<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
    <channel>
        <title>Autoren-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge von Autor Katharina Schulz</description>
        <language>de</language>
        <link>https://open-access.network/blog/autorinnen/author/katharina-schulz/blog.author.xml</link>
        <lastBuildDate>Sat, 18 Jul 2026 21:08:45 +0200</lastBuildDate>
        
    
        
            
            
<item><title>Das Konzept Deutschlandfonds Diamond Open Access – einige Anmerkungen der Task Force Finanzierung im Projekt SeDOA</title><link>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</link><comments>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung#comments</comments><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 08:05:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access Finanzierung</category><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/sedoa-taskforce-finanzierung</guid><description>In diesem Blogbeitrag kommentieren wir aus Sicht der Task Force „Finanzierung“ der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) das Konzept Deutschland-Fonds für Diamond Open Access (DeFDOA), in dem SeDOA explizit genannt und für bestimmte Aufgaben vorgesehen wird. Wir gehen dabei an dieser Stelle nicht auf alle Details ein, sondern stellvertretend auf einige Punkte, die wir für besonders wichtig halten. Der Beitrag stellt keine offizielle Stellungnahme des Projekts zu DeFDOA dar. Das Konzept DeFDOA wurde ursprünglich von Bernhard Mittermaier entwickelt und wird in verschiedenen Kontexten diskutiert, unter anderem in der Task Force „Etablierung von wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Infrastrukturen“ im Schwerpunkt „Digitalität in der Wissenschaft“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. SeDOA ist in diese Gespräche eingebunden und bringt seine Stellungnahmen dort ein.

Die Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) startete im Mai 2025 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Projektkonsortium umfasst 15 Einrichtungen und plant, in einem dezentralen Ansatz die Effizienz des Diamond-Open-Access-Publizierens in Deutschland durch bessere Koordinierung und Sichtbarkeit von vorhandenen, dezentralen Publikationsinfrastukturen zu steigern, zentrale Informationen bereitzustellen sowie Innovationen zu fördern.
Ziel ist es, Diamond-Open-Access-Publizieren in der wissenschaftlichen Fachkommunikation fest zu etablieren. Durch die geplante Governance-, Angebots- und Kommunikationsstruktur sollen alle Stakeholder in Deutschland miteinbezogen werden.
SeDOA bildet zudem das deutsche National Capacity Centre (NCC) und stärkt damit als Teil des europäischen Netzwerks European Diamond Capacity Hub (EDCH) die internationale Zusammenarbeit.

Der Schwerpunkt von SeDOA liegt somit in der Förderphase bis Ende April 2028 darauf, bereits vorhandene Diamond-Open-Access-Strukturen in Deutschland zu unterstützen, zu vernetzen und sichtbar zu machen. SeDOA hat keine Mittel zur direkten Förderung von Zeitschriften, Büchern oder Publikationsdienstleistern. Ein gewisses Kontingent an Titeln kann jedoch im Rahmen des Projekts bei den SeDOA-Einrichtungen FU Berlin, ULB Darmstadt, TU Berlin und ZB Med publiziert werden.
Auch wenn die Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationsdienstleistungen nicht Teil der aktuellen Projektplanung SeDOAs ist, erkennen wir die Relevanz des Themas und haben eine Task Force gegründet, die sich mit dem Thema beschäftigt und u. a. das Konzept zu DeFDOA diskutiert. Aufgabe der SeDOA-Task-Force Finanzierung ist es, sich intensiver mit Fragen und Konzepten zur Finanzierung von Diamond Open Access auseinanderzusetzen und Impulse dazu ins Gesamtprojekt zu spielen, die auch Grundlage für Stellungnahmen und Positionen des Projekts sein können.

DeFDOA ist ein Konzept zur kollektiven Finanzierung von Diamond-Open-Access-Publikationen, das Bernhard Mittermaier, Leiter der Zentralbibliothek im Forschungszentrum Jülich, entwickelt hat. Das klar formulierte Ziel lautet: “Für die bislang ungeklärte Frage der nachhaltigen Finanzierung von Diamond-Open-Access-Diensten soll der Deutschland-Fonds Diamond Open Access (DeFDOA) einen substantiellen Beitrag leisten” (Mittermaier, 2025, S. 3). Mittermaier sieht die finanzielle Förderung, die DeFDOA leisten soll, als “komplementär zur Arbeit von SeDOA, wo Governance, Standards und Qualität im Vordergrund stehen” (ebd., S. 4).
In aller Kürze sieht das Konzept vor, dass wissenschaftliche Einrichtungen in einen zentralen Fonds einzahlen, der von der MPDL Services gGmbH (mittlerweile DEAL Open Access Services gGmbH) verwaltet wird. Diamond-Open-Access-Publikationsdienste für Zeitschriften und Bücher können Anträge stellen, um aus diesem Fonds Gelder zu erhalten, die jedoch keine Vollförderung darstellen sollen. Der Arbeitskreis Forum 13+ entscheidet nach festgelegten Kriterien über die Förderanträge, während SeDOA “die antragstellenden Einrichtungen berät und unterstützt” (Mittermaier, 2025, S. 4).

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Überlegungen angestellt werden, wie Diamond Open Access auf nachhaltigere Weise und kollektiv finanziert werden kann. Das Konzept ist jedoch nach wie vor in der Entwicklungsphase und weder sind alle Details noch die endgültigen Beteiligten ausformuliert. Wir möchten uns daher gerne an dieser Stelle an der notwendigen offenen Diskussion beteiligen.

Es müsste klar definiert werden, welche Definition von Diamond Open Access dem Konzept zugrunde liegt und als Kriterium für eine Förderung herangezogen wird. Im Konzept werden die Operational Criteria von Craft-OA und die Mindeststandards von KOALA referenziert und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit kommerziellen Verlagen eingeräumt. Gerade der letzte Punkt ist in der Community umstritten, und auch SeDOA selbst diskutiert hier noch, welche Haltung das Projekt einnehmen wird. SeDOA hat eine Minimaldefinition formuliert, die kommerzielle Zwecke für Diamond-Open-Access-Zeitschriften und -Bücher ausschließt. Eine Zusammenarbeit mit einem kommerziellen Dienstleister zur Publikation ist unter bestimmten Voraussetzungen (insb. Eigentum der Titelrechte in wissenschaftlicher Hand) trotzdem denkbar. 

Wir sind skeptisch, ob sich der Fonds ausreichend füllt, wenn die Zahlungen auf Freiwilligkeit beruhen. Die Beschreibung der Quote von “ca. 2 %” (Mittermaier, 2025, S. 2) ist zudem ungenau und lässt Interpretationsspielraum offen.

Es wirkt ein wenig paradox, ausgerechnet die DEAL-Strukturen für die Organisation einer Diamond-Finanzierung zugrunde zu legen. Mit den DEAL-Verträgen werden Open-Access-Publikationen und Lesezugriff über artikelbezogene Gebühren finanziert, womit sie dazu beigetragen haben, „Gold OA“ zum Synonym für Publikationsgebühren zu machen. Die DEAL-Verträge sind zudem Verträge mit drei kommerziellen Großverlagen. Diamond Open Access steht für das Gegenteil: keine Publikationsgebühren und nicht-kommerzielle Zwecke

Es ist zweifelhaft, ob die genannten Akteure die Aufgaben übernehmen können, die ihnen zugedacht sind. SeDOA hat als Projekt die Aufgabe, alle Stakeholder gleichermaßen zu beraten und zu vernetzen. Die Daueraufgabe Antragsberatung, wie sie bei DeFDOA vorgesehen ist, würde zusätzliche Mittel und eine Verstetigung des Projekts erfordern. SeDOA sieht es als leistbar, an der Ausformulierung des Konzepts DeFDOA mitzuwirken, z. B. bei der Entwicklung von Qualitäts- oder ähnlichen Kriterien. 

Es ist unklar formuliert, wer genau antragsberechtigt ist – Einrichtungen, Bibliotheken oder Herausgebende bzw. Zeitschriften? Grundsätzlich würden wir es vorziehen, dass Infrastrukturen und nicht einzelne Zeitschriften gefördert werden, was auch die Förderung der Publikation von Diamond-Open-Access-Büchern erleichtern würde. Das können Universitätsverlage sein, aber auch andere nicht-kommerzielle Publikationsdienstleister kommen infrage.

Die Orientierung der Förderhöhe am Publikationsvolumen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Grundsätzlich entsteht mehr Aufwand durch mehr veröffentlichte Artikel; das tatsächliche Verhältnis ist jedoch schwer zu ermitteln und hängt auch von den Publikationsformaten und -dienstleistungen ab. Zwar wurde die ursprüngliche Ausrichtung der Berechnung am Publikationsvolumen durch eine komplexere Berechnung ersetzt, die vermeiden soll, dass finanzielle Anreize zu höheren Artikelzahlen entstehen. Die neue Berechnung in Form von Sockelbeiträgen plus Stufen in Kombination mit einer Obergrenze ist jedoch sehr komplex und intransparent. Zugleich ist die vorgesehene maximale Förderpauschale in Höhe von 1.400 € je Artikel relativ großzügig bemessen und könnte durchaus geringer ausfallen.

Wir sehen das Konzept als große Chance, über eine deutschlandweit organisierte kollektive Förderung nachzudenken und beteiligen uns gerne an weiteren Überlegungen. Wichtig finden wir jedoch auch, dass eine mögliche Umsetzung von DeFDOA nicht als Schlusspunkt für Überlegungen zur Finanzierung von Diamond Open Access gesehen wird, sondern ergänzende Konzepte weiterhin diskutiert und entwickelt werden.</description><enclosure
            length="129660"
            type="image/png"
            url="https://open-access.network/fileadmin/user_upload/pabitrakaity-mutual-funds-6406534_1280.png" /></item>


            
        
            
            
<item><title>Openness in der Rechtswissenschaft – drei Projekte zur Beförderung der Transformation</title><link>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</link><comments>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation#comments</comments><pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:48:00 +0100</pubDate><category>Open Access in der Praxis</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Nikolas Eisentraut</dc:creator><dc:creator>Jonas Hantow</dc:creator><dc:creator>Maximilian Petras</dc:creator><dc:creator>Katharina Schulz</dc:creator><dc:creator>Salo Tober-Lau</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/openness-in-der-rechtswissenschaft-drei-projekte-zur-befoerderung-der-transformation</guid><description>Ende 2023 bzw. Anfang 2024 starteten drei neue Projekte, die verschiedene Aspekte von Openness in der Rechtswissenschaft behandeln und die Transformation zu Open Access und offenen Lehr- und Lernmaterialien voranbringen sollen: „KidRewi (Kulturwandel in der Rechtswissenschaft)“ und „OZUG (Offener Zugang zum Grundgesetz)“ liefen im September 2023 an und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Förderlinie zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur gefördert. Anfang 2024 begann das Projekt „VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi)“, welches in der Förderlinie zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER Communities (OE_COM) ebenfalls vom BMBF gefördert wird. In diesem Blogartikel stellen wir die drei Projekte vor.

Der offensichtlichste gemeinsame Nenner der drei Projekte neben der Verortung in der Rechtswissenschaft ist die Förderung durch das BMBF. Allerdings sind zwei verschiedene Förderlinien vertreten, was die unterschiedliche thematische Ausrichtung widerspiegelt: Während KidRewi und OZUG im Rahmen der Open-Access-Förderung des BMBF Mittel beziehen, ist VEStOR eines von diversen Projekten, die als Umsetzungsmaßnahme der OER-Strategie des Ministeriums gefördert werden. Durch personelle Überschneidungen und die Anbindung sowohl an die Leibniz Universität Hannover (LUH) als auch an die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Verbindungen zur Community of Practice OpenRewi entsteht ein enger Austausch zwischen den Projekten, von dem alle Beteiligten profitieren, der aber so nicht selbstverständlich ist. So bemerkte auch eine Vertreterin des BMBF beim gemeinsamen Kick-off von KidRewi und VEStOR, dass sie es bisher nicht erlebt habe, dass sich Projekte aus unterschiedlichen Förderlinien so eng untereinander austauschen. Nach dem Kick-off wurde ein gemeinsamer Jour fixe von KidRewi und VEStOR im monatlichen Rhythmus eingerichtet.

Während KidRewi und OZUG also vor allem auf wissenschaftliche Publikationen abzielen, stehen bei VEStOR Lehr- und Lernmaterialien im Mittelpunkt. Tatsächlich sind die Übergänge zwischen Open-Access-Publikationen und Open Educational Resources  allerdings fließend: Entscheidende Grundsätze wie der freie Zugang und die möglichst uneingeschränkte Nachnutzbarkeit sind Grundprinzipien beider Kategorien und der Gebrauch von CC-Lizenzen  ist der einfachste Weg, um die Nachnutzung sicher und weitestgehend simpel zu gestalten. Zwar finden sich unter OER nahezu alle möglichen Publikationsformate, jedoch sind Text- bzw. PDF-Publikationen auch hier zahlreich vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen sind die OA- und OER-Communitys jedoch wenig vernetzt – ein erhofftes Ergebnis der drei Projekte ist also auch ein verstärkter Austausch auf dieser Ebene.
Kulturwandel in der Rechtswissenschaft – KidRewi

Selbstständige Literatur – darunter versteht man eigenständig veröffentlichte Werke wie Monografien – in Printform besitzt in der Rechtswissenschaft nach wie vor zentrale Bedeutung. Sie ist nicht nur ein integraler Bestandteil der juristischen Ausbildung, sondern nimmt auch in der wissenschaftlichen Praxis sowie der praktischen Rechtsanwendung eine unverzichtbare Rolle ein. Zudem kommt der Veröffentlichung der eigenen Qualifikationsschriften in renommierten Verlagen eine herausragende Bedeutung für den akademischen Werdegang zu. Diese disziplinspezifische Pfadgebundenheit ist nur ein Grund, weshalb sich der offene sowie digitale Zugang zu selbstständigen juristischen Publikationen bisher nicht weitgehend etablieren konnte. Hier setzt das Projekt KidRewi an und konzipiert Infrastrukturen sowie Materialien, die den Kulturwandel in der Rechtswissenschaft unterstützen sollen.

Das Projekt KidRewi
Das Akronym KidRewi steht für „Kulturwandel in der Rechtswissenschaft“, wobei im Rahmen des Projekts selbstständige juristische Publikationen im Fokus stehen. Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit ein Konzept für eine agile Publikationsinfrastruktur zu entwickeln, das in einem nächsten Schritt umgesetzt werden kann. Hintergrund der Projektarbeit ist die Überzeugung, dass die Transformation zu mehr Openness maßgeblich in den Händen der Rechtswissenschaftler*innen selbst liegt. Aus diesem Grund nehmen sowohl die Bedarfserhebung für die technische Infrastruktur als auch die zu erstellenden OER-Materialien zentrale Rollen des Projekts ein. Es soll nicht eine weitere Infrastruktur oder weitere Materialien für eine Community an der Community vorbei entwickelt werden.

Das interdisziplinäre Projektteam ist an der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler angesiedelt und arbeitet eng mit Akteuren im rechtswissenschaftlichen und informationswissenschaftlichen Bereich zusammen. Dazu zählen die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, OpenRewi sowie das Kompetenznetzwerk Bibliometrie.

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt fördert die Reflexion über die Publikationskultur in der Rechtswissenschaft, indem Wissenschaftler*innen aus allen Karrierestufen angesprochen werden, die bereits Erfahrung im Publizieren von selbstständiger juristischer Literatur haben. Im Kern möchte KidRewi dadurch den Zugang zu rechtswissenschaftlicher Fachliteratur verbessern und inklusiver gestalten, um so eine nachhaltige Verbesserung insbesondere in der juristischen Ausbildung zu bewirken.
Offener Zugang zum Grundgesetz – OZUG

Das Grundgesetz stellt den populärsten und bedeutsamsten Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland dar. Als deutsche Verfassung erfährt es in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung und ist Gegenstand nicht nur rechtswissenschaftlicher Reflexion. Es ist normative Grundlage der großen politischen Konflikte der Bundesrepublik seit 1949 und regelmäßig Gegenstand bundesweiten Interesses im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht entschiedenen Verfahren. Das Bundesverfassungsgericht als Verfassungsorgan und Hüterin der Auslegung der Verfassung genießt in breiten Bevölkerungsschichten ein hohes Ansehen. Dennoch existiert auch über 75 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes keine für jedermann frei im Internet zugängliche Erläuterung der deutschen Verfassung und der sie prägenden Verfassungsrechtsprechung. Ein offener Zugang zu den vorhandenen Kommentierungen des die Bundesrepublik konstituierenden Textbestands fehlt. Im vom BMBF geförderten Projekt „OZUG: Offener Zugang zum Grundgesetz“ wird der Wissensbestand zum Grundgesetz als bedeutsamster Normenbestand der Bundesrepublik Deutschland in den Open Access überführt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut (LUH und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)) wird ein Grundgesetzkommentar projektiert, geschrieben und veröffentlicht, dessen Inhalte für jede*n frei verfügbar und offen lizenziert über das Internet zugänglich gemacht werden sollen. Neben Prof. Eisentraut wirken als Herausgeber*innen Prof. Dr. Friederike Gebhard, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier und Dr. Jonas Botta mit. Einschließlich der Herausgeber*innen wird der Kommentar von 73 Autor*innen verfasst und soll 2026 sowohl als Open-Access-Kommentar online als auch in einer Printausgabe veröffentlicht werden.

Ausgehend von der Realisierung des Kommentars untersucht ein von Prof. Dr. Bernd Kleimann (DHZW) geleitetes sozialwissenschaftliches Begleitforschungsprojekt aus professionssoziologischer und governancetheoretischer Perspektive, welche Faktoren in der Rechtswissenschaft (bislang) dem Open-Access-Gedanken entgegenstehen und welche Bedingungen für eine Mitarbeit an der Kommentierung als adäquat angesehen werden.
Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi – VEStOR

In der modernen Bildungslandschaft gewinnen offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) zunehmend an Bedeutung. Sie fördern den freien Zugang zu Wissen und unterstützen innovative Lehr- und Lernmethoden. Besonders in der Rechtswissenschaft sind OER bislang jedoch noch eine Ausnahme. Hier setzt das Projekt VEStOR an, das sich der Förderung und Verbreitung offener juristischer Lehr- und Lernmaterialien widmet.

Was ist VEStOR?
Das Projekt VEStOR (Vernetzung, Erweiterung, Stärkung der OER Community OpenRewi) zielt darauf ab, die bislang einzige Community für offene juristische Bildungsmaterialien, OpenRewi e.V., zu erweitern und zu stärken. OpenRewi wurde im Jahr 2020 gegründet, um unter einem Dach dezentral, autonom und kooperativ arbeitende Communities of Practice (CoP) bei der Erstellung qualitativ hochwertiger und offen lizenzierter juristischer Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. VEStOR fördert die Vernetzung mit weiteren OER-Communities und trägt dazu bei, der offenen Rechtswissenschaft in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Projekt VEStOR wird als Verbundprojekt an der Fachhochschule Potsdam (FHP) und der Leibniz Universität Hannover (LUH) umgesetzt und im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Stärkung, Erweiterung und Vernetzung von OER-Communities des BMBF gefördert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ellen Euler konzentriert sich die FHP auf die praktischen Aspekte der Community-Erweiterung und -Stärkung, einschließlich der Professionalisierung der Organisation, des Ausbaus von Infrastruktur- und Serviceangeboten sowie der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle. Das Projektteam an der LUH, unter der Leitung von Prof. Dr. Nikolas Eisentraut, fokussiert sich auf rechtsdidaktische Forschung und die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Erstellung und Nutzung juristischer OER, unterstützt durch zwei Promotionsstellen.

Projektziele und Schwerpunkte
Das Hauptziel von VEStOR ist es, OpenRewi als zentrales, hochschulübergreifendes Netzwerk für die Publikation offener, qualitätsgesicherter Lehr- und Lernmaterialien in der Rechtswissenschaft zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt auf folgende Schwerpunkte:

    Erweiterung und Stärkung der Community: Aufbau und Professionalisierung der Organisationsstruktur von OpenRewi, um die Community besser bei der Erstellung und Verbreitung von OER zu unterstützen.
    Vernetzung mit weiteren OER-Communitys: Förderung der Zusammenarbeit mit anderen OER-Initiativen, um Synergien zu nutzen und die Reichweite von OpenRewi zu erhöhen.
    Rechtsdidaktische Forschung: Untersuchung von didaktischen Aspekten juristischer OER und der Bedeutung von künstlicher Intelligenz für OER in der Rechtswissenschaft.
    Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle: Schaffung von Finanzierungsmodellen, die eine langfristige Bereitstellung und Weiterentwicklung von OER ermöglichen.
    Wissenschaftskommunikation: Entwicklung einer visuellen Identität und Kommunikationsstrategie, um OER in der Rechtswissenschaft breiter bekannt zu machen und deren Akzeptanz zu erhöhen. 

Bedeutung für die Rechtswissenschaft
Das Projekt VEStOR adressiert die gesamte rechtswissenschaftliche Fachgemeinschaft in Deutschland und zielt darauf ab, ein inklusives Forum für Open Educational Practices (OEP) zu schaffen. Durch die Förderung und Verbreitung von OER in der Rechtswissenschaft wird ein breitenwirksamer Beitrag zur Realisierung eines nachhaltigen, OER-förderlichen Ökosystems in der digitalen Bildung geleistet.

VEStOR trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Lehr- und Lernmaterialien bei, sondern auch zur Vernetzung und Professionalisierung der Community. Es fördert den Austausch und die Kooperation zwischen verschiedenen OER-Initiativen und stärkt die Rolle von OER in der juristischen Ausbildung.
Ausblick

Die Chancen und Synergieeffekte der verschiedenen oben genannten Projekte sind vielfältig (Ebert et al., 2022)1. Sowohl juristische Lehrmaterialien als auch Handbücher oder Kommentare sind immer auf einen sich fortlaufend ändernden Normenbestand bezogen. Gesetze werden geschrieben, Gerichtsurteile präzisieren oder verwerfen sie. Das Format des gedruckten Buches wirkt hier hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Seine Herstellung ist aufwendig und dauert. Informationen in gedruckten Büchern sind nicht maschinenlesbar, können also weder leicht verknüpft noch unproblematisch aufgefunden werden. Zudem kosten (Fach-)Bücher viel Geld: Gewinnmargen, an die sich kommerzielle Verlage gewöhnt haben und die sie in ihren Online-Datenbanken (abgeschirmt durch das Urheberrecht) fortsetzen. Und das bei einer Materie, die für alle Teile der Gesellschaft so relevant ist. Aus diesem System auszubrechen, ist sehr voraussetzungsvoll – schon weil die Rechtswissenschaft eine eher konservative Disziplin ist und ihre lieb gewonnenen Publikationsgewohnheiten nur schwerfällig aufgibt. (Fischer, 2022)2. Deshalb ist es umso wichtiger, dass KidRewi, OZUG und VEStOR an verschiedenen Stellen zugleich ansetzen. Während KidRewi eine gründliche Bestandsaufnahme des Status quo vornimmt und dabei mögliche Alternativen bereits mitdenkt, schaffen OZUG im Bereich der Kommentarliteratur und VEStOR im Bereich juristischer Lehrmaterialien positive Beispiele und wertvolle Erfahrungen. Beide Projekte ringen dabei mit der (nie perfekten) aktuellen Publikationsinfrastruktur im weiteren Sinne. Gemeint sind damit nicht nur die konkret verwendeten (Hard- und) Software-Pakete (Nextcloud, PubPub), sondern gerade auch die konkreten Praktiken ihrer Anwendung. Kooperativ, online, mit Peer-Review (intern und extern) zu schreiben ist etwas ganz anderes als alleine in einer lokal gespeicherten Text-Datei mit ein paar nachträglichen Kommentaren der Herausgeber*innen (oder – teilweise Jahre später – der Rezensent*innen) zu schreiben. Wenn es gelingt, andere Publikationsinfrastrukturen für die Rechtswissenschaft zu schaffen, wären die Vorteile vielfältig: Bessere, aktuellere Literatur für die Leser*innen und reichhaltigere Erfahrungen (z. B. direkteres Feedback) für die Autor*innen. So wie es heute ganz selbstverständlich ist, dass Gesetze (und teilweise Urteile) im Internet frei abrufbar sind, sollte es bald auch selbstverständlich sein, dass diese öffentlich zugänglich erklärt und diskutiert werden.

1 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-50/offene-rechtswissenschaft-chancen-einer-open-science-transformation-volume-3-2022-issue-1?page=1
2 https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/2699-1284-2022-1-19/im-ringen-um-erkenntnis-und-anerkennung-wie-rechtswissenschaftler-innen-das-eigene-akademische-publizieren-im-zuge-von-open-access-sehen-volume-3-2022-issue-1?page=1</description><enclosure
            length="134966"
            type="image/jpeg"
            url="https://open-access.network/fileadmin/ipoa/Blog/justitia3.jpg" /></item>


            
        



    </channel>
</rss>
