls Volltexte vor. Durch die Verwendung von Open Access entstehen keine rechtlichen Probleme. Hingegen ist die Rechtslage bei Closed-Access-Artikeln nicht abschließend geklärt. Zwar werden die Artikel in ORKG Ask nicht dazu genutzt, das Modell weiter zu trainieren, doch befindet sich auch das Extrahieren von Informationen in einer Grauzone. Lizenzen und Vorgaben der Verlage müssten im Einzelnen geprüft werden. Durch die Beschränkung auf Open Access fallen diese Hindernisse weg.

Im Zuge der rasanten Entwicklungen im Bereich generativer KI werden in sämtlichen Bereichen Fragen des Copyrights, des Datenschutzes und der Datenethik neu diskutiert. Besonders in der Wissenschaft spielen auch Transparenz und Reproduzierbarkeit von KI-generierten Ergebnissen eine große Rolle. Ein Frage-Antwort-System sollte kein verstärkender Faktor der Reproduzierbarkeitskrise2 werden. Deswegen setzt die TIB bei der Entwicklung des ORKG Ask auf Openness. Nicht nur Ask‘s Quellcode ist Open Source, sondern auch sämtliche verwendeten Dritttechnologien. Als Sprachmodell kommt das in der EU entwickelte offene Modell Mistral zum Einsatz. Sämtliche Prompts, die das System zur Abfrage von Informationen durch das Sprachmodell nutzt, können von Nutzenden eingesehen werden. Auch ist deutlich gekennzeichnet, welcher Kontext (Abstract oder Volltext) herangezogen wird, um die präsentierte Information zu gewinnen. Ebenso können sämtliche verwendete technische Parameter, die dem Modell übergeben werden, wie beispielsweise der Seed, der den Zufallsprozess reproduzierbar macht, ausgelesen werden.

Wie bei jedem Einsatz von großen Sprachmodellen besteht zwar die Gefahr von Halluzinationen in den einzelnen Spalten der Antworttabelle oder in der Kurzzusammenfassung, jedoch existieren alle angezeigten Artikel wirklich. Nutzende werden dazu aufgefordert, gegebene Antworten zu verifizieren, indem sie den Originalartikel lesen. Auch hier ist von Vorteil, dass es sich im Datensatz um Open-Access-Veröffentlichungen handelt.

Als Service der TIB ist ORKG Ask nicht-kommerziell und steht kostenfrei und ohne Anmeldung zur Verfügung. Derzeit wird an einer mehrsprachigen Ausgabe und an einer Anpassung an das individuelle Vorwissen der Nutzenden gearbeitet. So kann Ask in Zukunft nicht nur Fragen von Forschenden, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit beantworten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass KI-Systeme für die Wissenschaft nicht nur maßgeblich von der Open-Access-Bewegung profitieren, sondern auch selbst so offen wie möglich sein sollten, um durch Transparenz und Reproduzierbarkeit das Vertrauen in die KI-generierten Antworten zu stärken. Open Access schafft dabei nicht nur rechtliche Gewissheit, sondern erleichtert auch die kollaborative Bewertung und Einordnung der generierten Antworten durch Forschende. Nur wenn die verwendeten Daten offen einsehbar sind, können Aussagen von KI-Systemen geprüft, Fehler gefunden und Antworten verbessert werden. So tragen Open-Access-Artikel wesentlich dazu bei, KI-Systeme vertrauenswürdiger zu gestalten und Falschinformationen zu beheben.

1 https://www.technologyreview.com/2022/11/18/1063487/meta-large-language-model-ai-only-survived-three-days-gpt-3-science/
2 Die Reproduzierbarkeitskrise bezeichnet das Problem, dass viele wissenschaftliche Studien nicht zuverlässig durch andere Forschende wiederholt bzw. Ergebnisse nicht bestätigt werden können. Gründe hierfür sind unter Anderem methodische Schwächen, eine unzureichende Dokumentation der Arbeit und fehlende Transparenz.</description><enclosure
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<item><title>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity</title><link>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</link><comments>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity#comments</comments><pubDate>Wed, 02 Apr 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Repositorium</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Karin Langenkamp</dc:creator><dc:creator>Kai Lohsträter</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Robina Mohammad</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Christian Woll</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</guid><description>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity
Fachrepositorien sind ein fester Bestandteil der Open-Access-Infrastruktur. Vor welchen Herausforderungen stehen sie aktuell? Dies erörterten Fachrepositorienbetreiber*innen auf den letzten Open-Access-Tagen in einem Workshop. Impulse kamen aus dem Projekt Pro OAR DE und der Allianz-Studie “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”

Der Workshop „Fachliche Repositorien zwischen technisch-organisatorischer Professionalisierung und Vernetzung mit ihren Forschungscommunities“ wurde auf Initiative von Teilnehmenden der digitalen Fokusgruppe „Fachrepositorien“, die sich im Mai 2022 konstituierte, konzipiert. Bei den etwa alle zwei Monate stattfindenden virtuellen Treffen kommen Betreiber*innen von Fachrepositorien zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Vorhaben zu planen. Bei einem dieser Treffen entstand nach dem Call for Paper zu den Open Access Tagen 2024 die Idee, einen Workshop einzureichen. Dieser sollte auf der Grundlage von Erkenntnissen aus neueren Studien wie dem COAR Repository Survey (Shearer et al., 2023) und der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024) einen Gesprächs- und Diskussionsraum für den Austausch zu Best Practices für die Weiterentwicklung von fachlichen (und institutionellen) Repositorien schaffen. Zu diesem Zweck sollten mehrere thematische Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Themenpalette reichte von der „Vernetzung mit der disziplinären Forschungscommunity“ über „Hosting und Software“ sowie „Governancefragen“ bis hin zu „Metadaten und Workflows“. Die Auswahl der Themen für die Arbeit in verteilten Arbeitsgruppen erfolgte zu Beginn des Workshops durch die insgesamt 16 Teilnehmenden selbst. Per Mentimeter-Abstimmung wurden die drei beliebtesten Themen ermittelt und im Anschluss daran Kleinarbeitsgruppen gebildet, die jeweils von zwei Moderator*innen begleitet wurden. Methodisch-didaktisch wurden Pinnwände und Moderationskarten genutzt, die thematisch geclustert und per Fotodokumentation gesichert wurden. Die wichtigsten Ergebnisse aus den drei Arbeitsgruppen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Zu Beginn werden zentrale Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „PRO OAR DE inkl. COAR Repository Survey“ (Marcel Wrzesinski) und der „Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen“ (Olaf Siegert) dargestellt.
Fachliche Open-Access-Repositorien. Impuls aus dem Projekt‚ Pro OAR DE
Marcel Wrzesinski stellte zu Beginn seines Vortrags das Projekt „Professionalisierung der Open-Access-Repositorien-Infrastruktur in Deutschland (Pro OAR DE)“ am Lehrstuhl Information Management des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU Berlin vor. Das Projekt hat den Anspruch, Repositorien kollaborativ zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen einer Interview-Studie und einer Systematic Scoping Review werden zentrale Herausforderungen für Repositorien in Deutschland identifiziert. In den anschließenden Vernetzungsforen und durch praxisnahe Handreichungen soll den Herausforderungen begegnet werden. Die ersten Projektergebnisse hierzu werden derzeit veröffentlicht.
Um die gegenwärtigen Herausforderungen und Weiterentwicklungschancen für Repositorien zu verstehen, ist die Studie „     Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe“ (     Shearer et al., 2023) von großer Bedeutung. Im Vortrag wurde auf die Rahmenbedingungen der Studie eingegangen. Als zentrale Herausforderungen wurden benannt:
●	Nachhaltiges Betreiben einer aktuellen, bedarfsgerechten und funktionalen Softwareplattform für Repositorien
●	Anwendung von konsistenten und umfassenden „Good Practice“ für Metadaten, Archivierung und Nutzungsstatistiken
●	Sichtbarkeit für Repositorien und deren Services innerhalb des wissenschaftlichen Ökosystems
An diesen Herausforderungen zeigt sich, dass die weitere Professionalisierung und Entwicklung von Repositorien eine komplexe Gemengelage darstellen. Daran anschließend benannte Marcel Wrzesinski drei zentrale Aktionsfelder, um die Transformation von Repositorien hin zu innovativen Informationsinfrastrukturen mit breitem Aufgabenspektrum zu begleiten:
●	Kommunikation: Mehrwerte und Relevanz von Repositorien transdisziplinär hervorheben
●	Aufbauarbeit: Identifikation und Verbreitung von Better Practices für die Repositorienarbeit
●	Vernetzung: Aufbau und Weiterentwicklung von Netzwerken zum Austausch und zur Qualitätssteigerung
Die Allianz-Studie „Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”
 
Der Vortrag von Olaf Siegert beschäftigte sich mit der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024), die im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil der Open-Access-Strategie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und unternimmt erstmals eine Kartierung von Open-Access-Diensten und -infrastrukturen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Deutschland. Wichtiger Teil der untersuchten Dienste waren dabei auch fachliche Repositorien. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
●	Die OA-Infrastrukturlandschaft ist sehr vielfältig und dezentral.
●	Die meisten Dienste werden nur mit wenigen Personen betreut und haben ein Gesamtbudget pro Jahr von deutlich unter 500.000 Euro.
●	Die Betreuung und Finanzierung der Dienste erfolgt meist komplett über die Hosting-Einrichtung.
●	Das Nutzungsverhalten ist je nach Fach sehr unterschiedlich, nationale nicht-kommerzielle Dienste gibt es v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
●	Forschende haben oftmals zu wenig Überblick über die für sie relevanten Services bzw. bevorzugen reputationsfördernden Infrastrukturen.
●	Die Budgets der Infrastrukturen reichen in der Regel nur für den Basisbetrieb, nicht aber für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
 
Die Allianz empfiehlt vor diesem Hintergrund:
●	Infrastrukturen müssen hochprofessionell betrieben und genutzt werden können. Die nötige Finanzierung sollte nicht nur den Basisbetrieb aufrechterhalten, sondern auch Investitionen ermöglichen.
●	Dazu ist eine dauerhafte Finanzierung abseits der Hosting-Einrichtung notwendig – etwa in Form von Ko-Finanzierungs- oder Mitgliedschaftsmodellen (vgl. arXiv oder SCOSS). Die aktuelle Entwicklung von Bibliotheken hin zu Informationsbudgets erleichtert ihnen die Unterstützung solcher Ko-Finanzierungsmodelle.
●	Die Infrastrukturen müssen ihre Marketinganstrengungen deutlich ausbauen und sich stärker mit den Forschenden vernetzen. Dazu bedarf es disziplinspezifischer Ansätze.
●	Flankierend ist in vielen Fächern eine Änderung der Bewertungspraxis von Publikationen notwendig (vgl. DORA / CoARA).

Berichte der Arbeitsergebnisse aus dem Workshop

In der Arbeitsgruppe „Metadaten und Nutzer*innenzentrierte Workflows“ kristallisierten sich die Themenkomplexe Plattform und Persistent Identifier (PID) als wesentliche Diskussionspunkte heraus. Andere workflow-relevante Themenbereiche wie Erschließung, Automatisierung oder Dublettenkontrolle wurden zwar behandelt, spielten aber gegenüber den anderen eine untergeordnete Rolle. Bei den Plattformen wurden insbesondere veraltete Software sowie die Gestaltung der Interoperabilität als Herausforderung wahrgenommen. Als intensivster Diskussionspunkt erwiesen sich die PIDs, die v.a. im Kontext der Vernetzung und Semantisierung genutzt werden. Allen voran nahm ORCID eine zentrale Position ein, zugleich wurde aber dessen teilweise zu geringe Verbreitung als Problem identifiziert.

In der Arbeitsgruppe zu „Hosting-, Software- und Technikfragen“ bestätigte sich ein Kernergebnis der Allianz-Studie, nämlich die Heterogenität der Open-Access-Infrastrukturlandschaft, auf der u. a. auch die Fachrepositorien in Deutschland basieren. Neben DSpace als der wahrscheinlich verbreitetsten Software mit internationaler Entwickler- und Anwendercommunity sowie kommerziellen Support-Anbietern berichteten die Teilnehmenden vom Betrieb von Fedora Repository sowie den deutschen Entwicklungen OPUS, MyCore und Kitodo.Publication bzw. Kitodo.Presentation (mittels TYPO3). Unterstrichen wurde das Bild der Vielfältigkeit in den Berichten dadurch, dass die Systeme teilweise stark an die individuellen Bedarfe angepasst wurden/werden und für unterschiedliche Anwendungszwecke genutzt werden, also neben dem Betrieb von Fachrepositorien z. B. auch für institutionelle oder Sammlungsrepositorien (Multi-Mandantenbetrieb).
Im Gespräch stellte sich gleichwohl bei allen infrastrukturellen Divergenzen heraus, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Systeme arbeiten. Als zentrale Aspekte kamen hierbei zum einen die Interoperabilität zum besseren Daten-Im- und -export (Schnittstellen, PIDs, Open Source), zum anderen die Standardisierung zur einfacheren Umsetzung von Neuerungen bzw. zur Reduzierung des technischen Pflegeaufwandes zur Sprache.
Hintergründe dessen sind Ähnlichkeiten auch bei den Herausforderungen. Neben den kürzer werdenden Support-Zeiträumen (z. B. PHP, TYPO3) und Schwierigkeiten bei Updates durch System-Individualisierungen (‚verwilderter‘ Code) gibt es allenthalben strukturell-organisatorische Problemstellen: komplizierte Rekrutierung von Fachpersonal, generell geringe Personalressourcen, Unter- und/oder zeitlich befristete Finanzierung. Das erschwert die übergreifend als dringend angesehene Neuausrichtung der Infrastruktur – die Weiterentwicklung im Sinne der Next Generation Repositories-Initiative von COAR und mit Blick auf die rasante Entfaltung der KI-Technologien.

Die „Vernetzung mit der Fachcommunity“ des jeweiligen Fachrepositoriums stellt sich unterschiedlich dar – es bestehen langjährige, meist etablierte Fachrepositorien sowie neu gegründete, die sich in der Community, aber auch an ihrer Hosting-Institution, ihre Position und ihr Renommee erst erarbeiten müssen. Durch die karrierebedingten Wechsel an den Wissenschaftseinrichtungen empfinden einige Betreiber*innen die Kommunikation der Dienstleistungen und Workflows als Marathon bzw. Sisyphusarbeit. Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe lag daher nicht auf der Beschreibung des IST-Zustandes, sondern auf dem SOLL und den Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Es wurde diskutiert, welche Beratungsleistungen erbracht und welche Open-Access-Infrastrukturen den Communities bekannt sein sollten. Dabei sollte beachtet werden, welche Kommunikationskanäle zu welchem Zweck genutzt werden könnten: fach-, einrichtungs- oder personenfokussierte Kanäle? Ein Fazit: Bei der personenfokussierten Kommunikation muss beachtet werden, auf welcher Karrierestufe die Forschenden stehen und welche (Un-)Kenntnisse diese über Open Access besitzen. Als wichtigste Voraussetzungen wurden gesehen, die Kommunikation in die Gesamtdiskussion um die Digitalisierung der Forschung einzubetten sowie sich bei der Community für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.

Fazit zum Workshop 
Das Workshop-Team der Fokusgruppe Fachrepositorien zieht ein sehr positives Fazit. Der fachliche Austausch in den drei Arbeitsgruppen war sehr lebendig und fruchtbar. Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtung, Größe und institutionellen Anbindung der Repositorien konnten viele Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Zudem bestätigten sich die in der Allianz-Studie festgestellten Ergebnisse auch als die zentralen Herausforderungen, die in den Kleingruppen thematisiert wurden. 
Darüber hinaus konnten im Workshop sicherlich einige neue Kontakte geknüpft werden, die idealerweise dabei helfen, die anstehenden kleineren und größeren Herausforderungen der Zukunft durch einen noch stärkeren Austausch, gegenseitige Unterstützung und vielleicht sogar gemeinsame Projekte besser bewältigen zu können.

Literatur
●	Shearer, K., Nakano Koga, S. M., Rodrigues, E., Manola, N., Pronk, M., &amp; Proudman, V. (2023). Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10255559
●	Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2024). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
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<item><title>International Insights into Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 26 Mar 2025 15:12:04 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</guid><description>Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.

Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.
Diamond Open Access in Lateinamerika: Herausforderungen und Perspektiven

Als erstes präsentierte Fernanda Beigel ihre Aktivitäten und Erfahrungen in der lateinamerikanischen Open Science Community. Sie forscht am Nationalen Rat für Wissenschaftliche und Technische Forschung CONICET, Argentinien, und ist Direktorin des Forschungszentrums für die Zirkulation von Wissen (CECIC, mit Sitz an der Nationalen Universität Cuyo, Argentinien). Sie beteiligt sich zudem an internationalen Projekten und Initiativen, beispielsweise an der Ausarbeitung der Empfehlung für Open Science der UNESCO, die laut Fernanda Beigel ein besonderes Augenmerk auf die Werte „Openness“ und „Inclusiveness“ legt.

Fernanda Beigel betonte die Stellung von Open Access als am weitesten fortgeschrittenen Aspekt des Open-Science-Gedankens. Allerdings müsse als strukturelles Problem festgestellt werden, dass sich Open Access von Beginn an in einem bereits kommerziell ausgerichteten und organisierten Publikationssystem bewege und deshalb der Open-Science-Gedanke nur schwer vollständig umgesetzt werden könne. So seien ganz konkret in Argentinien vermehrt unerfreuliche Tendenzen zurück zu Closed Access zu beobachten. Der Grund hierfür liegt in den teuren Publikationsgebühren (APCs), die für die Veröffentlichung in kommerziellen Zeitschriften anfallen. Viele Angehörige finanzschwächerer Institutionen können sich diese nicht leisten, weshalb sie sich gezwungen sehen, im Closed Access in Zeitschriften mit Subskriptionsgebühren zu publizieren. Auch weitere bekannte Faktoren wie das Renommee von Zeitschriften würden bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen. Daher seien Closed- Access-Publikationsorgane inzwischen wieder eine zunehmend attraktive Option.

Aus diesem Grund ist eine vermehrte Anstrengung für Open-Access-Publikationsmodelle ohne Publikationsgebühren (Diamond Open Access, DOA) erstrebenswert. Für einen Überblick über weltweit bestehende DOA-Strukturen, hat Fernanda Beigel die Anzahl von DOA-Zeitschriften je Land erfasst und kartographiert. Hierfür nutzte sie die Daten sowohl globaler (z. B. DOAJ) als auch lokaler Verzeichnisse (z. B. OLIVA). Auffällig ist das Vorhandensein einzelner ‚DOA-Inseln‘, beispielsweise in Indonesien, Polen oder im gesamten lateinamerikanischen Raum. Insbesondere Lateinamerika, wo es historisch viele DOA-Initiativen gibt, verfügt außerdem über eine große Anzahl an Verzeichnissen und Indizes zur Erfassung von DOA-Strukturen. Beispielhaft stellte Fernanda Beigel den „latindex“ vor, der bereits seit 1994 Publikationen verzeichnet und heute das größte DOA-Verzeichnis der Region darstellt.

Diese lokale Konzentration der DOA-Infrastrukturen ist aus Fernanda Beigels Sicht problematisch. Sie diagnostiziert eine zu starke Fragmentierung und - damit verbunden - fehlende Koordinierung für ein offenes und inklusives Publikationssystem, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene. Gefragt nach ihrer Vision für die DOA-Bewegung fordert sie ein grundlegendes Umdenken im wissenschaftlichen Publikationswesen, das eine Neuausrichtung der Bewertung von Forschung ermöglicht. Zudem sieht Frau Beigel eine sich zunehmend entwickelnde Krise des veralteten, auf Closed Access und der Hegemonie großer Verlage basierenden Publikationssystems. Steigende finanzielle Probleme im Wissenschaftsbetrieb würden durch die kommerziellen Verlagsstrukturen verschärft und sorgten für eine angespannte Situation. Speziell im Fall von Argentinien bestehe in Hinblick auf die finanzielle Situation eine große Unsicherheit (um nicht gar von einer bestehenden Dystopie zu sprechen), da den bisher autonom agierenden Universitäten aufgrund politischer Entwicklungen jegliche staatliche Förderung gestrichen wurde. Dennoch, so Fernanda Beigels Hoffnung, könnte die sich abzeichnende Krisensituation als Chance genutzt werden, um ein neues, besser funktionierendes System aufzubauen und zu etablieren.
Die Open Library of Humanities: Ein Modell für nachhaltiges Publizieren

Im Anschluss sprach Caroline Edwards, Executive Director der Open Library of Humanities (OLH) und Senior Lecturer für zeitgenössische Literatur und Kultur an der Birkbeck University of London über ihre Erfahrungen mit internationalem DOA. Die OLH ist eine DOA-Publikationsplattform mit Fokus auf die Geisteswissenschaften und wurde 2013 gegründet. Insgesamt gibt die OLH aktuell 33 DOA-Zeitschriften heraus, wofür eine eigens entwickelte Software (Janeway) genutzt wird. Viele der stetig neu hinzukommenden Zeitschriften, die sich dazu entschließen, zukünftig non-for-profit und community-led zu agieren, lösen sich von großen kommerziellen Verlagen (insbesondere Wiley). Finanziert wird die OLH über ein Mitgliedschaftsmodell, wobei die Beitragenden überwiegend nordamerikanische und europäische Einrichtungen sind. Die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen  decken die Ausgaben des Herausgabebetriebs ab, von denen der weitaus größte Teil (ca. 75%) auf Personalkosten (aktuell 10 Mitarbeitende) entfällt. Außerdem erzielt die OLH einen geringen Betrag an Einnahmen durch die kostenpflichtige Bereitstellung der Janeway-Software an andere Publisher.

In ihrer Bemühung, Zeitschriften bei der Transformation auf ein Diamond-Open-Access-Modell zu unterstützen, stößt die OLH auf einige Herausforderungen. Die erfreulich hohe Nachfrage an umstiegswilligen Zeitschriften stößt seitens der OLH auf begrenzte Kapazitäten. Außerdem kommt es im Zuge der Umstellungen oft zu Problemen und Herausforderungen in Bezug auf die Migration der alten, kommerziell herausgegebenen Ausgaben. Zudem muss oft Überzeugungsarbeit bei der bisherigen Redaktion geleistet werden, um diese zu bewegen, ihre Arbeit auch unter der neuen Erscheinungsform der Zeitschrift fortzusetzen. Die Umstellung einer Zeitschrift auf ein Non-Profit-Modell geht des Weiteren oft mit einer Umbenennung einher, da die Namensrechte oft bei den kommerziellen Verlagen liegen. Trotz dieser Hindernisse gelang es in den vergangenen zwölf Monaten, zehn Zeitschriften auf ein Diamond-Open-Access-Modell umzustellen.

Bezüglich der Entwicklung von DOA in Großbritannien im Allgemeinen sieht Caroline Edwards ein großes Engagement innerhalb der wissenschaftlichen Community, deren Energie genutzt werden kann, um einen Wandel im Publikationssystem anzuregen. Vor dem Hintergrund der wachsenden finanziellen Krise des gesamten Wissenschaftssystems mit sinkenden staatlichen Fördersummen ist sie optimistisch, dass immer mehr Akteure des Publikationssystems die Vorteile von Diamond-Open-Access- Modellen sehen.
Europäische Infrastruktur für Diamond OA: Die Rolle von DIAMAS und EDCH

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Pierre Mounier von der École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris) Einblicke in seine Arbeit im Bereich wissenschaftlicher Infrastrukturen. Als stellvertretender Direktor von OpenEdition, Co-Koordinator von OPERAS, Co-Direktor des DOAB und Mit-Hauptverantwortlicher (Co-PI) des DIAMAS-Projekts stellte er zwei zentrale Initiativen vor, an denen er maßgeblich beteiligt ist: DIAMAS und den European Diamond Capacity Hub (EDCH).

Das DIAMAS-Projekt, gestartet im Jahr 2022, untersucht die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen für Diamond Open Access in Europa. Ziel ist die Diagnose und Analyse bestehender Diamond-Infrastrukturen, die Weiterentwicklung entsprechender Services sowie die Formulierung von Standards, Richtlinien und Empfehlungen für (politische) Entscheidungsträger*innen zur Förderung von Diamond Open Access. Ein internationales Konsortium aus 23 wissenschaftlichen Einrichtungen und Infrastrukturanbietern führt diese Untersuchung durch.

Ein zentraler Begriff in diesem Kontext sind die „Institutional Publication Service Providers“ (IPSP), unter denen Publikationsinfrastrukturen für Diamond Open Access zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um insgesamt 685 institutionelle Publikationsdienste, die im Rahmen von DIAMAS analysiert wurden. IPSPs umfassen zwei Kategorien: Institutional Publishers (IPs), die eine rechtliche, ethische oder wissenschaftliche Verantwortung für das akademische Publizieren tragen, und Service Providers (SPs), die spezifische Teilaufgaben im Publikationsprozess übernehmen. Diese beiden Typen können in einer einzigen IPSP-Einrichtung zusammengeführt sein. Während sich andere Projekte, wie etwa CRAFT-OA, primär auf technische Lösungen konzentrieren, betrachtet DIAMAS Infrastrukturen in einem umfassenderen Sinne. Dazu zählen neben technischen Services auch die organisatorischen Rahmenbedingungen der IPSPs, etwa ihre Vernetzung oder die Bereitstellung von Best Practices.

Auf der Arbeit des DIAMAS-Projekts aufbauend ist der European Diamond Capacity Hub (EDCH) entstanden. Dieser legt den Fokus vorrangig auf die Vernetzung der IPSPs. Der Hub soll eine Infrastruktur bieten, damit IPSPs ihre Erfahrungen und Anstrengungen im Bereich des DOA miteinander teilen und koordinieren können. Ziel ist es, die Community zu stärken, Synergien zu erkennen und bestehende Kapazitäten besser zu nutzen. Operativ wurden dafür sechs Taskforces gegründet, die sich auf Unterthemen wie technische Lösungen, Staff-Trainingsprogramme oder Finanzierung spezialisieren. Außerdem werden verschiedene Sevices entwickelt, die die (Zusammen-)Arbeit im DOA-Bereich erleichtern sollen. Hierzu zählt beispielsweise die Entwicklung eines DOA-Standards, der bei der Evaluation einzelner Journals helfen soll, oder ein Diamond Discovery Hub, d. h. eine Liste von DOA-Organisationen und Journals.

Pierre Mounier gab anschließend einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der politischen Entwicklung im Bereich Open Access in Frankreich. Aufgrund einer bislang für Open Science aufgeschlossenen Politik gibt es gute Voraussetzungen, umfangreiche Strukturen und hohe Qualitätsstandards bei französischen DOA-Journals (z. B. DOIs). Allerdings scheint sich ein politischer Umschwung anzudeuten, was insbesondere deshalb für eine prekäre Lage sorgte, weil die französischen IPSPs besonders stark in den öffentlichen Sektor integriert und in Sachen finanzieller Förderung stark von diesem abhängig sind. Auch in Frankreich besteht also eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Zukunft von DOA-Projekten und -Initiativen.
Politische Unsicherheiten und die Zukunft von Diamond OA

Schließlich weitete Pierre Mounier den Blick auf die globale Perspektive. Als eine der größten Herausforderungen identifizierte er die starke Fragmentierung der Anstrengungen für DOA. Nur wenn die globale DOA-Gemeinschaft koordiniert und strategisch agiere, habe sie eine Chance, sich gegen die kommerziell ausgerichteten Giganten wie Springer und Elsevier zu behaupten. Um der globalen und lokalen Fragmentierung entgegenzuwirken, spielen Projekte wie das EDCH, die die Vernetzung in den Mittelpunkt stellen, eine wichtige Rolle. Des Weiteren stellen bestimmte Wertvorstellungen oder fruchtlose Streitigkeiten um Begrifflichkeiten (wie die Diskussion um die ‚richtige‘ Definition von DOA) einer Zusammenarbeit oft unnötig im Weg. Anstatt sich in solchen nahezu irrelevanten Detailfragen zu verlieren, sollten das vorhandene Engagement und die Energie gebündelt werden, um die Zusammenarbeit in der Praxis zu stärken und auf diese Weise den großen und übergeordneten Zielen näherzukommen.

In der anschließenden Diskussion wurde der auffallende Umstand, dass die Arbeit aller drei Vortragenden durch die jeweils unsicheren politischen Umstände erheblich gefährdet ist, aufgegriffen. Die Abhängigkeit von politischen Entwicklungen stellte sich dabei als unvermeidlicher Unsicherheitsfaktor heraus, da auch die vermeintliche Alternative zur öffentlichen Trägerschaft – nämlich kommerzielle Finanzierungsquellen – letztlich nicht gänzlich losgelöst von politischen Entscheidungen agieren kann.</description><enclosure
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<item><title>Publikationsberatung mit dem oa.finder</title><link>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</link><comments>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder#comments</comments><pubDate>Mon, 17 Mar 2025 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Beratung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</guid><description>Publikationsberatung mit dem oa.finder
Der oa.finder ist die zentrale Informations- und Rechercheplattform für akademisches Publizieren in allen Fachbereichen. Hier finden Forscher*innen schnell Zeitschriften und Wissenschaftsverlage für ihre Publikationsvorhaben, indem sie ihre Suche auf die unterschiedlichen Publikationstypen ausrichten: Journal-Artikel, Monografie, Sammel- oder Konferenzband.

Akademisches Publizieren wird durch verschiedene Anforderungen immer komplexer, vor allem wenn eine Publikation im Open Access erscheinen soll. Bei der Auswahl des passenden Publikationsorgans müssen sich Wissenschaftler*innen nicht mehr nur mit fachlichen Fragen befassen, sondern zunehmend auch mit administrativen Aspekten des Publizierens: Welche Zeitschrift, welcher Verlag kommt überhaupt in Frage? Wie sehen die Förderbedingungen für Publikationskosten an der eigenen Einrichtung aus? Unter welcher Lizenz sollte die Arbeit veröffentlicht werden? Wer bekommt die Rechnung und wer muss am Ende die Publikationskosten zahlen? Nachdem Ariane Retzar vom Open-Access-Team der UB Greifswald die lange Liste der zu klärenden Fragen aufgezählt hat, berichtet sie aus ihrem Beratungsalltag und stellt fest, dass den Wissenschaftler*innen häufig die Zeit fehlt, sich in die Details des Open-Access-Publizierens einzuarbeiten. Weil die organisatorischen, verwaltungs- und finanzierungstechnischen Aspekte rund um eine Publikation keine originären Aufgaben von Forschung und Lehre sind, unterstützen die Bibliotheken die Wissenschaftler*innen an ihren Einrichtungen. 
Bibliothek unterstützt bei Organisation und Verwaltung
An der Universitätsbibliothek Greifswald berät Ariane Retzar Forschende u.a. bei der Suche nach dem passenden Publikationsorgan. Dafür greift sie immer wieder auch auf den oa.finder zurück. Sie schätzt besonders, dass sich die Wissenschaftler*innen zunächst selbst einfach einen Überblick verschaffen können, welche Publikationsmöglichkeiten sie in ihrem Fachbereich haben, welche Zeitschriften thematisch passen. Die Ergebnisse dieser ersten Recherche sind immer „eine gute Gesprächsgrundlage für eine Publikationsberatung und die folgenden Entscheidungen, “ sagt sie.

Eine Publikationsberatung durch die eigene Institution ist fast unumgänglich, denn wegen der diversen Geschäftsmodelle und sich häufig ändernden Rahmenbedingungen, ist die Publikation im Open-Access eine komplexe Angelegenheit.

Für einen schnellen und direkten Zugang zu den wichtigsten Informationen über Open-Access-Publikationsmöglichkeiten hat die Universitätsbibliothek Greifswald den Suchschlitz auf ihrer Infoseite zu Open-Access-Finanzierungsmöglichkeiten direkt mit dem oa.finder verlinkt. Das ist praktisch, weil die Zeitschriftensuche schon auf der Seite der UB beginnen kann. Mit Absenden der Suchanfrage öffnet sich in einem neuen Fenster der oa.finder und führt direkt zu den Informationen über die gesuchte Zeitschrift inklusive möglicher Förderungen der Publikationskosten durch die Universität Greifswald. 

 		Suchschlitz UB Greifswald.JPG
Link zum oa.finder mit vorbelegter ROR-ID als Service für die Wissenschaftler*innen
„Wissenschaftler*innen wünschen sich ein einfaches Suchsystem,“ weiß Ariane Retzar, und deshalb haben „wir den oa.finder auf unserer Seite eingebunden“. Für die Veröffentlichung sind verschiedene Aspekte relevant: Bei welche Zeitschrift sollte ein Artikel eingereicht werden? Gibt es finanzielle Förderung? Wie hoch ist die APC (Article Processing Charge)? Gibt es vergleichbare Zeitschriften mit günstigeren Konditionen?

Die direkte Verbindung vom Suchschlitz der Bibliothek zum oa.finder erleichtert die Recherche, weil im Feld „Meine Organisation“ die ROR-ID voreingestellt ist und damit die einrichtungsspezifischen Förderbedingungen bezogen auf die jeweilige Zeitschrift sichtbar werden.

Andere Einrichtungen haben den oa.finder ebenfalls auf ihren Webseiten eingebunden. Beispielsweise hat auch die Universitätsbibliothek Bern einen Suchschlitz mit direkter Verbindung zum oa.finder, der zu Treffern mit einrichtungsspezifischen Fördermöglichkeiten führt. 

 		Suchschlitz UB Bern.JPG

Eine etwas andere Variante stellt die Universitätsbibliothek Bayreuth für die Suchenden bereit: Auf den Informationsseiten über Open Access wird der oa.finder vorgestellt und neben dem Informationstext führt ein Link zum oa.finder mit dem für die Universität Bayreuth voreingestellten Feld „Meine Organisation“.
Recherche im oa.finder für alle Personen und alle Publikationsformen
Die Rechercheplattform oa.finder kann natürlich auch ohne Affiliationsangabe genutzt werden, allerdings werden dabei keine Fördermöglichkeiten mehr angezeigt. 

Der oa.finder ist eine Entwicklung der Universitätsbibliothek Bielefeld im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network. In der ersten Projektphase wurde der oa.finder für den Suchbereich Journals mit publikationsrelevanten Informationen zu rund 57.000 Zeitschriften aufgebaut. Im Februar 2025 wurde der oa.finder erweitert. Neben der Recherche nach Zeitschriften, die unmittelbar digital erscheinen, können Forschende nun auch nach Wissenschaftsverlagen suchen, die Open-Access-Bücher (Monografien, Sammelbände, Konferenzschriften etc.) publizieren.

Informations- und Schulungsangebote über den oa.finder für Wissenschaftler*innen, Beschäftigte in der Publikationsberatung und Interessierte finden regelmäßig statt. Konkrete Termine werden sowohl im Veranstaltungskalender von open-access.network als auch auf der Startseite des oa.finders angekündigt.
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<item><title>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen</title><link>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</link><comments>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen#comments</comments><pubDate>Mon, 03 Mar 2025 08:57:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</guid><description>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen

Wie können Bibliotheken Diamond Open Access fördern? Expert*innen der KU Leuven und TU Berlin berichteten bei unserer Informationsveranstaltung, wie sie Fair Open Access Fonds aufgebaut haben, um nicht-kommerzielle Publikationsmodelle zu unterstützen. Ihr Engagement zeigt: Ein gerechteres Publikationssystem ist möglich!

Als Teil der Informationsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond OA als Alternative“ stellten Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin am 6. November 2024 ihre Erfahrungen mit dem Aufbau von Fair Open Access Fonds vor.
Fair Open Access: Prinzipien und Bedeutung für die Wissenschaft

Bei Fair Open Access geht es in erster Linie um die Unterstützung von Publikationsinfrastrukturen und akademischen Initiativen zur Stärkung des wissenschaftlichen Publizierens, wobei die Möglichkeit zur Erhebung von Publikationsgebühren erhalten bleibt, solange diese fair und transparent gestaltet werden. Die Fair Open Access Alliance (FOAA) hat fünf Grundprinzipien festgelegt, die Zeitschriften einhalten müssen, um als Fair Open Access eingestuft zu werden. Dazu gehören: 

    Führung durch die akademische Gemeinschaft,
    Sicherstellung, dass die Autor*innen das Urheberrecht an ihrer Arbeit behalten,
    sofortiger und uneingeschränkter Open-Access-Zugriff auf alle Inhalte mit einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz (CC-Lizenz),
    Einreichung und Veröffentlichung ist in keiner Weise von der Zahlung einer Gebühr durch Autor*innen oder die beschäftigende Institution oder von der Mitgliedschaft in einer Institution oder Gesellschaft abhängig und
    Beibehaltung niedriger, transparenter und verhältnismäßiger Kosten für alle notwendigen Gebühren.

Zur Unterstützung von Fair-Open-Access-Initiativen stellen einige Universitätsbibliotheken spezielle finanzielle Mittel in Form von Fair-Open-Access-Fonds zur Verfügung. Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin stellten vor, welche Maßnahmen sie in den vergangenen Jahren ergriffen haben, um an ihren Institutionen einen solchen Fonds aufzubauen und auf welche Herausforderungen sie dabei gestoßen sind.
Erfolgreiche Umsetzung: Der Fair OA Fonds an der KU Leuven

An der KU Leuven entstand schon früh ein Bewusstsein dafür, dass für die nachhaltige und gerechte Gestaltung des akademischen Publizierens spezielle Maßnahmen notwendig sind. Zwar konnten durch die Transformation des Publikationssystems von Closed Access hin zu Open Access bereits einige Missstände adressiert werden, so z. B. der teure und damit ungerecht verteilte Zugang zu Literatur. Allerdings führte die vermehrte Erhebung von Publikationsgebühren (APCs) und die damit einhergehende Kommerzialisierung des Open Access lediglich zu einer Verschiebung der finanziellen Ungleichheiten weg vom Zugriff hin zum Publizieren selbst, sodass weiterhin immense Kosten für Universitäten und andere Forschungseinrichtungen entstehen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so der Gedankengang der Akteure der KU Leuven, ist eine Orientierung an den akademischen Werten und eine Anstrengung für Open Publishing, also institutionelle Publikationsservices, notwendig. Daher errichtete die Universität 2018 einen speziellen Fonds, der ausschließlich für die Förderung von gemeinschaftlich organisierten und nicht-kommerziellen Initiativen bestimmt ist, die sich für die Prinzipien des Fair Open Access stark machen. Dieser KU Leuven Fund for Fair Open Access ist vollständig vom Erwerbungsetat der Universität getrennt. Finanziert wurde er anfänglich u. a. durch die Umwidmung von Open-Access-Publikationskosten, die sonst an kommerzielle Verlage gegangen wären. Durch die Trennung der beiden Fonds wird nicht nur die Unterstützung von nicht-kommerziellen und gemeinschaftlich organisierten Initiativen gesichert, sondern auch deren Sichtbarkeit erhöht.

Anfangs musste jedoch viel Überzeugungsarbeit gegenüber den Entscheidungsträger*innen der KU Leuven geleistet werden, um die Unterstützung für die Errichtung des Fair Open Access Fonds zu erhalten. Ausschlaggebend waren letztlich drei Argumente: Erstens sieht die KU Leuven die Notwendigkeit, etwas am aktuell dysfunktionalen Publikationssystem zu verändern. Zweitens handelt es sich - im Vergleich zum sonstigen Erwerbungsbudget - um verschwindend kleine Geldsummen, die für einen solchen experimentellen Ansatz benötigt werden. Drittens möchte die KU Leuven als positives Beispiel für faires Publizieren auftreten.

2018 flossen zunächst rund 86.000€ in den Fonds, die mit der Zeit auf ca. 160.000€ im Jahr 2023 angestiegen sind. Diese Summen waren konkret bestimmt für die finanzielle Unterstützung von fairen Open-Access-Initiativen und -Infrastrukturen. Anfangs floss ein Anteil der Mittel zudem in APCs für Zeitschriften, die nach den Kriterien für Fair Open Access arbeiten. Dieser Kostenpunkt wurde allerdings 2021 eingestellt, da sich Missverständnisse unter den Autor*innen über eine kollektive Finanzierung von APCs (auch von kommerziellen Zeitschriften) einschlichen und sich die Hintergrundrecherche bezüglich der Fairness potenzieller Zeitschriften als sehr aufwändig erwies.
Neue Wege an der TU Berlin: Ein Fonds für faires Publizieren

Die Problematiken des Gold-Open-Access-Modells mit seinen oft unverhältnismäßig hohen Publikationsgebühren gaben auch der Bibliothek der TU Berlin den Anstoß zur Errichtung eines eigenen Fair-Open-Access-Fonds, wie Michaela Voigt im Anschluss berichtete. Insbesondere der im Herbst 2023 abgeschlossene DEAL-Transformationsvertrag mit Elsevier löste kontroverse Diskussionen darüber aus, ob die konsortialen Publish-And-Read-Vereinbarungen mit den großen Wissenschaftsverlagen mit den Werten und strategischen Zielen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens übereinstimmen. So entstanden Überlegungen und Pläne, die Förderung von nicht-kommerziellen Open-Access-Initiativen und Infrastrukturen weiter auszubauen und dafür gesonderte Mittel bereitzustellen. Zwar wurden schon seit 2018 vereinzelte als „fair“ eingestufte Akteure wie die Open Library of Humanities unterstützt, allerdings sollten diese Bemühungen nun durch die Errichtung eines eigenen Fonds strategisch und koordiniert gebündelt werden.

Somit wurde 2024 der Fair Open Access Fonds als dritte Finanzierungssäule des Bibliotheksetats für Open Access etabliert: neben dem Universitätsverlag der TU Berlin in Kombination mit dem eigenen Repositorium sowie den Mitteln für Gold-Open-Access und Publish &amp; Read-Vereinbarungen. Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgt dabei über ein virtuelles Budget, das zu Teilen aus Erwerbungsmitteln und zu Teilen aus dem Budget für Administration gespeist wird. Im ersten Jahr, das vorrangig dem Aufbau von Workflows und anderen administrativen Prozessen gewidmet ist, stehen 25.000€ zur Verfügung. Diese Summe soll in den kommenden beiden Jahren auf mindestens 50.000€ ausgebaut werden. Die Auskopplung der Mittel für Fair Open Access in einen eigens dafür designierten Fonds soll dabei ähnlich wie an der KU Leuven nicht nur der erhöhten Sichtbarkeit von fairem Open Access dienen, sondern auch der Sicherung und Garantie der Finanzierung dieses Anliegens. Dazu trägt auch die Festschreibung in ein bereits verabschiedetes (aber Stand Februar 2025 noch nicht veröffentlichtes) Strategiepapier der Universitätsleitung bei, das Fair Open Access auch institutionell absichert und festigt.

Wenn es an die konkrete Investition der Mittel geht, bemüht sich die TU Berlin darum, auf bereits vorhandene Strukturen aufzubauen. Sodass primär diejenigen Publikationsorte gefördert werden sollen, in denen sich Mitglieder der Universität ohnehin schon engagieren, beispielsweise als Herausgebende oder Reviewer*innen. Wie in der KU Leuven orientiert sich die Förderentscheidung zudem an bestimmten Mindeststandards für Fairness sowie am fächerspezifischen Bedarf der Universität.

Michaela Voigt schloss ihren Vortrag mit den ermutigenden Worten „We could do it. And we should do it“, denen Demmy Verbeke zustimmend beipflichtete. Wie aus den Präsentationen deutlich geworden ist, werden an den beiden Institutionen große Anstrengungen unternommen, um das wissenschaftliche Publikationssystem nicht nur kostengünstiger, sondern auch fairer zu gestalten. Ihr Engagement und ihre Erfahrungen können als Vorbild und Muster für andere Bibliotheken dienen, die in Erwägung ziehen, ähnliche Schritte zu ergreifen.</description><enclosure
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<item><title>Diamond OA: BMBF-Projekte bringen faires und freies Open Access auf den Punkt</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt#comments</comments><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 15:26:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Evin Dalkilic</dc:creator><dc:creator>Mamta Dwivedi </dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Lena Marie Henkes</dc:creator><dc:creator>Simona Noreik</dc:creator><dc:creator>Jonas Scherr</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</guid><description>Diamond Open Access (DOA), also Publikationen ohne Gebühren für Leser*innen und Autor*innen (siehe Definition des DIAMAS-Konsortiums), sind entscheidend für den nachhaltigen und fairen Zugang zu wissenschaftlicher Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt diesem Umstand mit der „Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis“ Rechnung.

Am 24. Oktober 2024 haben sechs Projekte dieser Förderlinie anlässlich der Internationalen Open Access Week 2024 ein „Blitzlicht“ organisiert, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen und für die wichtigen Anliegen von Diamond Open Access weiter zu sensibilisieren. Mit dabei waren KOALA-AV, Diamond Thinking, OLEKonsort, edu_consort_oa, DiamOnd@HsH und ELADOAH, die mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen einen guten Einblick in die Vielfalt der Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland bieten konnten.

Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich für freien Zugang zum wissenschaftlichen Diskurs und Diamond Open Access interessieren, unabhängig von deren Kenntnisstand. Bewusst hatten sich die Projekte dem Anliegen der Internationalen Open Access Week 2024 angeschlossen: Unter dem Motto „Community over Commercialization“ haben die beteiligten Einrichtungen ein Zeichen für faires und freies Open Access gesetzt. Die jeweiligen Projektergebnisse stützen dieses Engagement inhaltlich.


KOALA-AV

Das Projekt KOALA-AV (Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, Technische Informationsbibliothek (TIB)) widmet sich der Etablierung qualitätsgesicherter APC-freier konsortialer Open-Access-Lösungen. Dafür wurden bisher 13 Zeitschriften und zwei Schriftenreihen fachlich gebündelt und von nationalen und internationalen Einrichtungen für jeweils drei Jahre gemeinschaftlich finanziert.

Das Projekt untersucht Motivation und Mehrwerte des KOALA-Modells sowie Herausforderungen bestehender Konsortien und Modelle. Erhebungsergebnisse unter Erwerbungsbibliothekar*innen ergeben, dass ein relevanter Beweggrund für eine Beteiligung die Umwidmung von Erwerbungsmitteln ist. Die strategische Motivation bei der Unterstützung von DOA wird als wichtigster Mehrwert gesehen. Als größter Hinderungsgrund für eine Teilnahme werden fehlende Publikationen von Forschenden der eigenen Einrichtung eingeschätzt. Hierfür entwickelt das Projekt Lösungsvorschläge und vernetzt die Community, etwa in Workshops. Derzeit optimiert das Projektteam die Workflows und baut das Modell mit nationalen und internationalen Partnern weiter aus. So gibt es beispielsweise seit 2024 eine KOALA-Konsortialstelle als Pilotprojekt an der SLUB Dresden.
ELADOAH

Im Verbundprojekt ELADOAH („Erwerbungslogik als Diamond-Open-Access-Hindernis: Aus-, Um- und Nebenwege“) werden bestehende und mögliche Modelle zur Finanzierung von DOA erhoben und diskutiert. Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft kann im Rahmen einer Interview- und Literaturstudie vorläufig bilanzieren, dass wissenschaftliches Publizieren stark im Wandel begriffen ist, wobei insbesondere Kooperation (statt Wettbewerb) und Gemeinwohlorientierung (statt Gewinnorientierung) an Bedeutung gewinnen. Wissenschaftliches Publizieren wird, so haben die Interviews gezeigt, stärker als ein ganzheitliches Modell verstanden, bei dem Risiken im Publizieren durch eine gemeinschaftliche Organisation und Finanzierung besser aufzufangen sind.

Der Verfassungsblog untersucht, ob und inwieweit das öffentliche Haushaltsrecht der Finanzierung von DOA-Publikationen insbesondere durch Hochschulen und ihre Bibliotheken entgegensteht. Vorab lässt sich hierzu sagen, dass bei Erwerbungsfragen meist aus dem Blick zu geraten scheint, welche Spielräume das Agieren im Kontext der Wissenschaftsfreiheit schaffen kann. Dass die Rechtsstellung wissenschaftlicher Bibliotheken rechtswissenschaftlich kaum Aufmerksamkeit erfährt, dürfte zu möglicherweise verengten Rollenverständnissen beitragen.
OLEKonsort

Das Projekt OLEKonsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften auf. Das Projekt ist ein Teil der Open Library Economics (OLEcon), einer Initiative der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Nach einer erfolgreichen ersten Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Dezember 2024 die Abfrage zur Mit-Finanzierung von vier DOA-Zeitschriften für 2025.

Der Austausch mit anderen Projekten im Bereich Diamond Open Access ebenso wie mit der Community der wissenschaftlichen Bibliotheken hat sich im Projekt als sehr fruchtbar erwiesen. Beim Aufbau einer Community von Mit-Finanzierenden (meist wissenschaftliche Bibliotheken) zeigt sich, dass neben Informationen zu Publikationszahlen der Zeitschriften für die Mit-Finanzierenden vor allem ein Austausch zum „Wie“ des Finanzierens von Open Access interessant ist. Die engagierten Herausgeber*innen der wissenschaftsgeführten DOA-Zeitschriften haben hingegen Bedarf am Austausch zu praktischen Fragen der Zeitschriftenpublikation. Im weiteren Projektverlauf liegt der Fokus auf dem Ausbau des Konsortiums über den DACH-Raum hinaus sowie auf der Stabilisierung der Konsortialteilnahme.
edu_consort_oa

Das Verbundprojekt Open Access-Konsortium Bildung für E-Books und Zeitschriften (edu_consort_oa) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Das zentrale Ziel ist es, eine tragfähige Infrastruktur zur verteilten Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften- und Open-Access-E-Book-Paketen durch die Beteiligung von Hochschulbibliotheken zu bilden und bedarfsgerecht im fachlichen Publikationsgefüge zu etablieren.

Dabei werden für diese beiden Publikationsformen konsortiale Subskriptionsverfahren entwickelt und in jährlichen Verfahren jeweils:
1) Ausschreibungen durchgeführt,
2) die Einreichungen formal durch die Projektbeteiligten und inhaltlich über ein fachliches Auswahlgremium geprüft und ausgewertet,
3) über Pledgings Hochschulbibliotheken finanziell beteiligt und abschließend
4) die Publikationen mit ihren Metadaten über das fachliche Repositorium peDOCS sowie der FIS Bildung Literaturdatenbank verbreitet und langzeitarchiviert.

Mit edu_consort_oa und dem FID konnten bisher drei Pakete mit insgesamt 59 OA-E-Books durch die jeweilige Beteiligung von über 50 Hochschulbibliotheken finanziert werden. Die Deadline zur Einreichung für eine weitere Runde an 20 OA-E-Books sowie erstmals auch für fünf DOA-Zeitschriften ist Ende Februar.
DiamOnd@HsH

Im Fokus des Projekts DiamOnd@HsH steht die Etablierung eines wissenschaftsgeleiteten, institutionell verankerten Diamond-Open-Access-Verlags, mit dem die bestehenden Publikationsinfrastrukturen an der Hochschule Hannover um ein professionalisiertes Angebot ergänzt werden sollen. Durch ein niedrigschwelliges Vor-Ort-Angebot sollen Forschende und Lehrende zum Publizieren motiviert und durch qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden. Bei fakultätsübergreifenden Gesprächen hat sich bestätigt, dass es nicht nur Fachkultur-, sondern auch HAW-spezifische Bedürfnisse und Anforderungen gibt, die bei der Konzeption des Dienstleistungsportfolios berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist eine früh im Prozess ansetzende Beratung und konstante Begleitung für die Wahrnehmung des hauseigenen Angebots essenziell. Nach sechs Monaten Laufzeit, in denen z. B. an der benötigten technischen Infrastruktur und Bewerbung des Vorhabens gearbeitet worden ist, stehen nun die ersten vier Publikationen im Verlag HsH Applied Academics an.
Diamond Thinking

Das Verbundprojekt Diamond Thinking (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Universitätsbibliothek Stuttgart) ist darauf ausgerichtet, an beiden Partneruniversitäten Infrastrukturen für DOA-Veröffentlichungen auf- und auszubauen: in Karlsruhe im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften, in Stuttgart für Buchpublikationen. Dies wird durch Maßnahmen der PR und der Nutzendenforschung begleitet. Denn Information, Kommunikation und das Erzeugen von Renommee sind zentral für den Erfolg von DOA-Strukturen. Nur wenn Wissenschaftler*innen von den neuen Angeboten wissen und diese ernst nehmen, kann ‚wissenschaftsgeleitetes Publizieren‘ gelingen. Gemeinsame Projekte der Bibliothek mit Wissenschaftler*innen können dabei helfen, dies zu leisten.

Die für das Projekt angedachte Teilfokussierung auf wissenschaftliche Fachgesellschaften hat sich indes fallweise als problematisch erwiesen, weil diese meist überregional, oft international ausgerichtet sind, sodass ein Standortbezug nur unzureichend gegeben ist. Auch deshalb erscheinen überregionale DOA-Strukturen, wie sie aus dem Projekt heraus im TU9-Zusammenhang ebenfalls verfolgt werden, als äußerst wünschenswert.
Abschluss und Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass der Austausch zwischen den Projekten, trotz teils unterschiedlicher Ausrichtung, sehr hilfreich für die erfolgreiche Projektarbeit ist. Die BMBF-geförderten Projekte können von den jeweiligen Erkenntnissen profitieren und die Zusammenarbeit kann Synergien schaffen.

Als aktuelle Schwerpunkte im Bereich DOA haben sich v. a. die folgenden drei Aspekte herauskristallisiert:

    Konsortiallösung
    Beratung
    und institutionelle Publikationsinfrastrukturen

– also Kontexte, die dezidiert von der Zusammenführung unterschiedlicher Perspektiven und Schwerpunkte sowie (interdisziplinärer) Zusammenarbeit leben. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Community-geleiteten Initiativen stellen angesichts begrenzter Kapazitäten zwar eine Herausforderung dar, sind gleichzeitig aber entscheidend, um DOA nachhaltig zu gestalten und drängende Fragen wie zum Beispiel die langfristige Finanzierung anzugehen. Das „Blitzlicht“ war Teil der Bemühungen, den Austausch in der Community und die gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Zudem ist deutlich geworden, dass DOA mehr ist als ein wissenschaftspolitisches „Modethema“: In den Projektvorstellungen sowie in den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung zeigt sich ein Bekenntnis für faires und freies Open Access sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems. Förderpolitisch lässt sich dies unterstreichen mit nationalen Initiativen wie der geplanten Einrichtung einer Servicestelle für Diamond Open Access durch die DFG, auf europäischer Ebene mit den Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Diamond Open Access des DIAMAS-Konsortiums; sowie auf globaler Ebene durch Diskussionen im Rahmen des Global Summit Diamond Open Access (2023 in Mexiko und 2024 in Südafrika).</description><enclosure
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<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
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<item><title>Open Access Staff Week an der UB Regensburg</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg#comments</comments><pubDate>Wed, 22 Jan 2025 11:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</guid><description>Vom 26. bis 28. November fand die sechste Open Access Staff Week an der Universitätsbibliothek Regensburg statt. Sie war geprägt von spannenden Einblicken und kollegialem Austausch.

Die nördlichste Stadt Italiens - wie wir bei der Stadtführung lernen durften - hieß die Teilnehmenden der 6. Open Access Staff Week unter dickem Nebel willkommen. Kolleg*innen aus mehreren bayerischen Universitätsbibliotheken und denen weiterer Bundes- und Nachbarländer waren angereist, um vor Ort einen Einblick in die Arbeits- und Expertisenbereiche der Regensburger Bibliothekskolleg*innen zu gewinnen.

Die Open Access Staff Weeks, organisiert vom BMBF-geförderten Verbundprojekt open-access.network, geben Bibliotheksmitarbeitenden die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen anderer Einrichtungen zu werfen. Dabei haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, sowohl Best Practices als auch aktuelle Herausforderungen in der Umsetzung von Open Access kennenzulernen.

An der UB Regensburg stand eine informative Reihe an Themen auf dem Programm: Vom Publikationsserver über den Publikationsservice der UB und dem Data Hub für Services rund um das Thema Forschungsdatenmanagement bis hin zu Projekten wie openCost und Infrastrukturangeboten wie der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) bezeugt das vielseitige  Programm die breit aufgestellte Expertise der Gastgeber*innen der UB Regensburg um Dr. Gernot Deinzer (Leiter der Abteilung IT- und Publikationsdienste und Open-Access-Beauftragter der UB Regensburg) und Cornelia Lang vom Sachgebiet Elektronisches Publizieren und Open Access. Sie wurden von weiteren Kolleg*innen mit Input und Best-Practice-Beispielen für einzelne inhaltliche Sessions unterstützt. Auch Referendar*innen und Praktikant*innen der UB Regensburg nahmen aktiv an der Veranstaltung teil, was die Perspektivenvielfalt weiter bereicherte.

Das Programm umfasste eine Vielzahl informativer und praxisorientierter Sessions. Einige zentrale Punkte:

    Repositorium und Kostenerfassung: Cornelia Lang stellte das umfassende Repositorium vor, das um viele zusätzliche Daten etwa zu Publikationskosten und Verlags- und Transformationsverträgen angereichert wurde und damit gleichzeitig der Kostenerfassung dient.
    Zentrale Rechnungsbearbeitung: Gernot Deinzer stellte vor, wie an der UB Regensburg Rechnungen zentral bearbeitet werden. Dies ist u.a. für die Erstellung des Informationsbudgets von Bedeutung und eine Antwort auf die Herausforderung von immer komplexeren Daten rund um Publikationskosten .
    Projekt openCost: Koordinatorin Bianca Schweighofer gab Einblicke in das Projekt, das sich in der finalen Phase der aktuellen Laufzeit befindet und eine standardisierte Infrastruktur für das Management von Publikationskosten bietet. Diskutiert wurde u.a., wie die damit mögliche Aufschlüsselung von bisweilen unklaren Preisstrukturen zur informierten Budgetplanung und Verhandlungsstärke befähigen kann.
    EZB: Silke Weisheit (Leitung EZB/DBIS) und Colin Sippl zeigten anschaulich an Beispielen, die an den Institutionen der Teilnehmer*innen orientiert waren, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) um zentrale Informationen zum Open-Access-Publizieren erweitert wurde. Damit möchte die EZB eine um Publizierende ausgeweitete Zielgruppe ansprechen, die dort beim jeweiligen Journal direkt Kosten- und Finanzierungsdetails einsehen können.
    UR Data Hub: Der UR Data Hub ist eine eigene zentrale Einrichtung an der Universität Regensburg. Sophie Stolzenberger und Constantin Lehenmeier (Forschungsdatenmanagement) gaben Einblick in ihre Serviceangebote. Besonders praxisnahe Erfahrungen konnten die Teilnehmenden mit eigens angelegten Testzugängen zu den angebotenen Tools sammeln.
    Publikationsservice der UR: Schließlich stellte Nadia Gianfrancesco die Angebote und Abläufe der hauseigenen Publikationsdienstleistungen vor, für die sie zuständig ist. Hier können Dissertationen im Open Access mit Print-on-Demand-Option veröffentlicht werden.

Als eines der wertvollsten Elemente der Veranstaltung, neben den Einsichten vor Ort, wurde von den Teilnehmenden der Austausch untereinander hervorgehoben. Die „Bring your own problem“-Sessions boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, aktiv eigene Themen einzubringen und zu diskutieren, beispielsweise die Frage nach zielgruppengerechter Kommunikation mit den Forschenden der eigenen Einrichtung oder rechtliche Rahmenbedingungen von Publikationsversionen im institutionellen Repositorium. Dabei konnten in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre Fragen wie „Wie macht ihr das?“ oder „Welche Workflows verwendet ihr?“ unkompliziert diskutiert werden. Dieser kollegiale Austausch trug erheblich zum Erfolg der Veranstaltung bei. Die Gastgebenden sorgten für ein unterhaltsames Rahmenprogramm: Eine Campus- und eine Stadtführung sowie ein gemeinsames Abendessen schufen Raum für persönliche Gespräche und ermöglichten so die weitere Vernetzung.

Fazit: Trotz des eher unitalienischen nasskalten Novemberwetters hinterließ die Veranstaltung viele bleibende positive Eindrücke. Ein herzlicher Dank geht an die Gastgeber*innen in Regensburg und die engagierten Teilnehmenden.

Die nächste Staff Week wird voraussichtlich im Juni an der UB Gießen stattfinden. Informationen dazu auf open-access.network.</description><enclosure
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<item><title>DeepGreen und Diamond</title><link>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</link><comments>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond#comments</comments><pubDate>Tue, 14 Jan 2025 15:42:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Repositorium</category><dc:creator>Julia Boltze-Fütterer</dc:creator><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Tomasz Stompor</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</guid><description>Auf den Open-Access-Tagen 2024 in Köln war das Projekt DeepGreen mit einem Poster vertreten. DeepGreen ist ein automatisierter Lieferservice für Open-Access-Artikel. Basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen verteilt DeepGreen Verlagsinhalte an institutionelle und fachliche Repositorien. Für diesen Beitrag sprachen die beiden Präsentierenden, Julia Boltze-Fütterer und Tomasz Stompor, mit Sarah Dellmann über die Fragen, die sie mit dem Poster an die Tagungsbesucher*innen diskutieren wollten, sowie über die Gespräche, die im Rahmen der Postersession entstanden sind.

Sarah Dellmann: Liebe Julia Boltze-Fütterer, lieber Tomasz Stompor. Ihr habt in der Postersession auf den Open-Access-Tagen in Köln die Anwesenden gefragt, was Bedarfe sind, die sich aus den derzeit viel diskutierten Entwicklungen rund um Diamond Open Access ableiten. Los ging es mit einer Frage: Ist der Begriff Diamond Open Access klar genug definiert? Den Klebemarken zu urteilen, die beim Poster hinterlassen sind, scheinen die meisten den Begriff nicht klar definiert zu sehen.

Tomasz Stompor: Das erste Feld fokussiert die Frage, inwieweit die Definition von Diamond Open Access schlüssig ist und ob es sich bei dem Begriff nicht eventuell um einen Kategorienfehler handle. Rückmeldungen waren vor allem, dass die Kategorie „Diamond Open Access“ Finanzierungsbedingungen beschreibt - im Unterschied zu den beiden in der Bibliothekswelt etablierten Kategorien „Gold Open Access“ und „Grünes Open Access“, die Zugangsmodalitäten beschreiben. Interessant für uns war auch, dass erst die Frage, ob der Begriff unklar sei, viele zum Denken gebracht hat, die den Begriff bis dahin unhinterfragt verwendet haben. Die Problematisierung, die wir ja auch in der Frage formuliert hatten („Ist Diamond Open Access ein Kategorienfehler?“), fanden aber viele einleuchtend.

SD: Die Frage nach dem, was Diamond Open Access beschreibt, was darunterfällt und was nicht, wird unter Infrastrukturmitarbeitenden und Forschungsförderern lebhaft geführt. Warum ist die Definition für Euch als Dienstanbietende wichtig?

TS: Wenn Diamond Open Access nicht bloß ein Zugangsregime beschreibt, sondern ein Geschäftsmodell, dann gibt es die Komplexität existierender Geschäftsmodelle nicht wider. Das Problem ist, dass es sehr viele Grenzfälle und Ausnahmen gibt, bei denen derzeit gängige Definitionen von Diamond Open Access nicht greifen z.B. bei den Zeitschriften der American Chemical Society (ACS) oder bei der Zeitschrift Amerikastudien der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA).1 In der Keynote von Niels Taubert auf den Open-Access-Tagen 2024 werden Begriffe wie „wissenschaftsgeleitet“ und „scholarly-owned“ als „affektgeladen“ beschrieben. Es sind Begriffe, die eher den Frust gegenüber gewinnorientiert arbeitenden Großverlage oder einen Wunschtraum ausdrücken, aber keine operationalisierbaren Konzepte sind, an denen sich etwas kategorisieren oder messen ließe. Und das macht es für die Weiterentwicklung unseres Dienstes natürlich schwierig.
Foto: Projekt DeepGreen

SD: Ist die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffs für eure Arbeit hinderlich?

JBF: Ja und nein. Noch sind wir nicht so weit, das Verfahren zur Integration von Diamond-Open-Access-Inhalten in DeepGreen zu operationalisieren. Wir befinden uns, was die Erweiterung um Diamond angeht, noch in der Recherche- und Konzeptionsphase. Als DeepGreen nehmen wir die Diskussionen um Diamond Open Access und den Wunsch aus Bibliotheken, Aktivitäten in diesem Feld auszubauen, natürlich wahr und fragen uns, was diese Entwicklung für einen Service wie DeepGreen bedeuten könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Antwort noch offen. Klar ist aber, dass wir uns im Laufe des Prozesses darauf einigen müssen, was alles in die Kategorie fällt – und was nicht.

SD: Wie seid ihr vorgegangen?

JBF: Wir haben erstmal den Bedarf ermittelt: Auf der BiblioCON 2024 haben wir unsere teilnehmenden Repositorien gefragt, ob sie einen Service zur Lieferung von Diamond-Open-Access-Artikeln begrüßen würden. Die Rückmeldung war positiv. Die Voraussetzung für die Verarbeitung durch DeepGreen wäre aber, dass die Daten in einem guten Format vorliegen. Das tun sie bislang leider oftmals nicht. Ob sich das für die Diamond Open Access Journals, die mit Open Journal Systems betrieben werden, über ein OJS-Plugin, das an einen Aggregator liefert und ein Mapping vornimmt, lösen lässt, müssen wir noch weiterdenken.

TS: Wir wollten daher wissen, ob dieser Wunsch nach Bündelung von unseren Nutzenden überhaupt geteilt wird. Die meisten Gesprächspartner*innen stimmten dem Wunsch nach einer stärkeren Bündelung und Standardisierung zu und hoben hervor, dass dies eine qualitätssichernde Funktion hätte.

SD: Nun sind auf den Open-Access-Tagen ja vor allem Bibliotheksmitarbeitende anwesend. Wir haben aber auch erlebt, dass Standardisierung von Herausgebenden in Zeitschriften von kleinen Fächern oft als Bedrohung wahrgenommen wird. Es ist nicht immer leicht, zu vermitteln, dass technische Standardisierung ein Qualitätsmerkmal ist und dass dies etwas anders bedeutet als den Verlust von Formatvielfalt oder gar der Standardisierung von Inhalten.

TS: Genau. Das bringt uns zur zweiten Frage des Posters, in der wir nach der Indexierung von Diamond Journals und deren Langzeitverfügbarkeit gefragt haben. Die Frage, die wir hier aufgeworfen haben, betrifft die diverse Landschaft der Diamond Journals und ob sich durch Bündelung und Standardisierung deren Sichtbarkeit erhöhen ließe oder ob solche Maßnahmen nicht die Vielfalt einschränken.

SD: Welche Fragen stellt ihr euch in dem Prozess?

JBF: Eine große Herausforderung ist, dass Diamond-Open-Access-Zeitschriften oft klein sind. DeepGreen hingegen ist ein Service, der Masse liefert. Diese kritische Masse braucht es. Diese Erfahrung haben die Kolleg*innen des Schweizerischen Projektes GOAL gemacht: Aufwand und Ergebnis lohnten sich in diesem Projekt nicht, da die Masse zu gering für eine Automatisierung war. Wir brauchen also eine Bündelung, um DeepGreen mit Diamond-Inhalten wirtschaftlich bestücken zu können. Wir hatten dann die Idee eines Diamond-Open-Access-Aggregators und haben auf dem Poster deswegen nach dem Nutzen eines solchen gefragt. Aggregation erfordert jedoch Bündelung und Standardisierung.

TS: … und die ist unter Diamond-Open-Access-Zeitschriften nicht besonders ausgeprägt, wie die Open Access Diamond Journals Study (Bosman et al., 2021) zeigt. Zeitschriften, die solche Qualitätskriterien nicht erfüllen würden, würden natürlich trotzdem weiter bestehen, aber sie würden eventuell nicht aggregiert werden. Klare Kriterien für Qualitätssicherung sind deshalb wichtig.

SD: Wie stellt ihr euch eine Aggregation vor?

TS: Das ist die große Frage. Klar ist, dass nicht jede Zeitschrift einzeln irgendwohin abliefern soll, das wird nicht funktionieren. Wir denken gerade über ein OJS-Plugin nach, das Metadaten an eine zentrale Infrastruktur, eine Registry, abliefert, wie sie z.B. gerade im Projekt CRAFT-OA entwickelt wird. Ein anderer Startpunkt ist die Diamond Liste von Open-Access-Zeitschriften, die in Deutschland gehostet werden (Bruns et al., 2022). Wären die 345 Diamond Open Access Journals dieser Liste relevant für die DeepGreen-Teilnehmenden? Diese Frage wurde mit großer Übereinstimmung bejaht.

SD: Welche Herausforderungen und Desiderate gibt es, welche Aufgaben müssten gegebenenfalls von anderen erledigt werden?

TS: Ein weiterer Umstand, der augenfällig ist, den wir als DeepGreen aber nicht lösen können, ist der geäußerte Bedarf von Herausgebenden von kleinen und verlagsunabhängigen Zeitschriften nach technischer Unterstützung. Beratung allein ist nicht ausreichend, es bedarf hier wirklich auch Unterstützung bei der Umsetzung technischer, bibliothekarischer und verlegerischer Standards. Mehrere Kolleg*innen, die in FIDs tätig sind, berichten uns von „inhaltlich relevanten Zeitschriften, die aber technisch schlecht aufgesetzt sind“. Das ist schade und stellt eine Servicelücke dar. Ein von Bibliotheken organisierter Journalservice wäre hier eine Abhilfe.

JBF: Begonnen hat DeepGreen mit einem Fokus auf grüne Open-Access-Inhalte, aber DeepGreen ist abhängig von der Lizenzlandschaft, und die ist im Wandel. Generell gesehen nehmen z.B. Allianzlizenzen und Nationallizenzen – also klassische Zweitveröffentlichungen und „grüne“ Inhalte – an Umfang ab, während Transformationsverträge – also Erstveröffentlichung oder „goldene“ Inhalte – zunehmen. Insofern ist die Diamond-Entwicklung eine Chance für uns, uns an neue Bedarfe anzupassen, um einen Service zu liefern, der für unsere Nutzenden hilfreich ist – und es unter neuen Bedingungen auch bleibt.

1 Bei der ACS handelt es sich um eine Fachgesellschaft, die jedoch auch Journals im closed access anbietet. Die Zeitschrift DGfA ist ebenfalls eine Fachgesellschaft, die ihre open access Zeitschrift Amerikastudien bei einem gewinnorientierten Verlag herausgibt.

Das Titelbild ist KI-generiert.</description><enclosure
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<item><title>Die Schweiz setzt sich ein neues Open-Access-Ziel</title><link>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</link><comments>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel#comments</comments><pubDate>Thu, 12 Dec 2024 13:30:00 +0100</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Nicolai Hauf</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</guid><description>“Bis 2024 sollte Wissenschaftliches Publizieren in der Schweiz OA sein, alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen müssen im Internet frei zugänglich sein.”1 Mit diesem hehren Ziel wurde im Januar 2017 die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz verabschiedet. Sie wurde von swissuniversities (der Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der schweizerischen Hochschulen) mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) entwickelt. Nach acht Jahren vielfältiger und innovativer Open-Access-Aktivitäten ist es an der Zeit zurückzublicken: Konnten wir das übergeordnete Ziel erreichen?

Ein Blick auf die Zahlen sagt klar: Nein! Der Schweizer Open-Access-Monitor (ein zentrales Ergebnis aus der ersten Strategiephase) weist für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 2023 einen Open-Access-Anteil von lediglich 71% aus. 2017 waren hingegen nur 49% aller Artikel frei zugänglich.2 Auch wenn man hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist eine positive Entwicklung sichtbar. Insbesondere wenn man die Vorgabe von 100% nicht zu sehr als realistischen Benchmark, sondern mehr als politisches Instrument zur Mobilisierung von Ressourcen und Aktivitäten in diesem Bereich interpretiert.
Die Revision der Strategie

Mit Blick auf das Ablaufen der Strategieperiode Ende des Jahres 2024 haben sich die Urheber*innen daran gemacht, das Dokument in einem partizipatorischen Prozess zu überarbeiten. Alle Schweizer Hochschulen konnten im Rahmen einer offenen Konsultation eine frühere Fassung des Strategiepapiers durchsehen und kommentieren. Eine redigierte Zusammenfassung und die Auswirkungen auf den finalen Text sind öffentlich einsehbar.3

Die revidierte Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz wurde im Juni 2024 veröffentlicht.4 Das Dokument baut auf Grundsätzen auf, welche in der ersten nationalen Strategie aufgestellt wurden: gemeinsam, kostenneutral und auf diversen Wegen ein offenes Publikationssystem schaffen. Es ist als kontinuierliche Fortsetzung zu sehen, welche zentrale Ergebnisse jüngster Projekte aufgreift und aktuelle Entwicklungen im Bereich Open Science berücksichtigt. Neu soll eine komplette Open-Access-Transformation in der Schweiz nun bis spätestens 2032 erfolgen.
Die neue Schweizer Vision

Die Vision der revidierten Strategie ist eine robuste Open-Access-Landschaft. Um dies zu erreichen, wurden sieben Leitprinzipien definiert. Auf deren Basis wiederum sind sechs Ziele ausgegeben, welche über sechs ineinandergreifende Wege erreicht werden können. Eine stark verschachtelte Strukturierung des Dokuments wie diese ist symptomatisch für die vielfältigen und mehrschichtigen Zielsetzungen der involvierten Akteur*innen. Inhaltlich geht es hierbei insbesondere um die Entwicklung und Koordination zentralisierter Infrastrukturen und Dienstleistungen (speziell für Diamond und Green Open Access), die Schaffung eines unterstützenden Rechtsrahmens (Zweitveröffentlichungsrecht, Beibehaltung von Urheberrechten) und die Etablierung einer Open-Access-Kultur in den Forschungsgemeinschaften als Standard wissenschaftlichen Arbeitens. Die konkrete Umsetzung der Strategie obliegt den sich selbst-verpflichtenden Institutionen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten und Kontexte – nach dem Grundsatz der Eigenverantwortung, einer in der Schweiz besonders hochgehaltenen Tugend. Es wird weiterhin mehrfach betont, dass diese Ziele nur durch umfangreiche Kollaborationen zwischen Institutionen erreicht werden können.

Die neue strategische Ausrichtung läutet eine Phase der Konsolidierung ein, in der bewährte Ideen der letzten Jahre gebündelt und optimiert werden sollen. Dies bedeutet einen Perspektivenwechsel, indem stärker als zuvor akademische Institutionen und weniger individuelle Forschende in die Pflicht genommen werden, die gesetzten Ziele zu erreichen.
Entwicklung des Open-Access-Status für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel in der Schweiz, 2017-2023. (Bild: Swiss Open Access Monitor)
Definition von Open-Access-Publikation und Auswirkungen für Repositorien

Hervorzuheben ist die Definition einer Open-Access-Publikation, die in der Strategie verankert ist. Dokumente müssen in einem maschinenlesbaren Format, kostenlos, ohne Embargo und unter einer offenen Lizenz bereitgestellt werden.5 Dies hat eine hohe Relevanz für Repositorien, welche Publikationen über den Grünen Weg in vielen Fällen nicht unter Creative-Commons-Lizenzen bereitstellen (dürfen). Sperrfristen sind zudem weit verbreitet. Streng genommen gilt mit dieser ambitionierten Definition ein großer Teil der aktuell vorhandenen Zweitveröffentlichungen in Schweizer Repositorien nicht mehr als Open Access. Was bedeutet das für Repository Manager? In erster Linie viel Kommunikation: In vielen Fällen müssen individuelle Abklärungen mit Verlagen eingeleitet werden, weil generelle Policies keine Aussagen zu einer Verbreitung unter einer Creative-Commons-Lizenz machen – oder dies explizit verbieten. Es wird weitere Abstimmungen auch mit Publizierenden brauchen. Idealerweise behalten diese die Urheber- und Verwendungsrechte an ihrem akzeptierten Manuskript. Die Rights Retention Strategy6 unterstützt in diesem Bereich.
Berücksichtigung alternativer Publikationsformen

Klar ersichtlich und positiv herauszuheben ist ein verstärkter Fokus auf alternative Publikationsformen, abseits von wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln. Die Förderung von Open Access für Langformen (wie Bücher und Buchkapitel), Publikationen in den Künsten und in anwendungsorientierten Publikationsgefäßen (wie Fach- und Verbandszeitschriften) wird in der Strategie speziell adressiert. Der Nachholbedarf und das große Potential wurden erkannt. Auch nicht-kommerzielle Publikationswege wie Diamond Open Access und Institutional Publishing sind zentrale Handlungsfelder der Strategie. Bibliodiversität ist ein wichtiger Faktor für eine umfassende und stabile Open-Access-Landschaft. Aber auch ein stärkerer Bezug zu weitreichenden Entwicklungen im Bereich der Forschungsevaluation und Open Science über die klassischen Textpublikationen hinaus findet Erwähnung.
Die Aussichten: heiter bis wolkig oder doch nebelig?

In Diskussionen und der Formulierung der neuen Strategie fällt eine fehlende kritische Auseinandersetzung mit dem nicht-erreichten 100%-Ziel auf. Auf neuen Wegen soll es nun in acht weiteren Jahren erreicht werden. Diese Verschiebung verwässert die Botschaft und ist inkonsequent. Auch wenn neu quantitative und qualitative Indikatoren für die Zielerreichung definiert wurden und auf strategischer Ebene durch ein Gremium laufend beobachtet werden sollen, sind Erfolgskriterien wie bspw. Zufriedenheit der Forschenden mit ihren Veröffentlichungsoptionen schwer zu messen.7 Am Ende fehlt es auch an konkreten Konsequenzen, wenn das neue Open-Access-Ziel wieder nicht erreicht werden sollte.

Wie es Strategiepapiere oft an sich haben, bleiben viele Details in Bezug auf konkrete Umsetzungen vage. Der Grundton der neuen Open-Access-Strategie kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Alles ist möglich, nichts wird ausgeschlossen. Konkrete Zielrichtungen werden an einer anderen Stelle zu finden sein. Zum Jahreswechsel wird swissuniversities die ersten Ausschreibungen für neue Open-Access-Projekte veröffentlichen.8 Die Förderentscheidungen zeigen dann eine Tendenz und füllen die Strategie mit Leben. Die Schweizer Institutionen blicken daher gespannt in die Zukunft, insbesondere angesichts der jüngst angekündigten radikalen Kürzungen für das gesamte Open-Science-Programm als Folge der Sparmaßnahmen für den Schweizer Bundeshaushalt.9

Dieser Beitrag kommt nicht ohne die abschließende Anmerkung der ironischen Tatsache aus, dass die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz nach eigener Definition selbst keine Open-Access-Publikation unter einer offenen Lizenz ist. Please – practice what you preach!

Autor: Nicolai Hauf,
mit wertvoller Unterstützung durch das Open-Access-Team der ZHAW Hochschulbibliothek.

1 Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz (2017): https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Open_Access__strategy_final_DE.pdf
2 Journal Monitor (OAM-CH) des Schweizer Open-Access-Monitors: https://oam.oamonitor.ch/open-access/-2025566562
3 Swiss National Open Access Strategy. Results of the Consultation:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA-Strategy-Review-Consultation-Report.pdf
4 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Swiss-National-Open-Access-Strategy-2024-en.pdf
5 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 11
6 Rights Retention Strategy: https://www.coalition-s.org/resources/rights-retention-strategy/
7 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 20 f.
8 https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science/ausschreibungen
9 Siehe https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science und https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-102538.html

Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).</description><enclosure
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<item><title>Openness in der Rechtswissenschaft – drei Projekte zur Beförderung der Transformation</title><link>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation#comments</comments><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:48:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Nikolas Eisentraut</dc:creator><dc:creator>Jonas Hantow</dc:creator><dc:creator>Maximilian Petras</dc:creator><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><dc:creator>Salo Tober-Lau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</guid><description>Ende 2023 bzw. Anfang 2024 starteten drei neue Projekte, die verschiedene Aspekte von Openness in der Rechtswissenschaft behandeln und die Transformation zu Open Access und offenen Lehr- und Lernmaterialien voranbringen sollen: „KidRewi (Kulturwandel in der Rechtswissenschaft)“ und „OZUG (Offener Zugang zum Grundgesetz)“ liefen im September 2023 an und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur gefördert. Anfang 2024 begann das Projekt „VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi)“, welches in der Förderlinie zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER Communities (OE_COM) ebenfalls vom BMBF gefördert wird. In diesem Blogartikel stellen wir die drei Projekte vor.

Der offensichtlichste gemeinsame Nenner der drei Projekte neben der Verortung in der Rechtswissenschaft ist die Förderung durch das BMBF. Allerdings sind zwei verschiedene Förderlinien vertreten, was die unterschiedliche thematische Ausrichtung widerspiegelt: Während KidRewi und OZUG im Rahmen der Open-Access-Förderung des BMBF Mittel beziehen, ist VEStOR eines von diversen Projekten, die als Umsetzungsmaßnahme der OER-Strategie des Ministeriums gefördert werden. Durch personelle Überschneidungen und die Anbindung sowohl an die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch an die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Verbindungen zur Community of Practice OpenRewi entsteht ein enger Austausch zwischen den Projekten, von dem alle Beteiligten profitieren, der aber so nicht selbstverständlich ist. So bemerkte auch eine Vertreterin des BMBF beim gemeinsamen Kick-off von KidRewi und VEStOR, dass sie es bisher nicht erlebt habe, dass sich Projekte aus unterschiedlichen Förderlinien so eng untereinander austauschen. Nach dem Kick-off wurde ein gemeinsamer Jour fixe von KidRewi und VEStOR im monatlichen Rhythmus eingerichtet.

Während KidRewi und OZUG also vor allem auf wissenschaftliche Publikationen abzielen, stehen bei VEStOR Lehr- und Lernmaterialien im Mittelpunkt. Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Open-Access-Publikationen und Open Educational Resources  allerdings fließend: Entscheidende Grundsätze wie der freie Zugang und die möglichst uneingeschränkte Nachnutzbarkeit sind Grundprinzipien beider Kategorien und der Gebrauch von CC-Lizenzen  ist der einfachste Weg, um die Nachnutzung sicher und weitestgehend simpel zu gestalten. Zwar finden sich unter OER nahezu alle möglichen Publikationsformate, jedoch sind Text- bzw. PDF-Publikationen auch hier zahlreich vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen sind die OA- und OER-Communitys jedoch wenig vernetzt – ein erhofftes Ergebnis der drei Projekte ist also auch ein verstärkter Austausch auf dieser Ebene.
Kulturwandel in der Rechtswissenschaft – KidRewi

Selbstständige Literatur – darunter versteht man eigenständig veröffentlichte Werke wie Monografien – in Printform besitzt in der Rechtswissenschaft nach wie vor zentrale Bedeutung. Sie ist nicht nur ein integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung, sondern nimmt auch in der wissenschaftlichen Praxis sowie der praktischen Rechtsanwendung eine unverzichtbare Rolle ein. Zudem kommt der Veröffentlichung der eigenen Qualifikationsschriften in renommierten Verlagen eine herausragende Bedeutung für den akademischen Werdegang zu. Diese disziplinspezifische Pfadgebundenheit ist nur ein Grund, weshalb sich der offene sowie digitale Zugang zu selbstständigen juristischen Publikationen bisher nicht weitgehend etablieren konnte. Hier setzt das Projekt KidRewi an und konzipiert Infrastrukturen sowie Materialien, die den Kulturwandel in der Rechtswissenschaft unterstützen sollen.

Das Projekt KidRewi
Das Akronym KidRewi steht für „Kulturwandel in der Rechtswissenschaft“, wobei im Rahmen des Projekts selbstständige juristische Publikationen im Fokus stehen. Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit ein Konzept für eine agile Publikationsinfrastruktur zu entwickeln, das in einem nächsten Schritt umgesetzt werden kann. Hintergrund der Projektarbeit ist die Überzeugung, dass die Transformation zu mehr Openness maßgeblich in den Händen der Rechtswissenschaftler*innen selbst liegt. Aus diesem Grund nehmen sowohl die Bedarfserhebung für die technische Infrastruktur als auch die zu erstellenden OER-Materialien zentrale Rollen des Projekts ein. Es soll nicht eine weitere Infrastruktur oder weitere Materialien für eine Community an der Community vorbei entwickelt werden.

Das interdisziplinäre Projektteam ist an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler angesiedelt und arbeitet eng mit Akteuren im rechtswissenschaftlichen und informationswissenschaftlichen Bereich zusammen. Dazu zählen die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, OpenRewi sowie das Kompetenznetzwerk Bibliometrie.

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt fördert die Reflexion über die Publikationskultur in der Rechtswissenschaft, indem Wissenschaftler*innen aus allen Karrierestufen angesprochen werden, die bereits Erfahrung im Publizieren von selbstständiger juristischer Literatur haben. Im Kern möchte KidRewi dadurch den Zugang zu rechtswissenschaftlicher Fachliteratur verbessern und inklusiver gestalten, um so eine nachhaltige Verbesserung insbesondere in der juristischen Ausbildung zu bewirken.
Offener Zugang zum Grundgesetz – OZUG

Das Grundgesetz stellt den populärsten und bedeutsamsten Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland dar. Als deutsche Verfassung erfährt es in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung und ist Gegenstand nicht nur rechtswissenschaftlicher Reflexion. Es ist normative Grundlage der großen politischen Konflikte der Bundesrepublik seit 1949 und regelmäßig Gegenstand bundesweiten Interesses im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht entschiedenen Verfahren. Das Bundesverfassungsgericht als Verfassungsorgan und Hüterin der Auslegung der Verfassung genießt in breiten Bevölkerungsschichten ein hohes Ansehen. Dennoch existiert auch über 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes keine für jedermann frei im Internet zugängliche Erläuterung der deutschen Verfassung und der sie prägenden Verfassungsrechtsprechung. Ein offener Zugang zu den vorhandenen Kommentierungen des die Bundesrepublik konstituierenden Textbestands fehlt. Im vom BMBF geförderten Projekt „OZUG: Offener Zugang zum Grundgesetz“ wird der Wissensbestand zum Grundgesetz als bedeutsamster Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland in den Open Access überführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut (LUH und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)) wird ein Grundgesetzkommentar projektiert, geschrieben und veröffentlicht, dessen Inhalte für jede*n frei verfügbar und offen lizenziert über das Internet zugänglich gemacht werden sollen. Neben Prof. Eisentraut wirken als Herausgeber*innen Prof. Dr. Friederike Gebhard, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier und Dr. Jonas Botta mit. Einschließlich der Herausgeber*innen wird der Kommentar von 73 Autor*innen verfasst und soll 2026 sowohl als Open-Access-Kommentar online als auch in einer Printausgabe veröffentlicht werden.

Ausgehend von der Realisierung des Kommentars untersucht ein von Prof. Dr. Bernd Kleimann (DHZW) geleitetes sozialwissenschaftliches Begleitforschungsprojekt aus professionssoziologischer und governancetheoretischer Perspektive, welche Faktoren in der Rechtswissenschaft (bislang) dem Open-Access-Gedanken entgegenstehen und welche Bedingungen für eine Mitarbeit an der Kommentierung als adäquat angesehen werden.
Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi – VEStOR

In der modernen Bildungslandschaft gewinnen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zunehmend an Bedeutung. Sie fördern den freien Zugang zu Wissen und unterstützen innovative Lehr- und Lernmethoden. Besonders in der Rechtswissenschaft sind OER bislang jedoch noch eine Ausnahme. Hier setzt das Projekt VEStOR an, das sich der Förderung und Verbreitung offener juristischer Lehr- und Lernmaterialien widmet.

Was ist VEStOR?
Das Projekt VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi) zielt darauf ab, die bislang einzige Community für offene juristische Bildungsmaterialien, OpenRewi e.V., zu erweitern und zu stärken. OpenRewi wurde im Jahr 2020 gegründet, um unter einem Dach dezentral, autonom und kooperativ arbeitende Communities of Practice (CoP) bei der Erstellung qualitativ hochwertiger und offen lizenzierter juristischer Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. VEStOR fördert die Vernetzung mit weiteren OER-Communities und trägt dazu bei, der offenen Rechtswissenschaft in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Projekt VEStOR wird als Verbundprojekt an der Fachhochschule Potsdam (FHP) und der Leibniz Universität Hannover (LUH) umgesetzt und im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER-Communities des BMBF gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler konzentriert sich die FHP auf die praktischen Aspekte der Community-Erweiterung und -Stärkung, einschließlich der Professionalisierung der Organisation, des Ausbaus von Infrastruktur- und Serviceangeboten sowie der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Das Projektteam an der LUH, unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut, fokussiert sich auf rechtsdidaktische Forschung und die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Erstellung und Nutzung juristischer OER, unterstützt durch zwei Promotionsstellen.

Projektziele und Schwerpunkte
Das Hauptziel von VEStOR ist es, OpenRewi als zentrales, hochschulübergreifendes Netzwerk für die Publikation offener, qualitätsgesicherter Lehr- und Lernmaterialien in der Rechtswissenschaft zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt auf folgende Schwerpunkte:

    Erweiterung und Stärkung der Community: Aufbau und Professionalisierung der Organisationsstruktur von OpenRewi, um die Community besser bei der Erstellung und Verbreitung von OER zu unterstützen.
    Vernetzung mit weiteren OER-Communitys: Förderung der Zusammenarbeit mit anderen OER-Initiativen, um Synergien zu nutzen und die Reichweite von OpenRewi zu erhöhen.
    Rechtsdidaktische Forschung: Untersuchung von didaktischen Aspekten juristischer OER und der Bedeutung von künstlicher Intelligenz für OER in der Rechtswissenschaft.
    Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle: Schaffung von Finanzierungsmodellen, die eine langfristige Bereitstellung und Weiterentwicklung von OER ermöglichen.
    Wissenschaftskommunikation: Entwicklung einer visuellen Identität und Kommunikationsstrategie, um OER in der Rechtswissenschaft breiter bekannt zu machen und deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt VEStOR adressiert die gesamte rechtswissenschaftliche Fachgemeinschaft in Deutschland und zielt darauf ab, ein inklusives Forum für Open Educational Practices (OEP) zu schaffen. Durch die Förderung und Verbreitung von OER in der Rechtswissenschaft wird ein breitenwirksamer Beitrag zur Realisierung eines nachhaltigen, OER-förderlichen Ökosystems in der digitalen Bildung geleistet.

VEStOR trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Lehr- und Lernmaterialien bei, sondern auch zur Vernetzung und Professionalisierung der Community. Es fördert den Austausch und die Kooperation zwischen verschiedenen OER-Initiativen und stärkt die Rolle von OER in der juristischen Ausbildung.
Ausblick

Die Chancen und Synergieeffekte der verschiedenen oben genannten Projekte sind vielfältig (Ebert et al., 2022)1. Sowohl juristische Lehrmaterialien als auch Handbücher oder Kommentare sind immer auf einen sich fortlaufend ändernden Normenbestand bezogen. Gesetze werden geschrieben, Gerichtsurteile präzisieren oder verwerfen sie. Das Format des gedruckten Buches wirkt hier hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Seine Herstellung ist aufwendig und dauert. Informationen in gedruckten Büchern sind nicht maschinenlesbar, können also weder leicht verknüpft noch unproblematisch aufgefunden werden. Zudem kosten (Fach-)Bücher viel Geld: Gewinnmargen, an die sich kommerzielle Verlage gewöhnt haben und die sie in ihren Online-Datenbanken (abgeschirmt durch das Urheberrecht) fortsetzen. Und das bei einer Materie, die für alle Teile der Gesellschaft so relevant ist. Aus diesem System auszubrechen, ist sehr voraussetzungsvoll – schon weil die Rechtswissenschaft eine eher konservative Disziplin ist und ihre lieb gewonnenen Publikationsgewohnheiten nur schwerfällig aufgibt. (Fischer, 2022)2. Deshalb ist es umso wichtiger, dass KidRewi, OZUG und VEStOR an verschiedenen Stellen zugleich ansetzen. Während KidRewi eine gründliche Bestandsaufnahme des Status quo vornimmt und dabei mögliche Alternativen bereits mitdenkt, schaffen OZUG im Bereich der Kommentarliteratur und VEStOR im Bereich juristischer Lehrmaterialien positive Beispiele und wertvolle Erfahrungen. Beide Projekte ringen dabei mit der (nie perfekten) aktuellen Publikationsinfrastruktur im weiteren Sinne. Gemeint sind damit nicht nur die konkret verwendeten (Hard- und) Software-Pakete (Nextcloud, PubPub), sondern gerade auch die konkreten Praktiken ihrer Anwendung. Kooperativ, online, mit Peer-Review (intern und extern) zu schreiben ist etwas ganz anderes als alleine in einer lokal gespeicherten Text-Datei mit ein paar nachträglichen Kommentaren der Herausgeber*innen (oder – teilweise Jahre später – der Rezensent*innen) zu schreiben. Wenn es gelingt, andere Publikationsinfrastrukturen für die Rechtswissenschaft zu schaffen, wären die Vorteile vielfältig: Bessere, aktuellere Literatur für die Leser*innen und reichhaltigere Erfahrungen (z. B. direkteres Feedback) für die Autor*innen. So wie es heute ganz selbstverständlich ist, dass Gesetze (und teilweise Urteile) im Internet frei abrufbar sind, sollte es bald auch selbstverständlich sein, dass diese öffentlich zugänglich erklärt und diskutiert werden.

1 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-50/offene-rechtswissenschaft-chancen-einer-open-science-transformation-volume-3-2022-issue-1?page=1
2 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-19/im-ringen-um-erkenntnis-und-anerkennung-wie-rechtswissenschaftler-innen-das-eigene-akademische-publizieren-im-zuge-von-open-access-sehen-volume-3-2022-issue-1?page=1</description><enclosure
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<item><title>Publikationsberatung in der Praxis: Vernetzung, Austausch, Weiterbildung</title><link>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung</link><comments>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung#comments</comments><pubDate>Tue, 26 Nov 2024 12:00:00 +0100</pubDate><dc:creator>Valérie Andres </dc:creator><dc:creator>Christian Kaier</dc:creator><dc:creator>Lisa Schilhan</dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-in-der-praxis-vernetzung-austausch-weiterbildung</guid><description>“Ich habe ein Paper verfasst und möchte dieses nun publizieren. Wie finde ich ein geeignetes Journal, worauf sollte ich im Publikationsprozess achten, wer finanziert mir eine Open-Access-Publikation und was kann ich tun, damit mein Beitrag gefunden und wahrgenommen wird?”

Diese und ähnliche weitere Fragen stellen sich besonders junge Forschende am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere. Klar ist, nach wie vor spielt das Publizieren beim Reputationsaufbau eine große Rolle. Jedoch fühlen Autor*innen sich oft unsicher und haben weder Zeit noch Gelegenheit, sich über alle Details und Aspekte des Publizierens zu informieren, und wünschen sich Unterstützung auch von außerhalb ihrer Community zu Fragen wie: Die Forschungsergebnisse sind aufbereitet, doch was sind nun die nächsten Schritte? Wie kann ich Open Access publizieren? Was muss ich dabei beachten? Wie erreiche ich größtmögliche Sichtbarkeit für mein Werk, und worauf sollte ich achten, um meine Karriere in der Forschung voranzubringen? Gibt es einen Ort, an dem ich alle Antworten finde oder muss ich unterschiedliche Expert*innen aufsuchen?

Darauf möchten wir antworten, dass eigentlich nur ein weiterer Schritt nötig ist: Die Kontaktaufnahme mit uns, den Publikationsberater*innen.

Das trinationale Kernteam setzt sich derzeit zusammen aus: Lisa Schilhan und Christian Kaier von den Publikationsservices Uni Graz, Jasmin Schmitz PUBLISSO Publikationsberatung ZB Med Köln und Valérie Andres, Fachstelle Open Access an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

In der Fokusgruppe Publikationsberatung, die aus einem Workshop bei den Open-Access-Tagen 2024 in Köln entstanden ist, wollen wir gemeinsam anhand unserer vielfältigen Erfahrungen in der Open-Access-Beratung den Austausch fördern, neue Themenfelder erschließen und diese in Richtung einer allgemeinen Publikationsberatung erweitern. Ziel ist es, neue relevante Themen für Beratungsangebote in wissenschaftlichen Bibliotheken zu erkennen, diese attraktiv aufzubereiten und damit die Qualität der Forschungsunterstützung weiter zu verbessern.

Dieser Anspruch stellt uns aber auch vor die Frage, wo wir unsere Expertise und unsere Grenzen im Spannungsfeld zwischen technischen, finanziellen, rechtlichen und auch sozialen Aspekten des Publizierens sehen.

Welche Kompetenzen müssen wir als Publikationsberater*innen mitbringen, um Forschende tatsächlich unterstützen zu können?

Braucht es einen juristischen Hintergrund zur Vermittlung von Grundlagen des Urheberrechts? Wie tief muss man in einen Verlagsvertrag eintauchen, damit Autor*innen gut beraten sind?

Sollen wir bei der Beurteilung von Qualität für oder gegen bestimmte Verlage Stellung beziehen und inwiefern stellt die KI noch einmal alles auf den Kopf, was wir bisher zu wissen glaubten?

Bei der Entwicklung zukunftsweisender und attraktiver Angebote wollen wir kollaborativ erarbeiten, welche Rolle die Publikationsberatung als Element der Forschungsunterstützung spielen kann und welche und wo es noch Wissen aufzubauen gilt. Bei den Open-Access-Tagen haben wir exemplarisch anhand der Themen “Forschungsbewertung” sowie “künstliche Intelligenz” diskutiert, worauf in der Publikationsberatung zu achten ist. In der neuen Fokusgruppe wollen wir weitere Themen zur Diskussion anbieten, wie zum Beispiel:

    Was verstehen wir unter dem Berufsbild Publikationsberater*in?
    Zu welchen Themen kann beraten werden?
    Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen wir als Berater*innen noch erwerben?
    Auf welche Materialien kann zurückgegriffen werden, welche sind noch zu entwickeln? 
    Macht es Sinn, gemeinsam Best Practice Beispiele zu entwickeln und auszutauschen?
    Welche Weiterbildungsmöglichkeiten sind für uns hilfreich?
    Wollen wir als Fokusgruppe gemeinsame Veranstaltungen für “unsere” Forschenden anbieten?  

In virtuellen Treffen sind praxisbezogene Vorträge zu Themen in der Publikationsberatung und zu Best-Practice-Beispielen von Einrichtungen geplant. Des Weiteren wird ein Erfahrungsaustausch ermöglicht. Angedacht sind vorerst 3-4 Online-Treffen pro Jahr.

Das erste Online-Treffen der Fokusgruppe findet am Donnerstag, 16.01.2025 von 14:00 bis 15:00 in diesem Raum statt. Neben einem ersten Austausch und dem Sammeln und Priorisieren von Themen soll bei diesem Treffen bereits ein konkretes Thema besprochen werden:

    Wie überzeugt man Forschende und Studierende, unsere Beratungsangebote zu nutzen? Welche Incentives, wie zum Beispiel ECTS-Punkte oder Zertifikate, können angeboten werden?

Wir freuen uns über Kontaktaufnahme vorab sowie über Vorschläge für konkrete Themen oder Formate. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite: https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-publikationsberatung

Die Folien zum Workshop “Austausch fördern: Initialer Workshop zur Gründung einer Vernetzungsplattform für Publikationsberater*innen” bei den Open-Access-Tagen 2024 sind auf Zenodo zu finden: https://doi.org/10.5281/zenodo.13833193.</description><enclosure
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<item><title>In Kooperation gemeinsam Ziele erreichen</title><link>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</link><comments>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Nov 2024 10:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</guid><description>Unter dem Titel „Gemeinsam geht es besser – Kooperationen auf dem Weg zum Informationsbudget“ kamen am 24. September 2024 rund 90 Teilnehmende zusammen. Es war der vierte Online-Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ – ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Bei aller Diversität der Rahmenbedingungen und Ansprüche in den Wissenschaftseinrichtungen, stellen sich bezüglich des Informationsbudgets  doch immer wieder ähnliche Fragen. In diesem Workshop wurden verschiedene Formen und Aspekte der Zusammenarbeit vorgestellt.

Die beiden Berichte aus dem „Kooperationsverbund Thüringer Hochschulbibliotheken“ von Lea Satzinger und Henrieke Walter zeigten beeindruckend deutlich, dass auch sehr verschiedene Häuser Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit finden können. So arbeiten in dem thüringischen Verbund insgesamt fünf AGs zu den Themen Erwerbung und Bestandsmanagement, Open Access, Informationskompetenz, Benutzung sowie IT-Infrastruktur. Außerdem werden gemeinsame Workshops zum Informationsbudget veranstaltet und der Verbund stellt hochschulübergreifende Services bereit: das Repositorium „Digitale Bibliothek Thüringen“ und ein gemeinsames Open Access Monitoring. Die besonderen Bedingungen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind Thema einer aktuellen Befragung durch das Projekt „Open Access an HAWs“.

Auch hausintern können mit Kooperationen erfolgreiche Wege beschritten werden. Peter Blume von der TU Ilmenau berichtete über die enge Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Fakultäten und Bibliothek, die gemeinsam eine eigenständige und nachhaltige Finanzierungsstrategie für Open Access aufbauen. Grundlage ist die Einordnung von Publikationskosten als Teil der Forschungskosten, an denen sich die Fakultäten beteiligen. So entstand ein gemeinsamer zweckgebundener Finanzfonds von Bibliothek und Fakultäten. Aus der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurden von Lea Satzinger verschiedene Tools zum Monitoring und Reporting vorgestellt.

Schwerpunkt des Vortrags über den Zusammenschluss „Digitale Hochschule NRW“ (DH-NRW) war das gemeinsame Kostenmonitoring für die beteiligten 42 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Jan-Philip Tummes und Nina Schönfelder stellten den Aufbau der Kostenreports vor und zeigten beispielhaft, wie sich die Kosten für Open-Access-Publikationen an einzelnen Hochschulen verteilen. Eine derart detaillierte Übersicht für alle Hochschulen zu erstellen, ist nur durch die landesweite Kooperation möglich.

Im letzten Beitrag sprachen Margit Schön und Irene Barbers über Motivation, Arbeitsweise und konkrete Ergebnisse der „Fokusgruppe Informationsbudget“. Auslöser waren Anfang 2022 die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrates an die  wissenschaftlichen Einrichtungen, „ihr Informationsbudget in allen seinen Komponenten zu erfassen und mögliche Einsparungen auf der Erwerbsseite sowie mögliche Einnahmequellen gegen steigende Ausgaben für Publikationsdienstleistungen zu bilanzieren.“ (Wissenschaftsrat 2022)1 Eine echte Mammutaufgabe, die nur in Kooperation zu bewältigen ist. Deshalb gründete sich auf den Open-Access-Tagen 2022 in Bern die „Fokusgruppe Informationsbudget“. Ihr Hauptziel ist es, gemeinschaftlich und im Austausch zu arbeiten: „Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren.“ (s. Blogbeitrag von Margit Schön und Heike Stadler). Eines von mehreren hilfreichen Ergebnissen der Fokusgruppe ist ein Power-Point-Foliensatz mit Argumentationshilfen, den wissenschaftliche Einrichtungen für ihre internen Gespräche nutzen und anpassen können.

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Erfassung von Publikationsmitteln aus Drittmittelprojekten und Strategien zum Umgang mit noch nicht erfassten Zahlungen. Die Präsentationsfolien der Workshop-Beiträge wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.

1 Quelle: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access (2022, S. 10). Wissenschaftsrat. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Open-Access-Tage 2024 an der TH Köln: Von dunklen Wolken, vermisstem Kaffee und ganz viel guter Laune</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune#comments</comments><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ursula Arning </dc:creator><dc:creator>Sarah Dudek </dc:creator><dc:creator>Agathe Gebert</dc:creator><dc:creator>Katja Halassy </dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</guid><description>Die Open-Access-Community war vom 10. – 12. September 2024 zu Gast in Köln, bei nicht ganz so schönem Wetter wie erhofft, aber die Regenschauer hielten sich in Grenzen, so dass niemand nass wurde … soweit bekannt.

Das Wetter sowie die gute Laune der Teilnehmer*innen an den Open-Access-Tagen (OAT) ist allerdings etwas, was man gar nicht (1. Fall) oder manchmal nur kaum (2. Fall) beeinflussen kann, sind wir doch weder in der Lage, die meteorologischen Einflüsse über Köln zu bestimmen, noch die individuellen Wünsche Einzelner zu erahnen.

Anders sieht es mit dem Tagungsprogramm, dem Tagungsort sowie dem Catering aus, so dass wir als Organisator*innen schon anderthalb Jahre vorher die Ärmel hochgekrempelt haben. Zunächst war da die Frage: Wer macht mit? Die war zum Glück schnell beantwortet. Zu den früheren Kooperationspartnern (die OAT fanden vor genau 10 Jahren schon einmal in Köln statt), dem Institut für Informationswissenschaft der TH Köln, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften sowie Gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, gesellten sich die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen ebenfalls dazu. Unterstützt wurden wir als regionaler Partner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Der Bewerbungsprozess

Als nächstes mussten wir uns bewerben, ein Prozess, den wir sehr ernst nahmen! Gewissenhaft haben wir die “Informationen für interessierte Ausrichter“ gelesen und zusammengestellt sowie ein kleines Filmchen über unsere Stadt und ihre Möglichkeiten gedreht. Die geforderte Raumkapazität für 300 Teilnehmende konnten wir mit dem Zubuchen der Aula an der TH Köln erreichen, also mussten frühzeitig die Daten der OAT 2024 in Köln festgelegt, als auch möglichst schnell die zum Veranstaltungszeitpunkt sehr begehrten Räume reserviert werden. Dass die 300 Teilnehmenden wohl zu knapp bemessen waren, zeigte sich bereits in Berlin, mit 450 Teilnehmenden bei den Open-Access-Tagen 2023. Da konnten wir aber schon nicht mehr nachjustieren, da die Universität zu Köln aufgrund von geplanten Baumaßnahmen keine größeren Räumlichkeiten verbindlich zur Verfügung stellen konnte und andere Räume an der TH Köln schon gebucht waren. Dennoch waren wir zunächst noch frohen Mutes… Berlin ist Berlin, aber würden sich auch alle nach Köln aufmachen wollen? Dass die Veranstaltung dann nach nur ein paar Tagen, quasi über das Wochenende, ausgebucht war, hat wohl alle überrascht und zeigt nur, wie hoch angesehen die Open-Access-Tage sind! Da galt es für uns nun dringend zu handeln und nach Streaming-Lösungen zu suchen.

Im Nachhinein sind viele mit dem aus der Not geborenen zusätzlichen Angebot überaus zufrieden, da die Vorträge aus zwei Veranstaltungsräumen im Live-Stream sowohl während der Tagung aus der Ferne miterlebt werden konnten, als auch jetzt im Nachgang über den YouTube Kanal von ZB MED sowie im AV Portal der TIB angesehen werden können.

Dann war da die Frage nach den Hotels. Noch während der Bewerbung wurde von den Heinzelmännchen unter uns abgefragt, ob es zu dem anvisierten Zeitraum eine Messe in Köln gab, die es unmöglich machen würde, dass alle Teilnehmenden ein Hotelzimmer zur Verfügung hätten. Die gleichzeitig stattfindende Personalermesse, von der wir erst erfuhren, als unsere Bewerbung bereits abgeschickt war und wir die Zusage zur Ausrichtung erhalten hatten, schien zunächst ein Problem, aber wir konnten durch die Reservierung von über 100 Hotelzimmern zumindest sicherstellen, dass ein großer Teil der Kolleg*innen eine Herberge finden konnte. Letztlich haben aber wohl nur Wenige von diesem Kontingent Gebrauch gemacht und sind auch so fündig geworden.
Das gewisse Etwas

Was aber tun, wenn es Anfang September heiß ist und alle lieber draußen sind, als in vollen Räumen den Sessions zu folgen? Das Lernzentrum der TH hatte mit der TransferBar die Lösung an der Hand: Ein ausklappbarer Anhänger, der im Außenbereich das Streaming aus den Sälen ermöglichte und bei schönem Wetter dazu einladen konnte, auch die Vernetzung untereinander nach draußen zu verlagern. So konnte gleichzeitig auch das Laufpublikum angesprochen und das Interesse bei den Kolleg*innen und Studierenden der TH Köln für Open Access gefördert werden. Als weiteres Angebot bot sich die Möglichkeit, dass Studierende im Rahmen eines Seminars im Vorfeld ihr Wissen zu Open Access durch die Gestaltung eines Spieles selber austesten und festigen konnten. Die „Open Access Challenge“ bot auch für diejenigen, die sich noch nicht so gut kannten, die Möglichkeit bei einem Kölschen Wasser (nein, nicht das Parfum, sondern eine Limo), spielerisch in den Pausen neue Kontakte zu knüpfen.

Dies war auch beim ersten Mittagessen durch die Reservierung von Tischen in der Mensa für die Newbies möglich, was dankbar angenommen wurde. Manch eine Person fragte nach, ob sie sich dazusetzen dürfe, auch wenn sie schon zwei oder drei Mal bei den OAT gewesen sei – das war natürlich möglich!

Auch die beiden Abendveranstaltungen, das Social Event an der Uni Köln und das traditionelle Dinner im Restaurant „Wagenhalle“ boten viel Raum für Austausch und zum Netzwerken. Für diejenigen, die sich kurzfristig gegen eine Teilnahme an den Events entschlossen hatten, gab es eine Tauschbörse, so dass umgekehrt niemand trotz des begrenzten Angebots enttäuscht und alleine im Hotel bleiben musste.
An Alle und Alles denken - Wohlfühlmomente

Die Tauschbörse erwies sich auch für die Workshops als unverzichtbar, die trotz der sehr reichen Auswahl auch diesmal nur allzu bald ausgebucht waren. Werbung mussten wir für die Open-Access-Tage definitiv nicht mehr machen. Aber alle Zuhause-Gebliebenen sollten auch neben dem Streaming bestmöglich über das Geschehen während der OAT 24 informiert werden. So waren alle wichtigen Informationen jeweils auf der Webseite zu finden und während der Konferenz wurde fleißig über Mastodon getrötet.

Das A und O einer Konferenz ist natürlich das Catering  - wenn hier alles stimmt, sind alle schon mal von Natur aus froh gestimmt. Das war uns bewusst. Bei der Frage, ob Fleisch oder nicht, ließen wir aus pragmatischen Gründen erst gar keine Grabenkämpfe zwischen uns aufkommen. Da wir verhindern wollten, dass die Fleischessenden unter uns den Vegetarier*innen die leckeren Happen wegessen, haben wir uns gleich unisono bei den Social Events für die Varianten „vegan“ und „vegetarisch“ entschieden. Ansonsten waren wir aus Brandschutzgründen an die Mensa und die von ihr angebotenen Kaffeetheken gebunden. Auch wenn Mensa-Essen oft verrufen ist: Unsere hat schon oft die Präsidiumsfeiern ausgerichtet, da waren wir schon mal auf der sicheren Seite. Warum der für alle so notwendige Kaffee aber vor der letzten Keynote abgeräumt wurde, obwohl dies definitiv anders abgemacht und zugesagt worden war, wird auch für uns ein nicht mehr zu lösendes Rätsel bleiben.
Fazit - Wo treffen wir uns 2026?

So lässt sich die oft wiederkehrende Frage, die wir während der Tagung hörten: „Läuft wirklich alles so perfekt, oder gibt es im Hintergrund Störungen?“, dann doch noch mit „Ja, es gab Störungen“ beantworten. Aber bis auf diesen Fauxpas des Caterings bleibt unser Fazit: Bei dieser Tagung hat sich gezeigt, dass alle Orga-Partner*innen super zusammengearbeitet haben. Allen war es gleichsam wichtig, dass alles funktioniert und sich alle bei uns in Kölle wohlfühlen. Ja, es ist viel Arbeit so eine Tagung zu organisieren, aber es macht auch einfach sehr viel Spaß und Freude am Ende in so viele gut gelaunte und dankbare Gesichter zu blicken! Wo treffen wir uns 2026? Vielleicht bei Ihnen?</description><enclosure
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<item><title>Gamification in der Open-Access-Beratung: Ein open-access.network Workshop auf den Open-Access-Tagen 2024</title><link>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</link><comments>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung#comments</comments><pubDate>Tue, 29 Oct 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Beratung</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 23.10.24 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Im Rahmen der Open-Access-Tage 2024 in Köln hatten wir am 12. September die Gelegenheit, einen spannenden Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ anzubieten. Mit 25 engagierten Teilnehmenden erkundeten wir, wie spielerische Elemente in die Beratung integriert werden können, um das Lernen und die Interaktion zu fördern.
Einblick in Gamification

Der Workshop begann mit einem informativen Inputvortrag, der Grundlagenkenntnisse rund um Gamification, deren Potenzial und Grenzen vermittelte. Gamification ist mittlerweile im Alltag vieler Menschen fest etabliert: Wir sammeln Punkte im Supermarkt, tracken unsere Kilometerzahl mit der Smartwatch oder bekommen virtuelle Auszeichnungen für unseren Lernfortschritt. Die Überführung von Spielelementen und -designs in spielferne Kontexte macht sich das Spielen als uralte Kulturtechnik zunutze, um komplexe Sachverhalte verständlich und spielerisch zu vermitteln, zu motivieren, Verhaltensänderungen herbeizuführen und den Spaß am Lernen zu fördern. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigten wir, wie spielerische Ansätze nicht nur die Motivation steigern, sondern auch das Verständnis komplexer Themen wie Open Access erleichtern können. Unsere Präsentation ist auf Zenodo verfügbar: https://zenodo.org/records/13950584
Spielerisches Lernen

Nach der theoretischen Einführung folgte eine Spielesession, in der die Teilnehmenden bereits entwickelte Spiele testen konnten. Diese Spiele waren speziell darauf ausgelegt, Aspekte des Open Access und der damit verbundenen Herausforderungen spielerisch zu vermitteln. Die Teilnehmenden fanden sich zu Kleingruppen zusammen, spielten gemeinsam und tauschten sich zu ihren Spielerfahrungen aus.

Folgende Spiele konnten „angespielt“ werden:

    Puzzle von open-access.network
    Kreuzworträtsel von open-access.network
    Brettspiel Open-Access-Challenge, entwickelt von Studierenden der ZB MED, aktuell als Online-Quiz im Rahmen der Open Access Week verfügbar
    Open Science Cafe
    Zwei Rätsel von der Universität der Künste

Nach dieser interaktiven Session hieß es Gamestorming: Wir spielten das Train-The-Trainer Card Game von Gwen Franck. Die Teilnehmenden zogen Karten, auf denen Eckdaten für ein fiktives Training zu finden sind (zum Beispiel Zielgruppe, Wissensstand, Gruppengröße etc.). Anhand des gezogenen Formats entwickelten sie dann kreative Gamification-Ideen, die nicht nur den Austausch untereinander förderten, sondern auch dazu anregten, spielerische und interaktive Ansätze für zukünftige Trainings- und Beratungssituationen zu entwickeln.
Spiele ausprobieren und nachnutzen

Weitere Open-Access- bzw. Open-Science-Spiele, die wir in unserem Workshop erwähnt haben, sind:

    The Publishing Trap
    Coopac
    Open Access Escape Room
    Open Science Rallye
    Research Data Scary Tales

Fazit und Ausblick

Unser Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ war geprägt von lebhaftem Austausch und kreativen Ideen. Von komplexen Planspielen bis hin zu interaktiven Quizformaten – die Teilnehmenden entwickelten eine Vielzahl an spannenden Ansätzen, um das oft komplexe Thema Open Access spielerisch zu vermitteln.

Die Resonanz der Teilnehmenden war durchweg positiv. Viele äußerten den Wunsch, solche gamifizierten Formate auch in zukünftigen Schulungen oder Beratungen einzusetzen, um die Vermittlung von Open Access Inhalten zugänglicher und ansprechender zu gestalten. Es besteht deshalb Bedarf an weiterem Wissensaustausch und gamifizierten Ressourcen, die die Bandbreite an OA-relevanten Themen und Beratungsszenarien abdecken. Ein weiteres Thema, war der Wunsch nach einem zentralen Ort, an dem Spiele mit Open-Access-Bezug zu finden sind.</description><enclosure
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<item><title>«When Green Open Access Meets Diamond Open Access»</title><link>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</link><comments>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing#comments</comments><pubDate>Tue, 08 Oct 2024 11:13:26 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Daniela Hahn</dc:creator><dc:creator>Enrique Corredera Nilsson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</guid><description>Opportunities and Synergies for Non-Commercial Open Access Publishing (Webinar)

Im Juni 2024 organisierten die durch swissuniversities co-finanzierten Projekte «GOAL – Unlocking the Green Open Access Potential» und «PLATO – Platinum Open Access Funding» gemeinsam das Webinar «When Green Open Access Meets Diamond Open Access». Ziel war es, mögliche Synergien zu erkunden, die entstehen, wenn Green Open Access und Diamond Open Access als komplementäre statt konkurrierende Modelle betrachtet werden. In diesem Blogpost fassen wir die Diskussionen des Webinars zusammen und stellen erste Überlegungen vor, wie diese die weitere Debatte über nachhaltiges und erschwingliches Open-Access-Publizieren in der Schweiz befördern können.
Das Streben nach Nachhaltigkeit I: Green- und Diamond Open-Access-Kulturen

In den letzten Jahren ist die Suche nach fairen, nachhaltigen und günstigen Formen des wissenschaftlichen Open-Access-Publizierens ins Zentrum des Interesses gerückt. Unterstrichen wird dies durch die «Schlussfolgerungen des Rates zu Wegen des hochwertigen, transparenten, offenen, vertrauenswürdigen und fairen wissenschaftlichen Publizierens», die vom Rat der Europäischen Union im Mai 2023 veröffentlicht wurden. Sowohl die Selbstarchivierung von Publikationen in institutionellen Repositorien (Green Open Access) als auch wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren ohne Gebühren für Autor*innen und Leser*innen (Diamond Open Access) können zu einer Transformation in diese Richtung beitragen. Die Frage, wie diese beiden Open-Access-Modelle konkret Synergien in Bezug auf Bibliodiversität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kosteneffizienz schaffen können, stand bisher jedoch noch nicht im Mittelpunkt der Diskussion.

Ziel des Webinars, das von swissuniversities ausgerichtet und von Thomas Leibundgut (Co-Koordinator Open Science, swissuniversities) moderiert wurde, war es, solche Synergien aufzuzeigen. Green und Diamond Open Access können sich – so die Ausgangsthese – auf der Suche nach einem nachhaltigen und kosteneffizienten Open Access ergänzen. Die Veranstaltung wurde von rund 90 Teilnehmer*innen besucht (die meisten davon Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken) und fiel zeitlich mit der Veröffentlichung der revidierten Schweizerischen Nationalen Open-Access-Strategie zusammen, welche Nachhaltigkeit und Bibliodiversität ins Zentrum stellt. Das Webinar traf auch deshalb auf ein reges Interesse der Community.

Der erste Teil des Webinars fokussierte auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen, die mit dem grünen und diamantenen Open-Access-Modell verbunden sind. Damit sollten diejenigen Bereiche identifiziert werden, in denen sich Synergien aus der Kombination ihrer Stärken ergeben können. Um eine Verknüpfung der Erfahrungen beider Projekte mit den Interessen und Ansichten der Teilnehmenden zu erleichtern, verwendeten wir Mentimeter-Fragen zur Erhebung der verschiedenen Wahrnehmungen von Green und Diamond Open Access. Beide Modelle wurden als Dienstleistungen betrachtet, welche von Institutionen angeboten und/oder unterstützt werden. Diese Gemeinsamkeit überschattetet jedoch nicht die Unterschiede: Für die Teilnehmenden wurde Green Open Access vor allem mit Fragen zu Embargo-Fristen, Zugänglichkeit, Autor*innen- und Nachnutzungsrechten verbunden, während die Stichworte «frei», «unterfinanziert», «wissenschaftsgeleitet» und «unabhängig» mit Diamond Open Access assoziiert wurden.

Breitere Zugänglichkeit

Beide Modelle sind auf wissenschaftliche Institutionen und akademische Einrichtungen angewiesen, da sie im Kern als Services für die wissenschaftlichen Communities angelegt sind. Als bedeutsamer erweist sich jedoch die andere Parallele: die Notwendigkeit der Beteiligung von Forschenden. In beiden Modellen bilden sie die Eckpfeiler des Publikationssystems, und jeder Versuch, Green und Diamond Open Access über den aktuellen Stand hinaus wirklich erfolgreich zu machen, muss insbesondere auf die Forschenden ausgerichtet sein: hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Zweitveröffentlichungsrecht oder ihres Engagements in und für wissenschaftsgeleitete Zeitschriften.

Zudem teilen beide Modelle die Anliegen der Zugänglichkeit, der Wahrung von Autor*innen- und Nachnutzungsrechten sowie der Beseitigung finanzieller Hürden im Open-Access-Publizieren. Durch eine parallele, institutionelle Förderung und strategische infrastrukturelle Vernetzung von Green und Diamond Open Access, können Autor*innen somit die Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern erfüllen und zugleich Publikationsgebühren vermeiden.

Darüber hinaus können gemeinsame Bemühungen der Befürworter*innen von Green und Diamond Open Access Vorstöße stärken, die einen fairen und erschwinglichen Zugang zu Forschungsergebnissen unterstützen. In Bezug auf Zugänglichkeit offerieren Green und Diamond Open Access mehrere Zugangspunkte für Forschende, Fachleute und die Öffentlichkeit, wodurch die Verbreitung und Reichweite wissenschaftlicher Publikationen insgesamt erhöht wird. Diamond-Open-Access-Zeitschriften können institutionelle Repositorien zudem in mehrfacher Hinsicht nutzen: für Zwecke der Langzeitarchivierung, aber auch zur Maximierung der Sichtbarkeit und Verbreitung der veröffentlichten Forschungsergebnisse. Die Verknüpfung von Forschungsergebnissen – sowohl Pre-Print als auch Post-Print – und ihre Verfügbarmachung in einem interoperablen Netzwerk von Infrastrukturen und Diensten (z. B. Open Peer Review, Overlay-Zeitschriften) können folglich die Open-Access-Transformation insgesamt beschleunigen, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und die Vernetzung von Forschung über verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.
Das Streben nach Nachhaltigkeit II: Infrastrukturen

Im zweiten Teil des Webinars wurden die Teilnehmenden dazu befragt, welche Infrastrukturen für eine gemeinsame Förderung von Green Open Access und Diamond Open Access nötig seien. Wie sich diese Modelle aus infrastruktureller Perspektive gegenseitig ergänzen können, ist dabei eine Frage, die besonders für Hochschulen und andere forschungsintensive Einrichtungen relevant ist. Denn diese Einrichtungen betreiben institutionelle Repositorien und/oder unterstützen Diamond-Open-Access-Zeitschriften, indem sie Wissenschaftler*innen beschäftigen, die Zeitschriften herausgeben, und Hosting-Lösungen und/oder Zuschüsse für Zeitschriften bereitstellen. Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits Publikationsinfrastrukturen, Veröffentlichungsmöglichkeiten und Langzeitarchivierungsdienste an, die ausgebaut und vernetzt werden sollten, um die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen durch die Integration von Green- und Diamond Open-Access-Kapazitäten zu maximieren.

Die Antworten zeigten, dass eine Mehrheit für nationale Infrastrukturen plädiert, sowohl in Form einer nationalen Diamond-Open-Access-Plattform für Zeitschriften und Bücher als auch in Form eines nationalen Repositoriums. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass nationale Infrastrukturen als Möglichkeit gesehen werden, die Sichtbarkeit und die Kosteneffizienz zu erhöhen, insbesondere für kleinere Einrichtungen. Synergien zwischen Green Open Access und Diamond Open Access zu schaffen, kann auch dazu beitragen, den Einfluss kommerzieller Verlage zu reduzieren – ein Ziel, über das bei den meisten Teilnehmenden Einigkeit bestand.

Zusammenarbeit und geteilte/gemeinschaftliche Ressourcen

Im Rahmen der Diskussion zu Infrastrukturen verlagerte sich der Fokus im zweiten Teil des Webinars von den Forschenden hin zu den Bibliotheken und ihren Ressourcen. Im Interesse der Teilnehmenden an gemeinschaftlichen Lösungsansätzen ließ sich zugleich die geteilte Einsicht in die Notwendigkeit einer Skalierbarkeit erkennen. Viele Komponenten einer robusten Infrastruktur sind bereits etabliert, dank der Entwicklung von Repositorien in zahlreichen Institutionen, die jeweils auf deren spezifische Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnitten sind. Dies umfasst nicht nur technische Aspekte wie Server und Software, sondern auch die Ebene der Praktiken und immaterielle Aspekte wie bspw. Fachwissen und Erfahrungen, welche in der Verwaltung und Entwicklung dieser Repositorien sowie in Projekten zu Diamond Open Access gesammelt werden konnten. Überlegungen, wie Elemente, die bereits teilweise oder vollständig verfügbar sind, auf koordinierte Weise integriert werden können und aus der Verbindung vereinzelter Bemühungen ein «Mehr» geschaffen werden kann, bilden einen entscheidenden ersten Schritt, um nicht-kommerzielles Open-Access-Publizieren weiter zu fördern.
Perspektiven für die (nahe) Zukunft

Wie hier skizziert, bot das einstündige Webinar in zweierlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken: Zum einen hob es das Potenzial hervor, Green und Diamond Open Access als komplementäre Modelle zu betrachten, mit der Möglichkeit, Synergien zu schaffen. Zum anderen identifizierte es, wenn auch nur vorläufig, Bereiche und Elemente, die diese Synergien begünstigen können. Zusammengefasst bietet dieser Bereich trotz mehr als zwei Jahrzehnten der Open-Access-Entwicklung noch immer das Potenzial für bedeutende Transformationen – wenn wir nur bereit sind, sie als möglich und realisierbar zu betrachten.</description><enclosure
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<item><title>Neuer bundesweiter Open-Access-Preis „Enter-Award 2024“ erstmals bei einer Veranstaltung in Berlin verliehen</title><link>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</link><comments>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Sep 2024 10:56:05 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Dr. Anne Lammers</dc:creator><dc:creator>Henry Steinhau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</guid><description>Anfang Juli erhielten fünf Projekte den „Enter-Award“ bei einer feierlichen Verleihung im Berliner Holzmarkt für ihre Leistungen im Bereich Open Access. Hier wollen wir die Preisträger*innen noch einmal vorstellen und von den Highlights der Veranstaltung berichten.

Der Enter-Award – gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – würdigt herausragende Vorhaben im Bereich Open Access und wurde in diesem Jahr erstmals durchgeführt und vergeben. Die Preise gingen in fünf Kategorien an folgende Projekte:

Infrastruktur: „DeepGreen“

    DeepGreen ist ein automatisierter Lieferdienst für Zeitschriftenartikel, der Verlagsinhalte basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen an institutionelle und fachliche Repositorien verteilt, einschließlich Open Access-Publikationen, die auf grünem, goldenem und hybridem Weg veröffentlicht werden.

Kooperation: „Open Library Badge“

    Open Library Badge bietet Zertifikate für Bibliotheken, die sich für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen, und damit ein Anreizsystem für Bibliotheken. Zu den Zertifikaten gehört ein regelmäßig aktualisierter Kriterienkatalog, der Open-Access-Aktivitäten betont.

Kompetenzvermittlung: „LMU Open Science Center“

    Das LMU Open Science Center ist eine universitätsweite, von Forschenden geleitete Initiative an der LMU München, die Peer-to-Peer-Schulungen zu Open-Science-Praktiken anbietet und Communitys zur Etablierung offener Forschungsnormen unterstützt, während sie mit Stakeholdern zusammenarbeitet, um politische Reformen voranzutreiben.

Pionierleistung: „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS)“

    Das Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) wurde 1999 von Katja Mruck als internationales Open-Access-Journal für qualitative Forschung initiiert. Bisher erschienen 25 Bände und zirka 2.300 Peer-Review-Beiträge auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Nachwuchshoffnung: „JuWissBlog“

    Der JuWissBlog startete 2013 als Diskursplattform der Nachwuchswissenschaft im Öffentlichen Recht und veröffentlicht jährlich 70 bis 140 Blogbeiträge im Double-Blind-Peer-Review-Verfahren. Die Redaktion besteht aus Nachwuchswissenschaftler*innen des deutschsprachigen Raums, sie organisiert auch jährliche Tagungen und Blog-Workshops.

Die Preisverleihung des Enter-Awards am 03.07.2024 im Salöön / Holzmarkt, CC-BY-SA 4.0, Foto: Daniel Buss.

Ziel und Mission des bundesweit ausgerichteten Preises sei es, jene zu ehren, die Forschung frei zugänglich machen und somit zur Demokratisierung von Wissen beitragen, erklärte Moderatorin Yolanda Rother zu Beginn der Veranstaltung. Für Alexander Heußner, stellvertretender Referatsleiter im BMBF, werbe der Enter-Award für Offenheit und Freiheit in der Wissenschaft. In seiner Grußrede wies er auf die Vielfalt und das breite Spektrum an Open-Access-Projekten hin, die von der Jury in die engere Auswahl der Nominierten (Shortlist) aufgenommen wurden.

Zur siebenköpfigen Jury gehörten Prof. Dr. jur. Ellen Euler, Lambert Heller, Dr. Christina Riesenweber, Dr. Anne-Sophie Waag, Dr. Karin Werner, Prof. Dr. Leonhard Dobusch und Dr. Anja Oberländer. Fünf von ihnen waren bei der Preisverleihung dabei. Sie sprachen sich bei der Veranstaltung dafür aus, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Open Access zu vergrößern. Dafür sei die Wissenschaft weiter zu öffnen, sodass sich immer mehr Menschen beteiligten. Zudem gelte es, sich auch mit jenen auseinanderzusetzen, die Open Access kritisieren.

Zum Programm der stimmungsvollen Preisverleihung in der Berliner Veranstaltungs-Location Holzmarkt gehörte ein Bühnengespräch der Moderatorin Yolanda Rother mit Professor Heinz Pampel, der am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Informationsmanagement lehrt und forscht. Seiner Auffassung nach würden zwar Fortschritte zu noch mehr Open-Access-Publikationen erzielt, eine Umstellung von Closed zu Open habe vielerorts aber noch nicht stattgefunden, etwa bei zahlreichen Zeitschriften der großen Verlagskonzerne. Pampel erwähnte vielversprechende Open-Access-Entwicklungen im Ausland, wie die neue Open-Access-Strategie der Schweiz, die erheblichen Investitionen Japans in Open-Access-förderliche Infrastrukturen und die Verpflichtung aller Bundesbehörden in den USA, steuerfinanzierte Publikationen als Open Access zu veröffentlichen.

Weitere Fotos von den Preisträger*innen und der Veranstaltung gibt es im Pressebereich der Projektwebseite. Das Team vom Enter-Award fasst derzeit alle Learnings aus dieser ersten Preisverleihung zusammen und arbeitet an einer Verstetigung des Wettbewerbs. Über aktuelle Entwicklungen wird auf der Webseite des Enter-Awards sowie im Newsletter informiert.
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<item><title>Fokusgruppe Informationsbudget - gemeinsam schneller ins Handeln kommen</title><link>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen</link><comments>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Sep 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Margit Schön</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen</guid><description>Getreu dem Motto “Wissen Teilen. Community stärken” betreut das Projekt open-access.network mehrere digitale Fokusgruppen, die sich jeweils bestimmten Open-Access-Themen widmen. 

Die Idee zur Gründung der Fokusgruppe Informationsbudget entstand während der Open-Access-Tage 2022 in Bern innerhalb eines Hands-on-Workshops zum Thema Publikations- und Kostenmonitoring. Das Ziel dahinter: gemeinsam und per Bottom-up-Ansatz ähnliche Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren. Die Fokusgruppe richtet sich an Beschäftigte in wissenschaftlichen Bibliotheken, die sich der Herausforderung Informationsbudget stellen und bereits erste Schritte gegangen sind oder sich gerade auf den Weg machen wollen.

Die Fokusgruppe plant konkrete Maßnahmen und organisiert deren Umsetzung. Deswegen ist eine aktive Teilnahme der einzelnen Mitglieder der Gruppe sehr wichtig. Unter anderem geht es um folgende Aspekte:

    Verständigung auf die Elemente von Informationsbudgets und die Standardisierung von deren Darstellung
    Zusammenfassung der notwendigen Handlungsschritte zur Einführung eines Informationsbudgets mit der Zielgruppe Bibliotheks- und Einrichtungsleitungen sowie Förderern
    Teilen von Best Practices
    Austausch und Zusammenarbeit mit weiteren Projekten, die das Thema Informationsbudget behandeln

Am 17. Februar 2023 fand das erste Auftakttreffen der Fokusgruppe Informationsbudget statt. 84 Teilnehmer*innen aus den verschiedenen Typen wissenschaftlicher Bibliotheken nahmen daran teil. Bei diesem ersten Treffen formierten sich fünf Unterarbeitsgruppen, die sich jeweils auf eine bestimmte Fragestellung spezialisierten. Die Mitglieder der Unterarbeitsgruppen stehen seither in regelmäßigem digitalen Austausch. Nach anderthalb Jahren erfolgte eine erste Retrospektive, d.h. die Untergruppen fassten ihre bisherigen Erkenntnisse zusammen und sammelten Feedback bzw. Ideen zur weiteren Zusammenarbeit ein. Am 21. Juni 2024 - im siebten Treffen der Gesamtgruppe – wurden die Ausarbeitungen aller fünf Unterarbeitsgruppen präsentiert. Diese Ergebnisse werden im Folgenden kurz vorgestellt, sie sind alle in der Zenodo-Community veröffentlicht worden.

Die Materialien sollen eine praktische Orientierungshilfe bieten. Sie können bei der Umsetzung des Informationsbudgets auf verschiedenen Ebenen in wissenschaftlichen Bibliotheken nützlich sein und den Prozess in der Praxis begleiten.
Was genau ist eigentlich ein Informationsbudget?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Unterarbeitsgruppe 1 „Definition Informationsbudget“. 

Da die Frage nicht einfach zu beantworten ist, wurde der Versuch unternommen, gemeinsam eine Definition zu erarbeiten. Die Definition basiert auf bislang veröffentlichten Ansätzen und den Praxiserfahrungen der Gruppenmitglieder. Der “kleinste gemeinsame Nenner” der Elemente des Informationsbudgets wurde herauskristallisiert und optionale Erweiterungen zusammengestellt. Die Kern- und Erweiterungselemente können interessierten Einrichtungen als erste Anregung dienen. Sie können einzelne Aspekte auswählen, die jeweils lokalspezifisch relevant sind, und ggf. weitere Elemente ergänzen. Dadurch kann ein Informationsbudget entstehen, das als Instrument des Finanzmanagements zu verstehen ist. Der Überblick über alle Ausgaben und Finanzierungsquellen für wissenschaftliche Informationen kann dadurch gewonnen werden. Erkenntnisse aus dem DFG-Förderprogramm Open-Access-Publikationskosten und den DFG-Projekten Transform2Open und Open Access Datenpraxis können zukünftig in die Treffen der Unterarbeitsgruppe einfließen.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11439996
Warum beschäftigen wir uns mit dem Thema Informationsbudget?

Die Unterarbeitsgruppe 2 „Kommunikationshilfen gegenüber Entscheidungsträgern verfassen“ ging der Frage nach, welche Informationen wichtig sind, um in die Kommunikation mit den Einrichtungsleitungen zu gehen.

Das präsentierte Ergebnis stellte eine perfekte Überleitung von der Theorie in die Praxis dar. Die Gruppenmitglieder haben eine Folienvorlage zur Unterstützung wissenschaftlicher Einrichtungen bei der Einführung eines Informationsbudgets konzipiert. Diese Vorlage dient allen Interessierten als Kommunikationshilfe gegenüber Entscheidungsträger*innen. Der offene Foliensatz steht als PPTX-Datei zur Verfügung und kann für eigene Zwecke angepasst und modifiziert werden. Wichtig war den Gruppenmitgliedern insbesondere, dass die “Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access” des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2022 in der Präsentation aufgegriffen wurden.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11549877
Welche Tools und Systeme eignen sich zur Erfassung von Kosten- und Publikationsdaten als Teil des gesamten Informationsbudgets?

Dieser Frage ging die Unterarbeitsgruppe 3 „Sammlung und Auswertung technischer Infrastruktur“ nach.

Bis dato gibt es kaum produktive Systeme, die bei der Erfassung von Kosten- und Publikationsdaten zur Etablierung eines Informationsbudgets hilfreich sind bzw. die Anforderungen zufriedenstellend erfüllen. Die dritte Unterarbeitsgruppe nahm sich dieser herausfordernden Ausgangssituation an, erstellte einen Systemvergleich und legte den Fokus auf die Publikationskostenerfassung. Es wurden verschiedene Systeme für unterschiedliche Anwendungsszenarien hinsichtlich ihrer Eignung für diesen Zweck untersucht und Kriterien zur Bewertung erarbeitet: 

    Bibliothekssysteme (ALMA / Aleph, FOLIO OA-App, Libero)
    FIS / Hochschulbibliographie (Pure, DSpace)
    Repositorium (eprints, LibreCat)
    Haushaltssysteme (SAP S/4 HANA, FSV).

Der Systemvergleich ist als Gedankenstütze und Anregung gedacht, jedoch nicht als Anschaffungsempfehlung.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.12073382
Wie gestaltet sich die praktische Umsetzung des Publikations- und Kostenmonitorings in einer Einrichtung?

Mit dieser Fragestellung hat sich die Unterarbeitsgruppe 4 „Publikations- und Kostenmonitoring“ als Community of Practice auseinandergesetzt.

Im Rahmen der Unterarbeitsgruppe wurden anfangs vorrangig allgemeine Praxiserfahrungen zu Monitoring-Prozessen ausgetauscht. Die Bandbreite des Austauschs reichte von verwendeten Tools, Daten für Reporting-Zwecke, Metadaten für Publikationen und deren Kosten, DFG-Förderung und personelle Ressourcen. Der Wunsch der Gruppe war es, dass der Fokus auf Praxis- und Werkstattberichte gelegt werden sollte, um in den direkten Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu gehen, die bereits erste Schritte bei der Umsetzung des Informationsbudgets vorweisen können. Diese Ausrichtung wird auch weiterhin in der Unterarbeitsgruppe praktiziert, über zukünftige Vorträge wird über die Mailingliste informiert.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.12084934
Wie kann ein idealtypischer Arbeitsablauf für das Publikationskostenmonitoring aussehen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Unterarbeitsgruppe 5 „Workflows / Prozesse“ als Community of Practice.

Die Untergruppe befasste sich zunächst mit den Workflows aus den Einrichtungen der Gruppenmitglieder - sofern es dort bereits welche gab. Anhand dessen wurden Einflussfaktoren identifiziert, die im Zusammenhang mit der Prozessgestaltung bedacht werden müssen: institutionelle und lokale Rahmenbedingungen sowie Anspruchsgruppen, die zu beachten sind.

Als erstes Szenario wurde dann ein idealtypischer Workflow für die Abrechnung einer Publikation mit Einzelrechnung entworfen. Darin werden die einzelnen Prozessschritte herausgearbeitet, eine Grafik mit tabellarischer Erläuterung bildet den Kern der Ausarbeitung. Der Workflow kann als Orientierungshilfe herangezogen werden, wenn in der eigenen Einrichtung Prozesse zum Publikationskostenmonitoring erarbeitet werden sollen. Ausarbeitungen für weitere Szenarien, wie Abrechnungen via Voucher, Mitgliedschaften, Diamond Open Access oder (DEAL-) Transformationsverträge können gegebenenfalls noch folgen.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11915411

Diese Puzzleteile aus einer Begriffsdefinition, einer Kommunikationshilfe, einem Systemvergleich, Werkstattberichten und einem visualisierten Workflow lassen Synergien zwischen den Unterarbeitsgruppen erkennen. Wenn alle Ergebnisse zusammen betrachtet werden, erhalten alle Interessierten eine erste Momentaufnahme, die aus der Praxis für die Praxis erstellt wurde.
Nachtrag

Virtuelle Fokusgruppen haben den Vorteil, dass sich viele Menschen von überall her sehr einfach zusammenschließen und gemeinsam Dinge erarbeiten können. Gelegentliche persönliche Treffen sind aber auch sehr schön und hilfreich. Deshalb veranstaltet die Fokusgruppe Informationsbudget einen Workshop innerhalb der Open Access Tage 2024 in Köln: Workshop 11: Von Brocken und Sandkörnern – Hürden auf dem Weg zum Informationsbudget. Zwei Fragestellungen sollen im Rahmen des Workshops bearbeitet werden: Welche konkreten Hürden gibt es in der eigenen Einrichtung bei den Überlegungen bzw. den Schritten hin zum Informationsbudget? Mit welchen Ideen und kreativen Ansätzen kann man diese überwinden? Wir freuen uns auf interessierte Teilnehmer*innen!
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<item><title>Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access#comments</comments><pubDate>Thu, 05 Sep 2024 10:20:00 +0200</pubDate><category>Fair OA</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Sabrina Schotten</dc:creator><dc:creator>Tobias Steiner</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access</guid><description>Die Autor*innen sind aktive Mitglieder des scholar-led.network und setzen sich damit gemeinsam und kollaborativ für eine von Großverlagen unabhängige, nicht profitorientierte Publikationskultur jenseits von APCs und BPCs ein.

Ein frischer Wind weht durch die Open-Access-Welt: Diamond statt APC, öffentliche Infrastrukturen statt Transformationsvertrag. Eine erfreuliche Entwicklung für das wissenschaftsgeleitete Publizieren, bei der es jedoch eine gravierende Leerstelle gibt.

Wie ist es zu diesem Umschwung in der Open-Access-Debatte gekommen? In den letzten Jahren wurden erhebliche Mittel investiert, um Wissenschaftsverlagen den Übergang zum Open Access Publishing schmackhaft zu machen. Doch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und unter Open-Access-Expert*innen wächst die Kritik:  Transformationsverträge resultieren in den wenigsten Fällen in einer tatsächlichen Transformation der beteiligten Zeitschriften zu Full Open Access (Farley et al., 2021; Ghamandi, 2020; Kiley, 2024; Nous, 2021). Die DEAL-Verträge stabilisieren die Marktmacht der Verlagskonzerne; ob sie zu nachhaltigen Kostensenkungen führen, bleibt dabei offen (Brembs et al., 2023a). Zu der daraus erwachsenden Frustration gesellen sich zunehmende Sorgen um die digitale Souveränität der Wissenschaft (Saunders, 2023). Dass Verlagskonzerne “science tracking” betreiben und als Datenhändler agieren (Altschaffel et al., 2024; Beetham et al., 2022; Clark, 2016; Holzer, 2022; Pooley, 2022; Siems, 2022; 2023), gewinnt durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz im Publikationswesen (Wood, 2024) weiter an Brisanz.

Auch zentrale Akteur*innen wie die cOAlition S, der Rat der Europäischen Union und einige deutsche Wissenschaftsorganisationen greifen diese Problembeschreibung in aktuellen Statements auf und nehmen dort einen alternativen Weg des Open-Access-Publizierens in den Blick: nicht-profitorientiertes Open Access Publishing in der Hand der Wissenschaft, bei dem wissenschaftliche Publikationen mithilfe öffentlich geförderter Open-Access-Infrastrukturen für Leser*innen und Autor*innen gebührenfrei sind.

Diese Entwicklung ist aus Sicht des scholar-led.network folgerichtig und begrüßenswert. Als Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die Publikationsprojekte unabhängig vom herkömmlichen Verlagswesen in kollaborativer, wissenschaftlicher Eigenregie betreiben, freuen wir uns, dass die in unseren Communities entwickelten und erprobten Modelle zukünftig breit gefördert und adaptiert werden sollen, wie wir es 2021 im scholar-led.network-Manifest (scholar-led.network, 2021) gefordert haben. Als Expert*innen für wissenschaftsgeleitetes, nicht-kommerzielles Publizieren sehen wir jedoch auch die Lücken in der aktuellen Diskussion. Diese fokussiert primär auf technische Fragen nach neuen Publikationsplattformen für Open Access und plädiert für das Aufbrechen etablierter Peer-Review-Strukturen (Brembs et al., 2023b). Diese neuen Ansätze orientieren sich oft an einem Wissenschaftsverständnis, das in den quantitativ arbeitenden Forschungsfeldern (STEM) verbreitet ist. Dabei wird jedoch oftmals übersehen, dass wissenschaftliches Publizieren, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, ein zutiefst sozio-technischer Prozess ist.

Die zentrale Schwachstelle liegt aus unserer Sicht darin, dass die Aufgaben von wissenschaftlichen Redakteur*innen und Herausgeber*innen weitestgehend ausgeblendet wird. Zur Erinnerung: Wissenschaftliche Redakteur*innen organisieren die Qualitätssicherung. Sie entscheiden über Desk Rejections, um Qualität zu sichern und das Peer-Review-System zu entlasten. Sie wählen Reviewer*innen aus und bewerten mögliche Befangenheiten. Sie sichten die Kommentare der Gutachter*innen, unterstützen Autor*innen dabei, Hinweise produktiv umzusetzen, und prüfen abschließend, ob Beiträge den Qualitätskriterien entsprechen. Darüber hinaus engagieren sie sich für die Akquise von Beiträgen, die Entwicklung neuer Formate und die Beratung von Nachwuchswissenschaftler*innen. Wissenschaftliche Redakteur*innen müssen fachlich versiert und gut vernetzt sein, um diese Aufgaben zu erfüllen. 

Bei wissenschaftsgeleiteten Publikationsorganen jenseits etablierter, kommerzieller Verlage kommen weitere Aufgaben hinzu: Die Tätigkeit von Redakteur*innen erfordert ein umfassendes Verständnis von Publikationsinfrastrukturen. Sie müssen die spezifischen Prozesse ihres Publikationsorgans in digitalen Redaktionssystemen abbilden, auftretende Fehler erkennen und Autor*innen und Gutachter*innen bei der Arbeit mit dem Redaktionssystem unterstützen. Redaktionen verwalten die Budgets der Diamond-Open-Access-Projekte, werben Mittel ein und koordinieren die Zusammenarbeit mit Infrastrukturanbieter*innen und externen Dienstleister*innen. Sie diskutieren intern über die Vorgehensweise bei Retractions und entscheiden selbst über publikationsethische Standards, wobei sie die spezifischen Erfordernisse des eigenen Fachs berücksichtigen. Angefangen von der Klärung juristischer Fragen über die Auseinandersetzung mit neuen, experimentellen Formen des Publizierens im Digitalen bis hin zum zielgruppenspezifischen Marketing fallen Aufgaben in ihren Arbeitsbereich, die in kommerziellen Verlagen arbeitsteilig organisiert werden. Wissenschaftsgeleitete Publikationsprojekte übernehmen diese selbst, denn dies füllt mit Leben, was wir mit “wissenschaftsgeleitet” meinen. Die Betreiber*innen technischer Open-Access-Infrastrukturen in den Bibliotheken und neue, nicht-kommerzielle Universitätsverlage unterstützen hier unter anderem mit Leitlinien und Beratung, haben aber in der Regel nicht das Mandat oder die Ressourcen, sich um alle anfallenden Aufgaben zu kümmern. 

Dass dieses vielfältige Aufgabenspektrum und die zentrale Rolle der Redaktionen in vielen der aktuellen Debattenbeiträgen komplett ausgeblendet werden, ist kein Zufall. Gute und faire Redaktionsarbeit lässt sich nur begrenzt “outsourcen” oder wie bereitgestellte Soft- und Hardware “skalieren”. Es müssen Lösungen gefunden werden, diese Arbeit unter den aktuellen, immer prekärer werdenden Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens mit befristeten Stellen und unsicheren Karriereverläufen zu organisieren. Es braucht akademische Freiräume innerhalb vergüteter Stellen und Anreizsysteme, damit es sich lohnt, sich in einer Redaktion zu engagieren und Kompetenzen aufzubauen. Nur so können diese Kompetenzen auch durch Networking, Kollaboration und nicht-kompetitiven Wissensaustausch weitergegeben werden, so dass sich wissenschaftliches Publizieren als dezentrales Netzwerk weiterentwickeln kann – ein Ansatz, den Adema/Moore, 2021 mit dem Konzept “scaling small” beschrieben haben. Diese Herausforderung ist komplex und wird in unterschiedlichen Disziplinen unterschiedlich beantwortet werden müssen. Wer nicht-profitorientiertes Open Access Publishing in der Hand der Wissenschaft fordert, muss sich dieser Frage jedoch über kurz oder lang stellen, denn Autor*innen und Gutachter*innen interagieren nicht nur mit Infrastrukturen. Sie interagieren hauptsächlich mit Menschen.

Aktuell klafft eine große Leerstelle, die nicht dadurch gefüllt wird, dass immer mehr Wissenschaftsorganisationen und wissenschaftspolitische Akteur*innen betonen, dass Gelder aus dem Erwerb in die Förderung von Open-Access-Publikationsinfrastrukturen verlagert werden sollen. Selbstverständlich sind Redaktionssysteme, Repositorien, Preprint-Archive und grundlegende Infrastrukturdienste wie Crossref und DataCite von zentraler Bedeutung für ein wissenschaftsgeleitetes Publikationssystem. Im Vergleich dazu mag jede einzelne der 246–298 primär in Deutschland angesiedelten Diamond-Open-Access-Fachzeitschriften zwar, wie in der Studie zur “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland” beschrieben, “weniger systemischen Charakter haben” (Biela/Stalla/Hohmann/Holzer, 2024, 10). Sie alle zusammen und die Menschen, die sie betreiben, sind jedoch gerade durch ihre Pluralität für das Publikationssystem überaus systemrelevant. Auch ein “large-scale open access research publishing service” (Rat der Europäischen Union, 2023), wie er dem Rat der Europäischen Union vorschwebt, wird die notwendige Transformation nicht befördern, wenn nicht aktive Redaktionskollektive ihn mit Leben füllen. Und auch die im Plan-S-Proposal “Towards Responsible Publishing” (Stern et al., 2023) vorgeschlagene Neudefinition der Redakteur*innenrolle wirkt zu kurz gedacht. Danach sollen Redakteur*innen die Entscheidungsmacht über die Veröffentlichung an die Autor*innen abgeben (Prinzip 1), jedoch weiterhin Begutachtungsprozesse organisieren. Welche Anreizsysteme für wissenschaftliche Redaktionen in diesem System greifen, lässt der Vorschlag jedoch offen.

Aus Sicht des scholar-led.network sind Vorstöße, die das Problem auf die Bereitstellung von primär technischer Infrastruktur verkürzen und One-Size-Fits-All-Lösungen ohne die hinreichende Berücksichtigung disziplinärer Diversität präsentieren, technokratische Nebelkerzen. Ein Systemwechsel wird ohne qualifizierte wissenschaftliche Redakteur*innen nicht funktionieren. Daher ist es höchste Zeit, dass deren Arbeit anerkannt und vergütet wird (siehe dazu auch jüngst Adema/Moore, 2024) – was beispielsweise durch eine sinnvolle Einbettung in eine grundlegende Reform der Personalstrukturen im deutschen Hochschulwesen erfolgen könnte. Verschiedene Vorschläge dazu existieren bereits beispielsweise im Kontext der #IchbinHanna-Initiative (siehe bspw. Bahr, 2023), leider ist jedoch seitens der Hochschulpolitik sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene bisher wenig Bereitschaft hin zu einer dringend nötigen Implementierung erkennbar.
Literatur

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    Adema, J., &amp; Moore, S. (2024). &quot;Just One Day of Unstructured Autonomous Time&quot;: Supporting Editorial Labour For Ethical Publishing Within The University. https://doi.org/10.17863/CAM.107590 
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<item><title>Openness an Hochschulen verankern mit dem OER-Policy Kit</title><link>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2#comments</comments><pubDate>Mon, 26 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>OER</category><dc:creator>Silvia Czerwinski</dc:creator><dc:creator>Irina Hörmann</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</guid><description>Immer mehr Hochschulen bekennen sich zu Openness. Durch verschiedene Richtlinien wollen sie ein Signal für Lehrende, Forschende und andere Hochschulangehörige setzen, dass sie einen freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, Forschungsdaten und Bildungsmaterialien unterstützen. Doch was sollten solche Policies eigentlich enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Und welche Stakeholder sollten bei der Erstellung einbezogen werden, damit später bei der Umsetzung alle an einem Strang ziehen und die Policies nicht nur auf dem Papier bestehen? Antworten in Bezug auf Open Educational Resources (OER) gibt das OER-Policy Kit. Es bietet Orientierung, Handlungsempfehlungen und praktische Tipps.
Openness in der Hochschullehre - Open Educational Resources (OER)

Viele Hochschulen im DACH-Raum haben bereits eine Policy für die Förderung von OER auf den Weg gebracht (siehe Policy-Liste). Als OER werden freie Bildungsinhalte bezeichnet, die durch eine offene Lizenzierung kostenlos einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und somit für andere nachnutzbar sind - dabei kann es sich um einzelne Materialien oder ganze Kurse handeln (siehe UNESCO Definition). Dabei haben sich die Creative Commons Lizenzen als Standard für die Kennzeichnung und Verbreitung von OER etabliert.

Nachnutzbar können OER in vielerlei Hinsicht sein: Passende Lehr-/Lernmaterialien zum eigenen Lehrgebiet können die Lehrveranstaltung anreichern, ergänzen und vertiefen, sie bieten aber auch die Möglichkeit, die (Neu-)Gestaltung der eigenen Lehre zu inspirieren, umzustrukturieren und stärker kompetenzorientiert auszurichten (z. B. nach dem Prinzip des Inverted Classroom). Durch die Bereitstellung eines didaktischen und methodischen Mix an Lernangeboten können Studierende eingebunden und eine Vermischung von wissenschaftlichen Arbeitsmethoden und informellen Lernprozessen erreicht werden. Außerdem wird den Studierenden durch ein breites Angebot an Begleitmaterialien eine bedarfsorientierte Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht und so eigenverantwortliches und individuelles Lernen gefördert, z.B. mittels persönlicher Lernpfade zur Prüfungsvorbereitung, zur Vertiefung von Themen oder zum Auffangen unterschiedlicher Wissensstände bei Studierenden. Dies trifft umso mehr zu, wenn die Studierenden selbst dazu angeregt werden, gemeinsam mit den Lehrenden den Materialpool zu erweitern oder offene Lehrmaterialien an die eigenen Lernprozesse anzupassen.

Besonders beim Einstieg in die Hochschullehre können nachnutzbare Bildungsmaterialien für neuberufene Professorinnen und Professoren, frisch angestellte Mitarbeitende und Lehrbeauftragte hilfreich sein. Indem auf bewährte Materialien zurückgegriffen wird und somit die Erstellung von Lehrkonzepten und -materialien nicht bei null begonnen werden muss, kann der Lehreinstieg erleichtert werden.

Großes Potenzial entfalten OER vor allem dann, wenn die offenen Materialien verändert und erweitert werden. Sie können z. B. einfach in andere Sprachen übersetzt werden (mittels KI), wodurch sich Potenziale für die Internationalisierung ergeben. Oder die Inhalte können aus den Hochschulen heraus in andere Bildungssparten wie z. B. die wissenschaftliche Weiterbildung bzw. Erwachsenenbildung überführt werden.

Grundsätzlich kann die Veröffentlichung eigener Lehr-/Lernmaterialien sowie Lehrkonzepte als OER dem Reputationsaufbau im Bereich der Hochschullehre dienen, ähnlich wie wissenschaftliche Publikationen im Forschungsbereich. Mitunter werden OER im Lebenslauf auch für spezifische Stellen relevanter. Durch die Bereitstellung von Open Educational Resources kann ein aktiver Beitrag zu einer vielfältigen und nachhaltigen Bildungslandschaft geleistet werden.
Warum brauchen Hochschulen eine OER-Policy?

Das Teilen von Lehr-/Lernmaterialien, Lehrkonzepten oder Prüfungsaufgaben ist für manche Lehrende immer noch mit einigen Fragezeichen, Unsicherheiten oder Vorbehalten verbunden: Wo kann ich nach geeigneten Materialien suchen? Woher weiß ich, dass das gute Materialien sind? Ist es nicht aufwändig, die Materialien anderer an meine Lehre anzupassen? Welche rechtlichen Aspekte muss ich beachten, wenn ich meine Materialien veröffentlichen möchte? Wer gibt mir Antworten auf meine Fragen? Um eine Kultur des Teilens in der Lehre an Hochschulen und damit die Nutzung und Erstellung von OER zu etablieren bzw. zu fördern, braucht es verschiedene Maßnahmen auf mehreren Ebenen, z. B.:

    Beratungsstellen und konkrete Ansprechpersonen vor Ort
    Informationsmaterialien, Selbstlernkurse, Sprechstunden etc.
    Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote zur Erstellung und Nutzung von OER
    Austausch- und Vernetzungsformate für Lehrende, um u. a. Good-Practice-Beispiele sichtbar zu machen
    Anreizsysteme wie z. B. Förderprogramme, Auszeichnungen, Deputatsanrechenbarkeit für besondere Leistungen rund um OER in der Lehre
    Nationale und internationale Veranstaltungen rund um OER
    Unterstützung bei der Anpassung und Erstellung von OER in Form von ausgebildeten Hilfskräften

Ein wesentlicher Grundstein, der den Weg für diese Maßnahmen ebnen kann (aber nicht muss), kann mit einer Policy gelegt werden. Mit einer solchen Richtlinie, die sich an Lehrende, Mitarbeitende und/oder andere Hochschulangehörige richtet, können Hochschulen nicht nur zeigen, dass sie sich für OER, Openness und eine Kultur des Teilens einsetzen, sondern auch wie sie diese Ziele mit welchen Maßnahmen an der Hochschule erreichen möchten. Typische Inhalte einer OER-Policy sind folgende (siehe auch Muster Policy des niedersächsischen Landesportals twillo):

    Die Position der Hochschule in Bezug auf OER (enthält u. a. Präambel, Verständnis von OER, Ziele, Zielgruppen)
    Empfehlungen der Hochschule („Pflichten“ der Zielgruppe, u. a. Lizenzwahl, Namensnennung, offene Dateiformate, Qualitätssicherung)
    Angebote der Hochschule (welche Unterstützung möchte sie in Sachen OER gewährleisten, z. B. Einräumung der Nutzungsrechte, Verantwortlichkeiten und Ansprechpersonen, OER-Repositorium, Qualifizierungsangebote und weitere Maßnahmen)

Jedoch ist der Weg zu einer OER-Policy und ihre inhaltliche Ausgestaltung dabei so unterschiedlich und vielfältig wie die Hochschullandschaft selbst. Wenn sich eine Hochschule auf den Weg zu einer OER-Policy machen möchte, gibt es allerdings immer ähnliche Fragen: Wo und wie fange ich an? Was soll die Policy enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Welche Akteur:innen müssen einbezogen werden?
Das OER-Policy Kit als Handlungsleitfaden
Abb. 1: Roadmap OER-Policy Prozess. (Bild: Frank Homp und Stefanie Legler, CC BY 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)

Klar definierte Antworten auf diese Fragen gibt es weniger, aber es gibt Erfahrungen, wie Hochschulen diese Fragen individuell für sich beantwortet haben. Diese sind nun in Form des OER-Policy Kits von einer Arbeitsgruppe bestehend aus twillo, dem Netzwerk ORCA.nrw und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen übersichtlich und interaktiv zusammengestellt worden. Über einen Zeitraum von sechs Monaten hat die sechsköpfige Arbeitsgruppe Erfahrungen von Hochschulen zusammengetragen, die bereits eine OER-Policy veröffentlicht haben oder noch mittendrin stecken. Während des Schreibprozesses wurden u. a. Rückmeldungen aus Vernetzungstreffen von Policy-Aktiven eingeholt und eingearbeitet.

Das fertige OER-Policy Kit ist ein Handlungsleitfaden, der als praktischer Wegweiser durch den Dschungel des OER-Policy-Entwicklungsprozesses dienen soll (Abb. 1). Egal, an welchem Punkt eine Hochschule steht – ob man einen Vorschlag für einen Policy-Entwurf benötigt, einen partizipativen Prozess gestalten oder die Hochschulleitung erst noch über das Für und Wider einer OER-Policy aufklären möchte –, das OER-Policy Kit versucht, trotz der vorhandenen Unterschiede zwischen den Hochschulen eine allgemeine Orientierung, konkrete Tipps und Beispiele sowie hilfreiche Materialien zu den verschiedenen Stationen zu geben.
Transferpotenzial für Open Access Policies

Ähnlich wie bei der Entwicklung von OER-Policies, bei denen es um den freien Zugang zu Lehr-/Lernmaterialien geht, gibt es auch bei der Gestaltung von Open Access Policies ähnliche Fragen. Diese Richtlinien zielen darauf ab, wissenschaftliche Publikationen und Forschungsdaten frei zugänglich zu machen. Der Prozess der Erstellung und Implementierung einer Open Access Policy umfasst viele der gleichen Herausforderungen und Schritte wie bei OER-Policies: die Definition von Zielen und Maßnahmen, die Einbeziehung relevanter Stakeholder und die Berücksichtigung rechtlicher Aspekte. Das OER-Policy Kit kann daher ebenfalls hilfreiche Antworten auf den Entwicklungsprozess einer Open Access Policy geben und als Leitfaden herangezogen werden. Schließlich können Hochschulen durch die parallele Förderung von OER und Open Access eine umfassende Kultur der Offenheit etablieren, die sowohl die Lehre als auch die Forschung umfasst.

Wenn sich also Ihre Hochschule auf den Weg Richtung Openness machen und das in Form einer Policy verankern möchte, dann werfen Sie gerne einen Blick in das OER-Policy Kit. Alle Dateien zum Nachnutzen des Policy Kits finden sich in diesem Git-Repository: https://github.com/twillo-lehre-teilen/OER-Policy-Kit Wenn das Kit hilfreich für Sie ist oder wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben, freuen wir uns immer über Ihr Feedback an support.twillo@tib.eu bzw. als Kommentar unter diesem Post.
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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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<item><title>Warum Offenheit bei Künstlicher Intelligenz (KI) für Bildung und Wissenschaft wichtig ist</title><link>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist</link><comments>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist#comments</comments><pubDate>Thu, 08 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><dc:creator>Sarah-Isabella Behrens</dc:creator><dc:creator>Caroline Boos</dc:creator><dc:creator>Dr. Anne-Sophie Waag</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/warum-offenheit-bei-kuenstlicher-intelligenz-ki-fuer-bildung-und-wissenschaft-wichtig-ist</guid><description>Wikimedia Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Freien Wissens. Wir verstehen die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung als Menschenrecht. Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen am gesamten Wissen der Menschheit teilhaben, es nutzen und mehren können. Wissen ist für uns dann frei, wenn es für alle Menschen jederzeit kostenlos verfügbar, veränderbar und nachnutzbar ist.

Allerdings beobachten wir, dass derzeitige Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wesentliche Prinzipien des Freien Wissens missachten: Transparenz, freier Zugang und Mitbestimmung.

Transparenz: Die im Bildungsbereich am häufigsten eingesetzte generative KI ist ChatGPT. Doch es ist nur wenig über das große proprietäre Sprachmodell, dessen Trainingsdaten oder Filter bekannt sind. Dadurch kann es kaum durch externe, unabhängige Personen beurteilt werden. In einem so sensiblen Bereich wie der Bildung, bei der es sich um eine öffentliche Aufgabe handelt, ist das nicht akzeptabel - daher fordern wir mehr Transparenz dort eingesetzter KI-Systeme.

Zugang: Privatwirtschaftliche Unternehmen verlangen für generative Chatbots hohe Lizenzgebühren. Wollen öffentliche Einrichtungen deren Nutzung für alle ermöglichen, müssen Sie hohe Lizenzgebühren zahlen. Damit fließen öffentliche Mittel direkt in privatwirtschaftliche Unternehmen, ohne dass für Staat oder Bürger*innen Möglichkeiten der Mitbestimmung über die Technologien existieren. Besser wäre es, diese öffentlichen Gelder könnten in die Entwicklung offener und gemeinwohlorientierter Systeme investiert werden.

Mitbestimmung: Proprietäre und kommerzielle KI-Anwendungen stehen im Widerspruch zu den Prinzipien und den Überzeugungen einer offenen Bildungspraxis und einer zeitgemäßen Pädagogik. Denn dazu gehört auch, dass die Auswahl von Inhalten und der Einsatz von Anwendungen wie beispielsweise KI-Tools gemeinsam ausgehandelt und mitgestaltet werden können. Damit dies realisiert werden kann, muss auf offene und transparente Anwendungen gesetzt werden, die nachvollziehbar sind und für die pädagogischen Bedarfe angepasst werden können.

Im Rahmen der kollaborativen Veranstaltungsreihe Forum Offene KI in der Bildung haben sich Menschen aus Bildungspraxis, -forschung und -zivilgesellschaft mit den Herausforderungen und Bedarfen bezüglich KI-Anwendungen in der Bildung auseinandergesetzt. Herausgekommen sind zehn Handlungsempfehlungen für offen und gemeinwohlorientierte KI-Technologien im Bildungsbereich, die die Relevanz von KI im Kontext der Bildung aus einer pädagogischen Offenheitsperspektive in den Blick nehmen.
An wen richten sich die Handlungsempfehlungen für mehr Offenheit bei KI in der Bildung?

Das Empfehlungspapier richtet sich an Bildungs- und Digitalpolitiker*innen, die offene und gemeinwohlorientierte KI in der Bildungspraxis fördern möchten. Die Empfehlungen sollen Möglichkeiten und Wege aufzeigen, wie der Einsatz offener KI-Technologien in der Bildung aussehen kann und welche Maßnahmen dafür getroffen werden müssen. Es wurde in einem kollaborativen Prozess zwischen November 2023 und Mai 2024 mit Beteiligten aus verschiedenen Bildungssektoren erarbeitet. Die Motivation war, Impulse in die Entscheidungsprozesse rund um KI-Anwendungen in der Bildung einzubringen und den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in eine Richtung zu lenken, die gemeinwohlorientiert ist und nicht durch einzelne marktführende Tech-Konzerne dominiert wird. Ziel ist es, den Zugang zu offenen KI-Technologien, gute Rahmenbedingungen für offene Bildung und die Wahrung der Grundrechte im digitalen Raum voranzutreiben.
Bei der Abschlussveranstaltung des Forums Offene KI diskutierten wir die Empfehlungen mit verschiedenen Bundespolitiker*innen. Zu sehen sind (v.l.n.r.): Dr. Anne-Sophie Waag, Dr. Holger Becker, Maximilian Funke-Kaiser, Sabine Grützmacher, Franziska Hoppermann, Nele Hirsch und Franziska Heine.
Credits: Ekvidi, Wikimedia-DE-Event-14052024-36, CC BY-SA 4.0
Die 10 Handlungsempfehlungen auf einem Blick:

Wir empfehlen die öffentlich finanzierte Entwicklung gemeinwohlorientierter und offener KI-Technologien für den Bildungsbereich mit gleichen Zugangsmöglichkeiten für alle. Alle eingesetzten KI-Systeme sollen vor ihrem Einsatz im Bildungsbereich unabhängig geprüft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es diverser Maßnahmen, die kurz- bis mittelfristig umzusetzen sind.

Infrastruktur und Zugang

    Kurzfristig: Bundesländer schaffen Zugänge zu KI-Systemen für alle
    Mittelfristig: Bund und Länder fördern die (Weiter-)Entwicklung von offenen, gemeinwohlorientierten KI-Alternativen für die Bildung
    Mittelfristig: Bund und Länder stellen öffentliche digitale Infrastrukturen zum Hosten offener KI-Systeme bereit

Offene Bildungspraxis

    Kurzfristig: Bund und Länder stellen alle öffentlich finanzierten Lern- und Weiterbildungsressourcen zu KI unter freien Lizenzen zur Verfügung
    Kurzfristig: Bundesländer fördern den Aufbau von Offenheitskompetenzen im Kontext der Digital- und Medienbildung
    Mittelfristig: Länder fördern eine neue Fortbildungskultur und -struktur mit offenen Formaten zum Peer-to-Peer- und Selbstlernen
    Mittelfristig: Bundesländer unterstützen die Veränderung der Lern- und Prüfungskultur

Grundrechte im digitalen Raum

    Kurzfristig: Der Bund gewährleistet durch regulatorische Maßnahmen die Nachvollziehbarkeit von spezifischen KI-Anwendungen für Nutzende
    Kurzfristig: Bund und Länder gewährleisten Datenschutz bei der Nutzung von KI-Anwendungen in der Bildung
    Mittelfristig: Bund und Länder führen eine unabhängige KI-Prüfstelle ein
     

Was folgt nach dem Papier und dem Forum?

Wir sehen das vorliegende Papier “Offene KI für alle!” nicht als abgeschlossen, sondern als Arbeitspapier an. Wir laden deshalb zur Fortsetzung unseres begonnenen, kollaborativen Prozesses ein. In diesem Sinne rufen wir alle politischen und pädagogischen Akteur*innen dazu auf, die Handlungsempfehlungen aufzugreifen, sie weiter zu verbreiten, mit Kolleg*innen darüber zu diskutieren und sie weiterzuentwickeln, zum Beispiel in der Wiki-Version der Handlungsempfehlungen: https://meta.m.wikimedia.org/wiki/Offene_KI. Wir hoffen, damit eine breite und differenzierte Debatte über KI-Systeme im Bildungsbereich mit anzustoßen. Wir appellieren an die Politik, die aufgeworfenen Herausforderungen anzugehen, den Dialog mit der Bildungspraxis zu intensivieren, unsere Empfehlungen aufzugreifen und deren Umsetzung aktiv zu unterstützen und voranzubringen.
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<item><title>Ein Ziel, zwei Abteilungen: Bibliotheken und Finanzverwaltung im Austausch über Rechnungserfassung von Publikationskosten</title><link>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</guid><description>Wie lassen sich „Rechnungen für Publikationskosten abteilungsübergreifend kennzeichnen und erfassen“? Diese Frage wurde Ende Mai 2024 im dritten Online-Workshop der Reihe  „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ diskutiert. Die mit über 180 Teilnehmer*innen sehr gut besuchte Veranstaltung ist ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Der Workshop richtete sich speziell an Kolleg*innen-Tandems aus Bibliothek und Finanzabteilung derselben Institution. In den Impulsvorträgen ging es um die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, Rechnungen über Publikationskosten für die gesamte Einrichtung zu erfassen und damit die Open-Access-Transformation voranzubringen.

Empfehlungen zur Erfassung und Bearbeitung von Publikationskosten aus dem österreichischen Projekt AT2OA²  waren Thema der ersten Präsentation. Im Projekt wurden unter anderem Informationsmaterialien entwickelt, mit deren Hilfe Mitarbeitende in Finanzabteilungen geschult werden, Rechnungen über Publikationskosten zu erkennen - beispielsweise anhand von Buzzwords.

Die folgenden beiden Vorträge aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ gliederten sich in ein Praxisbeispiel über einen Bibliotheks-Workflow zur zentralen Bearbeitung von Open-Access-Publikationskosten. Anschließend berichtete die GFZ-Finanzabteilung, wie SAP-Reports für das Controlling von Publikationskosten eingesetzt werden können.

Den Abschluss bildete eine Präsentation der von der TU Braunschweig entwickelten Open-Source-Software CODA (Customizable Open Access Database Application), die eine detaillierte Erfassung, Bearbeitung und Verwaltung publikationsbezogener Kostendaten ermöglicht.

Die mehr als 180 Teilnehmer*innen aus Finanzabteilungen und Bibliotheken konnten sich über eigene Erfahrungen ihrer Zusammenarbeit bei der Erfassung und Zuordnung von Publikationskosten austauschen. Ein wichtiger Punkt war die Kommunikation und Vernetzung zwischen Bibliothek und Finanzabteilung, denn eine gemeinsame Sprache ist gerade mit Blick auf die abteilungsübergreifende Bearbeitung von Rechnungen für Publikationskosten eine wichtige Grundlage für die Einführung eines transparenten Informationsbudgets. In der Abschlussdiskussion berichteten einige Kolleg*innen-Tandems  von ihren Erfahrungen bei der Etablierung gemeinsamer Workflows. Der Austausch über die verschiedenen Perspektiven auf die Rechnungserfassung in den Abteilungen und die Beispiele aus der Praxis wurden von den Teilnehmer*innen besonders positiv bewertet.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Open Access Monitoring auf Landesebene</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene#comments</comments><pubDate>Mon, 15 Jul 2024 12:49:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maxi Kindling</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 27.05.24 auf dem Open Access Blog Berlin unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Am 14. März 2024 tauschten sich die drei Landesinitiativen openaccess.nrw, Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) und das Open-Access-Büro Berlin (OABB) über Open Access Monitoring auf Landesebene aus. Organisiert wurde der Austausch durch das Open-Access-Büro Berlin für das Projekt open-access.network. Der vorliegende Bericht fasst die Eckpunkte und wesentlichen Erkenntnisse dieser Veranstaltung zusammen.
Ziel eines Open Access Monitoring

Das Thema Monitoring hat einen hohen Stellenwert in der Beurteilung des Fortschritts bei der Open-Access-Transformation erlangt. Über den Abgleich von Daten im Zeitverlauf lässt sich teilweise ablesen, wie wirksam sich dieser Wandel in den Publikationskulturen auf der Ebene bestimmter Domänen (national, regional, lokal, fachspezifisch usw.) vollzieht.

Monitoring bezeichnet im vorliegenden Kontext die fortlaufende systematische Erfassung und Beschreibung der Entwicklung der Öffnung wissenschaftlicher Praktiken anhand bestimmter Parameter. Neben zahlenmäßigen Nachweisen werden auch qualitativ beschreibbare Maßnahmen erfasst.

Das Ziel des Monitorings besteht bei allen Landesinitiativen darin, Transparenz und Sichtbarkeit für diese Entwicklungen innerhalb eines Bundeslands herzustellen und eine informationsbasierte Entscheidungsfindung bei der Formulierung oder Aktualisierung strategischer Ziele und Maßnahmen zu unterstützen. Während ein Monitoring alle Prozesse dieser Art auf Landesebene erfassen könnte, beschränken sich bisherige Ansätze häufig auf das Publikationsaufkommen an Hochschulen.

Beim Monitoring offener Wissenschaft können verschiedene Indikatoren berücksichtigt werden, darunter das Volumen an Open-Access-Veröffentlichungen (z.B. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Bücher, Forschungsdaten), Publikationskosten (z.B. APCs/BPCs), die Zugänglichkeit verschiedener Publikationsformate (z.B. Lizenzierung von Publikationen) oder die Entwicklung und Auswirkungen von Transformationsverträgen. Das Monitoring kann von wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsförderung oder auch auf nationaler oder Landesebene durchgeführt werden, wobei verschiedene Datengrundlagen und Methoden zum Einsatz kommen können (siehe bspw. Bobrov et al. 2024).

Auf nationaler Ebene ist der Open Access Monitor ein wichtiges Instrument zur Erfassung u.a. des Open-Access-Publikationsaufkommens deutscher akademischer Einrichtungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Monitor erfasst und visualisiert das Publikationsaufkommen kategorisiert nach Diamond/Gold/Green/Hybrid Open Access und Closed Access sowie Analysen der Subskriptions- und Publikationsausgaben sowie Zitationen. Er basiert auf mehreren Datenquellen und ist das gängige Instrument, mit dem Einrichtungen die förderfähigen Publikationen für Anträge im DFG-Förderprogramm “Open-Access-Publikationskosten” erheben. Zukünftig sollen weitere Publikationstypen wie Open-Access-Bücher in den Monitor aufgenommen werden.

Die Vernetzungsstellen setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Monitoring-Ansätzen mit Bezug auf die Hochschulen des Landes. Im Folgenden werden die Parameter beschrieben, welche die drei Landesinitiativen beim Monitoring der Open-Access-Aktivitäten in ihrem Bundesland aktuell setzen.
Land Brandenburg

Die Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2019 formuliert, dass Hochschulbibliotheken in der Lage sein sollen, ihr Publikationsaufkommen darzustellen und die damit zusammenhängenden Kosten transparent abzubilden (Euler 2019, 16). Dazu wurde in Brandenburg eine Arbeitsgruppe mit mandatierten Vertreter*innen aus allen acht Hochschulbibliotheken von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Brandenburg (VuK) initiiert, die gemeinsam ein Monitoring-Konzept erarbeitet und einen Monitoring Bericht über die Berichtsjahre 2021 und 2022 erstellt hat.

Im Brandenburger Monitoring wurden verschiedene Datenquellen genutzt:

    Für die Ermittlung der Zahl der Hochschulangehörigen Daten: des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
    Für das Publikationsaufkommen: Daten aus dem Open Access Monitor
    Für die Ermittlung von Publikationskosten: Daten aus OpenAPC und der Deutschen Bibliotheksstatistik
    Für verschiedene Parameter wie Publikationszahlen und Publikationstypen auf den Repositorien der acht Einrichtungen: u.a. Daten von OPUS
    Daten zum Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes und
    Informationen zu Strategien und Services der Hochschulen: oa.atlas.

    Der oa.atlas umfasst zwei Komponenten: Informationen zu den Strategien und Services der wissenschaftlichen Institutionen können im oa.atlas über das Portal von open-access.network abgerufen werden. Informationen zu den Strategien und Maßnahmen in den Bundesländern und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bieten die Länderdossiers.

Die bei der VuK für das Monitoring federführend Verantwortliche Heike Stadler betonte im Austausch, dass es für das Monitoring-Konzept in Brandenburg wichtig sei, die Heterogenität der Einrichtungen und ihrer jeweiligen Voraussetzungen abzubilden. So kann das zahlenmäßige Publikationsaufkommen nicht unkommentiert nebeneinander gestellt werden. Dies ist insbesondere wichtig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

In Brandenburg haben sich die beteiligten Einrichtungen auf gemeinsame Prinzipien für das Monitoring geeinigt:

    Kompetenzstärkung
    Bibliodiversität
    Nachhaltigkeit des Verfahrens
    Vergleichbarkeit der Hochschulen
    Partizipation im Prozess
    Aggregation und Nachnutzung vorhandener Daten

Heike Stadler berichtete, wie dieses Verfahren zu einer noch besseren Vernetzung der Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg geführt hat. Der Monitoring-Prozess wird weiter fortgeführt, weitere Datenquellen können ergänzt werden und, wo sinnvoll, die quantitativen Darstellungen auch um ergänzende qualitative Beschreibungen erweitert werden. Die AG Open Access Monitoring Brandenburg wird zukünftig mit der AG für den Publikationsfonds zusammengelegt, sodass sich themenübergreifend ausgetauscht werden kann bzw. neue Themen ihren Raum erhalten.
Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen umfasst das Monitoring 42 DH.NRW-Hochschulen einschließlich ihrer angeschlossenen Universitätskliniken, deren Publikationstätigkeit und -kosten durch die Landesinitiative openaccess.nrw ermittelt und beschrieben werden.

Die Landesinitiative wird im Rahmen der Digitalen Hochschule NRW (DH.NRW) gefördert. In den Reports werden die Daten für die Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Universitätskliniken des Landes zusammengefasst. Das Monitoring liegt im Programmbereich 3 der Landesinitiative und wird an der Universität Bielefeld durchgeführt. Sie erstellt drei Arten von Berichten mit den Schwerpunkten Publikationsaufkommen und Zugangswege, Publikationskosten sowie Vorschläge zu Finanzierungs- und Ausgleichsmodellen. Für das Reporting werden vorhandene Datenquellen wie der Open Access Monitor, OpenAPC und das Directory of Open Access Journals (DOAJ) genutzt. Eine Herausforderung stellt die hohe Anzahl der Hochschulen und Universitätskliniken mit einer über dies heterogenen Ausgangslage in Bezug auf Repositorien und Hochschulbibliographien im Land dar, sodass ein standardisierter und zentralisierter Ansatz zur Erstellung der Publikations- und Kostenreports gewählt wurde. Daher wird in den Reports auch explizit keine Interpretation der Daten auf Einrichtungsebene durchgeführt.

    Die OpenAPC-Initiative sammelt und verbreitet Datensätze zu Gebühren, die für Open-Access-Publikationen gezahlt werden, auf GitHub unter einer offenen Datenbanklizenz. Dazu gehören Daten zu Open-Access-Zeitschriftenartikeln (APCs), Open-Access-Büchern (BPCs) und Daten zu Artikeln, die im Rahmen von Transformationsvereinbarungen (wie Springer Compact oder Wiley DEAL) veröffentlicht werden.

Sichtbar wurde durch den letzten Publikationsreport 2023 ein hohes Artikel-Wachstum an allen Einrichtungen und dies besonders im Bereich des kostenpflichtigen Gold Open Access. Zudem betonte Nina Schönfelder (UB Bielefeld), dass etablierte, subskriptionsbasierte Verlage Anteile am Publikationsmarkt verloren hätten, wenngleich die absoluten Publikationszahlen stabil geblieben sind
Regelmäßige Reports mit dem Schwerpunkt Publikationskosten sollten daher mit einem besonderen Fokus auf Gold Open Access erstellt werden, auch um Empfehlungen in Hinblick auf die Finanzierungs- und Ausgleichsmodelle unter den Hochschulen abzuleiten. Diese Empfehlungen werden mit dem Projektkonsortium der Landesinitative openaccess.nrw bestehend aus 15 Hochschulen sowie der ZB Med und dem hbz erarbeitet und können sich sowohl an das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Nordrhein-Westfalen wie auch an die Hochschulen selbst richten.
Berlin

In Berlin wurde in der Open-Access-Strategie von 2015 die Zielquote von 60% für Open-Access-Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durch Autor*innen Berliner Wissenschaftseinrichtungen festgelegt, die 2020 wie geplant erreicht wurde (Kindling et al. 2022). Mit der Erhebung für das Publikationsjahr 2020 endete das Monitoring, das auf einer eigens entwickelten Methodik basierte.

Durch die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) im Jahr 2021 wurde bereits eine strategische Verschiebung von Open Access zu Open Research auf Landesebene initiiert. Derzeit wird die Entwicklung einer Open-Research-Strategie für das Land Berlin vorangetrieben. Während also bislang die Monitoring-Aktivitäten auf Landesebene stark am Publikationsaufkommen in wissenschaftlichen Zeitschriften orientiert war, wird sich der Fokus auf viele weitere Aspekte offener Wissenschaftspraktiken erweitern müssen. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, geeignete Indikatoren zu entwickeln und zu kontextualisieren. Es ist absehbar, dass die qualitative Darstellung der erreichten Ergebnisse bedeutsamer wird und weniger auf rein quantitative Aspekte geschaut wird.

An den Einrichtungen soll Open Research sogar „bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren“ berücksichtigt werden (BerlHG §41 Abs. 5). Daraus ergeben sich Herausforderungen in der Entwicklung, Einordnung und Kontextualisierung von je nach Wissenschaftsdisziplin passenden Open-Research-Indikatoren.

Das Open-Access-Büro Berlin erarbeitet gegenwärtig den “Open Access Bericht Berlin”, der die Entwicklung im Bundesland seit der Open-Access-Strategie 2015 beschreibt. Neben der Ausgangslage und den Rahmenbedingungen im Land Berlin beschreibt der Bericht den Stand der Umsetzung von bestimmten Maßnahmen an den Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen, darunter Policies und Leitlinien, Informations- und Infrastrukturangebote, Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Finanzierung und Kostenentwicklung, Kompetenz- und Organisationsentwicklung, Forschungsevaluation und Monitoring.

Maxi Kindling (OABB) betonte, dass die leitenden Prinzipien für das zukünftige Monitoring der Open-Research-Entwicklung in Berlin auf einer Aufmerksamkeitsverschiebung basieren: Es werden neben den Ergebnissen in Form von Open-Access-Publikationszahlen zukünftig im Sinne von Open Research die Entwicklungen bei der Öffnung des gesamten Forschungsprozesses beobachtet und systematisch beschrieben.

Ähnlich wie im Land Brandenburg soll eine partizipative Prozessgestaltung bei der Umsetzung des Monitorings eine stärkere Sensibilisierung unter den Einrichtungen erreichen. Durch den Einsatz multimethodischer Evaluierungsinstrumente und einer jeweils kontextualisierten Darstellung von Indikatoren soll eine vereinfachende Sichtweise auf die Open-Research-Transformation vermindert werden.

Auch in Berlin dient das Monitoring weiterhin dem strategischen Austausch über einrichtungsspezifische Maßnahmen und der Diskussion übergeordneter, landesweiter Maßnahmen.
Ausblick

Die drei Landesinitiativen stehen bei der Entwicklung des Monitorings je nach Ausgangslage im jeweiligen Bundesland an unterschiedlichen Punkten. Für die Ermittlung des Publikationsaufkommens können die Landesinitiativen dankenswerterweise auf die Daten bzw. Berichte des Open Access Monitors zurückgreifen. Dessen dauerhafter Betrieb und die Weiterentwicklung und Diversifizierung in Bezug auf die erfassten Publikationstypen ist für alle Landesinitiativen von großem Interesse. Darüber hinaus werden durch die Landesinitiativen je nach Ausrichtung des Monitorings weitere offene Datenquellen herangezogen.

Das Monitoring von Publikationszahlen und -kosten dient auch als Gestaltungsgrundlage für wissenschaftspolitische Entscheidungen. Schon deshalb ist ein verantwortliches und abgestimmtes Vorgehen durch die Landesinitiativen wichtig. Dieser Workshop diente als erster Austausch über das jeweilige Vorgehen, die Weiterentwicklung und die intern ausgearbeiteten Prinzipien. In Anbetracht internationaler Entwicklungen und dem Anspruch, Open Research perspektivisch in die Beobachtung einzubeziehen, planen die Landesinitiativen, sich weiterhin auch zu diesem Thema auszutauschen und darüber zu berichten.

Diese Veröffentlichung ist im Rahmen des Workshops „Monitoring auf Landesebene: Gemeinsame Prinzipien und Perspektiven“ unter Organisation des Projekts open-access.network entstanden. Für den Inhalt sind die Autor*innen verantwortlich.
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<item><title>Beratung auf Augenhöhe: Open Access an HAW strategisch ausbauen</title><link>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</link><comments>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen#comments</comments><pubDate>Mon, 06 May 2024 09:41:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Beratung</category><dc:creator>Jasper Beyermann</dc:creator><dc:creator>Emilia Mikautsch</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</guid><description>Das Projekt P2P.OA.HAW startet mit zwei HAW den ersten Erprobungsdurchlauf der Peer-to-Peer-Strategieberatung zu Open Access.

Im November letzten Jahres startete das Projekt &quot;Peer-to-Peer-Strategieberatung für Hochschulleitungen als Werkzeug zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur an Hochschulen für angewandte Wissenschaften&quot; (P2P.OA.HAW) der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Konstanz (UKon). Dabei soll das bewährte Konzept der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) aus dem Feld Digitalisierung in Studium und Lehre nachgenutzt und für den Bereich Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) weiterentwickelt werden.

Die Gestaltung der Strukturen, Prozesse und Strategien für Open Access ist für viele Wissenschaftseinrichtungen herausfordernd. Umso mehr gilt dies für HAW, die ihre Open-Access-Aktivitäten vielfach erst seit den letzten Jahren auf- und ausbauen und dadurch strategisch, strukturell und finanziell in eigener Weise herausgefordert sind. Zugleich erfordern strategische Rahmensetzungen und organisationsbezogene Strukturanpassungen für eine Open-Access-freundliche Zukunft ein Steuerungshandeln auf Hochschulleitungsebene.

Im Strategieberatungsprozess von P2P.OA.HAW werden über einen Zeitraum von etwa acht Monaten zwei HAW dabei unterstützt, eigene Entwicklungsziele im Bereich Open Access zu identifizieren, entsprechende Entwicklungswege zu planen und umzusetzen. Die Erkenntnisse aus den Beratungsrunden in den Jahren 2024 und 2025 sollen in ein Konzept zur langfristigen Etablierung der Peer-to-Peer-Strategieberatung für Open Access einfließen.
Gemeinsam geht’s leichter

Nun ist der erste große Meilenstein im Projekt erreicht! Auf den im vergangenen Dezember veröffentlichten Aufruf zur Interessenbekundung wurden die beiden teilnehmenden Hochschulen für den Erprobungsdurchlauf 2024 ausgewählt:

      Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena)
      Hochschule Rhein-Waal (HSRW)

Bild: Teilnahme an der Peer-to-Peer-Strategieberatung 2024, P2P.OA.HAW, CC BY 4.0.

Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena ist die forschungsstärkste Hochschule für angewandte Wissenschaft in Thüringen und verfügt über ein sehr breites Fächerspektrum von Betriebswirtschaftslehre über Ingenieurwissenschaften, Medizintechnik sowie Biotechnologie, Gesundheit und Pflege bis hin zu Sozialwesen. Durch ihr eigenes vom BMBF gefördertes Open-Access-Projekt „Open Access an HAWs – Acceptance and Communication“ (siehe Open Access Kultur an der EAH Jena) verfügt die EAH Jena nicht nur über die Ressourcen, den Beratungsprozess optimal zu nutzen, sondern auch, um darüber hinaus in Zukunft ein Kompetenzzentrum für die Region zu werden:

    Open Access hat sich zu einem zentralen Thema an der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena entwickelt, um unseren Forschungsschwerpunkt weiter zu stärken und zu fördern. Als forschungs- und publikationsstärkste Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Thüringen befinden wir uns mit unserer eigenen Open-Access-Strategie noch in den Anfängen und sehen großes Potenzial, dieses wichtige Thema weiter voranzutreiben. Deswegen nehmen wir aktiv an der Open Access Peer-to-Peer-Strategieberatung teil. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen HAWs, die Open Access bereits erfolgreich implementiert haben, möchten wir wertvolle Einblicke und Erfahrungen gewinnen.

–     Henrieke Walter, Projektmitarbeiterin OA-HAW(C), EAH Jena

Die außerordentlich international ausgerichtete Hochschule Rhein-Waal mit Studierenden aus über 120 Nationen und rund 75% englischsprachigen Studiengängen verfügt über ein starkes und interdisziplinäres Forschungsprofil in den Bereichen Technologie und Bionik, Life Sciences, Gesellschaft und Ökonomie sowie Kommunikation und Umwelt. Im Zusammenhang mit dem Hochschulentwicklungsplan 2030 sollen die bereits beachtlichen Startleistungen zu Open Access in Service, Finanzierung und Infrastruktur gestärkt und mit den Ergebnissen angrenzender Projekte wie TransRegINT und FDMScouts.nrw verknüpft werden.

    Nachhaltigkeit und Transformation sind die Leitthemen der Hochschule Rhein-Waal  in Forschung, Lehre und Wissenstransfer. Wir sind überzeugt: Der offene Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen befeuert ihre Nachnutzung in Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft und bereitet der Umsetzung innovativer Lösungen für gemeinsame Herausforderungen unserer Zeit den Weg. Im Bereich Open Access unterstützt die HSRW ihre Angehörigen daher mit einem breiten Portfolio an Informationsangeboten und Förderstrukturen. Mit der Teilnahme an P2P.OA.HAW verfolgen wir das Ziel, dieses Portfolio für die Zukunft aufzustellen, indem strategische und operative Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Lichte der Best Practices erfahrener Peers ausgelotet werden. Dabei gilt: Open Access eröffnet als Brückenthema viele Verbindungen in andere Bereiche von Open Science und kann somit selbst impulsgebend wirken – auch als Teil der Strategie der HSRW in Forschung, Lehre und Wissenstransfer.

– Martin Reiter, Leitung Abteilung Publikationsmanagement, HSRW
Interaktives Kennenlernen und Bedarfsanalyse

P2P.OA.HAW legt Wert darauf, dass die teilnehmenden Hochschulen ihren Zielen nicht allein nachgehen, sondern vom gemeinsamen Austausch untereinander profitieren. In der ersten gemeinsamen Begleitveranstaltung lernten die Hochschulen somit nicht nur das Projektteam von P2P.OA.HAW kennen, sondern hatten die Möglichkeit, mit der jeweils anderen teilnehmenden HAW zu diskutieren und gemeinsame Hürden ausfindig zu machen: Wie überwindet die andere HAW jene Herausforderung, vor welcher wir momentan stehen? Wo kann meine Einrichtung ein Beispiel für eine erfolgreiche Problemlösung sein?
Nächster Schritt: Auswahl der Peers für individuelle Entwicklungsbedarfe

Um dem individuellen Veränderungsprozess im Open-Access-Bereich jeder HAW passgenau begegnen zu können, bedarf es Open-Access-Expert*innen, die neben ihrer fachlichen Expertise auch die Sichtweise von HAW kennen. Die sogenannten Peers fungieren als „Critical Friends“: Hochschulleitungen von HAW werden durch Leitungen anderer Hochschulen oder Wissenschaftseinrichtungen auf Augenhöhe in einem strukturierten Prozess begleitet und beraten. P2P.OA.HAW bringt beide Seiten zusammen und koordiniert das Beratungsverfahren. Die Peers werden in enger Absprache mit den teilnehmenden Hochschulen aus der erfahrenen Community von open-access.network und darüber hinaus ausgewählt.

Wir gratulieren den ausgewählten Hochschulen und freuen uns auf die Zusammenarbeit in den kommenden Monaten!
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<item><title>Medienwissenschaft und Open Access – eine Beziehung mit Hindernissen</title><link>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</link><comments>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen#comments</comments><pubDate>Tue, 30 Apr 2024 10:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</guid><description>Die Open-Access-Bewegung entstand Anfang der 2000er-Jahre als Reaktion auf die Zeitschriftenkrise der 1990er-Jahre, sodass es wenig verwunderlich ist, dass viele Maßnahmen im Kontext von Open-Access-Strategien bis heute einen Fokus auf wissenschaftliche Zeitschriften legen. Dies ist jedoch nicht unproblematisch für eine Geisteswissenschaft wie die Medienwissenschaft, die im Kontext ihrer eigenen Publikationskultur immer noch sehr am (gedruckten) Buch hängt. Diesen Umstand und damit zusammenhängende Hindernisse für eine umfassendere Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft reflektierend, möchte sich der vorliegende Beitrag dem Themenkomplex Open Access und Medienwissenschaft in zwei Schritten zuwenden: Zuerst möchte er den status quo der medienwissenschaftlichen Publikationskultur darlegen, bevor anschließend einige ausgewählte Hindernisse für die Open-Access-Transformation des Faches benannt werden sollen. Diese ergeben sich aus dem Handeln von Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, welches die Besonderheit der medienwissenschaftlichen Publikationskultur nicht ausreichend berücksichtigt. Mit der Benennung der Hindernisse wird ein Ausblick auf mögliche Lösungsansätze verbunden.
Die medienwissenschaftliche Publikationskultur in der Mitte der 2020er-Jahre

Über 20 Jahre nach den Erklärungen von Budapest, Berlin und Bethesda ist Open Access in der Medienwissenschaft noch nicht dort angelangt, wo man es eigentlich in Anbetracht der verstrichenen Zeit wie des wissenschaftspolitischen Willens und damit verbundener Anstrengungen erwarten könnte. Viele Publikationen sind weiterhin nicht frei und kostenlos zugänglich und die Großverlage, die eigentlich geschwächt werden sollten, erscheinen stärker als je zuvor. Sie weiten ihre Produktportfolios bedenklich aus (vgl. zum Datentracking in der Wissenschaft auf diesen Beitrag von Gerhard Lauer), drohen dergestalt die ursprüngliche Idee von Open Science und Open Access zu pervertieren, indem die öffentliche Hand privatwirtschaftliche Gewinne mit öffentlichem Gut finanziert und hierdurch zudem einem diversen Verlagsökosystem schadet, das in Deutschland auch viele mittlere und kleine Verlage umfasst. Solche Entwicklungen tangieren die Medienwissenschaft bisher eher weniger, spielt das gedruckte Buch in deren publikationskulturellen Reputationsmechanismen doch weiterhin eine zentrale Rolle (wie auch in den übrigen Geisteswissenschaften) und fällt als analoges Trägermedium durch das Raster von Geschäftspraktiken, die vornehmlich an der digitalen Transformation der Wissenschaft verdienen. Damit korrespondierend sind viele Open-Science-Praktiken noch nicht allzu tief in die medienwissenschaftlichen Arbeitspraktiken eingesickert, sodass es für Unternehmen wie die RELX Group bisher nicht lohnend erscheint, den gesamten Forschungsprozess der Medienwissenschaft in kommerzielle Tools zu verlagern. Die Betrachtung der Publikationskultur der Medienwissenschaft deshalb aber als eine ‚analoge‘, hermetisch abgeschlossene Insel der Seligen zu betrachten, setzt nicht nur falsche wissenschaftskulturelle Ideale, sondern verkennt auch wichtige Entwicklungen im Fach.

So nimmt die Zahl an im Open Access publizierten Büchern in der Medienwissenschaft stetig zu, existieren erste konsortiale Finanzierungsmodelle für diese wie die Open Library Medienwissenschaft oder KOALA. Daneben ist das zentrale Publikationsorgan der deutschsprachigen Fachgesellschaft mit der Zeitschrift für Medienwissenschaft mittlerweile eine Open-Access-Zeitschrift und die Zeitschrift der europäischen Fachgesellschaft, NECSUS, ist gar ein scholar-led Journal ohne Verlagsbeteiligung. Zudem existieren in beiden Fachgesellschaften mit der AG Open Media Studies und dem NECS Open Scholarship Committee Arbeitsgruppen, die sich mit Open Science und Open Access im Fach befassen. Dem fachlichen Austausch zum Themenfeld widmet sich ferner schwerpunktmäßig der Open-Media-Studies-Blog als Diskursplattform. Aber auch auf der Ebene der Forschungsinfrastrukturen sind Fortschritte zu verzeichnen mit dem Rechercheportal adlr.link, dem Fachrepositorium media/rep/ oder dem digitalen Archiv MediArXiv. Darüber hinaus beteiligen sich Fachvertreter*innen an Initiativen wie ENABLE! oder sind in den digitalen Fokusgruppen von open-access.network aktiv, um die Open-Access-Transformation aktiv mitzugestalten. Eine buchorientierte, eher ‚traditionelle‘ Publikationskultur wird in der Medienwissenschaft von einer Open-Access-Community begleitet, wobei sich beide nicht gegenüberstehen, sondern vielmehr ineinander übergehen, da Forscher*innen oftmals beide Publikationsstrategien bedienen (wenn auch in der Regel mit unterschiedlichem Fokus).

Somit spielen in der medienwissenschaftlichen Publikationskultur einerseits gedruckte Monographien (vor allem als Dissertationen) und Sammelbände weiterhin eine große Rolle als Publikationssorten von hohem Renommee, zugleich finden aber Zeitschriften eine immer größere Verbreitung und sind hierbei im zunehmenden Maße nicht nur Open Access, sondern auch scholar-led. Insofern ist die medienwissenschaftliche Publikationskultur in Bezug auf Open Access von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geprägt, wobei die Open-Access-Transformation des Faches stetig voranschreitet.
Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft

Das Benennen von Hindernissen sollte keinesfalls als Kritik an der Open-Access-Transformation an sich, sondern lediglich an deren Umsetzung verstanden werden, die die publikationskulturellen Spezifika der Medienwissenschaft weitestgehend ignoriert und hierdurch letztlich dazu führt, dass die medienwissenschaftliche Forschung ihre Potenziale nicht vollends entfalten kann. Dabei sind insbesondere vier Aspekte relevant:

    In der Medienwissenschaft werden (bis auf wenige Ausnahmen) keine Article Processing Charges (APCs) erhoben, sodass eine primäre Fokussierung der Publikationsförderung auf diese am Fach und seinen publikatorischen Bedarfen vorbeigeht.
    Diese Fokussierung auf APCs führt zugleich dazu, dass Book Processing Charges (BPCs) nicht ausreichend gefördert werden, was zulasten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur geht (vgl. zu beiden Punkten die Antragsrunde der „Open-Access-Publikationskosten“ von 2021).
    Die DEAL-Verträge adressieren für die Medienwissenschaft größtenteils irrelevante Verlage (mit Ausnahme der Buchsparte von Springer) und binden hierdurch Mittel, die durch Budgetumschichtungen an den Hochschulbibliotheken wiederum zu Nachteilen für die medienwissenschaftliche Publikationskultur führen.
    Die drei zuvor genannten Punkte werden durch den Umstand begleitet, dass keine bis kaum fachspezifisch adäquate Fördermöglichkeiten für Open Access in der Medienwissenschaft existieren. Deshalb ist zu konstatieren, dass die vorhandenen Förderinstrumente der Open-Access-Transformation die Besonderheiten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur verfehlen, da sich diese primär an den SMT-Disziplinen ausrichten (wie Open Science im Allgemeinen auch). Dies ist besonders bedauerlich, da sich teilweise mit vergleichsweise geringen Summen große Effekte für die Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft erzielen lassen (wie unten angedeutet wird).

Aus diesen Gründen ist eine Neujustierung gegenwärtiger Open-Access-Förderstrategien dringend notwendig. Hierbei gilt es nicht nur, das Verhältnis zwischen APCs und BPCs ausgeglichener zu gestalten und Sinn und Zweck der DEAL-Verträge, die letztlich Verlagsoligopole privilegieren, zu hinterfragen, sondern auch Förderinstrumente neu zu schaffen. In der Medienwissenschaft existiert mittlerweile eine aktive und durchaus nicht kleine scholar-led-Community, die primär Diamond Open Access betreibt. Nach Policies entspricht dies den Idealvorstellungen der Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, jedoch existieren keine Förderinstrumente, die diese Forscher:innen in geeigneter Weise unterstützen. Bei der redaktionellen Betreuung dieser Zeitschriften, um ein Beispiel zu wählen, spielen oftmals studentische Mitarbeiter*innen eine große Rolle, es gibt aber keine nachhaltige und verlässliche Fördermöglichkeit, die einen langfristigen Betrieb einer solchen Zeitschrift ermöglicht. Drei-Jahres-Förderungen sind nicht langfristig und verlässlich und Periodika, die aufgrund fehlender dauerhafter Finanzierung wieder verschwinden, sind nicht nachhaltig. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man die Summen, die solche Projekte zur Finanzierung benötigen, mit den Ausgaben für APCs vergleicht. Dennoch ist es aber immer noch einfacher, tausende Euro APC für einen einzigen Artikel zu bekommen, anstatt die gleiche Summe für eine*n studentische*n Mitarbeiter*in, die den redaktionellen Betrieb einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift maßgeblich mitträgt.

Dies ist nur ein Beispiel, das illustrieren soll, wie neue Förderinstrumente nicht nur fachlich passgenauer, sondern auch effizienter (und in der Regel auch kostengünstiger) sein können. Neujustierungen könnten zudem eine Evaluation bestehender neuerer Ansätze umfassen. So können konsortiale Finanzierungsmöglichkeiten vielversprechend sein, um dergestalt scholar-led Diamond-Open-Access-Publikationsprojekte zu unterstützen oder es können Initiativen mit Modellcharakter wie COPIM in den Fokus gerückt werden, die versuchen, wissenschaftsgetriebenes Publizieren neu zu denken. In jedem Fall ist ein diverses, faires, nachhaltiges und bedarfsgerechtes wissenschaftsgetriebenes Publikationssystem aber in unser aller Sinne und somit ein Ziel, für das wir (über-)fachlich alle zusammenarbeiten sollten.
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<item><title>Eine PID-Strategie für Deutschland</title><link>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Apr 2024 22:42:00 +0200</pubDate><category>Metadaten</category><dc:creator>Steffi Genderjahn</dc:creator><dc:creator>Frauke Ziedorn</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-pid-strategie-fuer-deutschland</guid><description>Mehrwert von PIDs

Mit der Digitalisierung der Wissenschaft und der Globalisierung nimmt die Zahl der Publikationen, auch im Preprint-Bereich, stetig zu. Die Menge an Forschungsdaten und anderen Forschungsergebnissen, wie z.B. Forschungssoftware, wächst.

In Forschungs-, Kultur- und Fördereinrichtungen ist das Management forschungsrelevanter Informationen, wie das Auffinden von Publikationen zur späteren Erfolgsmessung oder Berichterstattung, anspruchsvoller geworden. Für Forschende ist ein klarer Bezug zu den eigenen wissenschaftlichen Publikationen von großer Bedeutung, da sich das Reputationssystem der Wissenschaft nach wie vor an der Anzahl der Zitationen orientiert.

Das kann jedoch eine Herausforderung darstellen, wenn beispielsweise URLs zu Datensätzen ungültig werden. Die eindeutige Zuordnung der Autorschaft kann erschwert sein, insbesondere bei häufig vorkommenden Namen wie Müller, Smith, Garcia oder Wang. Ebenso kann die Identifizierung einer Organisation unter verschiedenen Namen eine Herausforderung darstellen. Dies führt zu Unsicherheiten beim Auffinden, Zugreifen und Zitieren von Forschungsdaten und den dazugehörigen Textpublikationen, Autor*innen und Zugehörigkeiten.

PIDs (Persistent Identifiers) stellen sicher, dass alle Elemente der Forschung eindeutig identifizierbar und zugänglich sind, und zwar sowohl für Menschen als auch für Maschinen. Sie sind dauerhafte Verweise auf potenziell jede Art von digitaler oder nicht-digitaler Entität und ermöglichen die Verknüpfung zwischen diesen Einheiten. PIDs tragen zur Integrität der wissenschaftlichen Kommunikation und zu ihrer Reproduzierbarkeit bei.

Hierfür gibt es eine große Vielfalt verschiedener PIDs für unterschiedliche Anwendungsfälle – oder auch verschiedene PIDs für denselben Anwendungsfall.
Ziel von PID Network Deutschland

Das DFG-geförderte Projekt PID Network Deutschland hat zum Ziel, ein Netzwerk relevanter Akteur*innen der PID-Landschaft zu schaffen und gemeinsam eine PID-Strategie für Deutschland zu entwickeln. Die Verbreitung und Verknüpfung von PID-Systemen, sowie ihre Integration in Infrastrukturen wie Wissensgraphen soll unterstützt werden.

Ein wichtiger Teil der Projektarbeit ist die Organisation von Workshops zu verschiedenen PID-Anwendungsgebieten, um die Bedarfe der Wissenschaftsgemeinschaft festzustellen. Auch Beratung und Schulung, Verbreitung relevanter Neuigkeiten und die Vernetzung mit internationalen PID-Akteur*innen gehören dazu.

Das Projekt bietet aktuelle Informationen rund um PIDs auf der Mailingliste PID-Dialog und auf Mastodon und LinkedIn.
Workshops

PID Network Deutschland führt im Rahmen der Projektlaufzeit verschiedene Veranstaltungen durch, die 10 Anwendungsgebiete von PIDs thematisieren. Hierzu zählen Forschungsdaten, Instrumente, kulturelle Objekte, Organisationen und Projekte, Personen, physische Objekte, Publikationsdienste und Forschungsinformationssysteme, Software, Textpublikationen und wissenschaftliche Veranstaltungen. Diese Seminare bieten eine sehr gute Gelegenheit, mehr über die Anwendung von PIDs im Forschungskontext zu erfahren und Erfahrungen auszutauschen. Die nächste Online-Veranstaltung findet zum Thema “PIDs für Instrumente” am 07. Mai 2024 statt. Die Anmeldung hierfür ist ab sofort geöffnet, wir freuen uns auf Sie!

Sie wollen mit uns in Kontakt treten? Sie erreichen das PID Netzwerk per E-Mail info.pidnetworklistserv.dfnde und auf Social Media:

    LinkedIn
    Mastodon

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<item><title>KI verändert die Forschungswelt - Was bedeutet das für Open Access?</title><link>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 17 Apr 2024 13:07:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><category>Urheberrecht</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Linda Martin</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access</guid><description>Welche Bedeutung haben die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz für Open Access und Open Research1? Mit einer Reihe von Blogposts möchte das Projekt open-access.network jüngst aufkommenden Fragestellungen und Diskussionen rund um die Beziehung zwischen den Themenfeldern nachkommen. Den Auftakt bildet ein Blogpost, der eine allgemeine Einordnung vornimmt und Raum für Fragestellungen aus der Community eröffnet.
Worum geht es?

Als Künstliche Intelligenz (KI) werden Algorithmen bezeichnet, die in der Lage sind, menschenähnliches Denken und Lernen nachzubilden. Es umfasst u.a. Machine Learning (Datenerkennung und -sortierung auf Basis von wiederholter Dateneingabe) oder neuronale Netze (Datenerkennung und -sortierung auf Basis von Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Datenbanken). Gegenwärtig wird KI u.a. zur Bilderkennung und -erstellung, Spracherkennung, Texterstellung und -optimierung, zur Erkennung von Mustern und zur Prozessoptimierung genutzt (vgl. Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme, 2024).

    Wo Open Access durch den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information die Chancen auf Bildungsgerechtigkeit erhöht, leistet auch die Nutzung von KI einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung. So können Sprachbarrieren abgebaut und Informationen außerhalb des eigenen Bildungssystems leichter zugänglich gemacht werden (vgl. Kasneci, 2023). 

Open Access und KI-Tools in der Forschung

Auch in der Wissenschaft finden viele KI-Tools Anwendung. Doch welche Berührungspunkte hat KI mit Open Access (OA) (dem freien Zugang zu wissenschaftlicher Information im Internet)?

Wir können hier einerseits auf KI-Tools blicken, die im Publikationsprozess eine Rolle spielen und andererseits auf Tools, die Zugangsbarrieren in der Wissenschaft senken. KI-Werkzeuge helfen u.a. bei der Formulierung von Texten oder bei der Suche nach geeigneten Reviewer*innen. Außerdem können sie genutzt werden, um die Barrierefreiheit von wissenschaftlichen Publikationen zu verbessern, indem sie z.B. automatische Übersetzungen anfertigen, Text in gesprochene Sprache überführen, Bilder beschreiben oder automatisch Untertitel für Videos generieren. Dadurch können Menschen unabhängig von spezifischen Voraussetzungen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen erhalten. Auch Wissenschaftler*innen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, können von KI-Werkzeugen profitieren: Tools, die auf Large-Language-Modellen (LLM) beruhen, helfen ihnen bei der Übersetzung oder Generierung ihrer wissenschaftlichen Texte.

Durch die beschriebenen KI-Anwendungen haben Wissenschaftler*innen so (vermeintlich) mehr Zeit für die Recherche, die Planung und Durchführung von Forschungsprojekten oder die Lehre (vgl. Staiman, 2023). Wo Open Access durch den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information die Chancen auf Bildungsgerechtigkeit erhöht, leistet auch die Nutzung von KI einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung. So können Sprachbarrieren abgebaut und Informationen außerhalb des eigenen Bildungssystems leichter zugänglich gemacht werden (vgl. Kasneci, 2023). Jedoch seien an dieser Stelle bereits zwei Einschränkungen bei der Nutzung von KI am Beispiel von ChatGPT verwiesen: Der Einsatz des Tools hängt von der Qualität der formulierten Prompts (Anweisungen/Fragestellungen) ab. Eine immer stärkere Schärfung der Fragestellung ist wichtig und bedarf einiger Übung. Darüber hinaus unterscheiden sich die verschiedenen Versionen der Software in der Größe des hinterlegten Datensatzes und der Genauigkeit der Ausgaben. Die Version 4.0 umfasst einen größeren Datensatz, ist aber in der Pro-Variante kostenpflichtig. Es besteht die Gefahr, dass die Höhe des Einkommens und die Qualität der Antworten voneinander abhängen und damit eine Form der Ungleichheit erzeugt wird.

    Open-Access-Publikationen sorgen nicht nur für eine rechtliche Absicherung der Autor*innen bei der Nachnutzung der Inhalte, sondern leisten viel mehr: Denn (noch) ist es mit Hilfe von Algorithmen schwierig, komplexe wissenschaftliche Werke zu schreiben. So werden Verweise durch die KI teilweise &quot;halluziniert&quot;.

Urheberrecht und KI

Ein viel diskutierter Aspekt von KI ist die Frage, unter welchen rechtlichen Bedingungen Publikationen für das Trainieren von LLMs genutzt werden dürfen und ob es unterschiedliche Regelungen für kommerzielle und wissenschaftliche Zwecke gibt bzw. geben sollte (vgl. Brehm, 2022).
Mit Blick auf das Urheberrecht bedarf es weiterer Regulierungen und Schärfungen der Gesetzgebungen, um bestehende Grauzonen zu verringern. Einer Ansicht nach wird das sog. Crawlen (Durchforsten und Lesen) von Daten, die frei verfügbar im Netz vorhanden sind, durch die urheberrechtlichen Schrankenregelungen zum Text und Data Mining (§§ 60d und 44b UrhG) erlaubt (vgl. Rack, 2024). Künftig sollen Anbietende von KI-Diensten, die mit großen Datenmengen trainiert werden, laut EU-Gesetz angehalten werden, die zu Trainingszwecken genutzten Daten offenzulegen (vgl. Baumann, 2024). Bei einer Open-Access-Publikation ist die Vergabe einer Creative-Commons-Lizenz Standard und damit die Nachnutzung der Inhalte durch die entsprechende Lizenz geregelt.

Open-Access-Publikationen sorgen nicht nur für eine rechtliche Absicherung der Autor*innen bei der Nachnutzung der Inhalte, sondern leisten viel mehr: Denn (noch) ist es mit Hilfe von Algorithmen schwierig, komplexe wissenschaftliche Werke zu schreiben. So werden Verweise durch die KI teilweise &quot;halluziniert&quot;. Das heißt, dass von der KI benannte Quellen teilweise nicht existieren oder ausgegebene Inhalte nicht valide sind (Alkaissi, McFarlane, 2023). Die Verfügbarkeit von Texten in Open Access spielt für die Validierung künstlich generierter Texte und deren Quellen eine sehr wichtige Rolle, da die Verweise und zitierten Texte und Daten öffentlich einsehbar und überprüfbar sind. Dieses hilft, nicht stichhaltige Forschung oder &quot;halluzinierte Texte&quot; zu enttarnen.
KI und jetzt?

KI hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt und in den Arbeitsalltag vieler Einzug gehalten. Fest steht, dass eine Zukunft ohne KI sehr unwahrscheinlich ist. Insofern ist nicht die Frage, ob, sondern wie wir mit den neuen Tools umgehen. Es werden internationale, wissenschaftspolitische Diskussionen über den Umgang mit neuen Entwicklungen geführt (z.B. Manola, 2023).

    Mitarbeiter*innen aus den Bereichen der Infrastruktur (u.a. Bibliotheken) und der Lehre können einen Beitrag zur Verbesserung der Informationskompetenz leisten, indem sie Veranstaltungs- und Informationsformate zur kritischen Auseinandersetzung (Vor-und Nachteile, Umgang usw.) mit den Tools anbieten.

Fragen zur Qualitätssicherung in der Forschung, sowie zu Nutzen und Grenzen von KI für Open Research werden im Rahmen unserer Arbeit relevant bleiben.

Mitarbeiter*innen aus den Bereichen der Infrastruktur (u.a. Bibliotheken) und der Lehre können einen Beitrag zur Verbesserung der Informationskompetenz leisten, indem sie Veranstaltungs- und Informationsformate zur kritischen Auseinandersetzung (Vor-und Nachteile, Umgang usw.) mit den Tools anbieten. Auch Diskurse um die Rolle von KI in der Erstellung und der Verbreitung, aber auch der Erkennung von &quot;halluzinierten&quot; Forschungsergebnissen bzw. durch KI erzeugte Textpublikationen innerhalb der Wissenschaftskommunikation sollte gefördert werden.
Ausblick: Blogpost-Reihe

Dieser Blogpost bildet den Auftakt einer Reihe, die sich in unregelmäßigen Abständen mit den Themenfeldern Künstliche Intelligenz und Open Access bzw. Open Research beschäftigt. Eine Auseinandersetzung mit dem Umgang von ChatGPT und Co. und die Diskussion aufkommender Fragen befähigt dazu, den eigenen Weg im Umgang mit den Entwicklungen zu finden.

Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr Feedback oder Anregungen für künftige Blogposts zu diesem Themenfeld? Wie ist euer Umgang mit KI? Welche Potenziale und Gefahren seht ihr in Bezug auf KI und Open Access/Open Research? Nutzt gern die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag für eine konstruktive Diskussion!

1Definition: Konzepte und Praktiken eines offenen und nachhaltigen Zugangs zu Ergebnissen, Materialien bzw. dem gesamten Forschungsprozess. Open Research ist eng mit der Definition von Open Science in der UNESCO Recommendation on Open Science verbunden. Der Begriff ermöglicht jedoch eine Inklusion geistes- und kulturwissenschaftlicher Praktiken.
Literatur

    Alkaissi, H. &amp; McFarlane, S. I. (2023). Artificial Hallucinations in ChatGPT: Implications in Scientific Writing. Cureus, 15(2), e35179. DOI: 10.7759/cureus.35179
    Baumann, S. (2024). AI-Act: Was die neue KI-Verordnung regelt. https://doi.org/10.59350
    Brehm, E. (2022). Guidelines zum Text und Data Mining für Forschungszwecke in Deutschland. https://doi.org/10.34657/9388
    Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS (2014). Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html
    Kasneci, E. (2023). „ChatGPT kann zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen“. https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/chatgpt-kann-zu-mehr-bildungsgerechtigkeit-fuehren
    Manola, N. (2023). AI with and for Open Science. https://www.openaire.eu/blogs/ai-with-and-for-open-science
    Rack, F. (2024). Rechtsfragen zur generativen KI. ABI Technik, 44(1), 39–47. https://doi.org/10.1515/abitech-2024-0005
    Staiman, A. (2023). Guest Post - Academic Publishers Are Missing the Point on ChatGPT. The Scholarly Kitchen. https://scholarlykitchen.sspnet.org/2023/03/31/guest-post-academic-publishers-are-missing-the-point-on-chatgpt/

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<item><title>Acting together for sustainable scholar-led publishing. Erste Schweizer Diamond-Open-Access-Konferenz legt Fokus auf Nachhaltigkeit</title><link>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</link><comments>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit#comments</comments><pubDate>Fri, 12 Apr 2024 11:21:00 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</guid><description>Mit Gipfeli und Schüemli begrüßten die Organisator*innen der ersten Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern ihre Teilnehmenden. Unter dem appellierenden Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” hat das Projekt PLATO am 8. März 2024 Fachpublikum und Expert*innen nach Bern in das Kulturzentrum PROGR eingeladen. Dr. Daniela Hahn (PLATO, Universität Zürich) eröffnete die Veranstaltung und freute sich über die zahlreichen Teilnehmenden. Sie lobte den Erfolg der sieben Schweizer PLATO-Universitäten in Hinblick darauf, dass sie es gemeinsam geschafft haben, Diamond Open Access bekannter und sichtbarer zu machen und somit die Relevanz in der akademischen Gemeinschaft zu verdeutlichen. Laut Hahn komme es nun darauf an, das Problem der Nachhaltigkeit im Bereich der Diamond-Open-Access-Finanzierung und deren grundlegenden Infrastrukturen anzugehen.
Status quo: Viel Open Access, aber kaum Diamond Open Access

Daniela Hahn gab damit das Wort an ihre PLATO-Projektkolleg*innen Dr. Andrea Malits und Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler, beide von der Universität Zürich. Auf Grundlage der Untersuchung “Mapping the Swiss Landscape of Diamond Open Access Journals” (2023) berichteten sie, dass viele Diamond Open Access Journals mit besonders niedrigen Budgets auskommen müssten und es ein größeres Angebot an professionellen Beratungsservices für solche Journals geben müsste. Eine Folge davon sei, dass viele Diamond Open Access Journals auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen seien, die wiederum oft eine unsichere Basis für deren Nachhaltigkeit darstelle. Zur Visualisierung des Status Quo der Publikationslandschaft verwiesen sie auf den National Journal Monitor, der zeigt, dass nur 3,6% der Zeitschriftenartikel, die in den letzten fünf Jahren in der Schweiz veröffentlicht wurden, im Diamond Open Access erschienen sind. Insgesamt sind aber immerhin rund 68,5% der Artikel offen zugänglich und nur 31,5% im Closed Access erschienen .
This graph shows the Open / Closed ratio of the collected journal articles published in Switzerland over the last five years (2020-2024).
Quelle: Journal Monitor (OAM-CH), aufgerufen am 21.03.2024.

Dieses Ergebnis steht bedauerlicherweise im Widerspruch zur 2017 ins Leben gerufenen Swiss National Open Access Strategie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dass “bis 2024 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit in der Schweiz Open Access sein soll und alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein müssen.” Ein Grund für die Schwierigkeit der Umsetzung der Strategie sei das dezentralisierte schweizerische Hochschulsystem, das sich durch föderale und kantonale Regelungen auszeichnet. Zukünftige Beschlüsse und Fortschritte im Bereich Diamond Open Access seien daher nur durch übergeordnete nationale und internationale Initiativen und Community-Arbeit möglich, wobei Malits und Mumenthaler einen Fokus auf Schweizer Gelehrten-Gesellschaften legen wollen.
Keine Nachhaltigkeit durch mangelhafte Finanzierung

Nach einer kurzen Pause stellte Vanessa Proudman (DIAMAS/Direktorin von SPARC Europe/SCOSS Executive Groupo Chair) in der ersten von drei Keynotes einige Erkenntnisse ihrer Projektarbeit bei DIAMAS mit dem Titel &quot;Sustainable Diamond Open Access. What we know so far” vor. Dafür erläuterte sie zunächst den Begriff der Nachhaltigkeit, der im Fokus der Konferenz stand. Sie wies darauf hin, dass neben der langfristigen finanziellen Sicherheit auch z. B. Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten in der Definition von Sustainability enthalten und mitgedacht werden sollten. Die Ergebnisse der letzten DIAMAS-Studie haben ebenfalls ergeben, dass die meisten Diamond Open Access Journals mit sehr geringer Finanzierung auskommen müssen und auf Ehrenamtliche angewiesen sind. Universitätsverlage haben laut Proudman häufig das Problem, dass sie viel Zeit für Fundraising aufbringen müssen. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum bestätigte diese Erkenntnis. Sie erklärte, dass sie Hilfe beim Fundraising benötige, da sie selbst keine Zeit dazu habe. Die Voraussetzungen, um finanziert zu werden, seien je nach Einrichtung unterschiedlich, was die Antragstellung uneinheitlich und damit noch komplizierter und aufwendiger mache. Vanessa Proudman bedankte sich für den Publikumsbeitrag und schlug vor, ihn als Fallbeispiel mit in die weitere Arbeit bei DIAMAS zu nehmen. Sie erklärte zudem, dass es generell mehr permanente öffentliche finanzielle Förderung für Diamond Open Access geben müsse, um einen gewissen Grad der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Dabei sei jedoch eine Hürde, dass solche Finanzierungen, wenn sie denn existieren, meist nur national möglich sind und der eigentlichen Diamond-Open-Access-Idee einer Internationalisierung widersprechen. Und genau dieser Frage der internationalen Finanzierung gehe DIAMAS ab sofort nach. Der dafür grundlegende Report “Into the financial sustainability of IPSPs” werde Anfang April 2024 veröffentlicht. Ergänzend dazu werde es laut Proudman bald ein Financial Sustainability Self-Assessment Tool für IPSPs geben, um die eigene Nachhaltigkeit überprüfen zu können.
Eine globale Diamond-Vernetzung

Die von Vanessa Proudman angesprochene Problematik der notwendigen internationalen Zusammenarbeit im Bereich Diamond Open Access griff daraufhin Pierre Mounier (OPERAS, École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in der zweiten Keynote mit dem Titel “Towards a European Capacity Hub and a Global Federation for Diamond Open Access” auf. Er erklärte, dass OPERAS in Zusammenarbeit mit DIAMAS eine Struktur für einen internationalen Diamond-Open-Access-Knotenpunkt entworfen habe: Dabei bilden “Communities” die kleinsten Einheiten. Als Communities definiert Mounier Journals, die als &quot;scholarly community” agieren. Einen nächsten Bestandteil der Struktur bilden “Capacity Centres”, die Journals mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, also z.B. mit entsprechender Beratung zu Tools, Services oder Trainingsangeboten unterstützen. Diese Capacity Centres sollen wiederum von “Capacity Hubs” auf kontinentaler Ebene koordiniert werden. Die Capacity Hubs haben die Aufgabe, gemeinsame Ressourcen der Capacity Centres zu entwickeln, den Wissensaustausch unter den Centres zu organisieren und nach Synergien zu suchen. Auf dieser strukturellen Basis baue die “Global Federation” auf, die sich weltweit für den Fortschritt der Diamond-Open-Access-Transformation einsetzt, bei der Anpassung der entsprechenden Open-Access-Strategien unterstützt und einen globalen Diamond Open Access Summit organisiert. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum freute sich über das Verbundvorhaben, da sie die Einrichtung, in der sie arbeitet, anhand der Definitionen von Mounier als Capacity Centre einordnen könne und die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit in Form eines Hubs für ihre Arbeit als sehr hoch einschätze.

Die dritte Keynote hielt Dirk Verdicchio von der Universität Bern, der unter dem Titel “Building a Diamond Open Access Environment” seine Forschungsergebnisse zu Entstehungsprozessen von Diamond Open Access Journals berichtete. Bemerkenswert sei vor allem, dass es bei Redaktionen, die mit dem Berner Universitätsverlag zusammenarbeiten möchten, stark um das Vertrauen und sehr wenig um die technischen Grundlagen bzw. Voraussetzungen gehe.
Für eine nachhaltige Open-Access-Zukunft

Nach den drei Keynotes gab es eine Mittagspause, auf die am Nachmittag zwei Roundtables folgten. Als erstes diskutierten Valérie Andres (FHNW Bibliothek/Co-President AKOA), Jeanette Frey (Bibliothèque Cantonale et UniversitaireLausanne/Consortium of Swiss Academic Libraries), Beat Immenhauser (Swiss Academies of Arts and Sciences), Tobias Philipp (Swiss National Science Foundation) und Christian Schwarzenegger (swissuniversities) über die unterschiedlichen Initiativen für eine nachhaltige Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation. In der Diskussion wurde deutlich, dass es zunächst relevant sei, den festgefahrenen Kreislauf der finanziell begründeten Entscheidungen zu durchbrechen. Denn wenn Universitäten darauf angewiesen seien, renommierte Forscher*innen für ihre Einrichtung anzuwerben und die Voraussetzung für Renommée das Publizieren in großen, kommerziellen Journals bleibe, würden Universitäten gezwungen bleiben, ihre finanziellen Ressourcen weiterhin in diese großen Verlage fließen zu lassen. Die Folge wäre, dass kaum oder kein Budget für Open Access Journals übrig bleibe. Eine Publikationszukunft, die ohne Journals auskommt, konnte sich der Roundtable nicht vorstellen, da es einer Review-Struktur bedarf, die bisher nur im Journal-Format gegeben sei. Ohne die Qualität, die diese Review-Struktur bietet, würde zudem das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gehen. Ein Gegenbeispiel war jedoch Wikipedia, wo die Zeit als Peer-Reviewer diene, weil Wikipedia-Artikel über die Zeit in der Community immer weiter verbessert und aktualisiert würden. In der Schlussrunde wurden die Expert*innen jeweils um ein abschließendes Statement gebeten: Valérie Andres betonte die Komplexität der Disziplinen und der Stakeholder, die wiederum unterschiedliche Bedarfe an Initiativen wissenschaftlicher Kommunikation mitbringen. Beat Immenhauser erklärte, dass er vor allem die Debatte über Qualität im Open-Access-Bereich für verbesserungswürdig halte. Die Annahme, dass Diamond-Open-Access-Artikel eher dazu neigen, Qualitätsmängel aufzuweisen, sei schlichtweg falsch. Die wiederkehrende Fokussierung und Thematisierung des vermeintlichen Qualitätsmangels könnte die Fehlannahme sogar bestärken, statt aufzuklären. Jeanette Frey schloss ihren Beitrag zum Roundtable mit einer Forderung nach einer zuverlässigen Finanzierung, die z.B. durch Konsortien gewährleistet werden könnte. Um zuverlässig zu sein, müsse Finanzierung jedoch projektunabhängig gegeben sein. Christian Schwarzenegger wies darauf hin, dass es in anderen wissenschaftlichen Bereichen auch immer wieder schwierig sei, eine Finanzierung zu erhalten und dass man mit einer gewissen Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft leben müsse. Er wünsche sich zudem ein zentrales Eingangsportal für alle Schweizer Publikationen.
Aus den Fehlern und Erfahrungen lernen

Am zweiten Roundtable diskutierten Margit Dellatorre (Universitätsbibliothek Zürich/HOPE), Manuel Battegay (Präsident des Trägervereins Swiss Medical Weekly), Elio Pellin (Universitätsbibliothek Bern/CRAFT OA) und Klaus Rummler (PH Zürich/MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) zum Thema “Diamond Open Access Practices: Quality, Efficiency and Sustainability”. Dabei waren sich alle einig, dass je nach Disziplin unterschiedliche Merkmale wichtig seien, damit ein Journal gut funktionieren könne. Im Bereich Medizin sei ein besonders wichtiges Qualitätsmerkmal die Schnelligkeit, mit der ein Journal seine Artikel publiziert. An diesem Roundtable wurde auch darauf hingewiesen, dass viele Argumente, mit denen sich die Diamond Open Access Community konfrontiert sieht, dieselben seien, die gegen Closed Access oder Gold Open Access Journals existieren: dass sie zu teuer seien, dass ihre Qualität angezweifelt werde und die Zweifel an ihrer Nachhaltigkeit. In der Schlussrunde durften die Expert*innen ihre Wünsche für die Open-Access-Zukunft äußern.

Herausgegriffen sei hier der Kommentar von Elio Pellin, der sich wünschte, dass man nicht wieder dieselben Fehler mache, die man im Bereich Open Access bereits gemacht habe: Die großen Verlage dürften nicht wieder und wieder die finanziellen Ressourcen für Publikationen abgreifen. Stattdessen müsse man die Gelder in gemeinsame europäische Projekte investieren. Mit diesem Blick in die Zukunft endete die erste Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern.
Die Utopie als Motivation

Das Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” fasst die Vorhaben der Projektreferent*innen perfekt zusammen. Nachhaltigkeit im Bereich Diamond-Open-Access ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ein Dreh- und Angelpunkt, der das Vertrauen in und somit die Etablierung von Diamond-Open-Acess-Publikationen beeinflusst. Die gemeinschaftliche Finanzierung nicht-kommerzieller Publikationsorte widerspricht dabei den eingefahrenen Marktlogiken wissenschaftlichen Publizierens, die auf großen Wissenschaftsverlagen und dem damit einhergehenden bibliometrischen Renommee basieren. Die Idee einer globalen Vernetzung, die die Projekte OPERAS, DIAMAS und CraftOA gemeinsam umsetzen wollen, klingt in Hinblick dessen besonders vielversprechend, gleichzeitig aber auch noch etwas utopisch. Das 2017 ins Leben gerufene Ziel der Swiss National Open Access Strategie, bis 2024 100% der Publikationen frei zugänglich zu publizieren, war ambitioniert. Aber: Obwohl dieses Ziel nicht komplett erreicht wurde, sind die Schweizer*innen ihm zumindest näher gekommen. Eine globale Diamond-Open-Access-Zusammenarbeit voranzutreiben, bedarf ebenfalls großer Ambitionen. Die konkreten Pläne und die motivierte Open Access Community in Bern scheinen dafür aber gute Voraussetzungen zu bieten.
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<item><title>Die ersten Schritte zum Informationsbudget gemeinsam gehen</title><link>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</link><comments>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen#comments</comments><pubDate>Tue, 09 Apr 2024 11:29:53 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</guid><description>Vertreter*innen vier verschiedener Einrichtungen boten in einem Workshop Einblicke in die praktische Implementierung eines Informationsbudgets.

Über 230 Personen hatten sich angemeldet für den Workshop &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot;, der am 07.02.2024 im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network von der UB der Universität Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office durchgeführt wurde. Sie hatten Gelegenheit, von vier geladenen Referent*innen aus erster Hand einrichtungsübergreifende Ansätze zur Ermittlung von Publikationskosten als Grundlage für die finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation kennenzulernen.
Transparentes Kostenreporting mit OpenAPC 

Als erste Referentin gab Julia Bartlewski von der Universität Bielefeld einen umfassenden Einblick in die Abfragemöglichkeiten und die Struktur von OpenAPC, einem Projekt, das sich der transparenten Berichterstattung über Kosten im Zusammenhang mit Open Access-Publikationen widmet.

Seit 2014 werden in OpenAPC Daten zu Publikationskosten erfasst und veröffentlicht. Dazu gehören Artikelbearbeitungsgebühren (APCs), Buchbearbeitungsgebühren (BPCs) und Transformationsverträge. Ziel ist es, maximale Kostentransparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen und damit auch Kostenentwicklungen über die Zeit verfolgbar zu machen. Um den einzelnen Institutionen die Übermittlung ihrer Kostendaten zu erleichtern, wird ein hoher Grad an Automatisierung angestrebt. Daten können beispielsweise per E-Mail, Pull-Request, OAI-Harvesting oder per Meldung ans DFG-Förderprogramm „Open Access-Publikationskosten“ übermittelt werden. Geplant ist außerdem eine Erweiterung der Infrastruktur von OpenAPC unter Nutzung des openCost-Metadatenschemas um relevante Kostenpunkte wie sog. page oder color charges.

Im Projektblog wird eine automatisiert generierte Datenanalyse zu jeder Datenlieferung veröffentlicht. Der gesamte Workflow zur Erfassung der Kostendaten an der Universitätsbibliothek Bielefeld wurde von Julia Bartlewski an praktischen Beispielen veranschaulicht und anschließend diskutiert.

Abschließend gab es noch eine Demonstration anhand interaktiver Treemap-Diagramme, welche die gesammelten Daten visualisieren und verschiedene Möglichkeiten der Betrachtung und Filterung bieten.
Der lange Weg zur zentralen Rechnungsbearbeitung

Als zweiter Referent präsentierte Gernot Deinzer die Entwicklung und Implementierung eines zentralen Systems zur Erfassung von Publikationskosten an der Universität Regensburg.

Dabei ging er auf den zurückgelegten Weg ausgehend vom DFG-Programm „Open-Access-Publizieren“ im Jahr 2011 bis zur heutigen Situation mit einem zentralen System zur Bearbeitung von Publikationsgebühren ein. Dieser Weg sei lang und steinig gewesen, aber mittlerweile wolle niemand mehr zurück. Heute sind Autor*innen, Fakultäten und Lehrstühle verpflichtet, Publikationsrechnungen in der Rechnungsstelle der Universitätsbibliothek einzureichen, wo sie geprüft, erfasst und für die Rechnungsanweisung freigegeben wird. Neben der systematischen Erfassung von Publikationsgebühren, Erwerbs- und Lizenzierungskosten bringt dies eine Reihe weiterer Vorteile mit sich, wie die Möglichkeit, Metadaten einer Publikation mit der DOI zu verknüpfen und auf Knopfdruck auszuwerten. Außerdem erfolgt direkt eine Volltextaufnahme ins institutionelle Repositorium. Deinzer schloss mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen, einschließlich der Evaluierung von Publikationskosten und weiterer Verbesserungen im Workflow.

Das Publikum griff seine Ausführungen als Best Practice interessiert auf und es ergab sich eine sehr lebhafte Diskussion zu spezifischen Aspekten der Publikationskostenerfassung. Unter anderem ging es dabei um die Organisation von Literatur- und Lehrmittelbestellungen, personelle Aufwände, Einhaltung von Budgets, Umgang mit Transformationsverträgen sowie die Erfassung weiterer Kostenarten wie Druckkostenzuschüsse oder Artikelbeschaffungskosten (APCs).
Parallele Prozesse zusammenführen

Dritte Referentin war Viola Voß von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB), wo der Prozess zur schrittweisen Etablierung eines Informationsbudgets begonnen hat. Schwerpunkt ihrer Ausführungen waren die Herausforderungen, die mit der Einführung eines Informationsbudgets verbunden sind. Sie konnte aber auch über erste Fortschritte berichten und über Hürden, die in Münster schon gemeistert wurden.

Die Ausgangslage ist aufgrund des dortigen zweischichtigen Systems kompliziert: Universität und Uniklinikum agieren in Münster als separate Körperschaften mit unterschiedlichen SAP-Systemen, Steuernummern und je eigenen Strukturen und Abteilungen. Statt Zentralmittel für Open-Access-Publikationen gibt es eine Kostenteilung mit den Fachbereichen, die für Publikationsfonds, Verlagsverträge und Transformationsverträge gilt. Die ULB, die am DFG-Förderprogramm beteiligt und 2022 zum Bibliotheksmanagementsystem Alma gewechselt ist, bereitet sich auf die Einführung eines Informationsbudgets z.B. über das Reporting für die DFG und durch die Mitarbeit in der Fokusgruppe Informationsbudget vor. Im Sommer 2023 wurde an der Universität eine neue Kostenstelle eingeführt, um Kosten für Open und Closed Access-Publikationen differenzieren zu können, am Uniklinikum wurde eine Kostenstelle speziell für Publikationen eingerichtet.

Durch diese Maßnahmen hat die Bibliothek nun einen ersten Überblick über die Kosten für Artikel, Bücher und Verlagsverträge; jedoch gestaltet sich die standardisierte Rechnungserfassung aufgrund technischer Einschränkungen und organisatorischer Rahmenbedingungen als herausfordernd. Auch die Integration verschiedener Systeme – z.B. die Anbindung von Alma an SAP – steht noch aus, aber die ULB ist zuversichtlich, dass sie auf einem guten Weg ist.

Die anschließende Diskussion drehte sich um Themen wie die Informationsweitergabe an die Fachbereiche, das Buchungsprozedere, die Rolle von Alma in der Verwaltung von Publikationskosten und die Integration des Metadatenschemas von openCost in das Forschungsinformationssystem.
Kostentransparenz auf allen Ebenen

Abschließend präsentierte Lisa-Marie Stein vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, den Workflow am DESY zur zentralen Erfassung und Nachnutzung von Kostendaten im institutionellen Repositorium. Das Ziel ist, Schritte in Richtung eines Informationsbudgets zu unternehmen und Kostentransparenz auf allen Ebenen zu schaffen, um eine nachhaltige Transformation zu ermöglichen.

Am DESY werden alle Publikationen frühzeitig im institutionellen Repositorium erfasst und im Verlauf um Informationen zur Genehmigung und Zahlungsabwicklung ergänzt. Das Publikationskostenmodul innerhalb des Repositoriums ermöglicht die Erfassung auf Artikelebene und eine gemeinsame Definition mit JOIN2. Auch Aspekte wie Datenharvesting, DFG-Monitoring oder die Erweiterung des EZB-Katalogs um Informationen zu Publikationen und Publikationskosten wurden thematisiert.

Lisa-Marie Stein betonte die Bedeutung der zentralen Erfassung von Kostendaten im Repositorium und beschreib die Herausforderungen, die mit diesem Prozess verbunden sind. Wichtig war insbesondere, dass openCost keine Datensammlung ist, sondern vielmehr ein definiertes Austauschformat, das an verschiedene Systeme angebunden werden kann.

In der Diskussion wurden Fragen zur Integration von Daten in SAP, zum Format der Daten und zur Zusammenarbeit mit Bibliothekssystemen und Anbietern von Repositorien erörtert.
Fazit: Nie das Ziel aus den Augen verlieren!

In der Abschlussrunde wurde noch einmal die Bandbreite der unterschiedlichen lokalen Ausgangslagen betont. Best Practices lassen sich häufig nicht ohne Weiteres übertragen, aber sie inspirieren zu neuen Ideen für die eigene Einrichtung. Dennoch seien Austauschformate wie dieser Workshop hierzu besonders wichtig, um voneinander zu lernen, beispielsweise, was die Argumentation für eine zentrale Rechnungsstelle angehe. Wichtig sei, dass man nie das Ziel der Transformation aus den Augen verliere: Ein aussagekräftiges Informationsbudget ist kein Selbstzweck, sondern essentiell für eine evidenzbasierte Mittelallokation – auch und gerade angesichts des zunehmenden Kosten- und Spardrucks an vielen Einrichtungen. Auch als Argument für Diamond Open Access und für die Diskussion über Kosten und Nutzen von Transformationsverträgen wie DEAL sind konkrete Zahlen von zentraler Bedeutung. Das große Interesse am Workshop und die positiven Evaluationen bestätigen, dass das Themenfeld für die Open-Access-Community wichtig ist und bleiben wird.

Alle Präsentationen des Workshops wurden bei Zenodo veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Wir gründen eine wissenschaftliche Zeitschrift</title><link>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</link><comments>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Mar 2024 08:45:00 +0100</pubDate><category>Zeitschriften</category><category>Technik und Workflows</category><dc:creator>Stefan Schmeja</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 18.03.24 auf dem TIB-Blog unter der Lizenz CC BY 3.0 DE erschienen.

Zeitschriften stellen in den meisten Fächern das wichtigste Medium dar, um wissenschaftliche Ergebnisse zu kommunizieren. Im digitalen Zeitalter kann die Produktion und Verbreitung von Zeitschriften von wissenschaftlichen Einrichtungen selbst übernommen werden. Doch wie funktioniert das? Wie läuft der Publikationsprozess eines Zeitschriftenartikels ab? Was ist bei der Herausgabe einer Zeitschrift zu beachten?
Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“

Um gemeinsam Antworten zu finden und praktische Erfahrungen zu ermöglichen, haben wir im Februar 2024 erstmals den Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“ für Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen der Leibniz Universität Hannover und deren Partneruniversitäten im EULiST-Netzwerk angeboten. Da es noch freie Plätze gab, haben wir den Workshop kurzfristig auch für andere Interessierte geöffnet.
Der Publikationsprozess eines wissenschaftlichen Artikels

In diesem Workshop erstellten die Teilnehmenden eine fiktive Open-Access-Zeitschrift mit Hilfe von Open Journal Systems (OJS). OJS ist eine weit verbreitete Open-Source-Software für die Verwaltung und Veröffentlichung von wissenschaftlichen Zeitschriften, die auch für unseren Verlag TIB Open Publishing eingesetzt wird. Die Teilnehmenden reichten ihre vorab erstellten Manuskripte bei der Zeitschrift ein, begutachteten diese gegenseitig und spielten so den Weg eines Artikels durch den Publikationsprozess durch. Sie lernten die Grundlagen des wissenschaftlichen Publizierens, die Rollen von Autor:innen, Gutachter:innen und Herausgeber:innen und die Abläufe bei der Produktion einer Zeitschrift kennen.
Qualitätssicherung, Sichtbarkeit und Finanzierung

Sie beschäftigten sich mit Fragen der Qualitätssicherung, der Sichtbarkeit und Finanzierung der Zeitschrift und lernten so die Bedeutung von Metadaten, Metriken und Identifiern im Publikationswesen kennen. Die Teilnehmenden hatten Beispiele von bestehenden Zeitschriften aus ihrem jeweilgen Fachgebiet mitgebracht und erläutert, was ihnen an der Zeitschrift und insbesondere an ihrem Webauftritt inhaltlich und optisch besonders gefiel. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden, welche Art von Peer Review von „unserer“ Zeitschrift durchgeführt, wie sie finanziert und wie ihr Webauftritt gestaltet werden sollte.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Impact Factor – ja oder nein?

Des Weiteren wurde überlegt, wie für Sichtbarkeit und Attraktivität der Zeitschrift gesorgt werden kann. Soll ein Impact Factor angestrebt und prominent beworben werden? Lässt übertriebenes Werben um Autor:innen die Zeitschrift als „Predatory Journal“ erscheinen? Fachspezifische Unterschiede zeigten sich unter anderem bei der Frage, ob eine Zeitschrift ausschließlich Forschungsartikel oder auch Veranstaltungshinweise, Nachrufe, Buchbesprechungen und Ähnliches beinhalten sollte.

Der Workshop war als Lehrveranstaltung mit 30 Stunden (davon 10 vorab im Selbststudium) konzipiert, für die über eine Zusammenarbeit mit der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung der Leibniz Universität Hannover ein ECTS-Punkt erworben werden konnte. Aufgrund des positiven Feedbacks planen wir, den Workshop in ähnlicher oder adaptierter Form auch zukünftig anzubieten. Verschiedene Anfragen haben uns gezeigt, dass es offenbar einen großen Bedarf für solche Formate auch für andere Zielgruppen gibt. Bei Fragen oder Interesse melden Sie sich gerne bei uns unter publikationsberatung@tib.eu.
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<item><title>Mit wem wie und wozu worüber reden? Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation</title><link>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation</link><comments>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation#comments</comments><pubDate>Wed, 06 Mar 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Beratung</category><dc:creator>Christoph Hornung</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation</guid><description>Die Praxis des Open-Access-Publizierens umfasst einen ganzen Kosmos von hochspezialisiertem Wissen. Auf der einen Seite steht der wichtige jahrelange Aufbau von Expertise, auf der anderen Seite der Anwendungsbezug und die Kommunikation mit Forschenden oder auch mit Verwaltungskräften. Damit kein abgekoppelter Spezialdiskurs entsteht, ist die Rückkopplung zwischen Spezialist*innen und Zielgruppen wichtig, um die stets neuen Entwicklungen rund um Open Access etwa im Bereich Finanzierungsmodelle oder Formate produktiv und im Sinne der Wissenschaft einzusetzen.

Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation beschäftigt sich seit Juni 2022 in ca. zweimonatig stattfindenden Treffen damit, wie dies gelingen kann. Ins Leben gerufen von Katharina Schulz und Matthias Laugwitz, dann koordiniert von Christoph Hornung und Katja Wermbter, lag das Augenmerk der Gründungsidee auf der Öffentlichkeits- und Community-Arbeit zum Thema Open Access. Durch die Gruppenkonstitution wurde dabei schnell deutlich, dass sich unter dem Begriff Kommunikation vielfältige fachliche und institutionelle Hintergründe sowie Erfahrungen und Interessen zusammenfinden. Entsprechend bildete sich ein Vorgehen heraus, das versucht, dieser großen Bandbreite der Erfahrungen und Kontexte gerecht zu werden: Die einzelnen Treffen gehen von Impulsvorträgen aus, die eine Diskussion und weiteren Erfahrungsaustausch initiieren.
„Kommunizieren4“ by Julian Kücklich (CC0), Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo.3674561

Während andere Fokusgruppen von open-access.network ein konkretes Ziel verfolgen, wie etwa die Erarbeitung von Stellungnahmen oder Empfehlungen in den Bereichen scholar-led publishing oder Informationsbudget, liegt der Schwerpunkt der Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation auf dem Einholen von Impulsen von externen Gästen mit den Zielsetzungen der Vernetzung und des Perspektivenabgleichs.

Bisherige Impulse waren:

    Merle Schütte (UB Bayreuth) – Die Untergruppe „Kommunikation“ der Fokusgruppe Informationsbudget (10.11.2023)
    Athanasios Mazarakis &amp; Paula Bräuer (ZBW) – Motivation für Open Access durch Gamification (11.09.2023)
     Doreen Siegfried (ZWB) – Content-Marketing zu Open Science (29.06.2023)
     Marc Lange (HU) – Kommunikation mit und Beratung von Forschenden im Kontext Monografienfonds (05.05.2023), vgl. Handlungsempfehlungen für Open-Access-Publikationsfonds
     Katja Wermbter (FID BAUdigital, UB Braunschweig) – Umfrage des FID BAUDigital zu Open Access und FDM (23.02.23)
    Ben Kaden (VuK OA Brandenburg) – Open Access kommunizieren (19.01.23), vgl. dazu Schulungsmaterialien von Heinz Pampel und Ben Kaden
    Yuliya Fadeeva (UB Duisburg Essen) – Stakeholder Mapping Projekt AuROA (19.10.22), vgl. Poster zur OASPA 2022 Conference
    Matthias Laugwitz (IST-Hochschule für Management, AuROA) – Kommunikation als Erfolgskatalysator (20.07.22)

    Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte.

Große Einigkeit besteht in der Gruppe dahingehend, dass es bei unterschiedlichen Menschen aus &quot;unterschiedlichen Welten&quot; häufig unterschiedliche Begrifflichkeiten und Auffassungen gibt, die bei der Open-Access-Kommunikation relevant sind. Daraus lässt sich eine Frage ableiten, die viele Verzweigungen andeutet und als wiederkehrende Motivation für die Diskussionen in der Fokusgruppe gesehen werden kann: Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte. Dies ist allerdings weder Anspruch noch Motivation der Fokusgruppe. Vielmehr ist das Ziel des Kommunizierens über Open-Access-Kommunikation eben die Reflexion ihrer Komplexität, Vielfalt und Ausgestaltung. Nicht zuletzt soll die Fokusgruppe den Teilnehmenden immer auch die Möglichkeit bieten, sich der eigenen Position(en), Rollen und Zielsetzungen beim Kommunizieren über Open Access bewusst zu werden.
Image by Mohamed Hassan (CC0) https://pxhere.com/de/photo/1639991

Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen. Die Ausgestaltung der Kommunikation wiederum hängt unter anderem von Zielgruppen, möglichen Kommunikationswegen, Zielsetzungen und Motivationen ab.

Besonders wurde in den Diskussionen der Fokusgruppe deutlich, dass sich die konkreten Bedingungen und Strukturen einer Institution prägend darauf auswirken, wie agiert und kommuniziert werden kann. Dabei wurde eine ganze Reihe von relevanten Fragen freigelegt:

(1)   Was genau will man durch die Kommunikation erreichen? Geht es um das Bewerben von konkreten Angeboten oder eher um das Vermitteln von Grundverständnis und Kompetenzen?

(2)   Was spielt für die Publikationsentscheidungen von Forschenden neben dem Faktor „Open Access“ außerdem eine Rolle (Reputation, inhaltliche und finanzielle Faktoren etc.)?

(3)   Wer sind die Kommunikationspartner*innen? Geht es um die Kommunikation zwischen Open-Access-Spezialist*innen, mit der Verwaltung der Institution, mit der Bibliothek, mit der Kommunikationsabteilung, mit Forschenden, Fachgesellschaften, Geldgebern, Unternehmen oder Verlagen?

(4)   Um was für eine Institution handelt es sich? Geht es um ein kleines Forschungsinstitut mit einem klaren fachlichen Profil? Oder geht es um eine Volluniversität inklusive Klinikum, die sich selbst verwaltet und eine große Fächervielfalt aufweist?

(5)   Wie stark sind Open Access und Open Science an der Institution verankert? Gibt es Leitlinien der Dachgesellschaft oder eine Policy der Institution?

(6)   Auf welche Haltung gegenüber Open Access und welche Vorurteile trifft man? Welche Rolle spielen Karrierestufen und Reputationsmechanismen?

(7)   Welcher fachliche Hintergrund ist vorhanden und wie ist die Publikationskultur? Ist Open Access hier bereits Standard oder noch mit Vorurteilen behaftet? Handelt es sich um buch- und verlagsorientierte Fächer, wie die (meisten) Geisteswissenschaften, oder um Disziplinen wie die Meteorologie, wo Open-Access-Artikel Standard sind? Sind Impact-Faktoren entscheidende Gründe für die Publikation in einer Zeitschrift oder zählen die Namen der Herausgebenden oder der ‚gute Name‘ eines Verlags mehr?

(8)   Welche Rolle hat der oder die Kommunizierende an der Institution? Spricht er oder sie für eine Kommunikationsabteilung mit Fokus auf die gesamte Institution oder beispielsweise für einen Fachinformationsdienst, der standortübergreifend für eine bestimmte Fachcommunity steht?

(9)   Welcher institutionelle Rahmen herrscht für die Kommunikation? Wie ist die allgemeine Stellung und Verankerung von Open Access und Open Science, etwa in Form von institutionalisierten Stellen, existierender Services und anderer Strukturen sowie von Policies?

(10) Und, ganz lebensnah: Wie viel Personal ist verfügbar?

    Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen

Dies alles prägt die Entscheidung, wie, wann und wie oft und unter Einsatz welcher Medien und Formate worüber am besten gesprochen wird. Die zusammengetragenen Erfahrungen ergeben so einen bunten Strauß an möglichen Ansätzen. Von der konkreten Situation und den konkreten Zielen hängt es also ab, ob dies nun einzelne Workshops oder regelmäßige Veranstaltungen an Graduiertenschulen sind, ob man besser Vorträge hält, Lehr- und Einführungsveranstaltungen besucht oder Gamification-Formate anbietet.

Entsprechend der Vielfalt des Themenkomplexes nimmt auch die Fokusgruppe immer weitere Ansätze und Beispiele in den Blick. So ist das Kommunizieren über predatory practices als ein Thema eingeplant, bei dem in der Kommunikation mit Publizierenden unter Umständen nicht von denselben Prämissen ausgegangen werden kann wie innerhalb der Open-Access-Community.

Neue Mitglieder sind in der Gruppe stets willkommen – entweder zunächst zum Zuhören oder um selbst konkrete Vorschläge zu machen, Einblicke zu geben oder Fragen zu stellen.

Die Termine für künftige Treffen, der Link zur Mailingliste der Gruppe sowie alle weiteren relevanten Teilnahmeinfos sind hier zu finden: https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-kommunikation
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<item><title>Open-Access-Tage 2023: Videoaufzeichnungen, Folien und Nachlese</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese#comments</comments><pubDate>Mon, 05 Feb 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Georg Fischer</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</guid><description>Ende September 2023 fanden die Open-Access-Tage (#OAT23) in Berlin statt. Damit wurde auch der 20-jährige Geburtstag der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen in der deutschen Hauptstadt gebührend gefeiert und gewürdigt. Wer die OAT23 Revue passieren lassen oder noch den einen oder anderen Vortrag nachträglich schauen möchte, hat dafür nun mehr als 30 Videos zur Auswahl.

Open Access hat sich seit der Berliner Erklärung als Standard und wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens etabliert. Die Open-Access-Tage, die jährlich stattfindende Konferenz für Open Access und Open Research im deutschsprachigen Raum, nahm sich das Jubiläum zum Anlass, um den zurückliegenden Weg gemeinsam zu reflektieren und unter dem Motto Visionen gestalten in die Zukunft zu blicken.

Das angenehme spätsommerliche Wetter meinte es gut mit den über 450 Teilnehmenden. Sie kamen für zahlreiche Vorträge und Workshops, drei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, eine Postersession und in anderen lockeren Formaten, etwa bei Abendveranstaltungen oder einem leckeren Eis zusammen.
Zum Nachschauen: 32 Vorträge der #OAT23 als frei lizenzierte Videos online

Bei einer so großen Konferenz wie den Open-Access-Tagen ist es ein Leichtes, Vorträge zu verpassen. Nun sind insgesamt 32 Vorträge und eine Podiumsdiskussion als Aufzeichnungen im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek auffindbar. Sie enthalten Untertitelungen in deutscher und englischer Sprache sowie die Vortragsfolien. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema DEAL sind auch Publikumsfragen in den Aufzeichnungen enthalten.

Die Vorträge sind unter dem DOI https://doi.org/10.5446/s_1673 im TIB-AV-Portal abrufbar und können von dort aus auch heruntergeladen werden. Alle Videos stehen unter der freien Lizenz CC BY 3.0 für diverse Formen der Nachnutzung bereit.
Vortragsfolien, Poster und weitere Nachlese zu den #OAT23

Neben den Vorträgen selbst sind die Präsentationsfolien von allen 32 Vorträgen sowie die 18 gezeigten Poster bei Zenodo verfügbar. Die Dateien sind in dieser Zenodo-Gruppe gespeichert und können dank der offenen Lizenz problemlos nachgenutzt werden.

Zudem sind einige Konferenz-Nachberichte erschienen. Darunter ein Nachbericht in der Uni-Zeitung der FU campus.leben, ein Jubiläumsbericht zur Berliner Erklärung beim Berliner Tagesspiegel oder eine Reflexion bei der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.

Die #OAT23 waren eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Universitäten, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Hochschulen – insgesamt 14 Einrichtungen. Sie fanden vom 27. bis 29. September 2023 an der Freien Universität Berlin statt. Die Koordination übernahm das Open-Access-Büro Berlin.

Die nächsten Open-Access-Tage (#OAT24) finden vom 10. bis 12. September 2024 in Köln statt. Ein kurzer Teaser dazu findet sich hier.
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<item><title>Auftakt der Workshopreihe &quot;Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation&quot;</title><link>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation#comments</comments><pubDate>Thu, 25 Jan 2024 09:08:04 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><guid>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</guid><description>Ein Veranstaltungsbericht

Die „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ ist Thema einer Workshopreihe im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network. Organisiert und durchgeführt wird sie von der Universitätsbibliothek Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office. Im Mittelpunkt der sechsteiligen Workshopreihe steht das Thema Informationsbudget an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Die Auftaktveranstaltung am 13.09.2023 versorgte die rund 130 Teilnehmenden mit Informationen zum Stand der Diskussion, zur Zielsetzung der Idee und ersten Umsetzungsszenarien.
Überblick über den Diskussionsstand

Der erste Workshop mit dem Titel „Finanzierungsströme für die Open-Access-Transformation – Überblick und Stand der Diskussion“ begann mit drei Impulsvorträgen. Jochen Schirrwagen (RWTH Aachen) gab zunächst einen Überblick und eine Einführung ins Thema Informationsbudget. Prof. Gerard Meijer (Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft) knüpfte in seinem Beitrag &quot;Strategic Aspects of the Open Access Transformation&quot; an die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ an, die er als Sprecher einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates mitverfasst hat (Wissenschaftsrat, 2022). Schließlich sprach Dr. Bernhard Mittermaier (Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich) über erste Erfahrungen bei der Umsetzung eines Informationsbudgets am Forschungszentrum Jülich. Die Referenten haben die Präsentationsfolien zu ihren Vorträgen bei Zenodo im Open Access veröffentlicht; sie sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
Austausch fördern, gemeinsam arbeiten

Ausgehend von diesen einleitenden Vorträgen diskutierten die rund 130 Teilnehmer*innen während einer Gruppenarbeitsphase  über Vorteile, Ansätze und Herausforderungen bei der Umsetzung eines transparenten Informationsbudgets im eigenen Haus.
Der aktuelle Stand zum Informationsbudget an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ist sehr heterogen und oft sind es  die Bibliotheken, die das Thema vorantreiben. Während einige Einrichtungen über bereits implementierte Workflows zur Kostenerfassung im gesamten Haus berichten konnten, steht bei anderen das Thema bislang unbearbeitet auf der To-Do-Liste.
Bild von Manfred Steger auf Pixabay

Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig. Damit nicht jede Hochschule, Universität oder Wissenschaftsinstitution individuelle Lösungen erarbeiten muss, besteht der Wunsch, von den Erfahrungen, Ideen, Modellen und Ansätzen anderer zu profitieren. Gleichwohl setzen die Unterschiede zwischen den Einrichtungstypen und ihrer internen Organisation gemeinsamen Lösungsansätzen Grenzen. Ein besonderes Problem sahen viele Teilnehmer*innen im dezentralen Abrechnungswesen.

Die transparente und vollständige Erfassung von Kosten und Aufwänden im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens muss auf allen Ebenen erfolgen. Organisatorisch beinhaltet  das Institute, Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen und betrifft dies die Budgets von Bibliotheken, Lehrstühlen und Drittmittelprojekten sowie weitere Sondermittel.

    Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig.

Vorteile und Schwierigkeiten

Gefragt nach den Vorteilen der Einführung von Informationsbudgets für wissenschaftliche Einrichtungen, nannten die Teilnehmer*innen, verbesserte  Steuerungsmöglichkeiten und einen besseren Kostenüberblick bezogen auf Publikationszahlen und Fachbereiche. Ein Informationsbudget böte auch den Vorteil, einfacherer Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Einrichtungen und ermögliche perspektivisch eine verbesserte Verhandlungsposition gegenüber Verlagen. Mehr Transparenz über Kosten und Leistungen in der Retrospektive (z. B. Durchschnitt des Publikationsaufkommens und Kosten der letzten drei Jahre) ermöglicht außerdem eine bessere Kalkulation für die Zukunft.

Schwierigkeiten und (praktischen) Hindernisse sahen die Teilnehmer*innen in der Zusammenarbeit von Finanzabteilung, Controlling, Bibliothek und Leitungsebene.
Verschiedene Datenquellen erschwerten den Gesamtüberblick über tatsächliche Ausgaben und die unterschiedliche Dynamik im Publikationsaufkommen der verschiedenen Fächer mache eine mittel- bis langfristige Finanzplanung nicht einfach.
Schwierig sei zudem die Zuordnung von Publikationen zu Drittmittelprojekten mangels Standardisierung der Projektidentifier, u. a. bei DFG-Projekten im Kontext des Förderprogramms „Open-Access-Publikationskosten“. Auch bei Transformationsverträgen sind die Kosten für einzelne Artikel mitunter nicht sichtbar.
Praktische Lösungsansätze

Im Anschluss an Bernhard Mittermaiers Vortrag zur Umsetzung des Informationsbudgets am Beispiel des Forschungszentrums Jülich, entwickelten die Teilnehmenden eigene Ideen und Ansätze dazu, wie sie an ihren Einrichtungen ein Informationsbudget etablieren wollen. Grundlegend biete der Erwerbungsetat eine gute Ausgangsbasis, die sukzessive um Elemente eines Informationsbudgets erweitert werden kann. Wichtig für die praktische Umsetzung sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Finanzabteilung. Um dies zu erleichtern, kann die Einführung einer entsprechenden Policy für die gesamte Institution hilfreich sein.

Auch ein vereinheitlichtes Bestellverfahren unter Einbeziehung der Bibliothek ermöglicht es, die Publikationsausgaben zentral zu erfassen. Teilnehmer*innen empfahlen auch die Nutzung der Forschungsinformationssysteme (FIS) statt Excel-Listen zur Kostendokumentation. Eine weitere Möglichkeit ist die  Erfassung von Kosten im institutionellen Repositorium oder die Einrichtung eines speziellen Buchungskontos für OA-Publikationen. Sachbearbeiter*innen, die dezentral Publikationsgebühren buchen, sollten entsprechend geschult werden. Um sie bei der korrekten Zuordnung der Kosten zu unterstützen, könne man ihnen außerdem eine Liste mit  Begriffen zur Verfügung stellen, die auf Open-Access-Publikationen hinweisen.
Einige Teilnehmende berichteten allerdings auch, dass es an ihrer Einrichtung bislang keine Ansätze für ein Informationsbudget gibt. Dies scheitere bislang am fehlenden Interesse der Leitungsebene.

Die Resonanz auf den Workshop war insgesamt sehr positiv. Allerdings wünschten sich die meisten Teilnehmenden mehr Zeit zum Austausch und zur Diskussion. Für die nächsten Workshops werden wir deshalb dafür mehr Zeit einplanen. Die während der Gruppenarbeitsphase gesammelten Wünsche zu Themen und Struktur der kommenden Workshops werden in die Planungen einfließen. Der nächste Workshop zum Thema &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot; wird am 7. Februar 2024 stattfinden.
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<item><title>Das Open-Access-Jahr 2023. Ein Rückblick</title><link>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</link><comments>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jan 2024 13:31:00 +0100</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</guid><description>Am 22. Oktober 2003 wurde die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen verfasst, ein wegweisendes Dokument für den Wandel hin zu Open Access (OA) und die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens über das Internet. Das 20-jährige Jubiläum bot im vergangenen Jahr vielfach die Gelegenheit, die Entwicklungen und Perspektiven zu bilanzieren. Wir wollen im Rahmen dieses Blog-Beitrags auf ausgewählte Entwicklungen, Initiativen und Projekte in Deutschland und darüber hinaus in diesem Jubiläumsjahr zurückblicken.
Neue Förderlinie des BMBF ist gestartet

Unter dem Dach der neuen Förderrichtlinie für eine gelebte Open-Access-Kultur hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2023 seinen Fokus auf mehr Offenheit in der Wissenschaft intensiviert. Der Großteil der insgesamt 24 ausgewählten Projekte wurde am 1. September gestartet. 

Die Projekte setzen verschiedene Schwerpunkte. Der Fokus des Projekts PRO-OAR-DE ist beispielsweise die Professionalisierung von OA-Repositorien, während OS-APS STEMO weitere Funktionalitäten für die OS Academic Publishing Suite entwickeln möchte. ELADOAH, OLEKonsort und Diamond Thinking zielen auf eine Stärkung von Diamond-OA, dessen Geschäftsmodell und Rahmenbedingungen. Darüber hinaus behandeln mehrere Projekte, darunter ADore-OA, OA-WFMS, edu_consort_oa, PANTER und KOALA-AV, Geschäftsprozesse, Finanzierungsmodelle und Workflows im Bereich Open Access. Die Projekte IDAHO und ELADOAH untersuchen verschiedene Hürden im Publikationssystem. Andere Projekte, wie bspw. die Projekte OASE und P2P.HAW.OA, setzen es sich zum Ziel, Open Access in einem bestimmten Kontext zu fördern. Einige Vorhaben der BMBF-Förderrichtlinie sowie weitere laufende Projekte sind auf der Projektwebseite von open-access.network zu finden. Ihr Projekt ist noch nicht gelistet? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Neben den neuen Initiativen wurden die Projekte der vorangegangenen Förderlinie abgeschlossen, Ergebnisse publiziert und Services in Betrieb genommen. Im Projekt B!SON wurde beispielsweise erfolgreich ein Recommender-System entwickelt, um Forschende bei der Suche nach qualitätsgesicherten OA-Zeitschriften zu unterstützen. Das Projekt AuROA veröffentlichte einen Vertragsgenerator, mit dessen Hilfe Verträge für OA-Bücher erstellt werden können. Das Projekt ScholarLed Plus erstellte Handreichungen für Herausgeber*innen wissenschaftsgeleiteter, gebührenfreier OA-Zeitschriften und in KOALA wurde ein Modell für eine konsortiale Finanzierung gebührenfreier OA-Publikationen entwickelt. Open4DE untersuchte den Umsetzungsstand von OA-Policies in Deutschland und empfahl Maßnahmen für die weitere Entwicklung von Open Access in Deutschland.

Für ein dauerhaftes Engagement staatlicher Akteure argumentieren auch die im Juni 2023 veröffentlichten Gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern. Darin werden 10 Leitlinien formuliert, die bei der erfolgreichen Transformation des wissenschaftlichen Publikationssystems zu Open Access in den nächsten Jahren unterstützen sollen. 
Transformation des Publikationssystems: Transformationsverträge…

Nachdem die bestehenden DEAL-Verträge mit Wiley und Springer Nature für das Jahr 2023 letztmals verlängert werden konnten, wurde am 28. November 2023 bzw. am 1. Dezember 2023 die Unterzeichnung eines neuen 5-Jahres-Vertrages zwischen dem DEAL-Konsortium und den Verlagshäusern bekannt gegeben. Wie Bernhard Mittermaier in seinem Rückblick auf 10 Jahre DEAL ausführt, wurden die ursprünglichen Projektziele des DEAL-Projekts im Wesentlichen erreicht, indem der Anteil an OA-Publikationen von deutschen Einrichtungen signifikant erhöht werden konnte. Obwohl die nationalen Ausgaben für OA-Publikationen insgesamt nicht gestiegen seien, hatte die dafür notwendige interne Kosten(um)verteilung Auswirkungen auf organisatorische Prozesse der Einrichtungen. Für zukünftige DEAL-Verträge fordert Mittermaier als bisher unerreichte Ziele, “spürbare finanzielle Verbesserungen” sowie die Begrenzung von Publikationsgebühren bei Gold-OA-Zeitschriften durchzusetzen (Mittermaier, 2023, S. 222). 

Bereits am 6. September 2023 gab das DEAL-Konsortium den Abschluss eines  DEAL-Vertrags mit Elsevier bekannt. Diese Ankündigung führte zu regen Diskussionen, u.a. bei der Satelliten-Konferenz “Wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren” und auf den Open-Access-Tagen in Berlin. Befürchtet wurde, dass zukünftig weniger finanzielle Mittel für die Unterstützung von APC/BPC-freien Modellen zur Verfügung stehen könnten, da die Ressourcen für die DEAL-Verträge verwendet würden. 
…und alternative Ansätze

Wie bereits im Vorjahr war auch in 2023 Diamond bzw. wissenschaftsgeleitetes Open Access Gegenstand vieler Diskussionen, Studien und Positionspapiere. Hinter diesen teilweise unzureichend bestimmten Begriffen (siehe Dellmann et al. 2022) verbirgt sich die Diskussion darüber, wie Open Access strategisch weiterentwickelt werden soll: weg von APC/BPC-basiertem Open Access und hin zu nachhaltigen, fairen und sicheren Publikationsformen und -infrastrukturen in der Wissenschaft. Siehe hierzu die im September 2023 veröffentlichten “Thesen zur Zukunft des wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Publizierens”.

Bedeutende Forschungs- und Förderorganisationen haben sich 2023 zu diesem Thema positioniert: Am 26.01.2023 gab die cOAlition S bekannt, Ende 2024 die Finanzierung von OA-Publikationen in Publikationsorganen mit Transformationsvereinbarungen einzustellen. Es sollen keine Anreize gesetzt werden, eine Überführung von Publikationsangeboten hin zu Open Access hinauszuzögern und hybride Geschäftsmodelle zu fixieren. Im März 2023 gab die DFG bekannt, dass sie den  &quot;Action Plan für Diamond Open Access&quot; unterstützt, im Mai folgte das Positionspapier der TU9-Bibliotheken zu Open-Access-Büchern.

Weichenstellungen und Positionierungen gab es auch auf EU-Ebene: Im Mai 2023 ermutigte der Rat der Europäischen Union, Open Research Europe als Open-Access-Veröffentlichungsdienst zu unterstützen. Die Open-Access-Transformation wird seitens der EU u.a. in den EU-Projekten Diamas (gestartet bereits am 1.9.2022), Palomera und CRAFT-OA (gestartet am 1.Januar 2023) vorangetrieben.

Außerhalb Europas traf sich die OA-Community im Oktober im mexikanischen Toluca zum Global Summit on Diamond Open Access. In der Schlusserklärung der Konferenz sprachen sich die teilnehmenden und unterzeichnenden Organisationen dafür aus, neue und bereits bestehende Zeitschriften, Repositorien und Publikationen für Diamond-OA zu unterstützen, um u.a. einen fairen Zugang zu qualitätsgesicherten wissenschaftlichem Wissen für alle zu gewährleisten. 

Mit Empfehlungen zum verantwortungsvollen wissenschaftlichen Publizieren hat sich Ende Oktober auch die cOAlition S zu Wort gemeldet und gleichzeitig eine Umfrage in der Wissenschaftscommunity gestartet. Die Koalition empfiehlt darin, wissenschaftsgeleitetes Open Access, um ein gerechtes, effizientes, faires und nachhaltiges Publikationssystem zu erhalten bzw. herzustellen. 

Um die Realisierung eines solchen fairen Open Access bemühen sich mittlerweile einige Initiativen und Projekte. Zum Jahresbeginn 2023 starteten z.B. die ersten KOALA-Konsortien in die operative Phase: Vier sozialwissenschaftliche Zeitschriften und zwei Buchreihen aus der Medienwissenschaft werden bis Ende 2025 über Bibliothekskonsortien finanziert. Anfang 2024 folgt das bis Ende 2026 finanzierte KOALA-Bündel Mathematik &amp; Informatik.
Highlights aus open-access.network

Die Projektförderung für open-access.network durch das BMBF wurde bis Ende 2025 verlängert, wodurch 2023 die 2. Förderperiode begann. 

Die Webinar-Reihe oa.talk konnte mit insgesamt 8 Veranstaltungen bereits fortgeführt werden. Mehrere neue Workshop-Reihen für verschiedene Zielgruppen und zu verschiedenen Themen ergänzen das bestehende Angebot: So fand bereits ein Workshop für die Infrastruktur und Forschungsadministration sowie eine Veranstaltung für die Ressortforschung statt. 

Außerdem startete nach der Sommerpause die neue Veranstaltungsreihe &quot;Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative&quot;. In der ersten Veranstaltung berichtete Daniela Hahn aus dem Projekt PLATO über Stand und Entwicklung von Diamond (Platinum) Open Access in der Schweiz, Niels Taubert von CODRIA gab einen Überblick über Diamond Open Access-Zeitschriften in Deutschland und Alexander Pöche informierte auf Grundlage der Erfahrungen im KOALA-Projekt über die Herausforderungen der Anbahnung und Verwaltung einer konsortialen Finanzierung.

Im September 2023 fand der erste Workshop der neuen Reihe “Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen” statt. Im Rahmen dieser Fortbildungsreihe werden Themen rund um die Einführung des Informationsbudgets behandelt. Hinter dem Begriff Informationsbudget verbirgt sich ein umfassendes Monitoring von Publikationskosten an wissenschaftlichen Bibliotheken, auf dessen Grundlage Budgets für Open Access in Zukunft geplant werden sollen (siehe Mittermaier, 2022). Der Auftaktworkshop am 13.9.2023 bot zunächst einen Überblick über den Stand der Diskussion. Die zweite Veranstaltung unter dem Titel “Erste Schritte zum Informationsbudget. Publikationskosten erfassen und sichtbar machen” ist für den 7. Februar 2024 geplant. 

Dass der Austauschbedarf zum Thema Informationsbudget groß ist, zeigte auch das rege Interesse an der Digitalen Fokusgruppe Informationsbudget. Die Gruppe hat 2023 in fünf Unterarbeitsgruppen die Zusammenarbeit fortgesetzt (siehe Barbers et al. 2023). Ihre Arbeit war für uns im Jahr 2023 ein echtes Highlight, da sie zeigt, wie wichtig und fruchtbar der Austausch in der Open-Access-Community ist. Mehr Informationen zu den Digitalen Fokusgruppen finden sich hier.

Um Austausch und Vernetzung geht es auch bei den jährlich stattfindenden Barcamps und Staff Weeks. Im vergangenen Jahr haben wir uns sehr gefreut, dass sowohl das Open Access Barcamp im März 2023 am KIM der Universität Konstanz als auch die Staff Week im Dezember 2023 an der Bibliothek der Universität Braunschweig wieder in Präsenz stattfinden konnten. Am 14. und 15. Mai2024 wird das nächste Open Access Barcamp an der SUB Göttingen stattfinden, bei dem wir hoffentlich wieder viele Open-Access-Begeisterte begrüßen dürfen.

Ein weiteres Highlight sind unsere beiden neuen Kurzclip-Reihen “Open-Access-Mythencheck” und die Kurzinterviews zum Thema Open Access und Klimaforschung. Weitere informative Videos sind im TIB AV-Portal zu entdecken.

Kurz vor Jahresende konnte dann auch noch der oa.blog starten - ein neues Feature von open-access.network, mit dem wir noch mehr als bisher mit der Community in den Austausch treten wollen. In diesem Sinne: Was waren eure Highlights? Gerne könnt ihr eure Sternstunden des letzten Jahres in den Kommentaren mit uns teilen. 
Literatur

Barbers, I., Bove, K., Grimm, S., Lauer, S., Riesenweber, C., Rösch, H., Schön, M., &amp; Wenninger, A. (2023, September 27). Fokusgruppe &quot;Informationsbudget&quot; - Ziele und Zwischenergebnisse der Zusammenarbeit. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.8413137

Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal, 9(3), 1–12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849

Mittermaier, B. (2022). Das Informationsbudget: Konzept und Werkstattbericht. O-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(4), 1–17. https://doi.org/10.5282/o-bib/5864

Mittermaier, Bernhard (2023). DEAL: Wo stehen wir nach 10 Jahren? (Teil 2) b.i.t.online, 26(3), 217-225, https://www.b-i-t-online.de/heft/2023-03-fachbeitrag-mittermaier.pdf
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<item><title>Impulse von der Open Access Staff Week</title><link>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week</link><comments>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week#comments</comments><pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:37:32 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Jasper Beyermann</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week</guid><description>Ein Interview mit Karin Stork und Jasper Beyermann

Die diesjährige Open Access Staff Week fand vom 05. bis 07. Dezember an der Universitätsbibliothek Braunschweig statt. Für Jasper Beyermann (Hochschule Bielefeld) und Karin Stork (Universität Konstanz) war es die erste Vernetzungsveranstaltung von open-access.network. Wir haben die Gelegenheit genutzt, sie nach ihren Eindrücken zu fragen.

Danny Flemming [DF]: Was hat euch bewogen, an der Open Access Staff Week in Braunschweig teilzunehmen?

Karin Stork [KS]: Ich wollte an der Staff Week teilnehmen, um die Menschen kennenzulernen, die in der Bibliothekspraxis arbeiten, die Expert*innen in dem Bereich Open Access sind. Ich habe mir erhofft, dass ich als Quereinsteigerin im Open-Access-Kontext viel von den anderen lernen und neue Ideen für meine Arbeit mitnehmen kann. Außerdem wollte ich mir eine Netzwerkveranstaltung und deren Methoden anschauen, da das Community Building Teil meiner  Arbeit im Projekt  KOALA-AV ist.

Jasper Beyermann [JB]: Ich bin noch recht neu im Bereich Open Access und hatte zuvor eher mit dem Thema Studium und Lehre zu tun. Zur Teilnahme bewogen haben mich vor allem zwei Aspekte: Erstens fand ich das Konzept der Staff Week spannend. Auch bei anderen Vernetzungsaktivitäten bekommt man ja immer wieder Eindrücke von anderen Hochschulen, doch es ist eher selten, dass man so intensiv in die Strukturen einer anderen Hochschule eintauchen kann. Das kannte ich aus dem Bereich Studium und Lehre so nicht. Zweitens hat mich die kleine Gruppengröße der Veranstaltung überzeugt. Das hat einen Austausch ermöglicht, der über ein oberflächliches Kennenlernen hinausgeht und eine sehr offene Diskussionskultur geschaffen.

    Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert.

    – Karin Stork

DF: Wurden eure Erwartungen erfüllt?

KS: Ja, sogar übertroffen. Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert. Mir war nicht bewusst, dass das Wappen der Löwenstadt Braunschweig auch Leoparden zeigt, und dass der „Leo“ im LeoPARD ja auch ein Löwe ist. Diese kleinen Zusatzinfos scheinen vielleicht nebensächlich, sorgen aber dafür, dass ich sicher nie mehr vergessen werde, wie das Repositorium der TU Braunschweig heißt. Neben dem sehr gewinnbringenden Austausch mit den anderen Teilnehmenden sind es für mich diese Details, die die Staff Week besonders gemacht haben.

JB: Ja, definitiv. Die  Braunschweiger Kolleg*innen haben sich richtig ins Zeug gelegt, uns ihre Strukturen, Entwicklungen und Herausforderungen aufzubereiten. Inhaltlich hat sich das für mich auf jeden Fall sehr gelohnt und ich konnte interessante Menschen von verschiedenen Hochschulen kennenlernen. Sowohl die Inputs als auch die Austauschrunden und Arbeitsphasen waren sehr anregend. Es gab auch immer genug Zeit, tiefer in die Diskussion einzusteigen und man musste nicht immer sofort schon zum nächsten Programmpunkt. 

    Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht.

    – Jasper Beyermann

DF: Welche Inhalte fandet ihr am spannendsten?

KS:  Für mich als recht unerfahrene Open-Access-Einsteigerin war die „Bring your own problem“-Session besonders interessant. Angefangen bei der Methode der Session: Jede*r konnte drei Problemstellungen aus dem eigenen Arbeitsalltag auf je eine Pappkarte schreiben. Die gesammelten Probleme haben wir nach Themen geclustert und dann mit Klebepunkten abgestimmt, welche Probleme wir im Plenum besprechen möchten. „Gewonnen“ hat das Problem der fehlenden Aufmerksamkeit für Open Access außerhalb der Open-Access-Bubble, sprich im Bereich vieler Forschender oder auch in einigen Leitungsebenen von Hochschulen - also genau dort, wo das Thema eigentlich viel präsenter sein sollte.

JB: Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht. Das gilt sowohl für der Ebene der technischen Infrastruktur als auch auf der Ebene der Organisation und vielleicht auch auf der Ebene der Finanzierung. Grade für kleine Hochschulen wird es immer wichtiger werden, von Verbundstrukturen zu profitieren. Deswegen war es äußerst spannend, von den Entwicklungen im TU9-Verbund zu hören und davon, dass die TU Braunschweig an Open-Source-Lösungen für die verschiedenen Herausforderungen im Kostenmonitoring arbeitet, die aktuelle viele Hochschulbibliotheken beschäftigen. Nur in solchen Kooperationen können wir das Publikationssystem langfristig bewusster gestalten.

DF: Gab es Schnittstellen zu euren aktuellen Projekten?

KS: Ich arbeite im Projekt KOALA-AV, in dem es um den Ausbau von konsortial finanzierten Diamond-Open-Access-Modellen und um die Vernetzung der beteiligten Akteure untereinander geht. Es gibt also mindestens zwei Schnittstellen zu meinem Projekt auf unterschiedlichen Ebenen: Erstens gab es die größten inhaltlichen Überschneidungen zu meinem Thema in der letzten Sitzung „Stand, Perspektive und Wahrnehmung von Diamond-OA-Büchern“. Und zweitens konnte ich mir viele tolle Methoden für Netzwerkveranstaltungen abschauen. Die Kombination aus Input durch die Vorträge  und den anschließenden Gruppenarbeits-Sessions, in denen wir über den Status Quo in unseren eigenen Einrichtungen sprechen und Ideen austauschen konnten, war optimal.

JB: Ja, eindeutig. Ich arbeite im Projekt P2P.OA.HAW. Wir erproben den Ansatz der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung für das Handlungsfeld Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Für mich war deshalb vor allem wertvoll, dass auch einige Vertreter*innen von HAW teilgenommen haben und ich von ihren Erfahrungen und Diskussionsbeiträgen profitieren konnte. Dabei sind mir die eigenen Herausforderungen von kleinen Hochschulen noch mal anders ins Bewusstsein getreten. Ich bin zwar an der Hochschule Bielefeld auch an einer HAW, aber wir haben über 10.000 Studierende und entsprechend andere Kapazitäten.

DF: Konntet ihr Anregungen mitnehmen für euren Arbeitsalltag?

KS: Vor allem die Gruppenarbeit zur letzten Sitzung, in der wir über Diamond-OA-Bücher gesprochen haben, hat mir gezeigt, dass es großen Bedarf an Diamond-OA-Modellen gibt. Aber auch, dass es teilweise Definitionsprobleme gibt und oft nicht klar ist, ab wann man von „echtem“ Diamond-OA sprechen kann. Transparenz in der Beschreibung der Funktionsweise von Diamond-OA-Finanzierung kann hier aber helfen. Da  konnte ich einige Anregungen für die Informationsveranstaltungen mitnehmen, die wir für KOALA-AV  konzipieren.

JB: Einige Punkte die ich hier nennen könnte, habe ich in den Antworten zuvor schon erwähnt. Was ich vielleicht noch unabhängig dazu herausstellen möchte, waren die Einblick in die Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken und der Hochschulleitung. Welche Gremien und Austauschformate gibt es hier und was hilft in der Kommunikation zwischen der eher strategischen und der eher operativen Ebene? Zu diesem Thema gab es immer wieder interessante Eindrücke aus den anderen Hochschulen.Diese Informationen könnten für meine zukünftige Arbeit wertvoll sein. Ein weiterer Punkt waren die Anregungen im Bezug darauf, wie man die Forschenden an der eigenen Einrichtung besser erreicht.

DF: Was würdet ihr euch für zukünftige Staff Weeks wünschen?

KS: Ich wünsche mir, dass der Programmrahmen wieder so eine gute Mischung aus Informieren und Austausch enthält. Zusätzlich wünsche ich mir als Kennenlern-Warm-Up den Klassiker „Ich packe meinen Koffer…“, aber mit dem jeweiligen Namen der Teilnehmenden, der Einrichtung, an der sie arbeiten und ihr Hauptanliegen, mit dem sie zur Staff Week gekommen sind. Also in etwa so: „Ich bin Karin, ich komme von der Uni Konstanz und bin bei der Staff Week, um möglichst viel über den Status Quo von Open Access an wissenschaftlichen Bibliotheken zu erfahren“.

JB: Ich würde den Programmrahmen auch ähnlich belassen und mir natürlich wünschen, dass die Mitarbeitenden der nächsten ausrichtenden Hochschule genauso motiviert in der Vorbereitung sind wie die Kolleg*innen der Universitätsbibliothek Braunschweig.

DF: Vielen Dank für das Gespräch!

Für 2024 und 2025 sind weitere Open Access Staff Weeks geplant. Informationen dazu finden Sie unter https://open-access.network/vernetzen/staff-week. Sobald die konkreten Termine und Ausrichtungsorte feststehen, werden die Informationen dort sowie in unserem Veranstaltungskalender bereit gestellt. Berichte über vergangene Staff Weeks finden Sie hier.
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<item><title>CODRIA, PLATO und KOALA</title><link>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</link><comments>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 13:16:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</guid><description>Codria, Plato und Koala. Diamond Open Access-Zeitschriften und Finanzierungsmodelle in Deutschland und der Schweiz

„Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ ist der Titel einer neuen Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access von open-access.network. Am 20. September 2023 fand im Rahmen dieser Reihe die erste Veranstaltung statt. Thema waren Untersuchungen zu Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz und Erfahrungen mit der konsortialen Finanzierung solcher Publikationen.

Diamond Open Access ermöglicht Open-Access-Publizieren ohne Autor*innengebühren. Als Alternative zu APC/BPC-basiertem Open Access wird Diamond Open Access in jüngster Zeit intensiv diskutiert.

Auf europäischer Ebene verabschiedeten die cOAlition S, OPERAS, Science Europe und das französische Forschungsnetzwerk ANR 2022 den Aktionsplan Diamond Open Access. Im Sommer 2022 fand die erste Diamond-Open-Access-Konferenz in Zadar (Kroatien) statt, gefolgt von der zweiten Konferenz im mexikanischen Toluca im Oktober 2023. Bereits 2021 veröffentlichten Science Europe und die cOAlition S die Diamond Open Access Journals Study, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung von Open-Access-Zeitschriften, ihren Finanzierungsformen, Herausforderungen und Potenzialen (Bosman et al., 2021; Becerill et al., 2021).

In Deutschland und der Schweiz haben sich die Projekte KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), CODRIA (Community-Driven Open Access Journals zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen) und PLATO (Platinum Open Access Funding) mit den Publikationsbedingungen, Verbesserungspotenzialen und möglichen Modellen für Diamond-Open-Access-Zeitschriften beschäftigt.

In der Informationsveranstaltung am 20.September berichteten Daniela Hahn (Universität Zürich) und Nils Taubert (Universität Bielefeld) zunächst die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte PLATO und CODRIA. Im Anschluss stellte Alexander Pöche (TIB Hannover) das Projekt KOALA und Erfahrungen aus der Organisation und Verwaltung von Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Publikationen vor.
Diamond Open Access Journals in Deutschland und in der Schweiz

Die im Rahmen von CODRIA und PLATO durchgeführten Untersuchungen (Bruns et al., 2022; Taubert et al., 2023; Hahn et al., 2022) kommen zu ähnlichen Ergebnisse wie die Diamond Open Access Study (Bosman et al., 2021): Diamond Open Access Journals sind ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kommunikation, v.a. in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sie sind eher klein, veröffentlichen meist nicht mehr als 25 Artikel pro Jahr und stützen sich wirtschaftlich auf ganz unterschiedliche Finanzierungsquellen, wobei viele dabei mit einer unsicheren Finanzierung zu kämpfen haben. Darüber hinaus bieten die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Strategien von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, mit knappen Ressourcen zu haushalten und leisten einen Beitrag zur Klärung der jeweiligen Bedarfe.

Das BMBF-Projekt &quot;Community-Driven Open Access Journale zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen&quot; (Laufzeit 1.2.2021–31.1.2023) führte eine Bestandsaufnahme der Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland durch. Im Rahmen einer bibliographischen Analyse wurden eine Liste von insgesamt 458 Diamond-Open-Access-Zeitschriften zusammengestellt (vgl. Bruns et al. 2022). Viele dieser Zeitschriften sind eher klein: Durchschnittlich wurden 2021 im Jahr nur 16 Beiträge pro Zeitschrift veröffentlicht. Dabei existieren große Unterschiede. Die Zeitschrift mit dem höchsten Output veröffentlichte im Jahr 2021 288 Artikel.

Fachlich sind die Geistes- und Sozialwissenschaften unter den Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit einem Anteil von 72,5% stark überrepräsentiert. Nur rund 13% der Diamond-Open-Access-Zeitschriften haben eine naturwissenschaftliche und 6% eine technikwissenschaftliche Ausrichtung.
Abb. 1: Quelle: Taubert, N. (2023)

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung vertiefte das CODRIA-Projektteam seine Ergebnisse. Viele Zeitschriften operieren auf der Basis gemischter Ökonomien: Während ein Teil der Arbeiten bezahlt erfolgt, sind andere Aufgaben ehrenamtlich organisiert. Alle Journals vereint, dass sie auf keiner gesicherten wirtschaftlichen Basis agieren. Häufig sind sie von lokal vorhandenen Mitteln oder zeitlich befristeten Projektgeldern abhängig. Eine Strategie, damit umzugehen, kann es sein, Arbeiten auf eine große Zahl Freiwilliger zu verteilen. Doch der Kreis der Engagierten ist häufig klein und zentrale Aufgaben sind vom Engagement Einzelner abhängig. Eine nachhaltige Finanzierung, so das Fazit von Niels Taubert, sei deshalb erforderlich, um eine nachhaltige Geschäftsgrundlage für Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen.

Diese Schlussfolgerung zog auch Daniela Hahn, Projektleiterin von PLATO. PLATO ist ein Partnerprojekt von sechs Schweizer Universitäten. Neben einer Bestandsaufnahme von Zeitschriften und deren Herausforderungen ist es das Ziel von PLATO, nachhaltige Förderstrategien für wissenschaftsgeleitetes Diamond Open Access in der Schweiz zu entwickeln.

In der ersten Projektphase ging es auch bei PLATO, vergleichbar mit CODRIA, um die Erfassung aller Diamond-Open-Access-Zeitschriften und die Untersuchung ihrer Perspektiven und Herausforderungen. Im Ergebnis stellte PLATO eine Liste von 235 Zeitschriften zusammen. Analog zu den Ergebnissen bei CODRIA sind auch die von PLATO untersuchten Zeitschriften überwiegend klein und publizieren durchschnittlich weniger als 25 Artikel pro Jahr; fachlich liegt der Schwerpunkt (67,3%) ebenfalls in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Anders als in der CODRIA-Studie wurde in der PLATO-Untersuchung auch nach dem Publikationsort und den Finanzierungsmechanismen gefragt: Mehr als die Hälfte der Zeitschriften erscheint an Hochschulen (46,4%) und wissenschaftlichen Akademien (16,6%). Profitorientierte Verlage stellen dagegen nur 15,7% der Publikationsorte. Diamond-Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich – hier sind die Ergebnisse von PLATO in Übereinstimmung mit CODRIA –  über eine breite Palette von Quellen. Eine solche Mischfinanzierung aus vielen kleinen Töpfen ist häufig erforderlich, um den Fortbestand der Publikation zu sichern, denn eine nachhaltige Finanzierung zu organisieren, ist für viele Zeitschriften schwierig.

In der zweiten Projektphase soll im Projekt PLATO ein Finanzierungsmodell für Diamond-Open-Access-Zeitschriften entwickelt werden. Herausfordernd ist es dabei, teilweise verborgene Kosten zu ermitteln und Infrastrukturkosten zu recherchieren. Letztere variieren abhängig davon, ob das Zeitschriften-Hosting inhouse oder auf externen Plattformen, kostenlos oder gegen Gebühr organisiert wird. Im Rahmen von PLATO wurden sechs Stichproben erhoben. Die mittleren Kosten lagen demnach bei 15.000 Sfr (15.600 €)/Jahr.
Diamond Open Access nachhaltig ermöglichen

Für die Zukunft der Diamond-Open-Access-Förderung in der Schweiz stellen sich aus Sicht von PLATO strategische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen: Strategisch soll Diamond Open Access in die überarbeitete nationale Open-Science-Strategie von swissuniversities integriert werden. Unklar ist aber, wie die Herausforderung der Finanzierung von Diamond Open Access am besten gelöst werden kann. Neben konsortialen Modellen (eine gemeinschaftliche Finanzierung durch mehrere wissenschaftliche Bibliotheken) kommt auch der Aufbau eines nationalen Kapazitätszentrums als Modell in Betracht. Wirtschaftlich ist zu klären, wie sich die Kosten für Diamond Open Access zukünftig entwickeln. Im Zuge der generellen Entwicklung hin zu Open Science lohnt es möglicherweise trotz enger Budgets in Modelle zu investieren, die langfristig ein nachhaltiges Publizieren ermöglichen.

Ein solches Modell zu entwickeln war Ziel des BMBF-Projektes KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), das zwischen 2021 und 2023 gemeinsam von der TIB Hannover und dem KIM der Universität Konstanz durchgeführt wurde. Die Erfahrungen aus dem KOALA-Modell aus Sicht der Konsortialverwaltung stellte Alexander Pöche vor.

KOALA ist es gelungen, insgesamt drei Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Buchreihen zu organisieren. Dabei zeigte sich deutliches Interesse an KOALA sowohl seitens der Zeitschriften als auch der wissenschaftlichen Bibliotheken. Grundsätzlich gibt es eine große Bereitschaft, konsortiale Modelle zu unterstützen. Musterverträge und Gebührenmodell, die im Rahmen von KOALA entwickelt und angewendet wurden, werden seitens der Community akzeptiert.

Gleichzeitig offenbarte KOALA eine Reihe von Herausforderungen, die in Zukunft weiter bedacht werden müssen. So war zumindest in den bisherigen Finanzierungsrunden der organisatorische Aufwand relativ hoch und die Frage ist, wie dieser in Zukunft gesenkt werden könnte. Spielraum gibt es dabei in der Anpassung der Erwerbungsabläufe in den Bibliotheken, z.B. in der Form fester Workflows. Eine weitere Erleichterungsmöglichkeit wären eigene Budgets für Diamond Open Access in den Bibliotheken. Dies würde Erwerbungsentscheidungen im Bereich Diamond Open Access erleichtern. Drittens könnte möglicherweise auch in der Zusammenstellung der Pakete Potenzial zur Vereinfachung ausgeschöpft werden. Wichtig für die weitere Entwicklung und Pflege von Konsortien im Bereich Diamond Open Access ist darüber hinaus, weitere Einrichtungen für die Verwaltung von Konsortien zu gewinnen. Auch internationale Kooperationen können für die Zukunft Potential zur Weiterentwicklung von Diamond-Open-Access-Konsortien haben. Die weitere Verankerung und der Ausbau von Open-Access-Konsortien ist auch Thema des Folgeprojektes KOALA-AV, das Ende 2023 gestartet ist und bis 2025 an der TIB Hannover und der Universität Konstanz durchgeführt wird. Dabei steht auch die Internationalisierung von Konsortien auf der Agenda.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wer unter welcher Voraussetzung über eine Teilnahme an einem Open-Access-Konsortium entscheidet. Teilnehmer*innen verwiesen darauf, dass neben den Erwerbungsabteilungen auch Fachreferent*innen Adressat*innen sind. Entscheidend seien neben der fachlichen Relevanz der Publikationen auch der Umfang ihrer Nutzung sowie die in den Bibliotheken vorhandener Mittel. Die Nutzung sei allerdings schwierig nachzuweisen, da viele Zeitschriften aus Gründen der Datensparsamkeit Zugriffszahlen auf ihre Webseiten nicht auswerten. Ein Grund für eine Entscheidung gegen die Teilnahme an Open-Access-Konsortien sei oft, dass in der Einrichtung schlicht das Geld fehle und man sonst andere Produkte aus dem Portfolio streichen müsse, was schwer zu vermitteln sei. Bereits während der Etatplanung Mittel für die Finanzierung von Diamond Open Access zurückzustellen, könne dagegen ein Instrument sein, um die Finanzierung solcher Modelle zukünftig zu erleichtern.
Ausblick

Die Veranstaltungsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ wird  fortgesetzt. Ankündigungen zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier: https://open-access.network/fortbilden/workshops/informationsreihe-die-open-access-transformation-nachhaltig-gestalten-diamond-oa-als-alternative

Im Rahmen von open-access.network ist außerdem die Erstellung einer Handreichung zu neuen Formen der Open-Access-Finanzierung geplant. Dort wird auch die Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access dokumentiert werden.
Literatur

Becerill, A., Bjørnshauge, L., Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., Proudman, V., Redhead, C., Torny, D., &amp; Mounier, P. (2021) OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4562790

Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., &amp; Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4558704

Bruns, A., Cakir, Y., Kaya, S., Beidaghi, S., &amp; Taubert, N. C. (2022, August 31). Diamond Open Access Journals, Germany (DOAG) (Version 1.1.). Bibliometrics Working Group at the Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Bielefeld University.  https://doi.org/10.4119/unibi/2965484

Hahn, D., Hehn, J., Hopp, C., &amp; Pruschak, G. (2022, December). Mapping the Swiss landscape of diamond open access journals: The PLATO study on scholar-led publishing. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.7461728

Hahn, D. (2023). Diamond Open Access in der Schweiz. Zum Stand der Diskussion. Informationsveranstaltung PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialr Finanzierung in Deutschland und der Schweiz., open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10370101

Taubert, N. (2023). Diamond-Open-Access-Journale in Deutschland - zur Lage eines besonderen Zeitschriften-Segments. Informationsveranstaltung &quot;PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialer Finanzierung in Deutschland und der Schweiz&quot;, open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10371485

Taubert, N.; Sterzik, L.; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Landscape. Minerva. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7
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<item><title>Open Access Level-Up</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-level-up#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 13:02:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Dom Ford</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</guid><description>Ein Gespräch mit Dom Ford über den Betrieb der Diamond-Open-Access-Zeitschriften gamevironments und Eludamos

Beim Herausgeben von und beim Publizieren in Open-Access-Zeitschriften müssen Wissenschaftler*innen einige Herausforderungen meistern. Dom Ford, Postdoc an der Universität Bremen, ist maßgeblich an zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften beteiligt: Er ist Chefredakteur von gamevironments und wirkt außerdem im Herausgebergremium von Eludamos: Journal for Computer Game Culture mit. In diesem Gespräch laden wir ihn ein, seine Erfahrungen mit uns zu teilen, bitten ihn um Rat und erkunden die entscheidende Rolle der Bibliotheken bei der Unterstützung des Diamond-Open-Access-Publizierens.
Dom Ford, Foto: IT der Universität Kopenhagen
Podcast des Interviews
Hier könnt ihr euch das Gespräch zwischen Carolin Becklas und Dom Ford anhören. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Carolin Becklas [CB]: Dom, könntest du dich und dein Forschungsgebiet bitte vorstellen – und natürlich auch deine Zeitschrift?

Dom Ford [DF]: Mein Name ist Dom und ich bin Postdoc an der Universität Bremen. Ich forsche zu Community-Bildung im Gaming-Bereich. Dabei untersuche ich, wie Communities in und um digitale Spiele gebildet, ausgehandelt und aufrechterhalten werden. Neuerdings befasse ich mich auch ein bisschen mit dem Prozess der Realitätsbildung im Allgemeinen. Ich wirke in der Redaktion von zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit – vor allem gamevironments, die hier an der Universität Bremen angesiedelt ist. Die Chefredakteurinnen sind Kerstin Radde-Antweiler von der Universität Bremen und Xenia Zeiler von der Universität Helsinki. Die Zeitschrift widmet sich schwerpunktmäßig der Wertebildung im Gaming-Bereich sowie der Verortung von Spielen innerhalb des weiteren soziokulturellen Medienumfelds, denn Spiele sind sozusagen unentwirrbar mit einem solchen weiteren Umfeld verbunden. Die andere Zeitschrift, bei der ich mitwirke, heißt Eludamos. Ihr Fokus ist noch weiter gefasst und gilt Spielen und Kultur im Allgemeinen. Sie wird geleitet von Holger Pötzsch von der UiT, Norwegens Arktischer Universität, und Kristine Jørgensen von der Universität Bergen. Da ich Redaktionsleiter von gamevironments bin, bin ich sozusagen viel stärker in den Betrieb jener Zeitschrift eingebunden.

CB: Erzähl uns etwas über deinen Hintergrund und was dich zu deiner derzeitigen Rolle im wissenschaftlichen Publizieren geführt hat.

DF: Wie du wahrscheinlich hören kannst, bin ich englischer Muttersprachler. Und, weißt du, ich habe mich immer für die englische Sprache interessiert. Ich habe einen Master in englischer Literatur. Und ich habe viel Korrektorat und Lektorat gemacht, viele Texte erstellt – das ganze redaktionelle Zeug halt. Und es war irgendwie natürlich, dass ich in dieser Rolle gelandet bin. Da ich in der Wissenschaft tätig war, habe ich Projekte gesucht, in denen ich mich engagieren wollte. Und oft stellte ich einfach fest, dass es Zeitschriften waren. Zuerst habe ich 2020 bei Eludamos angefangen. Eine Art Pandemieprojekt, um die Zeitschrift nach einer Unterbrechung wieder zum Laufen zu bringen. Es war wirklich interessant, einen Blick hinter die Kulissen des Ganzen werfen zu können. Man bekommt die Einreichung eines Artikels mit; man arbeitet damit während des ganzen Prozesses, bis es veröffentlicht wird; und dann fangen die Leute an, es zu zitieren und zu nutzen. Das ist ein sehr befriedigender Prozess. Als ich mich nach meiner Promotion für Stellen beworben habe, habe ich mich für diese Postdoc-Stelle hier in Bremen interessiert, weil zur Rolle gehörte, Redaktionsleiter von gamevironments zu werden, und ich würde die Möglichkeit haben, diese Arbeit neben meiner Forschung fortzusetzen. Ich würde nicht sagen, dass ich da reingestolpert bin – es war bestimmt Absicht im Spiel. Es ist einfach eine der Möglichkeiten, in der Wissenschaft einen Beitrag zu leisten mit den ganzen freiwilligen zusätzlichen Diensten, die wir alle als Teil der Wissenschaft leisten müssen. Weißt du, man findet Aufgaben, die man richtig gerne macht und die einem ein Ziel geben. Und dies ist die Art von Rolle, zu der ich mich letztendlich hingezogen fühlte.

    Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot;
    - Dom Ford

CB: Die “freiwilligen zusätzlichen Dienste&quot; führen mich zu meiner nächsten Frage: Viele Zeitschriften setzen auf Abogebühren oder Publikationsgebühren, um ihre Kosten zu decken. Aber ihr zieht es vor, gamevironments als Open-Access-Zeitschrift zu betreiben – sogar als Diamond-Open-Access-Zeitschrift, bei der weder für Publizierende noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Warum war das für euch wichtig, und wie wirkt sich das auf Autor*innen, Leser*innen und natürlich auch auf die Nachhaltigkeit der Zeitschrift aus?

DF: Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Mir ist sehr wichtig, den möglichst freien Fluss von Wissen und wissenschaftlichem Diskurs zu ermöglichen. Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot; Und deshalb ermöglicht Diamond Open Access auf verlegerischer Seite, dass die wissenschaftliche Arbeit einfach im Mittelpunkt steht, was idealistisch gesprochen ein wirklich sympathischer Grundsatz ist. Autor*innen müssen nicht zusätzliche Hürden überwinden, und Leser*innen müssen weder beten, dass ihre Bibliothek institutionellen Zugang zur Zeitschrift hat, oder dass sie selbst nicht das Risiko eingehen müssen, die Artikel auf illegalem Weg zu beschaffen. Denn, seien wir mal ehrlich, niemand bezahlt für einen Zeitschriftenartikel aus eigener Tasche. Diamond Open Access bedeutet, dass die Menschen auf beiden Seiten diese Hürden einfach nicht überwinden müssen, um wissenschaftliches Wissen zu produzieren bzw. um Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu erhalten.

Wir müssen uns auch keine Gedanken machen über Gewinnmodelle und solche Sachen. Wir sind nicht gewinnorientiert. Uns ist es nur wichtig, dass wir unsere Betriebskosten decken. Und dann können wir uns einfach auf die eigentliche redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Der Nachteil ist, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen aus Publikationsgebühren Diamond-Open-Access-Zeitschriften fast immer ehrenamtlich betrieben werden. Gelegentlich können wir Mittel finden, um Lektorate und solche Dinge zu bezahlen. Aber im Grunde wird die Zeitschrift ehrenamtlich betrieben. Das hat einige Vorteile, aber es kann zu Problemen im Hinblick auf die Arbeitsbelastung führen. Alle machen die Arbeit neben ihren meist akademischen Tätigkeiten wie Lehre und Forschung. Und dann muss man zusätzlich diese ganze Arbeit an der Zeitschrift machen, was bedeutet, dass man der Arbeit an der Zeitschrift manchmal nicht Vorrang geben kann oder dass es zu Verzögerungen kommt. Man muss also die Arbeit an der Zeitschrift beiseiteschieben, weil man nicht dafür bezahlt wird. Wenn du für einen der großen Verlage oder dergleichen arbeitest, dann ist es dein Job und somit deine primäre Aufgabe. Das bedeutet also, dass Diamond Open Access ein bisschen langsamer ist und anfälliger für Sachen, die die Publikation vom Kurs abbringt. Es kann etwas dazwischenkommen. Von den Redakteur*innen bis hin zu den Reviewer*innen: Niemand wird bezahlt und daher wird die Arbeit manchmal prioritätsmäßig herabgestuft.

CB: Du hast die Bibliotheken bereits erwähnt. Ich habe mich gefragt, wie die Bibliothekar*innen und die Bibliotheken diese Publikationsinitiativen unterstützen können.

DF: Wir haben ziemliches Glück, dass die beiden Zeitschriften von den Bibliotheken unterstützt und finanziert werden. Universitätsbibliotheken verfügen oft über irgendeine Art von Publikationsplattform und man kann einen Antrag stellen, um auf der Plattform eine Zeitschrift veröffentlichen zu können. Wenn die Bibliothek die Idee unterstützt, dann sind alle deinen Betriebskosten gedeckt und die Bibliothek leistet technische Unterstützung, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Content Management Systems. Die Bibliotheken sind für diese Art von Publikationsmodell unerlässlich. Wir haben also großes Glück, dass wir diese Institutionen haben, die die Mittel erhalten, um diese Publikationen zu unterstützen.

CB: Diamond-Open-Access-Zeitschriften gelten oft als ein eher Community-getriebener und dezentraler Ansatz des wissenschaftlichen Publizierens. Inwieweit wirkt sich dies auf die Community der Autor*innen, Reviewer*innen, Leser*innen sowie Förderer*innen deiner Zeitschrift aus?

DF: Es handelt sich in erster Linie um eine ehrenamtlich getriebene Organisation – eher um ein Community-Ding als ein geschäftliches Unterfangen. Die Herausgeber*innen gründen eine Zeitschrift und arbeiten daran, weil sie der Auffassung sind, dass es eine wichtige Arbeit ist. Die Reviewer*innen erstellen Gutachten für uns, weil sie diese Arbeit unterstützen wollen. Die Autor*innen publizieren bei uns, weil es nichts kostet, und vielleicht auch weil sie die Arbeit der Zeitschrift unterstützen. Und die Leser*innen lesen die Artikel, weil diese umsonst sind. Ich denke auch, dass Wissenschaftler*innen sich zunehmend gegen das Profitstreben der riesigen wissenschaftlichen Verlage wehren. Man hört immer mehr von Reviewer*innen, die sich weigern, Manuskripte für profit-orientierte Verlage zu begutachten, oder die sagen: &quot;Okay, wenn ihr Gewinn erzielt, dann müsst ihr mich für mein Gutachten bezahlen.&quot; Es ist manchmal schwierig, Reviewer*innen zu finden, weil, wie gesagt, die Arbeit ehrenamtlich ist und alle überarbeitet sind und haben einen Haufen Sachen zu tun. Im Allgemeinen sind Reviewer*innen eher bereit, Manuskripte für Open-Access-Zeitschriften zu begutachten.

Hilfreich ist, dass die Förderorganisationen oft verlangen, dass die Menschen Open Access publizieren. Solange wir unsere Betriebskosten decken können, geht es ausschließlich um den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Community. Gamevironments gibt jedes Jahr eine Sonderausgabe heraus. So können wir uns mit Fragen beschäftigen wie: “Mit wem wollen wir zusammenarbeiten bei dieser Sonderausgabe?&quot; und &quot;Welche Themen wollen wir aufgreifen?&quot; Wir müssen nicht an Aspekte denken wie: &quot;Passt dies zu unserem Geschäftsmodell? &quot;Ist es finanziell nachhaltig?&quot; Und so weiter. Mit Eludamos können wir Sachen machen wie Doktorandenseminare, die wir in letzter Zeit relativ oft auf verschiedenen Tagungen organisiert haben. Wir werden diese Initiative fortführen, weil sie bedeutet, dass wir uns als Zeitschrift stärker in der Community engagieren können. Sie verstärkt einfach die Verankerung der Zeitschrift in der Community, sowohl im Hinblick auf unsere Grundsätze als auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie zum Beispiel der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Reviews.
Carolin Becklas, Foto: Carolin Becklas

CB: Ich würde gerne eine Frage zu einem anderen Thema stellen: In den vergangenen Jahren ist KI – und vor allem natürlich ChatGPT – zu einem heißen Thema sowohl in der Wissenschaft als auch in nichtwissenschaftlichen Bereichen geworden. Wie hat KI deine Arbeit und die Art und Weise, wie du gamevironments leitest, verwandelt oder beeinflusst?

DF: Das ist noch nicht passiert. Ich bin mir sicher, dass es passieren wird, aber die Technik ist noch nicht gut genug, dass beispielsweise jemand ChatGPT einfach bittet, mal einen Artikel für gamevironments zu erstellen, und wir würden es nicht merken können. Ich glaube nicht, dass die Technik bereits so weit ist. Aber das wird sie wahrscheinlich irgendwann sein. Daher ist es etwas, das wir sicherlich im Auge behalten werden. Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass KI generell bereits jetzt im Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und Schreibens eine Rolle spielt. Denn Textverarbeitungsfunktionen wie Autokorrektur, Grammatikprüfung und Wortvorschläge in Microsoft Word und solche Sachen sind alle maschinelle Lernverfahren der KI, die den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens unterstützen. Aber wir werden uns künftig Gedanken machen über unser Verhältnis zu KI: Was sind die ethischen Konsequenzen? Wir bekennen uns zu diesen Ethikleitlinien von COPE für wissenschaftliche Publikationen. Bietet COPE irgendeine Anleitung darüber, wie wir dazu stehen sollen, und wie wir mit diesen potenziellen Fällen umgehen sollen? Ich würde also sagen, dass KI noch nichts verwandelt hat.

    Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist.
    - Dom Ford

CB: Meine letzte Frage: Welchen Rat würdest du Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen geben, die an der Gründung einer Zeitschrift oder an der Mitwirkung an einer bestehenden Zeitschrift interessiert sind?

DF: Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist. Denn keiner liest etwas, das nicht Open Access ist – vor allem an kleineren Hochschulen, die keinen Zugang zu allen großen Verlagen haben. Weißt du, wenn man einen Artikel nachschlägt, der nützlich zu sein scheint, aber er steht hinter einer Bezahlschranke, gibt es eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass man die Registerkarte schließen und den Artikel vergessen wird, weil es da draußen so viel Forschung gibt. Jede zusätzliche Barriere bedeutet, dass man eine Menge potenzieller Leser*innen verlieren wird. Und natürlich hat man auch seine Prinzipien. Ich für meinen Teil möchte kein Geld an Elsevier und den [anderen] großen Verlagen geben, wenn ich es vermeiden kann. Man muss natürlich vorsichtig sein, denn manche Länder verwenden beispielsweise Punktesysteme für ihre Publikationen. Diese punktebasierten Systeme sind willkürlich, nicht wahr? Die bauen oft auf Prestige sowie darauf, wie &quot;gut&quot; die Zeitschriften sind, oder ob sie von Scopus und Web of Science erfasst werden. Große Verlage können es sich locker leisten, diese Prozesse zu durchlaufen. Aber wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt, dauert es länger, von solchen Datenbanken erfasst zu werden. In solchen punktebasierten Systemen werden wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschriften daher möglicherweise niedriger eingestuft als andere. Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, warum diese Prinzipien von praktischen Erwägungen in einer wissenschaftlichen Karriere verdrängt werden können. Ich denke jedoch, dass es prinzipiell einfach viel angenehmer ist, wenn die eigenen Arbeiten Open Access sind. Ich würde daher ausdrücklich empfehlen, Beiträge, wenn möglich, in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist für mich eine persönliche Priorität. Ich versuche, nur Open Access zu publizieren.

Ich komme jetzt zu der Frage der Zeitschriftengründung. Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach geht. Solange man seine Betriebskosten deckt, muss man sich über Vieles keine Gedanken machen. Wenn die Bibliothek der eigenen Institution Publikationsdienstleistungen anbietet, kann man eine Zeitschrift relativ schnell in Betrieb nehmen. Und ein ganzes Content Management System ist bereits vorhanden. Die Menschen unterschätzen, wie mühsam es ist, alle diese unterschiedlichen Systeme wie Scopus zu durchforsten, und dann noch sicherzustellen, dass man die ganzen ethischen Leitlinien kennt. Wenn man eine Zeitschrift gründet, nimmt man eine verantwortungsvolle Position innerhalb der wissenschaftlichen Community ein: Man ist dafür verantwortlich, die Arbeiten von Menschen zu veröffentlichen. Man ist dafür verantwortlich, zu verhindern, dass plagiierte Werke veröffentlicht werden, die schädlich sind; Werke, die Fehlinformationen enthalten; Werke, wo die Daten in unethischer Weise erhoben wurden; und alle diese unterschiedlichen Erwägungen. Es gibt dabei viele verschiedene Prozesse, mit denen man sich befassen muss. Ich denke, dass es sich wirklich lohnt, bevor man seine eigene Zeitschrift gründet, sich bei anderen Zeitschriften zu engagieren. Werde Mitglied der Redaktion einer anderen Zeitschrift. In der Regel sind sie froh, wenn sie Menschen haben, die aushelfen. Meist gelangt man in solche Positionen, wenn man Manuskripte begutachtet und das gut macht. Wenn man daran denkt, eine Zeitschrift zu gründen, muss man entweder selbst eine unbefristete Stelle haben oder man muss die Unterstützung von jemandem erlangen, der eine unbefristete Stelle hat, um Kontinuität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Abgesehen davon, würde ich sagen, dass Beiträge in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren ein richtig guter Weg ist, um solche Vorhaben zu unterstützen und zum wissenschaftlichen Diskurs sowie zur Wissensproduktion beizutragen. Es ist auch ein wirklich guter Weg, sich zu vernetzen. Mit Chefredakteur*innen zusammenzuarbeiten, die möglicherweise große Namen in deinem Fachgebiet sind, kann an sich wertvoll sein, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es kann ein wirklicher guter Weg sein, sich stärker in der eigenen wissenschaftlichen Community zu integrieren.

CB: Dom, vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns geteilt hast heute. Ich habe viel gelernt.

DF: Danke für die Einladung. Es hat echt Spaß gemacht.

CB: Irgendein letztes Wort?

DF: Publiziert Open Access! Wissen muss frei sein.
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<item><title>Editorial</title><link>https://open-access.network/blog/editorial</link><comments>https://open-access.network/blog/editorial#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 12:59:00 +0100</pubDate><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Andreas Kirchner</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/editorial</guid><description>Herzlich Willkommen auf dem oa.blog!

Dieser Blog bietet Raum für Berichte, Infos, Kommentare und Diskussionen von der Open-Access-Community für die Open-Access-Community in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

open-access.network versteht sich als das zentrales Kompetenz- und Vernetzungsportal zu Open Access in Deutschland. Auf unseren Informationsseiten findet ihr ein breites Spektrum von Informationen zu relevanten Themen rund um Open Access – von A wie APC bis Z wie Zweitveröffentlichung. Über aktuelle Entwicklungen informieren wir euch in unseren News. Die Open-Access-Transformation ist aber so dynamisch, dass wir sie   in den bisher angebotenen Formaten nicht immer in der gewünschten Vielfalt abbilden können, z.B. wenn Entwicklungen kontroverse Diskussionen auslösen oder  den Charakter von Work-in-Progress haben.

    Deshalb haben wir diesen Blog ins Leben gerufen: Auf dem oa.blog soll Platz sein für (unterschiedliche) Meinungen und Austausch –aber auch für Werkstattberichte, Interviews, Kontroversen und ungewöhnliche Formate. Mitmachen ist dabei ausdrücklich erwünscht!

Der Blog soll einen Ort bieten, an dem sich die Open-Access-Community offen und konstruktiv austauschen kann.

Ihr wollt Teil des oa.blogs sein? Wir freuen uns über eure Beiträge!
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