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        <description>Beiträge nach Tag: Open Access Finanzierung</description>
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<item><title>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</guid><description>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access
Ein Bericht über zwei Veranstaltungen von open-access.network am 10. und 11. Juni 2026
Karin Stork, Martina Benz, Wenxin Shangguan
Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.
Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor. 
Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung
Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.
Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 
Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 
Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 
Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 
Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 
Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA
Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective, Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.
Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.
Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.
Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt  Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur
Ball, C., Shaw, T., &amp; Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612 
Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., &amp; Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505. 
Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261.
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<item><title>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen#comments</comments><pubDate>Mon, 20 Apr 2026 10:05:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access Policy</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Benedikt Krüger</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-meets-landeskunde-neue-wege-des-publizierens-in-niedersachsen</guid><description>Open Access meets Landeskunde. Neue Wege des Publizierens in Niedersachsen

Open Access in der Landeskunde sichtbar machen: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und das Projekt FLOAT luden am 12. Februar 2026 in Hannover zum Workshop „Open Access und Landeskunde“ ein. Forschende, Einrichtungen, Verlage und Bibliotheken diskutierten Strategien und Herausforderungen der OA-Transformation in Niedersachsens Landesgeschichtsforschung.
Strategische Signale aus Wissenschaft und Gedächtnisinstitutionen

Nach einem informellen Ankommen bei Kaffee eröffnete Anne-Katrin Henkel, stellvertretende Direktorin der GWLB, den Tag mit einer Begrüßung, in der sie den Stellenwert von Open Access für eine moderne Landesbibliothek betonte. In den anschließenden Grußworten unterstrichen Anna Teschner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie Arne Butt von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen die Bedeutung freier Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen besonders im Bereich der Landeskunde. Ergänzend dazu erläuterte Andreas Steinsieck, Leiter der Abteilung Medienbearbeitung an der GWLB, mit Verweis auf die aktualisierte Open-Access-Policy des Hauses die strategische Positionierung der GWLB als wichtiger Anlaufstelle insbesondere für außeruniversitär Forschende – einer Zielgruppe, die zwar durchaus daran interessiert ist Open Access zu publizieren, bislang aber kaum durch einschlägige Förderprogramme darin unterstützt wird.
Das FLOAT-Projekt: Ziele, Pilotprojekte und Verlagsperspektive

Im Anschluss stellte Benedikt Krüger (GWLB) als Projektverantwortlicher das Projekt Förderung landeskundlicher Open-Access-Transformation (FLOAT) vor, das darauf abzielt, ein stärkeres Bewusstsein für Open Access in der landeskundlichen Community in Niedersachsen zu schaffen und neue Wege für die Finanzierung und Umsetzung von Open Access-Transformationsvorhaben zu erproben. Als Beispiel für eine solche Transformation stellte Benedikt Krüger u. a. das Pilotprojekt „Open-Access-Transformation der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen“ vor, das in Kooperation mit dem Wallstein-Verlag und der Historischen Kommission entwickelt wurde. Im Rahmen dieses Projekts werden ausgewählte Bände der sehr umfangreichen Reihe retrospektiv Open Access publiziert. Für zukünftig geplante Bände wiederum sollen verschiedene Formen der Open-Access-Finanzierung, wie z. B. konsortiale Finanzierungen oder purchase to open geprüft werden. Bezugnehmend auf dieses Projekt erläuterte Lena Hartmann (Wallstein Verlag) wie sich der Wallstein Verlag durch die Entwicklung von Open-Access-Geschäftsmodellen und die Durchführung von Transformationsprojekten zu den Veränderungen des wissenschaftlichen Publizierens positioniert. Zugleich verwies sie aber auch auf die großen technischen und personellen Herausforderungen, die für kleinere Verlage damit einhergehen.
Niedersächsische Förderlandschaft und Infrastruktur

Der späte Vormittag stand im Zeichen von Projekten und Fördermöglichkeiten. Jan Stieglitz präsentierte NiedersachsenOPEN, ein vom Land Niedersachsen und der Volkswagenstiftung finanziertes Programm. Es fördert sowohl die Open Access-Stellung von Publikationen aus und über Niedersachsen als auch Infrastrukturprojekte – darunter das FLOAT-Projekt. Einen Einblick und Vorausblick in die Arbeit der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) vermittelte Katja Wermbter, die besonders auf den SeDOA Distribution Hub und die Unterstützung bei technischen und rechtlichen Fragen hinwies. Daran anknüpfend stellte Linda Martin vom Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING das Konzept für eine kooperativ aufgebaute und über verschiedene niedersächsische Bibliotheken verteilte Diamond-Open-Access-Publikationsinfrastruktur vor. In jedem der drei Vorträge wurden auch spezifische, für die landeskundliche Forschung relevante Anknüpfungspunkte, etwa durch die Bereitstellung von Beratungsangeboten, aufgezeigt.
Ein Blick über die Landesgrenzen

Am Nachmittag rückten Open-Access-Projekte in den Fokus, die mit ihren jeweiligen Ansätzen und Schwerpunktsetzungen Impulse für zukünftige landeskundliche Open-Access-Initiativen liefern sollten. Gerrit Heim (Badische Landesbibliothek Karlsruhe) stellte RegionaliaOPEN vor, eine Plattform, die bereits seit mehreren Jahren Publikationen zur Region Baden offen zugänglich macht und dabei auf eine rege Nachfrage, aber auch einen hohen Beratungsbedarf seitens der landeskundlichen Community stößt. Daniel Fischer (SLUB Dresden) präsentierte beispielhaft die umfangreichen Aktivitäten zur Klärung von Rechten bei der nachträglichen Open-Access-Stellung landeskundlicher Periodika. Zum Abschluss zeigte Markus Bierkoch (GWLB) auf, welche Rolle die in Niedersachsen neu eingeführte E-Pflicht, also die Pflichtabgabe elektronischer Publikationen aus Niedersachsen an die GWLB, für eine umfassende, frei zugängliche Überlieferung landeskundlicher Publikationen spielen könnte.
World Café zu Chancen, Hürden und Unterstützungsbedarfen

Ein zentrales Element des Workshops war das World Café am Nachmittag, das den Teilnehmenden einen aktiven Austausch ermöglichte. An drei Thementischen wurden Leitfragen diskutiert: Was spricht für Open Access in der niedersächsischen Landeskunde? Welche Hürden stehen dem Open-Access-Publizieren entgegen? Und welche Formen der Unterstützung und Services werden konkret benötigt, damit Open Access im landeskundlichen Bereich breitere Akzeptanz findet? Die offene Gesprächsform ermöglichte es, Erfahrungen aus Forschung, Verlagen, Einrichtungen und Projekten zusammenzubringen. In den Gesprächen wurden noch stärker die Potenziale herausgearbeitet, die Open Access für die Landeskunde bringen kann: von der besseren Sichtbarkeit landeskundlicher Publikationen, über die Langzeitverfügbarkeit bis hin zu ganz neuen Möglichkeiten der Vernetzung landeskundlicher Publikationen mit Kulturdaten anderer Gedächtnisinstitutionen. Zugleich zeichneten sich in den Diskussionen aber auch Spannungs- bzw. Handlungsfelder ab. Einige Wortmeldungen monierten die Diskrepanz zwischen den Vorgaben von Förderern einerseits und den Interessen von landeskundlich Publizierenden andererseits. Insbesondere wurde die Vorgabe kritisiert, ausschließlich die freieren Lizenzen CC BY und CC BY-SA zu vergeben. Hier wünschten sich einige Teilnehmende u.a. mit Verweis auf die bestehenden Unsicherheiten im Zuge der Verarbeitung von Inhalten durch KI-Anwendungen mehr Auswahlmöglichkeiten, um im Zweifel auch restriktivere Lizenzen vergeben zu können Festgestellt wurde auch, dass sich mit Blick auf die Landeskunde ein hoher Bedarf an kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangeboten sowie Fördermöglichkeiten abzeichnet, der zwar kurz- und mittelfristig durch bestehende Open-Access-Projekte bedient werden könne. Wünschenswert wäre aber nach Meinung verschiedener Teilnehmender eine Strategie für eine dauerhafte und nachhaltige Unterstützung landeskundliche Forschender, die Open Access publizieren wollen.
Ergebnisse und Ausblick

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Ergebnisse des World Cafés im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Dabei zeigte sich ein breiter Konsens, dass Open Access in der Landeskunde große Chancen für Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Forschung bietet. Die im Verlauf des Workshops aufgekommenen Diskussionen über die Auswahl und Vergabe von CC-Lizenzen oder auch über die Frage, was genau „Nachnutzbarkeit“ im Kontext von Open Access bedeutet, verdeutlichte aber auch, dass zugleich niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote sowie verlässliche Infrastrukturen benötigt werden, um landeskundliche Forschende beim Open-Access-Publizieren zu unterstützen.

Literatur

Die Präsentationsfolien zum Workshop wurden auf Zenodo veröffentlicht:

    Bierkoch, M (2026). E-Pflicht und Open Access an der GWLB. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978416.
    Fischer, D (2026). Open Access und Rechteklärung. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979043.
    Hartmann, L (2026). Open-Access-Transformation aus Verlagssicht. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979274.
    Krüger, B (2026). Das FLOAT-Projekt. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18977953.
    Martin, L (2026). Vorprojekt NiedersachsenPUBLISHING. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18978983.
    Stieglitz, J. &amp; M. Schatz (2026). NiedersachsenOPEN - Zentraler Publikationsfonds des Landes Niedersachsen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18885371.
    Wermbter, K (2026). SeDOA. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18979086.

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<item><title>Das Konzept Deutschlandfonds Diamond Open Access – einige Anmerkungen der Task Force Finanzierung im Projekt SeDOA</title><link>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 08:05:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</guid><description>In diesem Blogbeitrag kommentieren wir aus Sicht der Task Force „Finanzierung“ der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) das Konzept Deutschland-Fonds für Diamond Open Access (DeFDOA), in dem SeDOA explizit genannt und für bestimmte Aufgaben vorgesehen wird. Wir gehen dabei an dieser Stelle nicht auf alle Details ein, sondern stellvertretend auf einige Punkte, die wir für besonders wichtig halten. Der Beitrag stellt keine offizielle Stellungnahme des Projekts zu DeFDOA dar. Das Konzept DeFDOA wurde ursprünglich von Bernhard Mittermaier entwickelt und wird in verschiedenen Kontexten diskutiert, unter anderem in der Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ im Schwerpunkt „Digitalität in der Wissenschaft“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. SeDOA ist in diese Gespräche eingebunden und bringt seine Stellungnahmen dort ein.

Die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) startete im Mai 2025 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Projektkonsortium umfasst 15 Einrichtungen und plant, in einem dezentralen Ansatz die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit von vorhandenen, dezentralen Publikationsinfrastukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen sowie Innovationen zu fördern.
Ziel ist es, Diamond-Open-Access-Publizieren in der wissenschaftlichen Fachkommunikation fest zu etablieren. Durch die geplante Governance-, Angebots- und Kommunikationsstruktur sollen alle Stakeholder in Deutschland miteinbezogen werden.
SeDOA bildet zudem das deutsche National Capacity Centre (NCC) und stärkt damit als Teil des europäischen Netzwerks European Diamond Capacity Hub (EDCH) die internationale Zusammenarbeit.

Der Schwerpunkt von SeDOA liegt somit in der Förderphase bis Ende April 2028 darauf, bereits vorhandene Diamond-Open-Access-Strukturen in Deutschland zu unterstützen, zu vernetzen und sichtbar zu machen. SeDOA hat keine Mittel zur direkten Förderung von Zeitschriften, Büchern oder Publikationsdienstleistern. Ein gewisses Kontingent an Titeln kann jedoch im Rahmen des Projekts bei den SeDOA-Einrichtungen FU Berlin, ULB Darmstadt, TU Berlin und ZB Med publiziert werden.
Auch wenn die Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationsdienstleistungen nicht Teil der aktuellen Projektplanung SeDOAs ist, erkennen wir die Relevanz des Themas und haben eine Task Force gegründet, die sich mit dem Thema beschäftigt und u. a. das Konzept zu DeFDOA diskutiert. Aufgabe der SeDOA-Task-Force Finanzierung ist es, sich intensiver mit Fragen und Konzepten zur Finanzierung von Diamond Open Access auseinanderzusetzen und Impulse dazu ins Gesamtprojekt zu spielen, die auch Grundlage für Stellungnahmen und Positionen des Projekts sein können.

DeFDOA ist ein Konzept zur kollektiven Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationen, das Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek im Forschungszentrum Jülich, entwickelt hat. Das klar formulierte Ziel lautet: “Für die bislang ungeklärte Frage der nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Diensten soll der Deutschland-Fonds Diamond Open Access (DeFDOA) einen substantiellen Beitrag leisten” (Mittermaier, 2025, S. 3). Mittermaier sieht die finanzielle Förderung, die DeFDOA leisten soll, als “komplementär zur Arbeit von SeDOA, wo Governance, Standards und Qualität im Vordergrund stehen” (ebd., S. 4).
In aller Kürze sieht das Konzept vor, dass wissenschaftliche Einrichtungen in einen zentralen Fonds einzahlen, der von der MPDL Services gGmbH (mittlerweile DEAL Open Access Services gGmbH) verwaltet wird. Diamond-Open-Access-Publikationsdienste für Zeitschriften und Bücher können Anträge stellen, um aus diesem Fonds Gelder zu erhalten, die jedoch keine Vollförderung darstellen sollen. Der Arbeitskreis Forum 13+ entscheidet nach festgelegten Kriterien über die Förderanträge, während SeDOA “die antragstellenden Einrichtungen berät und unterstützt” (Mittermaier, 2025, S. 4).

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Überlegungen angestellt werden, wie Diamond Open Access auf nachhaltigere Weise und kollektiv finanziert werden kann. Das Konzept ist jedoch nach wie vor in der Entwicklungsphase und weder sind alle Details noch die endgültigen Beteiligten ausformuliert. Wir möchten uns daher gerne an dieser Stelle an der notwendigen offenen Diskussion beteiligen.

Es müsste klar definiert werden, welche Definition von Diamond Open Access dem Konzept zugrunde liegt und als Kriterium für eine Förderung herangezogen wird. Im Konzept werden die Operational Criteria von Craft-OA und die Mindeststandards von KOALA referenziert und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit kommerziellen Verlagen eingeräumt. Gerade der letzte Punkt ist in der Community umstritten, und auch SeDOA selbst diskutiert hier noch, welche Haltung das Projekt einnehmen wird. SeDOA hat eine Minimaldefinition formuliert, die kommerzielle Zwecke für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Bücher ausschließt. Eine Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Dienstleister zur Publikation ist unter bestimmten Voraussetzungen (insb. Eigentum der Titelrechte in wissenschaftlicher Hand) trotzdem denkbar. 

Wir sind skeptisch, ob sich der Fonds ausreichend füllt, wenn die Zahlungen auf Freiwilligkeit beruhen. Die Beschreibung der Quote von “ca. 2 %” (Mittermaier, 2025, S. 2) ist zudem ungenau und lässt Interpretationsspielraum offen.

Es wirkt ein wenig paradox, ausgerechnet die DEAL-Strukturen für die Organisation einer Diamond-Finanzierung zugrunde zu legen. Mit den DEAL-Verträgen werden Open-Access-Publikationen und Lesezugriff über artikelbezogene Gebühren finanziert, womit sie dazu beigetragen haben, „Gold OA“ zum Synonym für Publikationsgebühren zu machen. Die DEAL-Verträge sind zudem Verträge mit drei kommerziellen Großverlagen. Diamond Open Access steht für das Gegenteil: keine Publikationsgebühren und nicht-kommerzielle Zwecke

Es ist zweifelhaft, ob die genannten Akteure die Aufgaben übernehmen können, die ihnen zugedacht sind. SeDOA hat als Projekt die Aufgabe, alle Stakeholder gleichermaßen zu beraten und zu vernetzen. Die Daueraufgabe Antragsberatung, wie sie bei DeFDOA vorgesehen ist, würde zusätzliche Mittel und eine Verstetigung des Projekts erfordern. SeDOA sieht es als leistbar, an der Ausformulierung des Konzepts DeFDOA mitzuwirken, z. B. bei der Entwicklung von Qualitäts- oder ähnlichen Kriterien. 

Es ist unklar formuliert, wer genau antragsberechtigt ist – Einrichtungen, Bibliotheken oder Herausgebende bzw. Zeitschriften? Grundsätzlich würden wir es vorziehen, dass Infrastrukturen und nicht einzelne Zeitschriften gefördert werden, was auch die Förderung der Publikation von Diamond-Open-Access-Büchern erleichtern würde. Das können Universitätsverlage sein, aber auch andere nicht-kommerzielle Publikationsdienstleister kommen infrage.

Die Orientierung der Förderhöhe am Publikationsvolumen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Grundsätzlich entsteht mehr Aufwand durch mehr veröffentlichte Artikel; das tatsächliche Verhältnis ist jedoch schwer zu ermitteln und hängt auch von den Publikationsformaten und -dienstleistungen ab. Zwar wurde die ursprüngliche Ausrichtung der Berechnung am Publikationsvolumen durch eine komplexere Berechnung ersetzt, die vermeiden soll, dass finanzielle Anreize zu höheren Artikelzahlen entstehen. Die neue Berechnung in Form von Sockelbeiträgen plus Stufen in Kombination mit einer Obergrenze ist jedoch sehr komplex und intransparent. Zugleich ist die vorgesehene maximale Förderpauschale in Höhe von 1.400 € je Artikel relativ großzügig bemessen und könnte durchaus geringer ausfallen.

Wir sehen das Konzept als große Chance, über eine deutschlandweit organisierte kollektive Förderung nachzudenken und beteiligen uns gerne an weiteren Überlegungen. Wichtig finden wir jedoch auch, dass eine mögliche Umsetzung von DeFDOA nicht als Schlusspunkt für Überlegungen zur Finanzierung von Diamond Open Access gesehen wird, sondern ergänzende Konzepte weiterhin diskutiert und entwickelt werden.</description><enclosure
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Fokus beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025</title><link>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Nov 2025 10:00:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Ronja Kuhlwilm</dc:creator><dc:creator>Sebastian Schaarschmidt</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Simon Schmiederer</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</guid><description>Gemeinsam offen finanzieren - unter diesem Leitgedanken trafen sich Vertreter*innen aus Bibliotheken, Konsortialstellen und Open-Access-Projekten beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025 in Bremen. Im Mittelpunkt standen praktische Erfahrungen, Bedarfe und Ideen für die Zukunft konsortialer Open-Access-Modelle.
Einleitung

Auf dem 9. Bibliothekskongress 2025, der 113. Bibliocon in Bremen, veranstalteten vier Open-Access-Konsortialstellen ein Hands-on-Lab mit dem Titel „Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Dialog mit der bibliothekarischen Erwerbung zukunftsfähig gestalten“. Ziel des Workshops war es, die Bedarfe und Herausforderungen von Bibliotheken bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen zu analysieren und vertiefend zu diskutieren. Aus den Thementischen gingen folgende Kernbefunde hervor: Es besteht ein dringender Bedarf an transparenter Kosteninformation und Nachvollziehbarkeit der Pledging-Summen; strukturelle und dauerhafte Finanzierungswege (statt rein fallweiser Einzelförderung) werden als notwendig erachtet; konsortiale Modelle werden als zentrales Instrument zur Förderung bibliodiverser, solidarisch finanzierter Diamond-Open-Access-Publikationen geschätzt, sind jedoch angesichts der heterogenen Publikationslandschaft herausfordernd umzusetzen; darüber hinaus wurden Entscheidungshilfen, gezielte Ansprache budgetverantwortlicher Stellen und mehr Awareness- und Informationsarbeit als Voraussetzung für eine breitere Beteiligung identifiziert.

Diamond Open Access

Open Access bezeichnet die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse ohne Zugangsbeschränkungen im Internet frei verfügbar und nachnutzbar zu machen. Dafür existieren verschiedene Modelle. Eines davon ist Diamond Open Access – ein Begriff, der seit Jahren intensiv diskutiert und unterschiedlich interpretiert wird. Manche verstehen Diamond Open Access lediglich als Unterform des Gold Open Access, andere sehen darin eine eigenständige Publikationskategorie mit klaren Abgrenzungskriterien (vgl. Dellmann et al., 2022).

Die Uneinigkeit entsteht vor allem dadurch, dass die zugrunde liegenden Kriterien variieren. Ein gemeinsamer Nenner aller Definitionen ist jedoch: Für Autor*innen und auch für Einrichtungen, an denen diese affiliiert sind, fallen keine Publikationsgebühren an - weder in Form von Article Processing Charges (APCs) für Zeitschriftenartikel noch in Form von Book Processing Charges (BPCs) für Bücher. Ebenso können Leser*innen ohne Kosten oder Abonnements auf die Inhalte zugreifen.

Darüber hinaus beinhalten manche Definitionen weitere Aspekte. Häufig wird gefordert, dass die Publikationsorgane wissenschaftsgeleitet (scholar-led) sind, also von Wissenschaftler*innen oder wissenschaftlichen Fachgesellschaften verantwortet werden und die Titelrechte dort verbleiben. Teilweise wird auch der Ausschluss kommerzieller Interessen als zentrales Kriterium angesehen. Die Finanzierung von Diamond Open Access erfolgt dabei über unterschiedliche Modelle, etwa durch Institutionen, Förderprogramme oder kooperative Gemeinschaftsstrukturen. In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf die konsortiale Finanzierung.
Konsortiale Finanzierung statt Transformationsverträge

Um die Kosten für die Publikation einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Buches zu tragen, kann ein Konsortium organisiert werden. Das bedeutet, dass sich mehrere Einrichtungen zusammenschließen und die Produktionskosten der herausgebenden Redaktion gemeinsam tragen.

Ein Vorreiter für dieses Finanzierungsmodell ist seit vielen Jahren die Open Library of Humanities (OLH). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland mehrere Initiativen und Projekte entstanden, die konsortiale Open-Access-Finanzierung für verschiedene Fächer organisieren. Dabei fungiert meistens eine Einrichtung als Konsortialstelle und kümmert sich sowohl um die Gewinnung von Konsorten als auch um die Gewinnung von Zeitschriften oder Büchern für die Diamond-Open-Access-Finanzierung.

Transformationsverträge ermöglichen weder kurz- noch langfristig eine Umwandlung der Publikationslandschaft hin zu vollem Diamond Open Access (Mittermaier, 2025). In einzelnen Fachdisziplinen, wie der Bildungsforschung, ist dies bereits empirisch bestätigt (Rettelbach, 2025).

Alternative Wege wie z. B. Diamond-Open-Access-Finanzierungskonsortien werden also dringend gebraucht. Die Teilnahme an einem Konsortium ist für die teilnehmende Einrichtung mit geringem administrativen Aufwand verbunden. Zudem wird die Bibliodiversität gefördert und ein fairer Zugang zu Forschungsliteratur und -daten ermöglicht. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sind in der Regel niedriger als eine einzelne APC/BPC und bei den meisten konsortialen Angeboten werden mehrere Zeitschriften und/oder Bücher gefördert.
Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der Bibliotheken

Im Mittelpunkt des Workshops stand der offene Austausch mit der Open-Access-Community, insbesondere der bibliothekarischen Erwerbung. Um die vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen sichtbar zu machen, wurde das Format des Worldcafés gewählt - eine partizipative Diskussionsmethode, bei der Teilnehmende in wechselnden Kleingruppen an verschiedenen Thementischen miteinander ins Gespräch kommen. So konnten zentrale Fragen und Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Alle Thementische bezogen sich auf die konsortiale Open-Access-Finanzierung. Im Fokus standen dabei vier Schwerpunkte: „Preis(-transparenz)“, „Finanzierungsmöglichkeiten“, „Mehrwerte und Entscheidungshilfen“ sowie „bestehende Angebote“. An jedem Tisch wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen benannt und konkrete Ansätze für zukünftige Entwicklungen formuliert.
Preis(-transparenz)

Bei der Preistransparenz wurde die Rolle der Konsortialstellen als Instanz hervorgehoben, die die Kostenstrukturen der Zeitschriften und Buchprojekte prüft, wenngleich offen bleibt, ob dies den Konsortien vollumfänglich möglich ist. Den Konsortien wird großes Vertrauen entgegengebracht, was die Preisgestaltung von Open-Access-Konsortialangeboten anbelangt. Es wurde einerseits die Meinung geäußert, dass Diamond Open Access grundsätzlich ein Non-Profit-Angebot sei und daher die Preistransparenz an dieser Stelle nicht so wichtig. Demgegenüber wurde andererseits formuliert, dass es wünschenswert sei, wenn es eine größere Transparenz hinsichtlich des Zustandekommens von Pledgingsummen gäbe, um besser nachvollziehen zu können, was Bibliotheks- und Informationseinrichtungen genau finanzieren. Auf einer grundsätzlichen Ebene wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoller sei, von der Diamond-Open-Access-Einzelförderung von Zeitschriften weg zu kommen zugunsten einer infrastrukturellen Förderung von Diamond Open Access. Dieser Punkt wurde im Zuge der Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten von Diamond Open Access vertieft diskutiert.
Finanzierungsmöglichkeiten

In den Diskussionsrunden wurde festgestellt, dass umfassende Kenntnisse von Finanzierungsmöglichkeiten von (Diamond) Open Access ein zentrales Desiderat darstellen und es übergreifender struktureller Lösungen bedarf. In den Einrichtungen der Workshopteilnehmenden wird gegenwärtig zum Großteil das Budget zur Erwerbung verwendet, wobei nur vereinzelt auch Open-Access-Budgets vorhanden oder gar ausdifferenzierte Informationsbudgets etabliert sind. Ergänzt werden diese Haushaltsmittel zum Teil durch zentrale Förderpauschalen von DFG und BMFTR). Der Finanzierungsspielraum wird jedoch durch Transformations- und DEAL-Verträge grundlegend beschränkt und zunehmend Mittelflüsse aus dem Forschungsbereichen notwendig. Dabei wurde jedoch angemerkt, dass bei den Fachhochschulen nahezu keine Aktivitäten stattfinden und keine Finanzierungsspielräume vorliegen, wie dies beispielhaft für die Schweiz dargelegt wurde.

Darüber hinaus wurde diskutiert, Diamond Open Access als grundlegende Infrastrukturförderung zu betrachten und nachhaltige Lösungen gefordert. Beispielhaft wurde dabei der Vorschlag aus dem Leopoldina-Papier grundsätzlich als eine dauerhafte Lösung begrüßt, deren konkrete Umsetzung jedoch von den Teilnehmenden eher kritisch diskutiert wurde.

Als wichtige und zentrale Lösungen wurden Finanzierungskonsortie diskutiert. Als Herausforderung wurde dabei die heterogene Situation in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft dargelegt. Die vertretenen fachlichen Konsortien wurden als beispielhaft beschrieben und der weitere Ausbau hin zu Best-Practices mit der Etablierung weiterer fachlicher Konsortien gewünscht.
Mehrwerte und Entscheidungshilfen

Kriterien für eine finanzielle Beteiligung an Diamond-Open-Access-Angeboten

Als grundlegende Aspekte für eine finanzielle Beteiligung seitens Bibliotheken an konsortialen Modellen wurden insbesondere die fachliche Passung eines Angebots und die Affiliationen der Autor*innen mit der eigenen Institution genannt. Dabei handelt es sich um Faktoren, die bereits aus einer Umfrage des Projekts KOALA-AV bekannt sind und somit im Austausch mit der Zielgruppe diskursiv vertieft wurden (vgl. Schenke et al., 2025). Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access auch unter einem solidarischen Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: Die gemeinsame Finanzierung gilt als Beitrag zur notwendigen Transformation des Publikationssystems, um ein Gegengewicht in der aktuellen APC/BPC-Krise zu schaffen.

Ideen für konkrete Mehrwerte

Als mögliche Beteiligungsanreize wurden u. a. Rabatte für Tagungen oder Mitgliedschaften bei Fachgesellschaften ins Spiel gebracht, wenn deren Zeitschriften durch Diamond Open Access finanziert werden. Auch der exklusive Zugang zu Backlist-Titeln wurde als denkbarer Zusatznutzen genannt. Backlist-Titel sind lieferbare Bücher eines Verlags, die bereits vor einiger Zeit erschienen sind und nicht zu den Neuerscheinungen (Frontlist) gehören. Als Mehrwert werden konsortiale Finanzierungsangebote darüber hinaus dann wahrgenommen, wenn sie ein Flipping von Publikationsmedien bewirken, die zuvor direkte Gebühren für den Lesezugriff (Subskription) oder das Publizieren erhoben haben.

Entscheidungshilfen für Einrichtungen

Um an konsortialer Finanzierung interessierte Einrichtungen bei der Entscheidung für eine Teilnahme zu unterstützen, sei es wichtig, dass Diamond-Open-Access-Anbieter Entscheidungsträger*innen gezielter ansprechen und Teilnahmeumfragen zweckgerichteter versenden, d.h. direkt an die Abteilung einer Einrichtung, von der aus das Budget für eine Konsortialteilnahme verwendet werden kann. Um effizienter herauszufinden, aus welchen Mitteln einer Institution eine Finanzierung potenziell erfolgen könnte und wer die entsprechende Ansprechperson ist, sei eine engere Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erforderlich.

Darüber hinaus brauche es mehr Bewusstsein und Aufklärung über die Funktionsweise und den Nutzen von Diamond Open Access in den einzelnen Abteilungen und Fachbereichen von Einrichtungen. Eine Workshop-Teilnehmerin stellte die sogenannten „Sektionstouren“ ihrer Einrichtung vor, bei denen Fachbereiche direkt durch die Open-Access-Mitarbeitenden informiert werden – teilweise kombiniert mit kurzen Erklärvideos („Library Shorts“). Diese Maßnahmen seien zwar aufwendig, hätten sich aber als sehr wirksam erwiesen. Diskutiert wurde, ob Konsortialstellen hier ansetzen und beispielsweise einen Werkzeugkoffer mit Infos zu Diamond Open Access und ihren Konsortialmodellen für Sektionstouren entwickeln könnten.

Framing und Wahrnehmung

Die Diskussion zeigte auch, dass es eine Frage der Rahmung (“Framing”) ist, wie Dringlichkeit erzeugt wird. Während Subscribe-to-Open-Modelle durch ihre Benennung eine unmittelbare Notwendigkeit der Unterstützung signalisieren („ohne Subskription kein Open Access“), wirkt Diamond Open Access auf den ersten Blick als ohnehin frei verfügbares Angebot. Dieser Eindruck ist jedoch trügerisch, da auch Diamond Open Access nur bei ausreichender Mitfinanzierung langfristig bestehen kann.

Übergeordnete Perspektiven

Eine Arbeitsgruppe wählte einen eher grundsätzlichen Blickwinkel. Sie stellte infrage, ob fiktive Mehrwerte überhaupt sinnvoll seien, und plädierte dafür, die Erwerbungslogik von Bibliotheken stärker an Prinzipien der Openness statt an kapitalistischen oder reputationsbasierten Kriterien auszurichten. Falls Mehrwerte formuliert würden, müsse außerdem zwischen Vorteilen für Einrichtungen und Vorteilen für Autor*innen unterschieden werden. Besonders wurde betont, dass DEAL-Verträge nicht unter dem Label Diamond Open Access subsumiert werden dürften. Zudem wurde vorgeschlagen, dass eine stärkere Professionalisierung und Zentralisierung (z. B. durch SeDOA) zur Sichtbarkeit und besseren Vermittlung der spezifischen Mehrwerte von DOA beitragen könnte.
Bestehende Angebote

Die bestehenden (Diamond) Open-Access-Konsortialangebote richten sich stets an eine spezifische Fachdisziplin und somit an eine bestimmte Community. Im Workshop wurde deutlich, dass (Diamond) Open-Access-Angebote nur fachspezifisch gefördert werden können. Wichtige Punkte für Einrichtungen sind zudem Kostenstabilität, Relevanz für die eigene Einrichtung/den Fachbereich und Nutzungszahlen. Außerdem wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass es wichtig sei, auch bestehende Open-Access-Zeitschriften und nicht nur geflippte Zeitschriften zu fördern.

Als ein Problem für Neugründungen wird die fehlende Reputation gesehen. Zudem wurde betont, dass gerade bei Neugründungen Förderzusagen für einen festen Zeitraum (z. B. 3 Jahre oder mehr) den Zeitschriften eine bessere Planungssicherheit gibt.

Für einige Bibliotheken sei eine Opt-Out-Regel wichtig, sobald es um mehrjährige Förderung von Diamond Open Access geht. Dies steht dem Wunsch nach Planungssicherheit auf Seiten der Finanzierten gegenüber. Meist werden konsortiale Open-Access-Finanzierungen noch lediglich als eine zusätzliche Etatbelastung wahrgenommen und eine Integration in reguläre Bibliotheksetats steht noch aus. Viel Geld ist aktuell bereits in Transformationsverträgen gebunden. Diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal in Zeiten knapper Finanzlagen. Ein eigenes Budget zur Förderung von konsortialer Open-Access-Finanzierung an den Einrichtungen könne hier ein Lösungsweg sein.
Die Konsortialstellen, die das Worldcafé angeboten haben:

OLE-Konsort
OLE-Konsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für wirtschaftswissenschaftliche DOA-Zeitschriften auf. Das Zeitschriftenpaket wächst jährlich an, wobei die Zeitschriften eine Förderzusage von drei Jahren erhalten. Die Teilnahme ist auf ein Jahr ausgelegt vom 01.01. bis zum 31.12. Die Pledgingrunden finden jedes Jahr von Juli bis November statt, währenddessen Einrichtungen ihre Unterstützung für das folgende Jahr zusagen können. OLEKonsort wird von 2023-2026 durch Projektförderung des BMFTR unterstützt. Konsortialführende Einrichtung ist die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

KOALA - Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen
KOALA ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung für Diamond-Open-Access-Publikationen. Dafür schnürt KOALA thematisch fokussierte Zeitschriften zu Bündeln, die wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Finanzierung angeboten werden. Sobald das Finanzierungsziel für ein Zeitschriftenbündel erreicht ist, werden die enthaltenen Titel für drei Jahre gesichert finanziert und vollständig frei zugänglich gemacht. Die TIB fungiert als zentraler Dienstleister und Koordinator für das KOALA-Modell und betreibt das Angebot im Regelbetrieb für Zeitschriften in ihrem Fächerspektrum. 

Laufende Pledging-Runde: Noch bis zum 31.10.2025. kann für die KOALA-Bündel KOALA Mathematik 2026 – 2028 (4 internationale Fachzeitschriften, 140 Artikel jährlich) und KOALA TIB Sensor Systems 2026 – 2028 (Journal of Sensor and Sensor Systems, JSSS) am Pledging teilgenommen werden. 

KOALA-SLUB
Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) betreibt seit 2024 ein Pilotprojekt zur Organisation konsortialer Open-Access-Finanzierungslösungen unter dem Titel KOALA-SLUB. In einer ersten Finanzierungsrunde konnten hier bereits 11 Zeitschriften in drei fachlichen Bündeln im Rahmen des KOALA-Modells finanziert werden. Die SLUB Dresden wird sich in Zukunft weiter in dieser Richtung engagieren.

OPEN-ACCESS-KONSORTIUM BILDUNG (EDU_CONSORT_OA)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft. Das Verbundprojekt zielt sowohl auf ein Crowdfunding für DOA-Fachzeitschriften als auch auf ein Crowdfunding für E-Books, da diese Publikationsformen weiterhin als zentral in den Fachcommunitys angesehen werden. Dabei konnten bereits in vier erfolgreichen Runden knapp 80 Monografien und Sammelwerke unter Beteiligungen von jeweils über 50 Einrichtungen finanziert werden. Die Erfahrungen mit den beiden Verfahren werden als Best-Practices für einen Transfer in andere Fachcommunitys und Fachinformationsdienste aufbereitet

eilnahme an Konsortialangeboten und weitere Infos

Im Diamond Funding Navigator finden Sie weitere Informationen zu den Angeboten dieser Konsortialstellen.
Literaturverzeichnis

    Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 9(3), 1-12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849)
    Mittermaier, B. (2025). Transformationsverträge sind eine Sackgasse: In Erinnerung an Irene Barbers (1966–2025). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(1), 1-22. https://doi.org/10.5282/o-bib/6117)
    Rettelbach, S., &amp; Schindler, C. (2025). Zum Status quo der Open-Access-Transformation in der Bildungsforschung: Eine Analyse einschlägiger Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-23. https://doi.org/10.5282/o-bib/6119)
    Schenke, J., Stork, K. S., &amp; Tullney, M. (2025). Das Diamond-Open-Access-Modell KOALA aus erwerbungsbibliothekarischer Sicht: Ein Auswertungsbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-16. https://doi.org/10.5282/o-bib/6162</description><enclosure
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<item><title>Workshop: Personalressourcen und Infrastrukturkosten im Fokus des Informationsbudgets</title><link>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</link><comments>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets#comments</comments><pubDate>Mon, 13 Oct 2025 09:47:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/workshop-personalressourcen-und-infrastrukturkosten-im-fokus-des-informationsbudgets</guid><description>Ein Blick hinter die Kulissen

Mehr als 130 Teilnehmer*innen kamen am 25.02.2025 zum Online-Workshop „Personalressourcen und Infrastrukturkosten als Teil des Informationsbudgets“. Der fünfte Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ wurde wieder als gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMFTR-Projekts open-access.network organisiert.

Schwerpunkt des Workshops war ein Thema, das bislang oft im Schatten stand: die Personal- und Infrastrukturkosten im Informationsbudget. Ziel war es, diese bislang wenig beachteten Aspekte für den Betrieb von Repositorien, Open-Access-Instanzen und Publikationsdienstleistungen sichtbar zu machen.
Einführung: Das Schalenmodell des Informationsbudgets
Mittermaier, B. (2025). Personalkosten im Schalenmodell des Informationsbudgets. https://doi.org/10.5281/zenodo.14938885 (CC BY)

Der Workshop begann mit einem Vortrag von Bernhard Mittermaier von der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Er stellte zunächst sein „Schalenmodell“ vor, das die verschiedenen Kostenarten im Informationsbudget strukturiert. 

Im Fokus stand die Frage: Wie viele Personenstunden sollten in das Informationsbudget eingerechnet werden? Mittermaier erläuterte, dass Personalkosten eigentlich jedem Baustein zugeordnet werden müssten, was in der Praxis jedoch schwierig sei. Im Jülich werden sie stattdessen nur den wichtigsten Teilbereichen – etwa Sprachendienst, Forschungsdatenmanagement oder Green Open Access – direkt zugeordnet. Für andere Bereiche erfolge eine pauschale Verteilung, etwa durch prozentuale Aufschläge auf Sachkosten. Für das Forschungszentrum Jülich wurden 2024 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass etwa ein Drittel des Budgets aus Personalkosten besteht.
Der Blick aus der Verlagswelt

Im zweiten Vortrag gab Barbara Budrich vom gleichnamigen Verlag Einblicke in die unsichtbare Arbeit hinter Open-Access-Publikationen. Sie betonte, dass Personalkosten den größten Anteil an den Gesamtkosten eines Verlags ausmachen. Die Herstellung eines Buches umfasse vielfältige Tätigkeiten: Lektorat, Layout, Rechtliches, Vertrieb, Marketing und Sichtbarkeit. All diese Schritte erforderten engagiertes Personal, das im Hintergrund arbeite.  Die Kosten für eine einzelne Publikation lägen im Schnitt bei etwa 5.000 Euro (zzgl. MWSt.), wobei jeder Titel die Gemeinkosten anteilig mitfinanzieren müsse. Besonders deutlich wurde, dass die Verlagsarbeit sehr kleinteilig und kommunikationsintensiv ist.
Kostet Diamond Open Access wirklich nichts?

Tina Osteneck vom Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) berichtete in ihrem Vortrag, dass auch bei sogenanntem Diamond Open Access, also Publikationen, die für Leser*innen und Autor*innen kostenfrei sind, erhebliche Kosten entstünden. Diese umfassten Personal für Redaktion, technische Infrastruktur, Marketing und Sichtbarkeit. Die Zeitschrift des VHB, das Schmalenbach Journal of Business Research, werde seit der Umstellung auf Open Access 2008 durch eine Mischung aus öffentlicher Förderung sowie gemeinschaftlichen Modellen und Sponsoring finanziert. Osteneck machte deutlich, dass Diamond Open Access Ressourcen braucht und dadurch Personal- und Infrastrukturkosten verursacht.
Betrieb und Kosten von Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen

Gernot Deinzer von der Universitätsbibliothek Regensburg präsentierte seine Einschätzungen und Überlegungen zum Personalaufwand sowie zentralen und dezentralen Kosten beim Betrieb von Diamond-Open-Access-Zeitschriften an wissenschaftlichen Einrichtungen. Insbesondere der Aufwand für Redaktion, Technik und Administration sei erheblich. Um eine hauseigene Diamond-Open-Access-Zeitschrift mit einer Verlagszeitschrift vergleichen zu können, betonte er die Notwendigkeit, den Arbeitsaufwand der Wissenschaftler*innen als Teil des Informationsbudgets klar zu beziffern. Vor allem Diamond-Open-Access-Zeitschriften entstünden mit viel unentgeltlichem Engagement. Neben der ökonomischen Betrachtung sei die Anerkennung ein wichtiger Aspekt, denn viele Wissenschaftler*innen erhielten für die Herausgabe einer Zeitschrift in einem Verlag oft mehr Ansehen innerhalb der eigenen Einrichtung und in der Community als für die Herausgabe einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift, die gern als „Herzensangelegenheit“ abgetan werde. Es sei also nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Frage von Renommee und Forschungsevaluierung.

Als Fazit aus dem Workshop lässt sich die Erkenntnis ziehen: Es ist kompliziert, Personalkosten im Informationsbudget zu erfassen. Der Aufwand ist jedoch gerechtfertigt, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.</description><enclosure
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<item><title>KOALA &amp; KOALA-AV: Advancing Consortial Open Access Models</title><link>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</link><comments>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</guid><description>KOALA (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen&quot;) was initially the name of a BMBF-funded project (2021–2023) that developed a consortial funding model for Diamond Open Access publishing. During this phase, the foundational KOALA model was conceptualized, and two pilot consortia were launched. Since 2023, the TIB Hannover has continued the initiative as a regular service under the KOALA name. More broadly, &quot;KOALA&quot; now refers to the underlying funding approach and serves as the umbrella term for various DOA consortia coordinated by institutions such as SLUB Dresden and the Specialized Information Service (FID) Media.

KOALA-AV (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen, ausbauen und verankern&quot;) is the current follow-up project (2023–2025), which aims to expand and solidify the KOALA model. It focuses on improving participation conditions for journals, libraries, and other potential consortium leads, strengthening the KOALA community, and supporting the internationalization of the model.
Highlights from the KOALA Journal Meet-Ups

In May 2025, two journal meet-ups brought together editorial teams from Open Access journals supported by KOALA. These events provided a valuable opportunity for participants to network, share experiences, and collaboratively reflect on their partnerships with KOALA. With KOALA-AV entering its final project phase, the meet-ups served as timely forums for evaluating current workflows, addressing ongoing challenges, and charting paths toward sustainable, cooperative publishing models.
Purpose and Structure of the Meet-Ups

The meet-ups’ primary aim was to encourage exchange among journals funded through KOALA and to strengthen the network of editorial teams working under a shared funding framework. Participants had the chance to voice their perspectives on collaborating with KOALA. Along these lines, they had the opportunity to discuss operational concerns, and to identify opportunities for improvement. At the same time, KOALA provided strategic feedback on how journals could optimize their approaches to institutional pledging and to improving communication processes.
Topics and Discussions

A wide range of topics emerged over the course of the two sessions, covering both everyday management and larger strategic considerations: A central point of discussion was how journals can better support the pledging process through engagement with authors. Specifically, they explored how authors can serve as important multipliers within their academic environments regarding funding requests. This could include raising awareness of the KOALA initiative at their home institutions, initiating conversations with relevant departments or decision-makers, and advocating for institutional support. Their disciplinary credibility and personal affiliations can thus significantly strengthen outreach efforts and contribute to building a sustainable funding base.

This tied in with the topic of affiliation lists: Journals were encouraged to record in a detailed fashion which authors had published with them and which institutions these authors had been affiliated with. These lists serve as a valuable tool to identify potential funding institutions, allowing for more a targeted outreach by KOALA and by the journals themselves. Moreover KOALA elaborated on what kind of documentation the journals are expected to provide to show that they have made appropriate use of KOALA funding. Along these lines, questions about financial reporting and acceptable forms of evidence were addressed, emphasising clarity and consistency in documenting how the journals have used the funding.

Another major theme was the importance of clear internal structures within journal teams. Participants highlighted the need to establish clear responsibilities with regards to invoicing, communication, and reporting, and to ensure that KOALA always has current contact information. This tied in with many journals observing that in the past delays and miscommunication had often been traced back to unclear responsibilities, making this a recurring issue. Moreover, invoicing and financial management were identified as areas of both progress and challenge. Some journals reported having had difficulties with issuing invoices or dealing with VAT (Value Added Tax) due to limited financial expertise, while others appreciated KOALA’s flexibility and support in these matters. Some participants noted that having a functioning workflow for invoicing and reporting has been beneficial for both sides but also pointed to the need for more guidance in complex or unclear financial scenarios. Beyond that, timely decision-making and communication processes were emphasized as crucial for the funding process to run smoothly. Both KOALA and the journals acknowledged that delays in information-sharing could hinder institutional pledging cycles, which follow annual timelines in most libraries. Furthermore, there was a discussion about how to handle unspent funds. One journal expressed interest in being allowed to transfer unused funds into subsequent years. Here, KOALA clarified that while minor transfers are acceptable, funds should ideally be spent within the designated year to support consistent planning and accountability.

The sustainability of the KOALA model featured prominently in the meet-ups’ strategic discussions. Many participants reflected positively on KOALA’s role in supporting their journals, describing it as a “wonderful surprise,” “a godsend,” and even as the reason their journal could continue operating in the first place. The simplicity of the funding process, the efficiency of communication with KOALA-AV, and the clarity of cooperation agreements were frequently praised. Apart from that, KOALA’s minimum standards were seen as helpful to increase transparency and to improve editorial quality. At the same time, journals voiced concerns about the long-term availability of funding, particularly in light of limited institutional budgets and the growing number of initiatives seeking support under the KOALA umbrella. As pain points, the complexity of internal communication processes within editorial teams, frequent staff changes at KOALA, and a lack of timely updates on contact persons or new project phases were all mentioned. Furthermore, some considered the process for extending funding into a new financing period unclear, stating that this had created uncertainty for future-related planning steps. At the same time, the opportunity to connect with peers, exchanging best practices and learning from each other’s challenges, was highly valued.
KOALA-AV’s Feedback and Recommendations

KOALA-AV offered a series of recommendations aimed at improving collaboration and ensuring a more efficient workflow for all involved. The importance of aligning communication and planning with library acquisition cycles was emphasized: Since libraries often follow a set sequence—information acquisition, consultation, pledging, and accounting—journals need to respond in a timely and structured manner to ensure success. Along these lines, KOALA urged journals to play a more proactive role in supporting pledging by motivating their authors to contact their institutional libraries and by sharing up-to-date affiliation lists. These efforts can significantly improve the likelihood of acquiring funding successfully. Another key topic was transparency: Journals were advised to publish simple, publicly accessible statements on their use of KOALA funds—ideally on their websites—including the total amount of funding they had received, and a basic breakdown of how the funds are spent. This not only builds trust but also demonstrates accountability to institutions, authors and the wider Open Access community. Finally, KOALA emphasized the importance of managing annual funding effectively: While some transfer-related flexibility is allowed, KOALA’s general expectation is that funds are used within the allocated year, maintaining budgetary discipline and supporting clearer financial cycles.
Outlook: What Comes Next?

Although KOALA-AV did formally conclude by the end of August 2025, the underlying KOALA service and model will continue to operate. KOALA now encompasses both the initial project phase (2021–2023) and the ongoing consortium approach to Open Access support. Looking ahead, the KOALA service hosted at TIB will remain active, particularly in the STEM disciplines, and is exploring ways to extend current funding bundles beyond the standard three-year cycle. At the same time, SLUB Dresden will continue its pilot efforts and provide support for participating journals. For subject areas not yet covered, solutions are being developed, including the transfer of funding responsibilities to two Specialized Information Services (Fachinformationsdienste). Currently, new pledging phases are in preparation to ensure a smooth transition into the next funding round. Besides that, KOALA plans to expand its coordination infrastructure to support more journals. It also pursues international partnerships to broaden its reach and impact.
Conclusion

The KOALA journal meet-ups highlighted the importance of dialogue, transparency, and mutual support in sustaining a community-driven Open Access infrastructure. While some challenges remain, the participants’ overall feedback was one of appreciation, collaboration, and determination. Through shared learning and collective problem-solving, KOALA and its partner journals continue to pave the way for a more equitable and sustainable publishing landscape.

Perspectives of the journals that participated in the meet-up:

SMAI-Journal of Computational Mathematics was founded in 2014 by the French Society of Applied and Industrial Mathematics (SMAI). It publishes high quality research articles on the design and analysis of algorithms for computing the numerical solution of mathematical problems arising in applications. It is published via the Centre Mersenne, which is a diamond open access scientific publishing infrastructure developed by Mathdoc, a support and research unit of the CNRS and the Université Grenoble Alpes in France. As Deputy Secretaries in charge of the SMAI publications, our role is to oversee the scientific development of the journal and ensure that we can guarantee open access publication under the best conditions for the articles submitted now and in the future. This combination of efforts from the SMAI and the Centre Mersenne offers a society-based venue for excellent work from a very active international field. (Amandine Véber &amp; Nicolas Forcadel)

The Journal de l&#039;École polytechnique — Mathématiques (JEP), started in 2014, publishes, in English or French, original research articles in all domains of applied and fundamental mathematics. It continues, in the domain of mathematics, the Journal de l&#039;École polytechnique, one of the oldest French scientific journals (1795–1939), which published articles in mathematics as well as in mechanics and in physics. As journal manager, I oversee relations between the editorial assistant, the three chief editors, and the forty or so section editors on the OJS editorial platform. I also supervise production by the Centre Mersenne. Finally, in collaboration with the three chief editors, I take care of the regular renewal (every five years) of the editorial board. The journal has gained a solid reputation within the mathematical community, as it now receives around 120 submissions annually with an acceptance rate of around 25%. (Claude Sabbah)

Logical Method in Computer Science is a fully refereed, diamond open-access, electronic journal. It welcomes papers on theoretical and practical areas in computer science involving logical methods, taken in a broad sense. Since its foundation in 2004 the journal has developed into a leading venue for papers in the field, as witnessed e.g. by many published special issues of competitive conferences. Currently, the journal publishes around 110 articles per year. The journal is run as an overlay of arXiv.org, a well-known open document archive which currently hosts more than 2 million scholarly articles in the natural sciences, mathematics, computer science, and engineering. The peer review process of the journal relies on the French Episciences platform. I have been involved in the journal in various roles since the beginning, and I have been its Editor-in-Chief since 2020. (Stefan Milius)

TheoretiCS attempts to be one of the three leading journals in the field of Theoretical Computer Science and the only one to follow the diamond open-access model. The journal is strongly based in its research community: all major conferences in in the field of Theoretical Computer Science have representatives on the advisory board of TheoretiCS and in the TheoretiCS Foundation, the publisher of the journal. These strong roots in the research community have enabled us to convince many leading researchers to join the editorial board of TheoretiCS. It also helped to find additional volunteers to help with the editorial and publishing process. We are grateful for the support provided by the KOALA project, which enables us to reimburse part of the efforts for some of these volunteers. (Thomas Schwentick)

The Journal of Universal Computer Science (J.UCS) is a veteran in the field of high-quality open access publications in computer science. Founded in 1993, the J.UCS team has guided the journal through decades of challenges associated with a free-of-charge policy for authors and readers. Our thoroughly peer-reviewed monthly regular issues, as well as several special issues on current topics, serve as one of the major knowledge databases for the international research community, documenting the history of computer science over decades and continuing with today&#039;s latest trends - thanks to KOALA. Our team is dedicated to communicating with our reviewers from around 50 different countries to help our authors get the most out of their research and ensure the high quality and relevance of our publications. The expected 200,000+ views this year show that the effort is worth it, every day. (Johanna Zeisberg and Christian Gütl)</description><enclosure
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<item><title>Stellungnahme des scholar-led.network zum Leopoldina-Papier zur Diamond-Open-Access-Finanzierung</title><link>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung#comments</comments><pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Michael Czolkoß-Hettwer</dc:creator><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</guid><description>Das scholar-led.network versteht sich als Interessenvertretung von Akteur*innen des wissenschaftsgeleiteten Publizierens im deutschsprachigen Raum. Es besteht aus Akteur*innen, die unterschiedliche Positionen im Publikationssystem einnehmen und die teilweise institutionell angebunden, teilweise frei affiliiert sind. Die Netzwerkmitglieder vertreten diverse disziplinäre und fachliche Zusammenhänge, wobei die Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften gegenwärtig unterrepräsentiert sind.

Diese Stellungnahme zum Diskussionspapier “Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (im Folgenden: Leopoldina) von 2025 möchte entsprechend die Perspektive eines Netzwerks des wissenschaftsgeleiteten Publizierens stark machen und ist in dieser Hinsicht parteiisch. Das Netzwerk versteht dabei wissenschaftsgeleitetes Publizieren vor allem als wertegeleitetes Publizieren: Kooperation, Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit, Bibliodiversität und grundsätzlich nicht-kommerzielle Modelle sind für das Netzwerk leitend (scholar-led.network 2022). 

In dieser Konsequenz geht diese Replik nur auf jene Punkte des Diskussionspapiers ein, die unmittelbar Interessen des Netzwerks berühren: Dazu gehören die finanziellen Rahmenbedingungen und angenommenen Kostenstrukturen, die vorgeschlagenen Auswahlmechanismen und Reputationsindikatoren sowie die konkrete Umsetzung des Förderanspruchs in den Verfahren der Antragstellung.
Nachhaltige Finanzierung von Diamond Open Access: Ein unterstützenswertes Ziel

Verschiedene wissenschaftspolitische Stimmen, etwa der Rat der Europäischen Union, cOAlition S und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, haben Diamond Open Access als wegweisenden Lösungsansatz für die Reorganisation des wissenschaftlichen Publizierens hervorgehoben. Auch im Bereich der wissenschaftsgeleiteten Publikationsinfrastrukturen hat sich mit Projekten wie DIAMAS, CRAFT-OA und jüngst mit der Einrichtung der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) viel getan. Nachhaltige Finanzierungskonzepte blieben jedoch eine Leerstelle, die vor allem jene Diamond-Open-Acess-Publikationen vor große Herausforderungen stellt, die nicht über eine direkte institutionelle Förderung verfügen (vgl. Taubert et al. 2024). Aktuelle Modelle für die Konsortialfinanzierung von Diamond Open Access setzen wichtige Impulse (z. B. KOALA, OLEcon), ermöglichen jedoch noch keine verlässliche und nachhaltige Finanzierung, die den mittelfristigen Planungshorizont von Ausgaben und redaktioneller Arbeit abdeckt (Ganz et al. 2024).

Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind aus unserer Sicht dringend erforderlich, auch um perspektivisch eine weitere Professionalisierung des wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu befördern. Dass die Leopoldina nun einen Verfahrensvorschlag für die direkte Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften vorgelegt hat, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Die Vorschläge sollten jedoch daraufhin hinterfragt werden, vor welchem fachlichen Hintergrund sie entwickelt wurden. Die Natur- und Lebenswissenschaften prägen unserer Lesart nach die von der Leopoldina vorgelegten Vorschläge und werden durch die Adressierung des Gesamtsystems im Vorschlag zugleich verallgemeinert. Und auch wenn die Wissenschaften umfassend und im Plural angesprochen sind, besteht unseres Erachtens die Gefahr einer Marginalisierung. Fach- und Publikationskulturen, die sich etwa hinsichtlich der Rolle von Fachgesellschaften, der wirtschaftlichen Bedeutung von Publikationen für diese Gesellschaften, der Quantität und Verteilung des Publikationsoutputs, epistemischer Differenzierungen innerhalb der Disziplinen und nicht zuletzt Ökonomien der Reputation anders organisieren, werden in diesen Vorschlag aus unserer Sicht nicht ausreichend einbezogen.

Angesichts steigender Publikationszahlen und Publikationskosten im globalen Publikationsmarkt, seiner zunehmenden Oligopolisierung sowie der Marginalisierung von Forschenden durch Geschäftsmodelle, die auf Publikationsgebühren basieren, halten wir das Leopoldina-Papier daher für unbedingt diskussionswürdig.
Was darf Open Access kosten?

Das Leopoldina-Papier positioniert eine dauerhafte öffentliche Finanzierung von Diamond Open Access als Alternative zu subskriptions- und APC-basierten Modellen. Um eine Transformation der bisherigen Finanzierungswege zu erreichen, werden im Papier einige interessante Eckpunkte vorgelegt. Grundprinzip ist die Förderung von wissenschaftlichen Publikationen (Texte und Daten) im Diamond Open Access durch öffentliche Mittel. Die Vergabe dieser Mittel soll, ähnlich wie bei der Forschungsförderung, in einem Antrags- und Begutachtungsverfahren erfolgen. Was sich auf den ersten Blick als sinnvolle Alternative zum jetzigen System darstellt, wirft im Detail Fragen auf.

Die Feststellung, dass die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen eine Daueraufgabe darstellt, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. Fragwürdig ist jedoch, ob eine Begutachtung, die in der Praxis durch einzelne Wissenschaftler*innen durchgeführt wird, dazu geeignet ist, diese Dauerhaftigkeit zu garantieren. Notwendig wären dafür zumindest klare Kriterien für wissenschaftliche Qualität und angemessene Kosten einer Zeitschrift. Zu beachten ist auch, dass durch ein solches Verfahren Erfordernisse an die Antragstellung, an den regelmäßigen Vergleich von Dienstleistungsangeboten und an das Reporting implementiert werden, die zusätzliche Ressourcen binden. Dieser Ansatz unterläuft die Idee der garantierten Dauerhaftigkeit und setzt Zeitschriften unter einen auf die Evaluation hin ausgerichteten Performanzdruck. Kosten und Ertrag eines solchen Antrags-Evaluationsmodells sind auch hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Implementierungskosten kritisch zu sehen. 

Aus unserer Sicht ist der wichtigste Aspekt des Leopoldina-Papiers zunächst, dass er eine strategische Diskussion darüber eröffnet, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Publizierens bedeutet und zwar differenziert nach notwendigen Kosten und weiteren Kostenpunkten, die gegebenenfalls auch eingespart werden könnten. Das Papier kritisiert zurecht, dass sich die Kosten im aktuellen APC-Modell in einem breiten Rahmen bewegen, der “nicht notwendigerweise die tatsächlichen Kosten widerspiegelt, sondern auch Ausdruck der Marktposition von besonders renommierten Zeitschriften ist” (S. 26). Die Leopoldina schlägt vor, die Kosten entlang von einzelnen Kostenbestandteilen transparent zu gestalten und so an den jeweiligen disziplinären Anforderungen zu orientieren (S. 33). Eine Kostenersparnis ergibt sich dadurch in erster Linie durch das Flipping besonders renommierter, von Fachgesellschaften herausgegebenen Zeitschriften, die bislang hohe APC verlangen.

Grundsätzlich schlägt das Leopoldina-Papier also ein Modell vor, das im Umfeld weniger großer Unternehmen wettbewerbsfähig sein will. Die Skalierung des Diamond-Open-Access-Modells wird aber Auswirkungen auf die Organisationsformen derjenigen Zeitschriften haben, die bereits heute durch das Engagement Gemeinwohl- oder zumindest Community-orientierter Wissenschaftler*innen herausgegeben werden und die in der Regel aktuell unterfinanziert sind. Die Idee, dass zunächst nur ausgewählte Zeitschriften an diesem neuen System teilhaben können, und mögliche Budget-Anpassungen anhand bestimmter Erfolgsfaktoren erfolgen (S. 22), führen eine im Vergleich zur aktuellen Situation des kommerziellen Publizierens nicht minder problematische, Community-interne Konkurrenzkonstellation ein. 

Letztlich ist fraglich, ob die im Papier postulierte Kostensenkung mit dem Fokus auf das Renommee der Zeitschriften tatsächlich erreicht werden kann. Auf dieser Annahme ein umfassendes Finanzierungsprogramm zu begründen, scheint risikoreich. Eine Diamond-Open-Access-Infrastruktur, in der sich Publizierende weniger im Wettbewerb befinden, sondern sich gemeinwohlorientiert wechselseitig unterstützen, kann in der Summe kosteneffektiver sein, als ein im Kern auf Anträge und Evaluation ausgelegtes Modell. Alternative Modelle der Finanzierung sollten deshalb unbedingt weiter ausdifferenziert und diskutiert werden.
Wann ist eine Zeitschrift relevant genug für die Finanzierung?

Das Leopoldina-Papier verweist zurecht auf die Reputationsökonomie und die ihr zugrunde liegenden Verzerrungen als ausschlaggebenden Faktor im Wissenschaftssystem. Die artikulierte Erwartung, dass zu Beginn vor allem “Betreiber von bereits etablierten Zeitschriften” die Förderung in Anspruch nehmen (S. 20), mit einer unmittelbar hierauf ausgerichteten, kompetitiven Begutachtung sowie verschiedene Verweise auf den Journal Impact Factor als “Maß für die Reputation” (S. 27, S. 33) werfen eine Reihe von Fragen auf. 

Grundsätzlich führt die Idee, dass sich ein Zeitschriftentitel hinsichtlich der Leistung als auch Relevanz qualifizieren muss, einen Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten in das wissenschaftliche Publizieren ein, der den Eigengesetzlichkeiten der Wissenschaft entgegensteht. Akzeptanz und Relevanzbeurteilung der Zeitschriften sollte nicht in zyklischen Evaluationen, sondern als Ergebnis wissenschaftskommunikativer Aushandlungsprozesse in den Communities selbst erfolgen. Wird der wissenschaftskommunikative Aushandlungsprozess übergangen, stellt sich die Frage, wie die Diversität von Publikationen und Wissenschaftscommunities über das gesamte wissenschaftliche Fächerspektrum hinweg gewahrt und gefördert werden kann. 

Aus den vorgegebenen Verfahren und Kriterien würde eine Konzentration von Mitteln auf einen spezifischen Ausschnitt wissenschaftlicher Zeitschriften resultieren, die in bestimmten Fächern besonders vertreten sind. 

In der jeweiligen Fachcommunity existieren bereits ausgehandelte Standards wissenschaftlicher Qualität, auf die zurückgegriffen werden kann. Gerade weil der Journal Impact Factor in vielen Communities nicht relevant ist und die Messung von Qualität sowohl von Zeitschriften als auch von Individuen durch den Journal Impact Faktor sehr kritisch beurteilt wird, sollte die geforderte Reform des Reputationssystems etwa durch DORA und CoARA stärker berücksichtigt werden (vgl. Allianz der Wissenschaftsorganisationen 2025).

Die Gefahr besteht, dass Diamond-Open-Access-Entwicklungen in anderen Disziplinen, die weniger einer Reputationsökonomie folgen oder dem hier adressierten, klassischen Zeitschriftentypus entsprechen, verlangsamt werden. Auch eine systematische Überführung des gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenkorpus in das Diamond-Open-Access-Modell ist auf diesem Weg nicht zu erwarten, sondern vielmehr eine Verfestigung bestehender Mechanismen. Dies hätte unter anderem zur Folge, dass in bestimmten Fächern und für bestimmte, schon erfolgreiche Publikationen mehr Mittel gebunden werden als in anderen. Der Hinweis im Papier, dass Reputationsaufbau Zeit benötige (S. 35), verdeutlicht diesen Widerspruch.

Es ist ein nachvollziehbares Argument, dass die Umstellung etablierter Publikationen in ein Diamond-Open-Access-Modell eine Signalwirkung haben kann. Eine tatsächliche Sogwirkung im Sinne eines “Durchsickerns” der Effekte auf das Gesamtsystem, einschließlich auf Publikationen, die weniger gut institutionell eingebunden oder beispielsweise in “Kleinen Fächern” bedeutsam sind, ist jedoch aus den oben genannten Gründen fraglich.
Die Rolle der Fachgesellschaften

In dem von der Leopoldina vorgeschlagenen Modell spielen die Fachgesellschaften eine zentrale Rolle. Sie sollen Finanzierungsanträge ebenso einreichen können wie öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieser Ansatz birgt enormes Potential, um das Publikationswesen stärker wissenschaftsgeleitet zu organisieren; auch aus unserer Sicht ist die aktive Einbindung der Fachcommunities eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Insbesondere größere Fachgesellschaften, die bereits eigene Periodika herausgeben und hauptamtliches Personal beschäftigen, könnten für derartige Anträge in Frage kommen. Offen bleibt, in welchem Ausmaß in diesen Organisationen die Bereitschaft vorhanden ist, diese Rolle einzunehmen; auch haben sie in vielen Fällen vermutlich nicht ausreichend Kapazitäten und Expertise, um Förderanträge ohne Hilfestellung auszuarbeiten. Diese Hilfestellung könnte von Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken oder Fachinformationsdiensten geleistet werden, was wiederum voraussetzt, dass an diesen Stellen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

Zugleich ist die Landschaft der Fachgesellschaften je nach Disziplin sehr heterogen. Viele (Teil-)Forschungsgebiete sind – wenn überhaupt – nur in sehr kleinen Fachgesellschaften vertreten, die rein ehrenamtlich aufgestellt sind. Oder diese Forschungsgebiete sind aufgrund ihrer dynamischen und interdisziplinären Natur überhaupt nicht in den Strukturen von Fachgesellschaften organisierbar. Vor diesem Hintergrund muss die Frage adressiert werden, wie kleine, wenig organisierte oder auch sich neu bildende Forschungsgebiete bzw. Fachcommunities mit nur wenig Ressourcen bei dem Betrieb von Zeitschriften unterstützt werden könnten, um das System inklusiv auszugestalten, auch im Sinne der Bibliodiversität. 

Zum eigentlichen Begutachtungsprozess für die Publikationsorgane muss die Frage adressiert werden, welche Instanz gemäß welcher Autorität die Auswahl der Begutachtenden vornehmen soll. Ferner birgt ein derart zentralisiertes Fördermodell das Risiko politisch motivierter Einflussnahme. Angesichts der dargestellten Hürden möchten wir die Frage aufwerfen, ob ein solch umfassendes Modell ausreichend skalieren kann, um, wie intendiert, in der Breite des Wissenschaftssystems wirken zu können.
Fazit

Eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, die an den tatsächlichen Bedarfen des Zeitschriftenmachens orientiert ist, sollte das gemeinsame Ziel des Wissenschaftssystems sein. Das Leopoldina-Papier liefert dazu gute Anstöße und Überlegungen. Unsere Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass das vorgeschlagene System durch den Fokus auf das Flipping von Zeitschriften mit hohem Journal Impact Factor eine Situation schaffen könnte, die insbesondere bestimmte Fachkulturen sowie Zeitschriften benachteiligt, die Ansätze von scholar-led-Publishing und Diamond Open Access verbinden. 

Wir begrüßen den Anstoß des Leopoldina-Papiers, das wissenschaftliche Publizieren als Daueraufgabe verstetigen zu wollen und unterstützen die Diskussion darüber, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Modells kosten darf. Aus Sicht des scholar-led.network wäre zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, dass ein breiterer Ansatz verfolgt wird, von dem nicht nur wenige Zeitschriften profitieren. Fraglich ist zudem, ob die Erwartungen, die hier insbesondere an Fachgesellschaften gerichtet werden, umsetzbar sind. Dass wir mittlerweile über konkrete Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access diskutieren, ist eine positive Entwicklung. Neben vielen anderen Akteur*innen sind auch die Mitglieder des scholar-led.network gern bereit, an dieser Diskussion teilzunehmen.


Literatur

    Allianz der Wissenschaftsorganisationen (2025). Die Weiterentwicklung von Bewertungsverfahren für Forschungsleistungen im Kontext von Open Science. https://doi.org/10.5281/zenodo.15818266
    Ganz, K., Finger, J., Schotten, S., Steiner, T., &amp; Wrzesinski, M. (2024). Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access. oa.blog. https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access 
    Scholar-led.network. (2022). The scholar-led.network-Manifesto. https://doi.org/10.5281/zenodo.7079936
    Taubert, N., Sterzik, L. &amp; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Journal Landscape. Minerva 62, 193–227. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7</description><enclosure
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<item><title>Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Michael Geuenich</dc:creator><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Bernhard Mittermeier</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Beate Rusch</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Silke Weisheit</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</guid><description>Bericht über ein Hands-on Lab auf der 113. BiblioCon

Die Entwicklung und der Erfolg von Open Access beruhen maßgeblich auf digitalen Informationsinfrastrukturen, die weltweit von Forschenden, Bibliotheken und anderen Einrichtungen genutzt werden. Diese Infrastrukturen stehen zunehmend unter Druck, da ihre Finanzierung oftmals projektbasiert erfolgt und der Übergang zu einer nachhaltigen, institutionellen oder konsortialen Finanzierung bisher nur in Teilen gelingt. Vor diesem Hintergrund widmete sich das Hands-on Lab dem Thema „Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren“ auf der 113. BiblioCon am 26. Juni 2025 (Pampel et al., 2025) speziell diesem Thema und versuchte, hier Lösungen aufzuzeigen. Ziel war es, gemeinsam mit Expert*innen und Teilnehmenden Herausforderungen, bestehende Modelle und zukünftige Perspektiven für tragfähige Finanzierungslösungen zu reflektieren und konkrete Entwicklungslinien für die deutsche Informationslandschaft zu skizzieren.
Einführung

Die Veranstaltung wurde von Heinz Pampel (Humboldt-Universität zu Berlin) moderiert. In seiner Einführung verwies Pampel auf den einflussreichen Aufsatz “The Ethnography of Infrastructure“ von Susan Leigh Star (1999). Darin definiert Star Infrastrukturen als sozio-technische Systeme, die sich durch ihre Einbettung in alltägliche Nutzungen auszeichnen, eine Einbettung, die sie für Nutzer*innen oftmals unsichtbar macht. Eine Infrastruktur “[b]ecomes visible upon breakdown“, so Star. Ihre Relevanz wird oft erst sichtbar, wenn sie ausfallen. Dieses Charakteristikum von Infrastrukturen erschwert nicht nur das öffentliche Verständnis für ihre systemerhaltende Rolle, sondern stellt auch eine politische Herausforderung dar. Denn gerade ihre Unsichtbarkeit im Alltagsbetrieb macht es schwierig, ihre Finanzierung langfristig zu sichern oder ihre Relevanz auf der politischen Agenda zu verankern. Im Kontext der offenen Wissenschaft bedeutet das: Die nachhaltige Finanzierung etablierter Open-Access-Infrastrukturen ist besonders anspruchsvoll – nicht, weil ihre Funktionalität infrage stünde, sondern weil ihre Stabilität gerade Ausdruck einer erfolgreichen, unsichtbaren Integration in den Forschungsalltag ist.

Im Anschluss an die Begrüßung folgten fünfminütige Statements aus der Praxis:

Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland
Michael Geuenich (Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG) präsentierte die Ergebnisse einer umfassenden Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland (Biela et al., 2023). Zentrale Erkenntnis: Nicht-kommerziell getragene Open-Access-Infrastrukturen sind ein dezentral entwickeltes Rückgrat der wissenschaftlichen Publikationskultur und sehen sich oftmals einer unsicheren langfristigen Finanzierung gegenüber. Während Innovation häufig durch Drittmittel gefördert wird, fehlt es an Mitteln für den Betrieb (Maintenance). Er hob hervor, dass Investitionen in diese Infrastrukturen strategische Bedeutung für die digitale Souveränität haben.

Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS)
Olaf Siegert (ZBW) stellte die internationale Initiative SCOSS (Global Sustainability Coalition for Open Science Services)) vor. SCOSS vermittelt konsortiale Finanzierungsmodelle für Open-Science-Dienste auf Basis eines Auswahlverfahrens im Rahmen definierter Qualitätsverfahren. Seit 2018 werden ausgewählte und qualitätsgeprüfte internationale Open-Science-Infrastrukturen unterstützt (u.a. DOAJ, DOAB, arXiv). Insgesamt konnten auf diesem Wege für 19 Infrastrukturen rund 7,3 Millionen Euro eingeworben werden. SCOSS selbst agiert dabei v. a. als Qualitätsprüfungs-Entität und als Vermittler, nicht aber als Förderer. Zudem organisiert die Initiative einen aktiven Austausch unter den Infrastrukturen mit den Zielen, Good Governance und Best Practices zu fördern.

Open Access Monitor Deutschland
Bernhard Mittermaier (FZ Jülich) berichtete über den Open Access Monitor Deutschland, der zunächst projektfinanziert war und seit 2023 durch Eigenmittel der Bibliothek betrieben wird. Besonders hervorgehoben wurde das Zusammenspiel von institutioneller Unterstützung und pragmatischer Mittelverwendung.

DeepGreen
Beate Rusch (ZIB, KOBV-Verbundzentrale) gab Einblick in das Projekt DeepGreen, einen Lieferdienst für Open-Access-Artikel. Nach einer DFG-Förderung tragen derzeit die drei betreibenden Einrichtungen die Finanzierung. Ab 2026 ist eine zusätzliche Umlagefinanzierung geplant, gestaffelt nach Einrichtungstyp und -größe.

Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)
Silke Weisheit (UB Regensburg) stellte die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) vor, die Informationen zu Open-Access-Zeitschriften sowie zum wissenschaftlichen Publizieren bereitstellt. Die Finanzierung erfolgt über ein gestaffeltes Umlagemodell sowie ergänzend über Drittmittelprojekte (z. B. OpenCost). Die organisatorische Ausgestaltung wird durch einen Beirat begleitet.

Anhand von drei Themenbereichen wurden anschließend drei zentrale Themen zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierung mit den Teilnehmenden diskutiert.
Finanzierung

Im Themenbereich Finanzierung wurden unterschiedliche Modelle zur nachhaltigen Unterstützung von Open-Access-Infrastrukturen diskutiert. Zu den häufig genannten Ansätzen gehörten pauschale Finanzierungsmodelle (Flat-Rates), nutzungsbasierte Modelle sowie gestaffelte Beiträge, etwa in Abhängigkeit von der Größe der Einrichtung oder der Zahl ihrer wissenschaftlichen Mitarbeitenden (FTE). 

Dabei wurde deutlich, dass jede Variante spezifische Herausforderungen mit sich bringt: So bieten pauschale Modelle zwar eine administrative Vereinfachung, erfassen aber möglicherweise nicht die tatsächliche Nutzung oder die institutionelle Leistungsfähigkeit. Nutzungsbasierte Modelle hingegen setzen eine präzise Erhebung und Auswertung von Zugriffszahlen voraus, was zusätzlichen Aufwand bedeutet und zu komplexen Abrechnungen führen kann. Staffelungen nach Größe erscheinen fair, könnten aber kleinere Einrichtungen überproportional belasten.

Ein zentrales Diskussionsthema war der „Mehrwert“ für Einrichtungen, also die Frage, warum diese überhaupt bereit sein sollten, dauerhaft in eine Infrastruktur zu investieren. Neben klassischen Nutzenargumenten wie Stabilität, Qualität und Zugang wurde besonders der Aspekt der Mitgestaltungsmöglichkeit hervorgehoben: Einrichtungen, die sich finanziell beteiligen, sollten auch strukturell eingebunden sein – etwa über Gremien oder Abstimmungsprozesse. Deutlich wurde auch, dass die Sichtbarmachung des möglichen Verlusts einer Infrastruktur ein starkes Argument für die Zahlung sein kann: Der potenzielle Ausfall oder Abbau etablierter Dienste, die bislang selbstverständlich genutzt wurden, kann die Bereitschaft zur Finanzierung erhöhen.

Zur Vermeidung einer kleinteiligen, administrativ aufwändigen Finanzierung wurde mehrfach die Idee konsortialer Lösungen eingebracht. Durch den Zusammenschluss von Bibliotheken, Landesinitiativen oder Hochschulverbünden ließen sich Beiträge bündeln und administrative Lasten verteilen. Auch wurde diskutiert, ob Bibliotheksverbünde verstärkt als koordinierende oder abrechnende Instanzen eingebunden werden könnten.
Governance

Der Themenkomplex Governance drehte sich um die Frage, wie Organisations- und Entscheidungsstrukturen für Open-Access-Infrastrukturen gestaltet werden sollten, um legitim, transparent und gleichzeitig handhabbar zu sein. Diskutiert wurden verschiedene Mitgliedschaftsmodelle, etwa in Form von aktiver oder passiver Beteiligung mit unterschiedlichem Stimmrecht. Betont wurde, dass finanzierende Einrichtungen, unabhängig vom Beitrag, eingebunden werden müssen.

Empfohlen wurde der Aufbau klarer Entscheidungsstrukturen, beispielsweise über einen Vorstand als operatives Entscheidungsgremium sowie einen Beirat, der die Interessen der beteiligten Institutionen und der Community repräsentiert. Steuerungsgremien sollten in ihren Rollen transparent, regelmäßig gewählt und gegenüber der Nutzer*innenschaft rechenschaftspflichtig sein. Gleichzeitig wurde betont, dass Governance-Strukturen schlank und effizient bleiben sollten,  insbesondere um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Auch müsse Governance sichtbar nach außen wirken, um Vertrauen zu schaffen und Legitimität zu sichern.

Ein wiederkehrendes Thema war der rechtliche Rahmen: Gemeinnützigkeit wurde als zentral erachtet, auch um die Unabhängigkeit der Dienste zu sichern. Es bestand Einigkeit darüber, dass ein späterer Verkauf oder eine Kommerzialisierung ausgeschlossen sein sollte, auch vertraglich. Schließlich wurden zwei Spannungsfelder benannt, die Governance-Fragestellungen durchziehen: Zum einen der Gegensatz von Idealismus und Pragmatismus, etwa beim Abwägen zwischen partizipativer Breite und Entscheidungseffizienz bei der Zusammensetzung eingesetzten Gremien. Zum anderen der Zielkonflikt zwischen Innovation und Erhalt: Während viele Projektfinanzierungen auf Neues abzielen, fehlt es gleichzeitig häufig an Strukturen zur dauerhaften Sicherung bestehender Dienste. Daher erscheint ein Mitgliedschaftsmodell trotz der damit einhergehenden Frage der Einbindung von finanzierenden Einrichtungen als sinnvoll.
Kommunikation

Die Diskussion zum Thema Kommunikation zeigte, dass viele nachhaltige Finanzierungsstrategien an klarer und strategisch geplanter Kommunikation scheitern können. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer zielgruppenspezifischen Ansprache: Je nach Typ der Einrichtung (z. B. Universitätsbibliothek, Fachhochschule, Forschungseinrichtung) müssen Argumente unterschiedlich gewichtet und formuliert werden. Das Beispiel DeepGreen zeigte, dass eine zweigleisige Kommunikation, also die parallele Ansprache von Repositorienbetreiber*innen und politischen Entscheider*innen, erfolgreich sein kann.

Auch der Zeitpunkt der Kommunikation wurde als entscheidend angesehen. Statt erst kurz vor Finanzierungsende um Unterstützung zu werben, sollten Infrastrukturen kontinuierlich über Nutzung, Wirkung und Bedarf berichten. Transparenz war ein zentrales Stichwort: Nicht nur Kosten, sondern auch Nutzungsdaten, Downloadzahlen und konkrete Anwendungsbeispiele sollten offen kommuniziert werden. Solche Indikatoren helfen dabei, die Relevanz von Diensten nachvollziehbar zu machen – besonders für Entscheider*innen, die den Dienst selbst nicht regelmäßig nutzen.

Einige Teilnehmende empfahlen, sich in der Außendarstellung an professionellem Wissenschaftsmarketing zu orientieren, etwa durch Testimonials zufriedener Nutzer*innen oder durch die namentliche Nennung prominenter Partnerinstitutionen. Auch eine visuell ansprechende Darstellung auf Webseiten und in Reports könne Vertrauen schaffen. Schließlich wurde angeregt, Kommunikationsstrategien regelmäßig zu evaluieren und gemeinsam mit Unterstützer*innen weiterzuentwickeln.
Fazit

Das Hands-on Lab zeigte eindrücklich, dass eine nachhaltige Finanzierung von Open-Access-Infrastrukturen sowohl institutionelle als auch kulturelle Herausforderungen umfasst. Unterschiedliche Finanzierungs-, Governance- und Kommunikationsmodelle sind erprobt und teils erfolgreich etabliert, stehen aber vor der Aufgabe, sich im verteilten System der Informationsversorgung dauerhaft zu behaupten.

Die Diskussionen bestätigten: Damit Infrastrukturen langfristig bestehen können, braucht es nicht nur tragfähige Finanzierungsmodelle, sondern auch eine Anerkennung ihres Werts. Nachhaltige Finanzierung ist mehr als eine administrative Frage, sie ist Ausdruck strategischer Entscheidungen für eine gemeinwohlorientierte digitale Wissenschaftslandschaft.
Literatur

    Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2023). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland: Studie der Technopolis Group im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Allianz der Wissenschaftsorganisationen. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
    Pampel, H., Siegert, O., Mittermaier, B., Geuenich, M., Rusch, B. &amp; Weisheit, S.(2025, June 26). Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren. 113. BiblioCon in Bremen 2025; 9. Bibliothekskongress, Bremen. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-194917
    Star, S. L. (1999). The Ethnography of Infrastructure. American Behavioral Scientist, 43(3), 377–391. doi.org/10.1177/00027649921955326

Weitere Informationen über die Forschungsgruppe Information Management an der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie auf unserer offiziellen Website).</description><enclosure
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<item><title>Wie erfassen wissenschaftliche Einrichtungen Daten zu Publikationskosten?</title><link>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Tue, 12 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><category>Technik und Workflows</category><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Dorothea Strecker</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/wie-erfassen-wissenschaftliche-einrichtungen-daten-zu-publikationskosten</guid><description>In diesem Beitrag werden Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage zur Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland aus dem Projekt OA Datenpraxis vorgestellt.

Im Zuge der Open-Access-Transformation wenden wissenschaftliche Einrichtungen ihre Mittel neben der Bereitstellung von Literaturzugang auch für das Publizieren auf, beispielsweise für Article Processing Charges (APCs). Diese Kosten können innerhalb einer Einrichtung sehr verteilt anfallen und abgerechnet werden, was die zuverlässige Erfassung aller informationsbezogenen Ausgaben innerhalb einer Einrichtung erschwert und einen transparenten Umgang mit Kosten hemmt. Dass die Erfassung von Publikationskosten ein relevantes Thema für wissenschaftliche Einrichtungen ist, zeigt sich beispielsweise am Diskurs um das Konzept Informationsbudget (Mittermaier, 2022; Pampel, 2019): In dieser ganzheitlichen Sicht auf informationsbezogene Finanzströme einer Einrichtung sollen neben Ausgaben für Subskriptionen auch Ausgaben für Publikationen in die Budgetplanung integriert werden. Darüber hinaus wird auch die Bedeutung der Betrachtung der Einnahmeseite, z. B. durch Mittel von Fördereinrichtungen für das Publizieren, betont. Der Wissenschaftsrat empfahl wissenschaftlichen Einrichtungen 2022 die Etablierung eines Informationsbudgets bis 2025 (Wissenschaftsrat, 2022). Die Erfassung von Publikationskosten kann für Einrichtungen auch verpflichtend sein, beispielsweise für Mittel, die im Rahmen des Förderprogramms Open-Access-Publikationskosten der DFG abgerufen werden.

Das DFG-geförderte Projekt OA Datenpraxis untersucht verschiedene Aspekte des Umgangs mit Daten im Kontext der Open-Access-Transformation, neben der Erfassung von Publikationskosten auf institutioneller Ebene werden unter anderem Regelungen zu offenen Metadaten in Transformationsverträgen, Open Access in institutionellen Rankings oder Open-Access-Dashboards analysiert.

Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse der Umfrage vor und zeigt auf, welche Fragen sich daraus für die Open-Access-Community ergeben können.
Vorgehen

Wie etabliert ist die Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland? Dieser Frage gingen Vertreter*innen des Forschungprojekts OA Datenpraxis am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin 2024 mit einer quantitativen Befragung nach.

Diese Umfrage untersucht die Erfassung von Publikationskosten auf der institutionellen Ebene und ist die erste umfassende quantitative Erhebung zu diesem Thema in Deutschland.
Fragebogenerstellung

Die Erstellung des Fragebogens orientierte sich an früheren Erhebungen, Praxisberichten und anderen Vorarbeiten. Nach Gesprächen mit Mitarbeiterinnen der Erwerbungsabteilung einer großen Universitätsbibliothek und mit Vertreter*innen der DEAL-Gruppe, mit der eine Kooperationsvereinbarung geschlossen wurde, wurde der Fragebogen überarbeitet. Der Fragebogen wurde anschließend mit 11 Personen aus 10 Einrichtungen getestet. Die finale Version enthielt 26 Fragen.
Verteilererstellung

Die Erhebung wurde als personalisierte Online-Umfrage umgesetzt. In den Verteiler aufgenommen wurden Vertreter*innen von wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, darunter Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen des Bundes. Von 583 eingeladenen Personen füllten 258 (44,3 %) den Fragebogen aus. Abbildung 1 zeigt die geografische Verteilung der eingeladenen Einrichtungen nach Einrichtungstyp.

Abbildung 1: Standorte der Einrichtungen im Verteiler nach Einrichtungstyp
Ergebnisse
Monitoringaktivitäten

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass an rund der Hälfte (51,8 %) der teilnehmenden Einrichtungen ein systematischer Überblick über das Publikationsaufkommen bereits erreicht ist (s. Abbildung 2, A). Weitere 32,9 % gaben an, dass dies angestrebt werde.

Das Monitoring von Publikationskosten war im Vergleich weniger verbreitet, etwa ein Viertel (26,7 %) der Befragten gab an, dass Publikationskosten an ihrer Einrichtung systematisch erfasst werden (s. Abbildung 2, B). Weitere 43,8 % streben dies aktuell an.

 

Abbildung 2: Systematischer Überblick über das Publikationsaufkommen (A) bzw.über die Publikationskosten (B)
Unterstützung durch die Leitungsebene

Teilnehmende, die nicht selbst zur Leitungsebene ihrer Einrichtung gehörten, wurden um eine Einschätzung der Unterstützung durch die Leitungsebene gebeten (s. Abbildung 3). 41,5 % der Befragten gaben an, dass sie auf Leitungsebene ein ausgeprägtes Problembewusstsein für das Thema wahrnehmen. Dieser Wert entspricht einer Kombination der Antwortoptionen &quot;trifft zu&quot; und &quot;trifft eher zu&quot;. Ähnlich viele der Befragten gaben an, dass sie sich von der Leitungsebene unterstützt fühlen.

Abbildung 3: Bewertung des (A) Problembewusstseins auf und (B) Unterstützung durch die Leitungsebene
Abläufe

42,7 % der Befragten gaben an, dass Abläufe für die Erfassung von Publikationskosten an ihrer Einrichtung verbindlich vereinbart sind. Etwas weniger häufig wurde geantwortet, dass Abläufe zwar etabliert sind, jedoch keine verbindliche Regelung besteht (s. Abbildung 4).

Abbildung 4: Erfassung der Publikationskosten

Etwas mehr als die Hälfte (56,7 %) der Befragten berichteten, dass Publikationskosten zentral an einer Abteilung der Einrichtung erfasst werden. Zusätzlich gaben 9,6 % an, dass eine Erfassung zentral an einer übergeordneten Institution erfolgt. Etwa ein Drittel (33,1 %) der Befragten antwortete, dass Publikationskosten dezentral an mehreren Abteilungen und in mehreren Systemen registriert werden.

Die subjektive Einschätzung der Zuverlässigkeit der Erfassung variiert für verschiedene Mitteltypen, wobei insbesondere die Erfassung von Drittmitteln als am herausforderndsten angegeben wird. 89,3 % der Befragten schätzten die Erfassung von zentral verwalteten Mitteln, die für Publikationskosten aufgewendet werden, als sehr zuverlässig oder eher zuverlässig ein. Diese Einschätzung teilten 38,8 % der Befragten für Haushaltsmittel aus Forschung und Lehre, und nur 26,4 % für Drittmittel, die von Forschung und Lehre eingeworben werden (s. Abbildung 5).

 

Abbildung 5: Bewertung der Zuverlässigkeit der Erfassung von (A) Mitteln, die von einer zentralen Serviceeinrichtung verwaltet wurden, (B) Drittmitteln, die von Forschung und Lehre eingeworben wurden und (C) Haushaltsmitteln, die für Forschung und Lehre bereitgestellt wurden
Stellenwert

59 % der Befragten gaben an, dass erfasste Publikationskosten Grundlage für strategische Entscheidungen an der Einrichtung sind; etwa ein Viertel antwortete, dass dies nicht der Fall sei.

80 % der Befragten bewerteten den Beitrag der Erfassung von Publikationskosten für die Gestaltung der Open-Access-Transformation als &quot;sehr wichtig&quot; oder &quot;eher wichtig&quot; (s. Abbildung 6).

 

Abbildung 6: Bewertung des Beitrags der Erfassung von Publikationskosten für die Gestaltung der Open-Access-Transformation
Fazit

Die Umfrage zeigt, dass Monitoringaktivitäten noch nicht flächendeckend etabliert sind. Selbst wenn einige Einrichtungen ihr Publikationsaufkommen und anfallende Kosten bereits systematisch erfassen, bleibt die Datengrundlage insgesamt unvollständig.

Viele Einrichtungen, die Publikationskosten erfassen, haben bereits verbindliche Abläufe etabliert, andere sind noch dabei, Workflows zu etablieren oder zu fixieren. Auch die Art der Erfassung variiert - einige Einrichtungen haben die Kostenerfassung bereits an zentraler Stelle gebündelt, während an anderen Einrichtungen anfallende Kosten dezentral erfasst und nachträglich zusammengeführt werden.

Die Qualität der Erfassung wird für verschiedene Mitteltypen unterschiedlich bewertet. Ausgaben, die durch zentral verwaltete Mittel wie Publikationsfonds gedeckt werden, werden mit Abstand am zuverlässigsten erfasst. Die zentrale Mittelverwaltung trägt demnach wesentlich zur Kostentransparenz bei. Einrichtungen, die eine zuverlässige Mittelerfassung anstreben, etwa in Form eines Informationsbudgets, können dies durch eine zentrale Verwaltung von Publikationsmitteln unterstützen. Publikationsfonds aus Mitteln der Bibliothek (Haushalts- und Drittmittel) haben sich bereits bewährt. 

Obwohl 80 % der Befragten die Erfassung von Publikationskosten im Kontext der Open-Access-Transformation wichtig finden, werden diese Daten nur an 59 % der Einrichtungen in Entscheidungsprozesse einbezogen. Diese Beobachtung zeigt, dass die Erfassung von Publikationskosten sich bisher noch nicht in der Breite auf Entscheidungsprozesse auswirkt. Damit wird der Bedarf nach Ansätzen zur Integration von Kostendaten in Entscheidungsprozesse unterstrichen. Aus der Studie ergeben sich weitere Fragen für die informations- und bibliothekswissenschaftliche Forschung, z. B. solche nach strategischen Handlungsoptionen für wissenschaftliche Einrichtungen infolge der Schaffung von Kostentransparenz oder den Hemmnissen bei der Umsetzung von Informationsbudgets.

Die Umfrageergebnisse wurden vollständig veröffentlicht. Anonymisierte Umfragedaten wurden über Zenodo publiziert (Strecker, Pampel &amp; Höfting, 2025a). Ein Artikel in der Open-Access-Zeitschrift Bibliothek - Forschung und Praxis beschreibt die Ergebnisse ausführlich (Strecker, Pampel &amp; Höfting, 2025b).

 
Literatur

    Mittermaier, B. (2022). Das Informationsbudget — Konzept und Werkstattbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal / Herausgeber VDB, 9(4), 1–17. https://doi.org/10.5282/O-BIB/5864
    Pampel, H. (2019): Auf dem Weg zum Informationsbudget. Zur Notwendigkeit von Monitoringverfahren für wissenschaftliche Publikationen und deren Kosten.  Arbeitspapier. https://doi.org/10.2312/os.helmholtz.006 
    Strecker, D., Pampel, H., &amp; Höfting, J. (2025a). Dataset for: Recording of publication costs at research performing institutions in Germany (Version 1.0) [Dataset]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14732554
    Strecker, D., Pampel, H., &amp; Höfting, J. (2025b). Erfassung von Publikationskosten an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland. Bibliothek - Forschung und Praxis, 49(2). https://doi.org/10.1515/bfp-2025-0008
    Wissenschaftsrat. (2022). Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Diamond Funding Navigator: Ein neues TIB-Angebot stärkt Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Tue, 24 Jun 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 16.6.25 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen.

Ein neuer Dienst der TIB erleichtert die Finanzierung von Diamond Open Access: Der Diamond Funding Navigator, der als Betaversion bereitsteht, bündelt Informationen zu Konsortialangeboten für Diamond-Open-Access-Publikationen weltweit. Dies verhilft den Konsortialangeboten zu besserer Sichtbarkeit, und wissenschaftliche Einrichtungen gelangen leichter zu einer Entscheidung, welche Angebote sie unterstützen möchten.
Diamond Open Access gemeinsam finanzieren

Für die Finanzierung von Publikationen, die im Diamond Open Access erscheinen, erweist sich der Rückgriff auf das im Bibliotheksbereich langjährig erprobte Konsortialmodell als erfolgreich. Bei diesem Modell schließen sich wissenschaftliche Einrichtungen zusammen, um mit vergleichsweise kleinen, individuellen Beiträgen gemeinsam die Betriebskosten einer Publikation, beispielsweise einer Zeitschrift, über einen bestimmten Zeitraum zu finanzieren. Die Beiträge der Zeitschrift können somit erscheinen, ohne dass finanzielle Hürden wie Artikelbearbeitungsgebühren (APC) oder Subskriptionsgebühren entstehen. Über KOALA-Konsortien der TIB wurden beispielsweise nach diesem Modell seit 2021 bereits 13 Zeitschriften und zwei Buchreihen über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert.
Der Diamond Funding Navigator – eine kurze Vorstellung

Zur Unterstützung dieser Initiativen hat die TIB den Diamond Funding Navigator entwickelt, der ab sofort in der Betaversion der Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Diamond Funding Navigator ist ein Webdienst, der zu jedem Konsortialangebot eine Reihe von Informationen bereitstellt: Basisinformationen (wie Name, Kontaktinformationen), enthaltene Publikationen (Name, ISSN, Website), Angaben zur Finanzierungsteilnahme, dem sogenannten Pledging (Fristen, Vertragslaufzeit, teilnahmeberechtigte Institutionen) und erläuternde Informationen (zum Beispiel zur fachlichen Ausrichtung des Angebots). Daraus entsteht ein umfassendes Verzeichnis von laufenden und zurückliegenden Angeboten, das durchsucht, gefiltert und sortiert werden kann. Die Oberfläche steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Institutionenbezogene Anpassung: Publikationsoutput via OpenAlex

Institutionen, die sich über Angebote informieren möchten, können den Diamond Funding Navigator individualisieren: Nach Eingabe einer ROR ID werden institutionenspezifische Publikationsmetriken ausgegeben. So wird auf einen Blick ersichtlich, wie viele Publikationen aus einer bestimmten Institution in den letzten fünf Jahren in den Zeitschriften eines Bündels erschienen sind. Diese Zahlen werden grafisch so dargestellt, dass das Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Zeitschriften in diesem Zeitraum erschienen Beiträge erkennbar ist. Die Publikationsmetriken werden von OpenAlex abgerufen. Sie sind für alle Zeitschriften verfügbar, für die in OpenAlex aktuelle Publikationsdaten verfügbar sind.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Woher kommen die Daten zu den Konsortialangeboten?

Die im Diamond Funding Navigator enthaltenen Daten zu Konsortialangeboten müssen erfasst und im Falle von Änderungen aktuell gehalten werden. Dies können die Verantwortlichen der Angebote selbst übernehmen. Dazu erhalten sie von der TIB einen Zugang zum Backend des Diamond Funding Navigator und können dann über eine einfache Eingabemaske alle Informationen zu ihrem Angebot eintragen und speichern. Nach einer formalen Prüfung der übermittelten Daten durch die TIB wird der Eintrag freigeschaltet. Änderungen können, falls nötig, ebenfalls nach Login im Backend vorgenommen werden, beispielsweise, wenn die Pledgingphase verlängert wird.
Vielfältige Angebote, eine Anlaufstelle

Die Finanzierungsfrage ist eine der größten Hürden, vor der Diamond-Open-Access-Publikationen stehen (vgl. OA Diamond Journals Study, Part 1). Von einem breitenwirksamen Finanzierungsmechanismus für Diamond-Open-Access-Publikationen sind wir im Moment noch weit entfernt. Es ist aber davon auszugehen, dass konsortiale Modelle sich weiter etablieren. Bereits jetzt gibt es Einrichtungen, die das KOALA-Modell aufgreifen (KOALA-SLUB). Auch Drittmittelprojekte wie edu_consort_oa und OLEconsort beschreiten diesen Weg. Ein internationales Beispiel ist das OACIP-Programm des nordamerikanischen Konsortiums LYRASIS. Allerdings sind diese Angebote dezentral und verstreut; eine einfache Übersicht fehlte bisher – eine Lücke, die der Diamond Funding Navigator nun schließt.

Wir laden Sie ein, den Diamond Funding Navigator zu nutzen: Informieren Sie sich über Konsortialangebote für Diamond-Open-Access-Publikationen. Übermitteln Sie uns Informationen zu von Ihnen koordinierten Konsortialangeboten. Geben Sie uns Feedback oder melden sich mit Fragen unter: diafund@tib.eu.</description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2025: Von Best-Practices und Visionen bis zur Triage im Publikationsfonds</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds#comments</comments><pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 5.6.25 auf dem ZBW Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 DE erschienen.

Manche hätten sogar gerne noch einen Tag drangehängt: Das oa.barcamp 2025 lies Open-Access-Professionals aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einmal mehr konzentriert zusammenarbeiten. Diamond Open Access sowie die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern gehörten zu den großen Themen des Barcamps.

Das Open Access Barcamp 2025 wurde am 26. und 27. März an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts open-access.network in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative openaccess.nrw organisiert und bot eine Plattform für intensiven Austausch zu aktuellen Open-Access-Themen.

Wie im Barcamp-Format üblich, waren die Teilnehmenden aufgerufen, das Programm aktiv mitzugestalten. In mehreren parallelen Sessions wurden konkrete Problemstellungen diskutiert, Best Practices ausgetauscht und Visionen für eine offene Wissenschaft entwickelt. Die Themen reichten von Infrastrukturen für Diamond Open Access über Publikationsfondsmanagement bis hin zur Herausforderung, projektbasierte Services, Informationsportale und aufgebaute Expertise im Open-Access-Kontext nachhaltig zu verstetigen.
Diamond Open Access: Potenziale und Herausforderungen

Eine zentrale Session widmete sich dem Modell des Diamond Open Access, bei dem weder von den Autor*innen noch von den Leser*innen Gebühren erhoben werden. Es wurde intensiv diskutiert, wie Forschende für dieses Modell gewonnen werden können. Besonders betont wurde, dass politische Argumente oder technische Infrastrukturen nicht ausreichen, wenn überkommene Reputationslogiken (zum Beispiel der Impact Factor) Wissenschaftler:innen davon abhalten, möglichst offen zu publizieren. Als mögliche Lösungsansätze für dieses Problem wurde Peer-to-Peer-Beratung durch erfolgreich publizierende Forschende sowie der Aufbau von Unterstützungsstrukturen (zum Beispiel Publikationsfonds, personelle Ressourcen) genannt. Auch wurde der Aufbau einer evidenzbasierten Argumentation anhand von Zitationsvorteilen und den Vorteilen der Nutzung freier Lizenzen vorgeschlagen.
Triage in Publication Funds?

Challenges in administering open access publication funds were discussed in several sessions. Participants spoke of rising costs, tight budgets, and high administrative burden at their institutions. Strategies such as the staggered allocation of funds, the integration of third-party funds, and the introduction of transparent funding criteria (e.g. for monographs or edited volumes) were presented. The question of triage in cases where publication funds are overburdened was controversially discussed. If there are not enough funds to support all eligible publications, it will inevitably be necessary to prioritise. One suggestion was that this selection be based on science policy criteria such as the FAIR data principles.
oa.finder und Open-Access-Bücher

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern. Da zentrale Datenquellen wie die Deutsche Nationalbibliothek keine vollständige Übersicht bieten, schilderte Katja Dammann (UB Bielefeld) den aufwändigen Aufbau der oa.finder-Datenbank. Im Zusammenhang mit Open-Access-Büchern wurde die Schwierigkeit diskutiert, die Publikationspraxis im Buchbereich systematisch zu erfassen. Als Gründe hierfür wurden Transparenzprobleme bei Verlagsmodellen und das Fehlen verlässlicher, standardisierter Schnittstellen genannt.
Open Access an kleineren Einrichtungen

In einer besonders praxisnahen Session aus dem Projekt P2P.OA.HAW erarbeitete Emilia Mikautsch (Universität Konstanz) gemeinsam mit den Session-Teilnehmenden anhand von Personas die besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit Open Access, vor denen sich kleinere Einrichtungen wie Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestellt sehen. Hier wurde deutlich, dass neben begrenzten Ressourcen vor allem unklare Zuständigkeiten und mangelndes institutionelles Commitment die Open-Access-Implementierung erschweren. Peer-to-Peer-Beratung, gezielte Fördermaßnahmen und eine stärkere Vernetzung unter den Einrichtungen wurden als zentrale Lösungswege genannt.
Institutionelle Repositorien und Publikationsdienstleistungen

Ein wiederkehrendes Thema waren auch der Aufbau und die Verstetigung von Services zur Zweitveröffentlichung. Herausforderungen liegen unter anderem in der Rechtsunsicherheit vor Ort, fehlenden Workflows, dem Mehraufwand für Bibliothekspersonal und einer geringen Sensibilisierung der Forschenden für dieses Thema. Es wurde deutlich, dass hier frühzeitige Beratung, technische Unterstützung und institutionelle Rückendeckung unerlässlich sind. Als praktisches Handwerkszeug zum Ausbau institutioneller Publikationsservices stellte Doreen Rocholl (Universität Duisburg-Essen, Landesinitiative openaccess.nrw ) einen Musterentwurf für eine Autor:innen- und Herausgeber:innenvereinbarung zum Publizieren im OJS https://openjournalsystems.com/ vor und lies die Teilnehmenden der Session bei der kritischen Betrachtung jeweils die Perspektive von Autor:innen einerseits und (institutionellen) Herausgeber:innen andererseits einnehmen.
Verstetigung von open-access.network

Zum Ende des Barcamps wurde auch das nahende Ende der zweiten Förderphase des Projekts open-access.network thematisiert. Martina Benz (Universität Konstanz, open-access.network) gab einen Ausblick auf Pläne zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung unter dem Dach des in Gründung befindlichen Vereins open-access.network e. V. Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen sollen Mitglied werden können und das Informations- und Beratungsangebot gemeinschaftlich in die Zukunft tragen. Während der Session wurde die Bedeutung des Informations- und Vernetzungsportals open-access.network als zentraler Orientierungspunkt für die wachsende Community von Open-Access-Professionals hervorgehoben – insbesondere für neue Open-Access-Beauftragte und kleinere Einrichtungen, die noch dabei sind, vollumfänglich in das Thema einzusteigen.
Fazit

Das Open Access Barcamp 2025 hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen im Bereich der offenen Wissenschaft sind – und wie wichtig kollegialer Austausch, Vernetzung und strategischer Aufbau institutioneller Strukturen und Expertise sind, wenn man diesen Herausforderungen adäquat begegnen will. Besonders die Sessions zu Diamond Open Access und zu den strukturellen Bedingungen an kleineren Einrichtungen machten deutlich: Open Access braucht mehr als nur Appelle und Überzeugung – es braucht politische Unterstützung, Ressourcen und praxisnahe Werkzeuge.</description><enclosure
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<item><title>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen</title><link>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</link><comments>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen#comments</comments><pubDate>Mon, 03 Mar 2025 08:57:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</guid><description>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen

Wie können Bibliotheken Diamond Open Access fördern? Expert*innen der KU Leuven und TU Berlin berichteten bei unserer Informationsveranstaltung, wie sie Fair Open Access Fonds aufgebaut haben, um nicht-kommerzielle Publikationsmodelle zu unterstützen. Ihr Engagement zeigt: Ein gerechteres Publikationssystem ist möglich!

Als Teil der Informationsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond OA als Alternative“ stellten Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin am 6. November 2024 ihre Erfahrungen mit dem Aufbau von Fair Open Access Fonds vor.
Fair Open Access: Prinzipien und Bedeutung für die Wissenschaft

Bei Fair Open Access geht es in erster Linie um die Unterstützung von Publikationsinfrastrukturen und akademischen Initiativen zur Stärkung des wissenschaftlichen Publizierens, wobei die Möglichkeit zur Erhebung von Publikationsgebühren erhalten bleibt, solange diese fair und transparent gestaltet werden. Die Fair Open Access Alliance (FOAA) hat fünf Grundprinzipien festgelegt, die Zeitschriften einhalten müssen, um als Fair Open Access eingestuft zu werden. Dazu gehören: 

    Führung durch die akademische Gemeinschaft,
    Sicherstellung, dass die Autor*innen das Urheberrecht an ihrer Arbeit behalten,
    sofortiger und uneingeschränkter Open-Access-Zugriff auf alle Inhalte mit einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz (CC-Lizenz),
    Einreichung und Veröffentlichung ist in keiner Weise von der Zahlung einer Gebühr durch Autor*innen oder die beschäftigende Institution oder von der Mitgliedschaft in einer Institution oder Gesellschaft abhängig und
    Beibehaltung niedriger, transparenter und verhältnismäßiger Kosten für alle notwendigen Gebühren.

Zur Unterstützung von Fair-Open-Access-Initiativen stellen einige Universitätsbibliotheken spezielle finanzielle Mittel in Form von Fair-Open-Access-Fonds zur Verfügung. Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin stellten vor, welche Maßnahmen sie in den vergangenen Jahren ergriffen haben, um an ihren Institutionen einen solchen Fonds aufzubauen und auf welche Herausforderungen sie dabei gestoßen sind.
Erfolgreiche Umsetzung: Der Fair OA Fonds an der KU Leuven

An der KU Leuven entstand schon früh ein Bewusstsein dafür, dass für die nachhaltige und gerechte Gestaltung des akademischen Publizierens spezielle Maßnahmen notwendig sind. Zwar konnten durch die Transformation des Publikationssystems von Closed Access hin zu Open Access bereits einige Missstände adressiert werden, so z. B. der teure und damit ungerecht verteilte Zugang zu Literatur. Allerdings führte die vermehrte Erhebung von Publikationsgebühren (APCs) und die damit einhergehende Kommerzialisierung des Open Access lediglich zu einer Verschiebung der finanziellen Ungleichheiten weg vom Zugriff hin zum Publizieren selbst, sodass weiterhin immense Kosten für Universitäten und andere Forschungseinrichtungen entstehen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so der Gedankengang der Akteure der KU Leuven, ist eine Orientierung an den akademischen Werten und eine Anstrengung für Open Publishing, also institutionelle Publikationsservices, notwendig. Daher errichtete die Universität 2018 einen speziellen Fonds, der ausschließlich für die Förderung von gemeinschaftlich organisierten und nicht-kommerziellen Initiativen bestimmt ist, die sich für die Prinzipien des Fair Open Access stark machen. Dieser KU Leuven Fund for Fair Open Access ist vollständig vom Erwerbungsetat der Universität getrennt. Finanziert wurde er anfänglich u. a. durch die Umwidmung von Open-Access-Publikationskosten, die sonst an kommerzielle Verlage gegangen wären. Durch die Trennung der beiden Fonds wird nicht nur die Unterstützung von nicht-kommerziellen und gemeinschaftlich organisierten Initiativen gesichert, sondern auch deren Sichtbarkeit erhöht.

Anfangs musste jedoch viel Überzeugungsarbeit gegenüber den Entscheidungsträger*innen der KU Leuven geleistet werden, um die Unterstützung für die Errichtung des Fair Open Access Fonds zu erhalten. Ausschlaggebend waren letztlich drei Argumente: Erstens sieht die KU Leuven die Notwendigkeit, etwas am aktuell dysfunktionalen Publikationssystem zu verändern. Zweitens handelt es sich - im Vergleich zum sonstigen Erwerbungsbudget - um verschwindend kleine Geldsummen, die für einen solchen experimentellen Ansatz benötigt werden. Drittens möchte die KU Leuven als positives Beispiel für faires Publizieren auftreten.

2018 flossen zunächst rund 86.000€ in den Fonds, die mit der Zeit auf ca. 160.000€ im Jahr 2023 angestiegen sind. Diese Summen waren konkret bestimmt für die finanzielle Unterstützung von fairen Open-Access-Initiativen und -Infrastrukturen. Anfangs floss ein Anteil der Mittel zudem in APCs für Zeitschriften, die nach den Kriterien für Fair Open Access arbeiten. Dieser Kostenpunkt wurde allerdings 2021 eingestellt, da sich Missverständnisse unter den Autor*innen über eine kollektive Finanzierung von APCs (auch von kommerziellen Zeitschriften) einschlichen und sich die Hintergrundrecherche bezüglich der Fairness potenzieller Zeitschriften als sehr aufwändig erwies.
Neue Wege an der TU Berlin: Ein Fonds für faires Publizieren

Die Problematiken des Gold-Open-Access-Modells mit seinen oft unverhältnismäßig hohen Publikationsgebühren gaben auch der Bibliothek der TU Berlin den Anstoß zur Errichtung eines eigenen Fair-Open-Access-Fonds, wie Michaela Voigt im Anschluss berichtete. Insbesondere der im Herbst 2023 abgeschlossene DEAL-Transformationsvertrag mit Elsevier löste kontroverse Diskussionen darüber aus, ob die konsortialen Publish-And-Read-Vereinbarungen mit den großen Wissenschaftsverlagen mit den Werten und strategischen Zielen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens übereinstimmen. So entstanden Überlegungen und Pläne, die Förderung von nicht-kommerziellen Open-Access-Initiativen und Infrastrukturen weiter auszubauen und dafür gesonderte Mittel bereitzustellen. Zwar wurden schon seit 2018 vereinzelte als „fair“ eingestufte Akteure wie die Open Library of Humanities unterstützt, allerdings sollten diese Bemühungen nun durch die Errichtung eines eigenen Fonds strategisch und koordiniert gebündelt werden.

Somit wurde 2024 der Fair Open Access Fonds als dritte Finanzierungssäule des Bibliotheksetats für Open Access etabliert: neben dem Universitätsverlag der TU Berlin in Kombination mit dem eigenen Repositorium sowie den Mitteln für Gold-Open-Access und Publish &amp; Read-Vereinbarungen. Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgt dabei über ein virtuelles Budget, das zu Teilen aus Erwerbungsmitteln und zu Teilen aus dem Budget für Administration gespeist wird. Im ersten Jahr, das vorrangig dem Aufbau von Workflows und anderen administrativen Prozessen gewidmet ist, stehen 25.000€ zur Verfügung. Diese Summe soll in den kommenden beiden Jahren auf mindestens 50.000€ ausgebaut werden. Die Auskopplung der Mittel für Fair Open Access in einen eigens dafür designierten Fonds soll dabei ähnlich wie an der KU Leuven nicht nur der erhöhten Sichtbarkeit von fairem Open Access dienen, sondern auch der Sicherung und Garantie der Finanzierung dieses Anliegens. Dazu trägt auch die Festschreibung in ein bereits verabschiedetes (aber Stand Februar 2025 noch nicht veröffentlichtes) Strategiepapier der Universitätsleitung bei, das Fair Open Access auch institutionell absichert und festigt.

Wenn es an die konkrete Investition der Mittel geht, bemüht sich die TU Berlin darum, auf bereits vorhandene Strukturen aufzubauen. Sodass primär diejenigen Publikationsorte gefördert werden sollen, in denen sich Mitglieder der Universität ohnehin schon engagieren, beispielsweise als Herausgebende oder Reviewer*innen. Wie in der KU Leuven orientiert sich die Förderentscheidung zudem an bestimmten Mindeststandards für Fairness sowie am fächerspezifischen Bedarf der Universität.

Michaela Voigt schloss ihren Vortrag mit den ermutigenden Worten „We could do it. And we should do it“, denen Demmy Verbeke zustimmend beipflichtete. Wie aus den Präsentationen deutlich geworden ist, werden an den beiden Institutionen große Anstrengungen unternommen, um das wissenschaftliche Publikationssystem nicht nur kostengünstiger, sondern auch fairer zu gestalten. Ihr Engagement und ihre Erfahrungen können als Vorbild und Muster für andere Bibliotheken dienen, die in Erwägung ziehen, ähnliche Schritte zu ergreifen.</description><enclosure
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<item><title>In Kooperation gemeinsam Ziele erreichen</title><link>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</link><comments>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Nov 2024 10:00:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Informationsbudget</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/in-kooperation-gemeinsam-ziele-erreichen</guid><description>Unter dem Titel „Gemeinsam geht es besser – Kooperationen auf dem Weg zum Informationsbudget“ kamen am 24. September 2024 rund 90 Teilnehmende zusammen. Es war der vierte Online-Workshop der Reihe „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ – ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Bei aller Diversität der Rahmenbedingungen und Ansprüche in den Wissenschaftseinrichtungen, stellen sich bezüglich des Informationsbudgets  doch immer wieder ähnliche Fragen. In diesem Workshop wurden verschiedene Formen und Aspekte der Zusammenarbeit vorgestellt.

Die beiden Berichte aus dem „Kooperationsverbund Thüringer Hochschulbibliotheken“ von Lea Satzinger und Henrieke Walter zeigten beeindruckend deutlich, dass auch sehr verschiedene Häuser Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit finden können. So arbeiten in dem thüringischen Verbund insgesamt fünf AGs zu den Themen Erwerbung und Bestandsmanagement, Open Access, Informationskompetenz, Benutzung sowie IT-Infrastruktur. Außerdem werden gemeinsame Workshops zum Informationsbudget veranstaltet und der Verbund stellt hochschulübergreifende Services bereit: das Repositorium „Digitale Bibliothek Thüringen“ und ein gemeinsames Open Access Monitoring. Die besonderen Bedingungen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind Thema einer aktuellen Befragung durch das Projekt „Open Access an HAWs“.

Auch hausintern können mit Kooperationen erfolgreiche Wege beschritten werden. Peter Blume von der TU Ilmenau berichtete über die enge Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Fakultäten und Bibliothek, die gemeinsam eine eigenständige und nachhaltige Finanzierungsstrategie für Open Access aufbauen. Grundlage ist die Einordnung von Publikationskosten als Teil der Forschungskosten, an denen sich die Fakultäten beteiligen. So entstand ein gemeinsamer zweckgebundener Finanzfonds von Bibliothek und Fakultäten. Aus der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurden von Lea Satzinger verschiedene Tools zum Monitoring und Reporting vorgestellt.

Schwerpunkt des Vortrags über den Zusammenschluss „Digitale Hochschule NRW“ (DH-NRW) war das gemeinsame Kostenmonitoring für die beteiligten 42 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Jan-Philip Tummes und Nina Schönfelder stellten den Aufbau der Kostenreports vor und zeigten beispielhaft, wie sich die Kosten für Open-Access-Publikationen an einzelnen Hochschulen verteilen. Eine derart detaillierte Übersicht für alle Hochschulen zu erstellen, ist nur durch die landesweite Kooperation möglich.

Im letzten Beitrag sprachen Margit Schön und Irene Barbers über Motivation, Arbeitsweise und konkrete Ergebnisse der „Fokusgruppe Informationsbudget“. Auslöser waren Anfang 2022 die „Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access“ des Wissenschaftsrates an die  wissenschaftlichen Einrichtungen, „ihr Informationsbudget in allen seinen Komponenten zu erfassen und mögliche Einsparungen auf der Erwerbsseite sowie mögliche Einnahmequellen gegen steigende Ausgaben für Publikationsdienstleistungen zu bilanzieren.“ (Wissenschaftsrat 2022)1 Eine echte Mammutaufgabe, die nur in Kooperation zu bewältigen ist. Deshalb gründete sich auf den Open-Access-Tagen 2022 in Bern die „Fokusgruppe Informationsbudget“. Ihr Hauptziel ist es, gemeinschaftlich und im Austausch zu arbeiten: „Bedarfe und Voraussetzungen identifizieren, notwendige Handlungsfelder definieren und dann mögliche Maßnahmen formulieren und diskutieren.“ (s. Blogbeitrag von Margit Schön und Heike Stadler). Eines von mehreren hilfreichen Ergebnissen der Fokusgruppe ist ein Power-Point-Foliensatz mit Argumentationshilfen, den wissenschaftliche Einrichtungen für ihre internen Gespräche nutzen und anpassen können.

In der abschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Erfassung von Publikationsmitteln aus Drittmittelprojekten und Strategien zum Umgang mit noch nicht erfassten Zahlungen. Die Präsentationsfolien der Workshop-Beiträge wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.

1 Quelle: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access (2022, S. 10). Wissenschaftsrat. https://doi.org/10.57674/FYRC-VB61</description><enclosure
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<item><title>Ein Ziel, zwei Abteilungen: Bibliotheken und Finanzverwaltung im Austausch über Rechnungserfassung von Publikationskosten</title><link>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katja Dammann </dc:creator><dc:creator>Paul Schultze-Motel </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-ziel-zwei-abteilungen-bibliotheken-und-finanzverwaltung-im-austausch-ueber-rechnungserfassung-von-publikationskosten</guid><description>Wie lassen sich „Rechnungen für Publikationskosten abteilungsübergreifend kennzeichnen und erfassen“? Diese Frage wurde Ende Mai 2024 im dritten Online-Workshop der Reihe  „Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ diskutiert. Die mit über 180 Teilnehmer*innen sehr gut besuchte Veranstaltung ist ein gemeinsames Angebot der Universitätsbibliothek Bielefeld und des Helmholtz Open Science Office im Rahmen des BMBF-Projekts open-access.network.

Der Workshop richtete sich speziell an Kolleg*innen-Tandems aus Bibliothek und Finanzabteilung derselben Institution. In den Impulsvorträgen ging es um die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit dem Ziel, Rechnungen über Publikationskosten für die gesamte Einrichtung zu erfassen und damit die Open-Access-Transformation voranzubringen.

Empfehlungen zur Erfassung und Bearbeitung von Publikationskosten aus dem österreichischen Projekt AT2OA²  waren Thema der ersten Präsentation. Im Projekt wurden unter anderem Informationsmaterialien entwickelt, mit deren Hilfe Mitarbeitende in Finanzabteilungen geschult werden, Rechnungen über Publikationskosten zu erkennen - beispielsweise anhand von Buzzwords.

Die folgenden beiden Vorträge aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ gliederten sich in ein Praxisbeispiel über einen Bibliotheks-Workflow zur zentralen Bearbeitung von Open-Access-Publikationskosten. Anschließend berichtete die GFZ-Finanzabteilung, wie SAP-Reports für das Controlling von Publikationskosten eingesetzt werden können.

Den Abschluss bildete eine Präsentation der von der TU Braunschweig entwickelten Open-Source-Software CODA (Customizable Open Access Database Application), die eine detaillierte Erfassung, Bearbeitung und Verwaltung publikationsbezogener Kostendaten ermöglicht.

Die mehr als 180 Teilnehmer*innen aus Finanzabteilungen und Bibliotheken konnten sich über eigene Erfahrungen ihrer Zusammenarbeit bei der Erfassung und Zuordnung von Publikationskosten austauschen. Ein wichtiger Punkt war die Kommunikation und Vernetzung zwischen Bibliothek und Finanzabteilung, denn eine gemeinsame Sprache ist gerade mit Blick auf die abteilungsübergreifende Bearbeitung von Rechnungen für Publikationskosten eine wichtige Grundlage für die Einführung eines transparenten Informationsbudgets. In der Abschlussdiskussion berichteten einige Kolleg*innen-Tandems  von ihren Erfahrungen bei der Etablierung gemeinsamer Workflows. Der Austausch über die verschiedenen Perspektiven auf die Rechnungserfassung in den Abteilungen und die Beispiele aus der Praxis wurden von den Teilnehmer*innen besonders positiv bewertet.

Die Präsentationsfolien des Workshops wurden im Open Access veröffentlicht und sind auf der Veranstaltungswebseite verlinkt.
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<item><title>CODRIA, PLATO und KOALA</title><link>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</link><comments>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 13:16:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</guid><description>Codria, Plato und Koala. Diamond Open Access-Zeitschriften und Finanzierungsmodelle in Deutschland und der Schweiz

„Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ ist der Titel einer neuen Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access von open-access.network. Am 20. September 2023 fand im Rahmen dieser Reihe die erste Veranstaltung statt. Thema waren Untersuchungen zu Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz und Erfahrungen mit der konsortialen Finanzierung solcher Publikationen.

Diamond Open Access ermöglicht Open-Access-Publizieren ohne Autor*innengebühren. Als Alternative zu APC/BPC-basiertem Open Access wird Diamond Open Access in jüngster Zeit intensiv diskutiert.

Auf europäischer Ebene verabschiedeten die cOAlition S, OPERAS, Science Europe und das französische Forschungsnetzwerk ANR 2022 den Aktionsplan Diamond Open Access. Im Sommer 2022 fand die erste Diamond-Open-Access-Konferenz in Zadar (Kroatien) statt, gefolgt von der zweiten Konferenz im mexikanischen Toluca im Oktober 2023. Bereits 2021 veröffentlichten Science Europe und die cOAlition S die Diamond Open Access Journals Study, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung von Open-Access-Zeitschriften, ihren Finanzierungsformen, Herausforderungen und Potenzialen (Bosman et al., 2021; Becerill et al., 2021).

In Deutschland und der Schweiz haben sich die Projekte KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), CODRIA (Community-Driven Open Access Journals zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen) und PLATO (Platinum Open Access Funding) mit den Publikationsbedingungen, Verbesserungspotenzialen und möglichen Modellen für Diamond-Open-Access-Zeitschriften beschäftigt.

In der Informationsveranstaltung am 20.September berichteten Daniela Hahn (Universität Zürich) und Nils Taubert (Universität Bielefeld) zunächst die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte PLATO und CODRIA. Im Anschluss stellte Alexander Pöche (TIB Hannover) das Projekt KOALA und Erfahrungen aus der Organisation und Verwaltung von Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Publikationen vor.
Diamond Open Access Journals in Deutschland und in der Schweiz

Die im Rahmen von CODRIA und PLATO durchgeführten Untersuchungen (Bruns et al., 2022; Taubert et al., 2023; Hahn et al., 2022) kommen zu ähnlichen Ergebnisse wie die Diamond Open Access Study (Bosman et al., 2021): Diamond Open Access Journals sind ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kommunikation, v.a. in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sie sind eher klein, veröffentlichen meist nicht mehr als 25 Artikel pro Jahr und stützen sich wirtschaftlich auf ganz unterschiedliche Finanzierungsquellen, wobei viele dabei mit einer unsicheren Finanzierung zu kämpfen haben. Darüber hinaus bieten die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Strategien von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, mit knappen Ressourcen zu haushalten und leisten einen Beitrag zur Klärung der jeweiligen Bedarfe.

Das BMBF-Projekt &quot;Community-Driven Open Access Journale zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen&quot; (Laufzeit 1.2.2021–31.1.2023) führte eine Bestandsaufnahme der Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland durch. Im Rahmen einer bibliographischen Analyse wurden eine Liste von insgesamt 458 Diamond-Open-Access-Zeitschriften zusammengestellt (vgl. Bruns et al. 2022). Viele dieser Zeitschriften sind eher klein: Durchschnittlich wurden 2021 im Jahr nur 16 Beiträge pro Zeitschrift veröffentlicht. Dabei existieren große Unterschiede. Die Zeitschrift mit dem höchsten Output veröffentlichte im Jahr 2021 288 Artikel.

Fachlich sind die Geistes- und Sozialwissenschaften unter den Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit einem Anteil von 72,5% stark überrepräsentiert. Nur rund 13% der Diamond-Open-Access-Zeitschriften haben eine naturwissenschaftliche und 6% eine technikwissenschaftliche Ausrichtung.
Abb. 1: Quelle: Taubert, N. (2023)

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung vertiefte das CODRIA-Projektteam seine Ergebnisse. Viele Zeitschriften operieren auf der Basis gemischter Ökonomien: Während ein Teil der Arbeiten bezahlt erfolgt, sind andere Aufgaben ehrenamtlich organisiert. Alle Journals vereint, dass sie auf keiner gesicherten wirtschaftlichen Basis agieren. Häufig sind sie von lokal vorhandenen Mitteln oder zeitlich befristeten Projektgeldern abhängig. Eine Strategie, damit umzugehen, kann es sein, Arbeiten auf eine große Zahl Freiwilliger zu verteilen. Doch der Kreis der Engagierten ist häufig klein und zentrale Aufgaben sind vom Engagement Einzelner abhängig. Eine nachhaltige Finanzierung, so das Fazit von Niels Taubert, sei deshalb erforderlich, um eine nachhaltige Geschäftsgrundlage für Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen.

Diese Schlussfolgerung zog auch Daniela Hahn, Projektleiterin von PLATO. PLATO ist ein Partnerprojekt von sechs Schweizer Universitäten. Neben einer Bestandsaufnahme von Zeitschriften und deren Herausforderungen ist es das Ziel von PLATO, nachhaltige Förderstrategien für wissenschaftsgeleitetes Diamond Open Access in der Schweiz zu entwickeln.

In der ersten Projektphase ging es auch bei PLATO, vergleichbar mit CODRIA, um die Erfassung aller Diamond-Open-Access-Zeitschriften und die Untersuchung ihrer Perspektiven und Herausforderungen. Im Ergebnis stellte PLATO eine Liste von 235 Zeitschriften zusammen. Analog zu den Ergebnissen bei CODRIA sind auch die von PLATO untersuchten Zeitschriften überwiegend klein und publizieren durchschnittlich weniger als 25 Artikel pro Jahr; fachlich liegt der Schwerpunkt (67,3%) ebenfalls in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Anders als in der CODRIA-Studie wurde in der PLATO-Untersuchung auch nach dem Publikationsort und den Finanzierungsmechanismen gefragt: Mehr als die Hälfte der Zeitschriften erscheint an Hochschulen (46,4%) und wissenschaftlichen Akademien (16,6%). Profitorientierte Verlage stellen dagegen nur 15,7% der Publikationsorte. Diamond-Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich – hier sind die Ergebnisse von PLATO in Übereinstimmung mit CODRIA –  über eine breite Palette von Quellen. Eine solche Mischfinanzierung aus vielen kleinen Töpfen ist häufig erforderlich, um den Fortbestand der Publikation zu sichern, denn eine nachhaltige Finanzierung zu organisieren, ist für viele Zeitschriften schwierig.

In der zweiten Projektphase soll im Projekt PLATO ein Finanzierungsmodell für Diamond-Open-Access-Zeitschriften entwickelt werden. Herausfordernd ist es dabei, teilweise verborgene Kosten zu ermitteln und Infrastrukturkosten zu recherchieren. Letztere variieren abhängig davon, ob das Zeitschriften-Hosting inhouse oder auf externen Plattformen, kostenlos oder gegen Gebühr organisiert wird. Im Rahmen von PLATO wurden sechs Stichproben erhoben. Die mittleren Kosten lagen demnach bei 15.000 Sfr (15.600 €)/Jahr.
Diamond Open Access nachhaltig ermöglichen

Für die Zukunft der Diamond-Open-Access-Förderung in der Schweiz stellen sich aus Sicht von PLATO strategische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen: Strategisch soll Diamond Open Access in die überarbeitete nationale Open-Science-Strategie von swissuniversities integriert werden. Unklar ist aber, wie die Herausforderung der Finanzierung von Diamond Open Access am besten gelöst werden kann. Neben konsortialen Modellen (eine gemeinschaftliche Finanzierung durch mehrere wissenschaftliche Bibliotheken) kommt auch der Aufbau eines nationalen Kapazitätszentrums als Modell in Betracht. Wirtschaftlich ist zu klären, wie sich die Kosten für Diamond Open Access zukünftig entwickeln. Im Zuge der generellen Entwicklung hin zu Open Science lohnt es möglicherweise trotz enger Budgets in Modelle zu investieren, die langfristig ein nachhaltiges Publizieren ermöglichen.

Ein solches Modell zu entwickeln war Ziel des BMBF-Projektes KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), das zwischen 2021 und 2023 gemeinsam von der TIB Hannover und dem KIM der Universität Konstanz durchgeführt wurde. Die Erfahrungen aus dem KOALA-Modell aus Sicht der Konsortialverwaltung stellte Alexander Pöche vor.

KOALA ist es gelungen, insgesamt drei Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Buchreihen zu organisieren. Dabei zeigte sich deutliches Interesse an KOALA sowohl seitens der Zeitschriften als auch der wissenschaftlichen Bibliotheken. Grundsätzlich gibt es eine große Bereitschaft, konsortiale Modelle zu unterstützen. Musterverträge und Gebührenmodell, die im Rahmen von KOALA entwickelt und angewendet wurden, werden seitens der Community akzeptiert.

Gleichzeitig offenbarte KOALA eine Reihe von Herausforderungen, die in Zukunft weiter bedacht werden müssen. So war zumindest in den bisherigen Finanzierungsrunden der organisatorische Aufwand relativ hoch und die Frage ist, wie dieser in Zukunft gesenkt werden könnte. Spielraum gibt es dabei in der Anpassung der Erwerbungsabläufe in den Bibliotheken, z.B. in der Form fester Workflows. Eine weitere Erleichterungsmöglichkeit wären eigene Budgets für Diamond Open Access in den Bibliotheken. Dies würde Erwerbungsentscheidungen im Bereich Diamond Open Access erleichtern. Drittens könnte möglicherweise auch in der Zusammenstellung der Pakete Potenzial zur Vereinfachung ausgeschöpft werden. Wichtig für die weitere Entwicklung und Pflege von Konsortien im Bereich Diamond Open Access ist darüber hinaus, weitere Einrichtungen für die Verwaltung von Konsortien zu gewinnen. Auch internationale Kooperationen können für die Zukunft Potential zur Weiterentwicklung von Diamond-Open-Access-Konsortien haben. Die weitere Verankerung und der Ausbau von Open-Access-Konsortien ist auch Thema des Folgeprojektes KOALA-AV, das Ende 2023 gestartet ist und bis 2025 an der TIB Hannover und der Universität Konstanz durchgeführt wird. Dabei steht auch die Internationalisierung von Konsortien auf der Agenda.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wer unter welcher Voraussetzung über eine Teilnahme an einem Open-Access-Konsortium entscheidet. Teilnehmer*innen verwiesen darauf, dass neben den Erwerbungsabteilungen auch Fachreferent*innen Adressat*innen sind. Entscheidend seien neben der fachlichen Relevanz der Publikationen auch der Umfang ihrer Nutzung sowie die in den Bibliotheken vorhandener Mittel. Die Nutzung sei allerdings schwierig nachzuweisen, da viele Zeitschriften aus Gründen der Datensparsamkeit Zugriffszahlen auf ihre Webseiten nicht auswerten. Ein Grund für eine Entscheidung gegen die Teilnahme an Open-Access-Konsortien sei oft, dass in der Einrichtung schlicht das Geld fehle und man sonst andere Produkte aus dem Portfolio streichen müsse, was schwer zu vermitteln sei. Bereits während der Etatplanung Mittel für die Finanzierung von Diamond Open Access zurückzustellen, könne dagegen ein Instrument sein, um die Finanzierung solcher Modelle zukünftig zu erleichtern.
Ausblick

Die Veranstaltungsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ wird  fortgesetzt. Ankündigungen zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier: https://open-access.network/fortbilden/workshops/informationsreihe-die-open-access-transformation-nachhaltig-gestalten-diamond-oa-als-alternative

Im Rahmen von open-access.network ist außerdem die Erstellung einer Handreichung zu neuen Formen der Open-Access-Finanzierung geplant. Dort wird auch die Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access dokumentiert werden.
Literatur

Becerill, A., Bjørnshauge, L., Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., Proudman, V., Redhead, C., Torny, D., &amp; Mounier, P. (2021) OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4562790

Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., &amp; Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4558704

Bruns, A., Cakir, Y., Kaya, S., Beidaghi, S., &amp; Taubert, N. C. (2022, August 31). Diamond Open Access Journals, Germany (DOAG) (Version 1.1.). Bibliometrics Working Group at the Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Bielefeld University.  https://doi.org/10.4119/unibi/2965484

Hahn, D., Hehn, J., Hopp, C., &amp; Pruschak, G. (2022, December). Mapping the Swiss landscape of diamond open access journals: The PLATO study on scholar-led publishing. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.7461728

Hahn, D. (2023). Diamond Open Access in der Schweiz. Zum Stand der Diskussion. Informationsveranstaltung PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialr Finanzierung in Deutschland und der Schweiz., open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10370101

Taubert, N. (2023). Diamond-Open-Access-Journale in Deutschland - zur Lage eines besonderen Zeitschriften-Segments. Informationsveranstaltung &quot;PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialer Finanzierung in Deutschland und der Schweiz&quot;, open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10371485

Taubert, N.; Sterzik, L.; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Landscape. Minerva. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7
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