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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access Transformation</description>
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<item><title>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</guid><description>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access
Ein Bericht über zwei Veranstaltungen von open-access.network am 10. und 11. Juni 2026
Karin Stork, Martina Benz, Wenxin Shangguan
Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.
Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor. 
Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung
Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.
Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 
Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 
Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 
Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 
Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 
Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA
Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective, Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.
Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.
Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.
Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt  Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur
Ball, C., Shaw, T., &amp; Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612 
Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., &amp; Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505. 
Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261.
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025</title><link>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Mar 2026 08:00:00 +0100</pubDate><category>Metadaten</category><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Bente Steinecke</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</guid><description>Im Juli und August 2025 fand eine Online-Befragung des SeDOA-Projektes zu den Bedarfen von Herausgebenden und weiteren Akteuren der Diamond-OA-Community statt. Die Auswertung zeigte, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht.

Bedarfe verstehen, zielgerichtet unterstützen
In den vergangenen Jahren ist Diamond Open Access (OA) zunehmend in den Fokus von Forschungsförderern auf europäischer und nationaler Ebene gerückt. Auch in Deutschland existieren vielfältige, häufig aus wissenschaftlichen Communities heraus betriebene Publikationsangebote, die für Autor*innen sowie für Lesende kostenfrei sind. Seit Mai 2025 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Ziel des Projekts ist es, die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit bestehender dezentraler Infrastrukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen und Innovationen zu fördern. Um Unterstützungsangebote bedarfsgerecht entwickeln zu können, wurde im Sommer 2025 eine umfassende Online-Befragung durchgeführt. Die Erhebung knüpfte an frühere Studien an und hatte das Ziel, Bedarfe, Herausforderungen und Erwartungen der deutschen Diamond-OA-Community systematisch zu erfassen.

Rahmen und Beteiligung
Die Befragung wurde im Rahmen des Arbeitspakets „Community Support Services“ von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft umgesetzt. Zwischen Juli und August 2025 war der Fragebogen online zugänglich. Insgesamt nahmen 239 Personen teil. Den größten Anteil bildeten Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken mit 34 Prozent, gefolgt von Forschenden mit 20 Prozent sowie Herausgebende von Periodika mit 18 Prozent. Weitere Teilnehmende kamen aus Universitätsverlagen, Fachinformationsdiensten, Fachgesellschaften oder ordneten sich der Kategorie „Sonstige“ zu. Damit spiegelt die Erhebung ein breites Spektrum der Akteur*innen wider, die im Bereich Diamond Open Access tätig sind.

Zentrale Ergebnisse der Bedarfserhebung im Überblick
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht. Besonders hervorgehoben wurden Fragen der Finanzierung und tragfähiger Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards beim Publizieren sowie die Indexierung in relevanten Datenbanken. Diese drei Themen stuften jeweils über 70 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch Aspekte wie der Wechsel des Publikationsanbieters, Unterstützung im Produktionsprozess, technische Fragen zu Softwarelösungen, Managementthemen, Austauschformate oder grundlegende Informationen zu Diamond Open Access wurden von rund der Hälfte der Teilnehmenden als relevant bewertet. 

Die offenen Antworten verdeutlichen die Komplexität der Bedarfe. Im Bereich Software und technische Infrastruktur wurde mehrfach der Wunsch nach tragfähigen organisatorischen und technischen Strukturen geäußert. Im Themenfeld Finanzierung wurde neben allgemeinen Geschäftsmodellen vor allem deren langfristige Nachhaltigkeit betont. Mehrere Befragte wünschten sich gezielte Förderprogramme für Diamond-OA-Initiativen sowie klare Lösungen zur Finanzierung redaktioneller Arbeit. In den ausführlichen Freitextantworten wurden die praktischen Herausforderungen deutlich, etwa die wiederkehrende Klärung von Finanzierungsfragen oder die aufwändige Ausschreibung von Dienstleistungen im öffentlichen Dienst. Zwischen den verschiedenen befragten Gruppen zeigen sich leichte Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen. Über alle Gruppen hinweg bleibt jedoch das Thema Finanzierung das zentrale Anliegen.

Ebenfalls ausgeprägt ist der Bedarf an rechtlicher Unterstützung. Insgesamt wird deutlich, dass ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf im Bereich des Urheber- und Vertragsrechts besteht. Die Community wünscht sich hier insbesondere praxisnahe und rechtssichere Orientierung.

In der Befragung wurden auch Wünsche hinsichtlich der Formate der Unterstützung erfragt. Hier liefern die Ergebnisse ein klares Bild. Bevorzugt werden kurze, kompakte Informationsangebote wie Info-Sheets oder kurze virtuelle Workshops von bis zu zwei Stunden. Längere Workshops oder umfangreiche Selbstlernkurse finden deutlich weniger Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten hält die Teilnahme an ein bis zwei Veranstaltungen pro Jahr für realistisch. Zeitliche und finanzielle Ressourcen werden häufig als begrenzend beschrieben, weshalb flexible, digitale und praxisnahe Formate besonders gefragt sind. Zudem besteht ein Wunsch nach nachnutzbaren Materialien, individueller Beratung und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.

Die Ergebnisse als Richtschnur für weitere Angebote
Insgesamt zeigt die hohe Beteiligung an der Befragung das große Interesse am Thema Diamond Open Access in Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es in nahezu allen Bereichen Unterstützungsbedarfe gibt, wobei Finanzierung, Qualitätsstandards und Indexierung besonders hervortreten. Gleichzeitig unterstreichen die Rückmeldungen die Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen, rechtssicherer Rahmenbedingungen und strategischer Einbettung in institutionelle Kontexte. Für das Projekt SeDOA bilden diese Erkenntnisse eine wichtige Grundlage, um künftige Angebote gezielt zu entwickeln und an den Bedürfnissen der Community auszurichten.

Die ausführlichen Ergebnisse sind auf Zenodo zu finden.
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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Informationsbudget als Leitungsaufgabe</title><link>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</link><comments>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe#comments</comments><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 08:40:00 +0100</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</guid><description>Informationsbudget als Leitungsaufgabe

Ein Workshop von Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network zur strategischen Steuerung der Open-Access-Transformation

Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Informationsbudgets an Wissenschaftseinrichtungen zu etablieren, luden Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network Leitungspersonen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein. Der Workshop zeigte, dass Informationsbudgets im Prozess der Open-Access-Transformation ein wesentliches Instrument der Kostenkontrolle sind und ihre Einführung eine strategische Leitungsaufgabe darstellt.

Unter dem Titel „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ fand am 22. September 2025 ein Online-Workshop für Leitungspersonen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen statt. Die geschlossene Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem BMFTR-geförderten Verbundprojekt open-access.network organisiert. Dies war der Abschluss der Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, die von den Projektpartnern Universitätsbibliothek Bielefeld und Helmholtz Open Science Office von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie ist der Stand der Entwicklung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Und wie können Hochschulleitungen Informationsbudgets als strategisches Instrument in der Open-Access-Transformation einsetzen?
Informationsbudgets – Steuerung, Transparenz, Verantwortung

Das Konzept des Informationsbudgets wurde 2022 vom Wissenschaftsrat als zukunftsweisendes Steuerungsinstrument ausgearbeitet und empfohlen. Es soll sämtliche Ausgaben für wissenschaftliche Publikationskosten wie Beschaffung, Förderung, Subskriptionen, Open-Access-Gebühren oder Lizenzkosten in einem transparenten Gesamtbudget zusammenführen. Am Ende soll eine institutionenweite Übersicht entstehen, in der Aufwände für die Publikations- und Informationsversorgung transparent aufgestellt werden, um eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen zu erhalten. Informationsbudgets ermöglichen mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung. Zugleich verändert sich der Blick auf wissenschaftliche Publikationen: Sie werden nicht länger als isolierter Kostenfaktor betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Hochschulentwicklung und Wissenschaftspolitik.
Leitungsaufgabe mit strategischer Dimension

Der Workshop machte deutlich, dass die Etablierung eines Informationsbudgets nicht nur eine Frage technischer und organisatorischer Umsetzbarkeit ist, sondern vor allem auf Leitungsebene entschieden werden muss, damit die gesamte Institution in die Prozesse eingebunden wird. Informationsbudgets sind eng mit strategischen Entscheidungen verknüpft, wie beispielsweise die Open-Access-Finanzierung, das Publikationskostenmanagement und die langfristige Ausrichtung digitaler Infrastruktur. Das erfordert ein gemeinsames Verständnis zwischen Präsidium, Verwaltung, Bibliothek und Wissenschaft über zentrale Fragen:

    Welche Ziele verfolgt die Einrichtung mit ihrer Publikationsstrategie?
    Wie sollen Ressourcen verteilt werden?
    Welche Governance-Strukturen sind notwendig, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen?

Gerade weil durch die Einführung von Informationsbudgets diese Aspekte sichtbar werden, sind sie mehr als ein Controlling-Instrument: Sie fördern den Dialog über wissenschaftliche Werte und Prioritäten.
Impuls aus der Forschung: Informationsbudgets als kulturprägendes Instrument

Den fachlichen Impuls zu Beginn des Workshops gab Prof. Dr. Gerard J. M. Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe „Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrats. Er ordnete das Konzept des Informationsbudgets in den größeren Kontext der Open-Access-Transformation und der wissenschaftlichen Informationsversorgung ein. Für Meijer sind Informationsbudgets nicht nur ein Werkzeug zur Kostensteuerung, sondern ein Instrument institutioneller Kulturentwicklung: „Ein Informationsbudget zwingt uns, uns mit der Frage zu befassen, wofür wir Geld in der Wissenschaft ausgeben – und welche Werte dahinterstehen“, so Meijer.

Er betonte, dass die Einführung solcher Budgets nur gelingen kann, wenn sie von der Leitung aktiv getragen und abteilungsübergreifend umgesetzt wird. Bibliothek, Forschungsmanagement und Finanzverwaltung müssen dazu enger zusammenarbeiten als bisher. Nur dann könne das Informationsbudget sein Potenzial entfalten: Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu klären und die Open-Access-Transformation strategisch zu steuern.
Praxisbericht aus Leipzig: Strukturen, Prozesse, Lernkurven

Anschließend berichtete Dr. Henriette Rösch, stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, von den Erfahrungen an ihrer Hochschule. Hier hat man in den vergangenen Jahren begonnen, ein Informationsbudget als internes Steuerungsinstrument aufzubauen, um sämtliche Kosten der Informationsversorgung zu erfassen und systematisch auszuwerten. Sie berichtete von folgenden Herausforderungen:

    Heterogene Finanzierungsstrukturen: Fakultätsmittel, Drittmittel und zentrale Mittel mussten zusammengeführt werden.
    Datentransparenz: Die Erfassung und Auswertung der Kosten erforderte neue Formen der Datenerhebung und -integration.
    Kommunikation und Verantwortung: Die Einführung eines Informationsbudgets bedeutete auch, Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen in einen kontinuierlichen Austausch zu bringen.

Henriette Rösch betonte, ein Informationsbudget sei nicht nur ein Controlling-Werkzeug, sondern auch ein Kommunikationsanlass – es schaffe Bewusstsein und eröffne Gespräche über Prioritäten und Verantwortung. Der Aufbau solcher Strukturen brauche zwar Zeit, sei aber ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, datenbasierten Steuerung von Publikationskosten und Open-Access-Ausgaben.
Praxisbericht aus Bielefeld: Datenbasiert steuern – digital und integriert

Im zweiten Praxisbeitrag sprachen Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur der Universität Bielefeld, und Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin, über die Bielefelder Ansätze und Erfahrungen. Hier wurde früh damit begonnen, Kosten für Subskriptionen, Publikationsgebühren und Open-Access-Fonds zusammenzuführen und digitale Systeme zur Erfassung und Analyse von Informationskosten zu entwickeln. Die beiden Projekte OpenAPC und openCost haben hilfreiche Vorarbeiten und nachnutzbare Ergebnisse gebracht. An der Universität Bielefeld ist das Informationsbudget in die Gesamtstrategie der Digitalisierung eingebettet und diene nicht nur der Kostentransparenz, sondern auch der Integration von Datenflüssen zwischen Bibliothek, Finanzverwaltung und Forschungsdatenmanagement. Ulrich Rückert stellte fest: „Ein Informationsbudget ist ein Teil der digitalen Infrastruktur einer Hochschule und verbindet Datenmanagement, Finanzen und wissenschaftliche Verantwortung.“ So wird es zu einem Instrument der Governance, das hilft, Entscheidungen faktenbasiert und wertorientiert zu treffen.
Moderation und Austausch auf Leitungsebene

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, moderierte den Workshop und führte durch die Diskussion. Unter seiner Moderation entstand ein intensiver Austausch zwischen den teilnehmenden Führungskräften über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren. Wichtig war, das Informationsbudget als strategisches Instrument zu nutzen, ohne operative Strukturen zu überfrachten. Dabei gehe es weniger um Detailsteuerung, sondern um Rahmensetzung, Prioritätensetzung und Kulturentwicklung.

Die Diskussion zeigte:

    Ein Informationsbudget stärkt das strategische Handeln von Hochschulleitungen, indem es Transparenz und Grundlagen für Entscheidungsprozesse schafft.
    Es unterstützt den Kulturwandel von der Kostenverteilung zur aktiven Ressourcensteuerung.
    Es erfordert institutionelle Zusammenarbeit und politisches Commitment in den Institutionen.

Die Etablierung eines Informationsbudgets ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung der wissenschaftlichen Informationsversorgung und ihr Erfolg ist eng mit der institutionellen Führungsverantwortung verbunden.
Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – eine Zwischenbilanz

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2022 haben zahlreiche Hochschulen begonnen, Informationsbudgets einzuführen oder erste Pilotprojekte umzusetzen.

Die Erfahrungen zeigen:

    Technische und organisatorische Hürden sind lösbar, wenn Leitung, Hochschulgremien, Bibliothek und Verwaltung gemeinsam vorgehen.
    Klar definierte Ziele und eine verbindliche Steuerungslogik, um diese zu erreichen, sind entscheidend.
    Informationsbudgets sind erfolgreich, wenn sie in die Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet sind.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg zu einem institutionell verankerten Informationsbudget ein schrittweiser Lernprozess ist – aber einer, der die wissenschaftliche Informationsversorgung auf eine neue, zukunftsfähige Grundlage stellen kann.
Abschluss der Workshopreihe – Auftakt für neue Diskurse

Mit der Veranstaltung „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ endete die Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, in der verschiedene Aspekte des Informationsbudgets beleuchtet wurden. Das Ende der Workshopreihe markiert zugleich den Beginn eines Austauschs auf Leitungsebene über institutionelle Zusammenarbeit, Wissenstransfer und strategisches Vorgehen. open-access.network und HRK planen, diese Diskussion fortzuführen und die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops zu dokumentieren und zu teilen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um das Konzept Informationsbudget weiter zu schärfen und bundesweit praktikable Modelle zu fördern.
Fazit

Informationsbudgets sind kein Selbstzweck – sie sind ein Schlüssel, um das Ziel der offenen Wissenschaft finanziell, organisatorisch und politisch zu verankern.
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<item><title>Stellungnahme des scholar-led.network zum Leopoldina-Papier zur Diamond-Open-Access-Finanzierung</title><link>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung#comments</comments><pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Michael Czolkoß-Hettwer</dc:creator><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</guid><description>Das scholar-led.network versteht sich als Interessenvertretung von Akteur*innen des wissenschaftsgeleiteten Publizierens im deutschsprachigen Raum. Es besteht aus Akteur*innen, die unterschiedliche Positionen im Publikationssystem einnehmen und die teilweise institutionell angebunden, teilweise frei affiliiert sind. Die Netzwerkmitglieder vertreten diverse disziplinäre und fachliche Zusammenhänge, wobei die Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften gegenwärtig unterrepräsentiert sind.

Diese Stellungnahme zum Diskussionspapier “Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (im Folgenden: Leopoldina) von 2025 möchte entsprechend die Perspektive eines Netzwerks des wissenschaftsgeleiteten Publizierens stark machen und ist in dieser Hinsicht parteiisch. Das Netzwerk versteht dabei wissenschaftsgeleitetes Publizieren vor allem als wertegeleitetes Publizieren: Kooperation, Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit, Bibliodiversität und grundsätzlich nicht-kommerzielle Modelle sind für das Netzwerk leitend (scholar-led.network 2022). 

In dieser Konsequenz geht diese Replik nur auf jene Punkte des Diskussionspapiers ein, die unmittelbar Interessen des Netzwerks berühren: Dazu gehören die finanziellen Rahmenbedingungen und angenommenen Kostenstrukturen, die vorgeschlagenen Auswahlmechanismen und Reputationsindikatoren sowie die konkrete Umsetzung des Förderanspruchs in den Verfahren der Antragstellung.
Nachhaltige Finanzierung von Diamond Open Access: Ein unterstützenswertes Ziel

Verschiedene wissenschaftspolitische Stimmen, etwa der Rat der Europäischen Union, cOAlition S und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, haben Diamond Open Access als wegweisenden Lösungsansatz für die Reorganisation des wissenschaftlichen Publizierens hervorgehoben. Auch im Bereich der wissenschaftsgeleiteten Publikationsinfrastrukturen hat sich mit Projekten wie DIAMAS, CRAFT-OA und jüngst mit der Einrichtung der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) viel getan. Nachhaltige Finanzierungskonzepte blieben jedoch eine Leerstelle, die vor allem jene Diamond-Open-Acess-Publikationen vor große Herausforderungen stellt, die nicht über eine direkte institutionelle Förderung verfügen (vgl. Taubert et al. 2024). Aktuelle Modelle für die Konsortialfinanzierung von Diamond Open Access setzen wichtige Impulse (z. B. KOALA, OLEcon), ermöglichen jedoch noch keine verlässliche und nachhaltige Finanzierung, die den mittelfristigen Planungshorizont von Ausgaben und redaktioneller Arbeit abdeckt (Ganz et al. 2024).

Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind aus unserer Sicht dringend erforderlich, auch um perspektivisch eine weitere Professionalisierung des wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu befördern. Dass die Leopoldina nun einen Verfahrensvorschlag für die direkte Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften vorgelegt hat, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Die Vorschläge sollten jedoch daraufhin hinterfragt werden, vor welchem fachlichen Hintergrund sie entwickelt wurden. Die Natur- und Lebenswissenschaften prägen unserer Lesart nach die von der Leopoldina vorgelegten Vorschläge und werden durch die Adressierung des Gesamtsystems im Vorschlag zugleich verallgemeinert. Und auch wenn die Wissenschaften umfassend und im Plural angesprochen sind, besteht unseres Erachtens die Gefahr einer Marginalisierung. Fach- und Publikationskulturen, die sich etwa hinsichtlich der Rolle von Fachgesellschaften, der wirtschaftlichen Bedeutung von Publikationen für diese Gesellschaften, der Quantität und Verteilung des Publikationsoutputs, epistemischer Differenzierungen innerhalb der Disziplinen und nicht zuletzt Ökonomien der Reputation anders organisieren, werden in diesen Vorschlag aus unserer Sicht nicht ausreichend einbezogen.

Angesichts steigender Publikationszahlen und Publikationskosten im globalen Publikationsmarkt, seiner zunehmenden Oligopolisierung sowie der Marginalisierung von Forschenden durch Geschäftsmodelle, die auf Publikationsgebühren basieren, halten wir das Leopoldina-Papier daher für unbedingt diskussionswürdig.
Was darf Open Access kosten?

Das Leopoldina-Papier positioniert eine dauerhafte öffentliche Finanzierung von Diamond Open Access als Alternative zu subskriptions- und APC-basierten Modellen. Um eine Transformation der bisherigen Finanzierungswege zu erreichen, werden im Papier einige interessante Eckpunkte vorgelegt. Grundprinzip ist die Förderung von wissenschaftlichen Publikationen (Texte und Daten) im Diamond Open Access durch öffentliche Mittel. Die Vergabe dieser Mittel soll, ähnlich wie bei der Forschungsförderung, in einem Antrags- und Begutachtungsverfahren erfolgen. Was sich auf den ersten Blick als sinnvolle Alternative zum jetzigen System darstellt, wirft im Detail Fragen auf.

Die Feststellung, dass die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen eine Daueraufgabe darstellt, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. Fragwürdig ist jedoch, ob eine Begutachtung, die in der Praxis durch einzelne Wissenschaftler*innen durchgeführt wird, dazu geeignet ist, diese Dauerhaftigkeit zu garantieren. Notwendig wären dafür zumindest klare Kriterien für wissenschaftliche Qualität und angemessene Kosten einer Zeitschrift. Zu beachten ist auch, dass durch ein solches Verfahren Erfordernisse an die Antragstellung, an den regelmäßigen Vergleich von Dienstleistungsangeboten und an das Reporting implementiert werden, die zusätzliche Ressourcen binden. Dieser Ansatz unterläuft die Idee der garantierten Dauerhaftigkeit und setzt Zeitschriften unter einen auf die Evaluation hin ausgerichteten Performanzdruck. Kosten und Ertrag eines solchen Antrags-Evaluationsmodells sind auch hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Implementierungskosten kritisch zu sehen. 

Aus unserer Sicht ist der wichtigste Aspekt des Leopoldina-Papiers zunächst, dass er eine strategische Diskussion darüber eröffnet, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Publizierens bedeutet und zwar differenziert nach notwendigen Kosten und weiteren Kostenpunkten, die gegebenenfalls auch eingespart werden könnten. Das Papier kritisiert zurecht, dass sich die Kosten im aktuellen APC-Modell in einem breiten Rahmen bewegen, der “nicht notwendigerweise die tatsächlichen Kosten widerspiegelt, sondern auch Ausdruck der Marktposition von besonders renommierten Zeitschriften ist” (S. 26). Die Leopoldina schlägt vor, die Kosten entlang von einzelnen Kostenbestandteilen transparent zu gestalten und so an den jeweiligen disziplinären Anforderungen zu orientieren (S. 33). Eine Kostenersparnis ergibt sich dadurch in erster Linie durch das Flipping besonders renommierter, von Fachgesellschaften herausgegebenen Zeitschriften, die bislang hohe APC verlangen.

Grundsätzlich schlägt das Leopoldina-Papier also ein Modell vor, das im Umfeld weniger großer Unternehmen wettbewerbsfähig sein will. Die Skalierung des Diamond-Open-Access-Modells wird aber Auswirkungen auf die Organisationsformen derjenigen Zeitschriften haben, die bereits heute durch das Engagement Gemeinwohl- oder zumindest Community-orientierter Wissenschaftler*innen herausgegeben werden und die in der Regel aktuell unterfinanziert sind. Die Idee, dass zunächst nur ausgewählte Zeitschriften an diesem neuen System teilhaben können, und mögliche Budget-Anpassungen anhand bestimmter Erfolgsfaktoren erfolgen (S. 22), führen eine im Vergleich zur aktuellen Situation des kommerziellen Publizierens nicht minder problematische, Community-interne Konkurrenzkonstellation ein. 

Letztlich ist fraglich, ob die im Papier postulierte Kostensenkung mit dem Fokus auf das Renommee der Zeitschriften tatsächlich erreicht werden kann. Auf dieser Annahme ein umfassendes Finanzierungsprogramm zu begründen, scheint risikoreich. Eine Diamond-Open-Access-Infrastruktur, in der sich Publizierende weniger im Wettbewerb befinden, sondern sich gemeinwohlorientiert wechselseitig unterstützen, kann in der Summe kosteneffektiver sein, als ein im Kern auf Anträge und Evaluation ausgelegtes Modell. Alternative Modelle der Finanzierung sollten deshalb unbedingt weiter ausdifferenziert und diskutiert werden.
Wann ist eine Zeitschrift relevant genug für die Finanzierung?

Das Leopoldina-Papier verweist zurecht auf die Reputationsökonomie und die ihr zugrunde liegenden Verzerrungen als ausschlaggebenden Faktor im Wissenschaftssystem. Die artikulierte Erwartung, dass zu Beginn vor allem “Betreiber von bereits etablierten Zeitschriften” die Förderung in Anspruch nehmen (S. 20), mit einer unmittelbar hierauf ausgerichteten, kompetitiven Begutachtung sowie verschiedene Verweise auf den Journal Impact Factor als “Maß für die Reputation” (S. 27, S. 33) werfen eine Reihe von Fragen auf. 

Grundsätzlich führt die Idee, dass sich ein Zeitschriftentitel hinsichtlich der Leistung als auch Relevanz qualifizieren muss, einen Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten in das wissenschaftliche Publizieren ein, der den Eigengesetzlichkeiten der Wissenschaft entgegensteht. Akzeptanz und Relevanzbeurteilung der Zeitschriften sollte nicht in zyklischen Evaluationen, sondern als Ergebnis wissenschaftskommunikativer Aushandlungsprozesse in den Communities selbst erfolgen. Wird der wissenschaftskommunikative Aushandlungsprozess übergangen, stellt sich die Frage, wie die Diversität von Publikationen und Wissenschaftscommunities über das gesamte wissenschaftliche Fächerspektrum hinweg gewahrt und gefördert werden kann. 

Aus den vorgegebenen Verfahren und Kriterien würde eine Konzentration von Mitteln auf einen spezifischen Ausschnitt wissenschaftlicher Zeitschriften resultieren, die in bestimmten Fächern besonders vertreten sind. 

In der jeweiligen Fachcommunity existieren bereits ausgehandelte Standards wissenschaftlicher Qualität, auf die zurückgegriffen werden kann. Gerade weil der Journal Impact Factor in vielen Communities nicht relevant ist und die Messung von Qualität sowohl von Zeitschriften als auch von Individuen durch den Journal Impact Faktor sehr kritisch beurteilt wird, sollte die geforderte Reform des Reputationssystems etwa durch DORA und CoARA stärker berücksichtigt werden (vgl. Allianz der Wissenschaftsorganisationen 2025).

Die Gefahr besteht, dass Diamond-Open-Access-Entwicklungen in anderen Disziplinen, die weniger einer Reputationsökonomie folgen oder dem hier adressierten, klassischen Zeitschriftentypus entsprechen, verlangsamt werden. Auch eine systematische Überführung des gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenkorpus in das Diamond-Open-Access-Modell ist auf diesem Weg nicht zu erwarten, sondern vielmehr eine Verfestigung bestehender Mechanismen. Dies hätte unter anderem zur Folge, dass in bestimmten Fächern und für bestimmte, schon erfolgreiche Publikationen mehr Mittel gebunden werden als in anderen. Der Hinweis im Papier, dass Reputationsaufbau Zeit benötige (S. 35), verdeutlicht diesen Widerspruch.

Es ist ein nachvollziehbares Argument, dass die Umstellung etablierter Publikationen in ein Diamond-Open-Access-Modell eine Signalwirkung haben kann. Eine tatsächliche Sogwirkung im Sinne eines “Durchsickerns” der Effekte auf das Gesamtsystem, einschließlich auf Publikationen, die weniger gut institutionell eingebunden oder beispielsweise in “Kleinen Fächern” bedeutsam sind, ist jedoch aus den oben genannten Gründen fraglich.
Die Rolle der Fachgesellschaften

In dem von der Leopoldina vorgeschlagenen Modell spielen die Fachgesellschaften eine zentrale Rolle. Sie sollen Finanzierungsanträge ebenso einreichen können wie öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieser Ansatz birgt enormes Potential, um das Publikationswesen stärker wissenschaftsgeleitet zu organisieren; auch aus unserer Sicht ist die aktive Einbindung der Fachcommunities eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Insbesondere größere Fachgesellschaften, die bereits eigene Periodika herausgeben und hauptamtliches Personal beschäftigen, könnten für derartige Anträge in Frage kommen. Offen bleibt, in welchem Ausmaß in diesen Organisationen die Bereitschaft vorhanden ist, diese Rolle einzunehmen; auch haben sie in vielen Fällen vermutlich nicht ausreichend Kapazitäten und Expertise, um Förderanträge ohne Hilfestellung auszuarbeiten. Diese Hilfestellung könnte von Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken oder Fachinformationsdiensten geleistet werden, was wiederum voraussetzt, dass an diesen Stellen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

Zugleich ist die Landschaft der Fachgesellschaften je nach Disziplin sehr heterogen. Viele (Teil-)Forschungsgebiete sind – wenn überhaupt – nur in sehr kleinen Fachgesellschaften vertreten, die rein ehrenamtlich aufgestellt sind. Oder diese Forschungsgebiete sind aufgrund ihrer dynamischen und interdisziplinären Natur überhaupt nicht in den Strukturen von Fachgesellschaften organisierbar. Vor diesem Hintergrund muss die Frage adressiert werden, wie kleine, wenig organisierte oder auch sich neu bildende Forschungsgebiete bzw. Fachcommunities mit nur wenig Ressourcen bei dem Betrieb von Zeitschriften unterstützt werden könnten, um das System inklusiv auszugestalten, auch im Sinne der Bibliodiversität. 

Zum eigentlichen Begutachtungsprozess für die Publikationsorgane muss die Frage adressiert werden, welche Instanz gemäß welcher Autorität die Auswahl der Begutachtenden vornehmen soll. Ferner birgt ein derart zentralisiertes Fördermodell das Risiko politisch motivierter Einflussnahme. Angesichts der dargestellten Hürden möchten wir die Frage aufwerfen, ob ein solch umfassendes Modell ausreichend skalieren kann, um, wie intendiert, in der Breite des Wissenschaftssystems wirken zu können.
Fazit

Eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, die an den tatsächlichen Bedarfen des Zeitschriftenmachens orientiert ist, sollte das gemeinsame Ziel des Wissenschaftssystems sein. Das Leopoldina-Papier liefert dazu gute Anstöße und Überlegungen. Unsere Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass das vorgeschlagene System durch den Fokus auf das Flipping von Zeitschriften mit hohem Journal Impact Factor eine Situation schaffen könnte, die insbesondere bestimmte Fachkulturen sowie Zeitschriften benachteiligt, die Ansätze von scholar-led-Publishing und Diamond Open Access verbinden. 

Wir begrüßen den Anstoß des Leopoldina-Papiers, das wissenschaftliche Publizieren als Daueraufgabe verstetigen zu wollen und unterstützen die Diskussion darüber, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Modells kosten darf. Aus Sicht des scholar-led.network wäre zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, dass ein breiterer Ansatz verfolgt wird, von dem nicht nur wenige Zeitschriften profitieren. Fraglich ist zudem, ob die Erwartungen, die hier insbesondere an Fachgesellschaften gerichtet werden, umsetzbar sind. Dass wir mittlerweile über konkrete Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access diskutieren, ist eine positive Entwicklung. Neben vielen anderen Akteur*innen sind auch die Mitglieder des scholar-led.network gern bereit, an dieser Diskussion teilzunehmen.


Literatur

    Allianz der Wissenschaftsorganisationen (2025). Die Weiterentwicklung von Bewertungsverfahren für Forschungsleistungen im Kontext von Open Science. https://doi.org/10.5281/zenodo.15818266
    Ganz, K., Finger, J., Schotten, S., Steiner, T., &amp; Wrzesinski, M. (2024). Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access. oa.blog. https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access 
    Scholar-led.network. (2022). The scholar-led.network-Manifesto. https://doi.org/10.5281/zenodo.7079936
    Taubert, N., Sterzik, L. &amp; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Journal Landscape. Minerva 62, 193–227. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7</description><enclosure
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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Ein kritischer Blick auf die Open-Access-Transformation. Die Veranstaltungsreihe Open Divide</title><link>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide#comments</comments><pubDate>Tue, 20 May 2025 11:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Ulrich Herb</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</guid><description>Open Divide, Critical Studies on Open Access1 lautete der Titel eines Sammelbandes, den Ulrich Herb (Universität Saarland) gemeinsam mit seinem Kollegen Joachim Schöpfel (Universität Lille) 2018 herausbrachte. Sieben Jahre später unternehmen die ehemaligen Herausgeber nun zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg) wieder eine kritische Bestandsaufnahme.

In der Veranstaltungsreihe Open Divide 2025/2026 werfen internationale Expert*innen einen kritischen Blick auf den Stand der Open-Access-Transformation und aktuelle Debatten um Open Science. Der oa.blog hat dem Veranstalter Ulrich Herb (UH) einige Fragen gestellt.

oa.blog: Herr Herb, wer sind die Organisierenden der Veranstaltungsreihe und was hat den Ausschlag gegeben, diese Veranstaltungsreihe zu organisieren?

UH: Joachim Schöpfel (Universität Lille) und ich (Universität Saarland) als Herausgeber des Sammelbandes 2018 zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg). Profan kam der Impuls auf, als Niels und ich uns bei einem Austausch in Saar-Lux-Lorraine trafen und darüber sprachen, dass ein Update sinnvoll wäre, da sich ja doch viel getan hat.
2018 glaubten viele - wir nicht - an Transformationsverträge, heute ist Diamond Open Access der Champion, während die Vormacht kommerzieller Akteure zementierter ist. Schattenbibliotheken haben angesichts dessen eine Bedeutung, die Bibliotheken herausfordern.

oa.blog: An wen richtet sich die Veranstaltungsreihe?

UH: Knapp gesagt, an alle, die sich dafür interessieren: Wissenschaftler*innen, die zu Scholarly Communication und Open Access forschen, aber auch Kolleg*innen, die Open Access Services betreiben, alle, die an einer kritischen Reflexion der Entwicklung von Open Access interessiert sind und nicht damit zufrieden sind, nur Policy Paper zu rezitieren.
Wie auch 2018 wollen wir kein geschlossenes Weltbild transportieren, sondern der Widersprüchlichkeit von Open Access versuchen gerecht zu werden. So wollen wir sowohl erkenntnistheoretische als auch wettbewerbswirtschaftliche Analysen erlauben, die sich sehr gern fundamental widersprechen dürfen.

oa.blog: Welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

UH: Ebenso wie 2018 beschäftigen uns die Rollen der Bibliotheken, die Frage, wie offen und transparent Open Access ist und welche Rolle der globale Süden in der Umsetzung von Open Access und Open Science spielt. Neu behandelt wird das Thema Nachhaltigkeit von Open Access, die finanzielle Verwertung wissenschaftlicher Publikationen, kommerzieller Wettbewerb versus Steuerung durch Infrastruktureinrichtungen, Skalierung von (Diamond) Open Access, die Rolle von Schattenbibliotheken und die Frage der Ausbeutung akademischen Arbeitens in der Wissenschaftskommunikation.

oa.blog: Gibt es wichtige Unterschiede zur Anthologie von 2018 und wenn ja, welche sind das?

UH: Aufgrund der Entwicklung und des Standes der Diskussion sind die Themen Diamond Open Access und die Rolle der kommerziellen Akteure im Open Access wichtiger geworden. Außerdem konnten wir zahlreiche neue Beitragende gewinnen: Nur drei Autor*innen von zwei Artikeln, die bereits 2018 dabei waren, sind diesmal erneut unter den Vortragenden.
Gleich ist, dass auch dieses Mal wieder ein Sammelband geplant ist, der 2026 im Diamond Open Access an der Universität Luxemburg erscheinen soll. Alle Vorträge werden aufgezeichnet und über das TIB-AV Portal publiziert.

oa.blog: Vielen Dank!

Die Veranstaltungsreihe Open Divide läuft bereits seit Ende April 2025 und wird bis März 2026 fortgesetzt. Das umfangreiche Programm und die Links zur Anmeldung finden Sie unter: opendivide.hypotheses.org/open-divide-2025-2026-speakers-and-topics.

Die nächste Veranstaltung findet am 28.05.2025 um 17 Uhr statt.
Vortragende sind Thomas Parisot (Directeur Général Adjoint Cairn.info, France) und Yann Mahé (Managing Director at MyScience Work, France).
Thema:Open Science and the Information Industry. French Debates and Insights (Registrierung)

Info: Das Interview führte für den oa.blog Martina Benz.

1 Die Beiträge des Bandes sind beinahe vollständig Open Access verfügbar.</description><enclosure
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<item><title>Diamond OA: BMBF-Projekte bringen faires und freies Open Access auf den Punkt</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt#comments</comments><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 15:26:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Evin Dalkilic</dc:creator><dc:creator>Mamta Dwivedi </dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Lena Marie Henkes</dc:creator><dc:creator>Simona Noreik</dc:creator><dc:creator>Jonas Scherr</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</guid><description>Diamond Open Access (DOA), also Publikationen ohne Gebühren für Leser*innen und Autor*innen (siehe Definition des DIAMAS-Konsortiums), sind entscheidend für den nachhaltigen und fairen Zugang zu wissenschaftlicher Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt diesem Umstand mit der „Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis“ Rechnung.

Am 24. Oktober 2024 haben sechs Projekte dieser Förderlinie anlässlich der Internationalen Open Access Week 2024 ein „Blitzlicht“ organisiert, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen und für die wichtigen Anliegen von Diamond Open Access weiter zu sensibilisieren. Mit dabei waren KOALA-AV, Diamond Thinking, OLEKonsort, edu_consort_oa, DiamOnd@HsH und ELADOAH, die mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen einen guten Einblick in die Vielfalt der Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland bieten konnten.

Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich für freien Zugang zum wissenschaftlichen Diskurs und Diamond Open Access interessieren, unabhängig von deren Kenntnisstand. Bewusst hatten sich die Projekte dem Anliegen der Internationalen Open Access Week 2024 angeschlossen: Unter dem Motto „Community over Commercialization“ haben die beteiligten Einrichtungen ein Zeichen für faires und freies Open Access gesetzt. Die jeweiligen Projektergebnisse stützen dieses Engagement inhaltlich.


KOALA-AV

Das Projekt KOALA-AV (Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, Technische Informationsbibliothek (TIB)) widmet sich der Etablierung qualitätsgesicherter APC-freier konsortialer Open-Access-Lösungen. Dafür wurden bisher 13 Zeitschriften und zwei Schriftenreihen fachlich gebündelt und von nationalen und internationalen Einrichtungen für jeweils drei Jahre gemeinschaftlich finanziert.

Das Projekt untersucht Motivation und Mehrwerte des KOALA-Modells sowie Herausforderungen bestehender Konsortien und Modelle. Erhebungsergebnisse unter Erwerbungsbibliothekar*innen ergeben, dass ein relevanter Beweggrund für eine Beteiligung die Umwidmung von Erwerbungsmitteln ist. Die strategische Motivation bei der Unterstützung von DOA wird als wichtigster Mehrwert gesehen. Als größter Hinderungsgrund für eine Teilnahme werden fehlende Publikationen von Forschenden der eigenen Einrichtung eingeschätzt. Hierfür entwickelt das Projekt Lösungsvorschläge und vernetzt die Community, etwa in Workshops. Derzeit optimiert das Projektteam die Workflows und baut das Modell mit nationalen und internationalen Partnern weiter aus. So gibt es beispielsweise seit 2024 eine KOALA-Konsortialstelle als Pilotprojekt an der SLUB Dresden.
ELADOAH

Im Verbundprojekt ELADOAH („Erwerbungslogik als Diamond-Open-Access-Hindernis: Aus-, Um- und Nebenwege“) werden bestehende und mögliche Modelle zur Finanzierung von DOA erhoben und diskutiert. Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft kann im Rahmen einer Interview- und Literaturstudie vorläufig bilanzieren, dass wissenschaftliches Publizieren stark im Wandel begriffen ist, wobei insbesondere Kooperation (statt Wettbewerb) und Gemeinwohlorientierung (statt Gewinnorientierung) an Bedeutung gewinnen. Wissenschaftliches Publizieren wird, so haben die Interviews gezeigt, stärker als ein ganzheitliches Modell verstanden, bei dem Risiken im Publizieren durch eine gemeinschaftliche Organisation und Finanzierung besser aufzufangen sind.

Der Verfassungsblog untersucht, ob und inwieweit das öffentliche Haushaltsrecht der Finanzierung von DOA-Publikationen insbesondere durch Hochschulen und ihre Bibliotheken entgegensteht. Vorab lässt sich hierzu sagen, dass bei Erwerbungsfragen meist aus dem Blick zu geraten scheint, welche Spielräume das Agieren im Kontext der Wissenschaftsfreiheit schaffen kann. Dass die Rechtsstellung wissenschaftlicher Bibliotheken rechtswissenschaftlich kaum Aufmerksamkeit erfährt, dürfte zu möglicherweise verengten Rollenverständnissen beitragen.
OLEKonsort

Das Projekt OLEKonsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften auf. Das Projekt ist ein Teil der Open Library Economics (OLEcon), einer Initiative der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Nach einer erfolgreichen ersten Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Dezember 2024 die Abfrage zur Mit-Finanzierung von vier DOA-Zeitschriften für 2025.

Der Austausch mit anderen Projekten im Bereich Diamond Open Access ebenso wie mit der Community der wissenschaftlichen Bibliotheken hat sich im Projekt als sehr fruchtbar erwiesen. Beim Aufbau einer Community von Mit-Finanzierenden (meist wissenschaftliche Bibliotheken) zeigt sich, dass neben Informationen zu Publikationszahlen der Zeitschriften für die Mit-Finanzierenden vor allem ein Austausch zum „Wie“ des Finanzierens von Open Access interessant ist. Die engagierten Herausgeber*innen der wissenschaftsgeführten DOA-Zeitschriften haben hingegen Bedarf am Austausch zu praktischen Fragen der Zeitschriftenpublikation. Im weiteren Projektverlauf liegt der Fokus auf dem Ausbau des Konsortiums über den DACH-Raum hinaus sowie auf der Stabilisierung der Konsortialteilnahme.
edu_consort_oa

Das Verbundprojekt Open Access-Konsortium Bildung für E-Books und Zeitschriften (edu_consort_oa) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Das zentrale Ziel ist es, eine tragfähige Infrastruktur zur verteilten Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften- und Open-Access-E-Book-Paketen durch die Beteiligung von Hochschulbibliotheken zu bilden und bedarfsgerecht im fachlichen Publikationsgefüge zu etablieren.

Dabei werden für diese beiden Publikationsformen konsortiale Subskriptionsverfahren entwickelt und in jährlichen Verfahren jeweils:
1) Ausschreibungen durchgeführt,
2) die Einreichungen formal durch die Projektbeteiligten und inhaltlich über ein fachliches Auswahlgremium geprüft und ausgewertet,
3) über Pledgings Hochschulbibliotheken finanziell beteiligt und abschließend
4) die Publikationen mit ihren Metadaten über das fachliche Repositorium peDOCS sowie der FIS Bildung Literaturdatenbank verbreitet und langzeitarchiviert.

Mit edu_consort_oa und dem FID konnten bisher drei Pakete mit insgesamt 59 OA-E-Books durch die jeweilige Beteiligung von über 50 Hochschulbibliotheken finanziert werden. Die Deadline zur Einreichung für eine weitere Runde an 20 OA-E-Books sowie erstmals auch für fünf DOA-Zeitschriften ist Ende Februar.
DiamOnd@HsH

Im Fokus des Projekts DiamOnd@HsH steht die Etablierung eines wissenschaftsgeleiteten, institutionell verankerten Diamond-Open-Access-Verlags, mit dem die bestehenden Publikationsinfrastrukturen an der Hochschule Hannover um ein professionalisiertes Angebot ergänzt werden sollen. Durch ein niedrigschwelliges Vor-Ort-Angebot sollen Forschende und Lehrende zum Publizieren motiviert und durch qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden. Bei fakultätsübergreifenden Gesprächen hat sich bestätigt, dass es nicht nur Fachkultur-, sondern auch HAW-spezifische Bedürfnisse und Anforderungen gibt, die bei der Konzeption des Dienstleistungsportfolios berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist eine früh im Prozess ansetzende Beratung und konstante Begleitung für die Wahrnehmung des hauseigenen Angebots essenziell. Nach sechs Monaten Laufzeit, in denen z. B. an der benötigten technischen Infrastruktur und Bewerbung des Vorhabens gearbeitet worden ist, stehen nun die ersten vier Publikationen im Verlag HsH Applied Academics an.
Diamond Thinking

Das Verbundprojekt Diamond Thinking (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Universitätsbibliothek Stuttgart) ist darauf ausgerichtet, an beiden Partneruniversitäten Infrastrukturen für DOA-Veröffentlichungen auf- und auszubauen: in Karlsruhe im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften, in Stuttgart für Buchpublikationen. Dies wird durch Maßnahmen der PR und der Nutzendenforschung begleitet. Denn Information, Kommunikation und das Erzeugen von Renommee sind zentral für den Erfolg von DOA-Strukturen. Nur wenn Wissenschaftler*innen von den neuen Angeboten wissen und diese ernst nehmen, kann ‚wissenschaftsgeleitetes Publizieren‘ gelingen. Gemeinsame Projekte der Bibliothek mit Wissenschaftler*innen können dabei helfen, dies zu leisten.

Die für das Projekt angedachte Teilfokussierung auf wissenschaftliche Fachgesellschaften hat sich indes fallweise als problematisch erwiesen, weil diese meist überregional, oft international ausgerichtet sind, sodass ein Standortbezug nur unzureichend gegeben ist. Auch deshalb erscheinen überregionale DOA-Strukturen, wie sie aus dem Projekt heraus im TU9-Zusammenhang ebenfalls verfolgt werden, als äußerst wünschenswert.
Abschluss und Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass der Austausch zwischen den Projekten, trotz teils unterschiedlicher Ausrichtung, sehr hilfreich für die erfolgreiche Projektarbeit ist. Die BMBF-geförderten Projekte können von den jeweiligen Erkenntnissen profitieren und die Zusammenarbeit kann Synergien schaffen.

Als aktuelle Schwerpunkte im Bereich DOA haben sich v. a. die folgenden drei Aspekte herauskristallisiert:

    Konsortiallösung
    Beratung
    und institutionelle Publikationsinfrastrukturen

– also Kontexte, die dezidiert von der Zusammenführung unterschiedlicher Perspektiven und Schwerpunkte sowie (interdisziplinärer) Zusammenarbeit leben. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Community-geleiteten Initiativen stellen angesichts begrenzter Kapazitäten zwar eine Herausforderung dar, sind gleichzeitig aber entscheidend, um DOA nachhaltig zu gestalten und drängende Fragen wie zum Beispiel die langfristige Finanzierung anzugehen. Das „Blitzlicht“ war Teil der Bemühungen, den Austausch in der Community und die gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Zudem ist deutlich geworden, dass DOA mehr ist als ein wissenschaftspolitisches „Modethema“: In den Projektvorstellungen sowie in den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung zeigt sich ein Bekenntnis für faires und freies Open Access sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems. Förderpolitisch lässt sich dies unterstreichen mit nationalen Initiativen wie der geplanten Einrichtung einer Servicestelle für Diamond Open Access durch die DFG, auf europäischer Ebene mit den Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Diamond Open Access des DIAMAS-Konsortiums; sowie auf globaler Ebene durch Diskussionen im Rahmen des Global Summit Diamond Open Access (2023 in Mexiko und 2024 in Südafrika).</description><enclosure
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<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
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<item><title>Open-Access-Tage 2024 an der TH Köln: Von dunklen Wolken, vermisstem Kaffee und ganz viel guter Laune</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune#comments</comments><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ursula Arning </dc:creator><dc:creator>Sarah Dudek </dc:creator><dc:creator>Agathe Gebert</dc:creator><dc:creator>Katja Halassy </dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</guid><description>Die Open-Access-Community war vom 10. – 12. September 2024 zu Gast in Köln, bei nicht ganz so schönem Wetter wie erhofft, aber die Regenschauer hielten sich in Grenzen, so dass niemand nass wurde … soweit bekannt.

Das Wetter sowie die gute Laune der Teilnehmer*innen an den Open-Access-Tagen (OAT) ist allerdings etwas, was man gar nicht (1. Fall) oder manchmal nur kaum (2. Fall) beeinflussen kann, sind wir doch weder in der Lage, die meteorologischen Einflüsse über Köln zu bestimmen, noch die individuellen Wünsche Einzelner zu erahnen.

Anders sieht es mit dem Tagungsprogramm, dem Tagungsort sowie dem Catering aus, so dass wir als Organisator*innen schon anderthalb Jahre vorher die Ärmel hochgekrempelt haben. Zunächst war da die Frage: Wer macht mit? Die war zum Glück schnell beantwortet. Zu den früheren Kooperationspartnern (die OAT fanden vor genau 10 Jahren schon einmal in Köln statt), dem Institut für Informationswissenschaft der TH Köln, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften sowie Gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, gesellten sich die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen ebenfalls dazu. Unterstützt wurden wir als regionaler Partner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Der Bewerbungsprozess

Als nächstes mussten wir uns bewerben, ein Prozess, den wir sehr ernst nahmen! Gewissenhaft haben wir die “Informationen für interessierte Ausrichter“ gelesen und zusammengestellt sowie ein kleines Filmchen über unsere Stadt und ihre Möglichkeiten gedreht. Die geforderte Raumkapazität für 300 Teilnehmende konnten wir mit dem Zubuchen der Aula an der TH Köln erreichen, also mussten frühzeitig die Daten der OAT 2024 in Köln festgelegt, als auch möglichst schnell die zum Veranstaltungszeitpunkt sehr begehrten Räume reserviert werden. Dass die 300 Teilnehmenden wohl zu knapp bemessen waren, zeigte sich bereits in Berlin, mit 450 Teilnehmenden bei den Open-Access-Tagen 2023. Da konnten wir aber schon nicht mehr nachjustieren, da die Universität zu Köln aufgrund von geplanten Baumaßnahmen keine größeren Räumlichkeiten verbindlich zur Verfügung stellen konnte und andere Räume an der TH Köln schon gebucht waren. Dennoch waren wir zunächst noch frohen Mutes… Berlin ist Berlin, aber würden sich auch alle nach Köln aufmachen wollen? Dass die Veranstaltung dann nach nur ein paar Tagen, quasi über das Wochenende, ausgebucht war, hat wohl alle überrascht und zeigt nur, wie hoch angesehen die Open-Access-Tage sind! Da galt es für uns nun dringend zu handeln und nach Streaming-Lösungen zu suchen.

Im Nachhinein sind viele mit dem aus der Not geborenen zusätzlichen Angebot überaus zufrieden, da die Vorträge aus zwei Veranstaltungsräumen im Live-Stream sowohl während der Tagung aus der Ferne miterlebt werden konnten, als auch jetzt im Nachgang über den YouTube Kanal von ZB MED sowie im AV Portal der TIB angesehen werden können.

Dann war da die Frage nach den Hotels. Noch während der Bewerbung wurde von den Heinzelmännchen unter uns abgefragt, ob es zu dem anvisierten Zeitraum eine Messe in Köln gab, die es unmöglich machen würde, dass alle Teilnehmenden ein Hotelzimmer zur Verfügung hätten. Die gleichzeitig stattfindende Personalermesse, von der wir erst erfuhren, als unsere Bewerbung bereits abgeschickt war und wir die Zusage zur Ausrichtung erhalten hatten, schien zunächst ein Problem, aber wir konnten durch die Reservierung von über 100 Hotelzimmern zumindest sicherstellen, dass ein großer Teil der Kolleg*innen eine Herberge finden konnte. Letztlich haben aber wohl nur Wenige von diesem Kontingent Gebrauch gemacht und sind auch so fündig geworden.
Das gewisse Etwas

Was aber tun, wenn es Anfang September heiß ist und alle lieber draußen sind, als in vollen Räumen den Sessions zu folgen? Das Lernzentrum der TH hatte mit der TransferBar die Lösung an der Hand: Ein ausklappbarer Anhänger, der im Außenbereich das Streaming aus den Sälen ermöglichte und bei schönem Wetter dazu einladen konnte, auch die Vernetzung untereinander nach draußen zu verlagern. So konnte gleichzeitig auch das Laufpublikum angesprochen und das Interesse bei den Kolleg*innen und Studierenden der TH Köln für Open Access gefördert werden. Als weiteres Angebot bot sich die Möglichkeit, dass Studierende im Rahmen eines Seminars im Vorfeld ihr Wissen zu Open Access durch die Gestaltung eines Spieles selber austesten und festigen konnten. Die „Open Access Challenge“ bot auch für diejenigen, die sich noch nicht so gut kannten, die Möglichkeit bei einem Kölschen Wasser (nein, nicht das Parfum, sondern eine Limo), spielerisch in den Pausen neue Kontakte zu knüpfen.

Dies war auch beim ersten Mittagessen durch die Reservierung von Tischen in der Mensa für die Newbies möglich, was dankbar angenommen wurde. Manch eine Person fragte nach, ob sie sich dazusetzen dürfe, auch wenn sie schon zwei oder drei Mal bei den OAT gewesen sei – das war natürlich möglich!

Auch die beiden Abendveranstaltungen, das Social Event an der Uni Köln und das traditionelle Dinner im Restaurant „Wagenhalle“ boten viel Raum für Austausch und zum Netzwerken. Für diejenigen, die sich kurzfristig gegen eine Teilnahme an den Events entschlossen hatten, gab es eine Tauschbörse, so dass umgekehrt niemand trotz des begrenzten Angebots enttäuscht und alleine im Hotel bleiben musste.
An Alle und Alles denken - Wohlfühlmomente

Die Tauschbörse erwies sich auch für die Workshops als unverzichtbar, die trotz der sehr reichen Auswahl auch diesmal nur allzu bald ausgebucht waren. Werbung mussten wir für die Open-Access-Tage definitiv nicht mehr machen. Aber alle Zuhause-Gebliebenen sollten auch neben dem Streaming bestmöglich über das Geschehen während der OAT 24 informiert werden. So waren alle wichtigen Informationen jeweils auf der Webseite zu finden und während der Konferenz wurde fleißig über Mastodon getrötet.

Das A und O einer Konferenz ist natürlich das Catering  - wenn hier alles stimmt, sind alle schon mal von Natur aus froh gestimmt. Das war uns bewusst. Bei der Frage, ob Fleisch oder nicht, ließen wir aus pragmatischen Gründen erst gar keine Grabenkämpfe zwischen uns aufkommen. Da wir verhindern wollten, dass die Fleischessenden unter uns den Vegetarier*innen die leckeren Happen wegessen, haben wir uns gleich unisono bei den Social Events für die Varianten „vegan“ und „vegetarisch“ entschieden. Ansonsten waren wir aus Brandschutzgründen an die Mensa und die von ihr angebotenen Kaffeetheken gebunden. Auch wenn Mensa-Essen oft verrufen ist: Unsere hat schon oft die Präsidiumsfeiern ausgerichtet, da waren wir schon mal auf der sicheren Seite. Warum der für alle so notwendige Kaffee aber vor der letzten Keynote abgeräumt wurde, obwohl dies definitiv anders abgemacht und zugesagt worden war, wird auch für uns ein nicht mehr zu lösendes Rätsel bleiben.
Fazit - Wo treffen wir uns 2026?

So lässt sich die oft wiederkehrende Frage, die wir während der Tagung hörten: „Läuft wirklich alles so perfekt, oder gibt es im Hintergrund Störungen?“, dann doch noch mit „Ja, es gab Störungen“ beantworten. Aber bis auf diesen Fauxpas des Caterings bleibt unser Fazit: Bei dieser Tagung hat sich gezeigt, dass alle Orga-Partner*innen super zusammengearbeitet haben. Allen war es gleichsam wichtig, dass alles funktioniert und sich alle bei uns in Kölle wohlfühlen. Ja, es ist viel Arbeit so eine Tagung zu organisieren, aber es macht auch einfach sehr viel Spaß und Freude am Ende in so viele gut gelaunte und dankbare Gesichter zu blicken! Wo treffen wir uns 2026? Vielleicht bei Ihnen?</description><enclosure
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<item><title>Neuer bundesweiter Open-Access-Preis „Enter-Award 2024“ erstmals bei einer Veranstaltung in Berlin verliehen</title><link>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</link><comments>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Sep 2024 10:56:05 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Dr. Anne Lammers</dc:creator><dc:creator>Henry Steinhau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neuer-bundesweiter-open-access-preis-enter-award-2024-erstmals-bei-einer-veranstaltung-in-berlin-verliehen</guid><description>Anfang Juli erhielten fünf Projekte den „Enter-Award“ bei einer feierlichen Verleihung im Berliner Holzmarkt für ihre Leistungen im Bereich Open Access. Hier wollen wir die Preisträger*innen noch einmal vorstellen und von den Highlights der Veranstaltung berichten.

Der Enter-Award – gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – würdigt herausragende Vorhaben im Bereich Open Access und wurde in diesem Jahr erstmals durchgeführt und vergeben. Die Preise gingen in fünf Kategorien an folgende Projekte:

Infrastruktur: „DeepGreen“

    DeepGreen ist ein automatisierter Lieferdienst für Zeitschriftenartikel, der Verlagsinhalte basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen an institutionelle und fachliche Repositorien verteilt, einschließlich Open Access-Publikationen, die auf grünem, goldenem und hybridem Weg veröffentlicht werden.

Kooperation: „Open Library Badge“

    Open Library Badge bietet Zertifikate für Bibliotheken, die sich für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen, und damit ein Anreizsystem für Bibliotheken. Zu den Zertifikaten gehört ein regelmäßig aktualisierter Kriterienkatalog, der Open-Access-Aktivitäten betont.

Kompetenzvermittlung: „LMU Open Science Center“

    Das LMU Open Science Center ist eine universitätsweite, von Forschenden geleitete Initiative an der LMU München, die Peer-to-Peer-Schulungen zu Open-Science-Praktiken anbietet und Communitys zur Etablierung offener Forschungsnormen unterstützt, während sie mit Stakeholdern zusammenarbeitet, um politische Reformen voranzutreiben.

Pionierleistung: „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS)“

    Das Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) wurde 1999 von Katja Mruck als internationales Open-Access-Journal für qualitative Forschung initiiert. Bisher erschienen 25 Bände und zirka 2.300 Peer-Review-Beiträge auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Nachwuchshoffnung: „JuWissBlog“

    Der JuWissBlog startete 2013 als Diskursplattform der Nachwuchswissenschaft im Öffentlichen Recht und veröffentlicht jährlich 70 bis 140 Blogbeiträge im Double-Blind-Peer-Review-Verfahren. Die Redaktion besteht aus Nachwuchswissenschaftler*innen des deutschsprachigen Raums, sie organisiert auch jährliche Tagungen und Blog-Workshops.

Die Preisverleihung des Enter-Awards am 03.07.2024 im Salöön / Holzmarkt, CC-BY-SA 4.0, Foto: Daniel Buss.

Ziel und Mission des bundesweit ausgerichteten Preises sei es, jene zu ehren, die Forschung frei zugänglich machen und somit zur Demokratisierung von Wissen beitragen, erklärte Moderatorin Yolanda Rother zu Beginn der Veranstaltung. Für Alexander Heußner, stellvertretender Referatsleiter im BMBF, werbe der Enter-Award für Offenheit und Freiheit in der Wissenschaft. In seiner Grußrede wies er auf die Vielfalt und das breite Spektrum an Open-Access-Projekten hin, die von der Jury in die engere Auswahl der Nominierten (Shortlist) aufgenommen wurden.

Zur siebenköpfigen Jury gehörten Prof. Dr. jur. Ellen Euler, Lambert Heller, Dr. Christina Riesenweber, Dr. Anne-Sophie Waag, Dr. Karin Werner, Prof. Dr. Leonhard Dobusch und Dr. Anja Oberländer. Fünf von ihnen waren bei der Preisverleihung dabei. Sie sprachen sich bei der Veranstaltung dafür aus, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Open Access zu vergrößern. Dafür sei die Wissenschaft weiter zu öffnen, sodass sich immer mehr Menschen beteiligten. Zudem gelte es, sich auch mit jenen auseinanderzusetzen, die Open Access kritisieren.

Zum Programm der stimmungsvollen Preisverleihung in der Berliner Veranstaltungs-Location Holzmarkt gehörte ein Bühnengespräch der Moderatorin Yolanda Rother mit Professor Heinz Pampel, der am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Informationsmanagement lehrt und forscht. Seiner Auffassung nach würden zwar Fortschritte zu noch mehr Open-Access-Publikationen erzielt, eine Umstellung von Closed zu Open habe vielerorts aber noch nicht stattgefunden, etwa bei zahlreichen Zeitschriften der großen Verlagskonzerne. Pampel erwähnte vielversprechende Open-Access-Entwicklungen im Ausland, wie die neue Open-Access-Strategie der Schweiz, die erheblichen Investitionen Japans in Open-Access-förderliche Infrastrukturen und die Verpflichtung aller Bundesbehörden in den USA, steuerfinanzierte Publikationen als Open Access zu veröffentlichen.

Weitere Fotos von den Preisträger*innen und der Veranstaltung gibt es im Pressebereich der Projektwebseite. Das Team vom Enter-Award fasst derzeit alle Learnings aus dieser ersten Preisverleihung zusammen und arbeitet an einer Verstetigung des Wettbewerbs. Über aktuelle Entwicklungen wird auf der Webseite des Enter-Awards sowie im Newsletter informiert.
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<item><title>Open Access Monitoring auf Landesebene</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene#comments</comments><pubDate>Mon, 15 Jul 2024 12:49:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maxi Kindling</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 27.05.24 auf dem Open Access Blog Berlin unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Am 14. März 2024 tauschten sich die drei Landesinitiativen openaccess.nrw, Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) und das Open-Access-Büro Berlin (OABB) über Open Access Monitoring auf Landesebene aus. Organisiert wurde der Austausch durch das Open-Access-Büro Berlin für das Projekt open-access.network. Der vorliegende Bericht fasst die Eckpunkte und wesentlichen Erkenntnisse dieser Veranstaltung zusammen.
Ziel eines Open Access Monitoring

Das Thema Monitoring hat einen hohen Stellenwert in der Beurteilung des Fortschritts bei der Open-Access-Transformation erlangt. Über den Abgleich von Daten im Zeitverlauf lässt sich teilweise ablesen, wie wirksam sich dieser Wandel in den Publikationskulturen auf der Ebene bestimmter Domänen (national, regional, lokal, fachspezifisch usw.) vollzieht.

Monitoring bezeichnet im vorliegenden Kontext die fortlaufende systematische Erfassung und Beschreibung der Entwicklung der Öffnung wissenschaftlicher Praktiken anhand bestimmter Parameter. Neben zahlenmäßigen Nachweisen werden auch qualitativ beschreibbare Maßnahmen erfasst.

Das Ziel des Monitorings besteht bei allen Landesinitiativen darin, Transparenz und Sichtbarkeit für diese Entwicklungen innerhalb eines Bundeslands herzustellen und eine informationsbasierte Entscheidungsfindung bei der Formulierung oder Aktualisierung strategischer Ziele und Maßnahmen zu unterstützen. Während ein Monitoring alle Prozesse dieser Art auf Landesebene erfassen könnte, beschränken sich bisherige Ansätze häufig auf das Publikationsaufkommen an Hochschulen.

Beim Monitoring offener Wissenschaft können verschiedene Indikatoren berücksichtigt werden, darunter das Volumen an Open-Access-Veröffentlichungen (z.B. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Bücher, Forschungsdaten), Publikationskosten (z.B. APCs/BPCs), die Zugänglichkeit verschiedener Publikationsformate (z.B. Lizenzierung von Publikationen) oder die Entwicklung und Auswirkungen von Transformationsverträgen. Das Monitoring kann von wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsförderung oder auch auf nationaler oder Landesebene durchgeführt werden, wobei verschiedene Datengrundlagen und Methoden zum Einsatz kommen können (siehe bspw. Bobrov et al. 2024).

Auf nationaler Ebene ist der Open Access Monitor ein wichtiges Instrument zur Erfassung u.a. des Open-Access-Publikationsaufkommens deutscher akademischer Einrichtungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Monitor erfasst und visualisiert das Publikationsaufkommen kategorisiert nach Diamond/Gold/Green/Hybrid Open Access und Closed Access sowie Analysen der Subskriptions- und Publikationsausgaben sowie Zitationen. Er basiert auf mehreren Datenquellen und ist das gängige Instrument, mit dem Einrichtungen die förderfähigen Publikationen für Anträge im DFG-Förderprogramm “Open-Access-Publikationskosten” erheben. Zukünftig sollen weitere Publikationstypen wie Open-Access-Bücher in den Monitor aufgenommen werden.

Die Vernetzungsstellen setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Monitoring-Ansätzen mit Bezug auf die Hochschulen des Landes. Im Folgenden werden die Parameter beschrieben, welche die drei Landesinitiativen beim Monitoring der Open-Access-Aktivitäten in ihrem Bundesland aktuell setzen.
Land Brandenburg

Die Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2019 formuliert, dass Hochschulbibliotheken in der Lage sein sollen, ihr Publikationsaufkommen darzustellen und die damit zusammenhängenden Kosten transparent abzubilden (Euler 2019, 16). Dazu wurde in Brandenburg eine Arbeitsgruppe mit mandatierten Vertreter*innen aus allen acht Hochschulbibliotheken von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Brandenburg (VuK) initiiert, die gemeinsam ein Monitoring-Konzept erarbeitet und einen Monitoring Bericht über die Berichtsjahre 2021 und 2022 erstellt hat.

Im Brandenburger Monitoring wurden verschiedene Datenquellen genutzt:

    Für die Ermittlung der Zahl der Hochschulangehörigen Daten: des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
    Für das Publikationsaufkommen: Daten aus dem Open Access Monitor
    Für die Ermittlung von Publikationskosten: Daten aus OpenAPC und der Deutschen Bibliotheksstatistik
    Für verschiedene Parameter wie Publikationszahlen und Publikationstypen auf den Repositorien der acht Einrichtungen: u.a. Daten von OPUS
    Daten zum Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes und
    Informationen zu Strategien und Services der Hochschulen: oa.atlas.

    Der oa.atlas umfasst zwei Komponenten: Informationen zu den Strategien und Services der wissenschaftlichen Institutionen können im oa.atlas über das Portal von open-access.network abgerufen werden. Informationen zu den Strategien und Maßnahmen in den Bundesländern und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bieten die Länderdossiers.

Die bei der VuK für das Monitoring federführend Verantwortliche Heike Stadler betonte im Austausch, dass es für das Monitoring-Konzept in Brandenburg wichtig sei, die Heterogenität der Einrichtungen und ihrer jeweiligen Voraussetzungen abzubilden. So kann das zahlenmäßige Publikationsaufkommen nicht unkommentiert nebeneinander gestellt werden. Dies ist insbesondere wichtig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

In Brandenburg haben sich die beteiligten Einrichtungen auf gemeinsame Prinzipien für das Monitoring geeinigt:

    Kompetenzstärkung
    Bibliodiversität
    Nachhaltigkeit des Verfahrens
    Vergleichbarkeit der Hochschulen
    Partizipation im Prozess
    Aggregation und Nachnutzung vorhandener Daten

Heike Stadler berichtete, wie dieses Verfahren zu einer noch besseren Vernetzung der Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg geführt hat. Der Monitoring-Prozess wird weiter fortgeführt, weitere Datenquellen können ergänzt werden und, wo sinnvoll, die quantitativen Darstellungen auch um ergänzende qualitative Beschreibungen erweitert werden. Die AG Open Access Monitoring Brandenburg wird zukünftig mit der AG für den Publikationsfonds zusammengelegt, sodass sich themenübergreifend ausgetauscht werden kann bzw. neue Themen ihren Raum erhalten.
Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen umfasst das Monitoring 42 DH.NRW-Hochschulen einschließlich ihrer angeschlossenen Universitätskliniken, deren Publikationstätigkeit und -kosten durch die Landesinitiative openaccess.nrw ermittelt und beschrieben werden.

Die Landesinitiative wird im Rahmen der Digitalen Hochschule NRW (DH.NRW) gefördert. In den Reports werden die Daten für die Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Universitätskliniken des Landes zusammengefasst. Das Monitoring liegt im Programmbereich 3 der Landesinitiative und wird an der Universität Bielefeld durchgeführt. Sie erstellt drei Arten von Berichten mit den Schwerpunkten Publikationsaufkommen und Zugangswege, Publikationskosten sowie Vorschläge zu Finanzierungs- und Ausgleichsmodellen. Für das Reporting werden vorhandene Datenquellen wie der Open Access Monitor, OpenAPC und das Directory of Open Access Journals (DOAJ) genutzt. Eine Herausforderung stellt die hohe Anzahl der Hochschulen und Universitätskliniken mit einer über dies heterogenen Ausgangslage in Bezug auf Repositorien und Hochschulbibliographien im Land dar, sodass ein standardisierter und zentralisierter Ansatz zur Erstellung der Publikations- und Kostenreports gewählt wurde. Daher wird in den Reports auch explizit keine Interpretation der Daten auf Einrichtungsebene durchgeführt.

    Die OpenAPC-Initiative sammelt und verbreitet Datensätze zu Gebühren, die für Open-Access-Publikationen gezahlt werden, auf GitHub unter einer offenen Datenbanklizenz. Dazu gehören Daten zu Open-Access-Zeitschriftenartikeln (APCs), Open-Access-Büchern (BPCs) und Daten zu Artikeln, die im Rahmen von Transformationsvereinbarungen (wie Springer Compact oder Wiley DEAL) veröffentlicht werden.

Sichtbar wurde durch den letzten Publikationsreport 2023 ein hohes Artikel-Wachstum an allen Einrichtungen und dies besonders im Bereich des kostenpflichtigen Gold Open Access. Zudem betonte Nina Schönfelder (UB Bielefeld), dass etablierte, subskriptionsbasierte Verlage Anteile am Publikationsmarkt verloren hätten, wenngleich die absoluten Publikationszahlen stabil geblieben sind
Regelmäßige Reports mit dem Schwerpunkt Publikationskosten sollten daher mit einem besonderen Fokus auf Gold Open Access erstellt werden, auch um Empfehlungen in Hinblick auf die Finanzierungs- und Ausgleichsmodelle unter den Hochschulen abzuleiten. Diese Empfehlungen werden mit dem Projektkonsortium der Landesinitative openaccess.nrw bestehend aus 15 Hochschulen sowie der ZB Med und dem hbz erarbeitet und können sich sowohl an das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Nordrhein-Westfalen wie auch an die Hochschulen selbst richten.
Berlin

In Berlin wurde in der Open-Access-Strategie von 2015 die Zielquote von 60% für Open-Access-Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durch Autor*innen Berliner Wissenschaftseinrichtungen festgelegt, die 2020 wie geplant erreicht wurde (Kindling et al. 2022). Mit der Erhebung für das Publikationsjahr 2020 endete das Monitoring, das auf einer eigens entwickelten Methodik basierte.

Durch die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) im Jahr 2021 wurde bereits eine strategische Verschiebung von Open Access zu Open Research auf Landesebene initiiert. Derzeit wird die Entwicklung einer Open-Research-Strategie für das Land Berlin vorangetrieben. Während also bislang die Monitoring-Aktivitäten auf Landesebene stark am Publikationsaufkommen in wissenschaftlichen Zeitschriften orientiert war, wird sich der Fokus auf viele weitere Aspekte offener Wissenschaftspraktiken erweitern müssen. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, geeignete Indikatoren zu entwickeln und zu kontextualisieren. Es ist absehbar, dass die qualitative Darstellung der erreichten Ergebnisse bedeutsamer wird und weniger auf rein quantitative Aspekte geschaut wird.

An den Einrichtungen soll Open Research sogar „bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren“ berücksichtigt werden (BerlHG §41 Abs. 5). Daraus ergeben sich Herausforderungen in der Entwicklung, Einordnung und Kontextualisierung von je nach Wissenschaftsdisziplin passenden Open-Research-Indikatoren.

Das Open-Access-Büro Berlin erarbeitet gegenwärtig den “Open Access Bericht Berlin”, der die Entwicklung im Bundesland seit der Open-Access-Strategie 2015 beschreibt. Neben der Ausgangslage und den Rahmenbedingungen im Land Berlin beschreibt der Bericht den Stand der Umsetzung von bestimmten Maßnahmen an den Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen, darunter Policies und Leitlinien, Informations- und Infrastrukturangebote, Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Finanzierung und Kostenentwicklung, Kompetenz- und Organisationsentwicklung, Forschungsevaluation und Monitoring.

Maxi Kindling (OABB) betonte, dass die leitenden Prinzipien für das zukünftige Monitoring der Open-Research-Entwicklung in Berlin auf einer Aufmerksamkeitsverschiebung basieren: Es werden neben den Ergebnissen in Form von Open-Access-Publikationszahlen zukünftig im Sinne von Open Research die Entwicklungen bei der Öffnung des gesamten Forschungsprozesses beobachtet und systematisch beschrieben.

Ähnlich wie im Land Brandenburg soll eine partizipative Prozessgestaltung bei der Umsetzung des Monitorings eine stärkere Sensibilisierung unter den Einrichtungen erreichen. Durch den Einsatz multimethodischer Evaluierungsinstrumente und einer jeweils kontextualisierten Darstellung von Indikatoren soll eine vereinfachende Sichtweise auf die Open-Research-Transformation vermindert werden.

Auch in Berlin dient das Monitoring weiterhin dem strategischen Austausch über einrichtungsspezifische Maßnahmen und der Diskussion übergeordneter, landesweiter Maßnahmen.
Ausblick

Die drei Landesinitiativen stehen bei der Entwicklung des Monitorings je nach Ausgangslage im jeweiligen Bundesland an unterschiedlichen Punkten. Für die Ermittlung des Publikationsaufkommens können die Landesinitiativen dankenswerterweise auf die Daten bzw. Berichte des Open Access Monitors zurückgreifen. Dessen dauerhafter Betrieb und die Weiterentwicklung und Diversifizierung in Bezug auf die erfassten Publikationstypen ist für alle Landesinitiativen von großem Interesse. Darüber hinaus werden durch die Landesinitiativen je nach Ausrichtung des Monitorings weitere offene Datenquellen herangezogen.

Das Monitoring von Publikationszahlen und -kosten dient auch als Gestaltungsgrundlage für wissenschaftspolitische Entscheidungen. Schon deshalb ist ein verantwortliches und abgestimmtes Vorgehen durch die Landesinitiativen wichtig. Dieser Workshop diente als erster Austausch über das jeweilige Vorgehen, die Weiterentwicklung und die intern ausgearbeiteten Prinzipien. In Anbetracht internationaler Entwicklungen und dem Anspruch, Open Research perspektivisch in die Beobachtung einzubeziehen, planen die Landesinitiativen, sich weiterhin auch zu diesem Thema auszutauschen und darüber zu berichten.

Diese Veröffentlichung ist im Rahmen des Workshops „Monitoring auf Landesebene: Gemeinsame Prinzipien und Perspektiven“ unter Organisation des Projekts open-access.network entstanden. Für den Inhalt sind die Autor*innen verantwortlich.
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<item><title>Fair Open Access fördern</title><link>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</link><pubDate>Mon, 01 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><category>Fair OA</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Michaela Voigt</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</guid><description>Am 14./15. Mai fand in Göttingen das 3. von open-access.network organisierte Open Access Barcamp statt. In einer Session wurde die Frage diskutiert, was Bibliotheken tun können, um Fair Open Access zu fördern. Der folgende Blogbeitrag knüpft an diesen Austausch in einer Gruppe von ca. 20 Personen an. Den Diskussionspunkten stellen wir eine Definition vorweg.
Begrifflichkeiten

Der Begriff Diamond Open Access ist in aller Munde, nicht zuletzt seit der Veröffentlichung der „OA Diamond Journals Study“ in 2021 (vgl. Becerril et al., 2021 und Bosman et al. 2021) und den darauf folgenden „Action Plan for Diamond Open Access“ aus 2022 (Ancion et al. 2022); eine gemeinsame Unternehmung von Science Europe, der cOAlition S, OPERAS, und der französischen Forschungsorganisation ANR.
Zwar gibt es immer noch keine allgemein geteilte Definition. Wir können aber feststellen, dass Diamond Open Access als ein Sammelbegriff für Geschäftsmodelle verwendet wird, in denen die Publikationskosten nicht an Autor*innen (bzw. Herausgeber*innen) weitergegeben werden. In einigen Definitionen wird zudem festgehalten, dass sich die Infrastruktur oder das Publikationsorgan in akademischer oder öffentlich-rechtlicher Trägerschaft befinden muss.1 Da es keine geteilte Definition gibt, gibt es auch – noch? – keine allgemeinverbindlichen Kriterien, anhand derer wir beurteilen können, ob ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur Diamond Open Access ist.

Fair Open Access hingegen definiert einen Kriterienkatalog, anhand dessen sich Zeitschriften in Hinsicht auf das Erfüllen bestimmter Werte beschreiben lassen – unabhängig von Geschäftsmodell oder Trägerschaft. Die sog. Fair Open Access Alliance (FOAA)2 hat fünf Prinzipien formuliert, die eine Zeitschrift erfüllen muss, um als Fair Open Access zu gelten: Sie ist 1. wissenschaftsgeleitet, 2. die Autor*innen behalten die Rechte an ihren Werken, 3. die Inhalte sind vollständig und unmittelbar Open Access, 4. die Einreichung und Veröffentlichung von Beiträgen ist nicht unmittelbar mit Kosten verbunden und 5. ggf. anfallende Gebühren sind niedrig, der Leistung angemessen und werden transparent dargestellt. Anders als bei Diamond sind Zeitschriften, deren Geschäftsmodell auch APCs umfasst, nicht per se ausgeschlossen, solange es sich um keine verpflichtende APC-Zahlung handelt, und die Zeitschrift grundsätzlich non-profit ist (vgl. „Clarification notes“ der FOAA principles). Diese Prinzipien wurden speziell mit Blick auf Zeitschriften formuliert, lassen sich aber (entsprechend weitergedacht) auch auf andere Publikationsorgane und Infrastrukturen anwenden.

Diamond und Fair Open Access sind weder synonym, noch schließen sie einander aus; keins von beiden ist eine Teilmenge des anderen, doch gibt es Überlappungen: Tatsächlich erfüllen viele (aber nicht alle!) Diamond-Open-Access-Zeitschriften die Kriterien von Fair Open Access.3 Andersherum gibt es bei vielen (aber nicht allen!) Verlagen, die Diamond-Zeitschriften im Portfolio haben, breite Zustimmung zu den Werten, die hinter den Fair-Open-Access-Kriterien stehen.4 Und, um es noch komplizierter zu machen, gibt es auch not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren und die den Kriterien für Fair Open Access entsprechen, aufgrund der APCs aber nicht als Diamond-Open-Access-Zeitschrift gelten (z. B. Quantum).5

Anders gesagt: Diamond Open Access und Fair Open Access nehmen jeweils unterschiedliche Perspektiven ein. Da wir uns im Folgenden mit Kriterien für Fördermöglichkeiten von Bibliotheken beschäftigen, plädieren wir in diesem Fall für die Verwendung Fair Open Access.

Unsere Prämisse lautet: Wir unterstützen in erster Linie Werte (freier Zugang zu Information für alle, freie Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs für alle, Handlungsfähigkeit der Wissenschaft bzw. Wissenschaftler*innen) und erst in zweiter Linie Geschäftsmodelle – nicht andersherum. Unbenommen bleibt, dass es darum geht, relevante Inhalte und Initiativen mit geeigneter wissenschaftlicher Qualitätssicherung zu fördern.

Wie kann eine solche Förderung aussehen? Im Folgenden tragen wir die beim Barcamp diskutierten Aspekte zusammen. Dabei konzentrieren wir uns auf Ideen für Ausgabenarten und andere Aktivitäten – und lassen Fragen der operativen Umsetzung an dieser Stelle außer Betracht.
Finanzierung von Fair Open Access

Die FOAA principles benennen sehr konkret Kriterien von Fair Open Access; daneben sind lokale Kriterien zu berücksichtigen. Viele Einrichtungen werden ihre Unterstützung für ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur an allgemeine Erwerbungskriterien knüpfen (hier beispielhaft):

    Hat die Infrastruktur oder das Publikationsorgan fachliche Relevanz für die Einrichtung?
    Publizieren Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung in der Zeitschrift oder Reihe?
    Sind Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung als Herausgeber*innen der Zeitschrift oder Reihe beteiligt? Sind Sie womöglich in herausgehobener Rolle Mitglied im Editorial Board (z. B. Editor-in-Chief)?
    Sind die Inhalte relevant für die Lehre?

Ist der institutionelle Rahmen geklärt, stellt sich die Frage, was eigentlich genau unterstützt werden soll, kann und darf:

    Personalkosten für (unterstützende und/oder inhaltliche) Redaktionstätigkeiten und/oder Arbeiten an Infrastruktur
    Finanzierung verlegerischer Dienstleistungen Dritter: Satz, Klärung von Bildrechten, Anfertigen von Übersetzungen und barrierefreie Umsetzung der Publikation
    finanzielle Unterstützung für Journal Flipping
    finanzielle Unterstützung für Infrastruktur und/oder intermediäre Organisationen, häufig durch institutionelle Mitgliedschaften (z. B. DOAJ, DOAB, OAPEN, ORCID, DSpace, PKP als Organisation hinter OJS/OMP, arXiv, AEUP, COAR)
    Finanzierung von konkreten Publikationsdienstleistungen, etwa einer Zeitschrift (über ein Konsortium oder als Einzelförderung)

Nicht-monetäre Unterstützung

Zunehmend ist Kritik auch von Wissenschaftler*innen an DEAL und ähnlichen Publish-and-Read-Verträgen zu vernehmen, die sich bei der Ausrichtung des institutionellen Open-Access-Förderhandelns benachteiligt bzw. nicht gesehen fühlen, da die Publikationskultur in ihrer Disziplin nicht zur Förderlogik passt.6

Auch vor diesem Hintergrund wollen wir betonen, dass Fair Open Access auch ohne einen Fair-Open-Access-Fonds gefördert werden kann. Zuallererst sind dabei Repositorien, Hochschulverlage oder Zeitschriftenhosting zu nennen – immer vorausgesetzt, dass sie ein klares Open-Access-Profil haben. Diese Publikationsservices und Infrastrukturangebote sind vielerorts etabliert und wir plädieren sehr dafür, für deren Betrieb und weiteren Ausbau ausreichend Personalressourcen in den Bibliotheken bereitzustellen.
Darüber hinaus sind weitere Aktivitäten denkbar, die entweder den Open-Access-Beratungsalltag betreffen, oder eher mittelbar wirken:

    Identifizierung von Fair-Open-Access-Aktivitäten an der eigenen Institution
    Professionalisierung von Diamond- bzw. Fair-Open-Access-Journalen unterstützen (z. B. durch die Vermittlung von Knowhow und/oder Ansprechpartner*innen, die den Prozess der DOAJ-Indexierung begleiten), kurz gesagt: Zeitschriftenredaktionen dazu befähigen, etablierte Förderauflagen zu erfüllen.
    Awareness in der eigenen Institution erhöhen (insbesondere für Fair Open Access bzw. für Zusammenhänge des wissenschaftlichen Publikationsmarktes und die lokalen Auswirkungen des Kostendrucks)
    Veränderung in Research Assessment an eigener Institution bewirken (z. B. durch den Stellenwert bei Openness in Bewerbungsverfahren7)
    bei Einrichtungen mit Konsortialstellen: Konsortialverhandlungen und -bildungen für Fair-OA-Zeitschriften unterstützen („KOALA-Konsortien selbst machen“)
    Ausweitung des Beratungsangebots auf Zielgruppe Herausgeber*innen

Fair Open Access ist kein Nice-to-have

Bibliotheken sind eine der primären zahlenden „Kund*innen“ wissenschaftlicher Publikationen – es liegt in unserem Versorgungsauftrag, den Zugang für die Forschenden unserer Institutionen zu gestalten. Wir können und sollten Verantwortung übernehmen, damit – als Folge der Transformation von Geschäftsmodellen – aus der Subskriptionskrise keine handfeste Publikationskrise erwächst. Das bedeutet, so unsere Meinung, in Konsequenz, dass sich Bibliotheken aktiv(er) mit der nachhaltigen Ausgestaltung von wissenschaftseigenen, not-for-profit Publikationsstrukturen beschäftigen – dazu gehört auch die Finanzierung.8 Fair bzw. Diamond Open Access müssen im Etat fest eingeplant werden – Fair Open Access ist kein Nice-to-Have.

Folgende (institutionelle) Aktivitäten möchten wir exemplarisch erwähnen:

    KU Leuven: Fund for Fair Open Access
    Universität Amsterdam: UvA Diamond Open Access Fund
    TU Berlin: Fair Open Access Fonds
    Niedersächsischer Beirat für Bibliotheksangelegenheiten: NiedersachsenOPEN
    ZBW: Förderung von Open-Access-Infrastrukturen; Open Library of Economics (OLEcon)

Wir freuen uns auf weitere Beispiele in den Kommentaren.

1 Für eine ausführliche (kritische) Auseinandersetzung mit dem Begriff empfehlen wir die Lektüre von Dellmann et al., 2022.
2 Die Fair Open Access Alliance ist eine Stiftung niederländischen Rechts, in der sich Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus Bibliotheken zu einer Art Dachorganisation zusammengeschlossen haben, um die Kräfte ähnlicher Initiativen zu bündeln (u. a. LingOA, MathOA oder Open Library of Humanities). Die frühere Webseite www.fairopenaccess.org ist seit Anfang 2024 leider nicht mehr erreichbar; die Inhalte sind glücklicherweise noch über das Internet Archive einsehbar (Stand November 2023).
3 Die durch KOALA finanzierten Zeitschriften und Schriftenreihen müssen APC-frei sein und darüber hinaus auch weitere Mindeststandards erfüllen, weshalb ein Großteil dieser Zeitschriften zugleich Diamond Open Access und Fair Open Access sind. KOALA erlaubt allerdings die Finanzierung von Zeitschriften und Schriftenreihen bei einem gewinnorientiert arbeitenden Verlag.
4 So geben auch kommerzielle Großverlage APC-freie Open-Access-Zeitschriften heraus (vgl. etwa die Vielzahl an Einträgen im DOAJ mit Filter „Journals without fees“), häufig erfolgt die Finanzierung dabei über eine Institution oder Fachgesellschaft.
5 Demmy Verbeke und Laura Mesotten (2022) beschreiben eindrücklich die Herausforderungen, not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren, aus dem Fair Open Access Fonds zu unterstützen. In ihrem Artikel erläutern sie, warum sie letztlich davon Abstand nahmen, not-for-profit APCs aus dem Fair Open Access Fonds der KU Leuven zu begleichen. Vgl. Verbeke &amp; Mesotten, 2022.
6 So diskutiert Kai Matuszkiewicz die Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft in einem Blogbeitrag auf open.access-network.
7 Als Beispiel für Veränderung wollen wir die Universität Utrecht hervorheben: Hintergründe zum angepassten Research Assessmennt liefert auch folgender Beitrag: https://www.uu.nl/en/news/it-is-not-black-and-white.
8 Auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung weist auch die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hin, die in einer Stellungnahme vom Mai 2024 „die wissenschaftlichen Einrichtungen sowie deren Zuwendungsgeber [dazu aufrufen], Investitionen in nicht-kommerzielle Angebote als strategisch bedeutsamen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Publikationsinfrastruktur zu sehen“.
Literatur:

    Ancion, Z. et al. (2022): Action Plan for Diamond Open Access. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403.
    Becerril, A. et al. (2021): The OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. https://doi.org/10.5281/zenodo.4562790.
    Bosman, J. et al. (2021): OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704
    Dellmann, S. et al. (2022): Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. o-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(3). https://doi.org/10.5282/o-bib/5849.
    Verbeke, D., &amp; Mesotten, L. (2022): Library funding for open access at KU Leuven. Insights, 35. https://doi.org/10.1629/uksg.565.

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<item><title>Open-Access-Tage 2023: Videoaufzeichnungen, Folien und Nachlese</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese#comments</comments><pubDate>Mon, 05 Feb 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Georg Fischer</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</guid><description>Ende September 2023 fanden die Open-Access-Tage (#OAT23) in Berlin statt. Damit wurde auch der 20-jährige Geburtstag der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen in der deutschen Hauptstadt gebührend gefeiert und gewürdigt. Wer die OAT23 Revue passieren lassen oder noch den einen oder anderen Vortrag nachträglich schauen möchte, hat dafür nun mehr als 30 Videos zur Auswahl.

Open Access hat sich seit der Berliner Erklärung als Standard und wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens etabliert. Die Open-Access-Tage, die jährlich stattfindende Konferenz für Open Access und Open Research im deutschsprachigen Raum, nahm sich das Jubiläum zum Anlass, um den zurückliegenden Weg gemeinsam zu reflektieren und unter dem Motto Visionen gestalten in die Zukunft zu blicken.

Das angenehme spätsommerliche Wetter meinte es gut mit den über 450 Teilnehmenden. Sie kamen für zahlreiche Vorträge und Workshops, drei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, eine Postersession und in anderen lockeren Formaten, etwa bei Abendveranstaltungen oder einem leckeren Eis zusammen.
Zum Nachschauen: 32 Vorträge der #OAT23 als frei lizenzierte Videos online

Bei einer so großen Konferenz wie den Open-Access-Tagen ist es ein Leichtes, Vorträge zu verpassen. Nun sind insgesamt 32 Vorträge und eine Podiumsdiskussion als Aufzeichnungen im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek auffindbar. Sie enthalten Untertitelungen in deutscher und englischer Sprache sowie die Vortragsfolien. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema DEAL sind auch Publikumsfragen in den Aufzeichnungen enthalten.

Die Vorträge sind unter dem DOI https://doi.org/10.5446/s_1673 im TIB-AV-Portal abrufbar und können von dort aus auch heruntergeladen werden. Alle Videos stehen unter der freien Lizenz CC BY 3.0 für diverse Formen der Nachnutzung bereit.
Vortragsfolien, Poster und weitere Nachlese zu den #OAT23

Neben den Vorträgen selbst sind die Präsentationsfolien von allen 32 Vorträgen sowie die 18 gezeigten Poster bei Zenodo verfügbar. Die Dateien sind in dieser Zenodo-Gruppe gespeichert und können dank der offenen Lizenz problemlos nachgenutzt werden.

Zudem sind einige Konferenz-Nachberichte erschienen. Darunter ein Nachbericht in der Uni-Zeitung der FU campus.leben, ein Jubiläumsbericht zur Berliner Erklärung beim Berliner Tagesspiegel oder eine Reflexion bei der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.

Die #OAT23 waren eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Universitäten, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Hochschulen – insgesamt 14 Einrichtungen. Sie fanden vom 27. bis 29. September 2023 an der Freien Universität Berlin statt. Die Koordination übernahm das Open-Access-Büro Berlin.

Die nächsten Open-Access-Tage (#OAT24) finden vom 10. bis 12. September 2024 in Köln statt. Ein kurzer Teaser dazu findet sich hier.
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<item><title>Das Open-Access-Jahr 2023. Ein Rückblick</title><link>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</link><comments>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jan 2024 13:31:00 +0100</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</guid><description>Am 22. Oktober 2003 wurde die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen verfasst, ein wegweisendes Dokument für den Wandel hin zu Open Access (OA) und die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens über das Internet. Das 20-jährige Jubiläum bot im vergangenen Jahr vielfach die Gelegenheit, die Entwicklungen und Perspektiven zu bilanzieren. Wir wollen im Rahmen dieses Blog-Beitrags auf ausgewählte Entwicklungen, Initiativen und Projekte in Deutschland und darüber hinaus in diesem Jubiläumsjahr zurückblicken.
Neue Förderlinie des BMBF ist gestartet

Unter dem Dach der neuen Förderrichtlinie für eine gelebte Open-Access-Kultur hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2023 seinen Fokus auf mehr Offenheit in der Wissenschaft intensiviert. Der Großteil der insgesamt 24 ausgewählten Projekte wurde am 1. September gestartet. 

Die Projekte setzen verschiedene Schwerpunkte. Der Fokus des Projekts PRO-OAR-DE ist beispielsweise die Professionalisierung von OA-Repositorien, während OS-APS STEMO weitere Funktionalitäten für die OS Academic Publishing Suite entwickeln möchte. ELADOAH, OLEKonsort und Diamond Thinking zielen auf eine Stärkung von Diamond-OA, dessen Geschäftsmodell und Rahmenbedingungen. Darüber hinaus behandeln mehrere Projekte, darunter ADore-OA, OA-WFMS, edu_consort_oa, PANTER und KOALA-AV, Geschäftsprozesse, Finanzierungsmodelle und Workflows im Bereich Open Access. Die Projekte IDAHO und ELADOAH untersuchen verschiedene Hürden im Publikationssystem. Andere Projekte, wie bspw. die Projekte OASE und P2P.HAW.OA, setzen es sich zum Ziel, Open Access in einem bestimmten Kontext zu fördern. Einige Vorhaben der BMBF-Förderrichtlinie sowie weitere laufende Projekte sind auf der Projektwebseite von open-access.network zu finden. Ihr Projekt ist noch nicht gelistet? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Neben den neuen Initiativen wurden die Projekte der vorangegangenen Förderlinie abgeschlossen, Ergebnisse publiziert und Services in Betrieb genommen. Im Projekt B!SON wurde beispielsweise erfolgreich ein Recommender-System entwickelt, um Forschende bei der Suche nach qualitätsgesicherten OA-Zeitschriften zu unterstützen. Das Projekt AuROA veröffentlichte einen Vertragsgenerator, mit dessen Hilfe Verträge für OA-Bücher erstellt werden können. Das Projekt ScholarLed Plus erstellte Handreichungen für Herausgeber*innen wissenschaftsgeleiteter, gebührenfreier OA-Zeitschriften und in KOALA wurde ein Modell für eine konsortiale Finanzierung gebührenfreier OA-Publikationen entwickelt. Open4DE untersuchte den Umsetzungsstand von OA-Policies in Deutschland und empfahl Maßnahmen für die weitere Entwicklung von Open Access in Deutschland.

Für ein dauerhaftes Engagement staatlicher Akteure argumentieren auch die im Juni 2023 veröffentlichten Gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern. Darin werden 10 Leitlinien formuliert, die bei der erfolgreichen Transformation des wissenschaftlichen Publikationssystems zu Open Access in den nächsten Jahren unterstützen sollen. 
Transformation des Publikationssystems: Transformationsverträge…

Nachdem die bestehenden DEAL-Verträge mit Wiley und Springer Nature für das Jahr 2023 letztmals verlängert werden konnten, wurde am 28. November 2023 bzw. am 1. Dezember 2023 die Unterzeichnung eines neuen 5-Jahres-Vertrages zwischen dem DEAL-Konsortium und den Verlagshäusern bekannt gegeben. Wie Bernhard Mittermaier in seinem Rückblick auf 10 Jahre DEAL ausführt, wurden die ursprünglichen Projektziele des DEAL-Projekts im Wesentlichen erreicht, indem der Anteil an OA-Publikationen von deutschen Einrichtungen signifikant erhöht werden konnte. Obwohl die nationalen Ausgaben für OA-Publikationen insgesamt nicht gestiegen seien, hatte die dafür notwendige interne Kosten(um)verteilung Auswirkungen auf organisatorische Prozesse der Einrichtungen. Für zukünftige DEAL-Verträge fordert Mittermaier als bisher unerreichte Ziele, “spürbare finanzielle Verbesserungen” sowie die Begrenzung von Publikationsgebühren bei Gold-OA-Zeitschriften durchzusetzen (Mittermaier, 2023, S. 222). 

Bereits am 6. September 2023 gab das DEAL-Konsortium den Abschluss eines  DEAL-Vertrags mit Elsevier bekannt. Diese Ankündigung führte zu regen Diskussionen, u.a. bei der Satelliten-Konferenz “Wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren” und auf den Open-Access-Tagen in Berlin. Befürchtet wurde, dass zukünftig weniger finanzielle Mittel für die Unterstützung von APC/BPC-freien Modellen zur Verfügung stehen könnten, da die Ressourcen für die DEAL-Verträge verwendet würden. 
…und alternative Ansätze

Wie bereits im Vorjahr war auch in 2023 Diamond bzw. wissenschaftsgeleitetes Open Access Gegenstand vieler Diskussionen, Studien und Positionspapiere. Hinter diesen teilweise unzureichend bestimmten Begriffen (siehe Dellmann et al. 2022) verbirgt sich die Diskussion darüber, wie Open Access strategisch weiterentwickelt werden soll: weg von APC/BPC-basiertem Open Access und hin zu nachhaltigen, fairen und sicheren Publikationsformen und -infrastrukturen in der Wissenschaft. Siehe hierzu die im September 2023 veröffentlichten “Thesen zur Zukunft des wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Publizierens”.

Bedeutende Forschungs- und Förderorganisationen haben sich 2023 zu diesem Thema positioniert: Am 26.01.2023 gab die cOAlition S bekannt, Ende 2024 die Finanzierung von OA-Publikationen in Publikationsorganen mit Transformationsvereinbarungen einzustellen. Es sollen keine Anreize gesetzt werden, eine Überführung von Publikationsangeboten hin zu Open Access hinauszuzögern und hybride Geschäftsmodelle zu fixieren. Im März 2023 gab die DFG bekannt, dass sie den  &quot;Action Plan für Diamond Open Access&quot; unterstützt, im Mai folgte das Positionspapier der TU9-Bibliotheken zu Open-Access-Büchern.

Weichenstellungen und Positionierungen gab es auch auf EU-Ebene: Im Mai 2023 ermutigte der Rat der Europäischen Union, Open Research Europe als Open-Access-Veröffentlichungsdienst zu unterstützen. Die Open-Access-Transformation wird seitens der EU u.a. in den EU-Projekten Diamas (gestartet bereits am 1.9.2022), Palomera und CRAFT-OA (gestartet am 1.Januar 2023) vorangetrieben.

Außerhalb Europas traf sich die OA-Community im Oktober im mexikanischen Toluca zum Global Summit on Diamond Open Access. In der Schlusserklärung der Konferenz sprachen sich die teilnehmenden und unterzeichnenden Organisationen dafür aus, neue und bereits bestehende Zeitschriften, Repositorien und Publikationen für Diamond-OA zu unterstützen, um u.a. einen fairen Zugang zu qualitätsgesicherten wissenschaftlichem Wissen für alle zu gewährleisten. 

Mit Empfehlungen zum verantwortungsvollen wissenschaftlichen Publizieren hat sich Ende Oktober auch die cOAlition S zu Wort gemeldet und gleichzeitig eine Umfrage in der Wissenschaftscommunity gestartet. Die Koalition empfiehlt darin, wissenschaftsgeleitetes Open Access, um ein gerechtes, effizientes, faires und nachhaltiges Publikationssystem zu erhalten bzw. herzustellen. 

Um die Realisierung eines solchen fairen Open Access bemühen sich mittlerweile einige Initiativen und Projekte. Zum Jahresbeginn 2023 starteten z.B. die ersten KOALA-Konsortien in die operative Phase: Vier sozialwissenschaftliche Zeitschriften und zwei Buchreihen aus der Medienwissenschaft werden bis Ende 2025 über Bibliothekskonsortien finanziert. Anfang 2024 folgt das bis Ende 2026 finanzierte KOALA-Bündel Mathematik &amp; Informatik.
Highlights aus open-access.network

Die Projektförderung für open-access.network durch das BMBF wurde bis Ende 2025 verlängert, wodurch 2023 die 2. Förderperiode begann. 

Die Webinar-Reihe oa.talk konnte mit insgesamt 8 Veranstaltungen bereits fortgeführt werden. Mehrere neue Workshop-Reihen für verschiedene Zielgruppen und zu verschiedenen Themen ergänzen das bestehende Angebot: So fand bereits ein Workshop für die Infrastruktur und Forschungsadministration sowie eine Veranstaltung für die Ressortforschung statt. 

Außerdem startete nach der Sommerpause die neue Veranstaltungsreihe &quot;Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative&quot;. In der ersten Veranstaltung berichtete Daniela Hahn aus dem Projekt PLATO über Stand und Entwicklung von Diamond (Platinum) Open Access in der Schweiz, Niels Taubert von CODRIA gab einen Überblick über Diamond Open Access-Zeitschriften in Deutschland und Alexander Pöche informierte auf Grundlage der Erfahrungen im KOALA-Projekt über die Herausforderungen der Anbahnung und Verwaltung einer konsortialen Finanzierung.

Im September 2023 fand der erste Workshop der neuen Reihe “Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen” statt. Im Rahmen dieser Fortbildungsreihe werden Themen rund um die Einführung des Informationsbudgets behandelt. Hinter dem Begriff Informationsbudget verbirgt sich ein umfassendes Monitoring von Publikationskosten an wissenschaftlichen Bibliotheken, auf dessen Grundlage Budgets für Open Access in Zukunft geplant werden sollen (siehe Mittermaier, 2022). Der Auftaktworkshop am 13.9.2023 bot zunächst einen Überblick über den Stand der Diskussion. Die zweite Veranstaltung unter dem Titel “Erste Schritte zum Informationsbudget. Publikationskosten erfassen und sichtbar machen” ist für den 7. Februar 2024 geplant. 

Dass der Austauschbedarf zum Thema Informationsbudget groß ist, zeigte auch das rege Interesse an der Digitalen Fokusgruppe Informationsbudget. Die Gruppe hat 2023 in fünf Unterarbeitsgruppen die Zusammenarbeit fortgesetzt (siehe Barbers et al. 2023). Ihre Arbeit war für uns im Jahr 2023 ein echtes Highlight, da sie zeigt, wie wichtig und fruchtbar der Austausch in der Open-Access-Community ist. Mehr Informationen zu den Digitalen Fokusgruppen finden sich hier.

Um Austausch und Vernetzung geht es auch bei den jährlich stattfindenden Barcamps und Staff Weeks. Im vergangenen Jahr haben wir uns sehr gefreut, dass sowohl das Open Access Barcamp im März 2023 am KIM der Universität Konstanz als auch die Staff Week im Dezember 2023 an der Bibliothek der Universität Braunschweig wieder in Präsenz stattfinden konnten. Am 14. und 15. Mai2024 wird das nächste Open Access Barcamp an der SUB Göttingen stattfinden, bei dem wir hoffentlich wieder viele Open-Access-Begeisterte begrüßen dürfen.

Ein weiteres Highlight sind unsere beiden neuen Kurzclip-Reihen “Open-Access-Mythencheck” und die Kurzinterviews zum Thema Open Access und Klimaforschung. Weitere informative Videos sind im TIB AV-Portal zu entdecken.

Kurz vor Jahresende konnte dann auch noch der oa.blog starten - ein neues Feature von open-access.network, mit dem wir noch mehr als bisher mit der Community in den Austausch treten wollen. In diesem Sinne: Was waren eure Highlights? Gerne könnt ihr eure Sternstunden des letzten Jahres in den Kommentaren mit uns teilen. 
Literatur

Barbers, I., Bove, K., Grimm, S., Lauer, S., Riesenweber, C., Rösch, H., Schön, M., &amp; Wenninger, A. (2023, September 27). Fokusgruppe &quot;Informationsbudget&quot; - Ziele und Zwischenergebnisse der Zusammenarbeit. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.8413137

Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal, 9(3), 1–12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849

Mittermaier, B. (2022). Das Informationsbudget: Konzept und Werkstattbericht. O-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(4), 1–17. https://doi.org/10.5282/o-bib/5864

Mittermaier, Bernhard (2023). DEAL: Wo stehen wir nach 10 Jahren? (Teil 2) b.i.t.online, 26(3), 217-225, https://www.b-i-t-online.de/heft/2023-03-fachbeitrag-mittermaier.pdf
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<item><title>CODRIA, PLATO und KOALA</title><link>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</link><comments>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 13:16:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</guid><description>Codria, Plato und Koala. Diamond Open Access-Zeitschriften und Finanzierungsmodelle in Deutschland und der Schweiz

„Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ ist der Titel einer neuen Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access von open-access.network. Am 20. September 2023 fand im Rahmen dieser Reihe die erste Veranstaltung statt. Thema waren Untersuchungen zu Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz und Erfahrungen mit der konsortialen Finanzierung solcher Publikationen.

Diamond Open Access ermöglicht Open-Access-Publizieren ohne Autor*innengebühren. Als Alternative zu APC/BPC-basiertem Open Access wird Diamond Open Access in jüngster Zeit intensiv diskutiert.

Auf europäischer Ebene verabschiedeten die cOAlition S, OPERAS, Science Europe und das französische Forschungsnetzwerk ANR 2022 den Aktionsplan Diamond Open Access. Im Sommer 2022 fand die erste Diamond-Open-Access-Konferenz in Zadar (Kroatien) statt, gefolgt von der zweiten Konferenz im mexikanischen Toluca im Oktober 2023. Bereits 2021 veröffentlichten Science Europe und die cOAlition S die Diamond Open Access Journals Study, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung von Open-Access-Zeitschriften, ihren Finanzierungsformen, Herausforderungen und Potenzialen (Bosman et al., 2021; Becerill et al., 2021).

In Deutschland und der Schweiz haben sich die Projekte KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), CODRIA (Community-Driven Open Access Journals zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen) und PLATO (Platinum Open Access Funding) mit den Publikationsbedingungen, Verbesserungspotenzialen und möglichen Modellen für Diamond-Open-Access-Zeitschriften beschäftigt.

In der Informationsveranstaltung am 20.September berichteten Daniela Hahn (Universität Zürich) und Nils Taubert (Universität Bielefeld) zunächst die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte PLATO und CODRIA. Im Anschluss stellte Alexander Pöche (TIB Hannover) das Projekt KOALA und Erfahrungen aus der Organisation und Verwaltung von Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Publikationen vor.
Diamond Open Access Journals in Deutschland und in der Schweiz

Die im Rahmen von CODRIA und PLATO durchgeführten Untersuchungen (Bruns et al., 2022; Taubert et al., 2023; Hahn et al., 2022) kommen zu ähnlichen Ergebnisse wie die Diamond Open Access Study (Bosman et al., 2021): Diamond Open Access Journals sind ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kommunikation, v.a. in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sie sind eher klein, veröffentlichen meist nicht mehr als 25 Artikel pro Jahr und stützen sich wirtschaftlich auf ganz unterschiedliche Finanzierungsquellen, wobei viele dabei mit einer unsicheren Finanzierung zu kämpfen haben. Darüber hinaus bieten die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Strategien von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, mit knappen Ressourcen zu haushalten und leisten einen Beitrag zur Klärung der jeweiligen Bedarfe.

Das BMBF-Projekt &quot;Community-Driven Open Access Journale zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen&quot; (Laufzeit 1.2.2021–31.1.2023) führte eine Bestandsaufnahme der Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland durch. Im Rahmen einer bibliographischen Analyse wurden eine Liste von insgesamt 458 Diamond-Open-Access-Zeitschriften zusammengestellt (vgl. Bruns et al. 2022). Viele dieser Zeitschriften sind eher klein: Durchschnittlich wurden 2021 im Jahr nur 16 Beiträge pro Zeitschrift veröffentlicht. Dabei existieren große Unterschiede. Die Zeitschrift mit dem höchsten Output veröffentlichte im Jahr 2021 288 Artikel.

Fachlich sind die Geistes- und Sozialwissenschaften unter den Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit einem Anteil von 72,5% stark überrepräsentiert. Nur rund 13% der Diamond-Open-Access-Zeitschriften haben eine naturwissenschaftliche und 6% eine technikwissenschaftliche Ausrichtung.
Abb. 1: Quelle: Taubert, N. (2023)

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung vertiefte das CODRIA-Projektteam seine Ergebnisse. Viele Zeitschriften operieren auf der Basis gemischter Ökonomien: Während ein Teil der Arbeiten bezahlt erfolgt, sind andere Aufgaben ehrenamtlich organisiert. Alle Journals vereint, dass sie auf keiner gesicherten wirtschaftlichen Basis agieren. Häufig sind sie von lokal vorhandenen Mitteln oder zeitlich befristeten Projektgeldern abhängig. Eine Strategie, damit umzugehen, kann es sein, Arbeiten auf eine große Zahl Freiwilliger zu verteilen. Doch der Kreis der Engagierten ist häufig klein und zentrale Aufgaben sind vom Engagement Einzelner abhängig. Eine nachhaltige Finanzierung, so das Fazit von Niels Taubert, sei deshalb erforderlich, um eine nachhaltige Geschäftsgrundlage für Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen.

Diese Schlussfolgerung zog auch Daniela Hahn, Projektleiterin von PLATO. PLATO ist ein Partnerprojekt von sechs Schweizer Universitäten. Neben einer Bestandsaufnahme von Zeitschriften und deren Herausforderungen ist es das Ziel von PLATO, nachhaltige Förderstrategien für wissenschaftsgeleitetes Diamond Open Access in der Schweiz zu entwickeln.

In der ersten Projektphase ging es auch bei PLATO, vergleichbar mit CODRIA, um die Erfassung aller Diamond-Open-Access-Zeitschriften und die Untersuchung ihrer Perspektiven und Herausforderungen. Im Ergebnis stellte PLATO eine Liste von 235 Zeitschriften zusammen. Analog zu den Ergebnissen bei CODRIA sind auch die von PLATO untersuchten Zeitschriften überwiegend klein und publizieren durchschnittlich weniger als 25 Artikel pro Jahr; fachlich liegt der Schwerpunkt (67,3%) ebenfalls in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Anders als in der CODRIA-Studie wurde in der PLATO-Untersuchung auch nach dem Publikationsort und den Finanzierungsmechanismen gefragt: Mehr als die Hälfte der Zeitschriften erscheint an Hochschulen (46,4%) und wissenschaftlichen Akademien (16,6%). Profitorientierte Verlage stellen dagegen nur 15,7% der Publikationsorte. Diamond-Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich – hier sind die Ergebnisse von PLATO in Übereinstimmung mit CODRIA –  über eine breite Palette von Quellen. Eine solche Mischfinanzierung aus vielen kleinen Töpfen ist häufig erforderlich, um den Fortbestand der Publikation zu sichern, denn eine nachhaltige Finanzierung zu organisieren, ist für viele Zeitschriften schwierig.

In der zweiten Projektphase soll im Projekt PLATO ein Finanzierungsmodell für Diamond-Open-Access-Zeitschriften entwickelt werden. Herausfordernd ist es dabei, teilweise verborgene Kosten zu ermitteln und Infrastrukturkosten zu recherchieren. Letztere variieren abhängig davon, ob das Zeitschriften-Hosting inhouse oder auf externen Plattformen, kostenlos oder gegen Gebühr organisiert wird. Im Rahmen von PLATO wurden sechs Stichproben erhoben. Die mittleren Kosten lagen demnach bei 15.000 Sfr (15.600 €)/Jahr.
Diamond Open Access nachhaltig ermöglichen

Für die Zukunft der Diamond-Open-Access-Förderung in der Schweiz stellen sich aus Sicht von PLATO strategische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen: Strategisch soll Diamond Open Access in die überarbeitete nationale Open-Science-Strategie von swissuniversities integriert werden. Unklar ist aber, wie die Herausforderung der Finanzierung von Diamond Open Access am besten gelöst werden kann. Neben konsortialen Modellen (eine gemeinschaftliche Finanzierung durch mehrere wissenschaftliche Bibliotheken) kommt auch der Aufbau eines nationalen Kapazitätszentrums als Modell in Betracht. Wirtschaftlich ist zu klären, wie sich die Kosten für Diamond Open Access zukünftig entwickeln. Im Zuge der generellen Entwicklung hin zu Open Science lohnt es möglicherweise trotz enger Budgets in Modelle zu investieren, die langfristig ein nachhaltiges Publizieren ermöglichen.

Ein solches Modell zu entwickeln war Ziel des BMBF-Projektes KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), das zwischen 2021 und 2023 gemeinsam von der TIB Hannover und dem KIM der Universität Konstanz durchgeführt wurde. Die Erfahrungen aus dem KOALA-Modell aus Sicht der Konsortialverwaltung stellte Alexander Pöche vor.

KOALA ist es gelungen, insgesamt drei Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Buchreihen zu organisieren. Dabei zeigte sich deutliches Interesse an KOALA sowohl seitens der Zeitschriften als auch der wissenschaftlichen Bibliotheken. Grundsätzlich gibt es eine große Bereitschaft, konsortiale Modelle zu unterstützen. Musterverträge und Gebührenmodell, die im Rahmen von KOALA entwickelt und angewendet wurden, werden seitens der Community akzeptiert.

Gleichzeitig offenbarte KOALA eine Reihe von Herausforderungen, die in Zukunft weiter bedacht werden müssen. So war zumindest in den bisherigen Finanzierungsrunden der organisatorische Aufwand relativ hoch und die Frage ist, wie dieser in Zukunft gesenkt werden könnte. Spielraum gibt es dabei in der Anpassung der Erwerbungsabläufe in den Bibliotheken, z.B. in der Form fester Workflows. Eine weitere Erleichterungsmöglichkeit wären eigene Budgets für Diamond Open Access in den Bibliotheken. Dies würde Erwerbungsentscheidungen im Bereich Diamond Open Access erleichtern. Drittens könnte möglicherweise auch in der Zusammenstellung der Pakete Potenzial zur Vereinfachung ausgeschöpft werden. Wichtig für die weitere Entwicklung und Pflege von Konsortien im Bereich Diamond Open Access ist darüber hinaus, weitere Einrichtungen für die Verwaltung von Konsortien zu gewinnen. Auch internationale Kooperationen können für die Zukunft Potential zur Weiterentwicklung von Diamond-Open-Access-Konsortien haben. Die weitere Verankerung und der Ausbau von Open-Access-Konsortien ist auch Thema des Folgeprojektes KOALA-AV, das Ende 2023 gestartet ist und bis 2025 an der TIB Hannover und der Universität Konstanz durchgeführt wird. Dabei steht auch die Internationalisierung von Konsortien auf der Agenda.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wer unter welcher Voraussetzung über eine Teilnahme an einem Open-Access-Konsortium entscheidet. Teilnehmer*innen verwiesen darauf, dass neben den Erwerbungsabteilungen auch Fachreferent*innen Adressat*innen sind. Entscheidend seien neben der fachlichen Relevanz der Publikationen auch der Umfang ihrer Nutzung sowie die in den Bibliotheken vorhandener Mittel. Die Nutzung sei allerdings schwierig nachzuweisen, da viele Zeitschriften aus Gründen der Datensparsamkeit Zugriffszahlen auf ihre Webseiten nicht auswerten. Ein Grund für eine Entscheidung gegen die Teilnahme an Open-Access-Konsortien sei oft, dass in der Einrichtung schlicht das Geld fehle und man sonst andere Produkte aus dem Portfolio streichen müsse, was schwer zu vermitteln sei. Bereits während der Etatplanung Mittel für die Finanzierung von Diamond Open Access zurückzustellen, könne dagegen ein Instrument sein, um die Finanzierung solcher Modelle zukünftig zu erleichtern.
Ausblick

Die Veranstaltungsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ wird  fortgesetzt. Ankündigungen zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier: https://open-access.network/fortbilden/workshops/informationsreihe-die-open-access-transformation-nachhaltig-gestalten-diamond-oa-als-alternative

Im Rahmen von open-access.network ist außerdem die Erstellung einer Handreichung zu neuen Formen der Open-Access-Finanzierung geplant. Dort wird auch die Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access dokumentiert werden.
Literatur

Becerill, A., Bjørnshauge, L., Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., Proudman, V., Redhead, C., Torny, D., &amp; Mounier, P. (2021) OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4562790

Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., &amp; Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4558704

Bruns, A., Cakir, Y., Kaya, S., Beidaghi, S., &amp; Taubert, N. C. (2022, August 31). Diamond Open Access Journals, Germany (DOAG) (Version 1.1.). Bibliometrics Working Group at the Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Bielefeld University.  https://doi.org/10.4119/unibi/2965484

Hahn, D., Hehn, J., Hopp, C., &amp; Pruschak, G. (2022, December). Mapping the Swiss landscape of diamond open access journals: The PLATO study on scholar-led publishing. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.7461728

Hahn, D. (2023). Diamond Open Access in der Schweiz. Zum Stand der Diskussion. Informationsveranstaltung PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialr Finanzierung in Deutschland und der Schweiz., open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10370101

Taubert, N. (2023). Diamond-Open-Access-Journale in Deutschland - zur Lage eines besonderen Zeitschriften-Segments. Informationsveranstaltung &quot;PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialer Finanzierung in Deutschland und der Schweiz&quot;, open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10371485

Taubert, N.; Sterzik, L.; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Landscape. Minerva. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7
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