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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access international</description>
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<item><title>Disziplinäre Realitäten</title><link>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</link><comments>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten#comments</comments><pubDate>Mon, 06 Oct 2025 10:24:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Lasse Ramson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</guid><description>Disziplinäre Realitäten. Ein Kommentar zur Diskussion um den Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog seine unfreiwillige Auslistung aus dem DOAJ bekannt. Dieser Blogbeitrag kommentiert vor allem die disziplinspezifische Komponente der Ausschlussentscheidung und macht Vorschläge für die bessere Berücksichtigung rechtswissenschaftlicher Besonderheiten im Rahmen der Aufnahmekriterien und -entscheidungen des DOAJ.



Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog – der vermutlich größte Blog in der deutschen Rechtswissenschaft – bekannt, dass das Directory of Open Access Journals (DOAJ) sich entschlossen hatte, ihn zukünftig nicht mehr zu listen (Dalkilic, 2025). Im Rahmen der daraufhin beginnenden Debatte haben das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) explizit um Beiträge aus der Open-Access-Community gebeten. Dieser Beitrag kommentiert vor allem die spezifisch disziplinäre Dimension der Ausschlussentscheidung in der Hoffnung, damit auf Besonderheiten der (deutschen) Rechtswissenschaft aufmerksam machen zu können, die in den Entscheidungskriterien des DOAJ bisher nicht ausreichend reflektiert sind.
Der Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Doch zunächst zum Hintergrund: Im September 2021 war der Verfassungsblog in das DOAJ aufgenommen worden (Hodgkinson, 2025). Ende 2024 wurden die Aufnahmekriterien für den Blog im Rahmen einer Überprüfung aller gelisteten Journals mit einer Durchschnittsveröffentlichungszeit (von Einsendung bis Veröffentlichung) von unter drei Wochen erneut evaluiert (Hodgkinson, 2025). Im Ergebnis entschied sich das DOAJ, den Verfassungsblog auszulisten, und teilte diese Entscheidung im Januar mit (Dalkilic, 2025). Dagegen legte der Blog Widerspruch ein, der im Mai dieses Jahres zurückgewiesen wurde; das Widerspruchsschreiben und die Reaktion des DOAJ veröffentlichte der Verfassungsblog im Juni auf seiner Website (Dalkilic, 2025). Im Anschluss veröffentlichten das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) weitere Statements.
Die Aufnahme in das DOAJ als Qualitätskriterium

Nun wäre es denkbar, den Schluss zu ziehen, dass die Nichtaufnahme in das DOAJ für eine Publikation eben Ausdruck der dort angelegten Kriterien ist und der Verfassungsblog – und viele andere wissenschaftliche Publikationen – diese nicht erfüllen. Das muss an sich kein Problem sein. Der Verfassungsblog selbst weist allerdings auf zwei Dimensionen des Ausschlusses bzw. der Nichtaufnahme hin, die für Publikationen zu einem manifesten Problem werden können: Die erste Dimension, die Anerkennungswirkung, die von der Aufnahme in das DOAJ für potentielle Autor*innen ausgeht (vgl. Di Rosa, 2025), dürfte dabei in der deutschen Rechtswissenschaft (noch) untergeordnete Relevanz haben. Nur wenige Autor*innen verstehen sich als Teil der Open-Access-Community und/oder machen davon die Entscheidung abhängig, an welchem Ort sie veröffentlichen (vgl. Hamann &amp; Eisentraut, 2023). Insofern ist die Anerkennung durch den Gatekeeper DOAJ aus dem Open-Access-Feld für das disziplinäre Feld Rechtswissenschaft von untergeordneter Relevanz.

Eine große Herausforderung ergibt sich allerdings daraus, dass die Aufnahme in das DOAJ von Mittelgebern als Qualitätskriterium angelegt wird. Der Verfassungsblog weist selbst darauf hin, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Teil die DOAJ-Listung als Kriterium anlegt (Di Rosa, 2025) und diese Tendenz dürfte sich durch die strategische Kooperation von DFG und DOAJ für viele Förderlinien in Zukunft noch verstärken (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2025). Wenn also ein Medium wie der Verfassungsblog, dessen wissenschaftliche Akzeptanz unumstritten sein dürfte, durch die Auslistung aus dem DOAJ zukünftig von Förderlinien schon aus formellen Gründen ausgeschlossen sein könnte, offenbart sich ein Problem. Das DOAJ weist darauf hin, dass eine solche Verknüpfung gerade nicht vorgenommen werden sollte (Hodgkinson, 2025). Solange dies aber der Fall ist – und das DOAJ durch die Eingehung einer solchen strategischen Kooperation mit der DFG diese Entwicklung auch befördert – reicht ein solcher Hinweis nicht aus, sondern sollte einen Teil des Reflektionsprozesses des DOAJ bilden.
Das Peer-Review-Erfordernis für die Aufnahme in das DOAJ

Der Ausschluss des Verfassungsblogs wurde letztlich auf vier verschiedene Kriterien gestützt: Eine mangelnde Menge an „research articles“ würde veröffentlicht, es gäbe ein „lack of scholarly referencing“, es mangele an Informationen über Publikationskosten, und es würde kein Peer Review durchgeführt (Dalkilic, 2025). Jeder dieser Punkte wäre für sich genommen im Fall des Verfassungsblogs diskutabel, zumal sich die ersten beiden Punkte auf ansonsten nicht weiter transparent gemachte quantitative Kriterien zu beziehen scheinen (vgl. Dalkilic, 2025). Der letzte Punkt, die Nicht-Durchführung von Peer Review, weist aber im Besonderen auf ein Problem des Kriterienkatalogs selbst hin, das über den Einzelfall hinausweist und deshalb hier von besonderem Interesse ist. Der Fall ist bezüglich dieses Punktes einigermaßen klar. Der Verfassungsblog betont zwar, dass gelegentlich ein Peer Review durchgeführt wird, ein Editorial Review bleibt aber die Regel (Dalkilic, 2025). Dabei handelt es sich um eine bewusste Entscheidung, die absehbar auch nicht geändert wird (Dalkilic, 2025; Di Rosa, 2025).
Rechtswissenschaftliche Praktiken und die disziplinäre Sensibilität des DOAJ

Der Umgang mit dem Peer-Review-Kriterium bezeugt meines Erachtens ein grundlegendes Problem. Der Verfassungsblog weist darauf hin, wenn er schreibt, dass „if two external peer reviews is the standard requested by the DOAJ, German law journals are in effect almost entirely excluded“ (Dalkilic, 2025). Das Peer-Review-Kriterium im DOAJ gilt ohnehin schon nicht absolut, denn für „Arts and humanities journals“ gilt: „For these disciplines […], DOAJ can accept journals that undertake editorial review, rather than peer review“ (Directory of Open Access Journals, 2025).

Es ist daher gut, dass das DOAJ fragt: „is that exception still reasonable? If so, should it be widened and to what fields (such as law), settings, or types of journal or article?” (Hodgkinson, 2025).

Diese Debatte halte ich im gegebenen Zusammenhang für besonders drängend. Die vorhandene Ausnahme für „Arts and Humanities“ wird nicht weiter begründet. Es ist davon auszugehen, dass die Ausnahme von dem Wunsch getragen ist, etablierte Qualitätssicherungspraktiken in bestimmten Disziplinen als solche zu akzeptieren und nicht präskriptiv eine bestimmte Art und Weise der Qualitätssicherung vorzugeben.

Die Rechtswissenschaft befindet sich insofern in einer ähnlichen Ausgangslage wie die „Arts and Humanities“, ohne dass die DOAJ-Kriterien darauf angemessen Rücksicht nehmen würden. Das mag daran liegen, dass eine spezifische Eigenart der Rechtswissenschaft, die Kompartmentalisierung in nationale Felder und Diskurse, nicht ausreichend Eingang in die DOAJ-Kritierien gefunden hat. Anders als andere gesellschaftliche Systeme und ihre zugehörigen Diskurse haben sich das Recht und seine Wissenschaft noch nicht vollkommen globalisiert, sondern finden weitgehend in nationalen, staatszentrierten Diskursen statt (vgl. Luhmann, 1987). Und in der deutschsprachigen Rechtswissenschaft ist der Befund einigermaßen klar: Peer Review ist die Ausnahme (Purnhagen &amp; Petersen, 2018; Hamann &amp; Hürlimann, 2019; Rux, 2020) und bleibt es angesichts erheblichen disziplinären Widerstands auch auf absehbare Zeit (Kostorz, 2016).

Insofern muss das DOAJ, wenn es die disziplinspezifischen Besonderheiten angemessen berücksichtigen will, sowohl der nationalen Differenzierung der Rechtswissenschaft Raum geben als auch den jeweils national spezifischen Qualitätssicherungspraktiken. Das hat es bisher nicht getan. Seine Offenheit und Bereitschaft, in Zukunft die Kriterien zu überdenken und über die „Arts und Humanities“ hinaus Ausnahmen vom Peer-Review-Erfordernis zuzulassen, ist insofern begrüßenswert.
Fazit

Der Fall „Verfassungsblog“ weist über sich hinaus auf übergreifende Probleme mit den Aufnahmekriterien des DOAJ hin. Dieser Beitrag hofft, dass das DOAJ einerseits in Zukunft seine Fernwirkung stärker reflektiert – wenn etwa seine Aufnahmeentscheidungen konkrete materielle Auswirkungen auf Publikationen haben können – und andererseits disziplinspezifische Aufnahmekriterien kritisch weiterentwickelt und gegebenenfalls ausbaut.
Literatur

    Dalkilic, E. (2025-06-13). Access Denied. Verfassungsblog, DOAJ, and the Meaning of “Scholarly”. Verfassungsblog. DOI:10.59704/089986e7cd09bbc5.
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2025-05-05). DFG startet Kooperation mit dem Directory of Open Access Journals. Information für die Wissenschaft 33. www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2025/ifw-25-33
    Di Rosa, E. (2025-07-30). Who is In, Who is Out? Verfassungsblog’s Response to its Removal from DOAJ. Verfassungsblog. DOI:10.59704/ff5448e7c90de564.
    Directory of Open Access Journals (2025-06). Guide to applying [version 2.5]. doaj.org/apply/guide/
    Hamann, H. &amp; Eisentraut, N. (2023). Handbuch Open Science/Rechtswissenschaft. de.wikibooks.org/wiki/Handbuch_Open_Science/_Rechtswissenschaft
    Hamann, H. &amp; Hürlimann, D. (2019). Open Access bei der Veröffentlichung rechtswissenschaftlicher Fachliteratur – was soll das? Rechtswissenschaft, Sonderheft 2019, 3–30. DOI:10.5771/9783748903659-9
    Hodgkinson, M. (2025-07-09). What is a scholarly journal? A case study of applying the DOAJ criteria. DOAJ Blog. blog.doaj.org/2025/07/09/what-is-a-scholarly-journal-a-case-study-of-applying-the-doaj-criteria/
    Kostorz. P. (2016). Review-Verfahren bei der Veröffentlichung juristischer Fachartikel – Was soll das? Kritische Justiz 49 (3), 417–422. DOI:10.5771/0023-4834-2016-3-417
    Luhmann, N. (1987). Rechtssoziologie. (3. Aufl.). Westdeutscher Verlag.
    Purnhagen, K. &amp; Petersen, N. (2018). Evaluation of academic legal publications in Germany. In R. van Gestel &amp; A. Lienhard (Hrsg.), Evaluating Academic Legal Research in Europe. The Advantage of Lagging Behind (S. 88–103). Edward Elgar. DOI:10.4337/9781788115506
    Rux, J. (2020). Zum Anliegen der RECHTSWISSENSCHAFT. Rechtswissenschaft 1 (1), 3–10.

Titelbild: Andreas Axel Kirch / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 DE</description><enclosure
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<item><title>Ein kritischer Blick auf die Open-Access-Transformation. Die Veranstaltungsreihe Open Divide</title><link>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide#comments</comments><pubDate>Tue, 20 May 2025 11:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Ulrich Herb</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</guid><description>Open Divide, Critical Studies on Open Access1 lautete der Titel eines Sammelbandes, den Ulrich Herb (Universität Saarland) gemeinsam mit seinem Kollegen Joachim Schöpfel (Universität Lille) 2018 herausbrachte. Sieben Jahre später unternehmen die ehemaligen Herausgeber nun zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg) wieder eine kritische Bestandsaufnahme.

In der Veranstaltungsreihe Open Divide 2025/2026 werfen internationale Expert*innen einen kritischen Blick auf den Stand der Open-Access-Transformation und aktuelle Debatten um Open Science. Der oa.blog hat dem Veranstalter Ulrich Herb (UH) einige Fragen gestellt.

oa.blog: Herr Herb, wer sind die Organisierenden der Veranstaltungsreihe und was hat den Ausschlag gegeben, diese Veranstaltungsreihe zu organisieren?

UH: Joachim Schöpfel (Universität Lille) und ich (Universität Saarland) als Herausgeber des Sammelbandes 2018 zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg). Profan kam der Impuls auf, als Niels und ich uns bei einem Austausch in Saar-Lux-Lorraine trafen und darüber sprachen, dass ein Update sinnvoll wäre, da sich ja doch viel getan hat.
2018 glaubten viele - wir nicht - an Transformationsverträge, heute ist Diamond Open Access der Champion, während die Vormacht kommerzieller Akteure zementierter ist. Schattenbibliotheken haben angesichts dessen eine Bedeutung, die Bibliotheken herausfordern.

oa.blog: An wen richtet sich die Veranstaltungsreihe?

UH: Knapp gesagt, an alle, die sich dafür interessieren: Wissenschaftler*innen, die zu Scholarly Communication und Open Access forschen, aber auch Kolleg*innen, die Open Access Services betreiben, alle, die an einer kritischen Reflexion der Entwicklung von Open Access interessiert sind und nicht damit zufrieden sind, nur Policy Paper zu rezitieren.
Wie auch 2018 wollen wir kein geschlossenes Weltbild transportieren, sondern der Widersprüchlichkeit von Open Access versuchen gerecht zu werden. So wollen wir sowohl erkenntnistheoretische als auch wettbewerbswirtschaftliche Analysen erlauben, die sich sehr gern fundamental widersprechen dürfen.

oa.blog: Welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

UH: Ebenso wie 2018 beschäftigen uns die Rollen der Bibliotheken, die Frage, wie offen und transparent Open Access ist und welche Rolle der globale Süden in der Umsetzung von Open Access und Open Science spielt. Neu behandelt wird das Thema Nachhaltigkeit von Open Access, die finanzielle Verwertung wissenschaftlicher Publikationen, kommerzieller Wettbewerb versus Steuerung durch Infrastruktureinrichtungen, Skalierung von (Diamond) Open Access, die Rolle von Schattenbibliotheken und die Frage der Ausbeutung akademischen Arbeitens in der Wissenschaftskommunikation.

oa.blog: Gibt es wichtige Unterschiede zur Anthologie von 2018 und wenn ja, welche sind das?

UH: Aufgrund der Entwicklung und des Standes der Diskussion sind die Themen Diamond Open Access und die Rolle der kommerziellen Akteure im Open Access wichtiger geworden. Außerdem konnten wir zahlreiche neue Beitragende gewinnen: Nur drei Autor*innen von zwei Artikeln, die bereits 2018 dabei waren, sind diesmal erneut unter den Vortragenden.
Gleich ist, dass auch dieses Mal wieder ein Sammelband geplant ist, der 2026 im Diamond Open Access an der Universität Luxemburg erscheinen soll. Alle Vorträge werden aufgezeichnet und über das TIB-AV Portal publiziert.

oa.blog: Vielen Dank!

Die Veranstaltungsreihe Open Divide läuft bereits seit Ende April 2025 und wird bis März 2026 fortgesetzt. Das umfangreiche Programm und die Links zur Anmeldung finden Sie unter: opendivide.hypotheses.org/open-divide-2025-2026-speakers-and-topics.

Die nächste Veranstaltung findet am 28.05.2025 um 17 Uhr statt.
Vortragende sind Thomas Parisot (Directeur Général Adjoint Cairn.info, France) und Yann Mahé (Managing Director at MyScience Work, France).
Thema:Open Science and the Information Industry. French Debates and Insights (Registrierung)

Info: Das Interview führte für den oa.blog Martina Benz.

1 Die Beiträge des Bandes sind beinahe vollständig Open Access verfügbar.</description><enclosure
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<item><title>International Insights into Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 26 Mar 2025 15:12:04 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/international-insights-into-diamond-open-access</guid><description>Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.

Wie kann Diamond Open Access weltweit gestärkt werden? Drei Expert*innen aus Argentinien, Großbritannien und Frankreich beleuchteten Herausforderungen, Strategien und Infrastrukturen für eine nachhaltigere Publikationslandschaft ohne Publikations- oder Subskriptionskosten.
Diamond Open Access in Lateinamerika: Herausforderungen und Perspektiven

Als erstes präsentierte Fernanda Beigel ihre Aktivitäten und Erfahrungen in der lateinamerikanischen Open Science Community. Sie forscht am Nationalen Rat für Wissenschaftliche und Technische Forschung CONICET, Argentinien, und ist Direktorin des Forschungszentrums für die Zirkulation von Wissen (CECIC, mit Sitz an der Nationalen Universität Cuyo, Argentinien). Sie beteiligt sich zudem an internationalen Projekten und Initiativen, beispielsweise an der Ausarbeitung der Empfehlung für Open Science der UNESCO, die laut Fernanda Beigel ein besonderes Augenmerk auf die Werte „Openness“ und „Inclusiveness“ legt.

Fernanda Beigel betonte die Stellung von Open Access als am weitesten fortgeschrittenen Aspekt des Open-Science-Gedankens. Allerdings müsse als strukturelles Problem festgestellt werden, dass sich Open Access von Beginn an in einem bereits kommerziell ausgerichteten und organisierten Publikationssystem bewege und deshalb der Open-Science-Gedanke nur schwer vollständig umgesetzt werden könne. So seien ganz konkret in Argentinien vermehrt unerfreuliche Tendenzen zurück zu Closed Access zu beobachten. Der Grund hierfür liegt in den teuren Publikationsgebühren (APCs), die für die Veröffentlichung in kommerziellen Zeitschriften anfallen. Viele Angehörige finanzschwächerer Institutionen können sich diese nicht leisten, weshalb sie sich gezwungen sehen, im Closed Access in Zeitschriften mit Subskriptionsgebühren zu publizieren. Auch weitere bekannte Faktoren wie das Renommee von Zeitschriften würden bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen. Daher seien Closed- Access-Publikationsorgane inzwischen wieder eine zunehmend attraktive Option.

Aus diesem Grund ist eine vermehrte Anstrengung für Open-Access-Publikationsmodelle ohne Publikationsgebühren (Diamond Open Access, DOA) erstrebenswert. Für einen Überblick über weltweit bestehende DOA-Strukturen, hat Fernanda Beigel die Anzahl von DOA-Zeitschriften je Land erfasst und kartographiert. Hierfür nutzte sie die Daten sowohl globaler (z. B. DOAJ) als auch lokaler Verzeichnisse (z. B. OLIVA). Auffällig ist das Vorhandensein einzelner ‚DOA-Inseln‘, beispielsweise in Indonesien, Polen oder im gesamten lateinamerikanischen Raum. Insbesondere Lateinamerika, wo es historisch viele DOA-Initiativen gibt, verfügt außerdem über eine große Anzahl an Verzeichnissen und Indizes zur Erfassung von DOA-Strukturen. Beispielhaft stellte Fernanda Beigel den „latindex“ vor, der bereits seit 1994 Publikationen verzeichnet und heute das größte DOA-Verzeichnis der Region darstellt.

Diese lokale Konzentration der DOA-Infrastrukturen ist aus Fernanda Beigels Sicht problematisch. Sie diagnostiziert eine zu starke Fragmentierung und - damit verbunden - fehlende Koordinierung für ein offenes und inklusives Publikationssystem, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene. Gefragt nach ihrer Vision für die DOA-Bewegung fordert sie ein grundlegendes Umdenken im wissenschaftlichen Publikationswesen, das eine Neuausrichtung der Bewertung von Forschung ermöglicht. Zudem sieht Frau Beigel eine sich zunehmend entwickelnde Krise des veralteten, auf Closed Access und der Hegemonie großer Verlage basierenden Publikationssystems. Steigende finanzielle Probleme im Wissenschaftsbetrieb würden durch die kommerziellen Verlagsstrukturen verschärft und sorgten für eine angespannte Situation. Speziell im Fall von Argentinien bestehe in Hinblick auf die finanzielle Situation eine große Unsicherheit (um nicht gar von einer bestehenden Dystopie zu sprechen), da den bisher autonom agierenden Universitäten aufgrund politischer Entwicklungen jegliche staatliche Förderung gestrichen wurde. Dennoch, so Fernanda Beigels Hoffnung, könnte die sich abzeichnende Krisensituation als Chance genutzt werden, um ein neues, besser funktionierendes System aufzubauen und zu etablieren.
Die Open Library of Humanities: Ein Modell für nachhaltiges Publizieren

Im Anschluss sprach Caroline Edwards, Executive Director der Open Library of Humanities (OLH) und Senior Lecturer für zeitgenössische Literatur und Kultur an der Birkbeck University of London über ihre Erfahrungen mit internationalem DOA. Die OLH ist eine DOA-Publikationsplattform mit Fokus auf die Geisteswissenschaften und wurde 2013 gegründet. Insgesamt gibt die OLH aktuell 33 DOA-Zeitschriften heraus, wofür eine eigens entwickelte Software (Janeway) genutzt wird. Viele der stetig neu hinzukommenden Zeitschriften, die sich dazu entschließen, zukünftig non-for-profit und community-led zu agieren, lösen sich von großen kommerziellen Verlagen (insbesondere Wiley). Finanziert wird die OLH über ein Mitgliedschaftsmodell, wobei die Beitragenden überwiegend nordamerikanische und europäische Einrichtungen sind. Die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen  decken die Ausgaben des Herausgabebetriebs ab, von denen der weitaus größte Teil (ca. 75%) auf Personalkosten (aktuell 10 Mitarbeitende) entfällt. Außerdem erzielt die OLH einen geringen Betrag an Einnahmen durch die kostenpflichtige Bereitstellung der Janeway-Software an andere Publisher.

In ihrer Bemühung, Zeitschriften bei der Transformation auf ein Diamond-Open-Access-Modell zu unterstützen, stößt die OLH auf einige Herausforderungen. Die erfreulich hohe Nachfrage an umstiegswilligen Zeitschriften stößt seitens der OLH auf begrenzte Kapazitäten. Außerdem kommt es im Zuge der Umstellungen oft zu Problemen und Herausforderungen in Bezug auf die Migration der alten, kommerziell herausgegebenen Ausgaben. Zudem muss oft Überzeugungsarbeit bei der bisherigen Redaktion geleistet werden, um diese zu bewegen, ihre Arbeit auch unter der neuen Erscheinungsform der Zeitschrift fortzusetzen. Die Umstellung einer Zeitschrift auf ein Non-Profit-Modell geht des Weiteren oft mit einer Umbenennung einher, da die Namensrechte oft bei den kommerziellen Verlagen liegen. Trotz dieser Hindernisse gelang es in den vergangenen zwölf Monaten, zehn Zeitschriften auf ein Diamond-Open-Access-Modell umzustellen.

Bezüglich der Entwicklung von DOA in Großbritannien im Allgemeinen sieht Caroline Edwards ein großes Engagement innerhalb der wissenschaftlichen Community, deren Energie genutzt werden kann, um einen Wandel im Publikationssystem anzuregen. Vor dem Hintergrund der wachsenden finanziellen Krise des gesamten Wissenschaftssystems mit sinkenden staatlichen Fördersummen ist sie optimistisch, dass immer mehr Akteure des Publikationssystems die Vorteile von Diamond-Open-Access- Modellen sehen.
Europäische Infrastruktur für Diamond OA: Die Rolle von DIAMAS und EDCH

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Pierre Mounier von der École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris) Einblicke in seine Arbeit im Bereich wissenschaftlicher Infrastrukturen. Als stellvertretender Direktor von OpenEdition, Co-Koordinator von OPERAS, Co-Direktor des DOAB und Mit-Hauptverantwortlicher (Co-PI) des DIAMAS-Projekts stellte er zwei zentrale Initiativen vor, an denen er maßgeblich beteiligt ist: DIAMAS und den European Diamond Capacity Hub (EDCH).

Das DIAMAS-Projekt, gestartet im Jahr 2022, untersucht die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen für Diamond Open Access in Europa. Ziel ist die Diagnose und Analyse bestehender Diamond-Infrastrukturen, die Weiterentwicklung entsprechender Services sowie die Formulierung von Standards, Richtlinien und Empfehlungen für (politische) Entscheidungsträger*innen zur Förderung von Diamond Open Access. Ein internationales Konsortium aus 23 wissenschaftlichen Einrichtungen und Infrastrukturanbietern führt diese Untersuchung durch.

Ein zentraler Begriff in diesem Kontext sind die „Institutional Publication Service Providers“ (IPSP), unter denen Publikationsinfrastrukturen für Diamond Open Access zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um insgesamt 685 institutionelle Publikationsdienste, die im Rahmen von DIAMAS analysiert wurden. IPSPs umfassen zwei Kategorien: Institutional Publishers (IPs), die eine rechtliche, ethische oder wissenschaftliche Verantwortung für das akademische Publizieren tragen, und Service Providers (SPs), die spezifische Teilaufgaben im Publikationsprozess übernehmen. Diese beiden Typen können in einer einzigen IPSP-Einrichtung zusammengeführt sein. Während sich andere Projekte, wie etwa CRAFT-OA, primär auf technische Lösungen konzentrieren, betrachtet DIAMAS Infrastrukturen in einem umfassenderen Sinne. Dazu zählen neben technischen Services auch die organisatorischen Rahmenbedingungen der IPSPs, etwa ihre Vernetzung oder die Bereitstellung von Best Practices.

Auf der Arbeit des DIAMAS-Projekts aufbauend ist der European Diamond Capacity Hub (EDCH) entstanden. Dieser legt den Fokus vorrangig auf die Vernetzung der IPSPs. Der Hub soll eine Infrastruktur bieten, damit IPSPs ihre Erfahrungen und Anstrengungen im Bereich des DOA miteinander teilen und koordinieren können. Ziel ist es, die Community zu stärken, Synergien zu erkennen und bestehende Kapazitäten besser zu nutzen. Operativ wurden dafür sechs Taskforces gegründet, die sich auf Unterthemen wie technische Lösungen, Staff-Trainingsprogramme oder Finanzierung spezialisieren. Außerdem werden verschiedene Sevices entwickelt, die die (Zusammen-)Arbeit im DOA-Bereich erleichtern sollen. Hierzu zählt beispielsweise die Entwicklung eines DOA-Standards, der bei der Evaluation einzelner Journals helfen soll, oder ein Diamond Discovery Hub, d. h. eine Liste von DOA-Organisationen und Journals.

Pierre Mounier gab anschließend einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der politischen Entwicklung im Bereich Open Access in Frankreich. Aufgrund einer bislang für Open Science aufgeschlossenen Politik gibt es gute Voraussetzungen, umfangreiche Strukturen und hohe Qualitätsstandards bei französischen DOA-Journals (z. B. DOIs). Allerdings scheint sich ein politischer Umschwung anzudeuten, was insbesondere deshalb für eine prekäre Lage sorgte, weil die französischen IPSPs besonders stark in den öffentlichen Sektor integriert und in Sachen finanzieller Förderung stark von diesem abhängig sind. Auch in Frankreich besteht also eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Zukunft von DOA-Projekten und -Initiativen.
Politische Unsicherheiten und die Zukunft von Diamond OA

Schließlich weitete Pierre Mounier den Blick auf die globale Perspektive. Als eine der größten Herausforderungen identifizierte er die starke Fragmentierung der Anstrengungen für DOA. Nur wenn die globale DOA-Gemeinschaft koordiniert und strategisch agiere, habe sie eine Chance, sich gegen die kommerziell ausgerichteten Giganten wie Springer und Elsevier zu behaupten. Um der globalen und lokalen Fragmentierung entgegenzuwirken, spielen Projekte wie das EDCH, die die Vernetzung in den Mittelpunkt stellen, eine wichtige Rolle. Des Weiteren stellen bestimmte Wertvorstellungen oder fruchtlose Streitigkeiten um Begrifflichkeiten (wie die Diskussion um die ‚richtige‘ Definition von DOA) einer Zusammenarbeit oft unnötig im Weg. Anstatt sich in solchen nahezu irrelevanten Detailfragen zu verlieren, sollten das vorhandene Engagement und die Energie gebündelt werden, um die Zusammenarbeit in der Praxis zu stärken und auf diese Weise den großen und übergeordneten Zielen näherzukommen.

In der anschließenden Diskussion wurde der auffallende Umstand, dass die Arbeit aller drei Vortragenden durch die jeweils unsicheren politischen Umstände erheblich gefährdet ist, aufgegriffen. Die Abhängigkeit von politischen Entwicklungen stellte sich dabei als unvermeidlicher Unsicherheitsfaktor heraus, da auch die vermeintliche Alternative zur öffentlichen Trägerschaft – nämlich kommerzielle Finanzierungsquellen – letztlich nicht gänzlich losgelöst von politischen Entscheidungen agieren kann.</description><enclosure
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<item><title>Eine Politik für Open Access Bücher beginnt in der Einrichtung</title><link>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</link><comments>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Feb 2025 14:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Malte Dreyer</dc:creator><dc:creator>Jan-Philip Tummes</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/eine-politik-fuer-open-access-buecher-beginnt-in-der-einrichtung</guid><description>Eine smarte Förderpolitik für OA-Bücher soll zu mehr Open Access in den SSH führen. Wir haben gefragt: wer darf dabei nicht fehlen und wo brennt es am meisten?
Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern
Logo Palomera

Vergleicht man Umsetzungsstand der Open-Access-Transformation im Zeitschriftensektor mit der Lage auf dem Buchmarkt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass Bücher in der Open-Access-Transformation bisher eher am Rande behandelt wurden (Shaw &amp; Phillips et al., 2021). Hierfür gibt es viele Gründe. Der in Deutschland sehr kleinteilige Verlagsmarkt macht eine Transformation durch Konsortialverträge kompliziert und auf der Ebene der EU existieren verschiedene Umsetzungsstände und Rahmenbedingungen. Die Diskussion und Durchsetzung von Maßnahmen sowohl auf der nationalen als auch auf der europäischen Ebene gilt deswegen als sehr herausfordernd (Laakso &amp; Bandura-Morgan et al., 2024). Das Projekt PALOMERA (Policy Alignment of Open Access Monographs in the European Research Area) hat sich der Aufgabe angenommen, diese Rahmenbedingungen zu beschreiben und darauf aufbauend Empfehlungen für Politikmaßnahmen zur Förderung von Open-Access-Büchern zu erarbeiten. Dies geschieht – wie in anderen Policy-Forschungsprojekten auch – auf der Basis von Daten, die typischerweise durch Desktopresearch, in Workshops oder in Umfragen erhoben werden.
Die PALOMERA Umfrage zu Open-Access-Büchern

Vor diesem Hintergrund führten die Mitarbeitenden von PALOMERA eine europaweite Online-Umfrage zur Open-Access-Politik für Bücher durch. Sie zielte darauf ab, Einstellungen zur Politik für Open-Access-Bücher, zu anderen Stakeholdern sowie Bedarfe und Herausforderungen der Transformation zu ermitteln. Auch der Wissensstand über Open-Access-Politiken im Allgemeinen und die Beurteilung einzelner Politikmaßnahmen im Besonderen wurde erfragt. Die Einladung zur Umfrage wurde über Mailinglisten, Social-Media und Direktkontakte in 39 Ländern verbreitet.  420 Personen aus 30 Ländern haben teilgenommen. Für die Auswertung im Ländervergleich wurden nur Länder berücksichtigt, aus denen mindestens 30 vollständige Rückläufe vorlagen. Die Respondenten konnten sich außerdem den Stakeholdergruppen Forschungsförderungsorganisationen (RFOs), Universitäten (und andere Forschungsorganisationen, kurz. RPOs), Verlage, Bibliotheken, Infrastrukturanbieter, politische Entscheidungsträger oder Fachgesellschaften zuordnen, was zusätzlich eine stakeholderspezifische Analyse ermöglichte. In Hinblick auf die Gestaltung der Förderpolitik hierzulande und darüber hinaus sind besonders die Ergebnisse zu den Themen politisches Engagement und Stakeholderkooperation interessant.
Unsere nationale Open-Access-Politik: es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie…

Aufgrund der föderalen Struktur gibt es in Deutschland eine große Anzahl von politischen Dokumenten: Richtlinien auf der Ebene der Bundesländer, Stellungnahmen von Forschungsförderungsorganisationen, Papiere von Ministerien und vieles mehr (vgl. Bärwolff &amp; Benz, 2023). 27 % der Befragten scheinen eine dieser vorhandenen Strategien als nationale Politik zu betrachten, während 47 % der Befragten davon überzeugt sind, dass es in Deutschland keine nationale Open-Access-Politik gibt (Abbildung 1). Mit 26 % gibt sogar ein gutes Viertel der Befragten an, nicht zu wissen, ob eine nationale politische Strategie existiert oder nicht. Angesichts der unklaren Situation in Deutschland ist diese Aussage vermutlich nicht nur auf die Unkenntnis der Befragten zurückzuführen: Das Antwortverhalten der größtenteils professionell mit Open Access befassten Respondenten spiegelt vielleicht einfach die faktisch uneindeutige politische Situation in Deutschland korrekt wider.
Abb. 1: Existenz einer nationalen Politik. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.15

Dementsprechend besteht auch eine größere Unentschlossenheit hinsichtlich der Existenz einer Strategie für Open-Access-Bücher als in anderen Ländern. In Deutschland gaben die meisten Befragten an, sie wüssten nicht, ob eine solche Strategie existiert (67 %). In zentralistisch regierten Ländern sind sich die Befragten der Existenz und Verbreitung ihrer Open-Access-Politik dagegen weitaus stärker bewusst, wie ein Blick auf die Zahlen aus Frankreich beweist. Der Föderalismus birgt also besondere Herausforderungen für die Kommunikation der Wissenschaftspolitik.           

Doch warum ist das wichtig? Nun, das Wissen um die Existenz einer nationalen Politik ist die Voraussetzung für ein entsprechendes Engagement. Tatsächlich ist das Interesse an der Gestaltung einer nationalen Open-Access-Politik in Deutschland bemerkenswert gering (s. Abb. 2). Hier weisen die Daten übrigens eine weitere interessante Korrelation auf: das Interesse am nationalen Engagement scheint in einem Zusammenhang mit dem Interesse an der Open-Access-Politik auf der institutionellen Ebene zu stehen. In Ländern mit einem hohen Maß an Wissen über nationale Strategieprozesse ist auch ein höheres Beteiligungsinteresse auf der institutionellen Ebene messbar.
Abb. 2: Partizipationsinteresse und -wissen. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.30

Politikgestaltung darf demnach nicht nur als nationalstaatlicher Prozess gedacht werden. Hinzu kommt, dass alle Befragten ein höheres Beteiligungsinteresse an Prozessen in ihrer Institution hatten – vielleicht auch, weil sich die Befragten meistens besser auf der institutionellen Ebene auskennen. So geben, wie oben zu sehen, 49% aller Befragten an, die relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene benennen zu können, 67% dagegen geben an, die relevanten Stakeholder auf der institutionellen Ebene zu kennen. Wer zum Zwecke der Open-Access-Politikgestaltung besonders engagierte Mitstreiter*innen braucht, sollte sich also auf die Ebene der Institution oder Einrichtung begeben.
Stakeholder und die Sonderrolle der Verlage

Politische Prozesse sind partizipative Prozesse. Konkrete inhaltliche Weichenstellungen können bereits dadurch vorgenommen werden, dass bestimmte Interessengruppen ausgeschlossen und andere zugelassen werden. Daher haben wir gefragt, wer an einem politischen Prozess für Open Access Bücher in Zukunft beteiligt werden sollte und welche Interessengruppen bereits gut vertreten sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich für die Zukunft einen geringeren politischen Einfluss der internationalen Verlage wünscht. Dieser Befund korrespondiert mit dem häufig geäußerten Wunsch, wissenschaftsgeleiteten Initiativen mehr politischen Einfluss zu geben (Abb.3).
Abb.3: Relevanz von Stakeholdern. Ländervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.27.

Zusätzlich zum Vergleich der Länder haben wir auch nach Stakeholdern aufgeschlüsselt. Im Allgemeinen sind sie nicht nur der Meinung, dass ihre eigene Gruppe stärker vertreten sein sollte, sondern geben auch an, dass sie sich eine stärkere Präsenz fast aller anderen Gruppen wünschen würden. Die Verlage weisen hierbei allerdings den schwächsten Zuwachs zwischen der geschätzten gegenwärtigen und der erwünschten zukünftigen Bedeutung auf. In Bezug auf die internationalen Verleger wird sogar gewünscht, dass sie in Zukunft eine weniger bedeutsame Rolle in der Open-Access-Politik spielen sollten (Abb.4 und 5). Scholar led Initiativen weisen dagegen die stärkste positive Differenz zwischen der Einschätzung der gegenwärtigen und der erhofften zukünftigen Relevanz auf.
Abb.4: Relevanz von Stakeholdern, Stakeholdervergleich. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.28.

Auch in Bezug auf die Bewertung des Impacts einer Open-Access-Politik spielen die Verlage eine besondere Rolle. Zwar waren Respondenten aus den Verlagen am wenigsten davon überzeugt, dass eine nationale Open Access Politik die Dinge zum Besseren verändern würde, bezeugten aber das größte Interesse, an einer solchen mitzuwirken.
Abb.5: Erwartungen an eine Open Access Politik und Partizipationsinteresse. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S. 32.
Die Moral von der Geschicht

Im Projekt PALOMERA haben wir durch die Umfrage gelernt, dass viele Stakeholder sich eher auf der institutionellen als auf der nationalen Ebene an der Gestaltung einer Open-Access-Politik für Bücher beteiligen würden. Eine starke Einbindung der Institutionen durch geschickte Partizipationsmechanismen bei gleichzeitiger Verzahnung der institutionellen mit der nationalen Ebene könnte daher ein vielversprechender Ansatz für eine Politikgestaltung sein, die Stakeholder auf allen Ebenen von Anfang an mit miteinbezieht. In einem solchen Bottom-up-Prozess würden die RPOs als Vermittlungsorgan zwischen der Ebene der Wissenschaftler und der nationalen bzw. europäischen Ebene fungieren. Dabei steht besonders der Föderalismus vor schwierigen Herausforderungen, weil sich dort mit den Bundesländern ein weiterer Intermediär zwischen den Stakeholdern und ihren nationalen Interessenvertretern schiebt. Das führt zu einer unübersichtlichen Situation, in der eine klar strukturierte Governance und bündige Kommunikationskonzepte umso wichtiger werden, wie der Vergleich mit den zentralistisch regierten Ländern zeigt. Bibliotheken könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Wenn es irgendetwas in Bezug auf Informationsinfrastrukturen zu entscheiden oder zu diskutieren gibt, könnten sie zu wichtigen Ansprechpartnerinnen werden.

In Bezug auf die Stakeholder unterstreichen unsere Daten den vielerorts vernehmbaren Eindruck, dass eine wachsende Skepsis gegenüber kommerziellen Geschäftsmodellen das Bedürfnis nach wissenschaftsgeleiteten Kommunikationsinfrastrukturen nährt. Die Bereitschaft zur politischen Gestaltung ist aber bei allen Stakeholdern hoch. Hier wünschen sich die Befragten auch eine Beteiligung der national agierenden Verlage, womit vermutlich vor allem die kleineren und mittelständischen Verlage gemeint sein dürften. Dass wir jede helfende Hand gebrauchen können, zeigt ein abschließender Blick auf die Problemzonen der Open Access Transformation für Bücher. Obwohl Open-Access-Bücher mittlerweile eine gute Reputation genießen, geben fast alle Befragten an, dass sie in Puncto Informationspolitik, finanzielle Förderung und technische Infrastrukturen noch viel Verbesserungsbedarf sehen (Abb. 6.) Insofern hat die PALOMERA-Umfrage auch einen appelativen Charakter. Die Aufforderung, eine progressive Politik für Open-Access-Bücher zu machen, geht aber nicht nur an die politischen Entscheidungsträger der EU und des Bundes. Sie sollte – das legen unsere Ergebnisse nahe – besonders in den Einrichtungen ernst genommen werden: an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, in den Seminaren, Fachverbänden und in den Bibliotheken. An der Basis.
Abb.6: Handlungsfelder für die Open-Access-Politikgestaltung für Bücher. Dreyer &amp; Stone et al., 2024, S.39.
Literaturliste

Bärwolff, Theresa; Benz, Martina; Dreyer, Malte u. a.: Open4DE Landscape Report, 2023. Online: , Stand: 05.11.2024.

Dreyer, Malte; Stone, Graham; Tummes, Jan-Philip u. a.: Report on the PALOMERA survey on open access policies for books in the European research area, 30.08.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13607260, Stand: 03.12.2024.

Laakso, Mikael; Bandura-Morgan, Laura; Bazeliuk, Nataliia u. a.: PALOMERA Deliverable 3.1 – Report on Analysis Findings, in zenodo, 01.10.2024. Online: https://doi.org/10.5281/ZENODO.13827250, Stand: 26.11.2024.

Shaw, Philip; Phillips, Angus; Gutiérrez, Maria Bajo: Arts, Humanities and Social Sciences Monographs. A Report on Publishing Trends, Oxford International Centre for Publishing, Oxford 2021.</description><enclosure
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<item><title>Die Schweiz setzt sich ein neues Open-Access-Ziel</title><link>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</link><comments>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel#comments</comments><pubDate>Thu, 12 Dec 2024 13:30:00 +0100</pubDate><category>Open Access Policy</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Nicolai Hauf</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-schweiz-setzt-sich-ein-neues-open-access-ziel</guid><description>“Bis 2024 sollte Wissenschaftliches Publizieren in der Schweiz OA sein, alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen müssen im Internet frei zugänglich sein.”1 Mit diesem hehren Ziel wurde im Januar 2017 die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz verabschiedet. Sie wurde von swissuniversities (der Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der schweizerischen Hochschulen) mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) entwickelt. Nach acht Jahren vielfältiger und innovativer Open-Access-Aktivitäten ist es an der Zeit zurückzublicken: Konnten wir das übergeordnete Ziel erreichen?

Ein Blick auf die Zahlen sagt klar: Nein! Der Schweizer Open-Access-Monitor (ein zentrales Ergebnis aus der ersten Strategiephase) weist für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 2023 einen Open-Access-Anteil von lediglich 71% aus. 2017 waren hingegen nur 49% aller Artikel frei zugänglich.2 Auch wenn man hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist eine positive Entwicklung sichtbar. Insbesondere wenn man die Vorgabe von 100% nicht zu sehr als realistischen Benchmark, sondern mehr als politisches Instrument zur Mobilisierung von Ressourcen und Aktivitäten in diesem Bereich interpretiert.
Die Revision der Strategie

Mit Blick auf das Ablaufen der Strategieperiode Ende des Jahres 2024 haben sich die Urheber*innen daran gemacht, das Dokument in einem partizipatorischen Prozess zu überarbeiten. Alle Schweizer Hochschulen konnten im Rahmen einer offenen Konsultation eine frühere Fassung des Strategiepapiers durchsehen und kommentieren. Eine redigierte Zusammenfassung und die Auswirkungen auf den finalen Text sind öffentlich einsehbar.3

Die revidierte Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz wurde im Juni 2024 veröffentlicht.4 Das Dokument baut auf Grundsätzen auf, welche in der ersten nationalen Strategie aufgestellt wurden: gemeinsam, kostenneutral und auf diversen Wegen ein offenes Publikationssystem schaffen. Es ist als kontinuierliche Fortsetzung zu sehen, welche zentrale Ergebnisse jüngster Projekte aufgreift und aktuelle Entwicklungen im Bereich Open Science berücksichtigt. Neu soll eine komplette Open-Access-Transformation in der Schweiz nun bis spätestens 2032 erfolgen.
Die neue Schweizer Vision

Die Vision der revidierten Strategie ist eine robuste Open-Access-Landschaft. Um dies zu erreichen, wurden sieben Leitprinzipien definiert. Auf deren Basis wiederum sind sechs Ziele ausgegeben, welche über sechs ineinandergreifende Wege erreicht werden können. Eine stark verschachtelte Strukturierung des Dokuments wie diese ist symptomatisch für die vielfältigen und mehrschichtigen Zielsetzungen der involvierten Akteur*innen. Inhaltlich geht es hierbei insbesondere um die Entwicklung und Koordination zentralisierter Infrastrukturen und Dienstleistungen (speziell für Diamond und Green Open Access), die Schaffung eines unterstützenden Rechtsrahmens (Zweitveröffentlichungsrecht, Beibehaltung von Urheberrechten) und die Etablierung einer Open-Access-Kultur in den Forschungsgemeinschaften als Standard wissenschaftlichen Arbeitens. Die konkrete Umsetzung der Strategie obliegt den sich selbst-verpflichtenden Institutionen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten und Kontexte – nach dem Grundsatz der Eigenverantwortung, einer in der Schweiz besonders hochgehaltenen Tugend. Es wird weiterhin mehrfach betont, dass diese Ziele nur durch umfangreiche Kollaborationen zwischen Institutionen erreicht werden können.

Die neue strategische Ausrichtung läutet eine Phase der Konsolidierung ein, in der bewährte Ideen der letzten Jahre gebündelt und optimiert werden sollen. Dies bedeutet einen Perspektivenwechsel, indem stärker als zuvor akademische Institutionen und weniger individuelle Forschende in die Pflicht genommen werden, die gesetzten Ziele zu erreichen.
Entwicklung des Open-Access-Status für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel in der Schweiz, 2017-2023. (Bild: Swiss Open Access Monitor)
Definition von Open-Access-Publikation und Auswirkungen für Repositorien

Hervorzuheben ist die Definition einer Open-Access-Publikation, die in der Strategie verankert ist. Dokumente müssen in einem maschinenlesbaren Format, kostenlos, ohne Embargo und unter einer offenen Lizenz bereitgestellt werden.5 Dies hat eine hohe Relevanz für Repositorien, welche Publikationen über den Grünen Weg in vielen Fällen nicht unter Creative-Commons-Lizenzen bereitstellen (dürfen). Sperrfristen sind zudem weit verbreitet. Streng genommen gilt mit dieser ambitionierten Definition ein großer Teil der aktuell vorhandenen Zweitveröffentlichungen in Schweizer Repositorien nicht mehr als Open Access. Was bedeutet das für Repository Manager? In erster Linie viel Kommunikation: In vielen Fällen müssen individuelle Abklärungen mit Verlagen eingeleitet werden, weil generelle Policies keine Aussagen zu einer Verbreitung unter einer Creative-Commons-Lizenz machen – oder dies explizit verbieten. Es wird weitere Abstimmungen auch mit Publizierenden brauchen. Idealerweise behalten diese die Urheber- und Verwendungsrechte an ihrem akzeptierten Manuskript. Die Rights Retention Strategy6 unterstützt in diesem Bereich.
Berücksichtigung alternativer Publikationsformen

Klar ersichtlich und positiv herauszuheben ist ein verstärkter Fokus auf alternative Publikationsformen, abseits von wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln. Die Förderung von Open Access für Langformen (wie Bücher und Buchkapitel), Publikationen in den Künsten und in anwendungsorientierten Publikationsgefäßen (wie Fach- und Verbandszeitschriften) wird in der Strategie speziell adressiert. Der Nachholbedarf und das große Potential wurden erkannt. Auch nicht-kommerzielle Publikationswege wie Diamond Open Access und Institutional Publishing sind zentrale Handlungsfelder der Strategie. Bibliodiversität ist ein wichtiger Faktor für eine umfassende und stabile Open-Access-Landschaft. Aber auch ein stärkerer Bezug zu weitreichenden Entwicklungen im Bereich der Forschungsevaluation und Open Science über die klassischen Textpublikationen hinaus findet Erwähnung.
Die Aussichten: heiter bis wolkig oder doch nebelig?

In Diskussionen und der Formulierung der neuen Strategie fällt eine fehlende kritische Auseinandersetzung mit dem nicht-erreichten 100%-Ziel auf. Auf neuen Wegen soll es nun in acht weiteren Jahren erreicht werden. Diese Verschiebung verwässert die Botschaft und ist inkonsequent. Auch wenn neu quantitative und qualitative Indikatoren für die Zielerreichung definiert wurden und auf strategischer Ebene durch ein Gremium laufend beobachtet werden sollen, sind Erfolgskriterien wie bspw. Zufriedenheit der Forschenden mit ihren Veröffentlichungsoptionen schwer zu messen.7 Am Ende fehlt es auch an konkreten Konsequenzen, wenn das neue Open-Access-Ziel wieder nicht erreicht werden sollte.

Wie es Strategiepapiere oft an sich haben, bleiben viele Details in Bezug auf konkrete Umsetzungen vage. Der Grundton der neuen Open-Access-Strategie kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Alles ist möglich, nichts wird ausgeschlossen. Konkrete Zielrichtungen werden an einer anderen Stelle zu finden sein. Zum Jahreswechsel wird swissuniversities die ersten Ausschreibungen für neue Open-Access-Projekte veröffentlichen.8 Die Förderentscheidungen zeigen dann eine Tendenz und füllen die Strategie mit Leben. Die Schweizer Institutionen blicken daher gespannt in die Zukunft, insbesondere angesichts der jüngst angekündigten radikalen Kürzungen für das gesamte Open-Science-Programm als Folge der Sparmaßnahmen für den Schweizer Bundeshaushalt.9

Dieser Beitrag kommt nicht ohne die abschließende Anmerkung der ironischen Tatsache aus, dass die Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz nach eigener Definition selbst keine Open-Access-Publikation unter einer offenen Lizenz ist. Please – practice what you preach!

Autor: Nicolai Hauf,
mit wertvoller Unterstützung durch das Open-Access-Team der ZHAW Hochschulbibliothek.

1 Nationale Open-Access-Strategie für die Schweiz (2017): https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Open_Access__strategy_final_DE.pdf
2 Journal Monitor (OAM-CH) des Schweizer Open-Access-Monitors: https://oam.oamonitor.ch/open-access/-2025566562
3 Swiss National Open Access Strategy. Results of the Consultation:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/OA-Strategy-Review-Consultation-Report.pdf
4 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024:
https://www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Hochschulpolitik/Open_Access/Swiss-National-Open-Access-Strategy-2024-en.pdf
5 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 11
6 Rights Retention Strategy: https://www.coalition-s.org/resources/rights-retention-strategy/
7 Swiss National Open Access Strategy. Revised in 2024, S. 20 f.
8 https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science/ausschreibungen
9 Siehe https://www.swissuniversities.ch/themen/open-science/programm-open-science und https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-102538.html

Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).</description><enclosure
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<item><title>«When Green Open Access Meets Diamond Open Access»</title><link>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</link><comments>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing#comments</comments><pubDate>Tue, 08 Oct 2024 11:13:26 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Daniela Hahn</dc:creator><dc:creator>Enrique Corredera Nilsson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</guid><description>Opportunities and Synergies for Non-Commercial Open Access Publishing (Webinar)

Im Juni 2024 organisierten die durch swissuniversities co-finanzierten Projekte «GOAL – Unlocking the Green Open Access Potential» und «PLATO – Platinum Open Access Funding» gemeinsam das Webinar «When Green Open Access Meets Diamond Open Access». Ziel war es, mögliche Synergien zu erkunden, die entstehen, wenn Green Open Access und Diamond Open Access als komplementäre statt konkurrierende Modelle betrachtet werden. In diesem Blogpost fassen wir die Diskussionen des Webinars zusammen und stellen erste Überlegungen vor, wie diese die weitere Debatte über nachhaltiges und erschwingliches Open-Access-Publizieren in der Schweiz befördern können.
Das Streben nach Nachhaltigkeit I: Green- und Diamond Open-Access-Kulturen

In den letzten Jahren ist die Suche nach fairen, nachhaltigen und günstigen Formen des wissenschaftlichen Open-Access-Publizierens ins Zentrum des Interesses gerückt. Unterstrichen wird dies durch die «Schlussfolgerungen des Rates zu Wegen des hochwertigen, transparenten, offenen, vertrauenswürdigen und fairen wissenschaftlichen Publizierens», die vom Rat der Europäischen Union im Mai 2023 veröffentlicht wurden. Sowohl die Selbstarchivierung von Publikationen in institutionellen Repositorien (Green Open Access) als auch wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren ohne Gebühren für Autor*innen und Leser*innen (Diamond Open Access) können zu einer Transformation in diese Richtung beitragen. Die Frage, wie diese beiden Open-Access-Modelle konkret Synergien in Bezug auf Bibliodiversität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kosteneffizienz schaffen können, stand bisher jedoch noch nicht im Mittelpunkt der Diskussion.

Ziel des Webinars, das von swissuniversities ausgerichtet und von Thomas Leibundgut (Co-Koordinator Open Science, swissuniversities) moderiert wurde, war es, solche Synergien aufzuzeigen. Green und Diamond Open Access können sich – so die Ausgangsthese – auf der Suche nach einem nachhaltigen und kosteneffizienten Open Access ergänzen. Die Veranstaltung wurde von rund 90 Teilnehmer*innen besucht (die meisten davon Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken) und fiel zeitlich mit der Veröffentlichung der revidierten Schweizerischen Nationalen Open-Access-Strategie zusammen, welche Nachhaltigkeit und Bibliodiversität ins Zentrum stellt. Das Webinar traf auch deshalb auf ein reges Interesse der Community.

Der erste Teil des Webinars fokussierte auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen, die mit dem grünen und diamantenen Open-Access-Modell verbunden sind. Damit sollten diejenigen Bereiche identifiziert werden, in denen sich Synergien aus der Kombination ihrer Stärken ergeben können. Um eine Verknüpfung der Erfahrungen beider Projekte mit den Interessen und Ansichten der Teilnehmenden zu erleichtern, verwendeten wir Mentimeter-Fragen zur Erhebung der verschiedenen Wahrnehmungen von Green und Diamond Open Access. Beide Modelle wurden als Dienstleistungen betrachtet, welche von Institutionen angeboten und/oder unterstützt werden. Diese Gemeinsamkeit überschattetet jedoch nicht die Unterschiede: Für die Teilnehmenden wurde Green Open Access vor allem mit Fragen zu Embargo-Fristen, Zugänglichkeit, Autor*innen- und Nachnutzungsrechten verbunden, während die Stichworte «frei», «unterfinanziert», «wissenschaftsgeleitet» und «unabhängig» mit Diamond Open Access assoziiert wurden.

Breitere Zugänglichkeit

Beide Modelle sind auf wissenschaftliche Institutionen und akademische Einrichtungen angewiesen, da sie im Kern als Services für die wissenschaftlichen Communities angelegt sind. Als bedeutsamer erweist sich jedoch die andere Parallele: die Notwendigkeit der Beteiligung von Forschenden. In beiden Modellen bilden sie die Eckpfeiler des Publikationssystems, und jeder Versuch, Green und Diamond Open Access über den aktuellen Stand hinaus wirklich erfolgreich zu machen, muss insbesondere auf die Forschenden ausgerichtet sein: hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Zweitveröffentlichungsrecht oder ihres Engagements in und für wissenschaftsgeleitete Zeitschriften.

Zudem teilen beide Modelle die Anliegen der Zugänglichkeit, der Wahrung von Autor*innen- und Nachnutzungsrechten sowie der Beseitigung finanzieller Hürden im Open-Access-Publizieren. Durch eine parallele, institutionelle Förderung und strategische infrastrukturelle Vernetzung von Green und Diamond Open Access, können Autor*innen somit die Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern erfüllen und zugleich Publikationsgebühren vermeiden.

Darüber hinaus können gemeinsame Bemühungen der Befürworter*innen von Green und Diamond Open Access Vorstöße stärken, die einen fairen und erschwinglichen Zugang zu Forschungsergebnissen unterstützen. In Bezug auf Zugänglichkeit offerieren Green und Diamond Open Access mehrere Zugangspunkte für Forschende, Fachleute und die Öffentlichkeit, wodurch die Verbreitung und Reichweite wissenschaftlicher Publikationen insgesamt erhöht wird. Diamond-Open-Access-Zeitschriften können institutionelle Repositorien zudem in mehrfacher Hinsicht nutzen: für Zwecke der Langzeitarchivierung, aber auch zur Maximierung der Sichtbarkeit und Verbreitung der veröffentlichten Forschungsergebnisse. Die Verknüpfung von Forschungsergebnissen – sowohl Pre-Print als auch Post-Print – und ihre Verfügbarmachung in einem interoperablen Netzwerk von Infrastrukturen und Diensten (z. B. Open Peer Review, Overlay-Zeitschriften) können folglich die Open-Access-Transformation insgesamt beschleunigen, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und die Vernetzung von Forschung über verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.
Das Streben nach Nachhaltigkeit II: Infrastrukturen

Im zweiten Teil des Webinars wurden die Teilnehmenden dazu befragt, welche Infrastrukturen für eine gemeinsame Förderung von Green Open Access und Diamond Open Access nötig seien. Wie sich diese Modelle aus infrastruktureller Perspektive gegenseitig ergänzen können, ist dabei eine Frage, die besonders für Hochschulen und andere forschungsintensive Einrichtungen relevant ist. Denn diese Einrichtungen betreiben institutionelle Repositorien und/oder unterstützen Diamond-Open-Access-Zeitschriften, indem sie Wissenschaftler*innen beschäftigen, die Zeitschriften herausgeben, und Hosting-Lösungen und/oder Zuschüsse für Zeitschriften bereitstellen. Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits Publikationsinfrastrukturen, Veröffentlichungsmöglichkeiten und Langzeitarchivierungsdienste an, die ausgebaut und vernetzt werden sollten, um die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen durch die Integration von Green- und Diamond Open-Access-Kapazitäten zu maximieren.

Die Antworten zeigten, dass eine Mehrheit für nationale Infrastrukturen plädiert, sowohl in Form einer nationalen Diamond-Open-Access-Plattform für Zeitschriften und Bücher als auch in Form eines nationalen Repositoriums. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass nationale Infrastrukturen als Möglichkeit gesehen werden, die Sichtbarkeit und die Kosteneffizienz zu erhöhen, insbesondere für kleinere Einrichtungen. Synergien zwischen Green Open Access und Diamond Open Access zu schaffen, kann auch dazu beitragen, den Einfluss kommerzieller Verlage zu reduzieren – ein Ziel, über das bei den meisten Teilnehmenden Einigkeit bestand.

Zusammenarbeit und geteilte/gemeinschaftliche Ressourcen

Im Rahmen der Diskussion zu Infrastrukturen verlagerte sich der Fokus im zweiten Teil des Webinars von den Forschenden hin zu den Bibliotheken und ihren Ressourcen. Im Interesse der Teilnehmenden an gemeinschaftlichen Lösungsansätzen ließ sich zugleich die geteilte Einsicht in die Notwendigkeit einer Skalierbarkeit erkennen. Viele Komponenten einer robusten Infrastruktur sind bereits etabliert, dank der Entwicklung von Repositorien in zahlreichen Institutionen, die jeweils auf deren spezifische Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnitten sind. Dies umfasst nicht nur technische Aspekte wie Server und Software, sondern auch die Ebene der Praktiken und immaterielle Aspekte wie bspw. Fachwissen und Erfahrungen, welche in der Verwaltung und Entwicklung dieser Repositorien sowie in Projekten zu Diamond Open Access gesammelt werden konnten. Überlegungen, wie Elemente, die bereits teilweise oder vollständig verfügbar sind, auf koordinierte Weise integriert werden können und aus der Verbindung vereinzelter Bemühungen ein «Mehr» geschaffen werden kann, bilden einen entscheidenden ersten Schritt, um nicht-kommerzielles Open-Access-Publizieren weiter zu fördern.
Perspektiven für die (nahe) Zukunft

Wie hier skizziert, bot das einstündige Webinar in zweierlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken: Zum einen hob es das Potenzial hervor, Green und Diamond Open Access als komplementäre Modelle zu betrachten, mit der Möglichkeit, Synergien zu schaffen. Zum anderen identifizierte es, wenn auch nur vorläufig, Bereiche und Elemente, die diese Synergien begünstigen können. Zusammengefasst bietet dieser Bereich trotz mehr als zwei Jahrzehnten der Open-Access-Entwicklung noch immer das Potenzial für bedeutende Transformationen – wenn wir nur bereit sind, sie als möglich und realisierbar zu betrachten.</description><enclosure
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