Open Access während der COVID-19 Pandemie

Eine kollaborative Sammlung zu Open Access während der COVID-19­-Pandemie

Die Projekte open-access.network (gefördert vom BMBF) und Nationaler Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE (gefördert von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen) haben hier eine Übersicht zu verschiedenen Angeboten für das Finden und Veröffentlichen von Open-Access-Forschung zum Corona-Virus und darüber hinaus zusammengestellt.

Die Sammlung soll kollaborativ entstehen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil: Es handelt sich um ein Angebot, das laufend ergänzt werden soll. Ideen, Hinweise und Zuarbeiten sind sehr willkommen! Wir bieten ein Pad zur gemeinsamen Arbeit an. Die hier aufgeführten Angebote sind auch – soweit sinnvoll – in einer Zotero-Sammlung des Open-Access-Büro Berlin gelistet.

Alles Open Access in Zeiten der Corona-Pandemie?

Anlässlich der COVID-19-Pandemie sind national und weltweit verschiedenste Sammlungen entstanden, die sich damit befassen, wie und welche Literatur und Daten weltweit "offen" verfügbar gemacht werden und wie im Besonderen Open-Access-Publikationen und -Daten zu Corona, COVID-19 bzw. SARS-CoV-2 bereitgestellt werden. Unter anderem hat der Wellcome Trust am 31. Januar 2020 einen Call for Action veröffentlicht, der Forschende, Verlage und Förderer dazu aufruft, ihre Forschungsergebnisse schnell und offen verfügbar zu machen. Diesen Aufruf haben eine ganze Reihe von Verlagen unterzeichnet. Längst nicht alle diese Angebote entsprechen allerdings den Kriterien von Open Access, obwohl oftmals das Label "Open" oder "offen" verwendet wird. Das betrifft vor allem die Nachhaltigkeit im Sinne von einem Zugang, der unwiderufbar offen ist und die freie Lizenzierung. Viele der derzeit freigegebenen Inhalte sind nicht frei lizenziert, was ihre Nachnutzbarkeit erschwert und oftmals erfolgt der Zugang nur temporär. Diese Thematik ist u.a. auch im TIB Blogbeitrag "Warum „freier Zugang“ und „Open Access“ nicht dasselbe sind" beschrieben. Einen umfassenden Blogpost zu den Ausprägungen von "Openness" während der Pandemie hat Juuso Ala-Kyyny im Think Open Blog der Universität Helsinki verfasst.

Am 7. April 2020 veröffentlichten mehrere weltweit aktive Unternehmen, Initiativen und Universitäten den Open COVID Pledge. In dieser Selbstverpflichtungserklärung wird die Freigabe von geistigem Eigentum für die Zeit der von der WHO ausgerufenen Pandemie mittels einer sogenannten Open COVID License forciert. Der Fokus der Initiative liegt insbesondere auf der freien Lizenzierung im Kontext von Schutz- und Patentrechten für z.B. technische Verfahren in Laboren oder zur Herstellung von Schutzausrüstung (vgl. Rack 2020). Der Aufruf richtet sich damit insbesondere an Industrie und Forschung, aber auch geistiges Eigentum in der wissenschaftlichen Kommunikation und im Bildungsbereich sind inbegriffen. In Zeiten, in denen Offenheit ein so wichtiger Parameter globaler Zusammenarbeit geworden ist, sollte allerdings von Beginn an nicht über zeitlich beschränkte Lösungen im Sinne der Offenheit nachgedacht werden, sondern weiter an nachhaltigen Lösungen und Strukturen über die Krisenzeit hinaus gearbeitet werden.

Repositorien für Publikationen und Daten: Nutzen und Teilen

Finden und Veröffentlichen von Publikation rund um das Corona­virus/​COVID-19/​SARS-CoV-2

Die hier aufgeführten Angebote führen teilweise Nachweise bzw. Suchmöglichkeiten für reines Open Access, teilweise enthalten sie auch Open-Access-Angebote neben solchen hinter einer Bezahlschranke. Unser Fokus liegt auf nachhaltigem Open Access, daher verzichten wir an dieser Stelle darauf, nur vorübergehend frei verfügbare Verlagsangebote separat zu verlinken.

Disziplinübergreifende Angebote

Disziplinspezifisches

Preprints

Für eine schnelle Verfügbarkeit veröffentlichen viele Forschende ihre Ergebnisse auf sogenannten Preprint-Servern, bevor sie sie bei wissenschaftlichen Zeitschriften einreichen. In einer aktuellen Untersuchung auf Basis der Nachweisdatenbank Dimensions wurde ermittelt, dass es sich bei etwa 17 % der 6.659 Forschungsartikel zu COVID-19 um Preprints handelt (vgl. Baker 2020). Preprints sind eine besondere Form der offenen wissenschaftlichen Kommunikation, denn sie sind vorläufige Berichte, die noch nicht in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet wurden. Nicholas Fraser veröffentlicht in einem Git-Repositorium Sourcecode um die Verbreitung von Preprints zu visualisieren (vgl. Fraser et al. 2020).

Disziplinspezifische Angebote

Praxistipp

Finden von Open-Access-Literatur unabhängig von COVID-19

Geänderte Zugänge zu Verlagsangeboten werden derzeit durch verschiedene Akteure aufbereit (z.B. im Blog der Technischen Informationsbibliothek oder in der COVID-19 Resource Access list von JISC). Im Folgenden listen wir einige der wichtigen Suchinstrumente für die Recherche nach Open-Access-Veröffentlichungen auf.

Green Open Access

Zur "Stärkung des grünen Open Access" wurde Ende März 2020 bereits ein Blogpost veröffentlicht. Beispielhaft für nationale Aktivitäten ist hier die gemeinsame Initiative der niederländischen Universitätsbibliotheken "You share, we take care". Die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin hat einen informativen Blogpost zu den Möglichkeiten von Zweitveröffentlichungen verfasst: "Wissenschaftliche Inhalte frei zugänglich machen in Zeiten von CoVid-19 und darüber hinaus". Von der ZB Med gibt es eine neue Handreichung "Leitfaden zum Aufbau von Open Access Publikationsplattformen" für Services sowohl im Bereich grünes Open Access als auch goldenes Open Access. Die DSpace Community bietet im Mai 2020 wöchentliche Webinare an, in denen OA-Services von DSpace-Repositorien in Zeiten der Corona-Pandemie vorgestellt werden. Die Webinare werden aufgezeichnet und im Anschluss verfügbar gemacht. Die Confederation of Open Access Repositories (COAR) hat "Recommendations for COVID-19 resources in repositories" veröffentlicht.

Open Access / Open Science Policies, Guidelines & Call for Actions

Forschungsförder starten in diesen Wochen Aufrufe zur Einreichung von Forschungsvorhaben, die spezifische Fragen im Zusammenhang mit COVID-19 behandeln und verabschieden entsprechende Richtlinien zur Zugänglichkeit der Ergebnisse dieser Vorhaben.

  • European Commission (Stand 8. April 2020): Open-Access-Guidelines im Hinblick auf Horizon2020 Projekte, die im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie forschen (html / pdf)

Von Seiten internationaler Organisationen werden die nationalen Wissenschaftsministerien aufgefordert, Open Science zu unterstützen.

Für die Erforschung der Pandemie werden weltweit auf verschiedenen Wegen Forschungsdaten verfügbar gemacht. Die nachfolgenden Beispiele zeigen, was auf Grundlage von geteilten Forschungsdaten möglich ist.