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        <title>Autoren-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge von Autor Carolin Becklas</description>
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<item><title>Gamification in der Open-Access-Beratung: Ein open-access.network Workshop auf den Open-Access-Tagen 2024</title><link>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</link><comments>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung#comments</comments><pubDate>Tue, 29 Oct 2024 09:00:00 +0100</pubDate><category>Beratung</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/gamification-in-der-open-access-beratung</guid><description>Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist zuerst am 23.10.24 auf dem TIB Blog unter der Lizenz CC BY 4.0 international erschienen.

Im Rahmen der Open-Access-Tage 2024 in Köln hatten wir am 12. September die Gelegenheit, einen spannenden Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ anzubieten. Mit 25 engagierten Teilnehmenden erkundeten wir, wie spielerische Elemente in die Beratung integriert werden können, um das Lernen und die Interaktion zu fördern.
Einblick in Gamification

Der Workshop begann mit einem informativen Inputvortrag, der Grundlagenkenntnisse rund um Gamification, deren Potenzial und Grenzen vermittelte. Gamification ist mittlerweile im Alltag vieler Menschen fest etabliert: Wir sammeln Punkte im Supermarkt, tracken unsere Kilometerzahl mit der Smartwatch oder bekommen virtuelle Auszeichnungen für unseren Lernfortschritt. Die Überführung von Spielelementen und -designs in spielferne Kontexte macht sich das Spielen als uralte Kulturtechnik zunutze, um komplexe Sachverhalte verständlich und spielerisch zu vermitteln, zu motivieren, Verhaltensänderungen herbeizuführen und den Spaß am Lernen zu fördern. Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigten wir, wie spielerische Ansätze nicht nur die Motivation steigern, sondern auch das Verständnis komplexer Themen wie Open Access erleichtern können. Unsere Präsentation ist auf Zenodo verfügbar: https://zenodo.org/records/13950584
Spielerisches Lernen

Nach der theoretischen Einführung folgte eine Spielesession, in der die Teilnehmenden bereits entwickelte Spiele testen konnten. Diese Spiele waren speziell darauf ausgelegt, Aspekte des Open Access und der damit verbundenen Herausforderungen spielerisch zu vermitteln. Die Teilnehmenden fanden sich zu Kleingruppen zusammen, spielten gemeinsam und tauschten sich zu ihren Spielerfahrungen aus.

Folgende Spiele konnten „angespielt“ werden:

    Puzzle von open-access.network
    Kreuzworträtsel von open-access.network
    Brettspiel Open-Access-Challenge, entwickelt von Studierenden der ZB MED, aktuell als Online-Quiz im Rahmen der Open Access Week verfügbar
    Open Science Cafe
    Zwei Rätsel von der Universität der Künste

Nach dieser interaktiven Session hieß es Gamestorming: Wir spielten das Train-The-Trainer Card Game von Gwen Franck. Die Teilnehmenden zogen Karten, auf denen Eckdaten für ein fiktives Training zu finden sind (zum Beispiel Zielgruppe, Wissensstand, Gruppengröße etc.). Anhand des gezogenen Formats entwickelten sie dann kreative Gamification-Ideen, die nicht nur den Austausch untereinander förderten, sondern auch dazu anregten, spielerische und interaktive Ansätze für zukünftige Trainings- und Beratungssituationen zu entwickeln.
Spiele ausprobieren und nachnutzen

Weitere Open-Access- bzw. Open-Science-Spiele, die wir in unserem Workshop erwähnt haben, sind:

    The Publishing Trap
    Coopac
    Open Access Escape Room
    Open Science Rallye
    Research Data Scary Tales

Fazit und Ausblick

Unser Workshop zum Thema „Gamification in der Open-Access-Beratung“ war geprägt von lebhaftem Austausch und kreativen Ideen. Von komplexen Planspielen bis hin zu interaktiven Quizformaten – die Teilnehmenden entwickelten eine Vielzahl an spannenden Ansätzen, um das oft komplexe Thema Open Access spielerisch zu vermitteln.

Die Resonanz der Teilnehmenden war durchweg positiv. Viele äußerten den Wunsch, solche gamifizierten Formate auch in zukünftigen Schulungen oder Beratungen einzusetzen, um die Vermittlung von Open Access Inhalten zugänglicher und ansprechender zu gestalten. Es besteht deshalb Bedarf an weiterem Wissensaustausch und gamifizierten Ressourcen, die die Bandbreite an OA-relevanten Themen und Beratungsszenarien abdecken. Ein weiteres Thema, war der Wunsch nach einem zentralen Ort, an dem Spiele mit Open-Access-Bezug zu finden sind.</description><enclosure
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<item><title>KI verändert die Forschungswelt - Was bedeutet das für Open Access?</title><link>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access</link><comments>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access#comments</comments><pubDate>Wed, 17 Apr 2024 13:07:00 +0200</pubDate><category>Künstliche Intelligenz</category><category>Urheberrecht</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Linda Martin</dc:creator><dc:creator>Helene Strauss</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/ki-veraendert-die-forschungswelt-was-bedeutet-das-fuer-open-access</guid><description>Welche Bedeutung haben die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz für Open Access und Open Research1? Mit einer Reihe von Blogposts möchte das Projekt open-access.network jüngst aufkommenden Fragestellungen und Diskussionen rund um die Beziehung zwischen den Themenfeldern nachkommen. Den Auftakt bildet ein Blogpost, der eine allgemeine Einordnung vornimmt und Raum für Fragestellungen aus der Community eröffnet.
Worum geht es?

Als Künstliche Intelligenz (KI) werden Algorithmen bezeichnet, die in der Lage sind, menschenähnliches Denken und Lernen nachzubilden. Es umfasst u.a. Machine Learning (Datenerkennung und -sortierung auf Basis von wiederholter Dateneingabe) oder neuronale Netze (Datenerkennung und -sortierung auf Basis von Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Datenbanken). Gegenwärtig wird KI u.a. zur Bilderkennung und -erstellung, Spracherkennung, Texterstellung und -optimierung, zur Erkennung von Mustern und zur Prozessoptimierung genutzt (vgl. Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme, 2024).

    Wo Open Access durch den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information die Chancen auf Bildungsgerechtigkeit erhöht, leistet auch die Nutzung von KI einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung. So können Sprachbarrieren abgebaut und Informationen außerhalb des eigenen Bildungssystems leichter zugänglich gemacht werden (vgl. Kasneci, 2023). 

Open Access und KI-Tools in der Forschung

Auch in der Wissenschaft finden viele KI-Tools Anwendung. Doch welche Berührungspunkte hat KI mit Open Access (OA) (dem freien Zugang zu wissenschaftlicher Information im Internet)?

Wir können hier einerseits auf KI-Tools blicken, die im Publikationsprozess eine Rolle spielen und andererseits auf Tools, die Zugangsbarrieren in der Wissenschaft senken. KI-Werkzeuge helfen u.a. bei der Formulierung von Texten oder bei der Suche nach geeigneten Reviewer*innen. Außerdem können sie genutzt werden, um die Barrierefreiheit von wissenschaftlichen Publikationen zu verbessern, indem sie z.B. automatische Übersetzungen anfertigen, Text in gesprochene Sprache überführen, Bilder beschreiben oder automatisch Untertitel für Videos generieren. Dadurch können Menschen unabhängig von spezifischen Voraussetzungen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen erhalten. Auch Wissenschaftler*innen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, können von KI-Werkzeugen profitieren: Tools, die auf Large-Language-Modellen (LLM) beruhen, helfen ihnen bei der Übersetzung oder Generierung ihrer wissenschaftlichen Texte.

Durch die beschriebenen KI-Anwendungen haben Wissenschaftler*innen so (vermeintlich) mehr Zeit für die Recherche, die Planung und Durchführung von Forschungsprojekten oder die Lehre (vgl. Staiman, 2023). Wo Open Access durch den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information die Chancen auf Bildungsgerechtigkeit erhöht, leistet auch die Nutzung von KI einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung. So können Sprachbarrieren abgebaut und Informationen außerhalb des eigenen Bildungssystems leichter zugänglich gemacht werden (vgl. Kasneci, 2023). Jedoch seien an dieser Stelle bereits zwei Einschränkungen bei der Nutzung von KI am Beispiel von ChatGPT verwiesen: Der Einsatz des Tools hängt von der Qualität der formulierten Prompts (Anweisungen/Fragestellungen) ab. Eine immer stärkere Schärfung der Fragestellung ist wichtig und bedarf einiger Übung. Darüber hinaus unterscheiden sich die verschiedenen Versionen der Software in der Größe des hinterlegten Datensatzes und der Genauigkeit der Ausgaben. Die Version 4.0 umfasst einen größeren Datensatz, ist aber in der Pro-Variante kostenpflichtig. Es besteht die Gefahr, dass die Höhe des Einkommens und die Qualität der Antworten voneinander abhängen und damit eine Form der Ungleichheit erzeugt wird.

    Open-Access-Publikationen sorgen nicht nur für eine rechtliche Absicherung der Autor*innen bei der Nachnutzung der Inhalte, sondern leisten viel mehr: Denn (noch) ist es mit Hilfe von Algorithmen schwierig, komplexe wissenschaftliche Werke zu schreiben. So werden Verweise durch die KI teilweise &quot;halluziniert&quot;.

Urheberrecht und KI

Ein viel diskutierter Aspekt von KI ist die Frage, unter welchen rechtlichen Bedingungen Publikationen für das Trainieren von LLMs genutzt werden dürfen und ob es unterschiedliche Regelungen für kommerzielle und wissenschaftliche Zwecke gibt bzw. geben sollte (vgl. Brehm, 2022).
Mit Blick auf das Urheberrecht bedarf es weiterer Regulierungen und Schärfungen der Gesetzgebungen, um bestehende Grauzonen zu verringern. Einer Ansicht nach wird das sog. Crawlen (Durchforsten und Lesen) von Daten, die frei verfügbar im Netz vorhanden sind, durch die urheberrechtlichen Schrankenregelungen zum Text und Data Mining (§§ 60d und 44b UrhG) erlaubt (vgl. Rack, 2024). Künftig sollen Anbietende von KI-Diensten, die mit großen Datenmengen trainiert werden, laut EU-Gesetz angehalten werden, die zu Trainingszwecken genutzten Daten offenzulegen (vgl. Baumann, 2024). Bei einer Open-Access-Publikation ist die Vergabe einer Creative-Commons-Lizenz Standard und damit die Nachnutzung der Inhalte durch die entsprechende Lizenz geregelt.

Open-Access-Publikationen sorgen nicht nur für eine rechtliche Absicherung der Autor*innen bei der Nachnutzung der Inhalte, sondern leisten viel mehr: Denn (noch) ist es mit Hilfe von Algorithmen schwierig, komplexe wissenschaftliche Werke zu schreiben. So werden Verweise durch die KI teilweise &quot;halluziniert&quot;. Das heißt, dass von der KI benannte Quellen teilweise nicht existieren oder ausgegebene Inhalte nicht valide sind (Alkaissi, McFarlane, 2023). Die Verfügbarkeit von Texten in Open Access spielt für die Validierung künstlich generierter Texte und deren Quellen eine sehr wichtige Rolle, da die Verweise und zitierten Texte und Daten öffentlich einsehbar und überprüfbar sind. Dieses hilft, nicht stichhaltige Forschung oder &quot;halluzinierte Texte&quot; zu enttarnen.
KI und jetzt?

KI hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt und in den Arbeitsalltag vieler Einzug gehalten. Fest steht, dass eine Zukunft ohne KI sehr unwahrscheinlich ist. Insofern ist nicht die Frage, ob, sondern wie wir mit den neuen Tools umgehen. Es werden internationale, wissenschaftspolitische Diskussionen über den Umgang mit neuen Entwicklungen geführt (z.B. Manola, 2023).

    Mitarbeiter*innen aus den Bereichen der Infrastruktur (u.a. Bibliotheken) und der Lehre können einen Beitrag zur Verbesserung der Informationskompetenz leisten, indem sie Veranstaltungs- und Informationsformate zur kritischen Auseinandersetzung (Vor-und Nachteile, Umgang usw.) mit den Tools anbieten.

Fragen zur Qualitätssicherung in der Forschung, sowie zu Nutzen und Grenzen von KI für Open Research werden im Rahmen unserer Arbeit relevant bleiben.

Mitarbeiter*innen aus den Bereichen der Infrastruktur (u.a. Bibliotheken) und der Lehre können einen Beitrag zur Verbesserung der Informationskompetenz leisten, indem sie Veranstaltungs- und Informationsformate zur kritischen Auseinandersetzung (Vor-und Nachteile, Umgang usw.) mit den Tools anbieten. Auch Diskurse um die Rolle von KI in der Erstellung und der Verbreitung, aber auch der Erkennung von &quot;halluzinierten&quot; Forschungsergebnissen bzw. durch KI erzeugte Textpublikationen innerhalb der Wissenschaftskommunikation sollte gefördert werden.
Ausblick: Blogpost-Reihe

Dieser Blogpost bildet den Auftakt einer Reihe, die sich in unregelmäßigen Abständen mit den Themenfeldern Künstliche Intelligenz und Open Access bzw. Open Research beschäftigt. Eine Auseinandersetzung mit dem Umgang von ChatGPT und Co. und die Diskussion aufkommender Fragen befähigt dazu, den eigenen Weg im Umgang mit den Entwicklungen zu finden.

Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr Feedback oder Anregungen für künftige Blogposts zu diesem Themenfeld? Wie ist euer Umgang mit KI? Welche Potenziale und Gefahren seht ihr in Bezug auf KI und Open Access/Open Research? Nutzt gern die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag für eine konstruktive Diskussion!

1Definition: Konzepte und Praktiken eines offenen und nachhaltigen Zugangs zu Ergebnissen, Materialien bzw. dem gesamten Forschungsprozess. Open Research ist eng mit der Definition von Open Science in der UNESCO Recommendation on Open Science verbunden. Der Begriff ermöglicht jedoch eine Inklusion geistes- und kulturwissenschaftlicher Praktiken.
Literatur

    Alkaissi, H. &amp; McFarlane, S. I. (2023). Artificial Hallucinations in ChatGPT: Implications in Scientific Writing. Cureus, 15(2), e35179. DOI: 10.7759/cureus.35179
    Baumann, S. (2024). AI-Act: Was die neue KI-Verordnung regelt. https://doi.org/10.59350
    Brehm, E. (2022). Guidelines zum Text und Data Mining für Forschungszwecke in Deutschland. https://doi.org/10.34657/9388
    Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS (2014). Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html
    Kasneci, E. (2023). „ChatGPT kann zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen“. https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/chatgpt-kann-zu-mehr-bildungsgerechtigkeit-fuehren
    Manola, N. (2023). AI with and for Open Science. https://www.openaire.eu/blogs/ai-with-and-for-open-science
    Rack, F. (2024). Rechtsfragen zur generativen KI. ABI Technik, 44(1), 39–47. https://doi.org/10.1515/abitech-2024-0005
    Staiman, A. (2023). Guest Post - Academic Publishers Are Missing the Point on ChatGPT. The Scholarly Kitchen. https://scholarlykitchen.sspnet.org/2023/03/31/guest-post-academic-publishers-are-missing-the-point-on-chatgpt/

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<item><title>Das Open-Access-Jahr 2023. Ein Rückblick</title><link>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</link><comments>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jan 2024 13:31:00 +0100</pubDate><category>Open Access Transformation</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Martina Benz</dc:creator><dc:creator>Jesko Rücknagel</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/das-open-access-jahr-2023-ein-rueckblick</guid><description>Am 22. Oktober 2003 wurde die Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen verfasst, ein wegweisendes Dokument für den Wandel hin zu Open Access (OA) und die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens über das Internet. Das 20-jährige Jubiläum bot im vergangenen Jahr vielfach die Gelegenheit, die Entwicklungen und Perspektiven zu bilanzieren. Wir wollen im Rahmen dieses Blog-Beitrags auf ausgewählte Entwicklungen, Initiativen und Projekte in Deutschland und darüber hinaus in diesem Jubiläumsjahr zurückblicken.
Neue Förderlinie des BMBF ist gestartet

Unter dem Dach der neuen Förderrichtlinie für eine gelebte Open-Access-Kultur hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2023 seinen Fokus auf mehr Offenheit in der Wissenschaft intensiviert. Der Großteil der insgesamt 24 ausgewählten Projekte wurde am 1. September gestartet. 

Die Projekte setzen verschiedene Schwerpunkte. Der Fokus des Projekts PRO-OAR-DE ist beispielsweise die Professionalisierung von OA-Repositorien, während OS-APS STEMO weitere Funktionalitäten für die OS Academic Publishing Suite entwickeln möchte. ELADOAH, OLEKonsort und Diamond Thinking zielen auf eine Stärkung von Diamond-OA, dessen Geschäftsmodell und Rahmenbedingungen. Darüber hinaus behandeln mehrere Projekte, darunter ADore-OA, OA-WFMS, edu_consort_oa, PANTER und KOALA-AV, Geschäftsprozesse, Finanzierungsmodelle und Workflows im Bereich Open Access. Die Projekte IDAHO und ELADOAH untersuchen verschiedene Hürden im Publikationssystem. Andere Projekte, wie bspw. die Projekte OASE und P2P.HAW.OA, setzen es sich zum Ziel, Open Access in einem bestimmten Kontext zu fördern. Einige Vorhaben der BMBF-Förderrichtlinie sowie weitere laufende Projekte sind auf der Projektwebseite von open-access.network zu finden. Ihr Projekt ist noch nicht gelistet? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Neben den neuen Initiativen wurden die Projekte der vorangegangenen Förderlinie abgeschlossen, Ergebnisse publiziert und Services in Betrieb genommen. Im Projekt B!SON wurde beispielsweise erfolgreich ein Recommender-System entwickelt, um Forschende bei der Suche nach qualitätsgesicherten OA-Zeitschriften zu unterstützen. Das Projekt AuROA veröffentlichte einen Vertragsgenerator, mit dessen Hilfe Verträge für OA-Bücher erstellt werden können. Das Projekt ScholarLed Plus erstellte Handreichungen für Herausgeber*innen wissenschaftsgeleiteter, gebührenfreier OA-Zeitschriften und in KOALA wurde ein Modell für eine konsortiale Finanzierung gebührenfreier OA-Publikationen entwickelt. Open4DE untersuchte den Umsetzungsstand von OA-Policies in Deutschland und empfahl Maßnahmen für die weitere Entwicklung von Open Access in Deutschland.

Für ein dauerhaftes Engagement staatlicher Akteure argumentieren auch die im Juni 2023 veröffentlichten Gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern. Darin werden 10 Leitlinien formuliert, die bei der erfolgreichen Transformation des wissenschaftlichen Publikationssystems zu Open Access in den nächsten Jahren unterstützen sollen. 
Transformation des Publikationssystems: Transformationsverträge…

Nachdem die bestehenden DEAL-Verträge mit Wiley und Springer Nature für das Jahr 2023 letztmals verlängert werden konnten, wurde am 28. November 2023 bzw. am 1. Dezember 2023 die Unterzeichnung eines neuen 5-Jahres-Vertrages zwischen dem DEAL-Konsortium und den Verlagshäusern bekannt gegeben. Wie Bernhard Mittermaier in seinem Rückblick auf 10 Jahre DEAL ausführt, wurden die ursprünglichen Projektziele des DEAL-Projekts im Wesentlichen erreicht, indem der Anteil an OA-Publikationen von deutschen Einrichtungen signifikant erhöht werden konnte. Obwohl die nationalen Ausgaben für OA-Publikationen insgesamt nicht gestiegen seien, hatte die dafür notwendige interne Kosten(um)verteilung Auswirkungen auf organisatorische Prozesse der Einrichtungen. Für zukünftige DEAL-Verträge fordert Mittermaier als bisher unerreichte Ziele, “spürbare finanzielle Verbesserungen” sowie die Begrenzung von Publikationsgebühren bei Gold-OA-Zeitschriften durchzusetzen (Mittermaier, 2023, S. 222). 

Bereits am 6. September 2023 gab das DEAL-Konsortium den Abschluss eines  DEAL-Vertrags mit Elsevier bekannt. Diese Ankündigung führte zu regen Diskussionen, u.a. bei der Satelliten-Konferenz “Wissenschaftsgeleitetes Open-Access-Publizieren” und auf den Open-Access-Tagen in Berlin. Befürchtet wurde, dass zukünftig weniger finanzielle Mittel für die Unterstützung von APC/BPC-freien Modellen zur Verfügung stehen könnten, da die Ressourcen für die DEAL-Verträge verwendet würden. 
…und alternative Ansätze

Wie bereits im Vorjahr war auch in 2023 Diamond bzw. wissenschaftsgeleitetes Open Access Gegenstand vieler Diskussionen, Studien und Positionspapiere. Hinter diesen teilweise unzureichend bestimmten Begriffen (siehe Dellmann et al. 2022) verbirgt sich die Diskussion darüber, wie Open Access strategisch weiterentwickelt werden soll: weg von APC/BPC-basiertem Open Access und hin zu nachhaltigen, fairen und sicheren Publikationsformen und -infrastrukturen in der Wissenschaft. Siehe hierzu die im September 2023 veröffentlichten “Thesen zur Zukunft des wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Publizierens”.

Bedeutende Forschungs- und Förderorganisationen haben sich 2023 zu diesem Thema positioniert: Am 26.01.2023 gab die cOAlition S bekannt, Ende 2024 die Finanzierung von OA-Publikationen in Publikationsorganen mit Transformationsvereinbarungen einzustellen. Es sollen keine Anreize gesetzt werden, eine Überführung von Publikationsangeboten hin zu Open Access hinauszuzögern und hybride Geschäftsmodelle zu fixieren. Im März 2023 gab die DFG bekannt, dass sie den  &quot;Action Plan für Diamond Open Access&quot; unterstützt, im Mai folgte das Positionspapier der TU9-Bibliotheken zu Open-Access-Büchern.

Weichenstellungen und Positionierungen gab es auch auf EU-Ebene: Im Mai 2023 ermutigte der Rat der Europäischen Union, Open Research Europe als Open-Access-Veröffentlichungsdienst zu unterstützen. Die Open-Access-Transformation wird seitens der EU u.a. in den EU-Projekten Diamas (gestartet bereits am 1.9.2022), Palomera und CRAFT-OA (gestartet am 1.Januar 2023) vorangetrieben.

Außerhalb Europas traf sich die OA-Community im Oktober im mexikanischen Toluca zum Global Summit on Diamond Open Access. In der Schlusserklärung der Konferenz sprachen sich die teilnehmenden und unterzeichnenden Organisationen dafür aus, neue und bereits bestehende Zeitschriften, Repositorien und Publikationen für Diamond-OA zu unterstützen, um u.a. einen fairen Zugang zu qualitätsgesicherten wissenschaftlichem Wissen für alle zu gewährleisten. 

Mit Empfehlungen zum verantwortungsvollen wissenschaftlichen Publizieren hat sich Ende Oktober auch die cOAlition S zu Wort gemeldet und gleichzeitig eine Umfrage in der Wissenschaftscommunity gestartet. Die Koalition empfiehlt darin, wissenschaftsgeleitetes Open Access, um ein gerechtes, effizientes, faires und nachhaltiges Publikationssystem zu erhalten bzw. herzustellen. 

Um die Realisierung eines solchen fairen Open Access bemühen sich mittlerweile einige Initiativen und Projekte. Zum Jahresbeginn 2023 starteten z.B. die ersten KOALA-Konsortien in die operative Phase: Vier sozialwissenschaftliche Zeitschriften und zwei Buchreihen aus der Medienwissenschaft werden bis Ende 2025 über Bibliothekskonsortien finanziert. Anfang 2024 folgt das bis Ende 2026 finanzierte KOALA-Bündel Mathematik &amp; Informatik.
Highlights aus open-access.network

Die Projektförderung für open-access.network durch das BMBF wurde bis Ende 2025 verlängert, wodurch 2023 die 2. Förderperiode begann. 

Die Webinar-Reihe oa.talk konnte mit insgesamt 8 Veranstaltungen bereits fortgeführt werden. Mehrere neue Workshop-Reihen für verschiedene Zielgruppen und zu verschiedenen Themen ergänzen das bestehende Angebot: So fand bereits ein Workshop für die Infrastruktur und Forschungsadministration sowie eine Veranstaltung für die Ressortforschung statt. 

Außerdem startete nach der Sommerpause die neue Veranstaltungsreihe &quot;Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten. Diamond Open Access als Alternative&quot;. In der ersten Veranstaltung berichtete Daniela Hahn aus dem Projekt PLATO über Stand und Entwicklung von Diamond (Platinum) Open Access in der Schweiz, Niels Taubert von CODRIA gab einen Überblick über Diamond Open Access-Zeitschriften in Deutschland und Alexander Pöche informierte auf Grundlage der Erfahrungen im KOALA-Projekt über die Herausforderungen der Anbahnung und Verwaltung einer konsortialen Finanzierung.

Im September 2023 fand der erste Workshop der neuen Reihe “Finanzielle Gestaltung der Open-Access-Transformation an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen” statt. Im Rahmen dieser Fortbildungsreihe werden Themen rund um die Einführung des Informationsbudgets behandelt. Hinter dem Begriff Informationsbudget verbirgt sich ein umfassendes Monitoring von Publikationskosten an wissenschaftlichen Bibliotheken, auf dessen Grundlage Budgets für Open Access in Zukunft geplant werden sollen (siehe Mittermaier, 2022). Der Auftaktworkshop am 13.9.2023 bot zunächst einen Überblick über den Stand der Diskussion. Die zweite Veranstaltung unter dem Titel “Erste Schritte zum Informationsbudget. Publikationskosten erfassen und sichtbar machen” ist für den 7. Februar 2024 geplant. 

Dass der Austauschbedarf zum Thema Informationsbudget groß ist, zeigte auch das rege Interesse an der Digitalen Fokusgruppe Informationsbudget. Die Gruppe hat 2023 in fünf Unterarbeitsgruppen die Zusammenarbeit fortgesetzt (siehe Barbers et al. 2023). Ihre Arbeit war für uns im Jahr 2023 ein echtes Highlight, da sie zeigt, wie wichtig und fruchtbar der Austausch in der Open-Access-Community ist. Mehr Informationen zu den Digitalen Fokusgruppen finden sich hier.

Um Austausch und Vernetzung geht es auch bei den jährlich stattfindenden Barcamps und Staff Weeks. Im vergangenen Jahr haben wir uns sehr gefreut, dass sowohl das Open Access Barcamp im März 2023 am KIM der Universität Konstanz als auch die Staff Week im Dezember 2023 an der Bibliothek der Universität Braunschweig wieder in Präsenz stattfinden konnten. Am 14. und 15. Mai2024 wird das nächste Open Access Barcamp an der SUB Göttingen stattfinden, bei dem wir hoffentlich wieder viele Open-Access-Begeisterte begrüßen dürfen.

Ein weiteres Highlight sind unsere beiden neuen Kurzclip-Reihen “Open-Access-Mythencheck” und die Kurzinterviews zum Thema Open Access und Klimaforschung. Weitere informative Videos sind im TIB AV-Portal zu entdecken.

Kurz vor Jahresende konnte dann auch noch der oa.blog starten - ein neues Feature von open-access.network, mit dem wir noch mehr als bisher mit der Community in den Austausch treten wollen. In diesem Sinne: Was waren eure Highlights? Gerne könnt ihr eure Sternstunden des letzten Jahres in den Kommentaren mit uns teilen. 
Literatur

Barbers, I., Bove, K., Grimm, S., Lauer, S., Riesenweber, C., Rösch, H., Schön, M., &amp; Wenninger, A. (2023, September 27). Fokusgruppe &quot;Informationsbudget&quot; - Ziele und Zwischenergebnisse der Zusammenarbeit. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.8413137

Dellmann, S., van Edig, X., Rücknagel, J., &amp; Schmeja, S. (2022). Facetten eines Missverständnisses: Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“. O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal, 9(3), 1–12. https://doi.org/10.5282/o-bib/5849

Mittermaier, B. (2022). Das Informationsbudget: Konzept und Werkstattbericht. O-Bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9(4), 1–17. https://doi.org/10.5282/o-bib/5864

Mittermaier, Bernhard (2023). DEAL: Wo stehen wir nach 10 Jahren? (Teil 2) b.i.t.online, 26(3), 217-225, https://www.b-i-t-online.de/heft/2023-03-fachbeitrag-mittermaier.pdf
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<item><title>Open Access Level-Up</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-level-up#comments</comments><pubDate>Tue, 19 Dec 2023 13:02:00 +0100</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Open Access in der Praxis</category><category>Zeitschriften</category><dc:creator>Carolin Becklas</dc:creator><dc:creator>Dom Ford</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-level-up</guid><description>Ein Gespräch mit Dom Ford über den Betrieb der Diamond-Open-Access-Zeitschriften gamevironments und Eludamos

Beim Herausgeben von und beim Publizieren in Open-Access-Zeitschriften müssen Wissenschaftler*innen einige Herausforderungen meistern. Dom Ford, Postdoc an der Universität Bremen, ist maßgeblich an zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften beteiligt: Er ist Chefredakteur von gamevironments und wirkt außerdem im Herausgebergremium von Eludamos: Journal for Computer Game Culture mit. In diesem Gespräch laden wir ihn ein, seine Erfahrungen mit uns zu teilen, bitten ihn um Rat und erkunden die entscheidende Rolle der Bibliotheken bei der Unterstützung des Diamond-Open-Access-Publizierens.
Dom Ford, Foto: IT der Universität Kopenhagen
Podcast des Interviews
Hier könnt ihr euch das Gespräch zwischen Carolin Becklas und Dom Ford anhören. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Carolin Becklas [CB]: Dom, könntest du dich und dein Forschungsgebiet bitte vorstellen – und natürlich auch deine Zeitschrift?

Dom Ford [DF]: Mein Name ist Dom und ich bin Postdoc an der Universität Bremen. Ich forsche zu Community-Bildung im Gaming-Bereich. Dabei untersuche ich, wie Communities in und um digitale Spiele gebildet, ausgehandelt und aufrechterhalten werden. Neuerdings befasse ich mich auch ein bisschen mit dem Prozess der Realitätsbildung im Allgemeinen. Ich wirke in der Redaktion von zwei Diamond-Open-Access-Zeitschriften mit – vor allem gamevironments, die hier an der Universität Bremen angesiedelt ist. Die Chefredakteurinnen sind Kerstin Radde-Antweiler von der Universität Bremen und Xenia Zeiler von der Universität Helsinki. Die Zeitschrift widmet sich schwerpunktmäßig der Wertebildung im Gaming-Bereich sowie der Verortung von Spielen innerhalb des weiteren soziokulturellen Medienumfelds, denn Spiele sind sozusagen unentwirrbar mit einem solchen weiteren Umfeld verbunden. Die andere Zeitschrift, bei der ich mitwirke, heißt Eludamos. Ihr Fokus ist noch weiter gefasst und gilt Spielen und Kultur im Allgemeinen. Sie wird geleitet von Holger Pötzsch von der UiT, Norwegens Arktischer Universität, und Kristine Jørgensen von der Universität Bergen. Da ich Redaktionsleiter von gamevironments bin, bin ich sozusagen viel stärker in den Betrieb jener Zeitschrift eingebunden.

CB: Erzähl uns etwas über deinen Hintergrund und was dich zu deiner derzeitigen Rolle im wissenschaftlichen Publizieren geführt hat.

DF: Wie du wahrscheinlich hören kannst, bin ich englischer Muttersprachler. Und, weißt du, ich habe mich immer für die englische Sprache interessiert. Ich habe einen Master in englischer Literatur. Und ich habe viel Korrektorat und Lektorat gemacht, viele Texte erstellt – das ganze redaktionelle Zeug halt. Und es war irgendwie natürlich, dass ich in dieser Rolle gelandet bin. Da ich in der Wissenschaft tätig war, habe ich Projekte gesucht, in denen ich mich engagieren wollte. Und oft stellte ich einfach fest, dass es Zeitschriften waren. Zuerst habe ich 2020 bei Eludamos angefangen. Eine Art Pandemieprojekt, um die Zeitschrift nach einer Unterbrechung wieder zum Laufen zu bringen. Es war wirklich interessant, einen Blick hinter die Kulissen des Ganzen werfen zu können. Man bekommt die Einreichung eines Artikels mit; man arbeitet damit während des ganzen Prozesses, bis es veröffentlicht wird; und dann fangen die Leute an, es zu zitieren und zu nutzen. Das ist ein sehr befriedigender Prozess. Als ich mich nach meiner Promotion für Stellen beworben habe, habe ich mich für diese Postdoc-Stelle hier in Bremen interessiert, weil zur Rolle gehörte, Redaktionsleiter von gamevironments zu werden, und ich würde die Möglichkeit haben, diese Arbeit neben meiner Forschung fortzusetzen. Ich würde nicht sagen, dass ich da reingestolpert bin – es war bestimmt Absicht im Spiel. Es ist einfach eine der Möglichkeiten, in der Wissenschaft einen Beitrag zu leisten mit den ganzen freiwilligen zusätzlichen Diensten, die wir alle als Teil der Wissenschaft leisten müssen. Weißt du, man findet Aufgaben, die man richtig gerne macht und die einem ein Ziel geben. Und dies ist die Art von Rolle, zu der ich mich letztendlich hingezogen fühlte.

    Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot;
    - Dom Ford

CB: Die “freiwilligen zusätzlichen Dienste&quot; führen mich zu meiner nächsten Frage: Viele Zeitschriften setzen auf Abogebühren oder Publikationsgebühren, um ihre Kosten zu decken. Aber ihr zieht es vor, gamevironments als Open-Access-Zeitschrift zu betreiben – sogar als Diamond-Open-Access-Zeitschrift, bei der weder für Publizierende noch für Leser*innen Gebühren anfallen. Warum war das für euch wichtig, und wie wirkt sich das auf Autor*innen, Leser*innen und natürlich auch auf die Nachhaltigkeit der Zeitschrift aus?

DF: Es hat sicherlich Vor- und Nachteile. Mir ist sehr wichtig, den möglichst freien Fluss von Wissen und wissenschaftlichem Diskurs zu ermöglichen. Unsere Autor*innen müssen nie innehalten und sich fragen: &quot;Wo bekomme ich die Mittel her, um dies zu veröffentlichen?&quot; oder &quot;Wie kann ich mir die Publikationsgebühr leisten?&quot; oder “Werden die Menschen meine Arbeit lesen können?” Oder sogar andere, ethische Fragen wie &quot;Wer profitiert von meiner Arbeit?” und “Will ich, dass sie von meiner Arbeit profitieren?&quot; Und deshalb ermöglicht Diamond Open Access auf verlegerischer Seite, dass die wissenschaftliche Arbeit einfach im Mittelpunkt steht, was idealistisch gesprochen ein wirklich sympathischer Grundsatz ist. Autor*innen müssen nicht zusätzliche Hürden überwinden, und Leser*innen müssen weder beten, dass ihre Bibliothek institutionellen Zugang zur Zeitschrift hat, oder dass sie selbst nicht das Risiko eingehen müssen, die Artikel auf illegalem Weg zu beschaffen. Denn, seien wir mal ehrlich, niemand bezahlt für einen Zeitschriftenartikel aus eigener Tasche. Diamond Open Access bedeutet, dass die Menschen auf beiden Seiten diese Hürden einfach nicht überwinden müssen, um wissenschaftliches Wissen zu produzieren bzw. um Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu erhalten.

Wir müssen uns auch keine Gedanken machen über Gewinnmodelle und solche Sachen. Wir sind nicht gewinnorientiert. Uns ist es nur wichtig, dass wir unsere Betriebskosten decken. Und dann können wir uns einfach auf die eigentliche redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Der Nachteil ist, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen aus Publikationsgebühren Diamond-Open-Access-Zeitschriften fast immer ehrenamtlich betrieben werden. Gelegentlich können wir Mittel finden, um Lektorate und solche Dinge zu bezahlen. Aber im Grunde wird die Zeitschrift ehrenamtlich betrieben. Das hat einige Vorteile, aber es kann zu Problemen im Hinblick auf die Arbeitsbelastung führen. Alle machen die Arbeit neben ihren meist akademischen Tätigkeiten wie Lehre und Forschung. Und dann muss man zusätzlich diese ganze Arbeit an der Zeitschrift machen, was bedeutet, dass man der Arbeit an der Zeitschrift manchmal nicht Vorrang geben kann oder dass es zu Verzögerungen kommt. Man muss also die Arbeit an der Zeitschrift beiseiteschieben, weil man nicht dafür bezahlt wird. Wenn du für einen der großen Verlage oder dergleichen arbeitest, dann ist es dein Job und somit deine primäre Aufgabe. Das bedeutet also, dass Diamond Open Access ein bisschen langsamer ist und anfälliger für Sachen, die die Publikation vom Kurs abbringt. Es kann etwas dazwischenkommen. Von den Redakteur*innen bis hin zu den Reviewer*innen: Niemand wird bezahlt und daher wird die Arbeit manchmal prioritätsmäßig herabgestuft.

CB: Du hast die Bibliotheken bereits erwähnt. Ich habe mich gefragt, wie die Bibliothekar*innen und die Bibliotheken diese Publikationsinitiativen unterstützen können.

DF: Wir haben ziemliches Glück, dass die beiden Zeitschriften von den Bibliotheken unterstützt und finanziert werden. Universitätsbibliotheken verfügen oft über irgendeine Art von Publikationsplattform und man kann einen Antrag stellen, um auf der Plattform eine Zeitschrift veröffentlichen zu können. Wenn die Bibliothek die Idee unterstützt, dann sind alle deinen Betriebskosten gedeckt und die Bibliothek leistet technische Unterstützung, wie zum Beispiel die Bereitstellung eines Content Management Systems. Die Bibliotheken sind für diese Art von Publikationsmodell unerlässlich. Wir haben also großes Glück, dass wir diese Institutionen haben, die die Mittel erhalten, um diese Publikationen zu unterstützen.

CB: Diamond-Open-Access-Zeitschriften gelten oft als ein eher Community-getriebener und dezentraler Ansatz des wissenschaftlichen Publizierens. Inwieweit wirkt sich dies auf die Community der Autor*innen, Reviewer*innen, Leser*innen sowie Förderer*innen deiner Zeitschrift aus?

DF: Es handelt sich in erster Linie um eine ehrenamtlich getriebene Organisation – eher um ein Community-Ding als ein geschäftliches Unterfangen. Die Herausgeber*innen gründen eine Zeitschrift und arbeiten daran, weil sie der Auffassung sind, dass es eine wichtige Arbeit ist. Die Reviewer*innen erstellen Gutachten für uns, weil sie diese Arbeit unterstützen wollen. Die Autor*innen publizieren bei uns, weil es nichts kostet, und vielleicht auch weil sie die Arbeit der Zeitschrift unterstützen. Und die Leser*innen lesen die Artikel, weil diese umsonst sind. Ich denke auch, dass Wissenschaftler*innen sich zunehmend gegen das Profitstreben der riesigen wissenschaftlichen Verlage wehren. Man hört immer mehr von Reviewer*innen, die sich weigern, Manuskripte für profit-orientierte Verlage zu begutachten, oder die sagen: &quot;Okay, wenn ihr Gewinn erzielt, dann müsst ihr mich für mein Gutachten bezahlen.&quot; Es ist manchmal schwierig, Reviewer*innen zu finden, weil, wie gesagt, die Arbeit ehrenamtlich ist und alle überarbeitet sind und haben einen Haufen Sachen zu tun. Im Allgemeinen sind Reviewer*innen eher bereit, Manuskripte für Open-Access-Zeitschriften zu begutachten.

Hilfreich ist, dass die Förderorganisationen oft verlangen, dass die Menschen Open Access publizieren. Solange wir unsere Betriebskosten decken können, geht es ausschließlich um den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Community. Gamevironments gibt jedes Jahr eine Sonderausgabe heraus. So können wir uns mit Fragen beschäftigen wie: “Mit wem wollen wir zusammenarbeiten bei dieser Sonderausgabe?&quot; und &quot;Welche Themen wollen wir aufgreifen?&quot; Wir müssen nicht an Aspekte denken wie: &quot;Passt dies zu unserem Geschäftsmodell? &quot;Ist es finanziell nachhaltig?&quot; Und so weiter. Mit Eludamos können wir Sachen machen wie Doktorandenseminare, die wir in letzter Zeit relativ oft auf verschiedenen Tagungen organisiert haben. Wir werden diese Initiative fortführen, weil sie bedeutet, dass wir uns als Zeitschrift stärker in der Community engagieren können. Sie verstärkt einfach die Verankerung der Zeitschrift in der Community, sowohl im Hinblick auf unsere Grundsätze als auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie zum Beispiel der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Reviews.
Carolin Becklas, Foto: Carolin Becklas

CB: Ich würde gerne eine Frage zu einem anderen Thema stellen: In den vergangenen Jahren ist KI – und vor allem natürlich ChatGPT – zu einem heißen Thema sowohl in der Wissenschaft als auch in nichtwissenschaftlichen Bereichen geworden. Wie hat KI deine Arbeit und die Art und Weise, wie du gamevironments leitest, verwandelt oder beeinflusst?

DF: Das ist noch nicht passiert. Ich bin mir sicher, dass es passieren wird, aber die Technik ist noch nicht gut genug, dass beispielsweise jemand ChatGPT einfach bittet, mal einen Artikel für gamevironments zu erstellen, und wir würden es nicht merken können. Ich glaube nicht, dass die Technik bereits so weit ist. Aber das wird sie wahrscheinlich irgendwann sein. Daher ist es etwas, das wir sicherlich im Auge behalten werden. Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass KI generell bereits jetzt im Prozess des wissenschaftlichen Publizierens und Schreibens eine Rolle spielt. Denn Textverarbeitungsfunktionen wie Autokorrektur, Grammatikprüfung und Wortvorschläge in Microsoft Word und solche Sachen sind alle maschinelle Lernverfahren der KI, die den Prozess des wissenschaftlichen Publizierens unterstützen. Aber wir werden uns künftig Gedanken machen über unser Verhältnis zu KI: Was sind die ethischen Konsequenzen? Wir bekennen uns zu diesen Ethikleitlinien von COPE für wissenschaftliche Publikationen. Bietet COPE irgendeine Anleitung darüber, wie wir dazu stehen sollen, und wie wir mit diesen potenziellen Fällen umgehen sollen? Ich würde also sagen, dass KI noch nichts verwandelt hat.

    Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist.
    - Dom Ford

CB: Meine letzte Frage: Welchen Rat würdest du Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen geben, die an der Gründung einer Zeitschrift oder an der Mitwirkung an einer bestehenden Zeitschrift interessiert sind?

DF: Ich denke, dass Open Access eine enorm wichtige Sache ist. Wie ich vorhin sagte, gibt es manchmal Anforderungen seitens der Förderorganisationen, dass Geförderte Open Access publizieren. Aber auch wenn es solche Anforderungen nicht gibt, lautet ein Rat, den ich am Anfang meiner Karriere bekommen habe: Publiziere immer Open Access, auch wenn es weniger prestigereich ist. Denn keiner liest etwas, das nicht Open Access ist – vor allem an kleineren Hochschulen, die keinen Zugang zu allen großen Verlagen haben. Weißt du, wenn man einen Artikel nachschlägt, der nützlich zu sein scheint, aber er steht hinter einer Bezahlschranke, gibt es eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass man die Registerkarte schließen und den Artikel vergessen wird, weil es da draußen so viel Forschung gibt. Jede zusätzliche Barriere bedeutet, dass man eine Menge potenzieller Leser*innen verlieren wird. Und natürlich hat man auch seine Prinzipien. Ich für meinen Teil möchte kein Geld an Elsevier und den [anderen] großen Verlagen geben, wenn ich es vermeiden kann. Man muss natürlich vorsichtig sein, denn manche Länder verwenden beispielsweise Punktesysteme für ihre Publikationen. Diese punktebasierten Systeme sind willkürlich, nicht wahr? Die bauen oft auf Prestige sowie darauf, wie &quot;gut&quot; die Zeitschriften sind, oder ob sie von Scopus und Web of Science erfasst werden. Große Verlage können es sich locker leisten, diese Prozesse zu durchlaufen. Aber wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt, dauert es länger, von solchen Datenbanken erfasst zu werden. In solchen punktebasierten Systemen werden wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschriften daher möglicherweise niedriger eingestuft als andere. Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, warum diese Prinzipien von praktischen Erwägungen in einer wissenschaftlichen Karriere verdrängt werden können. Ich denke jedoch, dass es prinzipiell einfach viel angenehmer ist, wenn die eigenen Arbeiten Open Access sind. Ich würde daher ausdrücklich empfehlen, Beiträge, wenn möglich, in Open-Access-Zeitschriften zu veröffentlichen. Das ist für mich eine persönliche Priorität. Ich versuche, nur Open Access zu publizieren.

Ich komme jetzt zu der Frage der Zeitschriftengründung. Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach geht. Solange man seine Betriebskosten deckt, muss man sich über Vieles keine Gedanken machen. Wenn die Bibliothek der eigenen Institution Publikationsdienstleistungen anbietet, kann man eine Zeitschrift relativ schnell in Betrieb nehmen. Und ein ganzes Content Management System ist bereits vorhanden. Die Menschen unterschätzen, wie mühsam es ist, alle diese unterschiedlichen Systeme wie Scopus zu durchforsten, und dann noch sicherzustellen, dass man die ganzen ethischen Leitlinien kennt. Wenn man eine Zeitschrift gründet, nimmt man eine verantwortungsvolle Position innerhalb der wissenschaftlichen Community ein: Man ist dafür verantwortlich, die Arbeiten von Menschen zu veröffentlichen. Man ist dafür verantwortlich, zu verhindern, dass plagiierte Werke veröffentlicht werden, die schädlich sind; Werke, die Fehlinformationen enthalten; Werke, wo die Daten in unethischer Weise erhoben wurden; und alle diese unterschiedlichen Erwägungen. Es gibt dabei viele verschiedene Prozesse, mit denen man sich befassen muss. Ich denke, dass es sich wirklich lohnt, bevor man seine eigene Zeitschrift gründet, sich bei anderen Zeitschriften zu engagieren. Werde Mitglied der Redaktion einer anderen Zeitschrift. In der Regel sind sie froh, wenn sie Menschen haben, die aushelfen. Meist gelangt man in solche Positionen, wenn man Manuskripte begutachtet und das gut macht. Wenn man daran denkt, eine Zeitschrift zu gründen, muss man entweder selbst eine unbefristete Stelle haben oder man muss die Unterstützung von jemandem erlangen, der eine unbefristete Stelle hat, um Kontinuität und Nachhaltigkeit sicherzustellen. Abgesehen davon, würde ich sagen, dass Beiträge in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren ein richtig guter Weg ist, um solche Vorhaben zu unterstützen und zum wissenschaftlichen Diskurs sowie zur Wissensproduktion beizutragen. Es ist auch ein wirklich guter Weg, sich zu vernetzen. Mit Chefredakteur*innen zusammenzuarbeiten, die möglicherweise große Namen in deinem Fachgebiet sind, kann an sich wertvoll sein, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es kann ein wirklicher guter Weg sein, sich stärker in der eigenen wissenschaftlichen Community zu integrieren.

CB: Dom, vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns geteilt hast heute. Ich habe viel gelernt.

DF: Danke für die Einladung. Es hat echt Spaß gemacht.

CB: Irgendein letztes Wort?

DF: Publiziert Open Access! Wissen muss frei sein.
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