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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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<item><title>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026</title><link>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</link><comments>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026#comments</comments><pubDate>Thu, 16 Apr 2026 15:06:46 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><dc:creator>Susanne Luger</dc:creator><dc:creator>Christopher Fabbro</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/einblicke-zum-call-for-proposals-der-open-access-tage-2026</guid><description>Einblicke zum Call for Proposals der Open-Access-Tage 2026


Vom 28.09. bis 30.09.2026 finden die diesjährigen Open-Access-Tage an der Johannes Kepler Universität Linz statt. Der Call for Proposals für Vorträge und Workshops läuft noch bis zum 26.04. und steht unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“. Die Ortskomitee-Mitglieder Susanne Luger und Christopher Fabbro geben einige Einblicke sowohl zum Motto als auch zum Veranstaltungsort.

Wandel im wissenschaftlichen Publikationswesen
Durch Digitalisierung, Open Access, Open Science und in den letzten Jahren den Einzug von Künstlicher Intelligenz befindet sich das wissenschaftliche Publikationswesen in einer Zeit immer schnelleren Wandels und des Umbruchs. Ausgetretene Pfade werden verlassen und neue Wege beschritten. Etablierte Standards und langjährig praktizierte Arbeitsweisen haben zum Teil ausgedient, geraten ins Wanken, werden hinterfragt und neu definiert. Dies ist überall zu spüren. Dabei müssen allerdings nicht nur die Vorteile und Chancen erkannt, sondern auch die möglichen Risiken und Konsequenzen in den Blick genommen werden. 

Verfolgt man die Mottos der Open-Access-Tage der letzten Jahre, ist es nun an der Zeit, den Schritt von den Visionen hin zu einer verantwortungsvollen Umsetzung zu gehen. Als bedeutender Treiberinnen der Open-Access-Bewegung nehmen insbesondere Bibliotheken und andere forschungsunterstützende Einrichtungen im Zusammenspiel mit allen Stakeholdern des Publikationssystems eine zentrale Rolle ein. Damit geht auch die Verantwortung einher, diesen Wandel mit Bedacht und praxisnah zu gestalten, damit Schlüsselbegriffe wie „Qualität“, „Integrität“, „gute wissenschaftliche Praxis“, „Teilhabe“ und „Nachhaltigkeit“ keine leeren Worte sind.


Herausforderungen im Zuge des Wandels
Aus dieser Problemlage heraus ist der Call for Proposals unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ entstanden. Hierbei nehmen wir insbesondere die folgenden Herausforderungen und Problemfelder in den Blick:

Mit den fortschreitenden technischen Möglichkeiten und Anforderungen aus der Wissenschaft entstehen zunehmend neuartige Publikationsformate wie Micro-Publikationen, Datenpublikationen oder digitale Editionen, die in der Open-Access-Bewegung bisher weniger Beachtung gefunden haben. Der umfassendere Open-Science-Gedanke beschränkt sich aber nicht nur auf den freien Zugang zu einem klassischen Artikel in einer Zeitschrift. Welche neuen Denkweisen, Standards und Infrastrukturen sind daher erforderlich, um die diversen Publikationskulturen und -formate bestmöglich in die Open-Access-Transformation zu integrieren und am wissenschaftlichen Diskurs teilhaben zu lassen?
In einer zunehmend offenen Publikationslandschaft müssen auch Qualitätssicherung, Transparenz und wissenschaftliche Standards geachtet, gelebt und gegebenenfalls neu gedacht werden. Vor dem Hintergrund, dass Open-Access-Publikationen im Rahmen der Verarbeitung durch KI-Systeme tausendfach als Basis für großangelegte, maschinelle Auswertungen und automatisierte Texterstellung herangezogen werden, stellt sich auch hier die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Ressourcen. Was bedeutet es in diesem Kontext, „Autor*in“ zu sein und welche Verantwortung kommt den Betreibern, Rechteinhabern, Autor*innen und Nutzer*innen zu? Welche rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen können und wollen wir als Open-Science-Community hierfür stecken?
Einige etablierte Systeme geraten durch unsichere Finanzierung, Wissenschaftsskepsis und politische Umbrüche immer mehr unter Druck, z. B. (Publikations-) Infrastrukturen wie die in den USA betriebene Datenbank PubMed. Ein stärker werdendes Konkurrenzdenken zwischen einigen Ländern schafft zudem eine Tendenz, den Grundgedanken eines offenen Zugangs zu Forschungsergebnissen zu hinterfragen.  Daher ist es wichtig, Verantwortung für nachhaltige Open-Access-Modelle und resiliente Infrastrukturen zu übernehmen und diese zu gestalten. Gibt es Systeme, die uns als Open-Access-Community unabhängiger von einzelnen Akteuren oder Ereignissen machen, und trotzdem einen weltweiten und freien Zugang zu gewährleisten? Welche Verantwortung kommt dabei auch Entscheidungsträger*innen und Hochschulleitungen zu, die die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen?

Wandel in Stadt und Universität
Die Open-Access-Tage 2026 laden dazu ein, diese Fragen und Herausforderungen zu diskutieren und den Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems gemeinsam zu reflektieren, kritisch zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Dabei sind die diesjährigen Open-Access-Tage nicht nur in Hinblick auf ihre jubiläumsträchtigen Zahlen – 20. Auflage der Konferenz (davon zum dritten Mal in Österreich) an einer Universität, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert – besonders, sondern auch, weil sie in der Stadt Linz stattfinden, die selbst ein Ort des Wandels ist.

Linz hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer grauen Industriestadt zu einem bunten, international beachteten Ort für Kunst, Kultur Technologie und Gesellschaft entwickelt, in dem digitale Innovation auf gesellschaftliche Reflexion trifft. Auch wenn die Stahlwerke der Voestalpine weiterhin größter Arbeitgeber der Stadt sind, so bietet Linz mit zahlreichen Museen, dem Mural Harbor, dem Ars Electronica Festival oder der Klangwolke eine bunte Kunst- und Kulturszene sowie grüne Oasen entlang der Donau. 2009 war Linz europäische Kulturhauptstadt und ist mittlerweile von der UNESCO als „City of Media Arts“ ausgezeichnet worden.

Auch die Johannes Kepler Universität hat sich in ihren 60 Jahren sehr gewandelt. Als Hochschule für Wirtschaftswissenschaften gegründet, ist sie heute die drittgrößte Arbeitgeberin in Linz und die größte Bildungseinrichtung Oberösterreichs. Sie bietet an ihrem Campus am Rande der Stadt einen Ort für Forschung und Lehre in einem breiten Spektrum an Fächern, von Rechtswissenschaften bis Humanmedizin, von Soziologie bis Artificial Intelligence. An einer der ersten Campusuniversitäten in Österreich, die sich bewusst als zusammenhängender Forschungsraum positioniert, begegnen sich die Wissenschaften nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Diese Interdisziplinarität spiegelt sich auch im Selbstverständnis der Universität wider, die auf gesellschaftliche Relevanz und Transfer setzt – Aspekte, die auch für Open Access relevant sind.

Das Orts- und Programmkomitee freuen sich darauf, die Teilnehmenden der Open-Access-Tage 2026 unter dem Motto „Wandel mit Verantwortung gestalten“ in Linz an der Johannes Kepler Universität begrüßen zu dürfen – in einer Stadt und an einer Universität, die selbst Teil dieser Transformation sind.</description><enclosure
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity</title><link>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</link><comments>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity#comments</comments><pubDate>Wed, 02 Apr 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Repositorium</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Karin Langenkamp</dc:creator><dc:creator>Kai Lohsträter</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Robina Mohammad</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Christian Woll</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</guid><description>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity
Fachrepositorien sind ein fester Bestandteil der Open-Access-Infrastruktur. Vor welchen Herausforderungen stehen sie aktuell? Dies erörterten Fachrepositorienbetreiber*innen auf den letzten Open-Access-Tagen in einem Workshop. Impulse kamen aus dem Projekt Pro OAR DE und der Allianz-Studie “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”

Der Workshop „Fachliche Repositorien zwischen technisch-organisatorischer Professionalisierung und Vernetzung mit ihren Forschungscommunities“ wurde auf Initiative von Teilnehmenden der digitalen Fokusgruppe „Fachrepositorien“, die sich im Mai 2022 konstituierte, konzipiert. Bei den etwa alle zwei Monate stattfindenden virtuellen Treffen kommen Betreiber*innen von Fachrepositorien zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Vorhaben zu planen. Bei einem dieser Treffen entstand nach dem Call for Paper zu den Open Access Tagen 2024 die Idee, einen Workshop einzureichen. Dieser sollte auf der Grundlage von Erkenntnissen aus neueren Studien wie dem COAR Repository Survey (Shearer et al., 2023) und der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024) einen Gesprächs- und Diskussionsraum für den Austausch zu Best Practices für die Weiterentwicklung von fachlichen (und institutionellen) Repositorien schaffen. Zu diesem Zweck sollten mehrere thematische Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Themenpalette reichte von der „Vernetzung mit der disziplinären Forschungscommunity“ über „Hosting und Software“ sowie „Governancefragen“ bis hin zu „Metadaten und Workflows“. Die Auswahl der Themen für die Arbeit in verteilten Arbeitsgruppen erfolgte zu Beginn des Workshops durch die insgesamt 16 Teilnehmenden selbst. Per Mentimeter-Abstimmung wurden die drei beliebtesten Themen ermittelt und im Anschluss daran Kleinarbeitsgruppen gebildet, die jeweils von zwei Moderator*innen begleitet wurden. Methodisch-didaktisch wurden Pinnwände und Moderationskarten genutzt, die thematisch geclustert und per Fotodokumentation gesichert wurden. Die wichtigsten Ergebnisse aus den drei Arbeitsgruppen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Zu Beginn werden zentrale Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „PRO OAR DE inkl. COAR Repository Survey“ (Marcel Wrzesinski) und der „Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen“ (Olaf Siegert) dargestellt.
Fachliche Open-Access-Repositorien. Impuls aus dem Projekt‚ Pro OAR DE
Marcel Wrzesinski stellte zu Beginn seines Vortrags das Projekt „Professionalisierung der Open-Access-Repositorien-Infrastruktur in Deutschland (Pro OAR DE)“ am Lehrstuhl Information Management des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU Berlin vor. Das Projekt hat den Anspruch, Repositorien kollaborativ zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen einer Interview-Studie und einer Systematic Scoping Review werden zentrale Herausforderungen für Repositorien in Deutschland identifiziert. In den anschließenden Vernetzungsforen und durch praxisnahe Handreichungen soll den Herausforderungen begegnet werden. Die ersten Projektergebnisse hierzu werden derzeit veröffentlicht.
Um die gegenwärtigen Herausforderungen und Weiterentwicklungschancen für Repositorien zu verstehen, ist die Studie „     Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe“ (     Shearer et al., 2023) von großer Bedeutung. Im Vortrag wurde auf die Rahmenbedingungen der Studie eingegangen. Als zentrale Herausforderungen wurden benannt:
●	Nachhaltiges Betreiben einer aktuellen, bedarfsgerechten und funktionalen Softwareplattform für Repositorien
●	Anwendung von konsistenten und umfassenden „Good Practice“ für Metadaten, Archivierung und Nutzungsstatistiken
●	Sichtbarkeit für Repositorien und deren Services innerhalb des wissenschaftlichen Ökosystems
An diesen Herausforderungen zeigt sich, dass die weitere Professionalisierung und Entwicklung von Repositorien eine komplexe Gemengelage darstellen. Daran anschließend benannte Marcel Wrzesinski drei zentrale Aktionsfelder, um die Transformation von Repositorien hin zu innovativen Informationsinfrastrukturen mit breitem Aufgabenspektrum zu begleiten:
●	Kommunikation: Mehrwerte und Relevanz von Repositorien transdisziplinär hervorheben
●	Aufbauarbeit: Identifikation und Verbreitung von Better Practices für die Repositorienarbeit
●	Vernetzung: Aufbau und Weiterentwicklung von Netzwerken zum Austausch und zur Qualitätssteigerung
Die Allianz-Studie „Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”
 
Der Vortrag von Olaf Siegert beschäftigte sich mit der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024), die im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil der Open-Access-Strategie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und unternimmt erstmals eine Kartierung von Open-Access-Diensten und -infrastrukturen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Deutschland. Wichtiger Teil der untersuchten Dienste waren dabei auch fachliche Repositorien. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
●	Die OA-Infrastrukturlandschaft ist sehr vielfältig und dezentral.
●	Die meisten Dienste werden nur mit wenigen Personen betreut und haben ein Gesamtbudget pro Jahr von deutlich unter 500.000 Euro.
●	Die Betreuung und Finanzierung der Dienste erfolgt meist komplett über die Hosting-Einrichtung.
●	Das Nutzungsverhalten ist je nach Fach sehr unterschiedlich, nationale nicht-kommerzielle Dienste gibt es v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
●	Forschende haben oftmals zu wenig Überblick über die für sie relevanten Services bzw. bevorzugen reputationsfördernden Infrastrukturen.
●	Die Budgets der Infrastrukturen reichen in der Regel nur für den Basisbetrieb, nicht aber für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
 
Die Allianz empfiehlt vor diesem Hintergrund:
●	Infrastrukturen müssen hochprofessionell betrieben und genutzt werden können. Die nötige Finanzierung sollte nicht nur den Basisbetrieb aufrechterhalten, sondern auch Investitionen ermöglichen.
●	Dazu ist eine dauerhafte Finanzierung abseits der Hosting-Einrichtung notwendig – etwa in Form von Ko-Finanzierungs- oder Mitgliedschaftsmodellen (vgl. arXiv oder SCOSS). Die aktuelle Entwicklung von Bibliotheken hin zu Informationsbudgets erleichtert ihnen die Unterstützung solcher Ko-Finanzierungsmodelle.
●	Die Infrastrukturen müssen ihre Marketinganstrengungen deutlich ausbauen und sich stärker mit den Forschenden vernetzen. Dazu bedarf es disziplinspezifischer Ansätze.
●	Flankierend ist in vielen Fächern eine Änderung der Bewertungspraxis von Publikationen notwendig (vgl. DORA / CoARA).

Berichte der Arbeitsergebnisse aus dem Workshop

In der Arbeitsgruppe „Metadaten und Nutzer*innenzentrierte Workflows“ kristallisierten sich die Themenkomplexe Plattform und Persistent Identifier (PID) als wesentliche Diskussionspunkte heraus. Andere workflow-relevante Themenbereiche wie Erschließung, Automatisierung oder Dublettenkontrolle wurden zwar behandelt, spielten aber gegenüber den anderen eine untergeordnete Rolle. Bei den Plattformen wurden insbesondere veraltete Software sowie die Gestaltung der Interoperabilität als Herausforderung wahrgenommen. Als intensivster Diskussionspunkt erwiesen sich die PIDs, die v.a. im Kontext der Vernetzung und Semantisierung genutzt werden. Allen voran nahm ORCID eine zentrale Position ein, zugleich wurde aber dessen teilweise zu geringe Verbreitung als Problem identifiziert.

In der Arbeitsgruppe zu „Hosting-, Software- und Technikfragen“ bestätigte sich ein Kernergebnis der Allianz-Studie, nämlich die Heterogenität der Open-Access-Infrastrukturlandschaft, auf der u. a. auch die Fachrepositorien in Deutschland basieren. Neben DSpace als der wahrscheinlich verbreitetsten Software mit internationaler Entwickler- und Anwendercommunity sowie kommerziellen Support-Anbietern berichteten die Teilnehmenden vom Betrieb von Fedora Repository sowie den deutschen Entwicklungen OPUS, MyCore und Kitodo.Publication bzw. Kitodo.Presentation (mittels TYPO3). Unterstrichen wurde das Bild der Vielfältigkeit in den Berichten dadurch, dass die Systeme teilweise stark an die individuellen Bedarfe angepasst wurden/werden und für unterschiedliche Anwendungszwecke genutzt werden, also neben dem Betrieb von Fachrepositorien z. B. auch für institutionelle oder Sammlungsrepositorien (Multi-Mandantenbetrieb).
Im Gespräch stellte sich gleichwohl bei allen infrastrukturellen Divergenzen heraus, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Systeme arbeiten. Als zentrale Aspekte kamen hierbei zum einen die Interoperabilität zum besseren Daten-Im- und -export (Schnittstellen, PIDs, Open Source), zum anderen die Standardisierung zur einfacheren Umsetzung von Neuerungen bzw. zur Reduzierung des technischen Pflegeaufwandes zur Sprache.
Hintergründe dessen sind Ähnlichkeiten auch bei den Herausforderungen. Neben den kürzer werdenden Support-Zeiträumen (z. B. PHP, TYPO3) und Schwierigkeiten bei Updates durch System-Individualisierungen (‚verwilderter‘ Code) gibt es allenthalben strukturell-organisatorische Problemstellen: komplizierte Rekrutierung von Fachpersonal, generell geringe Personalressourcen, Unter- und/oder zeitlich befristete Finanzierung. Das erschwert die übergreifend als dringend angesehene Neuausrichtung der Infrastruktur – die Weiterentwicklung im Sinne der Next Generation Repositories-Initiative von COAR und mit Blick auf die rasante Entfaltung der KI-Technologien.

Die „Vernetzung mit der Fachcommunity“ des jeweiligen Fachrepositoriums stellt sich unterschiedlich dar – es bestehen langjährige, meist etablierte Fachrepositorien sowie neu gegründete, die sich in der Community, aber auch an ihrer Hosting-Institution, ihre Position und ihr Renommee erst erarbeiten müssen. Durch die karrierebedingten Wechsel an den Wissenschaftseinrichtungen empfinden einige Betreiber*innen die Kommunikation der Dienstleistungen und Workflows als Marathon bzw. Sisyphusarbeit. Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe lag daher nicht auf der Beschreibung des IST-Zustandes, sondern auf dem SOLL und den Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Es wurde diskutiert, welche Beratungsleistungen erbracht und welche Open-Access-Infrastrukturen den Communities bekannt sein sollten. Dabei sollte beachtet werden, welche Kommunikationskanäle zu welchem Zweck genutzt werden könnten: fach-, einrichtungs- oder personenfokussierte Kanäle? Ein Fazit: Bei der personenfokussierten Kommunikation muss beachtet werden, auf welcher Karrierestufe die Forschenden stehen und welche (Un-)Kenntnisse diese über Open Access besitzen. Als wichtigste Voraussetzungen wurden gesehen, die Kommunikation in die Gesamtdiskussion um die Digitalisierung der Forschung einzubetten sowie sich bei der Community für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.

Fazit zum Workshop 
Das Workshop-Team der Fokusgruppe Fachrepositorien zieht ein sehr positives Fazit. Der fachliche Austausch in den drei Arbeitsgruppen war sehr lebendig und fruchtbar. Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtung, Größe und institutionellen Anbindung der Repositorien konnten viele Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Zudem bestätigten sich die in der Allianz-Studie festgestellten Ergebnisse auch als die zentralen Herausforderungen, die in den Kleingruppen thematisiert wurden. 
Darüber hinaus konnten im Workshop sicherlich einige neue Kontakte geknüpft werden, die idealerweise dabei helfen, die anstehenden kleineren und größeren Herausforderungen der Zukunft durch einen noch stärkeren Austausch, gegenseitige Unterstützung und vielleicht sogar gemeinsame Projekte besser bewältigen zu können.

Literatur
●	Shearer, K., Nakano Koga, S. M., Rodrigues, E., Manola, N., Pronk, M., &amp; Proudman, V. (2023). Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10255559
●	Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2024). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
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<item><title>Acting together for sustainable scholar-led publishing. Erste Schweizer Diamond-Open-Access-Konferenz legt Fokus auf Nachhaltigkeit</title><link>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</link><comments>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit#comments</comments><pubDate>Fri, 12 Apr 2024 11:21:00 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</guid><description>Mit Gipfeli und Schüemli begrüßten die Organisator*innen der ersten Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern ihre Teilnehmenden. Unter dem appellierenden Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” hat das Projekt PLATO am 8. März 2024 Fachpublikum und Expert*innen nach Bern in das Kulturzentrum PROGR eingeladen. Dr. Daniela Hahn (PLATO, Universität Zürich) eröffnete die Veranstaltung und freute sich über die zahlreichen Teilnehmenden. Sie lobte den Erfolg der sieben Schweizer PLATO-Universitäten in Hinblick darauf, dass sie es gemeinsam geschafft haben, Diamond Open Access bekannter und sichtbarer zu machen und somit die Relevanz in der akademischen Gemeinschaft zu verdeutlichen. Laut Hahn komme es nun darauf an, das Problem der Nachhaltigkeit im Bereich der Diamond-Open-Access-Finanzierung und deren grundlegenden Infrastrukturen anzugehen.
Status quo: Viel Open Access, aber kaum Diamond Open Access

Daniela Hahn gab damit das Wort an ihre PLATO-Projektkolleg*innen Dr. Andrea Malits und Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler, beide von der Universität Zürich. Auf Grundlage der Untersuchung “Mapping the Swiss Landscape of Diamond Open Access Journals” (2023) berichteten sie, dass viele Diamond Open Access Journals mit besonders niedrigen Budgets auskommen müssten und es ein größeres Angebot an professionellen Beratungsservices für solche Journals geben müsste. Eine Folge davon sei, dass viele Diamond Open Access Journals auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen seien, die wiederum oft eine unsichere Basis für deren Nachhaltigkeit darstelle. Zur Visualisierung des Status Quo der Publikationslandschaft verwiesen sie auf den National Journal Monitor, der zeigt, dass nur 3,6% der Zeitschriftenartikel, die in den letzten fünf Jahren in der Schweiz veröffentlicht wurden, im Diamond Open Access erschienen sind. Insgesamt sind aber immerhin rund 68,5% der Artikel offen zugänglich und nur 31,5% im Closed Access erschienen .
This graph shows the Open / Closed ratio of the collected journal articles published in Switzerland over the last five years (2020-2024).
Quelle: Journal Monitor (OAM-CH), aufgerufen am 21.03.2024.

Dieses Ergebnis steht bedauerlicherweise im Widerspruch zur 2017 ins Leben gerufenen Swiss National Open Access Strategie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dass “bis 2024 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit in der Schweiz Open Access sein soll und alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein müssen.” Ein Grund für die Schwierigkeit der Umsetzung der Strategie sei das dezentralisierte schweizerische Hochschulsystem, das sich durch föderale und kantonale Regelungen auszeichnet. Zukünftige Beschlüsse und Fortschritte im Bereich Diamond Open Access seien daher nur durch übergeordnete nationale und internationale Initiativen und Community-Arbeit möglich, wobei Malits und Mumenthaler einen Fokus auf Schweizer Gelehrten-Gesellschaften legen wollen.
Keine Nachhaltigkeit durch mangelhafte Finanzierung

Nach einer kurzen Pause stellte Vanessa Proudman (DIAMAS/Direktorin von SPARC Europe/SCOSS Executive Groupo Chair) in der ersten von drei Keynotes einige Erkenntnisse ihrer Projektarbeit bei DIAMAS mit dem Titel &quot;Sustainable Diamond Open Access. What we know so far” vor. Dafür erläuterte sie zunächst den Begriff der Nachhaltigkeit, der im Fokus der Konferenz stand. Sie wies darauf hin, dass neben der langfristigen finanziellen Sicherheit auch z. B. Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten in der Definition von Sustainability enthalten und mitgedacht werden sollten. Die Ergebnisse der letzten DIAMAS-Studie haben ebenfalls ergeben, dass die meisten Diamond Open Access Journals mit sehr geringer Finanzierung auskommen müssen und auf Ehrenamtliche angewiesen sind. Universitätsverlage haben laut Proudman häufig das Problem, dass sie viel Zeit für Fundraising aufbringen müssen. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum bestätigte diese Erkenntnis. Sie erklärte, dass sie Hilfe beim Fundraising benötige, da sie selbst keine Zeit dazu habe. Die Voraussetzungen, um finanziert zu werden, seien je nach Einrichtung unterschiedlich, was die Antragstellung uneinheitlich und damit noch komplizierter und aufwendiger mache. Vanessa Proudman bedankte sich für den Publikumsbeitrag und schlug vor, ihn als Fallbeispiel mit in die weitere Arbeit bei DIAMAS zu nehmen. Sie erklärte zudem, dass es generell mehr permanente öffentliche finanzielle Förderung für Diamond Open Access geben müsse, um einen gewissen Grad der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Dabei sei jedoch eine Hürde, dass solche Finanzierungen, wenn sie denn existieren, meist nur national möglich sind und der eigentlichen Diamond-Open-Access-Idee einer Internationalisierung widersprechen. Und genau dieser Frage der internationalen Finanzierung gehe DIAMAS ab sofort nach. Der dafür grundlegende Report “Into the financial sustainability of IPSPs” werde Anfang April 2024 veröffentlicht. Ergänzend dazu werde es laut Proudman bald ein Financial Sustainability Self-Assessment Tool für IPSPs geben, um die eigene Nachhaltigkeit überprüfen zu können.
Eine globale Diamond-Vernetzung

Die von Vanessa Proudman angesprochene Problematik der notwendigen internationalen Zusammenarbeit im Bereich Diamond Open Access griff daraufhin Pierre Mounier (OPERAS, École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in der zweiten Keynote mit dem Titel “Towards a European Capacity Hub and a Global Federation for Diamond Open Access” auf. Er erklärte, dass OPERAS in Zusammenarbeit mit DIAMAS eine Struktur für einen internationalen Diamond-Open-Access-Knotenpunkt entworfen habe: Dabei bilden “Communities” die kleinsten Einheiten. Als Communities definiert Mounier Journals, die als &quot;scholarly community” agieren. Einen nächsten Bestandteil der Struktur bilden “Capacity Centres”, die Journals mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, also z.B. mit entsprechender Beratung zu Tools, Services oder Trainingsangeboten unterstützen. Diese Capacity Centres sollen wiederum von “Capacity Hubs” auf kontinentaler Ebene koordiniert werden. Die Capacity Hubs haben die Aufgabe, gemeinsame Ressourcen der Capacity Centres zu entwickeln, den Wissensaustausch unter den Centres zu organisieren und nach Synergien zu suchen. Auf dieser strukturellen Basis baue die “Global Federation” auf, die sich weltweit für den Fortschritt der Diamond-Open-Access-Transformation einsetzt, bei der Anpassung der entsprechenden Open-Access-Strategien unterstützt und einen globalen Diamond Open Access Summit organisiert. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum freute sich über das Verbundvorhaben, da sie die Einrichtung, in der sie arbeitet, anhand der Definitionen von Mounier als Capacity Centre einordnen könne und die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit in Form eines Hubs für ihre Arbeit als sehr hoch einschätze.

Die dritte Keynote hielt Dirk Verdicchio von der Universität Bern, der unter dem Titel “Building a Diamond Open Access Environment” seine Forschungsergebnisse zu Entstehungsprozessen von Diamond Open Access Journals berichtete. Bemerkenswert sei vor allem, dass es bei Redaktionen, die mit dem Berner Universitätsverlag zusammenarbeiten möchten, stark um das Vertrauen und sehr wenig um die technischen Grundlagen bzw. Voraussetzungen gehe.
Für eine nachhaltige Open-Access-Zukunft

Nach den drei Keynotes gab es eine Mittagspause, auf die am Nachmittag zwei Roundtables folgten. Als erstes diskutierten Valérie Andres (FHNW Bibliothek/Co-President AKOA), Jeanette Frey (Bibliothèque Cantonale et UniversitaireLausanne/Consortium of Swiss Academic Libraries), Beat Immenhauser (Swiss Academies of Arts and Sciences), Tobias Philipp (Swiss National Science Foundation) und Christian Schwarzenegger (swissuniversities) über die unterschiedlichen Initiativen für eine nachhaltige Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation. In der Diskussion wurde deutlich, dass es zunächst relevant sei, den festgefahrenen Kreislauf der finanziell begründeten Entscheidungen zu durchbrechen. Denn wenn Universitäten darauf angewiesen seien, renommierte Forscher*innen für ihre Einrichtung anzuwerben und die Voraussetzung für Renommée das Publizieren in großen, kommerziellen Journals bleibe, würden Universitäten gezwungen bleiben, ihre finanziellen Ressourcen weiterhin in diese großen Verlage fließen zu lassen. Die Folge wäre, dass kaum oder kein Budget für Open Access Journals übrig bleibe. Eine Publikationszukunft, die ohne Journals auskommt, konnte sich der Roundtable nicht vorstellen, da es einer Review-Struktur bedarf, die bisher nur im Journal-Format gegeben sei. Ohne die Qualität, die diese Review-Struktur bietet, würde zudem das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gehen. Ein Gegenbeispiel war jedoch Wikipedia, wo die Zeit als Peer-Reviewer diene, weil Wikipedia-Artikel über die Zeit in der Community immer weiter verbessert und aktualisiert würden. In der Schlussrunde wurden die Expert*innen jeweils um ein abschließendes Statement gebeten: Valérie Andres betonte die Komplexität der Disziplinen und der Stakeholder, die wiederum unterschiedliche Bedarfe an Initiativen wissenschaftlicher Kommunikation mitbringen. Beat Immenhauser erklärte, dass er vor allem die Debatte über Qualität im Open-Access-Bereich für verbesserungswürdig halte. Die Annahme, dass Diamond-Open-Access-Artikel eher dazu neigen, Qualitätsmängel aufzuweisen, sei schlichtweg falsch. Die wiederkehrende Fokussierung und Thematisierung des vermeintlichen Qualitätsmangels könnte die Fehlannahme sogar bestärken, statt aufzuklären. Jeanette Frey schloss ihren Beitrag zum Roundtable mit einer Forderung nach einer zuverlässigen Finanzierung, die z.B. durch Konsortien gewährleistet werden könnte. Um zuverlässig zu sein, müsse Finanzierung jedoch projektunabhängig gegeben sein. Christian Schwarzenegger wies darauf hin, dass es in anderen wissenschaftlichen Bereichen auch immer wieder schwierig sei, eine Finanzierung zu erhalten und dass man mit einer gewissen Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft leben müsse. Er wünsche sich zudem ein zentrales Eingangsportal für alle Schweizer Publikationen.
Aus den Fehlern und Erfahrungen lernen

Am zweiten Roundtable diskutierten Margit Dellatorre (Universitätsbibliothek Zürich/HOPE), Manuel Battegay (Präsident des Trägervereins Swiss Medical Weekly), Elio Pellin (Universitätsbibliothek Bern/CRAFT OA) und Klaus Rummler (PH Zürich/MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) zum Thema “Diamond Open Access Practices: Quality, Efficiency and Sustainability”. Dabei waren sich alle einig, dass je nach Disziplin unterschiedliche Merkmale wichtig seien, damit ein Journal gut funktionieren könne. Im Bereich Medizin sei ein besonders wichtiges Qualitätsmerkmal die Schnelligkeit, mit der ein Journal seine Artikel publiziert. An diesem Roundtable wurde auch darauf hingewiesen, dass viele Argumente, mit denen sich die Diamond Open Access Community konfrontiert sieht, dieselben seien, die gegen Closed Access oder Gold Open Access Journals existieren: dass sie zu teuer seien, dass ihre Qualität angezweifelt werde und die Zweifel an ihrer Nachhaltigkeit. In der Schlussrunde durften die Expert*innen ihre Wünsche für die Open-Access-Zukunft äußern.

Herausgegriffen sei hier der Kommentar von Elio Pellin, der sich wünschte, dass man nicht wieder dieselben Fehler mache, die man im Bereich Open Access bereits gemacht habe: Die großen Verlage dürften nicht wieder und wieder die finanziellen Ressourcen für Publikationen abgreifen. Stattdessen müsse man die Gelder in gemeinsame europäische Projekte investieren. Mit diesem Blick in die Zukunft endete die erste Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern.
Die Utopie als Motivation

Das Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” fasst die Vorhaben der Projektreferent*innen perfekt zusammen. Nachhaltigkeit im Bereich Diamond-Open-Access ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ein Dreh- und Angelpunkt, der das Vertrauen in und somit die Etablierung von Diamond-Open-Acess-Publikationen beeinflusst. Die gemeinschaftliche Finanzierung nicht-kommerzieller Publikationsorte widerspricht dabei den eingefahrenen Marktlogiken wissenschaftlichen Publizierens, die auf großen Wissenschaftsverlagen und dem damit einhergehenden bibliometrischen Renommee basieren. Die Idee einer globalen Vernetzung, die die Projekte OPERAS, DIAMAS und CraftOA gemeinsam umsetzen wollen, klingt in Hinblick dessen besonders vielversprechend, gleichzeitig aber auch noch etwas utopisch. Das 2017 ins Leben gerufene Ziel der Swiss National Open Access Strategie, bis 2024 100% der Publikationen frei zugänglich zu publizieren, war ambitioniert. Aber: Obwohl dieses Ziel nicht komplett erreicht wurde, sind die Schweizer*innen ihm zumindest näher gekommen. Eine globale Diamond-Open-Access-Zusammenarbeit voranzutreiben, bedarf ebenfalls großer Ambitionen. Die konkreten Pläne und die motivierte Open Access Community in Bern scheinen dafür aber gute Voraussetzungen zu bieten.
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<item><title>Open-Access-Tage 2023: Videoaufzeichnungen, Folien und Nachlese</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese#comments</comments><pubDate>Mon, 05 Feb 2024 09:08:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Georg Fischer</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-tage-2023-videoaufzeichnungen-folien-und-nachlese</guid><description>Ende September 2023 fanden die Open-Access-Tage (#OAT23) in Berlin statt. Damit wurde auch der 20-jährige Geburtstag der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen in der deutschen Hauptstadt gebührend gefeiert und gewürdigt. Wer die OAT23 Revue passieren lassen oder noch den einen oder anderen Vortrag nachträglich schauen möchte, hat dafür nun mehr als 30 Videos zur Auswahl.

Open Access hat sich seit der Berliner Erklärung als Standard und wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens etabliert. Die Open-Access-Tage, die jährlich stattfindende Konferenz für Open Access und Open Research im deutschsprachigen Raum, nahm sich das Jubiläum zum Anlass, um den zurückliegenden Weg gemeinsam zu reflektieren und unter dem Motto Visionen gestalten in die Zukunft zu blicken.

Das angenehme spätsommerliche Wetter meinte es gut mit den über 450 Teilnehmenden. Sie kamen für zahlreiche Vorträge und Workshops, drei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, eine Postersession und in anderen lockeren Formaten, etwa bei Abendveranstaltungen oder einem leckeren Eis zusammen.
Zum Nachschauen: 32 Vorträge der #OAT23 als frei lizenzierte Videos online

Bei einer so großen Konferenz wie den Open-Access-Tagen ist es ein Leichtes, Vorträge zu verpassen. Nun sind insgesamt 32 Vorträge und eine Podiumsdiskussion als Aufzeichnungen im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek auffindbar. Sie enthalten Untertitelungen in deutscher und englischer Sprache sowie die Vortragsfolien. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema DEAL sind auch Publikumsfragen in den Aufzeichnungen enthalten.

Die Vorträge sind unter dem DOI https://doi.org/10.5446/s_1673 im TIB-AV-Portal abrufbar und können von dort aus auch heruntergeladen werden. Alle Videos stehen unter der freien Lizenz CC BY 3.0 für diverse Formen der Nachnutzung bereit.
Vortragsfolien, Poster und weitere Nachlese zu den #OAT23

Neben den Vorträgen selbst sind die Präsentationsfolien von allen 32 Vorträgen sowie die 18 gezeigten Poster bei Zenodo verfügbar. Die Dateien sind in dieser Zenodo-Gruppe gespeichert und können dank der offenen Lizenz problemlos nachgenutzt werden.

Zudem sind einige Konferenz-Nachberichte erschienen. Darunter ein Nachbericht in der Uni-Zeitung der FU campus.leben, ein Jubiläumsbericht zur Berliner Erklärung beim Berliner Tagesspiegel oder eine Reflexion bei der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg.

Die #OAT23 waren eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Universitäten, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Berliner Hochschulen – insgesamt 14 Einrichtungen. Sie fanden vom 27. bis 29. September 2023 an der Freien Universität Berlin statt. Die Koordination übernahm das Open-Access-Büro Berlin.

Die nächsten Open-Access-Tage (#OAT24) finden vom 10. bis 12. September 2024 in Köln statt. Ein kurzer Teaser dazu findet sich hier.
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