<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
    <channel>
        <title>Autoren-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge von Autor Olaf Siegert</description>
        <language>de</language>
        <link>https://open-access.network/blog/autorinnen/author/olaf-siegert/blog.author.xml</link>
        <lastBuildDate>Sat, 18 Jul 2026 08:11:02 +0200</lastBuildDate>
        
    
        
            
            
<item><title>Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren#comments</comments><pubDate>Mon, 25 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Michael Geuenich</dc:creator><dc:creator>Jonas Höfting</dc:creator><dc:creator>Bernhard Mittermeier</dc:creator><dc:creator>Heinz Pampel</dc:creator><dc:creator>Beate Rusch</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Silke Weisheit</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-infrastrukturen-nachhaltig-finanzieren</guid><description>Bericht über ein Hands-on Lab auf der 113. BiblioCon

Die Entwicklung und der Erfolg von Open Access beruhen maßgeblich auf digitalen Informationsinfrastrukturen, die weltweit von Forschenden, Bibliotheken und anderen Einrichtungen genutzt werden. Diese Infrastrukturen stehen zunehmend unter Druck, da ihre Finanzierung oftmals projektbasiert erfolgt und der Übergang zu einer nachhaltigen, institutionellen oder konsortialen Finanzierung bisher nur in Teilen gelingt. Vor diesem Hintergrund widmete sich das Hands-on Lab dem Thema „Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren“ auf der 113. BiblioCon am 26. Juni 2025 (Pampel et al., 2025) speziell diesem Thema und versuchte, hier Lösungen aufzuzeigen. Ziel war es, gemeinsam mit Expert*innen und Teilnehmenden Herausforderungen, bestehende Modelle und zukünftige Perspektiven für tragfähige Finanzierungslösungen zu reflektieren und konkrete Entwicklungslinien für die deutsche Informationslandschaft zu skizzieren.
Einführung

Die Veranstaltung wurde von Heinz Pampel (Humboldt-Universität zu Berlin) moderiert. In seiner Einführung verwies Pampel auf den einflussreichen Aufsatz “The Ethnography of Infrastructure“ von Susan Leigh Star (1999). Darin definiert Star Infrastrukturen als sozio-technische Systeme, die sich durch ihre Einbettung in alltägliche Nutzungen auszeichnen, eine Einbettung, die sie für Nutzer*innen oftmals unsichtbar macht. Eine Infrastruktur “[b]ecomes visible upon breakdown“, so Star. Ihre Relevanz wird oft erst sichtbar, wenn sie ausfallen. Dieses Charakteristikum von Infrastrukturen erschwert nicht nur das öffentliche Verständnis für ihre systemerhaltende Rolle, sondern stellt auch eine politische Herausforderung dar. Denn gerade ihre Unsichtbarkeit im Alltagsbetrieb macht es schwierig, ihre Finanzierung langfristig zu sichern oder ihre Relevanz auf der politischen Agenda zu verankern. Im Kontext der offenen Wissenschaft bedeutet das: Die nachhaltige Finanzierung etablierter Open-Access-Infrastrukturen ist besonders anspruchsvoll – nicht, weil ihre Funktionalität infrage stünde, sondern weil ihre Stabilität gerade Ausdruck einer erfolgreichen, unsichtbaren Integration in den Forschungsalltag ist.

Im Anschluss an die Begrüßung folgten fünfminütige Statements aus der Praxis:

Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland
Michael Geuenich (Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG) präsentierte die Ergebnisse einer umfassenden Kartierung von Open-Access-Diensten in Deutschland (Biela et al., 2023). Zentrale Erkenntnis: Nicht-kommerziell getragene Open-Access-Infrastrukturen sind ein dezentral entwickeltes Rückgrat der wissenschaftlichen Publikationskultur und sehen sich oftmals einer unsicheren langfristigen Finanzierung gegenüber. Während Innovation häufig durch Drittmittel gefördert wird, fehlt es an Mitteln für den Betrieb (Maintenance). Er hob hervor, dass Investitionen in diese Infrastrukturen strategische Bedeutung für die digitale Souveränität haben.

Global Sustainability Coalition for Open Science Services (SCOSS)
Olaf Siegert (ZBW) stellte die internationale Initiative SCOSS (Global Sustainability Coalition for Open Science Services)) vor. SCOSS vermittelt konsortiale Finanzierungsmodelle für Open-Science-Dienste auf Basis eines Auswahlverfahrens im Rahmen definierter Qualitätsverfahren. Seit 2018 werden ausgewählte und qualitätsgeprüfte internationale Open-Science-Infrastrukturen unterstützt (u.a. DOAJ, DOAB, arXiv). Insgesamt konnten auf diesem Wege für 19 Infrastrukturen rund 7,3 Millionen Euro eingeworben werden. SCOSS selbst agiert dabei v. a. als Qualitätsprüfungs-Entität und als Vermittler, nicht aber als Förderer. Zudem organisiert die Initiative einen aktiven Austausch unter den Infrastrukturen mit den Zielen, Good Governance und Best Practices zu fördern.

Open Access Monitor Deutschland
Bernhard Mittermaier (FZ Jülich) berichtete über den Open Access Monitor Deutschland, der zunächst projektfinanziert war und seit 2023 durch Eigenmittel der Bibliothek betrieben wird. Besonders hervorgehoben wurde das Zusammenspiel von institutioneller Unterstützung und pragmatischer Mittelverwendung.

DeepGreen
Beate Rusch (ZIB, KOBV-Verbundzentrale) gab Einblick in das Projekt DeepGreen, einen Lieferdienst für Open-Access-Artikel. Nach einer DFG-Förderung tragen derzeit die drei betreibenden Einrichtungen die Finanzierung. Ab 2026 ist eine zusätzliche Umlagefinanzierung geplant, gestaffelt nach Einrichtungstyp und -größe.

Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)
Silke Weisheit (UB Regensburg) stellte die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) vor, die Informationen zu Open-Access-Zeitschriften sowie zum wissenschaftlichen Publizieren bereitstellt. Die Finanzierung erfolgt über ein gestaffeltes Umlagemodell sowie ergänzend über Drittmittelprojekte (z. B. OpenCost). Die organisatorische Ausgestaltung wird durch einen Beirat begleitet.

Anhand von drei Themenbereichen wurden anschließend drei zentrale Themen zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierung mit den Teilnehmenden diskutiert.
Finanzierung

Im Themenbereich Finanzierung wurden unterschiedliche Modelle zur nachhaltigen Unterstützung von Open-Access-Infrastrukturen diskutiert. Zu den häufig genannten Ansätzen gehörten pauschale Finanzierungsmodelle (Flat-Rates), nutzungsbasierte Modelle sowie gestaffelte Beiträge, etwa in Abhängigkeit von der Größe der Einrichtung oder der Zahl ihrer wissenschaftlichen Mitarbeitenden (FTE). 

Dabei wurde deutlich, dass jede Variante spezifische Herausforderungen mit sich bringt: So bieten pauschale Modelle zwar eine administrative Vereinfachung, erfassen aber möglicherweise nicht die tatsächliche Nutzung oder die institutionelle Leistungsfähigkeit. Nutzungsbasierte Modelle hingegen setzen eine präzise Erhebung und Auswertung von Zugriffszahlen voraus, was zusätzlichen Aufwand bedeutet und zu komplexen Abrechnungen führen kann. Staffelungen nach Größe erscheinen fair, könnten aber kleinere Einrichtungen überproportional belasten.

Ein zentrales Diskussionsthema war der „Mehrwert“ für Einrichtungen, also die Frage, warum diese überhaupt bereit sein sollten, dauerhaft in eine Infrastruktur zu investieren. Neben klassischen Nutzenargumenten wie Stabilität, Qualität und Zugang wurde besonders der Aspekt der Mitgestaltungsmöglichkeit hervorgehoben: Einrichtungen, die sich finanziell beteiligen, sollten auch strukturell eingebunden sein – etwa über Gremien oder Abstimmungsprozesse. Deutlich wurde auch, dass die Sichtbarmachung des möglichen Verlusts einer Infrastruktur ein starkes Argument für die Zahlung sein kann: Der potenzielle Ausfall oder Abbau etablierter Dienste, die bislang selbstverständlich genutzt wurden, kann die Bereitschaft zur Finanzierung erhöhen.

Zur Vermeidung einer kleinteiligen, administrativ aufwändigen Finanzierung wurde mehrfach die Idee konsortialer Lösungen eingebracht. Durch den Zusammenschluss von Bibliotheken, Landesinitiativen oder Hochschulverbünden ließen sich Beiträge bündeln und administrative Lasten verteilen. Auch wurde diskutiert, ob Bibliotheksverbünde verstärkt als koordinierende oder abrechnende Instanzen eingebunden werden könnten.
Governance

Der Themenkomplex Governance drehte sich um die Frage, wie Organisations- und Entscheidungsstrukturen für Open-Access-Infrastrukturen gestaltet werden sollten, um legitim, transparent und gleichzeitig handhabbar zu sein. Diskutiert wurden verschiedene Mitgliedschaftsmodelle, etwa in Form von aktiver oder passiver Beteiligung mit unterschiedlichem Stimmrecht. Betont wurde, dass finanzierende Einrichtungen, unabhängig vom Beitrag, eingebunden werden müssen.

Empfohlen wurde der Aufbau klarer Entscheidungsstrukturen, beispielsweise über einen Vorstand als operatives Entscheidungsgremium sowie einen Beirat, der die Interessen der beteiligten Institutionen und der Community repräsentiert. Steuerungsgremien sollten in ihren Rollen transparent, regelmäßig gewählt und gegenüber der Nutzer*innenschaft rechenschaftspflichtig sein. Gleichzeitig wurde betont, dass Governance-Strukturen schlank und effizient bleiben sollten,  insbesondere um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Auch müsse Governance sichtbar nach außen wirken, um Vertrauen zu schaffen und Legitimität zu sichern.

Ein wiederkehrendes Thema war der rechtliche Rahmen: Gemeinnützigkeit wurde als zentral erachtet, auch um die Unabhängigkeit der Dienste zu sichern. Es bestand Einigkeit darüber, dass ein späterer Verkauf oder eine Kommerzialisierung ausgeschlossen sein sollte, auch vertraglich. Schließlich wurden zwei Spannungsfelder benannt, die Governance-Fragestellungen durchziehen: Zum einen der Gegensatz von Idealismus und Pragmatismus, etwa beim Abwägen zwischen partizipativer Breite und Entscheidungseffizienz bei der Zusammensetzung eingesetzten Gremien. Zum anderen der Zielkonflikt zwischen Innovation und Erhalt: Während viele Projektfinanzierungen auf Neues abzielen, fehlt es gleichzeitig häufig an Strukturen zur dauerhaften Sicherung bestehender Dienste. Daher erscheint ein Mitgliedschaftsmodell trotz der damit einhergehenden Frage der Einbindung von finanzierenden Einrichtungen als sinnvoll.
Kommunikation

Die Diskussion zum Thema Kommunikation zeigte, dass viele nachhaltige Finanzierungsstrategien an klarer und strategisch geplanter Kommunikation scheitern können. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer zielgruppenspezifischen Ansprache: Je nach Typ der Einrichtung (z. B. Universitätsbibliothek, Fachhochschule, Forschungseinrichtung) müssen Argumente unterschiedlich gewichtet und formuliert werden. Das Beispiel DeepGreen zeigte, dass eine zweigleisige Kommunikation, also die parallele Ansprache von Repositorienbetreiber*innen und politischen Entscheider*innen, erfolgreich sein kann.

Auch der Zeitpunkt der Kommunikation wurde als entscheidend angesehen. Statt erst kurz vor Finanzierungsende um Unterstützung zu werben, sollten Infrastrukturen kontinuierlich über Nutzung, Wirkung und Bedarf berichten. Transparenz war ein zentrales Stichwort: Nicht nur Kosten, sondern auch Nutzungsdaten, Downloadzahlen und konkrete Anwendungsbeispiele sollten offen kommuniziert werden. Solche Indikatoren helfen dabei, die Relevanz von Diensten nachvollziehbar zu machen – besonders für Entscheider*innen, die den Dienst selbst nicht regelmäßig nutzen.

Einige Teilnehmende empfahlen, sich in der Außendarstellung an professionellem Wissenschaftsmarketing zu orientieren, etwa durch Testimonials zufriedener Nutzer*innen oder durch die namentliche Nennung prominenter Partnerinstitutionen. Auch eine visuell ansprechende Darstellung auf Webseiten und in Reports könne Vertrauen schaffen. Schließlich wurde angeregt, Kommunikationsstrategien regelmäßig zu evaluieren und gemeinsam mit Unterstützer*innen weiterzuentwickeln.
Fazit

Das Hands-on Lab zeigte eindrücklich, dass eine nachhaltige Finanzierung von Open-Access-Infrastrukturen sowohl institutionelle als auch kulturelle Herausforderungen umfasst. Unterschiedliche Finanzierungs-, Governance- und Kommunikationsmodelle sind erprobt und teils erfolgreich etabliert, stehen aber vor der Aufgabe, sich im verteilten System der Informationsversorgung dauerhaft zu behaupten.

Die Diskussionen bestätigten: Damit Infrastrukturen langfristig bestehen können, braucht es nicht nur tragfähige Finanzierungsmodelle, sondern auch eine Anerkennung ihres Werts. Nachhaltige Finanzierung ist mehr als eine administrative Frage, sie ist Ausdruck strategischer Entscheidungen für eine gemeinwohlorientierte digitale Wissenschaftslandschaft.
Literatur

    Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2023). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland: Studie der Technopolis Group im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Allianz der Wissenschaftsorganisationen. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
    Pampel, H., Siegert, O., Mittermaier, B., Geuenich, M., Rusch, B. &amp; Weisheit, S.(2025, June 26). Open-Access-Infrastrukturen nachhaltig finanzieren. 113. BiblioCon in Bremen 2025; 9. Bibliothekskongress, Bremen. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-194917
    Star, S. L. (1999). The Ethnography of Infrastructure. American Behavioral Scientist, 43(3), 377–391. doi.org/10.1177/00027649921955326

Weitere Informationen über die Forschungsgruppe Information Management an der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie auf unserer offiziellen Website).</description><enclosure
            length="1354715"
            type="image/png"
            url="https://open-access.network/fileadmin/ipoa/Blog/Nachhaltige_Finanzierung_f_C3_BCr_Open-Access-Infrastruktur_ohne_schrift.png" /></item>


            
        
            
            
<item><title>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity</title><link>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</link><comments>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity#comments</comments><pubDate>Wed, 02 Apr 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Repositorium</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Karin Langenkamp</dc:creator><dc:creator>Kai Lohsträter</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Robina Mohammad</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Christian Woll</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</guid><description>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity
Fachrepositorien sind ein fester Bestandteil der Open-Access-Infrastruktur. Vor welchen Herausforderungen stehen sie aktuell? Dies erörterten Fachrepositorienbetreiber*innen auf den letzten Open-Access-Tagen in einem Workshop. Impulse kamen aus dem Projekt Pro OAR DE und der Allianz-Studie “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”

Der Workshop „Fachliche Repositorien zwischen technisch-organisatorischer Professionalisierung und Vernetzung mit ihren Forschungscommunities“ wurde auf Initiative von Teilnehmenden der digitalen Fokusgruppe „Fachrepositorien“, die sich im Mai 2022 konstituierte, konzipiert. Bei den etwa alle zwei Monate stattfindenden virtuellen Treffen kommen Betreiber*innen von Fachrepositorien zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Vorhaben zu planen. Bei einem dieser Treffen entstand nach dem Call for Paper zu den Open Access Tagen 2024 die Idee, einen Workshop einzureichen. Dieser sollte auf der Grundlage von Erkenntnissen aus neueren Studien wie dem COAR Repository Survey (Shearer et al., 2023) und der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024) einen Gesprächs- und Diskussionsraum für den Austausch zu Best Practices für die Weiterentwicklung von fachlichen (und institutionellen) Repositorien schaffen. Zu diesem Zweck sollten mehrere thematische Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Themenpalette reichte von der „Vernetzung mit der disziplinären Forschungscommunity“ über „Hosting und Software“ sowie „Governancefragen“ bis hin zu „Metadaten und Workflows“. Die Auswahl der Themen für die Arbeit in verteilten Arbeitsgruppen erfolgte zu Beginn des Workshops durch die insgesamt 16 Teilnehmenden selbst. Per Mentimeter-Abstimmung wurden die drei beliebtesten Themen ermittelt und im Anschluss daran Kleinarbeitsgruppen gebildet, die jeweils von zwei Moderator*innen begleitet wurden. Methodisch-didaktisch wurden Pinnwände und Moderationskarten genutzt, die thematisch geclustert und per Fotodokumentation gesichert wurden. Die wichtigsten Ergebnisse aus den drei Arbeitsgruppen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Zu Beginn werden zentrale Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „PRO OAR DE inkl. COAR Repository Survey“ (Marcel Wrzesinski) und der „Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen“ (Olaf Siegert) dargestellt.
Fachliche Open-Access-Repositorien. Impuls aus dem Projekt‚ Pro OAR DE
Marcel Wrzesinski stellte zu Beginn seines Vortrags das Projekt „Professionalisierung der Open-Access-Repositorien-Infrastruktur in Deutschland (Pro OAR DE)“ am Lehrstuhl Information Management des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU Berlin vor. Das Projekt hat den Anspruch, Repositorien kollaborativ zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen einer Interview-Studie und einer Systematic Scoping Review werden zentrale Herausforderungen für Repositorien in Deutschland identifiziert. In den anschließenden Vernetzungsforen und durch praxisnahe Handreichungen soll den Herausforderungen begegnet werden. Die ersten Projektergebnisse hierzu werden derzeit veröffentlicht.
Um die gegenwärtigen Herausforderungen und Weiterentwicklungschancen für Repositorien zu verstehen, ist die Studie „     Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe“ (     Shearer et al., 2023) von großer Bedeutung. Im Vortrag wurde auf die Rahmenbedingungen der Studie eingegangen. Als zentrale Herausforderungen wurden benannt:
●	Nachhaltiges Betreiben einer aktuellen, bedarfsgerechten und funktionalen Softwareplattform für Repositorien
●	Anwendung von konsistenten und umfassenden „Good Practice“ für Metadaten, Archivierung und Nutzungsstatistiken
●	Sichtbarkeit für Repositorien und deren Services innerhalb des wissenschaftlichen Ökosystems
An diesen Herausforderungen zeigt sich, dass die weitere Professionalisierung und Entwicklung von Repositorien eine komplexe Gemengelage darstellen. Daran anschließend benannte Marcel Wrzesinski drei zentrale Aktionsfelder, um die Transformation von Repositorien hin zu innovativen Informationsinfrastrukturen mit breitem Aufgabenspektrum zu begleiten:
●	Kommunikation: Mehrwerte und Relevanz von Repositorien transdisziplinär hervorheben
●	Aufbauarbeit: Identifikation und Verbreitung von Better Practices für die Repositorienarbeit
●	Vernetzung: Aufbau und Weiterentwicklung von Netzwerken zum Austausch und zur Qualitätssteigerung
Die Allianz-Studie „Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”
 
Der Vortrag von Olaf Siegert beschäftigte sich mit der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024), die im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil der Open-Access-Strategie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und unternimmt erstmals eine Kartierung von Open-Access-Diensten und -infrastrukturen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Deutschland. Wichtiger Teil der untersuchten Dienste waren dabei auch fachliche Repositorien. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
●	Die OA-Infrastrukturlandschaft ist sehr vielfältig und dezentral.
●	Die meisten Dienste werden nur mit wenigen Personen betreut und haben ein Gesamtbudget pro Jahr von deutlich unter 500.000 Euro.
●	Die Betreuung und Finanzierung der Dienste erfolgt meist komplett über die Hosting-Einrichtung.
●	Das Nutzungsverhalten ist je nach Fach sehr unterschiedlich, nationale nicht-kommerzielle Dienste gibt es v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
●	Forschende haben oftmals zu wenig Überblick über die für sie relevanten Services bzw. bevorzugen reputationsfördernden Infrastrukturen.
●	Die Budgets der Infrastrukturen reichen in der Regel nur für den Basisbetrieb, nicht aber für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
 
Die Allianz empfiehlt vor diesem Hintergrund:
●	Infrastrukturen müssen hochprofessionell betrieben und genutzt werden können. Die nötige Finanzierung sollte nicht nur den Basisbetrieb aufrechterhalten, sondern auch Investitionen ermöglichen.
●	Dazu ist eine dauerhafte Finanzierung abseits der Hosting-Einrichtung notwendig – etwa in Form von Ko-Finanzierungs- oder Mitgliedschaftsmodellen (vgl. arXiv oder SCOSS). Die aktuelle Entwicklung von Bibliotheken hin zu Informationsbudgets erleichtert ihnen die Unterstützung solcher Ko-Finanzierungsmodelle.
●	Die Infrastrukturen müssen ihre Marketinganstrengungen deutlich ausbauen und sich stärker mit den Forschenden vernetzen. Dazu bedarf es disziplinspezifischer Ansätze.
●	Flankierend ist in vielen Fächern eine Änderung der Bewertungspraxis von Publikationen notwendig (vgl. DORA / CoARA).

Berichte der Arbeitsergebnisse aus dem Workshop

In der Arbeitsgruppe „Metadaten und Nutzer*innenzentrierte Workflows“ kristallisierten sich die Themenkomplexe Plattform und Persistent Identifier (PID) als wesentliche Diskussionspunkte heraus. Andere workflow-relevante Themenbereiche wie Erschließung, Automatisierung oder Dublettenkontrolle wurden zwar behandelt, spielten aber gegenüber den anderen eine untergeordnete Rolle. Bei den Plattformen wurden insbesondere veraltete Software sowie die Gestaltung der Interoperabilität als Herausforderung wahrgenommen. Als intensivster Diskussionspunkt erwiesen sich die PIDs, die v.a. im Kontext der Vernetzung und Semantisierung genutzt werden. Allen voran nahm ORCID eine zentrale Position ein, zugleich wurde aber dessen teilweise zu geringe Verbreitung als Problem identifiziert.

In der Arbeitsgruppe zu „Hosting-, Software- und Technikfragen“ bestätigte sich ein Kernergebnis der Allianz-Studie, nämlich die Heterogenität der Open-Access-Infrastrukturlandschaft, auf der u. a. auch die Fachrepositorien in Deutschland basieren. Neben DSpace als der wahrscheinlich verbreitetsten Software mit internationaler Entwickler- und Anwendercommunity sowie kommerziellen Support-Anbietern berichteten die Teilnehmenden vom Betrieb von Fedora Repository sowie den deutschen Entwicklungen OPUS, MyCore und Kitodo.Publication bzw. Kitodo.Presentation (mittels TYPO3). Unterstrichen wurde das Bild der Vielfältigkeit in den Berichten dadurch, dass die Systeme teilweise stark an die individuellen Bedarfe angepasst wurden/werden und für unterschiedliche Anwendungszwecke genutzt werden, also neben dem Betrieb von Fachrepositorien z. B. auch für institutionelle oder Sammlungsrepositorien (Multi-Mandantenbetrieb).
Im Gespräch stellte sich gleichwohl bei allen infrastrukturellen Divergenzen heraus, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Systeme arbeiten. Als zentrale Aspekte kamen hierbei zum einen die Interoperabilität zum besseren Daten-Im- und -export (Schnittstellen, PIDs, Open Source), zum anderen die Standardisierung zur einfacheren Umsetzung von Neuerungen bzw. zur Reduzierung des technischen Pflegeaufwandes zur Sprache.
Hintergründe dessen sind Ähnlichkeiten auch bei den Herausforderungen. Neben den kürzer werdenden Support-Zeiträumen (z. B. PHP, TYPO3) und Schwierigkeiten bei Updates durch System-Individualisierungen (‚verwilderter‘ Code) gibt es allenthalben strukturell-organisatorische Problemstellen: komplizierte Rekrutierung von Fachpersonal, generell geringe Personalressourcen, Unter- und/oder zeitlich befristete Finanzierung. Das erschwert die übergreifend als dringend angesehene Neuausrichtung der Infrastruktur – die Weiterentwicklung im Sinne der Next Generation Repositories-Initiative von COAR und mit Blick auf die rasante Entfaltung der KI-Technologien.

Die „Vernetzung mit der Fachcommunity“ des jeweiligen Fachrepositoriums stellt sich unterschiedlich dar – es bestehen langjährige, meist etablierte Fachrepositorien sowie neu gegründete, die sich in der Community, aber auch an ihrer Hosting-Institution, ihre Position und ihr Renommee erst erarbeiten müssen. Durch die karrierebedingten Wechsel an den Wissenschaftseinrichtungen empfinden einige Betreiber*innen die Kommunikation der Dienstleistungen und Workflows als Marathon bzw. Sisyphusarbeit. Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe lag daher nicht auf der Beschreibung des IST-Zustandes, sondern auf dem SOLL und den Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Es wurde diskutiert, welche Beratungsleistungen erbracht und welche Open-Access-Infrastrukturen den Communities bekannt sein sollten. Dabei sollte beachtet werden, welche Kommunikationskanäle zu welchem Zweck genutzt werden könnten: fach-, einrichtungs- oder personenfokussierte Kanäle? Ein Fazit: Bei der personenfokussierten Kommunikation muss beachtet werden, auf welcher Karrierestufe die Forschenden stehen und welche (Un-)Kenntnisse diese über Open Access besitzen. Als wichtigste Voraussetzungen wurden gesehen, die Kommunikation in die Gesamtdiskussion um die Digitalisierung der Forschung einzubetten sowie sich bei der Community für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.

Fazit zum Workshop 
Das Workshop-Team der Fokusgruppe Fachrepositorien zieht ein sehr positives Fazit. Der fachliche Austausch in den drei Arbeitsgruppen war sehr lebendig und fruchtbar. Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtung, Größe und institutionellen Anbindung der Repositorien konnten viele Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Zudem bestätigten sich die in der Allianz-Studie festgestellten Ergebnisse auch als die zentralen Herausforderungen, die in den Kleingruppen thematisiert wurden. 
Darüber hinaus konnten im Workshop sicherlich einige neue Kontakte geknüpft werden, die idealerweise dabei helfen, die anstehenden kleineren und größeren Herausforderungen der Zukunft durch einen noch stärkeren Austausch, gegenseitige Unterstützung und vielleicht sogar gemeinsame Projekte besser bewältigen zu können.

Literatur
●	Shearer, K., Nakano Koga, S. M., Rodrigues, E., Manola, N., Pronk, M., &amp; Proudman, V. (2023). Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10255559
●	Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2024). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
</description><enclosure
            length="1891256"
            type="image/jpeg"
            url="https://open-access.network/fileadmin/ipoa/Blog/OAT-WS_Foto_Detail_AG-Vernetzung_quer.jpg" /></item>


            
        



    </channel>
</rss>
