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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>KOALA &amp; KOALA-AV: Advancing Consortial Open Access Models</title><link>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</link><comments>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</guid><description>KOALA (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen&quot;) was initially the name of a BMBF-funded project (2021–2023) that developed a consortial funding model for Diamond Open Access publishing. During this phase, the foundational KOALA model was conceptualized, and two pilot consortia were launched. Since 2023, the TIB Hannover has continued the initiative as a regular service under the KOALA name. More broadly, &quot;KOALA&quot; now refers to the underlying funding approach and serves as the umbrella term for various DOA consortia coordinated by institutions such as SLUB Dresden and the Specialized Information Service (FID) Media.

KOALA-AV (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen, ausbauen und verankern&quot;) is the current follow-up project (2023–2025), which aims to expand and solidify the KOALA model. It focuses on improving participation conditions for journals, libraries, and other potential consortium leads, strengthening the KOALA community, and supporting the internationalization of the model.
Highlights from the KOALA Journal Meet-Ups

In May 2025, two journal meet-ups brought together editorial teams from Open Access journals supported by KOALA. These events provided a valuable opportunity for participants to network, share experiences, and collaboratively reflect on their partnerships with KOALA. With KOALA-AV entering its final project phase, the meet-ups served as timely forums for evaluating current workflows, addressing ongoing challenges, and charting paths toward sustainable, cooperative publishing models.
Purpose and Structure of the Meet-Ups

The meet-ups’ primary aim was to encourage exchange among journals funded through KOALA and to strengthen the network of editorial teams working under a shared funding framework. Participants had the chance to voice their perspectives on collaborating with KOALA. Along these lines, they had the opportunity to discuss operational concerns, and to identify opportunities for improvement. At the same time, KOALA provided strategic feedback on how journals could optimize their approaches to institutional pledging and to improving communication processes.
Topics and Discussions

A wide range of topics emerged over the course of the two sessions, covering both everyday management and larger strategic considerations: A central point of discussion was how journals can better support the pledging process through engagement with authors. Specifically, they explored how authors can serve as important multipliers within their academic environments regarding funding requests. This could include raising awareness of the KOALA initiative at their home institutions, initiating conversations with relevant departments or decision-makers, and advocating for institutional support. Their disciplinary credibility and personal affiliations can thus significantly strengthen outreach efforts and contribute to building a sustainable funding base.

This tied in with the topic of affiliation lists: Journals were encouraged to record in a detailed fashion which authors had published with them and which institutions these authors had been affiliated with. These lists serve as a valuable tool to identify potential funding institutions, allowing for more a targeted outreach by KOALA and by the journals themselves. Moreover KOALA elaborated on what kind of documentation the journals are expected to provide to show that they have made appropriate use of KOALA funding. Along these lines, questions about financial reporting and acceptable forms of evidence were addressed, emphasising clarity and consistency in documenting how the journals have used the funding.

Another major theme was the importance of clear internal structures within journal teams. Participants highlighted the need to establish clear responsibilities with regards to invoicing, communication, and reporting, and to ensure that KOALA always has current contact information. This tied in with many journals observing that in the past delays and miscommunication had often been traced back to unclear responsibilities, making this a recurring issue. Moreover, invoicing and financial management were identified as areas of both progress and challenge. Some journals reported having had difficulties with issuing invoices or dealing with VAT (Value Added Tax) due to limited financial expertise, while others appreciated KOALA’s flexibility and support in these matters. Some participants noted that having a functioning workflow for invoicing and reporting has been beneficial for both sides but also pointed to the need for more guidance in complex or unclear financial scenarios. Beyond that, timely decision-making and communication processes were emphasized as crucial for the funding process to run smoothly. Both KOALA and the journals acknowledged that delays in information-sharing could hinder institutional pledging cycles, which follow annual timelines in most libraries. Furthermore, there was a discussion about how to handle unspent funds. One journal expressed interest in being allowed to transfer unused funds into subsequent years. Here, KOALA clarified that while minor transfers are acceptable, funds should ideally be spent within the designated year to support consistent planning and accountability.

The sustainability of the KOALA model featured prominently in the meet-ups’ strategic discussions. Many participants reflected positively on KOALA’s role in supporting their journals, describing it as a “wonderful surprise,” “a godsend,” and even as the reason their journal could continue operating in the first place. The simplicity of the funding process, the efficiency of communication with KOALA-AV, and the clarity of cooperation agreements were frequently praised. Apart from that, KOALA’s minimum standards were seen as helpful to increase transparency and to improve editorial quality. At the same time, journals voiced concerns about the long-term availability of funding, particularly in light of limited institutional budgets and the growing number of initiatives seeking support under the KOALA umbrella. As pain points, the complexity of internal communication processes within editorial teams, frequent staff changes at KOALA, and a lack of timely updates on contact persons or new project phases were all mentioned. Furthermore, some considered the process for extending funding into a new financing period unclear, stating that this had created uncertainty for future-related planning steps. At the same time, the opportunity to connect with peers, exchanging best practices and learning from each other’s challenges, was highly valued.
KOALA-AV’s Feedback and Recommendations

KOALA-AV offered a series of recommendations aimed at improving collaboration and ensuring a more efficient workflow for all involved. The importance of aligning communication and planning with library acquisition cycles was emphasized: Since libraries often follow a set sequence—information acquisition, consultation, pledging, and accounting—journals need to respond in a timely and structured manner to ensure success. Along these lines, KOALA urged journals to play a more proactive role in supporting pledging by motivating their authors to contact their institutional libraries and by sharing up-to-date affiliation lists. These efforts can significantly improve the likelihood of acquiring funding successfully. Another key topic was transparency: Journals were advised to publish simple, publicly accessible statements on their use of KOALA funds—ideally on their websites—including the total amount of funding they had received, and a basic breakdown of how the funds are spent. This not only builds trust but also demonstrates accountability to institutions, authors and the wider Open Access community. Finally, KOALA emphasized the importance of managing annual funding effectively: While some transfer-related flexibility is allowed, KOALA’s general expectation is that funds are used within the allocated year, maintaining budgetary discipline and supporting clearer financial cycles.
Outlook: What Comes Next?

Although KOALA-AV did formally conclude by the end of August 2025, the underlying KOALA service and model will continue to operate. KOALA now encompasses both the initial project phase (2021–2023) and the ongoing consortium approach to Open Access support. Looking ahead, the KOALA service hosted at TIB will remain active, particularly in the STEM disciplines, and is exploring ways to extend current funding bundles beyond the standard three-year cycle. At the same time, SLUB Dresden will continue its pilot efforts and provide support for participating journals. For subject areas not yet covered, solutions are being developed, including the transfer of funding responsibilities to two Specialized Information Services (Fachinformationsdienste). Currently, new pledging phases are in preparation to ensure a smooth transition into the next funding round. Besides that, KOALA plans to expand its coordination infrastructure to support more journals. It also pursues international partnerships to broaden its reach and impact.
Conclusion

The KOALA journal meet-ups highlighted the importance of dialogue, transparency, and mutual support in sustaining a community-driven Open Access infrastructure. While some challenges remain, the participants’ overall feedback was one of appreciation, collaboration, and determination. Through shared learning and collective problem-solving, KOALA and its partner journals continue to pave the way for a more equitable and sustainable publishing landscape.

Perspectives of the journals that participated in the meet-up:

SMAI-Journal of Computational Mathematics was founded in 2014 by the French Society of Applied and Industrial Mathematics (SMAI). It publishes high quality research articles on the design and analysis of algorithms for computing the numerical solution of mathematical problems arising in applications. It is published via the Centre Mersenne, which is a diamond open access scientific publishing infrastructure developed by Mathdoc, a support and research unit of the CNRS and the Université Grenoble Alpes in France. As Deputy Secretaries in charge of the SMAI publications, our role is to oversee the scientific development of the journal and ensure that we can guarantee open access publication under the best conditions for the articles submitted now and in the future. This combination of efforts from the SMAI and the Centre Mersenne offers a society-based venue for excellent work from a very active international field. (Amandine Véber &amp; Nicolas Forcadel)

The Journal de l&#039;École polytechnique — Mathématiques (JEP), started in 2014, publishes, in English or French, original research articles in all domains of applied and fundamental mathematics. It continues, in the domain of mathematics, the Journal de l&#039;École polytechnique, one of the oldest French scientific journals (1795–1939), which published articles in mathematics as well as in mechanics and in physics. As journal manager, I oversee relations between the editorial assistant, the three chief editors, and the forty or so section editors on the OJS editorial platform. I also supervise production by the Centre Mersenne. Finally, in collaboration with the three chief editors, I take care of the regular renewal (every five years) of the editorial board. The journal has gained a solid reputation within the mathematical community, as it now receives around 120 submissions annually with an acceptance rate of around 25%. (Claude Sabbah)

Logical Method in Computer Science is a fully refereed, diamond open-access, electronic journal. It welcomes papers on theoretical and practical areas in computer science involving logical methods, taken in a broad sense. Since its foundation in 2004 the journal has developed into a leading venue for papers in the field, as witnessed e.g. by many published special issues of competitive conferences. Currently, the journal publishes around 110 articles per year. The journal is run as an overlay of arXiv.org, a well-known open document archive which currently hosts more than 2 million scholarly articles in the natural sciences, mathematics, computer science, and engineering. The peer review process of the journal relies on the French Episciences platform. I have been involved in the journal in various roles since the beginning, and I have been its Editor-in-Chief since 2020. (Stefan Milius)

TheoretiCS attempts to be one of the three leading journals in the field of Theoretical Computer Science and the only one to follow the diamond open-access model. The journal is strongly based in its research community: all major conferences in in the field of Theoretical Computer Science have representatives on the advisory board of TheoretiCS and in the TheoretiCS Foundation, the publisher of the journal. These strong roots in the research community have enabled us to convince many leading researchers to join the editorial board of TheoretiCS. It also helped to find additional volunteers to help with the editorial and publishing process. We are grateful for the support provided by the KOALA project, which enables us to reimburse part of the efforts for some of these volunteers. (Thomas Schwentick)

The Journal of Universal Computer Science (J.UCS) is a veteran in the field of high-quality open access publications in computer science. Founded in 1993, the J.UCS team has guided the journal through decades of challenges associated with a free-of-charge policy for authors and readers. Our thoroughly peer-reviewed monthly regular issues, as well as several special issues on current topics, serve as one of the major knowledge databases for the international research community, documenting the history of computer science over decades and continuing with today&#039;s latest trends - thanks to KOALA. Our team is dedicated to communicating with our reviewers from around 50 different countries to help our authors get the most out of their research and ensure the high quality and relevance of our publications. The expected 200,000+ views this year show that the effort is worth it, every day. (Johanna Zeisberg and Christian Gütl)</description><enclosure
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<item><title>Wir gründen eine wissenschaftliche Zeitschrift</title><link>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</link><comments>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Mar 2024 08:45:00 +0100</pubDate><category>Zeitschriften</category><category>Technik und Workflows</category><dc:creator>Stefan Schmeja</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wir-gruenden-eine-wissenschaftliche-zeitschrift</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 18.03.24 auf dem TIB-Blog unter der Lizenz CC BY 3.0 DE erschienen.

Zeitschriften stellen in den meisten Fächern das wichtigste Medium dar, um wissenschaftliche Ergebnisse zu kommunizieren. Im digitalen Zeitalter kann die Produktion und Verbreitung von Zeitschriften von wissenschaftlichen Einrichtungen selbst übernommen werden. Doch wie funktioniert das? Wie läuft der Publikationsprozess eines Zeitschriftenartikels ab? Was ist bei der Herausgabe einer Zeitschrift zu beachten?
Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“

Um gemeinsam Antworten zu finden und praktische Erfahrungen zu ermöglichen, haben wir im Februar 2024 erstmals den Online-Workshop „Wie entsteht eine wissenschaftliche Zeitschrift?“ für Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen der Leibniz Universität Hannover und deren Partneruniversitäten im EULiST-Netzwerk angeboten. Da es noch freie Plätze gab, haben wir den Workshop kurzfristig auch für andere Interessierte geöffnet.
Der Publikationsprozess eines wissenschaftlichen Artikels

In diesem Workshop erstellten die Teilnehmenden eine fiktive Open-Access-Zeitschrift mit Hilfe von Open Journal Systems (OJS). OJS ist eine weit verbreitete Open-Source-Software für die Verwaltung und Veröffentlichung von wissenschaftlichen Zeitschriften, die auch für unseren Verlag TIB Open Publishing eingesetzt wird. Die Teilnehmenden reichten ihre vorab erstellten Manuskripte bei der Zeitschrift ein, begutachteten diese gegenseitig und spielten so den Weg eines Artikels durch den Publikationsprozess durch. Sie lernten die Grundlagen des wissenschaftlichen Publizierens, die Rollen von Autor:innen, Gutachter:innen und Herausgeber:innen und die Abläufe bei der Produktion einer Zeitschrift kennen.
Qualitätssicherung, Sichtbarkeit und Finanzierung

Sie beschäftigten sich mit Fragen der Qualitätssicherung, der Sichtbarkeit und Finanzierung der Zeitschrift und lernten so die Bedeutung von Metadaten, Metriken und Identifiern im Publikationswesen kennen. Die Teilnehmenden hatten Beispiele von bestehenden Zeitschriften aus ihrem jeweilgen Fachgebiet mitgebracht und erläutert, was ihnen an der Zeitschrift und insbesondere an ihrem Webauftritt inhaltlich und optisch besonders gefiel. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden, welche Art von Peer Review von „unserer“ Zeitschrift durchgeführt, wie sie finanziert und wie ihr Webauftritt gestaltet werden sollte.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Von den Teilnehmenden zusammengestellte essenzielle und optionale Elemente des Webauftritts der Zeitschrift.
Impact Factor – ja oder nein?

Des Weiteren wurde überlegt, wie für Sichtbarkeit und Attraktivität der Zeitschrift gesorgt werden kann. Soll ein Impact Factor angestrebt und prominent beworben werden? Lässt übertriebenes Werben um Autor:innen die Zeitschrift als „Predatory Journal“ erscheinen? Fachspezifische Unterschiede zeigten sich unter anderem bei der Frage, ob eine Zeitschrift ausschließlich Forschungsartikel oder auch Veranstaltungshinweise, Nachrufe, Buchbesprechungen und Ähnliches beinhalten sollte.

Der Workshop war als Lehrveranstaltung mit 30 Stunden (davon 10 vorab im Selbststudium) konzipiert, für die über eine Zusammenarbeit mit der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung der Leibniz Universität Hannover ein ECTS-Punkt erworben werden konnte. Aufgrund des positiven Feedbacks planen wir, den Workshop in ähnlicher oder adaptierter Form auch zukünftig anzubieten. Verschiedene Anfragen haben uns gezeigt, dass es offenbar einen großen Bedarf für solche Formate auch für andere Zielgruppen gibt. Bei Fragen oder Interesse melden Sie sich gerne bei uns unter publikationsberatung@tib.eu.
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<item><title>Open Access Level-Up</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-level-up#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 13:02:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Dom Ford</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</guid><description>Ein Gespräch mit Dom Ford über den Betrieb der Diamond-Open-Access-Zeitschriften gamevironments und Eludamos

Beim Herausgeben von und beim Publizieren in Open-Access-Zeitschriften müssen Wissenschaftler*innen einige Herausforderungen meistern. Dom Ford, Postdoc an der Universität Bremen, ist maßgeblich an zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften beteiligt: Er ist Chefredakteur von gamevironments und wirkt außerdem im Herausgebergremium von Eludamos: Journal for Computer Game Culture mit. In diesem Gespräch laden wir ihn ein, seine Erfahrungen mit uns zu teilen, bitten ihn um Rat und erkunden die entscheidende Rolle der Bibliotheken bei der Unterstützung des Diamond-Open-Access-Publizierens.
Dom Ford, Foto: IT der Universität Kopenhagen
Podcast des Interviews
Hier könnt ihr euch das Gespräch zwischen Carolin Becklas und Dom Ford anhören. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Carolin Becklas [CB]: Dom, könntest du dich und dein Forschungsgebiet bitte vorstellen – und natürlich auch deine Zeitschrift?

Dom Ford [DF]: Mein Name ist Dom und ich bin Postdoc an der Universität Bremen. Ich forsche zu Community-Bildung im Gaming-Bereich. Dabei untersuche ich, wie Communities in und um digitale Spiele gebildet, ausgehandelt und aufrechterhalten werden. Neuerdings befasse ich mich auch ein bisschen mit dem Prozess der Realitätsbildung im Allgemeinen. Ich wirke in der Redaktion von zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit – vor allem gamevironments, die hier an der Universität Bremen angesiedelt ist. Die Chefredakteurinnen sind Kerstin Radde-Antweiler von der Universität Bremen und Xenia Zeiler von der Universität Helsinki. Die Zeitschrift widmet sich schwerpunktmäßig der Wertebildung im Gaming-Bereich sowie der Verortung von Spielen innerhalb des weiteren soziokulturellen Medienumfelds, denn Spiele sind sozusagen unentwirrbar mit einem solchen weiteren Umfeld verbunden. Die andere Zeitschrift, bei der ich mitwirke, heißt Eludamos. Ihr Fokus ist noch weiter gefasst und gilt Spielen und Kultur im Allgemeinen. Sie wird geleitet von Holger Pötzsch von der UiT, Norwegens Arktischer Universität, und Kristine Jørgensen von der Universität Bergen. Da ich Redaktionsleiter von gamevironments bin, bin ich sozusagen viel stärker in den Betrieb jener Zeitschrift eingebunden.

CB: Erzähl uns etwas über deinen Hintergrund und was dich zu deiner derzeitigen Rolle im wissenschaftlichen Publizieren geführt hat.

DF: Wie du wahrscheinlich hören kannst, bin ich englischer Muttersprachler. Und, weißt du, ich habe mich immer für die englische Sprache interessiert. Ich habe einen Master in englischer Literatur. Und ich habe viel Korrektorat und Lektorat gemacht, viele Texte erstellt – das ganze redaktionelle Zeug halt. Und es war irgendwie natürlich, dass ich in dieser Rolle gelandet bin. Da ich in der Wissenschaft tätig war, habe ich Projekte gesucht, in denen ich mich engagieren wollte. Und oft stellte ich einfach fest, dass es Zeitschriften waren. Zuerst habe ich 2020 bei Eludamos angefangen. Eine Art Pandemieprojekt, um die Zeitschrift nach einer Unterbrechung wieder zum Laufen zu bringen. Es war wirklich interessant, einen Blick hinter die Kulissen des Ganzen werfen zu können. Man bekommt die Einreichung eines Artikels mit; man arbeitet damit während des ganzen Prozesses, bis es veröffentlicht wird; und dann fangen die Leute an, es zu zitieren und zu nutzen. Das ist ein sehr befriedigender Prozess. Als ich mich nach meiner Promotion für Stellen beworben habe, habe ich mich für diese Postdoc-Stelle hier in Bremen interessiert, weil zur Rolle gehörte, Redaktionsleiter von gamevironments zu werden, und ich würde die Möglichkeit haben, diese Arbeit neben meiner Forschung fortzusetzen. Ich würde nicht sagen, dass ich da reingestolpert bin – es war bestimmt Absicht im Spiel. Es ist einfach eine der Möglichkeiten, in der Wissenschaft einen Beitrag zu leisten mit den ganzen freiwilligen zusätzlichen Diensten, die wir alle als Teil der Wissenschaft leisten müssen. Weißt du, man findet Aufgaben, die man richtig gerne macht und die einem ein Ziel geben. Und dies ist die Art von Rolle, zu der ich mich letztendlich hingezogen fühlte.

    Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot;
    - Dom Ford

CB: Die “freiwilligen zusätzlichen Dienste&quot; führen mich zu meiner nächsten Frage: Viele Zeitschriften setzen auf Abogebühren oder Publikationsgebühren, um ihre Kosten zu decken. Aber ihr zieht es vor, gamevironments als Open-Access-Zeitschrift zu betreiben – sogar als Diamond-Open-Access-Zeitschrift, bei der weder für Publizierende noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Warum war das für euch wichtig, und wie wirkt sich das auf Autor*innen, Leser*innen und natürlich auch auf die Nachhaltigkeit der Zeitschrift aus?

DF: Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Mir ist sehr wichtig, den möglichst freien Fluss von Wissen und wissenschaftlichem Diskurs zu ermöglichen. Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot; Und deshalb ermöglicht Diamond Open Access auf verlegerischer Seite, dass die wissenschaftliche Arbeit einfach im Mittelpunkt steht, was idealistisch gesprochen ein wirklich sympathischer Grundsatz ist. Autor*innen müssen nicht zusätzliche Hürden überwinden, und Leser*innen müssen weder beten, dass ihre Bibliothek institutionellen Zugang zur Zeitschrift hat, oder dass sie selbst nicht das Risiko eingehen müssen, die Artikel auf illegalem Weg zu beschaffen. Denn, seien wir mal ehrlich, niemand bezahlt für einen Zeitschriftenartikel aus eigener Tasche. Diamond Open Access bedeutet, dass die Menschen auf beiden Seiten diese Hürden einfach nicht überwinden müssen, um wissenschaftliches Wissen zu produzieren bzw. um Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu erhalten.

Wir müssen uns auch keine Gedanken machen über Gewinnmodelle und solche Sachen. Wir sind nicht gewinnorientiert. Uns ist es nur wichtig, dass wir unsere Betriebskosten decken. Und dann können wir uns einfach auf die eigentliche redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Der Nachteil ist, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen aus Publikationsgebühren Diamond-Open-Access-Zeitschriften fast immer ehrenamtlich betrieben werden. Gelegentlich können wir Mittel finden, um Lektorate und solche Dinge zu bezahlen. Aber im Grunde wird die Zeitschrift ehrenamtlich betrieben. Das hat einige Vorteile, aber es kann zu Problemen im Hinblick auf die Arbeitsbelastung führen. Alle machen die Arbeit neben ihren meist akademischen Tätigkeiten wie Lehre und Forschung. Und dann muss man zusätzlich diese ganze Arbeit an der Zeitschrift machen, was bedeutet, dass man der Arbeit an der Zeitschrift manchmal nicht Vorrang geben kann oder dass es zu Verzögerungen kommt. Man muss also die Arbeit an der Zeitschrift beiseiteschieben, weil man nicht dafür bezahlt wird. Wenn du für einen der großen Verlage oder dergleichen arbeitest, dann ist es dein Job und somit deine primäre Aufgabe. Das bedeutet also, dass Diamond Open Access ein bisschen langsamer ist und anfälliger für Sachen, die die Publikation vom Kurs abbringt. Es kann etwas dazwischenkommen. Von den Redakteur*innen bis hin zu den Reviewer*innen: Niemand wird bezahlt und daher wird die Arbeit manchmal prioritätsmäßig herabgestuft.

CB: Du hast die Bibliotheken bereits erwähnt. Ich habe mich gefragt, wie die Bibliothekar*innen und die Bibliotheken diese Publikationsinitiativen unterstützen können.

DF: Wir haben ziemliches Glück, dass die beiden Zeitschriften von den Bibliotheken unterstützt und finanziert werden. Universitätsbibliotheken verfügen oft über irgendeine Art von Publikationsplattform und man kann einen Antrag stellen, um auf der Plattform eine Zeitschrift veröffentlichen zu können. Wenn die Bibliothek die Idee unterstützt, dann sind alle deinen Betriebskosten gedeckt und die Bibliothek leistet technische Unterstützung, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Content Management Systems. Die Bibliotheken sind für diese Art von Publikationsmodell unerlässlich. Wir haben also großes Glück, dass wir diese Institutionen haben, die die Mittel erhalten, um diese Publikationen zu unterstützen.

CB: Diamond-Open-Access-Zeitschriften gelten oft als ein eher Community-getriebener und dezentraler Ansatz des wissenschaftlichen Publizierens. Inwieweit wirkt sich dies auf die Community der Autor*innen, Reviewer*innen, Leser*innen sowie Förderer*innen deiner Zeitschrift aus?

DF: Es handelt sich in erster Linie um eine ehrenamtlich getriebene Organisation – eher um ein Community-Ding als ein geschäftliches Unterfangen. Die Herausgeber*innen gründen eine Zeitschrift und arbeiten daran, weil sie der Auffassung sind, dass es eine wichtige Arbeit ist. Die Reviewer*innen erstellen Gutachten für uns, weil sie diese Arbeit unterstützen wollen. Die Autor*innen publizieren bei uns, weil es nichts kostet, und vielleicht auch weil sie die Arbeit der Zeitschrift unterstützen. Und die Leser*innen lesen die Artikel, weil diese umsonst sind. Ich denke auch, dass Wissenschaftler*innen sich zunehmend gegen das Profitstreben der riesigen wissenschaftlichen Verlage wehren. Man hört immer mehr von Reviewer*innen, die sich weigern, Manuskripte für profit-orientierte Verlage zu begutachten, oder die sagen: &quot;Okay, wenn ihr Gewinn erzielt, dann müsst ihr mich für mein Gutachten bezahlen.&quot; Es ist manchmal schwierig, Reviewer*innen zu finden, weil, wie gesagt, die Arbeit ehrenamtlich ist und alle überarbeitet sind und haben einen Haufen Sachen zu tun. Im Allgemeinen sind Reviewer*innen eher bereit, Manuskripte für Open-Access-Zeitschriften zu begutachten.

Hilfreich ist, dass die Förderorganisationen oft verlangen, dass die Menschen Open Access publizieren. Solange wir unsere Betriebskosten decken können, geht es ausschließlich um den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Community. Gamevironments gibt jedes Jahr eine Sonderausgabe heraus. So können wir uns mit Fragen beschäftigen wie: “Mit wem wollen wir zusammenarbeiten bei dieser Sonderausgabe?&quot; und &quot;Welche Themen wollen wir aufgreifen?&quot; Wir müssen nicht an Aspekte denken wie: &quot;Passt dies zu unserem Geschäftsmodell? &quot;Ist es finanziell nachhaltig?&quot; Und so weiter. Mit Eludamos können wir Sachen machen wie Doktorandenseminare, die wir in letzter Zeit relativ oft auf verschiedenen Tagungen organisiert haben. Wir werden diese Initiative fortführen, weil sie bedeutet, dass wir uns als Zeitschrift stärker in der Community engagieren können. Sie verstärkt einfach die Verankerung der Zeitschrift in der Community, sowohl im Hinblick auf unsere Grundsätze als auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie zum Beispiel der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Reviews.
Carolin Becklas, Foto: Carolin Becklas

CB: Ich würde gerne eine Frage zu einem anderen Thema stellen: In den vergangenen Jahren ist KI – und vor allem natürlich ChatGPT – zu einem heißen Thema sowohl in der Wissenschaft als auch in nichtwissenschaftlichen Bereichen geworden. Wie hat KI deine Arbeit und die Art und Weise, wie du gamevironments leitest, verwandelt oder beeinflusst?

DF: Das ist noch nicht passiert. Ich bin mir sicher, dass es passieren wird, aber die Technik ist noch nicht gut genug, dass beispielsweise jemand ChatGPT einfach bittet, mal einen Artikel für gamevironments zu erstellen, und wir würden es nicht merken können. Ich glaube nicht, dass die Technik bereits so weit ist. Aber das wird sie wahrscheinlich irgendwann sein. Daher ist es etwas, das wir sicherlich im Auge behalten werden. Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass KI generell bereits jetzt im Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und Schreibens eine Rolle spielt. Denn Textverarbeitungsfunktionen wie Autokorrektur, Grammatikprüfung und Wortvorschläge in Microsoft Word und solche Sachen sind alle maschinelle Lernverfahren der KI, die den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens unterstützen. Aber wir werden uns künftig Gedanken machen über unser Verhältnis zu KI: Was sind die ethischen Konsequenzen? Wir bekennen uns zu diesen Ethikleitlinien von COPE für wissenschaftliche Publikationen. Bietet COPE irgendeine Anleitung darüber, wie wir dazu stehen sollen, und wie wir mit diesen potenziellen Fällen umgehen sollen? Ich würde also sagen, dass KI noch nichts verwandelt hat.

    Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist.
    - Dom Ford

CB: Meine letzte Frage: Welchen Rat würdest du Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen geben, die an der Gründung einer Zeitschrift oder an der Mitwirkung an einer bestehenden Zeitschrift interessiert sind?

DF: Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist. Denn keiner liest etwas, das nicht Open Access ist – vor allem an kleineren Hochschulen, die keinen Zugang zu allen großen Verlagen haben. Weißt du, wenn man einen Artikel nachschlägt, der nützlich zu sein scheint, aber er steht hinter einer Bezahlschranke, gibt es eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass man die Registerkarte schließen und den Artikel vergessen wird, weil es da draußen so viel Forschung gibt. Jede zusätzliche Barriere bedeutet, dass man eine Menge potenzieller Leser*innen verlieren wird. Und natürlich hat man auch seine Prinzipien. Ich für meinen Teil möchte kein Geld an Elsevier und den [anderen] großen Verlagen geben, wenn ich es vermeiden kann. Man muss natürlich vorsichtig sein, denn manche Länder verwenden beispielsweise Punktesysteme für ihre Publikationen. Diese punktebasierten Systeme sind willkürlich, nicht wahr? Die bauen oft auf Prestige sowie darauf, wie &quot;gut&quot; die Zeitschriften sind, oder ob sie von Scopus und Web of Science erfasst werden. Große Verlage können es sich locker leisten, diese Prozesse zu durchlaufen. Aber wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt, dauert es länger, von solchen Datenbanken erfasst zu werden. In solchen punktebasierten Systemen werden wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschriften daher möglicherweise niedriger eingestuft als andere. Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, warum diese Prinzipien von praktischen Erwägungen in einer wissenschaftlichen Karriere verdrängt werden können. Ich denke jedoch, dass es prinzipiell einfach viel angenehmer ist, wenn die eigenen Arbeiten Open Access sind. Ich würde daher ausdrücklich empfehlen, Beiträge, wenn möglich, in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist für mich eine persönliche Priorität. Ich versuche, nur Open Access zu publizieren.

Ich komme jetzt zu der Frage der Zeitschriftengründung. Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach geht. Solange man seine Betriebskosten deckt, muss man sich über Vieles keine Gedanken machen. Wenn die Bibliothek der eigenen Institution Publikationsdienstleistungen anbietet, kann man eine Zeitschrift relativ schnell in Betrieb nehmen. Und ein ganzes Content Management System ist bereits vorhanden. Die Menschen unterschätzen, wie mühsam es ist, alle diese unterschiedlichen Systeme wie Scopus zu durchforsten, und dann noch sicherzustellen, dass man die ganzen ethischen Leitlinien kennt. Wenn man eine Zeitschrift gründet, nimmt man eine verantwortungsvolle Position innerhalb der wissenschaftlichen Community ein: Man ist dafür verantwortlich, die Arbeiten von Menschen zu veröffentlichen. Man ist dafür verantwortlich, zu verhindern, dass plagiierte Werke veröffentlicht werden, die schädlich sind; Werke, die Fehlinformationen enthalten; Werke, wo die Daten in unethischer Weise erhoben wurden; und alle diese unterschiedlichen Erwägungen. Es gibt dabei viele verschiedene Prozesse, mit denen man sich befassen muss. Ich denke, dass es sich wirklich lohnt, bevor man seine eigene Zeitschrift gründet, sich bei anderen Zeitschriften zu engagieren. Werde Mitglied der Redaktion einer anderen Zeitschrift. In der Regel sind sie froh, wenn sie Menschen haben, die aushelfen. Meist gelangt man in solche Positionen, wenn man Manuskripte begutachtet und das gut macht. Wenn man daran denkt, eine Zeitschrift zu gründen, muss man entweder selbst eine unbefristete Stelle haben oder man muss die Unterstützung von jemandem erlangen, der eine unbefristete Stelle hat, um Kontinuität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Abgesehen davon, würde ich sagen, dass Beiträge in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren ein richtig guter Weg ist, um solche Vorhaben zu unterstützen und zum wissenschaftlichen Diskurs sowie zur Wissensproduktion beizutragen. Es ist auch ein wirklich guter Weg, sich zu vernetzen. Mit Chefredakteur*innen zusammenzuarbeiten, die möglicherweise große Namen in deinem Fachgebiet sind, kann an sich wertvoll sein, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es kann ein wirklicher guter Weg sein, sich stärker in der eigenen wissenschaftlichen Community zu integrieren.

CB: Dom, vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns geteilt hast heute. Ich habe viel gelernt.

DF: Danke für die Einladung. Es hat echt Spaß gemacht.

CB: Irgendein letztes Wort?

DF: Publiziert Open Access! Wissen muss frei sein.
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