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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access in der Praxis</description>
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<item><title>Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?</title><link>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</link><comments>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jun 2026 10:12:56 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Lorenz Weinberg</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</guid><description>Am 5. Mai 2026 bot das BMFTR-geförderte Projekt open-access.network im Rahmen des Promovierendenforums der Heinrich-Böll-Stiftung einen Grundlagenworkshop zu Open Access an, der auf großes Interesse stieß. 

Mit dem Workshop kooperierte das Projekt open-access.network zum ersten Mal mit einem Begabtenförderwerk einer politischen Stiftung, um Nachwuchswissenschaftler*innen für die Themen Open Access und Offene Wissenschaft zu sensibilisieren. Auf dem jährlich stattfindenden Promovierendenforum stellen die Promotionsstipendiat*innen der Stiftung ihre Forschungsprojekte vor und tauschen sich zu wissenschaftspolitischen Themen aus. Die dreitägige Veranstaltung in den Berliner Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung stand in diesem Jahr unter dem Motto &quot;Wissenschaftler*innen zwischen Neutralität und Aktivismus - Darf oder muss Wissenschaft politisch sein?&quot;. Der Workshop mit dem Titel „Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?“ widmete sich den strukturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten von Open Access, wissenschaftlichem Publizieren sowie Forschungsbewertungspraktiken und spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem sich viele Promovierende bewegen.

Bereits im Vorfeld zeigte sich, dass der Ansatz, die gesellschaftspolitische Dimension von Open Access in den Mittelpunkt zu stellen, auf fruchtbaren Boden fiel: Deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmenden des Forums entschied sich für das Angebot von open-access.network gegenüber anderen parallel stattfindenden Sessions. Als Workshopleiter habe ich mich sehr über das große Interesse gefreut. Wissenschaftler*innen gehören generell zu jenen Zielgruppen, die von der OA-Community oft schwerer zu erreichen sind. Das große Interesse und die aktive Teilnahme der Promovierenden könnten als Anregung gewertet werden, öfter auch die politische Wirkkraft von Open Access und Debatten rund um Reputation und dem wissenschaftlichen Publikationswesen stärker in die Einführungsworkshops zu Open Access miteinzubeziehen.

Eine interdisziplinäre Gruppe mit politischem Bewusstsein

Abbildung 1 Wortwolke zur Frage &quot;Was verbindest du mit den Begriffen &#039;Open Access&#039; und/oder &#039;Offene Wissenschaft&#039;? Erstellt mit edkimo.
Die 27 Teilnehmenden des Workshops kamen aus verschiedenen Fachdisziplinen und waren aus unterschiedlichen Städten des deutschsprachigen Raums angereist. 

Der Wissenstand zu Open Access innerhalb der Gruppe war recht heterogen. Ein kurzes Stimmungsbild per Handzeichen verdeutlichte, dass ein Großteil der Gruppe bereits Berührungspunkte mit Open Access hatte. Doch es gab auch einige, für die das Thema neu war. Allerdings zeigte bereits die erste interaktive Übung, dass die Teilnehmenden hochmotiviert und politisch sensibilisiert waren und ihre engagierten Perspektiven auch auf die Thematik Open Access übertrugen. Mittels einer Umfrage zu der Frage „Was verbindest du mit den Begriffen ‚Open Access/Offene Wissenschaft‘?“ wurden Themen wie „Bildungsgerechtigkeit“, „Wissensgerechtigkeit“, „Fairness“, „Zugänglichkeit“ oder „ausbeuterische Wissenschaftsverlage“ genannt, noch bevor sie im Workshop vertieft wurden.


Teil 1: Grundlagen zu Open Access und die gesellschaftspolitische Dimension
Da nicht alle Teilnehmenden mit Open Access vertraut waren, begann der Workshop mit einem kompakten Input zu den Grundlagen. Im Anschluss folgte die erste Kleingruppenphase, in der die Teilnehmenden fiktive Szenarien zur Relevanz von Open Access entlang verschiedener Personas diskutierten. Hier kam das Material &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; zum Einsatz. In den Diskussionen entwickelten die Teilnehmenden Anwendungsbeispiele und sprachen über eigene Erfahrungen. 

Die 15-minütige Kleingruppendiskussion hätte problemlos doppelt so lange dauern können, so intensiv waren die Gespräche. In der anschließenden Plenumsrunde brachten die Teilnehmenden die Kapitalinteressen der Großverlage als zentrales Hindernis für Open Access zur Sprache. Einer der ersten Wortbeiträge kam von einer Person, die sich bisher noch nicht mit Open Access beschäftigt hatte und fragte, warum sich Open Access noch nicht als Regelfall durchgesetzt habe, wenn die Vorteile doch so offensichtlich seien. Direkt darauf verwiesen andere auf die Macht der Großverlage. Die gesellschaftliche Relevanz von Open Access wurde in der Gruppe als offensichtlich angesehen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass Open Access noch breiter gedacht werden müsse. So wäre es wünschenswert, Forschungsergebnisse und Fachtexte so zu verfassen, dass sie für mehr Menschen verständlich und damit zugänglich sind. Als Beispiel wurde die Praxis aus der Psychologie genannt, bei der den Studien eine Lay Summary vorangestellt wird, in der Ergebnisse in einem kurzen Text ohne Fachjargon präsentiert werden. 

Ein weiteres zentrales Thema war die Monopolstellung der großen Verlage, die als Problem identifiziert und als weiterer Grund für die Notwendigkeit insbesondere von Diamond Open Access angeführt wurde. Zudem wurde über Möglichkeiten gesprochen, an Literatur zu kommen, ohne an einer Universität eingeschrieben zu sein. Hier wurde deutlich, wie sehr sich Menschen ohne institutionelle Zugänge abgeschnitten und benachteiligt fühlen. In diesem Zusammenhang sprach eine Teilnehmerin über die Zeit des Jura-Referendariats, in der sie nach dem Studium ohne Uni-Mitgliedschaft kaum noch Zugang zu Fachliteratur hatte. Auch die globale Ungleichheit durch unterschiedlichen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen wurde von den Teilnehmenden angesprochen. Als Vorteil von Open Access wurde zudem die Mehrsprachigkeit genannt, da Open Access den Zugang zu wissenschaftlichen Fachpublikationen in verschiedenen Sprachen ermöglicht. Die weltweit freie und vor allem digitale Zugänglichkeit macht diese Texte leichter erreichbar.

Insgesamt zeigte sich, dass die gesellschaftspolitische Relevanz von Open Access im Speziellen und offener Wissenschaft im Allgemeinen in der Gruppe sehr klar erkannt wurde. Neben den in den Personas skizzierten Szenarien brachten die Teilnehmenden viele weitere Felder ein und arbeiteten die gesellschaftspolitische Bedeutung von freiem Zugang zu wissenschaftlicher Literatur heraus. Da sich die Gruppe in dieser Einschätzung einig war, konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der sich in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.

konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.


Teil 2: Karrieredruck, Publikationsentscheidungen und Forschungsbewertung – aus dem Alltag als Promovierende*r
Im zweiten Teil ging es nun explizit um eigene Publikationsentscheidungen und damit verbundene politische Implikationen und karrieretechnische Auswirkungen. Als Workshop-Leiter stellte ich folgende These in den Raum, die die Teilnehmenden in Kleingruppen erneut engagiert diskutierten: 

„Aufgrund von Karrieredruck, dem Druck, möglichst viel publizieren zu müssen oder in möglichst renommierten Zeitschriften zu publizieren, habe ich keine Zeit, mir über übergeordnete Fragestellungen zu Wissenschaftspolitik und Publikationskultur Gedanken zu machen.“

In der anschließenden Diskussion in der großen Runde wurde deutlich, dass insbesondere kumulativ promovierende Nachwuchswissenschaftler*innen einem deutlichen Karrieredruck unterliegen. Ein Teilnehmer führte in Bezug auf die Eingangsthese aus, dass er eigentlich genug Zeit habe, um sich über das Publizieren Gedanken zu machen und gerne alles im Open Access veröffentlichen würde. Gleichzeitig sei er nur ein „kleines Rädchen“, das allein sowieso nichts verändern könne. In diesem Zusammenhang wurden auch der Impact-Faktor und die Rankings von Journals generell angesprochen. Einige Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sie in ganz bestimmten Zeitschriften mit hohem Renommee veröffentlichen müssten, um promoviert zu werden oder um später einen guten Job zu bekommen. Die starren Strukturen des Wissenschaftsbetriebs wurden als einengend beschrieben und der angesprochene Karrieredruck von mehreren Personen bestätigt. Die Teilnehmenden beschrieben die Promotionszeit als sehr herausfordernd und anspruchsvoll. 

„Man ist eh schon hart überfordert mit allem beim Promovieren und es braucht viel Kraft und Zeit, um sich Wissen, einen kritischen Blick auf Strukturen und eine Haltung zum Publizieren anzueignen.“
- Einschätzung einer Teilnehmerin -

Es entwickelte sich eine Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Individualkritik und Systemkritik. Nicht alle Teilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass man als Einzelperson nichts machen könne. Dennoch kristallisierte sich bald die Position heraus, dass politische Lobbyarbeit für Open Access wichtig ist. Hier wurde auf die Unterstützung von unabhängigen, kleinen, möglicherweise genossenschaftlich organisierten OA-Verlagen verwiesen und schlussendlich über Universitäten als die besten Anker für solche Verlage gesprochen. 


Fazit: Ein Workshop mit Nachhall
Der Workshop zeigte, dass Open Access die Kernfragen wissenschaftlicher Praxis berührt und eine klare politische Dimension und gesellschaftliche Relevanz mit sich bringt. Dass diese Debatte gerade mit politisch engagierten Nachwuchswissenschaftler*innen geführt wurde, ist ein wichtiger Schritt, um Open Access-Themen aus der „Bubble“ der Bibliotheks- und Infrastruktur-Community herauszuholen. Die Heinrich-Böll-Stiftung bekundete bereits ihr Interesse, die Zusammenarbeit ausbauen zu wollen.

Als Learnings aus dem Workshop lassen sich drei zentrale Erkenntnisse formulieren:

Politisches Bewusstsein ist bei den Nachwuchswissenschaftler*innen vorhanden: Die Teilnehmenden brachten eigene Perspektiven ein und zeigten, dass Open Access für sie kein abstraktes Konzept, sondern eine konkrete Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe und Zugänglichkeit von Wissen ist.
Karrieredruck vs. Idealismus: Die Spannung zwischen individuellen Zwängen und kollektivem Wandel wurde deutlich. Die Gruppe sah hier Handlungsspielräume durch gemeinsame Forderungen oder die Unterstützung alternativer Publikationsmodelle.
Raus aus der OA-Bubble: open-access.network hat mit diesem Workshop erstmals ein Angebot zum Thema Open Access für Promotionsstipendiat*innen einer politischen Stiftung geschaffen. Dass es so gut angenommen wurde, unterstreicht die Notwendigkeit, OA-Debatten in politische Kontexte zu tragen.

Literatur und weiterführende Links:
Materialien der TIB Hannover zu OA-Workshops: Schicketanz, K. (2026, February 16). &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; - Material für einen Präsenz-Workshop zum Thema Open Access. Technische Informationsbibliothek Hannover. https://doi.org/10.5281/zenodo.18655342 

Heinrich-Böll-Stiftung – Begabtenförderungswerk, Promotionsförderung: https://www.boell.de/de/promotionsfoerderung </description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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<item><title>Open Access für Nachwuchsforschende – Folge im Podcast „NachwuchsFragen“</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen#comments</comments><pubDate>Fri, 15 May 2026 09:43:00 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Deborah Sielert</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-fuer-nachwuchsforschende-folge-im-podcast-nachwuchsfragen</guid><description>Worauf müssen Wissenschaftler*innen am Beginn ihrer akademischen Karriere beim Open-Access-Publizieren achten? Und welche Informationsangebote und Tools können dieser Zielgruppe beim Einstieg in die Open-Access-Thematik helfen? Über diese und viele weitere Fragen hat Deborah Sielert im Podcast „NachwuchsFragen“ der Graduiertenakademie an der Leibniz-Universität Hannover gesprochen.

Open-Access-Publizieren aus Nachwuchsperspektive
In der 43-minütigen Folge „Publizieren mit Open Access“ gibt Deborah Sielert eine Einführung in das Thema Open Access, die speziell für junge Wissenschaftler*innen mit noch wenig Erfahrung im wissenschaftlichen Publikationssystem zugeschnitten ist. Neben einem kurzen geschichtlichen Abriss der Entwicklungen des wissenschaftlichen Publizierens, die zur Open-Access-Transformation geführt haben, erklärt sie zentrale Begriffe und Abkürzungen, von APC über DEAL bis hin zu CC-BY-NC und den Zugangswegen zu Open Access mit ihren verschiedenen Farbbezeichnungen. 
Besonders spannend ist Deborah Sielerts doppelte Perspektive: Einerseits hat sie während ihrer Promotion eigene Erfahrungen als junge Forscherin gemacht, andererseits sieht sie nun als Open-Access-Beraterin an der TIB auch die weitläufigen Hintergründe des wissenschaftlichen Publizierens. In dieser Doppelrolle berichtet sie von den Herausforderungen, mit denen Early Career Researchers beim Open-Access-Publizieren konfrontiert sind, und benennt gleichzeitig Lösungen und Hilfsangebote. Bei der mitunter mühevollen Suche nach einem passenden Publikationsort für eine Open-Access-Publikation können neben den einrichtungsspezifischen Beratungsangeboten an der Bibliothek beispielsweise das B!SON-Tool oder auch der Erfahrungsaustausch mit der Fachcommunity unterstützen. Außerdem spüren insbesondere Wissenschaftler*innen am Anfang ihrer Karriere den Publikationsdruck der weit verbreiteten „Publish or Perish“-Kultur, was unseriöse Predatory Journals versuchen für ihre Zwecke zu nutzen. Auch hier können technische Angebote wie Positiv- bzw. Negativlisten von „Think Check Submit“ oder das Verzeichnis DOAJ, aber auch die persönliche Open-Access-Beratung an der eigenen Einrichtung Unsicherheiten reduzieren und für derartige Stolpersteine im Publikationswesen sensibilisieren.

„Ich hätte gerne mehr Wissen über den Publikationsmarkt und Themen wie Lizenzen gehabt, denn da besteht für mich ein Zusammenhang zu Selbstwirksamkeit und zum selbstbewussten Navigieren durch die Promotions- und Postdoc-Phase.“
– Deborah Sielert –

Rückblickend auf ihre eigenen Erfahrungen während der Promotion macht Deborah Sielert deutlich, wie wichtig der Informationsfluss an junge Wissenschaftler*innen ist. Wer seine Rechte als Urheber*in kennt, kann selbstbewusster mit Verlagen verhandeln und informierte Entscheidungen treffen. Nachwuchsforschende sind nicht den Zwängen eines starren Systems ausgeliefert, sondern können aktiv Einfluss nehmen – etwa durch die bewusste Wahl eines Journals oder einer Lizenz. „Im Rückblick, wenn ich jetzt nochmal publizieren wollen würde, würde ich eher schauen, welches Journal ich zum Beispiel vom Geschäftsmodell her unterstützenswert finde“, resümiert sie diesen Gedanken.

Link zur Folge
Die Podcastfolge kann auf der Webseite des „NachwuchsFragen“-Podcast oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen gehört werden.
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Offene Publikationswege durch Transparenz und Zusammenarbeit ermöglichen: Einblicke in die Infrastruktur hinter dem oa.finder/journal</title><link>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</link><comments>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal#comments</comments><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 20:45:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</guid><description>Welche redaktionellen Abläufe, Datenquellen und Kooperationen stecken hinter dem Recherchetool oa.finder/journal? Die Autorinnen berichten zusammenfassend über den Online-Workshop Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal vom 10. September 2025.
Themen des kollegialen Austauschs mit Expertinnen aus Bibliotheken und Konsortialstellen waren die redaktionellen Abläufe im oa.finder/journal, die Nutzung von Datenquellen, sein Einsatz in der Beratungs- und Anwendungspraxis sowie die Weiterentwicklung der Datenstrukturen. In verschiedenen Impulsreferaten wurden folgende Fragen diskutiert:
-	Wie kommen die Daten über Transformationsverträge und Publikationsfonds der Wissenschaftseinrichtungen in den oa.finder? 
-	Welche Möglichkeiten haben Bibliotheken, Angaben zu prüfen, zu ändern und zu ergänzen? 
-	Welche Rolle spielen Konsortialstellen als Paketverwalter von Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträgen?
-	Wie werden Unikliniken und Universitäten mit Literaturversorgung durch rechtlich selbstständige Bibliotheken (SUBs, zentrale Fachbibliotheken etc.) repräsentiert? 
-	Wie ist der Planungsstand zur Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträge?

Es wurde deutlich, dass der oa.finder im Austausch mit verschiedenen Beteiligten Transparenz im Veröffentlichungsprozess schafft, Informationswege bündelt und Open-Access-Akteur*innen verbindet. Als Wissensbasis zur Recherche nach Publikationsmöglichkeiten enthält er neben publikationsrelevanten Informationen zu knapp 57.000 wissenschaftlichen Zeitschriften auch Informationen über Open-Access-Aktivitäten, Transformationsverträge und Publikationsfonds an über 700 Wissenschaftsinstitutionen im deutschsprachigen Raum. 
Datenpflege als Gemeinschaftsarbeit 
Der oa.finder unterstützt Wissenschaftler*innen bei der Auswahl geeigneter Publikationsorte für ihre Forschungsarbeit im Open Access sowie Mitarbeitende an Bibliotheken und anderen zentralen Serviceeinrichtungen bei der Publikationsberatung. Er bündelt Informationen über Zeitschriften, Verlage, Geschäftsmodelle und Open-Access-Vereinbarungen und macht diese strukturiert zugänglich. Die Teilnehmenden erfuhren, dass der oa.finder/journal auf eine Vielzahl von Quellen und Schnittstellen zurückgreift, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), das Directory of Open Access Journals (DOAJ), APC-Preislisten von Verlagen, die Transformative Agreements Public Data des Journal Checker Tools sowie einrichtungsspezifische Informationen aus dem oa.atlas. Diese Zusammenführung erfordert technische Schnittstellen, redaktionelle Sorgfalt und institutionsübergreifende Kooperationen.
In ihrer Einführung sprach Nina Schönfelder (UB Bielefeld) über die Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Sie beschrieb die notwendigen komplexen Arbeitsschritte, um aus verstreuten Quellen ein konsistentes und aktuelles Informationssystem zu formen. Von der automatisierten Datenübernahme bis zur manuellen Prüfung durch das Redaktionsteam wird die Datenqualität an verschiedenen Stellen des Prozesses sichergestellt. „Der Anspruch ist, zuverlässige und nachvollziehbare Informationen zu bieten, weil der oa.finder/journal eine Grundlage für Beratungen und Publikationsentscheidungen bieten will“, betonte Schönfelder. Die Herausforderung der Datenpflege läge nicht nur in der technischen Integration, sondern auch im Umgang mit der Dynamik des Open-Access-Marktes: Zeitschriftenmodelle ändern sich, neue Transformationsverträge kommen hinzu, Verlage wechseln ihre Richtlinien.

Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg
Im ersten Impulsreferat präsentierten Evamaria Krause und Sonja Härkönen von der Universitätsbibliothek Augsburg, wie die Literaturversorgung und Organisation der Transformationsverträge in ihrem Haus für die Medizinische Fakultät, das Uniklinikum sowie verschiedene klinische Kooperationspartner umgesetzt werden. Klinik-Mitarbeitende, die wissenschaftliche Dienstleistungen erbringen, sind laut Grundordnung der Universität Augsburg den Universitätsmitgliedern rechtlich gleichgestellt, was auch für den Versorgungsauftrag durch die Universitätsbibliothek gilt. Aus dieser Konstellation entstehen komplexe Einzelanforderungen, die im Alltagsgeschäft kommunikative Herausforderungen darstellen: Beispielsweise, wenn bei mehrjährig laufenden Transformationsverträgen während der Vertragslaufzeit neue Personen als publikationsberechtigt aufgenommen werden sollen. Oder die entstehenden Zusatzkosten, wenn Mitarbeitende der Kooperationskliniken im Rahmen von Verträgen publizieren wollen, an denen die Medizinische Fakultät nicht beteiligt ist. 
Die Dienste der UB Augsburg zum Open-Access-Publizieren sind vielfältig: Information und Beratung zu Open Access, finanzielle Förderung von Open-Access-Artikeln und Beteiligung an Transformationsverträgen. In der Publikationspraxis geht es oft um Fragen wie: Welche Zeitschrift erlaubt mir, meinen Artikel im Open Access zu veröffentlichen? Welche Kosten entstehen, und wer übernimmt sie? Hier bietet der oa.finder/journal eine erste Orientierung, indem er Informationen zu APCs, Lizenzen und Fördermöglichkeiten bündelt. Evamaria Krause und Sonja Härkönen betonten, dass vor allem die Kombination der zentral gepflegten Daten mit lokaler Beratung zielführend sei. 
In der Universitätsmedizin treffen unterschiedliche Förderlogiken aufeinander – nicht nur bei den erwähnten Transformationsverträgen, sondern auch bei der universitätsinternen Förderung von Open-Access-Artikeln. Für diese Fälle wünschen sich die Referentinnen eine differenzierte Darstellung der Transformationsverträge und Fördermöglichkeiten im oa.finder/journal sowie schnelle Änderungen in den eigenen Daten.

Beratung mit dem oa.finder an der Universität Greifswald
An der Universität Greifswald ist die Situation anders: Die Uniklinik ist Teil der Universität und fungiert als medizinischen Fakultät. Entsprechend sind alle Angehörigen der Unikli-nik auch Hochschulangehörige. Ariane Retzar berichtete aus der Beratungspraxis des Open-Access-Teams der Universitätsbibliothek Greifswald, das den oa.finder aktiv nutzt, um Forschenden passgenaue Informationen zu bieten. In der täglichen Arbeit diene er als Nachschlagewerk, mit dem Publikationsoptionen schnell auffindbar sind. Da die UB den oa.finder zentral auf ihrer Website eingebunden hat, wird er auch von Wissenschaft-ler*innen genutzt, was durch Erwähnungen in E-Mails und bei telefonischen Anfragen belegt ist. Für die Weiterentwicklung wünscht sich das Greifswalder Open-Access-Team eine verlässliche und durchgängige Kennzeichnung förderfähiger Zeitschriften und eine Übereinstimmung der einrichtungsspezifischen Förderbedingungen mit den Hinweisen zur Kostenübernahme.
Retzar hob hervor, dass der Nutzen des Tools vor allem darin besteht, dass es Entscheidungen erleichtert. Zugleich betonte sie, dass es keine Beratung ersetzt, sondern stützt und professionalisiert. Mit der passenden Suchanfrage erhalte man im oa.finder objektive und vergleichbare Informationen, die die lokale Publikationsberatung ergänzen, was grade für kleinere Einrichtungen eine erhebliche Entlastung bringt.

Open-Access-Informationen an der SUB Hamburg
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) informiert Forschende der Universität Hamburg sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) über vielfältige Kanäle zu Open-Access-Publikationsmöglichkeiten – von Webseiten über Schulungen bis hin zu persönlichen Beratungen. Die Literaturversorgung (inkl. OA-Vereinbarungen) des UKE erfolgt kooperativ-arbeitsteilig mit der Ärztlichen Zentralbibliothek (ÄZB). Sarah Ehmke von der SUB Hamburg stellte die Frage, wo und wie sich der oa.finder in dieses Informationsangebot einbinden ließe und schlussfolgerte, dass der Mehrwert in der zentralen Sichtbarkeit, Aktualität und Verlässlichkeit der Daten läge: „Wenn wir in der Beratung auf eine verlässliche Datenquelle verweisen können, schafft das Vertrauen – und spart Zeit auf beiden Seiten.“ Deshalb plädierte sie dafür, im oa.finder mehr lokale Informationen einzubinden, etwa institutionsspezifische Kategorie-Labels, das Platzieren institutionsspezifischer Hinweise und das Hinterlegen von Rabatt-, Rahmen- und Deposit-Verträgen. Erst dann könne er zu einem festen Bestandteil der Publikationsberatung in Bibliotheken mit echtem Mehrwert für die Wissenschaftler*innen vor Ort werden. Darauf eingehend gab Nicola Bieg von der Konsortialstelle der TIB Hannover den Hinweis, dass Bibliotheken bei der Anbahnung von Transformationsverträgen die zugehörigen Universitätskliniken explizit als publikationsberechtigte Einrichtungen angeben sollten. Das schaffe Transparenz in der Frage wer berechtigt ist zu publizieren und fließe außerdem in die Erstellung des Gebührenmodells ein, da so Publikationszahlen und Lizenzen eingerechnet werden könnten. Auch im Publikationsprozess seien diese Informationen bedeutsam, damit Verlage eingereichte Artikel dem passenden Transformationsvertrag zuordnen können.
In den Beiträgen aus den verschiedenen Bibliotheken wurde deutlich, dass die Informationen über die verschiedenen und komplexen Publikationsverträge sich nur schwer passgenau aufbereiten lassen und immer erklärungsbedürftig bleiben. Bei der Frage wo und mit welcher finanziellen Unterstützung Forschende publizieren können, ist der oa.finder ein hilfreiches Tool zur ersten Orientierung für Wissenschaftler*innen und für Personen in der Publikationsberatung. Eine verbindliche Klärung ist nur mit individueller Beratung der Bibliotheken möglich.

Konsortiale Perspektive: Datenweitergabe und Synergien
Nicola Bieg von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) erweiterte den Austausch um die Perspektive einer Konsortialstelle, die Vertragsverhandlungen mit Verlagen vorbereitet, durchführt und Abschlüsse erzielt. Als Vorbereitung für die Vertragsverhandlungen sowie ihr Monitoring seien konsistente und interoperable Daten essenziell. Bei Titellisten für die Read-Komponente von Transformationsverträgen gäbe es einen etablierten und guten Standard zum Austausch mit den Verlagen; dies sei bei Titellisten für die Publish-Komponente noch nicht der Fall. Nach Vertragsschluss verteilt die TIB einige der vertragsbezogenen Daten (Titellisten, Einrichtungslisten) an mehrere Dienste routinemäßig mit teils unterschiedlichem Zuschnitt – darunter auch an den oa.finder. Ein Zeitverzug sei unvermeidbar, da die Verträge oft erst im Laufe des Januars rückwirkend zu Jahresbeginn unterzeichnet werden, was sich auch im oa.finder niederschlägt. In jeder neuen Vertragsphase kommen PIDs (Persistente Identifier wie DOI, ORCID, ISSN und ROR-ID zum Tragen. Für das Monitoring der Verträge hinsichtlich der zu erwartenden Publikationszahlen, greift die TIB auf das Schema des OA-Switchboards zurück. Für das Management von Lizenzen wurde an vielen deutschen Konsortialstellen in der Vergangenheit standardmäßig die WIB-ID zur eindeutigen Identifizierung von Einrichtungen verwendet, die Konsortialstellen mittlerweile aus LAS:eR ziehen können. LAS:eR ermöglicht die zentrale Verwaltung von elektronischen Ressourcen in einem System inklusive Konsortial- und Nationallizenzen. Bibliotheken können neben ihrer WIB-ID auch die ROR IDs der Einrichtungen hinterlegen, für deren Literaturversorgung sie zuständig sind. Dies ist für Transformationsverträge essenziell, damit die Publish-Komponente alle berechtigten, aber rechtlich selbstständigen Einrichtungen umfasst (Unikliniken, Universitäten mit Versorgungsauftrag durch eine Landes-/Staats- oder zentrale Fachbibliothek usw.). Bieg betonte, dass diese Informationen bereits zu Verhandlungsbeginn vorliegen sollten; ein Nachmelden sei selten möglich. 

Verknüpfte Datenstrukturen – Ein Blick in die Zukunft
Abschließend präsentierte Silke Weisheit von der Universitätsbibliothek Regensburg die geplante Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Open-Access-Vereinbarungen, die im Rahmen des DFG-Projekts openCost entstehen soll. Damit wird eine neue Ebene der Datenintegration geschaffen: Informationen über Open-Access-Vereinbarungen werden strukturiert, maschinenlesbar und nachnutzbar erfasst, was ein entscheidender Schritt für mehr Transparenz in der Kosten- und Vertragslandschaft ist.
Diese Erweiterung steht exemplarisch für die Richtung, in die sich die Open-Access-Infrastruktur bewegt: mehr vernetzte, offene und interoperable Datenräume. Der oa.finder profitiert von diesen Entwicklungen durch mögliche Schnittstellen und die Nachnutzung von Daten. Außerdem trägt er selbst dazu bei, dass Open-Access-Informationen nicht in einzelnen Projekten verbleiben, sondern als gemeinsames Wissen zugänglich sind.

Fazit: Transparenz braucht Zusammenarbeit
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass die Qualität des oa.finders als Informationstool, das verschiedene Quellen verbindet, vor allem auf Kooperation beruht – zwischen Projekten, Bibliotheken, Konsortien und Beratenden. Datenpflege ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für eine verlässliche, nachhaltige Informationsinfrastruktur. Offene Publikationswege brauchen offene Informationsflüsse – und diese entstehen nur, wenn viele Akteur*innen ihr Wissen teilen. Der oa.finder steht beispielhaft für ein Gemeinschaftswerk, das den Open-Access-Gedanken nicht nur abbildet, sondern praktisch umsetzbar macht.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden auf Zenodo im Open Access veröffentlicht: 
Bieg, Nicola (2025). Übermittlung von OA-Publikationskonditionen in TIB Konsortien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199072
Ehmke, Sarah (2025). Publizieren im Open Access Informationswege der Staats und Universitätsbibliothek Hamburg und wie der oa.finder uns dabei unterstützen könnte. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199331
Härkönen, Sonja &amp; Krause, Evamaria (2025). Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199443
Retzar, Ariane (2025). Der oa.finder in der Beratungspraxis an der Universität Greifswald. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199504
Schönfelder, Nina (2025). Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199644
Weisheit, Silke (2025). Erweiterung der EZB um eine Registry für OA-Vereinbarungen im Rahmen des DFG-Projekts openCost. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121862
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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch#comments</comments><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 10:37:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</guid><description>Wie steht es um Diamond Open Access in den Bundesländern?
In der ersten SeDOA-Online-Veranstaltung berichteten vier Landesinitiativen über ihre Aktivitäten, Herausforderungen und ihre Wünsche an SeDOA. Die Veranstaltung eröffnete Möglichkeiten für länderübergreifende Vernetzung, Austausch und Synergien.

Am 25. November 2025 lud die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) zu ihrer ersten Online-Veranstaltung „Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch“ ein. Als deutsches Diamond Capacity Centre möchte SeDOA den Status quo zum Thema Diamond Open Access sichtbar machen und zentral Informationen bereitstellen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Aktivitäten, Herausforderungen und Wünsche der Landesinitiativen. Ziel war es, gemeinsame Anknüpfungspunkte zu identifizieren und Synergien für eine länderübergreifende Transformation hin zu Diamond Open Access zu schaffen. Die Veranstaltung bildete damit einen wichtigen Auftakt für eine stärkere Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten.
Ablauf der Veranstaltung

Die Veranstaltung begann mit einer Kurzvorstellung der geplanten Angebote der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) und ihrer veröffentlichten Minimaldefinition von Diamond Open Access, die veröffentlicht wurde, um einen Konsens zur Begrifflichkeit herzustellen und Anfragen konsistent beantworten zu können. Daraufhin hielten die vier eingeladenen Referent*innen Vorträge über die jeweiligen Ansätze, Maßnahmen und Herausforderungen der vier Landesinitiativen im Bereich (Diamond) Open Access. Dabei wurden u. a. der aktuelle Status Quo, bestehende Rahmenbedingungen, bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen sowie die Rolle der Landesstrategien beleuchtet:

●	Dorothee Graf (Universitätsbibliothek Duisburg-Essen) stellte die Landesinitiative openaccess.nrw vor. Mit dem Ziel, eine abgestimmte Serviceinfrastruktur für die digitale Transformation zu etablieren, setzt oa.nrw als Multiplikator und wichtige Informationsdrehscheibe unter anderem mit der Veröffentlichung der Open-Access-Strategie 2023 zukunftsweisende Impulse für Open Access in NRW.

●	Der Vortrag von Maike Neufend (Open-Research-Office Berlin) zur Landeskoordinierungsstelle für offene Wissenschaft Berlin klärte über die Aktivitäten und Entwicklungen in der Hauptstadt auf: Die Berliner Einrichtungen werden seit 2016 bei der Umsetzung der Berliner Open-Access-Strategie (2015) unterstützt. Letztere wird aktuell zu einer Open-Research-Strategie weiterentwickelt und die Gründung von BerlinUP stellt einen Meilenstein in der Entwicklung von Publikationsinfrastrukturen dar.

●	Ben Kaden (FH Potsdam) berichtete über die Vernetzungs- und Kompetenzstelle (VuK) Open Access Brandenburg, die seit 2021 als Anlaufpunkt und Sprachrohr für die Hochschulen und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur fungiert. Die VuK übernimmt dabei transformationsbegleitende und publikationsunterstützende Aufgaben. Die Open Access Strategie des Landes Brandenburg wurde 2019 verabschiedet.
●	Anastasiia Afanaseva (Universität des Saarlandes) präsentierte die neu gegründete Servicestelle Open-Access-Saar, die Vernetzung, Kompetenzaufbau und -entwicklung sowie Informationen und Beratungen im Bereich Open Access anbieten will. Auch Analysen und die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Implementierung eines Landesfonds und zur Einwerbung von Drittmitteln sind in der Planung.

Die Foliensätze aller Vorträge sind auf Zenodo hinterlegt. Die Länderdossiers von open-access.network beschreiben die Strategien und Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ausführlich.

Gemeinsame Wünsche der Landesinitiativen
Nach den Vorträgen formulierten die Landesinitiativen mehrere gemeinsame Anliegen an die Servicestelle Diamond Open Access:
1.	Rechtliche Interessenvertretung wissenschaftlichen Einrichtungen auf nationaler Ebene, um wettbewerbliche Logiken zu adressieren.
2.	Ein Rechtsgutachten zur Einordnung von Diamond-OA-Infrastrukturen als verlagstechnische Konstrukte.
3.	Erarbeitung von Szenarien und deren Machbarkeit für Diamond-OA-Publikationsinfrastrukturen auf nationaler und Landesebene- sowie in Kooperationen.
4.	Verstärkte Lobbyarbeit sowie die Entwicklung von Best Practices.
5.	Interessenvertretung in der Debatte um Forschungsbewertung. 

Diskussion und Erkenntnisse
Im Anschluss wurde der Raum für Fragen und Diskussionen eröffnet.  Es Hier zeigte sichgabvor allem reges Interesse an der Definition von Diamond Open Access und viele Teilnehmende äußerten ihre Fragen und Kommentare dazu. Da die Diskussion der Begrifflichkeiten insbesondere für die Bibliotheks-Community interessant und relevant ist, soll plant SeDOA dafür bei weiteren Gelegenheiten Raum gezu schaffen werden.
Ein weiteres zentrales Thema in der Diskussion war die Frage, warum Diamond Open Access trotz seiner aktuell hohen wissenschaftspolitischen Relevanz in den Ländern bislang wenig umgesetzt wird. Woran das liegt, ist natürlich nicht einfach festzustellen, doch teilten mehrere Personen den Eindruck, dass derzeit Themen wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Vordergrund stehen, wobei Open Access teilweise in den Hintergrund gerät.
Gemeinsam für Diamond Open Access

Die abschließende Nachricht an alle Teilnehmenden lautete: Vernetzt euch! Zusammen ist es einfacher, Diamond Open Access ins Bewusstsein zu rücken und Projekte umzusetzen. Die Referent*innen betonten ihre Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen, und verwiesen auf die Möglichkeiten zum weiteren Austausch per E-Mail sowie im Rahmen künftiger Vernetzungstreffen gemeinsame Mailingliste der Landesinitiativen hin. Weitere Informationen zu den Landesinitiativen und die deren Kontaktdaten sind auf open-access.network zu finden.
Diese Auftaktveranstaltung war ein wichtiger Schritt in Richtung einer stärkeren Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten. Folgeworkshops zur Vertiefung der Diskussion und zur Erarbeitung praxisrelevanter Inhalte sind bereits in Planung. Wir hoffen, dass durch diese und folgende Veranstaltungen ein breiteres Bewusstsein und eine effektivere Umsetzung von Diamond Open Access geschaffen wird. Unsere nächsten Veranstaltungen werden auf der SeDOA-Webseite angekündigt. 
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<item><title>Informationsbudget als Leitungsaufgabe</title><link>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</link><comments>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe#comments</comments><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 08:40:00 +0100</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/informationsbudget-als-leitungsaufgabe</guid><description>Informationsbudget als Leitungsaufgabe

Ein Workshop von Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network zur strategischen Steuerung der Open-Access-Transformation

Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Informationsbudgets an Wissenschaftseinrichtungen zu etablieren, luden Hochschulrektorenkonferenz und open-access.network Leitungspersonen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein. Der Workshop zeigte, dass Informationsbudgets im Prozess der Open-Access-Transformation ein wesentliches Instrument der Kostenkontrolle sind und ihre Einführung eine strategische Leitungsaufgabe darstellt.

Unter dem Titel „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ fand am 22. September 2025 ein Online-Workshop für Leitungspersonen aus Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen statt. Die geschlossene Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem BMFTR-geförderten Verbundprojekt open-access.network organisiert. Dies war der Abschluss der Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, die von den Projektpartnern Universitätsbibliothek Bielefeld und Helmholtz Open Science Office von 2023 bis 2025 durchgeführt wurde. Ziel war es, drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie ist der Stand der Entwicklung? Welche Erfahrungen wurden bereits gemacht? Und wie können Hochschulleitungen Informationsbudgets als strategisches Instrument in der Open-Access-Transformation einsetzen?
Informationsbudgets – Steuerung, Transparenz, Verantwortung

Das Konzept des Informationsbudgets wurde 2022 vom Wissenschaftsrat als zukunftsweisendes Steuerungsinstrument ausgearbeitet und empfohlen. Es soll sämtliche Ausgaben für wissenschaftliche Publikationskosten wie Beschaffung, Förderung, Subskriptionen, Open-Access-Gebühren oder Lizenzkosten in einem transparenten Gesamtbudget zusammenführen. Am Ende soll eine institutionenweite Übersicht entstehen, in der Aufwände für die Publikations- und Informationsversorgung transparent aufgestellt werden, um eine fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen zu erhalten. Informationsbudgets ermöglichen mehr Transparenz, bessere Steuerung und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung. Zugleich verändert sich der Blick auf wissenschaftliche Publikationen: Sie werden nicht länger als isolierter Kostenfaktor betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Hochschulentwicklung und Wissenschaftspolitik.
Leitungsaufgabe mit strategischer Dimension

Der Workshop machte deutlich, dass die Etablierung eines Informationsbudgets nicht nur eine Frage technischer und organisatorischer Umsetzbarkeit ist, sondern vor allem auf Leitungsebene entschieden werden muss, damit die gesamte Institution in die Prozesse eingebunden wird. Informationsbudgets sind eng mit strategischen Entscheidungen verknüpft, wie beispielsweise die Open-Access-Finanzierung, das Publikationskostenmanagement und die langfristige Ausrichtung digitaler Infrastruktur. Das erfordert ein gemeinsames Verständnis zwischen Präsidium, Verwaltung, Bibliothek und Wissenschaft über zentrale Fragen:

    Welche Ziele verfolgt die Einrichtung mit ihrer Publikationsstrategie?
    Wie sollen Ressourcen verteilt werden?
    Welche Governance-Strukturen sind notwendig, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen?

Gerade weil durch die Einführung von Informationsbudgets diese Aspekte sichtbar werden, sind sie mehr als ein Controlling-Instrument: Sie fördern den Dialog über wissenschaftliche Werte und Prioritäten.
Impuls aus der Forschung: Informationsbudgets als kulturprägendes Instrument

Den fachlichen Impuls zu Beginn des Workshops gab Prof. Dr. Gerard J. M. Meijer, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe „Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrats. Er ordnete das Konzept des Informationsbudgets in den größeren Kontext der Open-Access-Transformation und der wissenschaftlichen Informationsversorgung ein. Für Meijer sind Informationsbudgets nicht nur ein Werkzeug zur Kostensteuerung, sondern ein Instrument institutioneller Kulturentwicklung: „Ein Informationsbudget zwingt uns, uns mit der Frage zu befassen, wofür wir Geld in der Wissenschaft ausgeben – und welche Werte dahinterstehen“, so Meijer.

Er betonte, dass die Einführung solcher Budgets nur gelingen kann, wenn sie von der Leitung aktiv getragen und abteilungsübergreifend umgesetzt wird. Bibliothek, Forschungsmanagement und Finanzverwaltung müssen dazu enger zusammenarbeiten als bisher. Nur dann könne das Informationsbudget sein Potenzial entfalten: Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu klären und die Open-Access-Transformation strategisch zu steuern.
Praxisbericht aus Leipzig: Strukturen, Prozesse, Lernkurven

Anschließend berichtete Dr. Henriette Rösch, stellvertretende Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, von den Erfahrungen an ihrer Hochschule. Hier hat man in den vergangenen Jahren begonnen, ein Informationsbudget als internes Steuerungsinstrument aufzubauen, um sämtliche Kosten der Informationsversorgung zu erfassen und systematisch auszuwerten. Sie berichtete von folgenden Herausforderungen:

    Heterogene Finanzierungsstrukturen: Fakultätsmittel, Drittmittel und zentrale Mittel mussten zusammengeführt werden.
    Datentransparenz: Die Erfassung und Auswertung der Kosten erforderte neue Formen der Datenerhebung und -integration.
    Kommunikation und Verantwortung: Die Einführung eines Informationsbudgets bedeutete auch, Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen in einen kontinuierlichen Austausch zu bringen.

Henriette Rösch betonte, ein Informationsbudget sei nicht nur ein Controlling-Werkzeug, sondern auch ein Kommunikationsanlass – es schaffe Bewusstsein und eröffne Gespräche über Prioritäten und Verantwortung. Der Aufbau solcher Strukturen brauche zwar Zeit, sei aber ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, datenbasierten Steuerung von Publikationskosten und Open-Access-Ausgaben.
Praxisbericht aus Bielefeld: Datenbasiert steuern – digital und integriert

Im zweiten Praxisbeitrag sprachen Prof. Dr. Ulrich Rückert, Prorektor für Digitalisierung und Dateninfrastruktur der Universität Bielefeld, und Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin, über die Bielefelder Ansätze und Erfahrungen. Hier wurde früh damit begonnen, Kosten für Subskriptionen, Publikationsgebühren und Open-Access-Fonds zusammenzuführen und digitale Systeme zur Erfassung und Analyse von Informationskosten zu entwickeln. Die beiden Projekte OpenAPC und openCost haben hilfreiche Vorarbeiten und nachnutzbare Ergebnisse gebracht. An der Universität Bielefeld ist das Informationsbudget in die Gesamtstrategie der Digitalisierung eingebettet und diene nicht nur der Kostentransparenz, sondern auch der Integration von Datenflüssen zwischen Bibliothek, Finanzverwaltung und Forschungsdatenmanagement. Ulrich Rückert stellte fest: „Ein Informationsbudget ist ein Teil der digitalen Infrastruktur einer Hochschule und verbindet Datenmanagement, Finanzen und wissenschaftliche Verantwortung.“ So wird es zu einem Instrument der Governance, das hilft, Entscheidungen faktenbasiert und wertorientiert zu treffen.
Moderation und Austausch auf Leitungsebene

Dr. Jens-Peter Gaul, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, moderierte den Workshop und führte durch die Diskussion. Unter seiner Moderation entstand ein intensiver Austausch zwischen den teilnehmenden Führungskräften über Erfahrungen, Hürden und Erfolgsfaktoren. Wichtig war, das Informationsbudget als strategisches Instrument zu nutzen, ohne operative Strukturen zu überfrachten. Dabei gehe es weniger um Detailsteuerung, sondern um Rahmensetzung, Prioritätensetzung und Kulturentwicklung.

Die Diskussion zeigte:

    Ein Informationsbudget stärkt das strategische Handeln von Hochschulleitungen, indem es Transparenz und Grundlagen für Entscheidungsprozesse schafft.
    Es unterstützt den Kulturwandel von der Kostenverteilung zur aktiven Ressourcensteuerung.
    Es erfordert institutionelle Zusammenarbeit und politisches Commitment in den Institutionen.

Die Etablierung eines Informationsbudgets ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Gestaltung der wissenschaftlichen Informationsversorgung und ihr Erfolg ist eng mit der institutionellen Führungsverantwortung verbunden.
Drei Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – eine Zwischenbilanz

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2022 haben zahlreiche Hochschulen begonnen, Informationsbudgets einzuführen oder erste Pilotprojekte umzusetzen.

Die Erfahrungen zeigen:

    Technische und organisatorische Hürden sind lösbar, wenn Leitung, Hochschulgremien, Bibliothek und Verwaltung gemeinsam vorgehen.
    Klar definierte Ziele und eine verbindliche Steuerungslogik, um diese zu erreichen, sind entscheidend.
    Informationsbudgets sind erfolgreich, wenn sie in die Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet sind.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Weg zu einem institutionell verankerten Informationsbudget ein schrittweiser Lernprozess ist – aber einer, der die wissenschaftliche Informationsversorgung auf eine neue, zukunftsfähige Grundlage stellen kann.
Abschluss der Workshopreihe – Auftakt für neue Diskurse

Mit der Veranstaltung „Informationsbudget als Leitungsaufgabe“ endete die Workshopreihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“, in der verschiedene Aspekte des Informationsbudgets beleuchtet wurden. Das Ende der Workshopreihe markiert zugleich den Beginn eines Austauschs auf Leitungsebene über institutionelle Zusammenarbeit, Wissenstransfer und strategisches Vorgehen. open-access.network und HRK planen, diese Diskussion fortzuführen und die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Workshops zu dokumentieren und zu teilen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um das Konzept Informationsbudget weiter zu schärfen und bundesweit praktikable Modelle zu fördern.
Fazit

Informationsbudgets sind kein Selbstzweck – sie sind ein Schlüssel, um das Ziel der offenen Wissenschaft finanziell, organisatorisch und politisch zu verankern.
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<item><title>Workshop: Personalressourcen und Infrastrukturkosten im Fokus des Informationsbudgets</title><link>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</link><comments>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets#comments</comments><pubDate>Mon, 13 Oct 2025 09:47:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</guid><description>Ein Blick hinter die Kulissen

Mehr als 130 Teilnehmer*innen kamen am 25.02.2025 zum Online-Workshop „Personalressourcen und Infrastrukturkosten als Teil des Informationsbudgets“. Der fünfte Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ wurde wieder als gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMFTR-Projekts open-access.network organisiert.

Schwerpunkt des Workshops war ein Thema, das bislang oft im Schatten stand: die Personal- und Infrastrukturkosten im Informationsbudget. Ziel war es, diese bislang wenig beachteten Aspekte für den Betrieb von Repositorien, Open-Access-Instanzen und Publikationsdienstleistungen sichtbar zu machen.
Einführung: Das Schalenmodell des Informationsbudgets
Mittermaier, B. (2025). Personalkosten im Schalenmodell des Informationsbudgets. https://doi.org/10.5281/zenodo.14938885 (CC BY)

Der Workshop begann mit einem Vortrag von Bernhard Mittermaier von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Er stellte zunächst sein „Schalenmodell“ vor, das die verschiedenen Kostenarten im Informationsbudget strukturiert. 

Im Fokus stand die Frage: Wie viele Personenstunden sollten in das Informationsbudget eingerechnet werden? Mittermaier erläuterte, dass Personalkosten eigentlich jedem Baustein zugeordnet werden müssten, was in der Praxis jedoch schwierig sei. Im Jülich werden sie stattdessen nur den wichtigsten Teilbereichen – etwa Sprachendienst, Forschungsdatenmanagement oder Green Open Access – direkt zugeordnet. Für andere Bereiche erfolge eine pauschale Verteilung, etwa durch prozentuale Aufschläge auf Sachkosten. Für das Forschungszentrum Jülich wurden 2024 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass etwa ein Drittel des Budgets aus Personalkosten besteht.
Der Blick aus der Verlagswelt

Im zweiten Vortrag gab Barbara Budrich vom gleichnamigen Verlag Einblicke in die unsichtbare Arbeit hinter Open-Access-Publikationen. Sie betonte, dass Personalkosten den größten Anteil an den Gesamtkosten eines Verlags ausmachen. Die Herstellung eines Buches umfasse vielfältige Tätigkeiten: Lektorat, Layout, Rechtliches, Vertrieb, Marketing und Sichtbarkeit. All diese Schritte erforderten engagiertes Personal, das im Hintergrund arbeite.  Die Kosten für eine einzelne Publikation lägen im Schnitt bei etwa 5.000 Euro (zzgl. MWSt.), wobei jeder Titel die Gemeinkosten anteilig mitfinanzieren müsse. Besonders deutlich wurde, dass die Verlagsarbeit sehr kleinteilig und kommunikationsintensiv ist.
Kostet Diamond Open Access wirklich nichts?

Tina Osteneck vom Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) berichtete in ihrem Vortrag, dass auch bei sogenanntem Diamond Open Access, also Publikationen, die für Leser*innen und Autor*innen kostenfrei sind, erhebliche Kosten entstünden. Diese umfassten Personal für Redaktion, technische Infrastruktur, Marketing und Sichtbarkeit. Die Zeitschrift des VHB, das Schmalenbach Journal of Business Research, werde seit der Umstellung auf Open Access 2008 durch eine Mischung aus öffentlicher Förderung sowie gemeinschaftlichen Modellen und Sponsoring finanziert. Osteneck machte deutlich, dass Diamond Open Access Ressourcen braucht und dadurch Personal- und Infrastrukturkosten verursacht.
Betrieb und Kosten von Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen

Gernot Deinzer von der Universitätsbibliothek Regensburg präsentierte seine Einschätzungen und Überlegungen zum Personalaufwand sowie zentralen und dezentralen Kosten beim Betrieb von Diamond-Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen. Insbesondere der Aufwand für Redaktion, Technik und Administration sei erheblich. Um eine hauseigene Diamond-Open-Access-Zeitschrift mit einer Verlagszeitschrift vergleichen zu können, betonte er die Notwendigkeit, den Arbeitsaufwand der Wissenschaftler*innen als Teil des Informationsbudgets klar zu beziffern. Vor allem Diamond-Open-Access-Zeitschriften entstünden mit viel unentgeltlichem Engagement. Neben der ökonomischen Betrachtung sei die Anerkennung ein wichtiger Aspekt, denn viele Wissenschaftler*innen erhielten für die Herausgabe einer Zeitschrift in einem Verlag oft mehr Ansehen innerhalb der eigenen Einrichtung und in der Community als für die Herausgabe einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift, die gern als „Herzensangelegenheit“ abgetan werde. Es sei also nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage von Renommee und Forschungsevaluierung.

Als Fazit aus dem Workshop lässt sich die Erkenntnis ziehen: Es ist kompliziert, Personalkosten im Informationsbudget zu erfassen. Der Aufwand ist jedoch gerechtfertigt, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.</description><enclosure
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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Open Access Barcamp 2025: Von Best-Practices und Visionen bis zur Triage im Publikationsfonds</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds#comments</comments><pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 5.6.25 auf dem ZBW Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 DE erschienen.

Manche hätten sogar gerne noch einen Tag drangehängt: Das oa.barcamp 2025 lies Open-Access-Professionals aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einmal mehr konzentriert zusammenarbeiten. Diamond Open Access sowie die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern gehörten zu den großen Themen des Barcamps.

Das Open Access Barcamp 2025 wurde am 26. und 27. März an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts open-access.network in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative openaccess.nrw organisiert und bot eine Plattform für intensiven Austausch zu aktuellen Open-Access-Themen.

Wie im Barcamp-Format üblich, waren die Teilnehmenden aufgerufen, das Programm aktiv mitzugestalten. In mehreren parallelen Sessions wurden konkrete Problemstellungen diskutiert, Best Practices ausgetauscht und Visionen für eine offene Wissenschaft entwickelt. Die Themen reichten von Infrastrukturen für Diamond Open Access über Publikationsfondsmanagement bis hin zur Herausforderung, projektbasierte Services, Informationsportale und aufgebaute Expertise im Open-Access-Kontext nachhaltig zu verstetigen.
Diamond Open Access: Potenziale und Herausforderungen

Eine zentrale Session widmete sich dem Modell des Diamond Open Access, bei dem weder von den Autor*innen noch von den Leser*innen Gebühren erhoben werden. Es wurde intensiv diskutiert, wie Forschende für dieses Modell gewonnen werden können. Besonders betont wurde, dass politische Argumente oder technische Infrastrukturen nicht ausreichen, wenn überkommene Reputationslogiken (zum Beispiel der Impact Factor) Wissenschaftler:innen davon abhalten, möglichst offen zu publizieren. Als mögliche Lösungsansätze für dieses Problem wurde Peer-to-Peer-Beratung durch erfolgreich publizierende Forschende sowie der Aufbau von Unterstützungsstrukturen (zum Beispiel Publikationsfonds, personelle Ressourcen) genannt. Auch wurde der Aufbau einer evidenzbasierten Argumentation anhand von Zitationsvorteilen und den Vorteilen der Nutzung freier Lizenzen vorgeschlagen.
Triage in Publication Funds?

Challenges in administering open access publication funds were discussed in several sessions. Participants spoke of rising costs, tight budgets, and high administrative burden at their institutions. Strategies such as the staggered allocation of funds, the integration of third-party funds, and the introduction of transparent funding criteria (e.g. for monographs or edited volumes) were presented. The question of triage in cases where publication funds are overburdened was controversially discussed. If there are not enough funds to support all eligible publications, it will inevitably be necessary to prioritise. One suggestion was that this selection be based on science policy criteria such as the FAIR data principles.
oa.finder und Open-Access-Bücher

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern. Da zentrale Datenquellen wie die Deutsche Nationalbibliothek keine vollständige Übersicht bieten, schilderte Katja Dammann (UB Bielefeld) den aufwändigen Aufbau der oa.finder-Datenbank. Im Zusammenhang mit Open-Access-Büchern wurde die Schwierigkeit diskutiert, die Publikationspraxis im Buchbereich systematisch zu erfassen. Als Gründe hierfür wurden Transparenzprobleme bei Verlagsmodellen und das Fehlen verlässlicher, standardisierter Schnittstellen genannt.
Open Access an kleineren Einrichtungen

In einer besonders praxisnahen Session aus dem Projekt P2P.OA.HAW erarbeitete Emilia Mikautsch (Universität Konstanz) gemeinsam mit den Session-Teilnehmenden anhand von Personas die besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit Open Access, vor denen sich kleinere Einrichtungen wie Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestellt sehen. Hier wurde deutlich, dass neben begrenzten Ressourcen vor allem unklare Zuständigkeiten und mangelndes institutionelles Commitment die Open-Access-Implementierung erschweren. Peer-to-Peer-Beratung, gezielte Fördermaßnahmen und eine stärkere Vernetzung unter den Einrichtungen wurden als zentrale Lösungswege genannt.
Institutionelle Repositorien und Publikationsdienstleistungen

Ein wiederkehrendes Thema waren auch der Aufbau und die Verstetigung von Services zur Zweitveröffentlichung. Herausforderungen liegen unter anderem in der Rechtsunsicherheit vor Ort, fehlenden Workflows, dem Mehraufwand für Bibliothekspersonal und einer geringen Sensibilisierung der Forschenden für dieses Thema. Es wurde deutlich, dass hier frühzeitige Beratung, technische Unterstützung und institutionelle Rückendeckung unerlässlich sind. Als praktisches Handwerkszeug zum Ausbau institutioneller Publikationsservices stellte Doreen Rocholl (Universität Duisburg-Essen, Landesinitiative openaccess.nrw ) einen Musterentwurf für eine Autor:innen- und Herausgeber:innenvereinbarung zum Publizieren im OJS https://openjournalsystems.com/ vor und lies die Teilnehmenden der Session bei der kritischen Betrachtung jeweils die Perspektive von Autor:innen einerseits und (institutionellen) Herausgeber:innen andererseits einnehmen.
Verstetigung von open-access.network

Zum Ende des Barcamps wurde auch das nahende Ende der zweiten Förderphase des Projekts open-access.network thematisiert. Martina Benz (Universität Konstanz, open-access.network) gab einen Ausblick auf Pläne zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung unter dem Dach des in Gründung befindlichen Vereins open-access.network e. V. Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen sollen Mitglied werden können und das Informations- und Beratungsangebot gemeinschaftlich in die Zukunft tragen. Während der Session wurde die Bedeutung des Informations- und Vernetzungsportals open-access.network als zentraler Orientierungspunkt für die wachsende Community von Open-Access-Professionals hervorgehoben – insbesondere für neue Open-Access-Beauftragte und kleinere Einrichtungen, die noch dabei sind, vollumfänglich in das Thema einzusteigen.
Fazit

Das Open Access Barcamp 2025 hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen im Bereich der offenen Wissenschaft sind – und wie wichtig kollegialer Austausch, Vernetzung und strategischer Aufbau institutioneller Strukturen und Expertise sind, wenn man diesen Herausforderungen adäquat begegnen will. Besonders die Sessions zu Diamond Open Access und zu den strukturellen Bedingungen an kleineren Einrichtungen machten deutlich: Open Access braucht mehr als nur Appelle und Überzeugung – es braucht politische Unterstützung, Ressourcen und praxisnahe Werkzeuge.</description><enclosure
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<item><title>Publikationsberatung mit dem oa.finder</title><link>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</link><comments>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder#comments</comments><pubDate>Mon, 17 Mar 2025 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Beratung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/publikationsberatung-mit-dem-oafinder</guid><description>Publikationsberatung mit dem oa.finder
Der oa.finder ist die zentrale Informations- und Rechercheplattform für akademisches Publizieren in allen Fachbereichen. Hier finden Forscher*innen schnell Zeitschriften und Wissenschaftsverlage für ihre Publikationsvorhaben, indem sie ihre Suche auf die unterschiedlichen Publikationstypen ausrichten: Journal-Artikel, Monografie, Sammel- oder Konferenzband.

Akademisches Publizieren wird durch verschiedene Anforderungen immer komplexer, vor allem wenn eine Publikation im Open Access erscheinen soll. Bei der Auswahl des passenden Publikationsorgans müssen sich Wissenschaftler*innen nicht mehr nur mit fachlichen Fragen befassen, sondern zunehmend auch mit administrativen Aspekten des Publizierens: Welche Zeitschrift, welcher Verlag kommt überhaupt in Frage? Wie sehen die Förderbedingungen für Publikationskosten an der eigenen Einrichtung aus? Unter welcher Lizenz sollte die Arbeit veröffentlicht werden? Wer bekommt die Rechnung und wer muss am Ende die Publikationskosten zahlen? Nachdem Ariane Retzar vom Open-Access-Team der UB Greifswald die lange Liste der zu klärenden Fragen aufgezählt hat, berichtet sie aus ihrem Beratungsalltag und stellt fest, dass den Wissenschaftler*innen häufig die Zeit fehlt, sich in die Details des Open-Access-Publizierens einzuarbeiten. Weil die organisatorischen, verwaltungs- und finanzierungstechnischen Aspekte rund um eine Publikation keine originären Aufgaben von Forschung und Lehre sind, unterstützen die Bibliotheken die Wissenschaftler*innen an ihren Einrichtungen. 
Bibliothek unterstützt bei Organisation und Verwaltung
An der Universitätsbibliothek Greifswald berät Ariane Retzar Forschende u.a. bei der Suche nach dem passenden Publikationsorgan. Dafür greift sie immer wieder auch auf den oa.finder zurück. Sie schätzt besonders, dass sich die Wissenschaftler*innen zunächst selbst einfach einen Überblick verschaffen können, welche Publikationsmöglichkeiten sie in ihrem Fachbereich haben, welche Zeitschriften thematisch passen. Die Ergebnisse dieser ersten Recherche sind immer „eine gute Gesprächsgrundlage für eine Publikationsberatung und die folgenden Entscheidungen, “ sagt sie.

Eine Publikationsberatung durch die eigene Institution ist fast unumgänglich, denn wegen der diversen Geschäftsmodelle und sich häufig ändernden Rahmenbedingungen, ist die Publikation im Open-Access eine komplexe Angelegenheit.

Für einen schnellen und direkten Zugang zu den wichtigsten Informationen über Open-Access-Publikationsmöglichkeiten hat die Universitätsbibliothek Greifswald den Suchschlitz auf ihrer Infoseite zu Open-Access-Finanzierungsmöglichkeiten direkt mit dem oa.finder verlinkt. Das ist praktisch, weil die Zeitschriftensuche schon auf der Seite der UB beginnen kann. Mit Absenden der Suchanfrage öffnet sich in einem neuen Fenster der oa.finder und führt direkt zu den Informationen über die gesuchte Zeitschrift inklusive möglicher Förderungen der Publikationskosten durch die Universität Greifswald. 

 		Suchschlitz UB Greifswald.JPG
Link zum oa.finder mit vorbelegter ROR-ID als Service für die Wissenschaftler*innen
„Wissenschaftler*innen wünschen sich ein einfaches Suchsystem,“ weiß Ariane Retzar, und deshalb haben „wir den oa.finder auf unserer Seite eingebunden“. Für die Veröffentlichung sind verschiedene Aspekte relevant: Bei welche Zeitschrift sollte ein Artikel eingereicht werden? Gibt es finanzielle Förderung? Wie hoch ist die APC (Article Processing Charge)? Gibt es vergleichbare Zeitschriften mit günstigeren Konditionen?

Die direkte Verbindung vom Suchschlitz der Bibliothek zum oa.finder erleichtert die Recherche, weil im Feld „Meine Organisation“ die ROR-ID voreingestellt ist und damit die einrichtungsspezifischen Förderbedingungen bezogen auf die jeweilige Zeitschrift sichtbar werden.

Andere Einrichtungen haben den oa.finder ebenfalls auf ihren Webseiten eingebunden. Beispielsweise hat auch die Universitätsbibliothek Bern einen Suchschlitz mit direkter Verbindung zum oa.finder, der zu Treffern mit einrichtungsspezifischen Fördermöglichkeiten führt. 

 		Suchschlitz UB Bern.JPG

Eine etwas andere Variante stellt die Universitätsbibliothek Bayreuth für die Suchenden bereit: Auf den Informationsseiten über Open Access wird der oa.finder vorgestellt und neben dem Informationstext führt ein Link zum oa.finder mit dem für die Universität Bayreuth voreingestellten Feld „Meine Organisation“.
Recherche im oa.finder für alle Personen und alle Publikationsformen
Die Rechercheplattform oa.finder kann natürlich auch ohne Affiliationsangabe genutzt werden, allerdings werden dabei keine Fördermöglichkeiten mehr angezeigt. 

Der oa.finder ist eine Entwicklung der Universitätsbibliothek Bielefeld im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network. In der ersten Projektphase wurde der oa.finder für den Suchbereich Journals mit publikationsrelevanten Informationen zu rund 57.000 Zeitschriften aufgebaut. Im Februar 2025 wurde der oa.finder erweitert. Neben der Recherche nach Zeitschriften, die unmittelbar digital erscheinen, können Forschende nun auch nach Wissenschaftsverlagen suchen, die Open-Access-Bücher (Monografien, Sammelbände, Konferenzschriften etc.) publizieren.

Informations- und Schulungsangebote über den oa.finder für Wissenschaftler*innen, Beschäftigte in der Publikationsberatung und Interessierte finden regelmäßig statt. Konkrete Termine werden sowohl im Veranstaltungskalender von open-access.network als auch auf der Startseite des oa.finders angekündigt.
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<item><title>Open Access Staff Week an der UB Regensburg</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg#comments</comments><pubDate>Wed, 22 Jan 2025 11:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-staff-week-an-der-ub-regensburg</guid><description>Vom 26. bis 28. November fand die sechste Open Access Staff Week an der Universitätsbibliothek Regensburg statt. Sie war geprägt von spannenden Einblicken und kollegialem Austausch.

Die nördlichste Stadt Italiens - wie wir bei der Stadtführung lernen durften - hieß die Teilnehmenden der 6. Open Access Staff Week unter dickem Nebel willkommen. Kolleg*innen aus mehreren bayerischen Universitätsbibliotheken und denen weiterer Bundes- und Nachbarländer waren angereist, um vor Ort einen Einblick in die Arbeits- und Expertisenbereiche der Regensburger Bibliothekskolleg*innen zu gewinnen.

Die Open Access Staff Weeks, organisiert vom BMBF-geförderten Verbundprojekt open-access.network, geben Bibliotheksmitarbeitenden die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen anderer Einrichtungen zu werfen. Dabei haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, sowohl Best Practices als auch aktuelle Herausforderungen in der Umsetzung von Open Access kennenzulernen.

An der UB Regensburg stand eine informative Reihe an Themen auf dem Programm: Vom Publikationsserver über den Publikationsservice der UB und dem Data Hub für Services rund um das Thema Forschungsdatenmanagement bis hin zu Projekten wie openCost und Infrastrukturangeboten wie der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) bezeugt das vielseitige  Programm die breit aufgestellte Expertise der Gastgeber*innen der UB Regensburg um Dr. Gernot Deinzer (Leiter der Abteilung IT- und Publikationsdienste und Open-Access-Beauftragter der UB Regensburg) und Cornelia Lang vom Sachgebiet Elektronisches Publizieren und Open Access. Sie wurden von weiteren Kolleg*innen mit Input und Best-Practice-Beispielen für einzelne inhaltliche Sessions unterstützt. Auch Referendar*innen und Praktikant*innen der UB Regensburg nahmen aktiv an der Veranstaltung teil, was die Perspektivenvielfalt weiter bereicherte.

Das Programm umfasste eine Vielzahl informativer und praxisorientierter Sessions. Einige zentrale Punkte:

    Repositorium und Kostenerfassung: Cornelia Lang stellte das umfassende Repositorium vor, das um viele zusätzliche Daten etwa zu Publikationskosten und Verlags- und Transformationsverträgen angereichert wurde und damit gleichzeitig der Kostenerfassung dient.
    Zentrale Rechnungsbearbeitung: Gernot Deinzer stellte vor, wie an der UB Regensburg Rechnungen zentral bearbeitet werden. Dies ist u.a. für die Erstellung des Informationsbudgets von Bedeutung und eine Antwort auf die Herausforderung von immer komplexeren Daten rund um Publikationskosten .
    Projekt openCost: Koordinatorin Bianca Schweighofer gab Einblicke in das Projekt, das sich in der finalen Phase der aktuellen Laufzeit befindet und eine standardisierte Infrastruktur für das Management von Publikationskosten bietet. Diskutiert wurde u.a., wie die damit mögliche Aufschlüsselung von bisweilen unklaren Preisstrukturen zur informierten Budgetplanung und Verhandlungsstärke befähigen kann.
    EZB: Silke Weisheit (Leitung EZB/DBIS) und Colin Sippl zeigten anschaulich an Beispielen, die an den Institutionen der Teilnehmer*innen orientiert waren, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) um zentrale Informationen zum Open-Access-Publizieren erweitert wurde. Damit möchte die EZB eine um Publizierende ausgeweitete Zielgruppe ansprechen, die dort beim jeweiligen Journal direkt Kosten- und Finanzierungsdetails einsehen können.
    UR Data Hub: Der UR Data Hub ist eine eigene zentrale Einrichtung an der Universität Regensburg. Sophie Stolzenberger und Constantin Lehenmeier (Forschungsdatenmanagement) gaben Einblick in ihre Serviceangebote. Besonders praxisnahe Erfahrungen konnten die Teilnehmenden mit eigens angelegten Testzugängen zu den angebotenen Tools sammeln.
    Publikationsservice der UR: Schließlich stellte Nadia Gianfrancesco die Angebote und Abläufe der hauseigenen Publikationsdienstleistungen vor, für die sie zuständig ist. Hier können Dissertationen im Open Access mit Print-on-Demand-Option veröffentlicht werden.

Als eines der wertvollsten Elemente der Veranstaltung, neben den Einsichten vor Ort, wurde von den Teilnehmenden der Austausch untereinander hervorgehoben. Die „Bring your own problem“-Sessions boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, aktiv eigene Themen einzubringen und zu diskutieren, beispielsweise die Frage nach zielgruppengerechter Kommunikation mit den Forschenden der eigenen Einrichtung oder rechtliche Rahmenbedingungen von Publikationsversionen im institutionellen Repositorium. Dabei konnten in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre Fragen wie „Wie macht ihr das?“ oder „Welche Workflows verwendet ihr?“ unkompliziert diskutiert werden. Dieser kollegiale Austausch trug erheblich zum Erfolg der Veranstaltung bei. Die Gastgebenden sorgten für ein unterhaltsames Rahmenprogramm: Eine Campus- und eine Stadtführung sowie ein gemeinsames Abendessen schufen Raum für persönliche Gespräche und ermöglichten so die weitere Vernetzung.

Fazit: Trotz des eher unitalienischen nasskalten Novemberwetters hinterließ die Veranstaltung viele bleibende positive Eindrücke. Ein herzlicher Dank geht an die Gastgeber*innen in Regensburg und die engagierten Teilnehmenden.

Die nächste Staff Week wird voraussichtlich im Juni an der UB Gießen stattfinden. Informationen dazu auf open-access.network.</description><enclosure
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<item><title>Openness in der Rechtswissenschaft – drei Projekte zur Beförderung der Transformation</title><link>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation#comments</comments><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:48:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Nikolas Eisentraut</dc:creator><dc:creator>Jonas Hantow</dc:creator><dc:creator>Maximilian Petras</dc:creator><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><dc:creator>Salo Tober-Lau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</guid><description>Ende 2023 bzw. Anfang 2024 starteten drei neue Projekte, die verschiedene Aspekte von Openness in der Rechtswissenschaft behandeln und die Transformation zu Open Access und offenen Lehr- und Lernmaterialien voranbringen sollen: „KidRewi (Kulturwandel in der Rechtswissenschaft)“ und „OZUG (Offener Zugang zum Grundgesetz)“ liefen im September 2023 an und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur gefördert. Anfang 2024 begann das Projekt „VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi)“, welches in der Förderlinie zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER Communities (OE_COM) ebenfalls vom BMBF gefördert wird. In diesem Blogartikel stellen wir die drei Projekte vor.

Der offensichtlichste gemeinsame Nenner der drei Projekte neben der Verortung in der Rechtswissenschaft ist die Förderung durch das BMBF. Allerdings sind zwei verschiedene Förderlinien vertreten, was die unterschiedliche thematische Ausrichtung widerspiegelt: Während KidRewi und OZUG im Rahmen der Open-Access-Förderung des BMBF Mittel beziehen, ist VEStOR eines von diversen Projekten, die als Umsetzungsmaßnahme der OER-Strategie des Ministeriums gefördert werden. Durch personelle Überschneidungen und die Anbindung sowohl an die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch an die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Verbindungen zur Community of Practice OpenRewi entsteht ein enger Austausch zwischen den Projekten, von dem alle Beteiligten profitieren, der aber so nicht selbstverständlich ist. So bemerkte auch eine Vertreterin des BMBF beim gemeinsamen Kick-off von KidRewi und VEStOR, dass sie es bisher nicht erlebt habe, dass sich Projekte aus unterschiedlichen Förderlinien so eng untereinander austauschen. Nach dem Kick-off wurde ein gemeinsamer Jour fixe von KidRewi und VEStOR im monatlichen Rhythmus eingerichtet.

Während KidRewi und OZUG also vor allem auf wissenschaftliche Publikationen abzielen, stehen bei VEStOR Lehr- und Lernmaterialien im Mittelpunkt. Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Open-Access-Publikationen und Open Educational Resources  allerdings fließend: Entscheidende Grundsätze wie der freie Zugang und die möglichst uneingeschränkte Nachnutzbarkeit sind Grundprinzipien beider Kategorien und der Gebrauch von CC-Lizenzen  ist der einfachste Weg, um die Nachnutzung sicher und weitestgehend simpel zu gestalten. Zwar finden sich unter OER nahezu alle möglichen Publikationsformate, jedoch sind Text- bzw. PDF-Publikationen auch hier zahlreich vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen sind die OA- und OER-Communitys jedoch wenig vernetzt – ein erhofftes Ergebnis der drei Projekte ist also auch ein verstärkter Austausch auf dieser Ebene.
Kulturwandel in der Rechtswissenschaft – KidRewi

Selbstständige Literatur – darunter versteht man eigenständig veröffentlichte Werke wie Monografien – in Printform besitzt in der Rechtswissenschaft nach wie vor zentrale Bedeutung. Sie ist nicht nur ein integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung, sondern nimmt auch in der wissenschaftlichen Praxis sowie der praktischen Rechtsanwendung eine unverzichtbare Rolle ein. Zudem kommt der Veröffentlichung der eigenen Qualifikationsschriften in renommierten Verlagen eine herausragende Bedeutung für den akademischen Werdegang zu. Diese disziplinspezifische Pfadgebundenheit ist nur ein Grund, weshalb sich der offene sowie digitale Zugang zu selbstständigen juristischen Publikationen bisher nicht weitgehend etablieren konnte. Hier setzt das Projekt KidRewi an und konzipiert Infrastrukturen sowie Materialien, die den Kulturwandel in der Rechtswissenschaft unterstützen sollen.

Das Projekt KidRewi
Das Akronym KidRewi steht für „Kulturwandel in der Rechtswissenschaft“, wobei im Rahmen des Projekts selbstständige juristische Publikationen im Fokus stehen. Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit ein Konzept für eine agile Publikationsinfrastruktur zu entwickeln, das in einem nächsten Schritt umgesetzt werden kann. Hintergrund der Projektarbeit ist die Überzeugung, dass die Transformation zu mehr Openness maßgeblich in den Händen der Rechtswissenschaftler*innen selbst liegt. Aus diesem Grund nehmen sowohl die Bedarfserhebung für die technische Infrastruktur als auch die zu erstellenden OER-Materialien zentrale Rollen des Projekts ein. Es soll nicht eine weitere Infrastruktur oder weitere Materialien für eine Community an der Community vorbei entwickelt werden.

Das interdisziplinäre Projektteam ist an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler angesiedelt und arbeitet eng mit Akteuren im rechtswissenschaftlichen und informationswissenschaftlichen Bereich zusammen. Dazu zählen die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, OpenRewi sowie das Kompetenznetzwerk Bibliometrie.

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt fördert die Reflexion über die Publikationskultur in der Rechtswissenschaft, indem Wissenschaftler*innen aus allen Karrierestufen angesprochen werden, die bereits Erfahrung im Publizieren von selbstständiger juristischer Literatur haben. Im Kern möchte KidRewi dadurch den Zugang zu rechtswissenschaftlicher Fachliteratur verbessern und inklusiver gestalten, um so eine nachhaltige Verbesserung insbesondere in der juristischen Ausbildung zu bewirken.
Offener Zugang zum Grundgesetz – OZUG

Das Grundgesetz stellt den populärsten und bedeutsamsten Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland dar. Als deutsche Verfassung erfährt es in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung und ist Gegenstand nicht nur rechtswissenschaftlicher Reflexion. Es ist normative Grundlage der großen politischen Konflikte der Bundesrepublik seit 1949 und regelmäßig Gegenstand bundesweiten Interesses im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht entschiedenen Verfahren. Das Bundesverfassungsgericht als Verfassungsorgan und Hüterin der Auslegung der Verfassung genießt in breiten Bevölkerungsschichten ein hohes Ansehen. Dennoch existiert auch über 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes keine für jedermann frei im Internet zugängliche Erläuterung der deutschen Verfassung und der sie prägenden Verfassungsrechtsprechung. Ein offener Zugang zu den vorhandenen Kommentierungen des die Bundesrepublik konstituierenden Textbestands fehlt. Im vom BMBF geförderten Projekt „OZUG: Offener Zugang zum Grundgesetz“ wird der Wissensbestand zum Grundgesetz als bedeutsamster Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland in den Open Access überführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut (LUH und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)) wird ein Grundgesetzkommentar projektiert, geschrieben und veröffentlicht, dessen Inhalte für jede*n frei verfügbar und offen lizenziert über das Internet zugänglich gemacht werden sollen. Neben Prof. Eisentraut wirken als Herausgeber*innen Prof. Dr. Friederike Gebhard, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier und Dr. Jonas Botta mit. Einschließlich der Herausgeber*innen wird der Kommentar von 73 Autor*innen verfasst und soll 2026 sowohl als Open-Access-Kommentar online als auch in einer Printausgabe veröffentlicht werden.

Ausgehend von der Realisierung des Kommentars untersucht ein von Prof. Dr. Bernd Kleimann (DHZW) geleitetes sozialwissenschaftliches Begleitforschungsprojekt aus professionssoziologischer und governancetheoretischer Perspektive, welche Faktoren in der Rechtswissenschaft (bislang) dem Open-Access-Gedanken entgegenstehen und welche Bedingungen für eine Mitarbeit an der Kommentierung als adäquat angesehen werden.
Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi – VEStOR

In der modernen Bildungslandschaft gewinnen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zunehmend an Bedeutung. Sie fördern den freien Zugang zu Wissen und unterstützen innovative Lehr- und Lernmethoden. Besonders in der Rechtswissenschaft sind OER bislang jedoch noch eine Ausnahme. Hier setzt das Projekt VEStOR an, das sich der Förderung und Verbreitung offener juristischer Lehr- und Lernmaterialien widmet.

Was ist VEStOR?
Das Projekt VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi) zielt darauf ab, die bislang einzige Community für offene juristische Bildungsmaterialien, OpenRewi e.V., zu erweitern und zu stärken. OpenRewi wurde im Jahr 2020 gegründet, um unter einem Dach dezentral, autonom und kooperativ arbeitende Communities of Practice (CoP) bei der Erstellung qualitativ hochwertiger und offen lizenzierter juristischer Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. VEStOR fördert die Vernetzung mit weiteren OER-Communities und trägt dazu bei, der offenen Rechtswissenschaft in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Projekt VEStOR wird als Verbundprojekt an der Fachhochschule Potsdam (FHP) und der Leibniz Universität Hannover (LUH) umgesetzt und im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER-Communities des BMBF gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler konzentriert sich die FHP auf die praktischen Aspekte der Community-Erweiterung und -Stärkung, einschließlich der Professionalisierung der Organisation, des Ausbaus von Infrastruktur- und Serviceangeboten sowie der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Das Projektteam an der LUH, unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut, fokussiert sich auf rechtsdidaktische Forschung und die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Erstellung und Nutzung juristischer OER, unterstützt durch zwei Promotionsstellen.

Projektziele und Schwerpunkte
Das Hauptziel von VEStOR ist es, OpenRewi als zentrales, hochschulübergreifendes Netzwerk für die Publikation offener, qualitätsgesicherter Lehr- und Lernmaterialien in der Rechtswissenschaft zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt auf folgende Schwerpunkte:

    Erweiterung und Stärkung der Community: Aufbau und Professionalisierung der Organisationsstruktur von OpenRewi, um die Community besser bei der Erstellung und Verbreitung von OER zu unterstützen.
    Vernetzung mit weiteren OER-Communitys: Förderung der Zusammenarbeit mit anderen OER-Initiativen, um Synergien zu nutzen und die Reichweite von OpenRewi zu erhöhen.
    Rechtsdidaktische Forschung: Untersuchung von didaktischen Aspekten juristischer OER und der Bedeutung von künstlicher Intelligenz für OER in der Rechtswissenschaft.
    Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle: Schaffung von Finanzierungsmodellen, die eine langfristige Bereitstellung und Weiterentwicklung von OER ermöglichen.
    Wissenschaftskommunikation: Entwicklung einer visuellen Identität und Kommunikationsstrategie, um OER in der Rechtswissenschaft breiter bekannt zu machen und deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt VEStOR adressiert die gesamte rechtswissenschaftliche Fachgemeinschaft in Deutschland und zielt darauf ab, ein inklusives Forum für Open Educational Practices (OEP) zu schaffen. Durch die Förderung und Verbreitung von OER in der Rechtswissenschaft wird ein breitenwirksamer Beitrag zur Realisierung eines nachhaltigen, OER-förderlichen Ökosystems in der digitalen Bildung geleistet.

VEStOR trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Lehr- und Lernmaterialien bei, sondern auch zur Vernetzung und Professionalisierung der Community. Es fördert den Austausch und die Kooperation zwischen verschiedenen OER-Initiativen und stärkt die Rolle von OER in der juristischen Ausbildung.
Ausblick

Die Chancen und Synergieeffekte der verschiedenen oben genannten Projekte sind vielfältig (Ebert et al., 2022)1. Sowohl juristische Lehrmaterialien als auch Handbücher oder Kommentare sind immer auf einen sich fortlaufend ändernden Normenbestand bezogen. Gesetze werden geschrieben, Gerichtsurteile präzisieren oder verwerfen sie. Das Format des gedruckten Buches wirkt hier hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Seine Herstellung ist aufwendig und dauert. Informationen in gedruckten Büchern sind nicht maschinenlesbar, können also weder leicht verknüpft noch unproblematisch aufgefunden werden. Zudem kosten (Fach-)Bücher viel Geld: Gewinnmargen, an die sich kommerzielle Verlage gewöhnt haben und die sie in ihren Online-Datenbanken (abgeschirmt durch das Urheberrecht) fortsetzen. Und das bei einer Materie, die für alle Teile der Gesellschaft so relevant ist. Aus diesem System auszubrechen, ist sehr voraussetzungsvoll – schon weil die Rechtswissenschaft eine eher konservative Disziplin ist und ihre lieb gewonnenen Publikationsgewohnheiten nur schwerfällig aufgibt. (Fischer, 2022)2. Deshalb ist es umso wichtiger, dass KidRewi, OZUG und VEStOR an verschiedenen Stellen zugleich ansetzen. Während KidRewi eine gründliche Bestandsaufnahme des Status quo vornimmt und dabei mögliche Alternativen bereits mitdenkt, schaffen OZUG im Bereich der Kommentarliteratur und VEStOR im Bereich juristischer Lehrmaterialien positive Beispiele und wertvolle Erfahrungen. Beide Projekte ringen dabei mit der (nie perfekten) aktuellen Publikationsinfrastruktur im weiteren Sinne. Gemeint sind damit nicht nur die konkret verwendeten (Hard- und) Software-Pakete (Nextcloud, PubPub), sondern gerade auch die konkreten Praktiken ihrer Anwendung. Kooperativ, online, mit Peer-Review (intern und extern) zu schreiben ist etwas ganz anderes als alleine in einer lokal gespeicherten Text-Datei mit ein paar nachträglichen Kommentaren der Herausgeber*innen (oder – teilweise Jahre später – der Rezensent*innen) zu schreiben. Wenn es gelingt, andere Publikationsinfrastrukturen für die Rechtswissenschaft zu schaffen, wären die Vorteile vielfältig: Bessere, aktuellere Literatur für die Leser*innen und reichhaltigere Erfahrungen (z. B. direkteres Feedback) für die Autor*innen. So wie es heute ganz selbstverständlich ist, dass Gesetze (und teilweise Urteile) im Internet frei abrufbar sind, sollte es bald auch selbstverständlich sein, dass diese öffentlich zugänglich erklärt und diskutiert werden.

1 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-50/offene-rechtswissenschaft-chancen-einer-open-science-transformation-volume-3-2022-issue-1?page=1
2 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-19/im-ringen-um-erkenntnis-und-anerkennung-wie-rechtswissenschaftler-innen-das-eigene-akademische-publizieren-im-zuge-von-open-access-sehen-volume-3-2022-issue-1?page=1</description><enclosure
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<item><title>In Kooperation gemeinsam Ziele erreichen</title><link>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</link><comments>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Nov 2024 10:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</guid><description>Unter dem Titel „Gemeinsam geht es besser – Kooperationen auf dem Weg zum Informationsbudget“ kamen am 24. September 2024 rund 90 Teilnehmende zusammen. Es war der vierte Online-Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ – ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Bei aller Diversität der Rahmenbedingungen und Ansprüche in den Wissenschaftseinrichtungen, stellen sich bezüglich des Informationsbudgets  doch immer wieder ähnliche Fragen. In diesem Workshop wurden verschiedene Formen und Aspekte der Zusammenarbeit vorgestellt.

Die beiden Berichte aus dem „Kooperationsverbund Thüringer Hochschulbibliotheken“ von Lea Satzinger und Henrieke Walter zeigten beeindruckend deutlich, dass auch sehr verschiedene Häuser Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit finden können. So arbeiten in dem thüringischen Verbund insgesamt fünf AGs zu den Themen Erwerbung und Bestandsmanagement, Open Access, Informationskompetenz, Benutzung sowie IT-Infrastruktur. Außerdem werden gemeinsame Workshops zum Informationsbudget veranstaltet und der Verbund stellt hochschulübergreifende Services bereit: das Repositorium „Digitale Bibliothek Thüringen“ und ein gemeinsames Open Access Monitoring. Die besonderen Bedingungen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind Thema einer aktuellen Befragung durch das Projekt „Open Access an HAWs“.

Auch hausintern können mit Kooperationen erfolgreiche Wege beschritten werden. Peter Blume von der TU Ilmenau berichtete über die enge Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Fakultäten und Bibliothek, die gemeinsam eine eigenständige und nachhaltige Finanzierungsstrategie für Open Access aufbauen. Grundlage ist die Einordnung von Publikationskosten als Teil der Forschungskosten, an denen sich die Fakultäten beteiligen. So entstand ein gemeinsamer zweckgebundener Finanzfonds von Bibliothek und Fakultäten. Aus der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurden von Lea Satzinger verschiedene Tools zum Monitoring und Reporting vorgestellt.

Schwerpunkt des Vortrags über den Zusammenschluss „Digitale Hochschule NRW“ (DH-NRW) war das gemeinsame Kostenmonitoring für die beteiligten 42 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Jan-Philip Tummes und Nina Schönfelder stellten den Aufbau der Kostenreports vor und zeigten beispielhaft, wie sich die Kosten für Open-Access-Publikationen an einzelnen Hochschulen verteilen. Eine derart detaillierte Übersicht für alle Hochschulen zu erstellen, ist nur durch die landesweite Kooperation möglich.

Im letzten Beitrag sprachen Margit Schön und Irene Barbers über Motivation, Arbeitsweise und konkrete Ergebnisse der „Fokusgruppe Informationsbudget“. Auslöser waren Anfang 2022 die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrates an die  wissenschaftlichen Einrichtungen, „ihr Informationsbudget in allen seinen Komponenten zu erfassen und mögliche Einsparungen auf der Erwerbsseite sowie mögliche Einnahmequellen gegen steigende Ausgaben für Publikationsdienstleistungen zu bilanzieren.“ (Wissenschaftsrat 2022)1 Eine echte Mammutaufgabe, die nur in Kooperation zu bewältigen ist. Deshalb gründete sich auf den Open-Access-Tagen 2022 in Bern die „Fokusgruppe Informationsbudget“. Ihr Hauptziel ist es, gemeinschaftlich und im Austausch zu arbeiten: „Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren.“ (s. Blogbeitrag von Margit Schön und Heike Stadler). Eines von mehreren hilfreichen Ergebnissen der Fokusgruppe ist ein Power-Point-Foliensatz mit Argumentationshilfen, den wissenschaftliche Einrichtungen für ihre internen Gespräche nutzen und anpassen können.

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Erfassung von Publikationsmitteln aus Drittmittelprojekten und Strategien zum Umgang mit noch nicht erfassten Zahlungen. Die Präsentationsfolien der Workshop-Beiträge wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.

1 Quelle: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access (2022, S. 10). Wissenschaftsrat. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Open-Access-Tage 2024 an der TH Köln: Von dunklen Wolken, vermisstem Kaffee und ganz viel guter Laune</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune#comments</comments><pubDate>Thu, 14 Nov 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ursula Arning </dc:creator><dc:creator>Sarah Dudek </dc:creator><dc:creator>Agathe Gebert</dc:creator><dc:creator>Katja Halassy </dc:creator><dc:creator>Jasmin Schmitz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2024-an-der-th-koeln-von-dunklen-wolken-vermisstem-kaffee-und-ganz-viel-guter-laune</guid><description>Die Open-Access-Community war vom 10. – 12. September 2024 zu Gast in Köln, bei nicht ganz so schönem Wetter wie erhofft, aber die Regenschauer hielten sich in Grenzen, so dass niemand nass wurde … soweit bekannt.

Das Wetter sowie die gute Laune der Teilnehmer*innen an den Open-Access-Tagen (OAT) ist allerdings etwas, was man gar nicht (1. Fall) oder manchmal nur kaum (2. Fall) beeinflussen kann, sind wir doch weder in der Lage, die meteorologischen Einflüsse über Köln zu bestimmen, noch die individuellen Wünsche Einzelner zu erahnen.

Anders sieht es mit dem Tagungsprogramm, dem Tagungsort sowie dem Catering aus, so dass wir als Organisator*innen schon anderthalb Jahre vorher die Ärmel hochgekrempelt haben. Zunächst war da die Frage: Wer macht mit? Die war zum Glück schnell beantwortet. Zu den früheren Kooperationspartnern (die OAT fanden vor genau 10 Jahren schon einmal in Köln statt), dem Institut für Informationswissenschaft der TH Köln, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften sowie Gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, gesellten sich die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen ebenfalls dazu. Unterstützt wurden wir als regionaler Partner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Der Bewerbungsprozess

Als nächstes mussten wir uns bewerben, ein Prozess, den wir sehr ernst nahmen! Gewissenhaft haben wir die “Informationen für interessierte Ausrichter“ gelesen und zusammengestellt sowie ein kleines Filmchen über unsere Stadt und ihre Möglichkeiten gedreht. Die geforderte Raumkapazität für 300 Teilnehmende konnten wir mit dem Zubuchen der Aula an der TH Köln erreichen, also mussten frühzeitig die Daten der OAT 2024 in Köln festgelegt, als auch möglichst schnell die zum Veranstaltungszeitpunkt sehr begehrten Räume reserviert werden. Dass die 300 Teilnehmenden wohl zu knapp bemessen waren, zeigte sich bereits in Berlin, mit 450 Teilnehmenden bei den Open-Access-Tagen 2023. Da konnten wir aber schon nicht mehr nachjustieren, da die Universität zu Köln aufgrund von geplanten Baumaßnahmen keine größeren Räumlichkeiten verbindlich zur Verfügung stellen konnte und andere Räume an der TH Köln schon gebucht waren. Dennoch waren wir zunächst noch frohen Mutes… Berlin ist Berlin, aber würden sich auch alle nach Köln aufmachen wollen? Dass die Veranstaltung dann nach nur ein paar Tagen, quasi über das Wochenende, ausgebucht war, hat wohl alle überrascht und zeigt nur, wie hoch angesehen die Open-Access-Tage sind! Da galt es für uns nun dringend zu handeln und nach Streaming-Lösungen zu suchen.

Im Nachhinein sind viele mit dem aus der Not geborenen zusätzlichen Angebot überaus zufrieden, da die Vorträge aus zwei Veranstaltungsräumen im Live-Stream sowohl während der Tagung aus der Ferne miterlebt werden konnten, als auch jetzt im Nachgang über den YouTube Kanal von ZB MED sowie im AV Portal der TIB angesehen werden können.

Dann war da die Frage nach den Hotels. Noch während der Bewerbung wurde von den Heinzelmännchen unter uns abgefragt, ob es zu dem anvisierten Zeitraum eine Messe in Köln gab, die es unmöglich machen würde, dass alle Teilnehmenden ein Hotelzimmer zur Verfügung hätten. Die gleichzeitig stattfindende Personalermesse, von der wir erst erfuhren, als unsere Bewerbung bereits abgeschickt war und wir die Zusage zur Ausrichtung erhalten hatten, schien zunächst ein Problem, aber wir konnten durch die Reservierung von über 100 Hotelzimmern zumindest sicherstellen, dass ein großer Teil der Kolleg*innen eine Herberge finden konnte. Letztlich haben aber wohl nur Wenige von diesem Kontingent Gebrauch gemacht und sind auch so fündig geworden.
Das gewisse Etwas

Was aber tun, wenn es Anfang September heiß ist und alle lieber draußen sind, als in vollen Räumen den Sessions zu folgen? Das Lernzentrum der TH hatte mit der TransferBar die Lösung an der Hand: Ein ausklappbarer Anhänger, der im Außenbereich das Streaming aus den Sälen ermöglichte und bei schönem Wetter dazu einladen konnte, auch die Vernetzung untereinander nach draußen zu verlagern. So konnte gleichzeitig auch das Laufpublikum angesprochen und das Interesse bei den Kolleg*innen und Studierenden der TH Köln für Open Access gefördert werden. Als weiteres Angebot bot sich die Möglichkeit, dass Studierende im Rahmen eines Seminars im Vorfeld ihr Wissen zu Open Access durch die Gestaltung eines Spieles selber austesten und festigen konnten. Die „Open Access Challenge“ bot auch für diejenigen, die sich noch nicht so gut kannten, die Möglichkeit bei einem Kölschen Wasser (nein, nicht das Parfum, sondern eine Limo), spielerisch in den Pausen neue Kontakte zu knüpfen.

Dies war auch beim ersten Mittagessen durch die Reservierung von Tischen in der Mensa für die Newbies möglich, was dankbar angenommen wurde. Manch eine Person fragte nach, ob sie sich dazusetzen dürfe, auch wenn sie schon zwei oder drei Mal bei den OAT gewesen sei – das war natürlich möglich!

Auch die beiden Abendveranstaltungen, das Social Event an der Uni Köln und das traditionelle Dinner im Restaurant „Wagenhalle“ boten viel Raum für Austausch und zum Netzwerken. Für diejenigen, die sich kurzfristig gegen eine Teilnahme an den Events entschlossen hatten, gab es eine Tauschbörse, so dass umgekehrt niemand trotz des begrenzten Angebots enttäuscht und alleine im Hotel bleiben musste.
An Alle und Alles denken - Wohlfühlmomente

Die Tauschbörse erwies sich auch für die Workshops als unverzichtbar, die trotz der sehr reichen Auswahl auch diesmal nur allzu bald ausgebucht waren. Werbung mussten wir für die Open-Access-Tage definitiv nicht mehr machen. Aber alle Zuhause-Gebliebenen sollten auch neben dem Streaming bestmöglich über das Geschehen während der OAT 24 informiert werden. So waren alle wichtigen Informationen jeweils auf der Webseite zu finden und während der Konferenz wurde fleißig über Mastodon getrötet.

Das A und O einer Konferenz ist natürlich das Catering  - wenn hier alles stimmt, sind alle schon mal von Natur aus froh gestimmt. Das war uns bewusst. Bei der Frage, ob Fleisch oder nicht, ließen wir aus pragmatischen Gründen erst gar keine Grabenkämpfe zwischen uns aufkommen. Da wir verhindern wollten, dass die Fleischessenden unter uns den Vegetarier*innen die leckeren Happen wegessen, haben wir uns gleich unisono bei den Social Events für die Varianten „vegan“ und „vegetarisch“ entschieden. Ansonsten waren wir aus Brandschutzgründen an die Mensa und die von ihr angebotenen Kaffeetheken gebunden. Auch wenn Mensa-Essen oft verrufen ist: Unsere hat schon oft die Präsidiumsfeiern ausgerichtet, da waren wir schon mal auf der sicheren Seite. Warum der für alle so notwendige Kaffee aber vor der letzten Keynote abgeräumt wurde, obwohl dies definitiv anders abgemacht und zugesagt worden war, wird auch für uns ein nicht mehr zu lösendes Rätsel bleiben.
Fazit - Wo treffen wir uns 2026?

So lässt sich die oft wiederkehrende Frage, die wir während der Tagung hörten: „Läuft wirklich alles so perfekt, oder gibt es im Hintergrund Störungen?“, dann doch noch mit „Ja, es gab Störungen“ beantworten. Aber bis auf diesen Fauxpas des Caterings bleibt unser Fazit: Bei dieser Tagung hat sich gezeigt, dass alle Orga-Partner*innen super zusammengearbeitet haben. Allen war es gleichsam wichtig, dass alles funktioniert und sich alle bei uns in Kölle wohlfühlen. Ja, es ist viel Arbeit so eine Tagung zu organisieren, aber es macht auch einfach sehr viel Spaß und Freude am Ende in so viele gut gelaunte und dankbare Gesichter zu blicken! Wo treffen wir uns 2026? Vielleicht bei Ihnen?</description><enclosure
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<item><title>Fokusgruppe Informationsbudget - gemeinsam schneller ins Handeln kommen</title><link>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen</link><comments>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Sep 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Informationsbudget</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Margit Schön</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fokusgruppe-informationsbudget-gemeinsam-schneller-ins-handeln-kommen</guid><description>Getreu dem Motto “Wissen Teilen. Community stärken” betreut das Projekt open-access.network mehrere digitale Fokusgruppen, die sich jeweils bestimmten Open-Access-Themen widmen. 

Die Idee zur Gründung der Fokusgruppe Informationsbudget entstand während der Open-Access-Tage 2022 in Bern innerhalb eines Hands-on-Workshops zum Thema Publikations- und Kostenmonitoring. Das Ziel dahinter: gemeinsam und per Bottom-up-Ansatz ähnliche Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren. Die Fokusgruppe richtet sich an Beschäftigte in wissenschaftlichen Bibliotheken, die sich der Herausforderung Informationsbudget stellen und bereits erste Schritte gegangen sind oder sich gerade auf den Weg machen wollen.

Die Fokusgruppe plant konkrete Maßnahmen und organisiert deren Umsetzung. Deswegen ist eine aktive Teilnahme der einzelnen Mitglieder der Gruppe sehr wichtig. Unter anderem geht es um folgende Aspekte:

    Verständigung auf die Elemente von Informationsbudgets und die Standardisierung von deren Darstellung
    Zusammenfassung der notwendigen Handlungsschritte zur Einführung eines Informationsbudgets mit der Zielgruppe Bibliotheks- und Einrichtungsleitungen sowie Förderern
    Teilen von Best Practices
    Austausch und Zusammenarbeit mit weiteren Projekten, die das Thema Informationsbudget behandeln

Am 17. Februar 2023 fand das erste Auftakttreffen der Fokusgruppe Informationsbudget statt. 84 Teilnehmer*innen aus den verschiedenen Typen wissenschaftlicher Bibliotheken nahmen daran teil. Bei diesem ersten Treffen formierten sich fünf Unterarbeitsgruppen, die sich jeweils auf eine bestimmte Fragestellung spezialisierten. Die Mitglieder der Unterarbeitsgruppen stehen seither in regelmäßigem digitalen Austausch. Nach anderthalb Jahren erfolgte eine erste Retrospektive, d.h. die Untergruppen fassten ihre bisherigen Erkenntnisse zusammen und sammelten Feedback bzw. Ideen zur weiteren Zusammenarbeit ein. Am 21. Juni 2024 - im siebten Treffen der Gesamtgruppe – wurden die Ausarbeitungen aller fünf Unterarbeitsgruppen präsentiert. Diese Ergebnisse werden im Folgenden kurz vorgestellt, sie sind alle in der Zenodo-Community veröffentlicht worden.

Die Materialien sollen eine praktische Orientierungshilfe bieten. Sie können bei der Umsetzung des Informationsbudgets auf verschiedenen Ebenen in wissenschaftlichen Bibliotheken nützlich sein und den Prozess in der Praxis begleiten.
Was genau ist eigentlich ein Informationsbudget?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Unterarbeitsgruppe 1 „Definition Informationsbudget“. 

Da die Frage nicht einfach zu beantworten ist, wurde der Versuch unternommen, gemeinsam eine Definition zu erarbeiten. Die Definition basiert auf bislang veröffentlichten Ansätzen und den Praxiserfahrungen der Gruppenmitglieder. Der “kleinste gemeinsame Nenner” der Elemente des Informationsbudgets wurde herauskristallisiert und optionale Erweiterungen zusammengestellt. Die Kern- und Erweiterungselemente können interessierten Einrichtungen als erste Anregung dienen. Sie können einzelne Aspekte auswählen, die jeweils lokalspezifisch relevant sind, und ggf. weitere Elemente ergänzen. Dadurch kann ein Informationsbudget entstehen, das als Instrument des Finanzmanagements zu verstehen ist. Der Überblick über alle Ausgaben und Finanzierungsquellen für wissenschaftliche Informationen kann dadurch gewonnen werden. Erkenntnisse aus dem DFG-Förderprogramm Open-Access-Publikationskosten und den DFG-Projekten Transform2Open und Open Access Datenpraxis können zukünftig in die Treffen der Unterarbeitsgruppe einfließen.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11439996
Warum beschäftigen wir uns mit dem Thema Informationsbudget?

Die Unterarbeitsgruppe 2 „Kommunikationshilfen gegenüber Entscheidungsträgern verfassen“ ging der Frage nach, welche Informationen wichtig sind, um in die Kommunikation mit den Einrichtungsleitungen zu gehen.

Das präsentierte Ergebnis stellte eine perfekte Überleitung von der Theorie in die Praxis dar. Die Gruppenmitglieder haben eine Folienvorlage zur Unterstützung wissenschaftlicher Einrichtungen bei der Einführung eines Informationsbudgets konzipiert. Diese Vorlage dient allen Interessierten als Kommunikationshilfe gegenüber Entscheidungsträger*innen. Der offene Foliensatz steht als PPTX-Datei zur Verfügung und kann für eigene Zwecke angepasst und modifiziert werden. Wichtig war den Gruppenmitgliedern insbesondere, dass die “Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access” des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2022 in der Präsentation aufgegriffen wurden.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11549877
Welche Tools und Systeme eignen sich zur Erfassung von Kosten- und Publikationsdaten als Teil des gesamten Informationsbudgets?

Dieser Frage ging die Unterarbeitsgruppe 3 „Sammlung und Auswertung technischer Infrastruktur“ nach.

Bis dato gibt es kaum produktive Systeme, die bei der Erfassung von Kosten- und Publikationsdaten zur Etablierung eines Informationsbudgets hilfreich sind bzw. die Anforderungen zufriedenstellend erfüllen. Die dritte Unterarbeitsgruppe nahm sich dieser herausfordernden Ausgangssituation an, erstellte einen Systemvergleich und legte den Fokus auf die Publikationskostenerfassung. Es wurden verschiedene Systeme für unterschiedliche Anwendungsszenarien hinsichtlich ihrer Eignung für diesen Zweck untersucht und Kriterien zur Bewertung erarbeitet: 

    Bibliothekssysteme (ALMA / Aleph, FOLIO OA-App, Libero)
    FIS / Hochschulbibliographie (Pure, DSpace)
    Repositorium (eprints, LibreCat)
    Haushaltssysteme (SAP S/4 HANA, FSV).

Der Systemvergleich ist als Gedankenstütze und Anregung gedacht, jedoch nicht als Anschaffungsempfehlung.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.12073382
Wie gestaltet sich die praktische Umsetzung des Publikations- und Kostenmonitorings in einer Einrichtung?

Mit dieser Fragestellung hat sich die Unterarbeitsgruppe 4 „Publikations- und Kostenmonitoring“ als Community of Practice auseinandergesetzt.

Im Rahmen der Unterarbeitsgruppe wurden anfangs vorrangig allgemeine Praxiserfahrungen zu Monitoring-Prozessen ausgetauscht. Die Bandbreite des Austauschs reichte von verwendeten Tools, Daten für Reporting-Zwecke, Metadaten für Publikationen und deren Kosten, DFG-Förderung und personelle Ressourcen. Der Wunsch der Gruppe war es, dass der Fokus auf Praxis- und Werkstattberichte gelegt werden sollte, um in den direkten Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu gehen, die bereits erste Schritte bei der Umsetzung des Informationsbudgets vorweisen können. Diese Ausrichtung wird auch weiterhin in der Unterarbeitsgruppe praktiziert, über zukünftige Vorträge wird über die Mailingliste informiert.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.12084934
Wie kann ein idealtypischer Arbeitsablauf für das Publikationskostenmonitoring aussehen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Unterarbeitsgruppe 5 „Workflows / Prozesse“ als Community of Practice.

Die Untergruppe befasste sich zunächst mit den Workflows aus den Einrichtungen der Gruppenmitglieder - sofern es dort bereits welche gab. Anhand dessen wurden Einflussfaktoren identifiziert, die im Zusammenhang mit der Prozessgestaltung bedacht werden müssen: institutionelle und lokale Rahmenbedingungen sowie Anspruchsgruppen, die zu beachten sind.

Als erstes Szenario wurde dann ein idealtypischer Workflow für die Abrechnung einer Publikation mit Einzelrechnung entworfen. Darin werden die einzelnen Prozessschritte herausgearbeitet, eine Grafik mit tabellarischer Erläuterung bildet den Kern der Ausarbeitung. Der Workflow kann als Orientierungshilfe herangezogen werden, wenn in der eigenen Einrichtung Prozesse zum Publikationskostenmonitoring erarbeitet werden sollen. Ausarbeitungen für weitere Szenarien, wie Abrechnungen via Voucher, Mitgliedschaften, Diamond Open Access oder (DEAL-) Transformationsverträge können gegebenenfalls noch folgen.

Die von dieser Untergruppe erstellten Materialien finden sich zur Nachnutzung hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.11915411

Diese Puzzleteile aus einer Begriffsdefinition, einer Kommunikationshilfe, einem Systemvergleich, Werkstattberichten und einem visualisierten Workflow lassen Synergien zwischen den Unterarbeitsgruppen erkennen. Wenn alle Ergebnisse zusammen betrachtet werden, erhalten alle Interessierten eine erste Momentaufnahme, die aus der Praxis für die Praxis erstellt wurde.
Nachtrag

Virtuelle Fokusgruppen haben den Vorteil, dass sich viele Menschen von überall her sehr einfach zusammenschließen und gemeinsam Dinge erarbeiten können. Gelegentliche persönliche Treffen sind aber auch sehr schön und hilfreich. Deshalb veranstaltet die Fokusgruppe Informationsbudget einen Workshop innerhalb der Open Access Tage 2024 in Köln: Workshop 11: Von Brocken und Sandkörnern – Hürden auf dem Weg zum Informationsbudget. Zwei Fragestellungen sollen im Rahmen des Workshops bearbeitet werden: Welche konkreten Hürden gibt es in der eigenen Einrichtung bei den Überlegungen bzw. den Schritten hin zum Informationsbudget? Mit welchen Ideen und kreativen Ansätzen kann man diese überwinden? Wir freuen uns auf interessierte Teilnehmer*innen!
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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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<item><title>Ein Ziel, zwei Abteilungen: Bibliotheken und Finanzverwaltung im Austausch über Rechnungserfassung von Publikationskosten</title><link>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</guid><description>Wie lassen sich „Rechnungen für Publikationskosten abteilungsübergreifend kennzeichnen und erfassen“? Diese Frage wurde Ende Mai 2024 im dritten Online-Workshop der Reihe  „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ diskutiert. Die mit über 180 Teilnehmer*innen sehr gut besuchte Veranstaltung ist ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Der Workshop richtete sich speziell an Kolleg*innen-Tandems aus Bibliothek und Finanzabteilung derselben Institution. In den Impulsvorträgen ging es um die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, Rechnungen über Publikationskosten für die gesamte Einrichtung zu erfassen und damit die Open-Access-Transformation voranzubringen.

Empfehlungen zur Erfassung und Bearbeitung von Publikationskosten aus dem österreichischen Projekt AT2OA²  waren Thema der ersten Präsentation. Im Projekt wurden unter anderem Informationsmaterialien entwickelt, mit deren Hilfe Mitarbeitende in Finanzabteilungen geschult werden, Rechnungen über Publikationskosten zu erkennen - beispielsweise anhand von Buzzwords.

Die folgenden beiden Vorträge aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ gliederten sich in ein Praxisbeispiel über einen Bibliotheks-Workflow zur zentralen Bearbeitung von Open-Access-Publikationskosten. Anschließend berichtete die GFZ-Finanzabteilung, wie SAP-Reports für das Controlling von Publikationskosten eingesetzt werden können.

Den Abschluss bildete eine Präsentation der von der TU Braunschweig entwickelten Open-Source-Software CODA (Customizable Open Access Database Application), die eine detaillierte Erfassung, Bearbeitung und Verwaltung publikationsbezogener Kostendaten ermöglicht.

Die mehr als 180 Teilnehmer*innen aus Finanzabteilungen und Bibliotheken konnten sich über eigene Erfahrungen ihrer Zusammenarbeit bei der Erfassung und Zuordnung von Publikationskosten austauschen. Ein wichtiger Punkt war die Kommunikation und Vernetzung zwischen Bibliothek und Finanzabteilung, denn eine gemeinsame Sprache ist gerade mit Blick auf die abteilungsübergreifende Bearbeitung von Rechnungen für Publikationskosten eine wichtige Grundlage für die Einführung eines transparenten Informationsbudgets. In der Abschlussdiskussion berichteten einige Kolleg*innen-Tandems  von ihren Erfahrungen bei der Etablierung gemeinsamer Workflows. Der Austausch über die verschiedenen Perspektiven auf die Rechnungserfassung in den Abteilungen und die Beispiele aus der Praxis wurden von den Teilnehmer*innen besonders positiv bewertet.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Beratung auf Augenhöhe: Open Access an HAW strategisch ausbauen</title><link>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</link><comments>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen#comments</comments><pubDate>Mon, 06 May 2024 09:41:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Beratung</category><dc:creator>Jasper Beyermann</dc:creator><dc:creator>Emilia Mikautsch</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/beratung-auf-augenhoehe-open-access-an-haw-strategisch-ausbauen</guid><description>Das Projekt P2P.OA.HAW startet mit zwei HAW den ersten Erprobungsdurchlauf der Peer-to-Peer-Strategieberatung zu Open Access.

Im November letzten Jahres startete das Projekt &quot;Peer-to-Peer-Strategieberatung für Hochschulleitungen als Werkzeug zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur an Hochschulen für angewandte Wissenschaften&quot; (P2P.OA.HAW) der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Konstanz (UKon). Dabei soll das bewährte Konzept der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung (HFD) aus dem Feld Digitalisierung in Studium und Lehre nachgenutzt und für den Bereich Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) weiterentwickelt werden.

Die Gestaltung der Strukturen, Prozesse und Strategien für Open Access ist für viele Wissenschaftseinrichtungen herausfordernd. Umso mehr gilt dies für HAW, die ihre Open-Access-Aktivitäten vielfach erst seit den letzten Jahren auf- und ausbauen und dadurch strategisch, strukturell und finanziell in eigener Weise herausgefordert sind. Zugleich erfordern strategische Rahmensetzungen und organisationsbezogene Strukturanpassungen für eine Open-Access-freundliche Zukunft ein Steuerungshandeln auf Hochschulleitungsebene.

Im Strategieberatungsprozess von P2P.OA.HAW werden über einen Zeitraum von etwa acht Monaten zwei HAW dabei unterstützt, eigene Entwicklungsziele im Bereich Open Access zu identifizieren, entsprechende Entwicklungswege zu planen und umzusetzen. Die Erkenntnisse aus den Beratungsrunden in den Jahren 2024 und 2025 sollen in ein Konzept zur langfristigen Etablierung der Peer-to-Peer-Strategieberatung für Open Access einfließen.
Gemeinsam geht’s leichter

Nun ist der erste große Meilenstein im Projekt erreicht! Auf den im vergangenen Dezember veröffentlichten Aufruf zur Interessenbekundung wurden die beiden teilnehmenden Hochschulen für den Erprobungsdurchlauf 2024 ausgewählt:

      Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena)
      Hochschule Rhein-Waal (HSRW)

Bild: Teilnahme an der Peer-to-Peer-Strategieberatung 2024, P2P.OA.HAW, CC BY 4.0.

Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena ist die forschungsstärkste Hochschule für angewandte Wissenschaft in Thüringen und verfügt über ein sehr breites Fächerspektrum von Betriebswirtschaftslehre über Ingenieurwissenschaften, Medizintechnik sowie Biotechnologie, Gesundheit und Pflege bis hin zu Sozialwesen. Durch ihr eigenes vom BMBF gefördertes Open-Access-Projekt „Open Access an HAWs – Acceptance and Communication“ (siehe Open Access Kultur an der EAH Jena) verfügt die EAH Jena nicht nur über die Ressourcen, den Beratungsprozess optimal zu nutzen, sondern auch, um darüber hinaus in Zukunft ein Kompetenzzentrum für die Region zu werden:

    Open Access hat sich zu einem zentralen Thema an der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena entwickelt, um unseren Forschungsschwerpunkt weiter zu stärken und zu fördern. Als forschungs- und publikationsstärkste Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Thüringen befinden wir uns mit unserer eigenen Open-Access-Strategie noch in den Anfängen und sehen großes Potenzial, dieses wichtige Thema weiter voranzutreiben. Deswegen nehmen wir aktiv an der Open Access Peer-to-Peer-Strategieberatung teil. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen HAWs, die Open Access bereits erfolgreich implementiert haben, möchten wir wertvolle Einblicke und Erfahrungen gewinnen.

–     Henrieke Walter, Projektmitarbeiterin OA-HAW(C), EAH Jena

Die außerordentlich international ausgerichtete Hochschule Rhein-Waal mit Studierenden aus über 120 Nationen und rund 75% englischsprachigen Studiengängen verfügt über ein starkes und interdisziplinäres Forschungsprofil in den Bereichen Technologie und Bionik, Life Sciences, Gesellschaft und Ökonomie sowie Kommunikation und Umwelt. Im Zusammenhang mit dem Hochschulentwicklungsplan 2030 sollen die bereits beachtlichen Startleistungen zu Open Access in Service, Finanzierung und Infrastruktur gestärkt und mit den Ergebnissen angrenzender Projekte wie TransRegINT und FDMScouts.nrw verknüpft werden.

    Nachhaltigkeit und Transformation sind die Leitthemen der Hochschule Rhein-Waal  in Forschung, Lehre und Wissenstransfer. Wir sind überzeugt: Der offene Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen befeuert ihre Nachnutzung in Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft und bereitet der Umsetzung innovativer Lösungen für gemeinsame Herausforderungen unserer Zeit den Weg. Im Bereich Open Access unterstützt die HSRW ihre Angehörigen daher mit einem breiten Portfolio an Informationsangeboten und Förderstrukturen. Mit der Teilnahme an P2P.OA.HAW verfolgen wir das Ziel, dieses Portfolio für die Zukunft aufzustellen, indem strategische und operative Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Lichte der Best Practices erfahrener Peers ausgelotet werden. Dabei gilt: Open Access eröffnet als Brückenthema viele Verbindungen in andere Bereiche von Open Science und kann somit selbst impulsgebend wirken – auch als Teil der Strategie der HSRW in Forschung, Lehre und Wissenstransfer.

– Martin Reiter, Leitung Abteilung Publikationsmanagement, HSRW
Interaktives Kennenlernen und Bedarfsanalyse

P2P.OA.HAW legt Wert darauf, dass die teilnehmenden Hochschulen ihren Zielen nicht allein nachgehen, sondern vom gemeinsamen Austausch untereinander profitieren. In der ersten gemeinsamen Begleitveranstaltung lernten die Hochschulen somit nicht nur das Projektteam von P2P.OA.HAW kennen, sondern hatten die Möglichkeit, mit der jeweils anderen teilnehmenden HAW zu diskutieren und gemeinsame Hürden ausfindig zu machen: Wie überwindet die andere HAW jene Herausforderung, vor welcher wir momentan stehen? Wo kann meine Einrichtung ein Beispiel für eine erfolgreiche Problemlösung sein?
Nächster Schritt: Auswahl der Peers für individuelle Entwicklungsbedarfe

Um dem individuellen Veränderungsprozess im Open-Access-Bereich jeder HAW passgenau begegnen zu können, bedarf es Open-Access-Expert*innen, die neben ihrer fachlichen Expertise auch die Sichtweise von HAW kennen. Die sogenannten Peers fungieren als „Critical Friends“: Hochschulleitungen von HAW werden durch Leitungen anderer Hochschulen oder Wissenschaftseinrichtungen auf Augenhöhe in einem strukturierten Prozess begleitet und beraten. P2P.OA.HAW bringt beide Seiten zusammen und koordiniert das Beratungsverfahren. Die Peers werden in enger Absprache mit den teilnehmenden Hochschulen aus der erfahrenen Community von open-access.network und darüber hinaus ausgewählt.

Wir gratulieren den ausgewählten Hochschulen und freuen uns auf die Zusammenarbeit in den kommenden Monaten!
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<item><title>Die ersten Schritte zum Informationsbudget gemeinsam gehen</title><link>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</link><comments>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen#comments</comments><pubDate>Tue, 09 Apr 2024 11:29:53 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/die-ersten-schritte-zum-informationsbudget-gemeinsam-gehen</guid><description>Vertreter*innen vier verschiedener Einrichtungen boten in einem Workshop Einblicke in die praktische Implementierung eines Informationsbudgets.

Über 230 Personen hatten sich angemeldet für den Workshop &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot;, der am 07.02.2024 im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts open-access.network von der UB der Universität Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office durchgeführt wurde. Sie hatten Gelegenheit, von vier geladenen Referent*innen aus erster Hand einrichtungsübergreifende Ansätze zur Ermittlung von Publikationskosten als Grundlage für die finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation kennenzulernen.
Transparentes Kostenreporting mit OpenAPC 

Als erste Referentin gab Julia Bartlewski von der Universität Bielefeld einen umfassenden Einblick in die Abfragemöglichkeiten und die Struktur von OpenAPC, einem Projekt, das sich der transparenten Berichterstattung über Kosten im Zusammenhang mit Open Access-Publikationen widmet.

Seit 2014 werden in OpenAPC Daten zu Publikationskosten erfasst und veröffentlicht. Dazu gehören Artikelbearbeitungsgebühren (APCs), Buchbearbeitungsgebühren (BPCs) und Transformationsverträge. Ziel ist es, maximale Kostentransparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen und damit auch Kostenentwicklungen über die Zeit verfolgbar zu machen. Um den einzelnen Institutionen die Übermittlung ihrer Kostendaten zu erleichtern, wird ein hoher Grad an Automatisierung angestrebt. Daten können beispielsweise per E-Mail, Pull-Request, OAI-Harvesting oder per Meldung ans DFG-Förderprogramm „Open Access-Publikationskosten“ übermittelt werden. Geplant ist außerdem eine Erweiterung der Infrastruktur von OpenAPC unter Nutzung des openCost-Metadatenschemas um relevante Kostenpunkte wie sog. page oder color charges.

Im Projektblog wird eine automatisiert generierte Datenanalyse zu jeder Datenlieferung veröffentlicht. Der gesamte Workflow zur Erfassung der Kostendaten an der Universitätsbibliothek Bielefeld wurde von Julia Bartlewski an praktischen Beispielen veranschaulicht und anschließend diskutiert.

Abschließend gab es noch eine Demonstration anhand interaktiver Treemap-Diagramme, welche die gesammelten Daten visualisieren und verschiedene Möglichkeiten der Betrachtung und Filterung bieten.
Der lange Weg zur zentralen Rechnungsbearbeitung

Als zweiter Referent präsentierte Gernot Deinzer die Entwicklung und Implementierung eines zentralen Systems zur Erfassung von Publikationskosten an der Universität Regensburg.

Dabei ging er auf den zurückgelegten Weg ausgehend vom DFG-Programm „Open-Access-Publizieren“ im Jahr 2011 bis zur heutigen Situation mit einem zentralen System zur Bearbeitung von Publikationsgebühren ein. Dieser Weg sei lang und steinig gewesen, aber mittlerweile wolle niemand mehr zurück. Heute sind Autor*innen, Fakultäten und Lehrstühle verpflichtet, Publikationsrechnungen in der Rechnungsstelle der Universitätsbibliothek einzureichen, wo sie geprüft, erfasst und für die Rechnungsanweisung freigegeben wird. Neben der systematischen Erfassung von Publikationsgebühren, Erwerbs- und Lizenzierungskosten bringt dies eine Reihe weiterer Vorteile mit sich, wie die Möglichkeit, Metadaten einer Publikation mit der DOI zu verknüpfen und auf Knopfdruck auszuwerten. Außerdem erfolgt direkt eine Volltextaufnahme ins institutionelle Repositorium. Deinzer schloss mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen, einschließlich der Evaluierung von Publikationskosten und weiterer Verbesserungen im Workflow.

Das Publikum griff seine Ausführungen als Best Practice interessiert auf und es ergab sich eine sehr lebhafte Diskussion zu spezifischen Aspekten der Publikationskostenerfassung. Unter anderem ging es dabei um die Organisation von Literatur- und Lehrmittelbestellungen, personelle Aufwände, Einhaltung von Budgets, Umgang mit Transformationsverträgen sowie die Erfassung weiterer Kostenarten wie Druckkostenzuschüsse oder Artikelbeschaffungskosten (APCs).
Parallele Prozesse zusammenführen

Dritte Referentin war Viola Voß von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB), wo der Prozess zur schrittweisen Etablierung eines Informationsbudgets begonnen hat. Schwerpunkt ihrer Ausführungen waren die Herausforderungen, die mit der Einführung eines Informationsbudgets verbunden sind. Sie konnte aber auch über erste Fortschritte berichten und über Hürden, die in Münster schon gemeistert wurden.

Die Ausgangslage ist aufgrund des dortigen zweischichtigen Systems kompliziert: Universität und Uniklinikum agieren in Münster als separate Körperschaften mit unterschiedlichen SAP-Systemen, Steuernummern und je eigenen Strukturen und Abteilungen. Statt Zentralmittel für Open-Access-Publikationen gibt es eine Kostenteilung mit den Fachbereichen, die für Publikationsfonds, Verlagsverträge und Transformationsverträge gilt. Die ULB, die am DFG-Förderprogramm beteiligt und 2022 zum Bibliotheksmanagementsystem Alma gewechselt ist, bereitet sich auf die Einführung eines Informationsbudgets z.B. über das Reporting für die DFG und durch die Mitarbeit in der Fokusgruppe Informationsbudget vor. Im Sommer 2023 wurde an der Universität eine neue Kostenstelle eingeführt, um Kosten für Open und Closed Access-Publikationen differenzieren zu können, am Uniklinikum wurde eine Kostenstelle speziell für Publikationen eingerichtet.

Durch diese Maßnahmen hat die Bibliothek nun einen ersten Überblick über die Kosten für Artikel, Bücher und Verlagsverträge; jedoch gestaltet sich die standardisierte Rechnungserfassung aufgrund technischer Einschränkungen und organisatorischer Rahmenbedingungen als herausfordernd. Auch die Integration verschiedener Systeme – z.B. die Anbindung von Alma an SAP – steht noch aus, aber die ULB ist zuversichtlich, dass sie auf einem guten Weg ist.

Die anschließende Diskussion drehte sich um Themen wie die Informationsweitergabe an die Fachbereiche, das Buchungsprozedere, die Rolle von Alma in der Verwaltung von Publikationskosten und die Integration des Metadatenschemas von openCost in das Forschungsinformationssystem.
Kostentransparenz auf allen Ebenen

Abschließend präsentierte Lisa-Marie Stein vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, den Workflow am DESY zur zentralen Erfassung und Nachnutzung von Kostendaten im institutionellen Repositorium. Das Ziel ist, Schritte in Richtung eines Informationsbudgets zu unternehmen und Kostentransparenz auf allen Ebenen zu schaffen, um eine nachhaltige Transformation zu ermöglichen.

Am DESY werden alle Publikationen frühzeitig im institutionellen Repositorium erfasst und im Verlauf um Informationen zur Genehmigung und Zahlungsabwicklung ergänzt. Das Publikationskostenmodul innerhalb des Repositoriums ermöglicht die Erfassung auf Artikelebene und eine gemeinsame Definition mit JOIN2. Auch Aspekte wie Datenharvesting, DFG-Monitoring oder die Erweiterung des EZB-Katalogs um Informationen zu Publikationen und Publikationskosten wurden thematisiert.

Lisa-Marie Stein betonte die Bedeutung der zentralen Erfassung von Kostendaten im Repositorium und beschreib die Herausforderungen, die mit diesem Prozess verbunden sind. Wichtig war insbesondere, dass openCost keine Datensammlung ist, sondern vielmehr ein definiertes Austauschformat, das an verschiedene Systeme angebunden werden kann.

In der Diskussion wurden Fragen zur Integration von Daten in SAP, zum Format der Daten und zur Zusammenarbeit mit Bibliothekssystemen und Anbietern von Repositorien erörtert.
Fazit: Nie das Ziel aus den Augen verlieren!

In der Abschlussrunde wurde noch einmal die Bandbreite der unterschiedlichen lokalen Ausgangslagen betont. Best Practices lassen sich häufig nicht ohne Weiteres übertragen, aber sie inspirieren zu neuen Ideen für die eigene Einrichtung. Dennoch seien Austauschformate wie dieser Workshop hierzu besonders wichtig, um voneinander zu lernen, beispielsweise, was die Argumentation für eine zentrale Rechnungsstelle angehe. Wichtig sei, dass man nie das Ziel der Transformation aus den Augen verliere: Ein aussagekräftiges Informationsbudget ist kein Selbstzweck, sondern essentiell für eine evidenzbasierte Mittelallokation – auch und gerade angesichts des zunehmenden Kosten- und Spardrucks an vielen Einrichtungen. Auch als Argument für Diamond Open Access und für die Diskussion über Kosten und Nutzen von Transformationsverträgen wie DEAL sind konkrete Zahlen von zentraler Bedeutung. Das große Interesse am Workshop und die positiven Evaluationen bestätigen, dass das Themenfeld für die Open-Access-Community wichtig ist und bleiben wird.

Alle Präsentationen des Workshops wurden bei Zenodo veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>Mit wem wie und wozu worüber reden? Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation</title><link>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation</link><comments>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation#comments</comments><pubDate>Wed, 06 Mar 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Beratung</category><dc:creator>Christoph Hornung</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/mit-wem-wie-und-wozu-worueber-reden-die-fokusgruppe-open-access-kommunikation</guid><description>Die Praxis des Open-Access-Publizierens umfasst einen ganzen Kosmos von hochspezialisiertem Wissen. Auf der einen Seite steht der wichtige jahrelange Aufbau von Expertise, auf der anderen Seite der Anwendungsbezug und die Kommunikation mit Forschenden oder auch mit Verwaltungskräften. Damit kein abgekoppelter Spezialdiskurs entsteht, ist die Rückkopplung zwischen Spezialist*innen und Zielgruppen wichtig, um die stets neuen Entwicklungen rund um Open Access etwa im Bereich Finanzierungsmodelle oder Formate produktiv und im Sinne der Wissenschaft einzusetzen.

Die Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation beschäftigt sich seit Juni 2022 in ca. zweimonatig stattfindenden Treffen damit, wie dies gelingen kann. Ins Leben gerufen von Katharina Schulz und Matthias Laugwitz, dann koordiniert von Christoph Hornung und Katja Wermbter, lag das Augenmerk der Gründungsidee auf der Öffentlichkeits- und Community-Arbeit zum Thema Open Access. Durch die Gruppenkonstitution wurde dabei schnell deutlich, dass sich unter dem Begriff Kommunikation vielfältige fachliche und institutionelle Hintergründe sowie Erfahrungen und Interessen zusammenfinden. Entsprechend bildete sich ein Vorgehen heraus, das versucht, dieser großen Bandbreite der Erfahrungen und Kontexte gerecht zu werden: Die einzelnen Treffen gehen von Impulsvorträgen aus, die eine Diskussion und weiteren Erfahrungsaustausch initiieren.
„Kommunizieren4“ by Julian Kücklich (CC0), Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo.3674561

Während andere Fokusgruppen von open-access.network ein konkretes Ziel verfolgen, wie etwa die Erarbeitung von Stellungnahmen oder Empfehlungen in den Bereichen scholar-led publishing oder Informationsbudget, liegt der Schwerpunkt der Fokusgruppe Open-Access-Kommunikation auf dem Einholen von Impulsen von externen Gästen mit den Zielsetzungen der Vernetzung und des Perspektivenabgleichs.

Bisherige Impulse waren:

    Merle Schütte (UB Bayreuth) – Die Untergruppe „Kommunikation“ der Fokusgruppe Informationsbudget (10.11.2023)
    Athanasios Mazarakis &amp; Paula Bräuer (ZBW) – Motivation für Open Access durch Gamification (11.09.2023)
     Doreen Siegfried (ZWB) – Content-Marketing zu Open Science (29.06.2023)
     Marc Lange (HU) – Kommunikation mit und Beratung von Forschenden im Kontext Monografienfonds (05.05.2023), vgl. Handlungsempfehlungen für Open-Access-Publikationsfonds
     Katja Wermbter (FID BAUdigital, UB Braunschweig) – Umfrage des FID BAUDigital zu Open Access und FDM (23.02.23)
    Ben Kaden (VuK OA Brandenburg) – Open Access kommunizieren (19.01.23), vgl. dazu Schulungsmaterialien von Heinz Pampel und Ben Kaden
    Yuliya Fadeeva (UB Duisburg Essen) – Stakeholder Mapping Projekt AuROA (19.10.22), vgl. Poster zur OASPA 2022 Conference
    Matthias Laugwitz (IST-Hochschule für Management, AuROA) – Kommunikation als Erfolgskatalysator (20.07.22)

    Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte.

Große Einigkeit besteht in der Gruppe dahingehend, dass es bei unterschiedlichen Menschen aus &quot;unterschiedlichen Welten&quot; häufig unterschiedliche Begrifflichkeiten und Auffassungen gibt, die bei der Open-Access-Kommunikation relevant sind. Daraus lässt sich eine Frage ableiten, die viele Verzweigungen andeutet und als wiederkehrende Motivation für die Diskussionen in der Fokusgruppe gesehen werden kann: Wie redet wer mit wem in welchen institutionellen und fachlichen Kontexten, um was zu erreichen? Es ist einleuchtend, dass diese Frage ein Themen- oder Diskursspektrum der Open-Access-Kommunikation eröffnet, das in seiner Komplexität und Größe kaum je gänzlich durch die Impulsbeiträge und die sich anschließenden Diskussionen erfasst werden könnte. Dies ist allerdings weder Anspruch noch Motivation der Fokusgruppe. Vielmehr ist das Ziel des Kommunizierens über Open-Access-Kommunikation eben die Reflexion ihrer Komplexität, Vielfalt und Ausgestaltung. Nicht zuletzt soll die Fokusgruppe den Teilnehmenden immer auch die Möglichkeit bieten, sich der eigenen Position(en), Rollen und Zielsetzungen beim Kommunizieren über Open Access bewusst zu werden.
Image by Mohamed Hassan (CC0) https://pxhere.com/de/photo/1639991

Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen. Die Ausgestaltung der Kommunikation wiederum hängt unter anderem von Zielgruppen, möglichen Kommunikationswegen, Zielsetzungen und Motivationen ab.

Besonders wurde in den Diskussionen der Fokusgruppe deutlich, dass sich die konkreten Bedingungen und Strukturen einer Institution prägend darauf auswirken, wie agiert und kommuniziert werden kann. Dabei wurde eine ganze Reihe von relevanten Fragen freigelegt:

(1)   Was genau will man durch die Kommunikation erreichen? Geht es um das Bewerben von konkreten Angeboten oder eher um das Vermitteln von Grundverständnis und Kompetenzen?

(2)   Was spielt für die Publikationsentscheidungen von Forschenden neben dem Faktor „Open Access“ außerdem eine Rolle (Reputation, inhaltliche und finanzielle Faktoren etc.)?

(3)   Wer sind die Kommunikationspartner*innen? Geht es um die Kommunikation zwischen Open-Access-Spezialist*innen, mit der Verwaltung der Institution, mit der Bibliothek, mit der Kommunikationsabteilung, mit Forschenden, Fachgesellschaften, Geldgebern, Unternehmen oder Verlagen?

(4)   Um was für eine Institution handelt es sich? Geht es um ein kleines Forschungsinstitut mit einem klaren fachlichen Profil? Oder geht es um eine Volluniversität inklusive Klinikum, die sich selbst verwaltet und eine große Fächervielfalt aufweist?

(5)   Wie stark sind Open Access und Open Science an der Institution verankert? Gibt es Leitlinien der Dachgesellschaft oder eine Policy der Institution?

(6)   Auf welche Haltung gegenüber Open Access und welche Vorurteile trifft man? Welche Rolle spielen Karrierestufen und Reputationsmechanismen?

(7)   Welcher fachliche Hintergrund ist vorhanden und wie ist die Publikationskultur? Ist Open Access hier bereits Standard oder noch mit Vorurteilen behaftet? Handelt es sich um buch- und verlagsorientierte Fächer, wie die (meisten) Geisteswissenschaften, oder um Disziplinen wie die Meteorologie, wo Open-Access-Artikel Standard sind? Sind Impact-Faktoren entscheidende Gründe für die Publikation in einer Zeitschrift oder zählen die Namen der Herausgebenden oder der ‚gute Name‘ eines Verlags mehr?

(8)   Welche Rolle hat der oder die Kommunizierende an der Institution? Spricht er oder sie für eine Kommunikationsabteilung mit Fokus auf die gesamte Institution oder beispielsweise für einen Fachinformationsdienst, der standortübergreifend für eine bestimmte Fachcommunity steht?

(9)   Welcher institutionelle Rahmen herrscht für die Kommunikation? Wie ist die allgemeine Stellung und Verankerung von Open Access und Open Science, etwa in Form von institutionalisierten Stellen, existierender Services und anderer Strukturen sowie von Policies?

(10) Und, ganz lebensnah: Wie viel Personal ist verfügbar?

    Dabei lässt sich in Anlehnung an etablierte Modelle der Wissenschaftskommunikation grundsätzlich festhalten, dass verschiedene Kreise oder Diskursfelder der Kommunikation sowie die vielfältigen Akteur*innen beim Kommunizieren über Open Access eine Rolle spielen

Dies alles prägt die Entscheidung, wie, wann und wie oft und unter Einsatz welcher Medien und Formate worüber am besten gesprochen wird. Die zusammengetragenen Erfahrungen ergeben so einen bunten Strauß an möglichen Ansätzen. Von der konkreten Situation und den konkreten Zielen hängt es also ab, ob dies nun einzelne Workshops oder regelmäßige Veranstaltungen an Graduiertenschulen sind, ob man besser Vorträge hält, Lehr- und Einführungsveranstaltungen besucht oder Gamification-Formate anbietet.

Entsprechend der Vielfalt des Themenkomplexes nimmt auch die Fokusgruppe immer weitere Ansätze und Beispiele in den Blick. So ist das Kommunizieren über predatory practices als ein Thema eingeplant, bei dem in der Kommunikation mit Publizierenden unter Umständen nicht von denselben Prämissen ausgegangen werden kann wie innerhalb der Open-Access-Community.

Neue Mitglieder sind in der Gruppe stets willkommen – entweder zunächst zum Zuhören oder um selbst konkrete Vorschläge zu machen, Einblicke zu geben oder Fragen zu stellen.

Die Termine für künftige Treffen, der Link zur Mailingliste der Gruppe sowie alle weiteren relevanten Teilnahmeinfos sind hier zu finden: https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-kommunikation
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<item><title>Open-Access-Tage 2023: Videoaufzeichnungen, Folien und Nachlese</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese#comments</comments><pubDate>Mon, 05 Feb 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Georg Fischer</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</guid><description>Ende September 2023 fanden die Open-Access-Tage (#OAT23) in Berlin statt. Damit wurde auch der 20-jährige Geburtstag der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen in der deutschen Hauptstadt gebührend gefeiert und gewürdigt. Wer die OAT23 Revue passieren lassen oder noch den einen oder anderen Vortrag nachträglich schauen möchte, hat dafür nun mehr als 30 Videos zur Auswahl.

Open Access hat sich seit der Berliner Erklärung als Standard und wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens etabliert. Die Open-Access-Tage, die jährlich stattfindende Konferenz für Open Access und Open Research im deutschsprachigen Raum, nahm sich das Jubiläum zum Anlass, um den zurückliegenden Weg gemeinsam zu reflektieren und unter dem Motto Visionen gestalten in die Zukunft zu blicken.

Das angenehme spätsommerliche Wetter meinte es gut mit den über 450 Teilnehmenden. Sie kamen für zahlreiche Vorträge und Workshops, drei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, eine Postersession und in anderen lockeren Formaten, etwa bei Abendveranstaltungen oder einem leckeren Eis zusammen.
Zum Nachschauen: 32 Vorträge der #OAT23 als frei lizenzierte Videos online

Bei einer so großen Konferenz wie den Open-Access-Tagen ist es ein Leichtes, Vorträge zu verpassen. Nun sind insgesamt 32 Vorträge und eine Podiumsdiskussion als Aufzeichnungen im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek auffindbar. Sie enthalten Untertitelungen in deutscher und englischer Sprache sowie die Vortragsfolien. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema DEAL sind auch Publikumsfragen in den Aufzeichnungen enthalten.

Die Vorträge sind unter dem DOI https://doi.org/10.5446/s_1673 im TIB-AV-Portal abrufbar und können von dort aus auch heruntergeladen werden. Alle Videos stehen unter der freien Lizenz CC BY 3.0 für diverse Formen der Nachnutzung bereit.
Vortragsfolien, Poster und weitere Nachlese zu den #OAT23

Neben den Vorträgen selbst sind die Präsentationsfolien von allen 32 Vorträgen sowie die 18 gezeigten Poster bei Zenodo verfügbar. Die Dateien sind in dieser Zenodo-Gruppe gespeichert und können dank der offenen Lizenz problemlos nachgenutzt werden.

Zudem sind einige Konferenz-Nachberichte erschienen. Darunter ein Nachbericht in der Uni-Zeitung der FU campus.leben, ein Jubiläumsbericht zur Berliner Erklärung beim Berliner Tagesspiegel oder eine Reflexion bei der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.

Die #OAT23 waren eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Universitäten, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Hochschulen – insgesamt 14 Einrichtungen. Sie fanden vom 27. bis 29. September 2023 an der Freien Universität Berlin statt. Die Koordination übernahm das Open-Access-Büro Berlin.

Die nächsten Open-Access-Tage (#OAT24) finden vom 10. bis 12. September 2024 in Köln statt. Ein kurzer Teaser dazu findet sich hier.
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<item><title>Auftakt der Workshopreihe &quot;Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation&quot;</title><link>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation#comments</comments><pubDate>Thu, 25 Jan 2024 09:08:04 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Informationsbudget</category><guid>https://open-access.network/blog/auftakt-der-workshopreihe-finanzielle-gestaltung-der-open-access-transformation</guid><description>Ein Veranstaltungsbericht

Die „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ ist Thema einer Workshopreihe im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network. Organisiert und durchgeführt wird sie von der Universitätsbibliothek Bielefeld und dem Helmholtz Open Science Office. Im Mittelpunkt der sechsteiligen Workshopreihe steht das Thema Informationsbudget an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Die Auftaktveranstaltung am 13.09.2023 versorgte die rund 130 Teilnehmenden mit Informationen zum Stand der Diskussion, zur Zielsetzung der Idee und ersten Umsetzungsszenarien.
Überblick über den Diskussionsstand

Der erste Workshop mit dem Titel „Finanzierungsströme für die Open-Access-Transformation – Überblick und Stand der Diskussion“ begann mit drei Impulsvorträgen. Jochen Schirrwagen (RWTH Aachen) gab zunächst einen Überblick und eine Einführung ins Thema Informationsbudget. Prof. Gerard Meijer (Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft) knüpfte in seinem Beitrag &quot;Strategic Aspects of the Open Access Transformation&quot; an die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ an, die er als Sprecher einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates mitverfasst hat (Wissenschaftsrat, 2022). Schließlich sprach Dr. Bernhard Mittermaier (Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich) über erste Erfahrungen bei der Umsetzung eines Informationsbudgets am Forschungszentrum Jülich. Die Referenten haben die Präsentationsfolien zu ihren Vorträgen bei Zenodo im Open Access veröffentlicht; sie sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
Austausch fördern, gemeinsam arbeiten

Ausgehend von diesen einleitenden Vorträgen diskutierten die rund 130 Teilnehmer*innen während einer Gruppenarbeitsphase  über Vorteile, Ansätze und Herausforderungen bei der Umsetzung eines transparenten Informationsbudgets im eigenen Haus.
Der aktuelle Stand zum Informationsbudget an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ist sehr heterogen und oft sind es  die Bibliotheken, die das Thema vorantreiben. Während einige Einrichtungen über bereits implementierte Workflows zur Kostenerfassung im gesamten Haus berichten konnten, steht bei anderen das Thema bislang unbearbeitet auf der To-Do-Liste.
Bild von Manfred Steger auf Pixabay

Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig. Damit nicht jede Hochschule, Universität oder Wissenschaftsinstitution individuelle Lösungen erarbeiten muss, besteht der Wunsch, von den Erfahrungen, Ideen, Modellen und Ansätzen anderer zu profitieren. Gleichwohl setzen die Unterschiede zwischen den Einrichtungstypen und ihrer internen Organisation gemeinsamen Lösungsansätzen Grenzen. Ein besonderes Problem sahen viele Teilnehmer*innen im dezentralen Abrechnungswesen.

Die transparente und vollständige Erfassung von Kosten und Aufwänden im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens muss auf allen Ebenen erfolgen. Organisatorisch beinhaltet  das Institute, Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen und betrifft dies die Budgets von Bibliotheken, Lehrstühlen und Drittmittelprojekten sowie weitere Sondermittel.

    Viele Teilnehmende suchen nach konkreten Ansatzpunkten, um aus der theoretischen Debatte in das praktische Handeln zu kommen. Dafür ist der Austausch mit anderen Kolleg*innen besonders wichtig.

Vorteile und Schwierigkeiten

Gefragt nach den Vorteilen der Einführung von Informationsbudgets für wissenschaftliche Einrichtungen, nannten die Teilnehmer*innen, verbesserte  Steuerungsmöglichkeiten und einen besseren Kostenüberblick bezogen auf Publikationszahlen und Fachbereiche. Ein Informationsbudget böte auch den Vorteil, einfacherer Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Einrichtungen und ermögliche perspektivisch eine verbesserte Verhandlungsposition gegenüber Verlagen. Mehr Transparenz über Kosten und Leistungen in der Retrospektive (z. B. Durchschnitt des Publikationsaufkommens und Kosten der letzten drei Jahre) ermöglicht außerdem eine bessere Kalkulation für die Zukunft.

Schwierigkeiten und (praktischen) Hindernisse sahen die Teilnehmer*innen in der Zusammenarbeit von Finanzabteilung, Controlling, Bibliothek und Leitungsebene.
Verschiedene Datenquellen erschwerten den Gesamtüberblick über tatsächliche Ausgaben und die unterschiedliche Dynamik im Publikationsaufkommen der verschiedenen Fächer mache eine mittel- bis langfristige Finanzplanung nicht einfach.
Schwierig sei zudem die Zuordnung von Publikationen zu Drittmittelprojekten mangels Standardisierung der Projektidentifier, u. a. bei DFG-Projekten im Kontext des Förderprogramms „Open-Access-Publikationskosten“. Auch bei Transformationsverträgen sind die Kosten für einzelne Artikel mitunter nicht sichtbar.
Praktische Lösungsansätze

Im Anschluss an Bernhard Mittermaiers Vortrag zur Umsetzung des Informationsbudgets am Beispiel des Forschungszentrums Jülich, entwickelten die Teilnehmenden eigene Ideen und Ansätze dazu, wie sie an ihren Einrichtungen ein Informationsbudget etablieren wollen. Grundlegend biete der Erwerbungsetat eine gute Ausgangsbasis, die sukzessive um Elemente eines Informationsbudgets erweitert werden kann. Wichtig für die praktische Umsetzung sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Finanzabteilung. Um dies zu erleichtern, kann die Einführung einer entsprechenden Policy für die gesamte Institution hilfreich sein.

Auch ein vereinheitlichtes Bestellverfahren unter Einbeziehung der Bibliothek ermöglicht es, die Publikationsausgaben zentral zu erfassen. Teilnehmer*innen empfahlen auch die Nutzung der Forschungsinformationssysteme (FIS) statt Excel-Listen zur Kostendokumentation. Eine weitere Möglichkeit ist die  Erfassung von Kosten im institutionellen Repositorium oder die Einrichtung eines speziellen Buchungskontos für OA-Publikationen. Sachbearbeiter*innen, die dezentral Publikationsgebühren buchen, sollten entsprechend geschult werden. Um sie bei der korrekten Zuordnung der Kosten zu unterstützen, könne man ihnen außerdem eine Liste mit  Begriffen zur Verfügung stellen, die auf Open-Access-Publikationen hinweisen.
Einige Teilnehmende berichteten allerdings auch, dass es an ihrer Einrichtung bislang keine Ansätze für ein Informationsbudget gibt. Dies scheitere bislang am fehlenden Interesse der Leitungsebene.

Die Resonanz auf den Workshop war insgesamt sehr positiv. Allerdings wünschten sich die meisten Teilnehmenden mehr Zeit zum Austausch und zur Diskussion. Für die nächsten Workshops werden wir deshalb dafür mehr Zeit einplanen. Die während der Gruppenarbeitsphase gesammelten Wünsche zu Themen und Struktur der kommenden Workshops werden in die Planungen einfließen. Der nächste Workshop zum Thema &quot;Erste Schritte zum Informationsbudget: Publikationskosten erfassen und sichtbar machen&quot; wird am 7. Februar 2024 stattfinden.
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<item><title>Impulse von der Open Access Staff Week</title><link>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week</link><comments>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week#comments</comments><pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:37:32 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Jasper Beyermann</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/impulse-von-der-open-access-staff-week</guid><description>Ein Interview mit Karin Stork und Jasper Beyermann

Die diesjährige Open Access Staff Week fand vom 05. bis 07. Dezember an der Universitätsbibliothek Braunschweig statt. Für Jasper Beyermann (Hochschule Bielefeld) und Karin Stork (Universität Konstanz) war es die erste Vernetzungsveranstaltung von open-access.network. Wir haben die Gelegenheit genutzt, sie nach ihren Eindrücken zu fragen.

Danny Flemming [DF]: Was hat euch bewogen, an der Open Access Staff Week in Braunschweig teilzunehmen?

Karin Stork [KS]: Ich wollte an der Staff Week teilnehmen, um die Menschen kennenzulernen, die in der Bibliothekspraxis arbeiten, die Expert*innen in dem Bereich Open Access sind. Ich habe mir erhofft, dass ich als Quereinsteigerin im Open-Access-Kontext viel von den anderen lernen und neue Ideen für meine Arbeit mitnehmen kann. Außerdem wollte ich mir eine Netzwerkveranstaltung und deren Methoden anschauen, da das Community Building Teil meiner  Arbeit im Projekt  KOALA-AV ist.

Jasper Beyermann [JB]: Ich bin noch recht neu im Bereich Open Access und hatte zuvor eher mit dem Thema Studium und Lehre zu tun. Zur Teilnahme bewogen haben mich vor allem zwei Aspekte: Erstens fand ich das Konzept der Staff Week spannend. Auch bei anderen Vernetzungsaktivitäten bekommt man ja immer wieder Eindrücke von anderen Hochschulen, doch es ist eher selten, dass man so intensiv in die Strukturen einer anderen Hochschule eintauchen kann. Das kannte ich aus dem Bereich Studium und Lehre so nicht. Zweitens hat mich die kleine Gruppengröße der Veranstaltung überzeugt. Das hat einen Austausch ermöglicht, der über ein oberflächliches Kennenlernen hinausgeht und eine sehr offene Diskussionskultur geschaffen.

    Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert.

    – Karin Stork

DF: Wurden eure Erwartungen erfüllt?

KS: Ja, sogar übertroffen. Die Kolleg*innen von der Universitätsbibliothek Braunschweig haben spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben, zum Beispiel zum Repositorium LeoPARD. Aber Katja Wermbter, Matthias Kissler und Carsten Elsner haben nicht nur „einfach“ referiert, sondern auch spannende Funfacts geliefert. Mir war nicht bewusst, dass das Wappen der Löwenstadt Braunschweig auch Leoparden zeigt, und dass der „Leo“ im LeoPARD ja auch ein Löwe ist. Diese kleinen Zusatzinfos scheinen vielleicht nebensächlich, sorgen aber dafür, dass ich sicher nie mehr vergessen werde, wie das Repositorium der TU Braunschweig heißt. Neben dem sehr gewinnbringenden Austausch mit den anderen Teilnehmenden sind es für mich diese Details, die die Staff Week besonders gemacht haben.

JB: Ja, definitiv. Die  Braunschweiger Kolleg*innen haben sich richtig ins Zeug gelegt, uns ihre Strukturen, Entwicklungen und Herausforderungen aufzubereiten. Inhaltlich hat sich das für mich auf jeden Fall sehr gelohnt und ich konnte interessante Menschen von verschiedenen Hochschulen kennenlernen. Sowohl die Inputs als auch die Austauschrunden und Arbeitsphasen waren sehr anregend. Es gab auch immer genug Zeit, tiefer in die Diskussion einzusteigen und man musste nicht immer sofort schon zum nächsten Programmpunkt. 

    Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht.

    – Jasper Beyermann

DF: Welche Inhalte fandet ihr am spannendsten?

KS:  Für mich als recht unerfahrene Open-Access-Einsteigerin war die „Bring your own problem“-Session besonders interessant. Angefangen bei der Methode der Session: Jede*r konnte drei Problemstellungen aus dem eigenen Arbeitsalltag auf je eine Pappkarte schreiben. Die gesammelten Probleme haben wir nach Themen geclustert und dann mit Klebepunkten abgestimmt, welche Probleme wir im Plenum besprechen möchten. „Gewonnen“ hat das Problem der fehlenden Aufmerksamkeit für Open Access außerhalb der Open-Access-Bubble, sprich im Bereich vieler Forschender oder auch in einigen Leitungsebenen von Hochschulen - also genau dort, wo das Thema eigentlich viel präsenter sein sollte.

JB: Am spannendsten waren für mich die Diskussionen über die Kooperationsstrukturen im Wissenschaftssystem und die strategischen Entwicklungen. Es wird ja immer klarer, dass nicht jede Hochschule für sich alleine Insellösungen schaffen kann und es verstärkt Kooperationen braucht. Das gilt sowohl für der Ebene der technischen Infrastruktur als auch auf der Ebene der Organisation und vielleicht auch auf der Ebene der Finanzierung. Grade für kleine Hochschulen wird es immer wichtiger werden, von Verbundstrukturen zu profitieren. Deswegen war es äußerst spannend, von den Entwicklungen im TU9-Verbund zu hören und davon, dass die TU Braunschweig an Open-Source-Lösungen für die verschiedenen Herausforderungen im Kostenmonitoring arbeitet, die aktuelle viele Hochschulbibliotheken beschäftigen. Nur in solchen Kooperationen können wir das Publikationssystem langfristig bewusster gestalten.

DF: Gab es Schnittstellen zu euren aktuellen Projekten?

KS: Ich arbeite im Projekt KOALA-AV, in dem es um den Ausbau von konsortial finanzierten Diamond-Open-Access-Modellen und um die Vernetzung der beteiligten Akteure untereinander geht. Es gibt also mindestens zwei Schnittstellen zu meinem Projekt auf unterschiedlichen Ebenen: Erstens gab es die größten inhaltlichen Überschneidungen zu meinem Thema in der letzten Sitzung „Stand, Perspektive und Wahrnehmung von Diamond-OA-Büchern“. Und zweitens konnte ich mir viele tolle Methoden für Netzwerkveranstaltungen abschauen. Die Kombination aus Input durch die Vorträge  und den anschließenden Gruppenarbeits-Sessions, in denen wir über den Status Quo in unseren eigenen Einrichtungen sprechen und Ideen austauschen konnten, war optimal.

JB: Ja, eindeutig. Ich arbeite im Projekt P2P.OA.HAW. Wir erproben den Ansatz der Peer-to-Peer-Strategieberatung des Hochschulforums Digitalisierung für das Handlungsfeld Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Für mich war deshalb vor allem wertvoll, dass auch einige Vertreter*innen von HAW teilgenommen haben und ich von ihren Erfahrungen und Diskussionsbeiträgen profitieren konnte. Dabei sind mir die eigenen Herausforderungen von kleinen Hochschulen noch mal anders ins Bewusstsein getreten. Ich bin zwar an der Hochschule Bielefeld auch an einer HAW, aber wir haben über 10.000 Studierende und entsprechend andere Kapazitäten.

DF: Konntet ihr Anregungen mitnehmen für euren Arbeitsalltag?

KS: Vor allem die Gruppenarbeit zur letzten Sitzung, in der wir über Diamond-OA-Bücher gesprochen haben, hat mir gezeigt, dass es großen Bedarf an Diamond-OA-Modellen gibt. Aber auch, dass es teilweise Definitionsprobleme gibt und oft nicht klar ist, ab wann man von „echtem“ Diamond-OA sprechen kann. Transparenz in der Beschreibung der Funktionsweise von Diamond-OA-Finanzierung kann hier aber helfen. Da  konnte ich einige Anregungen für die Informationsveranstaltungen mitnehmen, die wir für KOALA-AV  konzipieren.

JB: Einige Punkte die ich hier nennen könnte, habe ich in den Antworten zuvor schon erwähnt. Was ich vielleicht noch unabhängig dazu herausstellen möchte, waren die Einblick in die Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken und der Hochschulleitung. Welche Gremien und Austauschformate gibt es hier und was hilft in der Kommunikation zwischen der eher strategischen und der eher operativen Ebene? Zu diesem Thema gab es immer wieder interessante Eindrücke aus den anderen Hochschulen.Diese Informationen könnten für meine zukünftige Arbeit wertvoll sein. Ein weiterer Punkt waren die Anregungen im Bezug darauf, wie man die Forschenden an der eigenen Einrichtung besser erreicht.

DF: Was würdet ihr euch für zukünftige Staff Weeks wünschen?

KS: Ich wünsche mir, dass der Programmrahmen wieder so eine gute Mischung aus Informieren und Austausch enthält. Zusätzlich wünsche ich mir als Kennenlern-Warm-Up den Klassiker „Ich packe meinen Koffer…“, aber mit dem jeweiligen Namen der Teilnehmenden, der Einrichtung, an der sie arbeiten und ihr Hauptanliegen, mit dem sie zur Staff Week gekommen sind. Also in etwa so: „Ich bin Karin, ich komme von der Uni Konstanz und bin bei der Staff Week, um möglichst viel über den Status Quo von Open Access an wissenschaftlichen Bibliotheken zu erfahren“.

JB: Ich würde den Programmrahmen auch ähnlich belassen und mir natürlich wünschen, dass die Mitarbeitenden der nächsten ausrichtenden Hochschule genauso motiviert in der Vorbereitung sind wie die Kolleg*innen der Universitätsbibliothek Braunschweig.

DF: Vielen Dank für das Gespräch!

Für 2024 und 2025 sind weitere Open Access Staff Weeks geplant. Informationen dazu finden Sie unter https://open-access.network/vernetzen/staff-week. Sobald die konkreten Termine und Ausrichtungsorte feststehen, werden die Informationen dort sowie in unserem Veranstaltungskalender bereit gestellt. Berichte über vergangene Staff Weeks finden Sie hier.
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<item><title>Open Access Level-Up</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-level-up#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 13:02:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Dom Ford</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</guid><description>Ein Gespräch mit Dom Ford über den Betrieb der Diamond-Open-Access-Zeitschriften gamevironments und Eludamos

Beim Herausgeben von und beim Publizieren in Open-Access-Zeitschriften müssen Wissenschaftler*innen einige Herausforderungen meistern. Dom Ford, Postdoc an der Universität Bremen, ist maßgeblich an zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften beteiligt: Er ist Chefredakteur von gamevironments und wirkt außerdem im Herausgebergremium von Eludamos: Journal for Computer Game Culture mit. In diesem Gespräch laden wir ihn ein, seine Erfahrungen mit uns zu teilen, bitten ihn um Rat und erkunden die entscheidende Rolle der Bibliotheken bei der Unterstützung des Diamond-Open-Access-Publizierens.
Dom Ford, Foto: IT der Universität Kopenhagen
Podcast des Interviews
Hier könnt ihr euch das Gespräch zwischen Carolin Becklas und Dom Ford anhören. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Carolin Becklas [CB]: Dom, könntest du dich und dein Forschungsgebiet bitte vorstellen – und natürlich auch deine Zeitschrift?

Dom Ford [DF]: Mein Name ist Dom und ich bin Postdoc an der Universität Bremen. Ich forsche zu Community-Bildung im Gaming-Bereich. Dabei untersuche ich, wie Communities in und um digitale Spiele gebildet, ausgehandelt und aufrechterhalten werden. Neuerdings befasse ich mich auch ein bisschen mit dem Prozess der Realitätsbildung im Allgemeinen. Ich wirke in der Redaktion von zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit – vor allem gamevironments, die hier an der Universität Bremen angesiedelt ist. Die Chefredakteurinnen sind Kerstin Radde-Antweiler von der Universität Bremen und Xenia Zeiler von der Universität Helsinki. Die Zeitschrift widmet sich schwerpunktmäßig der Wertebildung im Gaming-Bereich sowie der Verortung von Spielen innerhalb des weiteren soziokulturellen Medienumfelds, denn Spiele sind sozusagen unentwirrbar mit einem solchen weiteren Umfeld verbunden. Die andere Zeitschrift, bei der ich mitwirke, heißt Eludamos. Ihr Fokus ist noch weiter gefasst und gilt Spielen und Kultur im Allgemeinen. Sie wird geleitet von Holger Pötzsch von der UiT, Norwegens Arktischer Universität, und Kristine Jørgensen von der Universität Bergen. Da ich Redaktionsleiter von gamevironments bin, bin ich sozusagen viel stärker in den Betrieb jener Zeitschrift eingebunden.

CB: Erzähl uns etwas über deinen Hintergrund und was dich zu deiner derzeitigen Rolle im wissenschaftlichen Publizieren geführt hat.

DF: Wie du wahrscheinlich hören kannst, bin ich englischer Muttersprachler. Und, weißt du, ich habe mich immer für die englische Sprache interessiert. Ich habe einen Master in englischer Literatur. Und ich habe viel Korrektorat und Lektorat gemacht, viele Texte erstellt – das ganze redaktionelle Zeug halt. Und es war irgendwie natürlich, dass ich in dieser Rolle gelandet bin. Da ich in der Wissenschaft tätig war, habe ich Projekte gesucht, in denen ich mich engagieren wollte. Und oft stellte ich einfach fest, dass es Zeitschriften waren. Zuerst habe ich 2020 bei Eludamos angefangen. Eine Art Pandemieprojekt, um die Zeitschrift nach einer Unterbrechung wieder zum Laufen zu bringen. Es war wirklich interessant, einen Blick hinter die Kulissen des Ganzen werfen zu können. Man bekommt die Einreichung eines Artikels mit; man arbeitet damit während des ganzen Prozesses, bis es veröffentlicht wird; und dann fangen die Leute an, es zu zitieren und zu nutzen. Das ist ein sehr befriedigender Prozess. Als ich mich nach meiner Promotion für Stellen beworben habe, habe ich mich für diese Postdoc-Stelle hier in Bremen interessiert, weil zur Rolle gehörte, Redaktionsleiter von gamevironments zu werden, und ich würde die Möglichkeit haben, diese Arbeit neben meiner Forschung fortzusetzen. Ich würde nicht sagen, dass ich da reingestolpert bin – es war bestimmt Absicht im Spiel. Es ist einfach eine der Möglichkeiten, in der Wissenschaft einen Beitrag zu leisten mit den ganzen freiwilligen zusätzlichen Diensten, die wir alle als Teil der Wissenschaft leisten müssen. Weißt du, man findet Aufgaben, die man richtig gerne macht und die einem ein Ziel geben. Und dies ist die Art von Rolle, zu der ich mich letztendlich hingezogen fühlte.

    Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot;
    - Dom Ford

CB: Die “freiwilligen zusätzlichen Dienste&quot; führen mich zu meiner nächsten Frage: Viele Zeitschriften setzen auf Abogebühren oder Publikationsgebühren, um ihre Kosten zu decken. Aber ihr zieht es vor, gamevironments als Open-Access-Zeitschrift zu betreiben – sogar als Diamond-Open-Access-Zeitschrift, bei der weder für Publizierende noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Warum war das für euch wichtig, und wie wirkt sich das auf Autor*innen, Leser*innen und natürlich auch auf die Nachhaltigkeit der Zeitschrift aus?

DF: Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Mir ist sehr wichtig, den möglichst freien Fluss von Wissen und wissenschaftlichem Diskurs zu ermöglichen. Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot; Und deshalb ermöglicht Diamond Open Access auf verlegerischer Seite, dass die wissenschaftliche Arbeit einfach im Mittelpunkt steht, was idealistisch gesprochen ein wirklich sympathischer Grundsatz ist. Autor*innen müssen nicht zusätzliche Hürden überwinden, und Leser*innen müssen weder beten, dass ihre Bibliothek institutionellen Zugang zur Zeitschrift hat, oder dass sie selbst nicht das Risiko eingehen müssen, die Artikel auf illegalem Weg zu beschaffen. Denn, seien wir mal ehrlich, niemand bezahlt für einen Zeitschriftenartikel aus eigener Tasche. Diamond Open Access bedeutet, dass die Menschen auf beiden Seiten diese Hürden einfach nicht überwinden müssen, um wissenschaftliches Wissen zu produzieren bzw. um Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu erhalten.

Wir müssen uns auch keine Gedanken machen über Gewinnmodelle und solche Sachen. Wir sind nicht gewinnorientiert. Uns ist es nur wichtig, dass wir unsere Betriebskosten decken. Und dann können wir uns einfach auf die eigentliche redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Der Nachteil ist, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen aus Publikationsgebühren Diamond-Open-Access-Zeitschriften fast immer ehrenamtlich betrieben werden. Gelegentlich können wir Mittel finden, um Lektorate und solche Dinge zu bezahlen. Aber im Grunde wird die Zeitschrift ehrenamtlich betrieben. Das hat einige Vorteile, aber es kann zu Problemen im Hinblick auf die Arbeitsbelastung führen. Alle machen die Arbeit neben ihren meist akademischen Tätigkeiten wie Lehre und Forschung. Und dann muss man zusätzlich diese ganze Arbeit an der Zeitschrift machen, was bedeutet, dass man der Arbeit an der Zeitschrift manchmal nicht Vorrang geben kann oder dass es zu Verzögerungen kommt. Man muss also die Arbeit an der Zeitschrift beiseiteschieben, weil man nicht dafür bezahlt wird. Wenn du für einen der großen Verlage oder dergleichen arbeitest, dann ist es dein Job und somit deine primäre Aufgabe. Das bedeutet also, dass Diamond Open Access ein bisschen langsamer ist und anfälliger für Sachen, die die Publikation vom Kurs abbringt. Es kann etwas dazwischenkommen. Von den Redakteur*innen bis hin zu den Reviewer*innen: Niemand wird bezahlt und daher wird die Arbeit manchmal prioritätsmäßig herabgestuft.

CB: Du hast die Bibliotheken bereits erwähnt. Ich habe mich gefragt, wie die Bibliothekar*innen und die Bibliotheken diese Publikationsinitiativen unterstützen können.

DF: Wir haben ziemliches Glück, dass die beiden Zeitschriften von den Bibliotheken unterstützt und finanziert werden. Universitätsbibliotheken verfügen oft über irgendeine Art von Publikationsplattform und man kann einen Antrag stellen, um auf der Plattform eine Zeitschrift veröffentlichen zu können. Wenn die Bibliothek die Idee unterstützt, dann sind alle deinen Betriebskosten gedeckt und die Bibliothek leistet technische Unterstützung, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Content Management Systems. Die Bibliotheken sind für diese Art von Publikationsmodell unerlässlich. Wir haben also großes Glück, dass wir diese Institutionen haben, die die Mittel erhalten, um diese Publikationen zu unterstützen.

CB: Diamond-Open-Access-Zeitschriften gelten oft als ein eher Community-getriebener und dezentraler Ansatz des wissenschaftlichen Publizierens. Inwieweit wirkt sich dies auf die Community der Autor*innen, Reviewer*innen, Leser*innen sowie Förderer*innen deiner Zeitschrift aus?

DF: Es handelt sich in erster Linie um eine ehrenamtlich getriebene Organisation – eher um ein Community-Ding als ein geschäftliches Unterfangen. Die Herausgeber*innen gründen eine Zeitschrift und arbeiten daran, weil sie der Auffassung sind, dass es eine wichtige Arbeit ist. Die Reviewer*innen erstellen Gutachten für uns, weil sie diese Arbeit unterstützen wollen. Die Autor*innen publizieren bei uns, weil es nichts kostet, und vielleicht auch weil sie die Arbeit der Zeitschrift unterstützen. Und die Leser*innen lesen die Artikel, weil diese umsonst sind. Ich denke auch, dass Wissenschaftler*innen sich zunehmend gegen das Profitstreben der riesigen wissenschaftlichen Verlage wehren. Man hört immer mehr von Reviewer*innen, die sich weigern, Manuskripte für profit-orientierte Verlage zu begutachten, oder die sagen: &quot;Okay, wenn ihr Gewinn erzielt, dann müsst ihr mich für mein Gutachten bezahlen.&quot; Es ist manchmal schwierig, Reviewer*innen zu finden, weil, wie gesagt, die Arbeit ehrenamtlich ist und alle überarbeitet sind und haben einen Haufen Sachen zu tun. Im Allgemeinen sind Reviewer*innen eher bereit, Manuskripte für Open-Access-Zeitschriften zu begutachten.

Hilfreich ist, dass die Förderorganisationen oft verlangen, dass die Menschen Open Access publizieren. Solange wir unsere Betriebskosten decken können, geht es ausschließlich um den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Community. Gamevironments gibt jedes Jahr eine Sonderausgabe heraus. So können wir uns mit Fragen beschäftigen wie: “Mit wem wollen wir zusammenarbeiten bei dieser Sonderausgabe?&quot; und &quot;Welche Themen wollen wir aufgreifen?&quot; Wir müssen nicht an Aspekte denken wie: &quot;Passt dies zu unserem Geschäftsmodell? &quot;Ist es finanziell nachhaltig?&quot; Und so weiter. Mit Eludamos können wir Sachen machen wie Doktorandenseminare, die wir in letzter Zeit relativ oft auf verschiedenen Tagungen organisiert haben. Wir werden diese Initiative fortführen, weil sie bedeutet, dass wir uns als Zeitschrift stärker in der Community engagieren können. Sie verstärkt einfach die Verankerung der Zeitschrift in der Community, sowohl im Hinblick auf unsere Grundsätze als auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie zum Beispiel der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Reviews.
Carolin Becklas, Foto: Carolin Becklas

CB: Ich würde gerne eine Frage zu einem anderen Thema stellen: In den vergangenen Jahren ist KI – und vor allem natürlich ChatGPT – zu einem heißen Thema sowohl in der Wissenschaft als auch in nichtwissenschaftlichen Bereichen geworden. Wie hat KI deine Arbeit und die Art und Weise, wie du gamevironments leitest, verwandelt oder beeinflusst?

DF: Das ist noch nicht passiert. Ich bin mir sicher, dass es passieren wird, aber die Technik ist noch nicht gut genug, dass beispielsweise jemand ChatGPT einfach bittet, mal einen Artikel für gamevironments zu erstellen, und wir würden es nicht merken können. Ich glaube nicht, dass die Technik bereits so weit ist. Aber das wird sie wahrscheinlich irgendwann sein. Daher ist es etwas, das wir sicherlich im Auge behalten werden. Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass KI generell bereits jetzt im Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und Schreibens eine Rolle spielt. Denn Textverarbeitungsfunktionen wie Autokorrektur, Grammatikprüfung und Wortvorschläge in Microsoft Word und solche Sachen sind alle maschinelle Lernverfahren der KI, die den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens unterstützen. Aber wir werden uns künftig Gedanken machen über unser Verhältnis zu KI: Was sind die ethischen Konsequenzen? Wir bekennen uns zu diesen Ethikleitlinien von COPE für wissenschaftliche Publikationen. Bietet COPE irgendeine Anleitung darüber, wie wir dazu stehen sollen, und wie wir mit diesen potenziellen Fällen umgehen sollen? Ich würde also sagen, dass KI noch nichts verwandelt hat.

    Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist.
    - Dom Ford

CB: Meine letzte Frage: Welchen Rat würdest du Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen geben, die an der Gründung einer Zeitschrift oder an der Mitwirkung an einer bestehenden Zeitschrift interessiert sind?

DF: Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist. Denn keiner liest etwas, das nicht Open Access ist – vor allem an kleineren Hochschulen, die keinen Zugang zu allen großen Verlagen haben. Weißt du, wenn man einen Artikel nachschlägt, der nützlich zu sein scheint, aber er steht hinter einer Bezahlschranke, gibt es eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass man die Registerkarte schließen und den Artikel vergessen wird, weil es da draußen so viel Forschung gibt. Jede zusätzliche Barriere bedeutet, dass man eine Menge potenzieller Leser*innen verlieren wird. Und natürlich hat man auch seine Prinzipien. Ich für meinen Teil möchte kein Geld an Elsevier und den [anderen] großen Verlagen geben, wenn ich es vermeiden kann. Man muss natürlich vorsichtig sein, denn manche Länder verwenden beispielsweise Punktesysteme für ihre Publikationen. Diese punktebasierten Systeme sind willkürlich, nicht wahr? Die bauen oft auf Prestige sowie darauf, wie &quot;gut&quot; die Zeitschriften sind, oder ob sie von Scopus und Web of Science erfasst werden. Große Verlage können es sich locker leisten, diese Prozesse zu durchlaufen. Aber wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt, dauert es länger, von solchen Datenbanken erfasst zu werden. In solchen punktebasierten Systemen werden wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschriften daher möglicherweise niedriger eingestuft als andere. Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, warum diese Prinzipien von praktischen Erwägungen in einer wissenschaftlichen Karriere verdrängt werden können. Ich denke jedoch, dass es prinzipiell einfach viel angenehmer ist, wenn die eigenen Arbeiten Open Access sind. Ich würde daher ausdrücklich empfehlen, Beiträge, wenn möglich, in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist für mich eine persönliche Priorität. Ich versuche, nur Open Access zu publizieren.

Ich komme jetzt zu der Frage der Zeitschriftengründung. Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach geht. Solange man seine Betriebskosten deckt, muss man sich über Vieles keine Gedanken machen. Wenn die Bibliothek der eigenen Institution Publikationsdienstleistungen anbietet, kann man eine Zeitschrift relativ schnell in Betrieb nehmen. Und ein ganzes Content Management System ist bereits vorhanden. Die Menschen unterschätzen, wie mühsam es ist, alle diese unterschiedlichen Systeme wie Scopus zu durchforsten, und dann noch sicherzustellen, dass man die ganzen ethischen Leitlinien kennt. Wenn man eine Zeitschrift gründet, nimmt man eine verantwortungsvolle Position innerhalb der wissenschaftlichen Community ein: Man ist dafür verantwortlich, die Arbeiten von Menschen zu veröffentlichen. Man ist dafür verantwortlich, zu verhindern, dass plagiierte Werke veröffentlicht werden, die schädlich sind; Werke, die Fehlinformationen enthalten; Werke, wo die Daten in unethischer Weise erhoben wurden; und alle diese unterschiedlichen Erwägungen. Es gibt dabei viele verschiedene Prozesse, mit denen man sich befassen muss. Ich denke, dass es sich wirklich lohnt, bevor man seine eigene Zeitschrift gründet, sich bei anderen Zeitschriften zu engagieren. Werde Mitglied der Redaktion einer anderen Zeitschrift. In der Regel sind sie froh, wenn sie Menschen haben, die aushelfen. Meist gelangt man in solche Positionen, wenn man Manuskripte begutachtet und das gut macht. Wenn man daran denkt, eine Zeitschrift zu gründen, muss man entweder selbst eine unbefristete Stelle haben oder man muss die Unterstützung von jemandem erlangen, der eine unbefristete Stelle hat, um Kontinuität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Abgesehen davon, würde ich sagen, dass Beiträge in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren ein richtig guter Weg ist, um solche Vorhaben zu unterstützen und zum wissenschaftlichen Diskurs sowie zur Wissensproduktion beizutragen. Es ist auch ein wirklich guter Weg, sich zu vernetzen. Mit Chefredakteur*innen zusammenzuarbeiten, die möglicherweise große Namen in deinem Fachgebiet sind, kann an sich wertvoll sein, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es kann ein wirklicher guter Weg sein, sich stärker in der eigenen wissenschaftlichen Community zu integrieren.

CB: Dom, vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns geteilt hast heute. Ich habe viel gelernt.

DF: Danke für die Einladung. Es hat echt Spaß gemacht.

CB: Irgendein letztes Wort?

DF: Publiziert Open Access! Wissen muss frei sein.
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