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        <title>Archiv-RSS-Feed</title>
        <description>Beiträge nach Datum: 2026 / 6</description>
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<item><title>Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?</title><link>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</link><comments>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen#comments</comments><pubDate>Tue, 23 Jun 2026 10:12:56 +0200</pubDate><category>Beratung</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Lorenz Weinberg</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/zwischen-karrieredruck-und-politischem-anspruch-wie-gestalten-wir-gerechte-publikationsstrukturen</guid><description>Am 5. Mai 2026 bot das BMFTR-geförderte Projekt open-access.network im Rahmen des Promovierendenforums der Heinrich-Böll-Stiftung einen Grundlagenworkshop zu Open Access an, der auf großes Interesse stieß. 

Mit dem Workshop kooperierte das Projekt open-access.network zum ersten Mal mit einem Begabtenförderwerk einer politischen Stiftung, um Nachwuchswissenschaftler*innen für die Themen Open Access und Offene Wissenschaft zu sensibilisieren. Auf dem jährlich stattfindenden Promovierendenforum stellen die Promotionsstipendiat*innen der Stiftung ihre Forschungsprojekte vor und tauschen sich zu wissenschaftspolitischen Themen aus. Die dreitägige Veranstaltung in den Berliner Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung stand in diesem Jahr unter dem Motto &quot;Wissenschaftler*innen zwischen Neutralität und Aktivismus - Darf oder muss Wissenschaft politisch sein?&quot;. Der Workshop mit dem Titel „Zwischen Karrieredruck und politischem Anspruch: Wie gestalten wir gerechte Publikationsstrukturen?“ widmete sich den strukturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten von Open Access, wissenschaftlichem Publizieren sowie Forschungsbewertungspraktiken und spiegelt das Spannungsfeld wider, in dem sich viele Promovierende bewegen.

Bereits im Vorfeld zeigte sich, dass der Ansatz, die gesellschaftspolitische Dimension von Open Access in den Mittelpunkt zu stellen, auf fruchtbaren Boden fiel: Deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmenden des Forums entschied sich für das Angebot von open-access.network gegenüber anderen parallel stattfindenden Sessions. Als Workshopleiter habe ich mich sehr über das große Interesse gefreut. Wissenschaftler*innen gehören generell zu jenen Zielgruppen, die von der OA-Community oft schwerer zu erreichen sind. Das große Interesse und die aktive Teilnahme der Promovierenden könnten als Anregung gewertet werden, öfter auch die politische Wirkkraft von Open Access und Debatten rund um Reputation und dem wissenschaftlichen Publikationswesen stärker in die Einführungsworkshops zu Open Access miteinzubeziehen.

Eine interdisziplinäre Gruppe mit politischem Bewusstsein

Abbildung 1 Wortwolke zur Frage &quot;Was verbindest du mit den Begriffen &#039;Open Access&#039; und/oder &#039;Offene Wissenschaft&#039;? Erstellt mit edkimo.
Die 27 Teilnehmenden des Workshops kamen aus verschiedenen Fachdisziplinen und waren aus unterschiedlichen Städten des deutschsprachigen Raums angereist. 

Der Wissenstand zu Open Access innerhalb der Gruppe war recht heterogen. Ein kurzes Stimmungsbild per Handzeichen verdeutlichte, dass ein Großteil der Gruppe bereits Berührungspunkte mit Open Access hatte. Doch es gab auch einige, für die das Thema neu war. Allerdings zeigte bereits die erste interaktive Übung, dass die Teilnehmenden hochmotiviert und politisch sensibilisiert waren und ihre engagierten Perspektiven auch auf die Thematik Open Access übertrugen. Mittels einer Umfrage zu der Frage „Was verbindest du mit den Begriffen ‚Open Access/Offene Wissenschaft‘?“ wurden Themen wie „Bildungsgerechtigkeit“, „Wissensgerechtigkeit“, „Fairness“, „Zugänglichkeit“ oder „ausbeuterische Wissenschaftsverlage“ genannt, noch bevor sie im Workshop vertieft wurden.


Teil 1: Grundlagen zu Open Access und die gesellschaftspolitische Dimension
Da nicht alle Teilnehmenden mit Open Access vertraut waren, begann der Workshop mit einem kompakten Input zu den Grundlagen. Im Anschluss folgte die erste Kleingruppenphase, in der die Teilnehmenden fiktive Szenarien zur Relevanz von Open Access entlang verschiedener Personas diskutierten. Hier kam das Material &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; zum Einsatz. In den Diskussionen entwickelten die Teilnehmenden Anwendungsbeispiele und sprachen über eigene Erfahrungen. 

Die 15-minütige Kleingruppendiskussion hätte problemlos doppelt so lange dauern können, so intensiv waren die Gespräche. In der anschließenden Plenumsrunde brachten die Teilnehmenden die Kapitalinteressen der Großverlage als zentrales Hindernis für Open Access zur Sprache. Einer der ersten Wortbeiträge kam von einer Person, die sich bisher noch nicht mit Open Access beschäftigt hatte und fragte, warum sich Open Access noch nicht als Regelfall durchgesetzt habe, wenn die Vorteile doch so offensichtlich seien. Direkt darauf verwiesen andere auf die Macht der Großverlage. Die gesellschaftliche Relevanz von Open Access wurde in der Gruppe als offensichtlich angesehen. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass Open Access noch breiter gedacht werden müsse. So wäre es wünschenswert, Forschungsergebnisse und Fachtexte so zu verfassen, dass sie für mehr Menschen verständlich und damit zugänglich sind. Als Beispiel wurde die Praxis aus der Psychologie genannt, bei der den Studien eine Lay Summary vorangestellt wird, in der Ergebnisse in einem kurzen Text ohne Fachjargon präsentiert werden. 

Ein weiteres zentrales Thema war die Monopolstellung der großen Verlage, die als Problem identifiziert und als weiterer Grund für die Notwendigkeit insbesondere von Diamond Open Access angeführt wurde. Zudem wurde über Möglichkeiten gesprochen, an Literatur zu kommen, ohne an einer Universität eingeschrieben zu sein. Hier wurde deutlich, wie sehr sich Menschen ohne institutionelle Zugänge abgeschnitten und benachteiligt fühlen. In diesem Zusammenhang sprach eine Teilnehmerin über die Zeit des Jura-Referendariats, in der sie nach dem Studium ohne Uni-Mitgliedschaft kaum noch Zugang zu Fachliteratur hatte. Auch die globale Ungleichheit durch unterschiedlichen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen wurde von den Teilnehmenden angesprochen. Als Vorteil von Open Access wurde zudem die Mehrsprachigkeit genannt, da Open Access den Zugang zu wissenschaftlichen Fachpublikationen in verschiedenen Sprachen ermöglicht. Die weltweit freie und vor allem digitale Zugänglichkeit macht diese Texte leichter erreichbar.

Insgesamt zeigte sich, dass die gesellschaftspolitische Relevanz von Open Access im Speziellen und offener Wissenschaft im Allgemeinen in der Gruppe sehr klar erkannt wurde. Neben den in den Personas skizzierten Szenarien brachten die Teilnehmenden viele weitere Felder ein und arbeiteten die gesellschaftspolitische Bedeutung von freiem Zugang zu wissenschaftlicher Literatur heraus. Da sich die Gruppe in dieser Einschätzung einig war, konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der sich in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.

konnte der Workshop etwas früher zum zweiten Teil übergehen, der in der Vorstellungsrunde noch einmal explizit gewünscht wurde.


Teil 2: Karrieredruck, Publikationsentscheidungen und Forschungsbewertung – aus dem Alltag als Promovierende*r
Im zweiten Teil ging es nun explizit um eigene Publikationsentscheidungen und damit verbundene politische Implikationen und karrieretechnische Auswirkungen. Als Workshop-Leiter stellte ich folgende These in den Raum, die die Teilnehmenden in Kleingruppen erneut engagiert diskutierten: 

„Aufgrund von Karrieredruck, dem Druck, möglichst viel publizieren zu müssen oder in möglichst renommierten Zeitschriften zu publizieren, habe ich keine Zeit, mir über übergeordnete Fragestellungen zu Wissenschaftspolitik und Publikationskultur Gedanken zu machen.“

In der anschließenden Diskussion in der großen Runde wurde deutlich, dass insbesondere kumulativ promovierende Nachwuchswissenschaftler*innen einem deutlichen Karrieredruck unterliegen. Ein Teilnehmer führte in Bezug auf die Eingangsthese aus, dass er eigentlich genug Zeit habe, um sich über das Publizieren Gedanken zu machen und gerne alles im Open Access veröffentlichen würde. Gleichzeitig sei er nur ein „kleines Rädchen“, das allein sowieso nichts verändern könne. In diesem Zusammenhang wurden auch der Impact-Faktor und die Rankings von Journals generell angesprochen. Einige Teilnehmende wiesen darauf hin, dass sie in ganz bestimmten Zeitschriften mit hohem Renommee veröffentlichen müssten, um promoviert zu werden oder um später einen guten Job zu bekommen. Die starren Strukturen des Wissenschaftsbetriebs wurden als einengend beschrieben und der angesprochene Karrieredruck von mehreren Personen bestätigt. Die Teilnehmenden beschrieben die Promotionszeit als sehr herausfordernd und anspruchsvoll. 

„Man ist eh schon hart überfordert mit allem beim Promovieren und es braucht viel Kraft und Zeit, um sich Wissen, einen kritischen Blick auf Strukturen und eine Haltung zum Publizieren anzueignen.“
- Einschätzung einer Teilnehmerin -

Es entwickelte sich eine Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Individualkritik und Systemkritik. Nicht alle Teilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass man als Einzelperson nichts machen könne. Dennoch kristallisierte sich bald die Position heraus, dass politische Lobbyarbeit für Open Access wichtig ist. Hier wurde auf die Unterstützung von unabhängigen, kleinen, möglicherweise genossenschaftlich organisierten OA-Verlagen verwiesen und schlussendlich über Universitäten als die besten Anker für solche Verlage gesprochen. 


Fazit: Ein Workshop mit Nachhall
Der Workshop zeigte, dass Open Access die Kernfragen wissenschaftlicher Praxis berührt und eine klare politische Dimension und gesellschaftliche Relevanz mit sich bringt. Dass diese Debatte gerade mit politisch engagierten Nachwuchswissenschaftler*innen geführt wurde, ist ein wichtiger Schritt, um Open Access-Themen aus der „Bubble“ der Bibliotheks- und Infrastruktur-Community herauszuholen. Die Heinrich-Böll-Stiftung bekundete bereits ihr Interesse, die Zusammenarbeit ausbauen zu wollen.

Als Learnings aus dem Workshop lassen sich drei zentrale Erkenntnisse formulieren:

Politisches Bewusstsein ist bei den Nachwuchswissenschaftler*innen vorhanden: Die Teilnehmenden brachten eigene Perspektiven ein und zeigten, dass Open Access für sie kein abstraktes Konzept, sondern eine konkrete Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe und Zugänglichkeit von Wissen ist.
Karrieredruck vs. Idealismus: Die Spannung zwischen individuellen Zwängen und kollektivem Wandel wurde deutlich. Die Gruppe sah hier Handlungsspielräume durch gemeinsame Forderungen oder die Unterstützung alternativer Publikationsmodelle.
Raus aus der OA-Bubble: open-access.network hat mit diesem Workshop erstmals ein Angebot zum Thema Open Access für Promotionsstipendiat*innen einer politischen Stiftung geschaffen. Dass es so gut angenommen wurde, unterstreicht die Notwendigkeit, OA-Debatten in politische Kontexte zu tragen.

Literatur und weiterführende Links:
Materialien der TIB Hannover zu OA-Workshops: Schicketanz, K. (2026, February 16). &quot;Und Du? Warum ist Open Access für Dich wichtig?&quot; - Material für einen Präsenz-Workshop zum Thema Open Access. Technische Informationsbibliothek Hannover. https://doi.org/10.5281/zenodo.18655342 

Heinrich-Böll-Stiftung – Begabtenförderungswerk, Promotionsförderung: https://www.boell.de/de/promotionsfoerderung </description><enclosure
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<item><title>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies</title><link>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</link><comments>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies#comments</comments><pubDate>Tue, 02 Jun 2026 11:00:00 +0200</pubDate><category>Diamond Open Access</category><category>Konferenz</category><category>Open Access in der Praxis</category><dc:creator>Sebastian Flaig</dc:creator><guid>https://open-access.network/blog/open-access-barcamp-2026-eindruecke-eines-oa-newbies</guid><description>Open Access Barcamp 2026 – Eindrücke eines OA-Newbies

Am 29. und 30. April 2026 fand das Open Access Barcamp am Bibliotheks- und Informationssystem (BIS) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Sebastian Flaig berichtet aus der Perspektive eines OA-Newbies.

Mini-Konferenz in Norddeutschland
„Für das Catering könnten wir Grünkohltee anbieten.“ Spätestens bei diesem Satz während eines der ersten Vorbereitungstreffen wurde klar: Mit Oldenburg haben wir das Open Access Barcamp ins tiefste Norddeutschland gelegt. In die Kohltourhauptstadt. Zum Glück – oder vielleicht auch leider – blieb es am Ende bei Kaffee und gewöhnlichem Grüntee (ohne -kohl-). Und auch sonst ging es schließlich mehr um die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens als um das grüne Superfood.
Für mich persönlich war das Barcamp in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Nach gerade einmal zwei Monaten Berufserfahrung im Open-Access-Bereich nahm ich nicht nur erstmals an einem OA-Event in Präsenz teil, sondern erlebte auch mein erstes Barcamp überhaupt – zugleich als Teilnehmer und als organisatorische Unterstützung meiner Kollegin Karin Stork, die gemeinsam mit dem sympathischen Team des BIS die Vorbereitung und Durchführung verantwortete. Zwar war ich bereits im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft an der Organisation der Open-Access-Tage in Konstanz beteiligt, doch damals war ich eher damit beschäftigt, Namensschilder auszugeben und die Wege zu den Räumlichkeiten auszuschildern, als mich inhaltlich an aktuellen OA-Debatten zu beteiligen.
Im Vergleich zur „klassischen“ Konferenz mit minutiös geplantem Programm wirkte das Barcamp-Format auf mich zunächst ungewohnt. Eine feste Agenda gibt es hier nicht: Alle Teilnehmenden können eigene Themen einbringen, die sie aktuell beschäftigen. Nach kurzen Vorstellungen der Vorschläge wird gemeinsam abgestimmt, welche Sessions ins Programm aufgenommen werden. Im Vorfeld war ich noch skeptisch, ob dieses Konzept tatsächlich funktionieren würde und ob genügend Themen zusammenkämen. Diese Sorge erwies sich allerdings schnell als unbegründet. Die OA-Community brachte so viele Ideen ein, dass Karin und ich während der Sessionplanung in der Mittagspause alle Hände voll zu tun hatten. Am Ende mussten einige Vorschläge sogar zusammengelegt werden, damit möglichst viele Themen ihren Platz im Programm fanden.

Wertvolle Praxiseinblicke
Erstmals stand das Barcamp unter einem thematischen Schwerpunkt: Diamond Open Access. Dennoch waren auch andere OA-Themen willkommen. So umfasste das Programm unter anderem einen Workshop zu Kommunikationsstrategien sowie eine Diskussionsrunde zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht in Baden-Württemberg, das erst am Vortag bekanntgeworden war.
Von den DOA-Themen waren für mich insbesondere die praxisorientierten Sessions spannend. Vorgestellt wurden unter anderem die Diamond-Zeitschrift „Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung“ sowie die Open-Access-Angebote des FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, zu denen beispielsweise die Publikationsplattform OpenJournals@Fachportal-Pädagogik gehört. Gerade diese Einblicke halfen mir dabei, Konzepte und Modelle, die mir in meiner täglichen Arbeit häufig eher theoretisch begegnen (etwa Flipping oder konsortiale Finanzierung), einmal in ihrer konkreten Umsetzung kennenzulernen.
Die kleine Gruppengröße machte es zudem leicht, viele – insbesondere die vermeintlich „dummen“ – Fragen zu stellen. Schnell habe ich verstanden, dass genau hierin die Stärke des Formats steckt: Der offene Austausch steht im Mittelpunkt, unabhängig von Vorerfahrung oder Wissensstand. Eine weitere Session, in der dieser Leitgedanke im Mittelpunkt stand, nämlich die Vorstellung von SeDOA inklusive Fragerunde, konnte ich leider nicht besuchen. Den vielen Klebepunkten bei der Abstimmung nach zu urteilen, stieß sie jedoch auf großes Interesse.

Eigene Sessions: Karlsruhe und Lampenfieber
Dass ich die SeDOA-Fragerunde und viele andere spannende Sessions (darunter eine zu Qualitätssicherung vor dem Hintergrund von KI) verpasste, hatte allerdings einen guten Grund: Neben den beiden praxisnahen Sessions hatte ich selbst zwei Programmpunkte vorbereitet. Damit waren alle vier Session-Slots bereits vollständig verplant und ich lernte schnell eine wichtige Barcamp-Erkenntnis: Auf solchen Veranstaltungen hat man immer mehr Interessen als Zeit…
Eine meiner Sessions widmete sich dem bereits erwähnten brandaktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zweitveröffentlichungspflicht. Die Idee dazu entstand spontan auf der Zugfahrt nach Oldenburg, nachdem die Pressemitteilung veröffentlicht worden war. Entsprechend kurzfristig fiel die Vorbereitung aus und ebenso offen blieb die Diskussion. Dennoch war es spannend, gemeinsam zu überlegen, welche Folgen das Urteil für die OA-Community haben könnte und ob sich daraus langfristig Impulse für eine bundesweite Regelung ergeben könnten. Schließlich stellten die obersten Verfassungshüter in Karlsruhe fest, dass Baden-Württemberg mit seiner bisherigen Regelung unzulässigerweise in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes eingegriffen hat.
Meine zweite Session beschäftigte sich mit einer weiteren hochaktuellen Entwicklung: der europäischen Publikationsplattform Open Research Europe (ORE). Ab Herbst 2026 soll ORE für Forschende aus elf europäischen Ländern geöffnet werden. Damit erweitert sich der Kreis der Publikationsberechtigten deutlich: Künftig können nicht mehr nur Forschende aus EU-geförderten Projekten veröffentlichen, sondern alle Wissenschaftler*innen aus Ländern, die die Plattform finanziell und organisatorisch tragen – darunter auch Deutschland.
Da es bislang nur wenige Informationen zu dieser Neuerung gab, war das Interesse an der Session entsprechend groß. Nach einem kurzen Inputvortrag diskutierten wir unter anderem die Frage, ob ORE als Diamond-OA-Angebot verstanden werden kann. Konkret ging es darum, ob die Finanzierung und organisatorische Trägerschaft durch Wissenschafts(förder)organisationen wie die DFG oder den FWF bereits dem Kriterium „scholar-led“ genügt. Ebenso wurde diskutiert, ob ORE mit seinem offenen Peer-Review-Verfahren überhaupt eine attraktive Alternative zu etablierten Publikationsorten darstellen könnte, die bislang vor allem durch Renommee, Impact Factor und Sichtbarkeit in der Fachcommunity überzeugen.
Die angenehme Atmosphäre, in der sich diese Diskussionen entwickelten, hat sich mir dabei sehr positiv eingeprägt. Trotz eines gewissen Lampenfiebers und meiner vergleichsweise kurzen Erfahrung im OA-Bereich hatte ich nicht das Gefühl, „nicht genug“ zu wissen. Genau das macht den besonderen Charakter eines Barcamps aus: Man muss keine Expertin oder kein Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung sein, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können. Unterschiedliche Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht, auch die solcher Grünschnäbel wie mir.

Networking, Bibliotheksführung und Pizzasuppe
Dieser offene Charakter zeigte sich nicht nur in den Sessions selbst, sondern auch im Rahmenprogramm. Das sogenannte Impromptu-Networking am ersten Tag bot eine hervorragende Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden gezielt Teilnehmende mit unterschiedlicher Berufserfahrung zusammengebracht, um sich über Herausforderungen im OA-Alltag oder den eigenen Weg in den Open-Access-Bereich auszutauschen.
Auch die Kaffeepausen und das freiwillige gemeinsame Abendessen nutzte ich intensiv für Gespräche – insbesondere mit anderen Berufseinsteiger*innen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten wie ich mitbrachten. Dabei wurde mir schnell klar, dass das Barcamp vor allem eines ist: ein Ort der Vernetzung innerhalb der OA-Community. Es ist erstaunlich, wie viele Kontakte, Ideen und mögliche Kooperationen sich innerhalb von nur zwei halben Tagen ergeben können.
Zum rundum positiven Eindruck trug nicht zuletzt die hervorragende Betreuung durch die Kolleg*innen des BIS bei. Egal ob Teilnehmende ihre Jacke suchten oder kurzfristig zusätzliche Pinnwandnadeln benötigt wurden – das Team der Geschäftsstelle war jederzeit ansprechbar und hilfsbereit. Besonders bemerkenswert fand ich zudem das Interesse vieler Bibliotheksmitarbeitender aus dem Haus, die selbst nicht unmittelbar im Open-Access-Bereich tätig sind, sich aber dennoch aktiv für die Veranstaltung interessierten und an einzelnen Sessions teilnahmen. Die Rahmenprogrammpunkte mit Führungen durch die Bibliothek, die Carl von Ossietzky-Ausstellung und das interaktive Learning Lab waren ein Highlight für sich.
Zum Abschluss des Barcamps gab es mit einer Mentimeter-Umfrage noch einmal die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen: wozu man am meisten Neues gelernt hat – häufigste Antwort: ORE – wozu man noch am meisten Fragen hat – Antwort: ebenfalls ORE – und welche kulinarische Spezialität des Caterings am besten geschmeckt hat – Antwort: Pizzasuppe. Da musste ich mir allerdings unweigerlich die Frage stellen, ob das Ergebnis wohl anders ausgefallen wäre, wenn tatsächlich Grünkohltee angeboten worden wäre.
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