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        <title>Autoren-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge von Autor Kai Matuszkiewicz</description>
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<item><title>Diamond Open Access: Perspektiven aus verschiedenen Forschungsbereichen</title><link>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</link><comments>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen#comments</comments><pubDate>Mon, 02 Jun 2025 09:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Monica B. Berdugo</dc:creator><dc:creator>Dominik Endres</dc:creator><dc:creator>Konrad Hierasimowicz</dc:creator><dc:creator>Andreas Jansen</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Lydia Riedl</dc:creator><dc:creator>Kathrin Siebold</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/diamond-open-access-perspektiven-aus-verschiedenen-forschungsbereichen</guid><description>Diamond Open Access (DOA) verspricht echte Zugänglichkeit, wo Gold Open Access oft neue Hürden schafft. In diesem Beitrag teilen Forschende aus verschiedenen Disziplinen ihre Perspektiven auf Open Access mit den Schwerpunkten Kommerzialisierung, Wissenschaftsbewertung und Publikationsdiversität.

In der Biologie und Neurowissenschaft sehen wir die Idee von DOA durchaus positiv, wenn es in unseren Wissenschaften auch selten als Publikationsmodell begriffen oder noch seltener “diamond” genannt wird. Der Grundgedanke vieler Forschender aber deckt sich mit DOA: Wir brauchen freien Zugang zu Forschungsergebnissen und Daten, um Forschung schneller voranzutreiben und, was wichtig ist, transparente Wissenschaft in die Diskussionen und Maßnahmen einzubringen, um globale Herausforderungen rechtzeitig zu bewältigen. Besonders Open Data und Open Methods auf der Basis von Open Source Software sind essentiell, um Ergebnisse reproduzierbar zu machen, um zum Handeln beizutragen und drängende Herausforderungen, wie den globalen Wandel anzugehen. Reproduzierbarkeit ist eine der Hauptherausforderungen in unseren Wissenschaften, wie die sogenannte “Reproducibility Crisis” (Baker, 20161) deutlich gemacht hat. Dafür brauchen wir offene Plattformen, auf denen Daten, Materialien und zunehmend auch Methoden, Software und Code frei und offen geteilt werden können. Allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierung: Viele dieser Plattformen sind auf Drittmittel angewiesen. Was passiert, wenn diese auslaufen? Außerdem entwickeln sich die ohnehin oft bereits komplexen Methoden schnell weiter, sodass das Capacity Building unter den Forschenden eine Herausforderung ist. Um die Komplexität adäquat zu adressieren, müssen wir zunehmend interdisziplinär kooperieren (z.B. in Core Units), auch und insbesondere mit Kolleg*innen aus der Infrastruktur und in Brückenbereichen (z.B. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers), um unsere Forschung nachhaltig und zukunftsfähig entwickeln zu können. An diesen Schnittstellen mangelt es aktuell jedoch (an den meisten Einrichtungen in Deutschland und in ganzen Regionen in Entwicklungsländern).

In den Geisteswissenschaften, insbesondere in kleinen Fächern wie der Medienwissenschaft oder Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) ist die Lage komplexer. Während DOA teilweise essentiell ist, um durch erweiterte Partizipationsmöglichkeiten insbesondere kleinere Fächer weiterzuentwickeln, gibt es gleichzeitig Sorgen, dass die naturgemäß kleineren Fachjournals finanziell nicht überleben können. Ohne institutionelle Unterstützung ist DOA schwer tragfähig. Neben der Finanzierung gibt es weitere Herausforderungen, gerade für kleinere Journals: Wer übernimmt das Lektorat, die redaktionelle Betreuung und die Textherstellung, wenn keine (großen) Verlage mehr dahinterstehen? Diese Herausforderung betrifft insbesondere Journals, die scholar-led betrieben werden und für die es oftmals noch keine verlässlichen und nachhaltigen Finanzierungs- bzw. Fördermöglichkeiten gibt. Dies gilt auch für geisteswissenschaftliche Fächer, in denen DOA schon aktiv praktiziert wird, wie der Medienwissenschaft. Darüber hinaus sind digitale Publikationsformen, die über den klassischen Artikel hinausgehen, aber in den Geisteswissenschaften eine große Bedeutung haben (sowohl Monografie, aber auch Video-, Audioformate oder Bilder), in DOA-Modellen oft noch nicht ausreichend etabliert. Wir brauchen daher mehr Flexibilität für digitale Editionen und multimodale Forschungsoutputs.

In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind Ansätze wie DOA-Publikationsmodelle und Transparenz durch offene Daten und Methoden unverzichtbar. So fordert die Declaration of Helsinki beispielsweise bei der Durchführung klinischer Studien eine Präregistrierung, also eine Offenlegung der geplanten Projektdurchführung und Datenanalyse. Dies trägt auch dazu bei, eine insbesondere in klinischen Studien ethisch unverzichtbare Reproduzierbarkeit zu ermöglichen. In den Medizinwissenschaften und der Psychologie sind die Möglichkeiten von DOA von besonderer gesellschaftlicher Relevanz - da diese Forschung alle Mitglieder der Gesellschaft betrifft, sollten auch alle unabhängig von finanziellen Möglichkeiten an dieser Forschung partizipieren können. Doch aktuell ist auch DOA teilweise exklusiv angelegt: Wenn die Nutzung von DOA-Plattformen beispielsweise an eine bestimmte institutionelle Zugehörigkeit geknüpft ist, stehen institutionsübergreifende Teams oder Forschende ohne die „richtige“ Affiliation vor neuen Hürden.

In der Ökologie erschweren die zunehmende Komplexität und das Volumen der vielfältigen Daten, die diese Wissenschaft integrieren will, den Übergang zu Open Science. Rohdaten bilden die Grundlage der Naturwissenschaften, jedoch sind die meisten Forschenden nicht besonders daran interessiert, Anträge oder Daten offenzulegen. Obwohl der Widerstand gegen Vorabdrucke geringer wird, besteht das letztendliche Ziel darin, Arbeiten in ihrer traditionellen Form zu veröffentlichen. Diese Tatsachen verzögern einen umfassenden Übergang zu Open-Science-Praktiken zusätzlich. Da DOA weder bei Nutzenden noch bei Herausgebenden gut etabliert ist, werden viele DOA-Publikationen selbst von jungen Forschenden noch immer übersehen.

Eine zentrale Herausforderung in allen unseren Fächern bleibt die Anerkennung von DOA-Publikationen. Noch immer dominiert die bibliometrische Messung wissenschaftlicher Leistung anhand von Impact Factors und Zitationsraten. Im Zusammenwirken mit dem Zwang zu “publish or perish” stellen traditionelle Textpublikationen (über meist kommerzielle, finanzstarke Verlagshäuser) immer noch die “Währung” in der Wissenschaft dar. DOA könnte dazu beitragen, alternative (qualitative) Bewertungsmaßstäbe zu etablieren, die wir -auch vor dem Hintergrund von Textproduktion durch generative KI- dringend benötigen: Wir sollten Forschungsleistung nicht nur an Publikationszahlen messen, sondern auch an der Qualität und Nachnutzbarkeit der Daten und Methoden, wie es CoARA fordert. Wir brauchen neue Metriken, die digitale Editionen und Forschungssoftware berücksichtigen und Incentives für die wissenschaftliche Karriere, die die Qualität des gesamten Forschungskreislaufs berücksichtigen anstatt einseitig die Quantität und (Pseudo-)Qualität der reinen Ergebnisdarstellungen zu bevorzugen.
Call to Action

Eine gelebte Openness muss unserer Überzeugung nach beim Publizieren ansetzen und gleichzeitig dessen Situiertheit im Gesamtsystem Open Science anerkennen.

DOA ist ein zentraler  Baustein im größeren Prozess der Transformation hin zu Open Science. Wir regen an, DOA als einen neuen Maßstab in der Wissenschaft zu etablieren. Dazu brauchen wir:

    die flächendeckende Einführung von Schnittstellen zwischen Forschung und Infrastruktur (wie bspw. Core Units) sowie die Einbeziehung neuer Expert*innen (bspw. Data Stewards, Embedded Librarians, Research Software Engineers) in die Forschungsprojekte
    eine Verstetigung und Öffnung der vorhandenen Infrastrukturen (ein wissenschaftliches „think global, act local“)
    ein konsequentes Umsetzen nachhaltiger Incentives in Rekrutierungs- und Vergabeverfahren von Fördermitteln, die die Qualität des gesamten Forschungszyklus anerkennen
    aktive Budgetierung von Ressourcen (Zeit, Personal, Infrastruktur), um den Übergang zu Open Science als fester Bestandteil der Wissenschaft zu erreichen - dabei kommt den Förderinstitutionen eine entscheidende Rolle zu
    eine fachspezifisch ausgerichtete und nachhaltige Förderung von Periodika, die Faktoren wie scholar-led Publishing verstärkt berücksichtigt
     

DOA kann seine Rolle als gerechte Alternative im wissenschaftlichen Publikationswesen nur dann voll entfalten, wenn diese Veränderungen konsequent vorangetrieben werden. Zahlreiche Forschende wie wir engagieren sich bereits aktiv in diesem Transformationsprozess: Sowohl in institutionellen Strukturen, die beispielsweise an der Philipps-Universität Marburg durch neue Schnittstellen zwischen dem Team „Forschungsnahe E-Dienstleistungen“ und dem neurowissenschaftlichen Forschungscluster TAM2 DataHub, verschiedenen NFDI-Konsortien oder dem FID Media3 weiterentwickelt werden, als auch in freiwilligen Initiativen wie FORRT, GRN, deRSE oder lokalen Grassroots-Bewegungen. Wir sind bereit, gemeinsam eine offene und nachhaltige Wissenschaftskultur zu gestalten, deren Basis nach wie vor das Publizieren ist.

1 Baker, M. (2016). 1,500 scientists lift the lid on reproducibility. Nature, 533(7604), 452–454. https://doi.org/10.1038/533452a
2 TAM = “The Adaptive Mind”: neurowissenschaftliches Forschungscluster.
3 FID Media = “Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaften”.</description><enclosure
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<item><title>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity</title><link>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</link><comments>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity#comments</comments><pubDate>Wed, 02 Apr 2025 10:00:00 +0200</pubDate><category>Repositorium</category><category>Konferenz</category><dc:creator>Kathrin Ganz</dc:creator><dc:creator>Karin Langenkamp</dc:creator><dc:creator>Kai Lohsträter</dc:creator><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><dc:creator>Robina Mohammad</dc:creator><dc:creator>Olaf Siegert</dc:creator><dc:creator>Christian Woll</dc:creator><dc:creator>Marcel Wrzesinski</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/fachliche-repositorien-zwischen-professionalisierung-und-vernetzung-mit-der-forschungscommunity</guid><description>Fachliche Repositorien zwischen Professionalisierung und Vernetzung mit der Forschungscommunity
Fachrepositorien sind ein fester Bestandteil der Open-Access-Infrastruktur. Vor welchen Herausforderungen stehen sie aktuell? Dies erörterten Fachrepositorienbetreiber*innen auf den letzten Open-Access-Tagen in einem Workshop. Impulse kamen aus dem Projekt Pro OAR DE und der Allianz-Studie “Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”

Der Workshop „Fachliche Repositorien zwischen technisch-organisatorischer Professionalisierung und Vernetzung mit ihren Forschungscommunities“ wurde auf Initiative von Teilnehmenden der digitalen Fokusgruppe „Fachrepositorien“, die sich im Mai 2022 konstituierte, konzipiert. Bei den etwa alle zwei Monate stattfindenden virtuellen Treffen kommen Betreiber*innen von Fachrepositorien zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Vorhaben zu planen. Bei einem dieser Treffen entstand nach dem Call for Paper zu den Open Access Tagen 2024 die Idee, einen Workshop einzureichen. Dieser sollte auf der Grundlage von Erkenntnissen aus neueren Studien wie dem COAR Repository Survey (Shearer et al., 2023) und der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024) einen Gesprächs- und Diskussionsraum für den Austausch zu Best Practices für die Weiterentwicklung von fachlichen (und institutionellen) Repositorien schaffen. Zu diesem Zweck sollten mehrere thematische Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Themenpalette reichte von der „Vernetzung mit der disziplinären Forschungscommunity“ über „Hosting und Software“ sowie „Governancefragen“ bis hin zu „Metadaten und Workflows“. Die Auswahl der Themen für die Arbeit in verteilten Arbeitsgruppen erfolgte zu Beginn des Workshops durch die insgesamt 16 Teilnehmenden selbst. Per Mentimeter-Abstimmung wurden die drei beliebtesten Themen ermittelt und im Anschluss daran Kleinarbeitsgruppen gebildet, die jeweils von zwei Moderator*innen begleitet wurden. Methodisch-didaktisch wurden Pinnwände und Moderationskarten genutzt, die thematisch geclustert und per Fotodokumentation gesichert wurden. Die wichtigsten Ergebnisse aus den drei Arbeitsgruppen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Zu Beginn werden zentrale Ergebnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „PRO OAR DE inkl. COAR Repository Survey“ (Marcel Wrzesinski) und der „Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen“ (Olaf Siegert) dargestellt.
Fachliche Open-Access-Repositorien. Impuls aus dem Projekt‚ Pro OAR DE
Marcel Wrzesinski stellte zu Beginn seines Vortrags das Projekt „Professionalisierung der Open-Access-Repositorien-Infrastruktur in Deutschland (Pro OAR DE)“ am Lehrstuhl Information Management des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HU Berlin vor. Das Projekt hat den Anspruch, Repositorien kollaborativ zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen einer Interview-Studie und einer Systematic Scoping Review werden zentrale Herausforderungen für Repositorien in Deutschland identifiziert. In den anschließenden Vernetzungsforen und durch praxisnahe Handreichungen soll den Herausforderungen begegnet werden. Die ersten Projektergebnisse hierzu werden derzeit veröffentlicht.
Um die gegenwärtigen Herausforderungen und Weiterentwicklungschancen für Repositorien zu verstehen, ist die Studie „     Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe“ (     Shearer et al., 2023) von großer Bedeutung. Im Vortrag wurde auf die Rahmenbedingungen der Studie eingegangen. Als zentrale Herausforderungen wurden benannt:
●	Nachhaltiges Betreiben einer aktuellen, bedarfsgerechten und funktionalen Softwareplattform für Repositorien
●	Anwendung von konsistenten und umfassenden „Good Practice“ für Metadaten, Archivierung und Nutzungsstatistiken
●	Sichtbarkeit für Repositorien und deren Services innerhalb des wissenschaftlichen Ökosystems
An diesen Herausforderungen zeigt sich, dass die weitere Professionalisierung und Entwicklung von Repositorien eine komplexe Gemengelage darstellen. Daran anschließend benannte Marcel Wrzesinski drei zentrale Aktionsfelder, um die Transformation von Repositorien hin zu innovativen Informationsinfrastrukturen mit breitem Aufgabenspektrum zu begleiten:
●	Kommunikation: Mehrwerte und Relevanz von Repositorien transdisziplinär hervorheben
●	Aufbauarbeit: Identifikation und Verbreitung von Better Practices für die Repositorienarbeit
●	Vernetzung: Aufbau und Weiterentwicklung von Netzwerken zum Austausch und zur Qualitätssteigerung
Die Allianz-Studie „Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland”
 
Der Vortrag von Olaf Siegert beschäftigte sich mit der Allianz-Studie zu Open-Access-Infrastrukturen (Biela et al., 2024), die im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil der Open-Access-Strategie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und unternimmt erstmals eine Kartierung von Open-Access-Diensten und -infrastrukturen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Deutschland. Wichtiger Teil der untersuchten Dienste waren dabei auch fachliche Repositorien. Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:
●	Die OA-Infrastrukturlandschaft ist sehr vielfältig und dezentral.
●	Die meisten Dienste werden nur mit wenigen Personen betreut und haben ein Gesamtbudget pro Jahr von deutlich unter 500.000 Euro.
●	Die Betreuung und Finanzierung der Dienste erfolgt meist komplett über die Hosting-Einrichtung.
●	Das Nutzungsverhalten ist je nach Fach sehr unterschiedlich, nationale nicht-kommerzielle Dienste gibt es v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
●	Forschende haben oftmals zu wenig Überblick über die für sie relevanten Services bzw. bevorzugen reputationsfördernden Infrastrukturen.
●	Die Budgets der Infrastrukturen reichen in der Regel nur für den Basisbetrieb, nicht aber für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
 
Die Allianz empfiehlt vor diesem Hintergrund:
●	Infrastrukturen müssen hochprofessionell betrieben und genutzt werden können. Die nötige Finanzierung sollte nicht nur den Basisbetrieb aufrechterhalten, sondern auch Investitionen ermöglichen.
●	Dazu ist eine dauerhafte Finanzierung abseits der Hosting-Einrichtung notwendig – etwa in Form von Ko-Finanzierungs- oder Mitgliedschaftsmodellen (vgl. arXiv oder SCOSS). Die aktuelle Entwicklung von Bibliotheken hin zu Informationsbudgets erleichtert ihnen die Unterstützung solcher Ko-Finanzierungsmodelle.
●	Die Infrastrukturen müssen ihre Marketinganstrengungen deutlich ausbauen und sich stärker mit den Forschenden vernetzen. Dazu bedarf es disziplinspezifischer Ansätze.
●	Flankierend ist in vielen Fächern eine Änderung der Bewertungspraxis von Publikationen notwendig (vgl. DORA / CoARA).

Berichte der Arbeitsergebnisse aus dem Workshop

In der Arbeitsgruppe „Metadaten und Nutzer*innenzentrierte Workflows“ kristallisierten sich die Themenkomplexe Plattform und Persistent Identifier (PID) als wesentliche Diskussionspunkte heraus. Andere workflow-relevante Themenbereiche wie Erschließung, Automatisierung oder Dublettenkontrolle wurden zwar behandelt, spielten aber gegenüber den anderen eine untergeordnete Rolle. Bei den Plattformen wurden insbesondere veraltete Software sowie die Gestaltung der Interoperabilität als Herausforderung wahrgenommen. Als intensivster Diskussionspunkt erwiesen sich die PIDs, die v.a. im Kontext der Vernetzung und Semantisierung genutzt werden. Allen voran nahm ORCID eine zentrale Position ein, zugleich wurde aber dessen teilweise zu geringe Verbreitung als Problem identifiziert.

In der Arbeitsgruppe zu „Hosting-, Software- und Technikfragen“ bestätigte sich ein Kernergebnis der Allianz-Studie, nämlich die Heterogenität der Open-Access-Infrastrukturlandschaft, auf der u. a. auch die Fachrepositorien in Deutschland basieren. Neben DSpace als der wahrscheinlich verbreitetsten Software mit internationaler Entwickler- und Anwendercommunity sowie kommerziellen Support-Anbietern berichteten die Teilnehmenden vom Betrieb von Fedora Repository sowie den deutschen Entwicklungen OPUS, MyCore und Kitodo.Publication bzw. Kitodo.Presentation (mittels TYPO3). Unterstrichen wurde das Bild der Vielfältigkeit in den Berichten dadurch, dass die Systeme teilweise stark an die individuellen Bedarfe angepasst wurden/werden und für unterschiedliche Anwendungszwecke genutzt werden, also neben dem Betrieb von Fachrepositorien z. B. auch für institutionelle oder Sammlungsrepositorien (Multi-Mandantenbetrieb).
Im Gespräch stellte sich gleichwohl bei allen infrastrukturellen Divergenzen heraus, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Systeme arbeiten. Als zentrale Aspekte kamen hierbei zum einen die Interoperabilität zum besseren Daten-Im- und -export (Schnittstellen, PIDs, Open Source), zum anderen die Standardisierung zur einfacheren Umsetzung von Neuerungen bzw. zur Reduzierung des technischen Pflegeaufwandes zur Sprache.
Hintergründe dessen sind Ähnlichkeiten auch bei den Herausforderungen. Neben den kürzer werdenden Support-Zeiträumen (z. B. PHP, TYPO3) und Schwierigkeiten bei Updates durch System-Individualisierungen (‚verwilderter‘ Code) gibt es allenthalben strukturell-organisatorische Problemstellen: komplizierte Rekrutierung von Fachpersonal, generell geringe Personalressourcen, Unter- und/oder zeitlich befristete Finanzierung. Das erschwert die übergreifend als dringend angesehene Neuausrichtung der Infrastruktur – die Weiterentwicklung im Sinne der Next Generation Repositories-Initiative von COAR und mit Blick auf die rasante Entfaltung der KI-Technologien.

Die „Vernetzung mit der Fachcommunity“ des jeweiligen Fachrepositoriums stellt sich unterschiedlich dar – es bestehen langjährige, meist etablierte Fachrepositorien sowie neu gegründete, die sich in der Community, aber auch an ihrer Hosting-Institution, ihre Position und ihr Renommee erst erarbeiten müssen. Durch die karrierebedingten Wechsel an den Wissenschaftseinrichtungen empfinden einige Betreiber*innen die Kommunikation der Dienstleistungen und Workflows als Marathon bzw. Sisyphusarbeit. Der thematische Schwerpunkt der Arbeitsgruppe lag daher nicht auf der Beschreibung des IST-Zustandes, sondern auf dem SOLL und den Herausforderungen auf dem Weg dorthin. Es wurde diskutiert, welche Beratungsleistungen erbracht und welche Open-Access-Infrastrukturen den Communities bekannt sein sollten. Dabei sollte beachtet werden, welche Kommunikationskanäle zu welchem Zweck genutzt werden könnten: fach-, einrichtungs- oder personenfokussierte Kanäle? Ein Fazit: Bei der personenfokussierten Kommunikation muss beachtet werden, auf welcher Karrierestufe die Forschenden stehen und welche (Un-)Kenntnisse diese über Open Access besitzen. Als wichtigste Voraussetzungen wurden gesehen, die Kommunikation in die Gesamtdiskussion um die Digitalisierung der Forschung einzubetten sowie sich bei der Community für eine nachhaltige Finanzierung einzusetzen.

Fazit zum Workshop 
Das Workshop-Team der Fokusgruppe Fachrepositorien zieht ein sehr positives Fazit. Der fachliche Austausch in den drei Arbeitsgruppen war sehr lebendig und fruchtbar. Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen fachlichen Ausrichtung, Größe und institutionellen Anbindung der Repositorien konnten viele Gemeinsamkeiten identifiziert werden. Zudem bestätigten sich die in der Allianz-Studie festgestellten Ergebnisse auch als die zentralen Herausforderungen, die in den Kleingruppen thematisiert wurden. 
Darüber hinaus konnten im Workshop sicherlich einige neue Kontakte geknüpft werden, die idealerweise dabei helfen, die anstehenden kleineren und größeren Herausforderungen der Zukunft durch einen noch stärkeren Austausch, gegenseitige Unterstützung und vielleicht sogar gemeinsame Projekte besser bewältigen zu können.

Literatur
●	Shearer, K., Nakano Koga, S. M., Rodrigues, E., Manola, N., Pronk, M., &amp; Proudman, V. (2023). Current State and Future Directions for Open Repositories in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10255559
●	Biela, J., Stalla, M., Hohmann, L., &amp; Holzer, A. C. (2024). Kartierung und Beschreibung der Open-Access-Dienste in Deutschland. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.11121906
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<item><title>Medienwissenschaft und Open Access – eine Beziehung mit Hindernissen</title><link>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</link><comments>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen#comments</comments><pubDate>Tue, 30 Apr 2024 10:00:00 +0200</pubDate><category>Open Access in den Fachdisziplinen</category><dc:creator>Kai Matuszkiewicz</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/medienwissenschaft-und-open-access-eine-beziehung-mit-hindernissen</guid><description>Die Open-Access-Bewegung entstand Anfang der 2000er-Jahre als Reaktion auf die Zeitschriftenkrise der 1990er-Jahre, sodass es wenig verwunderlich ist, dass viele Maßnahmen im Kontext von Open-Access-Strategien bis heute einen Fokus auf wissenschaftliche Zeitschriften legen. Dies ist jedoch nicht unproblematisch für eine Geisteswissenschaft wie die Medienwissenschaft, die im Kontext ihrer eigenen Publikationskultur immer noch sehr am (gedruckten) Buch hängt. Diesen Umstand und damit zusammenhängende Hindernisse für eine umfassendere Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft reflektierend, möchte sich der vorliegende Beitrag dem Themenkomplex Open Access und Medienwissenschaft in zwei Schritten zuwenden: Zuerst möchte er den status quo der medienwissenschaftlichen Publikationskultur darlegen, bevor anschließend einige ausgewählte Hindernisse für die Open-Access-Transformation des Faches benannt werden sollen. Diese ergeben sich aus dem Handeln von Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, welches die Besonderheit der medienwissenschaftlichen Publikationskultur nicht ausreichend berücksichtigt. Mit der Benennung der Hindernisse wird ein Ausblick auf mögliche Lösungsansätze verbunden.
Die medienwissenschaftliche Publikationskultur in der Mitte der 2020er-Jahre

Über 20 Jahre nach den Erklärungen von Budapest, Berlin und Bethesda ist Open Access in der Medienwissenschaft noch nicht dort angelangt, wo man es eigentlich in Anbetracht der verstrichenen Zeit wie des wissenschaftspolitischen Willens und damit verbundener Anstrengungen erwarten könnte. Viele Publikationen sind weiterhin nicht frei und kostenlos zugänglich und die Großverlage, die eigentlich geschwächt werden sollten, erscheinen stärker als je zuvor. Sie weiten ihre Produktportfolios bedenklich aus (vgl. zum Datentracking in der Wissenschaft auf diesen Beitrag von Gerhard Lauer), drohen dergestalt die ursprüngliche Idee von Open Science und Open Access zu pervertieren, indem die öffentliche Hand privatwirtschaftliche Gewinne mit öffentlichem Gut finanziert und hierdurch zudem einem diversen Verlagsökosystem schadet, das in Deutschland auch viele mittlere und kleine Verlage umfasst. Solche Entwicklungen tangieren die Medienwissenschaft bisher eher weniger, spielt das gedruckte Buch in deren publikationskulturellen Reputationsmechanismen doch weiterhin eine zentrale Rolle (wie auch in den übrigen Geisteswissenschaften) und fällt als analoges Trägermedium durch das Raster von Geschäftspraktiken, die vornehmlich an der digitalen Transformation der Wissenschaft verdienen. Damit korrespondierend sind viele Open-Science-Praktiken noch nicht allzu tief in die medienwissenschaftlichen Arbeitspraktiken eingesickert, sodass es für Unternehmen wie die RELX Group bisher nicht lohnend erscheint, den gesamten Forschungsprozess der Medienwissenschaft in kommerzielle Tools zu verlagern. Die Betrachtung der Publikationskultur der Medienwissenschaft deshalb aber als eine ‚analoge‘, hermetisch abgeschlossene Insel der Seligen zu betrachten, setzt nicht nur falsche wissenschaftskulturelle Ideale, sondern verkennt auch wichtige Entwicklungen im Fach.

So nimmt die Zahl an im Open Access publizierten Büchern in der Medienwissenschaft stetig zu, existieren erste konsortiale Finanzierungsmodelle für diese wie die Open Library Medienwissenschaft oder KOALA. Daneben ist das zentrale Publikationsorgan der deutschsprachigen Fachgesellschaft mit der Zeitschrift für Medienwissenschaft mittlerweile eine Open-Access-Zeitschrift und die Zeitschrift der europäischen Fachgesellschaft, NECSUS, ist gar ein scholar-led Journal ohne Verlagsbeteiligung. Zudem existieren in beiden Fachgesellschaften mit der AG Open Media Studies und dem NECS Open Scholarship Committee Arbeitsgruppen, die sich mit Open Science und Open Access im Fach befassen. Dem fachlichen Austausch zum Themenfeld widmet sich ferner schwerpunktmäßig der Open-Media-Studies-Blog als Diskursplattform. Aber auch auf der Ebene der Forschungsinfrastrukturen sind Fortschritte zu verzeichnen mit dem Rechercheportal adlr.link, dem Fachrepositorium media/rep/ oder dem digitalen Archiv MediArXiv. Darüber hinaus beteiligen sich Fachvertreter*innen an Initiativen wie ENABLE! oder sind in den digitalen Fokusgruppen von open-access.network aktiv, um die Open-Access-Transformation aktiv mitzugestalten. Eine buchorientierte, eher ‚traditionelle‘ Publikationskultur wird in der Medienwissenschaft von einer Open-Access-Community begleitet, wobei sich beide nicht gegenüberstehen, sondern vielmehr ineinander übergehen, da Forscher*innen oftmals beide Publikationsstrategien bedienen (wenn auch in der Regel mit unterschiedlichem Fokus).

Somit spielen in der medienwissenschaftlichen Publikationskultur einerseits gedruckte Monographien (vor allem als Dissertationen) und Sammelbände weiterhin eine große Rolle als Publikationssorten von hohem Renommee, zugleich finden aber Zeitschriften eine immer größere Verbreitung und sind hierbei im zunehmenden Maße nicht nur Open Access, sondern auch scholar-led. Insofern ist die medienwissenschaftliche Publikationskultur in Bezug auf Open Access von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen geprägt, wobei die Open-Access-Transformation des Faches stetig voranschreitet.
Hindernisse für mehr Open Access in der Medienwissenschaft

Das Benennen von Hindernissen sollte keinesfalls als Kritik an der Open-Access-Transformation an sich, sondern lediglich an deren Umsetzung verstanden werden, die die publikationskulturellen Spezifika der Medienwissenschaft weitestgehend ignoriert und hierdurch letztlich dazu führt, dass die medienwissenschaftliche Forschung ihre Potenziale nicht vollends entfalten kann. Dabei sind insbesondere vier Aspekte relevant:

    In der Medienwissenschaft werden (bis auf wenige Ausnahmen) keine Article Processing Charges (APCs) erhoben, sodass eine primäre Fokussierung der Publikationsförderung auf diese am Fach und seinen publikatorischen Bedarfen vorbeigeht.
    Diese Fokussierung auf APCs führt zugleich dazu, dass Book Processing Charges (BPCs) nicht ausreichend gefördert werden, was zulasten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur geht (vgl. zu beiden Punkten die Antragsrunde der „Open-Access-Publikationskosten“ von 2021).
    Die DEAL-Verträge adressieren für die Medienwissenschaft größtenteils irrelevante Verlage (mit Ausnahme der Buchsparte von Springer) und binden hierdurch Mittel, die durch Budgetumschichtungen an den Hochschulbibliotheken wiederum zu Nachteilen für die medienwissenschaftliche Publikationskultur führen.
    Die drei zuvor genannten Punkte werden durch den Umstand begleitet, dass keine bis kaum fachspezifisch adäquate Fördermöglichkeiten für Open Access in der Medienwissenschaft existieren. Deshalb ist zu konstatieren, dass die vorhandenen Förderinstrumente der Open-Access-Transformation die Besonderheiten der medienwissenschaftlichen Publikationskultur verfehlen, da sich diese primär an den SMT-Disziplinen ausrichten (wie Open Science im Allgemeinen auch). Dies ist besonders bedauerlich, da sich teilweise mit vergleichsweise geringen Summen große Effekte für die Open-Access-Transformation der Medienwissenschaft erzielen lassen (wie unten angedeutet wird).

Aus diesen Gründen ist eine Neujustierung gegenwärtiger Open-Access-Förderstrategien dringend notwendig. Hierbei gilt es nicht nur, das Verhältnis zwischen APCs und BPCs ausgeglichener zu gestalten und Sinn und Zweck der DEAL-Verträge, die letztlich Verlagsoligopole privilegieren, zu hinterfragen, sondern auch Förderinstrumente neu zu schaffen. In der Medienwissenschaft existiert mittlerweile eine aktive und durchaus nicht kleine scholar-led-Community, die primär Diamond Open Access betreibt. Nach Policies entspricht dies den Idealvorstellungen der Forschungsförderung und Wissenschaftspolitik, jedoch existieren keine Förderinstrumente, die diese Forscher:innen in geeigneter Weise unterstützen. Bei der redaktionellen Betreuung dieser Zeitschriften, um ein Beispiel zu wählen, spielen oftmals studentische Mitarbeiter*innen eine große Rolle, es gibt aber keine nachhaltige und verlässliche Fördermöglichkeit, die einen langfristigen Betrieb einer solchen Zeitschrift ermöglicht. Drei-Jahres-Förderungen sind nicht langfristig und verlässlich und Periodika, die aufgrund fehlender dauerhafter Finanzierung wieder verschwinden, sind nicht nachhaltig. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man die Summen, die solche Projekte zur Finanzierung benötigen, mit den Ausgaben für APCs vergleicht. Dennoch ist es aber immer noch einfacher, tausende Euro APC für einen einzigen Artikel zu bekommen, anstatt die gleiche Summe für eine*n studentische*n Mitarbeiter*in, die den redaktionellen Betrieb einer Diamond-Open-Access-Zeitschrift maßgeblich mitträgt.

Dies ist nur ein Beispiel, das illustrieren soll, wie neue Förderinstrumente nicht nur fachlich passgenauer, sondern auch effizienter (und in der Regel auch kostengünstiger) sein können. Neujustierungen könnten zudem eine Evaluation bestehender neuerer Ansätze umfassen. So können konsortiale Finanzierungsmöglichkeiten vielversprechend sein, um dergestalt scholar-led Diamond-Open-Access-Publikationsprojekte zu unterstützen oder es können Initiativen mit Modellcharakter wie COPIM in den Fokus gerückt werden, die versuchen, wissenschaftsgetriebenes Publizieren neu zu denken. In jedem Fall ist ein diverses, faires, nachhaltiges und bedarfsgerechtes wissenschaftsgetriebenes Publikationssystem aber in unser aller Sinne und somit ein Ziel, für das wir (über-)fachlich alle zusammenarbeiten sollten.
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