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        <title>Autoren-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge von Autor Maike Neufend</description>
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<item><title>Stellungnahme des scholar-led.network zum Leopoldina-Papier zur Diamond-Open-Access-Finanzierung</title><link>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung#comments</comments><pubDate>Thu, 11 Sep 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Michael Czolkoß-Hettwer</dc:creator><dc:creator>Anita Eppelin</dc:creator><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/stellungnahme-des-scholar-lednetwork-zum-leopoldina-papier-zur-diamond-open-access-finanzierung</guid><description>Das scholar-led.network versteht sich als Interessenvertretung von Akteur*innen des wissenschaftsgeleiteten Publizierens im deutschsprachigen Raum. Es besteht aus Akteur*innen, die unterschiedliche Positionen im Publikationssystem einnehmen und die teilweise institutionell angebunden, teilweise frei affiliiert sind. Die Netzwerkmitglieder vertreten diverse disziplinäre und fachliche Zusammenhänge, wobei die Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften gegenwärtig unterrepräsentiert sind.

Diese Stellungnahme zum Diskussionspapier “Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften” der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (im Folgenden: Leopoldina) von 2025 möchte entsprechend die Perspektive eines Netzwerks des wissenschaftsgeleiteten Publizierens stark machen und ist in dieser Hinsicht parteiisch. Das Netzwerk versteht dabei wissenschaftsgeleitetes Publizieren vor allem als wertegeleitetes Publizieren: Kooperation, Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit, Bibliodiversität und grundsätzlich nicht-kommerzielle Modelle sind für das Netzwerk leitend (scholar-led.network 2022). 

In dieser Konsequenz geht diese Replik nur auf jene Punkte des Diskussionspapiers ein, die unmittelbar Interessen des Netzwerks berühren: Dazu gehören die finanziellen Rahmenbedingungen und angenommenen Kostenstrukturen, die vorgeschlagenen Auswahlmechanismen und Reputationsindikatoren sowie die konkrete Umsetzung des Förderanspruchs in den Verfahren der Antragstellung.
Nachhaltige Finanzierung von Diamond Open Access: Ein unterstützenswertes Ziel

Verschiedene wissenschaftspolitische Stimmen, etwa der Rat der Europäischen Union, cOAlition S und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, haben Diamond Open Access als wegweisenden Lösungsansatz für die Reorganisation des wissenschaftlichen Publizierens hervorgehoben. Auch im Bereich der wissenschaftsgeleiteten Publikationsinfrastrukturen hat sich mit Projekten wie DIAMAS, CRAFT-OA und jüngst mit der Einrichtung der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) viel getan. Nachhaltige Finanzierungskonzepte blieben jedoch eine Leerstelle, die vor allem jene Diamond-Open-Acess-Publikationen vor große Herausforderungen stellt, die nicht über eine direkte institutionelle Förderung verfügen (vgl. Taubert et al. 2024). Aktuelle Modelle für die Konsortialfinanzierung von Diamond Open Access setzen wichtige Impulse (z. B. KOALA, OLEcon), ermöglichen jedoch noch keine verlässliche und nachhaltige Finanzierung, die den mittelfristigen Planungshorizont von Ausgaben und redaktioneller Arbeit abdeckt (Ganz et al. 2024).

Nachhaltige Finanzierungsmodelle sind aus unserer Sicht dringend erforderlich, auch um perspektivisch eine weitere Professionalisierung des wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu befördern. Dass die Leopoldina nun einen Verfahrensvorschlag für die direkte Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften vorgelegt hat, ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Die Vorschläge sollten jedoch daraufhin hinterfragt werden, vor welchem fachlichen Hintergrund sie entwickelt wurden. Die Natur- und Lebenswissenschaften prägen unserer Lesart nach die von der Leopoldina vorgelegten Vorschläge und werden durch die Adressierung des Gesamtsystems im Vorschlag zugleich verallgemeinert. Und auch wenn die Wissenschaften umfassend und im Plural angesprochen sind, besteht unseres Erachtens die Gefahr einer Marginalisierung. Fach- und Publikationskulturen, die sich etwa hinsichtlich der Rolle von Fachgesellschaften, der wirtschaftlichen Bedeutung von Publikationen für diese Gesellschaften, der Quantität und Verteilung des Publikationsoutputs, epistemischer Differenzierungen innerhalb der Disziplinen und nicht zuletzt Ökonomien der Reputation anders organisieren, werden in diesen Vorschlag aus unserer Sicht nicht ausreichend einbezogen.

Angesichts steigender Publikationszahlen und Publikationskosten im globalen Publikationsmarkt, seiner zunehmenden Oligopolisierung sowie der Marginalisierung von Forschenden durch Geschäftsmodelle, die auf Publikationsgebühren basieren, halten wir das Leopoldina-Papier daher für unbedingt diskussionswürdig.
Was darf Open Access kosten?

Das Leopoldina-Papier positioniert eine dauerhafte öffentliche Finanzierung von Diamond Open Access als Alternative zu subskriptions- und APC-basierten Modellen. Um eine Transformation der bisherigen Finanzierungswege zu erreichen, werden im Papier einige interessante Eckpunkte vorgelegt. Grundprinzip ist die Förderung von wissenschaftlichen Publikationen (Texte und Daten) im Diamond Open Access durch öffentliche Mittel. Die Vergabe dieser Mittel soll, ähnlich wie bei der Forschungsförderung, in einem Antrags- und Begutachtungsverfahren erfolgen. Was sich auf den ersten Blick als sinnvolle Alternative zum jetzigen System darstellt, wirft im Detail Fragen auf.

Die Feststellung, dass die Finanzierung von wissenschaftlichen Publikationen eine Daueraufgabe darstellt, ist aus unserer Sicht sehr zu begrüßen. Fragwürdig ist jedoch, ob eine Begutachtung, die in der Praxis durch einzelne Wissenschaftler*innen durchgeführt wird, dazu geeignet ist, diese Dauerhaftigkeit zu garantieren. Notwendig wären dafür zumindest klare Kriterien für wissenschaftliche Qualität und angemessene Kosten einer Zeitschrift. Zu beachten ist auch, dass durch ein solches Verfahren Erfordernisse an die Antragstellung, an den regelmäßigen Vergleich von Dienstleistungsangeboten und an das Reporting implementiert werden, die zusätzliche Ressourcen binden. Dieser Ansatz unterläuft die Idee der garantierten Dauerhaftigkeit und setzt Zeitschriften unter einen auf die Evaluation hin ausgerichteten Performanzdruck. Kosten und Ertrag eines solchen Antrags-Evaluationsmodells sind auch hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Implementierungskosten kritisch zu sehen. 

Aus unserer Sicht ist der wichtigste Aspekt des Leopoldina-Papiers zunächst, dass er eine strategische Diskussion darüber eröffnet, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Publizierens bedeutet und zwar differenziert nach notwendigen Kosten und weiteren Kostenpunkten, die gegebenenfalls auch eingespart werden könnten. Das Papier kritisiert zurecht, dass sich die Kosten im aktuellen APC-Modell in einem breiten Rahmen bewegen, der “nicht notwendigerweise die tatsächlichen Kosten widerspiegelt, sondern auch Ausdruck der Marktposition von besonders renommierten Zeitschriften ist” (S. 26). Die Leopoldina schlägt vor, die Kosten entlang von einzelnen Kostenbestandteilen transparent zu gestalten und so an den jeweiligen disziplinären Anforderungen zu orientieren (S. 33). Eine Kostenersparnis ergibt sich dadurch in erster Linie durch das Flipping besonders renommierter, von Fachgesellschaften herausgegebenen Zeitschriften, die bislang hohe APC verlangen.

Grundsätzlich schlägt das Leopoldina-Papier also ein Modell vor, das im Umfeld weniger großer Unternehmen wettbewerbsfähig sein will. Die Skalierung des Diamond-Open-Access-Modells wird aber Auswirkungen auf die Organisationsformen derjenigen Zeitschriften haben, die bereits heute durch das Engagement Gemeinwohl- oder zumindest Community-orientierter Wissenschaftler*innen herausgegeben werden und die in der Regel aktuell unterfinanziert sind. Die Idee, dass zunächst nur ausgewählte Zeitschriften an diesem neuen System teilhaben können, und mögliche Budget-Anpassungen anhand bestimmter Erfolgsfaktoren erfolgen (S. 22), führen eine im Vergleich zur aktuellen Situation des kommerziellen Publizierens nicht minder problematische, Community-interne Konkurrenzkonstellation ein. 

Letztlich ist fraglich, ob die im Papier postulierte Kostensenkung mit dem Fokus auf das Renommee der Zeitschriften tatsächlich erreicht werden kann. Auf dieser Annahme ein umfassendes Finanzierungsprogramm zu begründen, scheint risikoreich. Eine Diamond-Open-Access-Infrastruktur, in der sich Publizierende weniger im Wettbewerb befinden, sondern sich gemeinwohlorientiert wechselseitig unterstützen, kann in der Summe kosteneffektiver sein, als ein im Kern auf Anträge und Evaluation ausgelegtes Modell. Alternative Modelle der Finanzierung sollten deshalb unbedingt weiter ausdifferenziert und diskutiert werden.
Wann ist eine Zeitschrift relevant genug für die Finanzierung?

Das Leopoldina-Papier verweist zurecht auf die Reputationsökonomie und die ihr zugrunde liegenden Verzerrungen als ausschlaggebenden Faktor im Wissenschaftssystem. Die artikulierte Erwartung, dass zu Beginn vor allem “Betreiber von bereits etablierten Zeitschriften” die Förderung in Anspruch nehmen (S. 20), mit einer unmittelbar hierauf ausgerichteten, kompetitiven Begutachtung sowie verschiedene Verweise auf den Journal Impact Factor als “Maß für die Reputation” (S. 27, S. 33) werfen eine Reihe von Fragen auf. 

Grundsätzlich führt die Idee, dass sich ein Zeitschriftentitel hinsichtlich der Leistung als auch Relevanz qualifizieren muss, einen Wettbewerbsdruck und Abhängigkeiten in das wissenschaftliche Publizieren ein, der den Eigengesetzlichkeiten der Wissenschaft entgegensteht. Akzeptanz und Relevanzbeurteilung der Zeitschriften sollte nicht in zyklischen Evaluationen, sondern als Ergebnis wissenschaftskommunikativer Aushandlungsprozesse in den Communities selbst erfolgen. Wird der wissenschaftskommunikative Aushandlungsprozess übergangen, stellt sich die Frage, wie die Diversität von Publikationen und Wissenschaftscommunities über das gesamte wissenschaftliche Fächerspektrum hinweg gewahrt und gefördert werden kann. 

Aus den vorgegebenen Verfahren und Kriterien würde eine Konzentration von Mitteln auf einen spezifischen Ausschnitt wissenschaftlicher Zeitschriften resultieren, die in bestimmten Fächern besonders vertreten sind. 

In der jeweiligen Fachcommunity existieren bereits ausgehandelte Standards wissenschaftlicher Qualität, auf die zurückgegriffen werden kann. Gerade weil der Journal Impact Factor in vielen Communities nicht relevant ist und die Messung von Qualität sowohl von Zeitschriften als auch von Individuen durch den Journal Impact Faktor sehr kritisch beurteilt wird, sollte die geforderte Reform des Reputationssystems etwa durch DORA und CoARA stärker berücksichtigt werden (vgl. Allianz der Wissenschaftsorganisationen 2025).

Die Gefahr besteht, dass Diamond-Open-Access-Entwicklungen in anderen Disziplinen, die weniger einer Reputationsökonomie folgen oder dem hier adressierten, klassischen Zeitschriftentypus entsprechen, verlangsamt werden. Auch eine systematische Überführung des gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenkorpus in das Diamond-Open-Access-Modell ist auf diesem Weg nicht zu erwarten, sondern vielmehr eine Verfestigung bestehender Mechanismen. Dies hätte unter anderem zur Folge, dass in bestimmten Fächern und für bestimmte, schon erfolgreiche Publikationen mehr Mittel gebunden werden als in anderen. Der Hinweis im Papier, dass Reputationsaufbau Zeit benötige (S. 35), verdeutlicht diesen Widerspruch.

Es ist ein nachvollziehbares Argument, dass die Umstellung etablierter Publikationen in ein Diamond-Open-Access-Modell eine Signalwirkung haben kann. Eine tatsächliche Sogwirkung im Sinne eines “Durchsickerns” der Effekte auf das Gesamtsystem, einschließlich auf Publikationen, die weniger gut institutionell eingebunden oder beispielsweise in “Kleinen Fächern” bedeutsam sind, ist jedoch aus den oben genannten Gründen fraglich.
Die Rolle der Fachgesellschaften

In dem von der Leopoldina vorgeschlagenen Modell spielen die Fachgesellschaften eine zentrale Rolle. Sie sollen Finanzierungsanträge ebenso einreichen können wie öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieser Ansatz birgt enormes Potential, um das Publikationswesen stärker wissenschaftsgeleitet zu organisieren; auch aus unserer Sicht ist die aktive Einbindung der Fachcommunities eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Open-Access-Transformation. Insbesondere größere Fachgesellschaften, die bereits eigene Periodika herausgeben und hauptamtliches Personal beschäftigen, könnten für derartige Anträge in Frage kommen. Offen bleibt, in welchem Ausmaß in diesen Organisationen die Bereitschaft vorhanden ist, diese Rolle einzunehmen; auch haben sie in vielen Fällen vermutlich nicht ausreichend Kapazitäten und Expertise, um Förderanträge ohne Hilfestellung auszuarbeiten. Diese Hilfestellung könnte von Infrastruktureinrichtungen wie Bibliotheken oder Fachinformationsdiensten geleistet werden, was wiederum voraussetzt, dass an diesen Stellen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind.

Zugleich ist die Landschaft der Fachgesellschaften je nach Disziplin sehr heterogen. Viele (Teil-)Forschungsgebiete sind – wenn überhaupt – nur in sehr kleinen Fachgesellschaften vertreten, die rein ehrenamtlich aufgestellt sind. Oder diese Forschungsgebiete sind aufgrund ihrer dynamischen und interdisziplinären Natur überhaupt nicht in den Strukturen von Fachgesellschaften organisierbar. Vor diesem Hintergrund muss die Frage adressiert werden, wie kleine, wenig organisierte oder auch sich neu bildende Forschungsgebiete bzw. Fachcommunities mit nur wenig Ressourcen bei dem Betrieb von Zeitschriften unterstützt werden könnten, um das System inklusiv auszugestalten, auch im Sinne der Bibliodiversität. 

Zum eigentlichen Begutachtungsprozess für die Publikationsorgane muss die Frage adressiert werden, welche Instanz gemäß welcher Autorität die Auswahl der Begutachtenden vornehmen soll. Ferner birgt ein derart zentralisiertes Fördermodell das Risiko politisch motivierter Einflussnahme. Angesichts der dargestellten Hürden möchten wir die Frage aufwerfen, ob ein solch umfassendes Modell ausreichend skalieren kann, um, wie intendiert, in der Breite des Wissenschaftssystems wirken zu können.
Fazit

Eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen, die an den tatsächlichen Bedarfen des Zeitschriftenmachens orientiert ist, sollte das gemeinsame Ziel des Wissenschaftssystems sein. Das Leopoldina-Papier liefert dazu gute Anstöße und Überlegungen. Unsere Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass das vorgeschlagene System durch den Fokus auf das Flipping von Zeitschriften mit hohem Journal Impact Factor eine Situation schaffen könnte, die insbesondere bestimmte Fachkulturen sowie Zeitschriften benachteiligt, die Ansätze von scholar-led-Publishing und Diamond Open Access verbinden. 

Wir begrüßen den Anstoß des Leopoldina-Papiers, das wissenschaftliche Publizieren als Daueraufgabe verstetigen zu wollen und unterstützen die Diskussion darüber, was eine faire und transparente Finanzierung des Diamond-Open-Access-Modells kosten darf. Aus Sicht des scholar-led.network wäre zum jetzigen Zeitpunkt wünschenswert, dass ein breiterer Ansatz verfolgt wird, von dem nicht nur wenige Zeitschriften profitieren. Fraglich ist zudem, ob die Erwartungen, die hier insbesondere an Fachgesellschaften gerichtet werden, umsetzbar sind. Dass wir mittlerweile über konkrete Finanzierungsmodelle für Diamond Open Access diskutieren, ist eine positive Entwicklung. Neben vielen anderen Akteur*innen sind auch die Mitglieder des scholar-led.network gern bereit, an dieser Diskussion teilzunehmen.


Literatur

    Allianz der Wissenschaftsorganisationen (2025). Die Weiterentwicklung von Bewertungsverfahren für Forschungsleistungen im Kontext von Open Science. https://doi.org/10.5281/zenodo.15818266
    Ganz, K., Finger, J., Schotten, S., Steiner, T., &amp; Wrzesinski, M. (2024). Faires Open Access braucht Redaktionen: Gegen die technokratische Vernachlässigung von Redakteur*innen in der Debatte um Not-for-Profit Open Access. oa.blog. https://open-access.network/blog/faires-open-access-braucht-redaktionen-gegen-die-technokratische-vernachlaessigung-von-redakteurinnen-in-der-debatte-um-not-for-profit-open-access 
    Scholar-led.network. (2022). The scholar-led.network-Manifesto. https://doi.org/10.5281/zenodo.7079936
    Taubert, N., Sterzik, L. &amp; Bruns, A. (2024). Mapping the German Diamond Open Access Journal Landscape. Minerva 62, 193–227. https://doi.org/10.1007/s11024-023-09519-7</description><enclosure
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<item><title>Open Access Monitoring auf Landesebene</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene#comments</comments><pubDate>Mon, 15 Jul 2024 12:49:00 +0200</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Ben Kaden</dc:creator><dc:creator>Maxi Kindling</dc:creator><dc:creator>Maike Neufend</dc:creator><dc:creator>Dr. Nina Schönfelder</dc:creator><dc:creator>Heike Stadler</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-monitoring-auf-landesebene</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 27.05.24 auf dem Open Access Blog Berlin unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Am 14. März 2024 tauschten sich die drei Landesinitiativen openaccess.nrw, Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) und das Open-Access-Büro Berlin (OABB) über Open Access Monitoring auf Landesebene aus. Organisiert wurde der Austausch durch das Open-Access-Büro Berlin für das Projekt open-access.network. Der vorliegende Bericht fasst die Eckpunkte und wesentlichen Erkenntnisse dieser Veranstaltung zusammen.
Ziel eines Open Access Monitoring

Das Thema Monitoring hat einen hohen Stellenwert in der Beurteilung des Fortschritts bei der Open-Access-Transformation erlangt. Über den Abgleich von Daten im Zeitverlauf lässt sich teilweise ablesen, wie wirksam sich dieser Wandel in den Publikationskulturen auf der Ebene bestimmter Domänen (national, regional, lokal, fachspezifisch usw.) vollzieht.

Monitoring bezeichnet im vorliegenden Kontext die fortlaufende systematische Erfassung und Beschreibung der Entwicklung der Öffnung wissenschaftlicher Praktiken anhand bestimmter Parameter. Neben zahlenmäßigen Nachweisen werden auch qualitativ beschreibbare Maßnahmen erfasst.

Das Ziel des Monitorings besteht bei allen Landesinitiativen darin, Transparenz und Sichtbarkeit für diese Entwicklungen innerhalb eines Bundeslands herzustellen und eine informationsbasierte Entscheidungsfindung bei der Formulierung oder Aktualisierung strategischer Ziele und Maßnahmen zu unterstützen. Während ein Monitoring alle Prozesse dieser Art auf Landesebene erfassen könnte, beschränken sich bisherige Ansätze häufig auf das Publikationsaufkommen an Hochschulen.

Beim Monitoring offener Wissenschaft können verschiedene Indikatoren berücksichtigt werden, darunter das Volumen an Open-Access-Veröffentlichungen (z.B. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften, Bücher, Forschungsdaten), Publikationskosten (z.B. APCs/BPCs), die Zugänglichkeit verschiedener Publikationsformate (z.B. Lizenzierung von Publikationen) oder die Entwicklung und Auswirkungen von Transformationsverträgen. Das Monitoring kann von wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsförderung oder auch auf nationaler oder Landesebene durchgeführt werden, wobei verschiedene Datengrundlagen und Methoden zum Einsatz kommen können (siehe bspw. Bobrov et al. 2024).

Auf nationaler Ebene ist der Open Access Monitor ein wichtiges Instrument zur Erfassung u.a. des Open-Access-Publikationsaufkommens deutscher akademischer Einrichtungen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Monitor erfasst und visualisiert das Publikationsaufkommen kategorisiert nach Diamond/Gold/Green/Hybrid Open Access und Closed Access sowie Analysen der Subskriptions- und Publikationsausgaben sowie Zitationen. Er basiert auf mehreren Datenquellen und ist das gängige Instrument, mit dem Einrichtungen die förderfähigen Publikationen für Anträge im DFG-Förderprogramm “Open-Access-Publikationskosten” erheben. Zukünftig sollen weitere Publikationstypen wie Open-Access-Bücher in den Monitor aufgenommen werden.

Die Vernetzungsstellen setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Monitoring-Ansätzen mit Bezug auf die Hochschulen des Landes. Im Folgenden werden die Parameter beschrieben, welche die drei Landesinitiativen beim Monitoring der Open-Access-Aktivitäten in ihrem Bundesland aktuell setzen.
Land Brandenburg

Die Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg aus dem Jahr 2019 formuliert, dass Hochschulbibliotheken in der Lage sein sollen, ihr Publikationsaufkommen darzustellen und die damit zusammenhängenden Kosten transparent abzubilden (Euler 2019, 16). Dazu wurde in Brandenburg eine Arbeitsgruppe mit mandatierten Vertreter*innen aus allen acht Hochschulbibliotheken von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Brandenburg (VuK) initiiert, die gemeinsam ein Monitoring-Konzept erarbeitet und einen Monitoring Bericht über die Berichtsjahre 2021 und 2022 erstellt hat.

Im Brandenburger Monitoring wurden verschiedene Datenquellen genutzt:

    Für die Ermittlung der Zahl der Hochschulangehörigen Daten: des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
    Für das Publikationsaufkommen: Daten aus dem Open Access Monitor
    Für die Ermittlung von Publikationskosten: Daten aus OpenAPC und der Deutschen Bibliotheksstatistik
    Für verschiedene Parameter wie Publikationszahlen und Publikationstypen auf den Repositorien der acht Einrichtungen: u.a. Daten von OPUS
    Daten zum Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes und
    Informationen zu Strategien und Services der Hochschulen: oa.atlas.

    Der oa.atlas umfasst zwei Komponenten: Informationen zu den Strategien und Services der wissenschaftlichen Institutionen können im oa.atlas über das Portal von open-access.network abgerufen werden. Informationen zu den Strategien und Maßnahmen in den Bundesländern und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bieten die Länderdossiers.

Die bei der VuK für das Monitoring federführend Verantwortliche Heike Stadler betonte im Austausch, dass es für das Monitoring-Konzept in Brandenburg wichtig sei, die Heterogenität der Einrichtungen und ihrer jeweiligen Voraussetzungen abzubilden. So kann das zahlenmäßige Publikationsaufkommen nicht unkommentiert nebeneinander gestellt werden. Dies ist insbesondere wichtig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

In Brandenburg haben sich die beteiligten Einrichtungen auf gemeinsame Prinzipien für das Monitoring geeinigt:

    Kompetenzstärkung
    Bibliodiversität
    Nachhaltigkeit des Verfahrens
    Vergleichbarkeit der Hochschulen
    Partizipation im Prozess
    Aggregation und Nachnutzung vorhandener Daten

Heike Stadler berichtete, wie dieses Verfahren zu einer noch besseren Vernetzung der Hochschulbibliotheken im Land Brandenburg geführt hat. Der Monitoring-Prozess wird weiter fortgeführt, weitere Datenquellen können ergänzt werden und, wo sinnvoll, die quantitativen Darstellungen auch um ergänzende qualitative Beschreibungen erweitert werden. Die AG Open Access Monitoring Brandenburg wird zukünftig mit der AG für den Publikationsfonds zusammengelegt, sodass sich themenübergreifend ausgetauscht werden kann bzw. neue Themen ihren Raum erhalten.
Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen umfasst das Monitoring 42 DH.NRW-Hochschulen einschließlich ihrer angeschlossenen Universitätskliniken, deren Publikationstätigkeit und -kosten durch die Landesinitiative openaccess.nrw ermittelt und beschrieben werden.

Die Landesinitiative wird im Rahmen der Digitalen Hochschule NRW (DH.NRW) gefördert. In den Reports werden die Daten für die Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Universitätskliniken des Landes zusammengefasst. Das Monitoring liegt im Programmbereich 3 der Landesinitiative und wird an der Universität Bielefeld durchgeführt. Sie erstellt drei Arten von Berichten mit den Schwerpunkten Publikationsaufkommen und Zugangswege, Publikationskosten sowie Vorschläge zu Finanzierungs- und Ausgleichsmodellen. Für das Reporting werden vorhandene Datenquellen wie der Open Access Monitor, OpenAPC und das Directory of Open Access Journals (DOAJ) genutzt. Eine Herausforderung stellt die hohe Anzahl der Hochschulen und Universitätskliniken mit einer über dies heterogenen Ausgangslage in Bezug auf Repositorien und Hochschulbibliographien im Land dar, sodass ein standardisierter und zentralisierter Ansatz zur Erstellung der Publikations- und Kostenreports gewählt wurde. Daher wird in den Reports auch explizit keine Interpretation der Daten auf Einrichtungsebene durchgeführt.

    Die OpenAPC-Initiative sammelt und verbreitet Datensätze zu Gebühren, die für Open-Access-Publikationen gezahlt werden, auf GitHub unter einer offenen Datenbanklizenz. Dazu gehören Daten zu Open-Access-Zeitschriftenartikeln (APCs), Open-Access-Büchern (BPCs) und Daten zu Artikeln, die im Rahmen von Transformationsvereinbarungen (wie Springer Compact oder Wiley DEAL) veröffentlicht werden.

Sichtbar wurde durch den letzten Publikationsreport 2023 ein hohes Artikel-Wachstum an allen Einrichtungen und dies besonders im Bereich des kostenpflichtigen Gold Open Access. Zudem betonte Nina Schönfelder (UB Bielefeld), dass etablierte, subskriptionsbasierte Verlage Anteile am Publikationsmarkt verloren hätten, wenngleich die absoluten Publikationszahlen stabil geblieben sind
Regelmäßige Reports mit dem Schwerpunkt Publikationskosten sollten daher mit einem besonderen Fokus auf Gold Open Access erstellt werden, auch um Empfehlungen in Hinblick auf die Finanzierungs- und Ausgleichsmodelle unter den Hochschulen abzuleiten. Diese Empfehlungen werden mit dem Projektkonsortium der Landesinitative openaccess.nrw bestehend aus 15 Hochschulen sowie der ZB Med und dem hbz erarbeitet und können sich sowohl an das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Nordrhein-Westfalen wie auch an die Hochschulen selbst richten.
Berlin

In Berlin wurde in der Open-Access-Strategie von 2015 die Zielquote von 60% für Open-Access-Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durch Autor*innen Berliner Wissenschaftseinrichtungen festgelegt, die 2020 wie geplant erreicht wurde (Kindling et al. 2022). Mit der Erhebung für das Publikationsjahr 2020 endete das Monitoring, das auf einer eigens entwickelten Methodik basierte.

Durch die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) im Jahr 2021 wurde bereits eine strategische Verschiebung von Open Access zu Open Research auf Landesebene initiiert. Derzeit wird die Entwicklung einer Open-Research-Strategie für das Land Berlin vorangetrieben. Während also bislang die Monitoring-Aktivitäten auf Landesebene stark am Publikationsaufkommen in wissenschaftlichen Zeitschriften orientiert war, wird sich der Fokus auf viele weitere Aspekte offener Wissenschaftspraktiken erweitern müssen. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, geeignete Indikatoren zu entwickeln und zu kontextualisieren. Es ist absehbar, dass die qualitative Darstellung der erreichten Ergebnisse bedeutsamer wird und weniger auf rein quantitative Aspekte geschaut wird.

An den Einrichtungen soll Open Research sogar „bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren“ berücksichtigt werden (BerlHG §41 Abs. 5). Daraus ergeben sich Herausforderungen in der Entwicklung, Einordnung und Kontextualisierung von je nach Wissenschaftsdisziplin passenden Open-Research-Indikatoren.

Das Open-Access-Büro Berlin erarbeitet gegenwärtig den “Open Access Bericht Berlin”, der die Entwicklung im Bundesland seit der Open-Access-Strategie 2015 beschreibt. Neben der Ausgangslage und den Rahmenbedingungen im Land Berlin beschreibt der Bericht den Stand der Umsetzung von bestimmten Maßnahmen an den Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen, darunter Policies und Leitlinien, Informations- und Infrastrukturangebote, Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Finanzierung und Kostenentwicklung, Kompetenz- und Organisationsentwicklung, Forschungsevaluation und Monitoring.

Maxi Kindling (OABB) betonte, dass die leitenden Prinzipien für das zukünftige Monitoring der Open-Research-Entwicklung in Berlin auf einer Aufmerksamkeitsverschiebung basieren: Es werden neben den Ergebnissen in Form von Open-Access-Publikationszahlen zukünftig im Sinne von Open Research die Entwicklungen bei der Öffnung des gesamten Forschungsprozesses beobachtet und systematisch beschrieben.

Ähnlich wie im Land Brandenburg soll eine partizipative Prozessgestaltung bei der Umsetzung des Monitorings eine stärkere Sensibilisierung unter den Einrichtungen erreichen. Durch den Einsatz multimethodischer Evaluierungsinstrumente und einer jeweils kontextualisierten Darstellung von Indikatoren soll eine vereinfachende Sichtweise auf die Open-Research-Transformation vermindert werden.

Auch in Berlin dient das Monitoring weiterhin dem strategischen Austausch über einrichtungsspezifische Maßnahmen und der Diskussion übergeordneter, landesweiter Maßnahmen.
Ausblick

Die drei Landesinitiativen stehen bei der Entwicklung des Monitorings je nach Ausgangslage im jeweiligen Bundesland an unterschiedlichen Punkten. Für die Ermittlung des Publikationsaufkommens können die Landesinitiativen dankenswerterweise auf die Daten bzw. Berichte des Open Access Monitors zurückgreifen. Dessen dauerhafter Betrieb und die Weiterentwicklung und Diversifizierung in Bezug auf die erfassten Publikationstypen ist für alle Landesinitiativen von großem Interesse. Darüber hinaus werden durch die Landesinitiativen je nach Ausrichtung des Monitorings weitere offene Datenquellen herangezogen.

Das Monitoring von Publikationszahlen und -kosten dient auch als Gestaltungsgrundlage für wissenschaftspolitische Entscheidungen. Schon deshalb ist ein verantwortliches und abgestimmtes Vorgehen durch die Landesinitiativen wichtig. Dieser Workshop diente als erster Austausch über das jeweilige Vorgehen, die Weiterentwicklung und die intern ausgearbeiteten Prinzipien. In Anbetracht internationaler Entwicklungen und dem Anspruch, Open Research perspektivisch in die Beobachtung einzubeziehen, planen die Landesinitiativen, sich weiterhin auch zu diesem Thema auszutauschen und darüber zu berichten.

Diese Veröffentlichung ist im Rahmen des Workshops „Monitoring auf Landesebene: Gemeinsame Prinzipien und Perspektiven“ unter Organisation des Projekts open-access.network entstanden. Für den Inhalt sind die Autor*innen verantwortlich.
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