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<item><title>Open Journals Collective: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft für Diamond-Open-Access-Zeitschriften</title><link>https://open-access.network/blog/open-journals-collective-auf-dem-weg-zu-einer-nachhaltigen-zukunft-fuer-diamond-open-access-zeitschriften</link><comments>https://open-access.network/blog/open-journals-collective-auf-dem-weg-zu-einer-nachhaltigen-zukunft-fuer-diamond-open-access-zeitschriften#comments</comments><pubDate>Thu, 24 Sep 2026 14:04:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Tom Shaw</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-journals-collective-auf-dem-weg-zu-einer-nachhaltigen-zukunft-fuer-diamond-open-access-zeitschriften</guid><description>Open Journals Collective: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft für Diamond-Open-Access-Zeitschriften

Bei einem oa.talk im Juni sprachen Vertreter*innen des Open Journals Collective (OJC), des Open Book Collective und Thoth Metadata über ihr Ziel, eine nachhaltige, wissenschaftsgeleitete Alternative zum kommerziellen wissenschaftlichen Verlagswesen zu schaffen. Dieses Gespräch mit Tom Shaw, Library Engagement Lead beim OJC, befasst sich mit der Rolle des OJC bei der Unterstützung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften und der Förderung einer gerechteren Publikationslandschaft


oa.blog: Was ist das Open Journals Collective?

Tom Shaw: Während meiner Zeit als wissenschaftlicher Bibliothekar habe ich in einigen Bibliotheken gearbeitet, wo wir neue strategische Ansätze für Bibliotheksbestände und offene Forschung entwickelt haben. Unsere Ideen in die Realität umzusetzen, erwies sich jedoch als viel schwieriger als die Ausarbeitung der Strategie. Wir wollten in Alternativen zu Paywalls und APCs investieren, aber die einzige Möglichkeit, dies zu tun, bestand darin, kleine Initiativen – in der Regel von individuellen Verlagen – zu unterstützen. Es gab eigentlich keinen praktikablen Weg, in Alternativen in einem Umfang zu investieren, der die Publikationslandschaft selbst allmählich verändern könnte. Aber mittlerweile gibt es einen solchen Weg! Um mit der Exekutivdirektorin des OJC, Caroline Edwards, zu sprechen, bietet das OJC eine gerechte, nachhaltige, community-geleitete Alternative zu den von wissenschaftlichen Großverlagen angebotenen „Big Deals“. 

Das OJC ist selbst kein Verlag. Anstatt zu versuchen, ein weiterer Diamond-Open-Access-Verlag zu sein, unterstützen wir bestehende Diamond-Open-Access-Zeitschriften und sorgen für deren Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Das OJC bietet einen alternativen„Big Deal“ für Bibliotheken an, der auf unterschiedlichen Werten, einem anderen Ethos und einem anderen Geschäftsmodell basiert als die „Big Deals“ der kommerziellen Großverlage. Im Wesentlichen arbeiten wir daran, das, was bereits existiert, zu unterstützen und im Mainstream zu etablieren. Und letztlich arbeiten wir daran, Bibliotheken eine Ausstiegsoption (exit ramp) aus transformativen Verträgen zu ermöglichen und von der Finanzierung großer kommerzieller Publikationsmodelle auf ein Community-getragenes, gemeinnütziges Diamond-Open-Access-Publizieren umzustellen.


oa.blog: Wie funktioniert das OJC-Modell in der Praxis?

TS: Durch den Beitritt zum OJC können Bibliotheken in großem Umfang in Diamond Open Access investieren und die langfristige Nachhaltigkeit von gemeinnützigen Diamond-Open-Access-Zeitschriften unterstützen. Die von Bibliotheken gezahlten Mitgliedschaftsbeiträge werden zur Finanzierung der Zeitschriften in unserem Angebotspaket (collection) verwendet und ermöglichen ihnen somit eine nachhaltige Zukunft. 

Abhängig von ihrer disziplinären Ausrichtung können Bibliotheken entscheiden, ob sie das gesamte multidisziplinäre Angebotspaket (278 Zeitschriften) unterstützen möchten, nur die Titel aus den Bereichen Kunst, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften (198 Zeitschriften) oder nur die MINT-Titel (80 Zeitschriften). Die Mitgliedschaftsbeiträge sind in drei verschiedene Stufen unterteilt – Klein, Mittel und Groß – basierend auf der Anzahl der Vollzeitäquivalente der Studierenden. Bibliotheken, die die Initiative über den Standardbeitrag hinaus unterstützen möchten, stehen vier höhere Beitragsstufen zur Verfügung: Bronze, Silber, Gold und Platin. Zeitschriften in der OJC-Sammlung müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, wie beispielsweise, dass sie wissenschafts- oder community-geleitet und im Directory of Open Access Journals verzeichnet sind. 

Außerdem haben wir vor Kurzem eine neue Möglichkeit eingeführt, wie Bibliotheken und andere Organisationen uns unterstützen können: unser Supporters Programme. Es ermöglicht Bibliotheken, einen Einmalbetrag ihrer Wahl in das OJC zu investieren, ohne wiederkehrende Verpflichtung. Die Bibliotheksmitgliedschaft bleibt zwar der wichtigste Weg für Bibliotheken, in das OJC zu investieren, doch das Supporters Programme bietet zusätzliche Flexibilität und wurde aufgrund von Rückmeldungen einiger Bibliotheken ins Leben gerufen, wonach die Kosten der vollen Mitgliedschaft ein Hindernis darstellten.


oa.blog: Sie haben einen Vergleich gezogen zwischen dem OJC und einer Ausstiegsoption (exit ramp) aus kommerziellen Publikationsmodellen. Es gibt jedoch bereits mehrere andere Diamond-Open-Access-Dienste, insbesondere institutionelle Infrastrukturen, wie beispielsweise Universitätsverlage. Was hebt OJC von diesen anderen Angeboten ab?

TS: Da wir beim OJC mit einer Reihe bestehender Open-Access-Verlage zusammenarbeiten, basiert unser Modell auf Kollaboration mit anderen Diamond-Open-Access-Verlagen. Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns von anderen unterscheiden. Wir ermöglichen es Bibliotheken, eine breite Palette von bestehenden Diamond-Open-Access-Zeitschriften in einem größeren Umfang zu unterstützen, als dies bisher möglich war. Außerdem sind wir eine globale Organisation mit einer durch und durch internationalen Reichweite, während viele bestehende Initiativen nur in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region gelten. Aber wir sehen auch einen Mehrwert in einem diversen und lebendigen Publikationsökosystem, wo viele Initiativen – groß und klein, lokal und global – ein gemeinsames Ziel verfolgen. Wir glauben, dass wir das Potenzial haben, das Verlagswesen im Zeitschriftenbereich erheblich zu verändern, aber wir sind keineswegs der einzige Katalysator, der diese Veränderung bewirken kann. 

Weil wir mit einer Reihe bestehender Verlage zusammenarbeiten, ist die OJC-Förderung ausdrücklich darauf ausgelegt, etwaige bereits existierende Finanzierungsquellen, die einer Zeitschrift zur Verfügung stehen, zu ergänzen, anstatt sie zu duplizieren. Viele unserer Zeitschriften verfügen bereits über Fördermittel, die zum Teil aus Bibliothekmitgliedschaftsprogrammen stammen, wie sie beispielsweise von der Open Library of Humanities und Érudit betrieben werden. Diese Zeitschriften haben lediglich Anspruch auf einen reduzierten Betrag an Zusatzförderung, der dennoch eine wichtige Rolle spielt. Damit geht das OJC die Abhängigkeit von unbezahlter Arbeit an und sorgt für mehr Gleichheit mit dem kommerziellen Verlagswesen, indem es Fördermittel bereitstellt, die für Aufgaben wie Lektorat und Grafikdesign verwendet werden können. Bibliotheken können sicher sein, dass sie durch ihren Beitritt zum OJC niemals die Fördermittel duplizieren, die eine Zeitschrift bereits erhält. 


oa.blog: Wie war die Resonanz auf Ihre Initiative bisher?

TS: Wir freuen uns sehr über die Resonanz der internationalen Bibliotheksgemeinschaft. Unsere Vision für das OJC hat offensichtlich großen Anklang gefunden, und das bisherige Feedback war überwältigend positiv. Außerdem freuen wir uns sehr, dass wir seit Januar dieses Jahres 47 Bibliotheksmitglieder begrüßen durften. Wir sind uns des Drucks bewusst, dem viele Bibliotheken weltweit ausgesetzt sind, und wir wissen die Anstrengungen, die unsere Mitglieder unternommen haben, um dem OJC beizutreten, sehr zu schätzen. Wir haben 25 Mitgliedsbibliotheken im Vereinigten Königreich, 17 in den USA, eine in Australien, und eine wachsende Zahl von Mitgliedern in Kontinentaleuropa – darunter unser erstes Mitglied in Deutschland, die Technische Informationsbibliothek (TIB).

Finanziell haben wir 74 % unseres Einnahmeziels für 2026 erreicht und 1.974.355 £ (2.298.544 €) gesammelt. Außerdem haben wir kürzlich einen Zuschuss in Höhe von 711.900 $ von der Gates-Stiftung erhalten, der es uns ermöglichen wird, unsere Aktivitäten in den Jahren 2027 und 2028 auszuweiten.


oa.blog: Wie werden Sie die OJC-Zeitschriftensammlung erweitern?

TS: Unser erstes Angebotspaket umfasst 278 Zeitschriften, aber wir arbeiten bereits daran, es weiter auszubauen. Unsere Verlagspartner haben neue Titel aus ihrem Verlagsprogramm für die Aufnahme in das Angebotspaket und eine Förderung im nächsten Jahr und darüber hinaus vorgeschlagen. Außerdem erweitern wir den Kreis unserer Verlagspartner, und im Anschluss an eine offene Ausschreibung zu Beginn dieses Jahres sind derzeit acht neue Verlage dabei, sich dem OJC anzuschließen. Wir sind jedoch bestrebt, nachhaltig zu wachsen, und jede Erweiterung unseres Angebotspakets muss in einem angemessenen Verhältnis zu unseren Einnahmen aus Bibliotheksmitgliedschaften stehen. 

Die Förderung bestehender Diamond-Open-Access-Zeitschriften ist nur ein Teil der Geschichte. Im Mittelpunkt unseres Ansatzes steht die Unterstützung von wissenschaftlichen Zeitschriften bei der Umstellung von einem subskriptions- oder APC-basierten Modell auf Diamond Open Access (auch Flipping genannt). Wir werden finanzielle Unterstützung für die Umstellung bereitstellen, aber auch Unterstützung, die über das Geld hinausgeht. Wenn Zeitschriften ein neues Zuhause bei einem bestehenden Diamond-Open-Access-Verlag benötigen, können wir ihnen dabei helfen, Kontakte zu knüpfen. Und wenn Zeitschriftenredakteur*innen Unterstützung, Begleitung und Bestärkung durch Redakteur*innen, die eine Zeitschrift schon einmal „geflippt“ haben, können wir ihnen auch dabei helfen.

Damit Diamond Open Access sich im Mainstream etablieren kann, müssen wir den Übergang renommierter Fachzeitschriften zum Diamond-Open-Access-Modell unterstützen. Wir sind uns bewusst, dass das Ansehen, das Publikationsorten zugeschrieben wird, und dessen Korrelation mit dem akademischen Status und dem beruflichen Aufstieg problematisch ist. Allerdings kann Diamond Open Access sein wahres Potenzial erst dann entfalten, wenn bestehende Titel, in denen Autor*innen veröffentlichen möchten, ihre Geschäftsmodelle umstellen. Und wenn die Herausgeberschaft den Wunsch hat, den bisherigen kommerziellen Verlag zu verlassen, halten wir es für richtig, diesen Schritt zu unterstützen.


oa.blog: Was sind Ihre Prioritäten im Zuge des Wachstums und der Weiterentwicklung des OJC? Welche strategischen Ziele leiten diesen Prozess, und sind derzeit konkrete Projekte im Gange?

TS: Letztendlich wollen wir das OJC zu einer bedeutenden Bewegung ausbauen, um das wissenschaftliche Verlagswesen zum Besseren zu verändern. Wir sind uns jedoch sehr wohl bewusst, dass dies nicht von selbst geschehen wird. Auch wenn viele Bibliotheken unsere Werte offensichtlich teilen und unsere Vision unterstützen, kann es für sie ein komplexer und langer Weg sein, ihre Budgets umzuschichten, weg von kommerziellen „Big Deals“, um in Diamond Open Access zu investieren. Wir müssen mit unseren Bibliotheksmitgliedern zusammenarbeiten, um das OJC zu der Ausstiegsoption aus transformativen Verträgen zu machen, die wir uns wünschen. 

Ein Teil unseres Vorgehens, wie wir das umsetzen wollen, ist unser kollektiver Ansatz für die Governance des OJC. Jedes Bibliotheksmitglied erhält einen Sitz in unserem Bibliotheksbeirat (Library Board), wodurch es erheblichen Einfluss auf die Führung und zukünftige Ausrichtung der Organisation ausübt. Der Bibliotheksbeirat arbeitet auf Augenhöhe mit unserem Verlegerbeirat (Publisher Board) und unserem Wissenschaftlichen Beirat (Academic Board), die von einer Reihe dynamischer und aktiver Arbeitsgruppen unterstützt werden. Unsere Bibliotheksmitglieder sind unsere Partner und unsere Kooperationspartner – und nicht nur reine Geschäftskunden. Mit diesem Ansatz schaffen wir eine Kultur, die in krassem Gegensatz zu dem steht, was viele Bibliotheken in der Geschäftswelt erleben, wo es nicht ungewöhnlich ist, keinen Kontakt zu einem Verkäufer zu haben, bis die nächste Rechnung fällig wird. Die Weiterentwicklung dieses kollektiven Ansatzes zu einer neuen Art der Organisationsführung ist entscheidend für das OJC im Zuge unseres Wachstums.

Eine damit verbundene Priorität für uns ist es, unsere Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Organisationen, die im Bereich Open-Access-Publizieren tätig sind, zu vertiefen. Auch wenn wir überzeugt sind, dass wir das Potenzial haben, das wissenschaftliche Verlagswesen maßgeblich zu beeinflussen, können wir das nicht im Alleingang schaffen. Wir haben eine besonders enge Beziehung zum Open Book Collective, die sich in einem Memorandum of Understanding zwischen unseren beiden Organisationen widerspiegelt, sowie in gemeinsamen Initiativen, wie beispielsweise unserem Impact-Dashboard-Projekt (siehe unten).

In anderen Bereichen ist es für Bibliotheken unerlässlich, die Auswirkungen und die Rentabilität einer OJC-Bibliotheksmitgliedschaft verstehen zu können – sowohl, um einen Beitritt zu begründen, als auch, um Entscheidungen über eine Verlängerung der Mitgliedschaft zu untermauern. Wir arbeiten daran, entsprechende quantitative und qualitative Routen bereitzustellen. Erstens, als Teil eines gemeinsamen Projekts mit dem Open Book Collective, entwickeln wir derzeit ein Impact Dashboard für die Zeitschriften in der OJC-Sammlung. Das Impact Dashboard wird eine vollständig Open-Source-Plattform sein, die Daten über unsere Zeitschriften bereitstellt, darunter Angaben zu den institutionellen Zugehörigkeiten von Autor*innen und Herausgeber*innen, OJC-Publikationen nach Ländern aufgeschlüsselt, Nutzungsdaten und Zitationsdaten. Entscheidend ist, dass das Dashboard Bibliotheken in die Lage versetzen wird, wichtige Fragen zu ihren Einrichtungen zu beantworten, beispielsweise wie viele ihrer Akademiker*innen in OJC-Zeitschriften veröffentlicht haben. Auf der qualitativen Seite: Jedes Mal, wenn wir unsere Zeitschriften finanziell unterstützen, werden sie uns darüber Bericht erstatten, wie sie die Fördermittel verwendet haben, welche Auswirkungen dies für ihre Zeitschrift hatten, und was sie dadurch tun konnten, was sie sich sonst nicht hätten leisten können. Dies bietet den Bibliotheken eine Argumentationsgrundlage, um die direkten Auswirkungen ihrer Investitionen in das OJC aufzuzeigen.


oa.blog: Zum Abschluss eine ziemlich einfache Frage: Wie können Bibliotheken, die sich für Ihre Arbeit interessieren – und vielleicht sogar daran interessiert sind, Mitglied zu werden –, mehr Informationen erhalten und sich mit Ihnen in Verbindung setzen?

TS: Wir würden uns sehr über eine Nachricht von Bibliotheken freuen – egal, wo Sie sind! Bitte besuchen Sie openjournalscollective.org, um mehr Informationen zu erhalten und sich für unseren Newsletter anzumelden. Wenn Sie mehr über die Bibliotheksmitgliedschaft wissen möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail an thomas.shaw@openjournalscollective.org (OJCs Library Engagement Lead), um einen Videoanruf zu vereinbaren. Ich werde an den Open-Access-Tagen 2026 in Linz teilnehmen und werde einen Workshop präsentieren und gemeinsam leiten. Schicken Sie mir bitte eine E-Mail, wenn Sie ebenfalls teilnehmen und Sie gerne mit mir treffen möchten, um über das OJC zu sprechen.


Suggested Citation
Shaw, T., (2026): “Open Journals Collective: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft für Diamond-Open-Access-Zeitschriften&quot;. open-access.network. 


Dieser Beitrag ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).</description><enclosure
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