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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>DeepGreen und Diamond</title><link>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</link><comments>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond#comments</comments><pubDate>Tue, 14 Jan 2025 15:42:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Repositorium</category><dc:creator>Julia Boltze-Fütterer</dc:creator><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Tomasz Stompor</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</guid><description>Auf den Open-Access-Tagen 2024 in Köln war das Projekt DeepGreen mit einem Poster vertreten. DeepGreen ist ein automatisierter Lieferservice für Open-Access-Artikel. Basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen verteilt DeepGreen Verlagsinhalte an institutionelle und fachliche Repositorien. Für diesen Beitrag sprachen die beiden Präsentierenden, Julia Boltze-Fütterer und Tomasz Stompor, mit Sarah Dellmann über die Fragen, die sie mit dem Poster an die Tagungsbesucher*innen diskutieren wollten, sowie über die Gespräche, die im Rahmen der Postersession entstanden sind.

Sarah Dellmann: Liebe Julia Boltze-Fütterer, lieber Tomasz Stompor. Ihr habt in der Postersession auf den Open-Access-Tagen in Köln die Anwesenden gefragt, was Bedarfe sind, die sich aus den derzeit viel diskutierten Entwicklungen rund um Diamond Open Access ableiten. Los ging es mit einer Frage: Ist der Begriff Diamond Open Access klar genug definiert? Den Klebemarken zu urteilen, die beim Poster hinterlassen sind, scheinen die meisten den Begriff nicht klar definiert zu sehen.

Tomasz Stompor: Das erste Feld fokussiert die Frage, inwieweit die Definition von Diamond Open Access schlüssig ist und ob es sich bei dem Begriff nicht eventuell um einen Kategorienfehler handle. Rückmeldungen waren vor allem, dass die Kategorie „Diamond Open Access“ Finanzierungsbedingungen beschreibt - im Unterschied zu den beiden in der Bibliothekswelt etablierten Kategorien „Gold Open Access“ und „Grünes Open Access“, die Zugangsmodalitäten beschreiben. Interessant für uns war auch, dass erst die Frage, ob der Begriff unklar sei, viele zum Denken gebracht hat, die den Begriff bis dahin unhinterfragt verwendet haben. Die Problematisierung, die wir ja auch in der Frage formuliert hatten („Ist Diamond Open Access ein Kategorienfehler?“), fanden aber viele einleuchtend.

SD: Die Frage nach dem, was Diamond Open Access beschreibt, was darunterfällt und was nicht, wird unter Infrastrukturmitarbeitenden und Forschungsförderern lebhaft geführt. Warum ist die Definition für Euch als Dienstanbietende wichtig?

TS: Wenn Diamond Open Access nicht bloß ein Zugangsregime beschreibt, sondern ein Geschäftsmodell, dann gibt es die Komplexität existierender Geschäftsmodelle nicht wider. Das Problem ist, dass es sehr viele Grenzfälle und Ausnahmen gibt, bei denen derzeit gängige Definitionen von Diamond Open Access nicht greifen z.B. bei den Zeitschriften der American Chemical Society (ACS) oder bei der Zeitschrift Amerikastudien der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA).1 In der Keynote von Niels Taubert auf den Open-Access-Tagen 2024 werden Begriffe wie „wissenschaftsgeleitet“ und „scholarly-owned“ als „affektgeladen“ beschrieben. Es sind Begriffe, die eher den Frust gegenüber gewinnorientiert arbeitenden Großverlage oder einen Wunschtraum ausdrücken, aber keine operationalisierbaren Konzepte sind, an denen sich etwas kategorisieren oder messen ließe. Und das macht es für die Weiterentwicklung unseres Dienstes natürlich schwierig.
Foto: Projekt DeepGreen

SD: Ist die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffs für eure Arbeit hinderlich?

JBF: Ja und nein. Noch sind wir nicht so weit, das Verfahren zur Integration von Diamond-Open-Access-Inhalten in DeepGreen zu operationalisieren. Wir befinden uns, was die Erweiterung um Diamond angeht, noch in der Recherche- und Konzeptionsphase. Als DeepGreen nehmen wir die Diskussionen um Diamond Open Access und den Wunsch aus Bibliotheken, Aktivitäten in diesem Feld auszubauen, natürlich wahr und fragen uns, was diese Entwicklung für einen Service wie DeepGreen bedeuten könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Antwort noch offen. Klar ist aber, dass wir uns im Laufe des Prozesses darauf einigen müssen, was alles in die Kategorie fällt – und was nicht.

SD: Wie seid ihr vorgegangen?

JBF: Wir haben erstmal den Bedarf ermittelt: Auf der BiblioCON 2024 haben wir unsere teilnehmenden Repositorien gefragt, ob sie einen Service zur Lieferung von Diamond-Open-Access-Artikeln begrüßen würden. Die Rückmeldung war positiv. Die Voraussetzung für die Verarbeitung durch DeepGreen wäre aber, dass die Daten in einem guten Format vorliegen. Das tun sie bislang leider oftmals nicht. Ob sich das für die Diamond Open Access Journals, die mit Open Journal Systems betrieben werden, über ein OJS-Plugin, das an einen Aggregator liefert und ein Mapping vornimmt, lösen lässt, müssen wir noch weiterdenken.

TS: Wir wollten daher wissen, ob dieser Wunsch nach Bündelung von unseren Nutzenden überhaupt geteilt wird. Die meisten Gesprächspartner*innen stimmten dem Wunsch nach einer stärkeren Bündelung und Standardisierung zu und hoben hervor, dass dies eine qualitätssichernde Funktion hätte.

SD: Nun sind auf den Open-Access-Tagen ja vor allem Bibliotheksmitarbeitende anwesend. Wir haben aber auch erlebt, dass Standardisierung von Herausgebenden in Zeitschriften von kleinen Fächern oft als Bedrohung wahrgenommen wird. Es ist nicht immer leicht, zu vermitteln, dass technische Standardisierung ein Qualitätsmerkmal ist und dass dies etwas anders bedeutet als den Verlust von Formatvielfalt oder gar der Standardisierung von Inhalten.

TS: Genau. Das bringt uns zur zweiten Frage des Posters, in der wir nach der Indexierung von Diamond Journals und deren Langzeitverfügbarkeit gefragt haben. Die Frage, die wir hier aufgeworfen haben, betrifft die diverse Landschaft der Diamond Journals und ob sich durch Bündelung und Standardisierung deren Sichtbarkeit erhöhen ließe oder ob solche Maßnahmen nicht die Vielfalt einschränken.

SD: Welche Fragen stellt ihr euch in dem Prozess?

JBF: Eine große Herausforderung ist, dass Diamond-Open-Access-Zeitschriften oft klein sind. DeepGreen hingegen ist ein Service, der Masse liefert. Diese kritische Masse braucht es. Diese Erfahrung haben die Kolleg*innen des Schweizerischen Projektes GOAL gemacht: Aufwand und Ergebnis lohnten sich in diesem Projekt nicht, da die Masse zu gering für eine Automatisierung war. Wir brauchen also eine Bündelung, um DeepGreen mit Diamond-Inhalten wirtschaftlich bestücken zu können. Wir hatten dann die Idee eines Diamond-Open-Access-Aggregators und haben auf dem Poster deswegen nach dem Nutzen eines solchen gefragt. Aggregation erfordert jedoch Bündelung und Standardisierung.

TS: … und die ist unter Diamond-Open-Access-Zeitschriften nicht besonders ausgeprägt, wie die Open Access Diamond Journals Study (Bosman et al., 2021) zeigt. Zeitschriften, die solche Qualitätskriterien nicht erfüllen würden, würden natürlich trotzdem weiter bestehen, aber sie würden eventuell nicht aggregiert werden. Klare Kriterien für Qualitätssicherung sind deshalb wichtig.

SD: Wie stellt ihr euch eine Aggregation vor?

TS: Das ist die große Frage. Klar ist, dass nicht jede Zeitschrift einzeln irgendwohin abliefern soll, das wird nicht funktionieren. Wir denken gerade über ein OJS-Plugin nach, das Metadaten an eine zentrale Infrastruktur, eine Registry, abliefert, wie sie z.B. gerade im Projekt CRAFT-OA entwickelt wird. Ein anderer Startpunkt ist die Diamond Liste von Open-Access-Zeitschriften, die in Deutschland gehostet werden (Bruns et al., 2022). Wären die 345 Diamond Open Access Journals dieser Liste relevant für die DeepGreen-Teilnehmenden? Diese Frage wurde mit großer Übereinstimmung bejaht.

SD: Welche Herausforderungen und Desiderate gibt es, welche Aufgaben müssten gegebenenfalls von anderen erledigt werden?

TS: Ein weiterer Umstand, der augenfällig ist, den wir als DeepGreen aber nicht lösen können, ist der geäußerte Bedarf von Herausgebenden von kleinen und verlagsunabhängigen Zeitschriften nach technischer Unterstützung. Beratung allein ist nicht ausreichend, es bedarf hier wirklich auch Unterstützung bei der Umsetzung technischer, bibliothekarischer und verlegerischer Standards. Mehrere Kolleg*innen, die in FIDs tätig sind, berichten uns von „inhaltlich relevanten Zeitschriften, die aber technisch schlecht aufgesetzt sind“. Das ist schade und stellt eine Servicelücke dar. Ein von Bibliotheken organisierter Journalservice wäre hier eine Abhilfe.

JBF: Begonnen hat DeepGreen mit einem Fokus auf grüne Open-Access-Inhalte, aber DeepGreen ist abhängig von der Lizenzlandschaft, und die ist im Wandel. Generell gesehen nehmen z.B. Allianzlizenzen und Nationallizenzen – also klassische Zweitveröffentlichungen und „grüne“ Inhalte – an Umfang ab, während Transformationsverträge – also Erstveröffentlichung oder „goldene“ Inhalte – zunehmen. Insofern ist die Diamond-Entwicklung eine Chance für uns, uns an neue Bedarfe anzupassen, um einen Service zu liefern, der für unsere Nutzenden hilfreich ist – und es unter neuen Bedingungen auch bleibt.

1 Bei der ACS handelt es sich um eine Fachgesellschaft, die jedoch auch Journals im closed access anbietet. Die Zeitschrift DGfA ist ebenfalls eine Fachgesellschaft, die ihre open access Zeitschrift Amerikastudien bei einem gewinnorientierten Verlag herausgibt.

Das Titelbild ist KI-generiert.</description><enclosure
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<item><title>«When Green Open Access Meets Diamond Open Access»</title><link>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</link><comments>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing#comments</comments><pubDate>Tue, 08 Oct 2024 11:13:26 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Daniela Hahn</dc:creator><dc:creator>Enrique Corredera Nilsson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</guid><description>Opportunities and Synergies for Non-Commercial Open Access Publishing (Webinar)

Im Juni 2024 organisierten die durch swissuniversities co-finanzierten Projekte «GOAL – Unlocking the Green Open Access Potential» und «PLATO – Platinum Open Access Funding» gemeinsam das Webinar «When Green Open Access Meets Diamond Open Access». Ziel war es, mögliche Synergien zu erkunden, die entstehen, wenn Green Open Access und Diamond Open Access als komplementäre statt konkurrierende Modelle betrachtet werden. In diesem Blogpost fassen wir die Diskussionen des Webinars zusammen und stellen erste Überlegungen vor, wie diese die weitere Debatte über nachhaltiges und erschwingliches Open-Access-Publizieren in der Schweiz befördern können.
Das Streben nach Nachhaltigkeit I: Green- und Diamond Open-Access-Kulturen

In den letzten Jahren ist die Suche nach fairen, nachhaltigen und günstigen Formen des wissenschaftlichen Open-Access-Publizierens ins Zentrum des Interesses gerückt. Unterstrichen wird dies durch die «Schlussfolgerungen des Rates zu Wegen des hochwertigen, transparenten, offenen, vertrauenswürdigen und fairen wissenschaftlichen Publizierens», die vom Rat der Europäischen Union im Mai 2023 veröffentlicht wurden. Sowohl die Selbstarchivierung von Publikationen in institutionellen Repositorien (Green Open Access) als auch wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren ohne Gebühren für Autor*innen und Leser*innen (Diamond Open Access) können zu einer Transformation in diese Richtung beitragen. Die Frage, wie diese beiden Open-Access-Modelle konkret Synergien in Bezug auf Bibliodiversität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kosteneffizienz schaffen können, stand bisher jedoch noch nicht im Mittelpunkt der Diskussion.

Ziel des Webinars, das von swissuniversities ausgerichtet und von Thomas Leibundgut (Co-Koordinator Open Science, swissuniversities) moderiert wurde, war es, solche Synergien aufzuzeigen. Green und Diamond Open Access können sich – so die Ausgangsthese – auf der Suche nach einem nachhaltigen und kosteneffizienten Open Access ergänzen. Die Veranstaltung wurde von rund 90 Teilnehmer*innen besucht (die meisten davon Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken) und fiel zeitlich mit der Veröffentlichung der revidierten Schweizerischen Nationalen Open-Access-Strategie zusammen, welche Nachhaltigkeit und Bibliodiversität ins Zentrum stellt. Das Webinar traf auch deshalb auf ein reges Interesse der Community.

Der erste Teil des Webinars fokussierte auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen, die mit dem grünen und diamantenen Open-Access-Modell verbunden sind. Damit sollten diejenigen Bereiche identifiziert werden, in denen sich Synergien aus der Kombination ihrer Stärken ergeben können. Um eine Verknüpfung der Erfahrungen beider Projekte mit den Interessen und Ansichten der Teilnehmenden zu erleichtern, verwendeten wir Mentimeter-Fragen zur Erhebung der verschiedenen Wahrnehmungen von Green und Diamond Open Access. Beide Modelle wurden als Dienstleistungen betrachtet, welche von Institutionen angeboten und/oder unterstützt werden. Diese Gemeinsamkeit überschattetet jedoch nicht die Unterschiede: Für die Teilnehmenden wurde Green Open Access vor allem mit Fragen zu Embargo-Fristen, Zugänglichkeit, Autor*innen- und Nachnutzungsrechten verbunden, während die Stichworte «frei», «unterfinanziert», «wissenschaftsgeleitet» und «unabhängig» mit Diamond Open Access assoziiert wurden.

Breitere Zugänglichkeit

Beide Modelle sind auf wissenschaftliche Institutionen und akademische Einrichtungen angewiesen, da sie im Kern als Services für die wissenschaftlichen Communities angelegt sind. Als bedeutsamer erweist sich jedoch die andere Parallele: die Notwendigkeit der Beteiligung von Forschenden. In beiden Modellen bilden sie die Eckpfeiler des Publikationssystems, und jeder Versuch, Green und Diamond Open Access über den aktuellen Stand hinaus wirklich erfolgreich zu machen, muss insbesondere auf die Forschenden ausgerichtet sein: hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Zweitveröffentlichungsrecht oder ihres Engagements in und für wissenschaftsgeleitete Zeitschriften.

Zudem teilen beide Modelle die Anliegen der Zugänglichkeit, der Wahrung von Autor*innen- und Nachnutzungsrechten sowie der Beseitigung finanzieller Hürden im Open-Access-Publizieren. Durch eine parallele, institutionelle Förderung und strategische infrastrukturelle Vernetzung von Green und Diamond Open Access, können Autor*innen somit die Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern erfüllen und zugleich Publikationsgebühren vermeiden.

Darüber hinaus können gemeinsame Bemühungen der Befürworter*innen von Green und Diamond Open Access Vorstöße stärken, die einen fairen und erschwinglichen Zugang zu Forschungsergebnissen unterstützen. In Bezug auf Zugänglichkeit offerieren Green und Diamond Open Access mehrere Zugangspunkte für Forschende, Fachleute und die Öffentlichkeit, wodurch die Verbreitung und Reichweite wissenschaftlicher Publikationen insgesamt erhöht wird. Diamond-Open-Access-Zeitschriften können institutionelle Repositorien zudem in mehrfacher Hinsicht nutzen: für Zwecke der Langzeitarchivierung, aber auch zur Maximierung der Sichtbarkeit und Verbreitung der veröffentlichten Forschungsergebnisse. Die Verknüpfung von Forschungsergebnissen – sowohl Pre-Print als auch Post-Print – und ihre Verfügbarmachung in einem interoperablen Netzwerk von Infrastrukturen und Diensten (z. B. Open Peer Review, Overlay-Zeitschriften) können folglich die Open-Access-Transformation insgesamt beschleunigen, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und die Vernetzung von Forschung über verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.
Das Streben nach Nachhaltigkeit II: Infrastrukturen

Im zweiten Teil des Webinars wurden die Teilnehmenden dazu befragt, welche Infrastrukturen für eine gemeinsame Förderung von Green Open Access und Diamond Open Access nötig seien. Wie sich diese Modelle aus infrastruktureller Perspektive gegenseitig ergänzen können, ist dabei eine Frage, die besonders für Hochschulen und andere forschungsintensive Einrichtungen relevant ist. Denn diese Einrichtungen betreiben institutionelle Repositorien und/oder unterstützen Diamond-Open-Access-Zeitschriften, indem sie Wissenschaftler*innen beschäftigen, die Zeitschriften herausgeben, und Hosting-Lösungen und/oder Zuschüsse für Zeitschriften bereitstellen. Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits Publikationsinfrastrukturen, Veröffentlichungsmöglichkeiten und Langzeitarchivierungsdienste an, die ausgebaut und vernetzt werden sollten, um die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen durch die Integration von Green- und Diamond Open-Access-Kapazitäten zu maximieren.

Die Antworten zeigten, dass eine Mehrheit für nationale Infrastrukturen plädiert, sowohl in Form einer nationalen Diamond-Open-Access-Plattform für Zeitschriften und Bücher als auch in Form eines nationalen Repositoriums. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass nationale Infrastrukturen als Möglichkeit gesehen werden, die Sichtbarkeit und die Kosteneffizienz zu erhöhen, insbesondere für kleinere Einrichtungen. Synergien zwischen Green Open Access und Diamond Open Access zu schaffen, kann auch dazu beitragen, den Einfluss kommerzieller Verlage zu reduzieren – ein Ziel, über das bei den meisten Teilnehmenden Einigkeit bestand.

Zusammenarbeit und geteilte/gemeinschaftliche Ressourcen

Im Rahmen der Diskussion zu Infrastrukturen verlagerte sich der Fokus im zweiten Teil des Webinars von den Forschenden hin zu den Bibliotheken und ihren Ressourcen. Im Interesse der Teilnehmenden an gemeinschaftlichen Lösungsansätzen ließ sich zugleich die geteilte Einsicht in die Notwendigkeit einer Skalierbarkeit erkennen. Viele Komponenten einer robusten Infrastruktur sind bereits etabliert, dank der Entwicklung von Repositorien in zahlreichen Institutionen, die jeweils auf deren spezifische Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnitten sind. Dies umfasst nicht nur technische Aspekte wie Server und Software, sondern auch die Ebene der Praktiken und immaterielle Aspekte wie bspw. Fachwissen und Erfahrungen, welche in der Verwaltung und Entwicklung dieser Repositorien sowie in Projekten zu Diamond Open Access gesammelt werden konnten. Überlegungen, wie Elemente, die bereits teilweise oder vollständig verfügbar sind, auf koordinierte Weise integriert werden können und aus der Verbindung vereinzelter Bemühungen ein «Mehr» geschaffen werden kann, bilden einen entscheidenden ersten Schritt, um nicht-kommerzielles Open-Access-Publizieren weiter zu fördern.
Perspektiven für die (nahe) Zukunft

Wie hier skizziert, bot das einstündige Webinar in zweierlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken: Zum einen hob es das Potenzial hervor, Green und Diamond Open Access als komplementäre Modelle zu betrachten, mit der Möglichkeit, Synergien zu schaffen. Zum anderen identifizierte es, wenn auch nur vorläufig, Bereiche und Elemente, die diese Synergien begünstigen können. Zusammengefasst bietet dieser Bereich trotz mehr als zwei Jahrzehnten der Open-Access-Entwicklung noch immer das Potenzial für bedeutende Transformationen – wenn wir nur bereit sind, sie als möglich und realisierbar zu betrachten.</description><enclosure
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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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