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        <description>Beiträge nach Tag: Diamond Open Access</description>
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<item><title>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Wenxin Shangguan</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/kollektiv-und-wissenschaftsgeleitet-neue-angebote-fuer-diamond-open-access</guid><description>Kollektiv und wissenschaftsgeleitet: Neue Angebote für Diamond Open Access
Ein Bericht über zwei Veranstaltungen von open-access.network am 10. und 11. Juni 2026
Karin Stork, Martina Benz, Wenxin Shangguan
Wie bereits in der vorangegangenen Förderphase, bleibt die Umsetzung von Diamond Open Access (DOA) ein wichtiger Themenschwerpunkt für open-access.network. Mitte Juni fanden zwei Veranstaltungen zur Frage der Organisierung und Finanzierung von DOA statt. Sie zeigen, dass das Community-basierter Diamond Open Access inzwischen von unterschiedlichen Initiativen in verschiedenen fachlichen Kontexten ermöglicht wird – eine dynamische Entwicklung, die Hoffnung auf eine nachhaltige und wissenschaftsgeleitete Open-Access-Transformation weckt.
Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 10. Juni statt. Dort stellten sich mehrere konsortiale Finanzierungsangebote sowie der Diamond Funding Navigator vor. Im Anschluss daran gab es an virtuellen Messeständen die Möglichkeit, mit den Vertreter*innen der Initiativen ins Gespräch zu kommen. Am 11. Juni stellten im Rahmen der oa.talks das Open Journals Collective, das Open Book Collective und Thoth ihre Angebote vor. 
Vielfältige Angebote konsortialer Finanzierung
Zu Beginn der ersten Veranstaltung am 10. Juni ging Juliane Finger, Open-Access-Beauftragte der ZBW und dort mit für das Projekt SeDOA verantwortlich, in einem Einführungsvortrag auf die Ergebnisse der SeDOA-Bedarfserhebung und die Relevanz des Themas Finanzierung ein. Während aktuell verschiedene Modelle zur Finanzierung von DOA diskutiert werden (vgl. Mittermaier 2026, Tautz et al. 2025), kämpfen viele Journals, die zu einem DOA-Modell wechseln wollen, mit knappen Ressourcen. Die Lösung der Finanzierungsfrage ist deshalb eine zentrale Komponente für das Ermöglichen eines Flippings zu Diamond Open Access. Konsortiale Finanzierungsmodelle setzen dort an, indem sie eine Möglichkeit bieten, Zeitschriften durch die Organisation von Finanzierungskonsortien, meist getragen von wissenschaftlichen Bibliotheken, zu unterstützen. Vier solcher Initiativen wurden im Anschluss an den einführenden Vortrag vorgestellt.
Neben OLEcon und KOALA TIB waren dies mit edu_constort_oa und dem FID Media zwei von Fachinformationsdiensten (FID) getragene Angebote. OLEcon, angesiedelt am Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, ZBW, und über ein BMFTR-Projekt finanziert, ermöglicht Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften eine konsortiale Finanzierung. KOALA TIB organisiert Finanzierungskonsortien für wissenschaftliche Journals aus den technischen Fächern und führt damit für diese Disziplinen den Dienst fort, der in den Projekten KOALA und KOALA-AV entwickelt und erweitert wurde. Damit entstanden auf dem KOALA -Modell basierende konsortiale Finanzierungsinitiativen, wie die des FID Media, der seinen Fokus auf medienwissenschaftliche Zeitschriften setzt. 
Das Projekt edu_consort_oa, angesiedelt am FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, organisiert entsprechend Finanzierungen für die Bildungs- und Erziehungswissenschaft und hat damit bereits erfolgreich OA-Bücher und Zeitschriften auf ein DOA-Modell umstellen können. 
Einen Überblick über diese und weitere Initiativen bietet der an der Technischen Informationsbibliothek (TIB) entwickelte Diamond Funding Navigator (DFN). Der DFN ermöglicht die Suche nach Möglichkeiten kollektiver Finanzierung und erlaubt Bibliotheken die Recherche von Publikationen der eigenen Einrichtung in den Zeitschriften, für die die Konsortialinitiative Unterstützung sammelt. Damit bietet der DFN eine wichtige Infrastruktur zur Verknüpfung von Initiativen und zur Verbreitung von Informationen über Diamond Open Access. 
Nach Abschluss der Projektvorstellungen hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, in den einzelnen Breakouträumen Nachfragen zu den Initiativen und Angeboten zu stellen. 
Die große Zahl an Veranstaltungsteilnehmer*innen bewies einmal mehr das große Interesse am Thema Diamond Open Access und an den vielfältigen konkreten Möglichkeiten, Zeitschriften bei der Umstellung auf DOA finanziell zu unterstützen. 
Britische Community-Initiativen für nachhaltiges DOA
Der Open-Access-Talk (oa.talk) am 11. Juni ging noch einen Schritt weiter und befasste sich mit dem Engagement und der Zusammenarbeit von drei wissenschaftsgeleiteten Initiativen aus Großbritannien, die auf globaler Ebene aktiv sind. Die Referent*innen Caroline Ball (Open Book Collective, Tom Shaw (Open Journals Collective) und Toby Steiner (Thoth Open Metadata) teilten ihre Erfahrungen und Perspektiven hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit für nachhaltiges und community-geleitetes Diamond Open Access. Der Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Engagement der Community und der Bedeutung organisationsübergreifender Kooperation zur Förderung von DOA.
Caroline Ball, Community Engagement Lead beim Open Book Collective, eröffnete den Vortrag mit einem Hinweis auf die strukturellen Schwierigkeiten für wissenschaftsgeleitete Open-Access-Verlage, die in den derzeitigen Förderstrukturen der Bibliotheken kaum berücksichtigt werden. Das Open Book Collective (OBC) stellt eine Antwort auf dieses Problem dar. Es versucht nicht nur, ein Fördermodell zwischen Konsortien und Verlagen anzubieten, sondern will auch eine Gemeinschaft aufbauen, die die Bibliodiversität fördert.
Die Praxis des Open Book Collective, Diamond Open Access langfristig zu unterstützen, wird durch den Austausch von Ressourcen und Wissen mit dem Open Journals Collective ergänzt. Tom Shaw, Library Engagement Lead beim Open Journals Collective (OJC), stellte daraufhin das im Aufbau befindliche OJC/OBC-Impact-Dashboard vor, über das eine Übersicht über die Veröffentlichungen der beteiligten Journals bzw. Verlage gewonnen werden kann (Ball et al. 2026).
Anschließend verlagerte sich der Fokus auf die offene Infrastruktur. Vor allem kleinere Verlage profitieren von den Dienstleistungen von Thoth Open Metadata, da diese ihnen helfen, Metadaten so aufzubereiten, dass ihre Produkte in Nachweissystemen sichtbar gemacht werden können. Toby Steiner, COO von Thoth Metadata, zeigte darauf, dass gemeinnützig betriebene, offene Infrastrukturen, die auf Interoperabilität ausgelegt sind, ebenfalls kollektive Unterstützung benötigen, da sie die Grundlage für Diamond Open Access bilden. Der Vortrag endete mit einem Aufruf zu Zusammenarbeit und Austausch mit deutschen Fachleuten aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen.
Beide Veranstaltungen zeigen, wie weit entwickelt  Services für Diamond Open Access mittlerweile sind. Wünschenswert ist jetzt die Förderung von Austausch und Kooperation der verschiedenen Initiativen, um nachhaltiges, faires und wissenschaftsgeleitetes Open Access weiter zu verankern.


Literatur
Ball, C., Shaw, T., &amp; Steiner, T. (2026). Open Book Collective, Open Journals Collective, and Thoth: Collaborating for a sustainable Diamond OA future. oa.talk, online. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20639612 
Butz, A., Hennig, F., Matuszkiewicz, K., Finger, J., Eppelin, A., &amp; Kuhlwilm, R. (2026). Neue Angebote für die Konsortiale Finanzierung von Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20627711
Mittermaier, Bernhard. “Der Deutschland-Fonds Diamond Open Access DeFDOA.” 114. BiblioCon, with Bernhard Mittermaier, Berlin, 2026, p. 19 May 202622 May 2026; doi:10.34734/FZJ. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.34734/FZJ-2026-02505. 
Tautz, Diethard, et al. Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung wissenschaftlicher Publikationen. With MyCoRe Community, MyCoRe Community, 2025, vol. vol. 38. DOI.org (Datacite), https://doi.org/10.26164/LEOPOLDINA_03_01261.
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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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<item><title>Das Konzept Deutschlandfonds Diamond Open Access – einige Anmerkungen der Task Force Finanzierung im Projekt SeDOA</title><link>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 08:05:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</guid><description>In diesem Blogbeitrag kommentieren wir aus Sicht der Task Force „Finanzierung“ der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) das Konzept Deutschland-Fonds für Diamond Open Access (DeFDOA), in dem SeDOA explizit genannt und für bestimmte Aufgaben vorgesehen wird. Wir gehen dabei an dieser Stelle nicht auf alle Details ein, sondern stellvertretend auf einige Punkte, die wir für besonders wichtig halten. Der Beitrag stellt keine offizielle Stellungnahme des Projekts zu DeFDOA dar. Das Konzept DeFDOA wurde ursprünglich von Bernhard Mittermaier entwickelt und wird in verschiedenen Kontexten diskutiert, unter anderem in der Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ im Schwerpunkt „Digitalität in der Wissenschaft“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. SeDOA ist in diese Gespräche eingebunden und bringt seine Stellungnahmen dort ein.

Die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) startete im Mai 2025 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Projektkonsortium umfasst 15 Einrichtungen und plant, in einem dezentralen Ansatz die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit von vorhandenen, dezentralen Publikationsinfrastukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen sowie Innovationen zu fördern.
Ziel ist es, Diamond-Open-Access-Publizieren in der wissenschaftlichen Fachkommunikation fest zu etablieren. Durch die geplante Governance-, Angebots- und Kommunikationsstruktur sollen alle Stakeholder in Deutschland miteinbezogen werden.
SeDOA bildet zudem das deutsche National Capacity Centre (NCC) und stärkt damit als Teil des europäischen Netzwerks European Diamond Capacity Hub (EDCH) die internationale Zusammenarbeit.

Der Schwerpunkt von SeDOA liegt somit in der Förderphase bis Ende April 2028 darauf, bereits vorhandene Diamond-Open-Access-Strukturen in Deutschland zu unterstützen, zu vernetzen und sichtbar zu machen. SeDOA hat keine Mittel zur direkten Förderung von Zeitschriften, Büchern oder Publikationsdienstleistern. Ein gewisses Kontingent an Titeln kann jedoch im Rahmen des Projekts bei den SeDOA-Einrichtungen FU Berlin, ULB Darmstadt, TU Berlin und ZB Med publiziert werden.
Auch wenn die Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationsdienstleistungen nicht Teil der aktuellen Projektplanung SeDOAs ist, erkennen wir die Relevanz des Themas und haben eine Task Force gegründet, die sich mit dem Thema beschäftigt und u. a. das Konzept zu DeFDOA diskutiert. Aufgabe der SeDOA-Task-Force Finanzierung ist es, sich intensiver mit Fragen und Konzepten zur Finanzierung von Diamond Open Access auseinanderzusetzen und Impulse dazu ins Gesamtprojekt zu spielen, die auch Grundlage für Stellungnahmen und Positionen des Projekts sein können.

DeFDOA ist ein Konzept zur kollektiven Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationen, das Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek im Forschungszentrum Jülich, entwickelt hat. Das klar formulierte Ziel lautet: “Für die bislang ungeklärte Frage der nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Diensten soll der Deutschland-Fonds Diamond Open Access (DeFDOA) einen substantiellen Beitrag leisten” (Mittermaier, 2025, S. 3). Mittermaier sieht die finanzielle Förderung, die DeFDOA leisten soll, als “komplementär zur Arbeit von SeDOA, wo Governance, Standards und Qualität im Vordergrund stehen” (ebd., S. 4).
In aller Kürze sieht das Konzept vor, dass wissenschaftliche Einrichtungen in einen zentralen Fonds einzahlen, der von der MPDL Services gGmbH (mittlerweile DEAL Open Access Services gGmbH) verwaltet wird. Diamond-Open-Access-Publikationsdienste für Zeitschriften und Bücher können Anträge stellen, um aus diesem Fonds Gelder zu erhalten, die jedoch keine Vollförderung darstellen sollen. Der Arbeitskreis Forum 13+ entscheidet nach festgelegten Kriterien über die Förderanträge, während SeDOA “die antragstellenden Einrichtungen berät und unterstützt” (Mittermaier, 2025, S. 4).

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Überlegungen angestellt werden, wie Diamond Open Access auf nachhaltigere Weise und kollektiv finanziert werden kann. Das Konzept ist jedoch nach wie vor in der Entwicklungsphase und weder sind alle Details noch die endgültigen Beteiligten ausformuliert. Wir möchten uns daher gerne an dieser Stelle an der notwendigen offenen Diskussion beteiligen.

Es müsste klar definiert werden, welche Definition von Diamond Open Access dem Konzept zugrunde liegt und als Kriterium für eine Förderung herangezogen wird. Im Konzept werden die Operational Criteria von Craft-OA und die Mindeststandards von KOALA referenziert und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit kommerziellen Verlagen eingeräumt. Gerade der letzte Punkt ist in der Community umstritten, und auch SeDOA selbst diskutiert hier noch, welche Haltung das Projekt einnehmen wird. SeDOA hat eine Minimaldefinition formuliert, die kommerzielle Zwecke für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Bücher ausschließt. Eine Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Dienstleister zur Publikation ist unter bestimmten Voraussetzungen (insb. Eigentum der Titelrechte in wissenschaftlicher Hand) trotzdem denkbar. 

Wir sind skeptisch, ob sich der Fonds ausreichend füllt, wenn die Zahlungen auf Freiwilligkeit beruhen. Die Beschreibung der Quote von “ca. 2 %” (Mittermaier, 2025, S. 2) ist zudem ungenau und lässt Interpretationsspielraum offen.

Es wirkt ein wenig paradox, ausgerechnet die DEAL-Strukturen für die Organisation einer Diamond-Finanzierung zugrunde zu legen. Mit den DEAL-Verträgen werden Open-Access-Publikationen und Lesezugriff über artikelbezogene Gebühren finanziert, womit sie dazu beigetragen haben, „Gold OA“ zum Synonym für Publikationsgebühren zu machen. Die DEAL-Verträge sind zudem Verträge mit drei kommerziellen Großverlagen. Diamond Open Access steht für das Gegenteil: keine Publikationsgebühren und nicht-kommerzielle Zwecke

Es ist zweifelhaft, ob die genannten Akteure die Aufgaben übernehmen können, die ihnen zugedacht sind. SeDOA hat als Projekt die Aufgabe, alle Stakeholder gleichermaßen zu beraten und zu vernetzen. Die Daueraufgabe Antragsberatung, wie sie bei DeFDOA vorgesehen ist, würde zusätzliche Mittel und eine Verstetigung des Projekts erfordern. SeDOA sieht es als leistbar, an der Ausformulierung des Konzepts DeFDOA mitzuwirken, z. B. bei der Entwicklung von Qualitäts- oder ähnlichen Kriterien. 

Es ist unklar formuliert, wer genau antragsberechtigt ist – Einrichtungen, Bibliotheken oder Herausgebende bzw. Zeitschriften? Grundsätzlich würden wir es vorziehen, dass Infrastrukturen und nicht einzelne Zeitschriften gefördert werden, was auch die Förderung der Publikation von Diamond-Open-Access-Büchern erleichtern würde. Das können Universitätsverlage sein, aber auch andere nicht-kommerzielle Publikationsdienstleister kommen infrage.

Die Orientierung der Förderhöhe am Publikationsvolumen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Grundsätzlich entsteht mehr Aufwand durch mehr veröffentlichte Artikel; das tatsächliche Verhältnis ist jedoch schwer zu ermitteln und hängt auch von den Publikationsformaten und -dienstleistungen ab. Zwar wurde die ursprüngliche Ausrichtung der Berechnung am Publikationsvolumen durch eine komplexere Berechnung ersetzt, die vermeiden soll, dass finanzielle Anreize zu höheren Artikelzahlen entstehen. Die neue Berechnung in Form von Sockelbeiträgen plus Stufen in Kombination mit einer Obergrenze ist jedoch sehr komplex und intransparent. Zugleich ist die vorgesehene maximale Förderpauschale in Höhe von 1.400 € je Artikel relativ großzügig bemessen und könnte durchaus geringer ausfallen.

Wir sehen das Konzept als große Chance, über eine deutschlandweit organisierte kollektive Förderung nachzudenken und beteiligen uns gerne an weiteren Überlegungen. Wichtig finden wir jedoch auch, dass eine mögliche Umsetzung von DeFDOA nicht als Schlusspunkt für Überlegungen zur Finanzierung von Diamond Open Access gesehen wird, sondern ergänzende Konzepte weiterhin diskutiert und entwickelt werden.</description><enclosure
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<item><title>Was die Diamond-OA-Community wirklich braucht – Ergebnisse einer SeDOA-Befragung aus dem Jahr 2025</title><link>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025#comments</comments><pubDate>Mon, 09 Mar 2026 08:00:00 +0100</pubDate><category>Metadaten</category><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Bente Steinecke</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/was-die-diamond-oa-community-wirklich-braucht-ergebnisse-einer-sedoa-befragung-aus-dem-jahr-2025</guid><description>Im Juli und August 2025 fand eine Online-Befragung des SeDOA-Projektes zu den Bedarfen von Herausgebenden und weiteren Akteuren der Diamond-OA-Community statt. Die Auswertung zeigte, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht.

Bedarfe verstehen, zielgerichtet unterstützen
In den vergangenen Jahren ist Diamond Open Access (OA) zunehmend in den Fokus von Forschungsförderern auf europäischer und nationaler Ebene gerückt. Auch in Deutschland existieren vielfältige, häufig aus wissenschaftlichen Communities heraus betriebene Publikationsangebote, die für Autor*innen sowie für Lesende kostenfrei sind. Seit Mai 2025 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Ziel des Projekts ist es, die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit bestehender dezentraler Infrastrukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen und Innovationen zu fördern. Um Unterstützungsangebote bedarfsgerecht entwickeln zu können, wurde im Sommer 2025 eine umfassende Online-Befragung durchgeführt. Die Erhebung knüpfte an frühere Studien an und hatte das Ziel, Bedarfe, Herausforderungen und Erwartungen der deutschen Diamond-OA-Community systematisch zu erfassen.

Rahmen und Beteiligung
Die Befragung wurde im Rahmen des Arbeitspakets „Community Support Services“ von der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft umgesetzt. Zwischen Juli und August 2025 war der Fragebogen online zugänglich. Insgesamt nahmen 239 Personen teil. Den größten Anteil bildeten Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken mit 34 Prozent, gefolgt von Forschenden mit 20 Prozent sowie Herausgebende von Periodika mit 18 Prozent. Weitere Teilnehmende kamen aus Universitätsverlagen, Fachinformationsdiensten, Fachgesellschaften oder ordneten sich der Kategorie „Sonstige“ zu. Damit spiegelt die Erhebung ein breites Spektrum der Akteur*innen wider, die im Bereich Diamond Open Access tätig sind.

Zentrale Ergebnisse der Bedarfserhebung im Überblick
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass in nahezu allen abgefragten Themenfeldern Unterstützungsbedarf besteht. Besonders hervorgehoben wurden Fragen der Finanzierung und tragfähiger Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards beim Publizieren sowie die Indexierung in relevanten Datenbanken. Diese drei Themen stuften jeweils über 70 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch Aspekte wie der Wechsel des Publikationsanbieters, Unterstützung im Produktionsprozess, technische Fragen zu Softwarelösungen, Managementthemen, Austauschformate oder grundlegende Informationen zu Diamond Open Access wurden von rund der Hälfte der Teilnehmenden als relevant bewertet. 

Die offenen Antworten verdeutlichen die Komplexität der Bedarfe. Im Bereich Software und technische Infrastruktur wurde mehrfach der Wunsch nach tragfähigen organisatorischen und technischen Strukturen geäußert. Im Themenfeld Finanzierung wurde neben allgemeinen Geschäftsmodellen vor allem deren langfristige Nachhaltigkeit betont. Mehrere Befragte wünschten sich gezielte Förderprogramme für Diamond-OA-Initiativen sowie klare Lösungen zur Finanzierung redaktioneller Arbeit. In den ausführlichen Freitextantworten wurden die praktischen Herausforderungen deutlich, etwa die wiederkehrende Klärung von Finanzierungsfragen oder die aufwändige Ausschreibung von Dienstleistungen im öffentlichen Dienst. Zwischen den verschiedenen befragten Gruppen zeigen sich leichte Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen. Über alle Gruppen hinweg bleibt jedoch das Thema Finanzierung das zentrale Anliegen.

Ebenfalls ausgeprägt ist der Bedarf an rechtlicher Unterstützung. Insgesamt wird deutlich, dass ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf im Bereich des Urheber- und Vertragsrechts besteht. Die Community wünscht sich hier insbesondere praxisnahe und rechtssichere Orientierung.

In der Befragung wurden auch Wünsche hinsichtlich der Formate der Unterstützung erfragt. Hier liefern die Ergebnisse ein klares Bild. Bevorzugt werden kurze, kompakte Informationsangebote wie Info-Sheets oder kurze virtuelle Workshops von bis zu zwei Stunden. Längere Workshops oder umfangreiche Selbstlernkurse finden deutlich weniger Zustimmung. Die Mehrheit der Befragten hält die Teilnahme an ein bis zwei Veranstaltungen pro Jahr für realistisch. Zeitliche und finanzielle Ressourcen werden häufig als begrenzend beschrieben, weshalb flexible, digitale und praxisnahe Formate besonders gefragt sind. Zudem besteht ein Wunsch nach nachnutzbaren Materialien, individueller Beratung und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.

Die Ergebnisse als Richtschnur für weitere Angebote
Insgesamt zeigt die hohe Beteiligung an der Befragung das große Interesse am Thema Diamond Open Access in Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es in nahezu allen Bereichen Unterstützungsbedarfe gibt, wobei Finanzierung, Qualitätsstandards und Indexierung besonders hervortreten. Gleichzeitig unterstreichen die Rückmeldungen die Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen, rechtssicherer Rahmenbedingungen und strategischer Einbettung in institutionelle Kontexte. Für das Projekt SeDOA bilden diese Erkenntnisse eine wichtige Grundlage, um künftige Angebote gezielt zu entwickeln und an den Bedürfnissen der Community auszurichten.

Die ausführlichen Ergebnisse sind auf Zenodo zu finden.
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<item><title>Der Weg der Neuen Politischen Literatur zu Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 16 Feb 2026 19:42:49 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access Transformation</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Volker Köhler</dc:creator><dc:creator>Andrea Perthen</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/der-weg-der-neuen-politischen-literatur-zu-diamond-open-access</guid><description>Die Neue Politische Literatur (NPL), eine Fachzeitschrift für geschichts- und politikwissenschaftliche Rezensionen, ist nach sieben Jahrzehnten ihres Bestehens zum Diamond-Open-Access-Modell (DOA) gewechselt. Was sind unsere Beweggründe hierfür? Wie ging der „Flip“ vonstatten? Wie blicken wir in die Zukunft?

Eine Zeitschrift mit langer Geschichte

Die Wurzeln der „Neuen Politischen Literatur“ (NPL) liegen in den 1950er Jahren. Bereits 1952 wurde die Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) gegründet, die jedoch nach zweijährigem Bestehen wieder einging. Im Jahr 1956 wurde die NPL als deren Nachfolgerin aus der Taufe gehoben. Die NPL richtete sich dezidiert gegen das restaurative Klima in der noch jungen Demokratie und widmete sich Buchbesprechungen aus den Bereichen der Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Sozialwissenschaften und Recht. 
In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die NPL immer stärker auf die Geschichts- und Politikwissenschaft, bis sich in den 1980er Jahren dieses Profil gefestigt hatte. Seither werden in der NPL besonders Titel zur Geschichte der Moderne sowie aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft besprochen. Dies geschieht zum einen im Format der rund zwei Seiten umfassenden Einzelrezension, zum anderen aber auch in den längeren Beitragsformen Essay – in dem ein oder auch zwei bis drei Titel pointiert besprochen und in den Forschungskontext eingebettet werden – und Rezensionsaufsatz, in dem bis zu 20 aktuelle Titel zu eine Thema ausführlich besprochen werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Demokratie, von Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie zu autoritären und diktatorischen Regimen. In den 2020er Jahren ist diese Ausrichtung aktueller denn je (vgl. Dipper, 2025).
Die Qualität der NPL wird zum einen durch das Herausgebendengremium sichergestellt, das aus anerkannten Forschenden aus Politik- und Geschichtswissenschaft besteht. Zum anderen kümmert sich ein dreiköpfiges Redaktionsteam um die Qualitätssicherung und den reibungslosen Ablauf der Publikation.

Segen und Fluch von DEAL

Im Lauf ihrer Geschichte erschien die NPL in unterschiedlichen Verlagen. Im Jahr 2019 wechselte sie zu Springer VS. Von diesem Zeitpunkt an erschien sie nicht nur gedruckt, sondern auch digital im sogenannten publish-online-first-Verfahren. Ein zentraler Beweggrund für den Verlagswechsel zu Springer war die Aussicht, die Zeitschrift zu großen Teilen Open Access[KS1.1] (OA) publizieren zu können. Insbesondere durch die kurze Zeit später erfolgreich abgeschlossenen DEAL[KS2.1]-Verhandlungen bekamen erschienen große Teile der NPL nun im Open Access. Die Publikationsgebühr übernahmen in der Regel die Universitätsbibliotheken. Gleichzeitig konnten die teilnehmenden Institutionen auf alle Artikel der NPL zugreifen. So erreichten die OA veröffentlichten Artikel einen größeren Personenkreis und das Versprechen eines demokratischen Zugangs zu wissenschaftlicher Forschung wurde eingelöst. Alternativ konnten die Autor*innen ihre Texte weiterhin subskriptionsbasiert [KS4.1]veröffentlichen.
Spätestens durch die geänderten Spielregeln, welche der zweite DEAL-Abschluss im November 2023 brachte, entstanden jedoch Risse in dieser heilen OA-Welt. Die OA-Kosten wurden zunehmend nicht mehr vollumfänglich von institutioneller Seite übernommen, sondern komplett oder teilweise auf Fachgebiete, Lehrstühle oder Einzelpersonen umgelegt. Das machte das Publizieren von Rezensionen zunehmend unattraktiv. Im Jahr 2025 haben mehrere Autor*innen ihre Beiträge bei der NPL zurückgezogen, weil sie bzw. ihre Institution die Publish and Read [KS5.1](PAR)-Gebühr nicht tragen konnten oder wollten. Zudem legte der neue DEAL-Vertrag fest, dass Einzelrezensionen kein research content mehr seien. Entsprechend war der Verlag angehalten, diese gebührenfrei zu publizieren, ohne dafür im DEAL-System vergütet zu werden. Dies wurde jedoch in dem immer schwerfälliger und komplizierter werdenden Freigabeprozess des Verlags nicht abgebildet, was zu einem großen Mehraufwand sowohl bei der Redaktion als auch den Autor*innen führte: Für die Autor*innen war bei der Freigabe Ihres Textes für den Verlag nirgends ersichtlich, dass für Einzelrezensionen eben keine Gebühren mehr anfielen. So kam es vermehrt zu verärgerten Anfragen der Autor*innen, die wir klären mussten – zuweilen vergebens. Gleichzeitig hatte der Verlag nun kaum noch Anreiz, uns bei diesem Prozess zu unterstützen, da Einzelrezensionen – und damit ein wichtiger Teil der NPL – für ihn quasi über Nacht zu einem Verlustgeschäft geworden waren.
Wir standen als Zeitschrift also vor multiplen Herausforderungen. Wenn immer mehr Autor*innen gar nicht mehr oder nur subskriptionsbasiert publizieren wollen, sinkt die Reichweite. Dazu kam die grundsätzliche Einstellung des Herausgebendengremiums für eine wahrhaft scholar-ly led, scholar-ly owned-Zeitschrift und gegen die oligopolistischen Strukturen mit schwindelerregenden Gewinnmargen einiger weniger Wissenschaftsverlage (vgl. Fischer, et al. 2024; Jörke, et al. 2025; Knoche, 2023 ).

Der Weg zum Flip

Aus der beschriebenen Situation heraus gab es einen Weg: Die Umstellung der NPL auf DOA. Dass die NPL-Redaktion an der TU Darmstadt angesiedelt ist, erwies sich dabei als Glücksfall. Denn die dortige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) engagiert sich unter ihrem Direktor Thomas Stäcker schon länger besonders für diesen diamantenen Weg der Veröffentlichung. Die ULB bietet mit TUjournals einen kostenfreien Service an, der das Herausgeben einer digitalen DOA-Zeitschrift über die Open-Source-Publikationsplattform Janeway ermöglicht. Ab jetzt wird die NPL also dort und rein digital erscheinen.
In weiser Voraussicht hatte die NPL schon vor vielen Jahren ein eigenes Content Management System (CMS) für die besonderen Bedürfnisse einer Rezensionszeitschrift erworben, das auch nach dem Wechsel zum letzten Verlag beibehalten wurde, um in möglichst vielen Arbeitsprozessen autonom zu bleiben. Diese Unabhängigkeit erleichterte das Flipping entscheidend, denn unsere eingespielten Workflows können wir weitgehend beibehalten.
Gleichzeitig bedeutete dies eine Herausforderung an anderer Stelle. Wir mussten gemeinsam mit dem Team der ULB einen sehr spezifischen Arbeitsprozess aufsetzen, der unser CMS als Vorfeld-System beibehielt, dann aber die Publikation über Janeway sicherstellen konnte. Die Herausforderung wurde vom Team der ULB sportlich genommen. Wir sind sehr dankbar, dass das Team „Digitales Publizieren“ uns auf diesem Weg begleitet hat. Im Kern nutzen wir nun unser CMS für die Einreichung von Artikeln und Gutachten und für die Pflege unserer Datenbanken. Anschließend exportieren wir Artikel und Metadaten über den XML-Editor Oxygen in Janeway, wo diese dann publiziert werden.
Die Publikation der Beiträge läuft über eine von Janeway generierte, an der TU Darmstadt gehostete Seite (https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/). Dazu existiert weiterhin die Domain unseres Redaktionssystems (www.neue-politische-literatur.de).
Wir publizieren unter CC-BY-Lizenz, so dass die Bereitstellung der Artikel sowie deren Archivierung sowohl von der ULB Darmstadt gewährleistet wird als auch über die Autor*innen selbst (etwa über Repositorien) erfolgen kann.
Was die älteren Artikel angeht, so behielten wir die Rechte an den Back Issues von Springer. Sie wurden bereits an die ULB übermittelt und werden künftig von unserer TUjournals-Website aus abrufbar sein. Darüber hinaus nehmen wir unsere Zusammenarbeit mit der Meta-Rezensionsplattform recensio.net wieder auf, so dass ein Großteil unserer Artikel der letzten ca. 15 Jahre online abrufbar bleibt und wir ein digitales (Kurzzeit-)Gedächtnis der Zeitschrift entwickeln können.
Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung unserer Inhalte bleiben, da dies zuvor der Verlag übernommen hatte. Künftig sollen zunächst ein Newsletter-System und Beiträge in sozialen Medien auf uns aufmerksam machen. In den kommenden Monaten werden wir aber viel Zeit in die Entwicklung ausgefeilter Ideen investieren.

Fazit

Wir freuen uns sehr, dass die NPL nun für Schreibende wie Lesende kostenfrei ist. Zwar ist es uns nicht leichtgefallen, auf unsere Printausgabe zu verzichten. Doch die Lesegewohnheiten haben sich geändert – und nicht zuletzt können so auch Kosten eingespart werden.
Doch es entstehen selbstverständlich weiterhin Kosten. Nach der Auflösung des Verlagsvertrags müssen wir mit dem Wegfall von Zahlungen leben, mit denen der Verlag einen Teil unserer Arbeit honoriert hat. Und hier wären wir bei zwei der größten Herausforderung für die NPL in der Zukunft: Erstens steckt hinter jedem Artikel viel redaktionelle Arbeitszeit, die geleistet und vergütet werden muss. Zweitens wird die Entwicklung von KI den Redaktionsprozess in den nächsten Jahren massiv verändern: durch Einsatz beim Korrektorat etwa, aber auch als Hilfsmittel für unsere Autor*innen im Schreibprozess. Es gilt, die Grenzen zwischen legitimem und illegitimem Einsatz von KI zu ziehen; vor allem aber auch, die Frage nach der Bedeutung menschlicher Autor*innenschaft immer wieder aufs Neue zu stellen. Der menschliche Kern wissenschaftlichen Arbeitens kann nicht aufgegeben werden. Hier schließt sich der Kreis: Denn dafür braucht man Personal und eine Finanzierung.
Mit Interesse verfolgen wir daher aktuelle Debatten über Vorschläge zu neuen Finanzierungsmodellen wie etwa von Tautz et al. (2025) und Mittermaier (2025). Denn DOA kann nur funktionieren, wenn die Redaktionen eine nachhaltige Finanzierung erhalten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wir hoffen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit des diamantenen Wegs und die Befreiung von der Marktmacht einiger weniger Großverlage in der wissenschaftlichen Community weiterwächst und wir mit unserem Beispiel einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Literatur

Dipper, C. (2025). Die vielen Häutungen der NPL. Neue Politische Literatur 70(2/3). https://doi.org/10.1007/s42520-025-00663-w.
Fischer, G./Neufend, M./Kindling, M. (2024). DEAL ≠ Diamond. Ein Diskussionsbeitrag zur Souveränität des wissenschaftlichen Publikationswesens. Open Access Blog Berlin (blog), 27.11.2024. https://doi.org/10.59350/ab01a-dj116;
Jörke, D./Czolkoß-Hettwer, M. (2025, 25. Juni): Diamond-Open-Access gehört die Zukunft. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 
Knoche, M. (2023). DEAL ist ein Problem – Gespräch mit Thomas Stäcker über die Folgen der Digitalisierung für Bibliotheken (3). Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn, 06.03.2023. https://doi.org/10.58079/lyv3  
Mittermaier, B. (2025). Proposal for a German Diamond Open Access Fund (DeFDOA). CRAFT-OA Conference October 6-8 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17121108 
Tautz, D./Holzer, A./Schmidt, K. M./Buchner, J./Grötschel, M./Jurburg, S. (2025). Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Diskussion Nr. 38, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. https://doi.org/10.26164/leopoldina_03_01261.
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<item><title>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung</title><link>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</link><comments>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller#comments</comments><pubDate>Wed, 21 Jan 2026 13:21:02 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Technik und Workflows</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access Policy</category><dc:creator>Daniel Beucke</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zum-wohle-aller</guid><description>Zum Wohle aller? Open Access in Bewegung
von Daniel Beucke und Julian Schima
Open Access ist weit mehr als ein Publikationsmodell - das zeigte die Veranstaltung „Open Access in Bewegung: Perspektiven, Praxis, Positionen“ an der UB Göttingen. Beiträge zu Leitlinien, gelebter Praxis und Infrastruktur machten deutlich, wie die Wissenschaft Openness, Verantwortung und Autonomie gemeinsam neu aushandeln muss.
Zu einer vielseitigen Mischung aus Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und offenen Diskussionen lud das BMFTR-Projekt open-access.network gemeinsam mit der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) am 13. November 2025 ein. Etwa 40 Forschende, Studierende, Bibliotheksmitarbeitende und Vertreter*innen aus der Verlagswelt gingen der Frage nach, wie sich das wissenschaftliche Publizieren verändert – und welche Rolle Offenheit künftig spielen sollte. Das Programm startete mit drei Vorträgen: Linda Martin, BIS Oldenburg, führte mit „Zum Wohle aller: Wissenschaftliches Publizieren und Open Access“ in die Grundlagen der Thematik bis hin zu Fördermöglichkeiten ein. In „To Polish a Diamond“ zeigten Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements den Umstieg ihrer Zeitschrift zu Diamond Open Access. Den letzten Vortrag hielt Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, und gab praxisnahe Einblicke in die Möglichkeiten für Forschende, Open Access umzusetzen. Es folgte eine Freeflow-Phase mit Postersession und informellen Gesprächen und die Veranstaltung endete mit einer Diskussionsrunde, in der Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Studierende sich über die Verantwortung der Wissenschaft austauschten.
Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Open Access
Linda Martin, BIS Oldenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die Bedeutung von Open Access im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis. Sie stellte zentrale Leitdokumente vor, darunter das Bethesda Statement (2003), die Berliner Erklärung (2003), die UNESCO-Empfehlung zu Open Science (2021) und den Kodex der DFG (2024), und machte deutlich: Open Access ist längst ein essenzieller Bestandteil wissenschaftlicher Integrität.
Martin erläuterte die verschiedenen Publikationswege: Gold Open Access bedeutet eine Erstveröffentlichung, die sofort frei verfügbar ist, meist über Verlage oder Repositorien, und als Version of Record vorliegt. Diamond Open Access funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ist jedoch sowohl für Autor*innen als auch Leser*innen kostenfrei. Green Open Access bezeichnet die Zweitveröffentlichung eines Artikels in einem Repositorium, meist nach Ablauf einer Embargofrist, in der Regel als akzeptierte Manuskriptversion.
Besonders hervorzuheben ist Diamond Open Access, der die digitale Souveränität der Wissenschaft stärkt. Veröffentlichungen bleiben unabhängig von kommerziellen Verlagen, können kostenfrei publiziert und genutzt werden, und Rechte sowie Lizenzen verbleiben bei den Herausgeber*innen. Gleichzeitig wird durch Qualitätssicherung, Langzeitarchivierung und persistente offene Lizenzen die wissenschaftliche Integrität langfristig gewährleistet.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen stellte Martin die Stockholm Declaration on Reforming Science Publishing (2025) vor, die unter anderem fordert, akademische Kontrolle über Publikationen zurückzugewinnen, Anreizsysteme stärker auf Qualität auszurichten, unabhängige Mechanismen zur Betrugsprävention zu etablieren und gesetzliche sowie strukturelle Maßnahmen zum Schutz der Wissenschaft zu stärken. 
Als konkretes Beispiel für eine regionale Infrastruktur zeigte Martin Ideen für das geplante Projekt NiedersachsenPUBLISHING, das den Aufbau einer offenen, kooperativen digitalen Infrastruktur für Diamond Open Access in Niedersachsen unterstützen soll. Es umfasst Angebote für Zeitschriften, Monografien und digitale Editionen und stellt Beratungsdienste für Autor*innen, Herausgeber*innen und Projektpartner*innen bereit. Das Projekt wird in die Dachinitiative Hochschule.digital Niedersachsen eingebettet und soll zeigen, wie strukturelle Unterstützung Open Access nachhaltig stärken kann.
Der beispielhafte Weg einer Zeitschrift zu Diamond Open Access
Der Vortrag „To Polish a Diamond“ von Sabine Hess und Karl Heyer aus der Redaktion von movements machte deutlich, wie ein unabhängiges, wissenschaftlich-aktivistisches Projekt den Weg zu Diamond Open Access gestaltet. Unter dem Leitmotiv „movements als Rohdiamant“ präsentierten sie Organisation, Technik, Finanzen und Konsequenzen ihres Transformationsprozesses.
Die Zeitschrift movements versteht sich traditionell als eng mit aktivistischen, sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken verbunden. Diese Nähe prägt sowohl die redaktionelle Ausrichtung als auch den Publikationsprozess. Die Redaktion arbeitet selbstorganisiert und in enger Vernetzung mit anderen Projekten. Ownership bleibt bei den Herausgeber*innen, wodurch die Zeitschrift unabhängig von kommerziellen Verlagen agieren kann. Gleichzeitig steht die inhaltliche Arbeit stets im Vordergrund.
Technisch hatte die Redaktion zu Beginn des Journals einen eigenen Produktions- und Publikationsworkflow entwickelt, der hohe Expertise bündelte. Diese Spezialisierung ermöglichte zwar maßgeschneiderte Qualität, brachte jedoch auch eine hohe Arbeitsbelastung mit sich, da viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt wurden. Die Finanzierung ist minimal, Einnahmen und Ausgaben halten sich in Grenzen, und Fördermöglichkeiten sind ebenfalls begrenzt. Die Redaktion arbeitete daher häufig an der Belastungsgrenze. Hess und Heyer betonten, dass für die langfristige Stabilität solcher Diamond-OA-Projekte eine strukturelle Stärkung nötig ist, sei es durch Förderprogramme, Servicezentren oder überregionale Infrastruktur. Diese erhalten sie nun mit dem Journal-Hosting-Angebot der SUB Göttingen, die ihnen eine standardisierte OJS-Installation zur Verfügung stellt. Durch die Verwendung eines eigenen DOI-Präfix und der standardisierten Infrastruktur wäre ein Wechsel der Service-Anbieter*in jederzeit denkbar, was den Herausgebenden ihren Scholar-led-Ansatz bewahrt.
Aus der Praxis: Open-Access-Services am Göttingen Campus
Hannah Böhlke, Universitätsverlag Göttingen, stellte die umfassenden Services der SUB Göttingen vor. Forschende am Göttingen Campus erhalten dort Publikationsberatung, Unterstützung bei Finanzierungsfragen für Open-Access-Publikationen sowie Zugriff auf Repositorien für Artikel, Daten und multimediale Inhalte. Die Bibliothek stellt außerdem Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement und die Organisation von Publikationsprozessen bereit. DOI-Vergabe, Langzeitarchivierung und Beratung zu Lizenzen und rechtssicherer Nachnutzung gehören ebenfalls zum Angebot. Böhlke machte deutlich, dass Forschende den Weg zu Open Access nicht allein gehen müssen, da zahlreiche Ressourcen und Fachkenntnisse zur Verfügung stehen.
Freeflow, Postersessions und Gespräche
In der Freeflow-Phase im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich bei Limo und informellen Gesprächen mit Göttinger Verlagen sowie mit Tool- und Serviceangeboten auszutauschen. open-access.network stellte die verschiedenen eigenen Services wie zum Beispiel den oa.hub und den oa.atlas sowie die Informationsseiten in direkten Gesprächen mit Interessierten vor. Während der Postersession präsentierte sich unter anderem die Göttinger Open Access Lounge (GOAL): ein Netzwerk aus Verlagen und universitären Publikationsdienstleister*innen aus Göttingen und Umgebung, die wissenschaftliche Veröffentlichungen im Open Access publizieren. Die GOAL fördert den Austausch zwischen Verlagsmitarbeitenden und schafft einen offenen Raum, um Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zu Open Access zu teilen. Dabei werden Best Practices vorgestellt, Bedarfe ermittelt und ein Netzwerk aufgebaut, das langfristig den Wandel in der Verlagswelt unterstützt. Ziel ist es zudem, das gemeinsame Verständnis für aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im wissenschaftlichen Publizieren zu vertiefen.
Offene Diskussionsrunde: Open Access als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bibliotheken, Verlagswesen und Forschung in einer offenen Runde über die gesellschaftliche Bedeutung von Open Access. Die Diskussion wurde von Margo Bargheer, SUB Göttingen, mit einer einleitenden Reflexion eröffnet: Auch wenn Open Access Herausforderungen wie kommerzielle Dominanz, Preissteigerungen oder Dysbalancen mit sich bringt, hat es den weltweiten Zugang zu wissenschaftlicher Information erheblich verbessert. Gleichzeitig ermöglicht OA erstmals einen transparenten Blick auf Produktionsbedingungen, Machtverhältnisse und Kosten – und wirft damit wichtige Fragen für die Gestaltung offener Wissenschaft auf. Im Verlauf wurde von den Anwesenden unter anderem konkret überlegt, wie das im Universitätsverlag herausgegebene Diamond Open Access Journal New American Studies Journal um weitere Ausgabeformate erweitert werden kann. So könnten z.B. Videos und Podcasts neue Zielgruppen erreichen. Die Anwesenden kamen überein, dass die Wissenschaft sich stärker auf Social-Media-Plattformen präsentieren sollte, da viele diese als Informationsmedium nutzen. Hier dürfe die Wissenschaft Falschinformationen nicht das Feld der schnellen und niedrigschwelligen Verbreitung überlassen. In dem Zusammenhang gab es Vorschläge, Forschende im Umgang mit Social Media zu sensibilisieren, um es als weiteren Kanal für die Wissenschaftskommunikation zu nutzen. 
Fazit
Die Veranstaltung machte klar: Open Access ist ein zentraler Baustein guter wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Von grundlegenden Leitlinien über transformative Projekte wie movements bis hin zu Infrastrukturangeboten wie NiedersachsenPUBLISHING zeigte sich, dass Open Access möglich und wertvoll, aber auch auf Engagement, Strukturen und Förderung angewiesen ist. Es wurde deutlich, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden müssen, um ein transparentes, nachhaltiges und integritätsorientiertes Publikationssystem zu sichern.
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<item><title>Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch#comments</comments><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 10:37:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><dc:creator>Katja Wermbter</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-auf-laenderebene-impulse-perspektiven-austausch</guid><description>Wie steht es um Diamond Open Access in den Bundesländern?
In der ersten SeDOA-Online-Veranstaltung berichteten vier Landesinitiativen über ihre Aktivitäten, Herausforderungen und ihre Wünsche an SeDOA. Die Veranstaltung eröffnete Möglichkeiten für länderübergreifende Vernetzung, Austausch und Synergien.

Am 25. November 2025 lud die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) zu ihrer ersten Online-Veranstaltung „Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch“ ein. Als deutsches Diamond Capacity Centre möchte SeDOA den Status quo zum Thema Diamond Open Access sichtbar machen und zentral Informationen bereitstellen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Aktivitäten, Herausforderungen und Wünsche der Landesinitiativen. Ziel war es, gemeinsame Anknüpfungspunkte zu identifizieren und Synergien für eine länderübergreifende Transformation hin zu Diamond Open Access zu schaffen. Die Veranstaltung bildete damit einen wichtigen Auftakt für eine stärkere Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten.
Ablauf der Veranstaltung

Die Veranstaltung begann mit einer Kurzvorstellung der geplanten Angebote der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) und ihrer veröffentlichten Minimaldefinition von Diamond Open Access, die veröffentlicht wurde, um einen Konsens zur Begrifflichkeit herzustellen und Anfragen konsistent beantworten zu können. Daraufhin hielten die vier eingeladenen Referent*innen Vorträge über die jeweiligen Ansätze, Maßnahmen und Herausforderungen der vier Landesinitiativen im Bereich (Diamond) Open Access. Dabei wurden u. a. der aktuelle Status Quo, bestehende Rahmenbedingungen, bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen sowie die Rolle der Landesstrategien beleuchtet:

●	Dorothee Graf (Universitätsbibliothek Duisburg-Essen) stellte die Landesinitiative openaccess.nrw vor. Mit dem Ziel, eine abgestimmte Serviceinfrastruktur für die digitale Transformation zu etablieren, setzt oa.nrw als Multiplikator und wichtige Informationsdrehscheibe unter anderem mit der Veröffentlichung der Open-Access-Strategie 2023 zukunftsweisende Impulse für Open Access in NRW.

●	Der Vortrag von Maike Neufend (Open-Research-Office Berlin) zur Landeskoordinierungsstelle für offene Wissenschaft Berlin klärte über die Aktivitäten und Entwicklungen in der Hauptstadt auf: Die Berliner Einrichtungen werden seit 2016 bei der Umsetzung der Berliner Open-Access-Strategie (2015) unterstützt. Letztere wird aktuell zu einer Open-Research-Strategie weiterentwickelt und die Gründung von BerlinUP stellt einen Meilenstein in der Entwicklung von Publikationsinfrastrukturen dar.

●	Ben Kaden (FH Potsdam) berichtete über die Vernetzungs- und Kompetenzstelle (VuK) Open Access Brandenburg, die seit 2021 als Anlaufpunkt und Sprachrohr für die Hochschulen und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur fungiert. Die VuK übernimmt dabei transformationsbegleitende und publikationsunterstützende Aufgaben. Die Open Access Strategie des Landes Brandenburg wurde 2019 verabschiedet.
●	Anastasiia Afanaseva (Universität des Saarlandes) präsentierte die neu gegründete Servicestelle Open-Access-Saar, die Vernetzung, Kompetenzaufbau und -entwicklung sowie Informationen und Beratungen im Bereich Open Access anbieten will. Auch Analysen und die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Implementierung eines Landesfonds und zur Einwerbung von Drittmitteln sind in der Planung.

Die Foliensätze aller Vorträge sind auf Zenodo hinterlegt. Die Länderdossiers von open-access.network beschreiben die Strategien und Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ausführlich.

Gemeinsame Wünsche der Landesinitiativen
Nach den Vorträgen formulierten die Landesinitiativen mehrere gemeinsame Anliegen an die Servicestelle Diamond Open Access:
1.	Rechtliche Interessenvertretung wissenschaftlichen Einrichtungen auf nationaler Ebene, um wettbewerbliche Logiken zu adressieren.
2.	Ein Rechtsgutachten zur Einordnung von Diamond-OA-Infrastrukturen als verlagstechnische Konstrukte.
3.	Erarbeitung von Szenarien und deren Machbarkeit für Diamond-OA-Publikationsinfrastrukturen auf nationaler und Landesebene- sowie in Kooperationen.
4.	Verstärkte Lobbyarbeit sowie die Entwicklung von Best Practices.
5.	Interessenvertretung in der Debatte um Forschungsbewertung. 

Diskussion und Erkenntnisse
Im Anschluss wurde der Raum für Fragen und Diskussionen eröffnet.  Es Hier zeigte sichgabvor allem reges Interesse an der Definition von Diamond Open Access und viele Teilnehmende äußerten ihre Fragen und Kommentare dazu. Da die Diskussion der Begrifflichkeiten insbesondere für die Bibliotheks-Community interessant und relevant ist, soll plant SeDOA dafür bei weiteren Gelegenheiten Raum gezu schaffen werden.
Ein weiteres zentrales Thema in der Diskussion war die Frage, warum Diamond Open Access trotz seiner aktuell hohen wissenschaftspolitischen Relevanz in den Ländern bislang wenig umgesetzt wird. Woran das liegt, ist natürlich nicht einfach festzustellen, doch teilten mehrere Personen den Eindruck, dass derzeit Themen wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Vordergrund stehen, wobei Open Access teilweise in den Hintergrund gerät.
Gemeinsam für Diamond Open Access

Die abschließende Nachricht an alle Teilnehmenden lautete: Vernetzt euch! Zusammen ist es einfacher, Diamond Open Access ins Bewusstsein zu rücken und Projekte umzusetzen. Die Referent*innen betonten ihre Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen, und verwiesen auf die Möglichkeiten zum weiteren Austausch per E-Mail sowie im Rahmen künftiger Vernetzungstreffen gemeinsame Mailingliste der Landesinitiativen hin. Weitere Informationen zu den Landesinitiativen und die deren Kontaktdaten sind auf open-access.network zu finden.
Diese Auftaktveranstaltung war ein wichtiger Schritt in Richtung einer stärkeren Vernetzung von Diamond-Open-Access-Aktivitäten. Folgeworkshops zur Vertiefung der Diskussion und zur Erarbeitung praxisrelevanter Inhalte sind bereits in Planung. Wir hoffen, dass durch diese und folgende Veranstaltungen ein breiteres Bewusstsein und eine effektivere Umsetzung von Diamond Open Access geschaffen wird. Unsere nächsten Veranstaltungen werden auf der SeDOA-Webseite angekündigt. 
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<item><title>Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Fokus beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025</title><link>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</link><comments>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025#comments</comments><pubDate>Tue, 04 Nov 2025 10:00:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Ronja Kuhlwilm</dc:creator><dc:creator>Sebastian Schaarschmidt</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Simon Schmiederer</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/konsortiale-open-access-finanzierung-im-fokus-beim-worldcafe-auf-der-bibliocon-2025</guid><description>Gemeinsam offen finanzieren - unter diesem Leitgedanken trafen sich Vertreter*innen aus Bibliotheken, Konsortialstellen und Open-Access-Projekten beim Worldcafé auf der Bibliocon 2025 in Bremen. Im Mittelpunkt standen praktische Erfahrungen, Bedarfe und Ideen für die Zukunft konsortialer Open-Access-Modelle.
Einleitung

Auf dem 9. Bibliothekskongress 2025, der 113. Bibliocon in Bremen, veranstalteten vier Open-Access-Konsortialstellen ein Hands-on-Lab mit dem Titel „Konsortiale Open-Access-Finanzierung im Dialog mit der bibliothekarischen Erwerbung zukunftsfähig gestalten“. Ziel des Workshops war es, die Bedarfe und Herausforderungen von Bibliotheken bei der Finanzierung von Open-Access-Publikationen zu analysieren und vertiefend zu diskutieren. Aus den Thementischen gingen folgende Kernbefunde hervor: Es besteht ein dringender Bedarf an transparenter Kosteninformation und Nachvollziehbarkeit der Pledging-Summen; strukturelle und dauerhafte Finanzierungswege (statt rein fallweiser Einzelförderung) werden als notwendig erachtet; konsortiale Modelle werden als zentrales Instrument zur Förderung bibliodiverser, solidarisch finanzierter Diamond-Open-Access-Publikationen geschätzt, sind jedoch angesichts der heterogenen Publikationslandschaft herausfordernd umzusetzen; darüber hinaus wurden Entscheidungshilfen, gezielte Ansprache budgetverantwortlicher Stellen und mehr Awareness- und Informationsarbeit als Voraussetzung für eine breitere Beteiligung identifiziert.

Diamond Open Access

Open Access bezeichnet die Möglichkeit, wissenschaftliche Ergebnisse ohne Zugangsbeschränkungen im Internet frei verfügbar und nachnutzbar zu machen. Dafür existieren verschiedene Modelle. Eines davon ist Diamond Open Access – ein Begriff, der seit Jahren intensiv diskutiert und unterschiedlich interpretiert wird. Manche verstehen Diamond Open Access lediglich als Unterform des Gold Open Access, andere sehen darin eine eigenständige Publikationskategorie mit klaren Abgrenzungskriterien (vgl. Dellmann et al., 2022).

Die Uneinigkeit entsteht vor allem dadurch, dass die zugrunde liegenden Kriterien variieren. Ein gemeinsamer Nenner aller Definitionen ist jedoch: Für Autor*innen und auch für Einrichtungen, an denen diese affiliiert sind, fallen keine Publikationsgebühren an - weder in Form von Article Processing Charges (APCs) für Zeitschriftenartikel noch in Form von Book Processing Charges (BPCs) für Bücher. Ebenso können Leser*innen ohne Kosten oder Abonnements auf die Inhalte zugreifen.

Darüber hinaus beinhalten manche Definitionen weitere Aspekte. Häufig wird gefordert, dass die Publikationsorgane wissenschaftsgeleitet (scholar-led) sind, also von Wissenschaftler*innen oder wissenschaftlichen Fachgesellschaften verantwortet werden und die Titelrechte dort verbleiben. Teilweise wird auch der Ausschluss kommerzieller Interessen als zentrales Kriterium angesehen. Die Finanzierung von Diamond Open Access erfolgt dabei über unterschiedliche Modelle, etwa durch Institutionen, Förderprogramme oder kooperative Gemeinschaftsstrukturen. In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf die konsortiale Finanzierung.
Konsortiale Finanzierung statt Transformationsverträge

Um die Kosten für die Publikation einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Buches zu tragen, kann ein Konsortium organisiert werden. Das bedeutet, dass sich mehrere Einrichtungen zusammenschließen und die Produktionskosten der herausgebenden Redaktion gemeinsam tragen.

Ein Vorreiter für dieses Finanzierungsmodell ist seit vielen Jahren die Open Library of Humanities (OLH). In den letzten Jahren sind auch in Deutschland mehrere Initiativen und Projekte entstanden, die konsortiale Open-Access-Finanzierung für verschiedene Fächer organisieren. Dabei fungiert meistens eine Einrichtung als Konsortialstelle und kümmert sich sowohl um die Gewinnung von Konsorten als auch um die Gewinnung von Zeitschriften oder Büchern für die Diamond-Open-Access-Finanzierung.

Transformationsverträge ermöglichen weder kurz- noch langfristig eine Umwandlung der Publikationslandschaft hin zu vollem Diamond Open Access (Mittermaier, 2025). In einzelnen Fachdisziplinen, wie der Bildungsforschung, ist dies bereits empirisch bestätigt (Rettelbach, 2025).

Alternative Wege wie z. B. Diamond-Open-Access-Finanzierungskonsortien werden also dringend gebraucht. Die Teilnahme an einem Konsortium ist für die teilnehmende Einrichtung mit geringem administrativen Aufwand verbunden. Zudem wird die Bibliodiversität gefördert und ein fairer Zugang zu Forschungsliteratur und -daten ermöglicht. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sind in der Regel niedriger als eine einzelne APC/BPC und bei den meisten konsortialen Angeboten werden mehrere Zeitschriften und/oder Bücher gefördert.
Bedürfnisse, Erfahrungen und Perspektiven der Bibliotheken

Im Mittelpunkt des Workshops stand der offene Austausch mit der Open-Access-Community, insbesondere der bibliothekarischen Erwerbung. Um die vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen sichtbar zu machen, wurde das Format des Worldcafés gewählt - eine partizipative Diskussionsmethode, bei der Teilnehmende in wechselnden Kleingruppen an verschiedenen Thementischen miteinander ins Gespräch kommen. So konnten zentrale Fragen und Ideen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden.

Alle Thementische bezogen sich auf die konsortiale Open-Access-Finanzierung. Im Fokus standen dabei vier Schwerpunkte: „Preis(-transparenz)“, „Finanzierungsmöglichkeiten“, „Mehrwerte und Entscheidungshilfen“ sowie „bestehende Angebote“. An jedem Tisch wurden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen benannt und konkrete Ansätze für zukünftige Entwicklungen formuliert.
Preis(-transparenz)

Bei der Preistransparenz wurde die Rolle der Konsortialstellen als Instanz hervorgehoben, die die Kostenstrukturen der Zeitschriften und Buchprojekte prüft, wenngleich offen bleibt, ob dies den Konsortien vollumfänglich möglich ist. Den Konsortien wird großes Vertrauen entgegengebracht, was die Preisgestaltung von Open-Access-Konsortialangeboten anbelangt. Es wurde einerseits die Meinung geäußert, dass Diamond Open Access grundsätzlich ein Non-Profit-Angebot sei und daher die Preistransparenz an dieser Stelle nicht so wichtig. Demgegenüber wurde andererseits formuliert, dass es wünschenswert sei, wenn es eine größere Transparenz hinsichtlich des Zustandekommens von Pledgingsummen gäbe, um besser nachvollziehen zu können, was Bibliotheks- und Informationseinrichtungen genau finanzieren. Auf einer grundsätzlichen Ebene wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoller sei, von der Diamond-Open-Access-Einzelförderung von Zeitschriften weg zu kommen zugunsten einer infrastrukturellen Förderung von Diamond Open Access. Dieser Punkt wurde im Zuge der Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten von Diamond Open Access vertieft diskutiert.
Finanzierungsmöglichkeiten

In den Diskussionsrunden wurde festgestellt, dass umfassende Kenntnisse von Finanzierungsmöglichkeiten von (Diamond) Open Access ein zentrales Desiderat darstellen und es übergreifender struktureller Lösungen bedarf. In den Einrichtungen der Workshopteilnehmenden wird gegenwärtig zum Großteil das Budget zur Erwerbung verwendet, wobei nur vereinzelt auch Open-Access-Budgets vorhanden oder gar ausdifferenzierte Informationsbudgets etabliert sind. Ergänzt werden diese Haushaltsmittel zum Teil durch zentrale Förderpauschalen von DFG und BMFTR). Der Finanzierungsspielraum wird jedoch durch Transformations- und DEAL-Verträge grundlegend beschränkt und zunehmend Mittelflüsse aus dem Forschungsbereichen notwendig. Dabei wurde jedoch angemerkt, dass bei den Fachhochschulen nahezu keine Aktivitäten stattfinden und keine Finanzierungsspielräume vorliegen, wie dies beispielhaft für die Schweiz dargelegt wurde.

Darüber hinaus wurde diskutiert, Diamond Open Access als grundlegende Infrastrukturförderung zu betrachten und nachhaltige Lösungen gefordert. Beispielhaft wurde dabei der Vorschlag aus dem Leopoldina-Papier grundsätzlich als eine dauerhafte Lösung begrüßt, deren konkrete Umsetzung jedoch von den Teilnehmenden eher kritisch diskutiert wurde.

Als wichtige und zentrale Lösungen wurden Finanzierungskonsortie diskutiert. Als Herausforderung wurde dabei die heterogene Situation in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft dargelegt. Die vertretenen fachlichen Konsortien wurden als beispielhaft beschrieben und der weitere Ausbau hin zu Best-Practices mit der Etablierung weiterer fachlicher Konsortien gewünscht.
Mehrwerte und Entscheidungshilfen

Kriterien für eine finanzielle Beteiligung an Diamond-Open-Access-Angeboten

Als grundlegende Aspekte für eine finanzielle Beteiligung seitens Bibliotheken an konsortialen Modellen wurden insbesondere die fachliche Passung eines Angebots und die Affiliationen der Autor*innen mit der eigenen Institution genannt. Dabei handelt es sich um Faktoren, die bereits aus einer Umfrage des Projekts KOALA-AV bekannt sind und somit im Austausch mit der Zielgruppe diskursiv vertieft wurden (vgl. Schenke et al., 2025). Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access auch unter einem solidarischen Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: Die gemeinsame Finanzierung gilt als Beitrag zur notwendigen Transformation des Publikationssystems, um ein Gegengewicht in der aktuellen APC/BPC-Krise zu schaffen.

Ideen für konkrete Mehrwerte

Als mögliche Beteiligungsanreize wurden u. a. Rabatte für Tagungen oder Mitgliedschaften bei Fachgesellschaften ins Spiel gebracht, wenn deren Zeitschriften durch Diamond Open Access finanziert werden. Auch der exklusive Zugang zu Backlist-Titeln wurde als denkbarer Zusatznutzen genannt. Backlist-Titel sind lieferbare Bücher eines Verlags, die bereits vor einiger Zeit erschienen sind und nicht zu den Neuerscheinungen (Frontlist) gehören. Als Mehrwert werden konsortiale Finanzierungsangebote darüber hinaus dann wahrgenommen, wenn sie ein Flipping von Publikationsmedien bewirken, die zuvor direkte Gebühren für den Lesezugriff (Subskription) oder das Publizieren erhoben haben.

Entscheidungshilfen für Einrichtungen

Um an konsortialer Finanzierung interessierte Einrichtungen bei der Entscheidung für eine Teilnahme zu unterstützen, sei es wichtig, dass Diamond-Open-Access-Anbieter Entscheidungsträger*innen gezielter ansprechen und Teilnahmeumfragen zweckgerichteter versenden, d.h. direkt an die Abteilung einer Einrichtung, von der aus das Budget für eine Konsortialteilnahme verwendet werden kann. Um effizienter herauszufinden, aus welchen Mitteln einer Institution eine Finanzierung potenziell erfolgen könnte und wer die entsprechende Ansprechperson ist, sei eine engere Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erforderlich.

Darüber hinaus brauche es mehr Bewusstsein und Aufklärung über die Funktionsweise und den Nutzen von Diamond Open Access in den einzelnen Abteilungen und Fachbereichen von Einrichtungen. Eine Workshop-Teilnehmerin stellte die sogenannten „Sektionstouren“ ihrer Einrichtung vor, bei denen Fachbereiche direkt durch die Open-Access-Mitarbeitenden informiert werden – teilweise kombiniert mit kurzen Erklärvideos („Library Shorts“). Diese Maßnahmen seien zwar aufwendig, hätten sich aber als sehr wirksam erwiesen. Diskutiert wurde, ob Konsortialstellen hier ansetzen und beispielsweise einen Werkzeugkoffer mit Infos zu Diamond Open Access und ihren Konsortialmodellen für Sektionstouren entwickeln könnten.

Framing und Wahrnehmung

Die Diskussion zeigte auch, dass es eine Frage der Rahmung (“Framing”) ist, wie Dringlichkeit erzeugt wird. Während Subscribe-to-Open-Modelle durch ihre Benennung eine unmittelbare Notwendigkeit der Unterstützung signalisieren („ohne Subskription kein Open Access“), wirkt Diamond Open Access auf den ersten Blick als ohnehin frei verfügbares Angebot. Dieser Eindruck ist jedoch trügerisch, da auch Diamond Open Access nur bei ausreichender Mitfinanzierung langfristig bestehen kann.

Übergeordnete Perspektiven

Eine Arbeitsgruppe wählte einen eher grundsätzlichen Blickwinkel. Sie stellte infrage, ob fiktive Mehrwerte überhaupt sinnvoll seien, und plädierte dafür, die Erwerbungslogik von Bibliotheken stärker an Prinzipien der Openness statt an kapitalistischen oder reputationsbasierten Kriterien auszurichten. Falls Mehrwerte formuliert würden, müsse außerdem zwischen Vorteilen für Einrichtungen und Vorteilen für Autor*innen unterschieden werden. Besonders wurde betont, dass DEAL-Verträge nicht unter dem Label Diamond Open Access subsumiert werden dürften. Zudem wurde vorgeschlagen, dass eine stärkere Professionalisierung und Zentralisierung (z. B. durch SeDOA) zur Sichtbarkeit und besseren Vermittlung der spezifischen Mehrwerte von DOA beitragen könnte.
Bestehende Angebote

Die bestehenden (Diamond) Open-Access-Konsortialangebote richten sich stets an eine spezifische Fachdisziplin und somit an eine bestimmte Community. Im Workshop wurde deutlich, dass (Diamond) Open-Access-Angebote nur fachspezifisch gefördert werden können. Wichtige Punkte für Einrichtungen sind zudem Kostenstabilität, Relevanz für die eigene Einrichtung/den Fachbereich und Nutzungszahlen. Außerdem wurde von den Teilnehmenden hervorgehoben, dass es wichtig sei, auch bestehende Open-Access-Zeitschriften und nicht nur geflippte Zeitschriften zu fördern.

Als ein Problem für Neugründungen wird die fehlende Reputation gesehen. Zudem wurde betont, dass gerade bei Neugründungen Förderzusagen für einen festen Zeitraum (z. B. 3 Jahre oder mehr) den Zeitschriften eine bessere Planungssicherheit gibt.

Für einige Bibliotheken sei eine Opt-Out-Regel wichtig, sobald es um mehrjährige Förderung von Diamond Open Access geht. Dies steht dem Wunsch nach Planungssicherheit auf Seiten der Finanzierten gegenüber. Meist werden konsortiale Open-Access-Finanzierungen noch lediglich als eine zusätzliche Etatbelastung wahrgenommen und eine Integration in reguläre Bibliotheksetats steht noch aus. Viel Geld ist aktuell bereits in Transformationsverträgen gebunden. Diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal in Zeiten knapper Finanzlagen. Ein eigenes Budget zur Förderung von konsortialer Open-Access-Finanzierung an den Einrichtungen könne hier ein Lösungsweg sein.
Die Konsortialstellen, die das Worldcafé angeboten haben:

OLE-Konsort
OLE-Konsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für wirtschaftswissenschaftliche DOA-Zeitschriften auf. Das Zeitschriftenpaket wächst jährlich an, wobei die Zeitschriften eine Förderzusage von drei Jahren erhalten. Die Teilnahme ist auf ein Jahr ausgelegt vom 01.01. bis zum 31.12. Die Pledgingrunden finden jedes Jahr von Juli bis November statt, währenddessen Einrichtungen ihre Unterstützung für das folgende Jahr zusagen können. OLEKonsort wird von 2023-2026 durch Projektförderung des BMFTR unterstützt. Konsortialführende Einrichtung ist die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

KOALA - Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen
KOALA ermöglicht eine nachhaltige Finanzierung für Diamond-Open-Access-Publikationen. Dafür schnürt KOALA thematisch fokussierte Zeitschriften zu Bündeln, die wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Finanzierung angeboten werden. Sobald das Finanzierungsziel für ein Zeitschriftenbündel erreicht ist, werden die enthaltenen Titel für drei Jahre gesichert finanziert und vollständig frei zugänglich gemacht. Die TIB fungiert als zentraler Dienstleister und Koordinator für das KOALA-Modell und betreibt das Angebot im Regelbetrieb für Zeitschriften in ihrem Fächerspektrum. 

Laufende Pledging-Runde: Noch bis zum 31.10.2025. kann für die KOALA-Bündel KOALA Mathematik 2026 – 2028 (4 internationale Fachzeitschriften, 140 Artikel jährlich) und KOALA TIB Sensor Systems 2026 – 2028 (Journal of Sensor and Sensor Systems, JSSS) am Pledging teilgenommen werden. 

KOALA-SLUB
Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) betreibt seit 2024 ein Pilotprojekt zur Organisation konsortialer Open-Access-Finanzierungslösungen unter dem Titel KOALA-SLUB. In einer ersten Finanzierungsrunde konnten hier bereits 11 Zeitschriften in drei fachlichen Bündeln im Rahmen des KOALA-Modells finanziert werden. Die SLUB Dresden wird sich in Zukunft weiter in dieser Richtung engagieren.

OPEN-ACCESS-KONSORTIUM BILDUNG (EDU_CONSORT_OA)
Das BMFTR-geförderte Verbundprojekt des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft. Das Verbundprojekt zielt sowohl auf ein Crowdfunding für DOA-Fachzeitschriften als auch auf ein Crowdfunding für E-Books, da diese Publikationsformen weiterhin als zentral in den Fachcommunitys angesehen werden. Dabei konnten bereits in vier erfolgreichen Runden knapp 80 Monografien und Sammelwerke unter Beteiligungen von jeweils über 50 Einrichtungen finanziert werden. Die Erfahrungen mit den beiden Verfahren werden als Best-Practices für einen Transfer in andere Fachcommunitys und Fachinformationsdienste aufbereitet

eilnahme an Konsortialangeboten und weitere Infos

Im Diamond Funding Navigator finden Sie weitere Informationen zu den Angeboten dieser Konsortialstellen.
Literaturverzeichnis

    Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 9(3), 1-12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849)
    Mittermaier, B. (2025). Transformationsverträge sind eine Sackgasse: In Erinnerung an Irene Barbers (1966–2025). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(1), 1-22. https://doi.org/10.5282/o-bib/6117)
    Rettelbach, S., &amp; Schindler, C. (2025). Zum Status quo der Open-Access-Transformation in der Bildungsforschung: Eine Analyse einschlägiger Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-23. https://doi.org/10.5282/o-bib/6119)
    Schenke, J., Stork, K. S., &amp; Tullney, M. (2025). Das Diamond-Open-Access-Modell KOALA aus erwerbungsbibliothekarischer Sicht: Ein Auswertungsbericht. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 12(2), 1-16. https://doi.org/10.5282/o-bib/6162</description><enclosure
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<item><title>KOALA &amp; KOALA-AV: Advancing Consortial Open Access Models</title><link>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</link><comments>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models#comments</comments><pubDate>Mon, 22 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/koala-koala-av-advancing-consortial-open-access-models</guid><description>KOALA (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen&quot;) was initially the name of a BMBF-funded project (2021–2023) that developed a consortial funding model for Diamond Open Access publishing. During this phase, the foundational KOALA model was conceptualized, and two pilot consortia were launched. Since 2023, the TIB Hannover has continued the initiative as a regular service under the KOALA name. More broadly, &quot;KOALA&quot; now refers to the underlying funding approach and serves as the umbrella term for various DOA consortia coordinated by institutions such as SLUB Dresden and the Specialized Information Service (FID) Media.

KOALA-AV (&quot;Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen, ausbauen und verankern&quot;) is the current follow-up project (2023–2025), which aims to expand and solidify the KOALA model. It focuses on improving participation conditions for journals, libraries, and other potential consortium leads, strengthening the KOALA community, and supporting the internationalization of the model.
Highlights from the KOALA Journal Meet-Ups

In May 2025, two journal meet-ups brought together editorial teams from Open Access journals supported by KOALA. These events provided a valuable opportunity for participants to network, share experiences, and collaboratively reflect on their partnerships with KOALA. With KOALA-AV entering its final project phase, the meet-ups served as timely forums for evaluating current workflows, addressing ongoing challenges, and charting paths toward sustainable, cooperative publishing models.
Purpose and Structure of the Meet-Ups

The meet-ups’ primary aim was to encourage exchange among journals funded through KOALA and to strengthen the network of editorial teams working under a shared funding framework. Participants had the chance to voice their perspectives on collaborating with KOALA. Along these lines, they had the opportunity to discuss operational concerns, and to identify opportunities for improvement. At the same time, KOALA provided strategic feedback on how journals could optimize their approaches to institutional pledging and to improving communication processes.
Topics and Discussions

A wide range of topics emerged over the course of the two sessions, covering both everyday management and larger strategic considerations: A central point of discussion was how journals can better support the pledging process through engagement with authors. Specifically, they explored how authors can serve as important multipliers within their academic environments regarding funding requests. This could include raising awareness of the KOALA initiative at their home institutions, initiating conversations with relevant departments or decision-makers, and advocating for institutional support. Their disciplinary credibility and personal affiliations can thus significantly strengthen outreach efforts and contribute to building a sustainable funding base.

This tied in with the topic of affiliation lists: Journals were encouraged to record in a detailed fashion which authors had published with them and which institutions these authors had been affiliated with. These lists serve as a valuable tool to identify potential funding institutions, allowing for more a targeted outreach by KOALA and by the journals themselves. Moreover KOALA elaborated on what kind of documentation the journals are expected to provide to show that they have made appropriate use of KOALA funding. Along these lines, questions about financial reporting and acceptable forms of evidence were addressed, emphasising clarity and consistency in documenting how the journals have used the funding.

Another major theme was the importance of clear internal structures within journal teams. Participants highlighted the need to establish clear responsibilities with regards to invoicing, communication, and reporting, and to ensure that KOALA always has current contact information. This tied in with many journals observing that in the past delays and miscommunication had often been traced back to unclear responsibilities, making this a recurring issue. Moreover, invoicing and financial management were identified as areas of both progress and challenge. Some journals reported having had difficulties with issuing invoices or dealing with VAT (Value Added Tax) due to limited financial expertise, while others appreciated KOALA’s flexibility and support in these matters. Some participants noted that having a functioning workflow for invoicing and reporting has been beneficial for both sides but also pointed to the need for more guidance in complex or unclear financial scenarios. Beyond that, timely decision-making and communication processes were emphasized as crucial for the funding process to run smoothly. Both KOALA and the journals acknowledged that delays in information-sharing could hinder institutional pledging cycles, which follow annual timelines in most libraries. Furthermore, there was a discussion about how to handle unspent funds. One journal expressed interest in being allowed to transfer unused funds into subsequent years. Here, KOALA clarified that while minor transfers are acceptable, funds should ideally be spent within the designated year to support consistent planning and accountability.

The sustainability of the KOALA model featured prominently in the meet-ups’ strategic discussions. Many participants reflected positively on KOALA’s role in supporting their journals, describing it as a “wonderful surprise,” “a godsend,” and even as the reason their journal could continue operating in the first place. The simplicity of the funding process, the efficiency of communication with KOALA-AV, and the clarity of cooperation agreements were frequently praised. Apart from that, KOALA’s minimum standards were seen as helpful to increase transparency and to improve editorial quality. At the same time, journals voiced concerns about the long-term availability of funding, particularly in light of limited institutional budgets and the growing number of initiatives seeking support under the KOALA umbrella. As pain points, the complexity of internal communication processes within editorial teams, frequent staff changes at KOALA, and a lack of timely updates on contact persons or new project phases were all mentioned. Furthermore, some considered the process for extending funding into a new financing period unclear, stating that this had created uncertainty for future-related planning steps. At the same time, the opportunity to connect with peers, exchanging best practices and learning from each other’s challenges, was highly valued.
KOALA-AV’s Feedback and Recommendations

KOALA-AV offered a series of recommendations aimed at improving collaboration and ensuring a more efficient workflow for all involved. The importance of aligning communication and planning with library acquisition cycles was emphasized: Since libraries often follow a set sequence—information acquisition, consultation, pledging, and accounting—journals need to respond in a timely and structured manner to ensure success. Along these lines, KOALA urged journals to play a more proactive role in supporting pledging by motivating their authors to contact their institutional libraries and by sharing up-to-date affiliation lists. These efforts can significantly improve the likelihood of acquiring funding successfully. Another key topic was transparency: Journals were advised to publish simple, publicly accessible statements on their use of KOALA funds—ideally on their websites—including the total amount of funding they had received, and a basic breakdown of how the funds are spent. This not only builds trust but also demonstrates accountability to institutions, authors and the wider Open Access community. Finally, KOALA emphasized the importance of managing annual funding effectively: While some transfer-related flexibility is allowed, KOALA’s general expectation is that funds are used within the allocated year, maintaining budgetary discipline and supporting clearer financial cycles.
Outlook: What Comes Next?

Although KOALA-AV did formally conclude by the end of August 2025, the underlying KOALA service and model will continue to operate. KOALA now encompasses both the initial project phase (2021–2023) and the ongoing consortium approach to Open Access support. Looking ahead, the KOALA service hosted at TIB will remain active, particularly in the STEM disciplines, and is exploring ways to extend current funding bundles beyond the standard three-year cycle. At the same time, SLUB Dresden will continue its pilot efforts and provide support for participating journals. For subject areas not yet covered, solutions are being developed, including the transfer of funding responsibilities to two Specialized Information Services (Fachinformationsdienste). Currently, new pledging phases are in preparation to ensure a smooth transition into the next funding round. Besides that, KOALA plans to expand its coordination infrastructure to support more journals. It also pursues international partnerships to broaden its reach and impact.
Conclusion

The KOALA journal meet-ups highlighted the importance of dialogue, transparency, and mutual support in sustaining a community-driven Open Access infrastructure. While some challenges remain, the participants’ overall feedback was one of appreciation, collaboration, and determination. Through shared learning and collective problem-solving, KOALA and its partner journals continue to pave the way for a more equitable and sustainable publishing landscape.

Perspectives of the journals that participated in the meet-up:

SMAI-Journal of Computational Mathematics was founded in 2014 by the French Society of Applied and Industrial Mathematics (SMAI). It publishes high quality research articles on the design and analysis of algorithms for computing the numerical solution of mathematical problems arising in applications. It is published via the Centre Mersenne, which is a diamond open access scientific publishing infrastructure developed by Mathdoc, a support and research unit of the CNRS and the Université Grenoble Alpes in France. As Deputy Secretaries in charge of the SMAI publications, our role is to oversee the scientific development of the journal and ensure that we can guarantee open access publication under the best conditions for the articles submitted now and in the future. This combination of efforts from the SMAI and the Centre Mersenne offers a society-based venue for excellent work from a very active international field. (Amandine Véber &amp; Nicolas Forcadel)

The Journal de l&#039;École polytechnique — Mathématiques (JEP), started in 2014, publishes, in English or French, original research articles in all domains of applied and fundamental mathematics. It continues, in the domain of mathematics, the Journal de l&#039;École polytechnique, one of the oldest French scientific journals (1795–1939), which published articles in mathematics as well as in mechanics and in physics. As journal manager, I oversee relations between the editorial assistant, the three chief editors, and the forty or so section editors on the OJS editorial platform. I also supervise production by the Centre Mersenne. Finally, in collaboration with the three chief editors, I take care of the regular renewal (every five years) of the editorial board. The journal has gained a solid reputation within the mathematical community, as it now receives around 120 submissions annually with an acceptance rate of around 25%. (Claude Sabbah)

Logical Method in Computer Science is a fully refereed, diamond open-access, electronic journal. It welcomes papers on theoretical and practical areas in computer science involving logical methods, taken in a broad sense. Since its foundation in 2004 the journal has developed into a leading venue for papers in the field, as witnessed e.g. by many published special issues of competitive conferences. Currently, the journal publishes around 110 articles per year. The journal is run as an overlay of arXiv.org, a well-known open document archive which currently hosts more than 2 million scholarly articles in the natural sciences, mathematics, computer science, and engineering. The peer review process of the journal relies on the French Episciences platform. I have been involved in the journal in various roles since the beginning, and I have been its Editor-in-Chief since 2020. (Stefan Milius)

TheoretiCS attempts to be one of the three leading journals in the field of Theoretical Computer Science and the only one to follow the diamond open-access model. The journal is strongly based in its research community: all major conferences in in the field of Theoretical Computer Science have representatives on the advisory board of TheoretiCS and in the TheoretiCS Foundation, the publisher of the journal. These strong roots in the research community have enabled us to convince many leading researchers to join the editorial board of TheoretiCS. It also helped to find additional volunteers to help with the editorial and publishing process. We are grateful for the support provided by the KOALA project, which enables us to reimburse part of the efforts for some of these volunteers. (Thomas Schwentick)

The Journal of Universal Computer Science (J.UCS) is a veteran in the field of high-quality open access publications in computer science. Founded in 1993, the J.UCS team has guided the journal through decades of challenges associated with a free-of-charge policy for authors and readers. Our thoroughly peer-reviewed monthly regular issues, as well as several special issues on current topics, serve as one of the major knowledge databases for the international research community, documenting the history of computer science over decades and continuing with today&#039;s latest trends - thanks to KOALA. Our team is dedicated to communicating with our reviewers from around 50 different countries to help our authors get the most out of their research and ensure the high quality and relevance of our publications. The expected 200,000+ views this year show that the effort is worth it, every day. (Johanna Zeisberg and Christian Gütl)</description><enclosure
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<item><title>Stellungnahme des scholar-led.network zum Leopoldina-Papier zur Diamond-Open-Access-Finanzierung</title><link>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung#comments</comments><pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Michael Czolkoß-Hettwer</dc:creator><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</guid><description>Das scholar-led.network versteht sich als Interessenvertretung von Akteur*innen des wissenschaftsgeleiteten Publizierens im deutschsprachigen Raum. Es besteht aus Akteur*innen, die unterschiedliche Positionen im Publikationssystem einnehmen und die teilweise institutionell angebunden, teilweise frei affiliiert sind. Die Netzwerkmitglieder vertreten diverse disziplinäre und fachliche Zusammenhänge, wobei die Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften gegenwärtig unterrepräsentiert sind.

Diese Stellungnahme zum Diskussionspapier “Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (im Folgenden: Leopoldina) von 2025 möchte entsprechend die Perspektive eines Netzwerks des wissenschaftsgeleiteten Publizierens stark machen und ist in dieser Hinsicht parteiisch. Das Netzwerk versteht dabei wissenschaftsgeleitetes Publizieren vor allem als wertegeleitetes Publizieren: Kooperation, Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit, Bibliodiversität und grundsätzlich nicht-kommerzielle Modelle sind für das Netzwerk leitend (scholar-led.network 2022). 

In dieser Konsequenz geht diese Replik nur auf jene Punkte des Diskussionspapiers ein, die unmittelbar Interessen des Netzwerks berühren: Dazu gehören die finanziellen Rahmenbedingungen und angenommenen Kostenstrukturen, die vorgeschlagenen Auswahlmechanismen und Reputationsindikatoren sowie die konkrete Umsetzung des Förderanspruchs in den Verfahren der Antragstellung.
Nachhaltige Finanzierung von Diamond Open Access: Ein unterstützenswertes Ziel

Verschiedene wissenschaftspolitische Stimmen, etwa der Rat der Europäischen Union, cOAlition S und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, haben Diamond Open Access als wegweisenden Lösungsansatz für die Reorganisation des wissenschaftlichen Publizierens hervorgehoben. Auch im Bereich der wissenschaftsgeleiteten Publikationsinfrastrukturen hat sich mit Projekten wie DIAMAS, CRAFT-OA und jüngst mit der Einrichtung der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) viel getan. Nachhaltige Finanzierungskonzepte blieben jedoch eine Leerstelle, die vor allem jene Diamond-Open-Acess-Publikationen vor große Herausforderungen stellt, die nicht über eine direkte institutionelle Förderung verfügen (vgl. Taubert et al. 2024). Aktuelle Modelle für die Konsortialfinanzierung von Diamond Open Access setzen wichtige Impulse (z. B. KOALA, OLEcon), ermöglichen jedoch noch keine verlässliche und nachhaltige Finanzierung, die den mittelfristigen Planungshorizont von Ausgaben und redaktioneller Arbeit abdeckt (Ganz et al. 2024).

Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind aus unserer Sicht dringend erforderlich, auch um perspektivisch eine weitere Professionalisierung des wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu befördern. Dass die Leopoldina nun einen Verfahrensvorschlag für die direkte Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften vorgelegt hat, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Die Vorschläge sollten jedoch daraufhin hinterfragt werden, vor welchem fachlichen Hintergrund sie entwickelt wurden. Die Natur- und Lebenswissenschaften prägen unserer Lesart nach die von der Leopoldina vorgelegten Vorschläge und werden durch die Adressierung des Gesamtsystems im Vorschlag zugleich verallgemeinert. Und auch wenn die Wissenschaften umfassend und im Plural angesprochen sind, besteht unseres Erachtens die Gefahr einer Marginalisierung. Fach- und Publikationskulturen, die sich etwa hinsichtlich der Rolle von Fachgesellschaften, der wirtschaftlichen Bedeutung von Publikationen für diese Gesellschaften, der Quantität und Verteilung des Publikationsoutputs, epistemischer Differenzierungen innerhalb der Disziplinen und nicht zuletzt Ökonomien der Reputation anders organisieren, werden in diesen Vorschlag aus unserer Sicht nicht ausreichend einbezogen.

Angesichts steigender Publikationszahlen und Publikationskosten im globalen Publikationsmarkt, seiner zunehmenden Oligopolisierung sowie der Marginalisierung von Forschenden durch Geschäftsmodelle, die auf Publikationsgebühren basieren, halten wir das Leopoldina-Papier daher für unbedingt diskussionswürdig.
Was darf Open Access kosten?

Das Leopoldina-Papier positioniert eine dauerhafte öffentliche Finanzierung von Diamond Open Access als Alternative zu subskriptions- und APC-basierten Modellen. Um eine Transformation der bisherigen Finanzierungswege zu erreichen, werden im Papier einige interessante Eckpunkte vorgelegt. Grundprinzip ist die Förderung von wissenschaftlichen Publikationen (Texte und Daten) im Diamond Open Access durch öffentliche Mittel. Die Vergabe dieser Mittel soll, ähnlich wie bei der Forschungsförderung, in einem Antrags- und Begutachtungsverfahren erfolgen. Was sich auf den ersten Blick als sinnvolle Alternative zum jetzigen System darstellt, wirft im Detail Fragen auf.

Die Feststellung, dass die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen eine Daueraufgabe darstellt, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. Fragwürdig ist jedoch, ob eine Begutachtung, die in der Praxis durch einzelne Wissenschaftler*innen durchgeführt wird, dazu geeignet ist, diese Dauerhaftigkeit zu garantieren. Notwendig wären dafür zumindest klare Kriterien für wissenschaftliche Qualität und angemessene Kosten einer Zeitschrift. Zu beachten ist auch, dass durch ein solches Verfahren Erfordernisse an die Antragstellung, an den regelmäßigen Vergleich von Dienstleistungsangeboten und an das Reporting implementiert werden, die zusätzliche Ressourcen binden. Dieser Ansatz unterläuft die Idee der garantierten Dauerhaftigkeit und setzt Zeitschriften unter einen auf die Evaluation hin ausgerichteten Performanzdruck. Kosten und Ertrag eines solchen Antrags-Evaluationsmodells sind auch hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Implementierungskosten kritisch zu sehen. 

Aus unserer Sicht ist der wichtigste Aspekt des Leopoldina-Papiers zunächst, dass er eine strategische Diskussion darüber eröffnet, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Publizierens bedeutet und zwar differenziert nach notwendigen Kosten und weiteren Kostenpunkten, die gegebenenfalls auch eingespart werden könnten. Das Papier kritisiert zurecht, dass sich die Kosten im aktuellen APC-Modell in einem breiten Rahmen bewegen, der “nicht notwendigerweise die tatsächlichen Kosten widerspiegelt, sondern auch Ausdruck der Marktposition von besonders renommierten Zeitschriften ist” (S. 26). Die Leopoldina schlägt vor, die Kosten entlang von einzelnen Kostenbestandteilen transparent zu gestalten und so an den jeweiligen disziplinären Anforderungen zu orientieren (S. 33). Eine Kostenersparnis ergibt sich dadurch in erster Linie durch das Flipping besonders renommierter, von Fachgesellschaften herausgegebenen Zeitschriften, die bislang hohe APC verlangen.

Grundsätzlich schlägt das Leopoldina-Papier also ein Modell vor, das im Umfeld weniger großer Unternehmen wettbewerbsfähig sein will. Die Skalierung des Diamond-Open-Access-Modells wird aber Auswirkungen auf die Organisationsformen derjenigen Zeitschriften haben, die bereits heute durch das Engagement Gemeinwohl- oder zumindest Community-orientierter Wissenschaftler*innen herausgegeben werden und die in der Regel aktuell unterfinanziert sind. Die Idee, dass zunächst nur ausgewählte Zeitschriften an diesem neuen System teilhaben können, und mögliche Budget-Anpassungen anhand bestimmter Erfolgsfaktoren erfolgen (S. 22), führen eine im Vergleich zur aktuellen Situation des kommerziellen Publizierens nicht minder problematische, Community-interne Konkurrenzkonstellation ein. 

Letztlich ist fraglich, ob die im Papier postulierte Kostensenkung mit dem Fokus auf das Renommee der Zeitschriften tatsächlich erreicht werden kann. Auf dieser Annahme ein umfassendes Finanzierungsprogramm zu begründen, scheint risikoreich. Eine Diamond-Open-Access-Infrastruktur, in der sich Publizierende weniger im Wettbewerb befinden, sondern sich gemeinwohlorientiert wechselseitig unterstützen, kann in der Summe kosteneffektiver sein, als ein im Kern auf Anträge und Evaluation ausgelegtes Modell. Alternative Modelle der Finanzierung sollten deshalb unbedingt weiter ausdifferenziert und diskutiert werden.
Wann ist eine Zeitschrift relevant genug für die Finanzierung?

Das Leopoldina-Papier verweist zurecht auf die Reputationsökonomie und die ihr zugrunde liegenden Verzerrungen als ausschlaggebenden Faktor im Wissenschaftssystem. Die artikulierte Erwartung, dass zu Beginn vor allem “Betreiber von bereits etablierten Zeitschriften” die Förderung in Anspruch nehmen (S. 20), mit einer unmittelbar hierauf ausgerichteten, kompetitiven Begutachtung sowie verschiedene Verweise auf den Journal Impact Factor als “Maß für die Reputation” (S. 27, S. 33) werfen eine Reihe von Fragen auf. 

Grundsätzlich führt die Idee, dass sich ein Zeitschriftentitel hinsichtlich der Leistung als auch Relevanz qualifizieren muss, einen Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten in das wissenschaftliche Publizieren ein, der den Eigengesetzlichkeiten der Wissenschaft entgegensteht. Akzeptanz und Relevanzbeurteilung der Zeitschriften sollte nicht in zyklischen Evaluationen, sondern als Ergebnis wissenschaftskommunikativer Aushandlungsprozesse in den Communities selbst erfolgen. Wird der wissenschaftskommunikative Aushandlungsprozess übergangen, stellt sich die Frage, wie die Diversität von Publikationen und Wissenschaftscommunities über das gesamte wissenschaftliche Fächerspektrum hinweg gewahrt und gefördert werden kann. 

Aus den vorgegebenen Verfahren und Kriterien würde eine Konzentration von Mitteln auf einen spezifischen Ausschnitt wissenschaftlicher Zeitschriften resultieren, die in bestimmten Fächern besonders vertreten sind. 

In der jeweiligen Fachcommunity existieren bereits ausgehandelte Standards wissenschaftlicher Qualität, auf die zurückgegriffen werden kann. Gerade weil der Journal Impact Factor in vielen Communities nicht relevant ist und die Messung von Qualität sowohl von Zeitschriften als auch von Individuen durch den Journal Impact Faktor sehr kritisch beurteilt wird, sollte die geforderte Reform des Reputationssystems etwa durch DORA und CoARA stärker berücksichtigt werden (vgl. Allianz der Wissenschaftsorganisationen 2025).

Die Gefahr besteht, dass Diamond-Open-Access-Entwicklungen in anderen Disziplinen, die weniger einer Reputationsökonomie folgen oder dem hier adressierten, klassischen Zeitschriftentypus entsprechen, verlangsamt werden. Auch eine systematische Überführung des gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenkorpus in das Diamond-Open-Access-Modell ist auf diesem Weg nicht zu erwarten, sondern vielmehr eine Verfestigung bestehender Mechanismen. Dies hätte unter anderem zur Folge, dass in bestimmten Fächern und für bestimmte, schon erfolgreiche Publikationen mehr Mittel gebunden werden als in anderen. Der Hinweis im Papier, dass Reputationsaufbau Zeit benötige (S. 35), verdeutlicht diesen Widerspruch.

Es ist ein nachvollziehbares Argument, dass die Umstellung etablierter Publikationen in ein Diamond-Open-Access-Modell eine Signalwirkung haben kann. Eine tatsächliche Sogwirkung im Sinne eines “Durchsickerns” der Effekte auf das Gesamtsystem, einschließlich auf Publikationen, die weniger gut institutionell eingebunden oder beispielsweise in “Kleinen Fächern” bedeutsam sind, ist jedoch aus den oben genannten Gründen fraglich.
Die Rolle der Fachgesellschaften

In dem von der Leopoldina vorgeschlagenen Modell spielen die Fachgesellschaften eine zentrale Rolle. Sie sollen Finanzierungsanträge ebenso einreichen können wie öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieser Ansatz birgt enormes Potential, um das Publikationswesen stärker wissenschaftsgeleitet zu organisieren; auch aus unserer Sicht ist die aktive Einbindung der Fachcommunities eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Insbesondere größere Fachgesellschaften, die bereits eigene Periodika herausgeben und hauptamtliches Personal beschäftigen, könnten für derartige Anträge in Frage kommen. Offen bleibt, in welchem Ausmaß in diesen Organisationen die Bereitschaft vorhanden ist, diese Rolle einzunehmen; auch haben sie in vielen Fällen vermutlich nicht ausreichend Kapazitäten und Expertise, um Förderanträge ohne Hilfestellung auszuarbeiten. Diese Hilfestellung könnte von Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken oder Fachinformationsdiensten geleistet werden, was wiederum voraussetzt, dass an diesen Stellen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

Zugleich ist die Landschaft der Fachgesellschaften je nach Disziplin sehr heterogen. Viele (Teil-)Forschungsgebiete sind – wenn überhaupt – nur in sehr kleinen Fachgesellschaften vertreten, die rein ehrenamtlich aufgestellt sind. Oder diese Forschungsgebiete sind aufgrund ihrer dynamischen und interdisziplinären Natur überhaupt nicht in den Strukturen von Fachgesellschaften organisierbar. Vor diesem Hintergrund muss die Frage adressiert werden, wie kleine, wenig organisierte oder auch sich neu bildende Forschungsgebiete bzw. Fachcommunities mit nur wenig Ressourcen bei dem Betrieb von Zeitschriften unterstützt werden könnten, um das System inklusiv auszugestalten, auch im Sinne der Bibliodiversität. 

Zum eigentlichen Begutachtungsprozess für die Publikationsorgane muss die Frage adressiert werden, welche Instanz gemäß welcher Autorität die Auswahl der Begutachtenden vornehmen soll. Ferner birgt ein derart zentralisiertes Fördermodell das Risiko politisch motivierter Einflussnahme. Angesichts der dargestellten Hürden möchten wir die Frage aufwerfen, ob ein solch umfassendes Modell ausreichend skalieren kann, um, wie intendiert, in der Breite des Wissenschaftssystems wirken zu können.
Fazit

Eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, die an den tatsächlichen Bedarfen des Zeitschriftenmachens orientiert ist, sollte das gemeinsame Ziel des Wissenschaftssystems sein. Das Leopoldina-Papier liefert dazu gute Anstöße und Überlegungen. Unsere Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass das vorgeschlagene System durch den Fokus auf das Flipping von Zeitschriften mit hohem Journal Impact Factor eine Situation schaffen könnte, die insbesondere bestimmte Fachkulturen sowie Zeitschriften benachteiligt, die Ansätze von scholar-led-Publishing und Diamond Open Access verbinden. 

Wir begrüßen den Anstoß des Leopoldina-Papiers, das wissenschaftliche Publizieren als Daueraufgabe verstetigen zu wollen und unterstützen die Diskussion darüber, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Modells kosten darf. Aus Sicht des scholar-led.network wäre zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, dass ein breiterer Ansatz verfolgt wird, von dem nicht nur wenige Zeitschriften profitieren. Fraglich ist zudem, ob die Erwartungen, die hier insbesondere an Fachgesellschaften gerichtet werden, umsetzbar sind. Dass wir mittlerweile über konkrete Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access diskutieren, ist eine positive Entwicklung. Neben vielen anderen Akteur*innen sind auch die Mitglieder des scholar-led.network gern bereit, an dieser Diskussion teilzunehmen.


Literatur

    Allianz der Wissenschaftsorganisationen (2025). Die Weiterentwicklung von Bewertungsverfahren für Forschungsleistungen im Kontext von Open Science. https://doi.org/10.5281/zenodo.15818266
    Ganz, K., Finger, J., Schotten, S., Steiner, T., &amp; Wrzesinski, M. (2024). Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access. oa.blog. https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access 
    Scholar-led.network. (2022). The scholar-led.network-Manifesto. https://doi.org/10.5281/zenodo.7079936
    Taubert, N., Sterzik, L. &amp; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Journal Landscape. Minerva 62, 193–227. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7</description><enclosure
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<item><title>Ziele von (Diamond) Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Mon, 08 Sep 2025 09:01:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Simone Franz</dc:creator><dc:creator>Achim Oßwald</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ziele-von-diamond-open-access</guid><description>Veranstaltungsbericht zur Diskussion der o-bib-Themenschwerpunkte
Überblick

Am 15. Juli 2025 kamen rund 85 Personen und die geschäftsführenden Herausgeber*innen der Zeitschrift „o-bib. Das offene Bibliotheksjournal“ sowie die Initiator*innen eines Themenschwerpunkts in einem oa.talk miteinander ins Gespräch. Anlass war der jüngst zum 10-jährigen Jubiläum der Zeitschrift publizierte Themenschwerpunkt „Diamond Open Access – Konzepte, Rahmenbedingungen, Erfahrungen“ sowie der von den Initiator*innen eingebrachte Themenschwerpunkt „Ziele von Open Access“, die sich dem aktuellen Stand der Open-Access-Transformation widmeten.

Vor dem Hintergrund der zu diesen Calls eingegangenen Beiträge diskutierte der oa.talk grundsätzliche Fragen: Warum wollen wir Open Access? Was wollen wir mit Open Access erreichen und verändern? Und was genau meinen wir damit? Dabei drängten sich den Organisator*innen ausgehend von informellen Gesprächen auch diese Fragen auf: Was hält engagierte Personen davon ab, sich klar(er) zu positionieren? Welche Voraussetzungen müssen wir schaffen, damit sich Interessierte in die Diskussion einbringen?
Nach einer kurzen Einführung zur Genese der beiden Calls stellten die o-bib-Herausgeber*innen und Initiator*innen Aspekte der Publikationen vor, die sie für besonders erwähnenswert halten.

Heidrun Wiesenmüller (o-bib) beeindruckte, wie offen die Beiträge beschreiben, wie beispielsweise der Umstieg von Fachzeitschriften, mit den angegliederten nationalen und internationalen Fachgesellschaften, gelingt – bei gleichzeitigem Wettbewerb um Sichtbarkeit. Datenschutz und -souveränität, aber auch Abhängigkeitspfade und lokale Bedingungen in Forschung und Lehre würden adressiert. Herauszulesen sei das starke Bestreben der Fachwissenschaften um Zusammenarbeit mit der Library and Information Science Community. Für die Weiterentwicklung von o-bib fand sie insbesondere den Beitrag von Sona Arasteh et al. über das europäische DIAMAS-Projekt hilfreich, um Praktiken, Qualität und Nachhaltigkeit von Diamond Open Access auf der Grundlage des Diamond Open Access Standards (DOAS) zu verbessern.

Michaela Voigt (TU Berlin) wies darauf hin, dass es dringend nötig sei, die sogenannten Transformationsverträge zu evaluieren – vor allem hinsichtlich der Frage, ob und was transformiert werde. Es sei eine genuine Aufgabe von Bibliotheken, sich mit der Finanzierung von Diamond Open Access zu beschäftigen. Bibliotheken sollten sich zudem an der finanziellen Absicherung von wissenschaftsgeleiteten, nicht-gewinnorientierten Open-Access-Initiativen beteiligen – und zwar nicht nur im Sinne des Verursacherprinzips. Die Diamond-Open-Access-Finanzierung sollte genauso selbstverständlich ein Handlungsfeld in Bibliotheken sein und bei der Budgetplanung berücksichtigt werden wie andere Aufgaben. Hierbei verwies sie auf die Texte unter anderem von Mittermaier, Wiese et al. sowie Drößler et al.

Jana Rumler (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei [IGB] im Forschungsverbund Berlin e. V.) hob die reflektierten Beiträge von Heft et al. sowie Riedl et al. hervor, die das Problembewusstsein und die Sensibilisierung für Open-Access-Aktivitäten aus der Perspektive einzelner Fach- und Publikationskulturen deutlich beschreiben. Open Access in den ethnologischen Fächern, der Germanistik, der Gesundheitsforschung, der Medienwissenschaft, den Neurowissenschaften und der Psychologie zeige eindrücklich das Engagement, die Hoffnungen und den Kampf, Reputationsstrukturen und Infrastruktur-Support in einen neuen „Styleguide“ (Heft et al., S. 9) zu überführen. Beide Beiträge lassen viel Raum, um beispielsweise über Synergien nachzudenken.

Philip Zumstein (UB Mannheim) forderte, dass nach über 20 Jahren Open-Access-Arbeit eine grundsätzliche und kritische Diskussion zum verfolgten Weg und den Zielen von Open Access eingefordert werden müsse. Statt einer „Berliner Erklärung 2.0“ sprächen die Texte vielmehr von einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele und Werte sowie einer Schärfung des damit verbundenen Handelns (Dellmann et al.; Dellmann; Dreyer). Open Access selbst sei nicht das Ziel. Verschiedene Stakeholder verfolgen mit Open Access vielmehr verschiedene Ziele: Open Access als Geschäftsmodell bei kommerziellen Verlagen vs. Wertevorstellungen wie Zugang und Teilhabe, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung in den ursprünglichen Open-Access-Erklärungen.

Achim Oßwald (o-bib) verwies auf den Beitrag von Becker und Paulsen, die die Fragwürdigkeit von Nutzungsstatistiken von Open-Access-Publikationen beeindruckend verdeutlicht hätten. Offensichtlich könne nicht eindeutig zwischen Zugriffen durch Nutzende und Bots differenziert werden. Wünschenswert sei es, hierfür eine Lösung zu finden. Unter diesem Vorbehalt zeigte er ausgewählte Statistikdaten zu den hohen Zugriffen auf die in den o-bib-Heften 1/25 und 2/25 veröffentlichten Beiträge zu den beiden Calls. Insbesondere die Diskussionsbeiträge hätten großes Interesse gefunden.
Diskussion in 6 Breakout Rooms

Im zweiten Teil des oa.talks diskutierten die Teilnehmenden in sechs Breakout Rooms verschiedene Aspekte beider Themenschwerpunkte.

So wurde in einem Breakout Room darauf hingewiesen, dass Open Access kein neutraler Begriff sei, sondern eine politische Einstellung, die sich demokratischen Strukturen verschreibt. Es gehe dabei unter anderem um Gleichheit, die Förderung von Mehrsprachigkeit und das Aufrechterhalten möglichst diverser Publikationsstrukturen. Darüber hinaus seien mit dem Thema Open Access Fragen der Datensouveränität und -unabhängigkeit verbunden (vgl. Dreyer). Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Open Access durch Begriffe wie Offenheit und Souveränität ‚überfrachtet‘ werde. Dabei bleibe der ‚Globale Süden‘ durch Transformationsverträge und Article Processing Charges (APCs) weiterhin vom Wissenschaftsdiskurs ausgeschlossen. Mit Ausnahme der ethnologischen Fächer (vgl. Heft et al.) werde dieses Missverhältnis bisher eher selten thematisiert. Hier könnten die DOAS ansetzen, die ethische Fragen adressieren und die Teilhabe global verbessern (vgl. Arasteh et al.).

Dass Transformationsverträge und (steigende) APCs die Etats von Bibliotheken und Hochschulen zunehmend belasten, wurde in einigen Breakout Rooms kritisch beleuchtet. So forderten Teilnehmende eine Evaluierung durch die Einrichtungsleitungen, denn bezüglich ihres Transformationspotenzials seien diese Verträge bisher hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben (vgl. Mittermaier). Einige Teilnehmende plädierten deshalb dafür, sie aus der Forschungsförderung herauszunehmen. Nicht zuletzt würden Transformationsverträge das Publizieren in teuren Zeitschriften weiter fördern.

Ein Grund seien bestehende Reputationsmechanismen sowie metrikbasierte Anreizsysteme in der Wissenschaft, die in mehreren Breakout Rooms kritisch diskutiert wurden. Um die Vielfalt von Forschungs- und Publikationskulturen zu bewahren und zu fördern, sei ein von Bibliotheken, Universitäten und der Gesellschaft getragener Systemwechsel notwendig. Dieser müsse sich von bestehenden, fest etablierten (quantitativen) Kriterien der Forschungsbewertung lösen und sich auf die (qualitativen) Inhalte konzentrieren. Hier könnten die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), das Agreement on Reforming Research Assessment der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information die Forschungsbewertung nachhaltig verändern.

Eine wichtige Rolle könnten dabei Personen spielen, die an der Schnittstelle von Infrastruktur und Wissenschaft tätig sind. So wurde in einem Breakout Room für eine stärkere Zusammenarbeit von Bibliothekspersonal mit Forschenden und Fachgesellschaften plädiert, die das bestehende Publikationssystem nicht mehr unentgeltlich unterstützen wollen. Dazu gehören monopolistische Reviewsysteme und die unbezahlte Redaktions- und Lektoratstätigkeit, die häufig durch den wissenschaftlichen Nachwuchs geleistet werde. Die bisherige Open-Access-Debatte müsse sich noch stärker für die Fachwissenschaften öffnen (vgl. Riedl et al.). Hier beobachtete ein Teilnehmer einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dass die Akzeptanz von (Diamond) Open Access in den einzelnen Fachdisziplinen stark differiert. Bibliotheken müssten im Verbund mit anderen Einrichtungen der Hochschule und auf strategischer Entscheidungsebene aktiver werden. Dabei müsse auch Open Access noch stärker in den Erwerbungsabteilungen der Bibliotheken verankert werden.

Einige Teilnehmende verbanden mit Diamond Open Access die Hoffnung, die kritisierten Reputationsmechanismen in der Forschungsbewertung aufzubrechen. Diskutiert wurden unter anderem Projekte und Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access (beispielsweise Diamond Thinking, KOALA und die Übersicht Diamond OA Publikationsvorhaben finanziell realisieren der Landesinitiative openaccess.nrw) sowie die Notwendigkeit, disziplinspezifische Diamond-Open-Access-Budgets einzurichten. Kritisch angemerkt wurde, dass Diamond-Open-Access-Angebote – anders als Open-Access-Angebote mit APCs/Book Processing Charges (BPCs) – häufig mit der Frage ihrer Nachhaltigkeit konfrontiert werden.

In einem Breakout Room fragten Teilnehmende, ob Diamond Open Access lediglich ein neuer ‚Trend‘ sei, obwohl es gemessen am gesamten Publikationsoutput nach wie vor einen geringen Anteil hat. Die Erfahrungen einer Landesinitiative zeigten auch, dass Neugründungen von Diamond-Open-Access-Publikationsorganen einfacher seien als das Flippen von Zeitschriften. Dabei wurde deutlich, dass die Ermittlung der Kosten für den Umstieg auf Diamond eine Herausforderung sei. Universitätsverlage bieten eine Alternative zu kommerziellen Verlagen. Diese könnten bei der Etablierung fachspezifischer Diamond-Open-Access-Publikationen eine wichtige Rolle spielen. Auch Zweitveröffentlichungen (Green Open Access) und die Verpflichtung dazu wurden mit Blick über Ländergrenzen (Niederlande, Schweiz) diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) in diesem Bereich künftig – auch im internationalen Kontext – agieren wird.
Fazit und Ausblick

Die beiden o-bib-Themenschwerpunkte und der oa.talk haben gezeigt, wie breit Open Access über 20 Jahre nach der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (2003) inzwischen rezipiert wird. Dennoch waren sich alle einig, dass noch immer Aufklärungsarbeit und Beratung notwendig sind, um bestehende Reputationsmechanismen im Wissenschaftssystem aufzubrechen. Hierbei spielen Bibliotheken eine zentrale Rolle.

Die Gespräche werden sicher bei den anstehenden Open-Access-Tagen in Konstanz vom 17. bis 19. September 2025 unter dem Motto „Mission Accomplished? Open Access und die Re/pro/duktion von Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationswesen“ fortgesetzt werden.

Der Beitrag „Resümee aus Sicht der Initiator*innen des Calls zu den Zielen von Open Access“ gibt einen Überblick über die Artikel dieses Themenschwerpunkts. Die Beiträge zu beiden Themenschwerpunkten sind in den o-bib-Heften 01/2025 und 02/2025 publiziert.
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<item><title>Diamond Funding Navigator: Ein neues TIB-Angebot stärkt Diamond Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access#comments</comments><pubDate>Tue, 24 Jun 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-funding-navigator-ein-neues-tib-angebot-staerkt-diamond-open-access</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 16.6.25 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 erschienen.

Ein neuer Dienst der TIB erleichtert die Finanzierung von Diamond Open Access: Der Diamond Funding Navigator, der als Betaversion bereitsteht, bündelt Informationen zu Konsortialangeboten für Diamond-Open-Access-Publikationen weltweit. Dies verhilft den Konsortialangeboten zu besserer Sichtbarkeit, und wissenschaftliche Einrichtungen gelangen leichter zu einer Entscheidung, welche Angebote sie unterstützen möchten.
Diamond Open Access gemeinsam finanzieren

Für die Finanzierung von Publikationen, die im Diamond Open Access erscheinen, erweist sich der Rückgriff auf das im Bibliotheksbereich langjährig erprobte Konsortialmodell als erfolgreich. Bei diesem Modell schließen sich wissenschaftliche Einrichtungen zusammen, um mit vergleichsweise kleinen, individuellen Beiträgen gemeinsam die Betriebskosten einer Publikation, beispielsweise einer Zeitschrift, über einen bestimmten Zeitraum zu finanzieren. Die Beiträge der Zeitschrift können somit erscheinen, ohne dass finanzielle Hürden wie Artikelbearbeitungsgebühren (APC) oder Subskriptionsgebühren entstehen. Über KOALA-Konsortien der TIB wurden beispielsweise nach diesem Modell seit 2021 bereits 13 Zeitschriften und zwei Buchreihen über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert.
Der Diamond Funding Navigator – eine kurze Vorstellung

Zur Unterstützung dieser Initiativen hat die TIB den Diamond Funding Navigator entwickelt, der ab sofort in der Betaversion der Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Diamond Funding Navigator ist ein Webdienst, der zu jedem Konsortialangebot eine Reihe von Informationen bereitstellt: Basisinformationen (wie Name, Kontaktinformationen), enthaltene Publikationen (Name, ISSN, Website), Angaben zur Finanzierungsteilnahme, dem sogenannten Pledging (Fristen, Vertragslaufzeit, teilnahmeberechtigte Institutionen) und erläuternde Informationen (zum Beispiel zur fachlichen Ausrichtung des Angebots). Daraus entsteht ein umfassendes Verzeichnis von laufenden und zurückliegenden Angeboten, das durchsucht, gefiltert und sortiert werden kann. Die Oberfläche steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Institutionenbezogene Anpassung: Publikationsoutput via OpenAlex

Institutionen, die sich über Angebote informieren möchten, können den Diamond Funding Navigator individualisieren: Nach Eingabe einer ROR ID werden institutionenspezifische Publikationsmetriken ausgegeben. So wird auf einen Blick ersichtlich, wie viele Publikationen aus einer bestimmten Institution in den letzten fünf Jahren in den Zeitschriften eines Bündels erschienen sind. Diese Zahlen werden grafisch so dargestellt, dass das Verhältnis zur Gesamtzahl der in den Zeitschriften in diesem Zeitraum erschienen Beiträge erkennbar ist. Die Publikationsmetriken werden von OpenAlex abgerufen. Sie sind für alle Zeitschriften verfügbar, für die in OpenAlex aktuelle Publikationsdaten verfügbar sind.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Screenshot des Diamond Funding Navigator. Ausschnitt der Detailansicht eines Angebots mit institutionsbezogenen sowie Gesamt-Publikationsdaten der enthaltenen Zeitschriften.
Woher kommen die Daten zu den Konsortialangeboten?

Die im Diamond Funding Navigator enthaltenen Daten zu Konsortialangeboten müssen erfasst und im Falle von Änderungen aktuell gehalten werden. Dies können die Verantwortlichen der Angebote selbst übernehmen. Dazu erhalten sie von der TIB einen Zugang zum Backend des Diamond Funding Navigator und können dann über eine einfache Eingabemaske alle Informationen zu ihrem Angebot eintragen und speichern. Nach einer formalen Prüfung der übermittelten Daten durch die TIB wird der Eintrag freigeschaltet. Änderungen können, falls nötig, ebenfalls nach Login im Backend vorgenommen werden, beispielsweise, wenn die Pledgingphase verlängert wird.
Vielfältige Angebote, eine Anlaufstelle

Die Finanzierungsfrage ist eine der größten Hürden, vor der Diamond-Open-Access-Publikationen stehen (vgl. OA Diamond Journals Study, Part 1). Von einem breitenwirksamen Finanzierungsmechanismus für Diamond-Open-Access-Publikationen sind wir im Moment noch weit entfernt. Es ist aber davon auszugehen, dass konsortiale Modelle sich weiter etablieren. Bereits jetzt gibt es Einrichtungen, die das KOALA-Modell aufgreifen (KOALA-SLUB). Auch Drittmittelprojekte wie edu_consort_oa und OLEconsort beschreiten diesen Weg. Ein internationales Beispiel ist das OACIP-Programm des nordamerikanischen Konsortiums LYRASIS. Allerdings sind diese Angebote dezentral und verstreut; eine einfache Übersicht fehlte bisher – eine Lücke, die der Diamond Funding Navigator nun schließt.

Wir laden Sie ein, den Diamond Funding Navigator zu nutzen: Informieren Sie sich über Konsortialangebote für Diamond-Open-Access-Publikationen. Übermitteln Sie uns Informationen zu von Ihnen koordinierten Konsortialangeboten. Geben Sie uns Feedback oder melden sich mit Fragen unter: diafund@tib.eu.</description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2025: Von Best-Practices und Visionen bis zur Triage im Publikationsfonds</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds#comments</comments><pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2025-von-best-practices-und-visionen-bis-zur-triage-im-publikationsfonds</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 5.6.25 auf dem ZBW Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 DE erschienen.

Manche hätten sogar gerne noch einen Tag drangehängt: Das oa.barcamp 2025 lies Open-Access-Professionals aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einmal mehr konzentriert zusammenarbeiten. Diamond Open Access sowie die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern gehörten zu den großen Themen des Barcamps.

Das Open Access Barcamp 2025 wurde am 26. und 27. März an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts open-access.network in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative openaccess.nrw organisiert und bot eine Plattform für intensiven Austausch zu aktuellen Open-Access-Themen.

Wie im Barcamp-Format üblich, waren die Teilnehmenden aufgerufen, das Programm aktiv mitzugestalten. In mehreren parallelen Sessions wurden konkrete Problemstellungen diskutiert, Best Practices ausgetauscht und Visionen für eine offene Wissenschaft entwickelt. Die Themen reichten von Infrastrukturen für Diamond Open Access über Publikationsfondsmanagement bis hin zur Herausforderung, projektbasierte Services, Informationsportale und aufgebaute Expertise im Open-Access-Kontext nachhaltig zu verstetigen.
Diamond Open Access: Potenziale und Herausforderungen

Eine zentrale Session widmete sich dem Modell des Diamond Open Access, bei dem weder von den Autor*innen noch von den Leser*innen Gebühren erhoben werden. Es wurde intensiv diskutiert, wie Forschende für dieses Modell gewonnen werden können. Besonders betont wurde, dass politische Argumente oder technische Infrastrukturen nicht ausreichen, wenn überkommene Reputationslogiken (zum Beispiel der Impact Factor) Wissenschaftler:innen davon abhalten, möglichst offen zu publizieren. Als mögliche Lösungsansätze für dieses Problem wurde Peer-to-Peer-Beratung durch erfolgreich publizierende Forschende sowie der Aufbau von Unterstützungsstrukturen (zum Beispiel Publikationsfonds, personelle Ressourcen) genannt. Auch wurde der Aufbau einer evidenzbasierten Argumentation anhand von Zitationsvorteilen und den Vorteilen der Nutzung freier Lizenzen vorgeschlagen.
Triage in Publication Funds?

Challenges in administering open access publication funds were discussed in several sessions. Participants spoke of rising costs, tight budgets, and high administrative burden at their institutions. Strategies such as the staggered allocation of funds, the integration of third-party funds, and the introduction of transparent funding criteria (e.g. for monographs or edited volumes) were presented. The question of triage in cases where publication funds are overburdened was controversially discussed. If there are not enough funds to support all eligible publications, it will inevitably be necessary to prioritise. One suggestion was that this selection be based on science policy criteria such as the FAIR data principles.
oa.finder und Open-Access-Bücher

Ein weiteres Thema war die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Open-Access-Büchern. Da zentrale Datenquellen wie die Deutsche Nationalbibliothek keine vollständige Übersicht bieten, schilderte Katja Dammann (UB Bielefeld) den aufwändigen Aufbau der oa.finder-Datenbank. Im Zusammenhang mit Open-Access-Büchern wurde die Schwierigkeit diskutiert, die Publikationspraxis im Buchbereich systematisch zu erfassen. Als Gründe hierfür wurden Transparenzprobleme bei Verlagsmodellen und das Fehlen verlässlicher, standardisierter Schnittstellen genannt.
Open Access an kleineren Einrichtungen

In einer besonders praxisnahen Session aus dem Projekt P2P.OA.HAW erarbeitete Emilia Mikautsch (Universität Konstanz) gemeinsam mit den Session-Teilnehmenden anhand von Personas die besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit Open Access, vor denen sich kleinere Einrichtungen wie Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gestellt sehen. Hier wurde deutlich, dass neben begrenzten Ressourcen vor allem unklare Zuständigkeiten und mangelndes institutionelles Commitment die Open-Access-Implementierung erschweren. Peer-to-Peer-Beratung, gezielte Fördermaßnahmen und eine stärkere Vernetzung unter den Einrichtungen wurden als zentrale Lösungswege genannt.
Institutionelle Repositorien und Publikationsdienstleistungen

Ein wiederkehrendes Thema waren auch der Aufbau und die Verstetigung von Services zur Zweitveröffentlichung. Herausforderungen liegen unter anderem in der Rechtsunsicherheit vor Ort, fehlenden Workflows, dem Mehraufwand für Bibliothekspersonal und einer geringen Sensibilisierung der Forschenden für dieses Thema. Es wurde deutlich, dass hier frühzeitige Beratung, technische Unterstützung und institutionelle Rückendeckung unerlässlich sind. Als praktisches Handwerkszeug zum Ausbau institutioneller Publikationsservices stellte Doreen Rocholl (Universität Duisburg-Essen, Landesinitiative openaccess.nrw ) einen Musterentwurf für eine Autor:innen- und Herausgeber:innenvereinbarung zum Publizieren im OJS https://openjournalsystems.com/ vor und lies die Teilnehmenden der Session bei der kritischen Betrachtung jeweils die Perspektive von Autor:innen einerseits und (institutionellen) Herausgeber:innen andererseits einnehmen.
Verstetigung von open-access.network

Zum Ende des Barcamps wurde auch das nahende Ende der zweiten Förderphase des Projekts open-access.network thematisiert. Martina Benz (Universität Konstanz, open-access.network) gab einen Ausblick auf Pläne zur künftigen Trägerschaft und Finanzierung unter dem Dach des in Gründung befindlichen Vereins open-access.network e. V. Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen sollen Mitglied werden können und das Informations- und Beratungsangebot gemeinschaftlich in die Zukunft tragen. Während der Session wurde die Bedeutung des Informations- und Vernetzungsportals open-access.network als zentraler Orientierungspunkt für die wachsende Community von Open-Access-Professionals hervorgehoben – insbesondere für neue Open-Access-Beauftragte und kleinere Einrichtungen, die noch dabei sind, vollumfänglich in das Thema einzusteigen.
Fazit

Das Open Access Barcamp 2025 hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen im Bereich der offenen Wissenschaft sind – und wie wichtig kollegialer Austausch, Vernetzung und strategischer Aufbau institutioneller Strukturen und Expertise sind, wenn man diesen Herausforderungen adäquat begegnen will. Besonders die Sessions zu Diamond Open Access und zu den strukturellen Bedingungen an kleineren Einrichtungen machten deutlich: Open Access braucht mehr als nur Appelle und Überzeugung – es braucht politische Unterstützung, Ressourcen und praxisnahe Werkzeuge.</description><enclosure
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<item><title>Diamond Open Access: Perspektiven aus verschiedenen Forschungsbereichen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen#comments</comments><pubDate>Mon, 02 Jun 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Monica B. Berdugo</dc:creator><dc:creator>Dominik Endres</dc:creator><dc:creator>Konrad Hierasimowicz</dc:creator><dc:creator>Andreas Jansen</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Lydia Riedl</dc:creator><dc:creator>Kathrin Siebold</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</guid><description>Diamond Open Access (DOA) verspricht echte Zugänglichkeit, wo Gold Open Access oft neue Hürden schafft. In diesem Beitrag teilen Forschende aus verschiedenen Disziplinen ihre Perspektiven auf Open Access mit den Schwerpunkten Kommerzialisierung, Wissenschaftsbewertung und Publikationsdiversität.

In der Biologie und Neurowissenschaft sehen wir die Idee von DOA durchaus positiv, wenn es in unseren Wissenschaften auch selten als Publikationsmodell begriffen oder noch seltener “diamond” genannt wird. Der Grundgedanke vieler Forschender aber deckt sich mit DOA: Wir brauchen freien Zugang zu Forschungsergebnissen und Daten, um Forschung schneller voranzutreiben und, was wichtig ist, transparente Wissenschaft in die Diskussionen und Maßnahmen einzubringen, um globale Herausforderungen rechtzeitig zu bewältigen. Besonders Open Data und Open Methods auf der Basis von Open Source Software sind essentiell, um Ergebnisse reproduzierbar zu machen, um zum Handeln beizutragen und drängende Herausforderungen, wie den globalen Wandel anzugehen. Reproduzierbarkeit ist eine der Hauptherausforderungen in unseren Wissenschaften, wie die sogenannte “Reproducibility Crisis” (Baker, 20161) deutlich gemacht hat. Dafür brauchen wir offene Plattformen, auf denen Daten, Materialien und zunehmend auch Methoden, Software und Code frei und offen geteilt werden können. Allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierung: Viele dieser Plattformen sind auf Drittmittel angewiesen. Was passiert, wenn diese auslaufen? Außerdem entwickeln sich die ohnehin oft bereits komplexen Methoden schnell weiter, sodass das Capacity Building unter den Forschenden eine Herausforderung ist. Um die Komplexität adäquat zu adressieren, müssen wir zunehmend interdisziplinär kooperieren (z.B. in Core Units), auch und insbesondere mit Kolleg*innen aus der Infrastruktur und in Brückenbereichen (z.B. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers), um unsere Forschung nachhaltig und zukunftsfähig entwickeln zu können. An diesen Schnittstellen mangelt es aktuell jedoch (an den meisten Einrichtungen in Deutschland und in ganzen Regionen in Entwicklungsländern).

In den Geisteswissenschaften, insbesondere in kleinen Fächern wie der Medienwissenschaft oder Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) ist die Lage komplexer. Während DOA teilweise essentiell ist, um durch erweiterte Partizipationsmöglichkeiten insbesondere kleinere Fächer weiterzuentwickeln, gibt es gleichzeitig Sorgen, dass die naturgemäß kleineren Fachjournals finanziell nicht überleben können. Ohne institutionelle Unterstützung ist DOA schwer tragfähig. Neben der Finanzierung gibt es weitere Herausforderungen, gerade für kleinere Journals: Wer übernimmt das Lektorat, die redaktionelle Betreuung und die Textherstellung, wenn keine (großen) Verlage mehr dahinterstehen? Diese Herausforderung betrifft insbesondere Journals, die scholar-led betrieben werden und für die es oftmals noch keine verlässlichen und nachhaltigen Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten gibt. Dies gilt auch für geisteswissenschaftliche Fächer, in denen DOA schon aktiv praktiziert wird, wie der Medienwissenschaft. Darüber hinaus sind digitale Publikationsformen, die über den klassischen Artikel hinausgehen, aber in den Geisteswissenschaften eine große Bedeutung haben (sowohl Monografie, aber auch Video-, Audioformate oder Bilder), in DOA-Modellen oft noch nicht ausreichend etabliert. Wir brauchen daher mehr Flexibilität für digitale Editionen und multimodale Forschungsoutputs.

In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind Ansätze wie DOA-Publikationsmodelle und Transparenz durch offene Daten und Methoden unverzichtbar. So fordert die Declaration of Helsinki beispielsweise bei der Durchführung klinischer Studien eine Präregistrierung, also eine Offenlegung der geplanten Projektdurchführung und Datenanalyse. Dies trägt auch dazu bei, eine insbesondere in klinischen Studien ethisch unverzichtbare Reproduzierbarkeit zu ermöglichen. In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind die Möglichkeiten von DOA von besonderer gesellschaftlicher Relevanz - da diese Forschung alle Mitglieder der Gesellschaft betrifft, sollten auch alle unabhängig von finanziellen Möglichkeiten an dieser Forschung partizipieren können. Doch aktuell ist auch DOA teilweise exklusiv angelegt: Wenn die Nutzung von DOA-Plattformen beispielsweise an eine bestimmte institutionelle Zugehörigkeit geknüpft ist, stehen institutionsübergreifende Teams oder Forschende ohne die „richtige“ Affiliation vor neuen Hürden.

In der Ökologie erschweren die zunehmende Komplexität und das Volumen der vielfältigen Daten, die diese Wissenschaft integrieren will, den Übergang zu Open Science. Rohdaten bilden die Grundlage der Naturwissenschaften, jedoch sind die meisten Forschenden nicht besonders daran interessiert, Anträge oder Daten offenzulegen. Obwohl der Widerstand gegen Vorabdrucke geringer wird, besteht das letztendliche Ziel darin, Arbeiten in ihrer traditionellen Form zu veröffentlichen. Diese Tatsachen verzögern einen umfassenden Übergang zu Open-Science-Praktiken zusätzlich. Da DOA weder bei Nutzenden noch bei Herausgebenden gut etabliert ist, werden viele DOA-Publikationen selbst von jungen Forschenden noch immer übersehen.

Eine zentrale Herausforderung in allen unseren Fächern bleibt die Anerkennung von DOA-Publikationen. Noch immer dominiert die bibliometrische Messung wissenschaftlicher Leistung anhand von Impact Factors und Zitationsraten. Im Zusammenwirken mit dem Zwang zu “publish or perish” stellen traditionelle Textpublikationen (über meist kommerzielle, finanzstarke Verlagshäuser) immer noch die “Währung” in der Wissenschaft dar. DOA könnte dazu beitragen, alternative (qualitative) Bewertungsmaßstäbe zu etablieren, die wir -auch vor dem Hintergrund von Textproduktion durch generative KI- dringend benötigen: Wir sollten Forschungsleistung nicht nur an Publikationszahlen messen, sondern auch an der Qualität und Nachnutzbarkeit der Daten und Methoden, wie es CoARA fordert. Wir brauchen neue Metriken, die digitale Editionen und Forschungssoftware berücksichtigen und Incentives für die wissenschaftliche Karriere, die die Qualität des gesamten Forschungskreislaufs berücksichtigen anstatt einseitig die Quantität und (Pseudo-)Qualität der reinen Ergebnisdarstellungen zu bevorzugen.
Call to Action

Eine gelebte Openness muss unserer Überzeugung nach beim Publizieren ansetzen und gleichzeitig dessen Situiertheit im Gesamtsystem Open Science anerkennen.

DOA ist ein zentraler  Baustein im größeren Prozess der Transformation hin zu Open Science. Wir regen an, DOA als einen neuen Maßstab in der Wissenschaft zu etablieren. Dazu brauchen wir:

    die flächendeckende Einführung von Schnittstellen zwischen Forschung und Infrastruktur (wie bspw. Core Units) sowie die Einbeziehung neuer Expert*innen (bspw. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers) in die Forschungsprojekte
    eine Verstetigung und Öffnung der vorhandenen Infrastrukturen (ein wissenschaftliches „think global, act local“)
    ein konsequentes Umsetzen nachhaltiger Incentives in Rekrutierungs- und Vergabeverfahren von Fördermitteln, die die Qualität des gesamten Forschungszyklus anerkennen
    aktive Budgetierung von Ressourcen (Zeit, Personal, Infrastruktur), um den Übergang zu Open Science als fester Bestandteil der Wissenschaft zu erreichen - dabei kommt den Förderinstitutionen eine entscheidende Rolle zu
    eine fachspezifisch ausgerichtete und nachhaltige Förderung von Periodika, die Faktoren wie scholar-led Publishing verstärkt berücksichtigt
     

DOA kann seine Rolle als gerechte Alternative im wissenschaftlichen Publikationswesen nur dann voll entfalten, wenn diese Veränderungen konsequent vorangetrieben werden. Zahlreiche Forschende wie wir engagieren sich bereits aktiv in diesem Transformationsprozess: Sowohl in institutionellen Strukturen, die beispielsweise an der Philipps-Universität Marburg durch neue Schnittstellen zwischen dem Team „Forschungsnahe E-Dienstleistungen“ und dem neurowissenschaftlichen Forschungscluster TAM2 DataHub, verschiedenen NFDI-Konsortien oder dem FID Media3 weiterentwickelt werden, als auch in freiwilligen Initiativen wie FORRT, GRN, deRSE oder lokalen Grassroots-Bewegungen. Wir sind bereit, gemeinsam eine offene und nachhaltige Wissenschaftskultur zu gestalten, deren Basis nach wie vor das Publizieren ist.

1 Baker, M. (2016). 1,500 scientists lift the lid on reproducibility. Nature, 533(7604), 452–454. https://doi.org/10.1038/533452a
2 TAM = “The Adaptive Mind”: neurowissenschaftliches Forschungscluster.
3 FID Media = “Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaften”.</description><enclosure
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<item><title>Ein kritischer Blick auf die Open-Access-Transformation. Die Veranstaltungsreihe Open Divide</title><link>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</link><comments>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide#comments</comments><pubDate>Tue, 20 May 2025 11:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access international</category><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Ulrich Herb</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ein-kritischer-blick-auf-die-open-access-transformation-die-veranstaltungsreihe-open-divide</guid><description>Open Divide, Critical Studies on Open Access1 lautete der Titel eines Sammelbandes, den Ulrich Herb (Universität Saarland) gemeinsam mit seinem Kollegen Joachim Schöpfel (Universität Lille) 2018 herausbrachte. Sieben Jahre später unternehmen die ehemaligen Herausgeber nun zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg) wieder eine kritische Bestandsaufnahme.

In der Veranstaltungsreihe Open Divide 2025/2026 werfen internationale Expert*innen einen kritischen Blick auf den Stand der Open-Access-Transformation und aktuelle Debatten um Open Science. Der oa.blog hat dem Veranstalter Ulrich Herb (UH) einige Fragen gestellt.

oa.blog: Herr Herb, wer sind die Organisierenden der Veranstaltungsreihe und was hat den Ausschlag gegeben, diese Veranstaltungsreihe zu organisieren?

UH: Joachim Schöpfel (Universität Lille) und ich (Universität Saarland) als Herausgeber des Sammelbandes 2018 zusammen mit Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg). Profan kam der Impuls auf, als Niels und ich uns bei einem Austausch in Saar-Lux-Lorraine trafen und darüber sprachen, dass ein Update sinnvoll wäre, da sich ja doch viel getan hat.
2018 glaubten viele - wir nicht - an Transformationsverträge, heute ist Diamond Open Access der Champion, während die Vormacht kommerzieller Akteure zementierter ist. Schattenbibliotheken haben angesichts dessen eine Bedeutung, die Bibliotheken herausfordern.

oa.blog: An wen richtet sich die Veranstaltungsreihe?

UH: Knapp gesagt, an alle, die sich dafür interessieren: Wissenschaftler*innen, die zu Scholarly Communication und Open Access forschen, aber auch Kolleg*innen, die Open Access Services betreiben, alle, die an einer kritischen Reflexion der Entwicklung von Open Access interessiert sind und nicht damit zufrieden sind, nur Policy Paper zu rezitieren.
Wie auch 2018 wollen wir kein geschlossenes Weltbild transportieren, sondern der Widersprüchlichkeit von Open Access versuchen gerecht zu werden. So wollen wir sowohl erkenntnistheoretische als auch wettbewerbswirtschaftliche Analysen erlauben, die sich sehr gern fundamental widersprechen dürfen.

oa.blog: Welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

UH: Ebenso wie 2018 beschäftigen uns die Rollen der Bibliotheken, die Frage, wie offen und transparent Open Access ist und welche Rolle der globale Süden in der Umsetzung von Open Access und Open Science spielt. Neu behandelt wird das Thema Nachhaltigkeit von Open Access, die finanzielle Verwertung wissenschaftlicher Publikationen, kommerzieller Wettbewerb versus Steuerung durch Infrastruktureinrichtungen, Skalierung von (Diamond) Open Access, die Rolle von Schattenbibliotheken und die Frage der Ausbeutung akademischen Arbeitens in der Wissenschaftskommunikation.

oa.blog: Gibt es wichtige Unterschiede zur Anthologie von 2018 und wenn ja, welche sind das?

UH: Aufgrund der Entwicklung und des Standes der Diskussion sind die Themen Diamond Open Access und die Rolle der kommerziellen Akteure im Open Access wichtiger geworden. Außerdem konnten wir zahlreiche neue Beitragende gewinnen: Nur drei Autor*innen von zwei Artikeln, die bereits 2018 dabei waren, sind diesmal erneut unter den Vortragenden.
Gleich ist, dass auch dieses Mal wieder ein Sammelband geplant ist, der 2026 im Diamond Open Access an der Universität Luxemburg erscheinen soll. Alle Vorträge werden aufgezeichnet und über das TIB-AV Portal publiziert.

oa.blog: Vielen Dank!

Die Veranstaltungsreihe Open Divide läuft bereits seit Ende April 2025 und wird bis März 2026 fortgesetzt. Das umfangreiche Programm und die Links zur Anmeldung finden Sie unter: opendivide.hypotheses.org/open-divide-2025-2026-speakers-and-topics.

Die nächste Veranstaltung findet am 28.05.2025 um 17 Uhr statt.
Vortragende sind Thomas Parisot (Directeur Général Adjoint Cairn.info, France) und Yann Mahé (Managing Director at MyScience Work, France).
Thema:Open Science and the Information Industry. French Debates and Insights (Registrierung)

Info: Das Interview führte für den oa.blog Martina Benz.

1 Die Beiträge des Bandes sind beinahe vollständig Open Access verfügbar.</description><enclosure
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<item><title>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen</title><link>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</link><comments>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen#comments</comments><pubDate>Mon, 03 Mar 2025 08:57:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/neue-wege-fuer-open-access-wie-bibliotheken-faires-publizieren-unterstuetzen</guid><description>Neue Wege für Open Access: Wie Bibliotheken faires Publizieren unterstützen

Wie können Bibliotheken Diamond Open Access fördern? Expert*innen der KU Leuven und TU Berlin berichteten bei unserer Informationsveranstaltung, wie sie Fair Open Access Fonds aufgebaut haben, um nicht-kommerzielle Publikationsmodelle zu unterstützen. Ihr Engagement zeigt: Ein gerechteres Publikationssystem ist möglich!

Als Teil der Informationsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond OA als Alternative“ stellten Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin am 6. November 2024 ihre Erfahrungen mit dem Aufbau von Fair Open Access Fonds vor.
Fair Open Access: Prinzipien und Bedeutung für die Wissenschaft

Bei Fair Open Access geht es in erster Linie um die Unterstützung von Publikationsinfrastrukturen und akademischen Initiativen zur Stärkung des wissenschaftlichen Publizierens, wobei die Möglichkeit zur Erhebung von Publikationsgebühren erhalten bleibt, solange diese fair und transparent gestaltet werden. Die Fair Open Access Alliance (FOAA) hat fünf Grundprinzipien festgelegt, die Zeitschriften einhalten müssen, um als Fair Open Access eingestuft zu werden. Dazu gehören: 

    Führung durch die akademische Gemeinschaft,
    Sicherstellung, dass die Autor*innen das Urheberrecht an ihrer Arbeit behalten,
    sofortiger und uneingeschränkter Open-Access-Zugriff auf alle Inhalte mit einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz (CC-Lizenz),
    Einreichung und Veröffentlichung ist in keiner Weise von der Zahlung einer Gebühr durch Autor*innen oder die beschäftigende Institution oder von der Mitgliedschaft in einer Institution oder Gesellschaft abhängig und
    Beibehaltung niedriger, transparenter und verhältnismäßiger Kosten für alle notwendigen Gebühren.

Zur Unterstützung von Fair-Open-Access-Initiativen stellen einige Universitätsbibliotheken spezielle finanzielle Mittel in Form von Fair-Open-Access-Fonds zur Verfügung. Demmy Verbeke von der KU Leuven und Michaela Voigt von der TU Berlin stellten vor, welche Maßnahmen sie in den vergangenen Jahren ergriffen haben, um an ihren Institutionen einen solchen Fonds aufzubauen und auf welche Herausforderungen sie dabei gestoßen sind.
Erfolgreiche Umsetzung: Der Fair OA Fonds an der KU Leuven

An der KU Leuven entstand schon früh ein Bewusstsein dafür, dass für die nachhaltige und gerechte Gestaltung des akademischen Publizierens spezielle Maßnahmen notwendig sind. Zwar konnten durch die Transformation des Publikationssystems von Closed Access hin zu Open Access bereits einige Missstände adressiert werden, so z. B. der teure und damit ungerecht verteilte Zugang zu Literatur. Allerdings führte die vermehrte Erhebung von Publikationsgebühren (APCs) und die damit einhergehende Kommerzialisierung des Open Access lediglich zu einer Verschiebung der finanziellen Ungleichheiten weg vom Zugriff hin zum Publizieren selbst, sodass weiterhin immense Kosten für Universitäten und andere Forschungseinrichtungen entstehen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so der Gedankengang der Akteure der KU Leuven, ist eine Orientierung an den akademischen Werten und eine Anstrengung für Open Publishing, also institutionelle Publikationsservices, notwendig. Daher errichtete die Universität 2018 einen speziellen Fonds, der ausschließlich für die Förderung von gemeinschaftlich organisierten und nicht-kommerziellen Initiativen bestimmt ist, die sich für die Prinzipien des Fair Open Access stark machen. Dieser KU Leuven Fund for Fair Open Access ist vollständig vom Erwerbungsetat der Universität getrennt. Finanziert wurde er anfänglich u. a. durch die Umwidmung von Open-Access-Publikationskosten, die sonst an kommerzielle Verlage gegangen wären. Durch die Trennung der beiden Fonds wird nicht nur die Unterstützung von nicht-kommerziellen und gemeinschaftlich organisierten Initiativen gesichert, sondern auch deren Sichtbarkeit erhöht.

Anfangs musste jedoch viel Überzeugungsarbeit gegenüber den Entscheidungsträger*innen der KU Leuven geleistet werden, um die Unterstützung für die Errichtung des Fair Open Access Fonds zu erhalten. Ausschlaggebend waren letztlich drei Argumente: Erstens sieht die KU Leuven die Notwendigkeit, etwas am aktuell dysfunktionalen Publikationssystem zu verändern. Zweitens handelt es sich - im Vergleich zum sonstigen Erwerbungsbudget - um verschwindend kleine Geldsummen, die für einen solchen experimentellen Ansatz benötigt werden. Drittens möchte die KU Leuven als positives Beispiel für faires Publizieren auftreten.

2018 flossen zunächst rund 86.000€ in den Fonds, die mit der Zeit auf ca. 160.000€ im Jahr 2023 angestiegen sind. Diese Summen waren konkret bestimmt für die finanzielle Unterstützung von fairen Open-Access-Initiativen und -Infrastrukturen. Anfangs floss ein Anteil der Mittel zudem in APCs für Zeitschriften, die nach den Kriterien für Fair Open Access arbeiten. Dieser Kostenpunkt wurde allerdings 2021 eingestellt, da sich Missverständnisse unter den Autor*innen über eine kollektive Finanzierung von APCs (auch von kommerziellen Zeitschriften) einschlichen und sich die Hintergrundrecherche bezüglich der Fairness potenzieller Zeitschriften als sehr aufwändig erwies.
Neue Wege an der TU Berlin: Ein Fonds für faires Publizieren

Die Problematiken des Gold-Open-Access-Modells mit seinen oft unverhältnismäßig hohen Publikationsgebühren gaben auch der Bibliothek der TU Berlin den Anstoß zur Errichtung eines eigenen Fair-Open-Access-Fonds, wie Michaela Voigt im Anschluss berichtete. Insbesondere der im Herbst 2023 abgeschlossene DEAL-Transformationsvertrag mit Elsevier löste kontroverse Diskussionen darüber aus, ob die konsortialen Publish-And-Read-Vereinbarungen mit den großen Wissenschaftsverlagen mit den Werten und strategischen Zielen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens übereinstimmen. So entstanden Überlegungen und Pläne, die Förderung von nicht-kommerziellen Open-Access-Initiativen und Infrastrukturen weiter auszubauen und dafür gesonderte Mittel bereitzustellen. Zwar wurden schon seit 2018 vereinzelte als „fair“ eingestufte Akteure wie die Open Library of Humanities unterstützt, allerdings sollten diese Bemühungen nun durch die Errichtung eines eigenen Fonds strategisch und koordiniert gebündelt werden.

Somit wurde 2024 der Fair Open Access Fonds als dritte Finanzierungssäule des Bibliotheksetats für Open Access etabliert: neben dem Universitätsverlag der TU Berlin in Kombination mit dem eigenen Repositorium sowie den Mitteln für Gold-Open-Access und Publish &amp; Read-Vereinbarungen. Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgt dabei über ein virtuelles Budget, das zu Teilen aus Erwerbungsmitteln und zu Teilen aus dem Budget für Administration gespeist wird. Im ersten Jahr, das vorrangig dem Aufbau von Workflows und anderen administrativen Prozessen gewidmet ist, stehen 25.000€ zur Verfügung. Diese Summe soll in den kommenden beiden Jahren auf mindestens 50.000€ ausgebaut werden. Die Auskopplung der Mittel für Fair Open Access in einen eigens dafür designierten Fonds soll dabei ähnlich wie an der KU Leuven nicht nur der erhöhten Sichtbarkeit von fairem Open Access dienen, sondern auch der Sicherung und Garantie der Finanzierung dieses Anliegens. Dazu trägt auch die Festschreibung in ein bereits verabschiedetes (aber Stand Februar 2025 noch nicht veröffentlichtes) Strategiepapier der Universitätsleitung bei, das Fair Open Access auch institutionell absichert und festigt.

Wenn es an die konkrete Investition der Mittel geht, bemüht sich die TU Berlin darum, auf bereits vorhandene Strukturen aufzubauen. Sodass primär diejenigen Publikationsorte gefördert werden sollen, in denen sich Mitglieder der Universität ohnehin schon engagieren, beispielsweise als Herausgebende oder Reviewer*innen. Wie in der KU Leuven orientiert sich die Förderentscheidung zudem an bestimmten Mindeststandards für Fairness sowie am fächerspezifischen Bedarf der Universität.

Michaela Voigt schloss ihren Vortrag mit den ermutigenden Worten „We could do it. And we should do it“, denen Demmy Verbeke zustimmend beipflichtete. Wie aus den Präsentationen deutlich geworden ist, werden an den beiden Institutionen große Anstrengungen unternommen, um das wissenschaftliche Publikationssystem nicht nur kostengünstiger, sondern auch fairer zu gestalten. Ihr Engagement und ihre Erfahrungen können als Vorbild und Muster für andere Bibliotheken dienen, die in Erwägung ziehen, ähnliche Schritte zu ergreifen.</description><enclosure
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<item><title>Diamond OA: BMBF-Projekte bringen faires und freies Open Access auf den Punkt</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt#comments</comments><pubDate>Wed, 12 Feb 2025 15:26:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Evin Dalkilic</dc:creator><dc:creator>Mamta Dwivedi </dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Lena Marie Henkes</dc:creator><dc:creator>Simona Noreik</dc:creator><dc:creator>Jonas Scherr</dc:creator><dc:creator>Christoph Schindler </dc:creator><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-oa-bmbf-projekte-bringen-faires-und-freies-open-access-auf-den-punkt</guid><description>Diamond Open Access (DOA), also Publikationen ohne Gebühren für Leser*innen und Autor*innen (siehe Definition des DIAMAS-Konsortiums), sind entscheidend für den nachhaltigen und fairen Zugang zu wissenschaftlicher Forschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) trägt diesem Umstand mit der „Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur in der deutschen Forschungs- und Wissenschaftspraxis“ Rechnung.

Am 24. Oktober 2024 haben sechs Projekte dieser Förderlinie anlässlich der Internationalen Open Access Week 2024 ein „Blitzlicht“ organisiert, um ihre Zwischenergebnisse vorzustellen und für die wichtigen Anliegen von Diamond Open Access weiter zu sensibilisieren. Mit dabei waren KOALA-AV, Diamond Thinking, OLEKonsort, edu_consort_oa, DiamOnd@HsH und ELADOAH, die mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen einen guten Einblick in die Vielfalt der Diamond-Open-Access-Landschaft in Deutschland bieten konnten.

Die Veranstaltung richtete sich an alle, die sich für freien Zugang zum wissenschaftlichen Diskurs und Diamond Open Access interessieren, unabhängig von deren Kenntnisstand. Bewusst hatten sich die Projekte dem Anliegen der Internationalen Open Access Week 2024 angeschlossen: Unter dem Motto „Community over Commercialization“ haben die beteiligten Einrichtungen ein Zeichen für faires und freies Open Access gesetzt. Die jeweiligen Projektergebnisse stützen dieses Engagement inhaltlich.


KOALA-AV

Das Projekt KOALA-AV (Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, Technische Informationsbibliothek (TIB)) widmet sich der Etablierung qualitätsgesicherter APC-freier konsortialer Open-Access-Lösungen. Dafür wurden bisher 13 Zeitschriften und zwei Schriftenreihen fachlich gebündelt und von nationalen und internationalen Einrichtungen für jeweils drei Jahre gemeinschaftlich finanziert.

Das Projekt untersucht Motivation und Mehrwerte des KOALA-Modells sowie Herausforderungen bestehender Konsortien und Modelle. Erhebungsergebnisse unter Erwerbungsbibliothekar*innen ergeben, dass ein relevanter Beweggrund für eine Beteiligung die Umwidmung von Erwerbungsmitteln ist. Die strategische Motivation bei der Unterstützung von DOA wird als wichtigster Mehrwert gesehen. Als größter Hinderungsgrund für eine Teilnahme werden fehlende Publikationen von Forschenden der eigenen Einrichtung eingeschätzt. Hierfür entwickelt das Projekt Lösungsvorschläge und vernetzt die Community, etwa in Workshops. Derzeit optimiert das Projektteam die Workflows und baut das Modell mit nationalen und internationalen Partnern weiter aus. So gibt es beispielsweise seit 2024 eine KOALA-Konsortialstelle als Pilotprojekt an der SLUB Dresden.
ELADOAH

Im Verbundprojekt ELADOAH („Erwerbungslogik als Diamond-Open-Access-Hindernis: Aus-, Um- und Nebenwege“) werden bestehende und mögliche Modelle zur Finanzierung von DOA erhoben und diskutiert. Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft kann im Rahmen einer Interview- und Literaturstudie vorläufig bilanzieren, dass wissenschaftliches Publizieren stark im Wandel begriffen ist, wobei insbesondere Kooperation (statt Wettbewerb) und Gemeinwohlorientierung (statt Gewinnorientierung) an Bedeutung gewinnen. Wissenschaftliches Publizieren wird, so haben die Interviews gezeigt, stärker als ein ganzheitliches Modell verstanden, bei dem Risiken im Publizieren durch eine gemeinschaftliche Organisation und Finanzierung besser aufzufangen sind.

Der Verfassungsblog untersucht, ob und inwieweit das öffentliche Haushaltsrecht der Finanzierung von DOA-Publikationen insbesondere durch Hochschulen und ihre Bibliotheken entgegensteht. Vorab lässt sich hierzu sagen, dass bei Erwerbungsfragen meist aus dem Blick zu geraten scheint, welche Spielräume das Agieren im Kontext der Wissenschaftsfreiheit schaffen kann. Dass die Rechtsstellung wissenschaftlicher Bibliotheken rechtswissenschaftlich kaum Aufmerksamkeit erfährt, dürfte zu möglicherweise verengten Rollenverständnissen beitragen.
OLEKonsort

Das Projekt OLEKonsort baut ein nachhaltiges Finanzierungskonsortium für Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften auf. Das Projekt ist ein Teil der Open Library Economics (OLEcon), einer Initiative der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Nach einer erfolgreichen ersten Finanzierungsphase läuft noch bis Mitte Dezember 2024 die Abfrage zur Mit-Finanzierung von vier DOA-Zeitschriften für 2025.

Der Austausch mit anderen Projekten im Bereich Diamond Open Access ebenso wie mit der Community der wissenschaftlichen Bibliotheken hat sich im Projekt als sehr fruchtbar erwiesen. Beim Aufbau einer Community von Mit-Finanzierenden (meist wissenschaftliche Bibliotheken) zeigt sich, dass neben Informationen zu Publikationszahlen der Zeitschriften für die Mit-Finanzierenden vor allem ein Austausch zum „Wie“ des Finanzierens von Open Access interessant ist. Die engagierten Herausgeber*innen der wissenschaftsgeführten DOA-Zeitschriften haben hingegen Bedarf am Austausch zu praktischen Fragen der Zeitschriftenpublikation. Im weiteren Projektverlauf liegt der Fokus auf dem Ausbau des Konsortiums über den DACH-Raum hinaus sowie auf der Stabilisierung der Konsortialteilnahme.
edu_consort_oa

Das Verbundprojekt Open Access-Konsortium Bildung für E-Books und Zeitschriften (edu_consort_oa) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) etabliert in Kooperation mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung ein Open-Access-Konsortium Bildung zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen in der Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Das zentrale Ziel ist es, eine tragfähige Infrastruktur zur verteilten Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften- und Open-Access-E-Book-Paketen durch die Beteiligung von Hochschulbibliotheken zu bilden und bedarfsgerecht im fachlichen Publikationsgefüge zu etablieren.

Dabei werden für diese beiden Publikationsformen konsortiale Subskriptionsverfahren entwickelt und in jährlichen Verfahren jeweils:
1) Ausschreibungen durchgeführt,
2) die Einreichungen formal durch die Projektbeteiligten und inhaltlich über ein fachliches Auswahlgremium geprüft und ausgewertet,
3) über Pledgings Hochschulbibliotheken finanziell beteiligt und abschließend
4) die Publikationen mit ihren Metadaten über das fachliche Repositorium peDOCS sowie der FIS Bildung Literaturdatenbank verbreitet und langzeitarchiviert.

Mit edu_consort_oa und dem FID konnten bisher drei Pakete mit insgesamt 59 OA-E-Books durch die jeweilige Beteiligung von über 50 Hochschulbibliotheken finanziert werden. Die Deadline zur Einreichung für eine weitere Runde an 20 OA-E-Books sowie erstmals auch für fünf DOA-Zeitschriften ist Ende Februar.
DiamOnd@HsH

Im Fokus des Projekts DiamOnd@HsH steht die Etablierung eines wissenschaftsgeleiteten, institutionell verankerten Diamond-Open-Access-Verlags, mit dem die bestehenden Publikationsinfrastrukturen an der Hochschule Hannover um ein professionalisiertes Angebot ergänzt werden sollen. Durch ein niedrigschwelliges Vor-Ort-Angebot sollen Forschende und Lehrende zum Publizieren motiviert und durch qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden. Bei fakultätsübergreifenden Gesprächen hat sich bestätigt, dass es nicht nur Fachkultur-, sondern auch HAW-spezifische Bedürfnisse und Anforderungen gibt, die bei der Konzeption des Dienstleistungsportfolios berücksichtigt werden müssen. Entsprechend ist eine früh im Prozess ansetzende Beratung und konstante Begleitung für die Wahrnehmung des hauseigenen Angebots essenziell. Nach sechs Monaten Laufzeit, in denen z. B. an der benötigten technischen Infrastruktur und Bewerbung des Vorhabens gearbeitet worden ist, stehen nun die ersten vier Publikationen im Verlag HsH Applied Academics an.
Diamond Thinking

Das Verbundprojekt Diamond Thinking (Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Universitätsbibliothek Stuttgart) ist darauf ausgerichtet, an beiden Partneruniversitäten Infrastrukturen für DOA-Veröffentlichungen auf- und auszubauen: in Karlsruhe im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften, in Stuttgart für Buchpublikationen. Dies wird durch Maßnahmen der PR und der Nutzendenforschung begleitet. Denn Information, Kommunikation und das Erzeugen von Renommee sind zentral für den Erfolg von DOA-Strukturen. Nur wenn Wissenschaftler*innen von den neuen Angeboten wissen und diese ernst nehmen, kann ‚wissenschaftsgeleitetes Publizieren‘ gelingen. Gemeinsame Projekte der Bibliothek mit Wissenschaftler*innen können dabei helfen, dies zu leisten.

Die für das Projekt angedachte Teilfokussierung auf wissenschaftliche Fachgesellschaften hat sich indes fallweise als problematisch erwiesen, weil diese meist überregional, oft international ausgerichtet sind, sodass ein Standortbezug nur unzureichend gegeben ist. Auch deshalb erscheinen überregionale DOA-Strukturen, wie sie aus dem Projekt heraus im TU9-Zusammenhang ebenfalls verfolgt werden, als äußerst wünschenswert.
Abschluss und Ausblick

Der Workshop hat gezeigt, dass der Austausch zwischen den Projekten, trotz teils unterschiedlicher Ausrichtung, sehr hilfreich für die erfolgreiche Projektarbeit ist. Die BMBF-geförderten Projekte können von den jeweiligen Erkenntnissen profitieren und die Zusammenarbeit kann Synergien schaffen.

Als aktuelle Schwerpunkte im Bereich DOA haben sich v. a. die folgenden drei Aspekte herauskristallisiert:

    Konsortiallösung
    Beratung
    und institutionelle Publikationsinfrastrukturen

– also Kontexte, die dezidiert von der Zusammenführung unterschiedlicher Perspektiven und Schwerpunkte sowie (interdisziplinärer) Zusammenarbeit leben. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Community-geleiteten Initiativen stellen angesichts begrenzter Kapazitäten zwar eine Herausforderung dar, sind gleichzeitig aber entscheidend, um DOA nachhaltig zu gestalten und drängende Fragen wie zum Beispiel die langfristige Finanzierung anzugehen. Das „Blitzlicht“ war Teil der Bemühungen, den Austausch in der Community und die gegenseitige Unterstützung zu stärken.

Zudem ist deutlich geworden, dass DOA mehr ist als ein wissenschaftspolitisches „Modethema“: In den Projektvorstellungen sowie in den Rückmeldungen der Teilnehmer*innen der Veranstaltung zeigt sich ein Bekenntnis für faires und freies Open Access sowie der Wunsch nach einem grundlegenden Wandel des wissenschaftlichen Publikationssystems. Förderpolitisch lässt sich dies unterstreichen mit nationalen Initiativen wie der geplanten Einrichtung einer Servicestelle für Diamond Open Access durch die DFG, auf europäischer Ebene mit den Arbeiten zur Effizienzsteigerung von Diamond Open Access des DIAMAS-Konsortiums; sowie auf globaler Ebene durch Diskussionen im Rahmen des Global Summit Diamond Open Access (2023 in Mexiko und 2024 in Südafrika).</description><enclosure
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<item><title>DeepGreen und Diamond</title><link>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</link><comments>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond#comments</comments><pubDate>Tue, 14 Jan 2025 15:42:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Repositorium</category><dc:creator>Julia Boltze-Fütterer</dc:creator><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Tomasz Stompor</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/deepgreen-und-diamond</guid><description>Auf den Open-Access-Tagen 2024 in Köln war das Projekt DeepGreen mit einem Poster vertreten. DeepGreen ist ein automatisierter Lieferservice für Open-Access-Artikel. Basierend auf Affiliationen und Lizenzinformationen verteilt DeepGreen Verlagsinhalte an institutionelle und fachliche Repositorien. Für diesen Beitrag sprachen die beiden Präsentierenden, Julia Boltze-Fütterer und Tomasz Stompor, mit Sarah Dellmann über die Fragen, die sie mit dem Poster an die Tagungsbesucher*innen diskutieren wollten, sowie über die Gespräche, die im Rahmen der Postersession entstanden sind.

Sarah Dellmann: Liebe Julia Boltze-Fütterer, lieber Tomasz Stompor. Ihr habt in der Postersession auf den Open-Access-Tagen in Köln die Anwesenden gefragt, was Bedarfe sind, die sich aus den derzeit viel diskutierten Entwicklungen rund um Diamond Open Access ableiten. Los ging es mit einer Frage: Ist der Begriff Diamond Open Access klar genug definiert? Den Klebemarken zu urteilen, die beim Poster hinterlassen sind, scheinen die meisten den Begriff nicht klar definiert zu sehen.

Tomasz Stompor: Das erste Feld fokussiert die Frage, inwieweit die Definition von Diamond Open Access schlüssig ist und ob es sich bei dem Begriff nicht eventuell um einen Kategorienfehler handle. Rückmeldungen waren vor allem, dass die Kategorie „Diamond Open Access“ Finanzierungsbedingungen beschreibt - im Unterschied zu den beiden in der Bibliothekswelt etablierten Kategorien „Gold Open Access“ und „Grünes Open Access“, die Zugangsmodalitäten beschreiben. Interessant für uns war auch, dass erst die Frage, ob der Begriff unklar sei, viele zum Denken gebracht hat, die den Begriff bis dahin unhinterfragt verwendet haben. Die Problematisierung, die wir ja auch in der Frage formuliert hatten („Ist Diamond Open Access ein Kategorienfehler?“), fanden aber viele einleuchtend.

SD: Die Frage nach dem, was Diamond Open Access beschreibt, was darunterfällt und was nicht, wird unter Infrastrukturmitarbeitenden und Forschungsförderern lebhaft geführt. Warum ist die Definition für Euch als Dienstanbietende wichtig?

TS: Wenn Diamond Open Access nicht bloß ein Zugangsregime beschreibt, sondern ein Geschäftsmodell, dann gibt es die Komplexität existierender Geschäftsmodelle nicht wider. Das Problem ist, dass es sehr viele Grenzfälle und Ausnahmen gibt, bei denen derzeit gängige Definitionen von Diamond Open Access nicht greifen z.B. bei den Zeitschriften der American Chemical Society (ACS) oder bei der Zeitschrift Amerikastudien der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA).1 In der Keynote von Niels Taubert auf den Open-Access-Tagen 2024 werden Begriffe wie „wissenschaftsgeleitet“ und „scholarly-owned“ als „affektgeladen“ beschrieben. Es sind Begriffe, die eher den Frust gegenüber gewinnorientiert arbeitenden Großverlage oder einen Wunschtraum ausdrücken, aber keine operationalisierbaren Konzepte sind, an denen sich etwas kategorisieren oder messen ließe. Und das macht es für die Weiterentwicklung unseres Dienstes natürlich schwierig.
Foto: Projekt DeepGreen

SD: Ist die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffs für eure Arbeit hinderlich?

JBF: Ja und nein. Noch sind wir nicht so weit, das Verfahren zur Integration von Diamond-Open-Access-Inhalten in DeepGreen zu operationalisieren. Wir befinden uns, was die Erweiterung um Diamond angeht, noch in der Recherche- und Konzeptionsphase. Als DeepGreen nehmen wir die Diskussionen um Diamond Open Access und den Wunsch aus Bibliotheken, Aktivitäten in diesem Feld auszubauen, natürlich wahr und fragen uns, was diese Entwicklung für einen Service wie DeepGreen bedeuten könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Antwort noch offen. Klar ist aber, dass wir uns im Laufe des Prozesses darauf einigen müssen, was alles in die Kategorie fällt – und was nicht.

SD: Wie seid ihr vorgegangen?

JBF: Wir haben erstmal den Bedarf ermittelt: Auf der BiblioCON 2024 haben wir unsere teilnehmenden Repositorien gefragt, ob sie einen Service zur Lieferung von Diamond-Open-Access-Artikeln begrüßen würden. Die Rückmeldung war positiv. Die Voraussetzung für die Verarbeitung durch DeepGreen wäre aber, dass die Daten in einem guten Format vorliegen. Das tun sie bislang leider oftmals nicht. Ob sich das für die Diamond Open Access Journals, die mit Open Journal Systems betrieben werden, über ein OJS-Plugin, das an einen Aggregator liefert und ein Mapping vornimmt, lösen lässt, müssen wir noch weiterdenken.

TS: Wir wollten daher wissen, ob dieser Wunsch nach Bündelung von unseren Nutzenden überhaupt geteilt wird. Die meisten Gesprächspartner*innen stimmten dem Wunsch nach einer stärkeren Bündelung und Standardisierung zu und hoben hervor, dass dies eine qualitätssichernde Funktion hätte.

SD: Nun sind auf den Open-Access-Tagen ja vor allem Bibliotheksmitarbeitende anwesend. Wir haben aber auch erlebt, dass Standardisierung von Herausgebenden in Zeitschriften von kleinen Fächern oft als Bedrohung wahrgenommen wird. Es ist nicht immer leicht, zu vermitteln, dass technische Standardisierung ein Qualitätsmerkmal ist und dass dies etwas anders bedeutet als den Verlust von Formatvielfalt oder gar der Standardisierung von Inhalten.

TS: Genau. Das bringt uns zur zweiten Frage des Posters, in der wir nach der Indexierung von Diamond Journals und deren Langzeitverfügbarkeit gefragt haben. Die Frage, die wir hier aufgeworfen haben, betrifft die diverse Landschaft der Diamond Journals und ob sich durch Bündelung und Standardisierung deren Sichtbarkeit erhöhen ließe oder ob solche Maßnahmen nicht die Vielfalt einschränken.

SD: Welche Fragen stellt ihr euch in dem Prozess?

JBF: Eine große Herausforderung ist, dass Diamond-Open-Access-Zeitschriften oft klein sind. DeepGreen hingegen ist ein Service, der Masse liefert. Diese kritische Masse braucht es. Diese Erfahrung haben die Kolleg*innen des Schweizerischen Projektes GOAL gemacht: Aufwand und Ergebnis lohnten sich in diesem Projekt nicht, da die Masse zu gering für eine Automatisierung war. Wir brauchen also eine Bündelung, um DeepGreen mit Diamond-Inhalten wirtschaftlich bestücken zu können. Wir hatten dann die Idee eines Diamond-Open-Access-Aggregators und haben auf dem Poster deswegen nach dem Nutzen eines solchen gefragt. Aggregation erfordert jedoch Bündelung und Standardisierung.

TS: … und die ist unter Diamond-Open-Access-Zeitschriften nicht besonders ausgeprägt, wie die Open Access Diamond Journals Study (Bosman et al., 2021) zeigt. Zeitschriften, die solche Qualitätskriterien nicht erfüllen würden, würden natürlich trotzdem weiter bestehen, aber sie würden eventuell nicht aggregiert werden. Klare Kriterien für Qualitätssicherung sind deshalb wichtig.

SD: Wie stellt ihr euch eine Aggregation vor?

TS: Das ist die große Frage. Klar ist, dass nicht jede Zeitschrift einzeln irgendwohin abliefern soll, das wird nicht funktionieren. Wir denken gerade über ein OJS-Plugin nach, das Metadaten an eine zentrale Infrastruktur, eine Registry, abliefert, wie sie z.B. gerade im Projekt CRAFT-OA entwickelt wird. Ein anderer Startpunkt ist die Diamond Liste von Open-Access-Zeitschriften, die in Deutschland gehostet werden (Bruns et al., 2022). Wären die 345 Diamond Open Access Journals dieser Liste relevant für die DeepGreen-Teilnehmenden? Diese Frage wurde mit großer Übereinstimmung bejaht.

SD: Welche Herausforderungen und Desiderate gibt es, welche Aufgaben müssten gegebenenfalls von anderen erledigt werden?

TS: Ein weiterer Umstand, der augenfällig ist, den wir als DeepGreen aber nicht lösen können, ist der geäußerte Bedarf von Herausgebenden von kleinen und verlagsunabhängigen Zeitschriften nach technischer Unterstützung. Beratung allein ist nicht ausreichend, es bedarf hier wirklich auch Unterstützung bei der Umsetzung technischer, bibliothekarischer und verlegerischer Standards. Mehrere Kolleg*innen, die in FIDs tätig sind, berichten uns von „inhaltlich relevanten Zeitschriften, die aber technisch schlecht aufgesetzt sind“. Das ist schade und stellt eine Servicelücke dar. Ein von Bibliotheken organisierter Journalservice wäre hier eine Abhilfe.

JBF: Begonnen hat DeepGreen mit einem Fokus auf grüne Open-Access-Inhalte, aber DeepGreen ist abhängig von der Lizenzlandschaft, und die ist im Wandel. Generell gesehen nehmen z.B. Allianzlizenzen und Nationallizenzen – also klassische Zweitveröffentlichungen und „grüne“ Inhalte – an Umfang ab, während Transformationsverträge – also Erstveröffentlichung oder „goldene“ Inhalte – zunehmen. Insofern ist die Diamond-Entwicklung eine Chance für uns, uns an neue Bedarfe anzupassen, um einen Service zu liefern, der für unsere Nutzenden hilfreich ist – und es unter neuen Bedingungen auch bleibt.

1 Bei der ACS handelt es sich um eine Fachgesellschaft, die jedoch auch Journals im closed access anbietet. Die Zeitschrift DGfA ist ebenfalls eine Fachgesellschaft, die ihre open access Zeitschrift Amerikastudien bei einem gewinnorientierten Verlag herausgibt.

Das Titelbild ist KI-generiert.</description><enclosure
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<item><title>«When Green Open Access Meets Diamond Open Access»</title><link>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</link><comments>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing#comments</comments><pubDate>Tue, 08 Oct 2024 11:13:26 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Zweitveröffentlichung</category><category>Open Access international</category><dc:creator>Daniela Hahn</dc:creator><dc:creator>Enrique Corredera Nilsson</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/when-green-open-access-meets-diamond-open-access-opportunities-and-synergies-for-non-commercial-open-access-publishing</guid><description>Opportunities and Synergies for Non-Commercial Open Access Publishing (Webinar)

Im Juni 2024 organisierten die durch swissuniversities co-finanzierten Projekte «GOAL – Unlocking the Green Open Access Potential» und «PLATO – Platinum Open Access Funding» gemeinsam das Webinar «When Green Open Access Meets Diamond Open Access». Ziel war es, mögliche Synergien zu erkunden, die entstehen, wenn Green Open Access und Diamond Open Access als komplementäre statt konkurrierende Modelle betrachtet werden. In diesem Blogpost fassen wir die Diskussionen des Webinars zusammen und stellen erste Überlegungen vor, wie diese die weitere Debatte über nachhaltiges und erschwingliches Open-Access-Publizieren in der Schweiz befördern können.
Das Streben nach Nachhaltigkeit I: Green- und Diamond Open-Access-Kulturen

In den letzten Jahren ist die Suche nach fairen, nachhaltigen und günstigen Formen des wissenschaftlichen Open-Access-Publizierens ins Zentrum des Interesses gerückt. Unterstrichen wird dies durch die «Schlussfolgerungen des Rates zu Wegen des hochwertigen, transparenten, offenen, vertrauenswürdigen und fairen wissenschaftlichen Publizierens», die vom Rat der Europäischen Union im Mai 2023 veröffentlicht wurden. Sowohl die Selbstarchivierung von Publikationen in institutionellen Repositorien (Green Open Access) als auch wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren ohne Gebühren für Autor*innen und Leser*innen (Diamond Open Access) können zu einer Transformation in diese Richtung beitragen. Die Frage, wie diese beiden Open-Access-Modelle konkret Synergien in Bezug auf Bibliodiversität, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kosteneffizienz schaffen können, stand bisher jedoch noch nicht im Mittelpunkt der Diskussion.

Ziel des Webinars, das von swissuniversities ausgerichtet und von Thomas Leibundgut (Co-Koordinator Open Science, swissuniversities) moderiert wurde, war es, solche Synergien aufzuzeigen. Green und Diamond Open Access können sich – so die Ausgangsthese – auf der Suche nach einem nachhaltigen und kosteneffizienten Open Access ergänzen. Die Veranstaltung wurde von rund 90 Teilnehmer*innen besucht (die meisten davon Mitarbeitende wissenschaftlicher Bibliotheken) und fiel zeitlich mit der Veröffentlichung der revidierten Schweizerischen Nationalen Open-Access-Strategie zusammen, welche Nachhaltigkeit und Bibliodiversität ins Zentrum stellt. Das Webinar traf auch deshalb auf ein reges Interesse der Community.

Der erste Teil des Webinars fokussierte auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen, die mit dem grünen und diamantenen Open-Access-Modell verbunden sind. Damit sollten diejenigen Bereiche identifiziert werden, in denen sich Synergien aus der Kombination ihrer Stärken ergeben können. Um eine Verknüpfung der Erfahrungen beider Projekte mit den Interessen und Ansichten der Teilnehmenden zu erleichtern, verwendeten wir Mentimeter-Fragen zur Erhebung der verschiedenen Wahrnehmungen von Green und Diamond Open Access. Beide Modelle wurden als Dienstleistungen betrachtet, welche von Institutionen angeboten und/oder unterstützt werden. Diese Gemeinsamkeit überschattetet jedoch nicht die Unterschiede: Für die Teilnehmenden wurde Green Open Access vor allem mit Fragen zu Embargo-Fristen, Zugänglichkeit, Autor*innen- und Nachnutzungsrechten verbunden, während die Stichworte «frei», «unterfinanziert», «wissenschaftsgeleitet» und «unabhängig» mit Diamond Open Access assoziiert wurden.

Breitere Zugänglichkeit

Beide Modelle sind auf wissenschaftliche Institutionen und akademische Einrichtungen angewiesen, da sie im Kern als Services für die wissenschaftlichen Communities angelegt sind. Als bedeutsamer erweist sich jedoch die andere Parallele: die Notwendigkeit der Beteiligung von Forschenden. In beiden Modellen bilden sie die Eckpfeiler des Publikationssystems, und jeder Versuch, Green und Diamond Open Access über den aktuellen Stand hinaus wirklich erfolgreich zu machen, muss insbesondere auf die Forschenden ausgerichtet sein: hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Zweitveröffentlichungsrecht oder ihres Engagements in und für wissenschaftsgeleitete Zeitschriften.

Zudem teilen beide Modelle die Anliegen der Zugänglichkeit, der Wahrung von Autor*innen- und Nachnutzungsrechten sowie der Beseitigung finanzieller Hürden im Open-Access-Publizieren. Durch eine parallele, institutionelle Förderung und strategische infrastrukturelle Vernetzung von Green und Diamond Open Access, können Autor*innen somit die Open-Access-Vorgaben von Forschungsförderern erfüllen und zugleich Publikationsgebühren vermeiden.

Darüber hinaus können gemeinsame Bemühungen der Befürworter*innen von Green und Diamond Open Access Vorstöße stärken, die einen fairen und erschwinglichen Zugang zu Forschungsergebnissen unterstützen. In Bezug auf Zugänglichkeit offerieren Green und Diamond Open Access mehrere Zugangspunkte für Forschende, Fachleute und die Öffentlichkeit, wodurch die Verbreitung und Reichweite wissenschaftlicher Publikationen insgesamt erhöht wird. Diamond-Open-Access-Zeitschriften können institutionelle Repositorien zudem in mehrfacher Hinsicht nutzen: für Zwecke der Langzeitarchivierung, aber auch zur Maximierung der Sichtbarkeit und Verbreitung der veröffentlichten Forschungsergebnisse. Die Verknüpfung von Forschungsergebnissen – sowohl Pre-Print als auch Post-Print – und ihre Verfügbarmachung in einem interoperablen Netzwerk von Infrastrukturen und Diensten (z. B. Open Peer Review, Overlay-Zeitschriften) können folglich die Open-Access-Transformation insgesamt beschleunigen, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und die Vernetzung von Forschung über verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.
Das Streben nach Nachhaltigkeit II: Infrastrukturen

Im zweiten Teil des Webinars wurden die Teilnehmenden dazu befragt, welche Infrastrukturen für eine gemeinsame Förderung von Green Open Access und Diamond Open Access nötig seien. Wie sich diese Modelle aus infrastruktureller Perspektive gegenseitig ergänzen können, ist dabei eine Frage, die besonders für Hochschulen und andere forschungsintensive Einrichtungen relevant ist. Denn diese Einrichtungen betreiben institutionelle Repositorien und/oder unterstützen Diamond-Open-Access-Zeitschriften, indem sie Wissenschaftler*innen beschäftigen, die Zeitschriften herausgeben, und Hosting-Lösungen und/oder Zuschüsse für Zeitschriften bereitstellen. Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits Publikationsinfrastrukturen, Veröffentlichungsmöglichkeiten und Langzeitarchivierungsdienste an, die ausgebaut und vernetzt werden sollten, um die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen durch die Integration von Green- und Diamond Open-Access-Kapazitäten zu maximieren.

Die Antworten zeigten, dass eine Mehrheit für nationale Infrastrukturen plädiert, sowohl in Form einer nationalen Diamond-Open-Access-Plattform für Zeitschriften und Bücher als auch in Form eines nationalen Repositoriums. Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, dass nationale Infrastrukturen als Möglichkeit gesehen werden, die Sichtbarkeit und die Kosteneffizienz zu erhöhen, insbesondere für kleinere Einrichtungen. Synergien zwischen Green Open Access und Diamond Open Access zu schaffen, kann auch dazu beitragen, den Einfluss kommerzieller Verlage zu reduzieren – ein Ziel, über das bei den meisten Teilnehmenden Einigkeit bestand.

Zusammenarbeit und geteilte/gemeinschaftliche Ressourcen

Im Rahmen der Diskussion zu Infrastrukturen verlagerte sich der Fokus im zweiten Teil des Webinars von den Forschenden hin zu den Bibliotheken und ihren Ressourcen. Im Interesse der Teilnehmenden an gemeinschaftlichen Lösungsansätzen ließ sich zugleich die geteilte Einsicht in die Notwendigkeit einer Skalierbarkeit erkennen. Viele Komponenten einer robusten Infrastruktur sind bereits etabliert, dank der Entwicklung von Repositorien in zahlreichen Institutionen, die jeweils auf deren spezifische Bedürfnisse und Kapazitäten zugeschnitten sind. Dies umfasst nicht nur technische Aspekte wie Server und Software, sondern auch die Ebene der Praktiken und immaterielle Aspekte wie bspw. Fachwissen und Erfahrungen, welche in der Verwaltung und Entwicklung dieser Repositorien sowie in Projekten zu Diamond Open Access gesammelt werden konnten. Überlegungen, wie Elemente, die bereits teilweise oder vollständig verfügbar sind, auf koordinierte Weise integriert werden können und aus der Verbindung vereinzelter Bemühungen ein «Mehr» geschaffen werden kann, bilden einen entscheidenden ersten Schritt, um nicht-kommerzielles Open-Access-Publizieren weiter zu fördern.
Perspektiven für die (nahe) Zukunft

Wie hier skizziert, bot das einstündige Webinar in zweierlei Hinsicht Anlass zum Nachdenken: Zum einen hob es das Potenzial hervor, Green und Diamond Open Access als komplementäre Modelle zu betrachten, mit der Möglichkeit, Synergien zu schaffen. Zum anderen identifizierte es, wenn auch nur vorläufig, Bereiche und Elemente, die diese Synergien begünstigen können. Zusammengefasst bietet dieser Bereich trotz mehr als zwei Jahrzehnten der Open-Access-Entwicklung noch immer das Potenzial für bedeutende Transformationen – wenn wir nur bereit sind, sie als möglich und realisierbar zu betrachten.</description><enclosure
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<item><title>Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access</title><link>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access#comments</comments><pubDate>Thu, 05 Sep 2024 10:20:00 +0200</pubDate><category>Fair OA</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Juliane Finger</dc:creator><dc:creator>Sabrina Schotten</dc:creator><dc:creator>Tobias Steiner</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access</guid><description>Die Autor*innen sind aktive Mitglieder des scholar-led.network und setzen sich damit gemeinsam und kollaborativ für eine von Großverlagen unabhängige, nicht profitorientierte Publikationskultur jenseits von APCs und BPCs ein.

Ein frischer Wind weht durch die Open-Access-Welt: Diamond statt APC, öffentliche Infrastrukturen statt Transformationsvertrag. Eine erfreuliche Entwicklung für das wissenschaftsgeleitete Publizieren, bei der es jedoch eine gravierende Leerstelle gibt.

Wie ist es zu diesem Umschwung in der Open-Access-Debatte gekommen? In den letzten Jahren wurden erhebliche Mittel investiert, um Wissenschaftsverlagen den Übergang zum Open Access Publishing schmackhaft zu machen. Doch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und unter Open-Access-Expert*innen wächst die Kritik:  Transformationsverträge resultieren in den wenigsten Fällen in einer tatsächlichen Transformation der beteiligten Zeitschriften zu Full Open Access (Farley et al., 2021; Ghamandi, 2020; Kiley, 2024; Nous, 2021). Die DEAL-Verträge stabilisieren die Marktmacht der Verlagskonzerne; ob sie zu nachhaltigen Kostensenkungen führen, bleibt dabei offen (Brembs et al., 2023a). Zu der daraus erwachsenden Frustration gesellen sich zunehmende Sorgen um die digitale Souveränität der Wissenschaft (Saunders, 2023). Dass Verlagskonzerne “science tracking” betreiben und als Datenhändler agieren (Altschaffel et al., 2024; Beetham et al., 2022; Clark, 2016; Holzer, 2022; Pooley, 2022; Siems, 2022; 2023), gewinnt durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz im Publikationswesen (Wood, 2024) weiter an Brisanz.

Auch zentrale Akteur*innen wie die cOAlition S, der Rat der Europäischen Union und einige deutsche Wissenschaftsorganisationen greifen diese Problembeschreibung in aktuellen Statements auf und nehmen dort einen alternativen Weg des Open-Access-Publizierens in den Blick: nicht-profitorientiertes Open Access Publishing in der Hand der Wissenschaft, bei dem wissenschaftliche Publikationen mithilfe öffentlich geförderter Open-Access-Infrastrukturen für Leser*innen und Autor*innen gebührenfrei sind.

Diese Entwicklung ist aus Sicht des scholar-led.network folgerichtig und begrüßenswert. Als Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die Publikationsprojekte unabhängig vom herkömmlichen Verlagswesen in kollaborativer, wissenschaftlicher Eigenregie betreiben, freuen wir uns, dass die in unseren Communities entwickelten und erprobten Modelle zukünftig breit gefördert und adaptiert werden sollen, wie wir es 2021 im scholar-led.network-Manifest (scholar-led.network, 2021) gefordert haben. Als Expert*innen für wissenschaftsgeleitetes, nicht-kommerzielles Publizieren sehen wir jedoch auch die Lücken in der aktuellen Diskussion. Diese fokussiert primär auf technische Fragen nach neuen Publikationsplattformen für Open Access und plädiert für das Aufbrechen etablierter Peer-Review-Strukturen (Brembs et al., 2023b). Diese neuen Ansätze orientieren sich oft an einem Wissenschaftsverständnis, das in den quantitativ arbeitenden Forschungsfeldern (STEM) verbreitet ist. Dabei wird jedoch oftmals übersehen, dass wissenschaftliches Publizieren, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, ein zutiefst sozio-technischer Prozess ist.

Die zentrale Schwachstelle liegt aus unserer Sicht darin, dass die Aufgaben von wissenschaftlichen Redakteur*innen und Herausgeber*innen weitestgehend ausgeblendet wird. Zur Erinnerung: Wissenschaftliche Redakteur*innen organisieren die Qualitätssicherung. Sie entscheiden über Desk Rejections, um Qualität zu sichern und das Peer-Review-System zu entlasten. Sie wählen Reviewer*innen aus und bewerten mögliche Befangenheiten. Sie sichten die Kommentare der Gutachter*innen, unterstützen Autor*innen dabei, Hinweise produktiv umzusetzen, und prüfen abschließend, ob Beiträge den Qualitätskriterien entsprechen. Darüber hinaus engagieren sie sich für die Akquise von Beiträgen, die Entwicklung neuer Formate und die Beratung von Nachwuchswissenschaftler*innen. Wissenschaftliche Redakteur*innen müssen fachlich versiert und gut vernetzt sein, um diese Aufgaben zu erfüllen. 

Bei wissenschaftsgeleiteten Publikationsorganen jenseits etablierter, kommerzieller Verlage kommen weitere Aufgaben hinzu: Die Tätigkeit von Redakteur*innen erfordert ein umfassendes Verständnis von Publikationsinfrastrukturen. Sie müssen die spezifischen Prozesse ihres Publikationsorgans in digitalen Redaktionssystemen abbilden, auftretende Fehler erkennen und Autor*innen und Gutachter*innen bei der Arbeit mit dem Redaktionssystem unterstützen. Redaktionen verwalten die Budgets der Diamond-Open-Access-Projekte, werben Mittel ein und koordinieren die Zusammenarbeit mit Infrastrukturanbieter*innen und externen Dienstleister*innen. Sie diskutieren intern über die Vorgehensweise bei Retractions und entscheiden selbst über publikationsethische Standards, wobei sie die spezifischen Erfordernisse des eigenen Fachs berücksichtigen. Angefangen von der Klärung juristischer Fragen über die Auseinandersetzung mit neuen, experimentellen Formen des Publizierens im Digitalen bis hin zum zielgruppenspezifischen Marketing fallen Aufgaben in ihren Arbeitsbereich, die in kommerziellen Verlagen arbeitsteilig organisiert werden. Wissenschaftsgeleitete Publikationsprojekte übernehmen diese selbst, denn dies füllt mit Leben, was wir mit “wissenschaftsgeleitet” meinen. Die Betreiber*innen technischer Open-Access-Infrastrukturen in den Bibliotheken und neue, nicht-kommerzielle Universitätsverlage unterstützen hier unter anderem mit Leitlinien und Beratung, haben aber in der Regel nicht das Mandat oder die Ressourcen, sich um alle anfallenden Aufgaben zu kümmern. 

Dass dieses vielfältige Aufgabenspektrum und die zentrale Rolle der Redaktionen in vielen der aktuellen Debattenbeiträgen komplett ausgeblendet werden, ist kein Zufall. Gute und faire Redaktionsarbeit lässt sich nur begrenzt “outsourcen” oder wie bereitgestellte Soft- und Hardware “skalieren”. Es müssen Lösungen gefunden werden, diese Arbeit unter den aktuellen, immer prekärer werdenden Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens mit befristeten Stellen und unsicheren Karriereverläufen zu organisieren. Es braucht akademische Freiräume innerhalb vergüteter Stellen und Anreizsysteme, damit es sich lohnt, sich in einer Redaktion zu engagieren und Kompetenzen aufzubauen. Nur so können diese Kompetenzen auch durch Networking, Kollaboration und nicht-kompetitiven Wissensaustausch weitergegeben werden, so dass sich wissenschaftliches Publizieren als dezentrales Netzwerk weiterentwickeln kann – ein Ansatz, den Adema/Moore, 2021 mit dem Konzept “scaling small” beschrieben haben. Diese Herausforderung ist komplex und wird in unterschiedlichen Disziplinen unterschiedlich beantwortet werden müssen. Wer nicht-profitorientiertes Open Access Publishing in der Hand der Wissenschaft fordert, muss sich dieser Frage jedoch über kurz oder lang stellen, denn Autor*innen und Gutachter*innen interagieren nicht nur mit Infrastrukturen. Sie interagieren hauptsächlich mit Menschen.

Aktuell klafft eine große Leerstelle, die nicht dadurch gefüllt wird, dass immer mehr Wissenschaftsorganisationen und wissenschaftspolitische Akteur*innen betonen, dass Gelder aus dem Erwerb in die Förderung von Open-Access-Publikationsinfrastrukturen verlagert werden sollen. Selbstverständlich sind Redaktionssysteme, Repositorien, Preprint-Archive und grundlegende Infrastrukturdienste wie Crossref und DataCite von zentraler Bedeutung für ein wissenschaftsgeleitetes Publikationssystem. Im Vergleich dazu mag jede einzelne der 246–298 primär in Deutschland angesiedelten Diamond-Open-Access-Fachzeitschriften zwar, wie in der Studie zur “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland” beschrieben, “weniger systemischen Charakter haben” (Biela/Stalla/Hohmann/Holzer, 2024, 10). Sie alle zusammen und die Menschen, die sie betreiben, sind jedoch gerade durch ihre Pluralität für das Publikationssystem überaus systemrelevant. Auch ein “large-scale open access research publishing service” (Rat der Europäischen Union, 2023), wie er dem Rat der Europäischen Union vorschwebt, wird die notwendige Transformation nicht befördern, wenn nicht aktive Redaktionskollektive ihn mit Leben füllen. Und auch die im Plan-S-Proposal “Towards Responsible Publishing” (Stern et al., 2023) vorgeschlagene Neudefinition der Redakteur*innenrolle wirkt zu kurz gedacht. Danach sollen Redakteur*innen die Entscheidungsmacht über die Veröffentlichung an die Autor*innen abgeben (Prinzip 1), jedoch weiterhin Begutachtungsprozesse organisieren. Welche Anreizsysteme für wissenschaftliche Redaktionen in diesem System greifen, lässt der Vorschlag jedoch offen.

Aus Sicht des scholar-led.network sind Vorstöße, die das Problem auf die Bereitstellung von primär technischer Infrastruktur verkürzen und One-Size-Fits-All-Lösungen ohne die hinreichende Berücksichtigung disziplinärer Diversität präsentieren, technokratische Nebelkerzen. Ein Systemwechsel wird ohne qualifizierte wissenschaftliche Redakteur*innen nicht funktionieren. Daher ist es höchste Zeit, dass deren Arbeit anerkannt und vergütet wird (siehe dazu auch jüngst Adema/Moore, 2024) – was beispielsweise durch eine sinnvolle Einbettung in eine grundlegende Reform der Personalstrukturen im deutschen Hochschulwesen erfolgen könnte. Verschiedene Vorschläge dazu existieren bereits beispielsweise im Kontext der #IchbinHanna-Initiative (siehe bspw. Bahr, 2023), leider ist jedoch seitens der Hochschulpolitik sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene bisher wenig Bereitschaft hin zu einer dringend nötigen Implementierung erkennbar.
Literatur

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<item><title>Diamond Open Access und Zweitveröffentlichungen im Fokus beim oa.barcamp 2024 an der SUB Göttingen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen#comments</comments><pubDate>Mon, 19 Aug 2024 08:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zweitveröffentlichung</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Danny Flemming</dc:creator><dc:creator>Sylvia Gschwend</dc:creator><dc:creator>Julian Schima </dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-und-zweitveroeffentlichungen-im-fokus-beim-oabarcamp-2024-an-der-sub-goettingen</guid><description>Am 14. und 15. Mai trafen sich mehr als siebzig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zur vierten Auflage des oa.barcamps an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen), um sich über den Status Quo, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft von Open Access (OA)  auszutauschen. Organisatorinnen waren die Universität Konstanz und die SUB im Rahmen des BMBF-geförderten Projekt open-access.network.
Innovatives Format mit aktiver Mitgestaltung durch die Teilnehmenden

Ein Barcamp ist verglichen mit gewöhnlichen Konferenzen ein offenes Veranstaltungsformat: Im Gegensatz zu einem im Vorfeld fixierten Programm mit festgelegten Vorträgen, Workshops und Sprecher*innen bestimmen die Teilnehmenden erst vor Ort, worüber sie wann in welchem Rahmen sprechen möchten.

&quot;I enjoyed being a part of the Barcamp a lot because of its open and flexible format. Every participant had a say in deciding the topics of discussion, and instead of fixed sessions and lecture-type presentations, the floor was open to different group sizes as well as discussion methods. Whether the participant was new to the topic or experienced, everyone had the opportunity to learn and discuss thanks to the format. I think the Barcamp created a very open platform for healthy interactions. It was a learning experience, not only on the theme at hand, but also on how to make group interactions more engaging and productive.&quot;  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

Die Zentralbibliothek bot dafür optimale Bedingungen: Im Digital Creative Space (DCS), das mit seiner Atmosphäre dem offenen und eher lockeren Konferenzcharakter zu Gute kam, bekamen die Angereisten zu Beginn der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den anderen Gästen ihre zahlreichen Ideen und Themenvorschläge für Sessions – sei es als Workshop, Diskussionsrunde, Vortrag – vorzustellen, welchevon Fördermöglichkeiten von Fair Open Access über Herausforderungen von Zweitveröffentlichungsservices und Monitoring von Open-Access-Publikationen bis hin zur Vernetzung von Open-Access-Projekten reichten.

Im Anschluss an dieses sogenannte Session Pitching, waren alle Teilnehmer*innen aufgefordert, ihre bevorzugten Themen zu wählen, aus denen die Organisator*innen das Programm festzurrten, während die Teilnehmenden an einem Speed Dating zum Kennenlernen auf dem sonnenbeschienenen Campus teilnehmen konnten.
Diskussionen und Austausch über aktuelle Themen

Nach der Mittagspause standgleich eine erste Session zur Finanzierung von diamantenem Open Access an. Ausgehend von einer kurzen Vorstellung des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projektes Diamond Thinking durch Projektmanagerin Mamta Dwivedi tauschten sich rund fünfzig Teilnehmende über Möglichkeiten aus, Open-Access-Publikationen jenseits einer Finanzierung durch APC und BPC zu finanzieren. Dabei wurde die Notwendigkeit alternativer und fairer Finanzierungsmodelle betont, schon allein wegen der hohen und tendenziell weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit APC-finanzierten Medien und den DEAL-Verträgen. Zwar ermöglichen Projektförderungen es immer wieder, neue Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu gründen oder von Closed auf Open Access umzustellen, jedoch fehlt es an einer nachhaltigen Finanzierung nach Ablauf der jeweiligen Projektlaufzeit. Eine Lösungsmöglichkeit bieten hier alternative Finanzierungsmodelle. Beispiele wie die Open Library of Humanities und das KOALA-Projekt zeigten, dass Crowdfunding-Modelle funktionieren können, aber auch hier gibt es keine Garantie für Folgefinanzierungen. Haushaltsrechtliche Fragen erschweren außerdem die Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken an solchen Modellen.

Mit der Frage, was Bibliotheken unternehmen können, um nicht-kommerzielle Formen des Open Access gezielt zu unterstützen, wurde sich im Anschluss auch in Session zwei auseinandergesetzt. Ein umfassender Bericht zu diesem Workshop kann hier nachgelesen werden.
Auf dem Weg zu neuen Open Access Policies?

Am zweiten Tag beschäftigte sich ein Workshop intensiv mit der Gestaltung und Implementierung von Open Access Policies bzw. damit, wie diese vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung der Open-Access-Transformation in Richtung einer umfassenden Publication Policy überarbeitet werden müssten.

Untergruppen bearbeiteten die Aspekte “Prozess und Implementation”, “Inhalte” und “Scholarly Publishing”. Dabei wurde die Bedeutung eines partizipativen Prozesses bei der Erstellung von OA Policies betont, bei dem Wissenschaftler*innen und Leitungsebene von Beginn an eingebunden sein sollten. Die Implementierung müsse zudem an quantifizierten Zielen überprüft und durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die regelmäßig auf ihre Zielgruppen und Inhalte hin kontrolliert und angepasst werden. Schulungen sollten kontinuierlich wiederholt und Multiplikator*innen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Inhalte den Bedarfen entsprechen. Als Basisinhalte einer OA Policy wurden die Themen Erst- und Zweitveröffentlichung, Empfehlungen zu Open Access und die Bereitstellung von Beratung und Unterstützungsangeboten genannt, neben zusätzlichen Punkten wie freie Lizenzen, Nutzung bestehender OA-Verträge und der Thematisierung von Research Assessment und Publikationsvielfalt. Statt einer reinen OA Policy wäre auch eine umfassendere Richtlinie zum wissenschaftlichen Publizieren denkbar.

Eine weitere Untergruppe besprach die Publikationsrichtlinie der TU Dresden als Beispiel und sammelte Feedback von verschiedenen Institutionen. Es stellte sich heraus, dass viele Einrichtungen bereits OA Policies oder Publikationsrichtlinien haben, jedoch oft eine übergreifende Publikationsrichtlinie bevorzugen würden, die alle Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens abdeckt. Vorteile einer solchen umfassenden Richtlinie wären die Bündelung aller relevanten Informationen für Autor*innen und Institutionen sowie die Stärkung der Bibliotheken als zentrale Anlaufstellen.
Großes Interesse an Zweitveröffentlichungsservices

Die hohe Teilnehmendenzahl beim Workshop zu Zweitveröffentlichungsservices, den Franziska Deuter von der UB Bamberg anbot, zeigt die große Relevanz auch dieses Themas - für wissenschaftliche Bibliotheken ebenso wie für Verlage, beide Gruppen waren im Plenum vertreten. Deuter gab detaillierte Einblicke in die Workflows und Serviceangebote, die die UB Bamberg für ihre Forschenden und deren Zweitveröffentlichungen im dortigen Repositorium etabliert hat. Die folgende lebhafte Diskussion beleuchtete das Thema Green Open Access von verschiedenen Seiten, wie etwa in Hinsicht auf Haftungsfragen, Lizenzvergaben und Verlagspolicies. Als weitere relevante Themen erwiesen sich die Promovierendenberatung und der Umgang mit konkreten Alltagstätigkeiten wie die Erstellung von Deckblättern. Wer gerne weitere Informationen zu zentralen Aspekten des Themas hätte, kann einen Blick in den bereitgestellten Leitfaden zu Zweitveröffentlichungsservices werfen.
Blick in die Open-Access-Projektlandschaft

Mehrere im Open-Access-Bereich wirkende Projekte haben die Gelegenheit genutzt, der Community Einblicke in ihre Tätigkeiten zu geben.

In einer der ersten Sessions stellte Victoria Jahrmarkt das im vergangenen Herbst gestartete Projekt PANTER vor. Ziel des Projekts ist ein zuverlässiger Preismonitor, der es Publizierenden erlaubt, einen Überblick über die aktuelle Preislandschaft auf dem Open-Access-Zeitschriftenmarkt zu erlangen sowie Preisentwicklungen für Publikationsdienstleistungen sichtbar und vergleichbar zu machen. In der gemeinsamen Diskussion waren die Teilnehmenden eingeladen, eine fiktive Persona zu gestalten und so eine konkrete Nutzerin des Monitors zu imaginieren. Dieser spielerische Ansatz brachte anschaulich die zielgruppenspezifischen Herausforderungen an das Tool ans Licht.

Einer ganz anderen Aufgabe verpflichtet sich das Projekt OS-APS STEMO, über das Markus Putnings In einer der abschließenden Sessions informierte. Putnings zeigte, wie die im Projekt erstellte Open Source Software institutionelle Verleger*innen (etwa Repositorien, OJS-Instanzen oder Hochschulverlage) bei der Sicherstellung digitaler Barrierefreiheit unterstützen kann - hierfür stellte er auch eine Cloud-Software zum Selber-Ausprobieren bereit.

Diese beiden vorgestellten Projekte gaben einen Einblick in die Bandbreite von Themen, die in der aktuellen Open-Access-Projektlandschaft behandelt werden. Wie ein Überblick über diese Landschaft aussehen kann und wie mögliche Synergien identifiziert werden können, war Gegenstand einer weiteren Session zu Open-Access-Projekten, nämlich zum Angebot des oa.hub von open-access.network, den Sie hier finden.
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Martin Liebetruth
CC-BY Danny Flemming
CC-BY Martin Liebetruth
Rahmenprogramm

Die thematischen Sessions wurden ergänzt durch spannende Rahmenprogrammpunkte. Zum Abschluss des ersten Barcamp-Tages öffnete die SUB die Tore zu ihrem Historischen Gebäude und die sonst verschlossene Tür des Heyne-Lesesaal. Der zweite Tag startete mit einem Refinement – also einer Verfeinerung – der Ergebnisse des ersten Tages mit Lilja Sautter, Product Owner an der SUB und Projektmitarbeiterin bei open-access.network, und Agile Coach Kay Liewald, SUB Göttingen.Hierbei wurden insbesondere der Austausch und die Möglichkeit des Perspektivwechsels am ersten Veranstaltungstag hervorgehoben. Gleichzeitig gaben Sautter und Liewald mit der hier demonstrierten One-Two-Four-All-Methode einen Einblick in die agile Projektarbeit an der SUB und den Teilnehmenden ein Tool zur Optimierung der eigenen Arbeitsprozesse an die Hand.

„Im Projekt P2P.OA.HAW interessieren uns zum einen die individuellen   Herausforderungen von HAW im Bereich Open Access. Das Barcamp ist hierfür ideal, denn das Format gibt den Einrichtungen den Raum, eben diese spezifischen Themen zu adressieren. Die Größe der einzelnen Sessions bietet die Möglichkeit, in einen persönlicheren Austausch in Kleingruppen zu gehen, was bei Tagungen mit größeren Dimensionen oft zu kurz kommt. Zum anderen sind wir fortlaufend daran interessiert, weitere potentielle Peers kennenzulernen. Da auf dem Barcamp OA-Neulinge bis -Expert*innen vertreten waren, haben wir die Veranstaltung als Netzwerkgelegenheit genutzt.

Unsere Highlights waren: Einblicke in die Erstellung einer Open Access Policy und der persönliche Austausch mit der Ansprechperson unserer zu beratenden Hochschule.“ (Jasper Beyermann und Emilia Mikautsch, Projekt P2P.OA.HAW)

Das Barcamp in Göttingen hat einmal mehr gezeigt, dass dieses Format für den Austausch in der Open Access Community hervorragend geeignet ist. Die SUB Göttingen glänzte mit sehr gut geeigneten Räumlichkeiten, in denen sich die rund 75 Teilnehmenden an den zwei Tagen rundum wohlfühlen konnten. Sowohl Organisator*innen wie auch Teilnehmende zeigten sich in der Abschlusssession rundum zufrieden und sparten nicht mit Lob von der Organisation über das Catering bis hin zumRahmenprogramm, das es ermöglichte, außerhalb der Sessions Gespräche fortzuführen und sich zu vernetzen.

&quot;The theme of Open Access publishing is quite extensive and ever-changing. Therefore discussions and cooperation with specialists are the best way to learn and stay up-to-date on the topic. The community involved with OA publishing is also inclusive and easy to talk to. As I experienced it, this Barcamp had the format designed for easy interactions with specialists in various topics as well as building one-to-one relationship. I think, it&#039;s the best place and format for anyone interested in learning more about the topic as well as connecting with experts.”  (Mamta Dwivedi, Projekt Diamond Thinking)

„Beim Barcamp konnte ich viele Bekannte und frühere Kollegys wiedersehen und mich weiter mit der Community vernetzen. Trotz der vielen Online- Angebote sind solche Präsenztreffen daher sehr schön und wichtig. Ich konnte außerdem die Themen, die mich aktuell beschäftigen, in verschiedenen Sessions einbringen und neue Ideen mitnehmen. Daraus ist auch eine ganz konkrete Idee für einen Austausch zu Finanzierungsmodellen jenseits von APC und BPC entstanden.&quot; (Katharina Schulz, Projekt VEStOR ).

Das nächste oa.barcamp wird im Frühjahr 2025 stattfinden. Details zu Ort, Datum und Anmeldemöglichkeiten werden auf open-access.network bekannt gebeben.
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<item><title>Fair Open Access fördern</title><link>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</link><pubDate>Mon, 01 Jul 2024 00:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><category>Diamond Open Access</category><category>Fair OA</category><dc:creator>Sarah Dellmann</dc:creator><dc:creator>Michaela Voigt</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fair-open-access-foerdern</guid><description>Am 14./15. Mai fand in Göttingen das 3. von open-access.network organisierte Open Access Barcamp statt. In einer Session wurde die Frage diskutiert, was Bibliotheken tun können, um Fair Open Access zu fördern. Der folgende Blogbeitrag knüpft an diesen Austausch in einer Gruppe von ca. 20 Personen an. Den Diskussionspunkten stellen wir eine Definition vorweg.
Begrifflichkeiten

Der Begriff Diamond Open Access ist in aller Munde, nicht zuletzt seit der Veröffentlichung der „OA Diamond Journals Study“ in 2021 (vgl. Becerril et al., 2021 und Bosman et al. 2021) und den darauf folgenden „Action Plan for Diamond Open Access“ aus 2022 (Ancion et al. 2022); eine gemeinsame Unternehmung von Science Europe, der cOAlition S, OPERAS, und der französischen Forschungsorganisation ANR.
Zwar gibt es immer noch keine allgemein geteilte Definition. Wir können aber feststellen, dass Diamond Open Access als ein Sammelbegriff für Geschäftsmodelle verwendet wird, in denen die Publikationskosten nicht an Autor*innen (bzw. Herausgeber*innen) weitergegeben werden. In einigen Definitionen wird zudem festgehalten, dass sich die Infrastruktur oder das Publikationsorgan in akademischer oder öffentlich-rechtlicher Trägerschaft befinden muss.1 Da es keine geteilte Definition gibt, gibt es auch – noch? – keine allgemeinverbindlichen Kriterien, anhand derer wir beurteilen können, ob ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur Diamond Open Access ist.

Fair Open Access hingegen definiert einen Kriterienkatalog, anhand dessen sich Zeitschriften in Hinsicht auf das Erfüllen bestimmter Werte beschreiben lassen – unabhängig von Geschäftsmodell oder Trägerschaft. Die sog. Fair Open Access Alliance (FOAA)2 hat fünf Prinzipien formuliert, die eine Zeitschrift erfüllen muss, um als Fair Open Access zu gelten: Sie ist 1. wissenschaftsgeleitet, 2. die Autor*innen behalten die Rechte an ihren Werken, 3. die Inhalte sind vollständig und unmittelbar Open Access, 4. die Einreichung und Veröffentlichung von Beiträgen ist nicht unmittelbar mit Kosten verbunden und 5. ggf. anfallende Gebühren sind niedrig, der Leistung angemessen und werden transparent dargestellt. Anders als bei Diamond sind Zeitschriften, deren Geschäftsmodell auch APCs umfasst, nicht per se ausgeschlossen, solange es sich um keine verpflichtende APC-Zahlung handelt, und die Zeitschrift grundsätzlich non-profit ist (vgl. „Clarification notes“ der FOAA principles). Diese Prinzipien wurden speziell mit Blick auf Zeitschriften formuliert, lassen sich aber (entsprechend weitergedacht) auch auf andere Publikationsorgane und Infrastrukturen anwenden.

Diamond und Fair Open Access sind weder synonym, noch schließen sie einander aus; keins von beiden ist eine Teilmenge des anderen, doch gibt es Überlappungen: Tatsächlich erfüllen viele (aber nicht alle!) Diamond-Open-Access-Zeitschriften die Kriterien von Fair Open Access.3 Andersherum gibt es bei vielen (aber nicht allen!) Verlagen, die Diamond-Zeitschriften im Portfolio haben, breite Zustimmung zu den Werten, die hinter den Fair-Open-Access-Kriterien stehen.4 Und, um es noch komplizierter zu machen, gibt es auch not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren und die den Kriterien für Fair Open Access entsprechen, aufgrund der APCs aber nicht als Diamond-Open-Access-Zeitschrift gelten (z. B. Quantum).5

Anders gesagt: Diamond Open Access und Fair Open Access nehmen jeweils unterschiedliche Perspektiven ein. Da wir uns im Folgenden mit Kriterien für Fördermöglichkeiten von Bibliotheken beschäftigen, plädieren wir in diesem Fall für die Verwendung Fair Open Access.

Unsere Prämisse lautet: Wir unterstützen in erster Linie Werte (freier Zugang zu Information für alle, freie Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs für alle, Handlungsfähigkeit der Wissenschaft bzw. Wissenschaftler*innen) und erst in zweiter Linie Geschäftsmodelle – nicht andersherum. Unbenommen bleibt, dass es darum geht, relevante Inhalte und Initiativen mit geeigneter wissenschaftlicher Qualitätssicherung zu fördern.

Wie kann eine solche Förderung aussehen? Im Folgenden tragen wir die beim Barcamp diskutierten Aspekte zusammen. Dabei konzentrieren wir uns auf Ideen für Ausgabenarten und andere Aktivitäten – und lassen Fragen der operativen Umsetzung an dieser Stelle außer Betracht.
Finanzierung von Fair Open Access

Die FOAA principles benennen sehr konkret Kriterien von Fair Open Access; daneben sind lokale Kriterien zu berücksichtigen. Viele Einrichtungen werden ihre Unterstützung für ein Publikationsorgan oder eine Infrastruktur an allgemeine Erwerbungskriterien knüpfen (hier beispielhaft):

    Hat die Infrastruktur oder das Publikationsorgan fachliche Relevanz für die Einrichtung?
    Publizieren Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung in der Zeitschrift oder Reihe?
    Sind Wissenschaftler*innen der eigenen Einrichtung als Herausgeber*innen der Zeitschrift oder Reihe beteiligt? Sind Sie womöglich in herausgehobener Rolle Mitglied im Editorial Board (z. B. Editor-in-Chief)?
    Sind die Inhalte relevant für die Lehre?

Ist der institutionelle Rahmen geklärt, stellt sich die Frage, was eigentlich genau unterstützt werden soll, kann und darf:

    Personalkosten für (unterstützende und/oder inhaltliche) Redaktionstätigkeiten und/oder Arbeiten an Infrastruktur
    Finanzierung verlegerischer Dienstleistungen Dritter: Satz, Klärung von Bildrechten, Anfertigen von Übersetzungen und barrierefreie Umsetzung der Publikation
    finanzielle Unterstützung für Journal Flipping
    finanzielle Unterstützung für Infrastruktur und/oder intermediäre Organisationen, häufig durch institutionelle Mitgliedschaften (z. B. DOAJ, DOAB, OAPEN, ORCID, DSpace, PKP als Organisation hinter OJS/OMP, arXiv, AEUP, COAR)
    Finanzierung von konkreten Publikationsdienstleistungen, etwa einer Zeitschrift (über ein Konsortium oder als Einzelförderung)

Nicht-monetäre Unterstützung

Zunehmend ist Kritik auch von Wissenschaftler*innen an DEAL und ähnlichen Publish-and-Read-Verträgen zu vernehmen, die sich bei der Ausrichtung des institutionellen Open-Access-Förderhandelns benachteiligt bzw. nicht gesehen fühlen, da die Publikationskultur in ihrer Disziplin nicht zur Förderlogik passt.6

Auch vor diesem Hintergrund wollen wir betonen, dass Fair Open Access auch ohne einen Fair-Open-Access-Fonds gefördert werden kann. Zuallererst sind dabei Repositorien, Hochschulverlage oder Zeitschriftenhosting zu nennen – immer vorausgesetzt, dass sie ein klares Open-Access-Profil haben. Diese Publikationsservices und Infrastrukturangebote sind vielerorts etabliert und wir plädieren sehr dafür, für deren Betrieb und weiteren Ausbau ausreichend Personalressourcen in den Bibliotheken bereitzustellen.
Darüber hinaus sind weitere Aktivitäten denkbar, die entweder den Open-Access-Beratungsalltag betreffen, oder eher mittelbar wirken:

    Identifizierung von Fair-Open-Access-Aktivitäten an der eigenen Institution
    Professionalisierung von Diamond- bzw. Fair-Open-Access-Journalen unterstützen (z. B. durch die Vermittlung von Knowhow und/oder Ansprechpartner*innen, die den Prozess der DOAJ-Indexierung begleiten), kurz gesagt: Zeitschriftenredaktionen dazu befähigen, etablierte Förderauflagen zu erfüllen.
    Awareness in der eigenen Institution erhöhen (insbesondere für Fair Open Access bzw. für Zusammenhänge des wissenschaftlichen Publikationsmarktes und die lokalen Auswirkungen des Kostendrucks)
    Veränderung in Research Assessment an eigener Institution bewirken (z. B. durch den Stellenwert bei Openness in Bewerbungsverfahren7)
    bei Einrichtungen mit Konsortialstellen: Konsortialverhandlungen und -bildungen für Fair-OA-Zeitschriften unterstützen („KOALA-Konsortien selbst machen“)
    Ausweitung des Beratungsangebots auf Zielgruppe Herausgeber*innen

Fair Open Access ist kein Nice-to-have

Bibliotheken sind eine der primären zahlenden „Kund*innen“ wissenschaftlicher Publikationen – es liegt in unserem Versorgungsauftrag, den Zugang für die Forschenden unserer Institutionen zu gestalten. Wir können und sollten Verantwortung übernehmen, damit – als Folge der Transformation von Geschäftsmodellen – aus der Subskriptionskrise keine handfeste Publikationskrise erwächst. Das bedeutet, so unsere Meinung, in Konsequenz, dass sich Bibliotheken aktiv(er) mit der nachhaltigen Ausgestaltung von wissenschaftseigenen, not-for-profit Publikationsstrukturen beschäftigen – dazu gehört auch die Finanzierung.8 Fair bzw. Diamond Open Access müssen im Etat fest eingeplant werden – Fair Open Access ist kein Nice-to-Have.

Folgende (institutionelle) Aktivitäten möchten wir exemplarisch erwähnen:

    KU Leuven: Fund for Fair Open Access
    Universität Amsterdam: UvA Diamond Open Access Fund
    TU Berlin: Fair Open Access Fonds
    Niedersächsischer Beirat für Bibliotheksangelegenheiten: NiedersachsenOPEN
    ZBW: Förderung von Open-Access-Infrastrukturen; Open Library of Economics (OLEcon)

Wir freuen uns auf weitere Beispiele in den Kommentaren.

1 Für eine ausführliche (kritische) Auseinandersetzung mit dem Begriff empfehlen wir die Lektüre von Dellmann et al., 2022.
2 Die Fair Open Access Alliance ist eine Stiftung niederländischen Rechts, in der sich Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus Bibliotheken zu einer Art Dachorganisation zusammengeschlossen haben, um die Kräfte ähnlicher Initiativen zu bündeln (u. a. LingOA, MathOA oder Open Library of Humanities). Die frühere Webseite www.fairopenaccess.org ist seit Anfang 2024 leider nicht mehr erreichbar; die Inhalte sind glücklicherweise noch über das Internet Archive einsehbar (Stand November 2023).
3 Die durch KOALA finanzierten Zeitschriften und Schriftenreihen müssen APC-frei sein und darüber hinaus auch weitere Mindeststandards erfüllen, weshalb ein Großteil dieser Zeitschriften zugleich Diamond Open Access und Fair Open Access sind. KOALA erlaubt allerdings die Finanzierung von Zeitschriften und Schriftenreihen bei einem gewinnorientiert arbeitenden Verlag.
4 So geben auch kommerzielle Großverlage APC-freie Open-Access-Zeitschriften heraus (vgl. etwa die Vielzahl an Einträgen im DOAJ mit Filter „Journals without fees“), häufig erfolgt die Finanzierung dabei über eine Institution oder Fachgesellschaft.
5 Demmy Verbeke und Laura Mesotten (2022) beschreiben eindrücklich die Herausforderungen, not-for-profit Zeitschriften, die sich über APCs finanzieren, aus dem Fair Open Access Fonds zu unterstützen. In ihrem Artikel erläutern sie, warum sie letztlich davon Abstand nahmen, not-for-profit APCs aus dem Fair Open Access Fonds der KU Leuven zu begleichen. Vgl. Verbeke &amp; Mesotten, 2022.
6 So diskutiert Kai Matuszkiewicz die Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft in einem Blogbeitrag auf open.access-network.
7 Als Beispiel für Veränderung wollen wir die Universität Utrecht hervorheben: Hintergründe zum angepassten Research Assessmennt liefert auch folgender Beitrag: https://www.uu.nl/en/news/it-is-not-black-and-white.
8 Auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung weist auch die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hin, die in einer Stellungnahme vom Mai 2024 „die wissenschaftlichen Einrichtungen sowie deren Zuwendungsgeber [dazu aufrufen], Investitionen in nicht-kommerzielle Angebote als strategisch bedeutsamen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Publikationsinfrastruktur zu sehen“.
Literatur:

    Ancion, Z. et al. (2022): Action Plan for Diamond Open Access. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403.
    Becerril, A. et al. (2021): The OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. https://doi.org/10.5281/zenodo.4562790.
    Bosman, J. et al. (2021): OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. https://doi.org/10.5281/zenodo.4558704
    Dellmann, S. et al. (2022): Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. o-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(3). https://doi.org/10.5282/o-bib/5849.
    Verbeke, D., &amp; Mesotten, L. (2022): Library funding for open access at KU Leuven. Insights, 35. https://doi.org/10.1629/uksg.565.

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<item><title>Acting together for sustainable scholar-led publishing. Erste Schweizer Diamond-Open-Access-Konferenz legt Fokus auf Nachhaltigkeit</title><link>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</link><comments>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit#comments</comments><pubDate>Fri, 12 Apr 2024 11:21:00 +0200</pubDate><category>Konferenz</category><category>Diamond Open Access</category><dc:creator>Karin Stork</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/acting-together-for-sustainable-scholar-led-publishing-erste-schweizer-diamond-open-access-konferenz-legt-fokus-auf-nachhaltigkeit</guid><description>Mit Gipfeli und Schüemli begrüßten die Organisator*innen der ersten Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern ihre Teilnehmenden. Unter dem appellierenden Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” hat das Projekt PLATO am 8. März 2024 Fachpublikum und Expert*innen nach Bern in das Kulturzentrum PROGR eingeladen. Dr. Daniela Hahn (PLATO, Universität Zürich) eröffnete die Veranstaltung und freute sich über die zahlreichen Teilnehmenden. Sie lobte den Erfolg der sieben Schweizer PLATO-Universitäten in Hinblick darauf, dass sie es gemeinsam geschafft haben, Diamond Open Access bekannter und sichtbarer zu machen und somit die Relevanz in der akademischen Gemeinschaft zu verdeutlichen. Laut Hahn komme es nun darauf an, das Problem der Nachhaltigkeit im Bereich der Diamond-Open-Access-Finanzierung und deren grundlegenden Infrastrukturen anzugehen.
Status quo: Viel Open Access, aber kaum Diamond Open Access

Daniela Hahn gab damit das Wort an ihre PLATO-Projektkolleg*innen Dr. Andrea Malits und Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler, beide von der Universität Zürich. Auf Grundlage der Untersuchung “Mapping the Swiss Landscape of Diamond Open Access Journals” (2023) berichteten sie, dass viele Diamond Open Access Journals mit besonders niedrigen Budgets auskommen müssten und es ein größeres Angebot an professionellen Beratungsservices für solche Journals geben müsste. Eine Folge davon sei, dass viele Diamond Open Access Journals auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen seien, die wiederum oft eine unsichere Basis für deren Nachhaltigkeit darstelle. Zur Visualisierung des Status Quo der Publikationslandschaft verwiesen sie auf den National Journal Monitor, der zeigt, dass nur 3,6% der Zeitschriftenartikel, die in den letzten fünf Jahren in der Schweiz veröffentlicht wurden, im Diamond Open Access erschienen sind. Insgesamt sind aber immerhin rund 68,5% der Artikel offen zugänglich und nur 31,5% im Closed Access erschienen .
This graph shows the Open / Closed ratio of the collected journal articles published in Switzerland over the last five years (2020-2024).
Quelle: Journal Monitor (OAM-CH), aufgerufen am 21.03.2024.

Dieses Ergebnis steht bedauerlicherweise im Widerspruch zur 2017 ins Leben gerufenen Swiss National Open Access Strategie, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dass “bis 2024 die gesamte wissenschaftliche Publikationstätigkeit in der Schweiz Open Access sein soll und alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein müssen.” Ein Grund für die Schwierigkeit der Umsetzung der Strategie sei das dezentralisierte schweizerische Hochschulsystem, das sich durch föderale und kantonale Regelungen auszeichnet. Zukünftige Beschlüsse und Fortschritte im Bereich Diamond Open Access seien daher nur durch übergeordnete nationale und internationale Initiativen und Community-Arbeit möglich, wobei Malits und Mumenthaler einen Fokus auf Schweizer Gelehrten-Gesellschaften legen wollen.
Keine Nachhaltigkeit durch mangelhafte Finanzierung

Nach einer kurzen Pause stellte Vanessa Proudman (DIAMAS/Direktorin von SPARC Europe/SCOSS Executive Groupo Chair) in der ersten von drei Keynotes einige Erkenntnisse ihrer Projektarbeit bei DIAMAS mit dem Titel &quot;Sustainable Diamond Open Access. What we know so far” vor. Dafür erläuterte sie zunächst den Begriff der Nachhaltigkeit, der im Fokus der Konferenz stand. Sie wies darauf hin, dass neben der langfristigen finanziellen Sicherheit auch z. B. Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten in der Definition von Sustainability enthalten und mitgedacht werden sollten. Die Ergebnisse der letzten DIAMAS-Studie haben ebenfalls ergeben, dass die meisten Diamond Open Access Journals mit sehr geringer Finanzierung auskommen müssen und auf Ehrenamtliche angewiesen sind. Universitätsverlage haben laut Proudman häufig das Problem, dass sie viel Zeit für Fundraising aufbringen müssen. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum bestätigte diese Erkenntnis. Sie erklärte, dass sie Hilfe beim Fundraising benötige, da sie selbst keine Zeit dazu habe. Die Voraussetzungen, um finanziert zu werden, seien je nach Einrichtung unterschiedlich, was die Antragstellung uneinheitlich und damit noch komplizierter und aufwendiger mache. Vanessa Proudman bedankte sich für den Publikumsbeitrag und schlug vor, ihn als Fallbeispiel mit in die weitere Arbeit bei DIAMAS zu nehmen. Sie erklärte zudem, dass es generell mehr permanente öffentliche finanzielle Förderung für Diamond Open Access geben müsse, um einen gewissen Grad der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Dabei sei jedoch eine Hürde, dass solche Finanzierungen, wenn sie denn existieren, meist nur national möglich sind und der eigentlichen Diamond-Open-Access-Idee einer Internationalisierung widersprechen. Und genau dieser Frage der internationalen Finanzierung gehe DIAMAS ab sofort nach. Der dafür grundlegende Report “Into the financial sustainability of IPSPs” werde Anfang April 2024 veröffentlicht. Ergänzend dazu werde es laut Proudman bald ein Financial Sustainability Self-Assessment Tool für IPSPs geben, um die eigene Nachhaltigkeit überprüfen zu können.
Eine globale Diamond-Vernetzung

Die von Vanessa Proudman angesprochene Problematik der notwendigen internationalen Zusammenarbeit im Bereich Diamond Open Access griff daraufhin Pierre Mounier (OPERAS, École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in der zweiten Keynote mit dem Titel “Towards a European Capacity Hub and a Global Federation for Diamond Open Access” auf. Er erklärte, dass OPERAS in Zusammenarbeit mit DIAMAS eine Struktur für einen internationalen Diamond-Open-Access-Knotenpunkt entworfen habe: Dabei bilden “Communities” die kleinsten Einheiten. Als Communities definiert Mounier Journals, die als &quot;scholarly community” agieren. Einen nächsten Bestandteil der Struktur bilden “Capacity Centres”, die Journals mit Erste-Hilfe-Maßnahmen, also z.B. mit entsprechender Beratung zu Tools, Services oder Trainingsangeboten unterstützen. Diese Capacity Centres sollen wiederum von “Capacity Hubs” auf kontinentaler Ebene koordiniert werden. Die Capacity Hubs haben die Aufgabe, gemeinsame Ressourcen der Capacity Centres zu entwickeln, den Wissensaustausch unter den Centres zu organisieren und nach Synergien zu suchen. Auf dieser strukturellen Basis baue die “Global Federation” auf, die sich weltweit für den Fortschritt der Diamond-Open-Access-Transformation einsetzt, bei der Anpassung der entsprechenden Open-Access-Strategien unterstützt und einen globalen Diamond Open Access Summit organisiert. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum freute sich über das Verbundvorhaben, da sie die Einrichtung, in der sie arbeitet, anhand der Definitionen von Mounier als Capacity Centre einordnen könne und die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit in Form eines Hubs für ihre Arbeit als sehr hoch einschätze.

Die dritte Keynote hielt Dirk Verdicchio von der Universität Bern, der unter dem Titel “Building a Diamond Open Access Environment” seine Forschungsergebnisse zu Entstehungsprozessen von Diamond Open Access Journals berichtete. Bemerkenswert sei vor allem, dass es bei Redaktionen, die mit dem Berner Universitätsverlag zusammenarbeiten möchten, stark um das Vertrauen und sehr wenig um die technischen Grundlagen bzw. Voraussetzungen gehe.
Für eine nachhaltige Open-Access-Zukunft

Nach den drei Keynotes gab es eine Mittagspause, auf die am Nachmittag zwei Roundtables folgten. Als erstes diskutierten Valérie Andres (FHNW Bibliothek/Co-President AKOA), Jeanette Frey (Bibliothèque Cantonale et UniversitaireLausanne/Consortium of Swiss Academic Libraries), Beat Immenhauser (Swiss Academies of Arts and Sciences), Tobias Philipp (Swiss National Science Foundation) und Christian Schwarzenegger (swissuniversities) über die unterschiedlichen Initiativen für eine nachhaltige Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation. In der Diskussion wurde deutlich, dass es zunächst relevant sei, den festgefahrenen Kreislauf der finanziell begründeten Entscheidungen zu durchbrechen. Denn wenn Universitäten darauf angewiesen seien, renommierte Forscher*innen für ihre Einrichtung anzuwerben und die Voraussetzung für Renommée das Publizieren in großen, kommerziellen Journals bleibe, würden Universitäten gezwungen bleiben, ihre finanziellen Ressourcen weiterhin in diese großen Verlage fließen zu lassen. Die Folge wäre, dass kaum oder kein Budget für Open Access Journals übrig bleibe. Eine Publikationszukunft, die ohne Journals auskommt, konnte sich der Roundtable nicht vorstellen, da es einer Review-Struktur bedarf, die bisher nur im Journal-Format gegeben sei. Ohne die Qualität, die diese Review-Struktur bietet, würde zudem das Vertrauen in die Wissenschaft verloren gehen. Ein Gegenbeispiel war jedoch Wikipedia, wo die Zeit als Peer-Reviewer diene, weil Wikipedia-Artikel über die Zeit in der Community immer weiter verbessert und aktualisiert würden. In der Schlussrunde wurden die Expert*innen jeweils um ein abschließendes Statement gebeten: Valérie Andres betonte die Komplexität der Disziplinen und der Stakeholder, die wiederum unterschiedliche Bedarfe an Initiativen wissenschaftlicher Kommunikation mitbringen. Beat Immenhauser erklärte, dass er vor allem die Debatte über Qualität im Open-Access-Bereich für verbesserungswürdig halte. Die Annahme, dass Diamond-Open-Access-Artikel eher dazu neigen, Qualitätsmängel aufzuweisen, sei schlichtweg falsch. Die wiederkehrende Fokussierung und Thematisierung des vermeintlichen Qualitätsmangels könnte die Fehlannahme sogar bestärken, statt aufzuklären. Jeanette Frey schloss ihren Beitrag zum Roundtable mit einer Forderung nach einer zuverlässigen Finanzierung, die z.B. durch Konsortien gewährleistet werden könnte. Um zuverlässig zu sein, müsse Finanzierung jedoch projektunabhängig gegeben sein. Christian Schwarzenegger wies darauf hin, dass es in anderen wissenschaftlichen Bereichen auch immer wieder schwierig sei, eine Finanzierung zu erhalten und dass man mit einer gewissen Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft leben müsse. Er wünsche sich zudem ein zentrales Eingangsportal für alle Schweizer Publikationen.
Aus den Fehlern und Erfahrungen lernen

Am zweiten Roundtable diskutierten Margit Dellatorre (Universitätsbibliothek Zürich/HOPE), Manuel Battegay (Präsident des Trägervereins Swiss Medical Weekly), Elio Pellin (Universitätsbibliothek Bern/CRAFT OA) und Klaus Rummler (PH Zürich/MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung) zum Thema “Diamond Open Access Practices: Quality, Efficiency and Sustainability”. Dabei waren sich alle einig, dass je nach Disziplin unterschiedliche Merkmale wichtig seien, damit ein Journal gut funktionieren könne. Im Bereich Medizin sei ein besonders wichtiges Qualitätsmerkmal die Schnelligkeit, mit der ein Journal seine Artikel publiziert. An diesem Roundtable wurde auch darauf hingewiesen, dass viele Argumente, mit denen sich die Diamond Open Access Community konfrontiert sieht, dieselben seien, die gegen Closed Access oder Gold Open Access Journals existieren: dass sie zu teuer seien, dass ihre Qualität angezweifelt werde und die Zweifel an ihrer Nachhaltigkeit. In der Schlussrunde durften die Expert*innen ihre Wünsche für die Open-Access-Zukunft äußern.

Herausgegriffen sei hier der Kommentar von Elio Pellin, der sich wünschte, dass man nicht wieder dieselben Fehler mache, die man im Bereich Open Access bereits gemacht habe: Die großen Verlage dürften nicht wieder und wieder die finanziellen Ressourcen für Publikationen abgreifen. Stattdessen müsse man die Gelder in gemeinsame europäische Projekte investieren. Mit diesem Blick in die Zukunft endete die erste Schweizer National Diamond Open Access Conference in Bern.
Die Utopie als Motivation

Das Motto “Acting together for sustainable scholar-led publishing” fasst die Vorhaben der Projektreferent*innen perfekt zusammen. Nachhaltigkeit im Bereich Diamond-Open-Access ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ein Dreh- und Angelpunkt, der das Vertrauen in und somit die Etablierung von Diamond-Open-Acess-Publikationen beeinflusst. Die gemeinschaftliche Finanzierung nicht-kommerzieller Publikationsorte widerspricht dabei den eingefahrenen Marktlogiken wissenschaftlichen Publizierens, die auf großen Wissenschaftsverlagen und dem damit einhergehenden bibliometrischen Renommee basieren. Die Idee einer globalen Vernetzung, die die Projekte OPERAS, DIAMAS und CraftOA gemeinsam umsetzen wollen, klingt in Hinblick dessen besonders vielversprechend, gleichzeitig aber auch noch etwas utopisch. Das 2017 ins Leben gerufene Ziel der Swiss National Open Access Strategie, bis 2024 100% der Publikationen frei zugänglich zu publizieren, war ambitioniert. Aber: Obwohl dieses Ziel nicht komplett erreicht wurde, sind die Schweizer*innen ihm zumindest näher gekommen. Eine globale Diamond-Open-Access-Zusammenarbeit voranzutreiben, bedarf ebenfalls großer Ambitionen. Die konkreten Pläne und die motivierte Open Access Community in Bern scheinen dafür aber gute Voraussetzungen zu bieten.
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<item><title>CODRIA, PLATO und KOALA</title><link>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</link><comments>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala#comments</comments><pubDate>Thu, 21 Dec 2023 13:16:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/codria-plato-und-koala</guid><description>Codria, Plato und Koala. Diamond Open Access-Zeitschriften und Finanzierungsmodelle in Deutschland und der Schweiz

„Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ ist der Titel einer neuen Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access von open-access.network. Am 20. September 2023 fand im Rahmen dieser Reihe die erste Veranstaltung statt. Thema waren Untersuchungen zu Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland und der Schweiz und Erfahrungen mit der konsortialen Finanzierung solcher Publikationen.

Diamond Open Access ermöglicht Open-Access-Publizieren ohne Autor*innengebühren. Als Alternative zu APC/BPC-basiertem Open Access wird Diamond Open Access in jüngster Zeit intensiv diskutiert.

Auf europäischer Ebene verabschiedeten die cOAlition S, OPERAS, Science Europe und das französische Forschungsnetzwerk ANR 2022 den Aktionsplan Diamond Open Access. Im Sommer 2022 fand die erste Diamond-Open-Access-Konferenz in Zadar (Kroatien) statt, gefolgt von der zweiten Konferenz im mexikanischen Toluca im Oktober 2023. Bereits 2021 veröffentlichten Science Europe und die cOAlition S die Diamond Open Access Journals Study, eine Bestandsaufnahme und Untersuchung von Open-Access-Zeitschriften, ihren Finanzierungsformen, Herausforderungen und Potenzialen (Bosman et al., 2021; Becerill et al., 2021).

In Deutschland und der Schweiz haben sich die Projekte KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), CODRIA (Community-Driven Open Access Journals zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen) und PLATO (Platinum Open Access Funding) mit den Publikationsbedingungen, Verbesserungspotenzialen und möglichen Modellen für Diamond-Open-Access-Zeitschriften beschäftigt.

In der Informationsveranstaltung am 20.September berichteten Daniela Hahn (Universität Zürich) und Nils Taubert (Universität Bielefeld) zunächst die Ergebnisse der beiden Forschungsprojekte PLATO und CODRIA. Im Anschluss stellte Alexander Pöche (TIB Hannover) das Projekt KOALA und Erfahrungen aus der Organisation und Verwaltung von Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Publikationen vor.
Diamond Open Access Journals in Deutschland und in der Schweiz

Die im Rahmen von CODRIA und PLATO durchgeführten Untersuchungen (Bruns et al., 2022; Taubert et al., 2023; Hahn et al., 2022) kommen zu ähnlichen Ergebnisse wie die Diamond Open Access Study (Bosman et al., 2021): Diamond Open Access Journals sind ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Kommunikation, v.a. in den Sozial- und Geisteswissenschaften, sie sind eher klein, veröffentlichen meist nicht mehr als 25 Artikel pro Jahr und stützen sich wirtschaftlich auf ganz unterschiedliche Finanzierungsquellen, wobei viele dabei mit einer unsicheren Finanzierung zu kämpfen haben. Darüber hinaus bieten die Projektergebnisse wichtige Einblicke in die Strategien von Diamond-Open-Access-Zeitschriften, mit knappen Ressourcen zu haushalten und leisten einen Beitrag zur Klärung der jeweiligen Bedarfe.

Das BMBF-Projekt &quot;Community-Driven Open Access Journale zwischen wissenschaftlichen und ressourcenbezogenen Anforderungen&quot; (Laufzeit 1.2.2021–31.1.2023) führte eine Bestandsaufnahme der Diamond-Open-Access-Zeitschriften in Deutschland durch. Im Rahmen einer bibliographischen Analyse wurden eine Liste von insgesamt 458 Diamond-Open-Access-Zeitschriften zusammengestellt (vgl. Bruns et al. 2022). Viele dieser Zeitschriften sind eher klein: Durchschnittlich wurden 2021 im Jahr nur 16 Beiträge pro Zeitschrift veröffentlicht. Dabei existieren große Unterschiede. Die Zeitschrift mit dem höchsten Output veröffentlichte im Jahr 2021 288 Artikel.

Fachlich sind die Geistes- und Sozialwissenschaften unter den Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit einem Anteil von 72,5% stark überrepräsentiert. Nur rund 13% der Diamond-Open-Access-Zeitschriften haben eine naturwissenschaftliche und 6% eine technikwissenschaftliche Ausrichtung.
Abb. 1: Quelle: Taubert, N. (2023)

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung vertiefte das CODRIA-Projektteam seine Ergebnisse. Viele Zeitschriften operieren auf der Basis gemischter Ökonomien: Während ein Teil der Arbeiten bezahlt erfolgt, sind andere Aufgaben ehrenamtlich organisiert. Alle Journals vereint, dass sie auf keiner gesicherten wirtschaftlichen Basis agieren. Häufig sind sie von lokal vorhandenen Mitteln oder zeitlich befristeten Projektgeldern abhängig. Eine Strategie, damit umzugehen, kann es sein, Arbeiten auf eine große Zahl Freiwilliger zu verteilen. Doch der Kreis der Engagierten ist häufig klein und zentrale Aufgaben sind vom Engagement Einzelner abhängig. Eine nachhaltige Finanzierung, so das Fazit von Niels Taubert, sei deshalb erforderlich, um eine nachhaltige Geschäftsgrundlage für Diamond-Open-Access-Zeitschriften zu schaffen.

Diese Schlussfolgerung zog auch Daniela Hahn, Projektleiterin von PLATO. PLATO ist ein Partnerprojekt von sechs Schweizer Universitäten. Neben einer Bestandsaufnahme von Zeitschriften und deren Herausforderungen ist es das Ziel von PLATO, nachhaltige Förderstrategien für wissenschaftsgeleitetes Diamond Open Access in der Schweiz zu entwickeln.

In der ersten Projektphase ging es auch bei PLATO, vergleichbar mit CODRIA, um die Erfassung aller Diamond-Open-Access-Zeitschriften und die Untersuchung ihrer Perspektiven und Herausforderungen. Im Ergebnis stellte PLATO eine Liste von 235 Zeitschriften zusammen. Analog zu den Ergebnissen bei CODRIA sind auch die von PLATO untersuchten Zeitschriften überwiegend klein und publizieren durchschnittlich weniger als 25 Artikel pro Jahr; fachlich liegt der Schwerpunkt (67,3%) ebenfalls in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Anders als in der CODRIA-Studie wurde in der PLATO-Untersuchung auch nach dem Publikationsort und den Finanzierungsmechanismen gefragt: Mehr als die Hälfte der Zeitschriften erscheint an Hochschulen (46,4%) und wissenschaftlichen Akademien (16,6%). Profitorientierte Verlage stellen dagegen nur 15,7% der Publikationsorte. Diamond-Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich – hier sind die Ergebnisse von PLATO in Übereinstimmung mit CODRIA –  über eine breite Palette von Quellen. Eine solche Mischfinanzierung aus vielen kleinen Töpfen ist häufig erforderlich, um den Fortbestand der Publikation zu sichern, denn eine nachhaltige Finanzierung zu organisieren, ist für viele Zeitschriften schwierig.

In der zweiten Projektphase soll im Projekt PLATO ein Finanzierungsmodell für Diamond-Open-Access-Zeitschriften entwickelt werden. Herausfordernd ist es dabei, teilweise verborgene Kosten zu ermitteln und Infrastrukturkosten zu recherchieren. Letztere variieren abhängig davon, ob das Zeitschriften-Hosting inhouse oder auf externen Plattformen, kostenlos oder gegen Gebühr organisiert wird. Im Rahmen von PLATO wurden sechs Stichproben erhoben. Die mittleren Kosten lagen demnach bei 15.000 Sfr (15.600 €)/Jahr.
Diamond Open Access nachhaltig ermöglichen

Für die Zukunft der Diamond-Open-Access-Förderung in der Schweiz stellen sich aus Sicht von PLATO strategische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen: Strategisch soll Diamond Open Access in die überarbeitete nationale Open-Science-Strategie von swissuniversities integriert werden. Unklar ist aber, wie die Herausforderung der Finanzierung von Diamond Open Access am besten gelöst werden kann. Neben konsortialen Modellen (eine gemeinschaftliche Finanzierung durch mehrere wissenschaftliche Bibliotheken) kommt auch der Aufbau eines nationalen Kapazitätszentrums als Modell in Betracht. Wirtschaftlich ist zu klären, wie sich die Kosten für Diamond Open Access zukünftig entwickeln. Im Zuge der generellen Entwicklung hin zu Open Science lohnt es möglicherweise trotz enger Budgets in Modelle zu investieren, die langfristig ein nachhaltiges Publizieren ermöglichen.

Ein solches Modell zu entwickeln war Ziel des BMBF-Projektes KOALA (Konsortiale Open Access Lösungen aufbauen), das zwischen 2021 und 2023 gemeinsam von der TIB Hannover und dem KIM der Universität Konstanz durchgeführt wurde. Die Erfahrungen aus dem KOALA-Modell aus Sicht der Konsortialverwaltung stellte Alexander Pöche vor.

KOALA ist es gelungen, insgesamt drei Finanzierungskonsortien für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Buchreihen zu organisieren. Dabei zeigte sich deutliches Interesse an KOALA sowohl seitens der Zeitschriften als auch der wissenschaftlichen Bibliotheken. Grundsätzlich gibt es eine große Bereitschaft, konsortiale Modelle zu unterstützen. Musterverträge und Gebührenmodell, die im Rahmen von KOALA entwickelt und angewendet wurden, werden seitens der Community akzeptiert.

Gleichzeitig offenbarte KOALA eine Reihe von Herausforderungen, die in Zukunft weiter bedacht werden müssen. So war zumindest in den bisherigen Finanzierungsrunden der organisatorische Aufwand relativ hoch und die Frage ist, wie dieser in Zukunft gesenkt werden könnte. Spielraum gibt es dabei in der Anpassung der Erwerbungsabläufe in den Bibliotheken, z.B. in der Form fester Workflows. Eine weitere Erleichterungsmöglichkeit wären eigene Budgets für Diamond Open Access in den Bibliotheken. Dies würde Erwerbungsentscheidungen im Bereich Diamond Open Access erleichtern. Drittens könnte möglicherweise auch in der Zusammenstellung der Pakete Potenzial zur Vereinfachung ausgeschöpft werden. Wichtig für die weitere Entwicklung und Pflege von Konsortien im Bereich Diamond Open Access ist darüber hinaus, weitere Einrichtungen für die Verwaltung von Konsortien zu gewinnen. Auch internationale Kooperationen können für die Zukunft Potential zur Weiterentwicklung von Diamond-Open-Access-Konsortien haben. Die weitere Verankerung und der Ausbau von Open-Access-Konsortien ist auch Thema des Folgeprojektes KOALA-AV, das Ende 2023 gestartet ist und bis 2025 an der TIB Hannover und der Universität Konstanz durchgeführt wird. Dabei steht auch die Internationalisierung von Konsortien auf der Agenda.

Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wer unter welcher Voraussetzung über eine Teilnahme an einem Open-Access-Konsortium entscheidet. Teilnehmer*innen verwiesen darauf, dass neben den Erwerbungsabteilungen auch Fachreferent*innen Adressat*innen sind. Entscheidend seien neben der fachlichen Relevanz der Publikationen auch der Umfang ihrer Nutzung sowie die in den Bibliotheken vorhandener Mittel. Die Nutzung sei allerdings schwierig nachzuweisen, da viele Zeitschriften aus Gründen der Datensparsamkeit Zugriffszahlen auf ihre Webseiten nicht auswerten. Ein Grund für eine Entscheidung gegen die Teilnahme an Open-Access-Konsortien sei oft, dass in der Einrichtung schlicht das Geld fehle und man sonst andere Produkte aus dem Portfolio streichen müsse, was schwer zu vermitteln sei. Bereits während der Etatplanung Mittel für die Finanzierung von Diamond Open Access zurückzustellen, könne dagegen ein Instrument sein, um die Finanzierung solcher Modelle zukünftig zu erleichtern.
Ausblick

Die Veranstaltungsreihe „Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative“ wird  fortgesetzt. Ankündigungen zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier: https://open-access.network/fortbilden/workshops/informationsreihe-die-open-access-transformation-nachhaltig-gestalten-diamond-oa-als-alternative

Im Rahmen von open-access.network ist außerdem die Erstellung einer Handreichung zu neuen Formen der Open-Access-Finanzierung geplant. Dort wird auch die Veranstaltungsreihe zu Diamond Open Access dokumentiert werden.
Literatur

Becerill, A., Bjørnshauge, L., Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., Proudman, V., Redhead, C., Torny, D., &amp; Mounier, P. (2021) OA Diamond Journals Study. Part 2: Recommendations. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4562790

Bosman, J., Frantsvåg, J. E., Kramer, B., Langlais, P.-C., &amp; Proudman, V. (2021). OA Diamond Journals Study. Part 1: Findings. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4558704

Bruns, A., Cakir, Y., Kaya, S., Beidaghi, S., &amp; Taubert, N. C. (2022, August 31). Diamond Open Access Journals, Germany (DOAG) (Version 1.1.). Bibliometrics Working Group at the Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Bielefeld University.  https://doi.org/10.4119/unibi/2965484

Hahn, D., Hehn, J., Hopp, C., &amp; Pruschak, G. (2022, December). Mapping the Swiss landscape of diamond open access journals: The PLATO study on scholar-led publishing. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.7461728

Hahn, D. (2023). Diamond Open Access in der Schweiz. Zum Stand der Diskussion. Informationsveranstaltung PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialr Finanzierung in Deutschland und der Schweiz., open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10370101

Taubert, N. (2023). Diamond-Open-Access-Journale in Deutschland - zur Lage eines besonderen Zeitschriften-Segments. Informationsveranstaltung &quot;PLATO, KOALA und CODRIA: Die Diamond-Open-Access-Landschaft und Ansätze konsortialer Finanzierung in Deutschland und der Schweiz&quot;, open-access.network. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10371485

Taubert, N.; Sterzik, L.; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Landscape. Minerva. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7
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<item><title>Open Access Level-Up</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-level-up#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 13:02:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Dom Ford</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</guid><description>Ein Gespräch mit Dom Ford über den Betrieb der Diamond-Open-Access-Zeitschriften gamevironments und Eludamos

Beim Herausgeben von und beim Publizieren in Open-Access-Zeitschriften müssen Wissenschaftler*innen einige Herausforderungen meistern. Dom Ford, Postdoc an der Universität Bremen, ist maßgeblich an zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften beteiligt: Er ist Chefredakteur von gamevironments und wirkt außerdem im Herausgebergremium von Eludamos: Journal for Computer Game Culture mit. In diesem Gespräch laden wir ihn ein, seine Erfahrungen mit uns zu teilen, bitten ihn um Rat und erkunden die entscheidende Rolle der Bibliotheken bei der Unterstützung des Diamond-Open-Access-Publizierens.
Dom Ford, Foto: IT der Universität Kopenhagen
Podcast des Interviews
Hier könnt ihr euch das Gespräch zwischen Carolin Becklas und Dom Ford anhören. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Carolin Becklas [CB]: Dom, könntest du dich und dein Forschungsgebiet bitte vorstellen – und natürlich auch deine Zeitschrift?

Dom Ford [DF]: Mein Name ist Dom und ich bin Postdoc an der Universität Bremen. Ich forsche zu Community-Bildung im Gaming-Bereich. Dabei untersuche ich, wie Communities in und um digitale Spiele gebildet, ausgehandelt und aufrechterhalten werden. Neuerdings befasse ich mich auch ein bisschen mit dem Prozess der Realitätsbildung im Allgemeinen. Ich wirke in der Redaktion von zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit – vor allem gamevironments, die hier an der Universität Bremen angesiedelt ist. Die Chefredakteurinnen sind Kerstin Radde-Antweiler von der Universität Bremen und Xenia Zeiler von der Universität Helsinki. Die Zeitschrift widmet sich schwerpunktmäßig der Wertebildung im Gaming-Bereich sowie der Verortung von Spielen innerhalb des weiteren soziokulturellen Medienumfelds, denn Spiele sind sozusagen unentwirrbar mit einem solchen weiteren Umfeld verbunden. Die andere Zeitschrift, bei der ich mitwirke, heißt Eludamos. Ihr Fokus ist noch weiter gefasst und gilt Spielen und Kultur im Allgemeinen. Sie wird geleitet von Holger Pötzsch von der UiT, Norwegens Arktischer Universität, und Kristine Jørgensen von der Universität Bergen. Da ich Redaktionsleiter von gamevironments bin, bin ich sozusagen viel stärker in den Betrieb jener Zeitschrift eingebunden.

CB: Erzähl uns etwas über deinen Hintergrund und was dich zu deiner derzeitigen Rolle im wissenschaftlichen Publizieren geführt hat.

DF: Wie du wahrscheinlich hören kannst, bin ich englischer Muttersprachler. Und, weißt du, ich habe mich immer für die englische Sprache interessiert. Ich habe einen Master in englischer Literatur. Und ich habe viel Korrektorat und Lektorat gemacht, viele Texte erstellt – das ganze redaktionelle Zeug halt. Und es war irgendwie natürlich, dass ich in dieser Rolle gelandet bin. Da ich in der Wissenschaft tätig war, habe ich Projekte gesucht, in denen ich mich engagieren wollte. Und oft stellte ich einfach fest, dass es Zeitschriften waren. Zuerst habe ich 2020 bei Eludamos angefangen. Eine Art Pandemieprojekt, um die Zeitschrift nach einer Unterbrechung wieder zum Laufen zu bringen. Es war wirklich interessant, einen Blick hinter die Kulissen des Ganzen werfen zu können. Man bekommt die Einreichung eines Artikels mit; man arbeitet damit während des ganzen Prozesses, bis es veröffentlicht wird; und dann fangen die Leute an, es zu zitieren und zu nutzen. Das ist ein sehr befriedigender Prozess. Als ich mich nach meiner Promotion für Stellen beworben habe, habe ich mich für diese Postdoc-Stelle hier in Bremen interessiert, weil zur Rolle gehörte, Redaktionsleiter von gamevironments zu werden, und ich würde die Möglichkeit haben, diese Arbeit neben meiner Forschung fortzusetzen. Ich würde nicht sagen, dass ich da reingestolpert bin – es war bestimmt Absicht im Spiel. Es ist einfach eine der Möglichkeiten, in der Wissenschaft einen Beitrag zu leisten mit den ganzen freiwilligen zusätzlichen Diensten, die wir alle als Teil der Wissenschaft leisten müssen. Weißt du, man findet Aufgaben, die man richtig gerne macht und die einem ein Ziel geben. Und dies ist die Art von Rolle, zu der ich mich letztendlich hingezogen fühlte.

    Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot;
    - Dom Ford

CB: Die “freiwilligen zusätzlichen Dienste&quot; führen mich zu meiner nächsten Frage: Viele Zeitschriften setzen auf Abogebühren oder Publikationsgebühren, um ihre Kosten zu decken. Aber ihr zieht es vor, gamevironments als Open-Access-Zeitschrift zu betreiben – sogar als Diamond-Open-Access-Zeitschrift, bei der weder für Publizierende noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Warum war das für euch wichtig, und wie wirkt sich das auf Autor*innen, Leser*innen und natürlich auch auf die Nachhaltigkeit der Zeitschrift aus?

DF: Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Mir ist sehr wichtig, den möglichst freien Fluss von Wissen und wissenschaftlichem Diskurs zu ermöglichen. Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot; Und deshalb ermöglicht Diamond Open Access auf verlegerischer Seite, dass die wissenschaftliche Arbeit einfach im Mittelpunkt steht, was idealistisch gesprochen ein wirklich sympathischer Grundsatz ist. Autor*innen müssen nicht zusätzliche Hürden überwinden, und Leser*innen müssen weder beten, dass ihre Bibliothek institutionellen Zugang zur Zeitschrift hat, oder dass sie selbst nicht das Risiko eingehen müssen, die Artikel auf illegalem Weg zu beschaffen. Denn, seien wir mal ehrlich, niemand bezahlt für einen Zeitschriftenartikel aus eigener Tasche. Diamond Open Access bedeutet, dass die Menschen auf beiden Seiten diese Hürden einfach nicht überwinden müssen, um wissenschaftliches Wissen zu produzieren bzw. um Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu erhalten.

Wir müssen uns auch keine Gedanken machen über Gewinnmodelle und solche Sachen. Wir sind nicht gewinnorientiert. Uns ist es nur wichtig, dass wir unsere Betriebskosten decken. Und dann können wir uns einfach auf die eigentliche redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Der Nachteil ist, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen aus Publikationsgebühren Diamond-Open-Access-Zeitschriften fast immer ehrenamtlich betrieben werden. Gelegentlich können wir Mittel finden, um Lektorate und solche Dinge zu bezahlen. Aber im Grunde wird die Zeitschrift ehrenamtlich betrieben. Das hat einige Vorteile, aber es kann zu Problemen im Hinblick auf die Arbeitsbelastung führen. Alle machen die Arbeit neben ihren meist akademischen Tätigkeiten wie Lehre und Forschung. Und dann muss man zusätzlich diese ganze Arbeit an der Zeitschrift machen, was bedeutet, dass man der Arbeit an der Zeitschrift manchmal nicht Vorrang geben kann oder dass es zu Verzögerungen kommt. Man muss also die Arbeit an der Zeitschrift beiseiteschieben, weil man nicht dafür bezahlt wird. Wenn du für einen der großen Verlage oder dergleichen arbeitest, dann ist es dein Job und somit deine primäre Aufgabe. Das bedeutet also, dass Diamond Open Access ein bisschen langsamer ist und anfälliger für Sachen, die die Publikation vom Kurs abbringt. Es kann etwas dazwischenkommen. Von den Redakteur*innen bis hin zu den Reviewer*innen: Niemand wird bezahlt und daher wird die Arbeit manchmal prioritätsmäßig herabgestuft.

CB: Du hast die Bibliotheken bereits erwähnt. Ich habe mich gefragt, wie die Bibliothekar*innen und die Bibliotheken diese Publikationsinitiativen unterstützen können.

DF: Wir haben ziemliches Glück, dass die beiden Zeitschriften von den Bibliotheken unterstützt und finanziert werden. Universitätsbibliotheken verfügen oft über irgendeine Art von Publikationsplattform und man kann einen Antrag stellen, um auf der Plattform eine Zeitschrift veröffentlichen zu können. Wenn die Bibliothek die Idee unterstützt, dann sind alle deinen Betriebskosten gedeckt und die Bibliothek leistet technische Unterstützung, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Content Management Systems. Die Bibliotheken sind für diese Art von Publikationsmodell unerlässlich. Wir haben also großes Glück, dass wir diese Institutionen haben, die die Mittel erhalten, um diese Publikationen zu unterstützen.

CB: Diamond-Open-Access-Zeitschriften gelten oft als ein eher Community-getriebener und dezentraler Ansatz des wissenschaftlichen Publizierens. Inwieweit wirkt sich dies auf die Community der Autor*innen, Reviewer*innen, Leser*innen sowie Förderer*innen deiner Zeitschrift aus?

DF: Es handelt sich in erster Linie um eine ehrenamtlich getriebene Organisation – eher um ein Community-Ding als ein geschäftliches Unterfangen. Die Herausgeber*innen gründen eine Zeitschrift und arbeiten daran, weil sie der Auffassung sind, dass es eine wichtige Arbeit ist. Die Reviewer*innen erstellen Gutachten für uns, weil sie diese Arbeit unterstützen wollen. Die Autor*innen publizieren bei uns, weil es nichts kostet, und vielleicht auch weil sie die Arbeit der Zeitschrift unterstützen. Und die Leser*innen lesen die Artikel, weil diese umsonst sind. Ich denke auch, dass Wissenschaftler*innen sich zunehmend gegen das Profitstreben der riesigen wissenschaftlichen Verlage wehren. Man hört immer mehr von Reviewer*innen, die sich weigern, Manuskripte für profit-orientierte Verlage zu begutachten, oder die sagen: &quot;Okay, wenn ihr Gewinn erzielt, dann müsst ihr mich für mein Gutachten bezahlen.&quot; Es ist manchmal schwierig, Reviewer*innen zu finden, weil, wie gesagt, die Arbeit ehrenamtlich ist und alle überarbeitet sind und haben einen Haufen Sachen zu tun. Im Allgemeinen sind Reviewer*innen eher bereit, Manuskripte für Open-Access-Zeitschriften zu begutachten.

Hilfreich ist, dass die Förderorganisationen oft verlangen, dass die Menschen Open Access publizieren. Solange wir unsere Betriebskosten decken können, geht es ausschließlich um den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Community. Gamevironments gibt jedes Jahr eine Sonderausgabe heraus. So können wir uns mit Fragen beschäftigen wie: “Mit wem wollen wir zusammenarbeiten bei dieser Sonderausgabe?&quot; und &quot;Welche Themen wollen wir aufgreifen?&quot; Wir müssen nicht an Aspekte denken wie: &quot;Passt dies zu unserem Geschäftsmodell? &quot;Ist es finanziell nachhaltig?&quot; Und so weiter. Mit Eludamos können wir Sachen machen wie Doktorandenseminare, die wir in letzter Zeit relativ oft auf verschiedenen Tagungen organisiert haben. Wir werden diese Initiative fortführen, weil sie bedeutet, dass wir uns als Zeitschrift stärker in der Community engagieren können. Sie verstärkt einfach die Verankerung der Zeitschrift in der Community, sowohl im Hinblick auf unsere Grundsätze als auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie zum Beispiel der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Reviews.
Carolin Becklas, Foto: Carolin Becklas

CB: Ich würde gerne eine Frage zu einem anderen Thema stellen: In den vergangenen Jahren ist KI – und vor allem natürlich ChatGPT – zu einem heißen Thema sowohl in der Wissenschaft als auch in nichtwissenschaftlichen Bereichen geworden. Wie hat KI deine Arbeit und die Art und Weise, wie du gamevironments leitest, verwandelt oder beeinflusst?

DF: Das ist noch nicht passiert. Ich bin mir sicher, dass es passieren wird, aber die Technik ist noch nicht gut genug, dass beispielsweise jemand ChatGPT einfach bittet, mal einen Artikel für gamevironments zu erstellen, und wir würden es nicht merken können. Ich glaube nicht, dass die Technik bereits so weit ist. Aber das wird sie wahrscheinlich irgendwann sein. Daher ist es etwas, das wir sicherlich im Auge behalten werden. Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass KI generell bereits jetzt im Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und Schreibens eine Rolle spielt. Denn Textverarbeitungsfunktionen wie Autokorrektur, Grammatikprüfung und Wortvorschläge in Microsoft Word und solche Sachen sind alle maschinelle Lernverfahren der KI, die den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens unterstützen. Aber wir werden uns künftig Gedanken machen über unser Verhältnis zu KI: Was sind die ethischen Konsequenzen? Wir bekennen uns zu diesen Ethikleitlinien von COPE für wissenschaftliche Publikationen. Bietet COPE irgendeine Anleitung darüber, wie wir dazu stehen sollen, und wie wir mit diesen potenziellen Fällen umgehen sollen? Ich würde also sagen, dass KI noch nichts verwandelt hat.

    Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist.
    - Dom Ford

CB: Meine letzte Frage: Welchen Rat würdest du Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen geben, die an der Gründung einer Zeitschrift oder an der Mitwirkung an einer bestehenden Zeitschrift interessiert sind?

DF: Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist. Denn keiner liest etwas, das nicht Open Access ist – vor allem an kleineren Hochschulen, die keinen Zugang zu allen großen Verlagen haben. Weißt du, wenn man einen Artikel nachschlägt, der nützlich zu sein scheint, aber er steht hinter einer Bezahlschranke, gibt es eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass man die Registerkarte schließen und den Artikel vergessen wird, weil es da draußen so viel Forschung gibt. Jede zusätzliche Barriere bedeutet, dass man eine Menge potenzieller Leser*innen verlieren wird. Und natürlich hat man auch seine Prinzipien. Ich für meinen Teil möchte kein Geld an Elsevier und den [anderen] großen Verlagen geben, wenn ich es vermeiden kann. Man muss natürlich vorsichtig sein, denn manche Länder verwenden beispielsweise Punktesysteme für ihre Publikationen. Diese punktebasierten Systeme sind willkürlich, nicht wahr? Die bauen oft auf Prestige sowie darauf, wie &quot;gut&quot; die Zeitschriften sind, oder ob sie von Scopus und Web of Science erfasst werden. Große Verlage können es sich locker leisten, diese Prozesse zu durchlaufen. Aber wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt, dauert es länger, von solchen Datenbanken erfasst zu werden. In solchen punktebasierten Systemen werden wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschriften daher möglicherweise niedriger eingestuft als andere. Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, warum diese Prinzipien von praktischen Erwägungen in einer wissenschaftlichen Karriere verdrängt werden können. Ich denke jedoch, dass es prinzipiell einfach viel angenehmer ist, wenn die eigenen Arbeiten Open Access sind. Ich würde daher ausdrücklich empfehlen, Beiträge, wenn möglich, in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist für mich eine persönliche Priorität. Ich versuche, nur Open Access zu publizieren.

Ich komme jetzt zu der Frage der Zeitschriftengründung. Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach geht. Solange man seine Betriebskosten deckt, muss man sich über Vieles keine Gedanken machen. Wenn die Bibliothek der eigenen Institution Publikationsdienstleistungen anbietet, kann man eine Zeitschrift relativ schnell in Betrieb nehmen. Und ein ganzes Content Management System ist bereits vorhanden. Die Menschen unterschätzen, wie mühsam es ist, alle diese unterschiedlichen Systeme wie Scopus zu durchforsten, und dann noch sicherzustellen, dass man die ganzen ethischen Leitlinien kennt. Wenn man eine Zeitschrift gründet, nimmt man eine verantwortungsvolle Position innerhalb der wissenschaftlichen Community ein: Man ist dafür verantwortlich, die Arbeiten von Menschen zu veröffentlichen. Man ist dafür verantwortlich, zu verhindern, dass plagiierte Werke veröffentlicht werden, die schädlich sind; Werke, die Fehlinformationen enthalten; Werke, wo die Daten in unethischer Weise erhoben wurden; und alle diese unterschiedlichen Erwägungen. Es gibt dabei viele verschiedene Prozesse, mit denen man sich befassen muss. Ich denke, dass es sich wirklich lohnt, bevor man seine eigene Zeitschrift gründet, sich bei anderen Zeitschriften zu engagieren. Werde Mitglied der Redaktion einer anderen Zeitschrift. In der Regel sind sie froh, wenn sie Menschen haben, die aushelfen. Meist gelangt man in solche Positionen, wenn man Manuskripte begutachtet und das gut macht. Wenn man daran denkt, eine Zeitschrift zu gründen, muss man entweder selbst eine unbefristete Stelle haben oder man muss die Unterstützung von jemandem erlangen, der eine unbefristete Stelle hat, um Kontinuität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Abgesehen davon, würde ich sagen, dass Beiträge in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren ein richtig guter Weg ist, um solche Vorhaben zu unterstützen und zum wissenschaftlichen Diskurs sowie zur Wissensproduktion beizutragen. Es ist auch ein wirklich guter Weg, sich zu vernetzen. Mit Chefredakteur*innen zusammenzuarbeiten, die möglicherweise große Namen in deinem Fachgebiet sind, kann an sich wertvoll sein, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es kann ein wirklicher guter Weg sein, sich stärker in der eigenen wissenschaftlichen Community zu integrieren.

CB: Dom, vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns geteilt hast heute. Ich habe viel gelernt.

DF: Danke für die Einladung. Es hat echt Spaß gemacht.

CB: Irgendein letztes Wort?

DF: Publiziert Open Access! Wissen muss frei sein.
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