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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access in den Fachdisziplinen</description>
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Offene Publikationswege durch Transparenz und Zusammenarbeit ermöglichen: Einblicke in die Infrastruktur hinter dem oa.finder/journal</title><link>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</link><comments>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal#comments</comments><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 20:45:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/offene-publikationswege-durch-transparenz-und-zusammenarbeit-ermoeglichen-einblicke-in-die-infrastruktur-hinter-dem-oafinder/journal</guid><description>Welche redaktionellen Abläufe, Datenquellen und Kooperationen stecken hinter dem Recherchetool oa.finder/journal? Die Autorinnen berichten zusammenfassend über den Online-Workshop Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal vom 10. September 2025.
Themen des kollegialen Austauschs mit Expertinnen aus Bibliotheken und Konsortialstellen waren die redaktionellen Abläufe im oa.finder/journal, die Nutzung von Datenquellen, sein Einsatz in der Beratungs- und Anwendungspraxis sowie die Weiterentwicklung der Datenstrukturen. In verschiedenen Impulsreferaten wurden folgende Fragen diskutiert:
-	Wie kommen die Daten über Transformationsverträge und Publikationsfonds der Wissenschaftseinrichtungen in den oa.finder? 
-	Welche Möglichkeiten haben Bibliotheken, Angaben zu prüfen, zu ändern und zu ergänzen? 
-	Welche Rolle spielen Konsortialstellen als Paketverwalter von Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträgen?
-	Wie werden Unikliniken und Universitäten mit Literaturversorgung durch rechtlich selbstständige Bibliotheken (SUBs, zentrale Fachbibliotheken etc.) repräsentiert? 
-	Wie ist der Planungsstand zur Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Transformations- und OA-Flat-Fee-Verträge?

Es wurde deutlich, dass der oa.finder im Austausch mit verschiedenen Beteiligten Transparenz im Veröffentlichungsprozess schafft, Informationswege bündelt und Open-Access-Akteur*innen verbindet. Als Wissensbasis zur Recherche nach Publikationsmöglichkeiten enthält er neben publikationsrelevanten Informationen zu knapp 57.000 wissenschaftlichen Zeitschriften auch Informationen über Open-Access-Aktivitäten, Transformationsverträge und Publikationsfonds an über 700 Wissenschaftsinstitutionen im deutschsprachigen Raum. 
Datenpflege als Gemeinschaftsarbeit 
Der oa.finder unterstützt Wissenschaftler*innen bei der Auswahl geeigneter Publikationsorte für ihre Forschungsarbeit im Open Access sowie Mitarbeitende an Bibliotheken und anderen zentralen Serviceeinrichtungen bei der Publikationsberatung. Er bündelt Informationen über Zeitschriften, Verlage, Geschäftsmodelle und Open-Access-Vereinbarungen und macht diese strukturiert zugänglich. Die Teilnehmenden erfuhren, dass der oa.finder/journal auf eine Vielzahl von Quellen und Schnittstellen zurückgreift, wie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), das Directory of Open Access Journals (DOAJ), APC-Preislisten von Verlagen, die Transformative Agreements Public Data des Journal Checker Tools sowie einrichtungsspezifische Informationen aus dem oa.atlas. Diese Zusammenführung erfordert technische Schnittstellen, redaktionelle Sorgfalt und institutionsübergreifende Kooperationen.
In ihrer Einführung sprach Nina Schönfelder (UB Bielefeld) über die Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Sie beschrieb die notwendigen komplexen Arbeitsschritte, um aus verstreuten Quellen ein konsistentes und aktuelles Informationssystem zu formen. Von der automatisierten Datenübernahme bis zur manuellen Prüfung durch das Redaktionsteam wird die Datenqualität an verschiedenen Stellen des Prozesses sichergestellt. „Der Anspruch ist, zuverlässige und nachvollziehbare Informationen zu bieten, weil der oa.finder/journal eine Grundlage für Beratungen und Publikationsentscheidungen bieten will“, betonte Schönfelder. Die Herausforderung der Datenpflege läge nicht nur in der technischen Integration, sondern auch im Umgang mit der Dynamik des Open-Access-Marktes: Zeitschriftenmodelle ändern sich, neue Transformationsverträge kommen hinzu, Verlage wechseln ihre Richtlinien.

Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg
Im ersten Impulsreferat präsentierten Evamaria Krause und Sonja Härkönen von der Universitätsbibliothek Augsburg, wie die Literaturversorgung und Organisation der Transformationsverträge in ihrem Haus für die Medizinische Fakultät, das Uniklinikum sowie verschiedene klinische Kooperationspartner umgesetzt werden. Klinik-Mitarbeitende, die wissenschaftliche Dienstleistungen erbringen, sind laut Grundordnung der Universität Augsburg den Universitätsmitgliedern rechtlich gleichgestellt, was auch für den Versorgungsauftrag durch die Universitätsbibliothek gilt. Aus dieser Konstellation entstehen komplexe Einzelanforderungen, die im Alltagsgeschäft kommunikative Herausforderungen darstellen: Beispielsweise, wenn bei mehrjährig laufenden Transformationsverträgen während der Vertragslaufzeit neue Personen als publikationsberechtigt aufgenommen werden sollen. Oder die entstehenden Zusatzkosten, wenn Mitarbeitende der Kooperationskliniken im Rahmen von Verträgen publizieren wollen, an denen die Medizinische Fakultät nicht beteiligt ist. 
Die Dienste der UB Augsburg zum Open-Access-Publizieren sind vielfältig: Information und Beratung zu Open Access, finanzielle Förderung von Open-Access-Artikeln und Beteiligung an Transformationsverträgen. In der Publikationspraxis geht es oft um Fragen wie: Welche Zeitschrift erlaubt mir, meinen Artikel im Open Access zu veröffentlichen? Welche Kosten entstehen, und wer übernimmt sie? Hier bietet der oa.finder/journal eine erste Orientierung, indem er Informationen zu APCs, Lizenzen und Fördermöglichkeiten bündelt. Evamaria Krause und Sonja Härkönen betonten, dass vor allem die Kombination der zentral gepflegten Daten mit lokaler Beratung zielführend sei. 
In der Universitätsmedizin treffen unterschiedliche Förderlogiken aufeinander – nicht nur bei den erwähnten Transformationsverträgen, sondern auch bei der universitätsinternen Förderung von Open-Access-Artikeln. Für diese Fälle wünschen sich die Referentinnen eine differenzierte Darstellung der Transformationsverträge und Fördermöglichkeiten im oa.finder/journal sowie schnelle Änderungen in den eigenen Daten.

Beratung mit dem oa.finder an der Universität Greifswald
An der Universität Greifswald ist die Situation anders: Die Uniklinik ist Teil der Universität und fungiert als medizinischen Fakultät. Entsprechend sind alle Angehörigen der Unikli-nik auch Hochschulangehörige. Ariane Retzar berichtete aus der Beratungspraxis des Open-Access-Teams der Universitätsbibliothek Greifswald, das den oa.finder aktiv nutzt, um Forschenden passgenaue Informationen zu bieten. In der täglichen Arbeit diene er als Nachschlagewerk, mit dem Publikationsoptionen schnell auffindbar sind. Da die UB den oa.finder zentral auf ihrer Website eingebunden hat, wird er auch von Wissenschaft-ler*innen genutzt, was durch Erwähnungen in E-Mails und bei telefonischen Anfragen belegt ist. Für die Weiterentwicklung wünscht sich das Greifswalder Open-Access-Team eine verlässliche und durchgängige Kennzeichnung förderfähiger Zeitschriften und eine Übereinstimmung der einrichtungsspezifischen Förderbedingungen mit den Hinweisen zur Kostenübernahme.
Retzar hob hervor, dass der Nutzen des Tools vor allem darin besteht, dass es Entscheidungen erleichtert. Zugleich betonte sie, dass es keine Beratung ersetzt, sondern stützt und professionalisiert. Mit der passenden Suchanfrage erhalte man im oa.finder objektive und vergleichbare Informationen, die die lokale Publikationsberatung ergänzen, was grade für kleinere Einrichtungen eine erhebliche Entlastung bringt.

Open-Access-Informationen an der SUB Hamburg
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) informiert Forschende der Universität Hamburg sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) über vielfältige Kanäle zu Open-Access-Publikationsmöglichkeiten – von Webseiten über Schulungen bis hin zu persönlichen Beratungen. Die Literaturversorgung (inkl. OA-Vereinbarungen) des UKE erfolgt kooperativ-arbeitsteilig mit der Ärztlichen Zentralbibliothek (ÄZB). Sarah Ehmke von der SUB Hamburg stellte die Frage, wo und wie sich der oa.finder in dieses Informationsangebot einbinden ließe und schlussfolgerte, dass der Mehrwert in der zentralen Sichtbarkeit, Aktualität und Verlässlichkeit der Daten läge: „Wenn wir in der Beratung auf eine verlässliche Datenquelle verweisen können, schafft das Vertrauen – und spart Zeit auf beiden Seiten.“ Deshalb plädierte sie dafür, im oa.finder mehr lokale Informationen einzubinden, etwa institutionsspezifische Kategorie-Labels, das Platzieren institutionsspezifischer Hinweise und das Hinterlegen von Rabatt-, Rahmen- und Deposit-Verträgen. Erst dann könne er zu einem festen Bestandteil der Publikationsberatung in Bibliotheken mit echtem Mehrwert für die Wissenschaftler*innen vor Ort werden. Darauf eingehend gab Nicola Bieg von der Konsortialstelle der TIB Hannover den Hinweis, dass Bibliotheken bei der Anbahnung von Transformationsverträgen die zugehörigen Universitätskliniken explizit als publikationsberechtigte Einrichtungen angeben sollten. Das schaffe Transparenz in der Frage wer berechtigt ist zu publizieren und fließe außerdem in die Erstellung des Gebührenmodells ein, da so Publikationszahlen und Lizenzen eingerechnet werden könnten. Auch im Publikationsprozess seien diese Informationen bedeutsam, damit Verlage eingereichte Artikel dem passenden Transformationsvertrag zuordnen können.
In den Beiträgen aus den verschiedenen Bibliotheken wurde deutlich, dass die Informationen über die verschiedenen und komplexen Publikationsverträge sich nur schwer passgenau aufbereiten lassen und immer erklärungsbedürftig bleiben. Bei der Frage wo und mit welcher finanziellen Unterstützung Forschende publizieren können, ist der oa.finder ein hilfreiches Tool zur ersten Orientierung für Wissenschaftler*innen und für Personen in der Publikationsberatung. Eine verbindliche Klärung ist nur mit individueller Beratung der Bibliotheken möglich.

Konsortiale Perspektive: Datenweitergabe und Synergien
Nicola Bieg von der Technischen Informationsbibliothek (TIB) erweiterte den Austausch um die Perspektive einer Konsortialstelle, die Vertragsverhandlungen mit Verlagen vorbereitet, durchführt und Abschlüsse erzielt. Als Vorbereitung für die Vertragsverhandlungen sowie ihr Monitoring seien konsistente und interoperable Daten essenziell. Bei Titellisten für die Read-Komponente von Transformationsverträgen gäbe es einen etablierten und guten Standard zum Austausch mit den Verlagen; dies sei bei Titellisten für die Publish-Komponente noch nicht der Fall. Nach Vertragsschluss verteilt die TIB einige der vertragsbezogenen Daten (Titellisten, Einrichtungslisten) an mehrere Dienste routinemäßig mit teils unterschiedlichem Zuschnitt – darunter auch an den oa.finder. Ein Zeitverzug sei unvermeidbar, da die Verträge oft erst im Laufe des Januars rückwirkend zu Jahresbeginn unterzeichnet werden, was sich auch im oa.finder niederschlägt. In jeder neuen Vertragsphase kommen PIDs (Persistente Identifier wie DOI, ORCID, ISSN und ROR-ID zum Tragen. Für das Monitoring der Verträge hinsichtlich der zu erwartenden Publikationszahlen, greift die TIB auf das Schema des OA-Switchboards zurück. Für das Management von Lizenzen wurde an vielen deutschen Konsortialstellen in der Vergangenheit standardmäßig die WIB-ID zur eindeutigen Identifizierung von Einrichtungen verwendet, die Konsortialstellen mittlerweile aus LAS:eR ziehen können. LAS:eR ermöglicht die zentrale Verwaltung von elektronischen Ressourcen in einem System inklusive Konsortial- und Nationallizenzen. Bibliotheken können neben ihrer WIB-ID auch die ROR IDs der Einrichtungen hinterlegen, für deren Literaturversorgung sie zuständig sind. Dies ist für Transformationsverträge essenziell, damit die Publish-Komponente alle berechtigten, aber rechtlich selbstständigen Einrichtungen umfasst (Unikliniken, Universitäten mit Versorgungsauftrag durch eine Landes-/Staats- oder zentrale Fachbibliothek usw.). Bieg betonte, dass diese Informationen bereits zu Verhandlungsbeginn vorliegen sollten; ein Nachmelden sei selten möglich. 

Verknüpfte Datenstrukturen – Ein Blick in die Zukunft
Abschließend präsentierte Silke Weisheit von der Universitätsbibliothek Regensburg die geplante Erweiterung der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) um eine Registry für Open-Access-Vereinbarungen, die im Rahmen des DFG-Projekts openCost entstehen soll. Damit wird eine neue Ebene der Datenintegration geschaffen: Informationen über Open-Access-Vereinbarungen werden strukturiert, maschinenlesbar und nachnutzbar erfasst, was ein entscheidender Schritt für mehr Transparenz in der Kosten- und Vertragslandschaft ist.
Diese Erweiterung steht exemplarisch für die Richtung, in die sich die Open-Access-Infrastruktur bewegt: mehr vernetzte, offene und interoperable Datenräume. Der oa.finder profitiert von diesen Entwicklungen durch mögliche Schnittstellen und die Nachnutzung von Daten. Außerdem trägt er selbst dazu bei, dass Open-Access-Informationen nicht in einzelnen Projekten verbleiben, sondern als gemeinsames Wissen zugänglich sind.

Fazit: Transparenz braucht Zusammenarbeit
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, dass die Qualität des oa.finders als Informationstool, das verschiedene Quellen verbindet, vor allem auf Kooperation beruht – zwischen Projekten, Bibliotheken, Konsortien und Beratenden. Datenpflege ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für eine verlässliche, nachhaltige Informationsinfrastruktur. Offene Publikationswege brauchen offene Informationsflüsse – und diese entstehen nur, wenn viele Akteur*innen ihr Wissen teilen. Der oa.finder steht beispielhaft für ein Gemeinschaftswerk, das den Open-Access-Gedanken nicht nur abbildet, sondern praktisch umsetzbar macht.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden auf Zenodo im Open Access veröffentlicht: 
Bieg, Nicola (2025). Übermittlung von OA-Publikationskonditionen in TIB Konsortien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199072
Ehmke, Sarah (2025). Publizieren im Open Access Informationswege der Staats und Universitätsbibliothek Hamburg und wie der oa.finder uns dabei unterstützen könnte. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199331
Härkönen, Sonja &amp; Krause, Evamaria (2025). Open Access an der Universitätsmedizin Augsburg. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199443
Retzar, Ariane (2025). Der oa.finder in der Beratungspraxis an der Universität Greifswald. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199504
Schönfelder, Nina (2025). Ein Blick hinter die Kulissen: Erfassung und Pflege der Daten im oa.finder/journal. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17199644
Weisheit, Silke (2025). Erweiterung der EZB um eine Registry für OA-Vereinbarungen im Rahmen des DFG-Projekts openCost. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121862
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<item><title>Disziplinäre Realitäten</title><link>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</link><comments>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten#comments</comments><pubDate>Mon, 06 Oct 2025 10:24:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Lasse Ramson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/disziplinaere-realitaeten</guid><description>Disziplinäre Realitäten. Ein Kommentar zur Diskussion um den Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog seine unfreiwillige Auslistung aus dem DOAJ bekannt. Dieser Blogbeitrag kommentiert vor allem die disziplinspezifische Komponente der Ausschlussentscheidung und macht Vorschläge für die bessere Berücksichtigung rechtswissenschaftlicher Besonderheiten im Rahmen der Aufnahmekriterien und -entscheidungen des DOAJ.



Anfang des Jahres machte der Verfassungsblog – der vermutlich größte Blog in der deutschen Rechtswissenschaft – bekannt, dass das Directory of Open Access Journals (DOAJ) sich entschlossen hatte, ihn zukünftig nicht mehr zu listen (Dalkilic, 2025). Im Rahmen der daraufhin beginnenden Debatte haben das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) explizit um Beiträge aus der Open-Access-Community gebeten. Dieser Beitrag kommentiert vor allem die spezifisch disziplinäre Dimension der Ausschlussentscheidung in der Hoffnung, damit auf Besonderheiten der (deutschen) Rechtswissenschaft aufmerksam machen zu können, die in den Entscheidungskriterien des DOAJ bisher nicht ausreichend reflektiert sind.
Der Ausschluss des Verfassungsblogs aus dem DOAJ

Doch zunächst zum Hintergrund: Im September 2021 war der Verfassungsblog in das DOAJ aufgenommen worden (Hodgkinson, 2025). Ende 2024 wurden die Aufnahmekriterien für den Blog im Rahmen einer Überprüfung aller gelisteten Journals mit einer Durchschnittsveröffentlichungszeit (von Einsendung bis Veröffentlichung) von unter drei Wochen erneut evaluiert (Hodgkinson, 2025). Im Ergebnis entschied sich das DOAJ, den Verfassungsblog auszulisten, und teilte diese Entscheidung im Januar mit (Dalkilic, 2025). Dagegen legte der Blog Widerspruch ein, der im Mai dieses Jahres zurückgewiesen wurde; das Widerspruchsschreiben und die Reaktion des DOAJ veröffentlichte der Verfassungsblog im Juni auf seiner Website (Dalkilic, 2025). Im Anschluss veröffentlichten das DOAJ (Hodgkinson, 2025) und der Verfassungsblog (Di Rosa, 2025) weitere Statements.
Die Aufnahme in das DOAJ als Qualitätskriterium

Nun wäre es denkbar, den Schluss zu ziehen, dass die Nichtaufnahme in das DOAJ für eine Publikation eben Ausdruck der dort angelegten Kriterien ist und der Verfassungsblog – und viele andere wissenschaftliche Publikationen – diese nicht erfüllen. Das muss an sich kein Problem sein. Der Verfassungsblog selbst weist allerdings auf zwei Dimensionen des Ausschlusses bzw. der Nichtaufnahme hin, die für Publikationen zu einem manifesten Problem werden können: Die erste Dimension, die Anerkennungswirkung, die von der Aufnahme in das DOAJ für potentielle Autor*innen ausgeht (vgl. Di Rosa, 2025), dürfte dabei in der deutschen Rechtswissenschaft (noch) untergeordnete Relevanz haben. Nur wenige Autor*innen verstehen sich als Teil der Open-Access-Community und/oder machen davon die Entscheidung abhängig, an welchem Ort sie veröffentlichen (vgl. Hamann &amp; Eisentraut, 2023). Insofern ist die Anerkennung durch den Gatekeeper DOAJ aus dem Open-Access-Feld für das disziplinäre Feld Rechtswissenschaft von untergeordneter Relevanz.

Eine große Herausforderung ergibt sich allerdings daraus, dass die Aufnahme in das DOAJ von Mittelgebern als Qualitätskriterium angelegt wird. Der Verfassungsblog weist selbst darauf hin, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Teil die DOAJ-Listung als Kriterium anlegt (Di Rosa, 2025) und diese Tendenz dürfte sich durch die strategische Kooperation von DFG und DOAJ für viele Förderlinien in Zukunft noch verstärken (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2025). Wenn also ein Medium wie der Verfassungsblog, dessen wissenschaftliche Akzeptanz unumstritten sein dürfte, durch die Auslistung aus dem DOAJ zukünftig von Förderlinien schon aus formellen Gründen ausgeschlossen sein könnte, offenbart sich ein Problem. Das DOAJ weist darauf hin, dass eine solche Verknüpfung gerade nicht vorgenommen werden sollte (Hodgkinson, 2025). Solange dies aber der Fall ist – und das DOAJ durch die Eingehung einer solchen strategischen Kooperation mit der DFG diese Entwicklung auch befördert – reicht ein solcher Hinweis nicht aus, sondern sollte einen Teil des Reflektionsprozesses des DOAJ bilden.
Das Peer-Review-Erfordernis für die Aufnahme in das DOAJ

Der Ausschluss des Verfassungsblogs wurde letztlich auf vier verschiedene Kriterien gestützt: Eine mangelnde Menge an „research articles“ würde veröffentlicht, es gäbe ein „lack of scholarly referencing“, es mangele an Informationen über Publikationskosten, und es würde kein Peer Review durchgeführt (Dalkilic, 2025). Jeder dieser Punkte wäre für sich genommen im Fall des Verfassungsblogs diskutabel, zumal sich die ersten beiden Punkte auf ansonsten nicht weiter transparent gemachte quantitative Kriterien zu beziehen scheinen (vgl. Dalkilic, 2025). Der letzte Punkt, die Nicht-Durchführung von Peer Review, weist aber im Besonderen auf ein Problem des Kriterienkatalogs selbst hin, das über den Einzelfall hinausweist und deshalb hier von besonderem Interesse ist. Der Fall ist bezüglich dieses Punktes einigermaßen klar. Der Verfassungsblog betont zwar, dass gelegentlich ein Peer Review durchgeführt wird, ein Editorial Review bleibt aber die Regel (Dalkilic, 2025). Dabei handelt es sich um eine bewusste Entscheidung, die absehbar auch nicht geändert wird (Dalkilic, 2025; Di Rosa, 2025).
Rechtswissenschaftliche Praktiken und die disziplinäre Sensibilität des DOAJ

Der Umgang mit dem Peer-Review-Kriterium bezeugt meines Erachtens ein grundlegendes Problem. Der Verfassungsblog weist darauf hin, wenn er schreibt, dass „if two external peer reviews is the standard requested by the DOAJ, German law journals are in effect almost entirely excluded“ (Dalkilic, 2025). Das Peer-Review-Kriterium im DOAJ gilt ohnehin schon nicht absolut, denn für „Arts and humanities journals“ gilt: „For these disciplines […], DOAJ can accept journals that undertake editorial review, rather than peer review“ (Directory of Open Access Journals, 2025).

Es ist daher gut, dass das DOAJ fragt: „is that exception still reasonable? If so, should it be widened and to what fields (such as law), settings, or types of journal or article?” (Hodgkinson, 2025).

Diese Debatte halte ich im gegebenen Zusammenhang für besonders drängend. Die vorhandene Ausnahme für „Arts and Humanities“ wird nicht weiter begründet. Es ist davon auszugehen, dass die Ausnahme von dem Wunsch getragen ist, etablierte Qualitätssicherungspraktiken in bestimmten Disziplinen als solche zu akzeptieren und nicht präskriptiv eine bestimmte Art und Weise der Qualitätssicherung vorzugeben.

Die Rechtswissenschaft befindet sich insofern in einer ähnlichen Ausgangslage wie die „Arts and Humanities“, ohne dass die DOAJ-Kriterien darauf angemessen Rücksicht nehmen würden. Das mag daran liegen, dass eine spezifische Eigenart der Rechtswissenschaft, die Kompartmentalisierung in nationale Felder und Diskurse, nicht ausreichend Eingang in die DOAJ-Kritierien gefunden hat. Anders als andere gesellschaftliche Systeme und ihre zugehörigen Diskurse haben sich das Recht und seine Wissenschaft noch nicht vollkommen globalisiert, sondern finden weitgehend in nationalen, staatszentrierten Diskursen statt (vgl. Luhmann, 1987). Und in der deutschsprachigen Rechtswissenschaft ist der Befund einigermaßen klar: Peer Review ist die Ausnahme (Purnhagen &amp; Petersen, 2018; Hamann &amp; Hürlimann, 2019; Rux, 2020) und bleibt es angesichts erheblichen disziplinären Widerstands auch auf absehbare Zeit (Kostorz, 2016).

Insofern muss das DOAJ, wenn es die disziplinspezifischen Besonderheiten angemessen berücksichtigen will, sowohl der nationalen Differenzierung der Rechtswissenschaft Raum geben als auch den jeweils national spezifischen Qualitätssicherungspraktiken. Das hat es bisher nicht getan. Seine Offenheit und Bereitschaft, in Zukunft die Kriterien zu überdenken und über die „Arts und Humanities“ hinaus Ausnahmen vom Peer-Review-Erfordernis zuzulassen, ist insofern begrüßenswert.
Fazit

Der Fall „Verfassungsblog“ weist über sich hinaus auf übergreifende Probleme mit den Aufnahmekriterien des DOAJ hin. Dieser Beitrag hofft, dass das DOAJ einerseits in Zukunft seine Fernwirkung stärker reflektiert – wenn etwa seine Aufnahmeentscheidungen konkrete materielle Auswirkungen auf Publikationen haben können – und andererseits disziplinspezifische Aufnahmekriterien kritisch weiterentwickelt und gegebenenfalls ausbaut.
Literatur

    Dalkilic, E. (2025-06-13). Access Denied. Verfassungsblog, DOAJ, and the Meaning of “Scholarly”. Verfassungsblog. DOI:10.59704/089986e7cd09bbc5.
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (2025-05-05). DFG startet Kooperation mit dem Directory of Open Access Journals. Information für die Wissenschaft 33. www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2025/ifw-25-33
    Di Rosa, E. (2025-07-30). Who is In, Who is Out? Verfassungsblog’s Response to its Removal from DOAJ. Verfassungsblog. DOI:10.59704/ff5448e7c90de564.
    Directory of Open Access Journals (2025-06). Guide to applying [version 2.5]. doaj.org/apply/guide/
    Hamann, H. &amp; Eisentraut, N. (2023). Handbuch Open Science/Rechtswissenschaft. de.wikibooks.org/wiki/Handbuch_Open_Science/_Rechtswissenschaft
    Hamann, H. &amp; Hürlimann, D. (2019). Open Access bei der Veröffentlichung rechtswissenschaftlicher Fachliteratur – was soll das? Rechtswissenschaft, Sonderheft 2019, 3–30. DOI:10.5771/9783748903659-9
    Hodgkinson, M. (2025-07-09). What is a scholarly journal? A case study of applying the DOAJ criteria. DOAJ Blog. blog.doaj.org/2025/07/09/what-is-a-scholarly-journal-a-case-study-of-applying-the-doaj-criteria/
    Kostorz. P. (2016). Review-Verfahren bei der Veröffentlichung juristischer Fachartikel – Was soll das? Kritische Justiz 49 (3), 417–422. DOI:10.5771/0023-4834-2016-3-417
    Luhmann, N. (1987). Rechtssoziologie. (3. Aufl.). Westdeutscher Verlag.
    Purnhagen, K. &amp; Petersen, N. (2018). Evaluation of academic legal publications in Germany. In R. van Gestel &amp; A. Lienhard (Hrsg.), Evaluating Academic Legal Research in Europe. The Advantage of Lagging Behind (S. 88–103). Edward Elgar. DOI:10.4337/9781788115506
    Rux, J. (2020). Zum Anliegen der RECHTSWISSENSCHAFT. Rechtswissenschaft 1 (1), 3–10.

Titelbild: Andreas Axel Kirch / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 DE</description><enclosure
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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Diamond Open Access: Perspektiven aus verschiedenen Forschungsbereichen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen#comments</comments><pubDate>Mon, 02 Jun 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Monica B. Berdugo</dc:creator><dc:creator>Dominik Endres</dc:creator><dc:creator>Konrad Hierasimowicz</dc:creator><dc:creator>Andreas Jansen</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Lydia Riedl</dc:creator><dc:creator>Kathrin Siebold</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</guid><description>Diamond Open Access (DOA) verspricht echte Zugänglichkeit, wo Gold Open Access oft neue Hürden schafft. In diesem Beitrag teilen Forschende aus verschiedenen Disziplinen ihre Perspektiven auf Open Access mit den Schwerpunkten Kommerzialisierung, Wissenschaftsbewertung und Publikationsdiversität.

In der Biologie und Neurowissenschaft sehen wir die Idee von DOA durchaus positiv, wenn es in unseren Wissenschaften auch selten als Publikationsmodell begriffen oder noch seltener “diamond” genannt wird. Der Grundgedanke vieler Forschender aber deckt sich mit DOA: Wir brauchen freien Zugang zu Forschungsergebnissen und Daten, um Forschung schneller voranzutreiben und, was wichtig ist, transparente Wissenschaft in die Diskussionen und Maßnahmen einzubringen, um globale Herausforderungen rechtzeitig zu bewältigen. Besonders Open Data und Open Methods auf der Basis von Open Source Software sind essentiell, um Ergebnisse reproduzierbar zu machen, um zum Handeln beizutragen und drängende Herausforderungen, wie den globalen Wandel anzugehen. Reproduzierbarkeit ist eine der Hauptherausforderungen in unseren Wissenschaften, wie die sogenannte “Reproducibility Crisis” (Baker, 20161) deutlich gemacht hat. Dafür brauchen wir offene Plattformen, auf denen Daten, Materialien und zunehmend auch Methoden, Software und Code frei und offen geteilt werden können. Allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierung: Viele dieser Plattformen sind auf Drittmittel angewiesen. Was passiert, wenn diese auslaufen? Außerdem entwickeln sich die ohnehin oft bereits komplexen Methoden schnell weiter, sodass das Capacity Building unter den Forschenden eine Herausforderung ist. Um die Komplexität adäquat zu adressieren, müssen wir zunehmend interdisziplinär kooperieren (z.B. in Core Units), auch und insbesondere mit Kolleg*innen aus der Infrastruktur und in Brückenbereichen (z.B. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers), um unsere Forschung nachhaltig und zukunftsfähig entwickeln zu können. An diesen Schnittstellen mangelt es aktuell jedoch (an den meisten Einrichtungen in Deutschland und in ganzen Regionen in Entwicklungsländern).

In den Geisteswissenschaften, insbesondere in kleinen Fächern wie der Medienwissenschaft oder Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) ist die Lage komplexer. Während DOA teilweise essentiell ist, um durch erweiterte Partizipationsmöglichkeiten insbesondere kleinere Fächer weiterzuentwickeln, gibt es gleichzeitig Sorgen, dass die naturgemäß kleineren Fachjournals finanziell nicht überleben können. Ohne institutionelle Unterstützung ist DOA schwer tragfähig. Neben der Finanzierung gibt es weitere Herausforderungen, gerade für kleinere Journals: Wer übernimmt das Lektorat, die redaktionelle Betreuung und die Textherstellung, wenn keine (großen) Verlage mehr dahinterstehen? Diese Herausforderung betrifft insbesondere Journals, die scholar-led betrieben werden und für die es oftmals noch keine verlässlichen und nachhaltigen Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten gibt. Dies gilt auch für geisteswissenschaftliche Fächer, in denen DOA schon aktiv praktiziert wird, wie der Medienwissenschaft. Darüber hinaus sind digitale Publikationsformen, die über den klassischen Artikel hinausgehen, aber in den Geisteswissenschaften eine große Bedeutung haben (sowohl Monografie, aber auch Video-, Audioformate oder Bilder), in DOA-Modellen oft noch nicht ausreichend etabliert. Wir brauchen daher mehr Flexibilität für digitale Editionen und multimodale Forschungsoutputs.

In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind Ansätze wie DOA-Publikationsmodelle und Transparenz durch offene Daten und Methoden unverzichtbar. So fordert die Declaration of Helsinki beispielsweise bei der Durchführung klinischer Studien eine Präregistrierung, also eine Offenlegung der geplanten Projektdurchführung und Datenanalyse. Dies trägt auch dazu bei, eine insbesondere in klinischen Studien ethisch unverzichtbare Reproduzierbarkeit zu ermöglichen. In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind die Möglichkeiten von DOA von besonderer gesellschaftlicher Relevanz - da diese Forschung alle Mitglieder der Gesellschaft betrifft, sollten auch alle unabhängig von finanziellen Möglichkeiten an dieser Forschung partizipieren können. Doch aktuell ist auch DOA teilweise exklusiv angelegt: Wenn die Nutzung von DOA-Plattformen beispielsweise an eine bestimmte institutionelle Zugehörigkeit geknüpft ist, stehen institutionsübergreifende Teams oder Forschende ohne die „richtige“ Affiliation vor neuen Hürden.

In der Ökologie erschweren die zunehmende Komplexität und das Volumen der vielfältigen Daten, die diese Wissenschaft integrieren will, den Übergang zu Open Science. Rohdaten bilden die Grundlage der Naturwissenschaften, jedoch sind die meisten Forschenden nicht besonders daran interessiert, Anträge oder Daten offenzulegen. Obwohl der Widerstand gegen Vorabdrucke geringer wird, besteht das letztendliche Ziel darin, Arbeiten in ihrer traditionellen Form zu veröffentlichen. Diese Tatsachen verzögern einen umfassenden Übergang zu Open-Science-Praktiken zusätzlich. Da DOA weder bei Nutzenden noch bei Herausgebenden gut etabliert ist, werden viele DOA-Publikationen selbst von jungen Forschenden noch immer übersehen.

Eine zentrale Herausforderung in allen unseren Fächern bleibt die Anerkennung von DOA-Publikationen. Noch immer dominiert die bibliometrische Messung wissenschaftlicher Leistung anhand von Impact Factors und Zitationsraten. Im Zusammenwirken mit dem Zwang zu “publish or perish” stellen traditionelle Textpublikationen (über meist kommerzielle, finanzstarke Verlagshäuser) immer noch die “Währung” in der Wissenschaft dar. DOA könnte dazu beitragen, alternative (qualitative) Bewertungsmaßstäbe zu etablieren, die wir -auch vor dem Hintergrund von Textproduktion durch generative KI- dringend benötigen: Wir sollten Forschungsleistung nicht nur an Publikationszahlen messen, sondern auch an der Qualität und Nachnutzbarkeit der Daten und Methoden, wie es CoARA fordert. Wir brauchen neue Metriken, die digitale Editionen und Forschungssoftware berücksichtigen und Incentives für die wissenschaftliche Karriere, die die Qualität des gesamten Forschungskreislaufs berücksichtigen anstatt einseitig die Quantität und (Pseudo-)Qualität der reinen Ergebnisdarstellungen zu bevorzugen.
Call to Action

Eine gelebte Openness muss unserer Überzeugung nach beim Publizieren ansetzen und gleichzeitig dessen Situiertheit im Gesamtsystem Open Science anerkennen.

DOA ist ein zentraler  Baustein im größeren Prozess der Transformation hin zu Open Science. Wir regen an, DOA als einen neuen Maßstab in der Wissenschaft zu etablieren. Dazu brauchen wir:

    die flächendeckende Einführung von Schnittstellen zwischen Forschung und Infrastruktur (wie bspw. Core Units) sowie die Einbeziehung neuer Expert*innen (bspw. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers) in die Forschungsprojekte
    eine Verstetigung und Öffnung der vorhandenen Infrastrukturen (ein wissenschaftliches „think global, act local“)
    ein konsequentes Umsetzen nachhaltiger Incentives in Rekrutierungs- und Vergabeverfahren von Fördermitteln, die die Qualität des gesamten Forschungszyklus anerkennen
    aktive Budgetierung von Ressourcen (Zeit, Personal, Infrastruktur), um den Übergang zu Open Science als fester Bestandteil der Wissenschaft zu erreichen - dabei kommt den Förderinstitutionen eine entscheidende Rolle zu
    eine fachspezifisch ausgerichtete und nachhaltige Förderung von Periodika, die Faktoren wie scholar-led Publishing verstärkt berücksichtigt
     

DOA kann seine Rolle als gerechte Alternative im wissenschaftlichen Publikationswesen nur dann voll entfalten, wenn diese Veränderungen konsequent vorangetrieben werden. Zahlreiche Forschende wie wir engagieren sich bereits aktiv in diesem Transformationsprozess: Sowohl in institutionellen Strukturen, die beispielsweise an der Philipps-Universität Marburg durch neue Schnittstellen zwischen dem Team „Forschungsnahe E-Dienstleistungen“ und dem neurowissenschaftlichen Forschungscluster TAM2 DataHub, verschiedenen NFDI-Konsortien oder dem FID Media3 weiterentwickelt werden, als auch in freiwilligen Initiativen wie FORRT, GRN, deRSE oder lokalen Grassroots-Bewegungen. Wir sind bereit, gemeinsam eine offene und nachhaltige Wissenschaftskultur zu gestalten, deren Basis nach wie vor das Publizieren ist.

1 Baker, M. (2016). 1,500 scientists lift the lid on reproducibility. Nature, 533(7604), 452–454. https://doi.org/10.1038/533452a
2 TAM = “The Adaptive Mind”: neurowissenschaftliches Forschungscluster.
3 FID Media = “Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaften”.</description><enclosure
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<item><title>Openness in der Rechtswissenschaft – drei Projekte zur Beförderung der Transformation</title><link>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation#comments</comments><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:48:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Nikolas Eisentraut</dc:creator><dc:creator>Jonas Hantow</dc:creator><dc:creator>Maximilian Petras</dc:creator><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><dc:creator>Salo Tober-Lau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</guid><description>Ende 2023 bzw. Anfang 2024 starteten drei neue Projekte, die verschiedene Aspekte von Openness in der Rechtswissenschaft behandeln und die Transformation zu Open Access und offenen Lehr- und Lernmaterialien voranbringen sollen: „KidRewi (Kulturwandel in der Rechtswissenschaft)“ und „OZUG (Offener Zugang zum Grundgesetz)“ liefen im September 2023 an und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur gefördert. Anfang 2024 begann das Projekt „VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi)“, welches in der Förderlinie zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER Communities (OE_COM) ebenfalls vom BMBF gefördert wird. In diesem Blogartikel stellen wir die drei Projekte vor.

Der offensichtlichste gemeinsame Nenner der drei Projekte neben der Verortung in der Rechtswissenschaft ist die Förderung durch das BMBF. Allerdings sind zwei verschiedene Förderlinien vertreten, was die unterschiedliche thematische Ausrichtung widerspiegelt: Während KidRewi und OZUG im Rahmen der Open-Access-Förderung des BMBF Mittel beziehen, ist VEStOR eines von diversen Projekten, die als Umsetzungsmaßnahme der OER-Strategie des Ministeriums gefördert werden. Durch personelle Überschneidungen und die Anbindung sowohl an die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch an die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Verbindungen zur Community of Practice OpenRewi entsteht ein enger Austausch zwischen den Projekten, von dem alle Beteiligten profitieren, der aber so nicht selbstverständlich ist. So bemerkte auch eine Vertreterin des BMBF beim gemeinsamen Kick-off von KidRewi und VEStOR, dass sie es bisher nicht erlebt habe, dass sich Projekte aus unterschiedlichen Förderlinien so eng untereinander austauschen. Nach dem Kick-off wurde ein gemeinsamer Jour fixe von KidRewi und VEStOR im monatlichen Rhythmus eingerichtet.

Während KidRewi und OZUG also vor allem auf wissenschaftliche Publikationen abzielen, stehen bei VEStOR Lehr- und Lernmaterialien im Mittelpunkt. Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Open-Access-Publikationen und Open Educational Resources  allerdings fließend: Entscheidende Grundsätze wie der freie Zugang und die möglichst uneingeschränkte Nachnutzbarkeit sind Grundprinzipien beider Kategorien und der Gebrauch von CC-Lizenzen  ist der einfachste Weg, um die Nachnutzung sicher und weitestgehend simpel zu gestalten. Zwar finden sich unter OER nahezu alle möglichen Publikationsformate, jedoch sind Text- bzw. PDF-Publikationen auch hier zahlreich vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen sind die OA- und OER-Communitys jedoch wenig vernetzt – ein erhofftes Ergebnis der drei Projekte ist also auch ein verstärkter Austausch auf dieser Ebene.
Kulturwandel in der Rechtswissenschaft – KidRewi

Selbstständige Literatur – darunter versteht man eigenständig veröffentlichte Werke wie Monografien – in Printform besitzt in der Rechtswissenschaft nach wie vor zentrale Bedeutung. Sie ist nicht nur ein integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung, sondern nimmt auch in der wissenschaftlichen Praxis sowie der praktischen Rechtsanwendung eine unverzichtbare Rolle ein. Zudem kommt der Veröffentlichung der eigenen Qualifikationsschriften in renommierten Verlagen eine herausragende Bedeutung für den akademischen Werdegang zu. Diese disziplinspezifische Pfadgebundenheit ist nur ein Grund, weshalb sich der offene sowie digitale Zugang zu selbstständigen juristischen Publikationen bisher nicht weitgehend etablieren konnte. Hier setzt das Projekt KidRewi an und konzipiert Infrastrukturen sowie Materialien, die den Kulturwandel in der Rechtswissenschaft unterstützen sollen.

Das Projekt KidRewi
Das Akronym KidRewi steht für „Kulturwandel in der Rechtswissenschaft“, wobei im Rahmen des Projekts selbstständige juristische Publikationen im Fokus stehen. Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit ein Konzept für eine agile Publikationsinfrastruktur zu entwickeln, das in einem nächsten Schritt umgesetzt werden kann. Hintergrund der Projektarbeit ist die Überzeugung, dass die Transformation zu mehr Openness maßgeblich in den Händen der Rechtswissenschaftler*innen selbst liegt. Aus diesem Grund nehmen sowohl die Bedarfserhebung für die technische Infrastruktur als auch die zu erstellenden OER-Materialien zentrale Rollen des Projekts ein. Es soll nicht eine weitere Infrastruktur oder weitere Materialien für eine Community an der Community vorbei entwickelt werden.

Das interdisziplinäre Projektteam ist an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler angesiedelt und arbeitet eng mit Akteuren im rechtswissenschaftlichen und informationswissenschaftlichen Bereich zusammen. Dazu zählen die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, OpenRewi sowie das Kompetenznetzwerk Bibliometrie.

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt fördert die Reflexion über die Publikationskultur in der Rechtswissenschaft, indem Wissenschaftler*innen aus allen Karrierestufen angesprochen werden, die bereits Erfahrung im Publizieren von selbstständiger juristischer Literatur haben. Im Kern möchte KidRewi dadurch den Zugang zu rechtswissenschaftlicher Fachliteratur verbessern und inklusiver gestalten, um so eine nachhaltige Verbesserung insbesondere in der juristischen Ausbildung zu bewirken.
Offener Zugang zum Grundgesetz – OZUG

Das Grundgesetz stellt den populärsten und bedeutsamsten Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland dar. Als deutsche Verfassung erfährt es in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung und ist Gegenstand nicht nur rechtswissenschaftlicher Reflexion. Es ist normative Grundlage der großen politischen Konflikte der Bundesrepublik seit 1949 und regelmäßig Gegenstand bundesweiten Interesses im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht entschiedenen Verfahren. Das Bundesverfassungsgericht als Verfassungsorgan und Hüterin der Auslegung der Verfassung genießt in breiten Bevölkerungsschichten ein hohes Ansehen. Dennoch existiert auch über 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes keine für jedermann frei im Internet zugängliche Erläuterung der deutschen Verfassung und der sie prägenden Verfassungsrechtsprechung. Ein offener Zugang zu den vorhandenen Kommentierungen des die Bundesrepublik konstituierenden Textbestands fehlt. Im vom BMBF geförderten Projekt „OZUG: Offener Zugang zum Grundgesetz“ wird der Wissensbestand zum Grundgesetz als bedeutsamster Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland in den Open Access überführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut (LUH und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)) wird ein Grundgesetzkommentar projektiert, geschrieben und veröffentlicht, dessen Inhalte für jede*n frei verfügbar und offen lizenziert über das Internet zugänglich gemacht werden sollen. Neben Prof. Eisentraut wirken als Herausgeber*innen Prof. Dr. Friederike Gebhard, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier und Dr. Jonas Botta mit. Einschließlich der Herausgeber*innen wird der Kommentar von 73 Autor*innen verfasst und soll 2026 sowohl als Open-Access-Kommentar online als auch in einer Printausgabe veröffentlicht werden.

Ausgehend von der Realisierung des Kommentars untersucht ein von Prof. Dr. Bernd Kleimann (DHZW) geleitetes sozialwissenschaftliches Begleitforschungsprojekt aus professionssoziologischer und governancetheoretischer Perspektive, welche Faktoren in der Rechtswissenschaft (bislang) dem Open-Access-Gedanken entgegenstehen und welche Bedingungen für eine Mitarbeit an der Kommentierung als adäquat angesehen werden.
Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi – VEStOR

In der modernen Bildungslandschaft gewinnen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zunehmend an Bedeutung. Sie fördern den freien Zugang zu Wissen und unterstützen innovative Lehr- und Lernmethoden. Besonders in der Rechtswissenschaft sind OER bislang jedoch noch eine Ausnahme. Hier setzt das Projekt VEStOR an, das sich der Förderung und Verbreitung offener juristischer Lehr- und Lernmaterialien widmet.

Was ist VEStOR?
Das Projekt VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi) zielt darauf ab, die bislang einzige Community für offene juristische Bildungsmaterialien, OpenRewi e.V., zu erweitern und zu stärken. OpenRewi wurde im Jahr 2020 gegründet, um unter einem Dach dezentral, autonom und kooperativ arbeitende Communities of Practice (CoP) bei der Erstellung qualitativ hochwertiger und offen lizenzierter juristischer Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. VEStOR fördert die Vernetzung mit weiteren OER-Communities und trägt dazu bei, der offenen Rechtswissenschaft in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Projekt VEStOR wird als Verbundprojekt an der Fachhochschule Potsdam (FHP) und der Leibniz Universität Hannover (LUH) umgesetzt und im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER-Communities des BMBF gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler konzentriert sich die FHP auf die praktischen Aspekte der Community-Erweiterung und -Stärkung, einschließlich der Professionalisierung der Organisation, des Ausbaus von Infrastruktur- und Serviceangeboten sowie der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Das Projektteam an der LUH, unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut, fokussiert sich auf rechtsdidaktische Forschung und die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Erstellung und Nutzung juristischer OER, unterstützt durch zwei Promotionsstellen.

Projektziele und Schwerpunkte
Das Hauptziel von VEStOR ist es, OpenRewi als zentrales, hochschulübergreifendes Netzwerk für die Publikation offener, qualitätsgesicherter Lehr- und Lernmaterialien in der Rechtswissenschaft zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt auf folgende Schwerpunkte:

    Erweiterung und Stärkung der Community: Aufbau und Professionalisierung der Organisationsstruktur von OpenRewi, um die Community besser bei der Erstellung und Verbreitung von OER zu unterstützen.
    Vernetzung mit weiteren OER-Communitys: Förderung der Zusammenarbeit mit anderen OER-Initiativen, um Synergien zu nutzen und die Reichweite von OpenRewi zu erhöhen.
    Rechtsdidaktische Forschung: Untersuchung von didaktischen Aspekten juristischer OER und der Bedeutung von künstlicher Intelligenz für OER in der Rechtswissenschaft.
    Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle: Schaffung von Finanzierungsmodellen, die eine langfristige Bereitstellung und Weiterentwicklung von OER ermöglichen.
    Wissenschaftskommunikation: Entwicklung einer visuellen Identität und Kommunikationsstrategie, um OER in der Rechtswissenschaft breiter bekannt zu machen und deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt VEStOR adressiert die gesamte rechtswissenschaftliche Fachgemeinschaft in Deutschland und zielt darauf ab, ein inklusives Forum für Open Educational Practices (OEP) zu schaffen. Durch die Förderung und Verbreitung von OER in der Rechtswissenschaft wird ein breitenwirksamer Beitrag zur Realisierung eines nachhaltigen, OER-förderlichen Ökosystems in der digitalen Bildung geleistet.

VEStOR trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Lehr- und Lernmaterialien bei, sondern auch zur Vernetzung und Professionalisierung der Community. Es fördert den Austausch und die Kooperation zwischen verschiedenen OER-Initiativen und stärkt die Rolle von OER in der juristischen Ausbildung.
Ausblick

Die Chancen und Synergieeffekte der verschiedenen oben genannten Projekte sind vielfältig (Ebert et al., 2022)1. Sowohl juristische Lehrmaterialien als auch Handbücher oder Kommentare sind immer auf einen sich fortlaufend ändernden Normenbestand bezogen. Gesetze werden geschrieben, Gerichtsurteile präzisieren oder verwerfen sie. Das Format des gedruckten Buches wirkt hier hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Seine Herstellung ist aufwendig und dauert. Informationen in gedruckten Büchern sind nicht maschinenlesbar, können also weder leicht verknüpft noch unproblematisch aufgefunden werden. Zudem kosten (Fach-)Bücher viel Geld: Gewinnmargen, an die sich kommerzielle Verlage gewöhnt haben und die sie in ihren Online-Datenbanken (abgeschirmt durch das Urheberrecht) fortsetzen. Und das bei einer Materie, die für alle Teile der Gesellschaft so relevant ist. Aus diesem System auszubrechen, ist sehr voraussetzungsvoll – schon weil die Rechtswissenschaft eine eher konservative Disziplin ist und ihre lieb gewonnenen Publikationsgewohnheiten nur schwerfällig aufgibt. (Fischer, 2022)2. Deshalb ist es umso wichtiger, dass KidRewi, OZUG und VEStOR an verschiedenen Stellen zugleich ansetzen. Während KidRewi eine gründliche Bestandsaufnahme des Status quo vornimmt und dabei mögliche Alternativen bereits mitdenkt, schaffen OZUG im Bereich der Kommentarliteratur und VEStOR im Bereich juristischer Lehrmaterialien positive Beispiele und wertvolle Erfahrungen. Beide Projekte ringen dabei mit der (nie perfekten) aktuellen Publikationsinfrastruktur im weiteren Sinne. Gemeint sind damit nicht nur die konkret verwendeten (Hard- und) Software-Pakete (Nextcloud, PubPub), sondern gerade auch die konkreten Praktiken ihrer Anwendung. Kooperativ, online, mit Peer-Review (intern und extern) zu schreiben ist etwas ganz anderes als alleine in einer lokal gespeicherten Text-Datei mit ein paar nachträglichen Kommentaren der Herausgeber*innen (oder – teilweise Jahre später – der Rezensent*innen) zu schreiben. Wenn es gelingt, andere Publikationsinfrastrukturen für die Rechtswissenschaft zu schaffen, wären die Vorteile vielfältig: Bessere, aktuellere Literatur für die Leser*innen und reichhaltigere Erfahrungen (z. B. direkteres Feedback) für die Autor*innen. So wie es heute ganz selbstverständlich ist, dass Gesetze (und teilweise Urteile) im Internet frei abrufbar sind, sollte es bald auch selbstverständlich sein, dass diese öffentlich zugänglich erklärt und diskutiert werden.

1 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-50/offene-rechtswissenschaft-chancen-einer-open-science-transformation-volume-3-2022-issue-1?page=1
2 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-19/im-ringen-um-erkenntnis-und-anerkennung-wie-rechtswissenschaftler-innen-das-eigene-akademische-publizieren-im-zuge-von-open-access-sehen-volume-3-2022-issue-1?page=1</description><enclosure
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<item><title>KI trifft Open Access in den Künsten – ein Werkstattgespräch über die Licht- und Schattenseiten einer rasanten Entwicklung</title><link>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung</link><comments>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung#comments</comments><pubDate>Mon, 17 Jun 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Friederike Kramer</dc:creator><dc:creator>Anika Wilde</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ki-trifft-open-access-in-den-kuensten-ein-werkstattgespraech-ueber-die-licht-und-schattenseiten-einer-rasanten-entwicklung</guid><description>Hand aufs Herz – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird heiß diskutiert.
Werkstattgespräch mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen

Die Fokusgruppe OA-Künste startete am 25.4.2024 mit einem öffentlichen Werkstattgespräch den so wichtigen Austausch zu KI, den Künsten und Open Access. Zusammen mit den eingeladenen Expert*innen aus verschiedenen Bereichen gab es 90 Minuten voller Input und spannender Diskussionen.

Den ersten Einstieg ins Thema machte Oliver Vettermann, Jurist für Datenschutz, IT-Sicherheitsrecht und Medienrecht sowie Vertreter des legal helpdesks von NFDI4Culture. Er gab Einblicke in den brandneuen European AI Act und benannte anschaulich anhand eines mittels Suno AI generierten Musikstücks die großen Herausforderungen: Woraus speisen sich die Trainingsdaten? Welche Forderungen können Künstler*innen geltend machen? Können technische Verfahren wie Data Poisoning (d.h. KI gezielt mit falschen Informationen füttern) eine Möglichkeit sein, die eigenen Daten vor einer KI-Nachnutzung zu schützen?

Georg Fischer vom Open-Access-Büro Berlin und Autor bei irights.info wählte für seinen Input einen Blick auf die Entwicklungen vom Stumm- hin zum Tonfilm und die damit verbundenen Auswirkungen sowie Reaktionen. Seine Einstellung: Mediale Veränderungen brachten schon immer Aufregung und Veränderung mit sich – und werden es auch zukünftig tun. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen aber auch immer davon ab, wie die Gesellschaft die Änderungen mitgestaltet. Eine Analogie, die sich seiner Meinung nach in gewisser Weise auch auf die KI-Entwicklungen übertragen lässt. Ebenso wie Oliver Vettermann weist auch Georg Fischer auf die vielen Unbekannten, gerade in Bezug auf Herkunft der Daten, Offenlegung der Quellcodes etc. hin und benennt die zentralen Fragen zu Original vs. Kopie, Rolle der Autor*innen / Urheber*innen und den Auswirkungen auf die Kreativwirtschaft.

Der Künstler Robert Seidel zeigte in einem dritten Beitrag am Beispiel seiner Arbeit, wie er KI für sein künstlerisches Schaffen nutzt und welche Konsequenzen die KI-Entwicklungen auf seine wirtschaftliche Existenz haben. Er betonte hierbei auch, dass der seit 2021 aufkommende Einsatz von KI ein absolutes Novum für die Kunst gewesen sei und sich die Kunstschaffenden seitdem in einem Findungs- und Aushandlungsprozess befinden. Auf der einen Seite stellt die KI ein großes Potential für die Kunst dar, auf der anderen Seite birgt sie Gefahren für die Künstler*innen, deren Werke zu Trainingsdaten werden können und denen Auftragsarbeiten wegbrechen, die mehr und mehr von der KI übernommen werden.
Mit Impulse in die Diskussion eines Komplexen und vielschichtigen Themas

Mit diesen spannenden Inputs ging es in die Diskussion, zu der auch Sonja Thiel, Kuratorin und museologisch Forschende (digitale offene Bildung, KI und digitale Sammlungen), hinzukam.

Schnell zeichneten sich die Komplexität des Themas und die Vielschichtigkeit der Fragen ab:

    Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf den Wert von Kunst?
    Welche Vergütungsmodelle brauchen wir, um die wirtschaftliche Existenz der Kreativschaffenden zu sichern?
    Ist die mit Open Access verfolgte Openness dann automatisch ein Weg in die KI? Wo finden sich Verbindungen?
    Welche Rechtsfragen gibt es und wo wird es Lösungen für sie geben?
    Welche maschinenlesbaren Opt-out-/Opt-in-Modelle können bei der Umsetzung von rechtlichen Regularien helfen?1
    Wie gehen wir mit der Diskrepanz der KI-Modelle um? Faire Modelle gehen derzeit mit qualitativ nicht ausreichenden Daten einher, während kritisch zu betrachtende Modelle sehr gute Ergebnisse liefern.2
    Welche Rolle spielen die Künstler*innen bei der Entwicklung der KI-Modelle?
    Welche Ressourcen fordert die immer intensivere Nutzung von KI eigentlich? Stichworte: Nachhaltigkeit und Klimakatastrophe.

Die Runde konnte viele Herausforderungen ansprechen. Es wurde aber auch deutlich, dass jede Frage für sich noch viel Gesprächsbedarf mit sich bringt und im Austausch auch noch geschärft werden muss. Nur so können zusammenhängende Aspekte herausgearbeitet und (Tei-)llösungen erarbeitet werden. Die rasant voranschreitenden Entwicklungen erfordern zudem ein überaus flexibles Agieren an den aufkommenden Beispielen. Zeit für Entwicklung theoretischer Konstrukte mit anschließender Umsetzung bleibt hier nicht.

Eine Teilnehmendenfrage zum Stand der Umsetzung von KI an künstlerischen Hochschulen brachte einen ganz zentralen, praktischen und hochaktuellen Aspekt in die Runde: Auch an den künstlerischen Hochschulen stellt sich die Frage, wie und ob KI bei Prüfungsarbeiten, Lehre oder Forschung integriert wird. Daneben haben andere Aspekte, wie Forderungen aus der Politik, die Frage nach einer hochschulinternen KI-Instanz und der personellen Begleitung der Entwicklungen an den Hochschulen einen großen Einfluss auf persönliche und/oder institutionelle Strategien.
Alle Fragen geklärt?

Es bleiben viele offene Fragen und viel Interesse an weiterem Austausch. Das Werkstattgespräch konnte erste wichtige Punkte aufzeigen und neben vielen Bedenken auch Mut machen. Die Entwicklungen überholen sich, die Änderungen sind gewaltig. Aber es liegt auch an uns, sie mitzugestalten und einen für die Künste passenden Weg der Openness im Zeitalter der KI zu finden.

1Vorbild sind hierbei CC-lizenzen, die maschinenlesbare Nutzungsbindungen beinhalten. Es fehlt ein Äquivalent für die Freigabe von Daten für Trainingsdaten oder eben die Sperre hierfür.
2Faire Modelle wählen die Trainingsdaten aus und „grasen“ nicht einfach das Netz ab. Sie haben dementsprechend eine geringere Datenmenge. Kurz: je mehr Daten, desto bessere Ergebnisse.
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<item><title>Medienwissenschaft und Open Access – eine Beziehung mit Hindernissen</title><link>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</link><comments>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen#comments</comments><pubDate>Tue, 30 Apr 2024 10:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</guid><description>Die Open-Access-Bewegung entstand Anfang der 2000er-Jahre als Reaktion auf die Zeitschriftenkrise der 1990er-Jahre, sodass es wenig verwunderlich ist, dass viele Maßnahmen im Kontext von Open-Access-Strategien bis heute einen Fokus auf wissenschaftliche Zeitschriften legen. Dies ist jedoch nicht unproblematisch für eine Geisteswissenschaft wie die Medienwissenschaft, die im Kontext ihrer eigenen Publikationskultur immer noch sehr am (gedruckten) Buch hängt. Diesen Umstand und damit zusammenhängende Hindernisse für eine umfassendere Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft reflektierend, möchte sich der vorliegende Beitrag dem Themenkomplex Open Access und Medienwissenschaft in zwei Schritten zuwenden: Zuerst möchte er den status quo der medienwissenschaftlichen Publikationskultur darlegen, bevor anschließend einige ausgewählte Hindernisse für die Open-Access-Transformation des Faches benannt werden sollen. Diese ergeben sich aus dem Handeln von Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, welches die Besonderheit der medienwissenschaftlichen Publikationskultur nicht ausreichend berücksichtigt. Mit der Benennung der Hindernisse wird ein Ausblick auf mögliche Lösungsansätze verbunden.
Die medienwissenschaftliche Publikationskultur in der Mitte der 2020er-Jahre

Über 20 Jahre nach den Erklärungen von Budapest, Berlin und Bethesda ist Open Access in der Medienwissenschaft noch nicht dort angelangt, wo man es eigentlich in Anbetracht der verstrichenen Zeit wie des wissenschaftspolitischen Willens und damit verbundener Anstrengungen erwarten könnte. Viele Publikationen sind weiterhin nicht frei und kostenlos zugänglich und die Großverlage, die eigentlich geschwächt werden sollten, erscheinen stärker als je zuvor. Sie weiten ihre Produktportfolios bedenklich aus (vgl. zum Datentracking in der Wissenschaft auf diesen Beitrag von Gerhard Lauer), drohen dergestalt die ursprüngliche Idee von Open Science und Open Access zu pervertieren, indem die öffentliche Hand privatwirtschaftliche Gewinne mit öffentlichem Gut finanziert und hierdurch zudem einem diversen Verlagsökosystem schadet, das in Deutschland auch viele mittlere und kleine Verlage umfasst. Solche Entwicklungen tangieren die Medienwissenschaft bisher eher weniger, spielt das gedruckte Buch in deren publikationskulturellen Reputationsmechanismen doch weiterhin eine zentrale Rolle (wie auch in den übrigen Geisteswissenschaften) und fällt als analoges Trägermedium durch das Raster von Geschäftspraktiken, die vornehmlich an der digitalen Transformation der Wissenschaft verdienen. Damit korrespondierend sind viele Open-Science-Praktiken noch nicht allzu tief in die medienwissenschaftlichen Arbeitspraktiken eingesickert, sodass es für Unternehmen wie die RELX Group bisher nicht lohnend erscheint, den gesamten Forschungsprozess der Medienwissenschaft in kommerzielle Tools zu verlagern. Die Betrachtung der Publikationskultur der Medienwissenschaft deshalb aber als eine ‚analoge‘, hermetisch abgeschlossene Insel der Seligen zu betrachten, setzt nicht nur falsche wissenschaftskulturelle Ideale, sondern verkennt auch wichtige Entwicklungen im Fach.

So nimmt die Zahl an im Open Access publizierten Büchern in der Medienwissenschaft stetig zu, existieren erste konsortiale Finanzierungsmodelle für diese wie die Open Library Medienwissenschaft oder KOALA. Daneben ist das zentrale Publikationsorgan der deutschsprachigen Fachgesellschaft mit der Zeitschrift für Medienwissenschaft mittlerweile eine Open-Access-Zeitschrift und die Zeitschrift der europäischen Fachgesellschaft, NECSUS, ist gar ein scholar-led Journal ohne Verlagsbeteiligung. Zudem existieren in beiden Fachgesellschaften mit der AG Open Media Studies und dem NECS Open Scholarship Committee Arbeitsgruppen, die sich mit Open Science und Open Access im Fach befassen. Dem fachlichen Austausch zum Themenfeld widmet sich ferner schwerpunktmäßig der Open-Media-Studies-Blog als Diskursplattform. Aber auch auf der Ebene der Forschungsinfrastrukturen sind Fortschritte zu verzeichnen mit dem Rechercheportal adlr.link, dem Fachrepositorium media/rep/ oder dem digitalen Archiv MediArXiv. Darüber hinaus beteiligen sich Fachvertreter*innen an Initiativen wie ENABLE! oder sind in den digitalen Fokusgruppen von open-access.network aktiv, um die Open-Access-Transformation aktiv mitzugestalten. Eine buchorientierte, eher ‚traditionelle‘ Publikationskultur wird in der Medienwissenschaft von einer Open-Access-Community begleitet, wobei sich beide nicht gegenüberstehen, sondern vielmehr ineinander übergehen, da Forscher*innen oftmals beide Publikationsstrategien bedienen (wenn auch in der Regel mit unterschiedlichem Fokus).

Somit spielen in der medienwissenschaftlichen Publikationskultur einerseits gedruckte Monographien (vor allem als Dissertationen) und Sammelbände weiterhin eine große Rolle als Publikationssorten von hohem Renommee, zugleich finden aber Zeitschriften eine immer größere Verbreitung und sind hierbei im zunehmenden Maße nicht nur Open Access, sondern auch scholar-led. Insofern ist die medienwissenschaftliche Publikationskultur in Bezug auf Open Access von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geprägt, wobei die Open-Access-Transformation des Faches stetig voranschreitet.
Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft

Das Benennen von Hindernissen sollte keinesfalls als Kritik an der Open-Access-Transformation an sich, sondern lediglich an deren Umsetzung verstanden werden, die die publikationskulturellen Spezifika der Medienwissenschaft weitestgehend ignoriert und hierdurch letztlich dazu führt, dass die medienwissenschaftliche Forschung ihre Potenziale nicht vollends entfalten kann. Dabei sind insbesondere vier Aspekte relevant:

    In der Medienwissenschaft werden (bis auf wenige Ausnahmen) keine Article Processing Charges (APCs) erhoben, sodass eine primäre Fokussierung der Publikationsförderung auf diese am Fach und seinen publikatorischen Bedarfen vorbeigeht.
    Diese Fokussierung auf APCs führt zugleich dazu, dass Book Processing Charges (BPCs) nicht ausreichend gefördert werden, was zulasten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur geht (vgl. zu beiden Punkten die Antragsrunde der „Open-Access-Publikationskosten“ von 2021).
    Die DEAL-Verträge adressieren für die Medienwissenschaft größtenteils irrelevante Verlage (mit Ausnahme der Buchsparte von Springer) und binden hierdurch Mittel, die durch Budgetumschichtungen an den Hochschulbibliotheken wiederum zu Nachteilen für die medienwissenschaftliche Publikationskultur führen.
    Die drei zuvor genannten Punkte werden durch den Umstand begleitet, dass keine bis kaum fachspezifisch adäquate Fördermöglichkeiten für Open Access in der Medienwissenschaft existieren. Deshalb ist zu konstatieren, dass die vorhandenen Förderinstrumente der Open-Access-Transformation die Besonderheiten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur verfehlen, da sich diese primär an den SMT-Disziplinen ausrichten (wie Open Science im Allgemeinen auch). Dies ist besonders bedauerlich, da sich teilweise mit vergleichsweise geringen Summen große Effekte für die Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft erzielen lassen (wie unten angedeutet wird).

Aus diesen Gründen ist eine Neujustierung gegenwärtiger Open-Access-Förderstrategien dringend notwendig. Hierbei gilt es nicht nur, das Verhältnis zwischen APCs und BPCs ausgeglichener zu gestalten und Sinn und Zweck der DEAL-Verträge, die letztlich Verlagsoligopole privilegieren, zu hinterfragen, sondern auch Förderinstrumente neu zu schaffen. In der Medienwissenschaft existiert mittlerweile eine aktive und durchaus nicht kleine scholar-led-Community, die primär Diamond Open Access betreibt. Nach Policies entspricht dies den Idealvorstellungen der Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, jedoch existieren keine Förderinstrumente, die diese Forscher:innen in geeigneter Weise unterstützen. Bei der redaktionellen Betreuung dieser Zeitschriften, um ein Beispiel zu wählen, spielen oftmals studentische Mitarbeiter*innen eine große Rolle, es gibt aber keine nachhaltige und verlässliche Fördermöglichkeit, die einen langfristigen Betrieb einer solchen Zeitschrift ermöglicht. Drei-Jahres-Förderungen sind nicht langfristig und verlässlich und Periodika, die aufgrund fehlender dauerhafter Finanzierung wieder verschwinden, sind nicht nachhaltig. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man die Summen, die solche Projekte zur Finanzierung benötigen, mit den Ausgaben für APCs vergleicht. Dennoch ist es aber immer noch einfacher, tausende Euro APC für einen einzigen Artikel zu bekommen, anstatt die gleiche Summe für eine*n studentische*n Mitarbeiter*in, die den redaktionellen Betrieb einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift maßgeblich mitträgt.

Dies ist nur ein Beispiel, das illustrieren soll, wie neue Förderinstrumente nicht nur fachlich passgenauer, sondern auch effizienter (und in der Regel auch kostengünstiger) sein können. Neujustierungen könnten zudem eine Evaluation bestehender neuerer Ansätze umfassen. So können konsortiale Finanzierungsmöglichkeiten vielversprechend sein, um dergestalt scholar-led Diamond-Open-Access-Publikationsprojekte zu unterstützen oder es können Initiativen mit Modellcharakter wie COPIM in den Fokus gerückt werden, die versuchen, wissenschaftsgetriebenes Publizieren neu zu denken. In jedem Fall ist ein diverses, faires, nachhaltiges und bedarfsgerechtes wissenschaftsgetriebenes Publikationssystem aber in unser aller Sinne und somit ein Ziel, für das wir (über-)fachlich alle zusammenarbeiten sollten.
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