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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access Policy</description>
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
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<item><title>Die Schweiz setzt sich ein neues Open-Access-Ziel</title><link>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</link><comments>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel#comments</comments><pubDate>Thu, 12 Dec 2024 13:30:00 +0100</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Nicolai Hauf</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</guid><description>“Bis 2024 sollte Wissenschaftliches Publizieren in der Schweiz OA sein, alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen müssen im Internet frei zugänglich sein.”1 Mit diesem hehren Ziel wurde im Januar 2017 die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz verabschiedet. Sie wurde von swissuniversities (der Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der schweizerischen Hochschulen) mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) entwickelt. Nach acht Jahren vielfältiger und innovativer Open-Access-Aktivitäten ist es an der Zeit zurückzublicken: Konnten wir das übergeordnete Ziel erreichen?

Ein Blick auf die Zahlen sagt klar: Nein! Der Schweizer Open-Access-Monitor (ein zentrales Ergebnis aus der ersten Strategiephase) weist für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 2023 einen Open-Access-Anteil von lediglich 71% aus. 2017 waren hingegen nur 49% aller Artikel frei zugänglich.2 Auch wenn man hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist eine positive Entwicklung sichtbar. Insbesondere wenn man die Vorgabe von 100% nicht zu sehr als realistischen Benchmark, sondern mehr als politisches Instrument zur Mobilisierung von Ressourcen und Aktivitäten in diesem Bereich interpretiert.
Die Revision der Strategie

Mit Blick auf das Ablaufen der Strategieperiode Ende des Jahres 2024 haben sich die Urheber*innen daran gemacht, das Dokument in einem partizipatorischen Prozess zu überarbeiten. Alle Schweizer Hochschulen konnten im Rahmen einer offenen Konsultation eine frühere Fassung des Strategiepapiers durchsehen und kommentieren. Eine redigierte Zusammenfassung und die Auswirkungen auf den finalen Text sind öffentlich einsehbar.3

Die revidierte Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz wurde im Juni 2024 veröffentlicht.4 Das Dokument baut auf Grundsätzen auf, welche in der ersten nationalen Strategie aufgestellt wurden: gemeinsam, kostenneutral und auf diversen Wegen ein offenes Publikationssystem schaffen. Es ist als kontinuierliche Fortsetzung zu sehen, welche zentrale Ergebnisse jüngster Projekte aufgreift und aktuelle Entwicklungen im Bereich Open Science berücksichtigt. Neu soll eine komplette Open-Access-Transformation in der Schweiz nun bis spätestens 2032 erfolgen.
Die neue Schweizer Vision

Die Vision der revidierten Strategie ist eine robuste Open-Access-Landschaft. Um dies zu erreichen, wurden sieben Leitprinzipien definiert. Auf deren Basis wiederum sind sechs Ziele ausgegeben, welche über sechs ineinandergreifende Wege erreicht werden können. Eine stark verschachtelte Strukturierung des Dokuments wie diese ist symptomatisch für die vielfältigen und mehrschichtigen Zielsetzungen der involvierten Akteur*innen. Inhaltlich geht es hierbei insbesondere um die Entwicklung und Koordination zentralisierter Infrastrukturen und Dienstleistungen (speziell für Diamond und Green Open Access), die Schaffung eines unterstützenden Rechtsrahmens (Zweitveröffentlichungsrecht, Beibehaltung von Urheberrechten) und die Etablierung einer Open-Access-Kultur in den Forschungsgemeinschaften als Standard wissenschaftlichen Arbeitens. Die konkrete Umsetzung der Strategie obliegt den sich selbst-verpflichtenden Institutionen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten und Kontexte – nach dem Grundsatz der Eigenverantwortung, einer in der Schweiz besonders hochgehaltenen Tugend. Es wird weiterhin mehrfach betont, dass diese Ziele nur durch umfangreiche Kollaborationen zwischen Institutionen erreicht werden können.

Die neue strategische Ausrichtung läutet eine Phase der Konsolidierung ein, in der bewährte Ideen der letzten Jahre gebündelt und optimiert werden sollen. Dies bedeutet einen Perspektivenwechsel, indem stärker als zuvor akademische Institutionen und weniger individuelle Forschende in die Pflicht genommen werden, die gesetzten Ziele zu erreichen.
Entwicklung des Open-Access-Status für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel in der Schweiz, 2017-2023. (Bild: Swiss Open Access Monitor)
Definition von Open-Access-Publikation und Auswirkungen für Repositorien

Hervorzuheben ist die Definition einer Open-Access-Publikation, die in der Strategie verankert ist. Dokumente müssen in einem maschinenlesbaren Format, kostenlos, ohne Embargo und unter einer offenen Lizenz bereitgestellt werden.5 Dies hat eine hohe Relevanz für Repositorien, welche Publikationen über den Grünen Weg in vielen Fällen nicht unter Creative-Commons-Lizenzen bereitstellen (dürfen). Sperrfristen sind zudem weit verbreitet. Streng genommen gilt mit dieser ambitionierten Definition ein großer Teil der aktuell vorhandenen Zweitveröffentlichungen in Schweizer Repositorien nicht mehr als Open Access. Was bedeutet das für Repository Manager? In erster Linie viel Kommunikation: In vielen Fällen müssen individuelle Abklärungen mit Verlagen eingeleitet werden, weil generelle Policies keine Aussagen zu einer Verbreitung unter einer Creative-Commons-Lizenz machen – oder dies explizit verbieten. Es wird weitere Abstimmungen auch mit Publizierenden brauchen. Idealerweise behalten diese die Urheber- und Verwendungsrechte an ihrem akzeptierten Manuskript. Die Rights Retention Strategy6 unterstützt in diesem Bereich.
Berücksichtigung alternativer Publikationsformen

Klar ersichtlich und positiv herauszuheben ist ein verstärkter Fokus auf alternative Publikationsformen, abseits von wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln. Die Förderung von Open Access für Langformen (wie Bücher und Buchkapitel), Publikationen in den Künsten und in anwendungsorientierten Publikationsgefäßen (wie Fach- und Verbandszeitschriften) wird in der Strategie speziell adressiert. Der Nachholbedarf und das große Potential wurden erkannt. Auch nicht-kommerzielle Publikationswege wie Diamond Open Access und Institutional Publishing sind zentrale Handlungsfelder der Strategie. Bibliodiversität ist ein wichtiger Faktor für eine umfassende und stabile Open-Access-Landschaft. Aber auch ein stärkerer Bezug zu weitreichenden Entwicklungen im Bereich der Forschungsevaluation und Open Science über die klassischen Textpublikationen hinaus findet Erwähnung.
Die Aussichten: heiter bis wolkig oder doch nebelig?

In Diskussionen und der Formulierung der neuen Strategie fällt eine fehlende kritische Auseinandersetzung mit dem nicht-erreichten 100%-Ziel auf. Auf neuen Wegen soll es nun in acht weiteren Jahren erreicht werden. Diese Verschiebung verwässert die Botschaft und ist inkonsequent. Auch wenn neu quantitative und qualitative Indikatoren für die Zielerreichung definiert wurden und auf strategischer Ebene durch ein Gremium laufend beobachtet werden sollen, sind Erfolgskriterien wie bspw. Zufriedenheit der Forschenden mit ihren Veröffentlichungsoptionen schwer zu messen.7 Am Ende fehlt es auch an konkreten Konsequenzen, wenn das neue Open-Access-Ziel wieder nicht erreicht werden sollte.

Wie es Strategiepapiere oft an sich haben, bleiben viele Details in Bezug auf konkrete Umsetzungen vage. Der Grundton der neuen Open-Access-Strategie kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Alles ist möglich, nichts wird ausgeschlossen. Konkrete Zielrichtungen werden an einer anderen Stelle zu finden sein. Zum Jahreswechsel wird swissuniversities die ersten Ausschreibungen für neue Open-Access-Projekte veröffentlichen.8 Die Förderentscheidungen zeigen dann eine Tendenz und füllen die Strategie mit Leben. Die Schweizer Institutionen blicken daher gespannt in die Zukunft, insbesondere angesichts der jüngst angekündigten radikalen Kürzungen für das gesamte Open-Science-Programm als Folge der Sparmaßnahmen für den Schweizer Bundeshaushalt.9

Dieser Beitrag kommt nicht ohne die abschließende Anmerkung der ironischen Tatsache aus, dass die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz nach eigener Definition selbst keine Open-Access-Publikation unter einer offenen Lizenz ist. Please – practice what you preach!

Autor: Nicolai Hauf,
mit wertvoller Unterstützung durch das Open-Access-Team der ZHAW Hochschulbibliothek.

1 Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz (2017): https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Open_Access__strategy_final_DE.pdf
2 Journal Monitor (OAM-CH) des Schweizer Open-Access-Monitors: https://oam.oamonitor.ch/open-access/-2025566562
3 Swiss National Open Access Strategy. Results of the Consultation:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA-Strategy-Review-Consultation-Report.pdf
4 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Swiss-National-Open-Access-Strategy-2024-en.pdf
5 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 11
6 Rights Retention Strategy: https://www.coalition-s.org/resources/rights-retention-strategy/
7 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 20 f.
8 https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science/ausschreibungen
9 Siehe https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science und https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-102538.html

Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).</description><enclosure
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<item><title>Openness an Hochschulen verankern mit dem OER-Policy Kit</title><link>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2#comments</comments><pubDate>Mon, 26 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>OER</category><dc:creator>Silvia Czerwinski</dc:creator><dc:creator>Irina Hörmann</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-an-hochschulen-verankern-mit-dem-oer-policy-kit-2</guid><description>Immer mehr Hochschulen bekennen sich zu Openness. Durch verschiedene Richtlinien wollen sie ein Signal für Lehrende, Forschende und andere Hochschulangehörige setzen, dass sie einen freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, Forschungsdaten und Bildungsmaterialien unterstützen. Doch was sollten solche Policies eigentlich enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Und welche Stakeholder sollten bei der Erstellung einbezogen werden, damit später bei der Umsetzung alle an einem Strang ziehen und die Policies nicht nur auf dem Papier bestehen? Antworten in Bezug auf Open Educational Resources (OER) gibt das OER-Policy Kit. Es bietet Orientierung, Handlungsempfehlungen und praktische Tipps.
Openness in der Hochschullehre - Open Educational Resources (OER)

Viele Hochschulen im DACH-Raum haben bereits eine Policy für die Förderung von OER auf den Weg gebracht (siehe Policy-Liste). Als OER werden freie Bildungsinhalte bezeichnet, die durch eine offene Lizenzierung kostenlos einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und somit für andere nachnutzbar sind - dabei kann es sich um einzelne Materialien oder ganze Kurse handeln (siehe UNESCO Definition). Dabei haben sich die Creative Commons Lizenzen als Standard für die Kennzeichnung und Verbreitung von OER etabliert.

Nachnutzbar können OER in vielerlei Hinsicht sein: Passende Lehr-/Lernmaterialien zum eigenen Lehrgebiet können die Lehrveranstaltung anreichern, ergänzen und vertiefen, sie bieten aber auch die Möglichkeit, die (Neu-)Gestaltung der eigenen Lehre zu inspirieren, umzustrukturieren und stärker kompetenzorientiert auszurichten (z. B. nach dem Prinzip des Inverted Classroom). Durch die Bereitstellung eines didaktischen und methodischen Mix an Lernangeboten können Studierende eingebunden und eine Vermischung von wissenschaftlichen Arbeitsmethoden und informellen Lernprozessen erreicht werden. Außerdem wird den Studierenden durch ein breites Angebot an Begleitmaterialien eine bedarfsorientierte Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht und so eigenverantwortliches und individuelles Lernen gefördert, z.B. mittels persönlicher Lernpfade zur Prüfungsvorbereitung, zur Vertiefung von Themen oder zum Auffangen unterschiedlicher Wissensstände bei Studierenden. Dies trifft umso mehr zu, wenn die Studierenden selbst dazu angeregt werden, gemeinsam mit den Lehrenden den Materialpool zu erweitern oder offene Lehrmaterialien an die eigenen Lernprozesse anzupassen.

Besonders beim Einstieg in die Hochschullehre können nachnutzbare Bildungsmaterialien für neuberufene Professorinnen und Professoren, frisch angestellte Mitarbeitende und Lehrbeauftragte hilfreich sein. Indem auf bewährte Materialien zurückgegriffen wird und somit die Erstellung von Lehrkonzepten und -materialien nicht bei null begonnen werden muss, kann der Lehreinstieg erleichtert werden.

Großes Potenzial entfalten OER vor allem dann, wenn die offenen Materialien verändert und erweitert werden. Sie können z. B. einfach in andere Sprachen übersetzt werden (mittels KI), wodurch sich Potenziale für die Internationalisierung ergeben. Oder die Inhalte können aus den Hochschulen heraus in andere Bildungssparten wie z. B. die wissenschaftliche Weiterbildung bzw. Erwachsenenbildung überführt werden.

Grundsätzlich kann die Veröffentlichung eigener Lehr-/Lernmaterialien sowie Lehrkonzepte als OER dem Reputationsaufbau im Bereich der Hochschullehre dienen, ähnlich wie wissenschaftliche Publikationen im Forschungsbereich. Mitunter werden OER im Lebenslauf auch für spezifische Stellen relevanter. Durch die Bereitstellung von Open Educational Resources kann ein aktiver Beitrag zu einer vielfältigen und nachhaltigen Bildungslandschaft geleistet werden.
Warum brauchen Hochschulen eine OER-Policy?

Das Teilen von Lehr-/Lernmaterialien, Lehrkonzepten oder Prüfungsaufgaben ist für manche Lehrende immer noch mit einigen Fragezeichen, Unsicherheiten oder Vorbehalten verbunden: Wo kann ich nach geeigneten Materialien suchen? Woher weiß ich, dass das gute Materialien sind? Ist es nicht aufwändig, die Materialien anderer an meine Lehre anzupassen? Welche rechtlichen Aspekte muss ich beachten, wenn ich meine Materialien veröffentlichen möchte? Wer gibt mir Antworten auf meine Fragen? Um eine Kultur des Teilens in der Lehre an Hochschulen und damit die Nutzung und Erstellung von OER zu etablieren bzw. zu fördern, braucht es verschiedene Maßnahmen auf mehreren Ebenen, z. B.:

    Beratungsstellen und konkrete Ansprechpersonen vor Ort
    Informationsmaterialien, Selbstlernkurse, Sprechstunden etc.
    Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote zur Erstellung und Nutzung von OER
    Austausch- und Vernetzungsformate für Lehrende, um u. a. Good-Practice-Beispiele sichtbar zu machen
    Anreizsysteme wie z. B. Förderprogramme, Auszeichnungen, Deputatsanrechenbarkeit für besondere Leistungen rund um OER in der Lehre
    Nationale und internationale Veranstaltungen rund um OER
    Unterstützung bei der Anpassung und Erstellung von OER in Form von ausgebildeten Hilfskräften

Ein wesentlicher Grundstein, der den Weg für diese Maßnahmen ebnen kann (aber nicht muss), kann mit einer Policy gelegt werden. Mit einer solchen Richtlinie, die sich an Lehrende, Mitarbeitende und/oder andere Hochschulangehörige richtet, können Hochschulen nicht nur zeigen, dass sie sich für OER, Openness und eine Kultur des Teilens einsetzen, sondern auch wie sie diese Ziele mit welchen Maßnahmen an der Hochschule erreichen möchten. Typische Inhalte einer OER-Policy sind folgende (siehe auch Muster Policy des niedersächsischen Landesportals twillo):

    Die Position der Hochschule in Bezug auf OER (enthält u. a. Präambel, Verständnis von OER, Ziele, Zielgruppen)
    Empfehlungen der Hochschule („Pflichten“ der Zielgruppe, u. a. Lizenzwahl, Namensnennung, offene Dateiformate, Qualitätssicherung)
    Angebote der Hochschule (welche Unterstützung möchte sie in Sachen OER gewährleisten, z. B. Einräumung der Nutzungsrechte, Verantwortlichkeiten und Ansprechpersonen, OER-Repositorium, Qualifizierungsangebote und weitere Maßnahmen)

Jedoch ist der Weg zu einer OER-Policy und ihre inhaltliche Ausgestaltung dabei so unterschiedlich und vielfältig wie die Hochschullandschaft selbst. Wenn sich eine Hochschule auf den Weg zu einer OER-Policy machen möchte, gibt es allerdings immer ähnliche Fragen: Wo und wie fange ich an? Was soll die Policy enthalten bzw. regeln? Was ist aus rechtlicher Sicht zu beachten? Welche Akteur:innen müssen einbezogen werden?
Das OER-Policy Kit als Handlungsleitfaden
Abb. 1: Roadmap OER-Policy Prozess. (Bild: Frank Homp und Stefanie Legler, CC BY 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de)

Klar definierte Antworten auf diese Fragen gibt es weniger, aber es gibt Erfahrungen, wie Hochschulen diese Fragen individuell für sich beantwortet haben. Diese sind nun in Form des OER-Policy Kits von einer Arbeitsgruppe bestehend aus twillo, dem Netzwerk ORCA.nrw und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen übersichtlich und interaktiv zusammengestellt worden. Über einen Zeitraum von sechs Monaten hat die sechsköpfige Arbeitsgruppe Erfahrungen von Hochschulen zusammengetragen, die bereits eine OER-Policy veröffentlicht haben oder noch mittendrin stecken. Während des Schreibprozesses wurden u. a. Rückmeldungen aus Vernetzungstreffen von Policy-Aktiven eingeholt und eingearbeitet.

Das fertige OER-Policy Kit ist ein Handlungsleitfaden, der als praktischer Wegweiser durch den Dschungel des OER-Policy-Entwicklungsprozesses dienen soll (Abb. 1). Egal, an welchem Punkt eine Hochschule steht – ob man einen Vorschlag für einen Policy-Entwurf benötigt, einen partizipativen Prozess gestalten oder die Hochschulleitung erst noch über das Für und Wider einer OER-Policy aufklären möchte –, das OER-Policy Kit versucht, trotz der vorhandenen Unterschiede zwischen den Hochschulen eine allgemeine Orientierung, konkrete Tipps und Beispiele sowie hilfreiche Materialien zu den verschiedenen Stationen zu geben.
Transferpotenzial für Open Access Policies

Ähnlich wie bei der Entwicklung von OER-Policies, bei denen es um den freien Zugang zu Lehr-/Lernmaterialien geht, gibt es auch bei der Gestaltung von Open Access Policies ähnliche Fragen. Diese Richtlinien zielen darauf ab, wissenschaftliche Publikationen und Forschungsdaten frei zugänglich zu machen. Der Prozess der Erstellung und Implementierung einer Open Access Policy umfasst viele der gleichen Herausforderungen und Schritte wie bei OER-Policies: die Definition von Zielen und Maßnahmen, die Einbeziehung relevanter Stakeholder und die Berücksichtigung rechtlicher Aspekte. Das OER-Policy Kit kann daher ebenfalls hilfreiche Antworten auf den Entwicklungsprozess einer Open Access Policy geben und als Leitfaden herangezogen werden. Schließlich können Hochschulen durch die parallele Förderung von OER und Open Access eine umfassende Kultur der Offenheit etablieren, die sowohl die Lehre als auch die Forschung umfasst.

Wenn sich also Ihre Hochschule auf den Weg Richtung Openness machen und das in Form einer Policy verankern möchte, dann werfen Sie gerne einen Blick in das OER-Policy Kit. Alle Dateien zum Nachnutzen des Policy Kits finden sich in diesem Git-Repository: https://github.com/twillo-lehre-teilen/OER-Policy-Kit Wenn das Kit hilfreich für Sie ist oder wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben, freuen wir uns immer über Ihr Feedback an support.twillo@tib.eu bzw. als Kommentar unter diesem Post.
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