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        <description>Beiträge nach Tag: Repositorium</description>
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<item><title>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity</title><link>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</link><comments>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity#comments</comments><pubDate>Wed, 02 Apr 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Repositorium</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Karin Langenkamp</dc:creator><dc:creator>Kai Lohsträter</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Robina Mohammad</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Christian Woll</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</guid><description>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity
Fachrepositorien sind ein fester Bestandteil der Open-Access-Infrastruktur. Vor welchen Herausforderungen stehen sie aktuell? Dies erörterten Fachrepositorienbetreiber*innen auf den letzten Open-Access-Tagen in einem Workshop. Impulse kamen aus dem Projekt Pro OAR DE und der Allianz-Studie “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”

Der Workshop „Fachliche Repositorien zwischen technisch-organisatorischer Professionalisierung und Vernetzung mit ihren Forschungscommunities“ wurde auf Initiative von Teilnehmenden der digitalen Fokusgruppe „Fachrepositorien“, die sich im Mai 2022 konstituierte, konzipiert. Bei den etwa alle zwei Monate stattfindenden virtuellen Treffen kommen Betreiber*innen von Fachrepositorien zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Vorhaben zu planen. Bei einem dieser Treffen entstand nach dem Call for Paper zu den Open Access Tagen 2024 die Idee, einen Workshop einzureichen. Dieser sollte auf der Grundlage von Erkenntnissen aus neueren Studien wie dem COAR Repository Survey (Shearer et al., 2023) und der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024) einen Gesprächs- und Diskussionsraum für den Austausch zu Best Practices für die Weiterentwicklung von fachlichen (und institutionellen) Repositorien schaffen. Zu diesem Zweck sollten mehrere thematische Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Themenpalette reichte von der „Vernetzung mit der disziplinären Forschungscommunity“ über „Hosting und Software“ sowie „Governancefragen“ bis hin zu „Metadaten und Workflows“. Die Auswahl der Themen für die Arbeit in verteilten Arbeitsgruppen erfolgte zu Beginn des Workshops durch die insgesamt 16 Teilnehmenden selbst. Per Mentimeter-Abstimmung wurden die drei beliebtesten Themen ermittelt und im Anschluss daran Kleinarbeitsgruppen gebildet, die jeweils von zwei Moderator*innen begleitet wurden. Methodisch-didaktisch wurden Pinnwände und Moderationskarten genutzt, die thematisch geclustert und per Fotodokumentation gesichert wurden. Die wichtigsten Ergebnisse aus den drei Arbeitsgruppen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Zu Beginn werden zentrale Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „PRO OAR DE inkl. COAR Repository Survey“ (Marcel Wrzesinski) und der „Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen“ (Olaf Siegert) dargestellt.
Fachliche Open-Access-Repositorien. Impuls aus dem Projekt‚ Pro OAR DE
Marcel Wrzesinski stellte zu Beginn seines Vortrags das Projekt „Professionalisierung der Open-Access-Repositorien-Infrastruktur in Deutschland (Pro OAR DE)“ am Lehrstuhl Information Management des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU Berlin vor. Das Projekt hat den Anspruch, Repositorien kollaborativ zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen einer Interview-Studie und einer Systematic Scoping Review werden zentrale Herausforderungen für Repositorien in Deutschland identifiziert. In den anschließenden Vernetzungsforen und durch praxisnahe Handreichungen soll den Herausforderungen begegnet werden. Die ersten Projektergebnisse hierzu werden derzeit veröffentlicht.
Um die gegenwärtigen Herausforderungen und Weiterentwicklungschancen für Repositorien zu verstehen, ist die Studie „     Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe“ (     Shearer et al., 2023) von großer Bedeutung. Im Vortrag wurde auf die Rahmenbedingungen der Studie eingegangen. Als zentrale Herausforderungen wurden benannt:
●	Nachhaltiges Betreiben einer aktuellen, bedarfsgerechten und funktionalen Softwareplattform für Repositorien
●	Anwendung von konsistenten und umfassenden „Good Practice“ für Metadaten, Archivierung und Nutzungsstatistiken
●	Sichtbarkeit für Repositorien und deren Services innerhalb des wissenschaftlichen Ökosystems
An diesen Herausforderungen zeigt sich, dass die weitere Professionalisierung und Entwicklung von Repositorien eine komplexe Gemengelage darstellen. Daran anschließend benannte Marcel Wrzesinski drei zentrale Aktionsfelder, um die Transformation von Repositorien hin zu innovativen Informationsinfrastrukturen mit breitem Aufgabenspektrum zu begleiten:
●	Kommunikation: Mehrwerte und Relevanz von Repositorien transdisziplinär hervorheben
●	Aufbauarbeit: Identifikation und Verbreitung von Better Practices für die Repositorienarbeit
●	Vernetzung: Aufbau und Weiterentwicklung von Netzwerken zum Austausch und zur Qualitätssteigerung
Die Allianz-Studie „Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”
 
Der Vortrag von Olaf Siegert beschäftigte sich mit der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024), die im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil der Open-Access-Strategie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und unternimmt erstmals eine Kartierung von Open-Access-Diensten und -infrastrukturen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Deutschland. Wichtiger Teil der untersuchten Dienste waren dabei auch fachliche Repositorien. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
●	Die OA-Infrastrukturlandschaft ist sehr vielfältig und dezentral.
●	Die meisten Dienste werden nur mit wenigen Personen betreut und haben ein Gesamtbudget pro Jahr von deutlich unter 500.000 Euro.
●	Die Betreuung und Finanzierung der Dienste erfolgt meist komplett über die Hosting-Einrichtung.
●	Das Nutzungsverhalten ist je nach Fach sehr unterschiedlich, nationale nicht-kommerzielle Dienste gibt es v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
●	Forschende haben oftmals zu wenig Überblick über die für sie relevanten Services bzw. bevorzugen reputationsfördernden Infrastrukturen.
●	Die Budgets der Infrastrukturen reichen in der Regel nur für den Basisbetrieb, nicht aber für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
 
Die Allianz empfiehlt vor diesem Hintergrund:
●	Infrastrukturen müssen hochprofessionell betrieben und genutzt werden können. Die nötige Finanzierung sollte nicht nur den Basisbetrieb aufrechterhalten, sondern auch Investitionen ermöglichen.
●	Dazu ist eine dauerhafte Finanzierung abseits der Hosting-Einrichtung notwendig – etwa in Form von Ko-Finanzierungs- oder Mitgliedschaftsmodellen (vgl. arXiv oder SCOSS). Die aktuelle Entwicklung von Bibliotheken hin zu Informationsbudgets erleichtert ihnen die Unterstützung solcher Ko-Finanzierungsmodelle.
●	Die Infrastrukturen müssen ihre Marketinganstrengungen deutlich ausbauen und sich stärker mit den Forschenden vernetzen. Dazu bedarf es disziplinspezifischer Ansätze.
●	Flankierend ist in vielen Fächern eine Änderung der Bewertungspraxis von Publikationen notwendig (vgl. DORA / CoARA).

Berichte der Arbeitsergebnisse aus dem Workshop

In der Arbeitsgruppe „Metadaten und Nutzer*innenzentrierte Workflows“ kristallisierten sich die Themenkomplexe Plattform und Persistent Identifier (PID) als wesentliche Diskussionspunkte heraus. Andere workflow-relevante Themenbereiche wie Erschließung, Automatisierung oder Dublettenkontrolle wurden zwar behandelt, spielten aber gegenüber den anderen eine untergeordnete Rolle. Bei den Plattformen wurden insbesondere veraltete Software sowie die Gestaltung der Interoperabilität als Herausforderung wahrgenommen. Als intensivster Diskussionspunkt erwiesen sich die PIDs, die v.a. im Kontext der Vernetzung und Semantisierung genutzt werden. Allen voran nahm ORCID eine zentrale Position ein, zugleich wurde aber dessen teilweise zu geringe Verbreitung als Problem identifiziert.

In der Arbeitsgruppe zu „Hosting-, Software- und Technikfragen“ bestätigte sich ein Kernergebnis der Allianz-Studie, nämlich die Heterogenität der Open-Access-Infrastrukturlandschaft, auf der u. a. auch die Fachrepositorien in Deutschland basieren. Neben DSpace als der wahrscheinlich verbreitetsten Software mit internationaler Entwickler- und Anwendercommunity sowie kommerziellen Support-Anbietern berichteten die Teilnehmenden vom Betrieb von Fedora Repository sowie den deutschen Entwicklungen OPUS, MyCore und Kitodo.Publication bzw. Kitodo.Presentation (mittels TYPO3). Unterstrichen wurde das Bild der Vielfältigkeit in den Berichten dadurch, dass die Systeme teilweise stark an die individuellen Bedarfe angepasst wurden/werden und für unterschiedliche Anwendungszwecke genutzt werden, also neben dem Betrieb von Fachrepositorien z. B. auch für institutionelle oder Sammlungsrepositorien (Multi-Mandantenbetrieb).
Im Gespräch stellte sich gleichwohl bei allen infrastrukturellen Divergenzen heraus, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Systeme arbeiten. Als zentrale Aspekte kamen hierbei zum einen die Interoperabilität zum besseren Daten-Im- und -export (Schnittstellen, PIDs, Open Source), zum anderen die Standardisierung zur einfacheren Umsetzung von Neuerungen bzw. zur Reduzierung des technischen Pflegeaufwandes zur Sprache.
Hintergründe dessen sind Ähnlichkeiten auch bei den Herausforderungen. Neben den kürzer werdenden Support-Zeiträumen (z. B. PHP, TYPO3) und Schwierigkeiten bei Updates durch System-Individualisierungen (‚verwilderter‘ Code) gibt es allenthalben strukturell-organisatorische Problemstellen: komplizierte Rekrutierung von Fachpersonal, generell geringe Personalressourcen, Unter- und/oder zeitlich befristete Finanzierung. Das erschwert die übergreifend als dringend angesehene Neuausrichtung der Infrastruktur – die Weiterentwicklung im Sinne der Next Generation Repositories-Initiative von COAR und mit Blick auf die rasante Entfaltung der KI-Technologien.

Die „Vernetzung mit der Fachcommunity“ des jeweiligen Fachrepositoriums stellt sich unterschiedlich dar – es bestehen langjährige, meist etablierte Fachrepositorien sowie neu gegründete, die sich in der Community, aber auch an ihrer Hosting-Institution, ihre Position und ihr Renommee erst erarbeiten müssen. Durch die karrierebedingten Wechsel an den Wissenschaftseinrichtungen empfinden einige Betreiber*innen die Kommunikation der Dienstleistungen und Workflows als Marathon bzw. Sisyphusarbeit. Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe lag daher nicht auf der Beschreibung des IST-Zustandes, sondern auf dem SOLL und den Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Es wurde diskutiert, welche Beratungsleistungen erbracht und welche Open-Access-Infrastrukturen den Communities bekannt sein sollten. Dabei sollte beachtet werden, welche Kommunikationskanäle zu welchem Zweck genutzt werden könnten: fach-, einrichtungs- oder personenfokussierte Kanäle? Ein Fazit: Bei der personenfokussierten Kommunikation muss beachtet werden, auf welcher Karrierestufe die Forschenden stehen und welche (Un-)Kenntnisse diese über Open Access besitzen. Als wichtigste Voraussetzungen wurden gesehen, die Kommunikation in die Gesamtdiskussion um die Digitalisierung der Forschung einzubetten sowie sich bei der Community für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.

Fazit zum Workshop 
Das Workshop-Team der Fokusgruppe Fachrepositorien zieht ein sehr positives Fazit. Der fachliche Austausch in den drei Arbeitsgruppen war sehr lebendig und fruchtbar. Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtung, Größe und institutionellen Anbindung der Repositorien konnten viele Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Zudem bestätigten sich die in der Allianz-Studie festgestellten Ergebnisse auch als die zentralen Herausforderungen, die in den Kleingruppen thematisiert wurden. 
Darüber hinaus konnten im Workshop sicherlich einige neue Kontakte geknüpft werden, die idealerweise dabei helfen, die anstehenden kleineren und größeren Herausforderungen der Zukunft durch einen noch stärkeren Austausch, gegenseitige Unterstützung und vielleicht sogar gemeinsame Projekte besser bewältigen zu können.

Literatur
●	Shearer, K., Nakano Koga, S. M., Rodrigues, E., Manola, N., Pronk, M., &amp; Proudman, V. (2023). Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10255559
●	Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2024). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
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<item><title>DeepGreen und Diamond</title><link>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</link><comments>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond#comments</comments><pubDate>Tue, 14 Jan 2025 15:42:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Repositorium</category><dc:creator>Julia Boltze-Fütterer</dc:creator><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Tomasz Stompor</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</guid><description>Auf den Open-Access-Tagen 2024 in Köln war das Projekt DeepGreen mit einem Poster vertreten. DeepGreen ist ein automatisierter Lieferservice für Open-Access-Artikel. Basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen verteilt DeepGreen Verlagsinhalte an institutionelle und fachliche Repositorien. Für diesen Beitrag sprachen die beiden Präsentierenden, Julia Boltze-Fütterer und Tomasz Stompor, mit Sarah Dellmann über die Fragen, die sie mit dem Poster an die Tagungsbesucher*innen diskutieren wollten, sowie über die Gespräche, die im Rahmen der Postersession entstanden sind.

Sarah Dellmann: Liebe Julia Boltze-Fütterer, lieber Tomasz Stompor. Ihr habt in der Postersession auf den Open-Access-Tagen in Köln die Anwesenden gefragt, was Bedarfe sind, die sich aus den derzeit viel diskutierten Entwicklungen rund um Diamond Open Access ableiten. Los ging es mit einer Frage: Ist der Begriff Diamond Open Access klar genug definiert? Den Klebemarken zu urteilen, die beim Poster hinterlassen sind, scheinen die meisten den Begriff nicht klar definiert zu sehen.

Tomasz Stompor: Das erste Feld fokussiert die Frage, inwieweit die Definition von Diamond Open Access schlüssig ist und ob es sich bei dem Begriff nicht eventuell um einen Kategorienfehler handle. Rückmeldungen waren vor allem, dass die Kategorie „Diamond Open Access“ Finanzierungsbedingungen beschreibt - im Unterschied zu den beiden in der Bibliothekswelt etablierten Kategorien „Gold Open Access“ und „Grünes Open Access“, die Zugangsmodalitäten beschreiben. Interessant für uns war auch, dass erst die Frage, ob der Begriff unklar sei, viele zum Denken gebracht hat, die den Begriff bis dahin unhinterfragt verwendet haben. Die Problematisierung, die wir ja auch in der Frage formuliert hatten („Ist Diamond Open Access ein Kategorienfehler?“), fanden aber viele einleuchtend.

SD: Die Frage nach dem, was Diamond Open Access beschreibt, was darunterfällt und was nicht, wird unter Infrastrukturmitarbeitenden und Forschungsförderern lebhaft geführt. Warum ist die Definition für Euch als Dienstanbietende wichtig?

TS: Wenn Diamond Open Access nicht bloß ein Zugangsregime beschreibt, sondern ein Geschäftsmodell, dann gibt es die Komplexität existierender Geschäftsmodelle nicht wider. Das Problem ist, dass es sehr viele Grenzfälle und Ausnahmen gibt, bei denen derzeit gängige Definitionen von Diamond Open Access nicht greifen z.B. bei den Zeitschriften der American Chemical Society (ACS) oder bei der Zeitschrift Amerikastudien der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA).1 In der Keynote von Niels Taubert auf den Open-Access-Tagen 2024 werden Begriffe wie „wissenschaftsgeleitet“ und „scholarly-owned“ als „affektgeladen“ beschrieben. Es sind Begriffe, die eher den Frust gegenüber gewinnorientiert arbeitenden Großverlage oder einen Wunschtraum ausdrücken, aber keine operationalisierbaren Konzepte sind, an denen sich etwas kategorisieren oder messen ließe. Und das macht es für die Weiterentwicklung unseres Dienstes natürlich schwierig.
Foto: Projekt DeepGreen

SD: Ist die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffs für eure Arbeit hinderlich?

JBF: Ja und nein. Noch sind wir nicht so weit, das Verfahren zur Integration von Diamond-Open-Access-Inhalten in DeepGreen zu operationalisieren. Wir befinden uns, was die Erweiterung um Diamond angeht, noch in der Recherche- und Konzeptionsphase. Als DeepGreen nehmen wir die Diskussionen um Diamond Open Access und den Wunsch aus Bibliotheken, Aktivitäten in diesem Feld auszubauen, natürlich wahr und fragen uns, was diese Entwicklung für einen Service wie DeepGreen bedeuten könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Antwort noch offen. Klar ist aber, dass wir uns im Laufe des Prozesses darauf einigen müssen, was alles in die Kategorie fällt – und was nicht.

SD: Wie seid ihr vorgegangen?

JBF: Wir haben erstmal den Bedarf ermittelt: Auf der BiblioCON 2024 haben wir unsere teilnehmenden Repositorien gefragt, ob sie einen Service zur Lieferung von Diamond-Open-Access-Artikeln begrüßen würden. Die Rückmeldung war positiv. Die Voraussetzung für die Verarbeitung durch DeepGreen wäre aber, dass die Daten in einem guten Format vorliegen. Das tun sie bislang leider oftmals nicht. Ob sich das für die Diamond Open Access Journals, die mit Open Journal Systems betrieben werden, über ein OJS-Plugin, das an einen Aggregator liefert und ein Mapping vornimmt, lösen lässt, müssen wir noch weiterdenken.

TS: Wir wollten daher wissen, ob dieser Wunsch nach Bündelung von unseren Nutzenden überhaupt geteilt wird. Die meisten Gesprächspartner*innen stimmten dem Wunsch nach einer stärkeren Bündelung und Standardisierung zu und hoben hervor, dass dies eine qualitätssichernde Funktion hätte.

SD: Nun sind auf den Open-Access-Tagen ja vor allem Bibliotheksmitarbeitende anwesend. Wir haben aber auch erlebt, dass Standardisierung von Herausgebenden in Zeitschriften von kleinen Fächern oft als Bedrohung wahrgenommen wird. Es ist nicht immer leicht, zu vermitteln, dass technische Standardisierung ein Qualitätsmerkmal ist und dass dies etwas anders bedeutet als den Verlust von Formatvielfalt oder gar der Standardisierung von Inhalten.

TS: Genau. Das bringt uns zur zweiten Frage des Posters, in der wir nach der Indexierung von Diamond Journals und deren Langzeitverfügbarkeit gefragt haben. Die Frage, die wir hier aufgeworfen haben, betrifft die diverse Landschaft der Diamond Journals und ob sich durch Bündelung und Standardisierung deren Sichtbarkeit erhöhen ließe oder ob solche Maßnahmen nicht die Vielfalt einschränken.

SD: Welche Fragen stellt ihr euch in dem Prozess?

JBF: Eine große Herausforderung ist, dass Diamond-Open-Access-Zeitschriften oft klein sind. DeepGreen hingegen ist ein Service, der Masse liefert. Diese kritische Masse braucht es. Diese Erfahrung haben die Kolleg*innen des Schweizerischen Projektes GOAL gemacht: Aufwand und Ergebnis lohnten sich in diesem Projekt nicht, da die Masse zu gering für eine Automatisierung war. Wir brauchen also eine Bündelung, um DeepGreen mit Diamond-Inhalten wirtschaftlich bestücken zu können. Wir hatten dann die Idee eines Diamond-Open-Access-Aggregators und haben auf dem Poster deswegen nach dem Nutzen eines solchen gefragt. Aggregation erfordert jedoch Bündelung und Standardisierung.

TS: … und die ist unter Diamond-Open-Access-Zeitschriften nicht besonders ausgeprägt, wie die Open Access Diamond Journals Study (Bosman et al., 2021) zeigt. Zeitschriften, die solche Qualitätskriterien nicht erfüllen würden, würden natürlich trotzdem weiter bestehen, aber sie würden eventuell nicht aggregiert werden. Klare Kriterien für Qualitätssicherung sind deshalb wichtig.

SD: Wie stellt ihr euch eine Aggregation vor?

TS: Das ist die große Frage. Klar ist, dass nicht jede Zeitschrift einzeln irgendwohin abliefern soll, das wird nicht funktionieren. Wir denken gerade über ein OJS-Plugin nach, das Metadaten an eine zentrale Infrastruktur, eine Registry, abliefert, wie sie z.B. gerade im Projekt CRAFT-OA entwickelt wird. Ein anderer Startpunkt ist die Diamond Liste von Open-Access-Zeitschriften, die in Deutschland gehostet werden (Bruns et al., 2022). Wären die 345 Diamond Open Access Journals dieser Liste relevant für die DeepGreen-Teilnehmenden? Diese Frage wurde mit großer Übereinstimmung bejaht.

SD: Welche Herausforderungen und Desiderate gibt es, welche Aufgaben müssten gegebenenfalls von anderen erledigt werden?

TS: Ein weiterer Umstand, der augenfällig ist, den wir als DeepGreen aber nicht lösen können, ist der geäußerte Bedarf von Herausgebenden von kleinen und verlagsunabhängigen Zeitschriften nach technischer Unterstützung. Beratung allein ist nicht ausreichend, es bedarf hier wirklich auch Unterstützung bei der Umsetzung technischer, bibliothekarischer und verlegerischer Standards. Mehrere Kolleg*innen, die in FIDs tätig sind, berichten uns von „inhaltlich relevanten Zeitschriften, die aber technisch schlecht aufgesetzt sind“. Das ist schade und stellt eine Servicelücke dar. Ein von Bibliotheken organisierter Journalservice wäre hier eine Abhilfe.

JBF: Begonnen hat DeepGreen mit einem Fokus auf grüne Open-Access-Inhalte, aber DeepGreen ist abhängig von der Lizenzlandschaft, und die ist im Wandel. Generell gesehen nehmen z.B. Allianzlizenzen und Nationallizenzen – also klassische Zweitveröffentlichungen und „grüne“ Inhalte – an Umfang ab, während Transformationsverträge – also Erstveröffentlichung oder „goldene“ Inhalte – zunehmen. Insofern ist die Diamond-Entwicklung eine Chance für uns, uns an neue Bedarfe anzupassen, um einen Service zu liefern, der für unsere Nutzenden hilfreich ist – und es unter neuen Bedingungen auch bleibt.

1 Bei der ACS handelt es sich um eine Fachgesellschaft, die jedoch auch Journals im closed access anbietet. Die Zeitschrift DGfA ist ebenfalls eine Fachgesellschaft, die ihre open access Zeitschrift Amerikastudien bei einem gewinnorientierten Verlag herausgibt.

Das Titelbild ist KI-generiert.</description><enclosure
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